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Bomber an. Neben all den nachvollziehbaren, rausdrückbaren und zusammenbaubaren Notwendigkeiten – wie Sturmgewehr samt Munition und Sprengstoff – findet sich in jedem Set auch ein Schlüssel. Offen bleibt, ob dieser noch für einen irdischen Gebrauch bestimmt ist, oder – dem Mythos folgend – die Pforte zu den hundert Jungfrauen im Jenseits öffnen könnte. Rainer Nöbauer ermahnt, solchen Mythen Systematik zu verleihen. Für seine Videoarbeit Fearfully Yours lässt er den Pressetext der Ausstellung auf Arabisch einsprechen und nutzt den durch den stark beworben „War On Terror“ gestützten Verdachtsmoment bei vertraut klingendem Unverständlichem. Angst ist aber nicht unbedingt eine Frage des Verständnisses, und sie ist auch nicht unbedingt dem freien Willen unterworfen. Körper und Geist stellen , unwillkürlich einer Bedrohung – zum Zwecke des Überlebens – die Stressreaktionen Erstarrung, Angriff oder Flucht gegenüber. In den Arbeiten von Fearfully Yours finden sich einerseits alle diese möglichen Reaktionen auf 30

Realängste (Furcht vor einer konkreten Bedrohung) und reflektieren andererseits Konsequenzen aus vielleicht diffuser, irrealer, aber dennoch zutiefst menschlicher Angst. Der amerikanische Philosoph Walter Bradford Cannon (*1871 , † 1945) untersuchte traumatische Schockzustände bei Soldaten im Ersten Weltkrieg und prägte den Begriff der Fight-Or-Flight-Response, welche die rasche körperliche und seelische Anpassung von Lebewesen in Gefahrensituationen beschreibt.Die Anhänger des griechischen Philosophen und Urvaters des Hedonismus Epikur (*341 v. Chr , † 271 v. Chr) schlugen vor, der Emotion der Angst mit Gelassenheit zu begegnen, da der Tod als Ereignis ja nicht Teil des Lebens sei. Dazu passend findet sich an der Kellergewölbewand die Parole von Elke Meisinger. Aus dem Wort „Furcht“ formt sie das Wort „los“ – aus „Angst“ wird auf diese Weise „frei“ (Angstfrei / Furchtlos). So manche religiöse Erkenntnisse und Erleuchtungen propagieren ein vertrauensvolles Hoffen auf das, was kommt, doch so leicht befreit sich der

Mensch von seinem Ich auf Erden nicht und sieht sich so mit den immer wiederkehrenden Zuständen der Angst konfrontiert. Konsequent findet zu diesem Erkennen der Opferrolle eine Art gescheiterter Fluchtversuch vor sich selbst in Catharina Bambergers Videoarbeit Dutiful Beautyful statt. Vor dem Spiegel trägt die Darstellerin immer dicker Schminke auf und muss erkennen, dass es vor Altern und Tod letztlich kein Entkommen gibt. Als untauglicher Weg in die Freiheit bietet sich auch Katharina Mayrhofers Fluchtweg an (Exit). Über einem Mauseloch in der Wand hat sie ein Fluchtwegschild montiert. Hilary Allen hat mit ihrem Selbstportrait I’m just fine auch die Vorlage für das Ausstellungsplakat geliefert. Wie eine multiple Persönlichkeit zeigt sie sich in einem Art Spiegelkaleidoskop. Michael Etzlstorfer schließlich bespielt eine abgedunkelte Kammer mit seiner Soundarbeit Agoraphobia. In der Dunkelheit verstärkt er Geräusche mittels Halleffekten zur Behauptung eines unendlich großen Raumes. Miguel Gonzalez-Gonzalez hat ein gläsernes Skateboard konstruiert und


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