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machen, auch zur Beschaffung von Drittmitteln. Wenn man dort oben vier Räume hätte, von denen man zwei vermieten kann, würde es der Schule Geld bringen. Und das wäre nicht schlecht. Und über dies hinaus, könnte ich mir jede künstlerische Aktion dort oben vorstellen. Einer war gedacht als Aktsaal, einer als Ausstellungsraum, einer als Kaffeehaus, und noch ein vierter als Besprechungsraum. So wäre es gedacht, dass dort oben nicht der Rektor sitzt, sondern eben eher ein öffentlicher Bereich ist. Stichworte: Symbolpolitik, Linzer Hauptplatz, Gestaltung der Kunstuniversität. Was gibt es zu bedenken? Wenn man da die temporäre Berliner Kunsthalle hernimmt, rundherum lauter Autos, man weiß nicht so recht, was man anfangen soll. Ähnlich wie in Linz der Hauptplatz, die Niveauunterschiede, und dann diese furchtbaren Gebäude, die die Sicht wieder absperren. Ich finde die Situation nicht uninteressant in Linz, mich reizen die zwei Brückenkopfgebäude, sie sind von einer echten Sperrigkeit. Eine Kunsthochschule, eine Kunstuniversität, muss das Recht haben, sich nach außen auszudrücken. Und ich halte wenig davon, wenn man ein bischen Fassaden anmalt, sondern das muss ein ganz wesentliches räumliches Zeichen sein. Das Budget, was lässt es zu? Das ist noch eine Frage. Die BIG [Bundesimmobiliengesellschaft mbH] geht einmal davon aus, dass alle vier Räume gebaut werden können. Genau. Die Terrasse, die Roofs, die die Beatles schon genutzt haben, dann wäre das natürlich klass. Eine Folgeerscheinung der vielen künstlerischen Aktionen, die mit den Brückenkopfgebäuden schon gemacht wurden, Die Nike von den Hausruckern. Die haben damals ja auch derartige Probleme gehabt, da hab ich damals selbst überlegt… Auch in Zeichnungen wurde das behandelt, von Franz Blaas. Das ist ja an einem seidenen Faden gehangen, ob das nicht verboten wird. Damals war es ja noch viel ärger als jetzt. Es wäre eine tolle Herausforderung für Sie, wie sie es ja schon bildlich gemacht haben, dort noch etwas draufzusetzen. Absolut. Ich finde, es ist ja Sache der Diskus 50

sion, eher den skulpturalen Aspekt zu sehen. Leben Sie auch von diesen paradoxen Interventionen, dass Sie etwas völlig Fremdes aufnehmen in Ihre Ideen? Gut, das habe ich schon am Anfang gehabt bei Oskar Putz, oder mit Helmut Federle. Also ich habe einen jüdischen Kindergarten gemacht im Prater, und dabei habe ich mit Federle, er ist nicht am Ende erst gekommen, er war immer schon integriert, er hat das auch wohlwollend betrachtet, gearbeitet, und er hat am Ende gesagt, das wird schwarz, das Gebäude. Damals war das ein Skandal. Es war immer eine Herausforderung, dass man das künstlerische Konzept letztendlich auch durchsetzt. Wobei für mich das fast einfacher war, das Künstler-Konzept durchzusetzen, als wenn es mein eigenes gewesen wäre. Das hat bei vielen Bauherren ganz gut funktioniert, sie haben dann gesagt, ja gut, wenn du das willst, dann zahlst du das auch. Ich habe dann oft das Honorar vom Künstler gezahlt. Beim Kindergarten habe ich auch das Honorar vom Künstler gezahlt, nicht der Bauherr. Er hat gesagt, mir ist Weiß auch recht. Da könnte man auch noch einmal den Unterschied erkennen, Architektur und Kunst. Kennen Sie Franz Xaver Baier aus München? Hmm, ja, also vom Namen her. Verstehen Sie Ihren Umgang mit Provisorien als Ausdruck unserer Zeit, vielleicht auch als Ausdruck davon, von dem Sie gesprochen haben, von dem Nichts, als Zwischenschritt vor dem Nichts? Da Sie doch gesagt haben, das Sie gerne das Nichts entwerfen wollen oder an das Nichts herangehen wollen. Es gibt viele Leute, die meine Arbeit mit Minimalismus verwechseln, weil ich fast nichts mache oder so wenig wie möglich, ich aber dann trotzdem etwas mache, und alle Schritte davor sind gewissermaßen Schritte vor dem Nichts. Für mich ist das kein Widerspruch, ich habe zum Beispiel auch den kölnischen Kunstverein gemacht, mit der Kathrin Rhomberg und den habe ich praktisch nur restauriert, null. Da gibt es andere, die sagen, da machen wir beim Eingang irgend eine Markierung. Das muss ich nicht haben, ich habe genug Markierungen gemacht und insofern ist diese Nichtinterven-

tion, soweit das möglich ist, ein guter Schritt. Andere Architekten gibt es, die haben dieses Markierungssyndrom, die wollen einfach alles punzieren usw., und das ist aber nicht einmal so leicht, weil das, was ich mache, wird auch sehr oft vom Bauherrn nicht wirklich verstanden. Haben Sie, außer der Professur in Kassel, noch weitere große Aufträge und Einladungen abgelehnt? Sagen wir lieber, es sind auch viele große Aufträge an mir vorübergegangen, sagen wir auch teilweise durchaus durch meine Ungeschicklichkeit. Ich krieg sowieso nur Aufträge über Wettbewerbe. Das Rietberg war ein Wettbewerb, das Novartis in Basel auch. Dann noch eine abschließende Frage, eher persönlich und unarchitektonisch. Welche Rolle würden Sie gerne einnehmen: Tier, Pflanze, Mensch? Können Sie diese Frage beantworten? Was ich gerne sein würde? Ja, ich könnte mir am ehesten Pflanzen vorstellen. Irgendwas Unauffälliges. Wo man eine Ruhe hat, oder? Also, bei Tieren, das ist alles so dramatisch. Fressen und gefressen werden, das hab ich jetzt so auch. Das mag ich nicht, das brauch ich nicht. Irgendein Baum wäre vielleicht nicht so schlecht. Eine Zeder, zum Beispiel. Eine Zeder hat ein weiches Holz, riecht gut und ist trotzdem ziemlich widerstandsfähig. Ja, also eine Zeder wäre eine mögliche Geschichte. Adolf Krischanitz ist Architekt und Professor für Stadterneuerung und Entwerfen an der Universität der Künste Berlin. Im Oktober 2009 erscheint im Hatje Cantz Verlag sein Buch Texte zur Architektur – Writings on Architecture. 2009 gewann sein Büro den Wettbewerb zum Umbau und Erweiterung der Kunstuniversität Linz. 01 Adolf Krischanitz Traisenpavillon St. Pölten, 1989 02 Adolf Krischanitz Temporäre Kunsthalle Berlin, 2008 03 Adolf Krischanitz Kunsthalle Karlsplatz I Wien, 1992 04 Adolf Krischanitz Temporäre Kunsthalle Berlin, 2008 05 Adolf Krischanitz Umbau und Erweiterung Kunstuniversität Linz, Wettbewerb 1.Preis, 2009


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