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Im Fokus

Inforeihe des

Forum Seniorenarbeit NRW

Dialog

Grenzen KDA

Speaker’s Corner LaS

FoGera

Kooperation

Workshops

Partizipation älterer Menschen im Gemeinwesen fordern, fördern Worldcafé und zulassen

Qualität

Qualifizierung

Austausch

lagfa

Podium

nachhaltig

ZWAR

Chancen

LSV

Theater

Engagement

Teilhabe Selbstorganisation Potenzial EEB

Paritätische Akademie

Herausforderung

RUBICON

Beteiligung

Ausgabe 02 | Januar 2013 | www.forum-seniorenarbeit.de

Dokumentation der 1. Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit NRW (29./30.10.2012)

Das Forum Seniorenarbeit ist ein Projekt des


Impressum Herausgeber: Forum Seniorenarbeit c/o Kuratorium Deutsche Altershilfe e. V. An der Pauluskirche 3, 50677 Köln Tel.: 02 21 / 93 18 47-0 Fax: 02 21 / 93 18 47-6 info@forum-seniorenarbeit www.forum-seniorenarbeit.de V. i. S. d. P.: Peter Michell-Auli Redaktion: Gabi Klein Fotos: Forum Seniorenarbeit NRW Satz: Sabine Brand, typeXpress, Köln Im Fokus ist die halbjährlich erscheinende Inforeihe des Forum Seniorenarbeit NRW. Der Nachdruck zu nichtkommerziellen Zwecken und die Verbreitung der unveränderten PDF-Version (www.forum-seniorenarbeit.de) sind ausdrücklich erlaubt. Im Fokus erscheint halbjährlich. Wenn Sie sich beteiligen möchten, kontaktieren Sie uns bitte: gabi.klein@kda.de Wir danken allen, die sich mit Beiträgen und Fotos an dieser Ausgabe beteiligt haben! Sie möchten „Im Fokus“ und den Online-Newsletter des Forum Seniorenarbeit kostenlos abonnieren? Bitte tragen Sie sich in den Verteiler ein: www.forum-seniorenarbeit.de/Aktuelles/Newsletter

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Inhalt dieser Ausgabe

Grußwort Staatssekretärin Marlis Bredehorst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Partizipation und Lebensqualität – Partizipationserfahrungen aus der Praxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Prof. Dr. Dietmar Köster /Vera Miesen, Forschungsinstitut Geragogik

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„The long and winding road” oder: Von den Schatten der Partizipation – Möglichkeiten, Herausforderungen und Grenzen von Partizipationsprozessen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cornelia Harrer, Der Paritätische / Dinah Igelski, Paritätische Akademie NRW

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Leben im Quartier – Partizipation. Voraussetzungen und Erfahrungen aus der Praxis am Beispiel der ZWAR-Netzwerke . . . . . . . . . . . . . Anne Remme, ZWAR Zentralstelle NRW

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EFI – Erfahrungswissen für Initiativen Wie Kommunen und Bildungseinrichtungen Bürgerinnen und Bürger unterstützen können, ihre „Tagesdosis an Bedeutung für andere“ (Klaus Dörner) zu gestalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dieter Zisenis, Evangelisches Zentrum für Innovative Seniorenarbeit „Jede Jeck is’ anders …!?“ Interkulturelle Öffnung und Diversität in der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit am Beispiel von zwei Nordrhein-Westfalen-Projekten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gabi Klein, Kuratorium Deutsche Altershilfe

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Virtuelle Partizipation Lokale Treffpunkte und Kommunikationswege im Internet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Daniel Hoffmann, Kuratorium Deutsche Altershilfe

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„Komm’ inne Stadt – wenn da (noch) was los ist!?“ Seniorenbüros in ländlicher Region gestalten Partizipationsprozesse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jutta Ehlting, Seniorenbüro Bocholt / Ursula Woltering, LaS NRW

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Seniorenvertretungen – Motor für Partizipation im Gemeinwesen… und ein Gewinn für Kommunen, wenn sie wollen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Barbara Eifert, Institut für Gerontologie, wissenschaftliche Beraterin der Landesseniorenvertretung NRW

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Wir „Alten“ können viel mehr, als man uns machen lässt Erfolgsfaktoren zur Förderung von Partizipation in der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit . . . Johannes Mehlmann, Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Nordrhein-Westfalen

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Ein Programmpunkt am Abend: „Andere Ufer“ Schwul-lesbisches Altentheater-Ensemble „Gold + Eden“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Ein gelungener Abschluss: Das Worldcafé . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Nachbericht zur 1. Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit Nordrhein-Westfalen . . . . . . . . . . . . .

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Ausblick: 2. Herbstakademie: 23. und 24. September 2013 in Gelsenkirchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Grußwort Marlis Bredehorst, Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen

Foto: Torsten Stecher

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as selbst­ bestimmte Leben in einer solidarischen Gesellschaft wird immer mehr zu einem Leitziel, einem Grundwert in der älter werdenden Gesell­ schaft . Für das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter ist es das zentrale Motto unserer Politik . Es ist ein weitreichendes Ziel, weil es den Anspruch hat, ein Leitziel für alle Menschen in Nord­ rhein­Westfalen zu sein . Das bedeutet, dass der Grundwert der Selbstbestimmung gleichermaßen für Frauen und Männer, für ältere Menschen mit Migra­ tionsgeschichte, für Menschen mit Behin­ derungen, für Menschen in sozialer oder in materieller Armut unabhängig von politischer, religiöser oder sexueller Orientierung gilt . Das Markenzeichen der solidarischen Ge­ sellschaft ist es, dass sie allen Menschen eine Teilhabe an den Gütern und Dienstleistungen der Städte und Gemeinden ermöglicht und die Voraussetzungen für alle Menschen schafft, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten .

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Die Selbstbestimmung der älteren Menschen, die Altersgerechtigkeit unserer Städte und Gemeinden wird nur durch ein mehr an Mitbestimmung der Älteren gelingen! Sie sind die Experten für die notwendigen Rahmenbedingungen, damit Selbstbestim­ mung gelingt . Ihren Rat, ihre Mitwirkung, ihre Mitbestimmung – bei gesundheitlichen Einschränkungen oftmals auch gemeinsam mit ihren Angehörigen – einzuholen, ist eine zukunftsweisende Gestaltungsaufgabe vor­ sorgender und nachhaltiger Politik . Die „1 . Herbstakademie 2012 – Partizi­ pation älterer Menschen im Gemeinwesen fordern, fördern und zulassen“ des Kurato­ riums Deutscher Altershilfe hat – im Ver­ bund mit der Landesseniorenvertretung, mit der ZWAR­Zentralstelle, mit den Gruppen „Erfahrungswissen für Initiativen“, mit den Freiwilligenagenturen, mit den Senioren­ büros, mit der Paritätischen Akademie, mit dem Forschungsinstitut für Geragogik und mit dem Sozialwerk Lesben und Schwule – deutlich gemacht, wie weitreichend Teilhabe und Mitbestimmung möglich sind, wenn Ältere im Gemeinwesen durch verbindliche Strukturen und Angebote eingeladen wer­ den, verantwortungsvoll an dieser Zukunfts­ aufgabe mitzuwirken .

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Die zweite Ausgabe des „Im Fokus“ verdeut­ licht anhand der Ergebnisse der Herbstaka­ demie, wie wichtig demokratisch legitimierte und mit Beteiligungsrechten ausgestattete Seniorenvertretungen sind . Ihr Blick auf die altersgerechte Gestaltung der Quartiere kann durch andere Expertise nicht ersetzt werden . Daher setzt sich die Landesregierung für die weitere Verbreitung kommunaler Senioren­ vertretungen ein . Und: Städte und Gemeinde profitieren immer mehr vom Ideenreichtum und der Gestaltungsbereitschaft der Älteren, wenn sie aktiv die Bereitschaft der Älteren zum bürgerschaftlichen Engagement nutzen und ihrem Wunsch entsprechen, sich selbst in – manchmal neuen sozialen – Gruppen zu organisieren . Neue Formen der Mitbe­ stimmung an der kommunalen politischen Willensbildung und neue Möglichkeiten, die kreativen Potenziale der Älteren zu wecken, sind sich ergänzende Voraussetzungen, damit perspektivisch Selbstbestimmung immer besser gelingt . Ich begrüße sehr, dass eine zweite Herbst­ akademie – in diesem Jahr in Gelsenkirchen – den erfolgreichen Start fortsetzen wird . Dabei sollen die Mitwirkung und ­bestimmung bisher eher nicht beteiligter Älterer in den Fo­ kus gestellt werden . Das ist notwendig, weil manche Älteren bisher noch von den neuen

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Partizipationsstrukturen ausgeschlossen sind . Ich lade alle ein, in einem partizipativen Prozess kreativ daran mitzuwirken, dass auch die nächste Akademie ein voller Erfolg wird und wo möglich neue Formen und Inhalte für eine weitreichende Selbstbestimmung für alle Älteren entstehen . Sie zu unterstützen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe . Ich wünsche den Leserinnen und Lesern des neuen „Im Fokus“ viele Anregungen und Impulse, am Aufbau von neuen Initiativen für mehr Mitbestimmung aller Älteren in Nord­ rhein­Westfalen mitzuwirken .

Marlis Bredehorst, Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen

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Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, die – bundesweit – 1 . Herbstakademie „Partizipation älterer Menschen im Gemeinwesen fordern, fördern und zulassen“ birgt viele Hoffnungen und viel Potenzial für Veränderungen, vielleicht aber auch für Missverständ­ nisse, denn: Bei allen Teilnehmenden der Akademie gab und gibt es einen hohen Kommunikationsbedarf und es gibt den Wunsch und Willen, Partizipation zu lernen und auszubauen . Alle Beteiligten haben sich an beiden Tagen darauf eingelassen, aus unterschiedlichsten Perspektiven in einem Dialog über die im demographischen Prozess der Alterung notwendigen Innovationen für eine stärkere Teilhabe der Älteren zu beraten, Dabei ging es um Modelle der Teilhabe der Älteren selbst und um die dafür notwendigen Strukturen in den Städten und Gemeinden . Mit dem neuen Format einer Herbstakademie tragen die an der Vorbereitung beteiligten Träger dazu bei, die in den vergangenen Jahren in Nordrhein­Westfalen erfolgreich entwickelten Konzepte zur Partizipation in eine breitere Fachöffentlichkeit zu tragen und eine Plattform für einen wechselseitigen Austausch über erfolg­ reiche Impulse für den Ausbau von Teilhabe vor Ort zu geben . Der direkte Dialog bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, mit den Urheberinnen und Urhebern der Modelle in direkten Kontakt zu kommen . So konnten die vorgestellten Projekte nach den Erfolgsfaktoren gefragt werden und eine Übertragbarkeit mit den jeweili­ gen Rahmenbedingungen der eigenen Stadt verglichen werden . Die Akademie war so auch eine Plattform für Transfer von Partizipationsangeboten und ­strategien . In Kleingruppen mit maximal 20 Personen wurde es möglich, dass alle Teilnehmenden ihren Erfahrungs­ hintergrund einbringen konnten . Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dass die Teilnehmenden in zahlreichen Aktivitäten die Möglichkeit hatten, ihr persönliches Netzwerk auf­ und weiter auszubauen . Neben der Rahmenplanung bedarf eine solche Veranstaltung aber auch vieler weiterer Akteure, die sich in die Planung und Ausgestaltung der Tage eingebracht und maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben: Die Moderatorinnen Barbara Eifert und Eva­Maria Antz, die uns durch die beiden Tage begleiteten, die Podiumsteilnehmerinnen und ­teilnehmer, die Referentinnen und Referenten und Projektmitarbeitenden, die die Impulse in den Workshops gestaltet haben und die Teilnehmenden, die durch ihre aktive Mitwirkung und Offenheit viele neue Facetten beigesteuert haben . Dafür ein herzliches Dankeschön! Ganz besonders danken möchten wir dem Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein­Westfalen, dass es dem Kuratorium Deutsche Altershilfe im Rahmen des Projekts Forum Seniorenarbeit Nordrhein­Westfalen ermöglicht hat, ein entsprechend innovatives Fortbildungsformat anbie­ ten zu können . Die vorliegende Dokumentation gibt einen lebendigen und dynamischen Einblick in das Geschehen der Herbstakademie, kann aber das persönliche Erleben und die Teilnahme nicht ersetzen . Für die Eigenberichte aus den neun Workshops danke ich den Autorinnen und Autoren, die durch ihren Stil und durch die themati­ sche Vielfalt ihrer Inhalte eine lebendige Broschüre ermöglicht haben . Die ermutigenden Rückmeldungen im Anschluss an die Veranstaltung zeigen, welcher Bedarf an modernen Qualifizierungskonzepten existiert und welche Impulse in der Seniorenarbeit in den Regionen Nordrhein gesetzt wurden .

Weitere Informationen zur

Daniel Hoffmann Kuratorium Deutsche Altershilfe Projektleiter Forum Seniorenarbeit

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1. Herbstakademie auf www.forum-seniorenarbeit.de/ herbstakademie

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Partizipation und Lebensqualität – Partizipationserfahrungen aus der Praxis Prof. Dr. Dietmar Köster /Vera Miesen, Forschungsinstitut Geragogik In der Gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit steht die Förderung von Partizipationsprozessen im Zentrum. Dabei kann von dem Grundsatz ausgegangen werden, dass der Stadtteil eine wichtige Ressource für das Alter und das Alter eine wichtige Ressource für den Stadtteil ist. Die Umsetzung dieses Leitgedankens in die soziale Praxis von Partizipationsprozessen ist die große Herausforderung. Der Workshop befasste sich u. a. mit folgenden Fragen: Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Partizipation und Lebensqualität? Welche Lernprozesse finden bei der Umsetzung von Partizipationsprozessen statt? Welche Beteiligungsmethoden eignen sich in der Seniorenarbeit für das Quartier? Welche Möglichkeiten der beteiligungsorientierten Befragung gibt es? Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Selbstbestimmt – mein Quartier gewinnt (PiA 2)“ Zur Einführung in den Workshop wurde das vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein­ Westfalen geförderte und vom Forschungsinstitut Geragogik durch­ geführte Projekt „Selbstbestimmt – mein Quartier gewinnt (PiA 2)“ vorgestellt . PiA 2 ist Folgeprojekt des Projektes „Partizipation im Alter in den Kommunen Nordrhein­Westfa­ lens“, welches in vier exemplarisch ausgewählten Modellkommunen in Nordrhein­Westfalen Partizipations­ prozesse älterer Menschen initiierte . Nach einer Laufzeit von drei Jahren wurde das Projekt 2010 verlängert, um die bereits aufgebauten Struktu­ ren in den zwei Kommunen Gladbeck und Troisdorf weiter auszubauen und nachhaltig im Quartier zu verankern . Der Beitrag stellt zunächst zentrale Projektergebnisse vor . Abschließend werden einige Aspekte aus der Dis­ kussion des Workshops dargestellt . Ziel des Projektes „Selbstbe­ stimmt – mein Quartier gewinnt (PiA 2)“ ist die Entwicklung eines integrativen Gesamtkonzeptes für ein Quartier, das der Vielfältigkeit und den unterschiedlichen Phasen des Alters gerecht wird . Dabei liegt die

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Leitthese zugrunde, dass ältere Men­ schen dann bereit sind, sich in ihrem Stadtteil zu engagieren, wenn sie dadurch erwarten, ihre Lebensqualität zu verbessern . Zentrale Aufgabe im Projekt ist der Ausbau des Vertrauens der Senior/­innen hinsichtlich der be­ reits laufenden Partizipationsprozes­ se . Konzeptionell basiert das Projekt daher auf dem Prinzip der Gemein­ wesenarbeit (Hinte u .a . 2007) . Das Forschungsdesign Im Sinne eines praxeologischen Forschungsansatzes (Bourdieu/ Wacquant 1996) sind die Senioren

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und Seniorinnen integrativer Be­ standteil des Forschungsprozesses im Projekt . Die Senior/­innen wirken z . B . bei der Entwicklung der Frage­ bögen für die schriftliche Befragung mit und bestimmen gemeinsam mit den anderen Projektakteuren die thematischen Handlungsfelder . Diese praxeologische Forschungsstrategie bricht mit soziologischen Theorien, die verschiedene Formen von Wissen wie beispielsweise das „Alltagswis­ sen“ der Senior/­innen sowie das „Expertenwissen“ der Wissenschaft­ ler hierarchisieren und bewerten (siehe auch Dölling 2011) .

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Ausgewählte empirisch gestützte Ergebnisse 1 . Notwendige Voraussetzung zur Initiierung von Partizipationspro­ zessen ist die aktive Unterstüt­ zung durch die Stadtspitze . Ist authentische Partizipation (und damit auch die „Machtabgabe“ an die Senior/­innen) nicht wirklich gewollt und werden dazu keine ausreichenden personellen Res­ sourcen zur Verfügung gestellt, ist dieser zeitaufwendige Prozess nicht umsetzbar . 2 . Damit Partizipationsprozesse nachhaltig im Quartier verankert werden können, sind zu Beginn klare Strukturen aufzubauen . Die­ se sind jedoch immer wieder an die aktuelle Situation anzupassen . So ergab sich im Projektverlauf eine unterschiedliche Ausdiffe­ renzierung der Projektstrukturen in den beiden Modellkommunen . Neben einer Steuerungsgruppe mit den zentralen Projektakteuren sowie der Gruppe der „Ansprech­ partner“, die sich aus Vertretern der Stadtverwaltung, der Senio­ renvertretung sowie Senior/­innen

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aus dem Stadtteil zusammensetzt, entstand in Gladbeck zur stärke­ ren Verankerung des Projektes im Stadtteil ein Runder Tisch, zu dem Akteure (Wohlfahrtsverbän­ de, Vereine etc .) sowie Senior/­in­ nen aus dem Stadtteil eingeladen werden . Zudem eröffnete die Stadtverwaltung in Kooperation mit den Wohlfahrtsverbänden, dem Seniorenbeirat und weiteren Kooperationspartnern ein Senio­ renbüro im Stadtteil . In Troisdorf gelang es durch die Durchführung einer aktivierenden Befragung (Lüttringhaus/Richers 2003), Senior/­innen für die Mitarbeit in der Gruppe der Ansprechpart­ ner zu gewinnen und damit das Projekt stärker im Sozialraum zu verankern . 3 . Für den Kontaktaufbau zum For­ schungsfeld und den dort leben­ den Senior/­innen ist die Rolle der „Gatekeeper“ von enormer Bedeutung . Saul D . Alinsky sieht den Kontaktaufbau zu diesen Personen, die er als „leader“ bezeichnet, als vordringlichste und schwierigste Aufgabe des

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Hauptamtlichen (Alinsky 1973) . Nach Alinsky sei hierfür nicht auf formale Methoden, wie beispiel­ weise die schriftliche Befragung zurückzugreifen, sondern auf Nachforschungen, die enorm zeit­ aufwendig sind . In Troisdorf hat sich eine aktivierende Befragung bewährt . Sie generierte sowohl zusätzliches Wissen über das Quartier, ebnete den Weg für Ver­ änderungen der Verhältnisse und stärkte den Aufbau von Vertrauen bei den Senior/­innen . 4 . Bei allen beteiligten Akteuren sind Lernprozesse zu identifizie­ ren . Nicht nur die Senior/­innen lernen, sich selbstbestimmt neue Formen der Partizipation anzu­ eignen . Auch die Institutionen lernen, sich zu verändern, um Strukturen zu schaffen, Partizipa­ tion überhaupt zulassen . Zudem lernen Hauptamtliche sowie Frei­ willige, sich mit dem Umfeld der Senior/­innen vertraut zu machen, beispielsweise durch gemeinsam durchgeführte strukturierte Stadt­ teilbegehungen . 5 . Der Quartiersbezug bei der Initiie­ rung von Partizipationsprozessen ist zur Aktivierung der Senioren und Seniorinnen von zentraler Bedeutung . Wenn sich das En­ gagement auf das direkte Wohn­ umfeld auswirkt und damit eine Verbesserung der Lebensqualität verbunden ist, sind Senior/­innen am ehesten bereit, sich zu enga­ gieren . 6 . Eine zentrale Herausforderung für die gemeinwesenorientierte Senior/­innenarbeit wird weiter­ hin die gezielte Ansprache bil­ dungs­ und sozialbenachteiligter Älterer sein, um soziale Ungleich­ heit im Alter nicht zu verstärken, sondern zu kompensieren .

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Aspekte aus der Diskussion Zentrale Fragestellung der im Workshop geführten Diskussion war die Frage nach Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für Partizipa­ tion . Hier wurde betont, dass neben der Bereitstellung von Ermögli­ chungsstrukturen, wie beispielsweise von Räumlichkeiten und finanziellen Mitteln die Haltung der Haupt­ und Ehrenamtlichen von Bedeutung sei . Diese Haltung ist zum einen gekenn­ zeichnet durch ein Vertrauen in das Potenzial der Zivilgesellschaft und zum anderen durch einen „langen Atem“, der für Partizipationsprozesse von Bedeutung ist . Zudem sind Kompetenzen der Sozialen Arbeit und auch Kompeten­ zen im Bereich der Konfliktlösung notwendig, da Partizipation immer auch mit Aushandlungsprozessen verbunden ist . Wichtig sei auch eine Vernetzung von Institutionen und Akteuren in der Senior/­innenarbeit, welche jedoch durch Konkurrenzen zwischen Trägern teilweise erschwert werde . Für eine nachhaltige Arbeit und eine tragfähige Basis von Partizipations­ prozessen sei ein Aufbau von klaren Strukturen notwendig . Dazu gehört neben einer Verteilung von institu­ tioneller Verantwortung eine breite Basis an Haupt­ und Ehrenamtlichen sowie eine klare Unterstützung durch die Stadtspitze .

Literatur Alinsky, S. D. (1973): Leidenschaft

Lüttringhaus, M./ Richers, H.

für den Nächsten. Burckhardt-

(2003): Handbuch aktivierende

haus-Verlag: Gelnhausen/Berlin.

Befragung. Stiftung Mitarbeit:

Bourdieu, P./Wacquant, L. D.

Bonn.

(1996): Reflexive Anthropologie.

Schwentker, B. /Vaupel, J. W.

Suhrkamp Verlag: Frankfurt.

(2011): Eine neue Kultur des

Dölling, I. (2011): Pierre Bourdi-

Wandels. In: Aus Politik und Zeit-

eus Praxeologie – Anregungen für

geschichte. 10–11/2011, Beilage

eine kritische Gesellschaftsanaly-

zur Wochenzeitung Das Parla-

se. Zeitschrift der Leibniz-Sozietät

ment, S. 3–10.

e. V. 09/2011. Glatzer, W./ Zapf, W. (1984): Lebensqualität in der Bundesrepublik. Campus-Verlag: Frankfurt a.M./New York. Grymer, H./Köster, D./Kraus, M./ Ranga, M.-M./Zimmermann, J.-

Zu den Autor/-innen, die gemeinsam den Workshop gestalteten:

Ch. (2005): Altengerechte Stadt

Prof. Dr. Dietmar

– Das Handbuch. Wuppertal:

Köster ist Ge-

RevierA GmbH.

schäftsführer des

Hinte, W./Lüttringhaus, M./Oel-

2002 gegründeten

schlägel, D. (2007): Grundlagen

Forschungsinsti-

und Standards der Gemeinwesen-

tuts Geragogik

arbeit. Juventa Verlag: Weinheim

(FoGera). Es ist

und München.

die derzeit einzige

Holzkamp, K. (1993): Lernen.

außeruniversitäre

Subjektwissenschaftliche Grund-

Institut zum The-

legung. Campus Verlag: Frankfurt

ma „Alter und Lernen“ in Deutsch-

a. M.

land und steht für praxisbezogene

Kessl, F./Otto, H.-U./Ziegler, H.

Forschung zum Lernen im Alter, mit

(2005): Einschließen oder Auf-

Älteren und über das Alter.

machen? Der Raum, sein Kapital und deren Nutzer. In Riege, M./

Vera Miesen ist

Schubert, H. (Hrsg.): Sozialraum-

wissenschaftliche Mitarbeiterin des

analyse: Grundlagen – Methoden

Forschungsinsti-

– Praxis. VS Verlag: Wiesbaden,

tuts Geragogik.

S. 177–190. Köster, D./Schramek, R./Dorn, S. (2008): Qualitätsziele moderner SeniorInnenarbeit und Altersbildung. Das Handbuch. Oberhausen. ATHENA Verlag.

Kontakt: Forschungsinstitut Geragogik e. V. Alfred-Herrhausen-Straße 44 58455 Witten Tel.: 0 23 02 / 9 15-2 71 koester@fogera.de miesen@fogera.de www.fogera.de

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„The long and winding road” oder: Von den Schatten der Partizipation – Möglichkeiten, Herausforderungen und Grenzen von Partizipationsprozessen Cornelia Harrer, Der Paritätische/ Dinah Igelski, Paritätische Akademie NRW

„Selbstorganisation“, so eine Seniorin aus einem Stadtteilnetzwerk, „gibt ein wunderbar mündiges Gefühl!“ Doch der Weg dahin ist meistens weit, steinig und mühsam. Von „Partizipatiönchen“ bis zur echten Teilhabe braucht es einen langen Atem und auch das „Aushalten-Können“, dass es nicht so schnell und rund geht, wie man es sich dachte. Es gibt viele Hindernisse zu überwinden und nicht selten muss man Umwege gehen, um das Ziel zu erreichen. Im Workshop wurde gemeinsam überlegt, wodurch Partizipationsprozesse ins Stocken geraten, wer oder was diese Prozesse verhindern kann und wieviel Partizipation zumutbar und möglich ist. Auch Lösungen wurden gesucht unter der Fragestellung, wer was dazu beitragen kann, dass Partizipation am Ende doch möglich ist und die Beteiligten sich wirklich „mündig“ fühlen.

W

o es viel Sonne gibt, bleiben Schatten­ seiten nicht aus . Das ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis . Neu war es aber, sich innerhalb eines Workshops im Rahmen der 1 . Herbstakademie genau über diese „Schatten der Partizipation“ auszutauschen . Die Teilnehmenden des Workshops kamen sowohl aus dem Hauptamt als auch aus dem Ehrenamt und den Verwaltungen . Zur Anre­ gung der Diskussion wurde eines der Stufen­ modelle der Partizipation vorgestellt .

Da den Teilnehmenden des Workshops die verschiedenen Partizipationsmodelle bekannt waren, konnte die Gruppe sofort in eine leben­ dige Diskussion einsteigen . Zur Diskussion im Workshop Die Teilnehmenden waren aufgefordert, sich auf dem Boden ausliegenden Statements zuzuordnen . Aussagen wie z . B . „Selbstorgani­ sation ist ein schönes mündiges Gefühl“, aber auch „Selbstorganisation organisiert sich nicht

Stufen der Partizipation angelehnt an Hermann Josef Abs und Hart und Gernert 9. Selbstorganisation / Selbstverwaltung

geht über Partizipation hinaus

8. Selbstbestimmung

Partizipation

7. Mitbestimmung 6. Mitwirkung 5. Einbeziehung – Information

Vorstufen der Partizipation

4. Anhörung/Teilnahme 3. Alibiteilnahme 2. Dekoration

Nicht-Partizipation

1. Fremdbestimmung

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„Alt werden wir alle! Ich war tief beeindruckt von dem professionellen und persönlichen Einsatz für ein Thema, das uns alle angeht, egal, wie haupt- oder ehrenamtlich wir unterwegs sind. Außerdem freue ich mich über die Neugierde und Aufgeschlossenheit, die ich auf der Tagung erlebte. Als Akteurin im ungewohnten Bereich „Alter und Homosexualität“ ist das eine tolle Stärkung für unsere Arbeit an der Basis!“ Carolina Brauckmann, Landeskoordination für Ältere Lesben und Schwule in Nordrhein-Westfalen, c/o Sozialwerk für Lesben und Schwule e. V., Köln

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von selbst“, „Wissen ist Macht, nicht wissen macht nichts, zurückgehaltenes Wissen ist doppelte Macht!“, „Partizipation ist anstren­ gend!“ oder auch „Partizipation heißt: Reden, reden, reden“ . Schnell fanden sich Menschen zusammen, die sich von einer bestimmten Aussage angezogen fühlten und sich um sie gruppierten . In der darauffolgenden Vorstellungsrunde erzählten die Einzelnen, warum sie sich gerade für diese Aussage entschieden hatten und welche eigene Erfahrung sie damit verbanden . Es folgte ein lebhafter Austausch zum Thema Schattenseiten der Partizipation . Gefragt waren in dem zeitlich begrenzten Rahmen des Workshops keine fertigen Lösungen, sondern Erfahrungsaustausch, Verständnis und die ein oder andere neue Sichtweise, der eine oder andere Impuls . Selbstkritisch wurde unter anderem das durchaus gut gemeinte Versorgungsdenken thematisiert, das sich mitunter um seine Daseinsberechtigung betrogen fühlen kann, wenn die „Versorgten“ anfangen, sich selbst zu versorgen . Oder die Notwendigkeit, das Ergeb­ nis der eigenen Arbeit zum Teil aus der Hand zu geben . Denn egal, was man in die Wege geleitet und angestoßen hat, bei partizipativen Prozessen wirken und entscheiden alle Betei­ ligten mit und gestalten zusammen, was am Ende dabei rauskommt . Entspricht das Ergeb­ nis dann noch dem, was geplant, beantragt und finanziert wurde? Wie erklärt die bzw. der Pro­ jektverantwortliche das abweichende Ergebnis Vorgesetzten, Sponsoren, der Öffentlichkeit?

Ein weiterer Diskussionspunkt: „Wer sich gesellschaftlich nicht zugehörig fühlt, wird nicht partizipieren wollen!“, so die Erfahrung einiger Teilnehmenden . Wie erreiche ich diese Gruppen und bewege sie dennoch zur Teilha­ be? Problematisch wurden Situationen geschil­ dert, in denen Wissen als Steuerungsinstrument eingesetzt oder Partizipation als dekoratives Beiwerk gesehen wurde, wahre Beteiligung aber nicht unbedingt erwünscht war . So massiv, wie die Schattenseiten vielleicht wirken, wenn sie gebündelt und isoliert be­ trachtet werden, so klar wurde in dem gemein­ samen Austausch auch, dass sie die Vorzüge und Erfolge partizipativer Arbeit nicht aufhe­ ben können . Als Voraussetzungen dieser Arbeit wurden von den Teilnehmenden u . a . echte Be­ reitschaft zur Partizipation und entsprechende Strukturen (z . B . Infrastruktur) sowie Geduld und Zeit genannt . Einen Bedarf sehen sie auch: Konzepte und Strategien, um eine wirkliche Partizipationskultur zu etablieren .

Zu den Autorinnen, die gemeinsam den Workshop gestalteten: Cornelia Harrer,

Dinah Igelski,

Kontakt:

Dipl.-Pädagogin, TZI-

Studium der Psy-

Paritätische Akademie LV NRW e. V.

Gruppenleiterin und

chologie, Syste-

Loher Str. 7, 42283 Wuppertal

Fachreferentin offene

mische Beraterin

Tel.: 02 02 / 2 74 54-0

Seniorenarbeit beim

und Mediatorin,

igelski@paritaet-nrw.org

Paritätischen Landes-

langjährige Be-

www.bildung.paritaet-nrw.org

verband, NRW. Seit über 20 Jahre initiiere, begleite und

rufserfahrung in der Kultur- und Bildungsarbeit

fördere ich partizipative Prozesse in der Seniorenarbeit.

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Leben im Quartier – Partizipation. Voraussetzungen und Erfahrungen aus der Praxis am Beispiel der ZWAR-Netzwerke Anne Remme, ZWAR Zentralstelle NRW

Welche Voraussetzungen und Ermöglichungsstrukturen braucht ein nachhaltiges Gelingen von Beteiligung im Quartier? Welche Voraussetzungen braucht die professionelle Begleitungsrolle eines Netzwerkes mit dem Ziel der Selbstorganisation von Projekten im Quartier und welche Rolle spielt der schrittweise Aufbau, die Begleitung und Qualifizierung dabei? Der Workshop „Leben im Quartier – Partizipation“ gab einen Einblick in konzeptionelle Umsetzungsschritte und in die Erfahrungen aus der Praxis. Hierfür stellen die Referentinnen und Referenten die ZWAR-Konzeption in den Vordergrund und verdeutlichen die Praxisschritte aus der Sicht der Konzeptgeberin ZWAR e. V., einer Praktikerin vor Ort sowie eines Engagierten.

Z

u Beginn des Workshops stellte Christian Adams (ZWAR Zentralstelle NRW) die Grundaus­ richtung der Arbeit der ZWAR Zen­ tralstelle NRW vor und informierte über die grundsätzlichen Voraus­ setzungen, die notwendig sind, um Kommunen in Nordrhein­Westfalen durch einen Beratungsprozess bei der Erarbeitung neuer Strukturen zum Aufbau und zur Förderung von partizipativer Arbeit zu unterstützen . Die Aufgabe der ZWAR Zent­ ralstelle NRW ist es, in Kommunen

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Impulse zu setzen für die Teilhabe älterer Menschen am Leben in Ge­ meinschaft sowie zur Mitgestaltung und Umsetzung von bürgerschaftli­ chem Engagement . Hierbei steht die Förderung von Selbstverantwortung und Selbstorganisation auf allen Ebenen im Vordergrund . Die ZWAR Zentralstelle NRW unterstützt Ver­ antwortliche in Städten und Gemein­ den bei der Planung, Gestaltung und Umsetzung eines entsprechenden Handlungskonzeptes durch Bera­ tung, Qualifizierung und Begleitung.

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Auf diese Weise sind bisher in mehr als 53 nordrhein­westfälischen Kommunen 155 ZWAR­Netzwerke mit über 1 .500 verschiedenen Inte­ ressengruppen entstanden, in denen tausende Menschen selbstorganisiert tätig sind . Beratungskontrakt als Voraussetzung Grundlegende Voraussetzungen für einen Beratungsprozess der ZWAR Zentralstelle NRW ist eine verbindliche politische Willenser­ klärung, mit der sich die Kommune – repräsentiert von der Stadtspitze bzw . der verantwortlichen Dezer­ nentin oder dem Dezernenten – an die Spitze des Prozesses stellt und diesen auf allen Ebenen befördert . Vereinbart wird eine partnerschaft­ liche Zusammenarbeit von ZWAR mit allen kommunalen, politischen und sozialen Handlungsträgerinnen und ­trägern zur Nutzung vorhande­ ner Ressourcen und Synergieeffekte in der Altenarbeit . In einem Bera­ tungskontrakt werden dann folgende Eckpunkte vereinbart: 1 . Verantwortlichkeit: Die Kommu­ ne benennt eine verantwortliche Ansprechperson, die in strategi­

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scher Verwaltungsposition für die Steuerung und Koordination der Seniorenarbeit zuständig ist . 2 . Vernetzte Strukturen: Die Kom­ mune ist bereit, vernetzte Struk­ turen aufzubauen oder bereits vorhandene Strukturen strate­ gisch einzubinden . Als relevante Akteurinnen und Akteure werden die Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltungsspitze, die Fach­ ausschüsse und die Beauftragten für Senioren­, Integrations­ oder Behindertenfragen sowie Ver­ treterinnen und Vertreter von Kirchengemeinden, Vereinen, Trägern der freien Wohlfahrts­ pflege, Bildungseinrichtungen und Initiativen beteiligt . Die Kommune benennt eine verant­ wortliche Ansprechperson als Projektleitung, die die Arbeits­ kreise und Beratungsgremien koordiniert und begleitet . 3 . Entwicklung eines Handlungs­ konzeptes: Ziel des Beratungs­ prozesses ist es, ein gemein­ schaftliches Handlungskonzept zur gemeinwesenorientierten und stadtteilbasierten sozialen Arbeit mit Menschen ab 50 Jahren zu entwickeln und durch einen politischen Beschluss sicherzu­ stellen . An der Erarbeitung dieses Konzeptes werden die zuvor vernetzten Strukturen beteiligt . 4 . Evaluation und Dokumentati­ on: Nach dem Beschluss des Handlungskonzeptes werden die verabredeten Maßnahmen um­ gesetzt . Der gesamte Beratungs­ prozess wird anhand messbarer Indikatoren durch die Kommune evaluiert und in seinen Ergebnis­ sen dokumentiert .

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Ein Beispiel: Das Seniorennetz Gelsenkirchen Im Anschluss an den Vortrag von Christian Adams berichtete Astrid Hornschuh über den Aufbau von sozialen Netzwerken für Menschen ab 50 Jahren in Gelsenkirchen . Dort wurden für die Seniorenarbeit grundlegende neue Strukturen ent­ wickelt . Auf der Trägerebene wurde das Seniorennetz Gelsenkirchen gegründet . Das Seniorennetz Gel­ senkirchen koordiniert und steuert die Prozesse der Seniorenarbeit in Gelsenkirchen, Astrid Hornschuh vom Seniorennetz Gelsenkirchen be­ gleitet die neu gegründeten Gruppen jeweils für zwei Jahre . Mitglieder des Seniorennetzes sind u . a . die Träger der freien Wohl­ fahrtspflege, Senioreneinrichtungen, Pflegedienste, Krankenkassen und die Stadt Gelsenkirchen . Durch das Seniorennetz Gelsenkirchen wurde die Verbreitung des ZWAR Netzwer­ kes in jeden Stadtteil Gelsenkirchens gewährleistet und die Struktur der Nachbarschaftsstifter und Senioren­ vertreter ermöglicht . Nähere Informationen zum Seniorennetz Gelsenkirchen finden sie unter www .seniorennetz­ge .de .

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Erweitert wird das ZWAR Netzwerk Gelsenkirchen im kommenden Jahr durch die Gründung eines türkisch­ sprachigen Netzwerkes . ZWAR Netzwerk Gelsenkirchen Dann berichtete Reinhold Stania über die vielfältigen Aktivitäten des ZWAR Netzwerkes Gelsenkir­ chen Resse, Resser Mark sowie des gesamten Gelsenkirchener ZWAR Netzwerkes und schilderte seine per­ sönliche Motivation, sich an dieser Form der gemeinwesenorientierten Arbeit von und mit Menschen ab 50 Jahren zu beteiligen . Die Diskussion im Workshop In der anschließenden lebhaften Diskussion wurden sechs Faktoren zusammengetragen, die zum Ge­ lingen von Selbstorganisation und Partizipation in Form von neuen sozialen Netzen beitragen und diese auszeichnen . Faktor I: Unterstützungssysteme Neue soziale Netze sind mo­ derne Unterstützungssysteme, die sich durch gleichberechtigte Kom­ munikation und Selbstorganisation auszeichnen und die auf dem Prinzip

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der Freiwilligkeit beruhen . In ihrem Mittelpunkt steht oft eine soziale Vision, die gemeinsam und partner­ schaftlich entwickelt und verfolgt wird . Sie setzen so oft neue Potenti­ ale für Kreativität, Produktivität und Effizienz frei. Faktor II: Niederschwellige Orte des Kontaktes Es gibt soziale Netzwerke und Netze jedweder Ausprägung und Couleur . In diesem Zusammenhang gemeint sind neue soziale Netze, die durch ihr Engagement und ihre gesellschaftliche Teilhabe einen Beitrag leisten können zur Förde­ rung einer lebendigen Bürger/­in­ nenkommune . Die Menschen in den neuen sozialen Netzen wollen Gemeinsamkeiten und Verbindung . Das erste verbindende Element ist der gemeinsame Sozialraum, der Stadtteil, das Gemeinwesen, die Nachbarschaft . Weiter förderlich für das Entste­ hen und Funktionieren von sozialen Netzen und Netzwerken ist eine ge­ wisse Homogenität der Teilnehmen­ den, z . B . eine ähnliche Lebenssitua­ tion oder ein ähnliches Lebensalter .

gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Vision . Hilfreich ist dabei die fachli­ che Begleitung und Unterstützung in der Anfangszeit einer Gruppe . Faktor IV: Qualifizierung Die Begleitung der Begleiter/­in, im vorgetragenen Workshop wurde vor allem die Rolle der qualifizierten Gruppenbegleiter/­in hervorgehoben,

die durch die ZWAR Zentralstelle NRW auf die Rolle vorbereitet und im Gruppenprozess begleitet wird . Faktor V: Vernetzung Die Vernetzungen auf kommu­ naler, regionaler und landesweiter Ebene sind Begegnungsraum und Qualifizierung für Netzwerkende selbst .

Faktor III: Begleitung Das dritte Element, das ein soziales Netzwerk zusammenhält und entwicklungsfähig macht, ist ein

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Faktor VI: Ergebnisoffenheit Das bürgerschaftliches Engage­ ment (der ZWAR Netzwerke) wird nicht vorgegeben, angefragt oder ab­ gerufen . Es entsteht durch das Kon­ zept der ZWAR­Netzwerkarbeit . Die ZWAR Netzwerkteilnehmende moti­ vieren und unterstützen sich gegen­ seitig sowohl bei der Planung von Aktivitäten und Projekten als auch bei der Bewältigung von schwieri­ gen Lebensphasen und persönlichen Krisen, wie Krankheit oder Tod des Partners bzw . der Partnerin . Dadurch leisten sie einen Beitrag und geben ein Beispiel zur Wiederbelebung von Nachbarschaftsstrukturen im Stadtteil. Dabei finden Lernprozesse statt, die persönliches Wachstum fördern und schließlich zur Über­ nahme von Verantwortung für den Stadtteil, das Gemeinwesen oder die Nachbarschaft in Form von Bürger­ engagement für andere führen . Die ZWAR Netzwerkteilnehmenden wählen ihr Engagement selbst und sehen deutlich den eigenen Gewinn (ich tue etwas für mich, indem ich etwas für andere tue) . Neue soziale Netze können Im­ pulsgeber für Kommunen, Verbände und Institutionen sein . Die Men­ schen, die sich in neuen sozialen Netzen „vor Ort“ engagieren, wissen

am besten, wie man die Lebens­ qualität im Stadtteil verbessern kann, wie man nachbarschaftliche Strukturen (wieder)beleben kann, was zu tun ist, um einen Stadtteil wieder attraktiver und lebenswerter zu gestalten, weil sie selbst Teil des Ganzen sind . Deshalb sind Kommu­

nen und Verbände gut beraten, sich für neue soziale Netze, ihre Themen, Ideen und Organisationsformen zu öffnen und sie als gleichberechtig­ te Partner auf gleicher Augenhöhe ernst zu nehmen, wenn es um die Gestaltung einer lebendigen Bürger­ kommune geht .

Der Workshop wurde gestaltet von Christian Adams, Geschäftsführer ZWAR-Zentralstelle NRW Astrid Hornschuh, SeniorenNetzwerk Gelsenkirchen, ZWAR-Netzwerkbegleiterin Anne Remme, Fachbereichsleitung Qualifizierung ZWAR-Zentralstelle NRW Reinhold Stania, ZWAR-Netzwerk Gelsenkirchen Resse, Resser Mark

Zur Autorin: Anne Remme ist Diplom-Pädagogin, Lehr- /Supervisorin DGSv, Lehr-/Mastercoach DGfC, systemische Beraterin, Systemaufstellerin, Psychotherapie HPG, Moderationstrainerin und Fachbereichsleitung Qualifizierung in der ZWAR Zentralstelle NRW. Kontakt: ZWAR Zentralstelle NRW Steinhammerstr. 3, 44379 Dortmund Tel.: 02 31 / 96 13 17-22 an.remme@zwar.org www.zwar.org

„Ich war froh, dass es viele Anregungen ab, wie wir mehr ‚Gemeinsames Leben‘ gestalten können, also die Zahl und Themen inklusiver Angebote in unseren Kommunen vergrößern und uns einer Gesellschaft des Miteinanders weiter nähern können. Wenn wir mehr zusammen machen, nehmen wir uns besser in unseren unterschiedlichen Bedürfnissen wahr und können mehr füreinander tun.“ Astrid Hornschuh, Infocenter Industriestraße, Gelsenkirchen

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EFI – Erfahrungswissen für Initiativen Wie Kommunen und Bildungseinrichtungen Bürgerinnen und Bürger unterstützen können, ihre ‚Tagesdosis an Bedeutung für andere’ (Klaus Dörner) zu gestalten Dieter Zisenis, Evangelisches Zentrum für Innovative Seniorenarbeit Das Bildungsprogramm „Erfahrungswissen für Initiativen (EFI)“ wurde für Menschen entwickelt, die nach der Berufsphase oder auch der Familienphase nach einer Verantwortungsrolle in ihrem Lebensumfeld suchen. Das bundesweite Modellprogramm wurde seit 2006 als EFI Nordrhein-Westfalen mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen weitergeführt. Ungefähr 1.500 Menschen haben in dieser Zeit zu einem Engagement gefunden, das die Quartiere, in denen sie tätig sind und waren, nachhaltig verändert hat. Nach einer Förderung über nunmehr zehn Jahre ist die Landesförderung in der jetzigen Form ausgelaufen. Nun gilt es die erfolgreiche „Marke EFI“ unter neuen Bedingungen weiterzutragen, neue Multiplikatoren zu gewinnen und zu qualifizieren sowie bewährte Netzwerkstrukturen zu pflegen und weiterzuentwickeln. Hierfür bietet das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Nordrhein e. V. konkrete Unterstützung und Begleitung für interessierte Kommunen und Organisationen.

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er Erfolg des EFI Nordrhein­Westfalen Modellprogramms beruht auf dem guten Zusammenspiel von unterschiedlichen Akteuren: Den Anlaufstellen vor Ort, den Bildungsträgern und den Freiwilligen, die sich in der Region in sogenannten Kompetenzteams selbst organisieren, häufig begleitet wiederum durch die Mitarbeitenden in den Anlaufstellen . Schließlich haben sich in den beteiligten Regionen Netzwerke gebildet, die für die Entwicklung und Umsetzung guter Strukturen für bürgerschaftliches Engagement und Freiwilligenarbeit sorgen . Kommunen, Freiwilligenagenturen, Wohlfahrtsverbände, Initiativen, Selbsthilfegruppen und Vereine arbeiten hier zusammen . Die „EFI’s“ beteili­ gen sich in diesen Netzwerken und nutzen sie für die Realisierung ihrer Projektideen . Die Qualifizierung Kernstück des EFI­Programms ist die neuntägige Qualifizierung. In zwei dreitägigen und einem zweitägigen Kursblock wurden die Themen „Vom Suchen und Finden – Mein Herzensanliegen“, „Arbeiten in und mit Gruppen“ und „Projekte“ bearbeitet . In zwei Vertiefungstagen standen die Themen „Presse­ und Öffentlichkeitsarbeit“ und „Fundraising“

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im Mittelpunkt. Entscheidend für die Qualifi­ zierung ist dabei, dass die Teilnehmenden ohne Druck, mit viel Kreativität und mit großer Leichtigkeit ihr eigenes Ehrenamtsverständnis reflektieren und erste Projektideen entwickeln und auf ihre Realisierungsmöglichkeiten über­ prüfen . In diesem Zusammenhang werden die in Anlehnung an Sylvia Kade formulierten As­ pekte von Altersbildung auf die Entwicklung bürgerschaftlichen Engagements übertragen . Die Teilnehmenden an der EFI-Qualifizierung nutzen die vier Perspektiven: „Ich für mich – Ich mit anderen für mich – Ich mit anderen für andere – Andere mit anderen für mich“1,

1 Sylvia Kade hat diese Aspekte in einer Reihe von Veröffentlichungen beschrieben, zuletzt in Sylvia Kade, Altern und Bildung – eine Einführung, Bielefeld, 2009, S. 121ff.

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um achtsam mit den eigenen Ansprüchen und Anliegen umzugehen und sich nicht zu schnell festzulegen . Am Ende der Qualifizierung kann deshalb sowohl das konkrete Projektvorhaben stehen, mit dem sofort gestartet werden kann, als auch die ebenso eindeutige Entscheidung, im Moment noch überhaupt nicht mit einem Projekt zu beginnen, weil der Übergang von Berufstätigkeit zum „Ruhestand“ erst einmal andere Schritte erforderlich macht . Gleichzeitig kommt die von Klaus Dör­ ner genannte „Tagesdosis an Bedeutung für andere“ ins Spiel: „Wenn wir nach den Moti­ ven dieser neuen Verantwortungsbereitschaft fragen, scheinen vor allem zwei in Betracht zu kommen: Einmal leiden immer mehr Men­ schen an zuviel sinnfreier Zeit . Dazu gehören Leute wie ich, die nach der Berentung im dritten Lebensalter heute etwa 15 Jahre lang meist bei gnadenloser Gesundheit im sozialen Niemandsland dumm rumsitzen und nicht wissen, wofür sie da sind . … Mehr freie Zeit lässt sich nämlich nur bis zu einem Optimum als Selbstbestimmungsgewinn genießen; wird dieses Optimum überschritten, schlägt der Genuss in Leiden um . Dann brauche ich zunächst eine gewisse Tagesdosis an Verant­ wortung für Andere, an Bedeutung für Andere, wenn man so will an Fremdbestimmung (um Gottes Willen nicht zuviel davon, aber um Gottes Willen auch nicht zuwenig, nicht gar nichts); erst danach kann ich die restliche freie Zeit wieder genießen . Insofern sind in der Tat alle Menschen auch helfensbedürftig, wenn sie nicht Schaden an ihrer Seele nehmen und psychotherapiebedürftig werden wollen …“ 2 Eindrücke aus dem Workshop Im Workshop im Rahmen der 1 . Herbstaka­ demie des Forum Seniorenarbeit NRW haben sich die Teilnehmenden mit den Grundlagen des EFI­Programms beschäftigt und dann in einem kleinen Ausschnitt eine Arbeitsein­ heit aus der Qualifizierung erprobt: „Mein Herzensanliegen“ . In der Qualifizierung geht dieser Übung voraus, dass die Teilnehmenden ihre bisherige Lebensgeschichte mit Ehrenamt und freiwil­

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ligem Engagement reflektieren: In „Meine persönliche ‚Ehrenamts­Landkarte“ geht es darum, sich bewusst zu werden, in welchen Lebensbereichen ich mich bisher freiwillig en­ gagiert habe, womit nicht nur die klassischen Bereiche wie „Kindergottesdiensthelfer“, „Übungsleiter im Sport“, „Elternpflegschaft in Kindergarten oder Schule“, „freiwillige Feu­ erwehr“ oder „Vereinsvorstand“ gemeint sind, sondern auch die vielen kleinen scheinbaren Selbstverständlichkeiten in meinem Lebens­ umfeld, in der Nachbarschaft und im Quartier . Meine „Leidenschaften als Jugendliche(r) und junge(r) Erwachsene(r), mein Traumbe­ ruf“ führt noch einmal in die eigene Biografie: Welche früheren Leidenschaften und Anliegen konnte ich – aus welchen Gründen auch immer – nicht weiter verfolgen? Womit möchte ich abschließen, wo lohnt es wieder anzuknüp­ fen? – Mit welchen Symbolen kann ich mein Verständnis von Ehrenamt ausdrücken, was bedeutet freiwilliges Ehrenamt für mich? Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt wird schließ­ lich der Blick auf „Die Welt um mich herum“

2 Klaus Dörner, Kirchengemeinde: Trumpf in der alternden Gesellschaft, Vortrag auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln, 2007

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gerichtet: Wo sehe ich in meiner Umgebung, in meiner Stadt, in der Gesellschaft wichtige Herausforderungen, die mich zum Engagement reizen, „was tut not“? Diese Hinführungen konnten wir im Work­ shop natürlich nicht erlebbar werden lassen, aber allein die zehn Minuten, die sich jede und jeder Teilnehmende für sich Zeit genom­ men hat für „Mein Herzensanliegen“, und die weiteren zehn Minuten Austausch mit einem Partner/ einer Partnerin aus der Workshopgrup­ pe haben gezeigt, welche Fülle an Ideen und Phantasien im Raum sind, wenn die wirklich wichtigen Themen angesprochen werden . Von dem Angebot für Ältere, Motorboot­ fahrten auf dem Rhein zu organisieren bis zur eigenen Geschäftsidee für die nachberufliche Lebensphase und zu der klaren Aussage: „Ich habe bisher immer irgendetwas mit Computern zu tun gehabt, im Beruf und in meiner Freizeit, das ist jetzt für mich abgeschlossen, aber ich weiß noch nicht, was das Neue sein kann“ war alles vertreten . Dieser kleine Ausschnitt konnte dennoch ein lebendiges Bild und die Philoso­ phie der EFI-Qualifizierung vermitteln.

Das Engagement in Arnsberg Im zweiten Teil des Workshops stellte Petra Vorwerk­Rosendahl von der Geschäftsstelle Engagementförderung der Stadt Arnsberg die Aktivitäten zur Förderung des bürgerschaftli­ chen Engagements in Arnsberg vor .3 Seit An­ fang 2002 besteht in Arnsberg eine Koordina­ tionsstelle für Bürgerengagement, seit 2006 als kommunale Stabsstelle des Bürgermeisters . In der Geschäftsstelle arbeiten neben einer haupt­ amtlichen Leitung mit 38 Std ./Woche weitere Teilzeitmitarbeiterinnen und Honorarkräfte .

3 siehe http://www.arnsberg.de/engagement/index.php

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Die Geschäftsstelle ist im Rathaus angesiedelt . seit Januar 2006 gibt es das „Bürgerzentrum Bahnhof Alt Arnsberg“ mit sieben Projekt­ räumen und einem Computerraum mit zehn Arbeitsplätzen, sowie zusätzlich seit 2010 einen weiteren neuen Gebäudeteil mit drei großen Veranstaltungsräumen und vier großen Tagungsräumen plus Werkraum und ein zwei­ tes Büro der Geschäftsstelle Engagementförde­ rung . Schließlich stehen drei weitere Gebäude in den Ortsteilen Uentrop, Bruchhausen und Neheim zur Verfügung, die für bürgerschaftli­ ches Engagement genutzt werden können . Seit 2002 wurden in Arnsberg insgesamt 98 seni­ orTrainer qualifiziert. Die Qualifizierung soll auch in den nächsten Jahren weiter angeboten werden . Das Beispiel Arnsberg konnte deutlich machen, dass bei entsprechenden Entschei­ dungen über Prioritäten in einer Kommune sehr wohl die notwendigen Ressourcen für die Förderung bürgerschaftlichen Engagements zur Verfügung gestellt werden können und im konkreten Fall die EFI-Qualifizierungen auch nach Auslaufen der Modellförderung durch das Land Nordrhein­Westfalen fortgesetzt werden können . Um auch für andere Kommunen die viel­ fältigen Potentiale des EFI­Konzepts nutzbar zu machen, bietet das Evangelische Erwach­ senenbildungswerk Nordrhein e . V . konkrete Unterstützung und Begleitung für interes­ sierte Kommunen und Organisationen an . In 2013 werden wieder Fortbildungsmodule für Multiplikator/­innen angeboten .

„Auf diesem Wege möchte ich mich nochmals für die hervorragende Veranstaltung und die Tatsache bedanken, dass ich an dieser Veranstaltung teilnehmen durfte. Die Themen waren durchweg ansprechend, die Moderatoren freundlich, die Workshopleiter kompetent, das Niveau der Workshops gehoben und die Beiträge der anderen Teilnehmer sehr interessant.“ Cordula Mauracher, Stadtverwaltung Langenfeld Rhld., Referat Soziale Angelegenheiten, Langenfeld

Der Workshop wurde gestaltet von: Petra Vorwerk-Rosendahl, Stadt Arnsberg, Geschäftsstelle Engagementförderung Dieter Zisenis, Evangelisches Zentrum für Innovative Seniorenarbeit

Zum Autor: Dieter Zisenis, Diplom-Pädagoge, selbständiger Organisationsberater und Gesellschafter im bbb Büro für berufliche Bildungsplanung / R. Klein & Partner GbR, Dortmund. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Konzeptentwicklung und das Projektmanagement in Aus-, Fort- und Weiterbildung, die Beratung von Kommunen und Unternehmen der Sozialwirtschaft, Forschungs- und Evaluationsprojekte und die Bildungs- und Lernberatung. Darüber hinaus gehört er dem Netzwerk des Evangelischen Zentrums für Innovative Seniorenarbeit an. Kontakt: zisenis@bbbklein.de Informationen zu Fortbildungsmodulen für Multiplikator/-innen: Gerrit Heetderks Ev. Erwachsenenbildungswerk Nordrhein Graf-Recke-Str. 209, 40237 Düsseldorf Tel.: 02 11 / 36 10-2 21 heetderks@eeb-nordrhein.de

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„Jede Jeck is’ anders … !?“ Interkulturelle Öffnung und Diversität in der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit am Beispiel von zwei Projekten in Nordrhein-Westfalen Gabi Klein, Kuratorium Deutsche Alterhilfe Im Zuge des demographischen Wandels zeichnen sich ältere Menschen heute durch höchst unterschiedliche Lebensformen und Wertehaltungen aus. Dabei stehen sie oft vor der Herausforderung, sich als erste Ältere einer bestimmten Lebenskultur den Weg ebenen zu müssen. Beispiele dafür sind die erste ältere Generation der Arbeitsmigrant/-innen oder der offen schwul bzw. lesbisch lebenden Menschen. Auch die Angebote und Initiativen der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit sind hier gefragt. Sie stehen vor der Herausforderung, sich interkulturell zu öffnen, ihre Zielgruppen zu erweitern, die Partizipation aller zu ermöglichen. Wie es gelingen kann, zeigen Beispiele und Erfahrungen aus der Praxis.

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ede Jeck is’ anders“ ist ein Ar­ tikel des Kölschen Grundgeset­ zes . Er beschreibt die Toleranz der Kölnerinnen und Kölner unabhängig von Verhalten und Eigenheiten des Gegenübers . Als Titel des Work­ shops ist „Jede Jeck is’ anders“ eine einfache Bestandsaufnahme: Wir sind eine Gesellschaft, die sich durch eine Vielfalt der Kulturen aus­ zeichnet . Das Wort Kulturen wurde im Workshop in seiner Bedeutung als übergeordneter Begriff für eine Lebenswelt, eine Wertehaltung, ein Regelwerk, ein informelles Ver­ halten, dass bestimmte Gruppen auszeichnet (z . B . Jugendkultur),

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genutzt und nicht auf die ethnische Dimension beschränkt . Zugleich trägt „Jede Jeck is’ anders“ den Aufruf mit sich, die Vielfalt zu sehen, zu akzeptieren und entsprechende Maßnahmen zu er­ greifen, dass sie sich im beruflichen Alltag widerspiegelt . Eine gesetzli­ che Basis bietet z . B . das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz . Praxisnahe Hilfestellungen bei der Umsetzung in der eigenen Organisation bieten Leitfäden zur Interkulturellen Öffnung, wie er z . B . von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen entwickelt wurde .

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Die im Workshop vorgestellten Projekte zeigen am Beispiel der Nordrhein­Westfalen­Initiative „Immer dabei“, wie sich Einrich­ tungen durch Information und Austausch für schwul oder lesbisch lebende Senior/­innen öffnen kön­ nen bzw . am Beispiel des Senioren­ Infocenter Stadt Gelsenkirchen, wie ein interkulturelles Ehrenamtsteam gelingen kann . Der Ablauf des Workshops „Jede Jeck is’ anders“ Zum Einstieg wurden die Teil­ nehmenden und Impulsgeber/­innen des Workshops eingeladen, sich zu zweit anhand vorgegebener Fragen über ihre Erfahrungen mit Vielfalt und „Geschlossenen Gesellschaf­ ten“ auszutauschen . Die Gespräche waren angeregt und überraschend: „Ich hätte nicht gedacht, dass mein Gesprächspartner einen Moschee­ verein als Beispiel für eine „Ge­ schlossene Gesellschaft“ nennt“ so eine Teilnehmerin, die sich mit einem türkischstämmigen Kollegen austauschte, „so viel zu meinen Vorurteilen .“ Im Anschluss wurden die Nord­ rhein­Westfalen­Initiative „Immer

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dabei“ und das Senioren­Infocenter Stadt Gelsenkirchen vorgestellt . „Immer dabei. Ältere Lesben und Schwule in Nordrhein-Westfalen“ Die vom Ministerium für Ge­ sundheit, Emanzipation, Pflege und Alter geförderte Initiative hat das Ziel, Politik und Öffentlichkeit für die Bedürfnisse der älteren Lesben und Schwulen zu sensibilisieren und die offene Seniorenarbeit zu unterstützen, sich auf gleichge­ schlechtliche Lebensformen einzu­ stellen . „Immer dabei“ greift auf die Erfahrungen der Lesbisch­Schwule ALTERnativen Köln zurück . Die­ ses, seit 2005 von der Stadt Köln geförderte Projekt unterstützt ältere lesbische Frauen und schwule Männer in ihrem ehrenamtlichen und Selbsthilfe­Engagement und betreibt Lobbyarbeit gegenüber Beratungs- und Pflegeeinrichtungen sowie Akteuren der Senior/­innen­ politik . „Immer dabei“ ist ebenso wie die Lesbisch­Schwule ALTER­ nativen Köln im RUBICON ange­ siedelt, Träger ist das Sozialwerk für Lesben und Schwule e . V . in Köln . In ihrem Impuls stellen Georg Roth und Carolina Brauckmann die Arbeit von „Immer dabei“ vor und gehen in einer durch Informationen und eigene Erfahrungen unterlegten Präsentation auf biographische Sta­ tionen älterer Lesben und Schwulen in Deutschland ein . Eine erhebliche Rolle für die Lebenssituation schwu­ ler Männer spielt der § 175 StGB . Lesbische Frauen wurden durch das konservative Frauenbild und die Familienideologie an der freien Ent­ faltung ihrer Lebensweise gehindert .

Das Senioren-Infocenter Stadt Gelsenkirchen In Gelsenkirchen gibt es vier Senioren­Infocenter, die ältere Menschen unterstützen, gesund und möglichst selbständig alt zu werden und sich für die Belange in ihrem Stadtteil einzusetzen . 35 Außen­ stellen unterstützen die Arbeit der Senioren­Infocenter auf Stadtteil­ ebene . Getragen werden die Senioren­ Infocenter vom Seniorennetz Gelsenkirchen . In ihm arbeiten Stadtverwaltung, Kirchen, Wohl­ fahrtsverbände, private Unter­ nehmen der Seniorenwirtschaft, Wohnungsunternehmen und Kran­ kenhäuser Hand in Hand, damit ältere Menschen gut in dieser Stadt leben, die notwendigen Dienste in Anspruch nehmen und sich wirksam für ihre Angelegenheiten einsetzen können . Die Kooperation soll zudem Bürokratie und Doppelstrukturen vermeiden und Kosten sparen . Ein Projekt der Senioren­ Infocenter sind die ehrenamtlichen Seniorenvertreter/­innen/ Nach­ barschaftsstifter (SeNas), einem Leuchtturmprojekt des Bundes­ programm Freiwilligendienste

aller Generationen . An mehr als 30 Standorten wirken zurzeit fast 74 SeNas . Sie sind Lotsen, um Rat und Hilfe zu vermitteln, sie unterstützen nachbarschaftliche Hilfen und sie vertreten die Interessen Älterer bei der familiengerechten Wohnumfeld­ gestaltung . Die SeNas betonen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit, dass sie „ganz normale“ Bürgerinnen und Bürger sind, die sich gerne für andere einsetzen . Wie gut die Seniorenvertreter/­innen/ Nach­ barschaftsstifter die Bevölkerung vertreten lässt sich auch an der interkulturellen Zusammensetzung der Freiwilligen ablesen: Ein Viertel von ihnen hat einen Migrationshin­ tergrund . Bernd Hellbusch vom Senioren­ Infocenter Paulstraße und Senio­ renvertreter/Nachbarschaftsstifter Hüsamettin Ertok stellen im Work­ shop ihre Arbeit vor . Informationen zu den SeNas: www.nachbarschaftsstifter.de Informationen zum Seniorennetz Gelsenkirchen: www.seniorennetz-ge.de

Informationen zu „Immer dabei“: www.immerdabei.net

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sie Informationen, Begründungen, Mitspracherechte, Einflussmög­ lichkeiten und Zeit . Die Ziele des Öffnungsprozesses sollten von den Prozessverantwortlichen entspre­ chend realistisch gesetzt werden .

Die Diskussion und Ergebnisse des Workshops Wir brauchen eine Willkommenskultur Die Workshopteilnehmenden waren sich einig, dass Integration eine Leistung aller Beteiligten ist und Handlungs­ und Haltungsände­ rungen aller erforderlich sind . Nur so ist eine Kultur des Willkommens möglich, die alle unabhängig von ihrer Religion, Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlechts, Alters und sonstigen vermeintlich „einen­ den“ Merkmalen einschließt . Es muss gewollt sein von oben! Interkulturelle Öffnung ist eine Querschnittsaufgabe in allen Berei­

chen einer Organisation . Dies bedeu­ tet für alle Mitarbeitenden eine Aus­ einandersetzung mit dem Thema und einen vermehrten Arbeitsaufwand . So müssen die aktuellen Nutzer der Einrichtung überzeugt und einbe­ zogen werden; es sollen Mitarbei­ tende mit „vielfältigen“ Merkmalen gewonnen werden; beim Sommerfest steht das Fleisch zur Debatte und ne­ ben der Kirchengemeinde soll auch ein Kontakt mit dem Hindu­Tempel aufgebaut werden… Zeitgleich werden die Mitarbeitenden in ihrer interkulturellen Kompetenz geschult, zusätzlicher Aufwand neben einem ohnehin übervollen Terminkalender . Hier ist die Leitung, Geschäftsfüh­ rung, der Vorstand gefordert, sich zu einer interkulturellen Orientierung zu bekennen, den Prozess der Interkul­ turellen Öffnung offiziell für alle Organisationseinheiten und Mitarbei­ terebenen einzuläuten und Ressour­ cen zur Verfügung zu stellen . Wir müssen uns Zeit lassen. um alle für das Thema zu öffnen Damit alle Beteiligten – Gäste, Mitarbeitende und das Umfeld – den Prozess der interkulturellen Öff­ nung mitgehen können, benötigen

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Wir müssen unsere eigenen Strukturen wahren und öffnen Interkulturelle Öffnung bedeu­ tet Veränderung . Abläufe werden hinterfragt, die Angebote werden nach den Interessen der neuen Ziel­ gruppen hin entwickelt, Verantwor­ tung und Macht werden neu verteilt . Bei diesem Prozess ist ein ständiger Spagat gefordert, durch den Bewähr­ tes erhalten und Neues, teilweise auch gegen Widerstände, durchzu­ setzen ist . Wir benötigen Brückenbauerinnen und Brückenbauer Um neue Zielgruppen anzuspre­ chen und einzubinden, benötigt es „Brückenbauer/­innen“ zwischen den unterschiedlichen Communities, die wechselseitig beim Öffnungs­ prozess beraten, als Fürsprecher tätig werden, Informationen weiter­ geben und Kontakte vermitteln . Diskriminierungserfahrungen Der bewusste Prozess der interkulturellen Öffnung ist eine Reaktion auf das oft unbewusste und ungewollte Ausgrenzen be­ stimmter Gruppen . Für die „neue“ Zielgruppe gehört dies zumeist zur Biographie, als Beispiele wurden gesetzliche Diskriminierung wie durch den § 175, fehlende Anerken­ nung ausländischer Schulabschlüsse oder medial aufgeheizte Stimmungs­ mache genannt . Wer sich auf den Weg der Inter­ kulturellen Öffnung macht, sollte sich dieser Diskriminierungserfah­ rungen bewusst sein . Um diese nicht

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zu wiederholen, ist selbstkritisches Reflektieren bezüglich der eigenen Einrichtung und Person gefragt . Teilweise kann es auch empfehlens­ wert sein, „geschlossene“ Angebote für bestimmte Zielgruppen einzu­ richten, um Vertrauen und positive Erfahrungen aufzubauen . Als ein Beispiel wurde die erste türkisch­ sprachige ZWAR­Gruppe genannt, die 2013 gegründet wird . Fortbildungen und Trainings Interkulturelle Öffnung geschieht auf der strukturellen, fachlichen und persönlichen Ebene . Für die beiden letzt genannten Ebenen kann inzwischen auf eine Vielzahl von Methoden der Wissensvermittlung und des Lernens zurückgegriffen werden, z . B . interkulturelle Trai­ nings, Erzählcafe, Theaterarbeit oder schriftliche Materialien . Ein Beispiel dafür war die Präsen­ tation der Initiative „Immer dabei“ über die schwierige Lebensbedin­ gungen schwuler Männer und lesbischer Frauen seit Gründung der BRD .

Der Workshop wurde gestaltet von: Carolina Brauckmann, „Immer dabei. Landeskoordination für ältere Lesben und Schwule in NRW“ Hüsamettin Ertok, Seniorenvertreter/Nachbarschaftsstifter, Gelsenkirchen Bernd Hellbusch, Seniorennetz Gelsenkirchen Gabi Klein, Kuratorium Deutsche Altershilfe Georg Roth, „Immer dabei. Landeskoordination für ältere Lesben und Schwule in Nordrhein-Westfalen“

Zur Autorin: Gabi Klein ist Diplom-Sozialarbeiterin, Trainerin für Interkulturelle Öffnung und seit Jahren im Bereich Bürger- und Unternehmensengagement tätig. Seit 2012 ist sie im Forum Seniorenarbeit Nordrhein-Westfalen verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, Onlineredaktion und Veranstaltungsorganisation. Kontakt: Gabi Klein Kuratorium Deutsche Altershilfe An der Pauluskirche 3, 50677 Köln Tel.: 02 21/ 93 18 47-18, gabi.klein@kda.de www.kda.de, www.forum-seniorenarbeit.de

Literatur Anders leben. Anders altern. Neue Perspektiven für Lesben und Schwule. Dokumentation anlässlicher der Fachtagung vom 19.3.2010, Hrsg. Sozialwerk für Lesben und Schwule e.V. und Friedrich Ebert Stiftung. Köln 2010 Bericht über das Projekt „Aktives Altern älterer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“, Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, 2010 Bochow, Michael: Ich bin doch schwul und will es immer bleiben. Schwule Männer im dritten Lebensalter. Hamburg: Männerschwarm Skript Verlag 2005. Broschüre „Gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen mit Migrationsgeschichte in Nordrhein-Westfalen“ 2011, Otto Benecke Stiftung e.V. „Interkulturelle Freiwilligenarbeit – Erfahrungen und Tipps aus dem Projekt EngagementBrücken“, Kölner Freiwilligen Agentur e.V., 2010 „Jetzt reden wir! Perspektiven und Interessen älterer Zuwanderinnen und Zuwanderer im bürgerschaftlichen Engagement“, 2011, Friedrich-Ebert-Stiftung Plötz, Kirsten: Lesbische Alternativen. Alltagsleben, Erwartungen, Wünsche. Sulzbach/Taunus. Ulrike-Helmer-Verlag, 2006 Pro Alter: Homosexualität im Alter; Frauen liebende Frauen und Männer liebende Männer altern anders. Schwerpunktthema Heft 3/2004, Fachmagazin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe

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Virtuelle Partizipation Lokale Treffpunkte und Kommunikationswege im Internet Daniel Hoffmann, Kuratorium Deutsche Altershilfe Wie können ältere Menschen gemeinsam das Internet in kleinräumigen Bezügen nutzen? Wie können sie aktiv an der Gestaltung und an (Entscheidungs-)Prozessen teilnehmen, die ihr Leben beeinflussen? Wie können sie ihre Erfahrungen, Potenziale und Werte in die Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens einbringen? Neben diesen Fragen legte der Workshop „Virtuelle Partizipation“ ein besonderes Augenmerk auf Unterstützungsstrukturen, die Menschen einbeziehen, die das Internet noch nicht oder, z. B. aufgrund technischer Barrieren wie fehlender Netzanbindung in ländlichen Regionen, nicht adäquat nutzen. Betrachtet wurde auch, wie das Internet sinnvoll in vorhandene Projekte integriert werden kann und welcher Mehrwert dadurch geschaffen wird. Lernen, Partizipation und neue Medien Ältere Menschen können nicht nur als Konsumenten an vielfältigen Angeboten im Internet teilnehmen, sondern selbst als Infor­ mationsanbieter wirken und Netzwerke zur Kommunikation aufbauen . Online­Gemein­ schaften können zur gemeinsamen Freizeit­ gestaltung, Rat­ und Hilfesystemen, Orga­ nisation von Gruppen und Gremien, Planung von Veranstaltungen, Kampagnen, Öffentlich­ keitsarbeit u . v . m . genutzt werden . Noch werden Online­Gemeinschaften von Älteren unzureichend genutzt . Gründe dafür sind nicht nur die fehlende „Netzanbindung“ von Seniorinnen und Senioren, die häufig als erstes Gegenargument genannt wird . Ebenso einschränkend wirken Vorbehalte und Unsicherheit vieler Älterer gegenüber der Mediennutzung und fehlende Unterstüt­ zungsstrukturen wie z . B . Internetworkshops, informelle Lerngruppen oder kontinuierliche Ansprechpartner bei Problemen .

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Die Chancen lokaler OnlineGemeinschaften Dabei bieten Online­Gemeinschaften (älteren) Menschen auch in einer Stadt, einem Viertel oder einem Quartier die Möglichkeit, sich auf eine sehr flexible Art und Weise für ihre Interessensgebiete, Belange und Ideale einzusetzen, sich an gesellschaftlichen Ent­ wicklungen zu beteiligen oder Unterstützungs­ angebote für Dritte zu entwickeln . Die inter­ nettypische zeitliche und räumliche Flexibilität macht das sogenannte Online­Volunteering insbesondere für ältere Menschen attraktiv, die in ihrer Nacherwerbsphase ihre Freiräume für spontane Reisen o . ä . nutzen wollen oder körperlich eingeschränkt auf örtlich ungebun­ denes Engagement angewiesen sind .

Diskussion im Workshop: Innerhalb der Gruppe herrschte Erstaunen über die Zahlen der über 70-jährigen, die aktiv das Internet nutzen: 28,2 % der Befragten über 70-jährigen gaben an, online zu sein. Die Teilnehmenden hatten mit einem wesentlich höheren Anteil gerechnet.

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Online­Gemeinschaften, die sich auf einen abgegrenzten Lokalraum beschränken, bieten noch einen besonderen Vorteil: Sie ermög­ lichen es, Kontakte im realen wie auch im virtuellen Raum miteinander zu kombinieren und so das Lernen und Kooperieren zeit­ und ortsunabhängig zu erweitern . Die Voraussetzungen lokaler Online-Gemeinschaften Gesellschaft und Politik sind aufgerufen, die trotz aller Beschönigungen („50 + ist die am schnellsten wachsende Nutzergruppe im Internet“) immer noch klaffende Lücke in der Chancengleichheit in der Informationsgesell­ schaft zu schließen . Dabei geht es nicht nur darum, Defizite in der technischen Infrastruk­ tur abzubauen . Ebenso wichtig sind positive Beispiele, die zeigen, wie ältere Menschen das Internet zur Verbesserung ihrer Lebensqualität und Wahrung ihrer Interessen einsetzen . Die Bereitstellung nutzerfreundlicher Technik ist ein erster Baustein . Online­ Gemeinschaften benötigen jedoch Menschen, die den Gruppen bei der Nutzung von Technik und Diensten zur Seite stehen, verantwortlich Aufgaben übernehmen und die Gruppe begleiten . Außerdem muss ein besonderes Augenmerk auf Unterstützungsstrukturen gelegt werden . Diskussion im Workshop: In der Diskussion wurden schnell Ideen

„Die Tagung bot die Gelegenheit, viele persönliche Kontakte zu knüpfen. Ich habe nicht nur von den Referentinnen und Referenten, sondern auch von den anderen Teilnehmenden viel gelernt.“ Monika Lang, Vorsitzende im Aachener Nachbarschaftsring „Öcher Frönnde e. V.“

entwickelt, was man alles machen könnte. Die Zurückhaltung der Teilnehmenden in Hinblick auf eine Realisierung zeigte jedoch, dass große Berührungsängste

Literatur

gegenüber der Technik existieren. Ver-

NONLINER Atlas 2011 – Nutzung und Nichtnutzung des

schiedene Variablen, wie zum Beispiel der

Internet, Strukturen und regionale Verteilung. Initiative

Qualifizierungsbedarf, der zusätzliche Zeit-

D21, Berlin 2011. www.initiatived21.de

aufwand im Folgenden, entstehende lau-

Management von Online-Volunteers, Hannes Jähnert und

fende Kosten und der wirkliche Mehrwert

Lisa Dittrich. akademie für ehrenamtlichkeit in deutsch-

konnten nicht gut eingeschätzt werden.

land, Berlin, 2011. www.ehrenamt.de Nutzung von Online-Räumen in Gremien und Fortbildungen – Eine Arbeitshilfe aus der Praxis für die Praxis. Christian Carls, Daniel Hoffmann und Ulrich Nicklaus. Forum Seniorenarbeit, Köln, 2011. www.thema-seniorenarbeit. de/onlinemoderation

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Projektmanagement und zum Freiwilligenma­ nagement, Öffentlichkeitsarbeit sowie Grund­ lagen der Online­Moderation und ­Redaktion . Neben dem Thema bietet der Workshop „Lokale Online­Gemeinschaften Älterer“ eine Mischung aus Lernen in Präsenz­ und in Online­Phasen . Das Ziel ist die Entwicklung eines eigenen Projekts, an dem sich der kom­ plette Workshop orientiert . Das Erlernte wird sofort umgesetzt und angewendet . Die erste Ausschreibungsrunde zeigte ein unerwartet hohes Interesse am Thema und eine hohe Engagementbereitschaft der aktiven Älteren . Die Teilnehmenden der ersten Runde werden Projekte zu unterschiedlichen Projekten wie einer Zeitzeugenbörse, einem Freiwilligenforum, einer Freizeitbörse u . v . m . konzipieren und aufbauen . Erste Ergebnisse können auf der Plattform www .unser­quartier .de angesehen werden . Kollegialer Austausch und Beratung sowie die Weiterentwicklung der einzelnen Vorhaben werden durch ein auf die Projektdauer ange­ legtes Netzwerk gewährleistet . Das Kuratorium Deutsche Altershilfe hofft, mit diesem Angebot einen nachhaltigen Impuls für den Ausbau der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit setzen zu können . Die Diskussion im Workshop: In einem angeleiteten Brainstorming entwickelten die Teilnehmenden ad hoc eigene

Warten oder Handeln? Zukünftige Generationen werden das Internet mit der gleichen Selbstverständlich­ keit wie heutige Jugendliche (Digital Natives) einsetzen, die viele ihrer alltäglichen Heraus­ forderungen unter Zuhilfenahme des Internets erledigen . Wollen wir darauf warten? Das Kuratorium Deutsche Altershilfe hat sich entschlossen, zu handeln . Im Rahmen des Projekts Forum Senio­ renarbeit Nordrhein­Westfalen bietet es in den Jahren 2012 bis 2014 die Workshopreihe „Lokale Online­Gemeinschaften Älterer“ an . Zielgruppe sind ehrenamtlich getragene Initi­ ativen und Projekte, die die Lebensbedingun­ gen älterer Menschen im Quartier verbessern möchten . Vermittelt werden Grundlagen zum

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Projektideen: Community Soziale PC Netzwerke in XYZ; Früher – Heute (das virtuelle Wohnhausspiel); GE all inklusive; Portal AK 55 +; Technikhilfe für Ältere: Kontakt mit meiner Familie; BE: Was ist los, wie kann ich mich einbringen?; Kulinarisches früher und heute; Ältere Frauen mit Freude und Leichtigkeit ins Internet; Mein schönstes Erlebnis: mit Menschen ausländischer Herkunft / mit Deutschen; Kultur für Ältere in unserer Stadt; ...

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Das Praxisbeispiel im Workshop: senioren-emsdetten.de Auf Initiative der Stadt Emsdetten wurde im Jahre 2011 in Kooperation mit dem Forum Seniorenarbeit Nordrhein­Westfalen und der „Brücke“ die Schaffung eines lokalen Internet­ auftritts von Senioren für Senioren vorange­ trieben . Der Auslöser für das Engagement der Stadt Emsdetten bei der Konzeption eines Internetauftritts für und von Seniorinnen und Senioren ist in den Ergebnissen des Audits „Familiengerechte Kommune“ aus dem Jahre 2009 zu finden. Dort wurde u. a. auch die Weiterentwicklung der Seniorenarbeit vor Ort angeregt . In einer umfragegestützten Analy­ se wurde außerdem hervorgehoben, dass die Internetnutzung durch ältere Emsdettenerinnen und Emsdettener in den vergangenen Jahren zwar zugenommen hat, aber immer noch ein deutlicher Nachholbedarf besteht . In einem mehrmonatigen Workshop ent­ wickelten Seniorinnen und Senioren bis Ende 2011 ein Konzept für einen eigenen lokalen In­ ternetauftritt . Der Workshop wurde moderiert vom Forum Seniorenarbeit NRW und begleitet von der Stadt Emsdetten (Frau Waßenberg und Herr Rose) . Städtischerseits wurde zugesagt, das Projekt auch auf längere Sicht im Rahmen der Möglichkeiten zu fördern . Das erarbeitete Konzept wurde Bürger­ meister Georg Moenikes im Januar 2012 überreicht . Danach wurde seitens der Stadt ständig Kontakt zu der Gruppe gehalten . Herr Hoffmann vom Forum Seniorenarbeit NRW bereitete im Frühjahr 2012 ein sechsköpfiges Redaktionsteam auf dessen künftige Aufgaben vor . Am 01 . 08 . 2012 fand in der Anwaltsso­ zietät Alpmann Fröhlich in Emsdetten die Gründungsversammlung des einzutragenden Vereins „Senioren Emsdetten“ statt, in der u .a . die Vereinssatzung beschlossen und ein Vor­ stand gewählt wurde . Seitdem ist der Verein mit städtischer Unterstützung damit beschäf­ tigt, dem Internetauftritt ein Gesicht zu geben . Es wurden Rubriken eingerichtet und Inhalte eingefügt . Gleichzeitig wurde darauf geachtet, eine übersichtliche Struktur zu schaffen, die

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Konzeptübergabe an Bürgermeister Georg Moenikes (rechts)

das Navigieren und Zurechtfinden erleich­ tert . Inhaltlich soll ein besonderer Wert auf Information und Unterhaltung gelegt werden, wichtig ist aber auch der Meinungs­ und Erfahrungsaustausch sowie die Diskussion in Foren . Der Internetauftritt ging am 22 . Okto­ ber 2012 offiziell an den Start: www .senioren­ emsdetten .de .

Der Workshop wurde gestaltet von: Christian Carls, Diakonisches Werk RheinlandWestfalen-Lippe Daniel Hoffmann, Kuratorium Deutsche Altershilfe Horst Rose, SIE – Seniorinnen und Senioren in Emsdetten, Stadt Emsdetten

Zum Autor: Daniel Hoffmann ist seit 2005 Projektleiter des Forum Seniorenarbeit Nordrhein-Westfalen mit dem Schwerpunkt der Weiterentwicklung bürgerschaftlichen Engagements. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören vielfältige (neue Medien-gestützte) Fort- und Weiterbildungen für haupt- und ehrenamtlich Aktive in Nordrhein-Westfalen sowie der Transfer in die Praxis. Derzeitiger Arbeitsschwerpunkt ist die Förderung der Partizipation älterer Menschen unter Zuhilfenahme des Internet. Kontakt: Daniel Hoffmann Kuratorium Deutsche Altershilfe An der Pauluskirche 3, 50677 Köln Tel.: 02 21/ 93 18 47-71, daniel.hoffmann@kda.de www.kda.de, www.forum-seniorenarbeit.de, www.unser-quartier.de

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„Komm’ inne Stadt – wenn da (noch) was los ist!?“ Seniorenbüros in ländlicher Region gestalten Partizipationsprozesse Jutta Ehlting, Seniorenbüro Bocholt; Ursula Woltering, LaS NRW Stärkung des selbstständigen Lebens und die Weiterentwicklung selbstständiger Wohnformen, Angebote der sozialen Teilhabe und der Beratung, Einbringen von Erfahrungswissen oder die Entwicklung von Engagementfeldern – all dies sind Themen, die ältere Menschen nicht nur in großen Städten beschäftigen. Im ländlichen Raum wachsen vielfältige Initiativen nach, jedoch ist die Übertragbarkeit von Problemlösungen und Projektentwicklungen oftmals schwierig, da jede Region ihre eigenen „Besonderheiten“ aufweist und jeder so lang wie möglich auf seiner „eigenen Scholle“ bleiben möchte. Mit Praxisbeispielen von Seniorenbüros in ländlicher Region möchte der Workshop zeigen, wie ältere Menschen unterstützt werden, ihre Umgebung gemeinsam zu gestalten und Projektideen kreativ umzusetzen.

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D

ie Teilhabe und Versorgung der älteren Menschen sowie die Eigenverantwortung und Mit­ verantwortung für andere im Wohn­ quartier kann nur dann gestärkt werden, wenn vor Ort geeignete Stellen für Impulse und Begleitung sorgen . Hier setzten Seniorenbüros an: Sie unterstützen Ältere in der selbst­ ständigen Lebensführung, in der Häuslichkeit und bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben . Das Spektrum ihrer Leistungen reicht von ehrenamtlich organisierten Freizeitangeboten über hoch spezia­ lisierte Dienstleistungen für Pflege­ bedürftige bis hin zur Wahrnehmung der kommunalen Sozialplanung . Im Workshop wurden ausgewähl­ te Aktivitäten der Seniorenbüros Ahlen, Beverungen und Bocholt als Beispiele für Seniorenbüros in länd­ lichen Gebieten vorgestellt . Alle Seniorenbüros fördern bürgerschaftliches Engagement, praktizieren Partizipation und setzen sich in vielfältigen Projekten und Maßnahmen für mehr Lebensquali­ tät im Alter, für Integration und das Miteinander der Generationen ein . Sie tragen so zu positiven Altersbil­ dern und zur Stärkung der Zivilge­ sellschaft bei . An der Umsetzung neuer Wohn­ und Quartierskonzepte wirken sie initiierend, unterstützend, teils steuernd mit . Viele sorgen auf der Grundlage des SGB XII und des Landespflegegesetzes § 4 für die Vernetzung im Versorgungssystem

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(Care Management), übernehmen Pflege- und Wohnberatung sowie Case Management . Das Seniorenbüro Ahlen schafft mit umfassendem Beteiligungsprozess Planungssicherheit und rasche Umsetzungserfolge In Ahlen wurde über die Jahre durch das Seniorenbüro des Vereins Alter und Soziales e . V . ein leben­ diges Netzwerk für Engagement und soziale Teilhabe aufgebaut: Das SINN­Netzwerk steht für „Senioren In Neuen Netzwerken“ . In Zusam­ menarbeit von Ehren­ und Haupt­ amt wurden zahlreiche Projekte und Gruppen aufgebaut, die eine abwechslungsreiche Lebens­ und Freizeitgestaltung sowie gegenseiti­ ge, auch generationenübergreifende Hilfen bieten . Beispiel Wohnen: Mit dem Ziel, Älteren möglichst lange eine selbst­ ständige Lebensführung zu ermög­ lichen und für die verschiedenen Bedarfslagen passgenaue Angebote zu schaffen, sollen in den Stadttei­ len in Ahlen nun ausdifferenzierte Wohnalternativen entstehen, die mit Angeboten der sozialen Teilhabe

verknüpft sind . Konkret: Projektiert sind sogenannte Quartierszentren, die barrierefreies Wohnen, betreutes Wohnen und Pflegewohnen sowie Wohnangebote für Demenzerkrankte verknüpfen. In den Zentren finden zudem Beratung und nachbarschaft­ liche Hilfen statt . Die Quartiers­ zentren strahlen so Sicherheit und Gemeinschaft in die umliegende Wohnbereiche, insbesondere in die Senioren- und Pflegehaushalten, aus. Ergänzt werden die Zentren durch weitere Wohnprojekte im Stadtge­ biet . Um die Errichtung von Wohn­ projekten anzuregen und um Inves­ tor/­innen sowie Betreiber/­innen verständlich zu machen, welche Entwicklungen in Ahlen gewünscht und unterstützt werden (und welche auch nicht!), wurde durch das Seni­ orenbüro in enger Zusammenarbeit mit den städtischen Fachbereichen ein Handlungskonzept erstellt, das neben Zahlen, Daten und Fakten auch fachlich­inhaltliche Ziele vorgibt . Grundlage hierfür war ein partizipativer Prozess mit Bürger/­innen, lokalen Diensten, Politik und Fachleuten, in dessen

Verlauf die Wünsche und Vorstel­ lungen der Beteiligten erfasst und ausgewertet wurden . Ergebnis: Zunehmend werden Investor/­innen, Architekt/­innen und Betreiber/­innen gewonnen, die an der Verwirklichung des Handlungskonzeptes mitwirken . Im politischen Raum wird das Konzept positiv begleitet, erste Wohnbaupro­ jekte befinden sich bereits im Ge­ nehmigungsverfahren bzw . im Bau .

Kontakt: Stadt Ahlen, Ursula Woltering Tel.: 0 23 82 / 5 94 67 wolteringu@stadt.ahlen.de

„Ich werde zukünftig bestimmt noch genauer darauf achten, dass niemand mit dem Versuch davonkommt, billige Kopien von Partizipation als echte Teilhabe zu verkaufen.“ Lissy Welter, Projektleitung „Brand für alle“, Aachen-Brand für den VdK-Sozialverband

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Das Seniorenbüro Beverungen: Ein Netzwerk für die Belange älterer Menschen Das 2009 gegründete Beverunger Seniorennetz e . V . ist als Zusammen­ schluss engagierter Bürger/­innen der ehrenamtliche Betreiber des Se­ niorenbüros der Stadt Beverungen . Insgesamt 40 Netzpartner/­innen arbeiten zusammen für die Belange der älter werdenden Bevölkerung . Die Bandbreite des Engagements ist groß, hier einige Beispiele: Die Partner/­innen des Seniorennetzes beteiligen sich an Veranstaltungen wie der „Woche des bürgerschaftli­ chen Engagements“ oder dem „Tag der Generationen“ . Für die Gene­ ration 50plus wurde ein Ratgeber entwickelt, um bestehende Angebote für Ältere besser „an den Mann und an die Frau“ zu bringen . Das Seniorennetz hat über 50 „Senioren­ freundliche Betriebe“ ausgezeichnet und auf der Website des Vereins veröffentlicht . Das Projekt „Sonn­ tagsfahrer“ aktiviert interessierte

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ältere Menschen, die am Wochen­ ende gemeinsam kulturelle Ziele in der näheren Umgebung erkunden . In „Dorfwerkstätten“ werden Angebote und Nachfragen für nachbarschaftli­ che Hilfe zwischen alten und jungen Menschen zusammengeführt . Derzeit ist der Verein dabei, in direkter Ansprache „von Haus zu Haus“ eine aktivierende Ortsbefra­ gung durchzuführen, um die Anlie­ gen und Wünsche älterer Menschen noch besser zu erfahren . Auch mit einem Stammtisch, der einmal im Monat stattfindet, ist das Netzwerk präsent und offen für alte und neue Mitwirkende

Kontakt: Beverunger Seniorennetz e. V. Weserstr. 16, 37688 Beverungen, Tel.: 0 52 73 / 39 22 26 seniorenbuero@beverungen.de www.beverungerseniorennetz.de

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Das Beispiel Bocholt: Bürgerbeteiligung durch Stadtteilkonferenzen und Stadtteilbegehungen nach dem Motto: „Wie wollen wir morgen in Bocholt leben?“ Bei den Überlegungen zur Er­ stellung des Seniorenplanes durch das Seniorenbüro Bocholt stand schnell fest, dass die Bocholter Bürger/­innen beteiligt werden sollen und ihnen die Gelegenheit gegeben wird, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern . Auch sollte der Seniorenbeirat der Stadt Bocholt als Gremium, das die Interessen der älteren Bevölkerung im Rat, in der Öffentlichkeit und in der Verwaltung vertritt, mit einbezogen werden . So entstand die Idee der Stadtteilbege­ hungen und der Stadtteilkonferen­ zen . Die Gesamtverantwortung und Organisation des Prozesses über­ nahm das Seniorenbüro Bocholt . Mit einigen Mitgliedern des Seniorenbeirates wurde eine Arbeits­ gruppe zur Vorbereitung der Stadt­ teilbegehungen und Stadtteilkonfe­ renzen gebildet . Die Arbeitsgruppe entwickelte einen Fragekatalog, anhand dessen die einzelnen Sied­ lungsräume betrachtet werden soll­ ten . Fragen wurden in den Bereichen Infrastruktur und Wohnen, Gestal­ tung öffentlicher Räume, ÖPNV und Sicherheit/Verkehrssicherheit gestellt . Bei der Auftaktveranstaltung zu diesem Beteiligungsprozess referierte Ursula Kremer­Preiß vom Kuratorium Deutsche Alten­ hilfe als ausgewiesene Expertin im Bereich „Quartierskonzepte und Quartiersentwicklung“ . Die Stadtteilkonferenzen fanden jeweils in zentralen Räumlichkeiten der einzelnen Siedlungsgebiete statt . Insgesamt nahmen 370 Personen teil . Die Ergebnisse der Stadtteil­

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konferenzen wurden an die zuständi­ gen Fachbereiche der Verwaltung, an die Stadtbus­GmbH und die anderen Beteiligten weitergeleitet .

Kontakt: Stadt Bocholt, Jutta Ehlting Telefon 0 28 71 / 95 35 20 jehlting@mail.bocholt.de

Die Diskussion im Workshop Nach den Inputs aus der Praxis wurden im Plenum drei Leitfragen diskutiert: Welche Voraussetzungen oder Schwierigkeiten stellen Sie im ländlichen Raum fest? Wie begegnen Sie diesen Heraus­ forderungen? Welche Unterstützungsmöglich­ keiten sind erforderlich?

Informationen weit zu streuen, eine Identifikation mit dem Projekt und der Stadt/Dorf/Stadtteil herzustel­ len, zielgerichtete Weiterbildung anzubieten und gute, verlässliche Mitstreitende mit hoher sozialer Kompetenz zu gewinnen . Anhand der 12 Ziele der gemein­ wesenorientierten Seniorenarbeit des Institutes FoGera wurden zudem elementare Qualitätsstandards er­ folgreicher Partizipation diskutiert .

Quelle: Qualitätsziele modernen SeniorenInnenarbeit und Altersbildung, Das Handbuch, Oberhausen 2008

Der Workshop wurde gestaltet von: Jutta Ehlting, Seniorenbüro Stadt Bocholt Dr. Hans-Henning Kubusch, Seniorennetzwerk Beverungen e.V. Ulla Woltering, Kommunale Leitstelle Älter werden in Ahlen

Zu den Autor/-innen: Jutta Ehlting leitet seit fast 20 Jahren das Seniorenbüro der Stadt Bocholt. Sie ist Geschäftsbereichs-

Zu den Voraussetzungen und Schwierigkeiten von Partizipations­ prozessen wurden von den Teilneh­ menden zahlreiche Ideen erarbeitet, dabei war das Thema „Verlässlicher Rahmen“ besonders wichtig . Natür­ lich wurden als fördernde Faktoren auch genannt: Herzblut, ein gutes Team, Galionsfigur oder Motivator, Vertrauen und Verbündete . Als Schwierigkeiten stellten sich Überbelastung, Nachfolgere­ gelungen, Gleichberechtigung und unzureichende Finanzen heraus . Ein Teilnehmer beschrieb auch das Phänomen „Verbrannte Erde“, wenn im Vorfeld Projekte nicht zu Ende geführt wurden und Bürgerbeteili­ gung ins Leere lief . Um den zahlreichen Herausfor­ derungen zu begegnen und Parti­ zipation im ländlichen Raum zu unterstützen, war es nach Ansicht der Teilnehmenden u . a . wichtig,

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leiterin im Fachbereich Soziales und dort zudem für Pflegeberatung, Rente, Betreuungen, Ehrenamt und Quartiersentwicklung zuständig. Seit 2010 engagiert sie sich in der Lenkungsgruppe der Landesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros (LaS NRW) und setzt sich dort für die Weiterentwicklung der Seniorenbüros NRW ein. Die Diplompädagogin Ursula Woltering ist Sozialplanerin in der Stadt Ahlen. Sie ist zuständig für die Seniorenarbeit, Engagementförderung, die Weiterentwicklung von Angeboten bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit und Leiterin des Integrationsteams der westfälischen Kommune. In ihrer Funktion als stellvertretende Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros (BaS) arbeitete sie aktiv mit an der Gründung der Landesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros NRW (LaS NRW), deren Sprecherin sie ist. Kontakt: Landesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros NRW Ramona Geßler Tel.: 0 23 82 / 40 90, info@las-nrw.de Wilhelmstraße 5, 59227 Ahlen www.las-nrw.de

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Seniorenvertretungen – Motor für Partizipation im Gemeinwesen … und ein Gewinn für Kommunen, wenn sie wollen! Barbara Eifert, Institut für Gerontologie, wissenschaftliche Beraterin der Landesseniorenvertretung Nordrhein-Westfalen (LSV NRW) In Seniorenvertretungen (SV) spiegelt sich Partizipation und deren Stärkegrad mehrfach wieder, denn SV sind Partizipationsträger, -praktiker und -botschafter zugleich. Aller Kritik zum Trotz gibt es SV und ihre Anzahl wächst, besonders in NordrheinWestfalen: In 40 Prozent von 396 Kommunen sind SV aktuell Realität. Themen des Workshops „Seniorenvertretungen – Motor für Partizipation im Gemeinwesen“ waren: Welcher Voraussetzungen und Bedingungen bedarf es für eine gute Entwicklung von Partizipation mit SV? Welcher Haltungen bedarf es, damit Partizipation (auch mit Seniorenvertretungen) gut gelingen kann? Was hat eine Kommune davon, wenn sie sich – zum Beispiel – mit einer Seniorenvertretung auf den Weg der Partizipation mit Höhen und Tiefen zu begeben? Welche Erfahrungen aus der Praxis für gelungene Partizipation von SV gibt es?

Kommunale Seniorenvertretungen In Deutschland gibt es derzeit nach einer Erhebung der Bundesarbeitsgemeinschaft der 16 Landesseniorenvertretungen (BAG LSV 2012) rund 1 .300 kommunale Seniorenvertre­ tungen (SV) in unterschiedlichen Formen . Sie zielen als unabhängige Gremien auf die Mitge­

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staltung der kommunalen Gesellschaft, indem sie politische Teilhabe (= Partizipation) älterer Menschen praktizieren, stärken und sichern helfen . Diese Zielsetzung hat grundlegende Bedeutung für die Älteren selbst, die Beziehun­ gen der Generationen und damit auch für eine solidarisch geprägte Gesellschaft insgesamt .

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der Höhe der öffentlichen Mittel wider, die für Alten­ bzw . Seniorenpolitik eingesetzt werden . Quasi traditionell ist dies ein Politikbereich, der über vergleichsweise geringe öffentliche Mittel verfügen kann . Im Zuge der sich weiter ausbreitenden Armut der öffentlichen Haus­ halte stehen diese ohnehin geringen Mittel zudem vielerorts auf dem Prüfstand .

Seniorenvertretungen sind freiwillige Einrich­ tungen von Kommunen mit Ausnahme Berlins, dort ist ihre Benennung gesetzlich festge­ schrieben . Sie sind in ihrer Willensbildung der Unabhängigkeit im Hinblick auf politi­ sche Parteien, Verbände und Konfessionen verpflichtet. Sie bieten damit eine Form der unabhängigen politischen Teilhabemöglichkeit älterer Menschen in allen 16 Bundesländern Deutschlands . SV setzen sich für die legitimen Belange älterer Menschen ein . Dies entspricht zum einen dem Bedarf nach Mitgestaltung Älterer und zeigt zudem, dass die Belange älterer Menschen in der etablierten Politik – jenseits der unstrittig wichtigen Pflegethemen – noch immer einen vergleichsweise geringen Stellenwert haben . Dies spiegelt sich auch in

Kommunale Seniorenvertretungen und Partizipation In Seniorenvertretungen spiegelt sich Par­ tizipation mehrfach wieder, denn sie vereinen in diesem Zusammenhang mindestens drei Rollen . Sie sind zum einen Partizipations­ träger, da sie beanspruchen, die Interessen und Anliegen älterer Menschen im vorparlamen­ tarischen Raum einer Kommune zu vertreten . Zudem sind sie Partizipationspraktiker, da sie durch ihr Handeln Partizipation faktisch umsetzen . Neben diesen beiden Rollen sind sie Partizipationsbotschafter, denn ihr Anspruch und ihre Praxis zeigen gelebte Partizipation für alle Einwohner und Einwohnerinnen einer Kommune . Alle drei Rollen sind im Hinblick auf die Wirksamkeit von Partizipation be­ deutsam, da sie nicht nur für die Generation der aktuell alten Menschen Wirkung zeigen,

Zur Organisation und für die Wirksamkeit von Partizipation Voraussetzungen

Engagementbereitschaft

Partizipationsbereitschaft

Rahmenbedingungen

bei den Partizipationsforderern

bei den Partizipationsermöglichern

die Partizipation fördern

Handlungsebene

Selbstbestimmung und Kooperation

Lernbereitschaft

Professionelle „Spielregeln“ einhalten

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Einlassen

Einbezug in Prozesse

Aufgaben anbieten

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Anerkennung (formal und faktisch)

Finanzielle Mittel

Hauptamtliche Beratung und Unterstützung

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sondern darüber hinaus . Damit sind SV auch Motor und Bestandteil einer Engagement­ und Partizipationskultur . Die Wirkungen von SV im Hinblick auf Partizipationsprozesse haben unterschiedliche Stärkegrade . Wesentlich hängen diese Wir­ kungen von den Rahmenbedingungen in den Kommunen ab . Die Übersicht auf der vorhe­ rigen Seite zeigt, welche Voraussetzungen für die Wirksamkeit von Partizipation systema­ tisch benannt werden können . In der Übersicht werden im oberen Teil drei Voraussetzungen benannt und im unteren Teil, auf der Handlungsebene, die dazugehörigen Ausgestaltungen . Die drei Voraussetzungen sind die Bereitschaft des Einzelnen, sich zu engagieren, die Bereitschaft derjenigen, die Partizipation fördern und zulassen können (ermöglichen) sowie Rahmenbedingungen, ohne die Partizipation nur schwer oder gar nicht praktizierbar ist . Den jeweiligen Voraus­ setzungen sind im unteren Teil der Übersicht die konkreten Anforderungen (bei Partizipati­ onsforderern und Partizipationsermöglichern) und Ausgestaltungen (bei den Rahmenbedin­ gungen) zugeordnet . Impuls und Ergebnisse des Workshops Bei dem Impuls standen grundlegende Informationen über die Organisationsstruktur, die Ziele und die Aufgaben von Seniorenver­ tretungen im Fokus . Diese Informationen wur­ den durch Erfahrungen aus der Praxis ergänzt . In der Handreichung der LSV NRW „Kommu­ nale Seniorenvertretungen – Gründung leicht gemacht“ werden diese Informationen in aus­ führlicher Form geboten . Die Handreichung kann unter www .lsv­nrw .de abgerufen werden .

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Im Fokus

Die anschließenden Diskussionen wurden mit Hilfe von drei Fragen strukturiert . Folgende Ergebnisse lassen sich zusammenfassen: 1. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Partizipation in Form von SV grundsätzlich zu gewährleisten? Optimale Konstituierungsverfahren wie etwa eine Urwahl helfen zur guten Etablierung einer SV . Aber auch weniger optimale Verfah­ ren sind zur Ebnung des Weges für eine SV geeignet und helfen . Manches muss sich erst entwickeln . So kann es sinnvoll sein, zunächst ein Delegationsverfahren zur Gründung einer SV zu nutzen und eine Urwahl erst später durchzuführen . Wichtig ist, sich auf den Weg zu machen und eine SV Gründung nicht an solchen Fragen scheitern zu lassen . Darüber hinaus gilt: Information und Weiterbildung für SV wichtig, da fachliche Kompetenz von SV bei deren Anerkennung hilft . Finanzielle Mittel sind wichtig, um etwas gestalten zu können . Dabei muss es keines­ wegs um große Summen gehen . Die Unterstützung von Verwaltungen in Organisationsfragen ist für SV wichtig . Der Kontakt und die Kooperation mit Akteuren in der Altenpolitik am Ort sind wichtig . 2. Welche Hürden und Herausforderungen stellen sich dabei? Überlastung und Überforderung: In SV kommen oftmals Menschen zusammen, die bereits anderweitig und schon über lange Zeit ehrenamtlich engagiert sind . Dies kann zu Überlastungen führen . Außerdem kann es vorkommen, dass das, was eine SV leisten soll, viel zu viel an Belastungen für ehren­ amtlich Tätige zur Folge hat . Es besteht die Gefahr, dass das, was eine Kommune aus finanziellen Gründen nicht mehr leisten kann, auf ehrenamtlich Tätige übertragen wird und dies zu Überlastungen und Über­ forderungen führen kann . Letztlich geht es nicht nur auf Kosten der Einzelnen, sondern schadet der Motivation zum Engagement insgesamt .

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Mangelnde Ideen und Motivationen schaden . Unklare Zielsetzungen der SV insgesamt und ihrer Mitglieder bringen unnötige Konflikte. Konkurrenzen im Feld Altenpolitik schaden der Motivation .

gerade auch im Alter, wirkt integrierend und mehr noch: Partizipation bedeutet umfassend verstanden: Inklusion .

Literatur Eifert, Barbara & Stehr, Ilona (2012): Kommunale Seniorenvertretungen. Gründung leicht gemacht. Handreichung. 3.

3. Was brauchen Sie (noch) für eine erfolgreiche Arbeit? Adressaten: Politik, Verwaltung, Ältere, Hauptamtliche, Medien etc. Überhaupt und noch mehr engagierte Menschen, möglichst klare Strukturen, Kontinuitäten bei den Mitgliedern mit geregelten Übergängen, mehr Durchsetzungsfähigkeit der einzelnen Mitglieder der SV und damit der SV insgesamt, Akteure der Altenpolitik am Ort zusammen­ bringen (Bündelungsfunktion der SV!), gute Arbeitsorganisation und hauptamtliche Unterstützung .

überarbeitete Auflage Landesseniorenvertretung NRW (Hrsg.). Münster: Eigenverlag. Eifert, Barbara (2008): Die BAG LSV – Struktur und Praxis einer Interessenvertretung. In: Seniorenvertretungen – Politische Partizipation älterer Menschen in Bund, Land und Kommune. Bonn 2008. Eifert, Barbara & Stehr, Ilona (2006): Arbeitshilfe für Seniorenvertretungen im ländlichen Raum. Landesseniorenvertretung NRW (Hrsg.). Münster: Eigenverlag.

Zur Autorin: Barbara Eifert ist seit 1999 wissenschaftliche Beraterin der Landesseniorenvertretung Nordrhein-Westfalen, ist Mitglied im Netzwerk Seniorenpolitik Nordrhein-Westfalen mit den Schwerpunkten und Bezügen: Partizipation,

Fazit der Diskussion Insgesamt ist festzuhalten: Partizipati­ on basiert auf einer Grundeinstellung, d . h . einer überzeugten und positiven Haltung dazu; Partizipation ist durchaus mühsam und konflikthaft für alle Beteiligten; Partizipation erfordert Verbindlichkeit, Respekt und Wert­ schätzung sowie Offenheit und Reflexion von allen Beteiligten . Partizipation leistet Beiträge zur Konstruktion von Gesellschaft, generati­ onsübergreifend und solidarisch . Partizipation,

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Altersdiskriminierung, Altersbilder, kommunale Leitbilder Alter, demografische Entwicklung auf kommunaler Ebene und führt u. a. Fachmoderationen durch. Kontakt: Institut für Gerontologie/ Forschungsgesellschaft für Gerontologie e. V. an der TU Dortmund Evinger Platz 13, 44339 Dortmund Tel.: 02 31 / 72 84 88-21, eifert@post.uni-dortmund.de

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Wir „Alten“ können viel mehr, als man uns machen lässt Erfolgsfaktoren zur Förderung von Partizipation in der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit Johannes Mehlmann, Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Nordrhein-Westfalen In den Kommunen werden künftig immer mehr Ältere leben, die aufgrund ihres jungen Alters und ihres Gesundheitszustandes nicht an einem Rückzug aus der Gesellschaft interessiert sind. Ziel muss es sein, die vielfältigen Kompetenzen Älterer dauerhaft und unter professioneller Begleitung einzubeziehen. In dem Workshop haben Vertreter/-innen der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in NRW (lagfa NRW) und der Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen e.V. gemeinsam mit den Teilnehmenden folgende Leitfragen diskutiert: Was sind gelingende Faktoren, um Partizipation zu fördern? Welche Ressourcen benötigt man? Wie kann Partizipation finanziert werden? Wie gelingt schnittstellenübergreifende Zusammenarbeit? Wie ermöglicht und fördert man Selbstorganisation?

D

ie Teilnehmenden des Work­ shops waren Haupt­ und Eh­ renamtliche aus Stadtverwaltungen und Wohlfahrtsverbänden, die in den Bereichen Pflege, Wohnungs­ wirtschaft, Gesundheit, Bildung und sozialraumorientierter Sozialarbeit arbeiteten . Vertreter/­innen von Initiativen, die die Belange älterer Schwuler und Lesben vertraten, brachten ganz neue Impulse, z . B . hinsichtlich der Frage, wie mit schwulen und lesbischen Menschen in Seniorenheimen umgegangen wird und welche Probleme sich dort ergeben .

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Jürgen Meißner, Mitglied im Seni­ orenbeirat der Stadt Gelsenkirchen, bemängelte in seinem Impulsreferat, dass es eine Vielzahl von Angeboten für die „Alten“ gebe, aber von Betei­ ligung und Aktivierung kaum etwas zu spüren sei . Man widmet sich zunehmend der Zielgruppe der älteren Menschen .

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Oft bezieht man diese aber gar nicht in den Prozess mit ein . Es wird über die Alten geredet, aber nicht mit ihnen, man lässt sie nicht aktiv mitgestalten. Oder es findet eine Überbehütung statt . Dabei können ältere Menschen viel mehr, als man sie machen lässt . Das „machen lassen“ sollte ein emanzipatorisches Miteinander am kommunalen oder gesellschaftspolitischen Leben sein . Zudem gibt es heute viele Initi­ ativen, Veranstaltungen, Aktionen, institutionalisierte Angebote und Zusammenkünfte über die „Alten“ . Doch häufig verpufft der zu beob­ achtende Aktionismus wieder nach kurzer Zeit . Gestern die Veranstal­ tung zur Altersarmut . Heute der Aktionstag zur Demenz oder zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben . Morgen geht man wieder zur Tagesordnung über . Oft sind diese Veranstaltungen und Aktionen nicht einmal innerhalb einer Stadt unter­ einander abgestimmt .

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Beispiele aus der Praxis, die im Workshop ausgetauscht wurden Das Praxisbeispiel aus dem Gelsenkirchener Stadtteil Bismarck „Forum 2000 Gelsenkirchen­ Bismarck/Schalke­Nord“ zeigt, das gerade das Wohnquartier einen guten Ansatzpunkt dazu bietet . In Bismarck ist es gelungen, ein Netz­ werk in einem Prozess von „unten“ zu starten und dauerhaft im Stadtteil zu verankern . Dabei hat sich gezeigt, dass der Prozess aus der Bürger­ schaft von „unten“ kommen und ihnen die Freiräume geben muss, selbst aktiv mitzugestalten . Dieser Prozess braucht Kümmerer, die die Senior/­innen­Arbeit fördern und unterstützen . So ist der „Consol­Lotse“ entstanden, eine gemeinsam im Verein „Forum 2000“ mit fast 50 Organisationen erstellte Broschüre zu den Angeboten im Gelsenkirche­ ner Stadtteil Bismarck, der lange durch die Zeche Consolidation geprägt war . Der Lotse hat sich als

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eine wirkungsvolle Hilfe für die zunehmend älteren und auch jünge­ ren Neubürger/­innen im Quartier bewährt, sich dort schnell zu orien­ tieren und einzuleben . Das mobile Kaffeekränzchen tourt durch den Gelsenkirchener Stadtteil Bulmke­Hüllen . Es hat sich zur Aufgabe gemacht, gerade die älteren Menschen mit wenig Geld wieder zu aktivieren . Eine Gruppe Ehrenamtlicher baut ein mobiles Café an Punkten im Stadtteil auf, wo Verarmung und Vereinsamung von Älteren ein besonderes Thema

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sind . Geboten wird neben selbst gemachtem Kuchen und Kaffee die Möglichkeit des nachbarschaftlichen Austausches . Dabei soll die aktive Mitgestaltung durch die Menschen im Quartier noch weiter ausgebaut werden . Ein drittes Beispiel war das Seniorennetz Gelsenkirchen, das mit unterschiedlichen Ansätzen in den Stadtteilen auf sich aufmerksam macht und ein breit gestreutes Be­ ratungsangebot bietet . Hier wurden z . B . die Seniorenvertreter/­innen / Nachbarschaftsstifter in Gelsen­ kirchen etabliert. Diese verpflichten sich, einige Stunden in der Woche für ehrenamtliche Arbeit in ihrem Quartier aufzubringen . Sie werden dabei professionell begleitet, unter­ stützt und geschult . Die Nachbar­ schaftsstifter haben feste Sprech­ zeiten und ­orte . Dort stehen sie für (fast) alle Fragen zur Verfügung, vermitteln Nachbarschaftshilfe und vertreten die Interessen älterer Menschen . Die Diskussion in den Workshops In den Workshops ging es um den Austausch von Erfahrungen . Was wird wie und wo angeboten? Wollen die „Alten“ nur umsorgt und beschäftigt werden? Was sind die passgenauen Ansätze in den Wohn­ quartieren? Wo drückt der Schuh? Und wie können die Menschen

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aktiviert werden, um mit dafür zu sorgen, dass sie möglichst lange und zufrieden in ihrem gewohnten Umfeld leben können? Folgende Punkte wurden fest­ gehalten: Wir benötigen mehr nachhaltiges und langfristiges Denken und Handeln! Viel Geld wird in das Thema gesteckt . Viele Projektideen werden entwickelt . Manche gehen am The­ ma vorbei . Teure Studien verpuffen, weil die, die damit umgehend sollen, wie z . B . die Wohlfahrtsverbände, in Aufgaben ertrinken . Ihnen fehlen die Zeit und das Personal, um intensiv am Thema zu bleiben . Auch den für Beteiligungs­ und Gestaltungsprozesse initiierten Projektstellen wie z . B . Stadtteil­ programme, fehlt die Dauerhaftig­ keit . Wie sollen Stadtteilprogramme auch wirkungsvoll vernetzen, wenn die Projektmitarbeitende – die meist von „außen eingekauft“ werden und über wenig persönlichen Ortsbezug verfügen – nach ein bis zwei Jahren wieder abberufen werden, weil die Förderung ausläuft? So fällt das mühsam aufgebaute persönliche Netzwerk wieder in sich zusammen, weil der Kümmerer fehlt . Neue kurzfristige Förderungen bringen wieder neue Gesichter, aber keine Konstanz .

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Nicht über, sondern mit älteren Menschen reden und handeln! Zudem wird gerne über die Zielgruppe gesprochen, aber weniger mit ihr und noch weniger wird sie aktiv in den Gestaltungsprozess mit eingebunden . Hier ist ein Umdenken nötig, denn es gibt ein großes Po­ tenzial an Menschen, die mitmachen könnten . Geht man als frischgeba­ ckener Rentner erstmals werktags morgens freudig in die Sauna, dann ist man überrascht – man ist nicht der Einzige in dieser Altersgruppe und findet fast keinen freien Spind mehr. Wir benötigen vielfältige Konzepte für vielfältige Menschen! Ziel muss es sein, die vielfältigen Kompetenzen Älterer nachhaltig einzubeziehen . Damit das gelingt, muss bedacht werden, dass es nicht die eine Lösung für die gesamte Lebensphase jenseits der 60 geben kann . Sowohl körperlicher Zustand wie auch das soziale Umfeld und die persönlichen Neigungen sind zu bedenken . Senior/­innen wollen in ihrer Vielfalt beachtet werden . Konzepte müssen vielfältig sein: Politische Beteiligung, Unterstützung

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Bedürftiger, Bildung und Freizeit sind dabei wichtige Schwerpunkte . Wichtig ist zudem ein frühzeitiges Erreichen der Menschen, am besten bereits in der Phase zwischen Arbeit und Ruhestand . Geeignete Maßnah­ men müssen Eigenaktivitäten stärken . Voraussetzungen für Partizipation: dauerhaft, aktivierend, professionell, generationsübergreifend und finanziell gesichert Einig waren sich alle Work­ shopteilnehmenden, dass es dauer­ hafte und aktivierende Prozesse im Wohnquartier geben sollte . Zudem erfordert eine erfolgreiche Arbeit immer ein finanzielles Polster und eine professionelle Steuerung . Multiplikator/­innen sind im So­ zialraum wichtig . Kümmerer und Kenner des Quartiers, die Ehren­ amtliche hauptamtlich begleiten und unterstützen . Aktionen sollten besser aufeinan­ der abgestimmt werden und Kon­ kurrenzdenken vermieden werden . Sponsoren und Fördervereine sind in Zeiten leerer öffentlicher Kas­ sen zunehmend wichtig . Es wirkt erschwerend, dass die klassische

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„Vereinsmeierei“ immer unbeliebter wird – es finden sich immer weniger Menschen, die bereit sind, in den festen und formalen Strukturen eines Vereins mitzuwirken . Es braucht Qualifizierungen und Weiterbildung für Ehrenamtliche, eine Wertschät­ zungskultur für ihr Engagement . Zu bedenken gaben die Teilneh­ menden, dass im Sinne einer nach­ haltigen Entwicklung nicht nur eine Generation im Fokus stehen sollte, sondern es muss zunehmend gelin­ gen, dass alle Generationen gemein­ sam aktiv werden und gemeinsam die Zukunft gestalten . Dafür bedarf es neuer Ansätze, die jeweils vor Ort entwickelt werden und durch „Kümmerer“ unterstützt und beglei­ tet werden . Gelungene Beispiele zeigen, dass dies nur „von unten“ erfolgreich etabliert werden kann .

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Der Workshop wurde gestaltet von: Ingrid Lensing, Freiwilligenzentrum Düren e. V. und lagfa NRW Johannes Mehlmann, Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen e. V. und lagfa NRW Hans-Jürgen Meißner, Mitglied im Seniorenbeirat der Stadt Gelsenkirchen Beate Rafalski, Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen e. V.

Zum Autor: Johannes Mehlmann ist Geschäftsführer der Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen e. V. und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Nordrhein-Westfalen – lagfa NRW. Kontakt: Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Nordrhein-Westfalen Am Runhöfchen 6, 45879 Gelsenkirchen (im Sparkassenhaus) Tel.: 02 09 / 92 58 43 22, info@lagfa-nrw.de www.lagfa-nrw.de

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Ein Programmpunkt am Abend: „Andere Ufer“ Schwul-lesbisches Altentheater-Ensemble „Gold + Eden“

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as Abendprogramm der 1 . Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit gab mit einer halb­ stündigen Aufführung des Kölner schwul­lesbischen Altentheater­ Ensembles Gold und Eden Ein­ blicke in biographische Erlebnisse älterer Lesben und Schwuler, und Anregungen, sich mit der Öffnung zur Vielfalt von gemeinnützigen Einrichtungen, Initiativen und der Verwaltung auseinander zu setzen . Veranstaltungsort war die Villa Ignis, eine Art­Déco Villa des Ver­ eins IGNIS – Europäisches Kultur­ zentrum . Zum Einstieg präsentierten sieben Laienschauspieler/­innen in mehreren Szenen Erfahrungen

„Sehr gut, dass es ein und gerade dieses Abendprogramm gab.“ (Ein Teilnehmer) aus ihrem Leben und gaben mit Humor und Tiefgang Einblicke in ihre Lebenswelten, Wünsche und Bedürfnisse . Das Theaterensemble Gold + Eden hat sich 2009 auf Initiative von Rolf Emmerich vom Sommerblut­ Kulturfestival gegründet . Charlott Dahmen als freie Theaterpädagogin hat von Anfang an die Leitung von Gold + Eden übernommen . Die Gruppe besteht zurzeit aus zehn lesbischen und schwulen Spieler/­innen im Alter zwischen 55 und 72 Jahren . Fast alle von

ihnen haben zuvor noch nie in ihrem Leben Theater gespielt . „Andere Ufer“ ist die dritte Produktion von „Gold + Eden“ .

Weitere Informationen und Buchungen des Ensembles über: Charlott Dahmen Theater Interaktion Musik Heidelweg 17, 50999 Köln Tel.: 0 22 36 / 3 31 78 34 post@charlott-dahmen.de www.charlott-dahmen.de

Fotos: © Steff Biel, unten Mitte: MEYER ORIGINALS

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Ein gelungener Abschluss: Das Worldcafé

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um Abschluss der 1 . Herbst­ akademie des Forum Senioren­ arbeit konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während eines Worldcafés gemeinsam an sieben Thementischen noch offene Fra­ gen besprechen, sich über mögli­ che Kooperationen und Methoden austauschen sowie ihre individuelle Vorgeschichte und Motivation zum haupt­ und ehrenamtlichen Engage­ ment vorstellen . Das Worldcafé wurde in drei Durchgängen von jeweils einer halben Stunde durchgeführt . Die Beteiligung war sehr rege und trotz (oder wegen) der sehr unterschied­ lichen Hintergründe der Beteiligten – haupt­ und ehrenamtlich, jung und alt, aus Verwaltung oder Initiative – befruchtend für die eigene Praxis . Die Themen, Inhalte und Diskus­ sionen an den Worldcafé ­Tischen können aufgrund ihrer Vielfalt nicht im Detail wiedergegeben werden, zur Anregung wollen wir einige Ergebnisse und Ideen vorstellen:

Als schwierig wurde die Aufklärung der Zielgruppen angesehen, zumal Ängste subjektiv und manchmal auch durch Information nicht zu beseitigen sind . Der Angst vor dem Fremden, Unbekannten, sei es sexu­ elle Orientierung, Behinderung oder Migrationshintergrund, soll durch Begegnung, Gespräch und positi­ ve Erfahrungen mit den einzelnen

Menschen minimiert werden . „Wenn der andere mir nicht mehr fremd ist, macht er mir auch keine Angst mehr“ war die Aussage dazu . Die Stärkung des Selbstbe­ wusstseins wurde als das wichtigste Handlungsfeld betrachtet . Dort wur­ de neben dem klassischen Selbst­ behauptungstraining die Besinnung auf die Ressourcen der Älteren

Thementisch: „Brennende Fragen“ Alle Gäste des Tisches waren sich einig, dass die Frage „Wie kann die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen unabhängig von Her­ kunft, Bekenntnis, Geschlecht oder sexueller Orientierung, finanziellen Mitteln und subjektiven Beeinträch­ tigungen gelingen?“ zwar in den Workshops immer angeklungen sei, nicht aber in ihrer Vielschichtigkeit diskutiert wurde . Als Haupthinderungsgründe für Partizipation kristallisierten sich die Themen Altersarmut, Unsicherheits­ gefühl und vom gesellschaftlichen Mainstream abweichendes Verhalten heraus .

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vorgeschlagen . Angeregt wurde, diese durch aktivierende Angebote von außen zu wecken, zu aktivieren und auch nach außen deutlich zu machen . Zur Veränderung der Altersbilder ist ein Umdenken in vielen Köpfen und Institutionen nötig . Beispiele wie z . B . die SeniortrainerInnen sollten dafür bekannter gemacht werden . Insgesamt erschien es allen Tischgästen wichtig, unter den Betroffenen und unter den Akteuren solidarische Netze der Verantwor­ tung zu knüpfen und zu pflegen. Dabei ging es hier immer wieder um die Zugangswege, die als schwierig beschrieben wurden . Als erfolgreich wurde von allen Beteiligten die persönliche Ansprache geschildert . Dazu braucht es eine zugehende Arbeit, gestärkte Nachbarschaften und Menschen, die die Initiative ergreifen . Auffällig war, dass an die­ sem Thementisch eine sehr lebhafte, konstruktive Stimmung herrschte, die von einem festen Willen zur Ver­ änderung gekennzeichnet war .

Thementisch: „Ungewöhnliche Methoden aus der Praxis, für die Praxis“ Zwei Themen wurden an diesem Tisch vorrangig behandelt: Wie gewinnen wir neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter? Wie machen wir auf unser Anliegen aufmerksam? Bei der Gewinnung neuer Mit­ streiterinnen und Mitstreiter wurde immer wieder betont, wie wichtig es

ist, die Engagierten dabei einzubin­ den . Sie ziehen durch die hohe Iden­ tifikation mit dem Projekt oder der Initiative andere mit, sie überzeugen in persönlichen Gesprächen vom Sinn und Wirken des Engagements und wirken als gute Rollenbeispiele für andere ältere Menschen . Auch bei der Öffentlichkeitsar­ beit für die eigenen Projekte sollen die Engagierten so stark wie mög­ lich einbezogen werden – indem sie selber die Flyer und die Öffentlich­ keitsarbeit gestalten, ihre Projekte bekannt machen und als glaubhafte Multiplikator/­innen (von Senio­ ren für Senioren) auftreten . Betont wurde dabei, dass auch sprachunab­ hängige Methoden gewählt werden sollen, um Barrieren für Menschen mit einer nichtdeutschen Mutter­ sprache zu reduzieren . Einig waren sich die Gesprächs­ teilnehmenden, dass die Engagierten

„Ich fand die Veranstaltung sehr gut moderiert und mit sinnigen Methoden bereichert (z. B. Worldcafé).“

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ihr Anliegen deutlich machen und zu ungewöhnlichen Mitteln greifen sollten, wenn die „normalen“ Kom­ munikationswege nicht ausreichen . Ein Beispiel: Eine Rollstuhldemo durch die Fußgängerzone . Thementisch: „Was motiviert mich weiter? Ziele, Gründe, Motto …“ Um den Schwung der Workshops und des informellen Austauschs während der 1 . Herbstakademie zu nutzen, wurde das Thema „Mo­ tivation“ gleich an zwei Tischen angeboten . An beiden betonten die Tischgäste, wie wichtig es sei, sich mit Partizipation älterer Menschen auseinander zu setzen und wie mo­ tivierend es sei, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, diese Heraus­ forderungen für sich und für andere meistern zu lernen . „Wir haben erstmalig eine Ge­ sellschaft des langen Lebens – was machen wir damit?“ dieses aktuelle Thema, dem wir fast täglich in der Tagesschau begegnen, gehört ange­ fasst, egal, ob man jetzt schon oder später davon „betroffen“ ist . Dies zeigt auch, dass es bei Partizipation

„Die Mischung der Teilnehmenden (Ehrenamt und Hauptamt) fand ich passend und befruchtend.“

älterer Menschen nicht nur darum geht, andere zu unterstützen . Jede und jeder ist aufgefordert, sich auch mit der eigenen Rolle des Hilfeemp­ fängers auseinander zu setzen und Hilfe anzunehmen . Der Lerneffekt für alle Beteilig­ ten wurde immer wieder betont, der durch passende Angebote in Fort­ und Weiterbildung mit Menschen in einer Umbruchsphase gefördert werden sollte . Ein Beispiel dafür ist Biographiearbeit mit der Fragestel­ lung: „Was sind und waren immer meine Herzenswünsche?“ Einigkeit herrschte darüber, dass zur „Partizipation im Alter“ noch viele offene Fragen bestehen – Wie kann man sie zulassen? Wann ist sie wirkliche Partizipation? – und die haupt­ und ehrenamtlich Engagier­ ten beim „Zulassen, fordern und för­ dern“ in vielen kleinen und großen Schritten erfolgreich sein können .

Nicht immer wird das Engagement mit offenen Armen willkommen geheißen . Engagement und Parti­ zipation werden oft als „Sand im Getriebe“ angesehen, aber „Wider­ stand macht stark“ . Wichtig war den Teilnehmenden, den Mut des Ausprobierens und einen langen Atem mitzubringen nach dem Motto „Es gibt kein Scheitern, es gibt nur Erfahrungen“ . Immer wieder wurde hervorgehoben, dass das genera­ tionsübergreifende Engagement einfach Spaß mache, neue Kontakte fördere, Anerkennung bringe, man sein „Eigenes“ so finden könne. Und sich lohne: „Ehrenamtler leben länger“ .

„Es war eine absolut motivierende Veranstaltung. Ich habe selten in einer einzigen Veranstaltung so viele Anregungen erhalten.“

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„Die Einstiegsreferate waren durchweg knapp, zielführend und gut. Moderation und Organisation waren perfekt. Das Worldcafé war ein gelungener Abschluss.“

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Thementisch: „Welche Kooperationen sind möglich?“ Kooperationen müssen nach Ein­ schätzung der Tischgäste demokra­ tisch und auf Augenhöhe verlaufen . Offensichtlich wird dies an einem wirklich Runden Tisch, an dem alle teilnehmen: der Kreis, die Stadt bzw . Kommune und die Verbände – ohne Besserwisserei einer Partei . Auf Stadtteilebene heruntergebrochen bedeutet dies, alle Institutionen und Akteure im Quartier einzubezie­ hen – z . B . auch bürgerschaftlich engagierte Einzelpersonen, die aus der Gesellschaft heraus „graswurzel­ mäßig“ aktiv sind . Zugleich sollte der Blick über den Tellerrand gewagt werden – wer bietet sich neben der Kommune noch als Kooperationspartner an? Oder alternativ zur Kommune? Koope­ rationen müssen und dürfen nicht nur auf das Quartier begrenzt sein, sondern können sich mit Hilfe neuer Technologien zu internetbasierten Netzwerken ausweiten und so auch ihre Erfahrungen anderen bekannt machen . Oberste Priorität bei allen Koope­ rationen sollte eine sorgsam formu­ lierte gemeinsame Zielsetzung aller

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Partner haben . Für den Einstieg und das Üben einer Kooperation bieten sich überschaubare Projekte mit einem geringen finanziellen Budget an . Absehen sollte man von weiteren Kooperationen, wenn man in einer vorherigen Zusammenarbeit schlech­ te Erfahrungen gesammelt hat . Keine Kooperation um jeden Preis! „Sehr gute, konzentrierte fachliche Diskussionen in den Workshops, den Pausen und im Worldcafé.“

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Thementisch: „Was hat mich biographisch dorthin geführt, wo ich heute engagiert bin?“ Den größten Einfluss auf das je­ weilige Engagement haben familiäre oder berufliche Gründe und glück­ liche Zufälle laut Einschätzung der Tischgäste . Mehrere Teilnehmende geben an, in ihrer Herkunftsfamilie Zu­ sammenhalt und generationenüber­ greifendes „Kümmern umeinander“ gelernt zu haben . Insbesondere der Kontakt zur eigenen Oma und damit der Zugang zu Menschen aus dieser Generation führte viele zur gemeinwesenorientierten Senioren­ arbeit . Daraus entwickelte sich oft auch eine berufliche Tätigkeit in die Bereiche Altenarbeit, Pflege oder eine wissenschaftliche Auseinander­ setzung mit dem Thema „Alter(n)“ . Mehrere Teilnehmende machten den Zufall oder das Glück dafür verant­ wortlich, sich heute mit Spaß und ständig wachsendem Wissen enga­ gieren zu können . In großen Lettern schrieb einer der Teilnehmer auf die Tischdecke des Thementischs seinen biographi­ schen Wegweiser zu Engagement: „Ich mag Menschen!“

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„Ich hätte nicht gedacht, dass man die Anwesenden mit den Methoden erreichen würde. Ist aber voll gelungen. Respekt.“

Thementisch:„Welche Themen sind noch offen?“ Folgende Themen waren nach Einschätzung der Tischgäste am Ende der 1 . Herbstakademie noch offen: Ansprache schwer erreich­ barer Zielgruppen, Männer und Gesundheit, Unterstützung für pflegende Angehörige, Altersarmut, Wohnen im Alter und Nachhaltig­ keit . Zur Nachhaltigkeit stellten die Teilnehmenden fest, dass Projektför­

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derungen gut und wichtig sind, aber es oft beim Auslaufen der Förderun­ gen keine nachhaltigen Strukturen gibt . Gewünscht wurde, dass vor allem die Projekte gefördert werden, bei denen von Anfang an überlegt wird, wie es am Ende der Förderung weitergeht und wie die Nachhaltig­ keit gewährleistet werden kann . Eine Auflistung von messbaren Parametern zur Nachhaltigkeit und zur Erfolgsmessung von Projekten war ein zusätzlicher Wunsch . Wich­

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tig war den Teilnehmenden zudem, dass die Rollen der Hauptamtlichen neu definiert werden. In partizipati­ ven Prozessen müssen sie sich auf neue Aufgaben einstellen, nämlich der Moderation, Koordination und Prozesssteuerung . Ein weiteres Thema waren lan­ desweite Datenbanken, die online erlauben, Anregungen und An­ sprechpartner zu finden. Als Bei­ spiele wurden das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, die Stiftung Mitarbeit, Sozialnetz Hessen, Aktive Bürgerschaft, das Netzwerk Soziale Stadt oder die Stiftung Bürgermut genannt .

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Nachbericht zur 1. Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit Nordrhein-Westfalen Ende Oktober 2012 fand unter dem Titel „Partizipation älterer Menschen im Gemeinwesen fordern, fördern und zulassen“ die 1. Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit Nordrhein-Westfalen statt. Ermöglicht wurde sie durch die enge Kooperation mit dem „Evangelischen Zentrum für innovative Seniorenarbeit“, dem Forschungsinstitut Geragogik, der Initiative „Immer dabei – Landeskoordination für ältere Lesben und Schwule“, der lagfa-Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen NRW, der LaS-Landesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros NRW, der LSV-Landesseniorenvertretung NRW, der Paritätischen Akademie NRW und der ZWAR-Zentralstelle NRW und durch die Förderung durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter. Ein äußerster erfolgreicher Zusammenschluss, wie die Auswertung zeigte: Ein Erfolg in Zahlen Mehr als 120 Teilnehmerinnen und Teilneh­ mer nahmen an der zweitägigen Veranstaltung am 29 . und 30 . Oktober in Köln teil . Für die Veranstalter war die große Nachfrage – trotz Erhöhung der Teilnehmerzahl konnten nicht alle Interessierten teilnehmen – ein eindeutiges

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Zeichen für die Aktualität des Themas „Parti­ zipation älterer Menschen“ . Ein Erfolg in Lernerfahrungen Ebenso wichtig wie das Interesse an der Herbstakademie waren die Lernerfolge bei den Teilnehmenden: Die 1 . Herbstakademie wollte

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durch abwechslungsreiche und aktivierende Methoden möglichst viel Gelegenheit bieten, in den Austausch zu kommen, Fragen zu stel­ len und Erfahrungen einzubringen . „Lernen heißt nicht lesen . Wir lernen, indem wir mit anderen Menschen sprechen, einen emotionalen Bezug zum Thema entwi­ ckeln und dessen Relevanz schätzen . Indem wir Dinge in eigenen Worten wiederholen, eigene Perspektiven mit anderen rückkoppeln und am Ende das Gelernte sinnvoll in den eigenen Alltag integrieren .“ beschreibt Daniel Hoffmann, Projektleiter des Forum Senioren­ arbeit Nordrhein­Westfalen, den Ansatz der Herbstakademie . In die Tat umgesetzt wurde dies durch ein abwechslungsreiches Programm . Ministeri­ aldirigent Markus Leßmann, Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW begrüßte die Teilnehmenden . In einer Podiumsdiskussion stellten Dorothea Glauner, Vorsitzende Seniorenbeirat Wuppertal; Monika Klemz, Leiterin Amt für Soziales und Integra­ tion, Stadt Hilden und Klaus­Hermann Rössler, Beigeordneter der Stadt Bergheim vor, wie sie Partizipation älterer Menschen gemäß dem Aka­ demiemotto „fordern, fördern und zulassen“ . Im Anschluss stellten sich in 16 Workshops Projekte, Initiativen und Vereine aus Nord­ rhein­Westfalen vor, die die Partizipation Älterer höchst unterschiedlich fördern, ent­ wickeln oder wissenschaftlich begleiten . In Gruppen von maximal 20 Personen dis­ kutierten die haupt­ und ehrenamtlichen Impulsgeber/­innen mit den Teilnehmenden,

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welche Voraussetzungen, Herausforderungen und Bedarfe die Partizipation z . B . im länd­ lichen Raum, in der virtuellen Welt, in Bezug auf die Lebensqualität oder im Hinblick auf Lesben, Schwule oder Menschen mit Migrati­ onshintergrund hat . Verschiedene Modelle von Partizipation wie ZWAR­Netzwerke, Seni­ orenvertretungen oder Nachbarschaftshelfer wurden offen und kritisch diskutiert . Am Abend des ersten Tages gab die schwul­lesbische Altentheatergruppe Gold + Eden einen Einblick in die Vielfalt der älte­ ren Menschen . Der Tag klang in informeller Atmosphäre im Europäischen Kulturzentrum Villa Ignis aus . Nach einer Workshoprunde und dem Speaker’s Corner – einer Art Marktplatz, in der die einzelnen Workshops vorgestellt wurden – bildete am zweiten Tag ein Worldcafé, bei dem sich die Teilnehmenden zu Methoden, Motiva­ tion, Erkenntnissen und Wünschen austausch­ ten, den Abschluss der 1 . Herbstakademie . Die Rückmeldungen der Teilnehmer/­innen zeigen, dass das Konzept des Lernens durch Austausch aufgegangen ist: „Was wir an den beiden Tagen gelernt haben, motiviert uns sehr“, fasst ein Teilnehmer zusammen, „Ich kam mit der leichten Arroganz, dass ich mich sehr gut in dem Thema auskenne und höchs­ tens meine Erfahrungen weitergeben kann . Ich bin eines Besseren belehrt worden und nehme viel mit!“

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Ein Erfolg in der Teilnehmergruppe Besonders erfreut hat die Veranstalter, dass sie unterschiedliche Zielgruppen in den Aus­ tausch bringen konnten: Hauptamtliche, die das Engagement und die Beteiligung Älterer unterstützen; Ehrenamtliche, die z . B . in Senio­ renvertretungen, Nachbarschaftsprojekten oder Bildungsinitiativen die Gesellschaft mitgestal­ ten und Vertreter/­innen aus der Verwaltung, die das Thema Bürgerengagement in ihre Strukturen integrieren wollen . Die Mischung sagte auch den Teilnehmen­ den zu: „Mir hat sehr gut gefallen, dass mit vielen verschiedenen und unterschiedlichen Akteuren in der Seniorenarbeit fachliche Ge­ spräche geführt werden konnten und dass dazu die fachlichen Inputs vorbereitet und angebo­ ten wurden“, beschreibt es eine Teilnehmerin .

1. Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit Nordrhein-Westfalen Programm Montag, 29. 10. 2012 12.15 Uhr: Begrüßung & Impuls Ministerialdirigent Markus Leßmann, Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen Podiumsdiskussion Dorothea Glauner, Vorsitzende Seniorenbeirat Wuppertal Monika Klemz, Leiterin Amt für Soziales und Integration, Stadt Hilden Klaus-Hermann Rössler, Beigeordneter der Stadt Bergheim 13.30 Uhr: Parallele Workshops

Evaluation Die knapp 130 Teilnehmenden wurden eingeladen, online Rückmeldungen zur 1 . Herbstakademie zu geben, 45 nutzten die Gelegenheit . Ihre Rückmeldungen ergaben im Durch­ schnitt folgende Benotung auf einer Bewer­ tungsskala von eins bis vier: Das Thema der Herbstakademie: 1,3 Der persönliche Nutzen für die Praxis: 1,8 Die Auswahl der Workshopinhalte: 1,8 Die Möglichkeit zur Mitarbeit während der Workshops: 1,8 Die Möglichkeit, mit anderen in’s Gespräch zu kommen: 1,3 Beurteilung der Herbstakademie insgesamt: 1,6

15.30 Uhr: Pause

Auch die offenen Antwortmöglichkeiten spie­ gelten diese Zufriedenheit wider: Die Fach­ lichkeit, die Moderation, die Organisation und der Austausch wurden immer wieder lobend erwähnt . An Verbesserungen wurde mehr Vielfalt vorgeschlagen, was auch dem am häufigsten gewünschten Thema für eine weitere Herbst­ akademie entspricht: Diversität .

Moderation:

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16.00 Uhr: Parallele Workshops 18.00 Uhr: Gemeinsames Abendessen 20.00 Uhr: Netzwerken und Kultur in der Villa Ignis mit „Andere Ufer“ – biografische Theaterszenen des schwul-lesbischen Altentheater-Ensembles Gold + Eden Dienstag, 30. 10. 2012 09.00 Uhr: Stehkaffee zum Auftakt 09.30 Uhr: Parallele Workshops 11.30 Uhr: Speaker’s Corner – informeller Austausch zu den Workshops 12.00 Uhr: Mittagessen 13.00 Uhr: Worldcafé zu Themen der Teilnehmenden 15.30 Uhr: Abschluss 16.00 Uhr: Ende

Eva-Maria Antz, Referentin für bürgerschaftliches Engagement bei der Stiftung MITARBEIT, Moderatorin, Onlineredakteurin engagiert-in-nrw.de; Barbara Eifert, Forschungsgesellschaft für Gerontologie e. V. / Institut für Gerontologie an der TU Dortmund Veranstaltungsort: Jugendgästehaus Köln-Riehl

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Ausblick: 2. Herbstakademie am 23. und 24. 9. 2013 in Gelsenkirchen

Liebe Leserinnen, liebe Leser, bei der Planung zur 1 . Herbstakademie haben wir uns sehr genau überlegt, wie wir den Be­ griff „Partizipation“ nicht nur im Titel tragen, sondern auch leben . Als Kriterien haben wir festgelegt, dass wichtige Akteure aus der gemeinwesenorien­ tierten Seniorenarbeit in Nordrhein­Westfalen von Anfang an maßgeblich an der Konzeption und der Feinplanung beteiligt sind und dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv beteiligen können . Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden: Sorgfältig aufeinander abgestimmte Work­ shopinhalte mit einer großen Methodenvielfalt und dem konsequent verfolgten Prinzip, an­ geregte und kritische Diskussionen zu fördern und zu zulassen . So wurden alle Teilnehmerinnen und Teil­ nehmer, unabhängig von ihrer Aufgabe in den Workshops oder ihrem haupt­ bzw . ehrenamt­ lichen Kontext zu Lernenden . Dieses Prinzip setzte sich bis zu unserem letzten Programm­ punkt, dem Worldcafe, fort . Unsere Sorge, dass wir an dieser Stelle Partizipation fordern, wo sie eigentlich keiner mehr möchte – zwei Tage Lernen, Austau­ schen und Vernetzen können anstrengend sein – war unbegründet, an den Tischen wurde diskutiert, gestritten, gelacht . Als Veranstalter wussten wir spätestens an diesem Punkt, dass die Premiere der Herbst­ akademie gelungen ist . Bestätigt wurde dies durch die Rückmeldungen der Teilnehmerin­ nen und Teilnehmer . Ein klares Signal für uns und allen Beteilig­ ten, mit diesem Format weiter zu machen . Johannes Mehlmann, Sprecher der lagfa Nordrhein­Westfalen, lud schon in der Abschlussrunde der 1 . Herbstakademie das Forum Seniorenarbeit ein, die 2 . Herbst­ akademie im Jahr 2013 in Gelsenkirchen aus­ zurichten . Kurz danach erreichte uns ein Brief von Dr . Wilfried Reckert, Seniorenbeauftragter

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der Stadt Gelsenkirchen, den wir hier aus­ schnittsweise wiedergeben: „Im Namen der Stadt Gelsenkirchen möchte ich die Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit NRW herzlich einladen, im Jahr 2013 in Gelsenkirchen zu tagen. Gelsenkirchen liegt mitten in der Metropolregion des Ruhrgebiets, die sich vor einigen Jahren an der WHO-Initiative „agefriendly city“ beteiligt hat, … Als Kommune, die das Leitziel der Partizipation in ihrem vom Rat der Stadt 2005 einstimmig verabschiedeten Masterplan Seniorinnen und Senioren formuliert und mit ihren Ermöglichungsstrukturen … auf den Weg gebracht hat – und somit das Motto der 1. Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit lebt – würden wir uns sehr freuen, der nächste Austragungsort zu sein.“ Wir nehmen diese Einladung gerne an! Bitte merken Sie sich diesen Termin vor: 2 . Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit Nordrhein­Westfalen am 23 . und 24 . Septem­ ber 2013 im Wissenschaftspark Gelsenkirchen . Wir wollen uns mit der Vielfalt – auch von neuen Teilhabeformen – in der Vielfalt der Generation der Älteren befassen . Anregungen sind willkommen und Mit­ wirkung ist erwünscht – schreiben Sie uns: info@forum­seniorenarbeit .de . Wir freuen uns, wenn Sie von Anfang an dabei sind! Gabi Klein Forum Seniorenarbeit Nordrhein-Westfalen

2. Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit Nordrhein-Westfalen 23./24. September 2013, Gelsenkirchen

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Forum Seniorenarbeit Nordrhein-Westfalen Neue Wege für Information, Transfer und Vernetzung

In Nordrhein­Westfalen arbeiten viele gemeinwesenorientierte Organisationen daran, die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern, ihre Teilhabemöglichkeiten zu erhöhen und die Qualität der Arbeit vor Ort auszubauen . Das Forum Seniorenarbeit NRW informiert über diese Aktivitäten, vernetzt die Akteure, ermöglicht ihnen Erfahrungsaustausch und unterstützt sie beim Transfer in die Praxis . Information In zahlreichen internetgestützten Publikationsformaten informiert das Forum Seniorenarbeit Haupt­ und Ehrenamtliche über aktuelle Entwicklungen in der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit in NRW . Transfer In Workshops und Veranstaltungen bringt das Forum Seniorenarbeit Akteure zusammen, gibt Raum für Diskussionen und entwickelt gemeinsam mit den Aktiven vor Ort Strategien zur Umsetzung aktueller Herausforderungen und Schwerpunkte . Vernetzung Über die punktuellen Treffen hinaus unterstützt das Forum Seniorenarbeit Organisationen bei der langfristigen Vernetzung . Hierzu bietet es Interessierten eine technische Infrastruktur im Internet zum Ausprobieren und Austausch . Mitwirken Alle Angebote des Forum Seniorenarbeit bieten die Möglichkeit, mitzuwirken . Wenn Sie Hin­ weise auf Publikationen oder Veranstaltungen haben, Ihre Projekte vorstellen oder in anderer Form mitwirken möchten, nehmen Sie mit uns Kontakt auf . Informiert werden Sie möchten regelmäßig über Veranstaltungen, Neuigkeiten, Veröffentlichungen und vieles mehr zum Thema gemeinwesenorientierte Seniorenarbeit in NRW informiert werden? Bitte tragen Sie sich in den Verteiler ein unter www .forum­seniorenarbeit .de/Aktuelles/Newsletter

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Forum Seniorenarbeit NRW


Im Fokus Ausgabe 2 Januar 2013  

Tagungsdokumentation der 1. Herbstakademie des Forum Seniorenarbeit 2012 in Köln

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