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3,10 Euro H12719 15.05.2013 bis 15.09.2013

foyer Das Kulturjournal f체r Bremen und den Nordwesten

100 Bleibt in Bremen: GMD Markus Poschner verl채ngert Vertrag


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inhalt

editorial

................................................. Theater

Wer das vor Ihnen liegende Magazin regelmäßig liest, der wird mir sicher zustimmen: Es ist begrüßenswert, dass der Roland-Verlag mit „foyer“ eine Publikation vorlegt, die sich ausschließlich der Kultur unserer Region widmet. Seit nunmehr 100 Ausgaben ist das Magazin eine hoch geschätzte und verlässliche Informationsquelle über die vielen Projekte und Produktionen im Nordwesten – ganz gleich ob auf der Bühne, im Konzerthaus oder im Museum. Getragen von der Liebe zur Kultur, stets auch die nötige Distanz wahrend, werden hier mit journalistischer Fachkompetenz und Detailkenntnis das künstlerische Potenzial der Akteure und das vorgelegte Ergebnis in Relation zu einander gebracht.

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Dies macht „foyer“ zu einem wichtigen Wegweiser, der kritisch und fair das kulturelle Leben der Region auf den Punkt bringt. Und in jeder Ausgabe wird der Beweis angetreten: Bremen und der Nordwesten verfügen über ein vielfältiges, innovatives und attraktives Kulturangebot. Und so freuen sich nicht nur Kunstinteressierte, sondern auch die Tourismuswirtschaft über die hohe Attraktivität unserer Stadt, zu der die Aktivitäten von Museen, Orchester oder Theater ihren Beitrag leisten. Für mich ist Kultur viel mehr als ein Standortfaktor. Neue Perspektiven aufzuzeigen, den Blick zu weiten und so ästhetische Impulse für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft zu bieten – das sind für mich zentrale Aufgaben von Kultur. So prägen künstlerische Projekte die Identität unserer Region entscheidend mit. Diese Vielfalt zu schützen, ist mir ein besonderes Anliegen – gerade in Zeiten knapper Kassen, denn künstlerische Angebote werden von den Menschen als ein wichtiges Element ihrer Lebensqualität in einem Gemeinwesen begriffen. 100 Mal hat „foyer“ der Kultur nun schon ein besonderes Forum geboten. Zum Jubiläum gratuliere ich sehr herzlich und freue mich auf die nächsten 100 Ausgaben. Herzlichst, Ihr

Bürgermeister Jens Böhrnsen, Präsident des Senats und Senator für Kultur

100. foyer-AUSGABe: Die schönsten Titelbilder fAZIT Die erste Spielzeit Börgerding MIT AUGeNMASS Bremer Spielplan 2013/14 2013/14 AUfSTAND „Die Räuber“ am Goetheplatz feSTIVAL Mahagonny liegt im Ostertor oDySSee Festival „Klima“ in Bremerhaven KULTUrKAMPf Neue Vanaev-Choreografie SCHAUSPIeLrÄTSeL SPIeLorT STADT Spielplan Bremerhaven VoLLeS PfUND Die letzte Müller-Saison PArforCerITT Strawinsky-Oper in Oldenburg GANGSTerSTÜCK Brecht-Parabel „Arturo Ui“ erfoLGSSPUr Saisonplanung in Osnabrück oPerNPreMIereN im Nordwesten SCHAUSPIeLPreMIereN in der Region SZeNe Neues von Bühnen der Region KoLUMNe DA CAPo! Sänger-Treue MeNSCHeN IM foyer 100. foyer-AUSGABe: Dank an Inserenten

................................................. Musik 36 38 40 44 46 48 48 50 51 54

foyer

im Internet lesen Ganz bequem, wann immer Sie möchten unter

foyer-kulturjournal.de

NeUe WeGe 17. Oldenburger Promenade KULTUrSTADT WILHeLMSHAVeN KULTUrSoMMer in der Region BreMer PHILHArMoNIKer Neue Freunde KIrCHeNMUSIK Saus und Braus KoNZerTTIPPS oPerNrÄTSeL JAZZTIPPS MUSIKfeST BreMeN Treffpunkt der Stars roLLeNSPIeL

................................................. Kunst 56 58 60 62 63 63 64 66 67 68 70

SPArKASSe KULTUr SCHAffeND KABooM! Weserburg zeigt Comic-Kunst MyTHoS WoLS Retrospektive in der Kunsthalle LeHrPfAD „Worpsweder“ im direkten Vergleich AUfBrUCH Frauen erobern die Kunst um 1900 KUNSTrÄTSeL KUNSTWerKe Neues aus Museen und Galerien SeHNSUCHT Radziwill-Ausstellung in Dangast AUf reISeN Oldenburg zeigt Dessauer Altmeister LITerATUr Buchbesprechungen KINoTIPPS

................................................. Gesellschaft 70 74 75 76 78 79 88 90

WIrTSCHAfT Griepe lässt Container kreiseln PANorAMA WISSeNSCHAfT KoLUMNe NACHGeDACHT Ampel-Bosheiten KULTUr forUM Kurz notierte Neuigkeiten KULTUrKALeNDer Premierendaten KULINArISCHeS Fern- und Heimweh im „alto“ 100. foyer-AUSGABe: Autoren im Kurzporträt foyer-AUToreN | IMPreSSUM


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100. Ausgabe Unsere schönsten Titel

100. Ausgabe von foyer 20 Jahre Kultur

Vor 20 Jahren, am 15. September 1993, brachte der Roland-Verlag die erste Ausgabe von foyer heraus. Ein Magazin für und über Kultur in Bremen und dem Nordwesten, dessen Themen-

spektrum von Theater und Musik bis zu Ausstellungen und Literatur gespannt ist und seither fünfmal im Jahr erscheint. 5 x 20 – das macht 100, weshalb mit diesem Heft die Jubiläumsausgabe vorliegt. Grund genug, um an dieser Stelle an die schönsten Titelbilder zu erinnern und prominente Kulturschaffen-

de aus der Region zu fragen, was sie an foyer besonders schätzen oder weniger mögen. Den Anfang macht der frühere KunsthallenDirektor Prof. Herzogenrath, weitere Kommentare sind auf den nachfolgenden Seiten zu lesen.

Viel Spaß dabei!


100. AUSGABe Unsere schönsten Titel 5 foyer

Spartenübergreifend zu informieren, lebendig die Kunstund Kulturszene darzustellen und alles auch noch im Vorgriff einige Wochen im voraus – Gratulation! Zumeist ist es Ihnen lebendig gelungen und damit sind Sie ein wichtiger Teil der Kultur im Nordwesten selbst geworden, auch dank der kompetenten Journalisten und Kollegen, die oft und gern bei Ihnen zu Wort kamen. Ad multos annos! Prof. Dr. Wulf Herzogenrath Ehem. Direktor der Kunsthalle Bremen

Das Kulturjournal für Bremen und den Nordwesten

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3,10 Euro H12719

foyer

15.03.2009 bis 15.05.2009

15.01.2007 bis 15.03.2007

3,10 Euro H12719

Polaroid Portrait by Jim McHugh, Getty Museum, Los Angeles

foyer Das Kulturjournal für Bremen und den Nordwesten

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THeATer BreMeN Rückblick auf die Spielzeit 2012/13

Steinig und Schwer

S

oviel gleich vorweg: Die Marke von 165.000 Besuchern, aufgestellt vor Beginn der Spielzeit 2012/13, ist am Goetheplatz glatt verfehlt worden. Er rechne mit 25.000 Zuschauern weniger, räumte Michael Helmbold, kaufmännischer Geschäftsführer des Bremer Theaters, Mitte April ein. Eine Nachricht, die angesichts mehrerer, vom Publikum nur mäßig goutierter Inszenierungen kaum verwundert. Lässt sich nun daraus folgern, dass Michael Börgerding, seit einem Jahr Generalintendant des Hauses, einen Fehlstart hingelegt hat?

Die erste Spielzeit von Michael Börgerding am Theater Bremen: Erfolge, Fehler, Einsichten Text: Peter Schulz

Fakt ist: Was die neue Crew am Goetheplatz in ihrer ersten Saison abgeliefert hat, entsprach dem angestrebten, auch politisch gewollten und durch die Wahl des „Hübner-Pfeils“ symbolisch dargestellten „Aufbruch“. Das Theater Bremen hat sich im wahrsten Wortsinn auf den Weg gemacht und beschreitet dabei neue, für manche Besucher ungewohnte Pfade. Dass dieser Weg, um mit Xavier Naidoo zu sprechen, „kein leichter“ werden würde, sondern vielmehr „steinig und schwer“, war abzusehen. Und dass Börgerding – um noch einmal Naidoo zu zitieren – „nicht mit vielen einig“ sein würde, liess sich bereits mit einem Blick auf sein erstes Spielzeit-Programm ablesen.

Der bloße Blick auf die Statistik taugt als Beweis für diese Behauptung wenig. Zwar brach insbesondere das „Stamm-Publikum“ Der Intendant hat viel gewagt mit diesem in gesetzterem Alter nicht gerade in Jubelrufe aus, als etwa Herbert Fritsch die Offen- Spielplan. Vieles ist ihm dabei gelungen, Beispiele dafür gibt es genug. Die bemerbach-Operette „Die Banditen“ durch den Fleischwolf des Regie-Theaters drehte. Auch kenswerte Mahagonny-Inszenierung etwa, der Stil der neu besetzten TanzSparte löste so manche Enttäu- „Börgerding ist die richtige Besetzung, schung aus, unterscheidet er ich stehe zu seiner Arbeit“ sich doch grundlegend von den die bundesweites Interesse ausgelöst hat. beliebten Arbeiten, mit denen Urs Dietrich einst zu glänzen wusste. Ähnliche Abwehr- Oder im Schauspiel die vergnügliche „Affäre in der Rue de Lourcine“ und der schlüssige Reaktionen forderten die Mahler-Interpretation des unbestreitbaren Regie-Talents Be- „Woyzeck“ des Regisseurs Klaus Schumanedikt von Peter sowie die eine oder andere cher. Oder die stets Gesprächsstoff liefernSchauspiel-Inszenierung heraus. Aber reicht den Arbeiten im Tanztheater und im Moks. Doch Börgerding hat auch Fehler gemacht. das alles für den Begriff „Fehlstart“?

Fehler, die er längst freimütig einräumt. Die Saison mit einer Kinderoper zu beginnen, die erste „richtige“ Musiktheater-Produktion (Der Freischütz) erst im März zu präsentieren, dazu die wenig ansprechende, weil verquast wirkende Auswahl der Stücke im Schauspiel – diese und andere Entscheidungen lieferten Anlass zur Kritik. Und sie führten vielleicht auch dazu, dass bestimmte Zuschauergruppen einen Bogen um den Goetheplatz gemacht haben. Andere, jüngere dürften jedoch gekommen sein, zumal Börgerding mit Publikumsgesprächen, Diskussionsrunden und – warum hat es das eigentlich nicht schon früher gegeben? – dem Angebot „Statt Theater Disco“ direkt auf sie zugegangen ist. Eben diesem Publikum aber gehört die Zukunft. Auch deshalb löst das angezeigte Besucherminus bei Carmen Emigholz kein Unbehagen aus. „Börgerding ist die richtige Besetzung, ich stehe zu seiner Arbeit“, versichert die zuständige Staatsrätin für Kultur und Aufsichtsratsvorsitzende des Theater Bremen, zumal Börgerding aus der ersten Spielzeit folgerichtig Schlüsse gezogen habe. Schließlich soll öffentlich gefördertes Theater, so die Staatsrätin, „ästhetische Positionen formulieren, Debatten anregen und sich nicht nur am Mainstream orientieren.“ Börgerding entspreche diesem Ansatz und entwickle eine neue, mit einer künstlerischen Stilveränderung ein-


THEATER BREMEN Rückblick auf die Spielzeit 2012/13 7 foyer

hergehende Formsprache, die eine wahrnehmbare Handschrift trage. Für ihn und die Belegschaft hätte sie es zwar gefreut, wenn ein rundum furioser Start gelungen wäre. „Das größte Verdienst ist jedoch schon jetzt, dass die öffentliche Aufmerksamkeit wieder der Kunst und nicht bedrückenden Finanzdebatten gilt“, so Staatsrätin Emigholz, die mit Verweis auf den deutlich anders strukturierten Spielplan 2013/2014 (siehe nachfolgende Seite) hofft, dass die Bremerinnen und Bremer diese Leistung zu schätzen wissen. Hoffen wir also mit ihr und erinnern uns an die Hübner-Jahre zwischen 1962 und 1973, die vom hiesigen Theaterpublikum beileibe nicht einhellig bejubelt worden sind. Der verehrte Kollege Simon Neubauer, ungemein sachkundiger Kenner der Szene, beschrieb diese Ära in foyer 94 (S. 23) so: „Wie immer, wenn sich ungewohnt Neues offenbart, spaltet sich das Publikum. Dem Jubel der Begeisterten standen die nicht minder laut explodierenden Protestler gegenüber, die schon gar Kulturbolschewismus zu erkennen glaubten.“ Die Hübner-Intendanz und der von ihm entwickelte „Bremer Stil“ werden heute als die vielleicht fruchtbarsten Theater-Jahre im Nachkriegs-Deutschland gefeiert. Soviel nur zum Abschluss.

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THEATER BREMEN Spielplan 2013/14

Aufbruch mit AugenmaSS W

ir haben verstanden. Autobauer, Ölkonzerne, Versicherungen, Fußballtrainer, nicht zuletzt Politiker beteuern es gegenüber dem Publikum, wenn sie Fehlentscheidungen korrigieren oder Flops kaschieren möchten. Hat auch das Bremer Theater verstanden? Die Präsentation des Spielplans 2013/14 legt diesen Schluss nahe. Wagners „Fliegender Holländer“, zwei „große“ italienische Opern, ein Musical, im Schauspiel unter anderem Tschechows „Kirschgarten“, dazu spannende Projekte wie „Die Bremer Straßenoper“ oder „Faust I-III“ – das liest sich deutlich einladender als im Vorjahr. Wir haben verstanden – Michael Börgerding bringt es zwar nicht auf diesen griffigen Nenner. Gleichwohl fällt sein Bekenntnis vor dem Hintergrund seiner ersten, mit dem Motto „Auf bruch!“ versehenen Saison deutlich aus. „Der kommende Spielplan ist zum einen ein deutliches Fortschreiten des begonnenen künstlerischen Weges, zum anderen reagiert er natürlich auf unsere Erfahrungen in dieser Spielzeit und auf Begegnungen mit unserem Publikum und mit dieser Stadt“, erklärte er bei der Vorstellung der vorgesehenen Aktivitäten am Goetheplatz. Wir haben also verstanden. Die zitierten „Erfahrungen“ (siehe den Beitrag auf der vorigen Seite) dürften entscheidend dazu beigetragen haben. Sicher auch der finanzielle Druck angesichts des erwarteten finanziellen Defizits von rund 400.000 Euro. Zudem beruft sich auch Börgerding auf die alte Theater-Weisheit, ein neuer Intendant benötige stets zwei, drei Jahre, um „anzukommen“, womit er de facto eine Art Ver-

längerung der eigenen „Probezeit“ begrün- September). GMD Markus Poschner überdet. Okay, das haben auch wir verstanden. nimmt die musikalische Leitung. Auf dieser Faktenlage basiert nun ein Pro- Zwei Monate später schließt sich die Reminiszenz an den zweiten Komponisten mit gramm, das „Lust macht auf die nächsrundem, sprich: 200. Geburtstag, in 2013 te Spielzeit.“ So jedenfalls beurteilt Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz, zugleich Aufsichtsratsvorsitzende des Theaters, die vorgesehene Mischung aus 32 Premieren und 22 Wiederaufnahmen. Eine Meinung, der sich auch wenig experimentierfreudige Theatergänger anschließen können. Denn was auf den nach wie vor schäbig wirkenden „fliegenden Blättern“ des Spielzeitheftes (hier hat man überhaupt noch nichts verstanden!) angekündigt wird, liest sich wie eine herzliche Einladung an alle Altersgruppen, das Haus zu besuchen. Vor der offiziellen Eröffnung der Spielzeit steht zunächst ein Rückblick: 1913 ist das Theater am Goetheplatz als Schauspielhaus eröffnet worden, was am 31. August mit einem „Tag der offenen Tür“ und einem bunten Programm gefeiert werden soll. So richtig los geht es dann am 6. September im Kleinen Haus mit der Premiere der „Bremer Straßenoper“, an deren Umsetzung die argentinische Theatermacherin Lola Arias bereits den gesamten Sommer über arbeiten wird. Ein Stück über und mit Menschen, die mehr oder weniger auf der Straße leben. Die erste „richtige“ Oper der Spielzeit folgt ein paar Tage später: Richard Wagners „Fliegender Holländer“ wird von Sebastian Baumgarten inszeniert, der hier zuletzt den „Freischütz“ auf höchst interessante Weise interpretiert hat und damit seine Auseinandersetzung mit der „deutschen Oper“ schlechthin fortsetzt (Premiere: 15.

Ich freue mich immer wieder sehr, mit foyer ein schön gemachtes und schön gedrucktes Heft in der Hand halten zu können. Dass es das ist, verdankt es natürlich seiner Herausgeberin, seinem Chefredakteur und deren Mannbzw. Frauschaft, das heißt vielen unterschiedlichen Köpfen und Herzen, die über uns schreiben und bitte weiter schreiben sollen – kritisch und liebevoll, einfach und kompliziert. Prof. Michael Börgerding Intendant Theater Bremen an: Hausregisseur Benedikt von Peter präsentiert eine überarbeitete Fassung seiner in Hannover gefeierten „La Traviata“ von Giuseppe Verdi (24. November). Die Hauptpartie wird die wunderbare Patricia Andress übernehmen, Clemens Heil soll dirigieren. Die zweite Arbeit dieser Saison legt der „Faust“-


THEATER BREMEN Spielplan 2013/14

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Premieren 2013/14 Musiktheater

Populär und (ein bisschen) revolutionär: Das Bremer Theater stellt Spielplan für 2013/14 vor Text: Peter Schulz

Richard Wagner Der fliegende Holländer 15. Sept. 2013 Antonio Vivaldi Orlando furioso 12. Okt. 2013 Giuseppe Verdi La Traviata 24. Nov. 2013 Giacomo Puccini La Bohème 26. Jan. 2014 Bohuslav Martinu Juliette 29. März 2014 Christiane Pohle u.a. Last Night of the Proms 1. Juni 2014 Galt MacDermot HAIR 27. Juni 2014

Schauspiel

Preisträger von Peter, dessen erfolgreiche „Mahagonny“-Inszenierung wieder aufgenommen wird, dann mit Giacomo Puccinis „La Bohème“ vor (Premiere 26. Januar 2014).

her überzeugt, deren Stück „Unschuld“ Alexander Riemenschneider in Szene setzen wird. Zu den weiteren Höhepunkten der Spielzeit dürfte die erneute Uraufführung eines Textes von Elfriede Jelinek gehören. Auf „Aber sicher!“ folgt „Tod-krank. doc“, was todsicher das Interesse des überregionalen Feuilletons auslösen wird.

Nach Antonio Vivaldis barocker Oper „Orlando furioso“ und der selten gespielten „Juliette“ von Bohuslav Martinu mit Nadja Stefanoff in der Titelpartie beschließt das Musiktheater mit zwei „Krachern“ die Sai- Als weitere Uraufführung steht die Bühnenadaption von Oskar Roehlers Familison. Zunächst erwartet die Besucher ein en- und Geschichtsszenischmusika- ... was todsicher das Interesse des über- roman „Herkunft“ auf dem Programm. lisches regionalen Feuilletons auslösen wird. Dušan David ParíProjekt, das sich an den berühmten englischen Pro- zek aus Prag stellt sich in Bremen mit seiner Sicht auf die „Zehn Gebote“ nach den menadenkonzerten orientiert. ChristiaFilmen von Krzysztof Kieslowski vor. Für ne Pohle stellt bei ihrer „Last Night of the Proms“ Werke von Elgar, Britten und ande- volle Kassen soll das adventliche Familiren, nicht nur in Großbritannien populären enmärchen „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren sorgen, für überregionaKomponisten in den Mittelpunkt. le Aufmerksamkeit das Projekt „Faust I-III“ des Hausregisseurs Felix Rothenhäusler. Und schließlich – jawohl! – ein Musical: Ausgewählt wurde der Klassiker „Hair“, der Sein Vorhaben auf der Basis der Werke von Johann Wolfgang von Goethe und Elfriede am Goetheplatz als Zusammenspiel der Jelinek sprenge, so heißt es, die „gewöhnBremer Philharmoniker, des Opernchors, der Tanztruppe von Samir Akika sowie des lichen Probenzeiträume“, weshalb zum Opern- und Schauspielensembles zum Hit Ende dieser Spielzeit lediglich ein „erster werden soll. Daniel Mayr, Chordirektor und Arbeitsstand“ präsentiert werden könne. Kapellmeister, wird dirigieren, mit Robert In der Tanzsparte wollen Samir Akika und Lehniger stellt sich ein weiterer Regisseur neu in Bremen vor. Man darf gespannt sein. sein Team „Unusual Symptoms“ ihre Arbeit mit erzählenden Abenden fortsetzen und zwei neue Choreografien vorstellen. Das Schauspiel stellt seine Produktionen Auch Monika Gintersdorfer und Knut Klaerneut nicht nur im Kleinen Haus, sonßen werden zwei neue Produktionen zeidern auch im Goetheplatztheater vor. So gen. Und im Moks gibt es einmal mehr ein zum Beispiel den „Kirschgarten“ von AnStück des holländischen Autoren und Reton Tschechow, den Alize Zandwijk aus Rotterdam im Dezember inszenieren wird. gisseurs Theo Fransz zu sehen, der dem Sie hatte im vergangenen Jahr mit „Das Le- Theater seit einigen Jahren sehr verbunden ist. Titel: „Fantastisch“. ben auf der Praca Roosevelt“ von Dea Lo-

Lola Arias Die Bremer Straßenoper 6. Sept. 2013 Leif Randt Schimmernder Dunst über Cobycounty 13. Sept. 2013 Dea Loher Unschuld 28. Sept. 2013 Leonard Cohen-Liederabend I‘m your Man 10. Okt. 2013 Astrid Lindgren Die Brüder Löwenherz 10. Nov, 2013 Elfriede Jelinek Tod-Krank.doc (UA) 29. Nov. 2013 Anton Tschechow Der Kirschgarten 12. Dez. 2013 Oskar Roehler Herkunft (UA) 7. Febr. 2014 nach Hans Fallada Kleiner Mann – was nun? 27. Febr. 2014 Alexander Giesche Lost 12. April 2014 Krzysztof Kieslowski Die zehn Gebote 3. Mai 2014 Anna-Sophie Mahler Der Blick der Tosca 4. Mai 2014 nach Friedrich Schiller Maria Stuart 28. Juni 2014

Tanz/Performance Samir Akika/Unusual Symptoms Ein neues Stück 7. Nov. 2013 Gintersdorfer/Klaßen Mobutu choreografiert 14. Dez. 2013 Samir Akika/Unusual Symptoms Noch ein neues Stück 1. März 2014 Gintersdorfer/Klaßen John Pololo 13. März 2014 Samir Akika/Unusual Symptoms Symptom Tanz 25. April 2014 Gintersdorfer/Klaßen La Bremencité Juli 2014

Moks Theo Fransz Fantastisch (Arbeitstitel/UA) 21. Sept. 2013 Steinhöfel/Loewe Rico, Oskar und die Tieferschatten 23. Nov. 2013 nach Janne Teller Nichts, was im Leben wichtig ist 14. Febr. 2014 Konradin Kunze Weißes Papier (Arbeitstitel/UA) 26. April 2014

Junges Theater Dario Köster Wir sind diejenigen (Arbeitstitel) 5. Sept. 2013 Gernot Grunewald Kindersoldaten (Arbeitstitel) 27. April 2014 Projekt homezone Juni 2014


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THeATer BreMeN Die Räuber

aufStand gegen alleS

Hausregisseur Felix Rothenhäusler inszeniert Schillers „Räuber“ am Bremer Goetheplatz Text: Sven Garbade Theater Bremen 2010: Die Räuber

N

ackt und armselig setzt die Natur uns ans Ufer dieses großen Ozeans Welt. – So spricht der berühmteste Schurke des deutschsprachigen Dramas, um dann zu einem Wassersport à la Machiavelli einzuladen: „Schwimme, wer schwimmen kann, und wer zu plump ist, gehe unter!“ Mit solchem Sportsgeist fährt ein gewisser Franz Moor die krummen Ellenbogen aus. In Friedrich Schillers immer wieder gerne nachgespieltem Kampfstück „Die Räuber“ übernimmt er damit die Rolle des Bösewichtes, doch es könnte auch anders sein. Denn wer rudert hier eigentlich gegen wen? Es scheint, als drehe sich dieses Stück nicht einzig um Freiheit, sondern vor allem auch um Konkurrenz. Als ein Feind jeder Vergemütlichung wies sich der stürmende und drängende Schiller in jedem Fall aus, als er mit diesem Debüt im Jahr 1782 die Mannheimer Bühnenbretter erschütterte. Eine bis dato nicht erlebte Melange aus Hysterie, Ergriffenheit und Begeisterung habe die Uraufführung sogar an den Rand des Spielabbruchs geführt, behaupteten zumindest Zeitzeugen. Am Bremer Theater wird man sich nun erneut mit der Sprengkraft dieses legendären

Stücks auseinandersetzen. Seit der Inszenierung von Peter Zadek (1966) wird das Werk ja in besonderem Maße mit Bremens großer Bühne am Goetheplatz assoziiert. Vor zwei Jahren hatte zuletzt der Regisseur

foyer ist nie eine publizistische Einrichtung der Avantgarde gewesen. Das Heft, mit viel Liebe und Umsicht redaktionell und editorisch betreut, produziert vielmehr eine familiäre Stimmung für das Theater in Nordwestdeutschland. Und das ist überlebenswichtig für die gesamte Theaterlandschaft. Mit jeder Ausgabe freue ich mich über die Bilder und Texte aus der alten Heimat. foyer ist immer ein Geschenk für den Musenfreund. Prof. Dr. Klaus Pierwoß 1994-2007 Generalintendant des Bremer Theaters

Volker Lösch einen weiteren, viel beachteten Anlauf unternommen, aus der Vorlage eine Fassung zu entwickeln, welche auf aktuelle Störungen des sozialen Gleichgewichts hinwies. Nun macht sich das Bremer Schauspiel mit einer Inszenierung des Hausregisseurs Felix Rothenhäusler daran, die Geschichte von der revolutionären Wald- und Wiesentruppe neu zu erzählen. Größere Umformungen am Grundgerüst des Stückes stellt Rothenhäusler dabei allerdings nicht in Aussicht. „Wir nehmen das Stück sehr ernst, auch in seiner Fremdheit“, sagt er. Vor allem solle hinterfragt werden, was es mit Schillers Pathos auf sich haben könnte und mit welchen ästhetischen Überhöhungen man dieses umsetzen könnte. „Unterm Strich zähl’ ich“, dichtet heute die Werbung. Bei Schillers Räubern wird die Ego-Gesellschaft mit teilweise philosophischer Rhetorik, dann wieder mit konkreter Gewalt ausprobiert. Regisseur Rothenhäusler plant, für seine Inszenierung einen Schwerpunkt auf das Motiv der Konkurrenz zu legen. Nicht nur Franz und Karl ringen ja um das väterliche Erbe, sondern auch Karl und Spiegelberg rivalisieren um die Führung dieser seltsamen Räuberbande. Deren Charakter schwankt zudem zwi-


THEATER BREMEN Die Räuber 11 foyer

schen einem schöngeistigen Debattierclub und einer paramilitärischen Revolutionsgarde. Bei aller Konkurrenz zwischen den geistigen Strömungen ist ein Ziel von Beginn an klar avisiert: der Aufstand gegen alles, was unter dem Sammelbegriff von den herrschenden Verhältnissen aufgefasst werden könnte.

dazu Shakespeares Wildheit, die alle betulichen Manieren des französisch-klassischen Theaters hinweg fegte. Und auch die Bereitschaft, die Prinzipien der Machtausübung genau so ernst zu nehmen, wie es der italienische Regierungsberater Niccolò Machiavelli gewagt hatte, all das hat scharfe Ätzspuren in Schillers rhetorischer Balance hinterlassen.

heit sei ein extremes Experiment gewesen, das Schiller hier unternahm.

Am besten wäre es, sagt Rothenhäusler, man werfe die Figuren in einen riesigen schwarzen Unendlichkeitsraum, um diese Sehnsucht bildlich zu fassen. Eine Welt ohne Verbindlichkeiten. Da könnte dann plötzlich auch eine bunte, musizierenSchillers Waffen sind natürlich Worte. Imde Parade wie aus Disneyland vorbeimarmer wieder klettern seine Figuren in ge„Diese Figuren sind Konstruktionen“, sagt schieren. Was dann wiederum ein Hinweis waltige Wortgebirge, ähnlich einer Oper Felix Rothenhäusler, „alles in dem Stück auf einen unterhaltsamen und originellen mutet dieser Wille zum großen Ausdruck verkehrt sich ins Monströse.“ Schillers Lei- Theaterabend wäre. an. Schiller betrieb zudem eine Form der densdruck auf der Militärakademie habe Intertextualität, die textlich eifrig eingein ihm diese enorme Energie freigesetzt. Premiere 1. Juni, 19.30 Uhr, Theater am meindete, was seine Zeit ihm an Material Der utopische Wunsch, eine irgendwie ge- Goetheplatz. Weitere Vorstellungen: 5., 8., anbot. Die von Natur schwärmende Gesell- artete andere Welt anzustreben, rühre da- 12. und 21. Juni. schaftskritik eines Jean-Jacques Rousseau, her. Auch das Gefühl einer völligen Frei-

Summerfeeling!

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THEATER bremen Mahagonny-Festival

Mahagonny liegt im Ostertor

Benedikt von Peter

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ie MacherInnen des sechstägigen Mahagonny-Festivals, das vom 25. bis 30. Juni die Spielzeit des Theater Bremen beenden wird, wissen einerseits schon alles, andererseits noch gar nichts. Der Ehrgeiz des Theater Bremen, Neues zu erfinden und auch in die Tat umzusetzen, scheint keine Grenzen zu kennen. Eine knappe Woche lang soll es nun um Bertolt Brechts und Kurt Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ gehen, besser gesagt um die Inhalte, die dieses 1930 geschriebene Werk geöffnet hat. Regisseur Benedikt von Peter hatte für „Mahagonny“ das gesamte Theater umgebaut und es zur Stadt Mahagonny erklärt. Das Festival seinerseits soll nun Antworten geben auf das „Was wird sein?“ und die Dynamik veranschaulichen, nach der das Geld, scheinbar, die Welt regiert. Zum Gespräch mit foyer fanden sich die Co-Kuratorin des Festivals Katinka Deecke, der Berliner Regisseur Christopher Roth sowie der Philosoph Michael Stöppler ein. foyer: Frau Deecke, was hat die Konzeption des Festivals zu tun mit der Regiekonzeption von Benedikt von Peter? Katinka Deecke: Sehr viel, sie geht regelrecht davon aus. Das Theater wird metaphorisch zur Stadt Mahagonny erklärt. Wir wollen Antworten geben auf Fragen, die Brecht und Weill an unsere Gegenwart stellen. Am Ende der „Mahagonny“-

Inszenierung werden weiße Plakate in den Zuschauerraum mit der Aufforderung an die Besucher gereicht, ihre eigene (Zukunfts-)Vision zu notieren. Dieses weiße Blatt Papier haben wir als Ausgangspunkt des Festivals gewählt.

Gott sei Dank gibt es dieses herrliche Heft. Und damit viel Platz für die Kunst in Bremen und umzu! Ich erinnere mich an eine Menge interessanter Artikel, die mir über die Jahre beim Lesen von foyer ins Auge fielen. So auch an die Doppelseite, in der zwei Rezensenten ihre völlig unterschiedliche Sicht auf ein und dieselbe aktuelle Theaterproduktion darlegen konnten – absolut meine Lieblingsrubrik. Dieses Pro&Contra beschreibt annähernd den großen Raum, den wir jedesmal durchschreiten müssen, wenn wir mehr über die Wahrheit erfahren wollen. Das gefällt mir. Ich meine, Foyer gelingt genau das, was irgendjemand einmal so formulierte: „Eine gute Lektüre ist eine Speise, die hungrig macht...“ Ich wünsche also weiterhin: Guten Appetit. Markus Poschner Generalmusikdirektor Theater Bremen/ Bremer Philharmoniker

foyer: Wer ist denn „wir“? Deecke: Neben der Dramaturgie des Theater Bremen sind es vor allem Christopher Roth sowie Michael Stöppler. Außerdem haben wir viele Gäste eingeladen, zum Beispiel die Schauspielerinnen Katja Riemann und Julia Hummer, die Musiker Terranova und Peter Licht, die Autoren und Wissenschaftler Dr. Manfred Osten und Moritz von Uslar sowie eine Reihe weiterer Kollaborateure. foyer: In der Ankündigung ist von vielen Genres die Rede, es wird gedeutet, gelesen, gespielt, getanzt; Essen, Schlafen, Trinken sind auch dabei. Was meint das genau? Deecke: Das Theater wird während dieser sechs Tage rund um die Uhr geöffnet sein. Im Ballettsaal sind Feldbetten zum Übernachten aufgestellt, es gibt etwas zu essen, man kann duschen, eigentlich kann man hier für die Tage richtig einziehen. Tagsüber gibt es öffentliche Proben, man kann mit den Künstlern sprechen, ihnen beim Arbeiten zuschauen, es wird kleine Installationen geben, Studenten der Theaterakademien Hamburg und Frankfurt werden hier arbeiten, ein Bienenschwarm ist zu besuchen,


THeATer BreMeN Mahagonny-Festival

Theater am Goetheplatz wird beim sechstägigen Festival zum offenen Haus Text: Ute Schalz-Laurenze

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“

man kann an einem Trainingscamp teilnehmen, um sich auf das Zeitalter vorzubereiten, wenn der Mensch verschwunden sein wird, und noch einiges mehr. f foyer: Christopher Roth wird zwei Tage gestalten. Herr Roth, warum haben Sie zur Anfrage für dieses Projekt ja gesagt? Roth: Ich sag eigentlich immer erst mal Ja, weil ich Angst habe, etwas zu verpassen. Wenn dann Probleme und Beschränkungen auftauchen, versuche ich, sie in einen Vorteil umzumünzen. Brecht finde ich heute einen Nachteil. Zu behaupten, die Krise 1929 sei die Krise 2012, ist zu simpel. Mahagonny ist eben genau nicht Griechenland, andere Wirklichkeiten brauchen andere Spekulationen. Michael Stöppler: Wir haben viel über die Fiktion in unserem Alltag nachgedacht. Jede Aktie ist ja eine Spekulation auf die Zukunft, gewissermaßen also eine Fiktion. Wir sind mit diesem Festival auf der Suche nach dem Schnitt zwischen Fiktion und Verantwortung. Wenn wir auf dem Festival Geld bezahlen für Leistung, erfahren wir, wo Grenzen verlaufen und welche Dynamiken da im Spiel sind. foyer: Auf welche aktuellen Philosophien oder Gesellschaftstheorien berufen Sie sich denn? Stöppler: Paul Krugmann zum Beispiel mit seiner preisgekrönten Volkswirtschaftslehre, die den freien Markt vertritt, dem Staat

dabei aber erlaubt, Fehlentwicklungen zu verhindern. Oder Daniel Kahnemann, der unser Wissen über das Zusammenspiel von Risiko und Rationalität extrem erweitert hat. foyer: Geht es auch um Kapitalismuskritik? Stöppler: Nein. So formuliert wäre das viel zu simpel. Natürlich wird aber jeder Versuch über die Zukunft auch um Kapitalismus kreisen. foyer: Kann/soll die Achse Theorie/Praxis während des Festivals geschlossen werden oder ist das eher alternativ zu verstehen? Deecke: Wir arbeiten natürlich an der Verschränkung von Theorie und Praxis, nicht nur bei diesem Festival, sondern schon die ganze Spielzeit über, das ist uns ein wichtiges Anliegen. foyer: Es kennzeichnet ja die MahagonnyAufführung von Benedikt von Peter, dass das Publikum ein Teil von ihr ist. Gibt es im Festival Veranstaltungen, deren „Erfolg“ vom Publikum abhängt? Deecke: Ja klar, ganz besonders sogar. Wir verstehen das Theater als einen öffentlichen Ort, der ein Forum für Austausch und Diskussion bietet. Theater lebt ja davon, dass man sich hier gerne aufhält, ins Gespräch kommt, über die Aufführungen redet, aber auch darüber hinaus miteinander in einen Dialog tritt.

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THeATer BreMerHAVeN Festival „Odyssee: Klima“

Begegnungen zwischen Wissenschaft und Kunst beim Theaterfestival „Odyssee: Klima“ in Bremerhaven Text: Karin Hiller

auf augenhöhe K

limawandel, Erderwärmung, Extremwetterereignisse – Schlagworte, die fast täglich in den Medien präsent sind. Die Diskussion bewegt sich zwischen wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen, Panikmache und Negierung. Wie verändert sich das Klima, was hat das für Auswirkungen und wie müssen wir Menschen uns darauf einstellen? Was können wir tun, um die Erderwärmung zu minimieren? Mit diesen Fragen setzt sich das Theaterfestival „Odyssee: Klima“ auseinander, das im Juni in Bremerhaven stattfindet. Hier hat Dramaturgin Natalie Driemeyer, die das Festival organisiert und koordiniert, direkt vor Ort kompetente Partner für das Projekt

gefunden. Etwa das AlfredWegener-Institut für Polarund Meeresforschung, das Klimahaus und die Initiative Klimastadt Bremerhaven. Auch das Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam und das International Theatre Institute sind dabei.

unterschiedlichen künstlerischen Formen mit dem Thema Klima auseinandersetzen. In einem Hangar des Flughafens Luneort zeigt Sergei Vanaev eine raumgreifende Choreographie, die er mit dem Ballettensemble des Stadttheaters erarbeitet hat. Der Komponist Jens Carstensen lässt mit einer Klanginstallation im Bremerhavener Eiswerk Töne durch die Kälte schwingen. Auch einige Firmengelände sind für Das Festival bringt WisPerformances in den Klima-Parcours senschaftler und Künstler eingebunden. An den Stationen, die durch unterschiedlicher Diseine Geziplinen zusammen, die Das Festival bringt Wissenschaftler schichte sich dem Thema Klima miteiund Künstler unterschiedlicher aus verschiedensten nander Ansatzpunkten nähern. Disziplinen zusammen ... vernetzt Wissenschaft und Kunst sind treffen hier auf Augenhöhe aufeinander, (Text: Nora Mansmann), halten Naturwisbereit, neue Impulse zu erhalten und die senschaftler Kurzvorträge und vertiefen so gewohnte Sicht auf klimarelevante Thedie erlebten Eindrücke. men zu verändern. Begleitet wird das Festival von einem Um das Thema für den Zuschauer zu wissenschaftlichen Diskurs, der zu einem einem sinnlichen, erfassbaren Erlebnis zu gemeinsamen Dialog anregen soll, und eimachen, hat die Performancekünstlerin ner großen Abschluss-Aktion aller KoopeDiana Wesser einen Klima-Parcours entwi- rationspartner am 15. Juni. ckelt. Zu Fuß, mit dem Bus und per Schiff werden die Besuchergruppen an verschie- Klima-Parcours: 7. bis 9. Juni sowie 14. bis dene Orte gebracht, wo die Akteure sich in 16. Juni. Startpunkt: Stadttheater.


THeATer BreMerHAVeN Love and other Demons foyer 15

Kampf der Kulturen Andrej Woron bringt „Love and other Demons“ von Peter Eötvös auf die Bühne Text: Karin Hiller

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art wie eine Kinderspieluhr erklingt eine Celesta, doch schon nach wenigen Takten ergänzen flirrende Flöten und bedrohliche Streicher den Klangteppich. Gleich zu Beginn seiner klanggewaltigen Oper „Love and other Demons“, deren Libretto nach dem gleichnamigen Roman von Gabriel García Márquez entstanden ist, lässt der Ungar Peter Eötvös musikalisch erahnen, dass diese Geschichte nicht gut enden wird.

Obwohl sich keine Krankheitssymptome zeigen, glaubt sie der von Aberglauben und Bigotterie vergiftete Klerus vom Teufel besessen. Sierva wird in ein Kloster gebracht, um dort mit den Praktiken des Exorzismus den Dämon auszutreiben. Doch Pater Delaura, der die Teufelsaustreibung vollziehen soll, verliebt sich in Sierva, was in eine Katastrophe mündet.

„Wir wollen die Intoleranz des Katholizismus an den Pranger stellen“, betont Woron, Andrej Woron, als Regisseur zeitgenössischer „der Exorzismus verändert Siervas Leben, sie weiß zuerst nicht, was da mit ihr pasOpern äußerst erfolgreich, bringt Eötvös’ siert.“ Ihre Unschuld, die unbelastete Art, zweiaktige Oper in Bremerhaven auf die Bühne und verrät sein Konzept: „Die Achse offen auf Menschen zuzugehen, wird in der Inszenierung ist die Auseinandersetzung den düsteren Klostermauern zerstört. „Wir stellen es ähnlich einer Kreuzigung dar.“ zwischen zwei Welten, zwei Religionen.“ Die junge Sierva wächst in einem konservativ-katholischen Elternhaus inmitten einer Kolonialgesellschaft auf und wird von den schwarzen Bediensteten des Hauses großgezogen. Unter deren Einf luss lernt sie den mystischen Glauben der Naturvölker kennen. Dämonen und Voodoo-Riten gehören bald zu ihrem Alltag. „Wir arbeiten mit Masken, geben den Göttern dieser Religion ein Gesicht“, sagt Woron.

Eötvös’ Musik entfaltet sich meist solistisch und kammermusikalisch, nur an wenigen Stellen sind Tutti des Orchesters zu hören. Dem Komponisten geht es um die inneren Seelenzustände der Protagonisten, die er atmosphärisch dicht und mit einer ungeheueren Sogwirkung auf den Zuschauer musikalisch ausformt.

Premiere 1. Juni, 19.30 Uhr, Großes Haus. Musikalische Leitung: Stephan Tetzlaff. Der Kampf der Kulturen beginnt, als Sierva Weitere Vorstellungen: 6., 15., 19. und 28. von einem tollwütigen Hund gebissen wird. Juni.

Schauspielrätsel (SN) Die Situation des um 1900 uraufgeuraufge führten Stückes kann fast mühelos in unun sere Gegenwart übertragen werden. Denn der russische Autor porträtiert eine GesellGesell schaft, die, selbst untüchtig, auf Kosten des Ererbten lebt. Und dieses stattliche Erbe besteht aus einem Gutshof, den ein Areal umgibt, auf dem eine Reihe schöner und gute Früchte tragender Bäume stehen. Doch diese fallen jetzt Stück für Stück, weil ein Emporkömmling das gesamte AnAn wesen gekauft hat und nun dabei ist, dort Sommerhäuschen zu errichten. Auch die Geräusche des Abholzens stören die in amüsantem Müßiggang dahin lebenden Personen des Clans nicht. Vor allem die bisherige Besitzerin, die gerade aus einem längeren Aufenthalt an der Riviera mit ihren Töchtern zurückgekehrte Schauspielerin, nimmt das Geschehen nicht nur arglos hin, sondern veranstaltet ein Fest; freilich wird daraus ein Fest des Abschieds! Die Leute, die nicht gelernt haben, eine Initiative zu ergreifen, bleiben zurück als Menschen einer absterbenden Lebensart. Der Autor nannte dieses, sein letztes Stück eine Komödie. Wie heißt er, wie lautet der Titel des poetischen Schauspiels? Antworten bitte bis zum 15. Juli 2013 an foyer, Roland Verlag GmbH, Schlachte 43, 28195 Bremen. Die Teilnahme ist auch online möglich: www.rolandverlag.de (Publikationen/Foyer) Zu gewinnen sind 5 x 2 Karten für das Bremer Schauspiel. Die Auflösung des Schauspielrätsels in foyer 99 lautet: „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Bert Brecht. Gewonnen haben: Carmen Burmeister, Düsseldorf Annemarie Otten, Bremen Ute Sturat, Osterholz-Scharmbeck Roswitha Torkler, Oldenburg Inge Wittjen, Oldenburg


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THEATER BREMERHAVEN Spielplan 2013/14

Premieren 2013/14 Musiktheater Comden/Green/Brown/Freed Singin’ in the Rain 21. Sept. 2013 Michael Nyman Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte 22. Sept. 2013 Gioacchino Rossini Der Barbier von Sevilla 2. Nov. 2013 Giuseppe Verdi Otello 25. Dez. 2013 Emmerich Kálmán Gräfin Mariza 15. Febr. 2014 Peter Maxwell Davies Kommilitonen! 29. März 2014 Carl Maria von Weber Der Freischütz 10. Mai 2014 Berthold Goldschmidt Der gewaltige Hahnrei 21. Juni 2014

Der Leuchtturm

Ballett Vanaev/Prokofjew Cinderella 19. Okt. 2013 Sergei Vanaev Songs 12. Jan. 2014 Vanaev/Schtschedrin/Strawinsky Carmen-Suite/Le sacre du printemps 12. April 2014

Schauspiel Großes Haus Vinterberg/Rukov Das Fest 28. Sept. 2013 Michael Frayn Der nackte Wahnsinn 9. Nov. 2013 William Shakespeare Richard III. 1. März 2014 Sophokles Elektra 24. Mai 2014

Kleines Haus

Hinaus in die Stadt

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as Theater erobert die Stadt! Und das nicht nur in den Mauern des Hauses am Theodor-Heuss-Platz, sondern nach dem großen Zuschauerzuspruch der vergangenen Spielzeit erneut auch an ungewöhnlichen Außenspielorten. Eine Einladung der Theatermacher an das Publikum, die Stadt aus künstlerischer Perspektive neu zu entdecken.

Sevilla“ gibt es im Musiktheater auch wieder interessante Werke zeitgenössischer Komponisten zu entdecken.

Nach der grandiosen Aufführung von „Der Leuchtturm“ im Deutschen Schiffahrtsmuseum inszeniert Ulrich Mokrusch erneut ein Werk des Briten Peter Maxwell Davies. Die Oper „Kommilitonen!“, 2011 uraufgeführt, beleuchtet die politischen Wege von drei Studentengruppen unterSo ist das Schauspiel „Nipple Jesus“ von schiedlicher Herkunft: den Bürgerrechtler Nick Hornby, in dem sich alles um die und ersten afro-amerikanischen StudenFrage dreht „Ist das Kunst oder kann das weg?“ im Bremerhavener Kunstmuseum zu ten der Universität von Mississippi James sehen. Und auch für die Uraufführung der Meredith, die Geschwister Scholl und ihren Kampf gegen den Nazi-Terror und Bühnenversion von Fatih Akins Kultfilm „Soul Kitchen“ liefert ein Ort irgendwo im chinesische Studenten und ihr Auf begehtiefsten Bremerhaven das passende Milieu. ren gegen die Kulturrevolution.

Franz Kaf ka Die Verwandlung 29. Sept. 2013 Choderlos de Laclos Gefährliche Liebschaften 19. Dez. 2013 Textcollage Feldpost: Ein Frontbericht (UA) 22. Febr. 2014 Arno Geiger Der alte König in seinem Exil 5. April 2014 In Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und institutionellen Kooperationspartnern Außenspielorte in der Stadt wird die vor zwei Jahren erfolgNick Hornby Nipple Jesus 17. Jan. 2014 reich begonnene Reihe der Theaterfestivals Nach Fatih Akin Soul Kitchen (UA) fortgesetzt. „Odyssee: Erinnern“ setzt sich 11. April 2014 mit dem Thema Demenz, Erinnern und Vergessen auseinander. Arno Geigers Stück Festival „Odyssee: Erinnern“ „Der alte König in seinem Exil“ über die Beziehung eines Sohnes zu seinem demenzJunges Theater kranken Vater vertieft die Thematik. Guus Kuijer Wir alle für immer zusammen 26. Sept. 2013 Gestartet wird die neue Spielzeit aber Otfried Preußler Der Räuber Hotzenplotz temperamentvoll und gut gelaunt mit 20. Nov. 2013 dem Musicalerfolg „Singin’ in the Rain“, Günther Breden Die Weiße Rose – lebt unvergessen der Film mit Gene Kellys Januar 2014 genialer Regenschirm-Tanznummer auf Janne Teller Nichts. Was im Leben wichtig der Bordsteinkante. Neben Opernklassikern wie Verdis „Otello“, von Webers „Der ist April 2014 Martin Baltscheit Nur ein Tag 25. Mai 2014 Freischütz“ und Rossinis „Der Barbier von

Mit Michael Nyman ist nach Philip Glass ein weiterer Vertreter der „Minimal Music“ zu hören. Seine Kammeroper trägt den kuriosen Titel „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“. Gespannt sein darf man auch auf die musikalische Tragikkomödie „Der gewaltige Hahnrei“ von Berthold Goldschmidt. Eine skurrile Eifersuchtsgeschichte, die immer noch als Geheimtipp unter den Opernfans gilt. Für GMD Stephan Tetzlaff, der nach 14 Jahren sehr erfolgreicher Arbeit am Stadttheater neue Ziele anstrebt, ist es die letzte Spielzeit in Bremerhaven. Zur Abschiedssaison ist es ihm noch einmal gelungen, seine Geschwister, den international gefragten Violinisten Christian Tetzlaff und die Cellistin Tanja Tetzlaff, für je ein


THeATer BreMerHAVeN Spielplan 2013/14 17 foyer

28. INTERNATIONALES MUSIKFESTIVAL

9. JUNI – 14. JULI 2013

Konzert zu verpflichten. Der Nachfolger des GMD ist bereits gefunden: Marc Niemann, zur Zeit noch 1. Kapellmeister am Staatstheater Cottbus (siehe Seite 54). Vor genau 100 Jahren wurde am Théatre des Champs-Élysées in Paris Strawinskys „Le sacre du printemps“ uraufgeführt. Sergei Vanaev, verlässlicher Garant für ein volles Haus, bringt zum Jubiläum seine eigene Version des damals skandalumwitterten Balletts. Im Doppelpack mit Rodion Schtschedrins „Carmen-Suite“ kann man einen packenden, aufwühlenden Abend

Das Foyer ist im Theater der Raum, in dem das Publikum sich auf die Vorstellung vorbereitet sowie in der Pause und nach dem Theaterabend das Gesehene diskutiert. foyer ist somit auch der passende Name für ein Kulturjournal, das ausführlich und gründlich die vielfältige Kulturlandschaft im Nordwesten Deutschlands abbildet und mit kritischem Blick künstlerische Arbeit für den Leser einordnet. Ich gratuliere zu der großartigen Arbeit der letzten Jahre und wünsche alles Gute für die Zukunft. Ulrich Mokrusch Intendant Stadttheater Bremerhaven

erwarten. Märchenhaft wird es mit „Cinderella“, der unsterblichen Geschichte um das arme Aschenbrödel. Vanaev choreographiert zur Originalmusik von Sergej Prokofjew. Mit dem Tanzabend „Songs“ lädt der Ballettchef zu einer musikalischen und getanzten Reise durch die Jahrhunderte ein, von Purcell bis hin zu Rock und Pop. Das Schauspiel beginnt mit der Bühnenadaption des Films „Das Fest“ von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov. Neben bekannten Werken wie Shakespeares Königsdrama „Richard III.“, Kafkas grotesker Parabel „Die Verwandlung“ und dem Intrigenspiel „Gefährliche Liebschaften“ nach de Laclos’ berühmtem Briefroman steht auch eine Uraufführung auf dem Programm: die Textcollage „Feldpost: Ein Frontbericht“ ruft uns an Hand von Briefen und Berichten die Schrecken und das Leid aus hundert Jahren Krieg in Erinnerung. Doch es darf auch gelacht werden: „Der nackte Wahnsinn“ heißt die Komödie von Michael Frayn, die urkomisch und mit einem liebevollen Blick auf Details den Wahnsinn eines Theaterbetriebs unter die Lupe nimmt. Zum Ende der Saison kommt mit Sophokles’ „Elektra“ ein Drama antiken Ausmaßes um Rache und Vergeltung auf die Bühne. Thomas Oliver Niehaus, dessen beeindruckende Inszenierung des „König Ödipus“ noch in bester Erinnerung ist, führt wieder Regie. Nicht zu vergessen das Junge Theater JUP! im Pferdestall. Hier wird für Kinder und Jugendliche ein unterhaltsames, anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das die alltäglichen Sorgen und Nöte der heranwachsenden Generation in den Mittelpunkt stellt.

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David Garrett

Diana Damrau

Hélène Grimaud

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Cecilia Bartoli

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Intendant Mokrusch setzt erfolgreichen Weg zu Außenspielorten auch in der Saison 2013/14 fort Text: Karin Hiller

Aus dem Festivalprogramm: 09.06. Jubiläumskonzert - 100 Jahre Regentenbau Münchner Philharmoniker D: Juraj Valcuha S: David Fray (Klavier) Beethoven · Mozart · Tschaikowsky 11.06. „Mission“ Galakonzert mit Cecilia Bartoli I Barocchisti D: Diego Fasolis 19.06. Brahms-Abend: Hélène Grimaud Luzerner Sinfonieorchester D: James Gaffigan 22.06. Klaviersoiree WDR Sinfonieorchester Köln D: Kazuki Yamada S: Elisabeth Leonskaja (Klavier) Xavier de Maistre (Harfe) Glière · Grieg · Tschaikowsky 29.06. Ein Abend mit Rudolf Buchbinder Residenz Orchestra Den Haag D: Lawrence Foster Getty/Jack · Gershwin · Ravel 05.07. Bamberger Virtuosenkonzert Bamberger Symphoniker Bayerische Staatsphilharmonie

D: Robin Ticciati S: Magdalena Kožená (Mezzosopran) Fauré · Wagner · Berlioz · Debussy 10.07. Operngala Budapest Philharmonic Orchestra D: Johan Arnell S: Klaus Florian Vogt (Tenor) Ricarda Merbeth (Sopran) Arien u. Duette aus „Der fliegende Holländer“, „La Forza del Destino“, „Lohengrin“, u. a. 12.07. Violinsoiree mit David Garrett Orchestra Sinfonica Verdi di Milano D: John Axelrod Verdi · Beethoven · Brahms 14.07. Abschlusskonzert Münchner Rundfunkorchester D: Dan Ettinger S: Diana Damrau (Sopran) Dmitry Korchak (Tenor) Nicolas Testé (Bassbariton) Arien und Duette aus Opern aus „La Traviata“, „Don Giovanni“, „Rigoletto“, u. a.

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THeATer oLDeNBUrG Spielplan 2013/14

Premieren 2013/14 Oper Richard Wagner Tristan und Isolde 5. Okt. 2013 Johann Strauß Die Fledermaus 30. Nov. 2013 Salvatore Sciarrino OPERation X: Lohengrin 25. Jan. 2014 W. A. Mozart Così fan tutte 31. Jan. 2014 P. I. Tschaikowsky Eugen Onegin 28. März 2014 Benjamin Britten Albert Herring 6. Juni 2014

VolleS pfund

Intendant Markus Müller zieht in seiner letzten Spielzeit am Oldenburgischen Staatstheater alle Register Text: Peter Schulz

Schauspiel nach Georg Büchner Woyzeck 13. Sept. 2013 Edward Albee Wer hat Angst vor Virginia Woolf? 14. Sept. 2013 Thom Luz & Laura de Weck Archiv des Unvollständigen (UA) 21. Sept. 2013 Björn Bicker Deportation Cast 13. Nov. 2013 Nikolai Gogol Der Revisor 29. Nov. 2013 Henrik Ibsen Hedda Gabler 18. Jan. 2014 Heiner Müller Quartett 14. Feb. 2014 Franz Kafka Der Prozess 15. Feb. 2014 Marc Becker Munch und van Gogh – Der Schrei der Sonnenblume (UA) 7. März 2014 Jan Neumann Ein neues Stück (UA) 8. Mai 2014 John du Prez & Eric Idle Monty Python’s Spamalot 16. Mai 2014 Werkgruppe2 Blankenburg (UA) 5. Juni 2014

Tanz Sungyop Hong ...was sie bewegt (UA) 8. Nov. 2013 Guy Weizman & Roni Haver Finale Grande (UA) 27. Feb. 2014 Koen Augustijnen Sehnsucht, Limited Edition (UA) 6. März 2014 Samir Akika/Unusual Symptoms Neues Stück (UA) 28. Mai 2014

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er „Aufbruch“ – so das Motto der auslaufenden Saison – ist geschafft, viele ausgesprochen erfolgreiche Produktionen zeugen davon. Nun soll das Staatstheater Oldenburg „Einen Moment anhalten“. So jedenfalls lautet die Vorgabe für die Spielzeit 2013/14, die Markus Müller freilich nicht als „Stillstand“ gewertet sehen möchte. Vielmehr langt der scheidende Generalintendant, der bekanntlich nach Mainz wechselt, im achten und letzten Jahr seines Schaffens in Oldenburg so richtig hin. 32 Premieren, darunter neun Uraufführungen, sind während der langen Saison vorgesehen, die von August 2013 bis Juli 2014 währt. Hinzu kommen 22 Wiederaufnahmen und zwei Festivals.

Ein wahrhaft gewaltiges Programm also, weshalb das Ensemble nicht sonderlich viele Momente zum „Anhalten“ finden dürfJunges Staatstheater Anthony McCarten Superhero 8. Sept. 2013 te. Müller will mit diesem Ansatz vielmehr Anneli Mäkelä Flußpferde un anner Peer an die „vielen außergewöhnlichen Momente“ anknüpfen, die er und alle Mitwirkenden (NDE) 27. Okt. 2013 des Hauses in den vergangenen SpielzeiCharles Dickens Die Weihnachten des ten erlebt haben. Diese „Augenblicke, Bilder Mr. Scrooge 10. Nov. 2013 und Klänge“ seien gesammelt und in der ErJoke van Leeuwen Deesje macht das innerung gespeichert; es handele sich daschon 16. Feb. 2014 bei um „besondere Momente“, denen Müller Andri Beyeler De Koh Rosmarie (NDE) nun weitere folgen lassen möchte. 26. April 2014 Jesse Broekman Der Fuchs, der den Verstand verlor (UA) 18. Mai 2014

Niederdeutsches Schauspiel nach Herman Melville Moby Dick (NDE) 13. Okt. 2013 Friedrich Dürrenmatt De oole Daam 2. Feb. 2014 Claudia Schreiber Emmas Glück (NDE) 29. März 2014 Kristof Magnusson Männerhort − Een Platz för Kerls 10. Mai 2014

Im Musiktheater weist der Spielplan neben „Tristan und Isolde“ unter anderem Mozarts „Così fan tutte“, Tschaikowskys „Eugen Onegin“ und „Die Fledermaus“ von Johann Strauß aus. Und auch „Die Zauber-

Das könnte zum Beispiel für die WagnerOper „Tristan und Isolde“ gelten, die Alexander Müller-Elmau (Regie) und der Oldenburger Generalmusikdirektor Roger Epple auf die Bühne bringen werden. Das ergreifende Werk, mit dem der Komponist „der Liebe, diesem schönsten aller Träume ein Denkmal setzen“ wollte, steht zugleich im Zentrum des Konzertspielplans der Spielzeit, die Wagner und seinem kompositorischen Umfeld gewidmet ist.

Was ich an foyer besonders schätze, ist die kenntnisreiche und inhaltlich fundierte Vorberichterstattung über Theaterproduktionen. Die Redaktion gibt ihren Autoren viel Raum, sich mit Stoff, Autor und Werk auseinanderzusetzen und das Stück in seinem literarischen wie gesellschaftlichen Kontext zu betrachten. Zum großen Gewinn der Leser, aber auch des Theaters, das von kultureller Berichterstattung, die sich die nötige Zeit lässt, immer profitiert. Ich gratuliere zum 20. Geburtstag! Markus Müller Generalintendant Staatstheater Oldenburg flöte“ ist wieder dabei. Auf die mittlerweile 50 ausverkauften Vorstellungen der beliebten Mozart-Oper werden weitere folgen, wie Müller mit zufriedenem Lächeln konstatiert: „Diese Inszenierung beweist ebenso wie etliche andere Wiederaufnahmen,


THEATER OLDENBURG Spielplan 2013/14 19 foyer

53°8‘N 8°13‘O

W W W. H O R S T- J A N S S E N - M U S E U M . D E

Ein altEs HErz kaspErt für annEttE Theater Oldenburg 2011: Die Zauberflöte

dass unser Haus sehr große Sympathien ein: Der „düstere Ort“ am äußersten Rand beim Publikum genießt.“ Und das sei „eine der Stadt, einst Einrichtung der Psychiasehr beglückende Erfahrung.“ trie, SA-Arbeitslager und Aufnahmestelle für Asylbewerber, soll gemeinsam mit der „werkgruppe 2“ ins Bewusstsein der OlÄhnliche Glücksgefühle beim Intendanten dürfte ein Blick auf den „Kirschgarten“ aus- denburger gehoben werden. Schwere Kost, keine Frage. Ungleich komischer dürfte es lösen, wird doch das Tschechow-Stück in da bei „Monty Python’s Spamalot“ werden; der dann vierten Saison im „Fliegerhorst“ ein Musical, das auf dem Spielfilm „Die gespielt. Als Wiederaufnahme steht auch Ritter der Kokosnuss“ basiert. „Dantons Tod“ von Büchner auf dem Spielplan, dessen „Woyzeck“ in der Bearbeitung von Robert Wilson, Tom Waits und KathIm Jungen Staatstheater werden unter anleen Brennan die Schauspiel-Saison eröffnen derem „Superhero“ von Anthony Mcwird. Damit setzt der leitende Hausregisseur Carten, „Deportation Cast“ von Björn BiK.D. Schmidt, der auch „Die Fledermaus“ in- cker und „Deesje macht das schon“ von szenieren wird, seine Auseinandersetzung Joke van Leeuwen gegeben. Hinzu kommit dem Werk von Georg Büchner fort. The- men als Familienstück „Die Weihnachaterfreunden bietet sich dabei die gute Gele- ten des Mr. Scrooge“ von Charles Dickens genheit, den Oldenburger „Woyzeck“ mit der und die Uraufführung von Jesse Broeknoch aktuellen Produktion am Bremer Goe- mans „Der Fuchs, der den Verstand verlor“. theplatz und der bevorstehenden InszenieDamit werde „das Engagement für die so rung in Osnabrück zu vergleichen. wichtige Repertoirebildung im zeitgenössischen Musiktheater für Kinder und Jugendliche“ fortgesetzt. Die Schauspiel-Sparte bietet in der Folge Bewährtes wie „Hedda Gabler“ von HenÜberregionale Aufmerksamkeit wird zweirik Ibsen, Edward Albees „Wer hat Angst fellos die Arbeit von Sungyop Hong aus vor Virginia Woolf?“ oder „Der Revisor“ von Nikolai Gogol, bringt aber auch vier (!) Seoul auslösen. Der renommierte künstlerische Leiter der Korean National ConUraufführungen auf die Bühne. Dazu getemporary Dance Company wird mit der hört das „Archiv des Unvollständigen“, Oldenburger Tanz-Compagnie „…was sie ein „Sprachmusik-Abend“ von Thom Luz und Laura de Weck in Kooperation mit den bewegt“ einstudieren und will sich dabei Ruhrfestspielen Recklinghausen. Hausau- von „Menschen und Werken der deutschen tor Marc Becker entwickelt gemeinsam mit Tanzgeschichte inspirieren lassen.“ Weider Puppenspielerin Ulrike Quade „Munch tere Glanzlichter dürften die Produktiound van Gogh – Der Schrei der Sonnenblu- nen von Koen Augustijnen („Sehnsucht, lime“. Und Jan Neumann schreibt ein neues mited edition“) und Guy Weizman setzen, Stück als gemeinsames Projekt mit der Uni- der in „Finale Grande“ Tänzer und Zirkusartisten auf die Bühne des Großen Hauversität Oldenburg. ses bringt und damit eine Art inoffizielles „Eine wichtige Position“ im Schauspielplan Motto für die letzte Müller-Spielzeit liefert. nimmt laut Markus Müller „Blankenburg“

Zeichnungen und Briefe von Horst Janssen an Annette Kasper

9.6. –15.9.2013 Horst-Janssen-Museum

Oldenburg


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THeATer oLDeNBUrG The Rake‘s Progress

Strawinsky-Oper „The Rake‘s Progress“ am Großen Haus in Oldenburg Text: Michael Pitz-Grewenig

muSiKaliScher parforceritt A

ls Igor Strawinsky 1949/1950 die Oper „The Rake‘s Progress“ komponierte, hatte er fast ein halbes Jahrhundert zuvor mit seinem Ballett „Le Sacre du Printemps“ einen ersten Gipfel seines vielfältigen kompositorischen Könnens erklommen. Nun, im Alter von fast 70 Jahren, beschloss er mit dieser Oper seine so genannte neoklassizistische Phase. Markus Bothe inszeniert das Werk jetzt in Oldenburg.

abgenagter Knochen weggeworfen zu werden?“ Tom Rakewell erwartet vom Leben mehr. Als ein Fremder auftaucht und ihm nicht nur eine große Erbschaft, sondern auch eine aufregende Zukunft prophezeit, verlässt er seine Geliebte Ann Truelove und folgt dem zwielichtigen Nick Shadow nach London, wo er sich Freiheit, Glück, Erfolg und Geld erhofft.

Igor Strawinsky

Ein Libretto ganz nach den Vorstellungen von Igor Strawinsky. Tom Rakewell scheint ein später schwächlicher Nachfahr des Don Giovanni von Mozart oder von Ibsens Peer Gynt zu sein. Igor Strawinsky komponierte eine scheinbar ziemlich konventionelle Oper mit Rezitativen, Arien usw., deren musikalische Sprache aber ein abenteuerlicher Parforceritt durch die Musikgeschichte von Händel über Mozart Aber eine Katastrophe folgt der nächsbis hin zum Jazz ist. Es lohnt sich genau ten, und er muss erkennen, dass er seine hinzuhören. Keine leichte Aufgabe für den Inspiriert wurde Strawinsky durch eine sa- Seele an den Teufel verkauft hat. Allein Dirigenten Thomas Dorsch, die oft doppeltirisch-moralisierende Bilderserie des bri- Anne Truelove, die ihrem Namen alle Ehre bödige musikalische Sprache adäquat zu tischen Malers William Hogarth aus dem macht, hält noch zu ihm. In einem letzten interpretieren. 18. Jahrhundert. Mit einem untrüglichen Kartenspiel kann er Nick besiegen, aber er Blick für menschliche Schwächen werden wird wahnsinnig. Moral muss eben sein. Markus Bothe ist sich der Herausforderung, darin die „Fortschritte“ der sittlichen Veraber auch gleichzeitig der Aktualität des wirrungen eines Tom Rakewell dargestellt. Der teuflische Pakt zwischen dem naiWerkes bewusst: „So wie sich Strawinsky Wystan Hugh Auden und Chester Kallman ven Parvenü und seinem „Schatten“ zur Verarbeitung dessen, was er in seiner formten Nick Shadow eröffnet Gegenwart beobachtete – einer Gegendaraus eine ... eine bissige Gesellschaftssatire ein Panoptikum der wart nach den größten Schrecken des 20. bissige Ge- über den Lebens- und Leidensweg Wunschträume, so Jahrhunderts –, musikalischer Mittel des 18. sellschaftsMarkus Bothe, der in und 19. Jahrhunderts bediente, wollen wir eines jungen Glücksritters ... satire über Oldenburg zum ersten die Wechselwirkung von Realität/Virtualität den Lebens- und Leidensweg eines jungen Male inszeniert: „Tom Rakewell träumt bzw. Bürgerlichkeit/Libertinage bebildern, Glücksritters, heute würde man ihn wohl den Traum, aus den bürgerlichen Schran- indem wir uns ästhetisch vom Amerika der eher weniger poetisch als Spekulanten ken auszubrechen.“ Eben das, was sich der 1950/1960er Jahre inspirieren lassen.“ bezeichnen. Kleinbürger unter Erfolg vorstellt: Reichtum, Ruhm, Rettung der Welt bei gleichzei- Premiere am 31. Mai, 19.30 Uhr, im Gro„Ich soll ein Leben lang schuften, um tigem grenzenlosen Fortschritt und – nicht ßen Haus. Weitere Vorstellungen: 7., 12. andere zu bereichern und dann wie ein zu vergessen – sexuelle Freiheit. und 20. Juni.


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THeATer oLDeNBUrG Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui foyer 21

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al capone läSSt grüSSen „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ am Staatstheater Oldenburg Text: Sven Garbade

Bertolt Brecht

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ertolt Brecht führt in seinem berühmten Parabelstück vom „Auf „Aufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui“ Adolf Hitler und seine Finanziers als eine Bande schmieriger Gangster vor, die sich prächtig mit den Gesetzen des Marktes arrangiert haben: skrupellos, geldgierig, brutal. Al Capone lässt grüßen. Obwohl Brecht die Handlung vordergründig ins Mafia-Paradies Chicago verlegte, sind alle Nazi-Größen problemlos erkennbar. Neben Hitler – alias „Arturo Ui“ – tauchen etwa Göring, Röhm und Goebbels als Schlapphut tragende Karikaturen ihrer selbst auf. Und so heißt es auch treffend im Schüttelreim des Prologs: „Was wir hier zeigen, weiß der ganze Kontinent: Es ist das Gangsterstück, das jeder kennt!“ Dieses Gangsterstück – das war vor allem der Berliner Reichstagsbrand, der im Stück zu einem Speicherbrand unter rivalisierenden Gemüsehändlern umgeformt wird. Hier zeigt sich Brecht als unverwüstlicher Humorist, der so dick aufträgt, dass ihm bei völliger Ironiefreiheit eine ebenso unmissverständliche wie komische Artistik gelingt. Als das eigentlich Tragische an dem Stück gilt jedoch der Umstand, dass es zu Hitlers Zeit gar keine Aufführung fand – und des-

halb politisch völlig wirkungslos blieb. Eilig hatte Brecht die Farce im finnischen Exil im Jahr 1941 fertig gestellt, doch aufgeführt wurde sie erst viel später, 1958 in Stuttgart. Aber lässt das Stück einem Regisseur heute überhaupt Raum für eigene Lesarten? Wohl weniger, würde man meinen, denn zu fest hat Brecht die historische Perspektive auf Hitler gezurrt. Diese Nazi-Parodie lässt sich eben nicht auf andere Epochen uminterpretieren, außerdem steht noch der Beweis aus, dass die Gesetze des Marktes zwangsläufig in die Diktatur führen. So bleibt am „Ui“ sein immer noch unterhaltsamer Kern bestehen, sein Humor und vor allem die angespitzte Sprache, die Brecht als bedeutenden Sprachkünstler des deutschen Theaters kennzeichnet. Für die Oldenburger Inszenierung will Regisseur Marc Becker nun die dem Stück inne wohnenden Fragen neu stellen: Ist der Faschismus tatsächlich die konsequente Weiterführung vom Kapitalismus – und an welchen Stellen sind wir heute bereit, Moral zu verdrängen? Und letzten Endes: Wie und warum lassen wir uns politisch verführen, wider besseren Wissens? Premiere 6. Juni, 20 Uhr, Kleines Haus. Weitere Vorstellungen: 12., 15., 21. und 22. Juni.

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THeATer oSNABrÜCK Spielplan 2013/14

auf der erfolgSSpur Theater Osnabrück startet mit dem Festival „Spieltriebe 5 – Total Real“ in die neue Spielzeit Text: Peter Schulz

Theater Osnabrück

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in Haus macht von sich reden. Das Theater Osnabrück, seit einem Jahr unter der Leitung des früheren Bremer Operndramaturgen Dr. Ralf Waldschmidt, hat eine ausgesprochen gelungene Spielzeit absolviert. Dafür sprechen unter anderem Einladungen zu den Theatertagen in Mülheim und – zum zweiten Mal in Folge – den Autorentheatertagen des Deutschen Theaters in Berlin (beide für Azar Mortazavis Schauspiel „Ich wünsch mir eins“ in der Inszenierung von Annette Pullen), bemerkenswerte Inszenierungen wie die Oper „Das große Heft“ (siehe Seite 26) und viele ausverkaufte Vorstellungen. An diese Erfolgsgeschichte wollen der Intendant und sein Team in der Saison 2013/14 anknüpfen. Gestartet wird mit dem Festival „Spieltriebe 5 – Total Real“, das Fragen nach der Chance von Kunst und Leben angesichts der Totalität der Ökonomie aufgreift. Zu einem weiteren Höhepunkt der Spielzeit dürfte die Rekonstruktion der Mary Wigman-Choreografie von Strawinskys Jahrhundertwerk „Le Sacre du Printemps“ werden, die in Kooperation mit dem Theater Bielefeld und dem Bayerischen Staatsballett realisiert wird (9. November). Im Musiktheater sticht neben Puccinis „La Bohème“ (28. September) und der deutschen Erstaufführung von Antonin Dvoráks Oper „Vanda“ (15. 3. 2014) sowie Walter Braunfels „Die Vögel“ (21. 6. 2014) besonders ein Projekt des auch in Bremen und Bremerhaven geschätzten Regisseurs Andrej Woron hervor. Er wird Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion“ als „bilderreiche und

ausdrucksstarke Erzählung“ inszenieren (Premiere 18. 1. 2014). Dafür wird neben Solisten des Osnabrücker Ensembles auch ein eigens gegründeter Projektchor Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger auf der Bühne am Domhof stehen. Die musikalischen Leitung liegt bei GMD Andreas Hotz.

Als Operndramaturg am Bremer Theater habe ich foyer vor zehn Jahren kennengelernt. Als Intendant am Theater Osnabrück in den Nordwesten zurückgekehrt, gehöre ich nun wieder zu den regelmäßigen Lesern. foyer zeichnet sich durch eine gekonnte Mischung aus profunder Information über die Kunst- und Kulturszene und pointiert formulierter Meinung der stets sehr sachkundigen Autorinnen und Autoren aus. Ich kenne – auch nach vielen Jahren Theaterarbeit in so manchen deutschen Städten – kein Magazin, dass so gekonnt den notwendigen Anteil an Werbung mit den Inhalten austariert. Dr. Ralf Waldschmidt Intendant Theater Osnabrück

Das Schauspiel präsentiert unter anderem Georg Büchners „Woyzeck“ in der Fassung von Tom Waits, Kathleen Brennan und Robert Wilson (27. 10.), die gegenwärtig auch in Bremen zu sehen ist. Da lohnt sich der Vergleich! Die Leitende Schauspielregisseurin Annette Pullen übernimmt zwei Produktionen, nämlich Ibsens „Die Wildente“ (8. 2. 2014) und Shakespeares „Macbeth“ (24. 5. 2014). Hinzu kommen mehrere Übernahmen aus dem Festival-Programm „Spieltriebe 5 – Total Real“ vom 6. bis 8. September. Zu erleben sind elf Premieren, davon neun Uraufführungen. Die Zuschauer werden auf fünf Routen, teilweise über die Stadtgrenzen hinaus, geleitet und erleben Theater an Orten, an denen bisher noch nie gespielt wurde, darunter die Spedition Hellmann oder ein Bunker aus dem 2. Weltkrieg. Die Tanzsparte steht nach der erfolgreichen ersten Spielzeit von Mauro de Candia und seiner neu formierten „Dance Company Theater Osnabrück“ vor der Rekonstruktion von Mary Wigmans „Le Sacre du Printemps“ nach Igor Strawinsky. Mary Wigman, eine der bedeutendsten Protagonistinnen des modernen Tanzes in Deutschland, hatte das Werk 1957 choreografisch umgesetzt, nun soll diese Fassung rekonstruiert werden. Gefördert wird das ambitionierte Projekt durch den Tanzfonds Erbe, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes. Außerdem steht die Uraufführung von Mauro de Candias choreografischer Interpretation von Shakespeares „Romeo und Julia“ auf dem Programm (22. 2. 2014).


Foto: Marianne Menke

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foyer 24

THeATer IM NorDeN Opernpremieren

: Opernpremieren Aktuelle Inszenierungen auf Bühnen der Region

Der Freischütz

Theater Bremen „Der Freischütz“ Konsequenz kann man dem Bremer Theater nicht absprechen. Nach einigen interessanten szenischen Erkundigungen außerhalb und innerhalb des Repertoires gab es mit Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ eine Inszenierung, deren Eindringlichkeit und auch Mut gerade daraus resultierte, dass sie eben nicht restlos aufging und auch nicht sollte.

Dialogmusiken, die der Pianist Stefan Kozinski komponierte. Das Solistenensemble überzeugte mit einer musikalisch plausiblen Leistung. Allen voran Christoph Heinrich als respektabler Eremit mit sonorem Bass und Steffi Lehmann als stimmlich wie schauspielerisch agiles Ännchen sowie Heiko Börner als Max. Patricia Andress (Agathe) verdiente großes Lob dafür, dass sie ihre Stimmgewalt ganz im Sinne des Rollenprofils drosselte.

Das Publikum war am Ende geteilter Meinung. Aber das war auch zu erwarten, da Wer eine biedermeierliche Aufführung mit hier nicht vordergründige ErwartungshalWald, Jägerromantik, Liebe, Happy End im tungen bedient werden. Sinne eines kulinarischen Theaters erwartet Michael Pitz-Grewenig hatte, wurde herb enttäuscht. Es geht Regisseur Sebastian Baumgartner augenscheinlich um den Zusammenhang zwischen Theater Bremen Kollektivierung und Vereinzelung. Die Freikugeln werden so zu numinosen Glücksver- „Così fan tutte“ heißungen, die männlichen Darsteller zu Hampelmännern mit militärischem Hinter- Oper hautnah erleben: Bei Mozarts „Così fan tutte“ agierten die Sänger teilweise digrund, die Frauen zu fleißigen Bienchen. rekt vor dem Publikum und dem hoch gefahrenen Orchester. Zwar wollte Regisseur Es ist das Überzeugende dieser InszenieLaurent Chétouane in seiner Inszenierung rung, dass sie bei allem Bühnenspektadas komplexe Verhältnis zwischen dem Sänkel auch zeigt, wie inhaltsleer das Ganze ist. Letztendlich begreifen wir es nicht und ger als Darsteller und echtem Menschen sowie dem direkten Ansingen des Publikums stehen sprachlos vor diesem merkwürdithematisieren, doch in Erinnerung bleiben gen Konstrukt und den noch merkwürdigeren Gestalten, die diese Inszenierung be- wird diese Così vor allem wegen der räumlivölkern. Das heroische Dennoch-Pathos des chen Nähe der Musiker. Sie bietet den Zuhörern ganz andere sinnliche Erfahrungen als vordergründig versöhnlichen Happy Ends in einer gewöhnlichen Vorstellung. in dieser Inszenierung schürt eher Ängste. Mit Markus Poschner fand diese detailreiche Inszenierung ihre musikalische Entsprechung. Dass man nicht allzu im Wohlklang versank, dafür sorgten auch die

Eine solche Entscheidung kann bei zu lauten und technischen schwachen Sängern unangenehm enden, nicht jedoch in Bremen. Hier agierte ein tolles Mozart-Ensem-

ble mit Stilgefühl und Lust am delikaten Singen. Kapellmeister Clemens Heil hat an diesem Erfolg wohl große Verdienste, denn die überwiegend hervorragend spielenden Bremer Philharmoniker spielten ebenso intelligent und bescherten in kleiner Besetzung Mozartglück. Nadine Lehner (Fiordiligi) beeindruckte mit der Intensität ihrer Darstellung. Ulrike Mayer (Dorabella) verstand es bei ihrem Bremen-Debüt, Dramatik in ihren dunklen, beweglichen Mezzo zu legen. Mit klangvollem Sopran und bezauberndem Spiel setzte Marysol Schalit (Despina) auf hohem Niveau Akzente. Christoph Heinrichs hoher Bass blühte in der Rolle des Don Alfonso auf. Mit seinem klangvollen lyrischen Bariton meisterte Martin Kronthaler (Guglielmo) seine Rolle tadellos. Luis Olivares Sandoval (Ferrando) reihte sich nahtlos ein. Und die Regie? Deren Konzepte finden vor allem im Programmheft und im Hintergrund statt. Matthias Nebel und Laurent Chétouane fokussieren den Blick auf die Vorbühne. Laurent Chétouanes Regieansatz ist unspezifisch für Mozarts „Così“ und Musiktheater an sich, ermöglicht aber die direkte Konfrontation von Publikum und Musikern. Irritierend höchstens das Ende, wenn er nach der Auflösung der Verwirrungen die Unsicherheit der zwei Protagonistenpaare in eine Art Ehe zu viert münden lässt. So bleibt am Ende der Wunsch, dass das Theater Bremen häufiger das Potenzial seines Ensembles nutzen und die Sänger mit Opern wie „Così“ in ihrer Entwicklung fördern möge. Markus Wilks


THEATER IM NORDEN Opernpremieren 25 foyer

Così fan tutte ; Fotos: Jörg Landsberg

Stadttheater Bremerhaven „Die verkaufte Braut“ In keiner Oper hat Smetana seinen Wunsch nach einer „tschechischen Bühne“ volkstümlicher umgesetzt als in der „Verkauf-

Die verkaufte Braut

ten Braut“. Und genau darauf setzt Hinrich Horstkotte in seiner Bremerhavener Inszenierung den Fokus und präsentiert unverfälscht und mit einem Augenzwinkern die alltägliche Welt eines böhmischen Dorfes. Fast fühlt man sich in einen Heimatfilm versetzt, so naturalistisch lässt Bühnenbildner

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Martin Dolnik diese dörfliche Szene auf der Drehbühne entstehen. Die Bewohner sind arm, davon zeugen verwitterte Mauern und die einfache Arbeitskleidung. Trotzdem lässt Horstkotte keinen Zweifel daran, dass diese Menschen


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THEATER IM NORDEN Opernpremieren

Die verkaufte Braut

Das große Heft

Foto: Jörg Landsberg

Schriftstellerin Ágota Kristóf. Ihr Thema waren nicht Krieg und Flucht, sondern vor allem deren Folgen: Die Gewalt, der Hass, die Entwurzelung, die „Entmenschlichung“. Der Roman „Das große Heft“ erzählt von Zwillingsbrüdern, die von ihrer Mutter während eines Krieges zur verwahrlosten GroßBart Driessen gibt den Heiratsvermittmutter gebracht werden. Die Sprache, die ler Kecal trotz leichter Erkältung mit sonoÁgota Kristóf wählt, ist auf ein Minimum rer Stimme als gewieften Halunken. Wie das beschränkt. Kurze knappe Sätze, wenig gesamte Ensemble agieren Katja Bördner schmückendes Beiwerk. Gelungen ist ihr ein und Reto Raphael Rosin als Marie und Hans Katalog (un-)menschlicher Verhaltensweischauspielerisch sehr überzeugend und le- sen, die in Gesellschaften entstehen, in debendig. Vor allem Bördner überzeugt mit nen zwischenmenschliche Bezüge komplett klarem, ausdrucksstarken Sopran. gestört sind. sich nicht unterkriegen lassen. Ein Hauch von Commedia dell’Arte fällt in das Dorf in Form eines kleinen Zirkus ein, den der Regisseur liebevoll mit vielen komischen Details ausstattet und für das Publikum eine verblüffende Zaubershow einbaut.

Mit einer furios interpretierten Ouvertüre leitet Stefan Veselka die folkloristische Stimmung ein und führt das Orchester mit stringentem Dirigat. Horstkotte überzeichnet die Gefühle und Probleme dieser einfachen Leute nicht, sondern lässt die Kirche im Dorf. Dafür gab es Bravos und langen, herzlichen Applaus vom Premierenpublikum. Karin Hiller

Theater Osnabrück „Das große Heft“ Dass Musik Emotionen auslöst, mag ein Allgemeinplatz sein, aber erst durch die Verbindung von Emotionalem und Rationalem kann Musik zu einer existentiellen Erfahrung werden, mit allem, was das Menschliche im Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft ausmacht: Körper und Geist, Leben und Tod, Liebe und Einsamkeit. Dass dies aber gleichermaßen auch für Literatur gelten kann, beweist die ungarische

Der Komponist Sydney Corbett entwarf ein „Musiktheater in fünf Abteilungen“ mit einer kongenial passenden Klangwelt, die auf subtile Art den Text weder kontrastierte noch untermalte, sondern eine neue Verstehensebene eröffnete. Das Libretto verfasste er gemeinsam mit Ralf Waldschmidt. Andreas Hotz schien die komplexe Partitur mit ihren vielen klanglichen und rhythmischen Feinheiten und Schwierigkeiten intuitiv zu erfassen. Man spürte sein tiefgreifendes Verständnis für diese Musik. Großes Kompliment an das Osnabrücker Symphonieorchester! Etienne Pluss schuf einen passenden kargen Bühnenraum mit zumeist grau-düsteren Wänden und einem ins Nichts führendem Weg. Alexander Mayrs Regie setzt die jeweilige Konstellation der fünf Akte mit einer unnachahmlichen Prägnanz in Szene. Er und seine Bühnenbildnerin bestehen auf dem nüchternen Verweisen auf den Sachverhalt. Uns, den Zuschauern, wird kein Mitleid abverlangt, sondern analysierendes

Denken: Schau hin, erkenne, wozu eine unmenschlich agierende Gesellschaft treibt! Das gesamte Ensemble einschließlich Chor agierte schauspielerisch und gesanglich überzeugend. Mit dieser Uraufführung ist dem Theater Osnabrück ein ganz großer Wurf gelungen, der zudem beweist, was durch vernünftige Leitung in einem kleinen Haus möglich ist. Michael Pitz-Grewenig

Herzlichen Glückwunsch und Respekt zur 100. Ausgabe von „foyer“ – das „dritte Auge und Ohr“ in unserer Kulturlandschaft. Kunst und Kultur ist das Gegenmodell zur Förderung des Konsums der eigenen Existenz – das Kulturjournal „foyer“ bietet da seit 20 Jahren kritische Begleitung, Unterstützung und eine herzliche Einladung an alle, am Kulturleben teilzuhaben: mit den Sinnen die Welt zu erkunden, im Kontakt mit den Künsten anders zu denken, zu fühlen und zu handeln. Dafür sind wir sehr dankbar und wir wünschen allen Beteiligten große Freude mit den nächsten 100 Ausgaben. Renate Heitmann für die bremer shakespeare company


THeATer IM NorDeN Schauspielpremieren 27 foyer

: Schauspielpremieren Aktuelle Inszenierungen auf Bühnen der Region

Pericles, Foto: Marianne Menke „Wie im Himmel“

bremer shakespeare company „Pericles“

Zum Geheimnis des Abends gehört, dass der Zuschauer über die gesamte Spieldauer auf die wechselnden Figuren blicken Dass die Company nicht nur auf turbukann, ohne die eigentlichen Etappen der lente oder gar klamottige Bühnenkunst Handlung komplett verstehen zu müssen. festgelegt ist, zeigt sie besonders gut bei Erzählt wird die Reise des Prinzen Peric„Pericles“, ihrer jüngsten Inszenierung. les, wobei das Stück – das übrigens nur zur Als ein phantastisches Märchen arrangiert Hälfte von Shakespeare selbst geschrieben Thomas Weber-Schallauer dieses so selten sein soll – weniger den gewieften Politiker gespielte Stück. Vor allem die zauberhafte ins Zentrum rückt, als vielmehr einen Ausstattung von Anna Siegrot (Puppen sturmerprobten Überlebenskünstler. und Kostüme) und Heike Neugebauer (Bühne) hat großen Anteil an der gelunge- Doch die Inszenierung spannt zu all dem nen Inszenierung, denn sie transportiert noch einen weiteren Erzählbogen hinzu. das Stück in einen mal still schwebenden, Man sieht vier Wüsten-Reisende, die mit dann wieder fließenden Bilderstrom. ihren Koffern und den vom Sand geschmirgelten Kostümen aussehen, als entstamm-

ten sie einer Ägypten-Expedition aus dem 19. Jahrhundert. Diese Vier spielen sich nun gegenseitig die Geschichte vor. Sie erwecken dabei einige magische Puppen zum Leben oder übernehmen einzelne Parts persönlich, stets begleitet durch die atmosphärisch dichte Bühnenmusik von Andy Frizell. Durch dieses stete Wechselspiel gerät auch die Rollenverteilung ein wenig ins Schwimmen, was den Beginn zwar etwas zäh verständlich macht, sich aber im Laufe der Aufführung zu einem sinnlichen und höchst sehenswerten Theater-Erlebnis entwickelt. Sven Garbade


foyer 28

THeATer SZeNe Neues aus der Region

: Szene Neuheiten von den Bühnen im Nordwesten Text: Peter Schulz

Gut gegen Nordwind

Peeping Tom

gemeinSam „outnow!“ Die Briefträger hatten viel zu schleppen: Über 400 Bewerbungen haben die Bremer Schwankhalle und das Theater Bremen für ihr gemeinsames Festival „Outnow!“ erreicht, das vom 2. bis 8. Juni stattfinden soll. Beteiligen konnten sich junge Schauspieler, Regisseure, Tänzer, Choreografen, Filmemacher, Musiker und bildende Künstler aus dem In- und Ausland mit Arbeiten aus Schauspiel und Musiktheater, TanzProduktionen sowie Performances und Live Art-Projekten. Seit 2004 findet das Festival regelmäßig in der Schwankhalle statt, in diesem Jahr nun zum ersten Mal in Kooperation mit dem Theater Bremen. Beide Häuser werden als Aufführungsorte genutzt. „Outnow!“ will jungen Künstlern aus dem Bereich der performing arts die Möglichkeit bieten, ihre Arbeiten und künstlerischen Ansätze zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen.

.................................... So etwas nennt man wohl einen „Dauerbrenner“: Seit der Premiere im Frühjahr 2010 hat das Stück „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer in der Regie von Kurt Wobbe über 50 ausverkaufte Vorstellungen im Bremer Schnürschuh-Theater erlebt. Es folgten erfolgreiche Gastspiele im Bremerhavener Theater im Fischereihafen und in Luxemburg. Jetzt kehrt „Gut gegen Nord-

wind“ in einer Wiederaufnahme auf die Bühne des Theaters am Buntentorsteinweg 145 zurück. Die nächsten Vorstellungen: 26. Mai und 16. Juni, jeweils 19 Uhr.

Woher kommt dieser Erfolg? Theaterleiter Reinhard Lippelt sieht es so: „Es ist die vom Autor Daniel Glattauer raffiniert gesponnene Geschichte. Und es ist die schauspielerische Leistung in diesem Stück, in dem sich die Akteure Emmi (Claudia Seidel) und Leo (Frank Stuckenbrok) nie direkt begegnen.“

....................................

Regelmäßig, alle zwei Monate, kommt gespannte Vorfreude in mir auf – ein unverwechselbares Anzeichen dafür, dass bald das neue foyer erscheint. Ob Konzert, Oper, Schauspiel, Literatur oder Ausstellung, in foyer steht alles drin: interessante „Blicke hinter die Kulissen“, aktuelle Hintergrundinformationen zu allen Themen, die kulturell den Nordwesten bewegen, und nebenbei erhalte ich Anregungen für meinen eigenen, ganz persönlichen Kulturfahrplan der kommenden Wochen und darf mir zudem mit Begeisterung den Kopf über die Lösung des jeweiligen Kulturrätsels zerbrechen. Ich freue mich schon auf die nächsten 100 Ausgaben. Christian Kötter-Lixfeld Intendant der Bremer Philharmoniker

Die Osnabrücker Uraufführung des Stücks „Ich wünsch mir eins“ der deutschiranischen Autorin Azar Mortazavi in der Regie der Leitenden Schauspielregisseurin Annette Pullen nimmt an den Autorentheatertagen des Deutschen Theaters vom 3. bis 15. Juni in Berlin teil. Bereits im Vorjahr war das Theater Osnabrück mit Theresia Walsers „Eine Stille für Frau Schirakesch“ (Inszenierung Annette Pullen) zu den Autorentagen eingeladen worden.

.................................... Als „großes Fest für alle Beteiligten“ stufte Generalintendant Markus Müller die 11. Internationalen Tanztage ein, die vom 9. bis 20. April im Oldenburgischen Staatstheater stattgefunden haben. 7.500 Zuschauer besuchten die Vorstellungen der 17 Tanzcompagnies aus 13 Ländern, darunter Ensembles aus dem Kongo, Slowenien oder Indonesien.


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KoLUMNe Da capo!

Sänger-treue

Da capo! Erinnerungen des foyer-Kritikers Simon Neubauer

Karsten Küsters

„T

schen Dreieinigkeitsmoses in Weill/Brechts „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“.

genden Künstler im heimischen Ensemble halten. Typisches Beispiel: Dale Düsing, der wohl jüngste Don Giovanni, der je auf Solche „Treueste der Treuen“ wurden verder Bremer Musikbühne agierte. Ein sehr einzelt auch in früheren Jahren angetrofattraktiver, fröhlicher Beau mit dezenfen. Man spricht dabei vom „Urgestein“. tem erotischen Verführer-Flair, wenn auch Und diese ehrwürdig gemeinte Bezeichnoch ohne Dämonie. Schon vorab hatte er nung trifft bestimmt auf den legendären sich einen Spitzenplatz im Ensemble erCaspar Bröcheler zu, der dank profilierter obert, freilich mit Unterstützung seines Stimme und nie vertrocknendem Theater- Mentors Generalmusikdirektor Hermann blut schon vor dem Krieg in Bremen reüsMichael. In knapp zwei Spielzeiten ersang sierte und nach der Stunde Null bis weit sich der lyrische Bariton eine Reihe dankin die Siebziger hinein sein künstlerisches barer Partien von den Grafen im „WildRenommee zu wahren verstand. schütz“ und in „Figaros Hochzeit“, vom Zar Peter zu Posa, Mozarts Guglielmo bis Denn nicht immer geht es so harmonisch Auch der Tenorbuffo Georg Koch gehörte zu Händels „Julius Cäsar“. Und natürlich zu wie bei Kurt Hübners zwangsweisem Jahrzehnte lang zum Opernensemble, was gehörte Wolframs Lied an den Abendstern Abschied, als er fast sein komplettes (freisicher auch seiner darstellerischen Vielseilich sehr kompetentes) Schauspiel-Ensem- tigkeit geschuldet ist. 1977 krönte er seine zu seinen betörenden Prachtnummern. ble mit nach Berlin nahm; sein NachfolBremer Lauf bahn mit einem süffigen „Junger Dr. Peter Stoltzenberg konnte deshalb gen Lord“ in Brittens gleichnamiger Oper. Dale Düsing, der 1947 in Milwaukee geboreseine Leute problemlos vom Neckar an die Nicht zu vergessen in diesem Zusammen- ne Amerikaner, wurde schnurstracks an die Weser umquartieren. hang Hermann Schnok, ein sehr guter Te- Deutsche Oper Düsseldorf-Duisburg geholt nor mit einer gewaltigen Zahl an Auftritten und erarbeitete sich dort während sechs Aber wir wollen nicht ungerecht urteilen, Jahren ein stattliches Repertoire, mit dem er am Goetheplatz. Schon verpflichtet von weil Theaterleiter immer auch einmal die an zahlreichen Bühnen und Festspielen gasGMD Kämpfel, stand er auch die ihn per Leistungen eines Mitarbeiters mit einer un- Konkurrenz bedrängenden Wallat-Jahre tierte, darunter auch Aufgaben für Charakerwarteten Vertragsverlängerung quittiedurch und wurde bis zum Ende der Ära Mi- terbariton wie den Dr. Schön („Lulu“) und ren. Jüngstes Beispiel: Karsten Küsters. 1970 chael gefeiert. Sein Tod kam plötzlich. Wagners Beckmesser. Als die Stimme im Albetrat er erstmals Bremer Theaterbretter, ter zwar nicht an Fülle, jedoch an Glanz verDoch manchmal möchte das Theater auch lor, verlegte sich Düsing auf die Regie, vorund jetzt, nach über 40 Jahren, verkörpert vergebens „treu“ sein und einen herausra- wiegend an der Frankfurter Oper. er (just zum zweiten Male) einen sarkastireue ist kein leerer Wahn!“ Schön wär‘s. Aber am Theater wird Schillers Behauptung aus der „Bürgschaft“ oft in das Gegenteil verkehrt. Ständig hört und liest man von nicht eingehaltenen Verträgen, schnöden Treuebrüchen bei Nichtverlängerung der Engagements, von unberechtigten Kündigungen auf längere Sicht geschlossener Verträge. Und wenn dann gar ein Intendantenwechsel ansteht, werden viele Ensemblemitglieder wie unbenötigtes Stückgut verschleudert.


kolumne Da capo!

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny: Karsten Küsters, Nadja Stefanoff, Luis Olivares Sandoval

Don Quichotte: Karl Huml, George Stevens

Ja, die Rheinoper richtete gar oft den Fokus in ihrer griechischen Heimat, stets betreut nach Bremen, lockte Spitzenkräfte so wie von Modenos, zum Star aufstieg. Modenos, Csilla Zentai, Teresa Erbe, den Finnen Kilpeläinen und – hierorts sehr schmerzlich vermisst – den strahlenden Tenor Bruce Rankin an. Das war allerdings schon vorher so, als Hans Wallat jahrelang als GMD an der Rheinoper für große Aufführungen sorgte. Und schließlich tauschte Tobias Richter den Intendantensessel an der Weser gegen jenen am Rhein ein. Er nahm gleich Jochen Grote vom Kultursenator mit und beschäftige ihn als Geschäftsführenden Direktor. Nach Ablauf seiner langen Ich gratuliere foyer herzlich zur 100. Verträge gab Richter nicht auf; seit zwei Ausgabe! Mit seiner Berichterstattung Jahren leitet er die Oper in Genf. über das vielfältige kulturelle Geschehen in Bremen und im Nordwesten In den Siebzigern zwischen den GMD’s Miist das Kulturjournal auch bei vielen chael und dem nachmalig international Glocke-Besuchern zu einem liebgegefeierten Peter Schneider sorgten diese wonnenen Medium geworden. Dank Dirigenten für ein Ensemble erstklassiger seines kompetenten Autoren-Teams Stimmen. Dazu gehörte auch John Moliefert es die nötigen Informationen denos, der sich vor allem im italienischen und Einblicke, um die Leser zu animieren, sich von den vorgestellten AktiviFach (Rigoletto, Troubadour, Boccanegtäten in Musik, Theater, Tanz, Literatur ra) ins Rampenlicht zu rücken verstand. und Kunst ein eigenes Bild zu machen. Er behauptete sich auch als König MarAuf weitere 100 Ausgaben! ke, Gutsherr Sebastian („Tiefland“) und als Klingsor („Tristan“). Modenos, privat ein jovialer Typ mit Eigenwerbung, betreute dann Jenny Drivala, die in Bremen ihr Examen als Koloratursopranistin ablegte und

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Jörg Ehntholt Geschäftsführer Glocke VeranstaltungsGmbH und Musikfest Bremen GmbH

der verschiedene Ämter innehatte, starb 2011 im Alter von 83 Jahren. Walter Fink setzte die Reihe fundierter Bässe (Schlott, Diakov, Tréfas) an der Bremer Oper fort. Der gebildete Mann (er hatte auch Altphilosophie studiert) kam direkt aus dem Opernstudio der Wiener Staatsoper und kehrte nach zwei Spielzeiten als Ensemblemitglied in das berühmte Haus am Ring zurück. Inzwischen hatte er zielstrebig mit klangreicher Stimme eine Parade großer Partien studiert, durchweg packende Gestalten, die stets ein eigengeprägtes Profil erkennen ließen. In Erinnerung blieben sein Rocco, Komtur, Großinquisitor, Landgraf, aber auch ein typisch wienerischer Ochs. 1990 verabschiedete er sich mit dem „Freischütz“-Kaspar und erweiterte „zu Hause“ sein Repertoire auf 70 Partien, in denen er bei Gastauftritten an bedeutenden Bühnen große Erfolge verbuchen konnte. Übrigens ist es nicht ganz ungewöhnlich, dass Bremen als Sprungbrett selbst für die Wiener Staatsoper dient. Beispiele: Maria Sandulesco, Nelly Boschkowa, Eliane Coelho und jüngst Karl Huml, der nach seinem bewegenden Don Quichotte gleich dem Wiener Ensemble eingegliedert wurde.


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MeNSCHeN IM foyer

Premierenfeier „Così fan tutte“ im Theater Bremen Fotos: Jörg Landsberg

Sopranistin Nadine Lehner mit Familie

Kapellmeister Clemens Heil mit Vater

Renate Heitmann, Carsten Heick

Thomas Rh. Karthäuser, Dr.Brita Petersen, Dr. Jens Petersen

Juliane Kamin-Schmielau, Rüdiger Tönnies

Christoph Heinrich mit Freundin

Therese Renick, Martin Wiebcke

Pfarrer Norbert Lach


MeNSCHeN IM foyer

33 foyer

Thomas Eitler, Jacqueline Davenport, Guido Gallmann, Martin Baum

Brigitte Real, Dr. Horst Real

Luis Olivares Sandoval, Martin Kronthaler, Marysol Schalit

Peter Friese, Elisabeth Motschmann

Hildegard Christiansen Fon 0421 - 25 57 35 Oberneulander HeerstraĂ&#x;e 26 - 28 28355 Bremen Mo. - Fr. 10.00 - 18.30 Uhr Sa. 10.00 - 13.30 Uhr Michael Helmbold, Ingo Gerlach

Angela Kecinski, Lola Castro


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100. Unsere Kunden

: Danke Unser besonderer Dank gilt unseren treuen Kunden, die „foyer“ erst ermöglicht haben und bis heute entscheidend mittragen.

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100. Unsere Kunden

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MUSIK Oldenburger Promenade

KlaSSiScheS im palaiS Zwei historische Säle ergänzen die Spielstätten der „Oldenburger Promenade“ Text: Ute Schalz-Laurenze

Staatstheater

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o einst die Prinzen spielten, spielt in diesem Jahr die Musik. Denn die „Oldenburger Promenade“ findet 2013 erstmals auch im Prinzenpalais statt, in dem einst die russischen Prinzen Alexander und Peter lebten. Zwei historische Säle des heute zum Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte gehörenden Gebäudes werden vom 1. bis 9. Juni neben dem Schloss, dem Staatstheater und der Lambertikirche zum Schauplatz des innovativen Festivals, das unter der Leitung der Konzertpianistin Elena Nogaeva steht. Doch die 17. Auflage der Promenade hat noch weitere Neuheiten zu bieten. Zum Beispiel die „Prinzen-Promenade“. Ein Veranstaltungsreigen, der es jungen Zuhörern leicht machen soll, ihnen bislang unbekannte Musik zu entdecken und Kontakte zu den Interpreten zu knüpfen. Oder die Reihe der vier Theater-Promenaden. Dabei handelt es sich um gemeinsame Produktionen mit dem Staatstheater Oldenburg, die im Kleinen Haus zu sehen sind. Etwa „Anatol“ von Arthur Schnitzler oder die „Einmalige Begegnung“ von Goethe und Beethoven in Teplitz. Davon abgesehen wird das Festival, das ohne staatliche Unterstützung auskommen muss, gemäß seines bewährten strukturellen Grundkonzeptes ausgerichtet. Es gibt jeden Abend drei Konzerte zu je einer dreiviertel Stunde, der Konzertort wird gewechselt. Das aktuelle Leitthema

Lambertikirche und Prinzenpalais

„Ost/West – Klassik bewegt (sich)“ eröffne – so Elena Nogaeva – den Spielraum, künstlerisch fest gefügte Vorstellungen und Vorurteile zu hinterfragen. „Und dabei gibt es eine Menge zu entdecken!“ Wie in jedem Jahr werden vornehmlich junge Leute eingeladen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. „Wir konzentrieren uns auf Künstler, die aufgrund

Zwei Dinge schätze ich an foyer besonders: Den ernsthaften, aber unterhaltsamen Stil der fundierten Beiträge und die große Bandbreite der Themen. Dass dabei auch an eine jüngere Leserschaft gedacht wird, sehe ich als ausgesprochen wichtig an. Es ist schließlich unser Publikum von morgen. Ich weiß aus vielen Gesprächen, wie aufmerksam foyer stets gelesen wird und wünsche viel Erfolg für die nächsten Jahre! Elena Nogaeva Intendantin Oldenburger Promenade

ihres Talents, ihres Könnens und ihres enormen Potentials zwar zu den aktuellen Geheimtipps der Klassik-Szene gehören, jedoch nicht durch große Agenturen und als Lieblinge der Medien protegiert werden“, sagt Elena Nogaeva. Das Programm weist neben Kammermusik (Dvorák, Beethoven, Ravel, Bach) erklärte Raritäten auf. Etwa den Auftritt des „Vocalensembles der Jungen Oper Moskau“ mit A-cappella-Bearbeitungen, Improvisationen und Volksweisen oder einen Harfenabend mit Ronith Mues, einer Meisterschülerin von Xavier de Maistre. Drei Streicher der Berliner Philharmoniker spielen Beethovens großes Streichtrio. Und unter dem Titel „Das Böse“ rezitiert Bernhard Hackmann vom Oldenburgischen Staatstheater die Monologe des Jago aus Shakespeares „Othello“. Die Niederländerin Harriet Krijhg gibt einen Solo-Celloabend, zudem wird Enrico Pieranunzi, Europas derzeit führender Jazz-Pianist, mit dem Programm „Scarlatti und Jazz“ auftreten. Apropos Jazz: Im „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn findet am 1. Juni ab 17 Uhr die „Jazz-Nacht“ des Festivals statt. Und wie immer gibt es zwei Kinderpromenaden: „Das Abenteuer des Mistkäfers“ nach Hans Christian Andersen und „Eine Reise ins Märchenland“ als Spontan-Theater mit der Uli Torspecken Jazz Band. www.oldenburger-promenade.de


Foto: Tobias Tanzya

Im Nordwesten spielt die Musik Wir machen uns stark für die Kultur in der Region

Eine Region ist wie eine gelungene Komposition: Harmonie ensteht durch Vielfalt. Deshalb setzen wir uns nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für die Musik und die Kultur im Nordwesten ein. Und das mit hörbarer Leidenschaft. Wir wünschen allen Musikern und Zuhörern viel Vergnügen bei der 17. Oldenburger Promenade!

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KULTURSTADT WILHELMSHAVEN Sinfoniekonzerte 2013/2014

Weltklasse an der Jade Ilana Eliya

Julia Fischer

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as kann sich sehen und vor allem hören lassen: Mit Julia Fischer, Albrecht Mayer und Nils Mönkemeyer – um nur einige Namen zu nennen – stehen in der Spielzeit 2013/14 der Sinfoniekonzerte Wilhelmshaven erneut hochkarätige Solisten auf der Bühne der Stadthalle. Hinzu kommen renommierte Orchester wie die Academy of St. Martin in the Fields, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen oder das Württembergische Kammerorchester Heilbronn, die ebenfalls dazu beitragen werden, den guten Ruf der Veranstaltungsreihe im gesamten Nordwesten weiterhin zu verstärken.

positive Folgen, denn die Gesamtbesucher- niekonzerte bei kulturell interessierten zahl ist – so eine vorläufige Bilanz gestiegen. Wilhelmshavenern sowie Musikfreunden in der Umgebung nachhaltig zu stärken. „Das hohe Renommee der angereisten Orchester und Solisten hat sich durchgehend in qualitativ beeindruckenden Darbietungen manifestiert und damit erneut den von Prof. Albert zu Grunde gelegten künstlerischen Ansprüchen Rechnung getragen“, urteilte Dr. Jens Graul im Rückblick. „Damit konnte die Besucherresonanz erfreulicherweise nicht nur stabilisiert, sondern sogar gesteigert werden. Ich bin zuversichtlich, dass sich diese positive Entwicklung fortsetzen wird.“

Daneben – so Thomas Albert – „sind unsere Bemühungen erfolgreich, verstärkt junges Publikum mit dem Erlebnis klassischer Musik vertraut zu machen und sie zu motivieren, sich eingehender mit Musik vergangener Epochen auseinanderzusetzen.“ Sein ganz besonderer Dank gilt der Sparkasse Wilhelmshaven, die sich bereit erklärt hat, ihre Rolle als Hauptsponsor fortzusetzen. „Mit der Unterstützung weiterer privater Partner ist es uns auf diese Weise möglich, ein so hochwertiges Programm anzubieten und die Reihe als zentrales kulturelles Aushängeschild der Davon sind nicht nur die treibenden Kräfte Verantwortlich dafür ist weiterhin die Muder Sinfoniekonzerte, Dr. Jens Graul (Kulsikfest Bremen GmbH, die von der Stadt Wil- Stadt fit für die Zukunft zu machen“, erturdezernent der Stadt Wilhelmshaven), helmshaven mit der Zusammenstellung der klärte der Intendant. Hans-Wilhelm Berner (Verwaltungsdirektor nächsten beiden Spielzeiten beauftragt ist. Auch die Sparkasse Wilhelmshaven zeigte der Landesbühne Thomas Albert ... erneut hochkarätige Solisten auf kündigte an, di- sich ausgesprochen zufrieden mit der EntNiedersachsen wicklung der Konzertreihe. „Die behutsame Nord) und Prof. ese erfolgreiche der Bühne der Stadthalle. und gleichzeitig kontinuierliche AufbauThomas Albert (InArbeit im Sinne arbeit der vergangenen vier Spielzeiten tendant des Musikfest Bremen), überzeugt. des Publikums fortzusetzen. Er erinnerte durch Prof. Albert und sein Team hat die Sie wissen sich bei dieser Einschätzung im an die Gründung der Konzertgesellschaft Reputation der Sinfoniekonzerte nachhaltig Einklang mit dem Publikum, das sich schon Wilhelmshaven e.V. vor zwei Jahren, deren gestärkt“, erklärte deren Vorstandsvorsitin der vergangenen Saison über exzellente Mitglieder mit ihrem Engagement dafür zender Rolf Brandstrup. „Diese erfreuliche Entwicklung begleiten wir gerne, um dazu Leistungen freuen konnte. Und das hatte sorgen, die Wertschätzung für die Sinfo-


KULTURSTADT WILHELMSHAVEN Sinfoniekonzerte 2013/2014 39 foyer

Renommierte Orchester und hochkarätige Solisten: Das Programm der Sinfoniekonzerte Wilhelmshaven für die Saison 2013/2014

Patricia Barber

Albrecht Mayer

beizutragen, das Potenzial dieses kulturellen Leuchtturms von Wilhelmshaven noch weiter auszubauen.“ Überaus erfreulich fällt auch der Blick auf die nächste Spielzeit aus. Zum Auftakt in erneuter Kooperation mit dem Musikfest Bremen gastiert am 9. September eines der angesehensten britischen Orchester: die Academy of St. Martin in the Fields. Unter der Leitung von Star-Geigerin Julia Fischer stehen u. a. Bachs Violinkonzert Nr. 1 a-Moll sowie Haydns Violinkonzert G-Dur auf dem Programm. Am 22. Oktober tritt die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen in Erscheinung. Mit Alexander Shelley am Pult erklingen Johannes Brahms‘ vierte Sinfonie e-Moll und Richard Wagners „Wesendonck-Lieder“, interpretiert von der amerikanischen Mezzosopranistin Michelle DeYoung. Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn reist am 12. November mit seinem Chefdirigenten Ruben Gazarian an. Es präsentiert mit der gefeierten Klarinettistin Sharon Kam ein italienisches Repertoire von Boccherini über Puccini und Rossini bis Verdi. Trompeter Reinhold Friedrich und das renommierte, in allen europäischen Musikmetropolen gefeierte Mahler

Chamber Orchestra widmen sich am 19. Dezember als passende Einstimmung auf das Weihnachtsfest barocken Klängen, etwa Händels berühmter „Feuerwerksmusik“. Barock geht es am 20. Januar 2014 weiter, wenn die Berliner Barock Solisten und Gottfried von der Goltz zusammen mit Star-Oboist Albrecht Mayer Werke von Bach und Telemann vorstellen. Am 13. Februar holt der russische Tastenvirtuose Arcadi Volodos den Klavierabend nach, den er krankheitsbedingt vor zwei Spielzeiten absagen musste. Er kündigt für seinen Auftritt Werke von Schubert, Schumann und Mompou an. Das Swedish Chamber Orchestra macht unter der Leitung seines Chefdirigenten Thomas Dausgaard am 4. März an der Jade Station. Mit der jungen, deutschjapanischen Pianistin Alice Sara Ott steht zunächst Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur auf dem Programm; im zweiten Teil folgt Bruckners Sinfonie Nr. 2 c-Moll. Den Schlusspunkt setzt am 19. Mai das Kammerorchester Basel. Es bringt zwei junge, weltweit gefragte Solisten mit: Die norwegische Geigerin Vilde Frang und den aus Bremen stammenden Bratschisten Nils Mönkemeyer.

Nils Mönkemeyer

Die Spielzeit im Überblick Montag, 9. September 2013 Academy of St Martin in the Fields; Julia Fischer, Leitung und Violine Montag, 22. Oktober 2013 Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen; Michelle DeYoung, Mezzosopran; Alexander Shelley, Dirigent Dienstag, 12. November 2013 Württembergisches Kammerorchester Heilbronn; Sharon Kam, Klarinette; Ruben Gazarian, Dirigent Donnerstag, 19. Dezember 2013 Mahler Chamber Orchestra; Reinhold Friedrich, Leitung und Trompete Montag, 20. Januar 2014 Berliner Barock Solisten; Albrecht Mayer, Oboe und Oboe d’amore; Gottfried von der Goltz, Leitung und Violine Donnerstag, 13. Februar 2014 Solistenkonzert Arcadi Volodos, Klavier Dienstag, 4. März 2014 Swedish Chamber Orchestra; Alice Sara Ott, Klavier; Thomas Dausgaard, Dirigent Montag, 19. Mai 2014: Kammerorchester Basel; Vilde Frang, Violine; Nils Mönkemeyer, Viola Stadthalle Wilhelmshaven, jeweils 20 Uhr


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KULTUrSoMMer Festivals im Nordwesten

In Parks, Theatern und „auf der Donau“: Sommerliche Festivals in der Region Text: Christian Emigholz

„Hildegard lernt fliegen“

„Dikanda“

Von JaZZ biS lyriK Wo Hildegard das Fliegen lernt Bunter Oldenburger Kultursommer Der Oldenburger Kultursommer eröffnet in diesem Jahr mit einem Orchesterkonzert. Das Orchester dabei ist allerdings eines der etwas anderen Art! Am 27. Juni tritt nämlich auf dem Oldenburger Schlossplatz „The Kyteman Orchestra“ aus den Niederlanden auf. Hinter dem Projekt steckt der Komponist und Musiker Colin Benders, der sich, als er noch als HipHopper reüssierte, Kyteman nannte. Aber „The Kyteman Orchestra“ ist nur im erweiterten Sinne eine Rap-Community, vielmehr handelt es sich um ein mehr als 18-köpfiges Orchester plus 30-köpfigem Chor. Und das spielt die Werke von Colin Benders, die inzwischen sinfonisches Format erreicht haben, aber auch HipHop, Jazz und Drum & Bass-Elemente verwendet. Einen Abend später, am 28. 6., geht es zu einem anderen deutschen Nachbarn: nach Polen. „Dikanda“ ist ein Folk-Sextett aus Stettin, das nicht allein auf polnische Folklore vertraut, sondern auch Melodien und Rhythmen aus dem Balkan, aus Russland und der Türkei in seinen schwungvollen World-Mix einbezieht. Wäre da nicht die Nordsee, könnte man auch England zu den direkten Nachbarn rechnen, wo Gabby Young mit ihrer Band „Other Animals“ zuhause ist. Die Sängerin wuselt wild durch die Stile – Rock, Jazz, Cabaret-Song, Opernarien – und hat dazu eine ganz und gar faszinierende Stimme (29.6.). Aus der Schweiz, auch ein Nachbarland, kommt die furiose Kapelle „Hildegard

lernt fliegen“, die im vorigen Jahr bei der Messe „Jazzahead“ das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss (1.7.). Nein, „Monsieur Periné“ kommen nicht aus der Nachbarschaft, sondern aus Kolumbien, und sie spielen angesagten Electroswing mit kräftiger Latin-Note (2.7.). Auch „Acoustic Africa“ ist weit gereist: Die drei Sängerinnen plus Begleitung kommen aus Kamerun und von der Elfenbeinküste und singen ind Malinke, Wolof und Lingala (3.7.). Ganz lokal wird es bei dem „Plattsounds“ überschrie-

benen Abend, an dem Rapper (De fofftig penns), Punkrocker (De Schkandalmokers) und Altmeister Helmut Debus der plattdeutschen Sprache huldigen (4.7.). Zum Finale geht’s ganz in die Ferne: Zwei Bands aus Neuseeland beschließen der Reigen auf dem Schlossplatz: Zunächst The Black Seeds mit ihrem Vintage-Rock mit sattem Reggae-Anteil (5.7.), einen Abend später dann Batucada Sound Machine, die Rap und Latin kombinieren. Alle Konzerte beginnen um 19.30 Uhr. Der Oldenburger Kultursommer geht aber weiter bis zum 14.7. mit Filmen, Tanznächten, Tanztheater, Lesungen, weiteren Konzerten und viel Programm für die Kinder. www.oldenburg.de

................................. Jede Menge Literatur 14. „Poetry on the Road“ in Bremen Herzlichen Glückwunsch zum 20. Geburtstag! Es freut mich sehr, mit foyer immer wieder ein ansprechendes Magazin in Händen zu halten, das umfassend und interessant über die kulturellen Ereignisse im Nordwesten berichtet. Von der Bühne bis ins Museum bietet es jedem Kulturinteressierten eine ausgezeichnete Orientierung. In diesem Sinne wünsche ich dem gesamten Team noch viele weitere spannende Ausgaben. Dr. Friedrich Scheele Direktor der städtischen Museen, Sammlungen und Kunsthäuser der Stadt Oldenburg

Spätestens seit es das Bremer Literaturfestival „Poetry on the Road“ gibt – und vom 6. bis zum 10. Juni findet es schließlich schon zum 14. Mal statt – wissen wir, dass es neben dem gekonnten Schreiben von Literatur auch eines beherzten Vortrages bedarf, um zu überzeugen. Wenn der Dichter spricht, will der Zuhörer von seiner Sprache, seiner Gestik und Mimik gefesselt sein. „Poetry on the Road“ kündigt seine Programme daher überwiegend mit dem Zusatz „an diesem Abend lesen und performen“ an, denn manche der Dichter sind auch echte Performer, einmal abgesehen von denen, die ihre Texte ohnehin zu Musik vortragen.


KULTURSOMMER Festivals im Nordwesten

„Batucada Sound Machine“

Liebes foyer – nach 100 siehst du gar nicht aus! – Eine Lektüre, auf die ich mich jedes Mal wieder freue: Informativ, ästhetisch, anregend. Die Kulturszene in Bremen und umzu von ihrer schönsten Seite. Und da nichts so wichtig ist wie das Schöne: Für Kulturfreunde im Norden unverzichtbar.

Jorge Drexler

geboten: Der große schwedische Dichter Lars Gustafsson, die Irin Mary O’Malley, die Lyrikerin Hava Pinhas-Cohen und der Schriftsteller David Grossman aus Israel, Antje Krog und Karin Schimke aus Südafrika und Menna Elfyn aus Wales, die das verschlungene Walisische aus Dylan Thomas’ „Under Milkwood“ hochhält, sowie das russische Dichterpaar Olga Martynova und Oleg Jurjew, um nur einige der 24 Dichter und Performer aus aller Welt zu nennen.

Spannend dürfte auch der Duo-Auftritt von Günter KuDr. Katja Pourshirazi nert mit Wolf BierLeiterin des Overbeck-Museums mann im Bremer Dom werden. Und für alle, die es eher skurril-humorvoll Zu ihnen gehören Jorge Drexler aus Montevideo, der Bremer Rap-Dichter Bas Bött- mögen, ist der Altcher und das Liedermacher-Denkmal Wolf meister der „Neuen Biermann, die gleich am Eröffnungsabend Frankfurter Schuim Kleinen Haus des Theater Bremen auf- le“, Eckhard Henscheid, verpflichtreten. Im Verlauf des Festivals sind dann mit dem Warschauer Spoken-Word-Perfor- tet worden. Veranmer Bohdan Piasecki, dem Schweizer Dich- staltungsorte sind ter und Musiker Erwin Messmer sowie der neben dem Kleinen Haus wie üblich die Komponistin und Lyrikerin Rozalie Hirs Shakespeare Comaus dem niederländischen Gouda regelpany am Leibnizrechte Doppelbegabungen vertreten. platz, das Weserhaus von Radio Überhaupt sind wieder bekannte Namen Bremen, die Vilfür die Lesungen und Performances auf-

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Lars Gustafsson

la Ichon, das Bremen4U Café am Brill, das Institut Français sowie die „Schulschiff Deutschland“ in Vegesack. Gewissermaßen eine Voraufführung gibt es schon am 6. Juni im Auswandererhaus in Bremerhaven. www.poetry-on-the-road.com

Così fan tutte Oper von Wolfgang Amadeus Mozart

Karten unter Tel 0421 . 3653-333 kasse@theaterbremen.de


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KULTUrSoMMer Festivals im Nordwesten

„Liga der gewöhnlichen Gentlemen“

„Hola a todo el mundo“

Noch ein bisschen größer

Nite Crash“ und „Kleinstadthelden“ sowie der „Waterkant(ry)-Mann“ Jonny Glut verDie Breminale läuft vom 10. bis 14. Juli treten. Aber natürlich reisen auch internationale Gäste an: Der norwegische SongNachdem sich das weite Gelände an der Weser letztlich doch als zu klein erwiesen writer Moddi, aus Argentinien „Zingaros“, hat, findet die Breminale nun auch auf der die Tango und Gypsy-Musik miteinander verbinden, die spanische Folkpopband Wiese hinter der Kunsthalle statt. Was in diesem Zelt – durch den Fußgängertunnel „Hola a todo el mundo“ und die polnische unter dem Osterdeich schnell zu erreichen Folkband „Dikanda“. Ach ja, ein Eintrittspreis wird weiterhin für die Breminale – passieren wird, ist momentan noch geheim. Was an den anderen Spielorten läuft nicht erhoben! www.breminale.de hingegen nicht, nämlich ein ganzes Bündel von Konzerten in den diversen Zelten, daneben aber auch ein Kinderprogramm. Musikalisch reicht die Bandbreite wie üblich von hart bis zart, von Rock bis Blues, vom Songwriter bis zu elektronischen Beats. So wird die japanische Band „Osaka Monaurail“ erwartet, die eine erstklassige Soul-Show im Stile von James Brown inszeniert. Beim „Kogge Pop Summercamp“ ist der Bremen-Norder Deutschrocker „Grillmaster Flash“ neben dem Berliner Raubein-Rocker „Abby“ zu Gast. Außerdem sind Bremens wilde „Mad Monks“ und das bremisch-madagassische Projekt „Raoky“ zu hören. Das kleine und feine Hamburger Label „Tapete“ ist gleich mit zwei Bands auf der Breminale vertreten: Die „Liga der gewöhnlichen Gentlemen“ ist quasi der Nachfolger von „Superpunk“, und bei „Die Höchste Eisenbahn“ handelt es sich um ein Projekt der Songwriter Francesco Wilking und Moritz Krämer. Aus der bremischen Szene sind die Rock’n’Roller „The Wild Black Jets“, „Black

„foyer“ ist unter den Kulturmagazinen vielleicht das mit dem klügsten Titel: „Zwischen den Acten (...) wandeln diejenigen, die für diesen Abend noch unversorgt sind, in einem schönen großen Saale umher, der Foyer heißt“, notierte August von Kotzebue über den Begriff, den er 1804 in Paris kennengelernt hatte: Hier begegnen sich Kultur und Kulturschaffende, Unterhaltung und Information. Toll, dass wir ein großes „foyer“ exklusiv für unsere Kulturregion haben; weiter so!! Prof. Dr. Rainer Stamm Direktor Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Schurke Richard und gemeiner Puck 18. Ausgabe von „Shakespeare im Park“ Zum 18. Mal veranstaltet die bremer shakespeare company in diesem Jahr ihr Freiluftfestival „Shakespeare im Park“. Fünf Inszenierungen sind vom 14. bis 18. August auf der Melcherswiese im Bürgerpark zu sehen. Der Reigen beginnt mit einem ausgemachten Bösewicht: Am 13. 8. wird Richard III. gegeben, und damit ist die vielleicht finsterste Figur zu sehen, die Shakespeare kreiert hat. Während es bei ihm trotz der vielen Morde nicht sonderlich blutig zugeht, bietet der zweite Festival-Abend eine „Martial Arts“-Inszenierung mit viel Schwerterkampf und Waffengeklirr und jeder Menge Blut. „Macbeth“ räumt mit Hilfe seiner Frau alle aus dem Wege, die sein Ziel, König zu werden, verhindern könnten. Von nun an wird es lustiger im Park: Am 16. 8. ist die Komödie „Verlorene Liebesmüh“ zu sehen. In der Inszenierung von Thomas Weber-Schallauer spielen vier Schauspieler die Männer- wie die Frauenrollen, was zu urkomischen Momenten führt. Märchenhaft wird es am 17.8., wenn „Pericles“ gegeben wird. In die Wunderwelt des Waldes führt schließlich der letzte Abend im Park mit „Ein Sommernachtstraum“, wenn der Waldgeist Puck sein böses Spiel mit den Stadtbewohnern Treibt und der Handwerker Zettel seinen sprichwörtlichen Traum erlebt, in dem er allerdings


KULTUrSoMMer Festivals im Nordwesten

shakespeare company bremen

ein Esel ist. Aber es gilt auch bei Benno Iflands im vorigen Jahr mit dem MonicaBleibtreu-Preis ausgezeichneten Inszenierung: Ende gut, alles gut. Die ersten vier Abende im Bürgerpark beginnen um 20 Uhr, der Sommernachtstraum schon um 18 Uhr. www.shakespeare-company.com

Fotos: Marianne Menke

nau entlang mit dem Ungarischen Tanz Nr. 2 von Johannes Brahms und Werken von Zoltán Kodály und George Enescu. Es folgen der Familientag mit viel Kinderprogramm und dem schon lange zur Tradition geworden Wettbewerb um die schönste Gestaltung des Picknick-Ge-

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Sommer in Lesmona

decks, und zum Mittagsläuten spielen dann die Bläsersolisten der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Ob die sich wohl bis zu Donaumündung in der Walachei vorwagen? Die Folklore dort ist jedenfalls überschäumend wild und prinzipiell bläserlastig! www.kammerphilharmonie.com

................................. Eine Donaudampfschifffahrt „Sommer in Lesmona“ im Walzertakt Der „Sommer in Lesmona“, das Freiluftfestival der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in Knoops Park, kommt in diesem Jahr mit einem Titel daher, bei dem der ¾-Takt förmlich mitschwingt: „An der schönen blauen Donau“. Der weltberühmte Walzer von Johann Strauß ist der ideale Name für eine musikalische Reise entlang des Flusses, bei der dann natürlich nicht nur Walzerklänge zu hören sind, sondern auch wildere Tänze aus der ungarischen Puszta, Folklorethemen aus dem Balkan und sogar einige Takte aus deutschen Landen – schließlich entspringt die Donau hier. Der Auftakt am 16. August mit der Operngala steht ganz im Zeichen des beschwingt Tänzerischen. Darunter finden sich Arien aus „Die Fledermaus“ und „Wiener Blut“, beides Werke von Johann Strauß, solche aus Franz Lehárs „Land des Lächelns“ und auch Richard Strauss’ sicherlich wienerischstes Werk „Der Rosenkavalier“ wird berücksichtigt. Beim Großen Orchesterkonzert am 17. August geht es dann südlicher die Do-

RAUBGRABER GRABRAUBER im landesmuseum natur und mensch 11. mai - 8. september 2013

Niedersächsische Landesmuseen Oldenburg

www.naturundmensch.de In Zusammenarbeit mit:

oldenburgische

landschaft


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MUSIK Bremer Philharmoniker

ein freund, ein guter freund… Wie der neue Unterstützerkreis „prophil“ die Bremer Philharmoniker fördert Text: Stephan Cartier

Christian Kötter-Lixfeld und Fränze Kleschies

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reundschaft – oft beteuert und besungen. Etwa in der Verdi-Oper „Don Carlos“. Da schwören sich der Titelheld und sein Vertrauter Rodrigo ewige Treue („Gott … höre unseren Eid: Wir lieben uns bis in den Tod!“). Oder in den „Perlenfischern“ von Georges Bizet, wo sich der Jäger Nadir und der Fischer Zurga immerwährender Freundschaft versichern („Getreu dem Schwur alleine will ich dich wie ein Bruder lieben!“).

Es gebe drei gute Gründe, den Schritt in Richtung eines eigenen Unterstützerkreises zu unternehmen, meint Christian Kötter-Lixfeld: „Er schafft Kontinuität in der finanziellen Unterstützung, also die Gewährung finanzieller Unabhängigkeit. Er fördert das kreative Potenzial des Ensembles. Und vielleicht der wichtigste Grund: Er schafft ein Forum, ein gemeinsames Zuhause für unsere Freunde.“ Ein Freundeskreis für die Philharmoniker ist so naheliegend, dass sein bisheriges Große Worte, keine Frage. Aber FreundFehlen mehr verwundern muss als die jetschaft lässt sich auch mit weniger Pathos, zige Gründung. Die allseits bekannte Undoch ohne Abstriche hinsichtlich der Auf- terstützung durch die Philharmonische richtigkeit beteuern. Die Bremer PhilharGesellschaft schien einen eigenen Freunmoniker wissen, wie das geht. Sie sind deskreis überflüssig zu machen. „Doch sogar in der beneidenswerten Lage, mit wir haben uns als Orchester mit unseren einem Freundeskreis ganz ohne „soziale zahlreichen Angeboten weiter entwickelt, Medien“ verbunden zu sein. „prophil“ lau- so dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eitet der Name dieses Sympathisantenzirnen solchen Schritt gekommen ist“, urteilt kels, der rasch größer wird. der Intendant. Denn immer mehr Konzertbesucher möchten das Orchester auch jenseits der „offiziellen“ Termine unterstützen, wie Christian Kötter-Lixfeld berichtet. Der Intendant der Bremer Philharmoniker ist häufig darauf angesprochen worden, auf welche Weise der seit Jahren ungebrochene Aufwärtstrend des Orchesters zusätzlich gefördert werden könnte. Und zwar ideell wie auch finanziell, weshalb die Idee, einen Freundeskreis zu gründen, quasi in der Luft lag.

Mit der bundesweit einmaligen und mehrfach prämierten Musikwerkstatt oder den erst kürzlich mit dem Bremer Marketingpreis ausgezeichneten Afterwork-Konzerten „5nachsechs“ zeigten sich die Bremer Philharmoniker in den vergangenen Jahren am Puls der Zeit, sie haben einen Nerv getroffen. „Wir erleben derzeit einen stetigen Wandel des traditionellen Klassikkonzertes mit Ouvertüre, Solokonzert und dann der obligatorischen Sinfonie nach der Pause“, ist sich Kötter-Lixfeld sicher. Und zu diesem neuen Bild des Orchesters auf der Bühne gehört auch ein aufgeschlossener, offener Umgang mit dem Publikum.

Der Intendant nimmt eine kleine Atempause: „Wir haben derzeit die besten Philharmoniker, die es je gab“, stellt er sachlich fest. Das lasse sich bereits an den Besucher- und Aufführungszahlen sowie den regionalen und überregionalen Rezensionen nachweisen, schiebt er geraDie Philharmonische Gesellschaft kann diese Konzentration auf die Philharmoni- dezu erstaunt über die eigene Erkenntnis ker qua Selbstverständnis nicht leisten, da nach. Wer in die Statistiken schaut, sieht, dass der Mann Recht hat. „Es wäre fahrderen Statuten die Förderung des gesamten Bremer Musiklebens vorsehen. Als Gesell- lässig, diesen Schwung nicht zu nutzen.“ schafterin der Bremer Philharmoniker be- Der Freundeskreis „prophil“ bietet eine Möglichkeit zur Akquise von Geldmitgleitet sie dafür umso überzeugter und teln. Viel mehr steht aber die persönliche engagierter die Entwicklung des Freundeskreises und steht den Philharmonikern Anbindung an das Orchester im Vordernicht nur durch die Förderung ausgewähl- grund. Die Bremer Philharmoniker laden zum Mitgestalten des Bremer Muter Konzerte eng zur Seite. sik- und Kulturlebens ein. Dass dies keine


Musik Bremer Philharmoniker

elitäre Angelegenheit sein muss, zeigen die moderaten Beiträge. Mit einem Jahresbeitrag von 25 Euro können bereits Schüler und Studenten dabei sein, Berufstätige mit 50 Euro – in der Summe können zwar auch hierdurch nennenswerte Mittel zusammenkommen, aber es soll wortwörtlich jedem(!) die Möglichkeit gegeben werden, Mitglied bei „prophil“ zu werden. Die Dimensionen des Sponsorings sind überschaubar, lassen jedoch auch Freiräume nach oben. Wer nicht auf den letzten Euro schauen muss, der kann sich als Privatperson eine fördernde Mitgliedschaft für 500 Euro sichern, Firmen ab 1000 Euro. Diese fördernden Mitgliedschaften enthalten attraktive Vorteilspakete.

nen neuen Zweig am Stammbaum des diskreten hanseatischen Mäzenatentums. Indes reklamiert Christian Kötter-Lixfeld für die Idee zum Freundeskreis nicht das Copyright. Viele Orchester in der Republik haben einen solchen Unterstützerkreis bereits oder gründen ihn derzeit. „Es scheint mir weniger eine Frage zu sein, ob wir Vorreiter in diesem Engagement sind, sondern ob es sich ein Orchester heute noch leisten kann, im Elfenbeinturm zu musizieren. Uns ist der Dialog auf Augenhöhe mit dem Publikum wichtig“, kommentiert Kötter-Lixfeld den Trend.

Die Galeristin Katrin Rabus, der Unternehmer Peter Bollhagen und der Rechtsanwalt Thomas Adam geben dem ambitionierten Ob aus den „prophil“-Beiträgen dann ein Unternehmen „prophil“ ehrenamtlich als Trompetenmundstück für die Musikwerk- Schirmherren ihre Gesichter und Stimstatt der Philharmoniker gekauft, ein Satz men. Organisatorisch und strategisch lauNoten angeschafft oder ein Projekt unter- fen die Fäden bei Fränze Kleschies in der stützt wird, bleibt Sache des Unterstützer- Kundenkommunikation zusammen. kreises: „Die Freunde sollen mitbestimDer Intendant freut sich auf viele Gelemen, wohin das Geld geht.“ Zur Anregung genheiten, bei denen er gemeinsam mit will man jedes Jahr aber einen SchwerBremens Generalmusikdirektor Marpunkt in der Förderung vorgeben; zur neu- kus Poschner und musikalischen Gästen en Saison 2013/2014 soll es die KonzertMitglieder des Freundeskreises in geselreihe „5nachsechs“ sein. „Wir haben hier liger Runde im Rahmen eines Konzertes gesehen, dass Menschen, die bisher kaum trifft, und ebenso auf angeregte DiskussiBerührung mit klassischer Musik hatten, onsforen, in denen sich ausgewählte Probegeistert werden können, wenn man die jekte konkretisieren oder ganz neue Ideen Musik so anbietet, dass sie in ihr Leben entwickeln lassen. Sein Credo: „Unsere passt“, begründet Kötter-Lixfeld die Wahl. Freunde sollen keine passive Masse sein, Die bremische Tradition bürgerlichen En- sondern aktive Gestalter.“ gagements findet mit „prophil“ also ei-

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Freunde werden, weil ... • die Bremer Philharmoniker für Bremen genauso wichtig sind wie der Roland und die Stadtmusikanten • weit man so dazu beiträgt, dass Musik Bremen liebens- und lebenswert macht • man gar nicht früh genug anfangen kann, Kinder und Jugendliche für klassische Musik zu begeistern • es in Bremen rund um die Musik und die Bremer Philharmoniker noch viele Möglichkeiten gibt, sich zu engagieren Mitgliedschaft (Jahresbeitrag) Einzelperson: 50 Euro Schüler/Studenten: 25 Euro Fördernde Mitgliedschaften (Jahresbeitrag) Junge Förderer bis 30 Jahre: ab 250 Euro Förderer: ab 500 Euro Fimen: ab 1000 Euro Um ausführliche Informationen zu erhalten, schreiben Sie eine E-Mail an info@prophil.de oder rufen Sie an Telefon 04 21 - 6 26 73 21


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kirchenmusik

Saus und Braus

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rgelmusik zählt wohl grundsätzlich nicht zu dem Genre, das besonders häufig auf den iPods von Kindern und Jugendlichen vertreten sein dürfte. Gleichwohl wissen nicht nur Kirchenmusiker zahlreiche Geschichten zu erzählen, wie eine zufällige Begegnung mit der Orgel in der Kindheit zum Faszinosum für das ganze Leben geworden ist. Auch die Oberneulander Kirchenmusikerin Katja Zerbst wurde früh von diesem Virus infiziert. Grund genug für sie, nun ein zweitägiges Festival zu organisieren, das Kindern und Jugendlichen verschiedener Altersgruppen die Möglichkeit eröffnet, nicht zufällig, sondern einmal ganz vorsätzlich dem Klang der Orgel zu begegnen. „Saus und Braus“ heißt das Motto der insgesamt sechs Veranstaltungen. Und welches Instrument, wenn nicht die Orgel, versteht es, vom zartesten Tönchen bis zum Klangrausch so aus dem Vollen zu schöpfen wie sie. „Das Geheimnis der Orgel“ werden Maren & Willi Winter schon den Allerkleinsten mit einem Figurentheater lüften (22. 6., 16 Uhr, Friedenskirche). „Peter und der Wolf“ mit der unsterblichen Musik von Sergej Prokofieff und „Orgelwurm Willibald“

Orgelfestival für Kinder und Jugendliche Text: Ulrich Matyl

lassen sich für Grundschulkinder sehen und hören (21. 6., 16 Uhr, St. Ansgarii und 18 Uhr, Dom). Kindern und Jugendlichen aller Alterklassen werden die Dommusiker Wolfgang Baumgratz und Tobias Gravenhorst an den Orgeln des St. Petri Doms zeigen, wie die überhaupt funktionieren (22. 6., 10.30 Uhr). Speziell Jugendliche können am 21. 6. (20 Uhr, Dom) den Naumburger Organisten David Franke auf die Probe stellen: Unter der Motto „Vom iPod auf die Orgel“ wird er auf Zuruf über gerade angesagte Lieblingsmusiken improvisieren! Und last but not least beschließen die Mädchenkantorei der Domgemeinde und Tobias Gravenhorst an der Orgel mit einem Festkonzert das OrgelEvent (22. 6., 18 Uhr, Dom).

Gastspiel „Der Heilige Paulus“ Nach mehreren Aufführungen des „Paulus“-Oratoriums von Felix Mendelssohn-Bartholdy in jüngster Zeit eröffnet sich am 24. Mai die Gelegenheit, dieser für das Christentum so maßgeblichen Persönlichkeit auf ganz andere Weise künstlerisch zu begegnen. In der katholischen Kirche St. Hedwig in der Neuen Vahr gibt das Westfälische Landestheater ein Gastspiel mit dem

musikalischen Theaterstück „Der Heilige Paulus“ von Tankred Schleinschock. Darin wird eindrucksvoll der Aktualität dieser biblischen Figur auf musikalisch-poetischtheatralische Weise nachgehorcht.

Weitere ausgewählte Kirchenmusik-Termine im Sommer: Stèle. Magyar Pillanatok – Ungarische Mo(nu)mente. Mit Zsigmond Száthmary (Orgel), Katharina Rikus (Mezzosopran) u.v.a. 25. 5. (20 h), Kulturkirche St. Stephani. Orgelsonntag im St. Petri Dom. 26. 5. (20 h) Carl Philipp Emanuel Bach: „Auferstehung und Himmelfahrt Jesu“. Leitung: Christian Faerber. 9. 6. (18 h), Martin-LutherKirche Findorff. Sommerkonzert des Knabenchores Unser Lieben Frauen. Leitung Ansgar MüllerNanninga. 12. 6. (20 h), Kirche Unser Lieben Frauen. Orgeltage Farge-Blumenthal 24. bis 28. 6. Kirchengemeinden Blumenthal, Rönnebeck-Farge und Martin-Luther Blumenthal. Orgelsommer 2013 4. 7. bis 29. 8. Zehn Orgelkonzerte im St. Petri Dom mit internationalen Gästen.


botanika Bremen

Universum® Bremen

Überseemuseum Bremen

Deutsches Auswandererhaus®

Zoo Bremerhaven

Klimahaus® Bremerhaven 8° Ost

Bremen liegt weit oben In Bremen und Bremerhaven ist nur die Landschaft flach. Die Universität Bremen ist Exzellenzuniversität. Die Wissenswelten in 19 Science Centern und Museen machen Spaß und wecken Lust am Forschen und Entdecken. Mehr erfahren unter: www.wissenswelten.com

Deutsches Schiffahrtsmuseum


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MUSIK Konzerttipps

Opernrätsel

: Konzerttipps

(SN) Oper, Oratorium mit sinfonischen Elementen, dazu Liedeinlagen, Tänze, Märsche, Trinklieder, große Chornummern und übereinander geschichtete Soldatengesänge – das alles sind Bestandteile dieser ungewöhnlichen „dramatischen Legende“. Nicht ganz so ungewöhnlich ist die Wahl des „Helden“ im Mittelpunkt, immerhin der größte deutsche „Sinnsucher“ aus der Feder des weltbekannten Dichters. Allerdings verläuft der Inhalt nicht gemäß der ursprünglichen, später auch von anderen Komponisten vertonten Dichtung, sondern fügt Episoden des Lebens und Sterbens samt der Verdammnis zusammen. Der Komponist ist berühmt als „Erfinder“ neuer Orchesterfarben und vor allem eines Werkes, das oft im Konzertsaal zu hören ist, geradezu als Paradestück jeden Orchesters. Gemeint ist eine Symphonie, in welcher der Komponist sein ungestümes Liebesleben sehr emphatisch und sehr visionär in Klänge übersetzt hat. Wie heißt er, wie nannte er seine „Dramatische Legende“? Bitte schreiben Sie Ihre Antwort bis zum 15. Juli 2013 an foyer, Roland Verlag GmbH, Schlachte 43, 28195 Bremen. Die Teilnahme ist auch online möglich: www.rolandverlag.de (Publikationen/Foyer) Zu gewinnen sind je 5 x 2 Karten für das Theater Bremen, das Stadttheater Bremerhaven und das Oldenburgische Staatstheater.

Sinfonie der Tausend

Zwischen Ems und Jade

(ps) Das Oldenburgische Staatstheater und das Stadttheater Bremerhaven tun sich zusammen, um ein Werk der Superlative zu stemmen: Gustav Mahlers 8. Sinfonie verlangt ein gewaltiges Orchester, zwei Chöre, einen Kinderchor und nicht weniger als acht exzellente Solisten.

(ps) Zum zweiten Mal veranstaltet die Ostfriesische Landschaft als Regionalverband für Kultur, Wissenschaft und Bildung zwischen Ems und Jade die „Gezeitenkonzerte“. Vom 21. Juni bis zum 11. August sind 30 Veranstaltungen in alten Kirchen, imposanten Guts- und Gulfhöfen oder Kurhäusern vorgesehen.

Die „Sinfonie der Tausend“, ein Kooperationsprojekt mit der Metropolregion Nordwest, der Niedersächsischen SparkasDie Auflösung des Opernrätsels in foyer senstiftung und der Landessparkasse zu 99 lautet: „Die heimliche Ehe“ (Il matrimanio segreto“) von Domenico Cimarosa. Oldenburg, ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. An der Uraufführung 1910 in München waren mehr als 1000 Musiker Gewonnen haben: und Sänger zu hören. Herma Bosse, Oldenburg Verena Bürgel, Edewecht Johanna Finger, Oldenburg Gudrun Fischer, Bremen Ute Gätje, Bremerhaven Wolfgang Hackmann, Bremen Elke Harksen, Nordenham Vera Kedenburg, Sottrum Hauke Kiehm, Bremerhaven Renate Knapp, Bremen Klaus Krüger, Bremen H.-Dieter Neukam, Wiefelstede Gabriele Radtke, Delmenhorst Stefan Schulze, Bremen Eugen S. Wolf, Bremen

Das „Opus magnum“ in Es-Dur wird im Juni fünfmal an verschiedenen Orten im Nordwesten aufgeführt, die musikalische Leitung liegt in den Händen des Oldenburger GMDs Roger Epple (Foto). Rund 550 Mitwirkende werden daran beteiligt sein. 16. und 17. Juni, Weser-Ems-Halle Oldenburg 18. Juni, Münsterlandhalle Cloppenburg 23. Juni, Stadthalle Wilhelmshaven 25. Juni, Stadttheater Bremerhaven

„Entdeckungen“ lautet das Motto, Kammermusik steht im Mittelpunkt, aber auch Jazz wird zu hören sein. Zugesagt haben neben vielversprechenden Talenten auch international bekannte Künstler wie die Klarinettistin Sharon Kam (Foto), der Geiger Ingolf Turban oder der Pianist Lars Vogt, der in der ev.-luth. Kirche von Uplengen-Remels unweit von Westerstede das dritte Konzert des Festivals geben wird. Vogt (42), weltweit gefragter Solist und Partner renommierter Orchester, wurde 2012 zum Professor für Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover berufen. In Uplengen-Remels tritt er gemeinsam mit Rachel Roberts auf, 1. Bratschistin beim London Philharmonic Orchestra. Auf dem Programm stehen Werke von Bach, Brahms und Schubert sowie die Sonate für Viola und Klavier C-Dur op. 147 von Dmitri Schostakowitsch. 27. Juni, 20 Uhr, Kirche Uplengen-Remels


musik Konzerttipps

Lange „klangpol“-Nacht

Lieder von Mackeben bis Weill

(ps) Am 15. Juni wird die Oldenburger Peterstraße zur Musikmeile. Ab 19 Uhr werden bis spät in die Nacht und dazu bei freiem Eintritt ganz besondere Musikerlebnisse geboten – unter freiem Himmel, in Kirchen, Zelten und Konzertsälen. Zu verdanken ist dies dem Netzwerk „klangpol“; einem Zusammenschluss von zwölf Partnern in Oldenburg und Bremen, die allesamt der Kunstmusik von heute mehr Gehör verschaffen wollen.

(ps) „So oder so ist das Leben“ weiß die Bremer Sopranistin Regine Horn, die in den vergangenen Jahren als viel beachtete Solistin, mit interessanten Chor-Projekten und als gefragte Musikpädagogin ihre Spuren im kulturellen Leben der Region hinterlassen hat. Das Zitat – Titel eines Filmhits von Theo Mackeben – bildet das Motto eines neuen Konzertabends der Sängerin, in dessen Mittelpunkt „Lieder der Sehnsucht und der Liebe“ stehen werden.

Während der „Langen Nacht der Musik“ präsentieren neun bei „klangpol“ aktive Ensembles und Institutionen in Konzerten und Performances zeitgenössische Musik in ihrer ganzen Bandbreite: Stücke für Tuba solo oder Musik »inside the piano«, die extrovertierten Improvisationen des Ensembles „Klank!“ oder die Performance „C copy A“ mit aktiver Beteiligung des Publikums.

Ein Programm, das nur auf den ersten Blick der „leichten Muse“ gilt. Denn Regine Horn singt Melodien bekannter Komponisten wie Mackeben, Nico Dostal oder Kurt Weill, die bei aller vermeintlich musikalischen Gefälligkeit oft unversehens ins hintergründig Ironische kippen. Gerade diese Brüche sind es, die Regine Horn besonders interessieren. „Das ist viel mehr als ‚nur’ reine Unterhaltungsmusik; viel zu wertvoll, um in Vergessenheit zu geraten“, sagt sie.

Für die „Multiple Biophonie“ des „Atelier Blauschimmel“ wird sogar einer der schönsten und nur selten zugänglichen Säle Oldenburgs geöffnet: die Aula der ehemaligen Pädagogischen Hochschule. Und im Möbelhaus Rosenbohm erklingen John Cages „Livingroom music“ und György Ligetis spektakuläres „Poéme Symphonique“ für 100 Metronome. 15. Juni, ab 19 Uhr, Oldenburg Peterstraße

Unterstützt wird Regine Horn dabei von István Dénes am Klavier. Der Dirigent und Komponist war von 1987 bis 1995 als 1. Kapellmeister am Bremer Theater und danach bis 2008 als Generalmusikdirektor am Theater Trier tätig. 14. Juni, 20 Uhr, Sendesaal Bremen

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MUSIK Jazztipps

: Jazztipps Text: Christian Emigholz

Sportlichkeit, die begeistert. Der Audi SQ5 TDI* ist das erste Audi S-Modell mit TDIAggregat. Der V6-Dieselmotor mit Biturbo-Aufladung bietet Fahrspaß pur und in Verbindung mit permanentem Allradantrieb quattro® und der 8-stufigen tiptronic Eckdaten, die beeindrucken: 650 Nm Drehmoment, 230 kW (313 PS) Leistung, in 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Zugleich ist der Audi SQ5 TDI ein typischer TDI – mit niedrigem Kraftstoffverbrauch und geringen CO2-Emissionen. Eine souveräne Kombination aus Effizienz und Performance. Damit Sie diese Kraft auch sehen, wartet der Audi SQ5 TDI mit unverwechselbaren Designmerkmalen auf. Dazu zählen u. a. der Audi Singleframe mit horizontalen Doppelchromstreben, schwarze Bremssättel vorn mit SQ5-Emblem sowie Außenspiegel in Aluminiumoptik. Ab sofort bestellbar. Erfahren Sie mehr bei Ihrem Audi Partner. Alle Angaben basieren auf den Merkmalen des deutschen Marktes. * Kraftstoffverbrauch l/100 km: innerorts 7,6; außerorts 6,4; kombiniert 6,8; CO2-Emission g/km: kombiniert 179; Effizienzklasse C

Ab sofort bei uns bestellbar. Audi Zentrum Bremen Schmidt + Koch GmbH Audi R8 Partner Stresemannstraße 1-7 28207 Bremen Tel.: 04 21 / 44 95-132 Fax: 04 21 / 44 95-150 www.audi-bremen.de

Zwei Tage „Plushmusic“

Deutscher Soulsänger

Über musikalische Grenzen hinweg

NDR Bigband feat. Stefan Gwildis

(che) Im beschaulichen kleinen Dörfchen Plush im britischen Dorset gründete vor 18 Jahren der Cellist Adrian Brendel, der Sohn Alfred Brendels, das musikalische Grenzen lässig überwindende „Plushmusic Festival“. Mittlerweile gibt es einige Ableger dieser Festival-Idee. Nun auch im Sendesaal Bremen. Der Saxofonist Hayden Chisholm, der schon in Köln einen solchen Ableger ins Leben gerufen hat, kuratiert die beiden Abende, an denen Jazz auf Neue Musik, Improvisation und Folklore trifft.

(hip) Im Eindeutschen klassischer Songs ist keiner so witzig und elegant wie er: Aus „Fly me to the moon“ wird bei ihm „Schieß mich doch zum Mond“, aus „My Funny Valentine“ machte er „Das mit dem Glücklichsein“. Zudem verstand es Stefan Gwildis, sich mit seiner rauchigen Stimme und einer extrem gewinnenden Bühnenpräsenz als deutscher Soulsänger zu etablieren, der nicht imitiert, sondern aus der eigenen Seele schöpft.

Am ersten Abend stellt der furiose Pianist Simon Nabatov (Foto) seine Versionen der Standards von Thelonius Monk vor, Anschließend führt der Österreicher Philip Zoubek Improvisationen am präparierten Flügel vor. Am zweiten Abend sind dann zwei Duo-Begegnungen zu erleben: Zunächst trifft Zoubek auf den Saxofonisten Hayden Chisholm, und zwar unter dem Titel „Tanzen mit Gurdjieff“. Es ist also Musik des eigenwilligen griechisch-armenischen Esoterikers Georges Gurdjieff in neuen Arrangements zu hören. Danach trifft Chisholm auf die albanische Sängerin Eda Zari, um über Folk-Melodien aus dem Balkanraum zu improvisieren. 12./13. Juni, jeweils 20 Uhr, Sendesaal Bremen

Die heute 17-köpfige NDR Bigband hat schon mit solchen Größen wie Chet Baker, Carla Bley oder Quincy Jones zusammengearbeitet und gerade einen Echo für ihre Zusammenarbeit mit dem Pianisten Stefano Bollani gewonnen. Ihr Leiter Jörg Achim Keller sucht ständig nach neuen Herausforderungen, und da Stefan Gwildis sich gerade in eine jazzigere Richtung entwickelt, kam für ihn die Einladung der Band wie gerufen. Zum ihrem Repertoire gehören nun „In the Still of the Night“ von Cole Porter, Van Morrisons „Moondance“ und „Windmills of Your Mind“ von Michel Legrand. Das Interesse des Publikums dürfte allerdings nicht nur musikalischer Natur sein, denn in Frauenzeitschriften gilt Gwildis als der „deutsche George Clooney“. 14. Juni, 20 Uhr, Music Hall Worpswede


MUSIKFEST BREMEN

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24. Musikfest Bremen knüpft an das Niveau des Vorjahres an Text: Peter Schulz

Stelldichein der Stars W

as im Vorjahr aufgrund des knappen Etats nicht mehr zu „wuppen“ war, klappt jetzt doch: Die international gefeierte Sopranistin Christine Schäfer tritt beim 24. Bremer Musikfest auf; am 13. September ist sie mit einem Liederabend in der Bremer Glocke zu hören. Doch sie ist beileibe nicht der einzige Star, der das Festival zwischen Ems und Elbe bereichern wird. Auch Rolando Villazón (25./27. 8./Musical Theater), Eva Mei (31. 8./Glocke) oder der Pianist Rafał Blechacz (10. 9./Glocke) – um nur einige zu nennen – sind vom 24. August bis 14. September dabei. Insgesamt stehen 37 Veranstaltungen an 14 Aufführungsorten mit insgesamt 26 Spielstätten auf dem Programm, was nahezu exakt dem Vorjahresniveau entspricht. Etwas höher fällt der Gesamtetat von 3,27 Mio. Euro aus (2012: 3,1 Mio. Euro), an dem sich Bremen erneut mit 550.000 Euro beteiligt. Weitere 80.000 Euro steuert die Metropolregion Bremen-Oldenburg bei. Dafür konnte Intendant Prof. Thomas Albert rund 860 Mitwirkende verpflichten und erneut das Arp Schnitger gewidmete Orgel-Festival (25. August bis 1. September) sowie die Reihe „Musikfest Surprise“ (3. bis 6. September in der Überseestadt) ausrichten. Den Auftakt aber macht traditionell die

„große Nachtmusik“ (24.8. ); der festliche Eröffnungsabend rund um den Bremer Marktplatz mit 24 Konzerten an acht Spielstätten und illustren Gästen wie dem Rotterdam Philharmonic Orchestra unter Yannick Nézét-Séguin, der italienischen Sopranistin Anna Caterina Antonacci oder dem Salzburger Bachchor. Gleich danach der nächste Glanzpunkt: Zwei halbszenische Aufführungen der Mozart-Oper „Lucio Silla“ mit Star-Tenor Rolando Villazón in der Titelrolle und den „Musiciens du Louvre Grenoble“ unter der Leitung von Marc Minkowski. Regie-Legende Peter Brook, dessen „Zauberflöten“-Interpretation beim Musikfest 2011 bejubelt wurde, kehrt mit der auf drei Kontinenten gefeierten Produktion „The Suit“ nach Bremen zurück (11.12. 9./BLG-Forum Überseestadt). Ein Wiedersehen gibt es unter anderem auch mit Christina Pluhar und L‘Arpgeggiata (28. 8./ Glocke) oder Ottavio Dantone und seiner Accademia Bizantina (14. 9./Glocke). Markus Poschner und die Bremer Philharmoniker sind mit einem Wagner-Programm dabei (4. 9./Glocke). Den endgültigen Schlusspunkt des Festivals setzt Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi mit einem Sonderkonzert am 25. 9. Für die konzertante Aufführung

von Beethovens „Fidelio“ konnte Ulrich Tukur als Sprecher gewonnen werden. Weitere Informationen: www.musikfest-bremen.de

Wie schade, dass immer nur runde Geburtstage und Jubiläen den Anlass bieten, besondere Leistungen zu würdigen: Herzlichen Glückwunsch zu einer kulturellen Initiative, die gerade vor dem Hintergrund der reihum immer weiter reduzierten Kulturberichterstattung in Print und Hörfunk eine ganz besondere Bedeutung hat. Hier gelingt es, die höchst lebendige Kulturlandschaft im Nordwesten für den neugierigen Leser sichtbar und erfahrbar zu machen. Ich wünsche alles Gute zur 100. Ausgabe – foyer forever! Prof. Thomas Albert Intendant Musikfest Bremen


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MUSIKfeST BreMeN

muSiKfeSt bremen

Rolando Villazón (©Gabo / DG)

Eva Mei (©Atelier Musicale)

Andris Nelsons (©Marco Borggreve)

„Diktator“ Villazón

Sopranistin Eva Mei lädt ein

Familiensache

Titelrolle in Mozarts „Lucio Silla“

Soiree mit exzellenten Gästen

Andris Nelsons tritt mit Ehefrau auf

(SN) Seit Rolando Villazón seine Stimmkrise überwunden hat, geht er wieder in großen Häusern ein und aus. Die zahlreichen Einladungen gelten jedoch nicht nur dem Sänger, sondern meist auch dem stets gutgelaunten, ja witzigen Darsteller Villazón. Davon konnte man sich beim Musikfest Bremen des Vorjahres überzeugen, als er Konzertarien Mozarts sang. Diesmal spielt er eine Titelrolle, nämlich den liebeshungrigen Diktator in Mozarts Jugendwerk „Lucio Silla“. Eine interessante Aufgabe: Inmitten von Intrigen begehrt der Herrscher rigoros eine Schöne, die schon einem anderen jungen Mann angehört. Aber Lucio Silla zeigt auch Größe: Am Schluss der Vergeblichkeit offenbart er Milde und tritt zurück.

(SN) Funk und Fernsehen haben die „Musikalischen Soireen“ aus den Salons und guten Bürgerstuben längst verdrängt. Dabei war es doch meist sehr gemütlich, im Kreise Gleichgesinnter besonders jungen Musikern zu lauschen, die bei diesen Gelegenheiten ihre Visitenkarten abgaben und oft das Honorar dringend benötigten.

(SN) Seit Simon Rattle verkündet hat, dass er 2018 die Leitung der Berliner Philharmoniker abgeben werde, wirbeln die Namen möglicher Nachfolger durch die Musikwelt. Am häufigsten wird Andris Nelsons genannt, der wohl das dirigentische Format wie das passende Alter aufweist. Von seinem Können konnten sich die Bremer Musikfestgäste 2011 überzeugen, als der Lette das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam dirigierte.

Villazóns „Konkurrenz“ ist nicht nur im Stück sehr groß, denn Marc Minkowski dirigiert seine Musiciens du Louvre Grenoble, und wenn der Maestro am Pult amtiert, wählt er zuvor erstklassige Interpreten aus: So Olga Peretyako als Giunia, die Silla hartnäckig abweist, und die Mezzosopranistin Marianne Crebassa in der Hosenrolle ihres Geliebten Cecilio. Auch auf Inga Kalna, Eva Liebau und den ruhmreichen Salzburger Bachchor dürfte hundertprozentig Verlass sein. 25. August, 18 Uhr/27. August, 19 Uhr, Musical Theater Bremen

Eva Mei, viele Jahre lang Primadonna des Koloratur- und lyrischen Sopranfachs an der Oper Zürich, versucht jetzt beim Musikfest Bremen eine Wiederbelebung der „musikalischen Abendgesellschaften“. Und damit der Auftakt erfolgreich verläuft, hat sie sich kompetente Kollegen eingeladen: Die Mezzosopranistin José Maria Lo Monaco, den Tenor Filippo Adami und den Bass Ugo Guagliardo. Sie alle sind bestens vertraut mit Interpretationen des Rossini-Gesangs, wie etwa die Einladungen zum Rossini-Festival in Pesaro und anderen herausragenden Events beweisen. Und was liegt näher, als auch bei dieser Soiree Maestro Gioacchino Rossini zu huldigen, der selbst eine „Soiree musicale“ komponiert hat. Sicher werden die Interpreten, von Gianni Fabbrini am Flügel begleitet, mit erlesenem Belcanto-Genuss und trefflichen Parlando-Freuden brillieren. 31. August, 20 Uhr, Glocke Bremen

Gegenwärtig ist Nelsons Chef des City of Birmingham Symphony Orchestra, just jenes Orchesters, das Rattle einst auf internationales Niveau führte. Und noch eine Parallele: Sir Simon ist mit der Mezzosopranistin Magdalena Kožená verheiratet, Nelsons hat die Sopranistin Kristine Opolais zur Ehegattin gewählt, die mit ihrer farbenreichen Stimme besonders in bewegenden Rollenportraits begeistert. Sie kommt mit zum Konzert des City of Birmingham Symphony Orchestra und singt zwei besonders schöne Opern-Höhepunkte: Desdemonas von Todesahnung durchzogenes „Lied von der Weide“ (Otello) und Tatjanas gefühlsintensive „Briefszene“ (Eugen Onegin). Andris Nelsons interpretiert die wirkungsvolle Ouvertüre zu Verdis „Macht des Schicksals“ und die tief schürfende achte Sinfonie von Dvorák. 1. September, 20 Uhr, Glocke Bremen


musikfest Bremen

Rafal Blechacz (©Felix Broede)

Christine Schäfer

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Accademia Bizantina (©Ribalta Luce Studio)

Fingerfertiger Poet

Abend mit Suchtgefahr

Humor und Spielfreude

Klavierabend mit Rafał Blechacz

Christine Schäfer singt Brahms und Strauss

Vivaldi-Oper mit der Accademia Bizantina

(mpg) Er gilt als sensibel und hochintelligent, hat zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem auch den Chopin-Klavierwettbewerb in Warschau. Rafał Blechacz ist also kein Geheimtipp mehr, aber er macht sich rar. Mehr als 40 bis 45 Konzerte im Jahr will er nicht geben. Dazu sei ihm die Musik zu wichtig. Der polnische Virtuose gehört zu einer neuen Generation von Pianisten, die darauf achten, sich nicht vom kräftezehrenden internationalen Konzertbetrieb zu sehr vereinnahmen zu lassen. Seine Auftritte sind stets ausverkauft, seine Tonträger werden zumeist mit Preisen bedacht. Für seinen Musikfest-Auftritt hat er ein Programm zusammengestellt, das einen hervorragenden Einblick in sein vielfältiges Können erlaubt. In der ersten Hälfte erklingen Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 3 a-Moll, BW V 827 sowie Ludwig van Beethovens Sonate D-Dur op. 10/3. Die zweite Hälfte ist Frédéric Chopin gewidmet, dem Komponisten, der den fingerfertigen Poeten Blechacz berühmt machte. Mit dem Nocturne As-Dur op. 32/2, den zwei Polonaisen op. 40, den drei Mazurkas op. 63 und dem Scherzo cis-Moll op. 39 kann er mit seiner wunderbaren Spieltechnik beweisen, wie Denken und Fühlen zur Synthese zu bringen sind. 10. September, 20 Uhr, Glocke Bremen

(mpg) Abbado, Boulez, Harnoncourt, Rattle, Levine – es gibt kaum einen namhaften Dirigenten, mit dem Christine Schäfer nicht schon aufgetreten ist. Bei den Salzburger Festspielen ist die Sopranistin seit ihrem glanzvollen Debüt 1995 gewissermaßen Dauergast. Dass sie sich trotzdem nicht in die Rolle der Operndiva einbinden lässt, spricht für diese Ausnahmekünstlerin. 2006 wurde sie zur „Sängerin des Jahres“ gekürt, nachdem sie als Cherubino in Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ keine Geringere als Anna Netrebko in der Rolle der Susanna nahezu „an die Wand“ gesungen hatte.

(mpg) Antonio Vivaldi gehört mit rund 22 in eigener Handschrift überlieferten Opern zu den erfolgreichsten Komponisten Venedigs. Die Vernachlässigung dieses immensen Schaffens ist ein Musterbeispiel für eine musikgeschichtliche Ungerechtigkeit, die aus einem schon zur Tradition gewordenen Bündel von Vorurteilen resultiert. Denn trotz zahlreicher „Wiederentdeckungen“ barocker Opern weisen die heutigen Spielpläne erstaunliche Lücken auf.

Eine dürfte mit der konzertanten Aufführung von Vivaldis Oper „L’incoronazione di Dario“ geschlossen werden. Für den Karneval in Venedig 1717 komponiert, geChristine Schäfer verlässt mit ihrer außer- hörte das Stück zu den erfolgreichsten des 17. Jahrhunderts. Die Handlung spielt im gewöhnlichen Stimme, die über eine außerordentliche Palette an Nuancierungen alten Persien und garantiert skurrile und verfügt, gern die eingetretenen Pfade, be- bizarre Effekte mit sicherem Happy End. Beste Voraussetzungen für einen vergnügsitzt Mut zu Experimenten und lässt sich auf kein Repertoire festlegen. Auch im Be- lichen, geistreichen Opernabend, der Humor und Spielfreude bietet. Die Accademia reich des Kunstliedes besitzen ihre intelBizantina verspricht unter der Leitung von ligenten Interpretationen Ausnahmecharakter. Für Bremen hat sie gemeinsam mit Ottavio Dantone eine berührende wie packende Wiedergabe. Schließlich gehörten ihrem langjährigen Klavierpartner Eric ihre Aufführungen von Händels „Giulio Schneider Lieder von Johannes Brahms und Richard Strauss ausgewählt. Aber Vor- Cesare“ und Caldaras „Maddalena ai piedi di Cristo“ zu den umjubelten Sternstunden sicht: Es besteht Suchtgefahr! Denn Lieder vergangenen Musikfest-Jahre. derabende mit Christine Schäfer sind 14. September, 18 Uhr, Glocke Bremen spannend und schön zugleich. 13. September, 20 Uhr, Glocke Bremen


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roLLeNSPIeL

: Rollenspiel

(ps) Als er 2007 nach Bremen kam, brachte er reichlich Vorschusslorbeeren mit: Assistent bedeutender Dirigenten wie Sir Roger Norrington und Sir Colin Davis, Deutscher Dirigentenpreis 2004, 1. Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin – das war schon etwas! Mittlerweile hat Markus Poschner (42) diese Leistungen fast vergessen gemacht. Denn als Generalmusikdirektor der Freien Hansestadt Bremen und Chefdirigent der Bremer Philharmoniker hat er das Musikleben in der Hansestadt auf nahezu sensationelle Weise bereichert.

(ps) Der zum vierten Mal verliehene Feature-Preis des Bremer Hörkinos ist dem Nordwestradio-Beitrag „Ein bisschen mehr als Gotteslohn – Arbeitsbedingungen im kirchlichen Sozialsektor“ von Jens Schellhass zugesprochen worden. Die mit 1000 Euro und einer Bronzeskulptur dotierte Auszeichnung wird vom Energieversorger swb gestiftet. Als weitere Preisträgerin wurde Mechthild Müser für ihre Deutschlandfunk-Produktion „Welcome to the City of Jezevac – Mädchen in einem bosnischen Flüchtlingslager“ gewürdigt.

Umso erfreulicher ist die Nachricht, dass der von Ensembles wie den Bambergern oder Dresdner Philharmonikern – um nur zwei zu nennen! – außerordentlich geschätzte Gastdirigent jetzt zugestimmt hat, seinen Vertrag in Bremen bis zum Ende der Spielzeit 2017/18 zu verlängern. Staatsrätin Carmen Emigholz wird dem Aufsichtsrat den entsprechenden Vorschlag unterbreiten, dessen Zustimmung nur Formsache sein dürfte. Vorausgegangen war ein überwältigender Vertrauensbeweis des Orchesters, dass sich nahezu vollständig für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit aussprach.

Schellhass, freier Mitarbeiter bei Radio Bremen, ging in seinem erstmalig am 1. Mai 2012 in der Reihe „Glauben und Wissen“ gesendeten Beitrag auf das spezielle Arbeitsrecht in der Kirche unter Ausschluss des Streikrechts der Arbeitnehmer ein. Dabei gab er laut Auffassung der Jury den Betreuern und den Betreuten eine Stimme. Zudem habe er „das spröde Thema auf sehr anschauliche Weise“ aufbereitet. Der Jury, der unter anderem Annette Ruppelt (Pressesprecherin bremer shakespeare company) angehörte, lagen acht Beiträge zur Auswahl vor.

(km) Frauenpower am Steuer des Deutschen Schiffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven. Die Archäologin und Forschungstaucherin Sunhild Kleingärtner (38) ist die Neue im Leitungsteam des Hauses. Die habilitierte Wissenschaftlerin tritt gleich zwei Ämter an: Professorin für Schifffahrtsgeschichte an der Universität Bremen und geschäftsführende Direktorin des DSM. Gemeinsam mit Direktorin Ursula Warnke muss sie dort ranklotzen, um die Zukunft des Hauses zu sichern. Es ist eines von acht „nationalen Forschungsmuseen”. Diesen Status wird die Leibniz-Gemeinschaft 2014 überprüfen. Es geht um Zuschüsse in Millionenhöhe von Bund und Ländern. Das Haus müsse deshalb deutsches Forschungsmuseum bleiben, sagt Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD). Zudem wird Sunhild Kleingärtner die wissenschaftliche Arbeit an Schiffswracks vertiefen und so die kulturelle Rolle des Schiffsverkehrs erforschen. Zudem möchte sie Motor für Modernisierung von Altbau und Dauerausstellung sein. Bund und Land haben dafür 42 Millionen Euro bereitgestellt.


roLLeNSPIeL 55 foyer

(kh) Nun ist es offiziell: Marc Niemann wird ab der Spielzeit 2014/15 neuer Generalmusikdirektor am Stadttheater Bremerhaven. Aus 100 Bewerbern in einem langwierigen Verfahren ausgewählt, bekam der 40-jährige von Orchester, Intendanz und politischer Seite den Zuschlag und tritt damit die Nachfolge von Stephan Tetzlaff an. Das Konzertpublikum konnte den gebürtigen Hannoveraner bereits 2012 als Gastdirigenten des 3. Sinfoniekonzerts kennenlernen. Ausgebildet wurde Niemann als Pianist und Dirigent zuerst in Hannover und Lübeck, später in Berlin. Nach seinem Engagement als erster Kapellmeister am Theater Pforzheim arbeitet er seit fünf Jahren in gleicher Position am Staatstheater Cottbus. Obwohl ihn in Bremerhaven ein Haus mit weniger Orchesterstellen erwartet, sieht Niemann der neuen Aufgabe mit großer Erwartung entgegen. Positiv überrascht habe ihn, was hier gerade an modernen Werken und großer romantischer Oper möglich sei. Wo er die Schwerpunkte im Konzertrepertoire setzen wird, verriet der GMD in spe noch nicht, aber er sei von Barock bis Moderne offen für alles.

☎ 0421 / 55 30 66


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SPArKASSe KULTUr SCHAffeND Die Böttcherstraße

25 Jahre herZenSSache

Vor einem Vierteljahrhundert nahm die Bremer Sparkasse die Böttcherstraße in ihre Obhut Text: Stephan Cartier

D

ie Menschengruppe schaut kollektiv nach oben. Es hat zur vollen Stunde geschlagen, und nun beginnt das Spielwerk der Glocken aus Meißner Porzellan am Giebel neben dem RoseliusHaus seine klingende Arbeit. Dazu dreht sich gleich links daneben der Bilderturm mit den zehn Holztafeln Bernhard Hoetgers, der Pioniere der See- und Luftfahrt in kolorierten Bildern preist.

ren zum Schönsten, was die Hansestadt zu bieten hat: eine gebaute Utopie.

sich entdeckt“, sagt ihr Vorstandsvorsitzender Tim Nesemann.

Seit 25 Jahren wird dieses in Deutschland einzigartige architektonische Ensemble von der Sparkasse Bremen gepflegt. Daran will das Finanzinstitut jetzt unter dem Titel „25 Jahre unsere Herzenssache“ erinnern.

Seit einem Vierteljahrhundert beschränkt sich dieses Engagement nicht auf schöne Worte, sondern lässt sich in handfesten Zahlen beschreiben. Rund fünf Millionen Mark kostete der Ankauf der Immobilien; hinzu kam ein Vielfaches davon für die Sanierung und Betreibung der Gebäude bis heute. Doch dieser Aufwand hat sich gelohnt, ist sich Nesemann sicher. Und nicht nur er.

1988 nahm die Sparkasse die Böttcherstraße in ihre Obhut, nachdem der Unterhalt Bremen, Böttcherstraße: In der Backstein- und die Sanierungsarbeiten für die alte gasse herrscht eine merkwürdig widerBöttcherstraße GmbH nicht mehr zu tragen sprüchliche Atmosphäre zwischen Mittel- waren. Denn die Gasse zwischen Marktalter und Moderne; ein Widerspruch, der platz und Weserpromenade ist ein kleinden Charme dieses von Ludwig Roselius teiliger Parcours aus Kunst und Konsum, errichteten Gesamtkunstwerks seit 80 Jah- der ständiger Pflege bedarf. „Die Sparkasse ren ausmacht. Die Böttcherstraße, das sind Bremen hat diese Aufgabe als Beitrag zur zwar nur 107 Meter Bremen, aber sie gehö- Kultur und Traditionspflege Bremens für

Denn wer den Besuchern unterhalb des Glockenspiels zuhört, bekommt mit, wie das Alter der Bauten häufig auf 600 oder 700 Jahre geschätzt wird; der Zauber der Böttcherstraße zündet also immer noch. Susanne Gerlach, deren Büro als Geschäftsführerin


SPARKASSE KULTUR SCHAFFEND Böttcherstraße

der Böttcherstraße GmbH unter dem Glockenspiel liegt, muss schmunzeln, wenn von der „mittelalterlichen Böttcherstraße“ die Rede ist.

des Kaufmannshauses Am Markt oder die Renovierung der Stadtwaage, die Lüder von Bentheim 1587 errichten ließ, gehören zu den touristischen und geschichtlichen Preziosen Bremens, deren Erhalt nur durch ihre Investitionen gesichert werden konnte.

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Böttcherstraße, so wie es Ludwig Roselius angelegt hatte.

Denn hier soll auch Geld verdient werden – aber mit Stil und einem sicheren Ziel vor Augen: „Wir haben darauf zu achten,“ sagt Auch dem Gründer der Straße, dem UnSusanne Gerlach, „dass das Niveau und die ternehmer Ludwig Roselius, würden diese Kombination der Geschäfte in der Straße zu verzeihlichen Irrtümer sicher gefallen. Auch die Böttcherstraße musste im ihrer besonderen Geschichte passen.“ Bei Denn so, wie die Straße nun aussieht, ist wahrsten Sinne des Wortes wieder erweckt dieser Pflichtübung gab es in den vergangesie gerade einmal 80 Jahre alt. Zwischen werden. 1944 war das Ensemble bei einem nen 25 Jahren immer wieder Überraschun1922 und 1932 ließ der Chef der Kaffee HAG Bombenangriff zerstört worden, und in gen. Die Ansiedlung eines Friseursalons die Böttcherstraße nach seinen Plänen von der ersten Nachkriegszeit gab es zunächst schien Gerlach beispielsweise zunächst den Architekten Alfred Runge und Eduard drängendere städtebauliche Probleme zu etwas problematisch – bis das Archiv der Scotland sowie dem Bildhauer Bernhard lösen. Dennoch erfolgte bis 1954 die – mit Böttcherstraße, das von Uwe Bölts als „GeHoetger gestalten. Ausnahme weniger Details – komplette dächtnis“ gepflegt wird, Entscheidungshilfe Wiederherstellung der Gebäude durch bot. Wie sich durch einen Dokumentenfund Die drei konnten zwar auf den Überresten die Kaffee HAG; eine der größten privaaus den 20er Jahren belegen ließ, hatte Roder historischen Gasse aufbauen, in der ten Wiederauf bauleistungen in der noch selius selbst einen Barbierladen ansiedeln die Fassmacher, also die wollen. Damit war klar, dass man dem Geist Böttcher, im Mittelalter ... sie gehören zum Schönsten, was die Han- der Böttcherstraße wieder ein Stückchen näher kommen würde, wenn man sich hier ihre Werkstätten hatten. sestadt zu bieten hat: eine gebaute Utopie. auch die Haare schneiden lassen könnte. Ludwig Roselius verband mit seiner Vision aber eine expressionistisch jungen Bundesrepublik. 34 Jahre später, anmutende Architektur, die gleichermaßen als die Sparkasse das komplette Ensemble Die Böttcherstraße ist seit ihrer Gründung also ein vitales Ensemble geworden, das gotisch-deutsch wie auch modern wirken übernahm, begann deren grundlegende wächst und dabei sich und die Menschen, sollte. Er träumte von einer Straße auf dem und kostenaufwändige Sanierung – auch die durch die Gasse gehen, verändert. Dass Boden der bremischen Stadtgeschichte als dies ein beeindruckender Nachweis hansedies in den nächsten 25 Jahren anders werKreuzung von Kunst- und Kommerz. 1925 atischen Mäzenatentums. den sollte, steht nicht zu befürchten. gründete Roselius die Böttcherstraße GmbH, die sowohl für die Ansiedlung von Geschäf- Heute vereint die Böttcherstraße Kunst, Die Sparkasse Bremen nimmt das Jubiläten wie auch die Vermietung von Ateliers Geschäfte, Unterhaltung und Gastronoum zum Anlass, die Böttcherstraße auch an Künstler zuständig war. „Auch in dieser mie in enger Nachbarschaft. Den ideelden Bremerinnen und Bremern wieder ans innovativen Verbindung sehen wir uns bei len Kern bilden die Kunstsammlungen Herz zu legen. Dies geschieht bis zum 1. unserem kulturellen Engagement für BreBöttcherstraße im Roselius-Haus und im Dezember durch zahlreiche Aktivitäten, zu men in einer Linie mit Roselius“, bekräftigt Paula Modersohn-Becker Museum, dem denen eigens konzipierte Führungen durch Sparkassen-Vorstand Tim Nesemann. ersten Museum weltweit, das einer Malerin die Böttcherstraße, Video- und Fotowettgewidmet wurde – immerhin schon 1927. bewerbe, ein Gewinnspiel sowie InformaDie Böttcherstraße ist das wohl promiEin Kino, die Kultkneipe „Ständige Vertre- tionen in den Stadtteil-Filialen des Hauses nenteste Beispiel für die eher diskrete tung“, dazu eine Vielzahl größerer und vor gehören. Der Auftakt wird am 8. Juni ab 13 Aufbauarbeit der Sparkasse Bremen in allem kleinerer Läden wie die Bonbon-Ma- Uhr mit einer großen Kaffeetafel auf dem ihrer Stadt. Doch auch die Rokokofassade nufaktur bespielen im weiteren Verlauf die Marktplatz gemacht.


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kunst Weserburg Museum für moderne Kunst

Zack! Crash! Peng!

I

m Comic knallt und explodiert es: Peng! Puff! Fetz! Zabadong! Kaboom! Klar, dass so viel Dynamik auch vor der bildenden Kunst nicht Halt macht. Mit Pop-Art-Größen wie Roy Lichtenstein hat die Sprechblasen-Welt Einzug in Galerien und Museen gehalten. Die Ausstellung „Kaboom! Comic in der Kunst“ in der Weserburg führt ab 15. Juni vor, wie Maler, Bildhauer, Performer und Medienkünstler Comics und Cartoons in Kunst übersetzen. „Uns geht es nicht um den Comic als Buch oder Heft, dieses Medium, das uns seit Ende des 19. Jahrhunderts in bunten Sonntagsbeilagen der Zeitungen begegnet, als komischer Streifen, als comic strip“, sagt Kurator Ingo Clauß. Im Fokus steht zeitgenössische Kunst von den 50er Jahren bis heute. Ausgewählt wurden mehr als 30 internationale Künstler, die das Thema Comic gegen den Strich bürsten. Mit Witz, Humor und bissiger Ironie entsteht so ein pointiertes Psychogramm der Gesellschaft.

und falsch verstandener Exotik. Den weißen Superhelden vom Sockel stoßen – diesen Spaß erlaubt sich auch der afroamerikanische Performancekünstler William Pope.L. (*1955). Als Superman verkleidet, ist er in New York auf dem Broadway unterwegs, nicht als Wesen mit magischen Kräften, sondern – im Gegenteil – auf dem Boden kriechend. Es ist der perfekte Weg, um das US-Selbstverständnis von Freiheit und Allmacht auszuhebeln.

hier alles dunkel. Nur die Originalmusik der Zeichentrickserie „Tom and Jerry“ ist zu hören. Und dieser akustische Reiz reicht bereits aus, um ein Gedankenkino in Gang zu setzen. Schon spielt sich vor dem inneren Auge die Verfolgungsjagd von Kater Tom und Maus Jerry ab. Betrachter mögen sich an ihre Kindheit erinnert fühlen, als sie heimlich unter der Bettdecke Comics

In Bremen ist seine bizarre Aktion „The Great White Way“ im Video zu erleben. Dabei steht der Monitor auf dem Boden, in einer Pfütze, in der sich die Szenen spiegeln. Wie damals auf dem Broadway sehen die Besucher auch hier auf die Performance hinunter. In einer Tischvitrine ist der verschlissene Faschingsanzug dieses gefallenen Engels wie eine Reliquie inszeniert.

Im abgedunkelten Dachgeschoss der Weserburg können Besucher sich von der Projektion des österreichischen Filmemachers Martin Arnold (*1959) irritieren lassen. Im Beispiel Siemon Allen (*1971): Wandfüllend absoluten Schwarz tauchen plötzlich Hände ist die Arbeit des südafrikanischen Instal- auf, Zungen, Tatzen, Schreie – Zitate aus dem Trickfilm „Tom and Jerry“. Ein eigenlationskünstlers und gleichzeitig extrem williges Comic-Spektakel, das zugleich irrikleinteilig mit all ihren Einzelbildern. Es sind Ausschnitte aus „Tim und Struppi“, tiert und Kindheitserinnerungen weckt.„In dem Kult-Comic des Belgiers Hergé (1907- ‚Kaboom!‘ geht es nicht nur um die vermeintlich bunte Oberfläche, sondern auch um die 1983). Panel für Panel, also Bildfeld für Bildfeld, hat Allen die Abenteuergeschichte dunkle Seite des Comics“, sagt Ingo Clauß. „Im Reiche des schwarzen Goldes“ reproduziert. Mit dem Unterschied, dass bei Der spanische Künstler Juan Muñoz (1953ihm die Sprechblasen leer sind. So befreit 2001) treibt das Spiel noch weiter. Seine der Künstler diese Story rund um den Arbeit „Waiting for Jerry“ ist eine Box. Bis Reporter und seinen Terrier von Rassismus auf eine mauselochgroße Öffnung ist auch

Herzlichen Glückwunsch zur 100. Ausgabe! Ich habe großen Respekt vor so viel Engagement und Enthusiasmus, denn die gehören nicht nur bei den Kulturschaffenden, sondern auch bei den Kulturmedien unabdingbar dazu, heute mehr denn je. In foyer finde ich konzentriert genau die Themen, die mich persönlich interessieren. Dass auch die Kunsthalle Emden immer wieder vorkommt, freut mich natürlich auch. Hier oben im Norden gibt es mehr kulturelle Highlights, als mancher glaubt – der Blick ins foyer beweist es. Eske Nannen Kunsthalle Emden


KUNST Weserburg Museum für moderne Kunst

59 foyer

„Kaboom!“ in der Weserburg: Wie sich Künstler von Comics inspirieren lassen Text: Sabine Komm

gelesen haben und die Fantasie Purzelbäume schlug. Übrigens: „Waiting for Jerry“ – klar, dass der Titel auf Samuel Becketts Theaterstück „Warten auf Godot“ anspielt. Und die Künstlerinnen, wie lassen sie sich von Comics inspirieren? Die New Yorker Videokünstlerin Dara Birnbaum (*1946) ist mit „Wonder Woman“ vertreten, einer frühen Videoarbeit von 1978. Es ist die kritische Auseinandersetzung mit dem gleichnamigen Comic und der Fernsehserie. Mit grellen Lichtblitzen führt Dara Birnbaum die übernatürliche Verwandlung der Sekretärin in eine Frau mit Superkräften ad absurdum.

(*1971) hat einen Kiosk aus Philadelphia nachgebildet. Die Titelblätter der angebotenen Zeitungen, Magazine und Comics hat er selbst gestaltet. Es sind Cover, die auf Graffiti, Subkultur, Homoerotik, Sehnsüchte und Albträume anspielen. Sie zeigen, wie widersprüchlich Ruiz die soziale

Vielfalt in der amerikanischen Stadt erlebt hat. Comic ist auch hier eine Kunstform, die Gesellschaft spiegelt. „Kaboom!“. Die Ausstellung ist vom 15. Juni bis 6. Oktober in der Bremer Weserburg zu sehen. Katalog und App.

Die Attacken der US-Künstlerin Sue Williams (*1954) richten sich gegen Männer, die Frauen züchtigen und missbrauchen. In ihren Cartoons addiert die Künstlerin menschliche Organe und Gliedmaßen. So entsteht ein wuchernder Kosmos aus menschlichen und tierischen Körperteilen, aus Wunden, Gedärm und behaarten Genitalien. Ein All Over: Kaum ein Fleck ist frei in diesem gesellschaftskritischen Bildmuster. Sexualität thematisiert auch John Wesley (*1928). In zwei Bildfeldern zeigt der New Yorker den identischen Körper einer nackten Frau. Ihr Gesicht ist angeschnitten. Der Betrachter wird so zum Voyeur, der alles sieht, aber nichts erkennt. Und zu guter Letzt sind in der Ausstellung doch noch Comic-Hefte zu sehen. Allerdings Künstlercomics, in Kleinstauflagen produziert. Der Spanier Francesc Ruiz

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KUNST Kunsthalle Bremen

Die Kunsthalle Bremen feiert den 100. Geburtstag des Malers mit einer großen Retrospektive Text: Sabine Komm

mythoS wolS W

ols (1913-1951) – hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der deutsche Künstler Alfred Otto Wolfgang Schulze. Ein introvertierter, kränkelnder, ohne Frage schwieriger Mensch, der in seinen Aphorismen von sich selbst in der dritten Person spricht. Mit 38 Jahren stirbt er in einem Pariser Hotelzimmer. An einer Fleischvergiftung. Der Mythos Wols ist perfekt. Dem Team der Kunsthalle Bremen geht es um einen neuen Blick. Die Arbeiten werden weniger als Spiegel des Krieges und des tragischen Lebens des vor 100 Jahren geborenen Künstlers gesehen. Im Zentrum steht die künstlerische Entwicklung. Mehr als 200 Arbeiten, Leihgaben aus Europa und den USA, viele aus Privatbesitz, zeigen den Weg vom Surrealismus zum Informel. Von verspielten Fantasiewelten zu abstrakten Strukturen und Oberflächentexturen. Ein Auslöser für die Mega-Schau war die Wols-Sammlung von Karin und Uwe Hollweg, die großzügige Sponsoren der Kunsthalle Bremen sind. Die Inszenierung selbst ist wenig aufregend. Papierarbeiten und Gemälde sind dicht an dicht auf Augenhöhe gehängt. Trotzdem ermöglicht die chronologische Schau eine

Reise in fantastische Welten. Wols‘ präzise Federzeichnungen weisen dabei einen Katalog wiederkehrender Motive auf, darunter die Rückenfigur mit langen Haaren. Von solchen Details ausgehend spinnt er seine Kompositionen – ohne Vorzeichnung, ohne vorgefasstes Konzept. Direkt. Aus dem Mo-

Kultur braucht Öffentlichkeit, und das Kulturjournal foyer bietet, was heute selten ist: Ausführliche Berichte über große und kleine Kulturveranstaltungen, tiefgehende Interviews und kritische Rezensionen. Die reiche Kulturlandschaft in Bremen und der Region wird in ihrer ganzen Breite und Vielfältigkeit vorgestellt. Gerade dieser Überblick macht das Magazin zur unverzichtbaren Lektüre. Dr. Christoph Grunenberg Direktor Kunsthalle Bremen

ment heraus. „Gymnastik am abschüssigen Hang“ nennt Wols diese Arbeitsweise. Die Werke des großen Unbekannten der Nachkriegskunst zeigen Träume, die man nicht auflösen kann, Klänge, Rhythmen, Farben wie in der Felsmalerei. „Sie machen einem Angst und sind doch schön“, schrieb Jean-Paul Sartre. Wols sei nach wie vor ein Geheimtipp, sagt Kunsthallen-Direktor Christoph Grunenberg. „Die abstrakten, spröden, teilweise brutalen Oberflächen erinnern an Wunden, verletzte Körper, geschundene Haut.“ Nur wenige Kunstsinnige erkennen die Bedeutung dieses sensiblen Zweiflers. Das Ehepaar de Ménil, wie er von den Nationalsozialisten verfolgt, kauft Werke an. Von der Menil Collection im texanischen Houston sind jetzt Arbeiten nach Bremen gereist. Diese und all die anderen Fotos, Aquarelle, Zeichnungen, Grafiken und Gemälde zeigen die Handschrift des Querdenkers, der genau wusste, wie die Annäherung an die Welt gelingen kann: „Sehen heißt, die Augen schließen.“ Die Ausstellung ist bis zum 11. August in der Kunsthalle Bremen zu sehen. Der Katalog kostet 29 Euro.


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foyer 62

KUNST Im Strom der Zeit

Lilienthaler Kunstschau Wümme-WörpeHamme zeigt 120 Gemälde von 70 Künstlern aus der Region Text: Berit Böhme

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iefgründige Porträts, Alltagsszenen aus dem Moor, zauberhafte Landschaften und abstrakte Farbwelten vereint die Ausstellung „Im Strom der Zeit“ in der Kunstschau Wümme-Wörpe-Hamme. Das Museum im Lilienthaler Ortsteil Trupe zeigt bis zum 29. September 120 Gemälde von 70 Künstlern aus der Region. Die Bilder stammen allesamt aus dem Bestand der Lilienthaler Kunststiftung.

im Strom der Zeit von mehr als 70 Künstlern. „Vom Querschnitt gesehen ist es eine der bedeutenden Sammlungen. Aber nicht vom Wert“, gesteht der Lilienthaler.

Die Ausstellung bietet 125 Jahre regionale Kunstgeschichte. Und ruft manch vergessenen Künstler in Erinnerung. „Eine Wiederentdeckung ist Christian Ludwig Bokelmann“, sagt Cordes. Bokelmann (1844-1894) stammte aus dem heute zu LiMonika und Hans Adolf Cordes gründeten lienthal zählenden Sankt Jürgensland und die Kunststiftung vor zehn Jahren. „Wir unterrichtete an der Düsseldorfer Akadewollten nicht, das unsere Sammlung wie- mie Fritz Mackensen. Er lieferte Mackender zerf leddert wird“, erklärt Hans Adolf sen auch Motive für dessen berühmten Cordes. „Meine Frau und ich haben vor 30 „Gottesdienst im Moor“. Jahren angefangen, das eine oder andere In Trupe sind einige Bremer Malerinnen Gemälde aus unserer Region zu kaufen“, vertreten, beispielsweise Toni Elster und erinnert sich der Betriebswirt im RuheDora „Vom Querschnitt gesehen ist es eine der bedeutenden Bromberger. Das Sammlungen. Aber nicht vom Wert“ Bild „An stand. „Damals haben wir nicht systema- der Schlachte“ stammt aus dem Pinsel von tisch gesammelt. Wir haben uns die Bilder Eduard Scotland. Der Architekt war am nach Geschmack zugelegt.“ Bau der Böttcherstraße beteiligt. Später wuchs die Sammlung mit Konzept. „Wir wollten die Region abbilden.“ Heute umfasst die Sammlung über 250 Gemälde

Spätere Weyerberg-Bewohner wie Lisel Oppel, der Expressionist Willy Dammasch oder der skurrile Tetjus Tügel sind in dem ehemaligen Küsterhaus in Trupe ebenfalls vertreten. Die abstrakte Szene der frühen Nachkriegszeit spiegeln Werke der „Jungen Gruppe Worpswede“ wider. Impressionen aus Fischerhude bannten Heinrich Breling, Olga Bontjes van Beek und Hermann Angermayer auf die Leinwand. Einen Kontrapunkt zu den melancholischen niederdeutschen Landschaften bilden Ottilie Reyländers „Mexikaner in weiter Landschaft“ oder Albert Schiestl-Ardings „Adam und Eva im Paradies“. Das Paradiesbild war ein Zufallsfund, verrät Cordes. „Es verbarg sich auf der Rückseite eines Blumenstilllebens.“ Heiterkeit versprühen die Arbeiten des Bremers Carl Jörres, darunter sein „Lilienthaler Badehaus“. „Immer weniger Leute kennen diese Maler-Generation“, bedauert Cordes. Die Ausstellung ist in seinen Augen „eine schöne Heimatgeschichte. Sie könnte auch als Lehrpfad dienen.“

Kunstschau Wümme-Wörpe-Hamme, Zu sehen sind außerdem Beispiele der ers- Lilienthal (Trupe 6). Geöffnet Di.-Sa. 14ten Worpsweder Malergeneration, darun- 18 Uhr, So. 10-18 Uhr. Führungen: Telefon ter Hans am Endes „Abendlicht mit Kate“. 04298/907641.


KUNST Malerinnen im Auf bruch

Frauen erobern die Kunst um 1900: Sommerausstellungen in vier Worpsweder Museen ab Mitte Juni Text: Berit Böhme

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Kunsträtsel Bis zum 11. August 2013 zeigt die Kunsthalle Bremen noch anlässlich des 100. Geburtstags des Künstlers die Sonderausstellung „Wols: Die Retrospektive“. Es ist die umfangreichste Präsentation seines Werkes seit fast 25 Jahren.

Marie Bock, Die Uhr, um 1900, © Kunststiftung Friedrich Netzel

im aufbruch

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amen mit Skizzenblock, Kohlestift und Palette ernteten um 1900 spöttische Blicke und wurden als „Malweiber“ abgetan. Trotz mangelnder Anerkennung ließen sie sich die Freude an der bildenden Kunst nicht vergällen. Worpswede widmet sich in diesem Sommer den „Malerinnen im Aufbruch“. Vier Museen beleuchten ab 15. bzw. 16. Juni das Werk dänischer und deutscher Künstlerinnen und ihr Ringen um einen gleichberechtigten Zugang zum Kunstolymp. Die Große Kunstschau Worpswede inszeniert „Begegnungen – Malerinnen aus den Künstlerkolonien Kerteminde und Worpswede“. Kerteminde liegt auf der süddänischen Insel Fünen, die dortige Künstlerkolonie wurde zeitgleich mit der in Worpswede gegründet. Inhaltlich gab es jedoch große Unterschiede: Die Kerteminder Frauen malten Bilder aus dem häuslichen Umfeld, Gartenbilder und Interieurs. Die Worpswederinnen hingegen fanden ihre Motive im Dorf und in der Bevölkerung. Dänemark spielt auch eine Rolle in der Ausstellung der Worpsweder Kunsthalle. Sie präsentiert unter anderem Werke der

Flensburgerin Käte Lassen (1880-1956). Zu Lassens Themen gehören „Figuren am Strand“, die sie vor allem an der dänischen Küste fand. Ihre Werke sind erstmals in Worpswede zu sehen und stehen Arbeiten von Künstlerinnen wie Marie Bock, Paula Modersohn-Becker und Ottilie Reylaender gegenüber. Der Barkenhoff würdigt die Grafikerin und Malerin Julie Wolfthorn (1864-1944). „Obwohl sie zu den bekanntesten Künstlern im Vorkriegsdeutschland gehörte, ist sie später total in Vergessenheit geraten“, bedauert Matthias Jäger, Geschäftsführer des Museumsverbundes. Heute seien von Wolfthorn nur „sehr wenige Bilder in öffentlichen Sammlungen“ zu finden. Dabei galt sie als exzellente Porträtistin und war eine begehrte Gestalterin von Titelbildern. Das Haus im Schluh stellt „Martha Vogelers Kunstweberei – Glanzstücke der Worpsweder Textilkunst“ in den Mittelpunkt. Martha Vogeler hatte sich nach ihrer Trennung von Heinrich Vogeler eine eigene Existenz aufgebaut. Neben einer Pension betrieb sie eine Handweberei und pf legte Kontakte zur Kunstwebeschule im heute dänischen Scherrebek. Die Ausstellungen in der Kunsthalle und im Schluh laufen bis zum 15. September, in Kunstschau und Barkenhoff bis zum 13. Oktober. Für alle vier Museen wird ein Kombiticket angeboten, zudem gibt es ein Rahmenprogramm. www.worpswede-museen.de

Wols wurde 1913 als Alfred Otto Wolfgang Schulze geboren und lebte ab 1932 vorvor wiegend in Frankreich. 1951 starb er an den Folgen einer Lebensmittelvergiftung. Posthum war Wols auf drei documentaAusstellungen vertreten, zusätzlich wurwur den seine Werke auf der Biennale in VeneVene dig 1958 gezeigt. Die Kunsthalle Bremen präsentiert über 200 Werke des Künstlers. Darunter befinden sich Fotografien, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafiken, illustrierte Bücher und Gemälde. Während einer Schaffensphase von nur 15 Jahren durchlief Wols eine spektakuläre Wandlung. Seine frühen Arbeiten sind noch vom Surrealismus beeinflusst, seine späteren Werke geben Bezüge zur Realität auf und er entwickelt eine neue Form der gegenstandslosen Kunst. Anhand der umfassenden Werk-Auswahl und einer chronologischen Präsentation ermöglicht die Bremer Retrospektive diese Entwicklung des Künstlers im Detail nachzuvollziehen. Für welche Stilrichtung gilt Wols als bedeutender europäischer Wegbereiter? Bitte schreiben Sie Ihre Antwort bis zum 15.07.2013 2013 an foyer, Roland Verlag GmbH, Schlachte 43, 28195 Bremen. Die Teilnahme ist auch online möglich: www. rolandverlag.de (Publikationen/Foyer) Zu gewinnen sind 5 × 2 Eintrittskarten für die Ausstellung „Wols: Die Retrospektive“ in der Kunsthalle Bremen. Die Antwort des Kunsträtsels aus der Ausgabe 99 lautet: Paris Gewonnen haben: Anke Harms, Rastede Monika Plantiko, Bremen Erika Reimers-Kyere, Bremen Dirk Thieding, Hamburg Sabine Westerholt, Oldenburg


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KUNST Ausstellungen

: Kunstwerke Text: Sabine Komm

Liebesdrama à la Janssen „Ein altes Herz kaspert für Annette” – hinter diesem Wortspiel verbirgt sich die Leidenschaft des sehr viel älteren Horst Janssen (1929-1995) für Annette Kasper. Die darf sich zum bestandenen Abitur eine Janssen-Grafik wünschen, kann sich aber nicht entscheiden. 1985 wird deshalb eine Begegnung mit dem Zeichner eingefädelt – mit Folgen. Die Liebesbeziehung währt acht Monate.

Künstler und Technik

Eine Doppelausstellung in der Städtischen Galerie Delmenhorst zeigt, wie Künstler Technik sehen. Im Haupthaus dreht sich alles um die kinetischen Konstruktionen von Frederik Foert (*1971). „Cognacschwänker“, „Rollings Stones Fountain“ und ein Mobile aus der Reihe „Gescheiterte Flugversuche“ zeigen, wie humorvoll Foert Dinge in Bewegung bringt. Von der Schlagbohrmaschine bis zur Stereoanlage – kein technisches Gerät ist ihm zu banal oder Zeugnis davon geben sehr persönliche No- komplex, um es zu animieren. Als „poetry tizen, Fotos und Briefe für „Annettchen“. in motion“ bezeichnet Museumsleiterin Zudem Zeichnungen und Radierungen für Annett Reckert diese Kunst. die Geliebte. Die wiederkehrende Kasperlefigur spielt auf ihren Familiennamen an. Zeitgleich wagt die Gruppenausstellung Der Zyklus „Svanshall verkehrt“ entsteht, „Käfer, Crash und Capri-Batterie“ einen der auf eine gemeinsame Schwedenreise Rundumschlag zum Thema Technik mit zurückgeht. Die aquarellierten Zeichnun- Positionen von Künstlern von den 20-er gen zeigen Vergewaltigungsszenen, Vorbo- Jahren bis heute. Mit dabei Bernd und Hilten des brutalen Endes der Affäre. In seiner la Bechers Fotografien bedrohter IndusRadiersuite „Laokoon – Die Bäume der An- triebauwerke, Roy Lichtensteins „Girl and nette“ versucht Janssen, den TrennungsSpray Can“ (1964), neo-realistische Arschmerz zu verarbeiten. beiten von Konrad Klapheck und Joseph Beuys’ berühmte „Capri-Batterie“ (1985), Und Annette Stumpf, geborene Kasper, wie die Utopie alternativer Energie. Und dann geht es ihr damit? Die Beziehung mit dem der Absturz: Arnold Odermatts SchwarzExzentriker hat sie jahrelange nicht aus ih- weißfoto eines zerbeulten Autos und Sterem Herzen raus gelassen. Jetzt stellt sie all fan Rohrers Reliefskulptur „Crash“ sind die Schmeicheleien des liebestollen Janssen Sinnbilder für abrupt ausgebremsten Fort– nach Pforzheim – auch in Oldenburg aus. schritt. 9. Juni bis 15. September. Horst-Janssen- 22. Juni bis 25. August. Städtische Galerie Museum Oldenburg Delmenhorst

Raubgräber – Grabräuber Wissenschaftler sind verstärkt auf HobbyArchäologen angewiesen. Die Ausstellung „Raubgräber – Grabräuber“ im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg zeigt, dass das nur mit klaren Spielregeln möglich ist. Wer auf eigene Faust mit Metalldetektoren sucht, kann sensible Fundzusammenhänge zerstören. Heidentor in Baden-Württemberg, eine Fundstätte aus Kelten-Zeit, ist bekannt für Raubgrabungen. Hauptproblem: Illegale Schatzsucher interessieren sich nicht für Keramik und Glasperlen. Die aber ermöglichen Rückschlüsse auf Handelsbeziehungen. Und wer ist erpicht auf Sandalennägel? In der Grabungsstätte am Harzhorn im Harz spielen sie eine zentrale Rolle. Gewöhnlich haben Römer verlorene Sandalennägel aufgehoben und wieder befestigt. Hier nicht, sie gingen im Kampf verloren. Speerspitzen und Sandalennägel ermöglichen Rückschlüsse auf das römisch-germanische Schlachtfeld. Und klar, wo es um illegale Schatzsucher geht, darf auch die Himmelscheibe von Nebra nicht fehlen. In der Ausstellung ist deshalb die Masterkopie dieses Sensationsfundes ebenso aufregend wie der Krimi um die Rettungsaktion durch Archäologen und Kriminalpolizei. Bis 8. September. Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg


50 Jahre Haase & Knels

Angezogen

Seit einem halben Jahrhundert gibt es das Atelier von Sibylle und Fritz Haase. Daran erinnert die Ausstellung „Alle Wege führen in die Böttcherstraße: 50 Jahre Haase & Knels – Atelier für Gestaltung“ im Paula Modersohn-Becker Museum. Das Paar hat das Corporate Design für das Gesamtkunstwerk Böttcherstraße entworfen – von Eintrittskarten bis zu den blauen Hinweisschildern mit Pfeil. Bis heute sind diese Schilder auch in Bremens Umgebung zu entdecken.

Kleidungsstücke sind wie eine zweite Haut. Klar, dass sie mit Geschichten verwoben sind. Die Unterwäsche, die ein Soldat bei seiner Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft erhalten hat, ist für ihn zeitlebens etwas Besonderes: Es ist die Unterwäsche, mit der er die Freiheit erlangt hat. Jetzt ist sie im Historischen Museum Bremerhaven zu sehen. „AngeZogen – Geheime Botschaften“ heißt die Ausstellung, die auf einem roten Teppich betreten wird.

„Die Böttcherstraße war der Kunde, der uns die größte Gestaltungsfreiheit ermöglicht hat. Das war die Grundlage für den Erfolg des Ateliers“, sagt Fritz Haase. Seit 1960 haben sie dafür Plakate gestaltet, anfangs Kartoffel- und Siebdrucke, später Computerkunst. Viele kündigen Kunsthandwerks-Ausstellungen an: Glas aus Schweden, Möbel aus Wellpappe, Souvenirs. Am experimentierfreudigsten sind die Haases beim Thema Spielzeug. Hier beginnen Buchstaben zu tanzen. Pinke Knetfiguren sind vor gelbem Grund inszeniert. Kommentar des Designprofessors Thomas Rempen: „Bei den Haases sitzt der Verstand hinter dem Auge und die Hand am Hirn. Respekt.“ 23. Juni bis 6. Oktober. Paula ModersohnBecker Museum Bremen

Ein Parcours führt durch das Alphabet der Kleidung: von A wie Abendkleid bis Z wie Zimmermannskluft. Sogar für X hat das Team etwas gefunden: ein X X XL T’Shirt. „Es war eine Großaktion, die im Magazin schlummernden Kostbarkeiten zu präparieren und aufzupolstern“, sagt Museumsdirektorin Anja Benscheidt. Ältestes Exponat ist ein Seidenkleid aus dem Rokoko. Ein weiteres Zeitdokument: das Chemisenkleid mit hoher Taille, topaktuell um 1800. Und der Anzug aus New York? Von der neuen Heimat aus wurde er an den Bruder in Bremerhaven geschickt. Dann der Sprung ins Jetzt: Im Video sind die poetischen Kreationen der Bremerhavenerin Annette Kölling zu erleben, heute Modedesignerin in Stockholm. 29. Juni bis 27. Oktober. Historisches Museum Bremerhaven

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KUNST Franz Radziwill-Haus in Dangast

Neue Ausstellung: Der Dangaster Maler Franz Radziwill in der Nähe des Paradieses Text: Katrin Zempel-Bley

Konstanze Radziwill, Tochter des Dangaster Malers, präsentiert das Bild „In der Nähe des Paradieses“. Foto: zb

SehnSucht nach frieden A

uch er hat vom Paradies auf Erden geträumt. Franz Radziwill offenbarte diese Sehnsucht in einem Bild, auf dem Katze, Vogel, Hund und Hahn dicht beieinander sitzen. Es heißt „In der Nähe des Paradieses“ und lieferte den Titel für die aktuelle Ausstellung des Malers, die noch bis zum 12. Januar 2014 im Franz Radziwill-Haus in Dangast zu sehen ist. Wenn alle diese Geschöpfe Frieden halten, dann schaffe es der Mensch auch. So habe ihr Vater einmal auf die Frage geantwortet, was sein Bild ausdrücken soll, erinnert sich Konstanze Radziwill. „Daraus sprach sein tiefer Wunsch nach Frieden, aber nicht nur unter den Menschen, sondern auch in der Beziehung zwischen Mensch und Natur.“ Betrachtet man Radziwills Bild genauer, dann scheint die Katze sich doch zu überlegen, ob die Meise auf dem Zweig – nur einen Katzensprung entfernt – nicht schmackhaft wäre. Klar wird, wie schnell der Frieden dahin sein kann. Für die langfristig angelegte Ausstellung sind 30 Leihgaben aus der Zeit zwischen 1920 und 1958 zusammengetragen worden. Sie stammen aus Museen sowie aus Privatbesitz und zeigen, dass der Zivilisationskritiker Radziwill, der mit seinen Bildern des „Magischen Realismus“ bekannt wurde, auch das harmonische Zusammenle-

ben von Mensch, Tier und Natur thematisiert hat.

zweite Teil wird die späten 1950er Jahre beinhalten, als sich Radziwills Paradies zu wandeln begann. Kaum hatte sich die Natur von den Einschlägen des Krieges erholt, folgte für ihn eine neue Bedrohung von Flora und Fauna.

Bis in sein spätes Werk hinein spielte die Landschaft als elementarer Daseinsraum die zentrale Rolle in Radziwills Gesamtwerk. 1923 ließ er sich in Dangast nieder Vorbei war es mit idyllischen Bildwelten. und fand hier seine Motive. In den gezeig- Der zweite Teil der Ausstellung, die am ten Bildern strebt er eine stärkere Natur30. März 2014 eröffnet wird, ist den späten nähe an. So findet die Inspiration durch Werken aus der Nachkriegszeit bis 1971 die Malerei der Romantiker ihren sichtba- gewidmet und zeigt den Zivilisationskritiren Niederker Radzischlag zum Wenn alle diese Geschöpfe Frieden halten, will. Parallel Beispiel im dann schaffe es der Mensch auch. dazu wird Gemälde im Schloss„Blick auf Dangast“ aus dem Jahr 1927. museum Jever ab 6. April eine DokumenDer Naturraum wird hier allerdings nicht tation zum persönlichen Engagement des als reine Idylle idealisiert, sondern zeigt Malers für seine Wahlheimat stattfinden. vielmehr den Daseinsraum des Menschen Über sein künstlerisches Schaffen hinaus als Lebensgrundlage. hat sich Radziwill seit den späten 1950er Jahren auch aktiv als Umweltschützer für Neben den großformatigen Panoramen die Region am Jadebusen eingesetzt, um malte Radziwill bereits in den 1920er Jahren die ursprüngliche Landschaft und gleichkleine Naturstudien wie Gräser mit Schnee- sam Dangast als pittoresken Künstlerort zu glöckchen, einen dicken Steinpilz, einen erhalten. Spatz oder eine Maus. Unter den Bildern befinden sich auch welche, die seit vielen Das Radiziwill-Haus (Sielstraße 3 in DanJahrzehnten nicht öffentlich ausgestellt gast) ist mittwochs bis freitags von 15 bis wurden wie „Das kleine Bienenhaus“ (1948) 18 Uhr sowie sonnabends, sonntags und und „Das Stillleben mit Bastkorb“ (1958). feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Zur Eröffnung des zweiten Teils der Ausstellung Um dem Thema insgesamt gerecht zu erscheint ein umfangreicher und reich werden, ist die Ausstellung als zweijähillustrierter Katalog, in dem die friedvolriges Projekt konzipiert. Bis Januar 2014 len Frühwerke den zivilisationskritischen wird Landschaft in vielen Formen und Spätwerken gegenüber gestellt werden. als friedlicher Raum gezeigt, wo dicke Pilze wachsen und Spatzen pfeifen. Der


KUNST Oldenburger Landesmuseum

Meisterwerke der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau in Oldenburg zu sehen Text: Katrin Zempel-Bley

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ie Anhaltische Gemäldegalerie beherbergt mit rund 1800 Werken die größte Sammlung alter Malerei in Sachsen-Anhalt. Jetzt gehen die Meisterwerke erstmals auf Reisen: Vom 26. Mai bis 18. August sind Landschaften, Porträts und Genrestücke von Künstlern wie Lucas Cranach d. Ä., Bartholomäus Bruyn, Pieter Brueghel, Salomon van Ruysdael oder Johann Friedrich August Tischbein im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen.

flämischen und holländischen Malerei.“

1927 richtete der damalige Freistaat Anhalt das Museum ein. Der Schwerpunkt liegt bei den Alten Meistern, vor allem altdeutscher und niederländischer Malerei, aber es gibt auch beträchtliche Werkgruppen aus der Romantik und aus dem 20. Jahrhundert. Die Galerie geht auf herzogliche Sammlungen zurück und ist im Schloss Georgium, das auf der WelterbeListe der Unesco steht, untergebracht.

Das Schloss wird gegenwärtig saniert, so dass mit 100 Bildern ein Auszug aus dieser Sammlung auf die Reise gehen kann. Ge„Von Lucas Cranach bis Wilhelm Trübner – zeigt wird eine wahre Bilderpracht, die den Meisterwerke der Anhaltischen Gemälde- Besucher staunen lässt. Inhaltlich passen galerie Dessau“ heißt die Ausstellung, die sie sehr gut zur herzoglichen Sammlung herausragende Altmeister präsentiert. „Im in Oldenburg. So stellt Alice Anna KlaasMittelpunkt steht der Beziehungswandel sen etwa ein Porträt des Flamen Nicolas zwischen Neufchatel aus der Mensch „Die idealtypischen, formenstrengen Oldenburger Sammund Lelung neben das Werk Bildnisse der Renaissance treffen benswelt aus der Anhaltischen wie er sich auf barocke Darstellungen voller Galerie. Ein Werk von in der Ma- Körperlichkeit und Dynamik. Christoph Ludwig lerei von Agricola, er war der der Renaissance bis in das 19. Jahrhundert Lehrer von Hilfgott Brandt, hängt neben darstellt“, sagt Dr. Alice Anna Klaassen, dem seines Schülers, welches das LandesAbteilungsleiterin Galerie Alte Meister museum beisteuert und somit die Lehrerim Landesmuseum. „Die idealtypischen, Schüler-Beziehung darstellt. formenstrengen Bildnisse der Renaissance treffen auf barocke Darstellungen voller Die Ausstellung, zu der ein Katalog erKörperlichkeit und Dynamik. Die Werke scheint, ist Dienstag bis Sonntag von 10 repräsentieren die Blütezeit der deutschen, bis 18 Uhr geöffnet.

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LITerATUr Verführer und Rebell / Die halbe Sonne

: Literatur Text: Inge Zenker-Baltes

Charismatischer Exzentriker Werner Sudendorfs neue Horst-BuchholzBiographie Werner Sudendorf hatte es schwer. Faktenreich präsentierte er sein Werk „Verführer und Rebell“, las klug ausgewählte Partien daraus vor. Und doch stahl ihm Myriam Bru charmant die Schau. Die französische Schauspielerin, mit der Horst Buchholz von 1958 bis zu seinem Tod 2003 verheiratet war und zwei Kinder hatte, plauder-

Von der feinsinnigen Theaterkritik bis zum tiefgründigen Hintergrundbericht zur Sonderausstellung: foyer vereint die Bremer Kulturwelt auf elegante Weise in einem Magazin und ist damit für Bremens Kulturschaffende immer wieder aufs Neue mehr als nur eine angenehme Pflichtlektüre. Herzlichen Glückwunsch – weiter so! Claus Kleyboldt Musical Theater Bremen

te vom gemeinsamen Leben, davon, dass die Eheleute sich zeitlebens siezten, dass Buchholz sechs Sprachen fließend beherrschte und jahrelang in einem grauen Pelzmantel herumlief, den sie hasste. Und dass er sich die Freiheit nahm, immer wieder auch erstklassige Rollen wie zum Beispiel die Titelrolle in Viscontis Film „Der Leopard“ abzulehnen. Vergeblich drohte seine Frau dann mit Scheidung, nur einmal erreichte sie, dass er endlich doch zusagte: Bei Wim Wenders’ „In weiter Ferne so nah“, der Fortsetzung des preisgekrönten Films „Der Himmel über Berlin“. Horst Buchholz war ein echter Berliner Junge. 1933 unehelich in Neukölln geboren, blieb der Kosmopolit mit Dreh- und Wohnorten auf der ganzen Welt seiner Heimatstadt treu. Hier machte er erste schauspielerische Gehversuche, hier begann er als Synchronsprecher, hier spielte er erste Hauptrollen und erhielt mehrere Filmpreise, darunter zweimal den „Bambi“. Hierher kehrte er 1981 für immer zurück, hier starb er schließlich, noch nicht ganz siebzigjährig, an einer Lungenentzündung. Mit nahezu allen internationalen Filmstars hat Horst Buchholz gespielt und mit den berühmtesten Regisseuren gedreht. Ob mit Romy Schneider in „Monpti“, mit Yul Brynner in „Die glorreichen Sieben“, oder in Benignis Film „Das Leben ist schön“ – der Schwanengesang 1997 –, seine Bühnenauftritte, vor

allem aber seine Filmrollen sind Legion, er war einer der wenigen deutschen Weltstars. Keinen Hehl machte Horst Buchholz aus seiner Bisexualität, lebte offen mit wechselnden Partnern zusammen – fast unerträglich für Myriam Bru, die ihren Lebensmittelpunkt in Paris beibehielt und immer wieder erwog, sich scheiden zu lassen. Doch blieb trotz allem eine tiefe Verbundenheit mit dem charismatischen Exzentriker. „Er war ein enfant gâté, ein verwöhntes Kind“, sagt sie noch heute und lächelt zärtlich. „Ein Pascha“. Werner Sudendorf: Verführer und Rebell. Aufbau, 318 S., 22,99 Euro

Griechischer Sphinx Aris Fioretos’ Hommage an den Vater Wenn der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Aris Fioretos „Thesen über einen ausländischen Vater“ in sein neues, wunderbar launiges Buch einfließen lässt, weiß er, wovon er spricht: 1960 in Schweden geboren, ist Fioretos Sohn einer Österreicherin und eines Griechen, schreibt auf Schwedisch, spricht neben Griechisch auch perfekt Deutsch, lebt in Stockholm und Berlin. Um seinen griechischen Vater geht es dem mehrfach preisgekrönten Autor, darum, „etwas festzuhalten und den vielen Teilen, aus denen er bestand, eine Form zu geben.“ Fioretos beginnt mit dem Tod des Vaters, er-


literatur Zeit der Raubtiere 69 foyer

zählt dessen Lebensgeschichte rückwärts, „mit einer Portion magischen Denkens“ und schreibt dabei große Literatur. Denn zur posthumen Annäherung an den ihm immer ein wenig fremd gebliebenen Mann bedient er sich raffinierter literarischer Mittel: Das Individuelle scheint im Exemplarischen zu verschwinden, der Erzähler berichtet in der dritten Person, verstreut eine winzige Prise vom „Gewürz der Fiktion“ und täuscht so eine Distanz vor, die sich jedoch durch viele intime und in zärtliche Poesie gekleidete Details über Wesen, Eigenheiten und Handeln des Vaters auf bezaubernd originelle Weise ad absurdum führt.

Hier geschieht so ziemlich alles vorstellbare Schreckliche wie aber auch Berührendes. Im noblen „Tiger House“ auf der Reichen-Insel Martha’s Vineyard vor Boston verbrachten die Cousinen Nick und Helena in den Zwanziger Jahren die Sommer, angefüllt mit Düften, zarten Geheimnissen und sorglosem Müßiggang – voller Sehnsucht nach einem wilden Leben, nach Liebe und Abenteuern.

Jahre später, am Ende des 2. Weltkriegs, stehen sich die beiden einst unzertrennlichen Frauen insgeheim argwöhnisch gegenüber. Gemeinsam mit ihren Kindern leben sie jetzt auf „Tiger House“, wo bei „Die halbe Sonne“ ist eine sehr besondeglamourösen Partys der Schein eines harre, kluge Sohn-Vater-Geschichte und unbe- monischen Miteinanders mühsam aufdingt lesenswert. rechterhalten wird. Nick ist eine betörend Aris Fioretos: Die halbe Sonne. Ü: Paul schöne Frau geworden, deren AusstrahBerf. Hanser, 192 S.,18,90 Euro lung sich kaum jemand entziehen kann. Helena flieht ihre katastrophale Ehe mit Hilfe von Alkohol und Tabletten, neidet Tatort Familie Nick ihre Schönheit und Perfektion, wähLiza Klaussmanns anspruchsvoller Gerend die zunehmend panisch den einstisellschaftsroman gen Träumen nachzujagen versucht. Als Nicks und Helenas halbwüchsige Kinder Auf Neudeutsch bezeichnet man Bücher Daisy und Ed die Leiche eines brutal erwie den Debütroman der amerikanischen mordeten Hausmädchens finden, stürzt Autorin Liza Klaussmann gerne als „Page- die Fassade in sich zusammen. Turner“, der möglichst in einem Zug konsumiert werden sollte. „Zeit der Raubtiere“ Liza Klaussmann ist mit diesem hinterspielt inmitten des vielschichtigsten, gegründigen, durch und durch unkonventifährlichsten, gleichzeitig Schutz und Beonellen Familienroman, den sie aus den haglichkeit verheißenden Kommunikativerschiedenen Perspektiven von fünf Proonsgebildes – also in der Familie. tagonisten erzählt, nicht nur ein Zeitdo-

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Seitdem ich in Bremen lebe, bin ich regelmäßige Leserin von foyer. Kein anderes Magazin gibt einen so ausführlichen Überblick über das kulturelle Geschehen im Nordwesten. Dass das Heft nun sein 20-jähriges Jubiläum feiert, zu dem ich der Herausgeberin Marie-Clothilde Kronenberg herzlich gratuliere, spricht für sich. Ein sehr ästhetisches Erscheinungsbild, starke und farbenfrohe Titelbilder sowie ein hochkarätiges Autorenteam sorgen dafür, dass ich mich der Lektüre alle zwei Monate mit Vergnügen widme. Dr. Frauke von der Haar Direktorin Focke-Museum Bremen

kument und Sittengemälde der amerikanischen Gesellschaft zwischen 1945 und 1969, sondern auch ein atmosphärisch dichter Thriller gelungen. Liza Klaussmann: Zeit der Raubtiere. Ü: Michaela Grabinger. Droemer, 427 S., 19,99 Euro

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KINo 5 Jahre Leben

: Kinotipps Text: Wilfried Hippen

„5 Jahre Leben“

Stille Tage in Guantanamo

Phase der Inhaftierung Kurnaz konzentriert. So fand Schaller einen filmischen „5 Jahre Leben“ von Stefan Schaller Rahmen, durch den er zugleich die komEs ist das größte politische und moralische plexe Geschichte auf das Wesentliche verdichten und einen dramaturgischen SpanDilemma des neuen Jahrtausends. Und es nungsbogen ziehen konnte. In der Erist noch immer nicht gelöst. Der US-Präöffnungssequenz wird der Zuschauer so sident Obama hat zwar versprochen, Guabrupt in den Film gestoßen wie der Geantanamo zu schließen, aber dies ist ihm fangene in seine Zelle. Schaffer versucht in bis heute nicht gelungen. Unlängst ist die Mehrzahl der dort Inhaftierten in den Hun- den ersten Szenen, so realistisch wie möglich die von Kurnaz geschilderten Haftbegerstreik getreten und das Lager schwächt weiterhin den moralischen Standpunkt der dingungen zu inszenieren, doch bevor deren Brutalität und Monotonie schwer erUSA und ihrer Verbündeten. träglich werden, springt er (chronologisch Mit Murat Kurnaz ist ein in Bremen Aufge- sechs Monate) zu einer im Unterhaltungskino altbekannten Konstellation. wachsener zum Opfer dieses Systems geworden. Er wurde in Pakistan verhaftet, verhört, gefoltert und fünf Jahre lang in Gu- Der amerikanische Verhör-Spezialist Gail Holford beginnt den Gefangenen zu bearantanamo festgehalten, obwohl bald klar beiten, und der Zweikampf dieser Persönwurde, dass er keine Verbindung zu Terlichkeiten macht den Großteil des Filmes roristen hatte. Seine Geschichte ist zwar aus. Dadurch wird er zu einem Kammerin den letzten Jahren immer wieder in den oder besser Zellenspiel, sodass der größMedien sowie von ihm selber erzählt worte Teil des Films in einer Handvoll Innenden, aber alleine schon die Absurdität des räume gedreht wurde. So blieb das Budget Geschehenen schafft Distanz, sodass es schwer fällt, sich wirklich in dieses Schick- überschaubar, doch durch ein paar geschickt eingesetzte Totale wirken die Kusal einzufühlen. lissen erstaunlich authentisch, und dies Genau das kann aber das Kino leisten, und gilt natürlich erst recht für die Szenen aus deshalb ist es eine kluge Entscheidung von der Zeit vor der Gefangennahme von Kurnaz, die zu einem großen Teil tatsächlich in Stefan Schaller, konsequent aus der Perspektive seines Protagonisten zu erzählen. Bremen gedreht wurden. In diesen Rückblenden, in denen von Kurnaz’ Familie, seiDer Film basiert auf den Erinnerungen ner Unzufriedenheit mit der Arbeit als Türvon Kurnaz, und dieser hat ihn kurz nach steher und seiner Hinwendung zum Islam der Fertigstellung in einer Privatvorstelerzählt wird, zeigt sich die Wandlungsfälung im Bremer Kino „Schauburg“ für gut higkeit des Schauspielers Sascha Alexanbefunden. Und anders als der Titel es der Gersak deutlich. Er spielt Kurnaz sovermuten lässt, hat er sich auf eine verwohl als pausbäckigen Jugendlichen wie gleichsweise kurze, aber entscheidende

auch als geschundene Kreatur im Gitterkäfig. Doch Schaller inszeniert seine Geschichte nicht als melodramatisches Rührstück und vor allem dämonisiert er nie die Täter. Statt dessen zeigt er mit einer eher kühlen Distanz, wie perfide die Mittel sind, mit denen versucht wurde, den Willen von Kurnaz zu brechen. So wird der dramatische Höhepunkt des Films jene lange Sequenz, in der Holford versucht, Kurnaz dazu zu zwingen, eine Eidechse zu töten, die dieser in seiner Zelle als Haustier hält. Für den Gefangenen ist das Verhältnis zu diesem (eher hässlichen) Tier das einzige, was seine Wärter nicht kontrollieren können, und so würde er mit dieser Tat eine letzte, entscheidende Grenze überschreiten. „5 Jahre Leben“ braucht den Vergleich mit Michael Winterbottoms thematisch verwandten „The Road to Guantanamo“ nicht zu scheuen, dabei ist dies Stefan Schallers Abschlussfilm bei der Filmakademie Ludwigsburg. Seit 12. Mai im Kino

Demnächst im Kino „Promised Land“ (20. Juni) von Gus Van Sant ist ein unterhaltsames Drama, in dem es um die umstrittene Methode der Erdgasgewinnung namens Fracking geht. Matt Damon spielt einen erfolgreichen Vertreter, der Farmern ihr Land abkauft, auf dem dann nach Erdgas gebohrt wird. Ein Kritiker nannte ihn „einen behutsam aufklärerischen Film, der vor allem nostalische Werte beschwört.“ Dies ist positiv gemeint, sollte aber eher als Warnung verstanden werden.


kino Demnächst

„Fliegende Liebende“

„Papadopoulos & Söhne“ (27. Juni) von Markus Markou zählt zu den vielen britischen Komödien, in denen ein soziales Problem zugleich komisch und sozialkritisch behandelt wird. Hier handelt es sich um einen sehr reichen Feinkostproduzenten, der in der Wirtschaftkrise pleite geht und sich im Fish&Chips-Laden seines Bruders wieder aufrappelt – vom Millionär zum Tellerwäscher also. „Fliegende Liebende“ (4. Juli) ist die neue Komödie von Pedro Almodóvar. Nachdem er mit seinen letzten Filmen bewiesen hat, dass er wie kaum ein anderer in Europa Filmkunst fabrizieren kann, lässt der Spa-

nier hier wieder im Stil seiner alten schrillen Komödien die Sau raus. Als bekannt wird, dass ein Flugzeug abstürzen wird, wollen die Passagiere noch eine letzte große Party feiern, und da die meisten von ihnen schwul sind, wird dies eine schrille und sehr unterhaltsame Angelegenheit.

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„Der Schaum der Tage“

minalitätsraten der Erde hat und in dem die Konflikte zwischen den Bevölkerungsteilen noch lange nicht gelöst sind.

„Der Schaum der Tage“ (1. August) ist die Adaption eines der surrealen Romane von Boris Vian. Darum geht es um einen Erfinder, der Duft und Musik zusammenge„Layla Fourie“ (4. Juli) von Pia Marais ist bracht hat und der seine Freundin, die an die Charakterstudie einer jungen, schwareiner bizarren Krankheit erkrankt ist, nur zen Frau in Südafrika, die für eine Sicherretten kann, wenn er sie ständig in frische heitsfirma an einem Lügendetektor arbeiBlumen bettet. Wenn ein Regisseur diese litet, aber selber zur Lügnerin wird, nachdem terarische Träumerei kongenial umsetzten sie nachts einen alten Mann überfährt. Der kann, dann ist es der verschrobene und Film macht die paranoide Stimmung eines hochromantische Kinopoet Michel Gondry. Landes spürbar, das eine der höchsten Kri-

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WIrTSCHAfT Griepe Container GmbH (GCG)

Griepe Container GmbH (GCG) in Bremen: Expandierender Dienstleister rund um die bunten Kisten

container-KreiSel G

ut 12 Meter lang, rund 2,40 Meter breit und hoch – diese Maße kennt jeder Logistiker von Gröpelingen bis Shanghai. Denn sie gehören zum wichtigsten und bekanntesten Container-Modell weltweit. Über 15 Millionen dieser genormten 20-Fuß-Kisten sind weltweit zu Land oder Wasser unterwegs. Oder sie stehen mal kurz bei Griepes im Bremer Industriehafen. Ein Familienunternehmen, vor über 30 Jahren von Ernst Griepe gegründet. Familiär geht’s wirklich zu, wenn Sohn Gerd auf dem rund 80.000 Quadratmeter großen Firmengelände seinen Rundgang macht. Handschlag mit jedem Mitarbeiter, stets ein kleiner Schnack – der Firmenchef kennt seine 35 Angestellten genau. „Das geht gar nicht anders“, sagt Gerd Griepe. „Bei unserem pausenlosen Betriebsablauf muss ich mich auf jeden Einzelnen verlassen können.“ In der Tat: Bei der Griepe Container GmbH (GCG) herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Und alles dreht sich um die bunten Boxen, die der Fachmann unter dem Kürzel TEU kennt. 1 TEU, eine „Twenty Foot

nitärcontainer, Wohncontainer für Offshore-Zwecke oder eine mobile Fertigungsanlage für das Mischen und Verladen von Zement.

„Alles ist möglich – fast alles“, sagt Gerd Griepe und erinnert an die vorgegebenen Norm-Maße der Kisten, die ein Amerikaner namens Malcolm McLean in den 50er Jahren ins Rollen gebracht hat. Er entwickelte die Idee, Ladung in genormten Transportbehältern zu verschicken, grünDenn er hält die Container quasi ständete die Reederei Sea-Land (seit 1999 Madig am Kreiseln. Einschließlich der internen Bewegungen werden etwa 1500 Stück ersk-Sealand) und ließ den Tanker „Idepro Tag bei GCG bewegt, kommen per Lkw, al X“ so umbauen, dass an Deck zusätzlich Bahn oder Schiff an, werden gecheckt, sor- Container geladen werden konnten. Die erste Fahrt führte am 26. April 1956 mit tiert und für den Weitertransport zusam58 Boxen von Newark (New Jersey) nach mengestellt. Ihr Inhalt: Stahl, ChemikaliHouston (Texas) – und leitete den fundaen, Baustoffe, durchaus auch Kaffee oder mentalen Wandel in allen Häfen rund um Stückgut. Waren, die Griepe für Kunden aus diesen Branchen ein Stück weit auf ih- den Globus ein. rem Weg ans Ziel befördert. Und zwar 365 Gerd Griepe kennt diese Geschichte natürTage im Jahr. lich genau. Und er weiß auch, dass der erste Container, der nach Deutschland kam, Doch das Unternehmen ist weit mehr als „nur“ ein Spediteur, der beladene oder leere am 6. Mai 1966 von Bord der „Fairland“ Container in seinem Depot umschlägt und auf den Kai des Bremer Überseehafens gederen Weitertransport zu neuen Destinatio- wuchtet worden ist, was die anwesenden nen veranlasst. GCG kümmert sich auch um Stauer, Festmacher und Tallyleute mit großen Augen verfolgten. Doch sie sollten Container-Umbauten und realisiert Sonnoch ein größeres Spektakel miterleben deranfertigungen nach Kundenwunsch. Etwa seitlich beladbare Boxen, Modelle mit dürfen, denn gleich der zweite Container rutschte aus dem Ladegeschirr und knallte speziellen Regalsystemen, Büro- und SaEquivalent Unit“, entspricht einer 20 Fuß Containereinheit; es gibt auch 40 Fuß Container sowie Sondermaße. Gerd Griepe kann 8.000 TEU lagern, doch diese Zahl ist rein theoretischer Natur.


theater Seiteninhalt

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Gerd Griepe

mit mächtigem Getöse auf das Fahrerhaus einer nagelneuen Zugmaschine.

bei im wahrsten Wortsinn schwere Brocken aus: Walzdraht und Stabstahl des Unternehmens Saarstahl, ansehnlich verDie havarierte Kiste würde heute vermutpackt in mächtige, bis zu 2600 Kilogramm lich bei Gerd Griepe landen, der nicht nur schwere Rollen, die von speziellen Gabelmit Containern handelt oder sie vermiestaplern in Windeseile aus den Waggons gehoben ... denn gleich der zweite Container rutschte aus dem und – naLadegeschirr und knallte mit mächtigem Getöse auf hezu spielerisch das Fahrerhaus einer nagelneuen Zugmaschine. wirkend tet, sondern auch Reparaturen übernimmt. – in bereitstehende Container verfrach„Mehr als 1000 Stück pro Monat werden in tet werden, um dort sorgfältig verzurrt und unserer 2700 Quadratmeter großen Repaverkeilt zu werden. ratur- und Lagerhalle wieder in Schuss gebracht“, erzählt der Firmenchef. Die AufEine Tätigkeit, die höchste Aufmerksamtraggeber, nationale und internationale kei verlangt. Denn bei schwerem Seegang Reedereien und Leasinggesellschaften, kommen selbst die Schiffsriesen unserer können ihre Container auch bei GCG war- Tage gewaltig ins Schwanken. Und sollten lassen – eine verantwortungsvolle Auf- te sich bei einem Rollwinkel von bis zu 45 gabe, wenn man etwa an die leicht verderb- Grad die Ladung in einem Container lösen, lichen Waren denkt, die via Kühlcontainer kann sie dessen rund 2 Millimeter starke an ihr Ziel gelangen. Und damit die Kisten Stahlwand wie Papier durchschlagen. anschließend auch wieder so richtig sauber sind, schickt Griepe sie durch die firmenei- Mehrmals in der Woche rollen Züge aus gene Dampfreinigungsanlage. dem Saarland in das GCG-Terminal. Dann herrscht hier Hochbetrieb, denn die WagEin paar hundert Meter weiter, im 2000 gons müssen so rasch wie möglich entlaQuadratmeter großen überdachten Bahn- den und auf die Rückreise gebracht werden. terminal, werden im Jahr circa 11.000 Ei„Ohne reibungslose Organisation klappt senbahn-Waggons abgefertigt, wobei die da gar nichts“, berichtet Gerd Griepe und gesamte Umschlagskapazität bei 200.000 erzählt von seinen Mitarbeitern, die ihre Tonnen liegt. Den Löwenanteil machen da- Stapler und Transportfahrzeuge nahezu

traumwandlerisch von A nach B bewegen. „Jeder für sich ein ausgewiesener Spezialist“, schwärmt er und bekennt: „Also ich könnte das in diesem Tempo nicht.“ Apropos Tempo: Der Dienstleister in Sachen Containern hat in den vergangenen Jahren eine zügige Entwicklung absolviert, nicht zuletzt dank der Innovationen beim Stückgutumschlag. Zusätzliche Kapazitäten konnten durch die Verladung auf Binnen- und Feederschiffe erschlossen werden. Natürlich erfolgt die Abwicklung und Überwachung der Transfers auch bei GCG längst online; die Installation von RFIDTranspondern (Radio Frequency Identification) zur Übermittlung insbesondere der Stückgutdaten und damit der weiteren Verbesserung der logistischen Betriebsabläufe wird erwogen. Hals über Kopf wird das freilich nicht geschehen, sondern behutsam und nach sorgfältiger Abwägung. „Tugenden, die bei uns aller Alltagshektik zum Trotz nach wie vor den Takt vorgeben“, meint Gerd Griepe und lächelt dabei.

Griepe Container GmbH Windhukstr. 20-26 28237 Bremen Tel. 04 21 – 644 00 00 www.griepe-container.de


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PANorAMA WISSeNSCHAfT

: Panorama Wissenschaft Text: Stephan Cartier

Sonia Lippke

Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut

Unterstützung für Taucher

Neue Medien für Ältere

Abbild des Meeresbodens

Wer glaubt, unter Wasser würde grenzenlose Freiheit herrschen, der irrt. „Die Reglementierungen für wissenschaftliche Taucher durch die Behörden sind groß“, beklagt Professor Thomas Pichler. Der Hydrogeologe an der Universität Bremen moniert, dass dem Nachwuchs bislang zu viele formale Hürden gesetzt würden, um sich als Forschungstaucher ausbilden zu lassen oder sogar schon während des Studiums Forschungen unter Wasser betreiben zu können.

Dass sich die Telekommunikationsbranche bereits auf ältere „User“ eingestellt hat, beweisen Handys mit augenfreundlichen Displays und ergonomisch angemessen großen Tasten. Neue Medien können aber der Menschheit im demographischen Wandel noch in anderer Hinsicht dienen: Sie können zur Gesundheit beitragen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Bremer Gesundheitspsychologin Sonia Lippke von der Jacobs University betreut hat.

Erstmals konnten Meeresforscher jetzt ein dreidimensionales, digitales Abbild des gesamten antarktischen Meeresbodens erstellen. Das Kunststück gelang einer internationalen Forschergruppe unter Führung des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung.

Hier will die neue Deutsche Akademie für Unterwasser-Forschung (GAUSS), die jetzt in Bremen gegründet wurde, durch neue Kursangebote Abhilfe schaffen. Die neue Einrichtung soll Studenten, aber auch etablierte Wissenschaftler dabei unterstützen, sich als Forschungstaucher aus- und weiterzubilden.

Vor allem mobile Hardware wie Smartphones, Tablets und Laptops würden dazu beitragen, älteren Menschen die Gesundheitsvorsorge im Alltag zu erleichtern. Gekoppelt mit spezieller Software bilden sie so genannte Expertensysteme, die ihren Benutzern automatisiert oder per Fernanleitung Präventionsvorgaben für deren Tagesablauf machen. So reiche es schon aus, Beim Forschungstauchen geht es vordring- sich durch Erinnerungssoftware auf dem lich um die Erkundung von Lebensräumen Smartphone Trainingsaufforderungen von Fischen oder Mikroorganismen in schicken zu lassen, erklärt Sonia Lippke – Meeren, aber auch in Seen oder Flüssen. Bei man müsse diese dann aber auch natürlich Expeditionen sind in den vergangenen Jah- beherzigen; die Erinnerung allein reiche ren immer wieder neue Entdeckungen zum natürlich nicht aus. Auch die Umstellung besseren Verständnis der Evolution gemacht in der Ernährung sei durch die computerworden, wie Pichler betont. Die Zusammen- basierte Lenkung bei älteren Menschen setzung mariner Lebensgemeinschaften effektiver als etwa durch ständige Hinweilässt sich aber eben nur mit zeit- und mate- se von Freunden oder Verwandten, fanden rialaufwändigen Tauchgängen beobachten. die Forscher heraus.

Der Recherche-Aufwand des Unternehmens war beachtlich. „Für unser Datenraster haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 15 Ländern und von mehr als 30 Forschungseinrichtungen ihre Tiefenmessdaten von Schiffsexpeditionen zusammengetragen. Am Ende konnten wir mit einem Datensatz arbeiten, der aus rund 4,2 Milliarden Einzelwerten bestand“, erklärt Jan Erik Arndt vom AWI. Die Genauigkeit der Abbildung ist verblüffend. Jeder Messpunkt des Computermodells steht für eine Fläche von nur noch einem Viertelquadratkilometer Meeresboden. Mit einer ähnlichen grafischen Faszination wie bei Google-Maps kann man sich künftig ein Bild von einer der geheimnisvollsten Regionen der Erde machen. Denn die Karte soll in Kürze unter www.ibcso. org abruf bar sein. Für Forscher ist die Kartierung zudem von großem Wert, da sich Tauchexpeditionen ins antarktische Meer nun leichter planen lassen.


KoLUMNe Nachgedacht

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: Nachgedacht Text: Stephan Cartier

die ampel deS böSen W

er Auto fährt, hat viel Gelegenheit zum Nachdenken, denn einen Großteil der Zeit verbringt man stehend vor Ampeln oder in Staus. Dann ist Gelassenheit im Angesicht einer namenlosen Niedertracht gefragt. Dass es Zufall sein soll, immer wieder an denselben Stellen zum Stopp gezwungen zu werden, das mag glauben wer will. Ich nicht. Da ist beispielsweise diese Straßenbaustelle! Seit über einem halben Jahr gibt es die Engführung auf dem Arbeitsweg, die den Verkehr nur auf einer Spur ermöglicht. Eine Ampelschaltung lässt im Dreiminutentakt die Autos mal von der einen, mal von der anderen Seite passieren. Und seit einem halben Jahr zeigt diese Ampel Rot, egal wann ich an dieser Stelle ankomme und egal von welcher Seite. Seit einem halben Jahr. Immer Rot. Darf man Gegenstände hassen? Ja! Man muss sogar. Denn ein kluger Kopf wie der französische Technikphilosoph Gilbert Simondon hatte schon 1958 angemerkt, dass in technischen Objekten zu Unrecht nur stumme Diener gesehen werden: „Nun müsste man aber, zugunsten des Menschen selbst, eine Umkehrung vornehmen können, die es dem, was am technischen Objekt menschlich ist, erlauben würde, direkt in Erscheinung zu treten…“ Simondon bemühte sich darum, Dingen wie Telefonen, Kathodenröhren,

Windmühlen oder Ampeln einen gleichberechtigten Status im Kollektiv mit ihren Mitlebewesen, dem Menschen, zu geben.

well. In seinem Gedankenexperiment stellte sich der Mann 1871 zwei Kammern mit Gas vor. Nur ein einziges Molekül sollte jeweils durch ein winziges Loch gelanDas klingt inhumaner als es ist. Denn an- gen können und zwar so, dass am Schluss ders als durch dieses Zugeständnis liedie schnellen Moleküle links und die langßen sich hundsgemeine Apparate wie jene samen rechts konzentriert sind, mithin Ampel auch kaum ertragen, die von weialso kaltes und warmes Gas getrennt würtem sieht, dass ein bestimmter Autofahrer de. Das so entstandene Temperaturgefälle kommt und daraufhin immer auf „Halt!“ lieferte auf ewig Energie, und das Perpetuschaltet. Die Vorstellung, ein technisch um Mobile wäre erfunden. Hierfür mussneutrales System würde mich ständig te Maxwell allerdings ein geheimnisvolles aufhalGeschöpf erten, hie- Aber ich weiß, wo der Dämon seine sinnen, das ße dage- diabolische Arbeit tatsächlich verrichtet ... zwischen den gen, dass beiden Kamich es objektiv verdient habe, ständig wie mern saß und die Luke so öffnete, dass jeein Depp vor dem Lichtzeichen zu stehen. weils nur das eine richtige Molekül durch Vielleicht weil ich zuvor falsche Entscheidas Loch kam oder davor stehen blieb: Es dungen beim Autofahren getroffen habe, ist bezeichnend, dass diese Wesen später mal zu schnell, mal zu langsam war. Darf den Namen Dämon erhielt. man der Technik dagegen dieselben willkürlichen Zickereien wie einem MitmenEin Perpetuum Mobile wird es nie geben, schen unterstellen, entlaste ich auch mich denn noch niemand hat je ein solch intelselbst von der Mitverantwortung für mein ligentes Wesen gesehen, das die Moleküle Scheitern. Wenn die Technik böse ist, dann nach einem geheimen Plan passieren lässt. kann man nichts dagegen machen. Aber ich weiß, wo der Dämon seine diabolische Arbeit tatsächlich verrichtet: in eiSo kann es nicht verwundern, dass die Fi- ner Baustellenampel auf halber Strecke gur des diabolischen Geistes in der Ideen- zwischen Bremen und Delmenhorst. Und geschichte der Technik eine lange Tradihier schafft er es spielend, gewaltige Mention hat. Prominentestes Beispiel ist der gen negativer Energien bei Autofahrern zu „Maxwell‘sche Dämon“, benannt nach dem erzeugen. schottischen Physiker James Clerk Max-


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KULTUr forUM

: Kultur Forum Zusammengestellt von Peter Schulz

Picasso: Sylvette

„Vom Stand der Dinge“ lautet der Titel einer internationalen Design-Ausstellung der Wilhelm Wagenfeld Stiftung, die am 24. Mai im Wilhelm Wagenfeld Haus eröffnet wird und bis zum 29. September zu sehen ist. Ausgehend vom Werk dreier namhafter Designer der Moderne – Wilhelm Wagenfeld, Tapio Wirkkala und Timo Sarpaneva – wird die Arbeit heutiger Gestalter dokumentiert. Dafür wurden international anerkannte Designer zu einem grundsätzlichen Statement eingeladen. Im Mittelpunkt: die Tisch- und Esskultur.

Kunsthalle Bremen

Das verschollene Gemälde „Ein stiller Winkel“ von Fritz Overbeck ist nach über 40 Jahren wieder aufgetaucht. Ein Privatsammler aus Lübeck hat das Werk dem Vegesacker Overbeck-Museum als Dauerleihgabe überlassen. Es wird bis zum 23. Juni im Rahmen der Ausstellung „Im Licht Norddeutschlands“ gezeigt und ist damit erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich.

....................................... „DER Weg. DIE Sicht. DAS Sehnen. Über die Schönheit von Reise und Abenteuer“ lautet der Titel einer Ausstellung mit Fotoarbeiten von Michael Weisser, die noch bis zum 7. Juli im Syker Vorwerk läuft.

................... Die Kunsthalle Bremen zeigt vom 22. Februar bis 22. Juni 2014 die Sonderausstellung „Sylvette, Sylvette, Sylvette. Picasso und das Modell“. Gezeigt werden 40 Arbeiten von Pablo Picasso – Zeichnungen, Gemälde, Metallskulpturen und Keramiken –, darunter das 1955 erworbene Bildnis der jungen Sylvette David.

.................... Jürgen Berger, Theaterund Literaturkritiker unter anderem der Süddeutschen Zeitung, verstärkt die Jury für den ersten Osnabrücker Dramatikerpreis. Für die mit 6000 Euro dotierte Auszeichnung liegen bereits 180 Bewerbungen vor.

Rund 11.500 Besucher verzeichneten die Initiatoren der 8. „jazzahead!“ an der sich rund 650 Aussteller in der Messe Bremen beteiligt haben. Zu dem viertägigen Festival mit 80 Konzerten kamen 2.534 Fachbesucher – mehr als erwartet.

....................................... Gerhard Hess, Intendant der Landesbühne Nord, wird am 14. Juni im Stadttheater Wilhelmshaven aus seinem Amt verabschiedet.

....................................... „Lass Dich von der Natur anwehen.“ Unter diesem Titel stellt die Kunsthalle Bremen vom 7. September bis 5. Januar 2014 Landschaftszeichnungen der Romantik und der Gegenwart gegenüber. Dabei treffen

100 Ausgaben foyer – ein runder Geburtstag, den es gebührend zu feiern gilt. Als eines der wichtigsten Kulturjournale in Norddeutschland zeigt es immer wieder, wie vielfältig und lebendig die Kulturlandschaft und das Kulturangebot in Bremen und im Nordwesten ist. Das Übersee-Museum gratuliert herzlich und wünscht viel Erfolg und alles Gute! Prof. Dr. Wiebke Ahrndt Direktorin Übersee-Museum Bremen


kultur forum 77 foyer

Kunsthalle Wilhelmshaven

Arbeiten von Caspar David Friedrich auf Werke zeitgenössischer Künstler wie Ugo Rondinone (*1962) oder Ulrike Heydenreich (*1975). Die rund 100 Meisterzeichnungen und 40 Ölskizzen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen aus dem Bestand des Kupferstichkabinetts.

....................................... „Weltmaschinen“ lautet der Titel einer Ausstellung mit Zeichnungen von Christian Pilz, die bis 16. Juni in der Kunsthalle Wilhelmshaven zu sehen ist.

....................................... Der Kunstverein in Bremen, Träger der Kunsthalle Bremen, hat eine Zeichnung des italienischen Barockmalers Giacomo Cavedone an die Erben des jüdischen Sammlers Dr. Michael Berolzheimer (1866-1942) übergeben. Die von den Nationalsozialisten unrechtmäßig enteignete Arbeit war 1941 ersteigert worden, nachdem Berolzheimer 1938 in die USA emigriert war.

....................................... „Ich bin’s! – Mein gespiegeltes Selbst“ lautet der Ausschreibungstitel für den diesjährigen Kunstpreis der Gemeinde Rastede, der am 29. September verliehen wird. Der mit 5000 Euro dotierte Wettbewerb ist mit einer Ausstellung im Palais Rastede vom 29. September bis 15. Dezember verbunden.

....................................... Das „Orchestra of Chinese Folk Music“ der Universität Qingdao und der Chor der Uni Bremen (Leitung Susanne Gläß) geben zwei gemeinsame Konzerte mit dem Titel „Brahms meets China“. Die Termine: 20. Juni (20 h), Gutsscheune Stuhr/Varel, sowie 21. Juni (19.30 h), Haus am Walde, Bremen. 13 Fotografen und Filmemacher haben sich

Palais Rastede

mit ihren Arbeiten über die Überseestadt für die Ausstellung „Die Mitte am Rand“ zusammengetan, die noch bis 1. September in der Kulturkirche St. Stephani zu sehen ist.

....................................... Der Choreograf Helge Letonja präsentiert am 20. Juni (20 h) in der Schwankhalle Bremen als Uraufführung „The Dessert“, den letzten Teil seiner Tanz-Trilogie „DisPlacing Future“. Weitere Vorstellungen sind für den 22. und 23. sowie 26. bis 30. Juni vorgesehen.

„Nachts in Bremen“

Der Jeanette Schocken Preis – Bremerhavener Bürgerpreis für Literatur ist in diesem Jahr an den ungarischen Schriftsteller Péter Esterházy vergeben worden, dessen Werke in über 30 Sprachen übersetzt worden sind.

....................................... Die nächsten Vorstellungen des Musicals „Nachts in Bremen“ von Frank Fiedler und Erich Sellheim finden am 13. Juli, 31. August, 28. September, 19. Oktober, 9. November sowie 7. Dezember im Bremer Ratskeller statt.


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KULTUrKALeNDer

Kultur termine ................................................... Bremerhaven 26. 5. (S) Andreas Marber: Seine Braut war das Meer und sie umschlang ihn. Kleines Haus 1. 6. (M) Peter Eötvös: Love and other Demons. Großes Haus

PreMIereNDATeN 15. Mai bis 15. September 2013 ................................................... Bremen (S) War da was? Die Hübner-Jahre. Kleines Haus (S) Friedrich Schiller: Die Räuber. Theater am Goetheplatz 2.-8. 6. Festival „Outnow! 2013“. Schauspiel, Tanz, Film, Musik und Bildende Kunst 6. 6. (S) Larger than life. Junge Akteure-Produktion. Brauhauskeller 25.-30. 6. Mahagonny-Festival. Veranstaltet von allen Sparten 31. 5. 1. 6.

................................................... Oldenburg 31. 5. (M) Igor Strawinsky: The Rake’s Progress. Großes Haus 6. 6. (S) Bertolt Brecht: Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui. Kleines Haus

(Abkürzungen: M = Musiktheater, S = Schauspiel, T = Tanztheater) Alle Termine ohne Gewähr!

Die Räuber Juni 1. (P), 3., 5., 8., 12., 21. Outnow! 2013 Juni 2.+4.+5.+6.+8. (ab 19 h), 3.+6.+7. (ab 20 h) Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny Juni 25., 27., 29. Mahagonny-Festival 25. bis 30. Juni

Abkürzungen: P = Premiere WA = Wiederaufnahme UA = Uraufführung z.l.M. = zum letzten Mal w.n.a.a. = wenn nicht anders angegeben Alle Termine ohne Gewähr! Terminschluss: 1. Mai

BreMeN ...................................... Theater Bremen Tel. 04 21 - 36 53 - 3 33

Theater am Goetheplatz (Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h) Die Affäre Rue de Lourcine Mai 15. (z.l.M.) Wunschkonzert Mai 16. Woyzeck Mai 18., 24.; Juni 4., 22. (z.l.M.) Cosi fan tutte Mai 19., 25., 31.; Juni 2.+9. (15.30 h), 6., 11., 15., 20. (z.l.M.) Tannhäuser (WA) Mai 20. (17 h), 22. (18 h); Juni 16. (17 h), 23. (17 h | z.l.M.) Tosca Mai 23., 27.; Juni 13. (z.l.M.) Der Freischütz Mai 26. (15.30 h), 30.; Juni 7., 10., 14., 19. (z.l.M.)

Kleines Haus

Zum 100. Mal foyer: vivat, vivat! Dieses Magazin, das den Musen ein stetiges Forum bietet, gibt seinen Leserinnen und Lesern den bestmöglichen Überblick über die blühende, vielfältige Kulturlandschaft des Nordwestens. Auch wenn es bloggt und twittert, bleibt für mich ein solch kritischer PrintKulturjournalismus unverzichtbar. In diesem Sinn: Auf die nächsten 100 foyer-Ausgaben!“ Dr. Frank Laukötter Direktor der Kunstsammlungen Böttcherstraße

(Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Extended Teenage Era Mai 15. (z.l.M.) Monster Mai 16.+17. (10.30 h) Der perfekte Mensch Mai 16., 23.; Juni 11., 21. (22 h) Aber sicher! (UA) Mai 17., 20. (18.30 h); Juni 18. Penguins & Pandas Mai 18., 22.; Juni 1. (z.l.M.) Buddenbrooks Mai 19.+26. (18.30 h), 25. (19 h): Juni 14.+20. (19 h) Hamlet Mai 30. (z.l.M.) War da was? Die Hübner-Jahre Mai 31. (P); Juni 9.+23. (18.30 h), 13., 15., 16. (15.30 h) „Funny, how?“ Juni 12. Betrügen Juni 16. (18.30 h) Sickster Juni 19. (z.l.M.) Das 2. Bremer Konzil Juni 22. Die Bremer Straßenoper Juni 27.


KULINArISCHeS Atlantic Grand Hotel Bremen

79 foyer

Restaurant „alto“ im Atlantic Grand Hotel Bremen entwickelt kreatives Konzept

Daniel Otto

ZwiSchen fernund heimweh W

eltoffen und dabei erdverbunden – was vielerorts als typisch für Bremen angesehen wird, setzt die Küche des Atlantic Grand Hotels auf eine ebenso stimmige wie originelle Weise um. Denn der neue Chefkoch Daniel Otto gliedert die Speisekarte des Hauses, das zur Bremer „Atlantic“-Gruppe gehört, in die Rubriken „Fernweh“ und „Heimweh“ auf. Und damit führt er seine Gäste in so manche kulinarische Versuchung. Freddy Quinn hat sie gekannt, diese Sehnsucht. Mal zog es ihn („Nimm’ mich mit, Kapitän, in die Ferne…“) auf die sieben Weltmeere, mal wünschte er sich („Dort wo die Blumen blüh’n“) nach Hause zurück. Daniel Otto kann das nachvollziehen. Seine Wanderjahre führten ihn nach London, Cardiff und Wien, aber auch in die Sterne-Küchen des Bayern Alfons Schuhbeck und des Berliners Tim Raue. Überall hat der 34-jährige genau hingeschaut, hat Anregungen gesammelt und daraus Ideen entwickelt. Nun ist der gebürtige Berliner im Bremer Atlantic Grand Hotel vor Anker gegangen, wo er das internationale wie bremische Publikum im Restaurant „alto“ mit einer ungewöhnlich geordneten Speisekarte überrascht: Auf der linken Seite ruft das „Heimweh“, rechts lockt das „Fernweh“. Anders gesagt: Hier regional orientierte Gerichte mit neuer, pfiffiger Note, dort überwiegend fernöstlich geprägte Speisen

mit exotischen Geschmackskomponenten. Ein Konzept, gleichermaßen entwickelt für die weitgereisten Gäste des eleganten Hotels wie für Genießer „vor Ort“, für den Geschäftsmann aus Übersee ebenso wie für eine gesellige Runde nach der Shoppingtour durch die Innenstadt. „Wer sich auf etwas Neues einlassen will, probiert vielleicht einmal in Rum und Honig geschmorten Schweinebauch, wer Klassiker der hiesigen Küche bevorzugt, kann zu Koteletts vom Salzwiesenlamm greifen“, beschreibt Daniel Otto die Bandbreite zwischen Fern- und Heimweh. Zwangsläufig drängen sich da ungewöhnliche Kombinationen auf: Kulinarische „Weltenbummler“ lassen sich vielleicht zunächst die Frühlingsrolle mit einer Füllung aus geschmorter Peking-Entenkeule servieren, um danach zum wohl bekannten Kalbsschnitzel mit Bratkartoffeln zurückzukehren. Oder sie starten mit einer jahreszeitlich geprägten Suppe und „wagen“ sich dann an Miso-gebeizten schwarzen Kabeljau mit Yuzu Edamame Bohnen und Avocadoreis. Daniel Otto und seine Mannschaft bereiten die Gerichte abends in ihrer offenen Küche und damit einsehbar für jeden Gast frisch zu und verwenden dabei nur ausgewählte, so weit wie möglich regionale Zutaten. Im Zusammenspiel von Fleisch, Fisch, Gemüse und Gewürzen entwickeln sie neue Kre-

ationen, mal süß und scharf geprägt, mal mit angenehm-säuerlicher Note, die nach intensiver Erprobung die saisonal wechselnde Speisekarte bereichern. Dass diese Mischung ankommt, kann der Küchenchef im „alto“, das sich auch für kleinere Meetings und Geschäftsgespräche ideal eignet, Tag für Tag beobachten. Daniel Otto sucht das Gespräch mit den Gästen, achtet dabei genau auf ihr Urteil und nimmt Lob ebenso wie Kritik ausgesprochen ernst. „Der Geschmack mag von Kontinent zu Kontinent variieren,“ sagt er. „Doch Qualität ist überall der entscheidende Faktor.“ Ein Grundsatz, der in der Ferne ebenso gilt wie in der Heimat. Davon können sich auch diejenigene Gäste überzeugen, die das Restaurant montags bis samstags von 12 und 15 Uhr für einen mittäglichen Lunch aufsuchen und dabei ebenfalls zwischen Fern- und Heimweh wählen können: Der Ahi-Thunfisch und das Seemannscurry beweisen es ebenso wie die Kalbsleber und das Zanderfilet – um nur einige Beispiele zu nennen. Und bei schönem Wetter schmeckt der Lunch im ruhigen Innenhof noch einmal so gut.

Restaurant alto im ATLANTIC Grand Hotel Bremen Bredenstraße 2 www.restaurant-alto.de info@restaurant-alto.de Telefon (0421) 620 62-533


foyer 80

kulturkalender

Moks (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Gelber Mond – Die Ballade von Leila und Lee Mai 23.+24.+27.+28.+29.+31. (10.30 h), 25., 30. Carte blanche Juni 3. Helden Juni 12.+13.+14.+17.+19.+20.+21. (10.30 h), 16. (16 h)

Brauhauskeller (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Warum das Kind in der Polenta kocht Mai 15. (19 h/z.l.M.) Lager than Life Juni 6. (P), 8., 9., 12., 14., 15., 19., 21., 22., 23. (z.l.M.)

Monaco, Mezzosopran;
Filippo Adami, Tenor;
Ugo Guagliardo, Bass;
Gianni Fabbrini, Klavier. Aug. 31. 24. Musikfest Bremen „Schicksalsmusik“ City of Birmingham Symphony Orchestra;
Kristine Opolais, Sopran;
Andris Nelsons, Dirigent. Sept. 1. 24. Musikfest Bremen „Zum 200. Geburtstag von Richard Wagner“ Bremer Philharmoniker; Markus Poschner, Dirigent. Sept. 4. 24. Musikfest Bremen Metropole Orkest; Kurt Elling, Gesang; Jules Buckley, Leitung. Sept. 7.

...................................... Glocke Tel. 04 21 – 33 66 99 (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) 5nachSechs Bremer Philharmoniker; Markus Poschner, Dirigent + Solisten. Mai 15. (18.05 h) Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Reinhard Goebel, Dirigent. Mai 23., 24., 26. Wise Guys Mai 27., 28. 8. Philharmonisches Kammerkonzert Artemis Quartett Mai 29. (Kleiner Saal) Glocke JAZZnights Dee Dee Bridgewater & Band Mai 30. Glocke Vokal Cecilia Bartoli Juni 2. Glocke Familienkonzert „Wo ist die Kokosnuss?“ Juni 2. (11 h) 12. Philharmonisches Konzert Bremer Philharmoniker; Cédric Thibergien, Klavier; Andrew Grams, Dirigent. Juni 3., 4. Bremer Philharmoniker Präsentation der Spielzeit 2013/14. Juni 8. (12 h) Glocke Backstage Juni 8. (14 h) Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Rias-Kammerchor; Hans-Christian Rademann, Dirigent. Juni 21. 24. Musikfest Bremen Eine große Nachtmusik Aug. 24. (ab 19.30 h) 24. Musikfest Bremen „Mediterraneo“ Ensemble L‘Arpeggiata; Solisten; Christina Pluhar, Leitung und Theorbe. Aug. 28. 24. Musikfest Bremen „Les Soirées Musicales“ Eva Mei, Sopran;
José Maria Lo

Seit 20 Jahren ist foyer ein wichtiger Bestandteil der Presselandschaft, um sich umfassend über das Kulturangebot, nicht nur in Bremen, sondern der ganzen Region zu informieren. Das musica viva-Team wünscht dem Verlag und der Redaktion für die nächsten 100 Ausgaben weiterhin eine so glückliche Hand bei der Auswahl der Themen und Inhalte. Nicolas Hrudnik musica viva

24. Musikfest Bremen Rafael Blechacz, Klavier. Sept. 10. 24. Musikfest Bremen Christine Schäfer, Gesang; Eric Schneider, Klavier. Sept. 13. 24. Musikfest Bremen „L’incoronazone die Dario“ Accademia Bizantina; Solisten; Ottavio Dantone, Dirigent. Sept. 14.

...................................... bremer shakespeare company Tel. 04 21 – 50 03 33 (Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h) Gastspiel Gardi Hutter Mai 15. Verlorene Liebesmüh Mai 18. Richard III Mai 19.; Juni 14. Der Sturm Mai 24. Pericles Mai 25.; Juni 15. Weserwärts! Bremer Geschichten Mai 26. Parzival Mai 29. (19 h | P), 30. (11 h); Juni 3. (19 h), 4. (11 h) Im Amtsgarten Lilienthal: Ein Sommernachtstraum Mai 31. (18 h); Juni 1. (19 h), 2. (16 h) Libretto Fatale: Deja Vu 3.0 Mai 31.; Juni 1., 2., 22. Macbeth Juni 6. Ein Sommernachtstraum Juni 7. Das Schloss Juni 11. (P), 12., 13., 21. Shakespeare, Mörder, Pulp & Fiction Juni 16. Jekyll/Hyde – Das Tier im Gentleman Juni 18., 19. (10+19.30 h) Parzival tanzt Juni 25. (12+19.30 h) Gianni Schicchi Juli 6., 7., 11., 12. Open Air im Bürgerpark Richard III Aug. 14. (20 h) Open Air im Bürgerpark Macbeth Aug. 15. (20 h) Open Air im Bürgerpark Verlorene Liebesmüh Aug. 16. (20 h) Open Air im Bürgerpark Pericles Aug. 17. (20 h) Open Air im Bürgerpark Ein Sommernachtstraum Aug. 14. (18 h)

...................................... Schnürschuh Theaterhaus Kartentelefon 04 21 – 55 54 10 www.schnuerschuh-theater.de (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Das Interview Mai 23.; Juni 20., 21. M.Ibrahim und die Blumen des Koran Mai 30.; Juni 7., 22. Gut gegen Nordwind Mai 26. (19 h); Juni 16. (19 h) Sechs Tanzstunden in sechs Wochen Sept. 28. (P)


kulturkalender

...................................... Musical Theater Bremen Tel.: 04 21 – 33 37 590 Tickets: www.musicaltheater-bremen.de (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Tony Christie und Big Band Mai 31. Mayumana Juli 23. bis 26. (20 h), 27. (15 h+20 h), 28. (15h) Lucio Silla Aug. 25. (18 h), 27. (19 h) Ute Freudenberg & Christian Lais mit Band Okt. 25. Afrika Afrika Nov. 14.+15. (20 h), 16. (15 h+20 h), 17. (14.30 h+19 h) The Australian Bee Gees Show Nov. 22. Katie Melua Nov. 23. St. Petersburg Festival Ballet Dornröschen. Nov. 29. (19 h) St. Petersburg Festival Ballet Nussknacker. Nov. 30. (15 h) St. Petersburg Festival Ballet Schwanensee. Nov. 30. (19.30 h)

...................................... DKV-Residenz in der Contrescarpe Tel. 04 21 – 3 22 90 Weltklassik am Klavier (jew. 17 h) Bach & Brahms Mit Anna Tyshayeva. Mai 26.

Jazz, Klassik und Improvisationen Mit Leon Gurvitch. Juni 30. Große Romantiker zwischen Himmel und Hölle Mit Sofja Gülbadamova. Aug. 25.

...................................... Kunsthalle Bremen Am Wall 207, Tel. 04 21 – 329 08-0 www.kunsthalle-bremen.de Mi-So 10-17 h, Di 10-21 h Wols: Die Retrospektive Bis 11. August Im Fokus! Zeitgenössische Fotografie und Videokunst aus der Sammlung. Ab 8. Juni Kunstpause Die Fotografien von Wols. Mai 23. (13 h)
 Expertenführung Wols zum 100. Geburtstag. Mai 28. (18 h)
 Expertenvortrag Zur Biografie in der Kunst von Wols. Juli 16. (18 h)

...................................... Gerhard-Marcks-Haus Am Wall 208 | Tel. 04 21 – 32 72 00 www.marcks.de | Di-So 10-18 h Eveline van Duyl Denkinseln – ... es darf gedacht werden. Bis 2. Juni Birgit Cauer Industria Animabilis – Installation. 26. Mai bis 28. Juli

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Michelangelo schultern Last, Kraft, Bild in Skulptur und Fotografie. 16. Juni bis 29. September Hanna Koschinsky Beispiel einer bislang ungeschriebenen Geschichte von Bildhauerinnen 16. Juni bis 29. September

...................................... Focke-Museum Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Tel. 04 21 – 699 600-0 www.focke-museum.de Graben für Germanien Archäologie unterm Hakenkreuz. Bis 8. September

...................................... Café K Rotes Kreuz Krankenhaus Tel. 04 21 – 55 99-0 | tägl. 7.15-19.30 h Spurensuche Malerei von Tom Gefken und Skulpturen von Peer Steppe. Bis 4. Juli

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Triosence Mai 24. Sit Down And Sing Sept. 4 Pago Balke Sept. 14.

Kulturbahnhof Wladimir Kaminer Juni 28. Franken Deaf Show Juni 29. (16 h)

...................................... Internationales Festival Maritim www.festival-maritim.de 35 nationale und internationale Bands und Chöre präsentieren 150 Konzerte entlang des nordbremischen Weser-Ufers. 2. bis 4. August

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in der Überseestadt Bastian Schlange liest aus: „Orkanfahrt – 25 Kapitäne erzählen ihre besten Geschichten.“ Juni 6. (19.30 h) Chaos-Workshop zu Keri Smiths „Mach dieses Buch fertig.“ Juni 22. (14 hr)

Ein Sommernachtstraum Lilienthaler Kunstiftung in Kooperation mit der bremer shakespeare company. Mai 31. (18 h), Juni 1. (19 h), Juni 2. (16 h)

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Worpswede ...................................... Kulturbüro Bremen Nord Kunstverein Worpswede e.V. Tel. 0421 – 65 48 48 www.kulturbuero-bremen-nord.de (Beginn, w.n.a.a.: 20 h)

Tel. 0 47 92 – 24 82 + 01 70 – 58 28 113 www.kunstverein-worpswede.com Iris Band Malerei: Die weite Welt. Bis 14. Juli


kulturkalender

Oh happy day Gruppenausstellung, die das afroamerikanische Temperament in Musik und Kunst widerspiegelt. 21. Juli bis 11. August. Eröffnung 21. Juli (14 h); Finissage 10. August (ab 18 h) mit Jazz-Session; 11. August (ab 10.30 h) Jazz- Frühschoppen + Frühstücks-Picknick Erhard Mitzlaff Retrospektive des bekannten Fischerhuder Künstlers. 18. August bis 6. Oktober. Vernissage 18. August (14 h)

Wallhöfen ...................................... kd.kunst Dorfstraße 30 | www.kdkunst.de | So. 1218 h u.n.V. Rudi Kargus Bilder. Bis 2. Juni Monsignore Dies, Petra Fiebig, Anja Fussbach, Pat Noser, Uwe Schloen und Pavel Schmidt Bilder, Objekte, Zeichnungen. 1. bis 29. September

...................................... Neuer Worpsweder Bremervörde Tourist-Info: Tel. 0 47 61 – 98 7-142 Kunstverein nwwk ...................................... in der Galerie Village, Bergstraße 22 Rathaus u. Rathausmarkt Jimmi D. Paesler Einblicke und Durchblicke. 2. Juni bis 14. Juli. Vernissage 2. Juni (12 h)

4. Bremervörder Ausbildungsmesse Mai 25. (10 h)

Seebühne Fischerhude/Ottersberg ...................................... Otto-Modersohn-Museum In der Bredenau 95 | Tel. 0 42 93 – 328 tägl. 10-18 h | www.modersohn-museum.de

13. Lions-Open-Air-Sommerkonzert Juni 12. (19.30 h) 2. Overland-Festival mit der Band „Klee“ Aug. 17. (18 h) Vörder Seefest Aug. 24.+25.

Delmenhorst ...................................... Hagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Städtische Galerie Delmenhorst Kultur- und Heimatverein Tel. 0 42 21 – 141 32 Burg zu Hagen www.staedtische-galerie-delmenhorst.de Tel. 0 47 46 – 60 43 | www.burg-zu-hagen.de (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Kabarettistischer Musikabend Crémant & Chardonnnay. Mai 26. (19 h) Klassisches Jubiläumskonzert & Festakt Juni 22. (19 h) Historischer Vortrag „Die 800-jährige Geschichte der Burg zu Hagen“. Juni 27. Autorenlesung mit Axel Petermann Juli 25. Sommerabend auf dem Burghof Les Belles du Swing. Aug. 11. (19 h) Klezmerkonzert als Clubkonzert „Mischpoke aus Hamburg“ Sept. 14.

Ausstellungen

Norddeutscher Lloyd Bremen Passagierund Frachtbeförderung in alle Welt. Bis 28. Juli Marc Chagall Exoduszyklus Eine Botschaft von Befreiung und Bewahrung – Lithiografien. 4. August bis 10. Oktober

Frederik Foert on a clear day you can see forever. Bewegte Skulpturen und Bilder. 22. Juni bis 25. August. Eröffnung: 21. Juni (20 h) Käfer, Crash und Capri-Batterie Wie Künstler Technik sehen. Werke aus der Sammlung Schiffer. 22. Juni bis 25. August. Eröffnung: 21. Juni (20 h)

Syke ...................................... Syker Vorwerk – Zentrum für zeitgenössische Kunst www.syker-vorwerk.de Mi 15-19 h, Sa 14-18 h, So 11-18 h DER Weg. DIE Sicht. DAS Sehnen Einzelausstellung des Medienkünstlers Michael Weisser. Bis 7. Juli An die Substanz Das Material in der zeitgenössischen Kunst. 4. August bis 27. Oktober

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kulturkalender

Schwarme ...................................... Kulturzentrum Robberts Huus EULE e.V.

Song of my Life Mai 30.; Juni 1., 23. (z.l.M.) The Rake’s Progress Mai 31. (P); Juni 7., 12., 20.

Brückstr. 4-6, Tel. 0 42 31 – 21 44 www.casaretto-art.de Janosch Radierungen und Unikate. 14. Juni bis 12. Juli Frauke Beeck Von der Wümme bis zum Huangpu. 16. August bis 14. September

...................................... Klavierhaus Helmich Eitzer Str. 32, Tel. 0 42 31 – 93 07 81 Klavierabend: Das Philharmonische Klaviertrio Bremen spielt Mozart, Schostakowitsch und Mendelssohn. Mai 24. (20 h); um tel. Anmeldung wird gebeten.

Crusoe Mai 17., 23. Indien Mai 18.; Juni 7., 13. Die Verwandlung Mai 25., 26., 28. Jo im roten Kleid (UA) Mai 30.

Offizierscasino Fliegerhorst

Hoyaer Str. 2 | Tel. 0 42 58 – 98 35 74 www.robberts-huus.de Sway‘n Swing „That‘s life“ Peppiger Swing, Latin, Jazz und Musicalhits. Juni 22. (19 h)

Verden ...................................... Verdener Kunsthaus CasarettoArt

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(Beginn 19.30 h) Der Kirschgarten Mai 25.; Juni 23.

Spielraum

Ich verbinde mit dem foyer ausschließlich gute Gedanken an meine Zeit und die Tätigkeit für die Glocke in Bremen! Gerne nutze ich die aktuellen Ausgaben, um mich mit den Themen in Bremen und „umzu“ auseinanderzusetzen. foyer ist stets innovativ, informativ, setzt Themen und mischt sich geschickt in kulturelle Debatten ein. Das sollte so bleiben, ebenso wie das sehr ansprechende Design. Ich gratuliere daher sehr herzlich zu dieser Jubiläumsausgabe und wünsche allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg! Ilona Schmiel Intendantin Beethovenfest Bonn

Hannover . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kleines Haus (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) TANZtheater Demian Mai 23., 31. INTERNATIONAL 2012 Niederdeutsches Schauspiel Delikatessen 29. August bis 7. September (div. Spielorte) Mai 24. www.tanztheater-international.de Niederdeutsches Schauspiel Sülver Single Mai 25.; Juni 2., 9., 13., 16. (z.l.M.) Heute weder Hamlet Juni 1. Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui Oldenburg Juni 6. (P), 12., 15., 21., 22. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Oldenburger Promenade Anatol Juni 7. (19 h) Oldenburgisches Staatstheater Oldenburger Promenade Voyage à la Russe Juni 7. (22 h) Tel. 04 41 – 22 25 111 Oldenburger Promenade Aleko Juni 8. (19 h) (Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h) Oldenburger Promenade Enrico PieranunGroßes Haus zi, Klavier Dantons Tod Mai 15., 17., 24.; Juni 9., 11. Marx macht mobil Juni 14. Carmina Burana Mai 18.; Juni 8. Der Barbier von Sevilla Mai 22., Juni 22. Exerzierhalle Saul Mai 25. (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Romeo und Julia Mai 26.; Juni 2., 4., 6., 19. Niemandstag Mai 16.+28. (9.30+11.30 h); (z.l.M.) Juni 8., 10. (10.30 h)

Das doppelte Lottchen Mai 26. (11.30 h), 28.+30.+31. (10 h), 29. (10.30 h); Juni 2. (16 h), 3.+4.+6.+7.+19.+20.+21. (10 h), 9.+23. (11.30 h) Niederdeutsches Schauspiel Fleegenkönig Juni 16. (16 h | P), 17. (18 h)

...................................... Oldenburger Kunstverein Tel. 04 41 – 27 109 www.kunstverein-oldenburg.de Stehn Raupach 7. Juni bis 28. Juli Berta Fischer 6. September bis 3. November

...................................... Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, Schloss Tel. 04 41 – 2 20 73 00 www.landesmuseum-oldenburg.niedersachsen.de, Di-So 10-18 h Arno Schmidt Fotografien. Bis 14. Juli Meisterwerke der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau Von Lucas Cranach bis Wilhelm Trübner. 26. Mai bis 18. August

...................................... Landesmuseum Natur und Mensch Tel. 04 41 – 92 44-300 | Di-Fr 9-17 h, Sa + So 10-18 h www.naturundmensch.de Raubgräber – Grabräuber Bis 8. September Mechanische Tierwelt 25. Mai bis 21. Juli

...................................... Horst-Janssen-Museum Tel. 04 41 – 2 35 28 91 | Di-So 10-18 h www.horst-janssen-museum.de „Ein altes Herz kaspert für Annette“ Zeichnungen und Briefe von Horst Janssen an Annette Kasper. 9. Juni bis 15. September


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kulturkalender

Rastede ...................................... Palais Rastede Tel. 0 44 02 – 8 15 52 | Mi-Fr + So 11-17 Uhr u.n.V. www.palais-rastede.de Christoph Peter Seidel „Ins Grüne“ – Malerei. 14. Juli bis 1. September

Kultur und Nordwesten – die Assoziation drängt sich von außen betrachtet nicht als erstes auf. Bei näherem Hinsehen jedoch zeigen sich: ein vielfältiges Kulturangebot in den großen und kleinen Städten ebenso wie „auf dem Lande“. Viele „Leuchttürme“ weisen interessierten Menschen den Weg durch eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Dies nach innen wie nach außen zu kommunizieren ist die Aufgabe von foyer. So soll es bleiben, mit professioneller Gestaltung und lesbaren Texten. Glückwunsch zur 100. Ausgabe! Dr. Jens Graul Kulturdezernent in Wilhelmshaven

...................................... Stadtmuseum Tel. 04 41 – 2 35 28 86 | Di-So 10-18 h www.stadtmuseum-oldenburg.de „Neu entdeckt!“ Unbekannte Motive aus der Sammlung Fotografie. 21. Juni bis 4. August

Wilhelmshaven ...................................... Kunsthalle Wilhelmshaven Tel. 0 44 21 – 4 14 48 | Di 14-20 h, Mi.-So. 11-17 h www.kunsthalle-wilhelmshaven.de Christian Pilz: Weltmaschinen Zeichnungen 2004 bis 2013. Bis 16. Juni 2013 Jochen Mühlenbrink Malerkoffer 2006 bis 2013. Bilder einer Ausstellung. 30. Juni bis 25. August

Dangast ...................................... Franz Radziwill Haus Sielstraße 3 | Tel. 0 44 51 – 27 77 www.radziwill.de Mi-Fr 15-18 h. Sa, So, Feiertage 11-18 h In der Nähe des Paradieses Der Maler Franz Radziwil entdeckt die Natur. Bis 12. Januar 2014

Emden ...................................... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kunsthalle Emden Tel. 0 49 21 – 97 50 0 | www.kunsthalleEdith-Russ-Haus für emden.de | Di-Fr 10-17 h (jeder 1. Di 10-21 h). Medienkunst Sa, So, Feiertage 11-17 h Tel. 04 41 – 2 35 32 08 | Di-Fr 14-18 h, Sa + So 11-18 h, www.edith-russ-haus.de Something other than photography Foto & Media. 26. Juni bis 15. Sptember

Wenn Wünsche wahr werden Neue Werke treffen auf Klassiker der Sammlung. Parallel: 30 Jahre Malschule – Haus der Entdeckungen 1. Juni bis 8. September

Am Delft 37 | Tel. 0 44 03 – 54 29 www.galeriemoderne.de Ulrike Hogrebe Bilder auf Leinwand und Papier. Bis 16. Juni Sommerausstellung Ab 22. Juni

Tel. 0 49 21 – 87 20 58 | Di-So 10-18 h www.landesmuseum-emden.de Sonderausstellung Land der Entdeckungen Die Archäologie des friesischen Küstenraums. Bis 16. Juni

...................................... Bad Zwischenahn Ostfriesisches Landesmuseum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Emden Galerie Moderne Rathaus am Delft, Brückstraße 1


kulturkalender

Sonderausstellung Gefangen im ewigen Eis Die Endurance-Expedition des Ernest Shackleton in die Antarktis. Ab 7. Juli Sammlungsausstellung mit den Abteilungen Neue Galerie und Emder Rüstkammer durchgehend Temporäre Intervention: Schnittstelle Aktuelle Kunst von Sinje Dillenkofer in der Sammlungsausstellung

Pelzerhäuser11+12 Pelzerstraße 11+12 | Di-So 11-18 h Sonderausstellung DISCOVER ME Zeitgenössische Kunst im Nordwesten. Bis 11. August Sonderausstellung Blif hier, Johann! Wat wullt du in Amerika! Die Geschichte der Auswanderung in Ostfriesland 1845 – 1914. Ab 1. September

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...................................... Kunsthalle Bremerhaven Tel. 04 71 – 4 68 38 | Di-Fr 11-18 h, Sa+So 11-17 h, www.kunstverein-bremerhaven.de Gabriele und Helmut Nothhelfer Unter Menschen gehen. Bis 9. Juni Jonas Lipps Arbeiten auf Papier. 23. Juni bis 28. Juli

AUS liebe zUm DetAil

Kunstmuseum Bremerhaven Alicja Kwade Jubiläumsraum

...................................... Deutsches Schiffahrtsmuseum 10-18 h | Tel. 04 71 – 48 20 70 | www.dsm. museum Sonderausstellungen: Die Welt der Schiffsmodelle und Wunderkammer Wissenschaft

SChuhe & aCCeSSoireS

C a r l- r o n n i n g - S t r . 9 2 8 19 5 B r e m e n t e l e F o n 0 4 2 1- 2 4 2 7 9 10 1 w w w. h a u t o p - S C h u h e . d e

...................................... Bremerhaven Historisches Museum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bremerhaven Stadttheater Bremerhaven Di-So 10-18 Uhr | Tel. 04 71 – 30 81 60 Tel. 04 71 – 49 00 1

Großes Haus (Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h) Maria Magdalena Mai 16., 25.; Juni 5., 17., 23. Wie im Himmel Mai 17., 19.; Juni 2., 29. Der Graf von Luxemburg Mai 18., 20.; Juni 11., 26. Die verkaufte Braut Mai 24., 26.; Jun. 27. L’Arlésienne/Der wunderbare Mandarin Mai 31. Love and other Demons Juni 1. (P), 6., 15., 19., 28.

Kleines Haus Waisen Mai 15.; Juni 1., 12., 27. Seine Braut war das Meer und sie umschlang ihn Mai 26., (P), Juni 11., 20., 28.

Amtsgericht Bremerhaven Arbeit Macht Glück Mai 28., 31.

Pferdestall Beziehungswaise Mai 16., 17. Nennt mich Pip Mai 22.+23.+24. (10 h) Honigherz Mai 15. (10 h); Juni 6.+7. (10 h)

www.historisches-museum-bremerhaven.de AngeZogen – Geheime Botschaften 29. Juni bis 27. Oktober

...................................... Kirchenkreis Bremerhaven Christuskirche Bremerhaven Schillerstraße 1 | Tel. 04 71 – 20 02 90 Die lange Nacht der Kultur am 8. Juni. Programm: Chorkonzert mit den Jugendchören der Christuskirche (18 h) | Komponistenporträt Zsolt Gárdonyi mit: Bremerhavener Kammerchor; Zsolt Gárdonyi, Orgel; Eva Schad, Leitung (19.30 h) | Chorkonzert der Evangelischen Stadtkantorei Bremerhaven; Eva Schad, Leitung (21 h) Der kleine Tag Musical von Rolf Zuckowski. Kinder- und Jugendchöre der Christuskirche, Band, Leitung & Klavier: Eva Schad. 22. Juni (16 h) 50 Jahre Evangelische Stadtkantorei Bremerhaven Kantatengottesdienst Projektchor des Kirchenkreises Bremerhaven; Bremerhavener Kammerorchester; Solisten; Eva Schad, Leitung. 25. August (10 h) Herbstliche Orgelmusiken 1. Konzert: Panflöte und Orgel. Virtuose Panflötenmusik von der Klassik bis zur Folklore. Horea Crishan, Panflöte; Eva Schad, Orgel. 1. Sept. (19 h). Eintrittt: 7,- Euro.

Hoerneckestr. 33-37 • 28217 Bremen www.koch-bergfeld-corpus.com Telefon: 0421 559 06 70


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100. AUSGABe Mitarbeiter

Dr. Sabine Komm (*1958) hat Kunstgeschichte studiert und – lange vor der Zeit von copy and paste – eine Doktorarbeit über die Pilgerrouten nach Santiago de Compostela geschrieben. Ihr persönliches Pilgerziel war der Journalismus. Nach dem Volontariat bei einer norddeutschen Tageszeitung ist sie heute ZDF-Redakteurin und freie Kulturjournalistin. Seit der 3. Ausgabe von foyer gehört sie zum Autorenteam. Ihr Sohn (heute 18) gilt als „Redaktionskind“, weil er schon als Baby bei den Themenkonferenzen dabei war.

Sie machen foyer Nach 100 foyer-Ausgaben wird es höchste Zeit, einmal jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Rampenlicht zu rücken, die zum Teil seit vielen Jahren zum Team gehören. Sie haben über zwei Jahrzehnte hinweg mit Kompetenz und Engagement zum Erfolg des Magazins beigetragen und werden dabei tatkräftig von einer Reihe weiterer Autorinnen und Autoren unterstützt.

Inge Zenker-Baltes studierte Germanistik und Romanistik in Tübingen und Bremen. Als freie Literaturkritikerin arbeitete sie viele Jahre für den Weser Kurier, das Hamburger Abendblatt und die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Ihre Rezensionen wurden auch in der SZ, der NZZ, im Tagesspiegel und im Spiegel veröffentlicht. Regelmäßig verfasst sie Beiträge für Radio Bremen, den rbb und andere Sender wie den Deutschlandfunk und den WDR. Moderiert Lesungen international bekannter Autorinnen und Autoren. Inge Zenker-Baltes lebt in Berlin Christian Emigholz schrieb schon für eine Schülerzeitung über Musikthemen. Während seines Studiums (Germanistik, Philosophie, Soziologie) begann er, für Tageszeitungen und Magazine über Musik (Schwerpunkt: Jazz, experimentelle Musik), Kleinkunst, Theater und Literatur zu schreiben. Lebt und arbeitet seit 1984 als freier Journalist in Bremen. Bekennender Vinyl-Fan mit viel zu vielen CDs.

Wilfried Hippen wurde 1955 in Bremen geboren, studierte in Bremen und York Sozial- und Filmwissenschaften und schreibt seit 1987 für die TazNord, wo er für die Filmseiten verantwortlich ist. Er arbeitet als Vorsitzender bei der deutschen Film- und Medienbewertung und ist als Übersetzer tätig.

Simon Neubauer (*1924) studierte nach dem Krieg und Gefangenschaft Theaterwissenschaften, Musik, Kunstgeschichte und Neuere Deutsche Literatur in München. Es folgte eine Schauspielausbildung mit abgeschlossener Bühnenreifeprüfung. Arbeitete seit 1962 als Feuilleton-Redakteur beim Weser-Kurier und leitete das Ressort zwei Jahrzehnte lang bis zu seiner Pensionierung 1990. Nestor der foyer-Redaktion, geschätzter Ratgeber und Autor der Kolumne „Da capo“, in der er an Ereignisse und Personen aus dem bremischen Kulturleben erinnert.

Ute Schalz-Laurenze ist freiberuflich tätige Musikwissenschaftlerin und Journalistin. Sie arbeitete für den WeserKurier (1977 bis 1994), die taz (1994-2006) und die Kreiszeitung Syke (ab 2006) sowie überregional u.a. für die Neue Musikzeitung. Dramaturgische Arbeiten am Bremer Theater, an der Staatsoper Hannover und am Volkstheater Rostock. Lehraufträge an den Universitäten Oldenburg und Bremen sowie an der Hochschule für Künste Bremen, Dozentin für Musikgeschichte beim evangelischen Bildungswerk Bremen und an der Volkshochschule Bremen. Hobbys, wenn Zeit bleibt: Kinder und Enkelkinder, Tennis, Kochen, Reisen

Michael Pitz-Grewenig (*1954): Studium der Musikpädagogik und Musikwissenschaft, Germanistik, Publizistik und Theologie an Universitäten Saarbrücken, Kassel, Köln und Göttingen. Lehrer für Musik und Deutsch am Gymnasium. Seit 1978 freier Kulturjournalist für Fachzeitschriften, Rundfunk und Tageszeitungen tätig. Seit der 2. Ausgabe von Foyer beim Autorenteam. Motto: „Music is erverywhere, you just haveto have the ears to hear it.“ (John Cage)


100. AUSGABe Mitarbeiter

Dr. Ulrich Matyl wurde 1963 in Bremen geboren. Er studierte in Münster Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik und wurde mit einer Arbeit über die Schüler von Johann Sebastian Bach promoviert. War als freier Mitarbeiter bei Radio Bremen tätig, publizierte für zahlreiche Zeitschriften und leitet seit 2000 die Geschäftsstelle der Philharmonischen Gesellschaft Bremen. Er hat darüber hinaus seit 2005 einen Lehrauftrag an der Universität Bremen und ist als Organist tätig. Marie-Clothilde Kronenberg entdeckte ihre Liebe zur Bühne an der Deutschen Oper am Rhein und am Schauspielhaus Düsseldorf. Nach einem Umzug vom Rhein an die Weser suchte sie eine neue berufliche Herausforderung und gründete Anfang 1986 den Roland Verlag. Im September des gleichen Jahres gab sie ihren ersten Bremer Theater-und Konzertführer heraus, der seitdem kontinuierlich jährlich erscheint. Es folgten diverse weitere Publikationen. 1993 setzte sie ihren Traum, eine eigene Kulturzeitschrift herauszugeben, in die Tat um und gab ihr den Namen „foyer“, das Kulturjournal für Bremen und den Nordwesten. Sie ist alleinige Gesellschafterin und Geschäftsführerin der Roland Verlag GmbH mit Sitz an der Schlachte in Bremen und Herausgeberin von foyer.

Peter Schulz (58) schrieb bereits als Abiturient erste Artikel für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, volontierte später beim Weser-Kurier und arbeitete als Redakteur für die Bremer Nachrichten und die Berliner Morgenpost. Gründete 1988 ein Redaktionsbüro in Bremen, veröffentlichte mehrere Bücher und berät Verbände, Institutionen und Unternehmen in Sachen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Seit 2009 Redaktionsleiter von foyer. Birgit Kirchgessner wurde 1976 in Ostwestfalen geboren. Studierte an der Hochschule für Künste in Bremen und blieb der Stadt für 12 Jahre treu. Sie arbeitet seit 2004 als freie Diplom-GrafikDesignerin erst in Bremen und seit 2010 im Münsterland. Seit 9 Jahren gehört sie zum foyer-Team und bescherte dem Verlag mit ihrem Sohn Carl (3), das aktuelle „Redaktionskind“.

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Karin Hiller

Dr. Stephan Cartier

Sven Garbade

Christine Krause

foyer-Autorin

foyer-Autor

foyer-Autor

foyer-Autorin

impreSSum Herausgeberin Marie-Clothilde Kronenberg (v.i.S.d.P.) Redaktionsleitung Peter Schulz Kfm. Leitung Sonja Chrobok Anzeigenverkauf Martina Ch. Radeke, Inge Sasse

Berit Böhme

Markus Wilks

foyer-Autorin

foyer-Autor

Autoren dieser Ausgabe siehe Seiten 88-90 Verlag, Vertrieb, Redaktion und Anzeigenverwaltung Roland Verlag GmbH, Schlachte 43, 28195 Bremen, Telefon 04 21 - 1 26 63, Fax 04 21 - 1 33 17 info@rolandverlag.de www.rolandverlag.de Gestaltung und Satz Birgit Kirchgessner, designbüroholtkötter Telefon 025 32 - 200 709 www.bueroholtkoetter.de

Carsten Preisler

Katrin Zempel-Bley

foyer-Autor

foyer-Autorin

Basislayout Haase & Knels, Bremen Druck ASCO STURM DRUCK Bremen Vertriebsstruktur Theater- und Vorverkaufsstellen Bremen, Bremerhaven und Oldenburg, Theater, Museen, Konzerthäuser und -büros, Ticket-Service-Center, Hotels, Abonnementvertrieb, Fach-Zeitschriftenhandel Bremen, Bremerhaven und Oldenburg Bezugspreis Einzelpreis 3,10 Euro Jahresabonnement 15,00 Euro Auflage 10.000 Exemplare Erscheinungsweise zweimonatlich Nächste Ausgabe 15. September 2013 Redaktionsschluss 15. August 2013 ISSN-Nr. 1618-0852 Titelmotiv GMD Markus Poschner Foto: Steffen Jänicke

Martina Radeke

Inge Sasse

Sonja Chrobok

Anzeigenverkauf

Anzeigenverkauf

Kfm. Leitung

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