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Fiction Victims von JÖRG ALBRECHT


Fantasy Studies. Manchmal habe ich Angst, daß die anderen mich anschauen und statt dem, was sie sehen sollen, was anderes sehen. Ich hab so lange an meinem Profil rumgeschraubt, da will ich doch, daß die anderen, wenn sie mich anschauen, genau das sehen, was sie auch sehen, wenn sie mein Profil anschauen. Und nur das. Und manchmal weiß ich nicht, ob ich mehr Kraft aufbringen muß, um für mein Profil zu kämpfen, oder mein Profil, um für mich –.


Sagt Hayati Terzi zu mir und kratzt sich an seiner dreißig Jahre alten Stirn. – Genau das, das ist es doch, sage ich, genau darum muß es in dieser Studie gehen! Die neue Studie unseres Instituts, die wir erstellen werden in den nächsten Monaten, Jahren oder Jahrhunderten. Es ist 18:02 Uhr, und mit leichter Verspätung trudeln auch die anderen Mitarbeiter in den Videokonferenzraum: Tom Cruising, gerade in San Francisco, Oleksandra Shwetz, gerade in Kaliningrad, Transsilvana und ihre beste Freundin und beste Arbeitskollegin Dagmar Diaphragma, beide gerade in Tel Aviv, und in Börlyn, nur wenige Straßen von Hayati Terzi und mir entfernt, kommt mit hängender Zunge und klingelndem Bin-jetzt-online-Sound hinzu: Brian Storm. Nun sind sie tutti completti: die Mitarbeiter des Instituts für Postökonomie und Situation Tragedy.


Aber was genau ist das Thema?, fragt Dagmar Diaphragma. Ich hab das aus den bisherigen Papers und Calls-for-Papers nicht annähernd herauslesen können. – Ganz einfach, sage ich in die Runde, die keine Runde ist, sondern ein Neben- und Übereinander verschiedener Videofenster, einfach: wir. Du und du und du und du und du und du und ich. Jeder von uns ist ein fantastisches Wesen, das in irgendeiner Weise Minderheit ist, sei es durch Hautfarbe, Herkunft, Sexualität, Gender, Religion, Klasse oder was weiß ich. Und wir sind in eine Welt gestellt, die sicher nicht unsere ist. Wir stellen aber trotzdem irgendwas dar, nur was? Manchmal wissen wir es nicht. Wir als Opfer unserer eigenen Geschichten, als Fiction Victims. – Stopstopstop, ruft Oleksandra Shwetz, wer ist hier Opferkind, ich ganz klar NICHT!


Auch wenn diese Studie so aussieht, als würde sie gar nichts tun, kontrolliert sie in Wahrheit schon jede Sekunde ihrer eigenen Existenz. Diese Studie, die sich den großen Fantasien widmet, die Menschen helfen, zu überleben. In welchem Kampf? Im Kampf um unser Begehren und – mehr noch – darum, wer aus diesem Begehren Kapital schlagen darf. Da, die epische

Landschaft des Neoliberalismus mit den Cupcakes, dem Capuccino und den Wireless-LanZeichen, den Glasfassaden, den Drehtüren, den Klimaanlagen, mit den optimistischen Galerien und enthusiastischen Projekträumen, mit den prallvollen Shoppingtüten, den händchenhaltenden Pärchen, den Schwangeren im Yogadress, mit den Airbags im Kinderwagen, den Airbags für Smartphones, den Smarts, mit den SUVs, den Pick-Ups, den Pick-Up-Artists, mit den Desaster-Dates, der Industrial Romance, den Gesprächen übers Teilen und nicht mehr übers Verteilen, mit den Serviceoasen, den flottierenden Jobjobs, den rotierenden EuroShops, mit den bröckelnden Sozialwohnungen, den prügelnden Bewohnern der Sozialwohnungen, mit den Irren in der U-Bahn, den Gated Communities, den Rating-Agenturen, den Selbstmorden, mit der mythischen Menge, verloren im täglichen Getriebe. Aber welche Fantasien halten uns am Laufen in dieser Gegenwart, die uns allen die ganze Zeit alles abfordert, bis wir so erschöpft sind, daß da auf einmal doch wieder Kraft ist? Welche Fantasien lassen uns hoffen? Und welche sind zu gefährlich und könnten zu viel kaputthauen?


In dieser Studie werden wir der ese nachstellen, daß Fantasien nicht einfach so da sind. Daß sie auseinander entstehen, in einem sozialen Geflecht. Daß Menschen sich mit ihrer Hilfe Tableaux ausmalen, Tableaux, auf denen sie und die Welt zusammen irgendwie Sinn ergeben. Wir werden sehen, daß Fantasien ausfransen können, zumindest die politischen Fiktionen der Souveränität. Gesellschaftlicher Aufstieg: ausgefranst. Berufliche Sicherheit: ausgefranst. Politische Gleichheit: ausgefranst. Soziale Gerechtigkeit: ausgefranst. Und Intimität, eine lebendige, beständige Intimität: ausgefranst. Ein schlechtes Webstück, das zerfasert und sich schnell noch retten will, aber wohin denn? In Depressionen, in Trennungsakte, in Pragmatismus, Zynismus oder Optimismus, in Aktivismus oder in ein Mischmasch aus allem.


Also: Fantasie ist nichts Intimes, tief drinnen Wühlendes, Fertiges, sondern etwas, das zwischen uns geschieht. Und es geschieht schon wieder. Wir als Fantasywesen, sagt Tom Cruising, als diejenigen, die uns vor zwanzig, dreißig und sicher vor vierzig Jahren niemals hätten offenbaren dürfen. Meine Welt als Drag King endete an meiner Wohnungstür, dahinter verwandelte ich mich zur biologischen Frau, und niemand konnte mir ansehen, wer ich in Wirklichkeit war. Wer die Wirklichkeit war. Und später dachten alle, der Drag King in mir sei nur Fantasie. Doch inzwischen, ergänzt Transsilvana, kann selbst ich als Frau, die als Mann geboren wurde und immer noch einen Penis zwischen den Beinen spazieren trägt, mich selbst vorzeigen, und damit zeigen: Ich bin verfügbar. Und wieviele mich auf der Stelle begehren! Ist das nicht herrlich? – Ähm, sagt Brian Storm. Und Transsilvana fragt: Ist meine Fantasie da mit mir durchgegangen?


Dieses Drama ist so schwer zu durchbrechen. Und noch schwieriger, herunterzubrechen. Je stärker ich mir dessen bewußt werde, daß mein Begehren nicht so tickt wie das Begehren der Mehrheit, desto stärker möchte ich kontrollieren, was die anderen an mir sehen. Früher war es ein Kompliment für mich, wenn Leute auf der Straße mich fragten: Bist du n Mann oder ne Frau? Heute tue ich alles, damit da keine Zweifel aufkommen, NIEMALS! Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, was ich will. Und weil ich weiß, wer ich bin und was ich will, werde ich niemals Verlierer sein. Im Gegenteil: Daß ich früher diskriminiert wurde, hat mich stärker gemacht. Leistungsfähiger. Und jetzt zeige ich den kleinen Losern da draußen, wie gut ICH Kapitalismus kann. Und DER hat nur drauf gewartet, eine neue Schar von Arbeitern zu haben, die sich willig bis zur Erschöpfung aufreiben, und darüber hinaus.

GEIL!


Pretty shitty: Niemanden interessiert es, wenn du leidest. Alle interessiert es nur, wenn du feierst. Dich feierst für –. Egal wofür. Hauptsache, du feierst.

Früher warst du der Türke, der niemals sein Abitur machen würde, heute schreibst du deine Doktorarbeit?

Feier dich!

Früher wurdest du als Liliputaner beschimpft, heute bist du Klaviergenie?

Feier dich, feier dich!

Früher wurdest du kleiner Schwuli gemobbt und warst selbstmordgefährdet, heute sitzt du in Juries?

Feier dich, feier dich, feier dich umso heftiger! Wer ist nun das Opfer? Das Tolle ist doch: Inzwischen gehört alles hierher, gehören alle –. Nein. Nicht alle gehören hierher. Aber wenn du dich nicht ganz blöd anstellst, kannst du arabisch, lesbisch oder behindert sein – oder alles auf einmal – und gerade daraus Kapital schlagen. Du darfst nur nicht zu arabisch, zu lesbisch und zu behindert sein. Und bitte, bitte keine Perversionen! Sei einfach lustig! Sei

FUN!


Die Angst, nicht eindeutig genug zu sein.

Die Angst, daĂ&#x; niemand dich versteht.

Die Angst, kein Foto zu bekommen.


Denn es gibt sie, jene Fantasien, die wir niemandem verraten, weil wir sie uns selbst nicht verraten würden, für die wir uns schämen, und wir wissen nicht mal, warum. Und manchmal, wenn wir nicht damit rechnen, treten sie auf, wenn die Körper miteinander Sex haben. Da sind sie, diese Fantasien und erinnern uns daran, daß es irgendwo in uns Geschichten gibt, die wir nicht kontrollieren können. Es muß doch niemand sehen, sagt Brian Storm, daß ich nach meiner Minstrel Show, wenn ich die schwarze Schminke von meiner schwarzen Haut gewischt habe, am liebsten mit jungen Weißen ins Bett gehe, die mich, während ich sie nehme, Nigger nennen. Manchmal habe ich Angst, daß Menschen mich anschauen und statt dem, was da ist, das sehen. Das wird niemand sehen. Kann niemand. Ein geheimes Land, in das selbst ich nicht immer einreisen kann, das ich nur über versteckte Wege, verzauberte Gemälde und magische Türen erreiche: mein ganzes fehlgeleitetes Begehren.

Zum methodischen Vorgehen: Wir werden ganz unseriös aus unseren Leben berichten, was es zu berichten gibt, um sodann mehr oder weniger tiefschürfende Ausführungen zum eigentlichen ema anzuschließen, die mit dem zuvor ausgebreiteten eoriegebäude in einem bestenfalls lockeren Zusammenhang stehen. Einige der emen, die wir verhandeln werden:


Die Erzählungen der Macht und die Macht der Erzählungen Das Coming Out Das Menschenrecht auf Geheimnisse Die Königreiche der Drag Kings und die Königinnenreiche der Drag Queens Der Körper als Ort der Phantasien und Ängste Verfälschte Brüste und gefälschte Schwänze Das Photoshopregime Die Amnesie der Menschen, die weiß sind Die Amnestie für Menschen, die nicht weiß sind Rollenspiele und Role Play Das Phänomen des Passing Das Phänomen des Posing Profile und ihre Neurosen Nuttenselfies und Selfienutten Die Privatisierung des Todes Die Liebe zu diesem Land, die nie erwidert wird Rüschen an Kleidern und an Sätzen Die Erschöpfung der Räume Die inneren Gefühle und die äußeren Die Poetik des Verkennens Ökonomien des Stillstands


Apropos Stillstand, wirft Dagmar Diaphragma ein. Wenn wir uns in dieser Studie selbst untersuchen, ist das dann überhaupt Soziologie? Natürlich wollen wir nicht einfach nur: Tür auf, Monster töten, Schatz holen. Wir wollen Geschichten in der Welt nachspielen, und da braucht man halt andere Sachen. – Aber wird unsere Studie uns auch helfen, aus dieser Tragödie herauszukommen?, fragt Transsilvana. Aus dieser Situation Tragedy, die eben keine Situation Comedy ist, weil das, was in der Sit Com weggelacht werden kann, hier einfach bleibt. – Die Unmöglichkeit, das eigene Begehren auf andere Dinge zu lenken als die des Konsumierens, des Haushaltens, des Sich-Vermarktens, ergänzt Dagmar Diaphragma. Wo also können wir die Tragödie bekämpfen? Selbst wenn niemand etwas von diesen Kämpfen merkt.


Und dann ruft Transsilvana noch etwas, doch weil die Verbindung uns mal wieder Verzögerungen beschert, wissen wir nicht, was. Und wir merken es auch nur, weil Transsilvana und Dagmar Diaphragma komplett einfrieren, während der Ton roboterhaft wird, so daß Hayati Terzi schon fragt: Sind das am Ende gar nicht die beiden, sondern Androiden? Da verpixelt das Bild, verpixelt noch weiter, und: löst sich. Und Transsilvanas Satz dringt doch noch durch zu uns: Laßt uns die Tragödie, die uns teilen will, teilen!

Dies ist eine unendliche Geschichte: Wir stellen eine Welt vor, die nie unsere sein wird, egal, was wir tun. Wir stellen uns eine Welt vor, die –. Und in diesem Vorwort, diesem kurzen Wort vor dem Wort –.

FORWARD!


Demons into kings. Manchmal habe ich Angst, daß ich nur noch im Blick der anderen leben kann, denkt sich Tom Cruising, als er mit dem alten, weinrot lackierten VWBus in die Toreinfahrt einbiegt. Manchmal erschrickt er darüber, wie sehr er von den Blicken auf der Straße abhängig ist, von den Double Takes: Die Menschen schauen ihn an, schauen weg, schauen ihn aber sofort wieder an, diesmal länger, oft viel länger als zuvor. Und das nur, wenn er als Tom Cruising unterwegs ist. Wenn er in seinem bürgerlichen Outfit als Karolina Kahler rausgeht, muß er auf die Double Takes der anderen verzichten. Selbst wenn Karolina Kahler die exakt selben Kleidungsstücke trägt, wie sie Tom Cruising trägt, sehen die Menschen Tom Cruising mit neunzigprozentig höherer Wahrscheinlichkeit im Double Take an. Liegt das nur an seinem Cowboygang? Oder an dem ausrasierten Bart, den er trägt, so perfekt rasiert, als wäre er nicht rasiert, sondern ausgeschnitten? Ausgeschnitten und aufgeklebt.


Kaum steht der VW-Bus im Hinterhof, öffnen sich die Tore, und die anderen Könige kommen Tom Cruising zu Hilfe. Sie schleppen mit all ihrer royalen Kraft Berge, Wälder, Einhörner in die Burg, die sich hinter den Toren befindet, vierzig Quadratmeter groß. In diesem Schuppen proben Tom Cruising und seine Drag King-Kollegen ihr Musical. Es basiert auf dem Film Legend, den Ridley Scott 1985 drehte, eine leicht wirre und nicht besonders spannende Fantasystory, in der Tom Cruise seine erste Hauptrolle spielte, einen jungen Mann namens Jack, der eine Prinzessin und Einhörner vor dem Herrn der Finsternis retten muß und dabei von David Bennent als Elf begleitet wird, der die Hälfte des Films immer flüstert: Ja-aa-ck! Die Tagline des Films:

There may never be another dawn.


Das Königreich der Drag Kings erstreckt sich über vierzig Quadratmeter. Doch hier geschieht etwas, das, je neoliberaler die Welt daherkam, immer seltener wurde: Alles, was diese Männer, die nicht als Männer geboren wurden, von echten Männern unterscheidet, diese Differenz also, wird hier nicht vermarktet, sie geht nicht als Waffe in einen kommerziellen Wettstreit ein. Für ein paar Monate war die Gruppe zwar tatsächlich the hottest shit in town, in this country and on this globalized globe, vielleicht sogar darüber hinaus. Für ein paar Monate hypeten alle möglichen eater- und Performancehäuser, Kritiker und Fans Tom Cruising & Co., und am meisten setzten alle ihre Erwartung in das Musical LEGEND. Doch das wurde nicht fertig. Und ihre ältere Performance namens White Fucking Heteros wurde doch nicht zum eatertreffen eingeladen, woraufhin alle, die vorher den Hype produziert hatten, darüber lästerten, daß es ein Hype sei, und die Nachwuchstalente fallenließen. Und ihren Proberaum, den Schuppen, gleich mit. Hier, das Talentschuppenshampoo.

Männlichkeit heißt: Macht.

Männlichkeit heißt: Privilegien in einer Ordnung, die immer noch patriarchal strukturiert ist.

Männlichkeit heißt: Nicht nur Frauen, auch Männer werden von Männern dorthin gedrängt, wo sie hingehören. Auf die Knie.


Und hier kämpft eine Gruppe von Drag Kings, die herauszufinden versucht, wie dieses Leben funktioniert, wenn jeder einzelne von ihnen sich als männlich begreifen will. Und schon sind wir mitten in der Diskussion, in der sich alles darum dreht, als WER die Könige in ihrer Performance auf der Bühne stehen werden: als sie selbst oder – im Gegenteil – als möglichst weit von sich entfernt. Und da reicht es nicht, sagt Tim Curry Chicken, einfach die eine Unterdrückung und die andere – die als Frau und die als Transmann – zu summieren. Aber wie das zeigen, ohne die Geschlechtsteile zu entblößen? Und damit die eigene Hilflosigkeit, denn dann wären wir wieder beim alten Prinzip:


Alles ist, wie es ist. Und nur so.


Ich frage mich eher, sagt nun mit David Bennenton ein weiterer Teil des Drag King-Ensembles: Wie könnte eine bessere Version des mißratenen Endes von Ridley Scotts Legend aussehen? Eine, in der auch der Herr der Finsternis in den Wald darf, um mit den Einhörnern fröhlich zu sein? – Du meinst, fragt Tom Cruising, so wie die Schwulen von potentiell Aidskranken, von abgemagerten Figuren des Todes zu Figuren des Lebens wurden: strahlend schön, trainiert und wirtschaftlich extrem erfolgreich? Und wir als unechte Männer sitzen immer noch im Hinterhof. Und auch den haben wir nur gemietet. Meine Hoffnung, ein Musical auf der Basis eines Films namens Legend könnte auch mich zur Legende machen, ist die berechtigt? Fragt Tim Curry Chicken, der – wie im Film Tim Curry – den Herrn der Finsternis spielt. Im nächsten Augenblick übt er seinen Text: Die Träume der Jugend sind die Reue des Alters. Die Träume, sie sind mein Reich. Durch die Träume herrsche ich über die Menschheit. ABER: Welche Träume haben wir? Ist es der Traum, irgendwann absolut als Mann durchzugehen, auch wenn unsere Mütter uns nicht als Männer gebaren? Oder wollen wir das gar nicht? Wollen wir eigentlich zeigen, daß niemand absolut als Mann durchgehen kann, höchstens temporär? So wie die Räume, in denen wir proben und spielen, uns immer nur temporär gehören. Und manchmal wandern sie schneller weiter als wir. Umso dringender, greift Tom Cruising ein, daß wir klären: Was genau stellen wir auf dieser Bühne dar? Uns selbst? Und wenn ja: welches Selbst? Bin ich Tom Cruising? Oder Karolina Kahler, die Tom Cruising spielt, der wiederum Jack spielt, den Retter des Guten? Am liebsten wäre ich in der Show ja NUR Jack, nur diese seltsame Fiktion, die – nicht nur weil im Film der junge Tom Cruise dieser Jack ist – etwas mehr Glamour hat als ich, wenn ich Tom Cruising bin, und auf jeden Fall viel mehr als ich, wenn ich Karolina Kahler bin.


Die Hoffnung darauf, etwas mehr zu sein, oder weniger zu sein, auf jeden Fall nicht einfach nur genug. Unsere Kultur ist so sehr auf Sichtbarkeit aus, daß diejenigen, die früher nicht sichtbar sein durften, oft froh sind, endlich zu erscheinen. Früher erschienen sie nur als Spuk, als Gespenster. Heute erscheinen sie als Exempel für Fortschritt und Vollkommenheit. Und ist, fragt David Bennenton, dieser kleine Glamour, den wir uns erspielen könnten, nicht auch eine Hoffnung? – Worauf? – Die Hoffnung, auch außerhalb der Bühne –. – Gibt es noch ein Außerhalb der Bühne?


There may never be another dusk.

Die Sichtbarkeit ist verwoben in das, was mit den Begriffen Nationalismus und Normativität nur näherungsweise beschreibbar wird. Die Bilder sind nicht einfach, was sie sind. Ob du als lesbische Frau eine zärtliche Partnerin und potentiell gute Mutter bist oder ein kesser Vater und Hardcore-SM-Fan, das sind zwei völlig unterschiedliche Bilder, die über dich hinaus darum kämpfen, was normal ist.

There may never be another dusk.


Schwieriges ema: der Unterschied zwischen Normalität und

Normativität. Rein begrifflich ist normal, was statistisch häufig ist, und

normativ, was die Norm erfüllt. Das Morphing von normal in normativ, von normativ in normal. Beide – Normalität und Normativität – beruhen jedoch auf dem großen Dreifachdiktum des Neoliberalismus: Bedeutung: YES! Sichtbarkeit: OH HELL YES! Aber verbirg bitte, daß du richtig dafür rackern mußt, diese Bedeutung zu produzieren und diese Sichtbarkeit. Es sollte dir ganz lässig von der Hand gehen. Was du produzierst, wie du das darstellst und wie es rezipiert wird, das alles muß schön aus einem Guß kommen. Ein einziger lächerlicher lässiger Guß!


Am Ende wird das Musical namens LEGEND floppen, und Tom Cruising & Co. werden in der Versenkung verschwinden, aus der sie nicht mal halb aufgetaucht sein werden. Die Bühnenmaschinerien sind alt und schwerfällig. Und immer noch mächtig. Und die Denkmaschinerien noch viel mächtiger, die den Flop herbeischreiben werden. Zum Beispiel so: Das Musical kann nie wirklich die Beschränkungen überwinden, die ihm die Bühne als Ort auferlegt, an dem unechte Männer in unechten Kostümen unechte Figuren spielen. Alles sieht ziemlich nach Plastik aus. Das Publikum aber sehnt sich nach nichts mehr als nach dem Echten. Zurecht. Doch die einzig authentische Emotion, die Darsteller wie Zuschauer erfaßte, war der Moment, in dem einer der Könige ins Mikrofon sang:

Have you ever kissed my fiancée?

She’s got softer lips than Beyoncé.


The other side of that pain. Aus welchem Zeitalter genau stammt eigentlich dieser Mythos, daĂ&#x; der Mensch unbedingt Geschichten braucht? Gerade wenn du aus irgendeinem Grund ausgeschlossen wirst, brauchst du jedenfalls eine verdammt gute Geschichte, um wieder aufzuschlieĂ&#x;en.


Vor der Tür aus Kirschbaumholz, vor den goldenen Rosen atmet Hayati Terzi durch, öffnet und tritt ein. Ganz allein. Er sucht keinen Trost. Vielleicht sucht er ihn, doch es ist ihm klar, daß weder die Kirche samt Beichtstuhl noch der Krieg draußen, in den Fantasien zwischen den Körpern, Trost dulden kann. Niemand wird getröstet, wenn er es will. Und je mehr Trost man zusammenzuklauben versucht, desto weniger verwurzelt ist man in einer Welt, zu der man sowieso nie gehört. Und dennoch sitzt er hier, unter den Rosen, die alles, was er sagt, aufnehmen und verschweigen und vielleicht sogar verbergen. Meine letzte Beichte war vor vier Wochen,

Ehrwürdiger Vater.

Hayati Terzi, eines der prägnantesten Studienobjekte unserer Fantasy Study, geboren 1985 in Köln-Mülheim als Sohn türkischer Eltern, mit zweiundzwanzig Jahren erstes Outing: schwul, mit fünfundzwanzig zweites Outing: konvertiert zum Katholizismus. Hayati Terzi, Kulturwissenschaftler, läßt für unsere Studie gerade sein Dissertationsprojekt liegen, das vom Umfang her ein Habilitationsprojekt wert gewesen wäre. Der Titel: Wieso sah dein Einzug in meine Gemächer aus wie eine Trennwand? Zur Kulturgeschichte des Paravents.


Ich bin, sagt Hayati Terzi, ein ganz gutes Beispiel für Intersektionalität, dafür, daß sich in einer Person bestimmte Herrschaftsbeziehungen verschränken, Beziehungen, die sich auf den ersten Blick sogar ausschließen, obwohl sie sich gar nicht ausschließen können. Türke, schwul und katholisch? Au wei.

Wie konntest du dich zu diesem Mangel an innerem Zusammenhang hinreißen lassen?


Mit der Begeisterung eines Konvertiten stürzte sich Hayati Terzi nach seinem ersten Outing in ein neues, offenes Leben. Wie von Zauberhand bauen die anderen mit dir an dieser Welt, die aussieht wie die alte, und in der du doch nichts mehr zurückhalten mußt und, oh Wunder, niemand sich belästigt fühlt, nur weil du offen sagst, daß du als Mann Männer liebst. Das einzige ist: Du mußt es wieder sagen. Und wieder. Und WIEDER. Ein endloses Coming Out. Denn wenn du aufhörst, darum zu kämpfen, als der anerkannt zu werden, der du bist, wirst du als jemand erkannt, der dir ziemlich ähnlich sieht, sogar ganz genauso aussieht wie du, doch der ist nicht schwul, tut mir leid, der ist normal. Dieser Schattenzwilling, den irgendjemand von dir geschaffen hat, lange bevor du wußtest, in welche Richtung dein Begehren wandern würde.


Der Begriff der Intersektionalität ruft das Bild einer riesigen Kreuzung auf, auf der sich Identitäten kreuzen. Aber ist das ganze nicht viel unübersichtlicher? Was ist, wenn sich der kleine, keusche Katholik, der Intellektuelle, der Postmigrant und der Schwule, der sich am liebsten beim Sex schlagen läßt, in einem Körper überschneiden? Ein riesiger Kampf, bei dem die Allianzen ständig wechseln: Hör auf, mich zu destabilisieren! – Dann hör du auf, mich zu stabilisieren, darum hab ich dich nie gebeten! Am Ende, sagt Hayati Terzi, heißt das aber, daß wir alle, egal, wie glatt oder rough unsere Profile daherkommen, von verschiedenen Achsen durchkreuzt sind, ja, daß wird in diesem Durchkreuzen erst zu etwas werden, daß wir dieses Durchkreuzen werden.


Dennoch: Wenn du mehrfach an den unteren Rand der Gesellschaft gehörst, macht auch das Durchkreuzen nichts leichter. Im Kontrast dazu: jemand, der mehrfach an den oberen Rand der Gesellschaft gehört, und für den es dadurch um ein Vielfaches leichter wird. Kann jemand, der möglichst wenig Minderheit ist, also im besten Fall weiß, männlich, christlich, heterosexuell und Akademiker, seine Fantasien einfach so zur Realität machen? Oder selbst er nicht? Und kann er seine Privilegien nur als Verdienst sehen oder auch als das, was sie sind: gottgegeben?, fragt Hayati Terzi, zückt ein orangefarbenes Buch von Richard Sennett und liest vor: Jede Gemeinschaft beruht, wie wir gesehen haben, bis zu einem gewissen Grade auf Phantasien. Die moderne Form der Gemeinschaft unterscheidet sich nun von älteren Ausformungen dadurch, daß die den Menschen gemeinsame Phantasie besagt, sie besäßen das gleiche Gefühlsleben, die gleiche Motivationsstruktur. Schön wärs, ne?


total neu!

Was? Menschen fühlen NICHT alle dasselbe? Das ist mir Ich beginne gerade erst, das zu durchdringen, weißt du, als ich neulich entdeckte, daß ich die Kamera auch rumdrehen kann. Es gibt ja so viel mehr als Selfies! Andererseits war es sehr wichtig, mich erstmal nur um MICH zu kümmern. Endlich, nach fünfundzwanzig Lebensjahren, endlich konnte ich ICH SELBST sein, ich mußte nichts mehr verstecken. Es gab nichts mehr zu verstecken? GAR NICHTS? Was für ein Verlust. Fünfundwanzig Jahre habe ich gebraucht, um zu lernen, ALLES von mir zu zeigen. Und jetzt muß ich diesen Exhibitionismus wieder vergessen. Lebenslanges Verlernen.


Das seltsame Paradox von Offenbaren und Verbergen. Vielleicht ist es das, was Hayati Terzi am meisten beruhigt UND beunruhigt. Was ist in diesem Jahrhundert leichter?, fragt er sich, als er durch das Gitter des Beichtstuhls schaut, durch das er den Priester sieht und zugleich nicht sieht. Ist es leichter, sich zu verbergen oder leichter, die Dinge aufzudecken? Und er denkt an das, was Giorgio Agamben schreibt, über das Angesicht, das NICHT das Gesicht ist, sondern: die Ausstellung des Gesichts in seiner Nacktheit. Meinem Face sieht jeder sofort an, daß ich schwul bin, so schamlos, wie es schaut. Nur in der Kirche wandelt es sich zum errötenden Meßdienergesicht. Und das, was ich in der Gay Bar wie in der Messe verstecken muß, ist, daß ich alles sein kann, nur eins nicht: weiß. Immer bin und bleibe ich orientalisch. Als Türke, der sich von älteren Männern ficken läßt, bin ich das Gegenteil des Vorzeigeschwulen, der sich als guter Freund, guter Bürger, guter Christ und guter Ehemann in die Gesellschaft einordnet, die ihn inzwischen nur zu gern aufnimmt. Ich bin einfach froh, wenn ich irgendetwas erfüllen kann. Egal, was. Und so gewinne ich endlich diese stolze, herrscherliche Haltung der weißen Schwulen.


Das klingt jetzt ganz kompliziert. Und das ist es auch. Denn wenn der homosexuell begehrende Körper immer weiß ist, macht ein Coming Out es vielleicht unmöglich, nicht-weiß zu sein. Ich öffne den Wandschrank, komme raus und sage: Hallooo, hier bin ich, der Gayboy!, und wenn ich den Raum durchquert habe, durch die staunende oder tanzende oder betende Menge hindurch, und die Tür nach draußen öffne, komme ich schon wieder aus irgendeinem anderen Wandschrank heraus, diesmal als Katholik, und dann schon wieder, als Türke. Ein Wandschrank in einem Wandschrank in einem Wandschrank, argh. Und immer ist das Versteck am Werk. Und Hayati Terzi siehtdas Kirschbaumholz des Beichtstuhls an, ein Schrank, dessen Geheimnisse er noch nicht kennt. Und er selbst kommt sich vor wie die Geschwister aus C. S. Lewis’ Der König von Narnia. Hayati Terzi ist Peter und Edmund und Susan und Lucy. Er ist die Söhne Adams und die Töchter Evas, von denen eine alte Prophezeiung besagt, daß sie kommen und das Gute ins Zauberland Narnia bringen. Und am Ende werden sie in ihre Welt zurückkehren, und das gute Land Narnia wird in ihnen sein. Und irgendwo und irgendwann wird auch Hayati Terzi sich selbst sehen, im Dunkel der Beichte. Und er wird nicht mehr seiner Entdeckung und Vollbringung harren. Er wird rausgehen können. Und sein Leben, daß er für das außergewöhnlichste Leben überhaupt gehalten hat, wird vielleicht wie das aller anderen sein.

OH NEIN!


Diesseits des Schmerzes. Ja, als ich noch heterosexuell auftrat, hatte ich kein Problem damit, für die Rechte der Schwulen, Lesben und Transen zu werben. Dann kam ich aus dem Wandschrank, und das lähmte mich so sehr, daß ich sechs Jahre brauchte, bis ich mich wieder für die Rechte engagieren konnte, die man mir vorenthielt und sie gleichzeitig vorhielt, eine Karotte an einem Stock, und jetzt: hinterher! Na ja. Es waren ja auch ein paar Freiheiten hinzugekommen, worüber also jammern, mh? Jenseits des Schmerzes. Dort kommt dann die zweite Phase der Lähmung: merken, daß die erkämpften Freiheiten vor allem dem Wirtschaftssystem entsprangen, das ich so sehr haßte. Aber aus Haß wird manchmal schnell Liebe. Früher schrieb ich Manifeste über das politische Leben der Schwulen, heute verfasse ich Ratgeber:

How to survive in neoliberal times without really trying


Drag & drop. Als ich an Halloween vor vielen Jahren als Die Kindliche Kaiserin aus Die Unendliche Geschichte ging, sagte mein Exfreund zu mir: Ich liebe dich, wenn du dieses Kostüm trägst. Eigentlich wollte er sagen: Ich liebe ES, wenn du dieses Kostüm trägst. Doch ich überhörte seinen Fehler gern. Das ganze war eine ziemlich endliche Geschichte.


Erzählt Sissieretta Jones, eine der Frauen in der kleinen Runde, die, wenn jemand in das Ladenlokal käme, aussähe wie ein Treffen Anonymer Alkoholikerinnen oder Workaholikerinnen. Dabei ist dieses Gespräch im Trans Shop nur ein Zwischenstop auf der gemeinsamen Reise, die die vier

Welche Reise? Der ShoppingTrip? Oder der Trip in ihren weiblichen Körper? Frauen unternehmen.

Keine von ihnen hat im Paß oder auf der Kreditkarte einen weiblichen Namen stehen. Aber sie sind noch unterwegs, sie sind noch nicht in einem weiblichen Körper angekommen. SIND sie denn dann Frauen? Klar, Hauptsache, sie passen.

Passing: Jemand geht als Frau durch, auch wenn er es biologisch nicht ist. Shoppen und Passen! Und das im Trans Shop, einem der vielen Reiche, auf die jeder trifft, der einmal darüber nachdenkt, daß Geschlechter nicht nur sind, was sie sind. Die Reiche der Diven, der Prinzessinnen, der Elfen, der Nymphen, der Meerjungfrauen, der Go Go Girls, der Kurtisanen, der Könige, der Cowboys, der Matrosen, der Polizisten, der Handwerker, der Gladiatoren, der Jockbubies, der Lederdaddies, der Latexsissies, undundund.


Als nächste in der Runde erzählt Transsilvana von einem Verkehrsunfall, der ihr im vergangenen Winter eine ausgedehnte Amnesie bescherte. Nachdem der Truck der Fashion Week mich angefahren hatte, landete ich im Krankenhaus, wo ich erwachte, und zwar wo? Intensivstation, Männerabteilung. Und ich sah mir zwischen die Beine und sah, was da war, aber, obwohl ich alles andere vergessen hatte, dachte ich: Ich bin doch ne Frau. Aber so ist es nicht. Was ich bin, ist eben kein Ziel, das ich erreicht hab. Oder erreichen könnte. Was bin ich? Ein Raum voller Widersprüche. Widersprüche, weil die einen mich so sehen und die anderen so, so daß ich nie sagen könnte: Ich bin DAS. Selbst wenn ich mich daran erinnere, daß ich das mal war. Nur weil meine Erinnerung so stark ist, heißt das nicht, daß sie stimmt, daß ich sie einfach in die Realität rüberziehen kann.

Drag and drop!


Drag das Herumschleppen von Kostümen und Geschichten

drop das Fallenlassen aller möglichen Hemmungen und Ängste.

Der Versuch, etwas anderes zu sein – nicht: JEMAND anderes zu sein, sondern auf eine andere Art DA zu sein – trägt uns hinein in dieses andere Gefilde, das da heißt: kollektive Geschichte. Andersrum gesagt: Wenn alles nur Teil deiner persönlichen Geschichte ist, dann bist du auch selbst schuld, wenn du weniger teilhaben darfst, als du willst. Dann sind es DEINE Defizite, ist es DEINE schlechte Performance im Wettbewerb, und es hat nichts mit den Hierarchien von Geschlecht, Klasse und Herkunft zu tun. Also: Zurück zur

Theorie!

Oder: Therapie?


Neulich, in der Ausbesserungsanstalt: Ich hab mir immer vorgestellt, wie ich aussehen würde, wenn ich ganz Frau wäre und nicht nur meine Haare, meine Lippen oder meine Brüste. Wie kann ich damit umgehen, wenn ich keine echte Frau bin, aber daß ich doch, auf eine andere Art, Frau BIN? Das Feminine der Frau. Das Männliche des Mannes. Das Feminine des Mannes. Das Männliche der Frau. Was auch immer wir darstellen wollen, wir müssen es in Bildern tun. Unser Begehren bewegt sich, aber es bewegt sich nur in Bildern. Fantasies: Die Bilder und das Begehren laden sich gegenseitig auf, um zu verschmelzen. Nur dann, wenn das gelingt, können sich diese Bilder eine Zukunft vorstellen. Und damit auch wir.


Das Problem ist nur, wirft Barbie T. ein – allerdings erst später, als sie den anderen gerade ein silbernes Glitterkleid, knielang, mit breiten Trägern vorführt, das an die Kleider der Neunziger-R&B-Band En Vogue in ihrem Video My Lovin’ [You’re never gonna get it] erinnert –, das Problem ist, daß ich manchmal glaube, meine Hoffnung ist viel zu stark. – WHAT?!? – Manchmal fürchte ich, daß sich meine Hoffnung, ich werde irgendwann als Frau durchgehen, und nicht nur durchgehen, sondern auch durchs Leben gehen, daß sich diese Hoffnung nie erfüllen wird, daß sie aber viel zu groß ist, als daß ich sie aufgeben könnte. Und am Ende verhindert vielleicht diese Hoffnung, diese viel zu konkrete Hoffnung, daß ich glücklich werde. Und so sieht die Hoffnung manchmal aus wie eine Drohung, die Drohung, irgendwann gar nichts mehr zu sein, nicht mal das, was ich mal war. Und selbst als Drohung beruhigt mich das alles mehr, als wenn da gar nichts wär. – Jetzt mach es nicht wieder so melodramatisch, sagt Dagmar Diaphragma. Sogar im Melodram sind melodramatische Gesten inzwischen nicht mehr en vogue. Und Transsilvana ruft: Wen interessiert Melodram? Ich kann mit meinen Titten twerken!


JA! Wo die Transen sind, ist die Party! IMMER! Immer wird da, wo Transen sind, abgefeiert, so hart, daß ich regelmäßig für eine Woche nen Kater hab! Ohne meine Parties, sagt Transsilvana, würde ich nichts verdienen, nichts, und wenn ich nichts verdiene, verdiene ich automatisch auch nicht, daß man mich als Frau sieht. Das Kapital als Geld und das Kapital als Anerkennung fließen da in eins. Und, um ehrlich zu sein: Ich würde gern noch viel mehr Rendite abwerfen. – Und ich, sagt Dagmar Diaphragma, würde gern die Ideologie der Rendite abwerfen, die jede Immobilie, jeden Arbeitsplatz, jede Erzählung in Beschlag genommen hat. Sogar uns. Und was müssen wir uns dafür erzählen? Daß jede von uns ihr Leiden überwunden hat und jetzt immer, immer Spaß hat! Dabei fahren wir nach der Party im Taxi nach Hause und weinen, weil, sobald wir aufwachen, ein Tag beginnt, an dem wir wieder von vorn anfangen müssen, zu beweisen, wie wir sein können.

Und was bleibt von diesen Leben?


Trauer: Das, was den ganzen Körper ergreift und sich vielleicht nie in eine Geschichte drücken läßt, die Frage aller Fragen: To belong or not to belong? Die Trauer darüber, daß man nie so sein kann, wie man sein soll, aber auch nicht, wie man sein will. Immer komme ich mit meinem eigenen Körper in einen Raum. Warum kann ich nicht mit einem fremden Körper, diesem einen fremden, der ich so gern wär?

SCHLUSS MIT DER FEIER! HER MIT DER TRAUER!

Was sind diese Geschichten, die uns hoffnungsvoll machen, uns aber gleichzeitig zerstören, jeden Tag ein bißchen mehr? Diese Fiktionen sind nicht Illusionen, sie sind keine Lügen, sie sind mehr. Sie sind das, was uns in der Geschichte verankert. Oder eben nicht. Und wer bestimmt das? Was macht meine Geschichte beweglich, so daß sie sogar wandern kann, in einen anderen Körper? Und was zieht da Grenzen? Was verhindert meine unsagbare Geschichte?


Als wir noch lügen konnten, und es konnte nicht genug sein. Heute sind alle Beziehungen zur Ehrlichkeit verdammt. In etwa so: Ich hab dich gebeten, mir alles zu sagen, was dich bewegt, und du hast es nicht getan! Und vor allem habe ich mir selber geschworen, nachdem ich mit meiner letzten Beziehung zusammen den Bach runtergegangen war: Ich werde nie wieder lügen, mich selbst nicht mehr anlügen, deshalb kann ich auch nur noch auf mich selbst Rücksicht nehmen und nicht mehr auf dich. Und sobald die kleinste Sache nicht stimmt, nicht mit dem, was du in deinem Profil preisgegeben hast, übereinstimmt, bin ich weg. Willst du das von mir hören? Daß ich dich nicht mehr anlügen kann? Nein, sagst du, nein lüg mich BITTE lieber an!


Als es dann aus war zwischen uns, habe ich mich immer noch nicht getraut, ihr zu sagen: Ich liebe dich immer nur, wenn du dieses Kost체m tr채gst. Sonst nicht.


Out of my leak.

Wie hängen Liebe und Fantasie zusammen?, fragt sich Manuel Manuell, als er sein rechtes Handgelenk ausstreckt, auf das die Kassenfrau einen Stempel drückt, bevor sie dasselbe auf dem linken Handgelenk von Manuells Girlfriend macht. Er ist schwarzhaarig, sie blond, beide könnten mit ihren tausend Tattoos Hardcorekids der späten Neunziger des längst vergangenen 20. Jahrhunderts sein. Sie zeigen an der Bar ihre Tattoos und ihre Ausweise vor, überhören den Spruch des Barkeepers zu Manuells Namen [Dieser Name ist das, was in einem Gesicht ein Schnurrbart ist!] und setzen sich mit ihren Martinis, denn gleich beginnt die Show.


Brian Storm, der in dieser Show performen wird, der diese Show IST, die er performen wird, wartet hinter dem Lamettavorhang, und wie immer, setzt drei Minuten vor dem Auftritt das Lampenfieber ein. Brian Storm, in Nebraska geboren, über einige Umwege zurück nach Deutschland gekommen, wo seine Eltern geboren wurden – die Mutter als Kind namibischer Einwanderer –, brachte aus den USA die Minstrel Show mit. Im klassischen US-Showgeschäft ging das so: Weiße malten ihr Gesicht dunkel an, um Stereotype über Schwarze darzustellen. Brian Storm malt sein dunkles Gesicht noch dunkler an, um darzustellen, wie Weiße Stereotype über Schwarze darstellen. Die degradierendsten Fiktionen.

Grundkurs: Wie bin ich ein guter weißer [oder zumindest weiß wirkender] Mann? Indem ich mich schwarz anmale, denn dann gehen alle davon aus, die Haut darunter sei weiß.


Nie waren die Minstrel Shows allerdings für alle das gleiche. Immer führten die Performer ein Doppelleben: Für die Weißen war es Comedy, und dafür kritisierte die schwarze Intelligenzia sie, und für ein durchschnittliches schwarzes Publikum war dieselbe Show völlig unproblematisch. Bei Brian Storms Show dagegen redet niemand von unproblematisch. Nur sehen die einen die Show als Problem, und die anderen sehen, daß die Show auf genau das hinweist: auf ein Problem. Brian Storms Problem dagegen ist heute ein anderes: Wieso sitzt dieser Junge schon wieder im Publikum, der in Brians Blick erkennen wird, daß er ihn begehrt? Durch den Lamettavorhang sieht Brian Storm Manuel Manuell.


Manuell hat Storms Show schon drei Mal gesehen. Er, der heterosexuelle Siebenundzwanzigjährige, der schon immer, seit er denken kann, mit allen Schwulen geflirtet hat, deren Haut nur dunkel genug war. Die Anziehungskraft von racial love, ein klassisches Motiv in Literatur und Film, nicht nur im Porno. Doch natürlich, natürlich sind diese Flirts rein platonisch. Really, sagt Manuel Manuell regelmäßig zu seinen Freunden und seinem Girlfriend, ich bin mir meiner Heterosexualität sicher genug, um auch mit Schwulen zu flirten.

Grundkurs: Wie bin ich ein guter heterosexueller [oder zumindest: heterosexuell wirkender] Mann?


Nach der Show, eineinhalb Stunden nach der Show, als ein Großteil des größtenteils irritierten Publikums weg ist, als sich der Laden schon mit dem neuen Publikum gefüllt hat, dem Partypublikum, das hier zu R&B der Neunziger tanzen will, stehen Manuel Manuell und sein Girlfriend mit Brian Storm an der Bar. Und sie unterhalten sich über die Authentizität des Blackfacing, etwas, das es nie gab. Und sie unterhalten sich über Straight Acting, über diese Forderung schwuler Männer an andere schwule Männer: Wirke bitte, wie du willst, aber nicht schwul! Straight Acting, Gay Acting, besser als gar kein Acting, oder?, fragt Manuel Manuell. Und sie unterhalten sich, nein, eigentlich unterhalten sie sich nicht. Brian Storm schweigt. Manuel Manuells Girlfriend schweigt. Nur Manuel Manuell redet. Und um meine eigenen Privilegien zu reflektieren, sagt er gerade, habe ich vor, beim nächsten Karneval der Kulturen einen Stand für weiße heterosexuelle Männer aufzustellen.

Grundkurs: Wie bin ich ein guter heterosexueller, weißer Mann? Regel Nummer Eins: Immer so tun, als würde es richtig gut laufen, als gäbe es keine Probleme, weil du sowieso alles schaffst, was du versuchst.


Brian Storm wünscht sich in den Backstageraum. Aber nicht allein. Mit diesem Jungen. Und während er ihm zuhört, sieht er Manuel Manuell fragend an:

Deine Freundin steht neben dir und weiß Bescheid, doch sie kann nichts sagen. Auch das edelste und schönste Gesicht löst sich irgendwann auf und zeigt, was darunter liegt: Angst und Hoffnung und grenzenloses Begehren. Wann gibst du endlich nach? Bisher hab ich mich ziemlich inkonsequent gegen deine Verführungsversuche gewehrt. Dein Brustpanzer wird dein Herz nicht davon abhalten, höher zu schlagen, wenn du mich siehst. Aber du, du läßt dich nicht verletzen. Früher waren die Indie- und Hardcorekids die verletztlichen, die in der Schule herumgeschubst wurden und dennoch – oder gerade deshalb – zeigen konnten, daß sie nicht nur stark waren. Heute sind sie bis unter die Zähne bewaffnet, ausstaffiert mit dem neuesten Modepomp und einem Regelwerk, das alles an ihnen zur Profession macht. Und die glatten Prinzen und Prinzessinnen, die früher als zu gut aussehend galten, zu glatt, sind die guten Seelen, die Liebe suchen. Und ich glaube, so jemanden, so einen glatten, zu gut aussehenden Jungen muß ich mir suchen. Mach dich nicht lächerlich. Nimm mir nicht meine Lächerlichkeit! Sie ist das einzige, was ich noch habe.


Doch das alles existiert gar nicht, dieses Gespräch. Eigentlich sagt er nie was, wenn wir miteinander reden. Und ich sage auch nie was. Und indem wir beide diese Geschichte zurückweisen, die uns verbindet, inszenieren wir die Geschichte dieser Zurückweisung. Und diese Inszenierung verbindet uns umso mehr. Vielleicht reicht das auch. Vielleicht müssen wir uns immer wieder begehren UND zurückweisen. Wie sagte damals Michelle Williams in Dawson’s Creek? See, the kiss is just the end result. It’s not what’s important. It’s all about desire and wanting.


Mein Exfreund hatte immer einen einzigen Gesichtsausdruck, egal ob er fröhlich war, wütend oder traurig. Wenn ich ihm etwas Zärtliches sagte, sah er mich genauso an wie in den Momenten, in denen ich ihm Vorwürfe machte oder weinte. Und egal, was ich aufbot, welche Geschenke, welche Landschaften, welche Welten ihm meine Galanterie offerierte, in diesem Gesicht zeigten sich nie Verzückung oder Begeisterung. Und doch gab es einen Ort, an dem sich das änderte, an dem dieses Gesicht aufbrach und darunter ein anderes zum Vorschein kam, und dann noch eins und noch eins. Es waren so viele. Es waren unendlich viele Gesichter, in jeder Sekunde, und in jeder neuen Sekunde wieder, immer wieder neu. Der Ort, an dem das passierte, war das Bett, zu den Stunden, als ich ihm den Krieg erklärte und in ihn hineinstieß. Und ich habe es verpaßt, genau dann, in diesen Momenten, das Gespräch zu führen, das Gespräch, von dem ich weiß, wir hätten es führen müssen, das Frage-Antwort-Spiel: Was zum Teufel denkst du, wenn ich dich ficke? Und wo bist du dann? In welchen Wäldern, Steppen, Wüsten, Burgen oder Labyrinthen treibst du dich dann herum? Denn er war dann mehr. Und ich auch. Wir beide waren dann mehr. Und nur dann. Nur dann waren wir nicht nur der eine und der andere, die aufeinander paßten, zufällig. Auf einmal sah ich, daß in diesem Gesicht so viel lag, was auch möglich war. Doch es blieb immer nur möglich. Und ich wußte nicht, ob ich das an ihm lieben sollte, oder ob es genau das war, was verhinderte, daß er mich liebte.


Royalty of loyalty.


Langsam bin ich es leid, daß ich in den Fantasywelten wie in den Realitywelten immer dasselbe sehe: Ungleichheit! sagt Oleksandra Shwetz am Ende eines langen Spielabends zu ihrer Rollenspielgruppe Gay and Lesbian Nerds. Wieso ist das, was das moderne Staatswesen ausmacht, die relative Gleichheit aller, nie in der Fantasy angekommen? Hierarchien leben unbekümmert fort, sprechen weiter von minderen und höheren Rassen und sind sexistischer, als es die Reality zuläßt. War Fantasy nicht mal ein Ort der sozialen Visionen? – Nein. Eigentlich war sie schon immer verdammt reaktionär. – Hört doch auf, über Begriffe zu diskutierten. Ich will mal wieder berührt werden! Ich will nicht immer Begriffe! – Und was ist, wenn die Begriffe dich berühren?


Ich habe mich zum Beispiel nie als Lesbe gesehen, sagt Oleksandra Shwetz, obwohl ich selbst im Kindergarten in Lemberg schon eine Freundin hatte und nie einen Freund. Dennoch würde ich nie sagen: Ich bin Lesbe. Vielleicht bin ich mit anderen Frauen zusammen lesbisch, aber nie allein. Lesbe ist für mich keine Identität, sondern eine Form der Kritik, Kritik daran, daß alles, was zählt, heterosexuell und patriarchal ist oder zumindest möglichst so aussehen soll. All that straight, male acting. Und am Ende ist alles so straight, daß man erst recht sieht, wie instabil


Wieso ist die Gleichheit aller nie in der Reality angekommen? Und erst recht nicht in der Realität? Siehe in der Rollenspielgruppe: Ryyua Kimura, der, egal was er macht, immer die Rolle des Zwergs erwürfelt – als einziger Kleinwüchsiger in der Gruppe. Und als einziger Japaner.

Wieso habe ich das Gefühl, den weißen Schwulen und Lesben reicht es völlig, daß sie sich verpartnern dürfen und in Maßen adoptieren? Befreit vom Stigma, irgendwann an Aids zu sterben, dank Anti-Aids-Pille auch befreit von der Angst, sich zu infizieren, müssen sie sich nur noch mit sich selbst identifizieren.

Und was ist mit denen, die diese Privilegien nicht haben?: die richtige Hautfarbe, die richtige Konsumkapazität, das klare Geschlecht oder den intakten, schönen Körper.


Das Zeitalter der langen Feldzüge ist vorbei: Gruppen treffen sich nicht mehr jahrelang einmal die Woche, weder um mit Farben Transparente zu malen, noch um mit Bleistift und Papier Kämpfe auszutragen. Solidarität muß eben neu definiert werden. Vielleicht können wir uns an Wolfgang Schäuble orientieren, der Solidarität ja auch eher als Solidität sieht. Geben und Nehmen UND Doch wer um

Nehmen.

Anerkennung kämpft, läßt

gern einiges zurück, läßt gern einige andere zurück.

Hauptsache, der Staat, in dem ich lebe, liebt mich. Hauptsache, ich bekomme mehr Rechte. Hauptsache, ich darf mich an diesen Optimierungsprozessen beteiligen, die uns zu guten Konsumenten machen und extrem lange leben lassen. Wie können wir sichtbar werden, ohne zum Spektakel degradiert zu werden, zum Spektakel einer Nation? Die Rückkehr der Nationalstaaten, nicht auf die Agenda der Weltpolitik, dort waren sie ja nie verschwunden. Die Nationalstaaten in uns. Wir setzen alles daran, von ihnen geliebt zu werden – und wenn wir dafür auf andere zeigen müssen, die das nicht verdient haben wie wir. Da, ein Hartz IV-Empfänger. Da, ein Muslim. Da, ne terroristische Transe.


Neulich, im Aufenthaltsraum, nein, im Aufenthaltsgenehmigungsraum:

Ich diskutierte mit den anderen, die dort saßen, was Überbevölkerung heißt. Und irgendwann wußte ich nichts mehr, ich hatte das Gefühl, gar nicht darüber nachdenken, geschweige denn sprechen zu können. Und ich sah meine Sprache an, und ich sah, daß sie selbst vollkommen besiedelt war, übervölkert durch die Absichten anderer. Und ich wußte nicht, wie das ändern.


Brauchen wir dafür nicht doch die Fantasies? Und wie sähe so ein fantastisches Rollenspiel aus, in dem niemand unter den anderen gestellt wäre und damit nicht-normal? In dem der Schwächere nicht für den Stärkeren kämpen müßte, nur weil der die Norm erfüllt und in dieser Norm so groß und erhaben scheint? Wie ginge das anders? Wie kriegen wir die Krieger queer? Vom Role Play im Bett zum Rollenspiel auf dem Schlachtfeld Gesellschaft. Ein riesiges Live-Rollenspiel, in dem jeder ausnahmsweise nicht sich selbst spielt. Am Anfang wird für jeden ein Profil erwürfelt.

NEEEEEIIIIIIIIN!


Manchmal habe ich Angst, daß die anderen mich anschauen und statt dem, was sie sehen sollen, was anderes sehen. Daß sie nicht sehen, daß ich dieselben Gefühle in mir habe wie sie. Ist das so? Und warum sprach man vor zwei Jahrhunderten mal nicht mehr über den universellen Menschen und dessen Gefühle, sondern über Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse? Also: Wirf doch dein Profil mit Gefühl bitte über Bord. Das erwartest du von mir? Daß ich alles wegwerfe an Bildern? Daß ich keine Lust mehr auf sie habe? Und das nur, weil ich jahrzehntelang unsichtbar gemacht wurde oder als Freak in die Sichtbarkeit gezerrt? Deshalb soll ich die Bilder anderen überlassen? Nein. Nein, nein. Kein Bilderverbot. Aber auch kein Bildergebot. Ich weiß doch auch nicht. Woher soll ich ahnen, was von uns übrigbleibt? Die Angst, alles zu dekonstruieren, und nichts bleibt mehr. Und jetzt entschuldige mich, aber wenn du eh nichts bleibst, geh ich wandern.


Erinnert sich irgendjemand noch an die wandernden Gesellen? An die, die durch die Länder zogen, um neben der Arbeit auch das Leben zu lernen? Sie wanderten und wanderten, und sie tun es immer noch, und egal, wo sie hinwandern, sie sind dort fremd. Fremdgeschriebene, wie es heißt. Vielleicht ist das, was uns verbindet, genau das: Daß wir wandern. Von einem Land, in dem wir oder unsere Vorfahren geboren wurden, in dieses Land. Von einem falschen Körper in einen richtigen. Von einem Leben im Versteck zu einem in Offenheit. Es ist eine Wanderschaft, auf der wir immer Fremde bleiben werden, Fremdgebliebene, Fremdgeschriebene. Eine Wanderschaft, auf der ich, wenn ich nicht möchte, keinen Kilometer zurücklegen muß, und dennoch wird sie niemand unterbrechen. Nie wird sie unterbrochen sein.

Wanderland. Wunderland. Also:


Was wäre, wenn ich nicht mehr geliebt werden wollte, sondern nur noch lieben? Wenn ich das, wofür du kämpfen mußt, weil dieses Land dich nicht dafür lieben will, genau das wäre, was ich an dir liebte? Was wäre, wenn du und ich uns lieben könnten, und zwar von unseren Kämpfen aus? Ich will dir lauter zärtliche Dinge antun, eins nach dem anderen. Oder ist es zu spät? Zu früh? Weder noch. Unsere Geschichte existiert nur im Konjunktiv. Besser als nirgendwo, mh?


Bildrechte: Jörg Albrecht Außer S. 27 und S. 34: Immanuel Giel, http://de.wikipedia.org/wiki/Beichtstuhl#/media/ File:Jesuitenkirche_Mannheim_Beichtstuhl.jpg © für den Text: BR 2015/Jörg Albrecht

Jörg Albrecht: Fiction Victims – The essay  
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