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In der vergangenen Ausgabe haben wir uns mit der gegenwärtigen Situation des Designs befasst und vor allem das Fehlen eines klar definierten Disziplinenbegriffs mit seinen Folgen thematisiert. Im zweiten Teil unserer Schwerpunktserie fragen wir nun: „Designer Quo Vadis?“, widmen uns also den Protagonisten der Disziplin. Und stellen fest: Es gibt Gestaltungsbereiche ohne Designer, es bleibt weiterhin eine Differenz zu konstatieren, die spätestens mit dem Werkbundstreit von 1914 unter den Begriffen Individualisierung und Typisierung ihren Anfang nahm, und Designer haben, wenn sie denn wollen, eine aufgabenreiche Zukunft vor sich.

In our last issue, we looked at the current state of design, focusing in particular on the lack of a clear definition of design and the consequences of this. In the second part of our “Quo Vadis?” series, we put the question to designers – taking a look at those who shape the discipline. Our findings: there are fields of design without designers; the distinction between individualization and standardization that began with the Werkbund dispute of 1914 can still be observed today; and designers will not be short of tasks in the future, if they want them.

Designer 2014 – Zwischen Makern und Ingenieuren Nahezu jede Branche kennt das Phänomen. Immer dann, wenn eine bis dahin nur den Profis vorbehaltene Technologie den Konsumentenbereich erreicht, dauert es nicht lange, bis eine Revolution ausgerufen wird. Beim 3D-Drucker, der vorgeblich viele unserer (gestalterischen) Probleme mit einem Schlag zu lösen in der Lage ist, ist das nicht anders. Zumindest lassen die zahlreichen Ausstellungen, Messen2 oder Symposien3 in jüngster Zeit diesen Schluss zu. Von einer Kultur oder gar Bewegung der Macher (Maker Culture/ Movement) ist die Rede, die im Begriff seien, das Design zu revolutionieren, denn zukünftig würde die Herstellung von Ersatzteilen oder Kleinserien zu erschwinglichen Preisen kein Problem mehr darstellen. Schon ein kurzer Blick in die Geschichte genügt jedoch, um diese Revolutionsthese zumindest zu relativieren. Das Verfügen über die entsprechenden Ausgabegeräte hat das Arbeiten zwar erleichtert, jedoch noch nie von Konzeption, Kreation und Umsetzung entbunden. Ob Film, Musik oder Text, konsistente Inhalte mussten und müssen weiterhin vom Profi gedreht, komponiert und formuliert werden. Auch der nun für jedermann erschwingliche 3D-Drucker wird das nicht ändern: Gute Produkte werden nach wie vor eines von einem professionellen Designer gestalteten Entwurfs oder einer Datei bedürfen. Auszusetzen gibt es an der Macher­ gemeinde, die im Grunde eine Amalgamierung der bekannten Do-it-yourselfBewegung und der Hackerszene ist, nichts. Nur eines bleibt festzuhalten: Maker sind, auch nach ihrem eigenen Selbstverständnis, Tüftler und Bastler, aber eben (noch) keine Designer. Auch auf der entgegengesetzten Seite – in der Welt hochkomplexer, industrieller Fertigung – gibt es Bereiche, in denen Gestaltungsprozesse ohne jegliche Beteiligung von Designern stattfinden. Hier sind Ingenieure am Werk, die neben der technischen Entwicklung die Gestaltung gleich mit übernehmen. Das betrifft vor allem technikgetriebene, eher konsumentenferne Branchen wie etwa das Militär- oder Baumaschinen­ wesen, aber auch die Architektur, was keinen Widerspruch darstellt, denn auch Archi­ tekten sind – oder waren es bis zum Bologna-Prozess – studierte Ingenieure. Der Sachverhalt lässt sich historisch ableiten – Ingenieure (ital. ingegnere: Kriegsbaumeister) waren bis ins hohe Mittelalter hinein allein für die Militärtechnik zuständig und gelten vielen bis heute als die eigentlichen Schöpfer der Dinge (ableitbar von lat. ingenium:

Designers in 2014 – Between Makers and Engineers It is a familiar story in almost every field: whenever a technology previously reserved for professionals becomes available on the consumer market, people soon start talking about a revolution. This is certainly true of the 3D printer, a device supposedly capable of solving many of our (design) problems at a single stroke – at least if one judges by the number of exhibitions, trade fairs,2 and symposia3 currently being devoted to this technology. There is talk of a culture or even a movement of “makers” who are revolutionizing design, as cheap production of spare parts and small production is no longer a problem. But a cursory look at design history is enough to at least temper any such notion of a revolution. Although access to the necessary output devices has facilitated tasks, it has never abolished the need for concepts, creativity and implementation. Whether in film, music or writing, it has always taken professionals to shoot, compose and formulate coherent content. This need still applies, and the availability of widely affordable 3D printers will not alter that: good products will continue to depend on a design file produced by a professional designer. There is nothing wrong with the maker community – essentially an amalgamation of the long-established do-it-yourself movement and the hacker scene. But one thing must be kept in mind: even by their own self-definition, makers are tinkerers and hobbyists, but not (yet) designers. At the opposite end of the scale – in the world of highly complex industrial manufacturing – there are also areas

Translation: Nicholas Grindell

1 Zitiert nach: Dirk Schmauser, Design by F. A. Porsche, Eine Design-Zeit / 1972–2004, Eigenverlag, 2013, S. 63f. 2 Die erste Maker World („Das Event rund ums Machen, Tüfteln und Gestalten“) wird am 28. und 29. Juni 2014 in Friedrichshafen stattfinden. 3 Die Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung (DGTF) widmete ihre diesjährige Jahres­ tagung unter dem Titel „Die Politik der Maker“ am 22./23. November an der HFBK Hamburg dem Thema.

form 251/2014

1 Quoted from Dirk Schmauser, “Design by F. A. Porsche, Eine Design-Zeit/1972–2004,” self-published, 2013, pp. 63–64. 2 The first “Maker World” fair (“the event all about making, tinkering and creating”) will take place on June 28th–29th 2014 in Friedrichshafen. 3 This year, the German Society for Design Theory and Research (DGTF) devoted its annual conference on November 22nd–23rd at Hamburg’s University of Fine Arts (HFBK) to this theme under the title “The Politics of the Makers.”

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Profile for Verlag form GmbH & Co. KG

form 251. Designer Quo Vadis?  

form Design Magazine N°251, Jan/Feb 2014

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