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Violett taucht. Teile des Mobiliars drohen im Boden zu versinken oder sind bereits halb in der Wand verschwunden (Sarah Hoffmann, o.T.), während ich das an die Wand projizierte Live-Bild aus dem Hauptraum studiere. Die Projektion überträgt die von Benedikt Eggers Spy–Vacuum Cleaner aufgezeichneten Bilder, die er auf seiner unendlichen Fahrt durch den Ausstellungsraum sammelt, in den Clubraum und hinterlässt mich in der Verlegenheit zu sinnieren, wer aus solch intimen Blicken auf die Ausstellung und ihre Besucher eigene Vorteile zum Nachteil anderer generieren könnte. Aber die wunderbaren Perspektiven auf die ausgestellten Objekte machen schließlich Überwachung zum Genuss. Nach dem Überwinden eines schmalen Korridors – akustisch dramatisiert von Sarah Schnauers Soundarbeit Unseen – und ein klein wenig irritiert von Sarah Hoffmann & Fischens Op-Art Tapete (Irritation) – gelange ich in den Hauptraum. Ein instabiles und verunsicherndes Flackern geht von Ulrich Fohlers turmartiger Skulptur aus Neonröhren aus (Flicker).

Trotz der Dichte der gezeigten Arbeiten erschließt sich ein spannender Parcours durch die unterschiedlichsten Zugänge und Strategien zu den „Abwehrmechanismen des Ichs“, wie Freud die Angst einmal beschrieb. Christian Öhlinger hat zwei handelsübliche Metallregale – konzipiert zum Tragen schwerer Lasten – derart manipuliert, dass eines zum anlehnungsbedürftigen Wesen wird. Das zweite liegt, wie ein gefallener Käfer, am Boden und streckt – wie in Angststarre verfallen – alle Viere von sich (Two Sissies). Die exakte Ausführung dieser Transformation lässt zudem den Eindruck entstehen, als gäbe es diese „Regale“ bereits als seriell produzierte Massenprodukte zu kaufen. Johanna Serdinschek hängt eine schaukelähnliche Skulptur an Ketten von der Decke ab, deren turbinenartige gefährliche Sitzfläche sich einer Benutzung wunderbar verwehrt (Swing). Allen Gezeiten trotzt standfest Maren Hirts Tidal Wave – gestrandet mitten im Raum. Aus einer zu stattlicher Größe hochskalierten Muschel dringt ein Stimmengewirr aus

Abwägungen und Unsicherheiten. Einige der Arbeiten verweisen sehr nachdrücklich auf bekannte Sinnbilder für Furcht – wie Alejandro Simons hängende Serie aus Brotmessern an seidenen Fäden (Damocles) – oder für Horror – wie Johanna Goldgrubers oversized Draculagebiss (Bloodsucker). Dennoch bleiben die Skulpturen aber nicht bloße Synonyme für allzu Bekanntes, denn in der Qualität ihrer Ausführung und Positionierung machen sie Humor im Umgang mit Angst erst zu einer attraktiven Möglichkeit. Patrick Schmid widmet sich der Angst vor kreativer Einfallslosigkeit, die er mittels einer obsessiven zwanghaften Serienproduktion von Steckdosen zu bekämpfen versucht. Seine paranoiden Gedanken, die ihn auch während der monotonen Tätigkeit des Abgießens nicht loslassen, dokumentiert er in einem Text und reiht seine beeindruckende Masse an Gips-Steckdosen am Boden zu einem vielversprechenden Raster (Overdose). Eine Art Convenience Produkt für Selbstmordattentäter bieten Sarah Decristoforo und Georg Schobert in ihren Bausätzen Arms of a Suicide 29


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