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Sigrid Krenner 2009

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Unter der Leitung von Eva Grubinger und der Kuratorin Cristina Ricupero haben die Studierenden der Bildhauerei den Keller mit vierundzwanzig sehr unterschiedlichen Positionen zum Thema Angst effektiv aus dem Dornröschenschlaf gerissen. Im Vorfeld fanden Workshops und Vorträge statt, um Sensibilität und Vokabular für diese Ausstellung zu schaffen. Weiters gab es Debatten, ob und wie sich ein Ausnahmezustand gerade eben aus der vermeintlichen Sicherheit des Normalzustand generieren kann. Angst wurde als ein universelles Gefühl der Menschheit begriffen. Diese kann als die Empfindung in Gefahr zu sein definiert werden, oder als Vorahnung, dass gleich etwas Schlimmes geschieht. Der Begriff der „menschlichen Unsicherheit“ wurde im Zusammenhang mit dem 2001 ausgerufenen „War on Terror“ und der damit verbundenen „Politik der Angst“ genauso diskutiert, wie in Bezug auf globale Erderwärmung, städtische Gewalt und viele andere Arten von Unsicherheiten. Ein weiterer Schwerpunkt der Seminare galt den irrationalen Ausprä28

gungen der Angst. Sogenannte Phobien sind die gängigsten Formen von Angststörungen. Anders als in der klinischen Definition werden jedoch einige Ausdrücke, die das Suffix Phobie beinhalten – wie z.B. „Homophobie“ oder „Xenophobie“ – verwendet, um negative Einstellungen – Vorurteile oder Diskriminierung – gegenüber bestimmten Bevölkerungsschichten zu bezeichnen. Persönliche Sicherheit ist zum Hauptkriterium aller Arten von Marketingstrategien geworden, und somit hat sich Angst auch zu einem großartigen Investment entwickelt, das in jegliche Art von Profit verwandelt werden kann – kommerziell oder politisch. Ausgestattet mit einem am Eingang erhaltenen Papier-Sackerl (Sigrid Krenner, o.T.) betrete ich den ehemaligen Clubraum. Die auf den Hygienebeuteln gedruckten Piktogramme illustrieren einerseits einen Behelf zum Erzeugen eines Knalleffekts, andererseits eine Möglichkeit, Hyperventilation zu unterbinden. Ich entscheide mich aber, die Gabe für einen etwaigen späteren Gebrauch

erst einmal einzustecken. An der Garderobe verpasse ich die Möglichkeit, mir eine Clownmaske (Rebekka Hochreiter, Coulrophobia) aufzusetzen und stehe vor gut vier Quadratmetern gebrochenem Fliesen-Fußboden (Miguel Gonzalez-Gonzalez, Fragil). Für die Dauer der Eröffnung brach hier den Besuchern sprichwörtlich der Boden unter Füßen weg und bot in seinem performativen Procedere– wie auch Sackerl und Fratze – eine attraktivere Möglichkeit, als sich über Reminiszenzen zu Monica Bonvicinis Plastered (1998) zu unterhalten. Als weiteres Überbleibsel vom Eröffnungsabend sind – nebst ein paar Polaroidphotos an der Wand – ein von der Decke hängendes Moskitonetz zu sehen. Elisabeth Altenburg hatte sich darin zurückgezogen und eingeschlossen (Die Blase). Vitrinen, in denen früher grauenhafte Trophäen auf Glanz und Gloria der alten Schützentradition verwiesen, hat Francesc Gacias Andreu mit starren und sturen Bruchstücken von Körperabgüssen gefüllt (Rigor Mortis). Aus den Kästen dringt Licht, das den ganzen Raum in sonderbares


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