Page 51

05

da kommen. Sie legen viel hinein, sind Sie am Ende auch geschafft, die Studenten sind fertig, sie ebenso, weil Sie schauen, dass bei allen etwas entsteht.Alle haben es geschafft, und sie sind auch geschafft? Ja, das stimmt. Was ganz eigenartig ist, je älter ich werde, desto mehr Diplomstudenten habe ich, vor zwei Wochen hatte ich sechzehn Diplome, andere haben bei uns vier. Wobei das teilweise Leute sind, die gar kein Projekt bei mir gemacht haben. Das geht immer ein halbes Jahr. Die Studenten halten sich nicht an eine Art Bauherrengespräch, sondern die kommen zehn Mal. Irgendwann hängt man in jedem der sechzehn Projekte drinnen, was ich vom Büro gewohnt bin. Bei jedem einzelnen Mitarbeiter, die/der vor einem Projekt hängen/hängt, und insofern ist das gar nicht unterschiedlich. Irgendwann einmal sitzen die genauso an dem Ding dran als wenn sie im Büro beim mir arbeiten würden. Und leider, oder Gott sei Dank, wir sind dann da drin, und dann vergessen wir alles, und dann kommt irgendwas heraus, und dann sind wir einigermaßen zufrieden. Es könnte immer noch besser sein, aber immerhin. Die machen dann über das Diplom hinweg noch einen ziemlichen Schritt. Das ist ja schön, dass man zum Schluss noch einmal beschleunigen kann. Wenn man die Kraft noch kriegt und hat, Kraft von beiden Seiten natürlich. Bezüglich des Wettbewerbs Kunstuniversität in Linz: Wir haben uns die Arbeiten von allen Architekten angesehen, es sind auch ganz spannende Einreichungen dabei. Kunst am Bau, die Einbindung des Künstlers in ein solches Projekt, das war dabei nicht ersichtlich, es war eine Entwurfsabgabe.

Wie würden Sie das handhaben, Sie haben ja den Wettbewerb gewonnen, wenn es jetzt um die Realisierung geht? Das ist ja noch nicht so sicher, es gibt noch Einwände vom Denkmalamt. Das Denkmalamt ist zwar in der Jury gewesen, allerdings nicht stimmberechtigt. Nun versucht eine Zeitung eine Architekturdebatte zu führen, damit alles ein bisschen politisch wird, denn es ist Wahlkampf in Linz, gut, aber das macht mir eh Spaß. Nächste Woche ist eine Diskussion. Da werden wir hinkommen. Sehr gut. Kunst am Bau, da gibt es zum einen die Position der Universität, die Studenten, wir selbst haben ja auch schon an Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum-Projekten teilgenommen. Das Know-How ist da, viele wären bereit mitzumachen und es wäre spannend mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Auf der anderen Seite: Welche Künstler würden Sie einladen, den Rockenschaub kennen Sie ja von der Secession aus Ihren Jahren dort. Sie haben den jetzt vielleicht als guten alten Freund. Nein, er hat zufällig auch in Berlin gelebt. Kennen Sie die Geschichte von Berlin? Warum der auf mich zugekommen ist. Es gab ja ein Konkurrenzprojekt, das hat Wolke geheißen, und das war von den Graft-Architekten. Es hat fünf oder sechs deutsche Architekten gegeben, die eingeladen waren von Monopol, was ja ein super Name ist für eine Kunstzeitschrift, Monopol, und die haben eine Art privaten Wettbewerb gemacht. Graft haben gewonnen und

dann bin ich erst nachher beauftragt worden, von der Coco Kühn und von der Constanze Kleiner, einen Entwurf zu machen. Ich habe den Rockenschaub immer wieder getroffen in Berlin, bei Eröffnungen usw., und dann sagt er: „Wenn Du willst, dann kann ich mir da schon irgendwas überlegen.“ Und aus. Das Komische und Interessante war, dass die Graft-Leute ihren Entwurf Wolke genannt haben. Wir wollten eine Kunsthalle zusammenbringen, die eine Million kostet und das war relativ realistisch, dass wir das Kapital kriegen. Dann hat Rockenschaub eben gesagt, er hätte eine lustige Idee. Er hat eine digitale Wolke vorgeschlagen. Fantastisch, eine Art Kommentar, nicht bösartig, sondern eher humorvoll. Und ich hab dann noch ein Zitat von Wittgenstein gefunden: „Eine Wolke kann man nicht bauen.“ Und dann war eine Ausstellung in dieser Architekturgalerie in Berlin und es waren acht Künstler aufgefordert, Vorschläge einzureichen. Es gab tatsächlich acht Vorschläge, die mehrheitlich zu teuer waren. Der brauchbarste war von Rockenschaub. Die digitale Wolke war natürlich extrem einfach zu machen. Zurück zur Kunstuni: In Linz kann ich mir vorstellen, dass man einen starken künstlerischen Einbezug macht bei diesen Dach-Aufbauten. Es könnten auch Skulpturen sein, es können auch bestimmte Lichtgeschichten sein, das ist natürlich etwas, was in Linz relativ häufig ist, schon ein bisschen ausgelutscht. Das heißt, im Prinzip kann ich mir auch vorstellen, dass das vier „Aufbauten“ sind, die sich sogar immer wieder verändern, die eine Zeit stehen und dann kommt wieder etwas anderes. Was nicht schlecht wäre und was ich mit der Schule überlegt habe, wäre dort etwas Raumbildendes zu 49


Millions discover their favorite reads on issuu every month.

Give your content the digital home it deserves. Get it to any device in seconds.