Wieser Verlag, Frühjahr 2022

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Wieser Frü hjah r 2022 Diokletianpalast. Detail. Split


© Foto: Robert Lachowitz, Archiv Wieser

Antescriptum

Neretva in Dalmatien ist eine Reise wert …

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Liebe Buchhändlerinnen, liebe Buchhändler! Ein Einblick. Eine Vorschau. Das Buch besteht, das Virus geht! Soll ich damit beginnen? Bücher sind wie Schwammerln, die immer wieder nachwachsen und gedeihen, und mitten unter ihnen ragen ganz besonders schöne Pilze heraus: Wie die Entdeckung auf der Frankfurter Buchmesse 2021, Kukum von Michel Jean, eine Reise in die Welt der kanadischen Innu („Mein Lieblingsbuch“ sagt Rotraut Schöberl auf Puls 4, ein „großer tragischer Liebesroman“, findet Petra Hartlieb in ORF2 – Studio 2), oder wie Alissa Ganijewas Roman Verletzte Gefühle, der die Tradition großer russischer Schriftsteller fortsetzt, oder wie der wunderbare Roman Stille Jahre, mit dem uns Alena Mornštajnová die jüngere Geschichte Tschechiens anhand des Schicksals einer Familie nahebringt, oder der vierte Teil des Sozialstaatsromans von Egon Christian Leitner, Des Menschen Herz, mit dem er „im Weltenbrand Löschmaterial“ gesucht habe … Wir setzten in diesem Frühjahr mit Atuk von Michel Jean unsere Entdeckungsreise zu den Innu fort. Inzwischen hat sich Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau bei den Innu für alle ihnen zugefügten Ungerechtigkeiten entschuldigt! Doch nicht alle Ungerechtigkeiten werden entschuldigt, wie uns Alena Mornštajnová in ihrem neuen grandiosen Roman Es geschah im November erzählt. Der Haubentaucher stellt fest: „Geschichten so zu erzählen, dass sie die Lesenden nicht mehr loslassen, ist das Geheimnis guter Bücher. Diese Geschichten haben die Eigenschaft, eine Allianz mit den Lesenden einzugehen und in ihnen nachzuklingen.“ In diesem Sinn lohnt es sich auch, Bojana Meandžijas autobiografische Geschichte Lauf! Warte nicht auf mich … oder den neuen Roman von Markéta Pilátová, Die dunkle Seite, der sich zu einem regelrechten Krimi entwickelt, zu lesen. Auch das Porträt von Michail Gorbačëv von Wolf Oschlies nähert sich stellenweise an einen Krimi … Bücher, Bücher, Bücher, und nicht zuletzt verneigen wir uns vor der großen Autorin Marie-Thérèse Kerschbaumer, die zu ihren halbrunden 85. Geburtstag mit epiphanie (Gedichte 1988–2021) ein feines poetisches Werk vorlegt. Das Schreiben als Heilmittel zum Leben und Überleben. Und: Lesen ist Leben! Ich bin überzeugt, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie in unserem Bücherkorb voll mit literarischen Gustostücken viel Heilendes und Ermunterndes, aber auch Nachdenklich-Machendes finden werden. Und bisweilen werden Sie beim Lesen auch Schmunzeln. Wählen Sie aus! Denn Lesen ist schön! Brati je živeti! Brati je lepo! Ihr Lojze Wieser PS:  Rechtzeitig zur Buchmesse Leipzig 2022 erscheint Band 20.4 der Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens (WEEO) zum Thema Panslawismus, verfasst von Wolfgang Geier. Ein Sonderprospekt mit allen erhältlichen Bänden der WEEO ist in Vorbereitung. 2 | Frühjahr 2022


Inhalt Michel Jean

Bojana Meandžija

Atuk

Lauf! Warte nicht auf mich …

sie und wir ����������������������������������   4–5

Roman ��������������������������������������

Alena Mornštajnová

18

19

19

20

20

21

21

22

23

Maria Stern

Es geschah im November Roman �������������������������������������   6–7 Markéta Pilátová

Acetat Clara Cobans erster Fall Thriller ��������������������������������������

Die dunkle Seite Roman ���������������������������������������

8

Maria Stern

Viktorie Hanišová

Wassermann

Rekonstruktion

Clara Cobans zweiter Fall Thriller ��������������������������������������

Roman ���������������������������������������

9

Stanislav Struhar

Farben der Gegenwart Erzählungen ���������������������������������

10

11

Europa Erlesen Manfred Gmeiner (Hg:)

Granada �����������������������������������

Hugo Ramnek

Die längste Nacht Elegische Flüchtigkeiten �����������������������

Europa Erlesen Manfred Gmeiner (Hg:)

Andalusien ��������������������������������

Manfred Chobot

Hawai’i Mythen und Götter ���������������������������

12

Georg Biron

Kulturhautpstadt Rijeka �����������������

Birons Welt 20 Short Storys von unterwegs �����������������

13 Europa Erlesen Bernhard Mayr (Hg:)

Lina Kostenko

Ich bin all das, was lieb und wert mir ist Gedichte �������������������������������������

14

Horst Dieter Sihler

Korfu �������������������������������������� Wolf Oschlies

Wie aus einem Film 33 Miniaturen 1960–2020 ��������������������

Europa Erlesen Melita Sunjic (Hg:)

15

Aus Anlass von Marie-Thérèse Kerschbaumers 85. Geburtstag Marie-Thérèse Kerschbaumer

ep ip h a n i e Gedichte 1988 bis 2021 ��������������������   16–17

Michail Gorbačëv Porträt �������������������������������������� Sieglinde Klettenhammer/Kurt Scharr (Hg.)

Was heißt Österreich? Überlegungen zum Feld der „Austria Studies“ im 21. Jahrhundert �����������

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212 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 ISBN 978-3-99029-470-3 Bereits erschienen

154 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 ISBN 978-3-99029-386-7 Bereits erschienen

„… und dann gibt es jetzt diesen ganz neuen, kleinen, dünnen – wo ich mir immer denke, das gibt es gar nicht, dass da die ganze kanadische Welt drinnen ist, von Michel Jean. Und Kukum ist die Geschichte seiner Urgroßmutter, die mit 97 gestorben ist, die eine ganz starke, freiheitsliebende Frau war, Waisenkind, mit 15 Liebe auf den ersten Blick, mit einem Innu. Sie haben sich nicht einmal richtig verständigen können.“ „Mir ist es so gegangen, beim Lesen dieses Buches, erstens, dass ich sehr lang gebraucht habe, weil ich immer wieder Luft geholt habe, es ist wahnsinnig berührend, weil ich habe oft gedacht an „Die Asche meiner Mutter“, wie „Djamilia“, aber auch an „Die Rede des Häuptling Seattle“. Es ist einfach ein ziemlich starkes Bild, was da alles kaputt gemacht wird …“ Rotraut Schöberl, die Buchhändlerin von Leporello, auf Café-Puls4 – Buchtipps der Woche zu „Kukum“ von Michel Jean

Amun: ein Buch, um die autochthonen Realitäten zu entdecken. TVA Nouvelles

Amun, eine Sammlung von Erzählungen von großer Sensibilität, fesselnd und berührend. Shirley Noel, info-culture

Die Siedler kommen, die Gesellschaften kommen, die indigenen Völker werden in Reservate gesteckt, ihr Lebensraum wird ihnen entrissen und zerstört. Die Kinder werden zwangsweise in weit entfernte Internate verfrachtet, die indigene Kultur wird ihnen ausgetrieben. Den Menschen in den Reservaten bleibt keine Zukunftsperspektive, ihre gewohnte Lebensweise ist nicht mehr möglich, aber eine Alternative bekommen sie nicht. Hoffnungslosigkeit macht sich breit, die sich in Alkoholkonsum und Gewalt manifestiert. Dieser Teil des Buches geht wirklich an die Nieren. Es kommt selten vor bei mir, aber bei diesem Abschnitt habe ich Taschentücher gebraucht. Die Folgen dieser Kulturzerstörung sind bis heute zu spüren, obwohl es inzwischen Bestrebungen gibt, die Geschichte aufzuarbeiten. Um zu verstehen, was (immer noch) nicht in den Geschichtsbüchern steht, um lebendig zu halten, was die Lebensweise der Innu ausmachte, ist dieses Buch unglaublich wichtig. Petra Samani Buchblinzler

4 | Frühjahr 2022


prosa

Michel Jean

Atuk sie und wir

M

ichel Jean erzählt in Atuk aus ihrer Perspektive die Geschichte seiner Großmutter Jeannette, die neben seiner Urgroßmutter Almandra, seiner Kukum, die zweite starke Frau der Familie Siméon war, deren ursprünglicher Name Atuk lautete. Durch ihre Heirat mit einem Mischling, der als Weißer gilt, verliert sie nach dem Indianergesetz ihren Status als Indianerin, muss das Reservat verlassen und in die Stadt ziehen, wo sie elf Kinder großzieht. Aufgrund dieser Situation wächst auch Michel Jean in der Stadt auf, außerhalb der Innu-Gemeinschaft. In einem zweiten Strang erzählt er, wie er seine Familie und seine Kultur entdeckt und sich nach und nach seiner Identität als Innu bewusst wird, ein schwieriger Prozess, in dem er auch immer wieder rassistischen Anfeindungen ausgesetzt wird. Über sein Volk und seine Familie zu schreiben wird für ihn zu einer Möglichkeit, seine und die Geschichte seines Volks, dessen Sprache zu lernen ihm verwehrt war, kennenzulernen und sich mit ihr zu identifizieren und die Geschichte der Ureinwohner zu erzählen, die in den Geschichtsbüchern so gut wie nicht vorkommt. Auch für diesen zweistimmigen und überaus facettenreichen Roman trifft zu, was Rotraut Schöberl in Café Puls4 über Kukum gesagt hat: „Und dann gibt es jetzt diesen ganz neuen, kleinen, dünnen [Roman], wo ich mir immer denke, das gibt es gar nicht, dass da die ganze kanadische Welt drinnen ist … wahnsinnig berührend.“

ca. 220 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-500-7 Erscheinungstermin: März 2022

„Manchmal bietet das Leben Chancen, die ebenso unwahrscheinlich wie wunderbar sind.“

© Foto: Selfie

© Foto: ulienfaugere.com

Michel Jean Michel Jean, geboren 1960, ist Innu aus der Gemeinde Mashteuiatsh am Lac Saint-Jean (Québec). Nach einem Studium der Geschichte und Soziologie arbeitet er seit 1988 als Journalist und Moderator für die französisch­ kanadischen Fernsehsender Radio Canada Info und, seit 2005, TVA Nouvelles. Er ist mit acht Romanen und zwei Anthologien mit Erzählungen indigener Autorinnen und Autoren aus Québec einer der wichtigsten indigenen Autoren Québecs. Im Oktober 2021 erschien sein Roman Tiohtiá:ke (Montréal in der Sprache der Mohawk). Sein Roman Kukum verkaufte sich weit über 100.000 Mal in Québec und wurde im Herbst 2020 mit dem renommierten Prix littéraire France-Québec und im Herbst 2021 mit dem erstmals verliehenen Prix littéraire Nature Nomade ausgezeichnet.

Michael von Killisch-Horn Michael von Killisch-Horn wurde 1954 in Bremen geboren. Er studierte Romanistik, Germanistik und Deutsch als Fremdsprache in München und arbeitet als Übersetzer aus dem Französischen und Italienischen. Seit einem drei­ monatigen Aufenthaltsstipendium 2013 in Montréal interessiert er sich auch verstärkt für die Literatur Québecs und verbringt jedes Jahr mehrere Wochen in Montréal. Im Herbst 2020 erschien ein von ihm herausgegebenes Heft der Literaturzeitschrift die horen mit aktueller Literatur aus Québec, 2021 ein zusammen mit Reinhard Lechner und Guy Jean zusammengestellter Schwerpunkt mit Lyrik aus der Québecer Region Outaouais in der Literaturzeitschrift lichtungen. | 5


308 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 ISBN 978-3-99029-438-3 Bereits erschienen

344 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 ISBN 978-3-99029-466-6 Bereits erschienen

„Es ist nicht nur dieser starke Lebensstoff, es ist die durchdachte Art, ihn zu erzählen, in der diese Autorin ihr Talent beweist.“ Thomas Gärtner/Dresdner Neueste Nachrichten

„Mit ihrem Roman ‚Hana‘ traf die tschechische Schriftstellerin die Seele der Nation.“ Gabiel Rath/Die Presse

„Sensationell! Großartig! Dramatisch! Glaubwürdig! Berührend! Wichtig! Ein Roman über den Holocaust und dessen Folgen, den die Welt unbedingt noch gebraucht hat. Für mich ein absoluter Buchstoffhöhepunkt im vergangenen Jahr 2020.“ Alexandra Wögerbauer-Flicker/kekinwien.at

6 | Frühjahr 2022


prosa

Alena Mornštajnová

Es geschah im November Roman

E

s geschah im November 1989 in einer mährischen Kleinstadt: Marie und ihr Mann sind keine politisch besonders aktiven Menschen, und doch lassen sie sich von den Ereignissen in Prag und auch in anderen Städten im Ostblock mitreißen und demonstrieren für den Wandel. Bevor sie noch verstehen, wie ihnen geschieht, werden sie verhaftet und in ein Lager gesteckt. Marie wird zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie weiß, dass sie ihre Kinder nicht aufwachsen sehen wird, und so bleiben Briefe ihre einzige Hoffnung. Ihre Tochter Magdalena kommt in ein Umerziehungsheim, in dem die Kinder linientreu geformt werden. Eines Tages treffen sie aufeinander, nur ist es für beide ganz und gar nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben. Maries Schicksal steht stellvertretend für viele Geschichten, die irgendwann irgendwo auf dieser Welt passieren. Es ist eine ebenso erschreckende wie berührende Geschichte, die Alena Mornštajnová anhand von Maries Schicksal erzählt, eine Geschichte, die aber trotz allem die Hoffnung nicht sterben lässt, dass das Leben eine Wendung zum Besseren nehmen kann.

ca. 320 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-494-9 Erscheinungstermin: Mai 2022

Prag oder auch andere Städte im Ostblock: Demonstrationen veränderten die Welt. Wie hätte sie aber ausgesehen, wenn die Ereignisse im Jahr 1989 eine ganz andere Richtung genommen hätten?

© Foto: Privat

© Foto: Autorin

Alena Mornštajnová Geboren 1963, studierte Englisch und Tschechisch an der Universität Ostrava. Nach Stationen als Lektorin und Übersetzerin für Englisch lebt sie als Schriftstellerin in Valašské Meziříčí in Mähren. Seit ihrem Debüt 2013 veröffentlichte sie fünf Romane und ein Kinderbuch. Durch ihren 2017 erschienenen Roman Hana gehört sie zu den beliebtesten tschechischen Autoren. Der mehrfach preisgekrönte Roman (Deutsch: 2020 Wieser Verlag) wurde in 14 Sprachen übersetzt. Die Geschichte der Hana wurde als Theaterstück auf die Bühne gebracht und ein Film ist in Vorbereitung. Ihr folgender Roman Stille Jahre wurde 2019 in Tschechien vom Publikum zum Buch des Jahres gewählt und erschien 2021 auf Deutsch ebenfalls im Wieser Verlag.

Raija Hauck Geboren 1962, Slawistik-Studium in St. Petersburg und Brno. Promotion an der Universität Greifswald und dort bis 2019 Lektorin für Tschechisch und Russisch. Liebt das Saarland und lebt als freie Übersetzerin in Saarbrücken. | 7


prosa

Markéta Pilátová

Die dunkle Seite Roman

D

ieses Buch beruht viel mehr auf der Wahrheit, als es dem Leser scheinen mag.“ So die Triggerwarnung, die Markéta Pilátová ihrem neuesten Roman vorausschickt. Im Mittelpunkt stehen die Eigenbrötler Mirek, freiberuflicher Therapeut und Heiler, und Rudy, einst am Institut zur Erforschung paranormaler Erscheinungen tätig. Die beiden eint die Tatsache, dass sie mit übersinnlichen Begabungen ausgestattet sind, die jeder auf eigene Weise nutzt. Ihr Talent lässt sie allerdings auch einen „Sicherheitsabstand“ zueinander wahren. Die dritte Hauptpersonen ist Majka alias Evangelina. Mit einem gravierenden persönlichen Problem sucht sie nacheinander beide Männer auf und bittet um Hilfe. Keiner der zwei leistet diese Unterstützung jedoch ganz uneigennützig. Die Handlung spielt nicht nur im schroffen nordmährischen Altvatergebirge, sondern immer wieder auch außerhalb der greifbaren Realität, in Parallelwelten, in eigenen und fremden Gedankenpalästen, wo sogar Verstorbene auftreten. So etwas scheint im 21. Jahrhundert keinen Platz zu haben, allerdings verweist die Autorin auch auf die langen Schatten der Vergangenheit: die Hexenprozesse von Groß Ullersdorf/Velké Losiny am Ende des 17. Jahrhunderts oder die Versuche zu Zeiten des real existierenden Sozialismus, esoterische Phänomene auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen und Nutzen daraus zu ziehen. Es entspinnt sich ein regelrechter Krimi: Was haben die schwarzen Mäntel zu bedeuten, von denen beide Männer träumen? Können in der Vergangenheit verübt Taten nachträglich ungeschehen gemacht werden? Wie geht man mit eigenen Schuldgefühlen um und mit Vorkommnissen, an denen man eine Mitschuld zu tragen glaubt? Wo liegen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Unterbewusstem? All dies schildert Markéta Pilátová – in der für sie auch sonst typischen Tradition des magischen Realismus – ganz sachlich, als plausiblen Teil der Realität der handelnden Personen.

ca. 380 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-492-5 Bereits erschienen

Markéta Pilátová

Mit Bat’a im Dschungel ISBN 978-3-99029-382-9

Mirko Kraetsch Geboren 1971 und aufgewachsen in Dresden. Studierte Bohemistik und Kulturwissenschaft in Berlin und Prag. Übersetzt Belletristik, Dramatik, Lyrik und anderes aus dem Tschechischen und Slowakischen und moderiert Literaturveranstaltungen. Vorstandsmitglied im VdÜ und bei der Weltlesebühne. Nebenberuflich zudem als Buchhalter, Stadtbilderklärer, Podcaster und Sachbuchautor zugange. 8 | Frühjahr 2022

© Foto: Andrea Schuh

© Foto: Jiří Sobota

Markéta Pilátová Geboren in Kroměříž (Kremsier) in Ostmähren. Nach ihrem Romanistik- und Geschichtsstudium an der PalackýUniversität in Olomouc (Olmütz) war sie dort sechs Jahre als Fachassistentin tätig, danach zwei Jahre als TschechischLektorin an der Universität im spanischen Granada. Anschließend lebte sie mehrere Jahre lang überwiegend in Argen­ tinien und Brasilien, wo sie Abkömmlingen tschechischer Einwanderer Unterricht in der Sprache ihrer Vorfahren gab. Parallel dazu war und ist sie als Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin tätig – letzteres insbesondere als Auslandskorrespondentin und Literaturrezensentin für die renommierte Wochenzeitung Respekt. Ihre Romane sind auch auf Deutsch erschienen, etwa ihr Debüt Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein (2010), Tsunami Blues (2016) oder Mit Baťa im Dschungel (2020). Außerdem ist sie Autorin von Erzählungen, Gedichten und Kinderbüchern. Seit 2020 lebt Markéta Pilátová wieder dauer­haft in ihrer Heimat: in Prag und in Velké Losiny (Groß Ullersdorf ) im Altvatergebirge.


prosa

Viktorie Hanišová

Rekonstruktion Roman

I

ca. 360 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-534-2 Erscheinungstermin: März 2022

ch wurde geboren, als ich neun Jahre alt war, neun Monate und sieben Tage. Ich erinnere mich genau daran“, so beginnt Eliškas Erzählung. Ab diesem Zeitpunkt muss sie bei ihrer seltsamen Tante in deren Villa wohnen. Hier wächst sie auf, umgeben von einer großen Leere. Was davor war? Ihre Mutter hatte ihren kleinen Bruder und dann sich selbst getötet. Aber warum kam sie zur einsiedlerisch lebenden Tante, wo war ihr Vater? Warum gab es keinen Abschiedsbrief? Und warum hatte die Mutter ihren Bruder mit sich genommen, aber nicht sie? Als sie erwachsen wird, beschließt Eliška, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Und die Suche nach den Antworten wird zu einer Obsession. Obwohl beim Lesen manchmal das Gefühl entsteht, Eliška zurufen zu wollen „Nicht dort entlang!“, ist ihr Versuch eine von vielen Möglichkeiten, mit diesem Trauma umzugehen und sich von verschiedenen Seiten diesem Lebensthema zu nähern. Aber ist es überhaupt möglich, solch schwerwiegende Tat zu erklären? Und was ist mit der Angst, „das“ geerbt zu haben? Und wie kommt das Umfeld damit klar, dass es vielleicht nicht so einfach ist, die Frage loszulassen, warum das eigene Leben so brutal aus der Bahn geworfen wurde …

Viktorie Hanišová

Die Pilzsammlerin ISBN 978-3-99029-467-3

© Foto: Privat

© Foto: Vojtech Vlk

Viktorie Hanišová Geboren 1980 in Prag, ist eine tschechische Linguistin, Übersetzerin und Schriftstellerin. Sie studierte Anglistik und Germanistik an der Karls-Universität, arbeitete als Fremdsprachenlehrerin und übersetzt Belletristik und Populärwissenschaftliches aus dem Englischen und Deutschen. Ihr viel beachteter Debüt-Roman Anežka (2015) erschien 2019 im Klak-Verlag auch auf Deutsch, danach folgten die Romane Die Pilzsammlerin (2018; deutsch 2021 im Wieser Verlag) und Die Rekonstruktion (2019). Alle drei Romane widmen sich verschiedenen Seiten von Mutterschaft und problematischen Familienkonstellationen und verbinden sich dadurch zu einer freien Trilogie. Hanišová wagt sich mit leichter Hand an schwierige gesellschaftliche Themen. So bringt sie im Jahr 2020 den Erzählband Langstrecke heraus, in der jeder Text eine Konfrontation mit der Frage nach dem Sinn des Lebens ist. Ihr bislang letztes Buch Beton und Erde (2021) ist eine Sammlung von Gesprächen über den schonenden Umgang mit der Umwelt im urbanen Kontext. Viktorie Hanišová lebt mit ihrer Familie in Prag. Raija Hauck Geboren 1962, Slawistik-Studium in St. Petersburg und Brno. Promotion an der Universität Greifswald und dort bis 2019 Lektorin für Tschechisch und Russisch. Liebt das Saarland und lebt als freie Übersetzerin in Saarbrücken. | 9


prosa

Stanislav Struhar

Farben der Gegenwart Erzählungen Mit einem Nachwort von Gabriela Šilhavá

S

chon sein Frühwerk, seine erste Prosa All die geliebten Farben, die Stanislav Struhar im Wien der 1990er Jahre noch auf Tschechisch verfasste, lässt seinen unverwechselbaren Stil erkennen, der, in seiner späteren deutschsprachigen Prosa vollendet, sein umfangreiches und viel beachtetes literarisches Werk auszeichnet. Die Erzählung, die er gemeinsam mit seinem Sohn Stanislav ins Deutsche übersetzte, liegt nun erstmals vor. Die vertrauten Farben der Fremde Als Florian nach Marseille kommt, um die letzten Sommertage im Haus seiner Tante zu verbringen, fühlt er sich an seine Kindheit erinnert. Allein in der Stadt, kehrt er in eine Vergangenheit zurück, die auch Trauer verbirgt, als er einer Freundin aus seinen Kindertagen begegnet. Da erreicht ihn eine Nachricht aus Wien … Die Leichtigkeit der Farben Seit Langem schon leidet Adam darunter, dass er nicht an die Erfolge seiner Brüder anknüpfen kann, und als er seine Arbeitsstelle verliert, verlässt er Prag. Er kommt nach Wien und arbeitet in einem Kaufhaus, doch der Neuanfang will ihm nicht gelingen. Eines Tages lernt er eine Wienerin kennen, die bei ihrem Großvater nahe am Wienerwald lebt …

ca. 160 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-526-7 Erscheinungstermin: März 2022

All die geliebten Farben Mit seiner Fotoausstellung war Bastian in Brüssel erfolgreich, dennoch freut er sich, zurück in Wien zu sein. Als er dann die Galerie seiner Freunde besucht, wird er von poetischen Fotografien eines jungen Fotografen überrascht …

Einen besonderen Autor gilt es in jedem Fall zu entdecken. Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten über „Farben der Zukunft“

Stanislav Struhar gibt in seiner solitären, melancholisch-optimistischen Art allen Helden Halt, die in den Klusen der diversen Sprach- und Kulturgemeinschaften tageweise verloren gehen.

© Foto: Privat

Helmuth Schönauer, Literaturhaus Wien über „Farben der Zukunft“

10 | Frühjahr 2022

Stanislav Struhar 1964 in Gottwaldov (heute Zlín) geboren, versagte sich dem Anpassungsdruck des tschechoslowakischen Regimes in den 1980er Jahren. 1988 floh er schließlich mit seiner Frau nach Österreich. Sein bisheriges literarisches Schaffen wurde durch zahlreiche Stipendien unterstützt. Stanislav Struhar lebt mit seiner Familie in Wien. Zuletzt bei Wieser: Fremde Frauen (zwei Erzählungen, 2013), Das Gewicht des Lichts (Roman, 2014), Die vertrauten Sterne der Heimat (Roman, 2015), Farben der Vergangenheit (Erzählungen, 2016), Die Verlassenen (Roman, 2017), Die Gabe der Hoffnung (Roman, 2018), Der alte Garten (Gedichttrilogie, 2019), Fremde Männer (zwei Erzählungen, 2019), Verlassener Garten (Roman, 2020), Farben der Zukunft (Erzählungen, 2021).


prosa

Hugo Ramnek

Die längste Nacht Elegische Flüchtigkeiten

N

achsinnen über alte Eltern und andere Sterbliche. Die längste Nacht erzählt von Augenblicken aus dem Leben der Verstorbenen und mit den Verstorbenen, von den Hinterbliebenen, auch von Fremden, Unbekannten, selbst von Tieren. Alle sind wir Ausgesetzte unter dem Stern der Vergänglichkeit. In poetischen Momentaufnahmen hält Hugo Ramnek das Flüchtige fest. Für die Dauer eines Gedichts wird sie sichtbar, die Verbindung zwischen denen, die sind, und denen, die nicht mehr sind, die Anwesenheit der Abwesenden. Ahnen Stimmen aus den Spalten Des Alltags den Rissen Des Schlafs stillgelegt Doch unverstummt

ca. 100 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-491-8 Erscheinungstermin: März 2022

Hugo Ramnek

Hugo Ramnek

Hugo Ramnek

Hugo Ramnek

Hugo Ramnek

Kettenkarussell Semanji vrtiljak

Momentum

Meine Ge-Ge-Genera­ tion. Eine Jukebox

Das Letzte von Leopold

Die Schneekugel

ISBN 978-3-99029-346-1

ISBN 978-3-99029-379-9

ISBN 978-3-85129-864-2

ISBN 978-3-99029-041-5

ISBN 978-3-99029-070-5

ISBN 978-3-99029-262-4

Hugo Ramnek Geboren 1960 in Klagenfurt/Celovec, aufgewachsen in Bleiburg/Pliberk, studierte Germanistik sowie Anglistik in Wien und Dublin und besuchte die Schauspielschule Zürich. Er lebt seit 1989 als Schriftsteller, Leseperformer und Lehrer am Liceo Artistico in Zürich. Im WIESER VERLAG erschienen: Der letzte Badegast. Roman 2010. Ausgezeichnet mit der Anerkennungsgabe der Stadt Zürich. Kettenkarussell. Erzählung. 2012. Nominiert für den Bachmannpreis. Momentum. 2013. Texte zu Bildern von Arno Popotnig. Meine Ge-Ge-Generation. Eine Jukebox. 2017. 45 neue Texte zu alten Bluesund Rockscheiben. Das Letzte von Leopold. Eine abenteuerliche und amouröse Fabelei über einen Zierkarpfen und eine Bachforelle, samt aquatischen Zwischenspielen, amphibischen Auswüchsen und sprudelnden Reimzuflüssen, aus dem Wasser gezogen und noch feucht aufs Papier gebracht von Hugo Ramnek. 2019. Die Urfassung wurde 2008 mit dem Preis des Kärntner Schriftstellerverbandes ausgezeichnet. Die Schneekugel. Ein Roman in Erzählungen. 2020. Ausgezeichnet mit dem Premio letterario internazionale Merano-Europa und der Literarischen Auszeichnung der Stadt Zürich.

© Foto: Ursula Zeller

Hugo Ramnek

Der letzte Badegast

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prosa

Manfred Chobot

Hawai’i Mythen und Götter

D

ie alten Hawaiianer führten ein angenehmes Leben. Sie kannten weder das Schießpulver, noch besaßen sie eine Schrift. Und so wurden auch die Geschichten, die sie sich an den Abenden erzählten, über Jahrhunderte mündlich überliefert – wohl mit ein Grund für deren Lebendigkeit und enormen Reichtum an Phantasie. Der Wiener Autor Manfred Chobot, begeisterter Surfer und WahlHawaiianer, ist den Spuren der Mythen gefolgt und hat die schönsten von ihnen für diesen Band zusammengestellt. Dabei entführt er den Leser in eine dem westlichen Denken oftmals fremde Welt, die geprägt ist vom unmittelbaren Erleben der Natur mitsamt ihren Gefahren, aber auch ihrer wildromantischen Schönheit: Das Meer ist nicht nur Heimstatt menschenfressender Haie und ihrer Götter – es bietet auch die Möglichkeit zu so himmlischen Vergnügungen wie etwa dem Surfen, einem Privileg der Adeligen; aus dem mächtigen Kilauea spuckt die Vulkangöttin Pele ihre glühenen Fontänen, doch eignen sich die Hänge ebenso vortrefflich zum Drachenfliegen. Stets mit einem Körnchen Wahrheit versehen – und oft genug mit einem gehörigen Schuss Humor –, berichten die Legenden von wundersamen Bananenschalen und geheimnisvollen Waldessern, von Geistertänzen, Vogelmenschen sowie von der Macht des Tabus. Und natürlich vom Schlitzohr Maui, das den Himmel hob und die Sonne fing. Ein vergessen geglaubter Schatz voll exotischem Flair, der jeden Leser in seinen Bann zieht.

ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-497-0 Erscheinungstermin: März 2022

© Foto: Privat

„Aus diesem Ast werde ich meinen Gott machen.“ Er gestaltete eine Furcht erregende Fratze, die seine Gegner erschrecken sollte. In Zeiten des Friedens wurde der Ast dazu benützt, Lebensmittel aufzuhängen, um sie dem Zugriff von Tieren zu entziehen.

12 | Frühjahr 2022

Manfred Chobot Geboren 1947 in Wien. Herausgeber der Reihe Lyrik aus Österreich im Verlag Grasl, Baden bei Wien, von Band 51 (1991) bis Band 100 (2004). Redakteur der Literaturzeitschrift Podium (1992–1999); Redakteur des „Podium“-Flugblatts zum Tag der Lyrik (1984–2005). Österreich-Redakteur der Zeitschrift Das Gedicht (1999–2002). Mitbegründer des „1. Wiener Lesetheaters und 2. Wiener Stegreiftheaters“. Bücher zuletzt: In 116 Tagen um die Welt – Ein Logbuch (Löcker 2019). Franz – Eine Karriere. Erzählungen (Löcker 2017). Nur fliegen ist schöner. Gedichte (Löcker 2017). Das KillerPhantom. 36 Mini-Krimis (Löcker 2015). Doktor Mord. 52 Mini-Krimis (Löcker 2015). Florian Floh, Kinderbuch, mit Illustrationen von Ernst Zdrahal (Lex Liszt 2014). Mich piekst ein Ameisenbär – Weltgeschichten (Löcker 2013). Lebenslänglich Wichtelgasse – Wiener Erkundungen (Löcker 2012). gefallen gefällt. Gedichte (edition art science 2012). Versuch den Blitz einzufangen, Roman (Limbus 2011). Der Tag beginnt in der Nacht – Eine Erzählung in Träumen (Sonderzahl 2011). Reise nach Unterkralowitz, Roman (Limbus 2009). Blinder Passagier nach Petersburg. Essays (Lex Liszt 2009). loha! – Briefe aus Hawai’i (Sonderzahl 2008). Chobot bleibt – zum 60. Geburtstag des Autors. Herausgegeben von Wolfgang Müller-Funk und Karin Zogmayer (Bibliothek der Provinz 2007). Homepage: www.chobot.at. Wikipedia: https:// de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Chobot. Literaturport: http://www.literaturport.de/Manfred.Chobot/Österreichische Nationalbibliothek, Bestand Literaturarchiv, Manfred Chobot: https://www.onb.ac.at/bibliothek/sammlungen/literatur/ bestaende/personen/chobot-manfred-geb-1947. Wienwiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Manfred_Chobot.


prosa

Georg Biron

Birons Welt 20 Short Storys von unterwegs

G © Coverfoto: Georg Biron, Rudi Aigelsreiter

eorg Biron on the road. Einmal um die Welt. Begegnungen mit merkwürdigen Menschen. „Georg Biron ist ,der Amerikaner‘ der literarischen Alpenrepublik“ (Wiener Zeitung), „man könnte beinahe auf die Idee kommen, der alte Henry Miller hätte weiland in Wien einen Nachfolger gezeugt“ (Ö1). „Das Älterwerden hat ihm nicht geschadet. Das Prädikat ,literarischer Reporter‘ wurde ihm zu Recht verliehen. Birons Geschichten strotzen vor Saft und Kraft“ (Oberösterreichische Nachrichten). „Biron schreibt einfach, und das mit einer gewissen Meisterschaft … Die Orientierungslosigkeit seiner Helden fängt er mit einem trockenen Humor auf. Er beschreibt nur Zustände und Abläufe, sehr direkt, illusionslos, mit Gefühlen nur vage hantierend“ (Kleine Zeitung).

© Foto: Biron_Museum

© Foto: Sammy Konkolits

ca. 140 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-527-4 Erscheinungstermin: März 2022

GEORG BIRON Der Wiener Schriftsteller, Reporter und Drehbuchautor – Jahrgang 1958 – hat unzählige Kulturprojekte realisiert (z. B.: Qualtinger lebt! ) und Preise (u. a. Theodor-Körner-Preis für Literatur) und diverse Kunststipendien erhalten. www.biron.at

© Foto: Nicolas Biron

Schon in jungen Jahren bereiste Georg Biron die Welt, schrieb Reportagen für Lifestyle-Magazine und fühlte sich vor allem auch in Lateinamerika wohl – wie auf dem Foto links: 1982 in Belize. Das Bild „Che“org stammt vom farbenblinden Wiener Maler Sammy Konkolits.

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Poesie

Lina Kostenko

Ich bin all das, was lieb und wert mir ist Gedichte Aus dem Ukrainischen von Alois Woldan Hab, Abendsonne, Dank für diesen Tag! Für die Ermattung, die mich jetzt begleitet. Für diesen lichten Wald, den ich nicht missen mag und für die Kornblumen im goldenen Getreide. Für deine Morgenröte und dein Abendlicht, für jeden Abglanz, der den Horizont versengt. Dafür, dass wieder mir das Morgen grünt, das Gestern seinen Klang mir nicht verdrängt. Hab Dank für einen Himmel, der im Himmel ist, und dafür, dass die Kinder lachen; ich danke dafür, dass ich danken kann, und dass ich danken muss und dass es Menschen gibt, die ihre Seele sich bewahrten. Dafür, dass jedes Morgen seine Eingebung erwartet, dass irgendwo auf dieser Welt heut noch kein Blut geflossen. Hab Abendsonne, dank für diesen Tag, für dieses Wort, wie ein Gebet, zu dem wir greifen, unverdrossen.

ca. 90 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 18,90 · ISBN 978-3-99029-496-3 Bereits erschienen

Alois Woldan Geboren 1954, studierte Theologie, Slawistik und Komparatistik. Er war Professor für „Ost-Mitteleuropa-Studien“ an der Universität Passau, Professor für Slawische Literaturen an der Universität Wien. Übersetzungen aus dem Polnischen und Ukrainischen. 14 | Frühjahr 2022

© Foto: Privat

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Lina Kostenko Geboren 1930, führende ukrainische Dichterin, Vertreterin der „Generation der 1960er Jahre“. Sie veröffentlichte seit den 1950er Jahren mehr als 20 Bände Lyrik, Versromane und Essays, zahlreiche Neuauflagen in jüngster Zeit. Übersetzungen in fast alle europäischen Sprachen, Trägerin zahlreicher nationaler und internationaler Auszeichnungen.


prosa

Horst Dieter Sihler

Wie aus einem Film 33 Miniaturen 1960–2020

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Horst Dieter Sihler

Horst Dieter Sihler

Mein Kino

haus im sommer

ISBN 978-3-99029-181-8

ISBN 978-3-99029-383-6

Horst Dieter Sihler Geboren 1938 in Klagenfurt. Maschinenbau-Ingenieur, Kulturkritiker und Poet, Lehrbeauftragter und Kino­macher. Film­kritiker für die regionale und überregionale Presse („Neue Zeit“, „Kleine Zeitung“, ORF, FAZ usw.). Zahlreiche Reisen zu Filmfestivals in West- und Osteuropa seit 1966. Organisator unzäh­liger Filmveranstaltungen. 1977 „1. Österreichischen Filmtage“ (heute „Diagonale“) in Velden gegründet, 1982 „1. Österreichische Kino-Tagung“ in Tainach/Tinje. 1979 Gründer des Vereins Alternativkino. Programmkinoleiter (Neues Volkskino Klagenfurt). Medien-Kulturpreis des Landes Kärnten 2008, Kärntner Lyrikpreis. Veröffent­lichungen: Gedichte in „manuskripte“, „Frage und Formel“, „Literatur und Kritik“. „Am Anfang war die Poesie“ (Meine Gedichte des 20. Jahrhunderts, Wieser Verlag 2009).

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ca. 120 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-524-3 Erscheinungstermin: März 2022

ann werden wir uns wiedersehen, um das Dahinrasen der Zeit zu besprechen?“ So das Abschiedswort seines Jugendfreundes Alfred Kolleritsch, mit dem der Autor als junger Poet und Theaterkritiker die ersten Ausgaben der legendären Literaturzeitschrift „manuskripte“ redigierte, wenn er nicht gerade mit Peter Handke im Kino saß. So turbulent startete Horst Dieter Sihler sein kulturkritisches Leben im Graz der 60er-Jahre, bevor er völlig in der Filmkritik aufging (FAZ) und zum Progammkinomacher (Volkskino) wurde, die Österreichischen Filmtage (heute Diagonale) gründete und Wesentliches zur Erneuerung des österreichischen Films beitrug. Heute bestürmen ihn Freunde und Kenner, die Filmund Kulturkämpfe des letzten halben Jahrhunderts aufzuzeichnen. Sihlers kurzweilige informative Erinnerungen wirken, wie schon in seinen anderen Büchern bei Wieser, als wäre eine gesunde kulturelle Aggression das Einfachste und Natürlichste auf der Welt. Ein Gustostück der kleinen Form, aber ganz groß. Ein Lebensbuch wie ein Film.

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„Ab und zu tauchen sie jäh auf, diese Bücher, die aus der Zeit gefallen sind. Helmuth Schönauer Buchkultur

Alle seit 1989 im Wieser Verlag erschienenen Titel ◗  D er

Wieser Verlag ist seit 1989 der Hausverlag von Marie-Thérèse Kerschbaumer. ◗  L udwig Hartinger und Franz Marenitz haben ihr Werk in den ersten zwei Jahrzehnten betreut. ◗  S eit zehn Jahren ist Josef Pichler der Lektor des Werkes von Marie Thérèse Kerschbaumer.

Werkausgabe in 13 Bänden: Band 1: Der Schwimmer, Roman 2005 · 146 S., ISBN 978-3-85129-645-7 Band 2: Der weibliche Name des Widerstands – sieben Berichte 2005 · 276 S., ISBN 978-3-85129-542-9 Band 3: Schwestern, Roman 2007 · 436 S., ISBN 978-3-85129-646-4 Band 4: Versuchung, Prosapoem 2002 · 117 S., ISBN 978-3-85129-364-7 Band 5: Die Fremde, erstes Buch 1992 · 241 S., ISBN 978-3-85129-063-9 Band 6: Ausfahrt, zweites Buch 1994 · 239 S., ISBN 978-3-85129-150-6 Band 7: Fern, drittes Buch 2000 · 301 S., ISBN 978-3-85129-310-4 Band 8: Neun Canti auf die irdische Liebe Mit neun Zeichn. von Helmut Kurz Goldenstein 1989 · 39 S., ISBN 978-3-85129-017-2

REIHE ULTRAMARIN 09: Der Geist der romanischen Sprachen. Gerhard Kofler (1949–2005) 2019 · 36 S., ISBN 978-3-99029-363-8 REIHE ULTRAMARIN 11: Recht wider Recht. Eine Frage unserer Zeit 2020 · 36 S., ISBN 978-3-99029-432-1

Weitere Bände Versuchung 2007 · 117 S. ISBN 978-3-85129-720-1 (Reihe Wortlandstreicher) Gespräche in Tuskulum, ein Fragment, viertes Buch Roman, 2009 · 178 S., ISBN 978-3-85129-855-0 Freunde des Orpheus Essays, 2011 · 384 S., ISBN 978-3-85129-932-8 Chaos und Anfang Ein Poem, 2016 · 130 S., ISBN 978-3-99029-205-1

Band 9: Bilder immermehr, Gedichte 1964–1987 2007 · 117 S., ISBN 978-3-85129-650-1 Band 10: Neun Elegien / Nueve elegías Ins Spanische übertragen von María Elena Blanco 2004 · 83 S., ISBN 2978-3-85129-485-9 Band 11: Wasser und Wind, Gedichte 1988–2005 2006 · 94 S., ISBN 978-3-85129-595-5 Band 12: Orfeo, Bilder-Träume 2003 · 144 S., ISBN 978-3-85129-365-4 Band 13: Calypso – über Welt, Kunst, Literatur 2005 · 233 S., ISBN 978-3-85129-561-0

REIHE ULTRAMARIN REIHE ULTRAMARIN 01: Res publica – über die öffentliche Rede in der Republik 2014 · 55 S., ISBN 978-3-99029-119-1 REIHE ULTRAMARIN 08: Der unendliche Ton. Gedanken zu André Hellers „Buch vom Süden“ 2019 · 36 S., ISBN 978-3-99029-364-5 16 | Frühjahr 2022

13-bändige Werksausgabe Marie-Thérèse Kerschbaumer EUR 135,00 · ISBN: 978-3-85129-644-0


Poesie

Aus Anlass von Marie-Thérèse Kerschbaumers 85. Geburtstag

epiphanie Gedichte 1988 bis 2021 Reisende Deh peregrini che pensosi andate (Ihr Pilger, die ihr geht im tiefen Sinnen … Dante Alighieri: Vita Nova)

Reisende die ihr vorbeizieht denkt alles vergeht so wie ihr unbewegt nur ziehn die Gestirne über uns hin nichts rührt den Lauf ihrer Bahn nichts den Klang ihrer Sphären – ruhend in sich folgen dem Sog sie des kosmischen Spiels der Ellipsen das dahin zieht und kreist ungerührt – Verstand in sich und aus sich und UN – ca. 80 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-489-5 Erscheinungstermin: Jänner 2022

Zorn und Zartheit sind bei Marie-Thérèse Kerschbaumer stets eng miteinander verbunden gewesen. Ebenso wie Sanftmut und Sarkasmus.

Reisende die ihr vorbeizieht und denkt gedenket Unser und euer gedenkt wenn ihr geht über Straßen und Plätze vorbei an den Schluchten den schluchzenden BETHäusern den Kathedralen den Pforten Portalen den strahlenden Toren hinaus zu den Vorbergen

Reisende wisset und seht mit innerem Begreifen Alles ist – Nicht-sein ist nicht und doch ist dem Ist das Nicht-ist gegeben Gutes und Böses Schuld oder UN – Vorgebirge und weite Gebreiten Sandkorn und Samen und Steppenwind Reisende ehe ihr geht erforscht das Erinnern fürchtet euch nicht der alten Fragen des alten Wissens gedenket der Erde das alte Gefährt hält uns und trägt uns hinaus seiner Bestimmung entgegen Urgrund der Fragen grundloses Ziel

Marie-Thérèse Kerschbaumer 1936 nahe Paris geboren; Studium der romanischen und deutschen Philologie in Wien (Dr. phil. 1973); seit 1971 freie Schriftstellerin und Übersetzerin; lebt in Wien.

© Foto: maxkurz

Katja Gasser, ORF

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prosa

Bojana Meandžija

Lauf! Warte nicht auf mich … Roman Aus dem Bosnischen von Gero Fischer

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ojana schrieb dieses Buch im Alter von 16 Jahren. Lauf! Warte nicht auf mich … ist ein autobiografischer Roman, der eine Periode in ihrem Leben beschreibt, die sich, wie die Autorin sagt, in ihrem Gedächtnis tief eingeprägt hat. Das Buch erzählt ihre Kindheit, wo etwas absolut Unbekanntes begann. Ein Krieg, von dem sie bisher nur im Unterricht und von ihren Groß­eltern gehört hatte. Der Krieg traf sie mitten im Spiel. Dieses Buch erzählt nicht all­tägliche Kriegsereig­nisse. In der Nacht, an ihrem 13. Geburtstag, zwei Minuten nach Mitternacht, kamen ihr Fragen in den Sinn: War es das? Werde ich den Morgen noch erleben und werde ich meine Freunde, Eltern und Großeltern wiedersehen?

306 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-490-1 Bereits erschienen

Das Schreiben als Heilmittel zum Leben und Überleben. Die Autorin will allen vom Krieg betroffenen Kindern, nicht nur jenen aus ihrem Wohnhaus oder ihrer Stadt, ein Zeichen der Hoffnung und des Mutes geben, nicht nur rückwärts auf die traumatischen Ereignisse blickend. Tihomir Glowatzky

GERO FISCHER Geboren 1939, Studium der Germanistik, Romanistik, Slawistik und Computerlinguistik in Deutschland und USA (Pittsburgh, Princeton). Nach langjähriger Tätigkeit in der automatischen Lexikographie und in leitender Position in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Mensch-Maschine-Kommunikation und Datenbanksysteme übersetzt er seit 1996 kroatische und serbische Literatur ins Deutsche. Er lebt und arbeitet in München und Opatija. 18 | Frühjahr 2022

© Foto: Privat

© Foto: Autorin

Bojana Meandžija Geboren am 4. Oktober 1978 in Karlovac/Kroatien. Fakultät für Pädagogik in Petrinja/Universität Zagreb. Arbeitet beim ALFA Verlag, lebt in Karlovac. Ihren ersten Roman Lauf! Warte nicht auf mich … beendete sie mit sechzehn Jahren im feuchten Schutzkeller während des Krieges in Kroatien. Ihre ersten Sätze schrieb sie nächtens auf die Holzlatten des Kellerverschlags, auf die Stadt fielen Granaten. Bei 400 Lesungen in Kroatien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina hörten ihr bisher 80.000 Kindern zu. In Kroatien erschien das Buch in 16 Auflagen mit bisher insgesamt 16.000 Exem­plaren. 2016 wurde das Buch ins Englische übersetzt.


Thriller

Maria Stern

Acetat Clara Cobans erster Fall Thriller

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ndlich kam der Moment, auf den er sich gefreut hatte, seit er die Anleitung im Internet gelesen hatte. Die Idioten stellten alles ins Netz. Er lebte in einer echt geilen Zeit! Andächtig tropfte er das Bleichmittel über die Masse, exakt 35 Prozent, auf den Topfen genau und in geringen Dosen, damit ihm das giftige Zeug nicht um die Ohren flog.“ Kriminalkommissarin Clara Coban kämpft leidenschaftlich gegen häusliche Gewalt und ihre oft tödlichen Folgen – bis sie selbst zur Zielscheibe wird. Ein spannender Krimi mit viel Witz.

ca. 280 Seiten, wtb 046 EUR 14,95 · ISBN 978-3-99029-498-7 Erscheinungstermin: März 2022

Maria Stern

Wassermann Clara Cobans zweiter Fall Thriller

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Maria Stern wurde in Ostberlin geboren und wuchs in Österreich auf. Sie studierte Schauspiel und Tanz (Niederlande), arbeitete als Model und Lehrerin. Sie gründete den Verein „Forum Kindesunterhalt“, publizierte in diversen Anthologien und veröffentlichte zwei Krimis. Als Parteichefin von JETZT machte sie Kinderarmut in Österreich und die prekäre Lebenssituation vieler AlleinerzieherInnen zum Politikum. Sie ist Trägerin des FM4-Publikumspreises (Protestsongcontest) und Delegierte der IG Autorinnen und Autoren. Zuletzt erschienen bei Wieser: Politik nach Corona. (Reihe Ultramarin 10); Im Wilden Osten. Skizzen aus Serbien. Roman. Neu aufgelegt: Acetat. Clara Cobans erster Fall; Thriller. Wassermann. Clara Cobans zweiter Fall. Thriller.

© Foto: Marianne Weiss

ca. 300 Seiten, wtb 047 EUR 14,95 · ISBN 978-3-99029-499-4 Erscheinungstermin: März 2022

u willst mir allen Ernstes erklären dass ich im öffentlichen Raum jederzeit verfolgt werden kann, während unsere Volksvertreter einander abmurksen können, ohne, dass das jemand sieht?“ Kriminalkommissarin Clara Coban hat einen neuen Fall: Eine ukrainische Putzfrau wurde vom Dach des Parlaments gestürzt. Die Ermittlerin und ihr Kollege Aca Petrovic mischen sich in den parlamentarischen Alltag und versuchen, der Tat auf die Spur zu kommen. Bald zeigt sich, dass die beiden nicht nur den Mord aufklären, sondern auch die Abgeordnete Sarah Schneider schützen müssen, die von vielen Seiten bedrängt wird – so haben sich nicht nur konservative Parlamentarier, sondern auch Identitäre, Abtreibungsgegner und möglicherweise auch die Grauen Wölfe vorgenommen, sie abzusägen. Wenn nötig, mit Gewalt. Im Laufe der Ermittlungen muss Clara erkennen, dass nicht nur Sarahs Leben in Gefahr ist, sondern auch die Demokratie.

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Europa erlesen

Europa Erlesen Granada

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ieser Stadt, oft als Paradies der Araber und Mauren bezeichnet, die von 711 bis 1492 in Spanien herrschten, ist ein eigener Band gewidmet. Granada war die letzte Bastion der Mauren und wurde 1492 von Boabdil, dem letzten Herrscher, an die katholischen Könige übergeben, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Granada ist daher bis heute am meisten von der Erinnerung an die maurisch-arabische Herrschaft geprägt. In den Texten dieses Bandes besuchen wir nicht nur die Alhambra, sondern durchstreifen auch andere Viertel der Stadt, wie den berühmten Albaicín und den wenig bekannten Mauror, lernen die paradiesischen „Carmenes“ kennen, folgen den Spuren der Mauren ins Exil in der Alpujarra und wandern mit einheimischen Abenteurern und Forschern aus dem Ausland in die Sierra Nevada, die sich über der Stadt mit ihren mächtigen Dreitausendern erhebt.

ca. 300 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck EUR 14,95 · ISBN: 978-3-99029-529-8 Erscheinungstermin: März 2022

Andalusien

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ndalusien zieht seit Jahrhunderten Reisende an. Dieses Land im Süden, das Tor zu Afrika, stellt für sie den Inbegriff Spaniens dar. Wir begleiten Naturwissenschaftler, Kunsthistoriker und Reisende, die aus Abenteuerlust und Interesse am Fremden die meist sehr beschwerlichen Wege auf sich nehmen. Wir begegnen sehr frühen Klagen über die negativen Auswirkungen der zahlreichen Besucher, oder anders gesagt, der Enttäuschung über die Diskrepanz von Vorstellung und Realität. Und wir hören die Stimmen der Einheimischen früherer Jahrhunderte sowie heutige Kommentare über Klischees, Traumvorstellungen die maurische Geschichte betreffend und Probleme mit dem „Overtourism“. In den Berichten und Erzählungen durchstreifen wir malerische Landschaften, besuchen großartige Bauwerke und Städte aus der Zeit der maurischen Herrschaft, tauchen ein in Feste und Flamenco-Vorstellungen und werden mit frühen Auseinandersetzungen mit dem Stierkampf konfrontiert. Die Texte laden dazu ein, Andalusien mit offenen Augen zu besuchen und ein Land abseits der Tourismusindustrie zu entdecken. ca. 300 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck EUR 14,95 · ISBN: 978-3-99029-528-1 Erscheinungstermin: März 2022

Manfred Gmeiner (Hg.): Geboren 1964 in Wien, lernte Granada und Andalusien in einem Auslandssemester während seines Studiums kennen und lieben. Von 1996 bis zur Pensionierung seiner aus Motril/Granada stammenden Partnerin 2020, betrieb er mit ihr in Wien eine spanischsprachige Buchhandlung und vertiefte sich in die Literatur Spaniens und Lateinamerikas. Die letzten Jahre begann er als Übersetzer spanischsprachiger Literatur zu arbeiten und übersetzte auch für die vorliegenden Bände Auszüge aus bisher unübersetzten Werken. 20 | Frühjahr 2022


Europa erlesen

Europa Erlesen Kulturhauptstadt Rijeka

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ie die meisten kannte Melita Sunjic ihre Geburtsstadt Rijeka nur vom Durchfahren. Als die kroatische Hafenstadt 2020 europäische Kulturhauptstadt wurde, beschloss sie, auf Spurensuche zu gehen. Herausgekommen ist dabei ein unterhaltsames journalistisches Buch mit autobiografischen Zügen. Die Autorin eröffnet einen neuen Blick auf die Stadt, die im 19. Jahrhundert ein Technologie-Hotspot von europäischem Rang war, wo im 20. Jahrhundert der Urlaub im Süden erfunden wurde und der italienische Faschismus seine Generalprobe hielt. Sie zeigt uns eine liberale und kulturinteressierte Stadt, die sich als einzige in Kroatien der Staatsideologie eines frömmelnden Nationa­lismus entzieht. So nebenbei stellt sie die Menschen von Rijeka vor, die weltoffen und freundlich sind und das Kulturangebot ebenso schätzen wie die kulinarischen Freuden. Nicht zuletzt lässt die Autorin uns auch an ihrer erfolgreichen familiären Spurensuche teilhaben.

ca. 250 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck EUR 14,95 · ISBN: 978-3-99029-493-2 Erscheinungstermin: Mai 2022

Melita Sunjic (Hg.): Geboren 1955 in Rijeka, kam als Kleinkind mit ihrer Familie nach Österreich. Sie wuchs zweisprachig auf und hat ihre kroatischen Wurzeln stets gepflegt. Die promovierte Kommunikationswissenschafterin war Journalistin bei der Wiener Zeitung bevor sie 25 Jahre auf drei Kontinenten als Pressesprecherin für UNHCR arbeitete. Die Migrationsexpertin veröffentlichte mehrere Sachbücher, arbeitet als Konsulentin für internationale Organisationen und unterrichtet interkulturelle Kommunikation an der Universität Wien.

Korfu

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ca. 250 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck EUR 14,95 · ISBN: 978-3-99029-484-0 Erscheinungstermin: Mai 2022

repane – Insel der Nausikaa, Sheria – Insel der Phäaken, Korkyra, Kerkyra und schließlich Korfu, es gab in den letzten Jahrtausenden viele Namen für diese wundervolle griechische Insel, die so gar nicht ist, wie die anderen bekannten griechischen Inseln. Erwarten Sie nicht, was Sie vielleicht auf Kreta oder Santorin gesehen und erlebt haben. Auf Korfu ist es ein bisschen sehr anders – alles! Die Natur ist immer grün – das einzigartige Mikroklima sorgt dafür – die Griechen dort … nein, die Korfioten haben sich aus vieler Herren Länder zusammengemischt und entwickelt, aber doch, trotz französischer, venezianischer und englischer Einflüsse sind sie immer griechische Korfioten geblieben. Auch viele orthodoxe Heilige, allen voran der Inselheilige Spiridon, sind stets in den unzähligen Kirchen und Klöstern auf der ganzen Insel präsent. Apfelchutney (glykia mustarda – „süßer“ Senf) ist aus England hängengeblieben genauso das Cricket und der Karneval aus Venedig. Wenn Sie Korfu erlesen, haben Sie die einzigartige Chance, sich Ihr eigenes Bild in Gedanken zu machen und dieses Bild mit den realen Eindrücken vor Ort zu kombinieren, was als Warnung zu verstehen ist, denn diese kombinierten Eindrücke bleiben und verleiten zur Wiederkehr, zur Liebe und Sehnsucht nach Korfu, so dass man gar nicht mehr gehen möchte, und falls man doch muss, immer und immer wiederkehren wird … so lange, bis man bleibt.

Bernhard Mayr (Hg.): Geboren 1976 in Regensburg, Mutter aus Regensburg, Vater aus Beuthen, Oberschlesien. Verheiratet mit einer Ukrainerin aus Odessa. Wirtschaftsschule in Regensburg, kaufmännische Lehre. 20 Jahre Telekommunikation Verkauf und Vertrieb. Weiterbildung zum Handelsfachwirt. 3 Jahre IT im öffentlichen Dienst. Freizeit: Reisen in die Ukraine und nach Griechenland (Korfu). Aktiv in der Orthodoxen Gemeinde Regensburg (konvertiert 2012). Aktiv im Bund Naturschutz. Wandern und Konzerte. EE Korfu ist seine erste Publikation. | 21


Porträt

Wolf Oschlies

Michail Gorbačëv Porträt

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© Foto: Privat

olf Oschlies porträtiert mit Michail Gorbačëv (*1931) einen ausnehmenden Zeitgenossen. Bei Namen, Zitaten und Quellenangaben wollen wir uns aber an die geltenden wissenschaftliche Kriterien der Transliteration halten, die noch nicht überall Eingang gefunden haben, um der russischen Sprache in Form und Bild, so weit wie möglich, gerecht zu werden – beginnend beim Namen Gorbačëv. Gorbačëv denkt auch im 91. Lebensjahr nicht daran, der neostalinistischen Renaissance in Russland Reverenz zu erweisen, lässt vielmehr in kaum verhüllter „zloradstvo“ (Schadenfreude) die Flut der Flüche und Verwünschungen gegen sich abprallen. Oschlies, studierter Slawist, listet die Beschimpfungen akribisch auf, interpretiert sie als Teile russischen Selbsthasses und fahndet vergebens, was der „Verbrecher“, „Idiot“, „Verräter“ „Lump“ u. a. Michail Gorbačëv denn nun konkret „verbrochen“ habe. Natürlich gar nichts, wenigstens konnten seine zahllosen „Ankläger“ nichts vorbringen, sofern sie ihm nicht Humanität und Friedfertigkeit verübeln wollten: „Gorbi“ holte Hunderttausende Sowjet-Besatzer aus Ostdeutschland, der Tschechoslowakei, aus Polen, Ungarn und der Mongolei heim. Er kippte die Berliner Mauer, begünstigte damit die deutsche Wiedervereinigung. Er stoppte den Kalten Krieg, den Stalin vor über 80 Jahren auslöste, er startete mit einer neuen Terminologie ein Reformprogramm, das aller Welt den Atem nahm, vor allem der russischen: „Glasnost“ (Offenheit), „Perestrojka“ (Umbau), Novoe Mišlenie („Neues Denken“) und „Uskorenie“ (Beschleunigung). Selbst Unmögliches, den Russen den Suff abzugewöhnen, wagte er gleich nach Amtsantritt mit seinem „Trockenen Gesetz“ von 1985. Sein größtes Unternehmen geschah fast lautlos: Er entließ mit Brief und Siegel die 15 „Unionsrepubliken“, vom Baltikum bis zum Balkan, aus Moskaus Völkergefängnis, wohl wissend, dass sie bald vom Warschauer Pakt zur NATO, vom RGW zur EU wechseln würden. Europa war von „GorbiManie“ erfasst und ehrte den „Jahrhundert-Russen“ Gorbačëv 1990 mit dem „Friedensnobelpreis“, was seine russischen Feinde bis heute als Judaslohn für einen Verräter sehen. Knapp acht Jahre stand „Gorbi“ an der Spitze der UdSSR, als er zurücktrat, verfiel sie zur bösen Erinnerung, Russland als ihr größtes Teilstück wurde zum sozioökonomischen Wrack. Unter seiner Leitung wäre das nicht geschehen, dem hätte „Gorbis“ weltweite Fangemeinde vorgebeugt. Und nicht zuletzt: Serge Mengins Berliner Büste für „Michail S. Gorbatschow“ ist ein ästhetischer Haupttreffer.

22 | Frühjahr 2022

ca. 140 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 · ISBN 978-3-99029-530-4 Erscheinungstermin: März 2022

Wolf Oschlies Jahrgang 1941, wuchs in der DDR auf, wo er nach seinen Worten „eine absolute Seltenheit erlebte“: einen guten Russischunterricht. Nachdem er 1959 „in den Westen abgehauen“ war, studierte er Slawistik und machte nach Promotion (1966) und Habilitation (1977) drei Berufe daraus: Wissenschaftler in einem Forschungsinstitut der Bundesregierung, Hochschullehrer an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und Publizist in Deutschland und darüber hinaus. Seit 2002 ist er im Ruhestand, bleibt aber fleißiger Wieser-Autor mit einem Buch pro Jahr.


wieser Wissenschaft

Sieglinde Klettenhammer/Kurt Scharr (Hg.)

Was heißt Österreich? Überlegungen zum Feld der „Austria Studies“ im 21. Jahrhundert

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on Sarajevo über Mostar verläuft quer durch die Dinarischen Alpen die kürzeste Verbindung zur Adria. Bis heute trennt und verbindet die Brücke bei Mostar zugleich, symbolisch wie real. Im September 2019 besuchten Mitglieder des Innsbrucker Doktoratskollegs „Austrian Studies“ die Hauptstadt des Kantons Herzegowina-Neretva in der Föderation Bosnien und Herzegowina. Bewusst wollte man damit eine Innen- wie zugleich Außenperspektive zu den »Austrian Studies« beziehen. Auf die zentrale Frage „Was heißt Österreich?“, der sich das Kolleg 2019 dann auch im Rahmen einer internationalen Tagung in Innsbruck stellte, darf man sich – vor allem eingedenk der einmal bezogenen Perspektive von Mostar – hier wie anderswo wohl keine endgültige und umfassende Antwort erwarten. Sie ist vielmehr eine andauernde Aufforderung zur Reflexion, zur Diskussion und zum Wechsel der Perspektive(n), 184 Seiten, gebunden, Lesebändchen – der fachlichen, inhaltlichen, zeitlichen und räumlichen. Die Frage „Was EUR 20,00 · ISBN 978-3-99029-469-7 Bereits erschienen heißt Österreich?“ sei daher auch nicht gestellt, um bündige Antworten zu provozieren. Im Gegenteil. Sie soll aus der Perspektive verschiedener Wissensdisziplinen vordergründige Gewissheiten auf den Prüfstand stellen und den Blick für Mehrdeutigkeiten in der Vergangenheit und Spielräume für die Zukunft öffnen. Und sie soll auch die Aufmerksamkeit wie das Forschungsinteresse auf die verschiedenen Räume lenken, die dieser Begriff einnimmt: Österreich lässt sich nicht nur in wechselnden historischen Kontexten topographisch und geographisch ver,orten‘, sondern Österreich ist aus kulturwissenschaftlicher Perspektive auch als Fiktions- und Erinnerungsraum zu verstehen, den Literatur, bildende Kunst, Musik und Architektur in unterschiedlichsten Darstellungen hervorgebracht haben und hervorbringen und der sich in verschiedenen Funktionen wiederfindet. Dazu will der vorliegende Band grundsätzliche Anregungen und neue Einsichten liefern.

© Foto: Privat

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Sieglinde Klettenhammer Studierte in Innsbruck Germanistik und Geschichte. Promotion mit einer Arbeit über die Rezeption Georg Trakls in Zeitungen und Zeitschriften seiner Zeit. Danach Assistentin und Assistenzprofessorin am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck. 2002 Habilitation. Forschungsschwerpunkte: u. a. österreichische Literatur des frühen 20. Jahrhunderts und österreichische Gegenwartsliteratur, Literatur und Erinnerung.

Kurt Scharr Studierte in Innsbruck Geographie und Geschichte sowie im Erweiterungsfach Russisch. Nach dem Doktorat, das sich thematisch der Siedlungsgenese im Gebirgsraum der Ostalpen zuwandte, folgten diverse längere Forschungsund Lehraufenthalte im Ausland. Seit Oktober 2016 ist er Inhaber der Professur für österreichische Geschichte in Innsbruck. Die regionalen Forschungsschwerpunkte liegen im Ostalpen- (Tirol) und Karpatenraum (Rumänien/ Ukraine); Projekte und Publikationen zu verschiedenen Themen der österreichischen Geschichte, zuletzt über die Kulturlandschaft Bukowina, den Franziszeischen Kataster sowie über den griechisch-orientalischen Religionsfonds der Bukowina. | 23


Der Wieser Verlag wird vom Ministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (Sektion IV: Kunst und Kultur) gefördert. / Gefördert vom Land Kärnten (Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung 14 – Kunst und Kultur) / Založbo Wieser podpira Urad vlade Republike Slovenije za Slovence v zamejstvu in po svetu / Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Österreichische Verlage

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Deutschland Rudi Deuble c/o Stroemfeld Verlag Burgstraße 4 D-60316 Frankfurt am Main Tel. +49 (0)69-49 04 66 Mobil +49 (0)175-20 37 633 E-Mail: rudideuble@stroemfeld.de Schweiz Mattias Ferroni b+i buch und information ag Hofackerstrasse 13 8032 Zürich Tel. +41 (0)44 422 12 17 Fax +41 (0)44 381 43 10 m.ferroni@buchinfo.ch Matthias Engel b+i buch und information ag Hofackerstrasse 13 A, 8032 Zürich Tel: +41 (0)44 422 12 17 m.engel@buchinfo.ch

„Aber der Roman „Kukum“ des kanadischen Innu Michael Jean erfüllt alle Kriterien, um unter die wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres eingereiht zu werden. Mit dem Prädikat „besonders lesenswert“.

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Werner Krause im Lesezeichen der Kleinen Zeitung zu Kukum von Michel Jean

„Ein absolut lesens- und empfehlenswertes Buch. (...) Ein unwahrscheinlich Aussage kräftiges Buch über einen ,verlorenen Sohn‘, der eigentlich als Fremder zurückkommt und auch fremd bleibt, denn in erster Linie wird er als der ,reiche Verwandte aus Übersee hofiert‘, von dem sie sein Image auskosten und sein Geld erwarten …“ Anni Lemberger empfiehlt: Henry Kreisel, Das ist dem Walzer egal

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Katalog Frühjahr 2022 Art Director: Lojze Wieser Redaktion: Erika Hornbogner Grafische Umsetzung: Dietmar Schöffauer Lektorat und Korrektur: Josef G. Pichler

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