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Unser bislang letztes Treffen im Sommer 2008 liegt nunmehr knapp ein Jahr zurück. Es war wiederum eine Ausstellung von Andrea Zittel im Schaulager in Basel. Paul hat mir in der Schweiz erstmals von seiner Mutter erzählt. Sie macht Führungen in amerikanischen Museen. Mitte der 1980er Jahre hat sie damit begonnen. Als Schüler hörte er sich einige dieser Führungen immer wieder an. Bald ist ihm aufgefallen, dass es in der Kommunikation über Kunst nie wirklich um wichtige Fragen geht. Seine Mutter jedoch habe bei ihm das eigentliche Denken über die Konstruktion von Künstlertum, über die Frage um die Wichtigkeit der Autorschaft und die Genres der Kunstgeschichte ausgelöst. Letztlich – so meint Paul – sei gerade durch die Tätigkeit der Mutter seine Kritik über die Strukturen des Kunstbetriebs entstanden. In den Texten von Douglas Crimp hat er sich am Beginn seines Studiums gefunden. Arbeiten von Louise Lawler, Cindy Sherman und Andrea Fraser begleiten ihn bis heute. Er schätzt an deren Arbeiten vor allem das hohe Maß der Authentizität und die Art und Weise, wie Kunstwerke einen transitorischen Raum zwischen Konstruktion und Dekonstruktion von Wirklichkeit öffnen. Pauls letzte Mail war ein kurzes Resümee der Biennale von Venedig 2009. Durch den Brand im Kulturquartier in Linz am 3. Juni 2009 konnten wir uns diesmal leider nicht persönlich in der Lagunenstadt treffen. Pauls Empfehlung galt dem niederländischen Pavillon mit einer Präsentation Fiona Tans. Ich freue mich schon auf einen Austausch, nachdem ich die Biennale dann selbst besuchen konnte.

Martin Hochleitner ist Kunsthistoriker und Leiter der Landesgalerie Linz sowie der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich. Er lehrt Kunstgeschichte und Kunsttheorie an der Kunstuniversität Linz. 01 Andrea Fraser A Gallery Talk, 1989

Paul hat mir 1997 in Münster sehr aufmerksam geholfen. Ich bin froh, in ihm durch Zufall und seine Höflichkeit einen spannenden Kommunikationspartner und Kollegen kennen gelernt zu haben. Seine Mutter heißt übrigens Jane Castleton. Es lohnt sich auf alle Fälle diesen Namen einmal zu googeln – denn das ist die eigentliche Geschichte.

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