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Bachelorarbeit

Titel der Bachelorarbeit

Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion    Verfasser

Florian Matscheko / 0500646

Wien, 2013 Studienkennzahl lt. Studienblatt: A 317 Studienrichtung lt. Studienblatt: Theater-, Film- und Medienwissenschaft abgegeben bei ao. Univ.-Prof. Dr. Brigitte Marschall


„Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion“

Florian Matscheko

Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung

3

2. Definition von Licht

4

3. Technische Aspekte der Beleuchtung

5

3.1. Beleuchtungsmittel

5

3.2. Das empfindliche Material

5

3.3. Die Blende

6

4. Typen von Licht

6

4.1. Natürliches Licht

6

4.2. Kunstlicht

7

4.2.1. Lichtquellen im Bild

7

4.2.2. Lichtquellen außerhalb des Bildes

7

5. Einsatz von Licht

8

5.1. Lichttypen

8

5.1.1. Hartes Licht

8

5.1.2. Weiches Licht

8

5.2. Arbeiten mit vorhandenem Licht

9

5.3. Licht zur Aufhellung

11

5.3.1. Einsatz von Kamerakopflicht

12

5.3.2. Einsatz von zusätzlichen Leuchtmitteln

12

5.4. Licht zur Hervorhebung von Prioritäten

13

5.5. Licht als Gestaltungsmittel

14

5.5.1. Arbeit mit Licht

14

5.5.2. Arbeit mit Kontrasten

20

5.6. Licht als Mittel zur Diskussionsleitung

26

6. Zusammenfassung

29

7. Literaturverzeichnis

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„Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion“

Florian Matscheko

1. Einleitung Ohne Licht, keine Filmaufzeichnung. So einfach kann das Wechselspiel zwischen Film und Licht beschrieben werden. Allerdings ist die grundlegende Funktion des Lichtes, nämlich das empfindliche Material zu belichten, nicht deren einzige. Viel mehr kann der Gestalter/die Gestalterin mit Licht einer Szene oder einem Raum Bedeutung verleihen, eine Stimmung vermitteln. Auch können durch gezielte Lichtsetzung Räume geschaffen oder Teile eines Raumes ausgeblendet werden. All dies setzt natürlich das technische Verständnis des Mediums Licht sowie die psychologischen Reaktionen, die durch dessen Einsatz ausgelöst werden, voraus. Genau damit werde ich mich im Rahmen dieser Arbeit beschäftigen. Welche Voraussetzungen sind nötig, um mit Licht die erzählte Geschichte voranzutreiben oder überhaupt erst zu ermöglichen? Nicht zu Letzt werde ich mich auch mit der Frage beschäftigen, welche Reaktionen die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten beim Publikum auf psychologischer Ebene hervorrufen. Strukturell werde ich mich auch an diese Logik halten. Zu Beginn werde ich umfassend auf die technischen Grundlagen der Lichtgestaltung eingehen, bevor ich Anschluss die grundlegenden Beleuchtungsstrategien erörtere. Abschließend finden die komplexen Gestaltungsaufgaben sowie die psychologische Wirkung Eingang in die Arbeit. Als

Beispiele

werden

Beiträge

der

Fernsehproduktion

aus

der

aktuellen

Fernsehinformation, Nachrichten und aus der semiaktuellen Fernsehinformation, Magazine sowie auch aus Diskussionssendungen angeführt.

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„Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion“

Florian Matscheko

2. Definition von Licht Physikalisch betrachtet ist Licht ein Bereich der elektromagnetischen Strahlung. Für den Menschen ist der Bereich zwischen 380 und 750 nm wahrnehmbar. Für die Produktion und Fernsehen ist es relevant, da ohne Licht keine Bilder gespeichert und damit reproduziert werden könnten. Die grundlegende Aufgabe des Lichts im Fernsehen ist es dem Zuseher/der Zuseherin zu ermöglichen das Objekt im Bild zu erkennen. Darüber hinaus gibt es indirekt Auskunft darüber, was im Moment wichtig ist und was von geringerer Relevanz. Grundsätzlich kann zwischen zwei Arten von Licht unterschieden werden. Zum einen gibt es das gegebene Licht, das Licht das am Drehort vorhanden ist, ohne zusätzliche Beleuchtung. Die zweite Art von Licht, ist jene, die am Drehort künstlich durch zusätzliche Lampen sowie durch das Arrangement von gegebenen Lichtquellen entsteht. In diesem Fall spricht man von Beleuchtung. „Das Beleuchten mit dem Ziel, dem Zuschauer die Atmosphäre (Fachsprache: „Stimmung“) einer Situation zu vermitteln, beruht auf gestaltspsychologischen Grundlagen. Auf dem Wege über die Synästhesie kann die Licht- und Schattenverteilung in einem Bild (im Zusammenwirken mit Farben, Komposition und dinglichen Inhalten etc.) beim Zuschauer Assoziationen hervorrufen, die sich im Bewußtsein als Emotionen manifestieren.“1 Somit kann Licht neben der bloßen Aufhellung auch dazu dienen, bestimmte Gefühle beim Rezipienten/bei der Rezipientin zu erzeugen. Bei der Gestaltung mit Licht ist es wichtig zu bedenken, dass das menschliche Sehzentrum die wahrgenommenen Bilder zuerst logisch bewertet, bevor diese mit bereits abgespeicherten emotionalen Eindrücken verbunden werden. Das bedeutet, dass der Seher/die Seherin unnatürliche Lichtführung auf Grund eigener Erfahrungen sofort als solche

                                                                                                              1

van Appeldorn, Werner: Handbuch der Film- und Fernseh- Produktion. 2002, München. S. 55. Seite 4 von 30


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wahrnimmt. Dies kann in der Gestaltung erwünscht sein oder auch nicht, wichtig ist es jedoch, dies vor der Lichtsetzung zu planen.2 3. Technische Aspekte der Beleuchtung Die Qualität und die Optik des aufgezeichneten Bildes ist nicht nur von der eingesetzten

Beleuchtung

abhängig,

sondern

auch

von

dem

eingesetzten

Filmmaterial, -in digitalen Zeiten- der Empfindlichkeit der Bildwandlerchips, sowie der eingesetzten Objektive und der eingestellten Blendenöffnung. Zusammengefasst ist der optische Eindruck, der letztendlich für die Rezipienten/Rezipientinnen entsteht, also abhängig von der Menge an Licht, die am aufzuzeichnenden Ort vorhanden ist, wie empfindlich für Licht das Trägermaterial ist und wie viel Licht das Objektiv auf dieses Material lässt. 3.1.

Beleuchtungsmittel

Zur Beleuchtung von Szenen am Drehort werden in der aktuellen und semiaktuellen Fernsehproduktion vor allem Strahler mit 500 bis 1000 Watt eingesetzt. Zur Aufhellung einer Szene wird zudem noch ein spezieller Vorsatz verwendet, um das entstehende Licht zu streuen. Dies hat den Zweck den Drehort gleichmäßig aufzuhellen. Das so genannte Führungslicht, also das Licht welches auf das Hauptobjekt (in vielen Fällen den Interviewpartner/die Interviewpartnerin) gerichtet ist, ist meist eine etwas schwächere Lampe mit einer Linse, die das Licht auf einen Punkt fokussieren kann. Ebenso kann man mit dieser Art von Lampe optisch interessante Aspekte eines Raumes herausheben. Zur Beleuchtung eines Studios wird im Wesentlichen die gleiche Technik eingesetzt, der einzige Unterschied ist die eingesetzte Lichtstärke, diese ist im Studio um ein Vielfaches höher.

                                                                                                              2

vgl. van Appeldorn, Werner: Handbuch der Film- und Fernseh- Produktion. 2002, München. S. 55. Seite 5 von 30


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3.2.

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Das empfindliche Material

Vor rund 30 Jahren wurde in Fernsehen wie im Film mit lichtempfindlichem Filmmaterial produziert. Dabei konnte, je nach bereits vorhandener Lichtstärke, ein mehr oder weniger empfindliches Filmmaterial gewählt werden. Seit den 80iger Jahren wird im Fernsehbereich vor allem die digitale Videotechnik eingesetzt. Dabei trifft das durch das Objektiv einfallende Licht auf einen lichtempfindlichen Sensor, der das Licht in ein digitales Signal wandelt. Daher kann man bei den meisten Modellen die Empfindlichkeit nicht oder nur beschränkt regeln. Aufgezeichnet wird dieser Datenstrom auf ein Magnetband oder -in letzter Zeit immer häufiger- auf Speicherchips. 3.3.

Die Blende

Die Blende oder auch die Irisblende ist eine Vorrichtung zwischen Objektiv und Sensor bzw. empfindlichem Filmmaterial, welche die Menge des einfallenden Lichtes regelt. Damit wird also zum einen die Helligkeit und zum anderen, im Wechselspiel mit der Brennweite, die Schärfenebene des aufgezeichneten Bildes geregelt.

4. Typen von Licht Bei der Arbeit mit Licht stehen unterschiedliche Lichtquellen zur Verfügung. Dabei reicht das Spektrum von natürlichem Licht bis hin zu von Scheinwerfern produziertem Kunstlicht. 4.1.

Natürliches Licht

Von natürlichem Licht spricht man, wie der Name schon sagt, bei jedem Licht, das aus natürlichen Quellen stammt, also entweder durch die Sonne, durch den Mond, durch Blitze oder durch Reflexionen von ebendiesen entsteht. Das bedeutet, das natürliche Licht ist daher immer von Wetter und der Uhrzeit abhängig. Diese Art von Licht ist nicht immer leicht zu benutzen, wenngleich es oft die ästhetischere Seite 6 von 30


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Alternative ist. Besonders zu beachten ist gerade bei längeren zu drehenden Passagen, wie z.B. gesetzte Interviews, dass der Lichtton durch Wolken oder durch den Sonnenuntergang schnell von warm und satt in grau und matt wechseln kann. Dies erschwert es, bei der Nachbearbeitung einen durchgehenden Gesamteindruck zu produzieren. Wichtig bei der Arbeit mit natürlichem Licht sind also die Planung und die permanente Kontrolle des aufgezeichneten Bildes auf einem Kontrollmonitor oder im Kamerasucher. 4.2.

Kunstlicht

Bei Kunstlicht handelt es sich um alle Lichtquellen, deren Licht nicht aus einer natürlichen Quelle stammt. Dabei reicht die Bandbreite von eher lichtschwachen Kerzen bis hin zu sehr lichtstarken elektrischen Lampen, die nahezu an die Lichtstärke von Tageslicht heranreichen. Weiters kann bei Kunstlicht zwischen Lichtquellen, die im Bild (on) und solchen, die außerhalb des Bildes (off) sind, unterschieden werden. 4.2.1. Lichtquellen im Bild Lichtquellen, die im Bild eingesetzt werden, können nicht oder nur sehr eingeschränkt zur klassischen Beleuchtung eines Bildes benutzt werden. Viel zu groß ist die Gefahr, dass die Aufzeichnung überbelichtet und damit schwarz oder stark grau ist. Zudem würde in der Natur der Sache liegend, die zu erreichende Natürlichkeit des Bildes verloren gehen. Bei dieser Art von Licht handelt es sich viel mehr um Akzente, die im Bild gesetzt werden, wie z.B. eine eingeschaltete Schreibtischlampe oder eine brennende Kerze. 4.2.2. Lichtquellen außerhalb des Bildes Bei Lichtquellen außerhalb des Bildes handelt es sich in den meisten Fällen um elektrisch erzeugtes Licht. Diese Lampen verfolgen im Wesentlichen den Zweck der Aufhellung und der Gestaltung. Generell kann man hier zwischen Lampen, die großflächig aufhellen und solchen, die fokussiert einen Punkt hervorheben, unterscheiden. Natürlich kann auch natürliches Licht als Lichtquelle außerhalb des Bildes dienen. Seite 7 von 30


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5. Einsatz von Licht 5.1.

Lichttypen

Um mit Licht zu arbeiten ist es wichtig die zwei grundlegenden Typen von Licht zu unterscheiden, nämlich hartes Licht und weiches Licht. 5.1.1. Hartes Licht Hartes Licht erzeugt in der Regel starke Schatten und kommt in der Natur am ehesten unter der Mittagssonne an einem wolkenlosen Tag vor. Bei Kunstlicht geht hartes Licht in der Regel von einer kleinen Quelle aus, ebenso in der Natur, wo die einzige Lichtquelle ein kleiner Punkt am Himmel, nämlich die Sonne ist.3 5.1.2. Weiches Licht Weiches Licht ist im Gegensatz zu hartem Licht dadurch gekennzeichnet, dass durch dessen Einsatz kaum bis gar keine Schatten entstehen. Ähnlich konträr ist auch das Verhältnis bei der Lichtquelle. Während diese bei hartem Licht in der Regel klein ist, kommt weiches Licht von großen Lichtquellen, die eine maximale Streuung des Lichtes ermöglichen. In der Natur kommt weiches Licht besonders zu Mittag bei bedecktem Himmel vor. Die dünne Wolkendecke wirkt hier wie ein Diffusor und streut das Licht besonders stark. Dies hat, ebenso wie bei Kunstlicht, den Effekt, dass kaum sichtbare Schatten entstehen. Zur Erzeugung von weichem Licht dient in den meisten Fällen eine harte Lichtquelle, die durch einen Diffusor abgeschwächt und gestreut wird. Dabei kann es sich entweder um einen Aufsatz direkt auf der Lampe handeln oder aber um eine meist weiße oder graue Stofffläche in der Nähe des zu beleuchtenden Objektes.4 Die Einsatzgebiete von Licht und Beleuchtung reichen, wie bereits kurz angeschnitten, von der bloßen Aufhellung des Bildausschnittes über die Setzung von Prioritäten bis hin zu eigenen narrativen Aussagen durch die                                                                                                               3

vgl. Malkiewicz, Kris: Film Lighting. Fireside. 1986, New York. S. 83.

4

vgl. Malkiewicz, Kris: Film Lighting. Fireside. 1986, New York. S. 83. Seite 8 von 30


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Lichtsetzung. Ein Spezialfall dabei ist die Führung von Diskussionen mit Hilfe von Licht. 5.2.

Arbeiten mit vorhandenem Licht

Vorhandenes Licht als einziges Beleuchtungsmittel wird im Fernsehbereich vor allem in der aktuellen Berichterstattung eingesetzt. Zeit- und oftmals auch Raummangel führen dazu, dass nur das gerade vorhandene Licht eingesetzt wird und dabei oftmals weniger auf die Bildästhetik geachtet wird. Die Arbeit mit vorhandenem Licht kann zwei Bereiche erfassen. Der eine ist jener Bereich, in dem das aktuelle Licht eingesetzt wird, um eben die interessanten Objekte oder Gesprächspartner zu sehen. In diesem Bereich dient das vorhandene Licht schlichtweg der Aufhellung. Natürlich kann mit vorhandenem Licht auch gestaltet werden, allerdings geschieht dies meist in Kombination mit Kunstlicht, dazu in Kapitel 5.4. mehr. Gegebenes Licht findet meist in der aktuellen Fernsehberichterstattung Anwendung und zwar in den Fällen wo es räumlich oder zeitlich nicht möglich ist Beleuchtung aufzubauen und aber genügend Licht vorhanden ist. Dass man dabei nicht auf räumliche und farbliche Kontraste verzichten muss, zeigt das folgende Beispiel.

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(Sendung: Thema vom 12.10.2009 – Beitrag: Jugend in der Krise)5

Bei der Gestaltung konnte in diesem speziellen Fall auf sehr viel gegebenes Licht zurückgegriffen werden, da direkt auf einer Theaterbühne gedreht wurde. Gleichzeitig war es jedoch nicht möglich eigenes Licht aufzubauen, da auf der Bühne Umbau- und Reparaturarbeiten durchgeführt wurden. Allerdings konnte ohne weiteres durch das vorhandene Licht ein kontrastreiches und mehrstufiges Bild aufgebaut werden. So ist der Vordergrund mit dem Interviewpartner in gelbliches Licht getaucht, welches direkt von Scheinwerfern am Theaterhimmel kommt. Sein direkter Hintergrund, der Raum in dem er sich bewegt ist durch die Farbe der Bühne in einen gräulichen Farbton getaucht und zeichnet sich daher gut vom Vordergrund ab. Im weiteren Verlauf des Bildes kommt die Farbe Gelb ein weiteres Mal zum Einsatz, nämlich im Hintergrund, oder - räumlich gesprochen - im Zuschauerraum. Somit kann der Zuseher/die Zuseherin klar den interessanten und wichtigen Inhalt, nämlich den Interviewpartner vom Rest des Bildes abgrenzen, erhält aber auch ein für das Auge ansprechendes Bild. Solche Gegebenheiten findet man natürlich nicht überall vor – ganz im Gegenteil. In den meisten Fällen, vor allem in der aktuellen Berichterstattung, muss man sich mit dem Ort abfinden, an dem sich der Gesprächspartner/die Gesprächspartnerin befindet. Dass dies nicht immer unbedingt ein schön beleuchtetes Bild bedeutet, zeigt das folgende Beispiel.                                                                                                               5

Matscheko, Florian: Thema – Jugend in der Krise. ORF, 12.10.2009. 05´39´´. Seite 10 von 30


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(Sendung: Bürgerforum vom 30.06.2010 – Die Schuldigen der Krise)6

Dieses Bild zeigt, wie schnell es bei der Arbeit mit vorhandenem Licht und natürlich auch einer unüberlegten Wahl der Perspektive, dazu kommen kann, dass Vordergrund und Hintergrund verschwimmen und sich der Zuseher/die Zuseherin sich nicht mehr auf den relevanten Bildinhalt konzentrieren kann. In diesem Fall „erschlägt“ die Bücherwand, durch fehlende räumliche Distanz und durch fehlende Lichtkontraste, den freundlichen älteren Herren. Anhand der beiden Beispiele sieht man, dass mit vorhandenem Licht ein ansprechendes und interessantes Bild erzeugt werden kann. Dies erfordert jedoch Zeit und die Möglichkeit sich am Drehort frei bewegen zu können, um den passenden Ausschnitt zu wählen. 5.3.

Licht zur Aufhellung

An vielen Drehorten bzw. bei Interviewpartnern/Interviewpartnerinnen in Büros oder auch im Freien kommt es vor, dass für ein ausreichend beleuchtetes Bild nicht genügend Licht vorhanden ist. Wenn die zeitlichen Ressourcen zudem knapp sind, kommt zu diesem Zweck das Kamerakopflicht zum Einsatz. Dies ist eine kleine                                                                                                               6

Matscheko, Florian: Bürgerforum – Die Schuldigen der Krise. ORF, 30.06.2010. 32´30´´. Seite 11 von 30


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Lampe, die direkt oberhalb des Objektivs angebracht ist und zum Aufhellen im Nahbereich der Kamera genügt. Die zweite Alternative ist mit einem zusätzlichen Scheinwerfer den Gesprächspartner/die Gesprächspartnerin direkt anzustrahlen bzw. mit einer Streulichtlampe den ganzen Raum aufzuhellen. 5.3.1. Einsatz von Kamerakopflicht Das Kamerakopflicht dient schon alleine auf Grund von Größe und Leuchtkraft nur zum Aufhellen von Objekten, die sich direkt vor dem Objektiv befinden. Da es sich bei dieser Lichtquelle auf Grund der kleinen Baugröße meist um hartes Licht handelt, entstehen dabei oftmals unschöne

Schlagschatten

im

Gesicht

des

Interviewpartners/der

Interviewpartnerin. Durch den geringen Abstand zum Interviewpartner/zur Interviewpartnerin kann es natürlich zu Blendungen beim Gegenüber kommen. 5.3.2. Einsatz von zusätzlichen Leuchtmitteln Im Gegensatz zum Kamerakopflicht sind unabhängige Scheinwerfer flexibler im Raum zu positionieren und verhindern somit das zu direkte anstrahlen des Gegenübers. Durch die Verwendung eines einzelnen Scheinwerfers kann es jedoch, wie man im nächsten Beispiel sieht, zu unschönen Schatten hinter und auch auf dem Interviewpartner/der Interviewpartnerin kommen. Um diese so genannten Schlag- und Wurfschatten zu vermeiden, können spezielle Aufsätze für die Lampen, die das Licht streuen und „weicher“ machen und somit diese Art von Schatten reduzieren, verwenden werden. Im folgenden Beispiel sieht man den Einsatz eines solchen Aufsatzes und das

damit

einhergehende

nahezu

Interviewpartners.

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schattenfreie

Gesicht

des


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(Sendung: Bürgerforum vom 30.06.2010 – Die Schuldigen der Krise)7

5.4.

Licht zur Hervorhebung von Prioritäten

Zusätzlich zur Möglichkeit Licht zur reinen Aufhellung zu benutzen, besteht auch die Möglichkeit mit zusätzlichen Lampen spezielle Aspekte eines Raumes oder Ortes hervorzuheben um diese in der Wahrnehmung des Zusehers/der Zuseherin zu stärken. Das folgende Beispiel zeigt die Funktion einer solchen Lichtsetzung. Das Führungslicht, also das Licht welches auf das Objekt von Interesse gerichtet ist, fällt hier nur auf den Teil des Bildes in dem die Türschnalle zu sehen ist. Und obwohl dieses Licht unnatürlich erscheint, ist für jeden Zuseher/jede Zuseherin klar, worauf er/sie seine/ihre Aufmerksamkeit zu richten hat, nämlich auf die Türschnalle.

(Sendung: Thema vom 13.03.2010 – Die Akte Josef F.)8

                                                                                                              7 8

Matscheko, Florian: Bürgerforum – Die Schuldigen der Krise. ORF, 30.06.2010. 33´09´´. Rubenthaler, Feurstein, Matscheko: Thema – Die Akte Josef F. ORF, 13.03.2009. 02´10´´. Seite 13 von 30


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Ein simpleres und auch klassischeres Beispiel, wie es sich häufig in der Kulturberichterstattung

findet,

ist

ein

Promotionsinterview

von

Schauspielern/Schauspielerinnen für den entsprechenden Film. Hier ist das Hauptaugenmerk natürlich auf den sprechenden Schauspieler/die sprechende Schauspielerin gerichtet, aber ein zusätzlicher, schwächerer Scheinwerfer ist auf ein neben ihm/ihr stehendes Filmposter gerichtet und vermittelt so dem Seher/der Seherin, dass es hier hauptsächlich um diesen speziellen Film geht. 5.5.

Licht als Gestaltungsmittel

Alle vorangegangenen Beispiele sind im Wesentlichen auch schon immer gestalterische Praktiken, jedoch sind sie oft nur Mittel zum Zweck. Nicht in allen Bereichen der Fernsehberichterstattung ist es überhaupt notwendig, aufwendig mit Licht zu gestalten. Aber gerade für längere Berichte und Dokumentationen ist die Arbeit mit Licht ein unerlässliches Hilfsmittel, um seine Geschichte zu erzählen. Licht kann, richtig eingesetzt, neue Räume erschaffen, bestehende Räume verkleinern oder vergrößern und bestimmten Räumen und Szenen Bedeutungen zuweisen. Die technischen Mittel, die dazu angewendet werden, sind im Wesentlichen die gleichen, wie in den bereits erwähnten Situationen, jedoch in Kombination und natürlich gezielt eingesetzt. Arbeitet man mit Licht, so entsteht natürlich auch immer Schatten. Dieser kann richtig genutzt - auch gestaltende Wirkung haben. 5.5.1. Arbeit mit Licht Die einfachste und grundlegendste Beleuchtung einer Szene ist die so genannte 3-Punkt-Beleuchtung. Sie bietet die Basis für viele weitere Beleuchtungsformen und ist es daher wert, dass man sich mit ihr genauer beschäftigt. 5.5.1.1.

3-Punkt-Beleuchtung

Für die 3-Punkt-Beleuchtung setzt man, wie der Name bereits anklingen lässt, drei Lichtquellen ein. Man benötigt für diese Methode zumindest ein Seite 14 von 30


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Aufhellungslicht (oder auch Fülllicht), ein Führungslicht und ein Gegenlicht. Die Quellen aus denen dabei das Licht kommt, können natürliches wie auch künstliches Licht sein. Die Positionen der Lichter aus Sicht der Kamera sind dabei folgende: Das Führungslicht befindet sich schräg über dem zu beleuchtenden Objekt. Das Fülllicht befindet sich seitlich vor dem Objekt und das Gegenlicht befindet sich seitlich vor dem Objekt und ist meist weiter entfernt oder eher schwach. Dem Führungslicht kommt bei dieser Form der Beleuchtung die Aufgabe zu, das zu filmende Objekt direkt zu beleuchten. Das Aufhelllicht hellt dabei den Drehort als ganzen auf. Das Gegenlicht hebt, durch die Beleuchtung des Objektes von hinten, das Objekt oder den Interviewpartner/die Interviewpartnerin vom Rest des Raumes ab und gibt damit dem 2-Dimensionalen Bild Tiefe.9

(Sendung: Thema vom 13.03.2010 – Die Akte Josef F.)10

Das obige Beispiel zeigt eine klassisch umgesetzte 3-Punkt-Beleuchtung in einem abgedunkelten Raum. An den Haaren der Interviewpartnerin lässt sich die Spiegelung des Führungslichtes erkennen. Das Fülllicht wird in diesem                                                                                                               9

vgl. Malkiewicz, Kris: Film Lighting. Fireside. 1986, New York. S. 104.

10

Rubenthaler, Feurstein, Matscheko: Thema – Die Akte Josef F. ORF, 13.03.2009. 04´45´´. Seite 15 von 30


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Fall auch benutzt um der schwarzen Wand, auf die die Projektion geworfen wird, noch zusätzliche Struktur zu geben. Das Gegenlicht grenzt die Orange gehaltene Interviewpartnerin vom blauen Hintergrund ab. Dieser Kontrast wird in der Arbeit noch ausführlicher erörtert. In der nachfolgenden Skizze ist noch einmal das Konzept der 3-Punkt-Beleuchtung schematisch dargestellt.

Skizze: klassische 3-Punkt-Beleuchtung mit Gegenlicht links11

Die 3-Punkt-Beleuchtung dient in variierten Formen als Grundlage für viele Gestaltungsformen. Dabei wird oftmals die Anzahl der Lichter variiert, aber das Prinzip bleibt dabei erhalten. 5.5.1.2.

Raumgestaltung mit Licht und Schatten

Licht kann nicht nur als Dekoration eines Raumes dienen, so wie es hier bisher dargestellt wurde, durch den richtigen Einsatz von Licht und Schatten hat man auch die Möglichkeit, nicht vorhandene Räume zu erzeugen. In vielen Fällen in der semiaktuellen Fernsehgestaltung kann es notwendig sein einen Raum zu zeigen, von dem man entweder nicht weiß, wie er aussieht oder ihn nicht zeigen kann oder will. Trotzdem kann es für die Geschichte von Nöten sein, dass Handlungen, die an diesem Ort passiert sind gezeigt werden. In diesem Fall greift man darauf zurück, die Handlung von dem Raum, in dem die Handlung passiert, zu isolieren. Zusätzlich kann ein „unvollständiger“ Raum visuell als reizvoll wahrgenommen werden, da dabei                                                                                                               11

Quelle: http://www.univie.ac.at/video/aufnahme/lichtanordung.htm Zugriff: 12.09.2010 Seite 16 von 30


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die Phantasie der Zuseher/Zuseherinnen gereizt wird, zu ergänzen, was sich noch in dem Raum befinden könnte. Dies trifft sowohl auf Räume, wie auch auf Figuren zu. „Wenn diese Schatten die Figuren nur teilweise überdecken, entsteht eine visuelle Spannung, die danach drängt, den verdeckten Anteil der Form zu ergänzen. Dabei sind, wie bei den zuvor beschriebenen Codes, sowohl expressiv als auch dekorativ erscheinende Codes feststellbar.“12 Somit kann das Licht in einem Raum zweierlei Funktion erfüllen. Zum einen um eine Geschichte zu erzählen und zum anderen für die nötige Dekoration zu sorgen. Im folgenden Beispiel wurde Licht für beide Fälle eingesetzt. Im konkreten Fall war die Grundidee der Geschichte das Leid von Elisabeth Fritzl, welche von ihrem Vater im Keller des Elternhauses jahrelang gefangen gehalten wurde, zu zeigen. Zu diesem Zeitpunkt waren noch keine Informationen darüber vorhanden, wie die Form der Räumlichkeiten im Keller war oder wie die Frau dort gefangen gehalten wurde. Die einzige Information, auf die zurückgegriffen werden konnte, war ein Tagebuch, das Elisabeth Fritzl in der Zeit ihrer Gefangenschaft geführt hatte. Dramaturgisch war die Idee ihre Geschichte bereits etwas früher in ihrem Zimmer beginnen zu lassen und diese bis zur Geburt des ersten Kindes in Gefangenschaft zu zeigen. Dabei sollte die Handlung und auch der Bildinhalt möglichst stark von der Realität abstrahiert werden, um nicht Gefahr zu laufen voyeuristisch zu wirken. Daher war auch die Bildidee, die Dinge, die im Keller passiert sind zu zeigen, ohne den Keller und natürlich ohne die tatsächlichen Handlungen zu zeigen. Die Lichtgestaltung erhebt in diesem Zusammenhang in keiner Weise den Anspruch, als real zu gelten. Lichtstrahlen können somit auch aus einer Richtung kommen, die für einen tatsächlichen Keller unmöglich erscheinen. Auf der Gestaltungsebene war die Idee, die Szenen im Kinderzimmer und im Keller bereits durch die Farbtemperatur klar zu trennen. So sind die Szenen im Kinderzimmer eher im warmen gelblich-orangen Bereich angesiedelt und die Kellerszenen in einem eher kalten grauen Ton. Bei dieser Art des Farbkontrastes spricht man von einem Sukzessivkontrast. Das bedeutet, dass                                                                                                               12

Mikunda, Christian: Kino spüren. Strategien der emotionalen Filmgestaltung. WUV. 2002, Wien. S. 136f. Seite 17 von 30


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die kontrastgebenden Farben nicht in einem Bild gemeinsam zu erkennen sind, sondern zeitlich aufeinander folgen. Auf diese Kontraste will ich später in Kapitel 5.5.2. noch genauer eingehen. Technisch umgesetzt wurde die Szene in einem Studio. Als Aufbauten dienten lediglich ein Stahlbett sowie ein kleiner Schreibtisch nebst Schreibtischlampe. Auf technischer Ebene wurde ein Fülllicht in Form eines 1000 Watt-Strahlers an der Studiodecke sowie mehrere schwächere Führungslichter für die einzelnen auftretenden Personen eingesetzt.

(Sendung: Thema vom 13.03.2010 – Die Akte Josef F.)13

Im oben gezeigten Beispiel wurde auf Grund der Einstellungsgröße (Totale) sogar nur mit einem Licht, nämlich mit dem Aufhellungslicht, gearbeitet. Durch ein sehr starkes eingesetztes Licht in Kombination mit einer geschlossenen Blende entsteht hier der Eindruck, dass die Protagonistin ausschließlich von schwarz umgeben ist. In Wirklichkeit sind dort natürlich die Studiowände zu sehen. Im Kopf des Zusehers/der Zuseherin ergänzt sich jedoch durch die erzählte Geschichte und durch das bereits vorhandene Vorwissen natürlich der Kellerraum um das Mädchen. Durch die Mischung aus tatsächlichen

                                                                                                              13

Rubenthaler, Feurstein, Matscheko: Thema – Die Akte Josef F. ORF, 13.03.2009. 05´23´´. Seite 18 von 30


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gezeigten Bildern und der Phantasie der Zuseher/Zuseherinnen entsteht hier ein spannender Bildaufbau. Gleichzeitig war dies die erste Szene, die das Publikum von den Kellerräumlichkeiten

zu

sehen

bekam.

Durch

die

recht

totale

Einstellungsgröße konnten sie sich so ein erstes Bild des Raumes verschaffen. Für uns ist dieses Bild nicht nur deshalb interessant, sondern auch weil es die Grundbeleuchtung dieser Sequenz zeigt. Im nächsten Beispiel sieht man nun die Verwendung des Führungslichtes bei näheren Einstellungsgrößen.

(Sendung: Thema vom 13.03.2010 – Die Akte Josef F.)14

Hier wurde der Fokus des Fülllichtes vom Bett auf den Schreibtisch verlegt. Damit wird auch der Fokus der Handlung zum Schreibtisch hin verlegt. Zusätzlich zum Füll- wird hier noch ein Führungslicht auf den Rücken des männlichen

Darstellers,

sowie

die

Schreibtischlampe

als

On-Screen

Lichtquelle eingesetzt. Dabei ist durch die Lichtführung der Fokus der Szene klar auf zwei Bereiche des Bildes gelegt. Nämlich auf die schreibende Hand der Darstellerin, sowie auf den Rücken des Darstellers. Durch die farblichen                                                                                                               14

Rubenthaler, Feurstein, Matscheko: Thema – Die Akte Josef F. ORF, 13.03.2009. 05´53´´. Seite 19 von 30


„Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion“

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Kontraste zwischen dem Schauspieler (dunkel, blau) und der Schauspielerin (hell, weiß) sowie durch den Niveauunterschied der Beiden und durch die schräge Kameraperspektive wird das Bedrohungsszenario noch zusätzlich verstärkt.

Bei

dieser

Art

des

Kontrastes

spricht

man

von

einem

Simultankontrast, das bedeutet die kontrastgebenden Farben oder Elemente werden gleichzeitig wahrgenommen. Ebenso kann Schatten einen zur Gänze erkennbaren Raum optisch beschränken. Dies funktioniert mit Licht, welches nur auf einen bestimmten Aspekt des Bildes gelegt wird und der Rest im Schatten bleibt. Im nachfolgenden Beispiel wird durch die Perspektive und die Lichtsetzung verdeutlicht wie eingeengt die Frau in ihrer Jugend war.

(Sendung: Thema vom 13.03.2010 – Die Akte Josef F.) 15

5.5.2. Arbeit mit Kontrasten So, wie der Schärfeeindruck immer auch von der Relation zu einer unscharfen Ebene abhängig ist, ist auch die Wahrnehmung von Farben immer von der Relation, in der die Farben zu sehen sind, abhängig.                                                                                                               15

Rubenthaler, Feurstein, Matscheko: Thema – Die Akte Josef F. ORF, 13.03.2009. 04´37´´. Seite 20 von 30


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Dabei reicht das Spektrum von sehr einfachen und bekannten Kontrasten wie Hell und Dunkel bis hin zu komplexeren Kontrasten, die auf Komplementärfarben zurückgreifen. Grundsätzlich

unterscheidet

Sukzessivkontraste

und

die

man

zwei

Arten

Simultankontraste.

von

Kontrasten:

die

Sukzessivkontraste

sind

Kontraste welche zeitlich nacheinander auftreten. Das bedeutet, die einzelnen Einstellungen, die kontrastgebend sind, sind durch einen Schnitt, eine Kamerabewegung oder eine Lichtveränderung im Bild zeitlich getrennt. In unserem Beispiel wurde diese Art des Kontrastes eingesetzt, um die Szenen im Kinderzimmer von jenen im Keller zu trennen. Die zweite Variante ist der so genannte Simultankontrast. Dabei sind die kontrastgebenden Objekte in einer Einstellung zu finden. In unserem Beispiel ist dies der dunkel gehaltene Vater auf die strahlend helle Tochter.

(Sendung: Thema vom 13.03.2010 – Die Akte Josef F.)

16

Zusätzlich zu diesen grundlegen Arten der Kontraste ist natürlich auch immer die Farbwahl von Bedeutung. 5.5.2.1.

Hell-Dunkel Kontrast

Der Hell-Dunkel Kontrast ist der Kontrast, der im Fernsehbereich wohl am häufigsten eingesetzt wird, da er technisch einfach zu produzieren ist. Der helle Bereich wird beleuchtet und der dunkle einfach nicht. Der Vorteil an                                                                                                               16

Rubenthaler, Feurstein, Matscheko: Thema – Die Akte Josef F. ORF, 13.03.2009. 05´10´´. Seite 21 von 30


„Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion“

Florian Matscheko

dieser Art des Kontrastes ist, dass durch die dunklen Bereiche der helle Bereich wesentlich stärker als hell wahrgenommen wird. Das gleiche gilt natürlich umgekehrt auch. Gleichzeitig dazu beeinflusst dieser Kontrast auch noch die Art der Empfindung. „Für den Fall, daß die Lichtwellen alle Spektralfarben des elektromagnetischen Spektrums gleichermaßen enthalten, entsteht reines Weiß, das die höchstmögliche Leuchtdichte und Helligkeit aufweist. Während die beiden Buntfarbsysteme nicht erregt werden, spricht das leuchtende Weiß das Helligkeitssystem optimal an. Daraus resultiert die emotionale Aktivierung des Wahrnehmenden. Man kennt diese Wirkung aus eigener Anschauung. Ein heller, sonniger Tag, der einer Periode trüben Wetters folgt, stimuliert auf angenehme Weise.“17 Dies bedeutet, dass der helle Bereich für die Zuseher/Zuseherinnen aktivierend und damit positiv wahrgenommen wird. In unserem Beispiel wirkt also das Mädchen auf das Publikum positiv, während der Vater des Mädchens eher hemmend und damit negativ wirkt.

(Sendung: Thema vom 13.03.2010 – Die Akte Josef F.)

5.5.2.2.

18

Farbliche Kontraste

Die Arbeit mit farblichen Kontrasten kann bei der richtigen Farbwahl dazu führen, dass die beiden benutzten Farben vom Publikum stärker rezipiert werden. Bei falscher Anwendung kann dies jedoch auch genau den                                                                                                               17

Mikunda, Christian: Kino spüren. Strategien der emotionalen Filmgestaltung. WUV. 2002, Wien. S. 250f.

18

Rubenthaler, Feurstein, Matscheko: Thema – Die Akte Josef F. ORF, 13.03.2009. 04´10´´. Seite 22 von 30


„Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion“

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gegenteiligen Effekt zur Folge haben und die benutzten Farben abschwächen. Auf Grund des höheren Planungs- und Lichtaufwandes findet diese Art der Lichtsetzung vor allem in szenischen Arbeiten sowie geplanten Interviews Anwendung. Auch diese Kontraste kann man sowohl als Sukzessiv- als auch als Simultankontrast

einsetzen.

Dabei

ist

jedoch

die

Wirkung

des

Sukzessivkontrastes die stärkere, wenn man hart von der einen Farbe in die andere Farbe schneidet.19 Zusätzlich verstärkt wird diese Wirkung bei Komplementärfarben. Besonders beliebt ist dabei der Einsatz von den Komplementärfarben Blau und Orange/Gelb. Dieser Kontrast findet schon alleine deswegen besonders häufig Einsatz, weil Orange/Gelb der Hautfarbe der Menschen am ehesten entspricht und damit der Aufwand in Nachbearbeitung und beim Dreh sehr gering ist. Benutzt man nun eine bläuliche dunkle Farbe als Hintergrund, ist es für das Publikum wesentlich leichter diese von der Umgebung abzuheben und als wichtig wahrzunehmen. Wichtig bei dem Verständnis und der Arbeit mit solchen Kontrasten ist auch, dass die hellere Farbe eher in den Vordergrund und die dunklere Farbe dabei eher in den Hintergrund tritt. Wie bereits im vorhergehenden Beispiel gezeigt, wird der kleinere, hellere Bereich als Zentrum der Handlung wahrgenommen obwohl der größte Bereich des Bildes schlicht schwarz ist. Dabei ist auf der wahrnehmungspsychologischen Ebene die Form des Farbverlaufes, die das Wahrnehmen des Bildes für unser Hirn am ansprechendsten gestaltet, die so genannte S-Kurve des Farbverlaufes.20

                                                                                                              19

vgl. van Appeldorn, Werner: Handbuch der Film- und Fernseh- Produktion. 2002, München. S. 330.

20

Vgl. http://www.digitalcinemafoundry.com/2010/04/02/why-the-so-called-blockbuster-lookcolor-grading-explained/ Zugriff: 10.09.2010. Seite 23 von 30


„Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion“

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(Sendung: Thema vom 13.03.2010 – Die Akte Josef F.)21

In dem hier angeführten Beispiel sieht man die angesprochene S-Kurve des Farbkontrastes, dargestellt durch ein so genanntes Vektorskop. Diese S-Kurve bedeutet also starke Kontraste auf der farblichen Ebene sowie auch auf der Hell-Dunkel-Ebene. Und genau diese Kombination aus maximalem Kontrast auf der Chroma-Ebene, also auf der Farbebene sowie auf der Luma-Ebene, also auf der Helligkeitsebene, macht den Blau-Gelb-Kontrast für das Publikum so spannend.22 In diesem Beispiel entsteht dieser Kontrast durch die gelbliche Lichtsetzung auf das Mädchen sowie auf die weißliche Lichtsetzung auf das blaue Hemd des Mannes - man spricht hier also von einem Simultankontrast. Diese Art des Kontrastes wird auch gerne in Interviewsituationen verwendet, da er leicht zu erzeugen ist und auch ein interessantes Bild bietet. Im nachfolgenden Beispiel sieht man deutlich die gelblich, orange Lichtsetzung auf die Interviewpartnerin sowie die blaue Farbgebung des Hintergrundes. Dadurch entsteht trotz der räumlichen Nähe der beiden Bildebenen optisch eine sehr starke Trennung durch den maximalen Kontrast in Farbe und Helligkeit.

                                                                                                              21

Rubenthaler, Feurstein, Matscheko: Thema – Die Akte Josef F. ORF, 13.03.2009. 05´53´´. Vektorskopanalyse: Final Cut Pro.

22

Vgl. http://laamc.wordpress.com/2010/04/19/why-the-so-called-“blockbuster”-look-colorgrading-explained/ Zugriff: 10.09.2010. Seite 24 von 30


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(Sendung: Thema vom 13.03.2010 – Die Akte Josef F.)23

Stärker wirkt diese Dynamik auf den Zuseher wenn diese Farben großflächig aufeinander folgen. Dies zeigt das nächste Beispiel.

(Sendung: Thema vom 13.03.2010 – Die Akte Josef F.)24

In

diesem

Beispiel

sieht

man

sehr

schön

die

Wirkung

eines

Sukzessivkontrastes. Dadurch, dass das erste Bild durch die rötliche Farbgebung sehr warm wirkt, wirkt das nachfolgende Grau, durch den Kontrast noch viel stärker kalt und uneinladend.25

                                                                                                              23

Rubenthaler, Feurstein, Matscheko: Thema – Die Akte Josef F. ORF, 13.03.2009. 04´45´´.

24

Rubenthaler, Feurstein, Matscheko: Thema – Die Akte Josef F. ORF, 13.03.2009. 03´41´´f.

25

Vgl. Meerwein, Gerhard: Farbe – Kommunikation im Raum. 2007, Frankfurt. S. 25ff. Seite 25 von 30


„Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion“

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Allerdings darf nach Appeldorn der Zuschauer/die Zuschauerin, „durch den Bildwechsel (…) keinen durch Farb- oder Helligkeitssprünge ausgelösten Farbschock bekommen – es sei denn, ein solcher Schock ist Bestandteil der Erzählung oder des Berichts und daher beabsichtigt.“26 Daher ist besonders bei der Arbeit mit Kontrasten notwendig, bei der Gestaltung darauf zu achten, dass trotz der starken farblichen Kontraste ein harmonischer Gesamteindruck entsteht. In dem oben angeführten Beispiel gelingt dies durch einen einfachen optischen Trick, eine Feinstrumpfhose wurde vor dem Objektiv der Kamera befestigt. Durch den leichten Grauschleier und die starke Weichzeichnung entsteht trotz des Kontrastes eine optische Kontinuität. Grundsätzlich sollte man jedoch sparsam mit dem Einsatz von großflächigen Kontrasten umgehen denn „führt man (...) dem Zuschauer sukzessive mehrere Bilder vor, von denen jedes einzelne einen neuen Weiß-Abgleich der Wahrnehmung erfordert, so wirkt dies sehr ermüdend und störend.“27 5.6.

Licht als Mittel zur Diskussionsleitung

Wie wir im vorhergehenden Kapitel also gesehen haben, kann die Farbe des Lichtes für das Publikum anregend und aktivierend oder eben auch gegenteilig wirken. Auf genau diese Funktionen greift man in der Fernsehproduktion zurück, wenn es darum geht, größere Diskussionen zu leiten und für die Zuseherinnen und Zuseher ansprechend zu gestalten. Bei großen Diskussionssendungen, unter Umständen mit Publikumsbeteiligung, kommt dem Licht große Bedeutung zu. Es zeigt an, wer gerade am Wort ist bzw. von wem erwartet wird, etwas zu sagen. Damit kann der räumliche Fokus je nach Bedarf verändert werden.

                                                                                                              26

van Appeldorn, Werner: Handbuch der Film- und Fernseh- Produktion. 2002, München. S. 327.

27

van Appeldorn, Werner: Handbuch der Film- und Fernseh- Produktion. 2002, München. S. 20. Seite 26 von 30


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Das einfachste Setting ist demnach der Fall, in dem Gesprächspartner in der Mitte sitzen oder stehen und stark beleuchtet sind, während das Publikum im Hintergrund weniger stark beleuchtet ist.

(Sendung: Bürgerforum vom 30.06.2010)28

Wie bereits zuvor erwähnt ist ein einfaches Mittel um die Aufmerksamkeit des Publikums zu steuern ein Hell-Dunkel Kontrast. Der aktive Teil der Diskussionsrunde sitzt dabei in hellem Licht und der passive Teil in dunklem Licht. In nachfolgendem Beispiel ist dies der Fall, um zwischen aktivem Publikum, welches generell auch Fragen stellen darf und Diskutanten/Diskutantinnen zu trennen.

                                                                                                              28

Bürgerforum, 30.06.2010, ORF. SV: Peter Baminger. R: Andreas Baumgarten. 09:34. Seite 27 von 30


„Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion“

Florian Matscheko

(Sendung: Bürgerforum vom 30.06.2010)29

Hier

sieht

man

ganz

klar,

dass

das

passive

Publikum,

hinter

den

Diskutanten/Diskutantinnen in deutlich dunklerem Licht sitzt, als das Publikum ihnen gegenüber, welches sich auch an der Diskussion beteiligen darf. Dieser Kontrast ist schon alleine durch die räumliche Nähe zwischen den Diskutanten/Diskutantinnen und dem passiven Publikum notwendig. Somit ist die Aufgabe des Lichtes hier in zwei Bereichen geteilt. Es verdeutlicht dem Publikum vor den Fernsehgeräten wer nun gerade am Wort ist und hat auch den gleichen Effekt für die Diskussionsteilnehmer/-teilnehmerinnen im Studio. Damit erleichtert die Lichtsetzung in diesem Fall auch dem Moderator die Führung der Diskussion. Ähnlich kann man dabei innerhalb einer Gruppe von Diskutanten/Diskutantinnen vorgehen. Dabei wird ebenso der aktive Teil heller beleuchtet als der passive Teil. Dies dient auch der besseren Orientierung des Publikums, hilft aber auch ungeübten Gesprächspartnern/-partnerinnen richtig einzuschätzen wann sie am Wort sind.

                                                                                                              29

Bürgerforum, 30.06.2010, ORF. SV: Peter Baminger. R: Andreas Baumgarten. 54:02. Seite 28 von 30


„Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion“

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6. Zusammenfassung Licht dient also nicht der bloßen Belichtung des lichtempfindlichen Materials. Viel mehr kann es Bildern Bedeutung geben, Szenen kann es Stimmung geben und es kann Zusammenhänge herstellen, aber auch klare Grenzen ziehen. Der gekonnte Einsatz von Licht ist daher bei jeder Produktion von Nöten, deren Ziel es ist, dem Publikum mehr zu bieten, als die reine Informationsvermittlung. Viele der angeführten Beispiele sind natürlich nicht bis ins Detail geplant entstanden. Oft kommt es bei der Gestaltung (semi-)aktueller Berichte auf Gefühl des Gestalters/der Gestalterin, des Kameramanns/-frau und nicht zu Letzt des Cutters/Cutterin an. Nur in den seltensten Fällen hat man tatsächlich die Zeit sich vor Drehbeginn so detailliert mit der Beleuchtung zu beschäftigen.

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7. Literaturverzeichnis van Appeldorn, Werner: Handbuch der Film- und Fernsehproduktion. 2002, München. Monaco, James: Film verstehen. 2009, Reinbek bei Hamburg. Meerwein, Gerhard: Farbe – Kommunikation im Raum. 2007, Frankfurt. Gehr, Herbert; Ott, Stephan: Film-Design. Visual Effects für Kino und Fernsehen. 2000, Bergisch Gladbach. Mikunda, Christian: Kino spüren. Strategien der emotionalen Filmgestaltung. 2002, Wien. Hampe, Barry: Making documentary films and videos. 2007, New York. Pürer, Heinz: Praktischer Journalismus. 1990, Salzburg.

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Lichtgestaltung in der aktuellen Fernsehproduktion  

Bachelorarbeit Florian Matscheko

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