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anlässlich eines Festzuges umgestalteten, teilweise durch Künstler, unter anderem auch vom Architekten Otto Wagner. In der historischen Folgenentwicklung kann man nachweisen, dass bestimmte „Altäre“ und „Stationen“, die er damals gebaut hat, dann später vor allem in seinen Stadtbahnstationen als Gestaltungsidee wieder auftauchen. Damals als temporäre Gestaltung und dann festgefügt als Bauwerk. Durch die mit Otto Kapfinger betriebenen Studien habe ich über die Geschichte dazu schon einen Zugang gehabt. Als Material verwendete ich Stahl, Well-Kunststoff und Eternit. Damit war praktisch das Low-Budget-Konzept geboren. Dies wurde unterstützt durch die durchaus ambitionierte Konstruktion des Hallendaches mit 28m Spannweite ohne Stütze, die zylindrisch war. Das Dach bildeten Spanndrähte zwischen zwei Ringen, die einen Horizontalschub auf die Stützen verhinderten. Aus dem Zwang eine Strategie zu entwickeln, ein billiges Gebäude zu bauen, ist zusammen mit Prof. Ziesel, dem Statiker, ein ambitioniertes Bauwerk entstanden. Wir haben uns natürlich auch als Studenten gedacht, wir bauen eine Containerstadt und die stellen wir dort auf und das ist billig. In Wirklichkeit war eine Containerstadt teurer als unsere Konstruktion. War hier noch das Schweißen die durchgängige preiswerte Technik, war es beim nächsten Pavillon im Museumsquartier (damals Messepalast) schon die Bolzenverbindung. Das sind Bolzen, mit denen man Stahl zusammenfügen kann. Das hat nur den Nachteil, dass durch die Schusstechnik ein ungeheurer Lärm entsteht. Die Berliner Kunsthalle, die ich kürzlich gebaut habe, ist frei finanziert, also weder vom Staat noch von der Stadt. Abgesehen vom wertvollen Grundstück, das sich im Besitz der Stadt be-

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findet. Jetzt gibt es ein Projekt in Istanbul, das auf die gleich Weise funktionieren soll. Unter anderem habe ich dann angefangen – parallel zur ersten Geschichte in St. Pölten, nachdem die Leute gesagt haben, das ist eigentlich ein beachtliches Bauwerk – darüber nachzudenken, was so ein temporäres Gebäude eigentlich ist. Ich habe dann den Begriff des Pavillons verwendet. Der Pavillon - kommt von Papillon, (Schmetterling), das hat mit Fliegen zu tun wechselt dann irgendeinmal seinen Ort und ist im Prinzip ein Bauwerk am „falschen Ort“, um ein „richtiges“ Bewusstsein zu erwecken. Ich habe das damals gesehen am Pavillon am Karlsplatz (Kunsthalle Karlsplatz), die alte Halle, ziemlich kultig, da waren beachtliche Ausstellungen sowohl innen wie außen. Jetzt ist das mehr eine Außenstation der Kunsthalle im Museumsquartier mit Cafe und Veranstaltungsraum. Aus dem ehemaligen Areal der Wiener Drogenszene wurde ein von den Wienern vollkommen angenommener Ort. Das ist dann auch die Unverbindlichkeit? Es hat dann auch eine gewisse Gelassenheit und Unverbindlichkeit und kommt nicht so daher, als wäre es ein Gebäude, das etliche Jahre steht. Schafft das nicht auch einen besonderen Zugang für den Betrachter? Die Schwere bleibt aus. Für die Künstler war es ideal, weil es auf eine Weise provokant war, aber nicht so, dass es die Kunst konkurrenziert hat. Die erste Installation war die gelb-blaue Fassade, gestaltet von dem Künstler Oskar Putz. Dann wurde daraus dieses Konzept, welches dann Josef Ortner weiterentwickelt hat, durch das museum in

progress. Er hat wichtige Künstler eingeladen, die das gestaltet haben, Gerhard Richter, Ed Ruscha und andere. Das hat Wien damals gar nicht wirklich begriffen. Das Stichwort Identifikation. Die Menschen haben sich mit dem Bauwerk identifiziert. Da müssen wir das Regensburger Milchschwammerl [Kiosk in Form eines Fliegenpilzes] ins Spiel bringen, den gibt es auch in Bregenz, unmittelbar neben dem Kunsthaus. Die Regensburger wollten das Milchschwammerl als Aprilscherz nach Mallorca verfrachten, und da haben sich alle dagegen gewehrt, obwohl ein Schwammerl nicht für Erfrischung steht. Das war bei der Kunsthalle ähnlich, wie die dann da war, vor allem haben damals ungeheuer viele gesagt, dass sie künstlerisch extrem wichtig ist. Das Temporäre, das Unverbindliche - sehen Sie das als einen Zwischenschritt zu dem Nichts, welches Sie in einem Email-Interview mit dem ORF aus der Reihe Turn On Talk angesprochen haben? Das ist ganz klar, dass gewisse Eitelkeiten dabei wegfallen, wie zum Beispiel die anspruchsvolle Materialisierung, die wegfällt, man denkt gewissermaßen anders über das Ding nach. Solche Hallen mit temporärem Charakter sind für die Kunst sehr interessant. Es ist bei aller Qualität auch schwierig, wenn man so einen prätentiösen Tempel baut. Er ist nicht für jede künstlerische Intervention geeignet. Der Umgang mit den Provisorien, den Sie da demonstrieren, und das Sichtbar werden lassen der Freiheitsgrade, die dadurch für 47


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