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Blickpunkte

Dienstag, 5. März 2013

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Daten in der Wolke

Himmelsforscher

Mit dem Ausweis Geld abheben

Gerade mal 18 Prozent der deutschen Internetnutzer nutzen bisher Cloud-Dienste. Der Begriff bezeichnet Datenspeicherungssysteme wie Skydrive oder Google Drive, bei denen Musik, Fotos oder Videos nicht auf dem eigenen Computer gespeichert werden, sondern in großen Rechenzentren. Die Cloud-Dienste sollen künftig sicherer werden. Wie, das zeigt derzeit die Cebit.

Ein neuartiges Radioteleskop, welches nicht mehr mechanisch ausgerichtet werden muss, wird von IBM auf der Messe vorgestellt.

Künftig soll es mit dem Ausweisdokument auch möglich sein, Geld am Automaten abzuheben. Dazu benötigt man nur den E-Personalausweis mit freigeschalteter Online-Funktion und die sechsstellige Ausweis-PIN. Nach einmaliger Registrierung am Automaten und Angabe eines Kontos kann das Geldziehen losgehen.

Die Kupfermine auf dem Schrottplatz Von unserem Mitarbeiter Ralph Schipke Jedes Jahr ein nagelneues Handy. Zum PC noch ein Tablet. „Darf’s noch etwas mehr sein?“ Das fragt derzeit die Cebit 2013 in Hannover. Doch was wird aus den ausgemusterten elektronischen Geräten? Im mecklenburgischen Friedland bekommen sie einen neuen Wert. FRIEDLAND. Guido Brötzmann

ist nicht die „Goldmarie“. Obwohl er einer Tätigkeit nachgeht, die der spinnenden Märchenfigur durchaus ebenbürtig ist. Nicht aus Stroh, aus Computerschrott gewinnt er Gold, aber auch Silber, Platin und vor allem Kupfer. Das insbesondere sei so hochwertig wie „frisches“ Edelmetall, das aus Erz oder wertvollen „seltenen Erden“ gewonnen würde, sagt der Verfahrensingenieur. Brötzmann ist im mecklenburgischen Friedland dabei, eine Firma wieder „hochzufahren“, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt: mit der Nutzung kostbarer Ressourcen und der damit verbundenen Schonung der Umwelt und Natur. Unter dem Schlagwort „Shareconomy“ ist dieser Trend auch ein Schwerpunktthema der diesjährigen Cebit, der weltgrößten Computermesse, die heute in Hannover ihre Pforten öffnet. „Grüner Punkt“ für ausgediente Teile Verfahrenstechniker Guido Brötzmann hat also die Lizenz zur Kupfererzeugung und sogar zum „Goldmachen“. Seit 19. Februar hat der Geschäftsführer des „new environplasma“ Verwertungscenter auch wieder eine neue gültige Betriebsgeneh-

Guido Brötzmann holt in Friedland wertvolle Rohstoffe aus ausgemusterten Elektrogeräten. FOTOS: RALPH SCHIPKE (1)/DPA

migung für einen kleinen „Hochofen“ in der Tasche, mit dem der Friedländer Recycling-Fachbetrieb aus aufbereitetem Elektronikschrott Edelmetalle gewinnt. Nachdem Brötzmanns Mutter-Firma „Proval Partners“ zusammen mit der niederländischen Beteiligungsfirma „Fondel“ die Konkursmasse der Friedländer „environplasma“ mit allen Anlagen und 26 Mann Besatzung im Mai 2012 übernahm, wird mit Hochdruck dafür gearbeitet, das mittelständige Entsorgungsunternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Spätestens Anfang 2014 soll die moderne thermische Aufbereitungsanlage auch wieder angefahren werden, die beim Vorgänger bereits 60 Tage lief und dann wegen Kapitalmangel des Voreigentümers zum Schrottankauf stillgelegt werden musste. Der elektronische Abfall aus Haushalten, Rechenzentren, von kommunalen Wertstoffhöfen und schließlich der Stiftung Elektro-Altgeräte Register (EAR) – einer Art „Grüner Punkt“ für ausrangierte Computer und Elektronik – ist nicht umsonst zu ha-

ben. All die Kabel, Prozessoren, Elektromotoren und Kondensatoren in Rechnern, Mobiltelefonen, in Fahrzeugen, Medizingeräten, kurzum in fast allen Geräten, die uns im Alltag begegnen, werden teuer gehandelt, weil Wertvolles in ihnen steckt. Doch nur wenige Firmen haben sich bisher darauf spezialisiert, solche „Schätze“ wieder verfügbar zu machen. Millionen Fernseher warten auf die Rente Derzeit stehen zum Beispiel in deutschen Haushalten noch schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Fernsehgeräte, die in absehbarer Zeit durch neue stromsparende und hochauflösende LED- oder Plasma-Technik ersetzt werden. Man ahnt, was in den Altgeräten verborgen ist, das zum Beispiel in Friedland dann wieder ans Licht gebracht werden kann: Gold, Silber, Platin, Palladium, Aluminium. Besonders hoch sei die Ausbeute an Kupfer, da die meisten Kabel aus diesem Edelmetall sind, erklärt Guido Brötzmann das Geschäftsmodell seiner Firma zur Wiederaufbereitung. „Das Tolle

ist, dass bei den wertvollen Metallen kein ,Downcycling’ stattfindet“, sagt der erfahrene Verfahrenstechniker. Das Kupfer wird nicht „abgewertet“ wenn es aus dem vorher mechanisch zerkleinerten und zum Teil per Hand auseinander geschraubten „Abfall“ zurückgewonnen wird. Zwei weitere Vorteile am Standort Friedland sieht der Geschäftsführer: Der neue Rohstoff muss nicht irgendwo in der Welt eingekauft und um den Globus transportiert werden. Und schließlich wird die Anlage am Pleetzer Weg ab 2014 auch noch mit einer 1,2 Megawatt-Turbine Storm aus der Abwärme des „Hochofens“ ins regionale Netz einspeisen. „Das ist ein Teil der Wirtschaftlichkeit unserer Anlage“, erklärt der Ingenieur. Der Durchsatz der SortierAnlage mit dem angelieferten IT-Schrott konnte seit der Übernahme bereits von 620 Tonnen auf 1300 Tonnen pro Monat gesteigert werden. Um weitere 1000 Tonnen wird die Verarbeitungsmenge steigen, wenn sowohl die mechanische, als auch die thermische Aufbereitung wieder zusammenspielen. Die 26-köpfige Belegschaft, die aus der Insolvenz des ursprünglichen Investors übernommen wurde, konnte bereits in den vergangenen neun Monaten auf 44 Kolleginnen und Kollegen angewachsen. Aus einer Schicht wurde ein ZweiSchicht-Betrieb an fünf Tagen pro Woche. Guido Brötzmann sieht für die Zukunft des neuen Friedländer Betriebes gute Chancen, sich in der Region im Recycling-Markt fest zu etablieren und wirtschaftlich gut aufgestellt etwas für die Entlastung natürlicher Ressourcen zu tun. Denn weniger dürfte das Aufkommen an

Computer-Schrott kaum werden. Die Nachfrage nach preiswerten Rohstoffen für immer neue Handys und Tablets, PCs, Server und Groß-

rechner hingegen wächst und wächst. Und darum wird in Friedland aus Schrott Kupfer und sogar Gold „gemacht“.

Cebit - die größte Computermesse der Welt Die Cebit rückt in diesem Jahr das Teilen in den Mittelpunkt: Viele der rund 4100 Unternehmen aus 70 Ländern zeigen vom 5. bis zum 9. März spezielle Neuheiten zum Thema „Shareconomy“. Dabei geht es nicht nur um die Auslagerung von Rechenkapazität, Daten und Software ins Netz (Cloud Computing), sondern auch um neue Modelle zur gemeinsamen Nutzung in der realen Welt. Auch die unter Datenschützern umstrittene Aufbereitung riesiger Informationsmengen (Big Data) gehört zu den Kernthemen. Wie im vergangenen Jahr präsentieren die Cebit-Teilnehmer Produkte und Dienstleistungen auf den vier übergreifenden Plattformen „Pro“ (Geschäftskunden), „Life“ (Privatnutzer), „Gov“ (öffentliche Hand) und „Lab“ (Forschung). Partnerland der Cebit in diesem Jahr ist Polen.

Öffnungszeiten Dienstag, 5. März, bis Samstag, 9. März 2013 Täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr

Anfahrt Alle Tickets sind am Tag des Messebesuchs auch als Fahrscheine in den Stadtbahnen, Bussen und Nahverkehrszügen im Großraum-Verkehr Hannover gültig. Regel- und Sonderzüge hal-

ten am Bahnhof Hannover Messe/Laatzen. Die Stadtbahn-Linien 8 und 18 verkehren im Schnelltakt zwischen Hauptbahnhof und Messegelände, die Linien 6 und 16 fahren von der Innenstadt zum Ost-Bereich des Messegeländes. Es gibt Parkplätze für mehrere zehntausend Pkw sowie Sonderparkplätze für Busse, Lkw, Transporter und Wohnwagen. Auf dem Messegelände fahren zwischen 7.30 und 19.00 Uhr Shuttle-Busse zwischen den Hallen.

Preise Tageskarte im Vorverkauf 35 Euro; Dauerkarte im Vorverkauf 80 Euro; Tageskarte an den Tageskassen 40 Euro; Dauerkarte an den Tageskassen 90 Euro; ermäßigte Tageskarte 18 Euro für Menschen mit Behinderung inklusive freiem Eintritt für Begleitperson; nur am 9. März ermäßigte Tageskarte 18 Euro für Schüler, Studenten, Azubis, Wehrdienst- und Bundesfreiwilligendienstleistende Vom 5. bis 8. März kein Eintritt für Kinder/Jugendliche unter 16 Jahren, am 9. März Eintritt für Kinder von 8 bis 15 Jahren nur in Begleitung Erwachsener, kein Eintritt für Kinder unter 8 Jahren

Fingerabdruck statt Passwort

Produkte scannen

Das Auto teilen

Niemals ein und dasselbe Passwort bei Transaktionen im Internet verwenden – dazu raten Experten. Doch wer soll sich all die bruchsicheren Passworte merken? Die Lösung ist ein Finger-Scanner, mit dem sich der Nutzer zweifelsfrei und unnachahmlich identifizieren kann.

Durch den Supermarkt schlendern, Preise vergleichen und Zusatzinformationen sammeln – eine Einkaufs-App macht’s möglich. Lange suchen muss man die Produkte auch nicht. Mit Hilfe der App können sie einfach eingescannt werden.

Wer sein Auto nicht selbst braucht, kann es an andere vermieten. Das ist die Idee hinter dem privaten Carsharing der Firma carzapp. Dazu wird ein GPS-Schließsystem in den Wagen eingebaut. Als Schlüssel für den Mieter dient eine Smartphone-App.

TZ PZ


Article of Fondel Urban Mining