FORMAGANDA MAGAZINE 2011

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FORMAGANDA MAGAZINE

ArENA - BErlIN 28.–29. MAi 2011




FORMAGANDA — BERLIN 2011

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SIEBEN DINGE, DIE MAN UBER DIE FORMAGANDA WISSEN SOLLTE Te x t: M i c h a e l S o h n

ABOUT FORMAGANDA


FORMAGANDA — BERLIN 2011

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Yaw Afram, Gründer der FORMAGANDA, erklärt, warum wir dieses Festival brauchen. Was ist die FORMAGANDA? Yaw Afram: Die FORMAGANDA ist ein Festival für Musik und ein Showroom für Fashionbrands, ein Space für Urban Artists und ein Paradies für Sneaker-Freaks und DJs. Zum Event gehören eine Skate-Area und ein Surf-Festival auf der Spree, ein Basketballturnier und Workshops für Musiker. Nennen wir es eine Plattform für Entertainment und Education. Unter Education verstehe ich das authentische Vermitteln dieser Formate. Die FORMAGANDA reflektiert eine Leidenschaft für diese verschiedenen Bereiche, die mein Leben während der letzten zehn Jahre geprägt haben. Diese Leidenschaft teile ich mit vielen Leuten aus meinem Umfeld. Was in meiner Jugend nur eine reine Freizeitbeschäftigung war, ist heute oft richtiges Business geworden. Nichtsdestotrotz darf man den Urspung des Ganzen nicht vergessen: Fun! Damit der nicht verloren geht, gibt es auf der FORMAGANDA viel Raum zum Chillen und Feiern. Was genau passiert auf der FORMAGANDA? Das Programm ist viel zu umfangreich, um es in ein paar Sätze zu packen. Deswegen haben wir dieses Mag gemacht. Darin kannst Du alles nachlesen. Wann und wo findet die FORMAGANDA statt? Am Samstag und Sonntag, den 28. und 29. Mai 2011, von 12 bis 19 Uhr in der Arena Berlin. Eine ideale Location: Nicht weit vom Schlesischen Tor in Kreuzberg, direkt an der Spree gelegen, bietet die Arena ein weitläufiges Areal mit urbaner Atmosphäre. Neben großzügigen Hallen und Innenflächen gibt es viele teilweise überdachte Außenbereiche, um sich sportlich zu betätigen oder einfach nur zu relaxen. Nicht zu vergessen: Das Badeschiff mit Blick aufs Wasser gehört auch zu unserer Area. Samstagabend im Anschluss an die FORMAGANDA beginnt direkt gegenüber am anderen Spreeufer im Astra das FORMAGANDA-Festival mit Skepta, Adam F, Data MC, Jake The Rapper ... Selbstverständlich erhältst Du mit dem FORMAGANDA-FESTIVAL-Ticket freien Eintritt zur FORMAGANDA-Convention. Was willst Du mit der FORMAGANDA erreichen? Ich betreibe seit zehn Jahren ein Musiklabel und lege selber seit 15 Jahren auf, organisiere Partys und bin schon lange im deutschen und internationalen Nachtleben unterwegs. Zusätzlich habe ich für verschiedene Brands gearbeitet und verschiedene Konzepte im Bereich Streetwear umgesetzt. Aber vor allem bin ich großer Fan von Musik, Mode, Urban Art und verschiedenen Sportarten. Diese Welten wollte ich vereinen. Auf Facebook sind wir vielleicht mit allen und jedem vernetzt. Mit unseren Freunden, Lieblingsbands und DJs, ein paar

coolen Brands ... Mit der FORMAGANDA holen wir diese Vernetzung rüber ins echte Leben. Die FORMAGANDA ist real, etwas zum Anfassen... Back to the basics! Es entsteht für ein Wochenende ein Treffpunkt in einem kreativen Umfeld mit Platz zum Experimentieren. Solche Orte brauchen wir heute mehr denn je. Warum machen so viele Brands mit? Weil die FORMAGANDA genau die Welt ist, in der sich die Brands bewegen wollen. Der Aussteller wird zum Entertainer. Er gestaltet den Event mit. Der Markt ist im Wandel. Es ist an der Zeit, neue Wege zu gehen. Einige haben verstanden, dass es immer schwieriger wird, den Draht zu ihren Fans aufrechtzuerhalten. Auf der FORMAGANDA kannst Du alles machen. Deine „Brand Vision“ 100 Prozent darstellen. Im Shop an der Ecke bekommst Du lange nicht alles zu sehen, was eine Marke beinhaltet. Im Internet ist vielleicht das Angebot größer, aber da kann ich nichts anfassen... Auf der FORMAGANDA treffen alle aufeinander. So kann Transparenz entstehen, wodurch neue Impulse gesetzt werden. Denn hinter jeder Idee und jedem Brand steckt eine Story und diese wird auf der FORMAGANDA erzählt. Im Zusammenspiel mit Trends schafft dies eine Erlebniswelt: die FORMAGANDA. Welche Brands sind am Start? Carhartt, Onitsuka Tiger, Iriedaily, Keds, Sperry Top-Sider, Primitive, Joker Brand, K1X, Mahagony, Radioskateboards und viele andere zeigen ihre Welten. Warum sollte ich mir die FORMAGANDA anschauen? Die FORMAGANDA ist für jeden interessant, der gerne Sneakers und Streetwear trägt. Sie bietet neuen Input für alle, die Musik hören, machen oder auflegen. Skater, Surfer und Basketballer treffen aufeinander. Du kannst Dir Urban Art, Graffiti und interaktive Kunst anschauen. Im Idealfall entdeckst Du etwas, was Du bisher noch nicht kanntest oder ausprobiert hast. Auf der FORMAGANDA kannst Du direkt mit Musikern und Künstlern, mit Marken und ihren Machern in Kontakt treten. Du erhältst Einblicke in die Arbeit von Profis. Viele reden von authentischen Erlebnissen. Auf der FORMAGANDA bekommst Du sie. Join us – form it! Alles, was Du über die FORMAGANDA wissen musst, findest Du auf den folgenden Seiten oder auf www.formaganda.com

ABOUT FORMAGANDA

„FORMAGANDA reflektiert meine Leidenschaft für Fashion und Musik, die mein Leben während der letzten zehn Jahre geprägt haben.“


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DAY 1: 28.5.2011

KICKZ.COM STREETBALL-TURNIER AB 13.00 UHR SKATEBOARD-SHOWS MIT JÜRGEN HORRWARTH & LENNIE BURMEISTER AB 14.00 UHR VECTOR LOUNGE FORMAGANDA SPECIAL 13.00 - 14.30 UHR WORKSHOP MIT ADAM F 15.00 - 16.30 UHR WORKSHOP MIT PHREQUINCY 17.00 - 18.30 UHR FORMAGANDA FESTIVAL AB 22.00 UHR (ASTRA KULTURHAUS) DAY 2: 29.5. 2011

KICKZ.COM STREETBALL-TURNIER AB 13.00 UHR WORKSHOP MIT TITUS 13.00 - 14.30 UHR WORKSHOP MIT PHREQUINCY 15.00 - 16.30 UHR WORKSHOP MIT DEN RAZZZONES 17.00 - 18.30 UHR Ganztägig an beiden Tagen Ausstellungsflächen von Carhartt, Onitsuka Tiger und anderen Brands aus Fashion & Media / Kostenfreie Skateboard-Workshops an der Minirampe vom 1. Berliner Skateboardverein e.V. / Surf-Festival mit Stand Up Paddle Surfing / Tarpsurfing / Balance Boards / Beachvolleyball / Live-Musik / Flunkyball / Chill-Out-Area / Future of DJing-Area u. a. mit dem Multi-Touch-Controller Emulator / Multimediale Installationen und Art Spaces von Yaneq / Party Arty / Klub7 / Zentralnorden / Pisa73 / Superplan u. a. / Skateboard-Exhibitions „Made For Skate“ / „Freaks Of Nature“ / „Skateboardfieber“ / Sneaker Disctrict by Turnschuhzuhälter mit Turnschuhdisko / Shopping- & Let‘s Play-Area

PROGRAMM


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FORMAGANDA CONVENTION & FESTIVAL

28. UND 29. MAI 2011 ARENA BERLIN

EICHENSTRASSE 4, 12435 BERLIN-KREUZBERG | WWW.ARENA-BERLIN.DE TICKETS: TICKET CONVENTION FÜR BEIDE TAGE EUR 10,KOMBITICKET CONVENTION FÜR BEIDE TAGE UND FESTIVAL EUR 16,-

ÖFFNUNGSZEITEN: INDOOR SA UND SO 11.00-19.00 UHR OUTDOOR BIS CA. 21.00 UHR FESTIVAL (ASTRA KULTURHAUS) SA AB 22.00 UHR

AREA MAP A B C D

Workshops Surf Festival Streetball-Turnier Exhibition-Area / Shopping-Area E Skatedemo / Workshop-Area by Skatehalle Berlin

EXHIBITION- AND SHOPPING AREA 1 2

B C A

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D

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ANFAHRT MIT DER U-BAHN: LINIE U1: U-BHF SCHLESISCHES TOR + 10 MINUTEN FUSSWEG

Lassrollen Art Space Klub 7 / Zentralnorden Iriedaily Playground Radio Energy Shopping-Area Let’s play-Area Hatch Stickermuseum theflashgib Gingko Press Fussvolk Joker Brand Primitive Radioskateboards Mahagony Magazin-Lounge

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skate-aid CareerTweets Art Space Superplan Future of DJing-Area Carhartt Keds / Sperry Top-Sider Sneaker Disctrict / Turnschuhdisko by Turnschuhzuhälter Onitsuka Tiger Pixel-Royal K1X Skateboard Exhibitions Bar Lounge

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ANFAHRT MIT DER S-BAHN: LINIEN S8, S85, S9, S42, S41: S-BHF TREPTOWER PARK + 5 MINUTEN FUSSWEG

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ANFAHRT MIT DEM BUS: LINIEN 147, 265, N65: EICHENSTRASSE/ PUSCHKINALLEE

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MAPS & INFOS

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INHALT MUSIC

FORMAGANDA FESTIVAL 08 SKEPTA 09 ADAM F 10 DATA MC 12 MARC HYPE FEAT. JIM DUNLOOP 13 JAKE THE RAPPER 14 RAZZZONES 15 MR. BOOGIE / MTC YAW 16 AMANING / MC SOULTRAIN 18 FUTURE OF DJING 20 LICHT AUS, EMULATOR AN 22

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ONITSUKA TIGER 24 GINGKO PRESS / FUSS VOLK 25 MAHAGONY 26 JOKER / IRIEDAILY 27 THE FLASHGIB ×ARDENTEES / HATCH 28 KEDS / K1X 30 CAREERTWEETS 31 LASSROLLEN / PIXEL-ROYAL 32 RADIOSKATEBOARDS / PRIMITIVE 34 SPERRY TOP-SIDER / SKATE-AID 35 SNEAKER DISTRICT 36 SHOPPING AREA 40

FASHION & MEDIA

INHALT

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PLAYGROUND

HAUSAUFGABE: EIN KICKTURN 42 BERLIN BEACH - SURF FESTIVAL 46 LET’S PLAY! 49 FÜNF GEWINNT - STREETBALL 50 ... AND THEY DON’T STOP - SKATEBOARD EXHIBITION 52 WIR NENNEN ES WORKSHOP 56 SKATEBOARDS FÜR DIE WELT – TITUS 58 PHREQUINCY 60 VECTOR LOUNGE 62

64-73

ART KUNST KOMMT VON GRAFFITI - SUPERPLAN 64 ZENTRALNORDEN & KLUB7 68 SHINS & CHEEKS 72 BERLIN TIPPS 74 AUFLISTUNG DER AUSSTELLER 79 IMPRESSUM 80 INHALT


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FORMAGANDA FESTIVAL Wer Spaß hat, kann auch feiern: Nach der CONVENTION startet das FESTIVAL. Während tagsüber auf der FORMAGANDA in der Arena die Themen Fashion, Media, Arts und Sport im Vordergrund stehen, gehört die Nacht der Musik: Für das FESTIVAL zieht die FORMAGANDA Samstagabend ins Astra Kulturhaus um. Ab 22 Uhr entern die Musiker die Bühne. Die FORMAGANDA verpflichtete Grime-Shooting-Star Skepta. Als zweiter internationaler Gast wird Grandmaster Adam F eingeflogen. Zusätzlich gibt es Sound von Berliner Künstlern. Das Line-up im Überblick:

SKEPTA (BOY BETTER KNOW / UK) ADAM F (BREAKBEAT KAOS / UK) DATA MC (HAMTON REC / TONKIND / HYPNOTIC) MARC HYPE FT. JIM DUNLOOP (MPM REC. / SOULCLAP!) JAKE THE RAPPER (BAR 25 / BERLIN) RAZZZONES (BERLIN‘S FINEST BEATBOX PHENOMENA) MR BOOGIE (MONSTA DUBZ) MTC YAW (FORMRECORDING / BERLIN) AMANING (JUJU / BERLIN) MC SOULTRAIN (FORMRECORDING / BERLIN)

Astra Kulturhaus S+U Bhf. Warschauerstrasse

Sc hle sis ch eS tra ss e

Stra laue r All ee Spr ee

Arena Berlin

MUSIC

Samstag 28.5.2011, 22.00 Uhr 7LFNHWV ® Astra Kulturhaus, Revaler Straße 99 Berlin-Friedrichshain Das FORMAGANDA FESTIVAL-Ticket berechtigt auch zum Besuch der FORMAGANDA CONVENTION am 28.5. und 29.5. auf dem Arena-Gelände.


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SKEPTA Te x t: J a n S c h i m m a ng

GEN I E U N D GRÖS SEN WA H NSI N N

Wer keine Ahnung von Grime hat, sollte bei Skepta nachsitzen. Alle anderen stehen für ihn schon längst in der ersten Reihe. Was soll man von jemandem halten, der sein Debütalbum „Greatest Hits“ nennt? Auch schon wieder vier Jahre her. Zeitsprung in die Gegenwart: Derselbe Mann spuckt auf dem Opener seines aktuellen Werks „Doin‘ it again“ große Töne: „Put your hands in the air for the Grime MC of the year!“ So ein herrlich selbstgefälliges Ego kann sich nur einer leisten, der Rap und Pop auf den besten gemeinsamen Nenner bringt – also Griffigkeit und Prägnanz in Großbuchstaben schreibt und mit einem Händchen für eingängige Hooks gesegnet wurde. Skepta nennt sich der Mann, den diese Eigenschaften auszeichnen. Er wird als Joseph Junior Adenuga in Nigeria geboren und gründet im Jahr 2005, im Alter von 23 Jahren, gemeinsam mit Freunden in London sein eigenes Label Boy Better Know. Das arbeitet eng mit der Roll-Deep-Crew zusammen und wird in der Szene ziemlich schnell gehypt. Unterstützen lassen sie sich auf ihren Tracks von Acts wie Preeya Kalidas, Jay Sean und Charlee Drew. Skepta und seine Boys setzen auf eine eigene Strategie: „Wir hatten nie das Gefühl, dass wir uns auf das Radio verlassen können. Wir haben lieber auf den Kontakt mit unseren Fans vertraut.“ Letztes Jahr fand sich der MC mit „Rescue Me“ plötzlich in den Top 20 der britischen Single-Charts wieder. Ihn selbst dürfte das nicht überrascht haben: „Ich habe längst meine Spuren im Grime hinterlassen, gehöre zum inneren Kreis der Szene. Meine Beats und Battles sind legendär.“ Aber es geht Skepta nicht nur um Superlative, sondern auch um einen Vorbildcharakter – Musik als soziale Perspektive: „Früher war für uns Fußball die einzige Option, um aufzusteigen. Heute tut es gut, dass man der Jugend zeigen kann, dass es auch einen anderen Weg gibt.“ Dieser muss ja nicht gleich in die Charts führen – aber zumindest mal zu einem seiner Gigs. www.myspace.com/skepta

MUSIC


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ADAM F Te x t: J o a c h i m L a n d e s v at te r

I N NOVAT I V E BE AT S Z W IS CH EN DRU M ‘ N ‘ B A S S , H I PHOP U N D DU B S T EP

Seit fast 20 Jahren gehört der Engländer zu den absoluten Top-Produzenten der Breakbeat-Szene. Adam F performt auf dem FORMAGANDA FESTIVAL und erklärt im Workshop seine Produktionstechniken. Als Sohn eines 1970er-Jahre-Glamrockstars hat man es sicherlich nicht gerade leicht, wenn man in die Fußstapfen seines Vaters tritt und seine Brötchen auch hauptberuflich mit Musik verdienen möchte. Wahrscheinlich noch beeinflusst von Daddy Alvin Stardust, begann der 15-jährige Adam Fenton seine Karriere als Tour-Keyboarder der Softrock-Band The Moody Blues und man darf froh darüber sein, dass er seine musikalische Richtung danach radikal änderte. Mittlerweile kennt man ihn als Adam F, einen Kreativposten der englischen Broken-Beat-Szene: Neben seiner Tätigkeit als DJ schuf er als Drum ‘n‘ Bass-Produzent in den 1990er-Jahren mit den Überhits „Circles”, „Metropolis”, „Music In My Mind” und dem Album „Colours” absolute Genre-Klassiker, die nach wie vor nichts von ihrer Frische eingebüßt haben. Statt sich auf seinen Breakbeat-Lorbeeren aus-

zuruhen, machte sich Adam F auf zu neuen, kreativen Ufern und arbeitete mit den ganz großen Namen des US-HipHop zusammen: LL Cool J, Redman, Pharoahe Monch, Busta Rhymes, M.O.P. oder De La Soul. Daraus entstand das wegweisende Album „Kaos – The Anti-Acoustic Warfare“. Mit dem Soundtrack zum ersten Ali-G-Film „Ali G Indahouse“ und der Gründung des Labels Breakbeat Kaos mit Ex-Bad-Company-Mitglied DJ Fresh ging die rasante musikalische Reise weiter. Auf dem Label sind innovative Acts wie Pendulum und Brookes Brothers gesignt, letztes Jahr sorgten das basslastige Update des Dead-Prez-Classics „It’s Bigger Than HipHop” und die Redman-Kollaborationen „Smash Sumthin” und „Shut The Lights Off” für massive Euphorie auf den Dancefloors. Dieses Jahr hat Adam F gerade seinen Dubstep-infizierten, treibenden Remix des Afrojack-Bangers „Take Over

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Contol” fertig gestellt, als nächstes stehen weitere Remixes für Rihanna & David Guetta an. Adam F ist als technisch extrem versierter Superproduzent komplett ohne stilistische Scheuklappen immer noch ganz vorne mit dabei. In seinem Workshop zeigt er Schritt für Schritt, wie drei seiner Hits entstanden.

w w w.myspace.com/adamfenton


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DATA MC

Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort: Ono, San Gabriel und Walera Goodman. Ein Treffen, das der Musikszene gut getan hat. Man könnte zu dem Projekt Data MC eine lange Geschichte erzählen. Von Rapper Ono, Anfang der 1990er-Jahre einer der Gründer von Walkin‘ Large, der vielleicht ersten HipHop-Crew aus Deutschland, die auf internationalem Niveau bestehen konnte. Mit ihr war Ono als Support für A Tribe Called Quest unterwegs und kaum ein Video hat die deutsche HipHop-Szene so repräsentiert wie das zu „Boy Meets World“. Man könnte auch zu Gabriel Tichauer weit ausholen, der als DJ mit Disco und Dubstep um die Welt reiste, um als Party-Veranstalter und Künstler San Gabriel wieder in seiner Heimatstadt Berlin zu landen. Oder lange über Walera Goodman sprechen, der das Line-up von Data MC komplettiert und seine HardcoreVergangenheit hinter sich gelassen hat. Sein Name ist mit unzähligen Produktionen (unter anderem The Tape vs. RQM, Goodman & Clean) in Electronica und Drum ‘n‘ Bass längst zu einer Marke geworden. Man könnte allerdings auch einfach nur das Hier und Jetzt wirken lassen, eben Data MCs zweites Album „Daily Mirror“: Bei so einem im besten Sinne eklektischen Background ist es nur logisch, dass es sich zwischen allen Genres breit macht. Stilistisch im HipHop verwurzelt, doch opend minded in alle Richtungen – JazzEinflüsse und Club-Kultur, Live-Appeal und Tech-Knowhow – Data MC haben die Vision, das zueinander zu bringen, was formal nicht zueinander gehört. Dazu braucht es auch ein herrlich fettes Ego. Gabriel spricht also für sich und seine Kollegen, wenn er den Status quo der Band auf den Punkt bringt: „Es ist magisch, wenn man merkt und spürt, dass die Selbstfindungsphase abgeschlossen ist. Wenn man sich nicht mehr mit anderen vergleichen muss. Ein Song ist dann gut, wenn er sich auch danach anfühlt und sich nicht nur danach anhört.“ In anderen Worten: Data MC sind Großdenker, ihr Sound klingt aber nach Liebe zum Detail.

Te x t: J a n S c h i m m a ng

EI N FA L L F Ü R DR EI

www.datamc.com

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MARC HYPE FEAT. JIM DUNLOOP Te x t: Stefa n Wo l d a c h

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Wenn der Berliner DJ und Produzent internationale Tanzflächen ansteuert, weiß man nie, was einen erwartet: Der Querdenker verwischt mit seinen Nufunk Party Breaks spielerisch alle Genre-Grenzen. Unzählige Mixtapes, Compilation-Beiträge und Remixe – der Weg an die Spitze war kein kurzer. Seit 1988 ist Marc Hype unterwegs und hat sich durch hervorragende Turntable-Skills und die nötige Leidenschaft einen herausragenden Ruf als DJ und Produzent erarbeitet. Nicht ohne Grund gewann er zweimal die deutschen ITF-DJChampionships und ist mit seinem intuitiven Gespür für die richtige Platte zur richtigen Zeit ein häufig gebuchter Gast auf Events, Partys und Festivals. Mit seinem Debüt-Release „1973 * Recon“ setzte er 2003 ein erstes Ausrufezeichen. Aktuell feiert ihn die Szene für das Album „Stamp Out Reality“, dem Kritiker „satt groovenden Funk, jazzy Arrangements und einen nicht zu verachtenden Soul-Faktor“ attestieren. Zudem hat der Gründer des DJ-Kollektivs Phaderheadz mit Lady Daisey, Blowfly, Mr. Lif, Malena Perez, Mr. Complex und Flo Mega eine prominente Gästeliste am Start. Mit seinem eklektischen Ansatz, seiner Kompetenz als StyleMaster und seinem Geschmack als Music-Lover produziert Marc Hype abseits ausgetretener Pfade und stereotyper Klischees. Kollaborationen mit Stars wie Masta Ace, Souls Of Mischief oder den Beat Junkies sprechen für sich. So finden seine Tracks regelmäßig ihren Weg in die Plattenkisten und Playlists von Größen wie Will Quantic, Andy Smith oder Jazzman. Klar, dass Marc Hype mit seinen Live-Sets die Tanzflure von San Francisco bis Shanghai rockt. Seit 2004 und auf dem FORMAGANDA FESTIVAL übrigens auch mit seinem kongenialem Partner, dem studierten Konzertpianisten Jim Dunloop, der ebenfalls aus einem großen Ideen-Pool von Gershwin über Brubeck, von Hancock bis Corea schöpft. Marc Hypes neueste Produktion, eine neunminütige CoverVersion des BBoy-Klassikers „The Mexican“ von Babe Ruth, setzt sich gerade in den Playlists vieler internationaler DJs fest. Das passt: Schließlich kennt der Mann auch stilistisch keine Grenzen.

Foto: Oliver Wia

N ICH T Z U FA S SEN, DI E SE BEI DEN

www.marc-hype.com

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Sein Name ist nicht unbedingt Programm. Denn Jake ist ein Grenzgänger, möchte sich einfach nicht richtig entscheiden zwischen Elektro und HipHop. Sicher ist bei ihm nur der große Auftritt. „Wenn jeder die Musik fühlt, wenn das Publikum mit Dir eins ist, jeder Dich erwartungsvoll anschaut und offen für alles ist, dann liebe ich es, auf der Bühne zu stehen.“ Deswegen steht der gebürtige New Yorker, der bürgerlich Jacob Dove Basker heißt, ziemlich oft dort. Längst ist er eine Institution im Berliner Nachtleben, lässt Techno-Kids zu Sprechgesang tanzen und remixte unter anderem Oliver Koletzki. Für Acts wie Lexy and K-Paul ist er ein immer gern gehörter Feature-Gast, darüber hinaus trat er mit Künstlern wie Peaches und Gonzales auf. Dabei hätte es ganz anders laufen können für Jake. Schließlich hätte der bärtige Rapper erstens auch Karriere als Tätowierer machen können – immerhin hat er das früher einmal gelernt, und sein Handwerk wird heute noch geschätzt. Und zweitens hat für ihn alles mit Grunge in Seattle angefangen. Ende der 1980er-Jahre spielte Jake dort in einer Rockband. Anfang der 1990er kam er nach Deutschland, um Kunst zu studieren. Aus seinen theoretischen Künstler-Skills machte Jake eine praktische Tugend, arbeitete in der so genannten New Economy. Heute macht der sympathische Performer lieber neue Beats und veröffentlichte vor drei Jahren sein Debütalbum. Live stellt er immer die höchsten Ansprüche an sich selbst: „Nichts ist schlimmer, als nach einem schlechten Gig gut gemeinte Komplimente zu bekommen – das nervt.“ Die Leute sollen auf seinen Sound reagieren: „Wenn sie mir nach dem Konzert genau sagen, was ihnen gefallen hat oder nicht, fühlt sich das gut an. Erst recht, wenn ich verstehe, was sie meinen.“ Also bitte keine Angst vor Jake The Rapper.

JAKE THE RAPPER Te x t: J a n S c h i m m a ng Foto: Martin Popp

DE R H AT EI N FACH K EI N EN S T I L

www.jakelovesyou.com

Genres sind ihm egal: Jake The Rapper infiziert Techno mit Sprechgesang und macht wirklich alles für eine gute Show.

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Jede Stimme zählt: Die beatboxende Musicalcombo aus Berlin zeigt auf der FORMAGANDA, dass man keine Instrumente braucht, um Musik zu machen.

RAZZZ ODER NIE!

Beim Beatboxen geht es – ganz archaisch – nur um den Menschen und sein Mikrofon. Im Blues und Jazz wird das Imitieren von Geräuschen mit dem Mund oder der menschlichen Stimme schon lange als stilistisches Mittel eingesetzt. Anfang der 1980er-Jahre, als die Drum-Machine (umgangssprachlich „Beatbox“) immer häufiger zum Produzieren und Aufpeppen musikalischer Kompositionen verwendet wurde, kam das Phänomen „Beatboxen“ auf. Beschränkte sich das Repertoire eines Beatboxers zunächst noch auf rhythmische Arrangements wie sie ein Drum-Computer hervorbringen würde, wurde doch schnell klar, wie facettenreich und vielschichtig die klanglichen Möglichkeiten waren. Spielerisch werden Musikinstrumente sowie ganze „Radioshows“, nur verstärkt durch ein Mikro, mit dem Mund und dem Körper in Resonanz dargestellt. Faszinierend scheinen diese Soundeffekte sich abwechselnd zu beeinflussen, finden sich mehrere Künstler in einer Crew zusammen und tun, was getan werden muss: üben, üben, üben! Zwei herausragende Formationen aus Berlin sind die 4xSamples und die Oralic Sound Machines. OSM waren schon im Vorprogramm von De La Soul zu sehen oder begeisterten auf der Expo in China im deutschen Pavillon die Massen. Auch 4xSamples zogen mit internationalen Auftritten mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich. Beide Gruppen trafen vor Jahren auf Karl-Heinz Haase, einen schillernden Charakter des Berliner HipHop-Dschungels. Schnell wurden aus gemeinsamen Ideen Kreationen. 2008 entstand das Beatbox-Musical „razzz“. Die razzzones waren geboren. Im November 2009 standen sie zum ersten Mal auf der Bühne. Ein Jahr später stand in dritter Besetzung fest: razzz oder nie! Phil (4xSample), Kays und Raffael (Oralic Sound Machine) wurden, verstärkt durch MC Schwede, neu in Szene gesetzt. Im Spätsommer wird das Beatbox Musical seine große Premiere feiern und einen Tag im Leben des jungen Berliners Zac präsentieren. Ein Stück, das durch Witz und Leichtigkeit betört. Im Rahmen der FORMAGANDA werden die razzzones ihre Sk Skills zum Besten geben: Am Samstag dem Festival-Publikum mit einem Showcase auf der Astra-Bühne einheizen zu können, ist für die ra razzzones eine wunderbare Herausforderung. Aber auch am Sonnt Sonntag während der Convention auf dem Arena-Gelände werden die vier vi das Workshop-Programm moderieren... and they sure will show what they got: Style!

Te x t: K Ri: M

DI E V I E R BE AT BOX ER DE R R A ZZZON E S H A BEN V I EL VOR

www.razzz.de

MUSIC MUSI MU M U C


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MTC YAW

Aus England ab 1994 importiert, ist Drum ‘n‘ Bass in Deutschland zwar anfänglich ein viel diskutierter, aber – anders als damals und heute House oder Techno – selten gespielter Sound. Nur wenige kümmern sich um die Basisarbeit. Einer von ihnen ist Yaw Afram aka MTC Yaw, der schnell zu einem der bekanntesten deutschen Drum ‘n‘ Bass- und Jungle-DJs avanciert. Der gebürtige Berliner, der seine Kindheit in London verbrachte, veröffentlicht 1998 erste eigene Tracks. Zwei Jahre später gründet er das Label Form Recording. Dabei legt MTC Yaw wert darauf, neue Hörer für Drum ‘n‘ Bass zu gewinnen und das Genre als Teil eines großen Ganzen zu begreifen. Deswegen organisiert er seit vielen Jahren Events für die Szene und arbeitet mit Streetwear-Brands zusammen. Konsequente Entwicklung: Yaw ist Veranstalter der FORMAGANDA.

Te x t: J a n S c h i m m a ng

www.formrecording.com

MR. BOOGIE

Hinter Mr. Boogie versteckt sich nicht etwa der Streifen um den „etwas anderen Privatdetektiv“ Zlatko (aus der Container-Soap „Big Brother“), sondern der gleichnamige DJ und Produzent von Basshoppazz. Mr. Boogie startete seine Karriere 2003 als Drum ’n’ Bass-DJ. Anfangs beeinflusst von den kompromissloseren Vertretern des Genres wie True Playaz, Full Cycle Crew oder Twisted Individuals generierte er über die Jahre seinen ganz eigenen Stil. Als Teil der thüringischen Bassrausch-Crew wurde er schnell zum Taktgeber diverser Events und Partys, bei denen er sich den Job an den Decks mit Kollegen wie Caspa, Skream, Joker und Jazzsteppa teilte. Mit dem Umzug nach Potsdam hallten seine Beats und Skills auch bis in die Hauptstadt. Dort wiederum entdeckte er Grime und Dubstep für sich, den Haupteinfluss für seine heutigen Tracks mit energiegeladenen Monster-Bass-Sounds. Seitdem veröffentlicht Mr. Boogie zahlreiche Tracks auf verschiedenen Dubstep-Labels und blickt auf Kollabos mit Phokus, The_Next und Bukez Finezt zurück. 2008 gründete er schließlich mit TKR das Projekt Submodulation.

Te x t: Stefa n Wo l d a c h

w w w. s o u n d c l o u d .c o m /m r- b o o g i e

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Seine Diskografie ist von beeindruckendem Umfang. Amaning, DJ und Produzent mit ghanaischen Wurzeln, wuchs in London auf, um fortan quasi als Popkulturbeauftragter und Entwicklungshelfer in eigener Sache den Jungle-Sound im restlichen Europa und schließlich auch auf Deutschlands Tanzfluren zu etablieren. Seit vielen Jahren steht er regelmäßig hinter den Turntables, zeigt seine Einflüsse aus Roots-Reggae und Dancehall und hat sich einen herausragenden Ruf erspielt. Seine Songs rotieren unter anderem bei Bassface Sascha, E. Decay & Mad Vibes. Seine Kollabos mit J-Cut & Canoma alias AJC und mit MTC Yaw unter dem Namen I.S.S. führten zu dem Track „High Spirit“, mit dem er die Aufmerksamkeit internationaler DJs gewann. Seitdem hat der umtriebige Nachtmensch einen kontinuierlichen Output angesagter Tunes, unter anderem auf renommierten Labels wie Renegade und Phunkfiction. Inzwischen ist er übrigens selbst Boss des Kölner Labels BIOS – und featured nun seinerseits talentierte Newcomer.

AMANING Te x t: Stefa n Wo l d a c h

w w w.myspace.com/djamaning

MC SOUL TRAIN Te x t: Stefa n Wo l d a c h

Seit mehr als zehn Jahren steht MC Soultrain für lange, schweißtreibende Nächte: Der umtriebige Musiker, dessen Karriere 1996 in Frankfurt mit DJ Ouki begann und der früher das Kürzel „MA“ für Mannheim im Namen trug, hat heute in jeder deutschen Großstadt eine Fanbase. Längst ist der Wahlberliner eine Institution der deutschen Jungle-Szene und wurde nicht umsonst für seine Performances fünf Mal zum „Best National MC“ gewählt. Mit wortgewaltiger Sprachakrobatik, seinem unvergleichlichen Flow und authentischem Vibe hat sich der Mann mit den karibischen Wurzeln auch unter Kollegen größten Respekt erspielt: Seine Shows mit Lyda Buddah besitzen Kultstatus. Stilistisch nicht festgelegt, setzt er auf einen Mix aus HipHop, Jungle, Drum ‘n‘ Bass und Reggae, denn: „Ein Set, das nur aus einer Sparte besteht, empfinde ich als eintönig. Die Vielfalt macht es erst wirklich interessant!“ Wobei er als großer Supporter der lokalen DJ-Szene gilt, um ein zukünftiges künstlerisches Wachstum und Entwicklungspotenzial in Deutschland zu fördern. www.myspace.com/mcsoultrain

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NO FUTURE WITHOUT HISTORY Te x t & I l l u s t ra t i o n : M a r ti n Kü h n e l

GE S CH ICH T E , S TAT US QUO U N D Z U K U N F T DE R DJ - CU LT U R E

DJs sind die neuen Stars der Popkultur. Ist ja auch eine feine Sache: Man braucht kein Instrument zu lernen, mixt einfach die Tracks anderer Künstler, streicht dicke Gagen ein, reist zweimal pro Monat um die Welt, und die Groupies stehen Schlange.

Auf der FORMAGANDA wird ein solches Multi-Touch-System zu sehen sein. Dieses und alle anderen Set-ups können, dürfen und sollen ausprobiert werden. Da keine Zukunft ohne Vergangenheit denkbar ist, wird auch die Geschichte des DJing beleuchtet. Eine Fotoausstellung dokumentiert die Club- und DJ-Culture der vergangenen Jahrzehnte. Hinzu kommen einige ausgewählte Exponate wie Turntables, Sampler und Drum-Machines aus verschiedenen Dekaden, die teilweise auch getestet werden dürfen. Ein weiterer großer Spaß, den die DJ-Ausstellung zu bieten hat, ist das Sleeveface-Fotoshooting. Hier wird den Besuchern die Möglichkeit geboten, sich mit einem Plattencover vor dem Gesicht von einem Fotografen porträtieren zu lassen. Die Bilder können einen Tag später bei Flickr und Facebook runtergeladen werden.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Trotzdem will heute eigentlich fast jeder DJ werden. Viele wissen jedoch nicht einmal, was an Geräten alles auf dem Markt ist – geschweige denn, wie man diese Tools richtig bedient. Die Ausstellung „Future of Djing“ zeigt die Geschichte, den Status quo und bietet Raum für Ausblicke auf die Zukunft der DJ-Culture. Präsentiert wird eine umfangreiche Auswahl von neuem digitalem DJ-Equipment führender Hersteller. Darunter auch große transparente Multi-Touch-Displays, die uns bis vor kurzem nur in Science-Fiction-Filmen begegneten. Diese innovativen Controller haben tatsächlich das Potenzial, das Auflegen zu revolutionieren.

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LICHT AUS EMULATOR AN Te x t: J a n J o s w ig

N E X T L E V EL DJ I NG M I T DE M M U LT I-T OU CH - CON T ROL L ER E M U L AT OR

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Das Datenspeicherformat MP3 hat die Sichtbarkeit von Musik radikal reduziert. Beim Auflegen im Club ist vieles in den Laptop abgewandert, der den Tänzern nur seine blinde Rückseite zukehrt. Einen ganz neuen Vorschlag zur Visualisierung des DJ-Handwerks macht der Emulator der Firma Smithson Martin.

schon seit 2004 mit Touchscreen-Technologie experimentiert, allerdings nur mit OneTouch-Versionen. Dass man den Emulator mit sechs Fingern gleichzeitig bedienen kann, ist aber nur die halbe Attraktion. Emulator beamt die Software-Oberfläche auf einen transparenten Touchscreen, der gut viermal so groß ist wie ein iPad. Der DJ bedient ihn von der einen Seite, von der anderen können die Tänzer zugucken. Das DJ-Handwerk bekommt eine ungeahnte visuelle Komponente, der DJ gestaltet als gewünschten Nebeneffekt des Auflegens die Lichtarchitektur des Clubs mit. Die Tänzer werden nicht nur über das Hantieren in der transparent gewordenen Black Box aufgeklärt, sie werden auch durch die farbigen Lichtspiele auf einen Trip geschickt. Dass sie die Bedienoberfläche spiegelverkehrt sehen, erhöht nur den Effekt. Statt der DJ-Oberfläche kann man auch grafische Sperenzchen einblenden, mit dem Finger politische Nachrichten ans Publikum wie „Party for your right to New Transparency“ schreiben oder einen Smiley zeichnen oder das Logo des liebsten Party-Sponsors aufblinken lassen. Selbst ein unbeleckter Fernsehmoderator wie Oliver Geissen wird mit Emulator zum beklatschten DJ, wie er in der „RTL Chart Show“ Anfang April demonstrierte (samt rüpeligem Bespucken mit Wasser, um die Unempfindlichkeit des Touchscreens zu demonstrieren). Mit Emulator setzen Alan Smithson und Pablo Martin den XXL-Markstein in einer hitzigen Entwicklungsschlacht. Transparente Touchscreens sind das neue Lieblingsspielzeug der Unterhaltungsbranche. Firmen wie Samsung, LG oder Aston Martin suchen fieberhaft nach sinnvollen Anwendungen für MP3-Player, Mobiltelefone oder Schaufenster. Der armspannenbreite Emulator, der wie die Kommandozentrale aus einem Raumschiff auftrumpft, hat seine Anwendung schon gefunden – und hat viel zu viel Größe, um in einer Nerd-Nische zu verschwinden.

Endlich keinen Ballast mehr. Die digitale Revolution für den DJ war in ihren Anfängen eine Anti-Hardware-Revolution. Schallplatten, Plattenspieler, Mixer, Effektgeräte – alles wanderte in den Laptop. Der digitale DJ wurde zum Tarnkappen-Entertainer, der sich hinter seinem Rechner verkriecht, ein Laptop-Blümchen statt eines Mauerblümchens. So deutete es frühe DJ-Software an. Aber das Einfrieren hinter dem Rechner, bei dem man nur noch mit der Mouse Tracks ins Abspielfeld zieht, kam den professionellen DJs wie eine Zwangsjacke vor. Zu Beginn des letzten Jahrzehnts kam mit Final Scratch das Ei des Kolumbus auf den Markt. Musik als MP3 aus dem Rechner, ja. Aber das alte Interface aus Plattenspielern und Mixer bleibt erhalten – und damit auch die alten Bewegungsabläufe und Fingerfertigkeiten. Die herkömmliche analoge Schallplatte wird nur durch eine Timecode-Platte mit digitalen Signalen ersetzt, die mit der DJ-Software und der MP3-Datenbank aus dem Rechner interagiert. Der (damals) blondgescheitelte Techno-Star Richie Hawtin bewarb Final Scratch euphorisch. Heute regieren Nachfolgeversionen wie Traktor Scratch Pro 2 von Marktführer Native Instruments und andere Systeme wie Serato Scratch Live das digitale DJ-Universum. Aber was passiert auf dem Rechner? Wird er nur als Musikdatenbank genutzt oder auch als Mixer, steuert der DJ über ihn Effekte? Was wischt der DJ nur immer auf dem Mousepad herum? Der Multi-Touch-Controller Emulator macht aus dieser geheimnisvollen Black Box des Auflegens das knallige Zentrum im Club. Wie man das Bedienen der Software für den DJ effektiver und für die Tänzer spektakulärer gestalten kann, fragten sich Alan Smithson und Pablo Martin. Der kanadische DJ und selbst ernannte „Corporate Entertainer“ Smithson und der argentinische Software-Entwickler und DJ Martin taten sich zusammen, um den Emulator Anfang 2011 in Serienreife zu bringen. Aktuell unterstützt Emulator nur Traktor Pro auf Windows 7, Versionen für Mac und für die DJ-Software von Serato, Ableton Live und Virtual DJ sind in Arbeit. Pablo Martin hatte

„Der armspannenbreite Emulator hat viel zu viel Größe, um in einer Nerd-Nische zu verschwinden.“

www.proaudio-technik.de www.smithsonmartin.com

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ONITSUKA TIGER Te x t: N a d a C a r l s

Der Urspung von Onitsuka Tiger liegt 60 Jahre zurück. Damals entwickelte der Ex-Büroangestellte Kihachiro Onitsuka in einer kleinen Werkstatt in Kobe seine ersten Sportschuhe. Nach dem zweiten Weltkrieg war Onitsuka erschüttert über die deprimierenden Umstände in Japan, besonders die der jungen Menschen. Sie hatten ihre Häuser und Familien verloren und konnten wenig Hoffnung in die Zukunft setzen. Onitsuka war der festen Überzeugung, dass Sport einen wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau der japanischen Gesellschaft leisten könne und den Menschen neue Perspektiven aufzeigen würde. Entscheidend für die Erfolgsgeschichte war die einfache Unternehmensphilosophie von Onitsuka: Gute Sportschuhe entstehen nur im Dialog mit den Sportlern und Trainern und werden, dem Prinzip des Kaizen (der kontinuierlichen Verbesserung) folgend, ständig weiterentwickelt. Dieser Dialog war offenbar dringend nötig, als Onitsuka Anfang der 1950er Jahre einigen Spielern seine erste Version eines Basketballschuhs präsentierte: die glich einer Sandale aus Stroh und wurde von den Spieler verschmäht. Es folgten Phasen der Trainingsobservation, mit der Erkenntnis, dass die Schuhsohle eine zentrale Rolle spielt. Die Tentakel des Oktopus‘ war die Inspirationsquelle für die Saugnapfsohlen, deren Einführung den Basketballschuh revolutionieren sollten. Als Teil der Asics-Familie versteht sich Onitsuka Tiger heute als Heritage-Linie, die mit limitierten Modellen und Kollabos die Sneaker-Gemeinde begeistert, und frühen Sportschuhklassikern mit Neuauflagen huldigt. In den Onitsuka Tiger-Kollektionen lebt die bewegte und bewegende Vergangenheit der Marke weiter. „It’s all just a little bit of history repeating!“ Damals machte Kihachiro Onitsuka den Anfang mit einem Basketballschuh und der soll auch während der FORMAGANDA im Fokus stehen: Der Fabre BL-S OG, der in kommenden Saisons in neuen Designs released wird, basiert auf seinem Vorgängermodell aus dem Jahre 1975 und wird exklusiv auf der FORMAGANDA vorgestellt. Gespannt sein darf man auch auf den großen Bruder des Fabre BL-S OG, der als High-Top-Version präsentiert wird. w w w. o n i t s u k a t i g e r. c o m

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GINGKO PRESS Te x t: N a d a C a r l s

Gingko Press ist eine der wichtigsten Adressen, wenn es um illustrative und grafische Kunst in gebundener Form geht. Der Verlag begann 1984 in Hamburg mit der Veröffentlichung von Architekturbüchern und expandierte 1991 nach Santa Rosa in Kalifornien. Gründer Mo Cohen als Literaturagent und Julie von der Ropp als Freelance-Grafikerin harmonieren perfekt: Schaut man sich das heutige Sortiment von Gingko Press an, stimmt die Formel aus Wort und Bild nach wie vor. Ihre Publikationen widmen sich den Themen Street Art, Graffiti, Skate- und HipHop-Kultur, Comics, Toys, Fashion, Architektur, Interior Design und ganz besonders Grafikdesign und Illustration. Ein Spielplatz für diejenigen, die sich an visueller Inspiration erfreuen und für die Vinyl-Spielzeug und bunte Bilder definitiv kein Kinderkram sind. Wenig bunt ist Gingkos Übersetzung von Charles Bukowskis „Schreie vom Balkon“. Auch das Werk des Medientheoretikers Marshall McLuhan wird intensiv aufgearbeitet. Auf der FORMAGANDA stellt Gingko Press die aktuellsten Veröffentlichungen vor und wird sich in passender Umgebung vor neuem PublikationsInput sicher nicht verschließen. www.gingkopress.com

Während man gemeinhin denkt, „eine Socke ist eine Socke ist eine Socke“, lernen wir von dem Brand Fussvolk, dass das essenzielle Textil zwischen barer Sohle und robustem Fußkleid keineswegs missbilligend herabgestuft werden sollte, da seine Aufgabe durchaus bedeutsam ist. „We just won’t be defeeted“, behauptet das LabelCredo – man möchte sich offenbar durchaus „füßisch“ behaupten. Das funktioniert bekanntermaßen am besten mit guten Partnern und einer Produktspezifizierung: Die Sport- und Sneaker-Socken „Quarter“, „Half“ und „Tennis“, mit Verstärkung an Fußbett und Knöcheln, sorgen für erhöhten Tragekomfort. Außerdem bieten die drei Modelle überraschende Eigenschaften, sind antibakteriell („sanitized“) oder kühlend („fresh breeze“). Ein extra Skate-Modell ist bereits in Planung. In puncto Zusammenarbeit setzt man auf ein Joint Venture mit den erfahrenen Kollegen von Global Tactics, die auch Capone und LSD - Limited Sleeve Design vertreiben, letzteres in Kooperation mit Unique Records.

FUSS VOLK Te x t: N a d a C a r l s

www.fussvolk.com

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MAHA GONY Te x t: H a n s- C h r i s tia n B u s s e r t

Mahagonibäume erreichen Stammlängen von bis zu 60 Metern. Kein Problem, dank ihrer starken Wurzeln. Ähnlich gut verwurzelt ist man bei Mahagony. Die Macher des Hamburger Labels kommen aus der Szene und machen lässige Streetwear für die Szene. Mit prominenter Besetzung: Jan Delay, Samy Deluxe, US-Rap-Größe Raekwon oder Schauspieler Wotan Wilke-Möhring gehören zur Community und tragen die Klamotten privat wie on the job. Seit 2006 ist Mahagony mit dem richtigen Gespür für Trends und einer halbjährlich erscheinenden Kollektion für Männer und Frauen am Start. Die Hoodies, Sweatshirts, Hemden, Tops, Jacken und Jeans sind schlicht, aber geschmackvoll designt. Einzig die Prints, allen voran die zum Logo stilisierte Silhouette eines Mahagonibaums, der „Mahagony Tree of Life“, machen mit lauten Farben selbstbewusst auf sich aufmerksam. Der Fokus liegt auf Qualität und Komfort – zu einem vernünftigen Preis. Die Liebe zum Detail, die Originalität jedes einzelnen Teils sind die Designmaxime. „Knowledge, Wisdom & Understanding. Justice, Peace & Equality“ statt „Sex, Drugs & HipHop“ ist das Lebensmotto. So verwundert es auch nicht, dass die Hamburger den hehren Anspruch hegen, nicht einfach nur Klamotten sondern einen ganzen Lifestyle anzubieten.

Dabei gehen sie mit gutem Beispiel voran: Diesen Sommer unterstützt Mahagony mit einer Auflage limitierter Shirts die Trinkwasserinitiative „Viva Con Agua“. Der Erlös der mit Musikermotiven bedruckten T-Shirts wird zu 100 Prozent für den Bau von Wasserquellen mit sauberem Trinkwasser in Entwicklungsländern verwendet. Überhaupt ist 2011 ein wichtiges Jahr für das Label. Neben den limitierten Shirts soll eine Mix-CD von Das Bo & die Hängergang erscheinen, die es beim Kauf eines Artikels gratis dazu gibt. Außerdem ist ein Videoprojekt mit brandneuem Material des Hamburger Skate-Veterans und Ex-Weltmeisters Jan Waage in Arbeit. Dieser Mahagonibaum braucht sicher keinen Artenschutz!

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w w w.mahagony.net


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JOKER Te x t: N a d a C a r l s

IRIE DAILY Das US-Label Joker gründeten 1995 drei kreative Köpfe mit höchster Szenekredibilität. Allesamt starke Persönlichkeiten, die aus ihrer naturgegebenen Coolness und ihrem Latino-Stolz keinen Hehl machen: Cypress-HillFrontmann B-Real, Fotograf Estevan Oriol, sowie JokerChefdesginer und Tattoo-Künstler Mr. Cartoon, der bereits halb Hollywood, von 50 Cent bis Justin Timberlake, tätowiert hat. Tattoo-Künstler und Klamotten-Label? Wer sich beim Lesen dieser Begriffe dazu verleiten lässt, an Audigier und Ed Hardy zu denken, dem sei an dieser Stelle ein klares „Nein!“ entgegen geschmettert, denn was die Joker-Jungs machen, ist tatsächlich cool. Graffiti, Chinos, Cholas, Lowrider – das Label vermittelt das Lebensgefühl der Jungs aus Downtown L.A. und hat in 16 Jahren den markanten bösen Clownskopf als Symbol und Branding etabliert. Auf der FORMAGANDA wächst zusammen, was zusammen gehört: Joker Brand und der Berliner Tattoo-Shop „Classic Tattoo“ von Szene-Urgestein Tattoo Krause gehen ab sofort gemeinsame Wege. Mit einem exklusiven KollaborationShirt wird der Beginn der Zusammenarbeit gefeiert.

Te x t: M i c h a e l S o h n

Für das Shooting ihrer Spring / Summer 2011 - Kollektion gingen Iriedaily auf die Straße. Liegt nahe, denn da kommen die Kreuzberger Skate-Freunde schließlich auch her. Seit 1994 sind Jaybo (aka Monk) & Co. fester Bestandteil der Streetwear, Straßenkunst und Berliner Bohème. Mit eigenhändig auf T-Shirts gedruckten Designs fing wie bei so vielen die Erfolgstory an. Heute halten Iriedaily immer noch die Do-it-yourself-Flagge hoch, gehören mit ihrem Design Lab und einem kreativen Team aber zu den erfolgreichsten deutschen Streetwear-Labels. Die Beatsteaks, Seeed oder Jürgen Vogel – alle super bekannt, aber nie die Seele verkauft – fühlen sich in Iriedaily wohl. Im Sommer 2011 dominiert offensive Colorblock-Optik, die Farben knallen rein. Luftige Baumwoll-Kleidchen im Jeans-Look wehen sanft im Wind. Und immer wieder tauchen auf Tees und Jackets Diagonalen auf. Eine Diagonale verbindet zwei nicht benachbarte Ecken. Wenn Gegensätzliches zusammen kommt, entsteht ein guter Nährboden für Kreativität. Genau das macht Berlin aus – und deswegen passt Iriedaily bestens in diese Stadt. Zur FORMAGANDA bringen sie ihre Tischtennisplatte mit und laden zum BADA-Ping-Turnier: Jeder ist herzlich willkommen, die Kelle beim Rundlaufwettbewerb oder Zweier-Battle zu schwingen. Zum Aufwärmen stehen zusätzlich Mini-Tischtennisplatten bereit. Nichts wie ran an die Platten, denn Preise und Pokale warten!

www.jokerbrand.net

w w w.iriedaily.de

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THE FLASHGIB

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ARDENTEES Te x t: N a d a C a r l s

HATCH Te x t: N a d a C a r l s

Aus „Flagship“ mach „Flashgib“: Mit ihrer Namensfindung machen die Jungs und Mädels des Streetwear-Stores theflashgib aus Stuttgart bereits deutlich, dass Standard nicht so wirklich ihre Sache ist. Ihr Shop-Konzept kombiniert Kunst und Klamotten – auf diese Weise entstand ein fein gesponnenes Netzwerk aus Musikern, Brands und Artists, das sie in ihrem Shop, ihrem Blog oder auf eigens kreierten Events präsentieren. Eine sehenswerte Streetwear-Auswahl bietet theflashgib von den Großen mit Nike, adidas bis Vans und Asics, sowie von der Independent-Fraktion Gourmet, Norse Projects, Obey, SixPack France und RVCA. Für ihr neuestes Projekt haben sich theflashgib mit Ardentees zusammengetan, einem Kollektiv, das Kunst tragbar macht, indem sie T-Shirt-Kollektionen mit unbekannten, äußerst talentierten Artists herausbringen. Auf der FORMAGANDA präsentiert theflashgib eine Ardentees-T-Shirt-Ausstellung mit Designs europäischer Nachwuchs-Artists wie Dimo Trifonov, Melissa Murillo, Krzysztof Domaradzki, Alvvino oder Ruben Ireland – Namen, die man sich heute besser merken sollte, weil sie vielleicht morgen schon im Feuilleton besprochen werden könnten. www.theflashgib.com www.ardentees.com

Wenn er das gewusst hätte… Als Oli Baudach vor über 25 Jahren mit dem Sammeln von Aufklebern begann, war ihm nicht klar, dass die kleinen Klebebildchen irgendwann sein Leben bestimmen würden. Oder dass er als Erwachsener noch immer auf einer bunten Mission im Auftrag des Stickers unterwegs ist. Heute besitzt der Betreiber des Stickermuseums hatch in Berlin-Mitte eine Sammlung von über 20.000 Stickern, war mit Teilen seiner Dauerausstellung in Galerien und auf Kunstmessen von Berlin, Hamburg, Köln, München bis nach New York unterwegs und beglückt Stickerfreunde aus ganz Europa mit einem Online-Mailorder für – guess what – Sticker! Aber nicht alles, was klebt, ist Objekt der Begierde: So haben Panini, Duplo & Co. keinen Platz in den liebevoll bestückten Rahmen, vielmehr geht es um kreative oder rare Sticker aus der Skateboard- und Streetwear-Ecke, aber vor allem um Art-Sticker. Seit der Museumseröffnung 2008 baut hatch ein weltweites Künstlernetzwerk auf, das mit klebrigen Kunstspenden die Ausstellung permanent bereichert und erweitert. Mit dem Charity-Projekt „Oversized & Underpriced“ trommelt Baudach einmal jährlich das Netzwerk zusammen und lässt übergroße Sticker zu Kunstwerken gestalten, deren Verkäufe für das Projekt „Skateistan“ gespendet werden. Auf der FORMAGANDA zeigt Baudach Teile seiner Dauerausstellung sowie Werke von „Oversized & Underpriced“ – und erzählt sicher auch den Besuchern gerne mit strahlenden Augen von seiner Passion. www.hatchkingdom.com

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Man kann davon ausgehen, dass Paul Newman genau wusste, was er tat, als er ihn trug. Die Ramones sowieso. Fakt ist: Der weiße Sneaker von Keds war und ist der Favorit einer ganzen Menge Leute mit Geschmack. Kein Wunder, ist er doch schlicht und hält, was er verspricht: lässiges Durch-die-Gegend-Geschleiche bei maximal hohem Stilfaktor. Und überhaupt: Der Begriff „Sneaker“ wurde ja erst von den Marketing-Leuten bei Keds für diesen Schuh erfunden. Als der Keds Champion 1916 auf den Markt kam, gab es nämlich noch nicht so viele andere Schuhe mit geräuscharmer Gummisohle. In seinen Anfangstagen halfen viele Athleten, später noch mehr stilsichere Leute (John Lennon, Humphrey Bogart, die Kennedys) dem Sneaker von Keds zum Durchbruch. Inzwischen ist er ein Schuh für jeden, der gern einfach gut und bequem gekleidet sein möchte. Denn gerade für den Keds gilt: Der Schuh macht den Look.

KEDS Te x t: H a n s- C h r i s tia n B u s s e r t

www.keds.com

K1X Te x t: N a d a C a r l s

Mit dem Slogan „Play Hard – Don’t Embarrass Our Products“ zeigen K1X schon mal ziemlich deutlich, wo es bei ihnen lang geht – offensichtlich nicht in Richtung Ponyhof. K1X ist das Ergebnis einer echten Langzeitliebe zwischen Basketball und HipHop, entfacht in den 1990ern in München. Nach lokalem Erfolg erweiterten die Macher ihr Einzugsgebiet zunächst auf Deutschland, heute exportieren K1X in zahlreiche europäische Länder, aber auch nach Japan und Kasachstan. Auch wenn sie immer für ihr Motto „by ballers for ballers“ einstanden, bieten die K1X-Kollektionen heute weit mehr als nur oversized Shirts und Shorts. Mit der eigenen Frauenkollektion K1X Shorty, limitierten Kollabo-Releases über K1Xclusive oder die Range K1X Hardwood, mit der sie Basketball-Teams ausstatten, ist von der Kappe bis zum Schuh alles dabei. Für die FORMAGANDA hat sich K1X natürlich nicht lumpen lassen: auf rund 60 Quadratmetern kann der Besucher die neuen Kollektionen checken und bei einem hauseigenen Energydrink das neue FIVE-Mag lesen. Wer es aktiver mag, kann sich im Outdoor-Bereich am kickz.com-Streetballturnier beteiligen und sich mit ein wenig Glück eine komplette K1X-Ausstattung erspielen (mehr dazu auf S. 50).

www.k1x.com

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CAREER TWEETS Te x t: N a d ia B e e b

Die Suche nach dem passenden neuen Job, den nötigen und nützlichen Kontakten für Freelancer und Startups, aber auch nach frischen Talenten in der Kreativbranche ist meist für beide Seiten – Suchende wie Anbieter – mühsam, langwierig und langweilig. Um das schnellstens zu ändern, hat Mareile Menninger, studierte Medienwissenschaftlerin aus Berlin, mit Unterstützung von Co-Geschäftsführer Mario Tiedemann, mit dem Jobportal CareerTweets eine neue innovative Plattform für Jobsuchende und Arbeitgeber aus den Branchen Mode, Musik, Kunst, Medien & Sport entwickelt, eine Art Facebook für Jobs. Während der FORMAGANDA haben Nachwuchstalente, Gründer und potenzielle Arbeitgeber die Chance, sich prägnant und

einprägsam zu präsentieren: Seitenlange Lebensläufe, floskelhafte Bewerbungsanschreiben oder buchdicke Firmenberichte will hier keiner sehen. Gefragt sind aussagestarke Arbeitsproben, persönliche Gespräche und ungezwungenes Kennenlernen. Ob man nach einem Praktikumsplatz, der festen Stelle in der Traumbranche oder einem feinen Freelance-Auftrag sucht – am Convention-Stand oder den Meeting-Points kommt man schnell ins Gespräch, kann vorfühlen, Einblicke in die Firmenstruktur gewinnen und potenziellen neuen Kollegen zwei bis drei Löcher in den Bauch fragen. So erspart CareerTweets den Lifestyle-Unternehmen umständliche und zeitraubende Bewerbungsprozeduren. Kurz und pointiert zeigen Bewerber, was sie drauf haben. Teure Gebühren für Messebesuche oder Job-Annonce entfallen, die spontane Konversation ersetzt das steife, zeitintensive Vorstellungsgespräch, erste Sympathien können direkt vertieft werden. Social Networking wird ins real life geholt. Für Nicht-Berliner, Nicht-FORMAGANDA-Besucher, Suchende und Neugierige gibt es vor und nach der Convention ein Online-Portal: Hier kann entweder selbst ein kurzer Tweet gepostet oder aber in den Tweets der anderen Nutzer gestöbert werden.

www.sperrytopsider.eu

www.careertweets.de


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LASS ROLLEN Te x t: F l o r ia n B i e d e r m a n n

Der in Berliner Skater-Kreisen nicht untypische Appell „komm, lass‘ rollen gehen…“ war Namenspate des ersten Berliner Longboard-Shops Lassrollen. Entdeckt hatte Shop-Besitzer Tom diese XL-Variante des Skateboards Mitte der 1990er-Jahre in der Schweiz. Er war vor allem vom Fahrgefühl des Boards begeistert, das dem Surfen oder Snowboard-Fahren bisweilen näher kommt als dem Skaten. Und da Berlin weder für tolle Abfahrten noch besonders hohe Wellen bekannt ist, importierte Tom die bis dato eher unbekannten Monsterbretter in seine Heimat. Zunächst versorgte er damit seine Freude und sich selbst, bis er schließlich 2008 Lassrollen eröffnete. Das Ambiente seines Shops ist äußerst decklastig, mehr als 200 verschiedene Bretter vom Anfänger-Board bis zur DownhillRennmaschine prägen neben mannigfaltigem Zubehör, Fingerboards, Klamotten und einer kleinen, feinen Auswahl an Snowboards das Erscheinungsbild. Doch Lassrollen ist nicht einfach nur ein Laden, sie sind auch Missionare in Sachen Longboard und lassen ordentlich rollen: Neben der regelmäßig mittwochs stattfindenden offenen Rollrunde, einem gemeinschaftlichen Cruisen Gleichgesinnter, gibt es die etwas entspanntere LadyRollRunde und natürlich auch ein eigenes Team, das auf der FORMAGANDA mit Workshops und Shows einen Einblick in die Welt des Longboardens geben wird.

PIXEL ROYAL Te x t: N a d a C a r l s

„Und Du so?“ „Ich mach‘ was mit Medien.“ So oder ähnlich unkonkret klingt es heute häufig, wenn der urbane Quereinsteiger oder die Vertreter der Digitalen Bohème nach dem aktuellen Job oder ihren Zukunftsplänen gefragt werden. Das Team von Pixel-Royal hingegen weiß sehr genau, was es macht und welches vielseitige Medium es sich zu eigen gemacht hat: bewegte Visualisierung. Gemeinsam mit Technikern und Künstlern haben sie sich auf Video- und Projektionsdesign spezialisiert, verbinden seit 2004 urbane Videokunst, moderne Projektionstechnik und kreative Lichtgestaltung und verpassen damit Clubs und Festivals wie etwa der Fusion, aber auch Kunstinstallationen oder Business-Events das perfekte Äußere. Ein spezielles Multi-Video-ProjektionsSystem ermöglicht es, Bildschirme oder Beamer individuell anzusteuern und damit mehrere Projektionsflächen beliebig im Raum zu verteilen – hier ist der Kunde Pixel-König und kann kreative Konzepte gemeinsam mit dem Team erarbeiten. Für die FORMAGANDA haben die Berliner eine audiovisuelle Installation kreiert, die Sound durch Farben und Formen sichtbar macht und deren Projektion der Besucher interaktiv beeinflussen kann.

www.lassrollen.de

www.pixel-royal.de

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.LGV WKDW VNDWH GRQµW VKRRW www.skate-aid.org BRAND / AUSSTELLER

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PRIMI TIVE Te x t: N a d a C a r l s

RADIO SKATE BOARDS Te x t: N a d a C a r l s

Man nehme ein paar Bretter, Rollen, einige Streifen Griptape, dazu einen halben präpubertären Skatepunk und drei Pfund Talent. Diesen Haufen dann zerhackstückeln, einmal durch den Wolf drehen und mit einem Rotzlöffel Kreuzberg-Kümmel garnieren: Radioskateboards. Sicher keine leichte Kost, aber es muss ja auch nicht jedem schmecken. Das Besondere an dem Berliner Skateboard-Label ist sein hohes Maß an Authentizität und Glaubwürdigkeit – jeder im Hause Radio ist tief mit Berlin und der hiesigen SkateboardSzene verwurzelt. Ihre Pros bilden Deutschlands Erste-Liga-Team, darunter unter anderem Lennie Burmeister, Maxim Rosenbauer, Flo Bodenhammer, Till Kemmner oder Collin McLean. Seit der Gründung um 2003 ist Search and Destroy, einer der wichtigsten deutschen Core-Skateshops im Herzen von Kreuzberg, ihr Refugium. Dort bekommt man ihre komplette Kollektion, bestehend aus Decks, Shirts & Shorts – und mehr braucht es letztlich ja auch kaum zum Leben.

Für Nicht-Skateboarder muss an dieser Stelle erst einmal klar gestellt werden: Primitive ist als Shop in L.A. eine der ersten Adressen für Streetwear, Sneaker-Sammler und natürlich Skateboard-Jünger. Denn sein Eigentümer ist kein Geringerer als Paul Rodriguez jr. aka P-ROD, Nike SBs Vorzeige Pro-Fahrer. Der junge Mann sieht nicht nur bestechend gut aus, sondern steht auf dem Rollbrett wie ein junger Gott und darf ohne weiteres als einer der wichtigsten Profi-Skateboarder unserer Zeit betrachtet werden. Den großen Traum eines eigenen Shops erfüllte sich P-ROD 2008, zeitgleich startete er sein eigenes Label, das bis heute stetig gewachsen ist und sich derzeit mit der neuen Red Cup-Range etabliert. Die Philosophie des Labels, der Red Cup-Line und der gesamten Primitive-Crew ist so einfach wie authentisch: Spaß, Feiern, Skateboarden, Feiern, Mädels mit großen Brüsten, Feiern. Sie repräsentieren damit einen südkalifornischen Lebensstil, um den sie viele Europäer oft sehr beneiden. Zur FORMAGANDA bringen die Primitives einen Sack voll Glaubwürdigkeit mit, sowie die frohe Botschaft, dass es ab Sommer 2011 einen Flagshipstore, den ersten Primitive-Ableger überhaupt in Berlin, geben wird.

www.primitiveshoes.de

www.radioskateboards.com

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SPERRY TOP SIDER Te x t: N a d a C a r l s

Als Paul Sperry seine Top-Sider vor über 75 Jahren erfand, hätte er sich wohl kaum träumen lassen, dass dieser Schuh in den 1980ern mal zum Erkennungszeichen der Hamburger Popper werden sollte. Das ist inzwischen auch schon länger her und die Teile erleben gerade ihre Renaissance in bedeutend angesagteren Kreisen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob der Schuh von Musikern aus Williamsburg und Berlin, verwöhnten Kids oder tatsächlichen Seglern getragen wird, denn er ist vor allem eines: authentisch. An dem wegen der zwei Schnürsenkel-Ösen auch „2-Eye“-Mokassin bezeichneten Segelschuh wurde seit eh und je so gut wie nichts verändert. Und auch die der Struktur einer Hundepfote nachempfundene weiße Gummisohle hat heute die gleiche geniale Qualität und Rutschfestigkeit wie damals. Einzig die Farben und Materialien variieren und erlauben heute eine große Auswahl zwischen Wildleder-, Leinen-, Canvas- und hochwertigen Nappa-Versionen. w w w. s p e r r y t o p s i d e r. c o m

… alles für den guten Zweck. In den 1970ern importierte der SkatePionier Titus Dittmann, Skateboard-Hardware aus den USA nach Deutschland, heute engagiert sich der Titus-AG-Geschäftsführer a. D. weiterhin missionarisch, allerdings in anderen Regionen. 2008 traf er den Gründer von Skateistan Oli Perkovic und war von dessen Vorhaben, die erste Skateboard-Schule Kabuls zu errichten sofort angetan. Er unterstützte das Projekt mit seinem Netzwerk, Spenden und Öffentlichkeitsarbeit. Das Vorhaben, den Kids über das Skateboarden Lebensfreude zu schenken, Lernwillen und CommunityGefühl zu vermitteln, faszinierte Dittmann derart, dass er skate-aid ins Leben rief. Die Initiative leistet Entwicklungsarbeit mit dem Skateboard und unterstützt Kinder- und Jugendprojekte in Afghanistan, Uganda, Tansania, Kenia und Deutschland. Im November 2010 wurde sie mit dem Laureus Medien Preis ausgezeichnet. Auf der FORMAGANDA steht das skate-aid-Team den Besuchern für Fragen zu Projekten oder Support-Möglichkeiten zur Verfügung, und Titus Dittmann wird im Rahmen des Workshop-Programms anzutreffen sein. Mehr über Titus Dittmanns Arbeit erfährst Du im Interview auf Seite 58. www.skate-aid.org

SKATE AID Te x t: N a d a C a r l s

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Foto: Maurice Ressel


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STARS VON GANZ UNTEN Te x t: H a n s- C h r i s tia n B u s s e r t Fotos: Sneakerqueen

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Clubs, in die man mit Turnschuhen nicht reinkommt, würden diese vier nie besuchen. Sneakerqueen, Tony, Mr. Bordellski und (inberlin35) nennen sich die Turnschuhzuhälter und in ihrer Turnschuhdisko haben alle Sneaker VIP-Status.

Ob die als Shelltoes bekannt gewordenen adidas der RapGruppe Run DMC oder der von Dizzee Rascal designte Air Max 90 – in der Ausstellung auf der FORMAGANDA werden sie artgerecht neben den dazugehörigen PlattenCovern, Postern und sonstigen Pop-Paraphernalia präsentiert. Insgesamt sind über 50 Paar Turnschuhe zu sehen. Von ganz selten (nur 30 Stück weltweit) bis ganz teuer (2.000 Euro). Wir sprachen mit den Ausstellungsmachern über ihre Sammelleidenschaft. Wie wird man Turnschuhsammler? Tony: Wir sind da reingewachsen. Hier in Berlin waren Sneaker schon immer ein wichtiges Thema auf Schulhöfen und im Freundeskreis. Das hat sicher auch mit einem ganzen Lifestyle zu tun, für den man sich interessiert. Mr. Bordellski: Wenn man mit 15 Jahren irgendwelche Rapper sieht oder Michael Jordan, der einen bestimmten Schuh anhat, dann will man den natürlich auch haben. Wäre ich Golf-Fan gewesen, dann würde ich hier vielleicht mit Budapestern sitzen. Sneakerqueen: Ihr habt den Gruppenzwang vergessen! Wieviel Paar Turnschuhe besitzt Ihr? (inberlin35): Keine Ahnung. Tony: Nicht wirklich, nee. Mr. Bordellski: 500 plus. Sneakerqueen: Ich kann auch keine Zahlen sagen. Und die liegen dann über die ganze Wohnung verteilt, oder wie muss man sich das vorstellen? (inberlin35): In diversen Kellern und auf Dachböden. Habt Ihr eure Sammlungen versichert? Sneakerqueen: Aber sicher! Bei den Mengen, die wir haben, wäre alles andere wohl auch grob fahrlässig. Tony: Abgesehen von einem Diebstahl, der wahrscheinlich logistisch gar nicht zu machen wäre, wäre es doch total ärgerlich, die Sammlung wegen eines Brands oder Wasserschadens zu verlieren. Schon mal einen Schuh weggeschmissen und hinterher drüber geärgert? Sneakerqueen: Ich habe noch nie ein Paar Sneaker weggeschmissen – höchstens meine Mutter! Tony: Weggeschmissen noch nicht. Aber totgetragen. Die Schuhleiche lag dann zerfleddert bei mir zu Hause rum. Das hat mich total angekotzt.

„Ich kann noch nicht mal sagen, was meine Lieblingsmarke ist. Es gibt zu geile Modelle von jeder Marke.“

Ihr könntet doch auch Briefmarken sammeln? Mr. Bordellski: Eigentlich ja. Wie bei anderen Sammelleidenschaften auch, kann man sich für bestimmte Modellreihen oder einen bestimmten Jahrgang interessieren. Das ist wie bei Eisenbahnen oder Briefmarken. Also hat jeder von Euch ein Spezialgebiet? Tony: Bei so vielen Styles und Arten wäre es blöd, sich zu beschränken. Außer Mr. Bordellski sammeln wir alle querbeet. Aber ein Lieblingsmodell habt Ihr schon? Tony: Ich kann noch nicht mal sagen, was meine Lieblingsmarke ist. Es gibt zu geile Modelle von jeder Marke. (inberlin35): Jeder Schuh, den ich habe! Mr. Bordellski: Nike Air Max 1. Sneakerqueen: Leichter ist es, den Favorit in einer Kategorie zu benennen. Bei mir wären es zum Beispiel NikeAir-Force-Modelle der späten 1980er oder der Jordan IV bei den Basketball-Schuhen. In der Kategorie Running der Air Max 1. Es gibt ja auch viele Modelle, die nicht wieder rausgekommen sind. Der Air Max Support zum Beispiel. Den kann ich gar nicht anziehen. Das ist dann pure Lust am Design. —>

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„Der Air Max Support zum Beispiel. Den kann ich gar nicht anziehen. Das ist dann pure Lust am Design.“


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Und wahrscheinlich auch die Lust an der Jagd. Auf der Suche nach seltenen Modellen schon mal was Außergewöhnliches erlebt? Tony: Ich hab mal auf Mallorca in einem ganz kleinen Souvenirshop hinter irgendwelchen Ballermann-T-Shirts einen ganzen Haufen alter Stan Smith von adidas gefunden. Und aus einem der Kartons grinste mir eine Kakerlake entgegen. Die Teile stehen noch genau so bei mir Zuhause – mit der Kakerlake. Wo findet man denn heute noch wirkliche Schmuckstücke? Mr. Bordellski: Berlin ist abgegrast. Wie alle großen Städte eigentlich. (inberlin35): In den größeren Städten kann man nur in SecondHand-Läden und auf Flohmärkten noch Entdeckungen machen. Man muss kontinuierlich suchen. Sneakerqueen: So richtige DeadstockLager (Anm. d. Red.: „Deadstock“: Schuhe, die nicht mehr produziert werden) gibts eigentlich nur noch in Sportläden in irgendwelchen Kleinstädten. Läden, die die Schuhe damals nicht losbekommen haben, aber trotzdem noch einlagern. Mr. Bordellski: Das hängt auch mit dem Internet zusammen. Jeder kann sich heute über das Thema informieren und mit dem nötigen Kleingeld auch die entsprechenden Schuhe bekommen.

Welches ist denn das seltenste Exemplar in Eurer Turnschuhdisko? (inberlin35): Nike Air Force 1 von Serato. Von dem gibt es 30 bis 50 Stück weltweit – wenn überhaupt. Der sieht ja eher unspektakulär aus! Tony: Das ist bei vielen Modellen so, dass ein Laie oder Außenstehender gar nicht erkennen kann, warum der jetzt so besonders sein soll. Die fallen einem gar nicht ins Auge, sind aber aufgrund ihrer Material- und Farbkombination absolut einzigartig. Ihr nehmt mit der Ausstellung also auch einen Lehrauftrag in Sachen Turnschuhkunde wahr? Tony: Mitunter. Darüber hinaus haben wir aber auch eine Menge Vintage-Sachen am Start, die so vorher noch nie ausgestellt wurden.

„Wäre ich Golf-Fan gewesen, dann würde ich hier vielleicht mit Budapestern sitzen.“

FASHION / SNEAKER DISCTRICT



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SHOPPING AREA Gefällt? Gekauft! In der Shopping-Area auf der FORMAGANDA ist das im Gegensatz zu klassischen Messen und Fachveranstaltungen kein Problem. Hier darf der Besucher nicht nur schauen und staunen, was es so an neuen Teilen für obenrum, mittendrin und untendrunter gibt, sondern selbige auch gleich anprobieren, testen und bei Gefallen in die Einkaufstüte packen lassen und mitnehmen. Kein langes Suchen und sehnsüchtiges Warten, bis man das Objekt der Begierde endlich irgendwo auftreiben kann. Doch nicht nur die auf der FORMAGANDA vertretenen Brands haben hier ihren PopUp-Store, auch einige externe Shops schätzen die zwanglose, inspirierende Atmosphäre der FORMAGANDA. Der zukünftige Lieblings-Sneaker kann ebenso erworben werden wie die lässige Streetwear-Klamotte oder das neue korrekt gestylte Skateboard. Davor (oder danach) besteht die Möglichkeit, sich zusätzlich Infos zu holen, mehr über die Unternehmensphilosophie zu erfahren, oder gar Firmengründer zu treffen. Das erworbene Produkt bekommt mit der Erinnerung an einen besonderen Tag so eine ganz eigene Qualität. Vielleicht entdeckt man beim relaxten Schlendern und Schauen ja auch seine ganz persönliche neue Lieblingsmarke, wagt – angeregt von den Styles anderer Besucher und der ungewöhnlichen Location – mal einen Kauf, der einem sonst ganz und gar unmöglich vorkäme.

FASHION & MEDIA



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HAUSAUFGABE: EIN KICKTURN Te x t: B o r i s G u s c h l b a u e r

SK AT E - PROF I J Ü RGEN HOR RWA R T H GI B T U N T ER R ICH T

PLAYGROUND


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Einer der erfolgreichsten Halfpipe-Fahrer Europas kümmert sich in der Skatehalle Berlin um den Nachwuchs – und zeigt auf der FORMAGANDA, was er drauf hat.

Jürgen Horrwarth und Trainer Stevie Schmidt von der Skatehalle Berlin über ihre Trainertätigkeit in einer Individualsportart wie Skateboarding und über die Unterschiede zwischen damals und heute. Wie lange gibt es die Skatehalle Berlin? Jürgen: Die Skatehalle gibt es nun schon seit sieben Jahren. Muss man Mitglied sein, um in der Skatehalle fahren zu dürfen? Jürgen: Für drei bis fünf Euro Eintritt kann jeder rein. Wer Mitglied im 1. Berliner Skateboardverein e. V. ist oder unter 14, bekommt den Eintritt ermäßigt. Stevie: Mittwoch ist der Vereinstag, Mitglieder können dann umsonst skaten. Donnerstags ist ein spezieller Altherrenabend, an dem die alte Garde von Berlin auftaucht. Jürgen: Ja, das ist wichtig für die Alteingesessenen, die ein wenig unter sich bleiben wollen. Nicht, dass da irgendwelche komischen InlineSkater, oder was da sonst noch so alles rumfährt, im Weg sind. Die Skatehalle ist also nicht nur für Skateboard-Fahrer? Jürgen: Man kann auch BMX fahren, Inline skaten, ... Alles außer Racerscootern und nicht anerkannten Sportgeräten. Weil es zu gefährlich ist, wenn Kids mit irgendwelchen neu erfundenen Rollgeräten ankommen. Das führt nur zu schlimmen Kollisionen. Ihr bietet die Möglichkeit, an einem Training teilzunehmen. Wie sieht das in einer Individualsportart wie Skateboarding aus? Jürgen: Jeder, der hier Skaten unterrichtet, hat seine eigene Herangehensweise. Alle Trainer haben sich das Skaten in Eigenregie selbst beigebracht und wissen deshalb, wie individuell die Sportart ist. Aus diesem Grund ist es ein ziemlich interessanter Vorgang für

jeden von uns Trainern. Man versucht, aus seinen eigenen Bewegungslehren etwas weiterzugeben, indem man sich überlegt, wie man es überhaupt macht. Aber im Endeffekt sind es schon überwiegend ziemliche Anfänger, die hier in die Workshops kommen. Da geht es wirklich um ganz grundlegende Dinge: Wie stelle ich mich aufs Board, was brauche ich für einen Kickturn, wie pushe ich, also einfach so Körperhaltungsgeschichten. Stevie: Es läuft jetzt nicht unbedingt so, wie wenn man in der Schule das ABC lernt. Wo jeder wirklich exakt dasselbe machen muss. Nehmen auch Mädchen am Skateboardtraining teil? Jürgen: Ja, schon! Stevie: Das wiederum motiviert die Jungs. Die Mädels —>

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sind eher etwas aufmerksamer und zaghafter, die Jungs sind mehr draufgängerisch aktiv. Harakiri teilweise, die sich mit mehreren Versuchen auf die Nase packen – und es dann nochmals und nochmals versuchen. Jürgen: Aber es waren auch schon Mädels dabei, die wirklich hart im Nehmen waren. Die heulen nicht, wenn sie derbe slammen und gehen sofort wieder nach oben, um es erneut zu versuchen. Habt Ihr als Trainer auch einen gewissen Erziehungsauftrag? Jürgen: Auf jeden Fall! Man ist auch nicht die reine Lehrinstanz. Man kann es auf der menschlichen Ebene versuchen, dass klar wird: Hey, Ihr habt auch eine gewisse Verantwortung gegenüber Euch und anderen. Für uns war es immer selbstverständlich, die Spots, die wir skaten, werden sauber verlassen. Da bleiben keine Getränkeflaschen, Eistee-Packungen oder irgendwelcher Müll zurück. Das ist heute anders. Man sieht regelmäßig, dass die Kids, die sich endlich ihre Skate-Spots erschlossen haben, nicht einmal dazu in der Lage sind, die Spots sauber zu hinterlassen. Stevie: Ja genau, auch wenn Skateboard-Fahren dieser Freizeitsport ist, der noch immer ein bisschen rebellisch wirkt, existieren trotzdem Regeln. Das darf man nicht vergessen. Jürgen: Oder zumindest ungeschriebene Regeln, die aber eigentlich total lebenskompatibel sind. Also, wie man sich zu respektieren hat. So eine Respekthaltung den Kids zu vermitteln, ist gar nicht so einfach. Heute kriegst Du eben auch mal einen Spruch von einem Kind und denkst Dir: Krass, als ich in diesem Alter war, hätte ich mir nie erlaubt, das Maul so weit aufzureißen. Wie wird Euer Auftritt auf der FORMAGANDA aussehen? Stevie: Die Skate-Profis Lennie Burmeister und Jürgen Horrwarth werden Shows fahren, so dass das Publikum direkt sehen kann, wie Skateboarden abgeht. Die Kids werden sich Schützer und Skateboards ausleihen können, um es selbst einmal zu probieren. Da werden dann die Trainer vom 1. Berliner Skateboardverein mit Rat und Tat zur Seite stehen – so wie bei den Skateboard-Workshops in der Skatehalle. Jürgen: Wir werden versuchen, die Besucher zu begeistern, um dem Nachwuchs den Spaß am Skateboarding vermitteln!

„Alle Trainer haben sich das Skaten in Eigenregie beigebracht und wissen, wie individuell die Sportart ist.“

Supported by Monster Skateboard Magazine

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BERLIN BEACH Te x t: H a n s- C h r i s tia n B u s s e r t

SOM M ER , SON N E , SU R F EN – JA , GER N E! A BE R M I T T EN I N DER S TA D T ?

Manchmal hat auch der härteste Stadtaffe keine Lust mehr auf Mode, Musik und Mätzchen. Gut, wenn es dann einen Strand gibt. Willkommen auf dem Surf-Festival am Badeschiff! Die beiden Hamburger Christoph Zingelmann und Florian Laudon hatten schon immer ein bisschen mehr Fantasie als andere. Jedenfalls war ihr Surf-Festival, das 2007 zum ersten Mal in Hamburg stattfand, etwas ganz Besonderes: Filmpremiere, Tradeshow, Party und Bikinigirls. Aber weit und breit kein Wasser! Trotzdem kamen 1.200 Besucher in das Kulturhaus auf der Sternschanze. Letztes Jahr in München waren es sogar 2.500, die sich Messe und Programm nicht entgehen lassen wollten. Vielleicht lag es an ihrer Erfahrung als Veranstalter von Beachpartys. Wahrscheinlicher ist, dass die Leidenschaft der beiden so ansteckend wirkt. Aber woher kommt diese Begeisterung fürs Wellenreiten – man könnte ja zum Beispiel auch Windsurfen? „Bloß nicht! Da legen wir sehr viel Wert drauf.

Der Unterschied zwischen Windsurfern und Wellenreitern ist doch vergleichbar mit dem zwischen Skifahrern und Snowboardern, Inline-Skatern und Skateboardern“, so Christoph Zingelmann. Aber so richtig Surfen kann man in Deutschland ja nicht. „Ach, sobald es Sturm gibt, wenn es ja auch für Windsurfer und Kiter erst interessant wird, gibt es immer irgendwelche Spots an Nord- und Ostsee, an denen es richtig Wellen hat. Timmendorfer Strand, Weissenhaus – da gibt‘s schon einige.“ Und für die Zeit zwischendrin haben sie ja die Surf-Festivals. Was die ersten Male noch „klein, hobbymäßig und improvisiert“ war, ist inzwischen eine große Sache. Neben Christoph und Florian gehören noch acht bis zehn Mitarbeiter zum harten Kern der Firma HHonolulu Events, die die Unternehmung veranstaltet. So genau sagen kann

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„Für Beach-Flavor sorgen verschiedene DJs und der Singer/ Songwriter David Grabe.“

man das nicht: „Wir sind sehr gut darin, unser Umfeld zu integrieren. Meine Freundin zum Beispiel macht die komplette Tradeshow-Orga. Die ist gelernte Messebauerin. Es ist einfach eine family and friends affair. man freundet sich an oder gehört eh schon zum Familien- oder Bekanntenkreis. Ganz nach dem Motto: „Was kannst du denn so?“ —>

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TARP SURFING STAND UP PADDLE Aber was kann das Surf-Festival auf der Formaganda? Da wäre natürlich die Location, das Badeschiff, von dem sich Christoph einiges verspricht: „Das ist neu, dass wir direkt neben und auf dem Wasser sein werden.“ Da eröffnen sich ganz neue Chancen. So wird es neben der Möglichkeit, im Pool zu planschen oder Beachvolleyball zu spielen, auch eine Stand Up Paddle-Strecke vom Badeschiff zum Club der Visionäre geben. Bei dieser Sportart, die von den hawaiianischen Inseln kommt, bewegt man sich auf einem Surfboard stehend mit Hilfe eines Paddels vorwärts. Bezüglich der Wasserqualität der Spree kann Christoph übrigens Entwarnung geben: „Reinfallen ist absolut unbedenklich. Nur Trinken würde ich das Wasser nicht!“

Ein ganz neuer Trend ist Tarp Surfing. Dabei wird eine große blaue Plastikplane von zwei Helfern gezogen. Durch den Luftwiderstand bildet sich eine Welle in der Plane, die mit einem Skateboard „abgesurft“ wird. Das ist durchaus auch zum Mitmachen gedacht: Neben einer Show werden auch Workshops angeboten.

FLUNKY BALL Flunkyball ist ein (Trink-)Spiel, das gerne in französischen Surfcamps gespielt wird. Dabei versuchen zwei Teams einen zwischen ihnen positionierten Gegenstand umzuwerfen. Trifft ein Team, darf es so lange trinken, bis ein Spieler aus dem gegnerischen Team in die Mitte gelaufen ist und den Gegenstand wieder aufgestellt hat. Prost!

„In die Spree zu fallen ist absolut unbedenklich.“

BALANCE BOARDS UND SLACK LINES Außerdem haben die Besucher die Möglichkeit, ihre Geschicklichkeit auf Balanceboards und Slacklines zu testen. Gerade letzteres setzt sich unter Surfern immer mehr durch. Neben dem Gleichgewichtssinn trainiert man dabei seine Bein- und Fußmuskulatur. Christoph dazu: „Inzwischen ist es gang und gäbe, dass die Jungs bei Flaute ihre Slacklines im Pinienwald aufbauen.“

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Für das Badeschiff selbst sind auch ein paar Überraschungen geplant. Und für den richtigen Beach-Flavor sorgt neben verschiedenen DJs auch der Singer/ Songwriter David Grabe aus Hamburg. Außerdem stehen jede Menge Liegestühle bereit. Der perfekt Ort also für gestresste ConventionBesucher, die einfach ein wenig Sommer, Sonne und Surf-Feeling wollen. Gibt es denn irgendetwas, das man mitbringen muss? „Badehose nicht vergessen! Und natürlich gute Laune und ein offenes Herz für alle neuen Ideen und Sportarten.“


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LET’S PLAY! Te x t: M i c h a e l S o h n

Klar, das Spielen in virtuellen Welten bietet einige Vorteile: Zum Beispiel kann im Reich der Nullen und Einsen selbst der unsportlichste Grobmotoriker im Estadio Santiago Bernabeu auflaufen und Mesut Özil den Ball abnehmen. Oder man ist unverwundbar, kann die Schwerkraft überwinden, hat Superkräfte und dergleichen Kleinigkeiten mehr. Doch am Ende des Tages, wenn Rechner und Konsole ausgeschaltet sind, müssen wir wieder mit dem zurechtkommen, was uns in der realen Welt umgibt. Und das ist eigentlich auch ganz geil: echte Dreidimensionalität statt simulierter. Gegenstände, die man in die Hand nehmen und spüren und nicht nur anklicken kann. In der Let’s play-Area laden Brands wie Steiff, Play Doh oder myToys.de die FORMAGANDA-Besucher ein, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und kreativ zu werden. Analog reist man in die Vergangenheit und entdeckt gemeinsam alte Klassiker, die man einst lieb gewann und nicht mehr hergeben wollte – und dann doch irgendwann vergessen hat. Höchste Zeit, diese Erinnerungen wieder aufzufrischen.

www.steiff.com www.play-doh.de www.mytoys.de

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FUNF GEWINNT Te x t: S i m o n Ste i n ko g l e r

U N D W E R V ER L I ER T, F L I EGT R AUS: BEI M F OR M AG A N DA - S T R EE T B A L L -T U R N I ER H AT J EDER N U R EI N E CH A NCE Wer beim von kickz.com ausgerichteten Turnier bestehen will, sollte sich auskennen: Wie entstand eigentlich die rebellische Basketball-Variante? Basketball war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein rein weißer Sport. Vom offiziellen Spielbetrieb in den Hallen ausgeschlossen, machten sich schwarze Basketballspieler auf – mit nicht mehr als einem Ball und ihrer Hoffnung bewaffnet – um ihre eigene Version des Basketballs zu zelebrieren. Auf den Freiplätzen amerikanischer Großstädte wie New York, Chicago und Washington fanden sie die geeignete Umgebung, um ihr Talent zur Schau zu stellen. Auf diesen Plätzen wurde Streetball geboren. Das Spiel wurde aufgrund seiner spektakulären Spielweise und lockeren Philosophie rasch zum Kult. Vor

allem in den ärmeren Vierteln amerikanischer Großstädte ist die Straßenvariante des Basketballs ein fester Bestandteil der Kultur. Die Jugendlichen sehen im Streetball den amerikanischen Traum. Viele Profis haben auf der Straße mit dem Basketball begonnen und verdienen jetzt in der NBA, der amerikanischen Profiliga, Millionengagen. In den 1990er-Jahren wurde der Kult ein Teil des Mainstreams. Aus dem Randsport war eine eigenständige Sportart mit ihren eigenen Stars, großen Turnieren und finanzstarken Sponsoren gewachsen. Streetball-Showteams flogen für Fernseh-Reality-Dokus um die Welt, begeisterten in ausverkauften Hallen mit ihren spektakulären Aktionen ihre Fans.

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Anfang der 1990er-Jahre entdeckte man auch in Deutschland die Trend-Sportart. Mit der wachsenden Popularität der NBA entwickelte sich auch die Begeisterung für die Freiplatz-Variante. Freiplatz-Variante. Das erste Streetball-Turnier Deutschlands fand 1992 auf dem Schloßplatz in Berlin statt. Aus dem Phänomen wurde eine Bewegung: In den nächsten Jahren entstanden unterschiedliche Turnierserien, die jährlich in den Sommermonaten ausgespielt wurden. In deutschen Großstädten trafen sich Streetball-Begeisterte auf Turnieren wie der Sprite- oder der Telekom-Streetball-Challenge. Beide Events wurden zwar eingestellt, der Spirit lebt aber in vielen kleineren, über die Nation verteilten Turnieren weiter. Im Gegensatz zum Basketball wird Streetball nicht nur Fünf gegen Fünf auf die volle Länge des Feldes gespielt. Auf dem Freiplatz greifen beide Teams den gleichen Korb an und wechseln sich in der Offensive ab. Vom Spiel Mann gegen Mann, also im 1 gegen 1, über 3 gegen 3 bis hin zum 5 gegen 5, kann Streetball in allen Variationen gespielt werden. ZweipunkteWürfe werden mit einem Punkt, erfolgreiche Dreier mit zwei Punkten belohnt. Anders als bei offiziellen Basket Basketballpartien ballpartien wird Streetball nicht nach Zeit, sondern bis zu einer vorher individuell festgelegten Punktzahl gespielt. Grundsätzlich wird auf Schiedsrichter verzichtet – der Angreifer entscheidet, ob er vom Verteidiger gefoult wurde. Auf dem Freiplatz finden die Spieler Ausgleich zum Vereinsbasketball. Dort können sie dank der lockeren Auslegung der Regeln ihre in kein Regelbuch passenden Tricks zur Schau stellen. Beim Streetball erhalten

individuelle Fähigkeiten Fähigkeiten mehr Gewicht. Spieler, die sehr geschickt und trickreich mit dem Ball umgehen, haben einen Vorteil. Aber die Unterschiede finden sich nicht nur im Regelwerk. Streetball ist die quirlige, rebellische Tochter der kontrollierten Mutter Basketball. Das Herz der Sportart mag sich in der Halle befinden, die Seele lebt jedoch auf dem Freiplatz. Streetball hat keine Barrieren. Alt trifft auf Jung, Reich auf Arm... Hier ist das Spiel genau das – ein Öffnungszeiten. Steife RegelSpiel. Streetball-Plätze haben keine Öffnungszeiten. buch-Fetischisten sind genauso fehl am Platz wie Offensiv-Fouls. Hier befindet man sich an der Pulsader der Bewegung. Bewegung. Streetball ist der Jazz des Basketball Basketball – er ist pure Improvisation. Streetball ist Liebe zum Sport, zum Wettkampf, zu der Kultur. K1X und kickz.com stehen in Deutschland für Basketball und Streetball. Die Münchener Firma K1X ist Ausstatter verschiedener Mannschaften auf Amateur- und Profilevel. Auf der FORMAGANDA organisiert organisiert kickz.com für alle Besucher an beiden Tagen ab 13 Uhr ein Streetball-Turnier. Teilnehmer sollten unbedingt ihren eigenen Sportdress mitbringen. Die Spieler treten 1 gegen 1 gegeneinander an. Der Spieler, der in einem Spiel zuerst fünf Punkte erreicht, siegt und zieht in die nächste Runde ein. Der Sieger des Turniers kann am Ende des Tages ein nagelneues K1XOutfit mit nach Hause nehmen. Neben dem Turnierbetrieb wird ein zweiter Korb frei zur Verfügung stehen. Hier können alle Besucher, die Streetball für sich entdecken wollen, ihre ersten Tricks ausprobieren.

„Streetball ist der Jazz des Basketball – er ist pure Improvisation“

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...AND THEY DON’T STOP Te x t: N a d a C a r l s

FAU X A M I E X H I BI T IONS PR Ä S EN T I ER EN 6 0 JA H R E SK AT E BOA R D -WA H N SI N N

Sie sind rar, nicht jeder versteht sie – und genau deswegen ist es gut, dass es sie gibt: echte Fans, Idealisten und so genannte Verrückte. Jürgen Blümlein und Daniel Schmid sind solche hoffnungslosen Fälle. Als Jürgen Blümlein und Daniel Schmid 2003 in Stuttgart ein Skateboard-Museum eröffneten, wurden sie deswegen bisweilen belächelt und ihnen begegneten mehr schüttelnde Köpfe als Hände. „Nettes Hobby“ dachten wohl diejenigen damals, die mit dem Begriff ‚Beruf‘ Schlagworte wie ‚Nine-to-five‘, ‚Burn-out‘ und ‚Lohntüte‘ in Verbindung bringen und nur schwerlich begreifen, dass Schmids und Blümleins Machenschaften keinesfalls als Freizeitbeschäftigung zu verstehen sind. Denn mit dem gemeinnützigen Verein Skateboard-Museum e. V. und ihrer Firma FauxAmi haben die beiden ihre Leidenschaft institutionalisiert und zu einem ernsthaften Beruf gemacht.

Irgendetwas muss doch auch dran sein, wenn man sich als staatlich unterstütztes Museum verstehen darf, welches der damalige Bundespräsident Horst Köhler 2010 zertifizierte. Wenn man regelmäßig eine Anlaufstation der „Langen Nacht der Museen“ in Stuttgart ist und Besucher aller Altersklassen hereinschneien, um mehr über die Geschichte und die Kuriositäten des Skateboardens zu erfahren. Und tatsächlich hat der Brettsport eine lange, dokumentationswürdige Historie, die im 18. Jahrhundert begann, als ein Belgier sich erstmals auf selbst gebaute Rollschuhe stellte und unbewusst den Grundstein dafür legte. Mit dem Surfund Skate-Hype der 1960er- und 1970er-Jahre an der US-Westküste entstand eine ganze Jugendkultur um

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„Das kleine bissch bisschen Revoluzzertum, das die Skater von den Wakeboardern, Snowboardern und Inlinern unterscheidet.“ Dogtown und die Z-Boys, und seither lässt sich die Core-Szene der Rollbrettler weltweit nicht mehr klein kriegen. Es bleibt diese unerschütterliche Lässigkeit und Rotzigkeit, das kleine bisschen Revoluzzertum, das die Skater von den Wakeboardern, Snowboardern und Inlinern unterscheidet. Neben ihrem Dasein als Betreiber von Europas erstem Skateboard-Museum schreiben und publizieren Blümlein und Schmid Bücher und Artikel rund ums Thema, konzipieren neue Ausstellungen, mit denen sie um den —>

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Globus reisen, und sorgen auch ansonsten mit viel Leidenschaft dafür, dass ihnen nicht langweilig wird. „Wir versuchen, mindestens einmal im Jahr unsere Ausstellung in einer anderen Stadt zu zeigen. Hierfür entwickeln wir immer neue Konzepte mit dem Fokus auf jeweils einem bestimmten Bereich der Skateboard-Kultur wie Magazine, Kunst, verrückte Prototypen, Grafiken oder Schuhe.“ Damit sind sie schon beachtlich rumgekommen und haben unter anderem in Berlin, Barcelona, Zürich, Wien, Amsterdam und London ausgestellt. Auch nach San Francisco und L.A. wurden sie bereits eingeladen, um ihr Buch „Made for Skate“ vorzustellen.

Auf der FORMAGANDA werden die Jungs Highlights aus ihrem Printwerk präsentieren. Der 400-seitige Bildband zeigt eine umfangreiche Auswahl bedeutender Skateboard-Schuhe und die Geschichte dahinter, in fast allen Fällen abgetragen und ehrwürdig vom Besitzer geshreddet. Nie zuvor hat sich jemand diesem Thema so detailverliebt gewidmet und ausgiebig recherchiert. „Wir waren überrascht, wie viele Skateboarder noch ihre total verheizten Schuhe hatten. Was fehlte, waren aktuellere Modelle. Um an diese zu kommen, starteten wir eine Tauschaktion: Wer interessante und gut geskatete Schuhe hatte, konnte die bei uns gegen ein neues Paar eintauschen“, erzählen sie über die Materialbeschaffung. „Und eBay ist natürlich eine echte Fundgrube für kleine Schätze – besonders aus den 1970er-Jahren. Teilweise haben wir ganze Umzugskisten voller Schuhe von Skatern bekommen, die von uns gehört hatten.“ Neben der Buchvorstellung bringen Blümlein und Schmid im Art Space der FORMAGANDA zwei weitere Ausstellungen an die Wände. „Freaks! Of Nature“ zeigt Charakteristisches und Absonderliches aus dem Rollbrett-Kosmos: von selbstgebauten Skateboards, Brettern in Übergrößen, einer Baggy Pant, die Platz für drei bietet, bis zum Germina Speeder, dem einzigen Skateboard aus DDR-Fabrikation – einer legendären Fehlkonstruktion. Mit „Skateboardfieber“ erinnern sie an ihre allererste Ausstellung vom Dezember 2003, die sie seitdem in Neuauflagen bis heute auf Messen, Veranstaltungen und eigens organisierten Ausstellungen zeigen. „Wir haben damals angefangen, im Freundeskreis herumzufragen: Wer hat noch was? Wer kann uns Sachen geben? Da kam schnell einiges zusammen“, erinnern sich die Museumsbetreiber an die erste Auflage von „Skateboardfieber“. Nach weiteren acht Jahren Skateboard-Wahnsinn hat sich natürlich noch viel mehr angesammelt.

www.fauxami.de www.skateboardmuseum.de

„Selbb „Selbstgebaute Skateboards, Bretter in Übergrößen, eine Baggy Pant, die Platz für Überg g drei bbietet.“

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WIR NENNEN ES WORKSHOP Wer nicht kommt, bleibt dumm! Auf der FORMAGANDA gewähren Künstler und Könner Einblick in ihre Arbeit. Jeder hat schon einmal eine Casting-Show geschaut und hat ziemlich schnell kapiert, wie die Medien-Maschinerie funktioniert, die am Ende einen kleinen Star mit kaum wahrnehmbarer Halbwertszeit ausspuckt. Worüber man dagegen sehr wenig weiß: Wie arbeiten die echten Stars? Wie baut man aus ein paar Beats und Sounds zum Beispiel einen Hit? Breakbeat-Ikone Adam F und Beat-Bastler phreQuincy wissen, wie das funktioniert. In ihren Workshops auf der FORMAGANDA geben sie praktische Tipps und demonstrieren an einigen Beispielen, worauf man achten sollte,

wenn man mit seinen eigenen Tracks später auch einmal die Charts erobern will. Mit einer ganz anderen Frage musste sich Titus Dittmann vor einiger Zeit auseinandersetzen. Der Titus-AG-Geschäftsführer a. D. hat beruflich schon alles erreicht. Aber was kommt dann? Er entschloss sich, anderen zu helfen und gründete skate-aid. Dass so jemand viel zu erzählen hat, versteht sich von selbst. Weniger geredet wird in der Vector Lounge: Für den Design-Battle haben vier Artists ihre Tablets poliert und die Rechner hochgefahren. Als stimmgewaltige Hosts nehmen die Berliner Beatboxer razzzones ihre Mics in die Hand.

WORKSHOP DAY 1: 28.5.2011

VECTOR LOUNGE FORMAGANDA SPECIAL 13.00 - 14.30 UHR „KAOS“ WITH ADAM F 15.00 - 16.30 UHR PHREQUINCY 17.00 - 18.30 UHR WORKSHOP DAY 2: 29.5.2011

TITUS 13.00 - 14.30 UHR PHREQUINCY 15.00 - 16.30 UHR RAZZZONES 17.00 - 18.30 UHR Eine Anmeldung für die Workshops ist nicht erforderlich, rechtzeitiges Erscheinen empfehlenswert, da der Platz begrenzt ist.

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SKATE BOARDS FUR DIE WELT Te x t: H a n s- C h r i s tia n B u s s e r t Foto: Thomas Wolfzettel

T I T U S DI T T M A N N BR I NG T A F GH A N IS CH EN K I N DER N DA S SK AT EN BEI

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Mr. Skateboard hat mit Shops und dem Titus Mailorder ganze Generationen mit Brettern versorgt. Mit skate-aid betreibt er Entwicklungshilfe der anderen Art. Auf der FORMAGANDA erzählt Titus von seiner Stiftungsarbeit. Wozu brauchen afghanische Kinder ein Skateboard? Wir benutzen das Skateboard als Werkzeug, um humanitäre Hilfe zu leisten. Skateboarding eignet sich dafür sehr gut, weil es Sinn und Identität stiftet. Jeder, der einmal damit in Berührung gekommen ist, weiß: Dieses Brett mit vier Rollen hat eine enorme Kraft. Warum sollte also etwas, das hierzulande so viele Jugendliche bewegt, nicht auch international gute Dienste leisten können? Zudem sind Skateboards in Afghanistan kulturell unbelastet. Skateboarding ist etwas, das Mädchen und Jungen zusammen machen können. Zudem fördert Skaten die Leistungsbereitschaft, den kreativen Ausdruck und die Willensbildung. Skateboarding heißt ja auch: Einen Trick so oft zu versuchen, bis man ihn steht. Trotzdem ist das erstmal keine so naheliegende Idee. Wie bist Du darauf gekommen? Die Initialzündung war sicherlich das Projekt des Australiers Oliver Percovich. Der hat unter dem Namen „Skateistan“ eine Skateboardschule in Kabul aufgemacht. Ich habe irgendwann darüber gelesen, war sofort fasziniert und habe spontan angefangen, in den 39 Titus-Shops von den Kunden gebrauchte Decks, Achsen

„Dieses Brett mit vier Rollen hat eine enorme Kraft.“

und Rollen einzusammeln. DHL hat die Sachen kostenlos in Münster abgeholt und die zwei Tonnen Material nach Afghanistan gebracht. Ich bin mit einem Fernseh-Team rüber, habe die Sachen durch den Zoll geboxt und dort der SkateSchule übergeben. Die strahlenden Gesichter der Kinder zu sehen, war ein so bewegender Moment, dass ich anschließend gleich die Stiftung gegründet habe. Wie ging es dann weiter in Afghanistan? Inzwischen haben wir in Karokh im Westen Afghanistans – das liegt an der Grenze zum Iran – einen Skate-Park gebaut. Mitten auf dem Land! Dabei hat uns Rupert Neudeck mit seinem humanitären Verein, den Grünhelmen, geholfen. Wer es nicht weiß: Rupert Neudeck hat damals die Boat People genannten Flüchtlinge aus Vietnam gerettet. Der engagiert sich jetzt unter anderem auch in Afghanistan. Letztendlich ist das auch nur so möglich. Man braucht immer jemanden vor Ort, der ein Netzwerk hat, die richtigen Leute kennt. Ich selbst habe nämlich nicht vor, nach Afghanistan oder Afrika zu ziehen. Welche Wirkung hat Skateboarding – neben einer ganzen Menge Spaß natürlich – auf die Kinder? Es gibt im Skateboarding ja den schönen Spruch „Skate or die“. Den hat wahrscheinlich jeder hier schon mal gehört oder gelesen. Für Afghanistan gilt der im wahrsten Sinne – die Kids sollen lieber ein Skateboard anstelle einer Kalaschnikow in der Hand haben. Die Gewöhnung an Kriegsgerät beginnt dort schon beim Spielzeug. Zum Fastenbrechen in Herat – das ist vergleichbar mit Weihnachten – hatten wirklich 100 Prozent aller Jungs Spielzeuggewehre geschenkt bekommen. In der Stadt war ein regelrechter Kinderkrieg ausgebrochen. Das war schockierend. Dann lieber ein Skateboard. Kinder, die skaten, schießen nicht. Inzwischen seid ihr auch in Afrika und Vietnam aktiv. Richtig. Inzwischen haben wir auch vier Projekte in Afrika. Wir bauen und pflegen Skateparks und unterstützen deren Betrieb in Kapstadt, Nairobi, Kampala und Dodoma (Tansania). In Hanoi haben wir einen Aktivisten, der dort in einem Kinderheim sein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht hat, mit Knowhow und Sachspenden unterstützt. Wie können sich die Besucher der FORMAGANDA engagieren? Erst einmal können sie sich informieren. Auf unserem Stand präsentieren wir unsere Arbeit und zeigen, welche positive Kraft Skateboarding auf die oft auch traumatisierten Kinder und Jugendlichen hat. Und dann können sie natürlich spenden. Das Gute daran ist: Die Spende wird zu 100 Prozent, also ohne Verwaltungs- und Administrationskosten, an die Projekte weitergeleitet. Letzte Frage: Stehst Du selbst noch auf dem Board? Kommt drauf an, wer fragt! Wenn mich so‘n Halbstarker fragt, der sich irgendwelche Treppen und Handrails runterschmeißt, dann sag ich lieber ,nein‘...

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PHRE QUINCY Te x t: J o a c h i m L a n d e s v at te r

BE AT- B A S T L E R VON DER WAT ER K A N T

Er gehört zu den besten HipHop-Produzenten, die Deutschland zu bieten hat. Auf der FORMAGANDA zeigt der Hamburger, was mit einem mobilen Produktions-Setup möglich ist.

Kaum ein namhafter deutschsprachiger Rapper, der von dem Beat-Spezialisten phreQuincy noch nicht mit innovativen Instrumentals versorgt wurde: Samy Deluxe, Olli Banjo, Azad, Sido, Curse, Manuellsen, Bass Sultan Hengzt und viele andere flowten bereits zu seinen ambitionierten Kreationen. An der deutschen Grenze ist jedoch noch lange nicht Schluss, auch international sind seine Produktionen begehrt: Auf dem Platinalbum „Ouest Side“ des französischen Rap-Superstars Booba konnte er drei Produktionen platzieren und auch 50 Cents G-Unit bediente sich bereits der Beats des Hamburgers. 2008 erschien sein Debütalbum als Produzent unter dem vielsagenden Titel „Ich kann’s mir leisten“. Die Scheibe überzeugte auf ganzer Länge mit zahllosen namhaften nationalen und internationalen Rap-Features und pumpenden Synthie-Beats. Letztes Jahr gründete phreQuincy mit Sänger Josof und

Rapper Juvel die Band Wir sind im Haus oder kurz W.S.I.H., die bislang mit dem Gratis-Mixtape „Cukunftsmusik“ für Furore sorgte und demnächst hoffentlich mit einem regulären Album am Start sein wird. Auf der FORMAGANDA wird er erklären, wie er mit einem mobilen Setup Beats produziert, Arrangements macht und Tracks konzipiert. Zu seinen Tools für unterwegs gehören ein Notebook mit Sound-Karte und das MIDI-Keyboard AKAI MPK 49. An Software nutzt er das Steinberg-Sequenzer-Flaggschiff Cubase 6 und die VST Workstation Halion Sonic, ebenfalls von Steinberg. Kein Wunder, schließlich

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residieren die Homies der MusiksoftwareFirma ja ebenfalls an der Elbe und dort wird er dieses Jahr auch einen ProduktionsWorkshop im SAE-Institut geben. Wenn phreQuincy von einem Beat richtig inspiriert wird, greift er übrigens auch mal selber zum Mikrofon und rappt, auch wenn er sich selbst nicht gerade als begnadeten Rapper sieht. Man darf gespannt sein, welche weiteren musikalischen Überraschungen dieser Produzenten-Freigeist für die FORMAGANDA-Besucher in petto haben wird.

www.myspace.com/phrequincy


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WORKSHOPS

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VECTOR LOUNGE Te x t: M i c h a e l S o h n

Foto: Julia Schoierer aka Sneakerqueen

DR AW YOU R OW N L I N E

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Auf die Plätze, fertig, zeichnen: Beim ersten weltweit ausgetragenen Design-Battle treten Grafiker live gegeneinander an. Für die FORMAGANDA hat sich Vector-LoungeMitbegründerin Ceyda Ocak etwas Besonderes ausgedacht.

Was soll das denn eigentlich sein: ein Kunst-Battle? Ceyda Ocak: Die Vector Lounge findet normalerweise in zwei Städten simultan statt. In jeder Stadt tritt ein Team von vier Grafikern an, die sich jeweils eins gegen eins 30 Minuten battlen. Wir wollen zeigen, wie diese Grafiker arbeiten: Wie wird ein Tablet eingesetzt, wie sieht es aus, wenn man im Grafikprogramm zwischen den verschiedenen Ebenen wechselt... Im Grunde machen wir den Arbeitsprozess der Kreativen transparent. Das Event ist auf unserer Webpage über zwei Streams zu verfolgen. Nach dem Event kann dort jeder noch einige Tage für seine Faves voten. Natürlich stimmen auch alle Besucher vor Ort ab. Aus welchen Bereichen rekrutiert Ihr die Artists? Die meisten sind Grafiker oder Illustratoren. Allerdings müssen sie mit diesem Battle-Gedanken etwas anfangen können, deswegen kommen viele vom Graffiti. Oft sind Grafiker ja eher nerdige Typen, die gar nicht wollen, dass man ihnen bei der Arbeit über die Schulter schaut. Trotzdem trifft man auf die unterschiedlichsten Styles: Manche machen Animationen, manche arbeiten nur mit Vektoren, andere sind eher so Pixelschieber. Wir geben immer ein Thema vor, das dann bearbeitet wird. Wer hat sich das alles ausgedacht? Guillaume Trotin von der Westberlin Gallery und ich machen das. Ich bin vor einem Jahr dazu gestoßen und versuche, das Projekt auf den nächsten Level zu hieven. Seit zwei Jahren gibt es schon diverse Battles zwischen Berlin und Paris. Gerade sind wir dabei, uns internationaler aufzustellen. Wir wol-

len dieses Jahr mit unserer „Draw Your Own Line“-Serie Europa erobern, organisieren außer in Paris und Berlin Battles in London und Kopenhagen. Nächstes Jahr geht es nach Südamerika und Russland. Angefangen hat alles damit, dass ein paar Grafiker ihre Skills vergleichen wollten. Vorher habe ich schon „Secret Wars“ in Berlin gehostet, da traten Maler in Dreierteams gegeneinander an, noch richtig analog. Für viele verträgt sich Kunst nicht mit diesem Wettbewerbsgedanken. Da Kunst sich ja jeder objektiven Bewertung entzieht. Wir glauben an die Intelligenz der Masse. Über unsere Website kann jeder seine Stimme abgeben. Wie gehen die Artists mit der Situation um: Unter Zeitdruck vor Publikum zu arbeiten? Jeder Teilnehmer weiß, worauf er sich einlässt und bereitet sich entsprechend vor. Deswegen kam es noch nie zu Blockaden, Nervenzusammenbrüchen oder ähnlichen Desastern. Obwohl gern mal 300 Leute oder mehr zuschauen. Trotzdem haben wir statt eines verbissenen Wettkampfs eine mellow Atmosphäre. Und genau deswegen ist die Vector Lounge für viele interessant, die sich sonst nicht intensiv mit Grafikdesign beschäftigen. In Berlin findet der nächste Event Mitte Juni in der Westberlin Gallery statt. Die Besonderheit auf der FORMAGANDA: Es ist keine zweite Stadt involviert, sondern vier Künstler battlen sich eins gegen eins je 30 Minuten. w w w.vectorlounge.eu

„Im Grunde machen wir den Arbeitsprozess der Kreativen transparent.“ PLAYGROUND


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I M S U P E R P L A N A R T S PAC E D R E H T S I C H A L L ES N U R U M E I N ES : U R B A N A R T

Te x t: H a n s- C h r i s tia n B u s s e r t

KUNST KOMMT VON GRAFFITI

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ART


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Mark Gmehling

Nawer

Also Kunst, die vom Leben in der Großstadt beeinflusst wird. Dabei ist längst nicht mehr alles nur Graffiti. Die gezeigten Künstler können zwar alle eine Sprühdose halten, aber sie können auch malen, illustrieren, collagieren und installieren. Und manche sogar: sticken.

ART

Czarnobyl

„Die beteiligten Künstler können malen, illustrieren, collagieren und installieren. Und manche sogar: sticken.“

Wolfgang Krell

Base23 Pisa73

Pisa73 ist Künstler und Kurator in einem. Als Künstler kann er auf über 20 Jahre Urban Art zurückblicken. Als Kurator betreibt er die Galerie Superplan in Berlin-Friedrichshain. Bestens qualifiziert, um einen Art Space der FORMAGANDA zu betreuen. Trotzdem ist es ungewöhnlich, dass einer, der selbst die Sprühdose fest im Griff hat, gleichzeitig auch andere Urban-Art-Künstler ausstellt. Wie kommt man als Artist dazu, selbst eine Galerie aufzumachen? „Wenn ich als Künstler unterwegs bin, lerne ich dabei immer wieder andere Artists kennen, von denen ich mir denke, es wäre doch nett, die auch mal in Berlin zeigen zu können. Außerdem ist Superplan mehr Showroom als Galerie. Es gibt keine Verkaufsgarantien, kein Versprechen groß rauszukommen. Es ging mir einfach darum, einen Ort zu schaffen, an dem wir ausstellen können.“ Nach dem gleichen Prinzip hat Pisa73 auch die Künstler für die von ihm kuratierte Ausstellung auf der FORMAGANDA ausgewählt. Alle gezeigten Künstler sind Urban Artists. Die meisten kommen vom Graffiti, haben sich aber im Laufe der Jahre in die ein oder andere Richtung bewegt, so dass die gängigen Spielarten der Urban Art alle vertreten sind. Da ist Base23, der zwar mit der Sprühdose arbeitet, aber über den der Kurator sagt: „Da ist Graffiti drin, aber irgendwie auch nicht“. Eliot ist fest im HipHop verwurzelt und als „Beatbox Eliot“ auch ein Veteran der deutschen Beatbox-Szene. Er tauscht für seine Arbeiten schon mal die Dose gegen Nadel und Faden: Stickerei auf Leinwand statt Farbe auf Beton. Auch Mark Gmehling und Wolfgang Krell arbeiten inzwischen auf Leinwand oder Papier. Gmehling entwirft Figuren, die Character genannten werden. „Total verknotet“, wie Pisa73 findet. Wolfgang Krell hat sich „am weitesten vom ursprünglichen Graffiti-Ding weg bewegt“. So arbeitet das „Urgestein der Szene“ inzwischen hauptsächlich mit Acrylfarben. WKD ist als Grafikdesignerin und Illustratorin für den weiblichen Touch verantwortlich – „damit die Kerle nicht immer alles unter sich ausmachen“. Emess und Czarnobyl sind, wie Pisa73 selbst, „Schablonenheinis“. Diese vielleicht etwas despektierliche Bezeichnung verleugnet, dass es sich bei den Arbeiten der drei um äußerst komplexe, mit mehreren übereinander gelegten Schablonenschichten erstellte Werke handelt, die oft noch mit freier Hand veredelt werden. —>


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WKD

Emess

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Wenn der Superplan Art Space so etwass wie ein Gastland hat, dann ist das Polen. Repräsentiert wird unser Nachbarland chbarland durch die beiden polnischen Künstler Lump und Nawer. Lump ist am ehesten eh als klassischer Graffitimaler zu bezeichnen. Seine Arbeiten beiten sind sin durch einen illustrativen Stil geprägt und von hoher Kunstfertigkeit. ertigkeit. Nawer N arbeitet im bürgerlichen Leben als Architekt und so verwundert es nicht, dass seine Lichtinstallationen an Baupläne für Gebäude aus der Zukunft erinnern. Pisa73 meint: „Ich habe, wenn ich auff Ausstellungen in Polen war, viele ele Künstler gesehen, die gute e Sachen machen, die bei uns aber ber nicht viel Aufmerksamkeit bekommen. ekommen. Wir orientieren uns immer im Richtung Westen. Das ist ganz einfach geschichtlich bedingt. Aber A gerade in afischen Nähe zu Polen, bietet es sich natürlich Berlin, mit seiner geografischen an, den ein oder anderen einzuladen.“ n Künstler aus dem Nachbarland e Der Mann mit der Doppelrolle plant, noch ein paar Überraschungsgäste aus dem Ärmel zu schütteln. Zudem hofft er, dass viele der Arbeiten exklusiv für die e FORMAGANDA entstehen. Er hat die teilnehmenden Künstler gebeten, vor Ausstellungsbeginn zusammen mit ihm die Wände zu gestalten. Live kann leider nicht gesprüht, gemalt und geklebt werden – Erstickungsgefahr! Eine Frage aber bleibt: Warum zieht Pisa73 den Begriff Urban Art dem doch eigentlich viel gebräuchlicheren Begriff Street Art vor? „Der Name Street Art ist meiner Meinung nach komplett sinnentleert, sobald es um Arbeiten geht, die in einer Galerie – oder wie hier auf einer Convention – gezeigt werden. Das findet dann ja nicht mehr auf derr Straße de Sttra raße statt. U Um m de den en Begriff beibehalten zu können, müsste man die Kuns Ku nst st sc scho hon ho n vo vvon n der St Str raße r kratzen.“ Kunst schon Straße

Pisa73

„Wenn nn der Superplan Art Space so etwass wie ein Gastland hat, dann ist das Pol Polen. Bietet sich an, bei der geogra geografischen Nähe.“

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Te x t: F l o r ia n B i e d e r m a n n

ZENTRALNORDEN & KLUB7

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PA R T Y A R T YS W I L D E R M I X

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Gegensätze in der Kunst sind erwünscht und stellen das Salz in der kulturellen Suppe dar. Lecker abgeschmeckt zeigt sich daher auch der Art Space von Party Arty, wo sich zwei gegensätzliche Kunst-Kollektive begegnen: Der analoge KLUB7 und der digitale ZENTRALNORDEN. „Kunst ist keine Demokratie! Kunst ist eine Diktatur und Yaneqs Geschmack ist ihr Diktator.“ Diese Worte auf der Webseite von Party Arty verdeutlichen: Hier wird Kunst nicht bei einem Prosecco mit abgespreiztem kleinen Finger als Konsensveranstaltung konsumiert, sie wird gefeiert, feiert sich selbst und rockt ordentlich. Yaneq, bürgerlich Jan Kage, ist neben seiner Tätigkeit als Diktator noch Rapper, Musiker, Schauspieler, Autor und vor allem auch Kurator. Genauer gesagt Kurator von Party Arty, einer Berliner Veranstaltungsreihe, die in regelmäßigen Abständen verschiedene Kunstformen an einem Abend zusammen bringt und zu einem außergewöhnlichen Erlebnis verschmelzen lässt. Das künstlerische Spektrum ist breit gefächert, es reicht von Urban Artists über klassische Künstler bis hin zu etablierten Comic-Malern. Seit 2003 veranstaltet Yaneq, der außerdem die Galerie Schaufenster betreibt und die Sendung Radio Arty auf Motor FM macht, die Party Arty-Reihe und hat mittlerweile ein engmaschiges Netz aus Künstlern, Musikern und Performern geknüpft. Auf der FORMAGANDA stellt er zwei Künstlergruppen vor, die sich in ihrer Herangehensweise geradezu diametral gegenüberstehen: Zentralnorden und Klub7.

„Kunst ist keine Demokratie! Kunst ist eine Diktatur und Yaneqs Geschmack ist ihr Diktator.“ ZENTRALNORDEN KREATIVGESELLSCHAFT Zentralnorden Kreativgesellschaft ist eine vierköpfige Gruppe Kreativer, die sich in Kreuzberg niedergelassen haben. Ihre Kunst besteht vor allem aus Illustrationen, Installationen und visuellen Raumkonzepten, die digital auf Bildschirmen, Panels oder Projektionen dargestellt werden. Auf der FORMAGANDA präsentiert Zentralnorden eine interaktive Kunstinstallation, die auf Bewegungen des Betrachters reagiert und ihn somit in das Kunstwerk mit einbezieht. Zudem stellen sie das mit ihren Freunden von Rostlaub entwickelte Projekt Anasomnia vor. Wer und was genau verbirgt sich eigentlich hinter Zentralnorden? Maximilian Schrader: Vier Kreative aus dem Norden der Republik mit einer Leidenschaft für Design, Kunst und den Möglichkeiten des digitalen Zeitalters. ZN arbeitet seit einem Jahr in dieser Konstellation zusammen, wir kennen uns jedoch schon deutlich länger. Auf der FORMAGANDA zeigt Ihr eine interaktive Installation, die auf Bewegungen des Besuchers reagiert. Wie habt Ihr diese Kunstform für Euch entdeckt und wie funktioniert das ganz grob für Laien? Alexander Kohler: Wir sind alle schon lange im Bereich Kunst bzw. digitaler Kunst aktiv. Die Szene ist zwar inzwischen gewaltig gewachsen, doch das Internet sorgt dafür, dass echte Perlen selten lange unentdeckt bleiben. So sind uns früh freie Projekte ins Auge gestochen, die dieses Interesse geweckt haben - bei mir über graffitiresearchlab.com. Da lag es nahe, etwas eigenes zu versuchen? Zudem stellt Ihr dort das Projekt Anasomnia vor, das Ihr mit Rostlaub entwickelt habt. Erzählt uns mehr darüber, wie kam es dazu und was kann der Besucher dort erwarten? Kim Köster: Dieses generative Projekt ist im Internet sehr beliebt und wurde dieses Jahr zu unserer Freude für den Webby Award nominiert. Wir werden versuchen, der kleinen Ana einen begehbaren Raum einzurichten, in dem der Besucher Ana Somnia beim Träumen zuschauen kann. —>

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KLUB7 Das Künstler- und Designerkollektiv Klub7 ist seit mehr als einem Jahrzehnt international mit Wandgestaltungen, Customizing und Illustrationen tätig. Wenn man sich ihre Webseite ansieht, bekommt man den Eindruck, als würden sie alles bemalen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist: Shirts, Boards, Cover, Sneaker, Taschen, aber auch Fahrräder, Mopeds, Fernseher und sogar Container. Ihre Kunst ist analog und trägt eine eindeutige Handschrift: Ein sehr verspielter Gruppenstil, der sich aus Elementen der grafischen Abstrahierungen aus Urban Art, Pop-Art, Comic und Elementen der Popkultur zusammensetzt. Für die FORMAGANDA wird Klub7 vor den Augen der Besucher einen Messestand mit ihrem charakteristischen Stil in ein Kunstwerk verwandeln.

„Wir bedienen die Sehnsucht des Betrachters nach einer Liebenswürdigkeit und Menschlichkeit im Design, was mit der handgemachten Technik gut vermittelt werden kann.“

Wer oder was seid Ihr? Wir sind Klub7, ein Künstler- und Designerkollektiv aus Berlin und Halle (Saale), bestehend aus sechs Künstlern, Mike Okay, Kid Cash, Otto Baum, Lowskii, Dani Daphne und Disko Robot Seit mehr als einem Jahrzehnt ist Klub7 unsere Existenzgrundlage, aber viel mehr noch unser künstlerisches Labor, denn unsere Intention war schon immer das Machen – und weniger gewinnorientierte Überlegungen. Der Schwerpunkt unserer Arbeit besteht aus Wandgestaltungen, Customizing und Illustrationen. In unseren Werken fließen Buchstaben, Figuren, Strukturen oder Muster ineinander. Durch diese Mischung sind unsere Motive immer einzigartig. Eure Kunst sieht ziemlich analog aus. Macht Ihr alles per Hand? Wir arbeiten natürlich auch mit Unterstützung des Rechners, aber der Handmade-Style ist unser zentraler Gestaltungsansatz und somit meistens die Quelle für die Weiterbearbeitung am Rechner. Wir bedienen die Sehnsucht des Betrachters nach einer Liebenswürdigkeit und Menschlichkeit im Design, was mit der handgemachten Technik gut vermittelt werden kann und wir sind sehr sensibel bei der Wahl des Materials und der Technik. Wie es heißt, wollt Ihr auf der FORMAGANDA Euren Messestand live in ein Kunstwerk verwandeln. Habt Ihr schon Pläne dafür oder wird dies spontan geschehen? Das ist noch in Planung, wir haben in der Tat schon sehr viele Ideen, mal sehen, was wir umsetzen können. Wie ist das künstlerische Arbeiten live vor Publikum? Gibt es da nicht manchmal Probleme? Überhaupt nicht, in letzter Zeit sind wir sehr viel bei Events und Live-Malaktionen aufgetreten und es war immer interessant und spannend für uns. Und wir denken, ebenso für das Publikum, das bei dem Entstehungsprozess des Bildes dabei ist und somit die Authentizität der Kunst hautnah miterleben kann.

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S C H I E N B E I N E U N D WA N G E N VO N S K AT E R N I M F O K U S

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SHINS & CHEEKS

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Gunnar Nicolaus und Jo Hempel beleuchten mit ihrer Fotoausstellung „Shins & Cheeks“ die Frage nach der Identität eines Menschen aus einer ungewöhnlichen Perspektive. „Was würden Archäologen wohl denken, wenn sie in ferner Zukunft zufällig auf einen Friedhof stießen, auf dem ausschließlich Skateboarder begraben wurden?“, fragte sich Jo Hempel letztes Jahr, als er auf seine eigenen, vom Skaten zerschrammten Schienbeine schaute. Als studierter Archäologe weiß er: Am Ende bleibt von uns nicht viel mehr übrig als lediglich ein paar müde Knochen. Und manchen davon mutet ein Skateboarder schließlich einiges zu. Jo entwickelte den Gedanken weiter: „Was würden die Forscher angesichts der üblichen und alle Skater vereinenden Verletzungen der Knochenstruktur an den Schienbeinen in diesen seltsamen Kult interpretieren? Würden sie über seltene Mythen spekulieren oder gar sektenhafte Vereinigungen mit den Narben in Verbindung bringen?“ Zusammen mit dem Fotografen Gunnar Nicolaus erarbeitete er ein interessantes Ausstellungskonzept. Einem Fingerabdruck nicht unähnlich, entsteht auf den Schienbeinen eines Skaters mit jedem Sturz, mit jedem missglückten Trick eine Spur für die Ewigkeit. Diese Kartografie des Schmerzes ergibt ein ebenso individuelles Muster wie das, was wir normalerweise als Identitätsnachweis verwenden – ein Porträt unserer Gesichts. Die Kombination dieser beiden Motive führt zu einem sehr aussagekräftigen Bild eines Menschen. Während des 10-jährigen Jubliäums der European Skateboard Championship in Basel holten sie 99 Skateboarder vor die Kamera – Amateure und Profis, alte und junge. Alle postierten sie vor demselben Hintergrund, setzten sie hartem, analytischem Licht aus, das jede Kontur und jedes noch so feine Detail offenbart. Und trotzdem bleibt Raum für Spekulation: Welche Beine gehören zu welchem Gesicht? Wie sehen die Gesichter zu den jeweiligen Beinen aus? Das von Carhartt unterstützte Fotoprojekt greift nicht nur eine interessante Fragestellung auf, sondern bietet gleichzeitig auch einen guten Überblick über die europäische Skate-Szene. Supported by Carhartt

www.carhartt-wip.com www.g-nic.de www.johempel.com

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BERLIN-TIPPS

Es gibt ein Leben nach der FORMAGANDA. An diesen Spots verbringen die Macher der CONVENTION und des MAGAZINES ihre freie Zeit.

2. DOUBLE EYE

1. KADEWE Hans-Christian Bussert

Könnte auch „Kaufhaus der guten Essabteilung“ heißen. Perfekt für ein Katerfrühstück mit ganz viel Westberlin dazu. Tauentzienstr. 21-24, Schöneberg, www.kadewe.de

3. DO YOU READ ME?!

Für das Design bekommen sie eine Sechs, aber der Kaffee verdient eine Eins mit Sternchen. Womöglich der beste von ganz Berlin. Akazienstr. 22, Schöneberg www.doubleeye.de

DER Zeitschriftenladen. Hier gibts auch das Nude Paper – das mache ich, wenn ich mal nicht für das FORMAGANDA MAGAZINE schreibe. Do you read me?! Auguststr. 28, Mitte, www.doyoureadme.de

2. DÖRFERBLICK

1. NEUE ODESSA BAR Jan Schimmang

Eine Bestellung dauert manchmal eine Ewigkeit. Nach einem kurzen Moment weiß man, dass es nicht die letzte war. Torstr. 89, Mitte, www.neueodessabar.de

Jenseits jeder Hipness – urbane Romantik zwischen Gropiusstadt und ehemaligem Todesstreifen. Wir nannten ihn Müllberg. Am südlichen Ende der Waßmannsdorfer Chaussee, Neukölln

3. PICKNICK CLUB Der beste Hinterhof im Berliner Nachtleben. Viele gehen lieber woanders hin. Sie trifft man erstaunlich häufig dort. Dorotheenstr. 90, Mitte www.picknickberlin.de

Michael Sohn

2. SING BLACKBIRD

1. PAUL-LINCKE-UFER Schiffe vor der Nase, die besten Freunde im Schlepptau, eine Buddel Bier in der Hand: An warmen Sommernächten kann kein Club, keine Bar mit dem schmalen Grünstreifen zwischen Uferpromenade und Kanal konkurrieren. Paul-Lincke-Ufer am Landwehrkanal, Kreuzberg

Manche können sich einfach nicht entscheiden: Café eröffnen oder Klamotten verkaufen? Kuchen backen oder Filme zeigen? Die Inhaberinnen des Sing Blackbird machen zum Glück alles auf einmal. Sanderstr. 11, Neukölln www.singblackbird.com

3. SMARAGD BAR Gibt‘s schon lange, kennen viel zu wenige, kaum jemand traut sich hin: Tief im Wedding wird donnerstags und samstags mit Sektkorken auf das an der Decke befestigte Schlagzeugbecken gezielt. Prinzenallee 80, Wedding BERLIN TIPPS


Do you read me?! A u g u s t s t r. 2 8 , M i t t e

Picknick Club D o r o t h e e n s t r. 9 0 , M i t t e

Paul-Lincke-Ufer am Landwehrkanal, Kreuzberg


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2. ROCKING CHAIR

1. TISCHTENNISPLATTE PÜCKLERSTRASSE Mein Hotspot für den Sommer 2011: Der perfekte Ort, um abzuhängen und sportlich gefordert zu werden. Pücklerstraße / Ecke Köpenicker Straße, Kreuzberg

Ceyda Ocak

3. ADANA GRILLHAUS

Liebevollst geführter Vintage-Store mit unvorstellbar breit gefächertem Sortiment: Von Einrichtungsgegenständen bis zu Bowlingshirts ist alles dabei. Fashion und tolle Accessoires aus mindestens sechs Jahrzehnten. Special-Tipp: Wer tollen Schmuck mag, wird mehr als glücklich. Gabriel-Max-Str. 13, Friedrichshain www.rockingchair-berlin.de

Fleisch, Fleisch und noch mehr Fleisch – traditionell zubereitet und gern auch mal mitten in der Nacht serviert. Adana for life! Manteuffelstr. 86, Kreuzberg

Boris Guschlbauer

1. SOWJETISCHES EHRENMAL Wunderschöne Anlage mit kaum zu übersehendem sozialistischem Charme. Bestens geeignet für das erste Date, da extrem theatralische Kulisse. Der erste Kuss unter dem riesigen Bronzesoldaten bleibt für ewig unvergessen, ganz bestimmt, und das Kind im Arm des Soldaten ist sozusagen ein Wegweiser für das junge Glück. Treptower Park, Treptow

3. KAISER‘S SUPERMARKT AM KOTTBUSSER TOR

2. FLUGHAFEN BERLIN-SCHÖNEFELD Internationaler Flughafen am Rande der Hauptstadt. Hat man es nach stundenlanger Fahrt bis hierher geschafft, wartet die große weite Welt auf einen. Das Reisefieber erzeugt ein Hochgefühl und die engstirnigen Sprüche auf Berlins Mauern wie „Schwaben raus!“ oder „Touristen fisten!“ sind schnell vergessen. Schönefeld, www.berlin-airport.de

Bis 24 Uhr beliebter Treffpunkt: Sich am besten freitag- oder samstagabends dort verabreden und mindestens eine halbe Stunde früher erscheinen, um gemütlich ein Sternburg zu trinken und das bunte Treiben zu bewundern. Macht man das oft und ausdauernd genug, kann man den Treffpunkt bald ein Stockwerk tiefer in die U-Bahnstation verlegen. Nächste Station: Endstation. Skalitzer Str. 134, Kreuzberg

Romy Uebel

2. SPIRITYOGA

1. BIXELS Eine Kartoffel ist eine Kartoffel ist eine Kartoffel... Eben nicht! Bei Bixels werden die Erdäpfel im Ofen gebacken und danach mit allerlei Toppings wie etwa Thunfisch, Artischocken, Schafskäse oder Oliven befüllt. Lecker und sättigend in äußerst stylishem Ambiente! Mulackstr. 38, Mitte, www.danielbixel.com

3. CAFE 1900

Schwitzen, relaxen und stretchen mit den schicken Agentur-Gören aus Mitte, Jungschauspielern und Möchtegern-Erleuchteten. Die Lehrer sind top, das Ambiente toll – wenn man das Ganze mit Humor nimmt, eine entspannte Sache! Rosenthaler Str. 36, Mitte, www.spirityoga.de

Ein Besuch im alten Berliner Westen, der sich lohnt. Die Blechkuchen sind unschlagbar, das Frühstück und die Tagesgerichte sensationell. Wer keinen Bock auf pampigen Service, mieses Essen und überteuerte Preise in Mitte hat – hin da! Kneesebeckstr. 76, Charlottenburg BERLIN TIPPS


Bixels M u l a c k s t r. 3 8 , M i t t e

Foto: Günter Wicker

Kais e r‘s S u p er m a r k t a m Kot tb u s s e r To r S k a l i t z e r S t r. 13 4 , K r e u z b e r g

Flughafen Berlin-Schönefeld

Sowjetisches Ehrenmal Tre p to w e r Pa r k , Tre p to w


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Maria Finell

1. KULTURSALON RODERICH Mix aus Videothek und Café. Sehr entspannte und gemütliche Atmosphäre, extrem leckerer Kuchen, prima Frühstücksangebot, haufenweise Zeitschriften, Magazine und Bücher: Genau das Richtige, um ganze Sonntagnachmittage zu vertrödeln. Glogauer Str.19, Kreuzberg www.roderich-berlin.blogspot.com

3. LUMAS

Thomas Schottenloher

Immer wieder spannende, immer wieder überraschende Fotogalerie: Wechselnde Ausstellungen von Newcomern und bekannten Künstlern, aber vor allem von meinem alltime Favoriten H.G. Esch. Rosenthaler Str. 40/41, Mitte www.lumas.de

2. MAMO FALAFEL Falafel-Shop mit schönem Interieur, supernetten Angestellten – und Selbstbedienung: Jeder stellt sich seine Falafel selbst zusammen, wählt aus frischen Salaten, hausgemachten Saucen und drei verschiedenen Falafel-Sorten. Special: leckerer Hummus und homemade Kartoffelchips. Warschauer Str. 47, Friedrichshain www.mamo-falafel.com

1. COOKIES CREAM Nur durch einen versteckten Eingang im Hinterhof erreichbar, bietet das Restaurant in dezenter, aber gemütlicher Atmosphäre exklusive und zeitgemäße, ungewöhnliche rein vegetarische Menüs. Die einsehbar gestaltete Küche gewährt den Gästen einen Blick über die Schultern der Köche. Friedrichstr. 158, Mitte, www.cookiescream.com

3. COOKIES CLUB

2. TRUST Kleine Bar mit coolem und sehr speziellem Konzept: Die Spirituosen werden nur in kleinen Flaschen mit den dazugehörigen Beigetränken gereicht. Einzelne Longdrinks kann man gar nicht bestellen. Auguststr. 28, Mitte

Siebenmal ist Cookie mit seinem Club innerhalb Berlins umgezogen, bevor er sich seit Januar 2007 in einem ehemaligen französischen Kulturkino in Berlin-Mitte angesiedelt hat. Seither wird hier, direkt an der Einkaufsmeile, der Friedrichstraße, auf Höhe des Prachtboulevards Unter den Linden, getanzt und gefeiert. Friedrichstr. 158, Mitte, www.cookies.ch

Nada Carls

2. BOTANISCHER GARTEN

Wenn die Stadt zu laut, eng und nervig wird – hier is‘ immer schön. Durch den Park laufen, Dort lieben sie was sie tun, und das merkt man sofort: Die zeitgenössi- Grünes riechen und der „Potentilla erecta“ sche Galerie im Herzen von Kreuzberg 36 zeigt ständig neue internati- beim Wachsen zusehen... Toll, um die eigene onale Artists und Styles. Und wenn die Bossin ein Gläschen aus Floh- Batterie wieder aufzuladen. markt-Champagnerschalen mitschlürft, war es defintiv ein guter Tag. Königin-Luise-Str. 6-8, Dahlem Skalitzer Str. 43, Kreuzberg, www.skalitzers.com www.botanischer-garten-berlin.de

1. SKALITZERS CONTEMPORARY ART

3. CUPCAKE BERLIN Oft kopiert, niemals erreicht: Berlins erster und einzig wahrer Cupcake-Dealer in F‘hain! „Lady Cupcake“ Dawn Nelson kredenzt die pastelligen und unwiderstehlichen Kalorienbömbchen in ihrem ebenso pastelligen Shop mit Fifties-Interieur nach original US-Rezepten. Passend dazu steht Daniel zutätowiert im CroMags-T-Shirt hinterm Tresen. Krossener Str. 12, Friedrichshain www.cupcakeberlin.de BERLIN TIPPS


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AUSSTELLER AUF DER FORMAGANDA 2011

CARHARTT www.carhartt-wip.com ASICS / ONITSUKA TIGER www.onitsukatiger.com www.careertweets.de CAREERTWEETS

FAUXAMI EXHIBITIONS www.fauxami.de www.skateboardmuseum.de www.proaudio-technik.de www.smithsonmartin.com EMULATOR

FUTURE OF DJING - MARTIN KÜHNEL www.martin-kuehnel.de FUSSVOLK www.fussvolk.com

GINGKO PRESS www.gingkopress.com

IRIEDAILY www.iriedaily.de JOKER BRAND www.jokerbrand.net

www.hatchkingdom.com HATCH

www.keds.com KEDS

LASSROLLEN www.lassrollen.de MYTOYS.de www.mytoys.de

www.k1x.com K1X

MAHAGONY www.mahagony.net

PIXEL-ROYAL www.pixel-royal.de

PLAYDOH www.play-doh.de

TURNSCHUHZUHÄLTER www.turnschuhzuhaelter.com

www.primitiveshoes.de PRIMITIVE

SKATEHALLE BERLIN www.skatehalle-berlin.de

www.steiff.com STEIFF

www.theflashgib.com THEFLASHGIB

RADIOSKATEBOARDS www.radioskateboards.com

www.skate-aid.org SKATE-AID

SPERRY TOP-SIDER www.sperrytopsider.com

SUPERPLAN ART SPACE www.superplan.net SURF FESTIVAL www.hhonolulu-events.de www.vectorlounge.eu VECTOR

YANEQ ART SPACE www.party-arty.de www.interzentral.de

AUSSTELLER

LOUNGE


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IMPRESSUM

HERAUSGEBER FORMAGANDA GmbH Yaw Afram Warschauer Str. 58a, 10243 Berlin Tel.: +49 30 29 77 13 70 | Fax: +49 30 29 77 13 71 formit@formaganda.com

CHEFREDAKTION Michael Sohn

BERATUNG DER CHEFREDAKTION Romy Uebel

ART DIRECTION LGB5 | www.lgb5.de

LAYOUT & GESTALTUNG LGB5, Alexander Brade

LEKTORAT Florian Biedermann

MITARBEITER TEXT Nadia Beeb, Florian Biedermann, Hans-Christian Bussert, Nada Carls, Boris Guschlbauer, Jan Joswig, Joachim Landesvatter, Jan Schimmang, Simon Steinkogler, Stefan Woldach, Helen Ziegner

FOTOGRAFIE Boris Guschlbauer, Hervé Hubert, Martin Popp, Maurice Ressel, Julia Schoierer aka Sneakerqueen, Oliver Wia, Thomas Wolfzettel, Alexander Brade

DRUCK Druckhaus Berlin-Mitte GmbH, Schützenstr. 18, 10117 Berlin

WIR SEHEN UNS AM 28. UND 29. MAI 2011 IN DER ARENA BERLIN. 2012 GEHT ES WEITER: JOIN US - FORM IT!

IMPRESSUM


FORMAGANDA CONVENTION & FESTIVAL

28. UND 29. MAI 2011 ARENA BERLIN

EICHENSTRASSE 4, 12435 BERLIN-KREUZBERG | WWW.ARENA-BERLIN.DE TICKETS: TICKET CONVENTION FÜR BEIDE TAGE EUR 10,KOMBITICKET CONVENTION FÜR BEIDE TAGE UND FESTIVAL EUR 16,-

ÖFFNUNGSZEITEN: INDOOR SA UND SO 11.00-19.00 UHR OUTDOOR BIS CA. 21.00 UHR FESTIVAL (ASTRA KULTURHAUS) SA AB 22.00 UHR

AREA MAP

GANZTÄGIG AN BEIDEN TAGEN:

Workshops Surf Festival Streetball-Turnier Exhibition-Area / Shopping-Area E Skatedemo / Workshop-Area by Skatehalle Berlin

Ausstellungsflächen von Carhartt, Onitsuka Tiger und anderen Brands aus Fashion & Media / Kostenfreie SkateboardWorkshops an der Minirampe vom 1. Berliner Skateboardverein e.V. / Surf-Festival mit Stand Up Paddle Surfing / Tarpsurfing / Balance Boards / Beachvolleyball / LiveMusik / Flunkyball / Chill-Out-Area / Future of DJing-Area u. a. mit dem Multi-Touch-Controller Emulator / Multimediale Installationen und Art Spaces von Yaneq / Party Arty / Klub7 / Zentralnorden / Pisa73 / Superplan u. a. / Skateboard-Exhibitions „Made For Skate“ / „Freaks Of Nature“ / „Skateboardfieber“ / Sneaker Disctrict by Turnschuhzuhälter mit Turnschuhdisko / Shopping- & Let‘s Play-Area

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ANFAHRT MIT DER U-BAHN: LINIE U1: U-BHF SCHLESISCHES TOR + 10 MINUTEN FUSSWEG ANFAHRT MIT DER S-BAHN: LINIEN S8, S85, S9, S42, S41: S-BHF TREPTOWER PARK + 5 MINUTEN FUSSWEG ANFAHRT MIT DEM BUS: LINIEN 147, 265, N65: EICHENSTRASSE/ PUSCHKINALLEE

DAY 1: 28.5.2011 KICKZ.COM STREETBALL-TURNIER AB 13.00 UHR SKATEBOARD-SHOWS AB 14.00 UHR VECTOR LOUNGE FORMAGANDA SPECIAL 13.00 - 14.30 UHR WORKSHOP MIT ADAM F 15.00 - 16.30 UHR WORKSHOP MIT PHREQUINCY 17.00 - 18.30 UHR FORMAGANDA FESTIVAL AB 22.00 UHR (ASTRA KULTURHAUS)

DAY 2: 29.5.2011 KICKZ.COM STREETBALL-TURNIER AB 13.00 UHR WORKSHOP MIT TITUS 13.00 - 14.30 UHR WORKSHOP MIT PHREQUINCY 15.00 - 16.30 UHR WORKSHOP MIT DEN RAZZZONES 17.00 - 18.30 UHR


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