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Landminen –

Realität und Wahrnehmung


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Realität und Wahrnehmung


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Landminen – Realität und Wahrnehmung


Editorial

“You step over the line is like you stepped on a landmine –  BOOOM …” The Alchemist & Oh No – All Bad   > S. 112–113

Obwohl die Herstellung und der Einsatz von Landminen seit der Ottawa-Konvention von 1997 eingeschränkt sind, mar­kieren die »anonymen Killer« in vielen ehemaligen und aktuellen Krisengebieten noch immer die oft zitierte dünne Linie zwischen Leben und Tod. Jeden Tag verunglücken im Schnitt elf Menschen, weil sie auf eine Mine treten. Mehrere tausend Quadratmeter Land sind durch Land­ minen in Brachland verwandelt worden. Schon ein einfacher Spaziergang kann hier den Tod bedeuten; an Landwirtschaft ist in vielen Gegenden nicht mehr zu denken. Umso erstaunlicher ist daher, dass die LandminenProblematik in der journalistischen Berichterstattung nur wenig präsent ist. Mehr als ein reich bebilderter Boule­ vard-Bericht über einen Minenräum-Charity-Einsatz Prinz Harrys lässt sich in den deutschen Medien kaum finden. Stattdessen hat die Landmine in vielen Bereichen eine gesellschaftliche, kulturelle und mediale Verklärung er­ fahren, der die Hilfsorganisationen mit immer drastischeren Bil­dern von Minenopfern entgegenzutreten versuchen, um die Auf­merksamkeit wieder auf den wahren Kern des Problems zu legen. Die vorliegende grafisch-typografische Arbeit “Front toward Enemy” versucht sowohl die alltagskulturelle als auch die humanitäre Auseinandersetzung mit dem Thema »Landmine« aufzufangen, um den Betrachter darüber mit dem gestörten Verhältnis von Dar­stellung, Wahrnehmung und Realität zu konfrontieren. Viele Daten und Grafiken dieses Buches beziehen sich lediglich auf die nach der OttawaKonvention verbotenen Antipersonenminen. Auch Antifahrzeugminen, die nach Ottawa weiterhin erlaubt sind, können jedoch gegen Personen wirken. Die in diesem Buch dargestellten Zahlen und Informationen verweisen also oftmals auf eine noch drastischere Realität, in­ dem sie die »legale« Tötung von Menschen durch Antifahrzeugminen teilweise ausblenden.


1 militär/ historie fakten/ politik Minen > S. 6–81

2 medien Gesellschaft

> S. 82–133

3 KUNST/ HUMANITÄt

> S. 134–181


Kein Buch über Minen kann die politischen Hinter­gründe und die militärischen Fakten ausblenden, zumal schon die militärische Verwendung und die harmlos-naiven Einsatzbeschreibungen eine eigene tödliche Ästhetik offenbaren, die den grausamen Folgen des Einsatzes in keinster Weise gerecht werden. Die Darstellung der politischen Hintergründe und militärischen Fakten stellt so bereits einen ersten Stolperstein in der grafisch-typogra­fischen Auseinandersetzung mit der Landminen-Thematik dar.

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1 militär/ historie

> S. 11–21

fakten/ politik > S. 23–47

Minen

> S. 49–80

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Kreiskontur

Als taktisches Zeichen beschreibt die Kreiskon­ tur beim Militär eine allgemei­ ne Mine.


1

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3–4

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Quellenangaben und Einzelnachweise befinden sich gesammelt am Ende des Kapitels. > S.81


der russe steht mitten in deutschland Und kauft sich fussballvereine der deutsche steht tief in afghanistan und landminen machen ihm beine

Heinz Rudolf Kunze – Irrland > S. 112–113


militär/ historie

> S. 11–21

Die Mine aus militärischtaktischer Sicht – im Gespräch mit Frank Abel (GICHD)

> S. 12–15

Minensperrnachweis

> S. 17

Definition

> S. 18

Historie

> S. 19

US-Klassifizierung für Panzerabwehrminen

> S. 20–21

Quellen 1

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> S. 81


Die Mine aus militärisch-taktischer Sicht – im Gespräch mit Frank Abel

Einleitung    Verbunden mit einer kriegerischen Operation ziel­ten operative und taktische Entwicklungen des Militärs immer darauf ab, so viel Land wie möglich einzunehmen. Dies war insbesondere im ersten und zweiten Weltkrieg der Fall. Gepanzerte Kräfte sollten so schnell wie mög­lich nach vorne gebracht werden, um Land zu besetzen, dieses Land zu halten und zu verteidigen. Um gegnerische Panzerverbände in der Be­ we­gung einzuschränken, bediente man sich nicht etwa der personalintensiven Panzerfaust oder der Panzerabwehrrakete, sondern sperrte ganze Landstriche durch Minensperren ab. Auf diese Weise wurden Kräfte und Mittel gespart. Minensperren waren schnell errichtet und enorm günstig. Panzer wurden hierdurch stark beschädigt oder gänzlich zerstört. > S. 20–21 Grundsätzlich gab es von militärischer Seite bis Anfang der 90er Jahre wesentliche operative und taktische Vorgaben. Man unterschied zwi­schen den drei Hauptgefechtsarten, in denen die Mine immer ein wesentlicher Bestandteil war: Angriff, Ver­tei­ digung, Verzögerung.

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Angriffsszenario (Sicht des Verteidigers) Das Angriffsszenario bezog sich beispiels­ weise auf einen Konflikt zwischen zwei Staaten, bei dem der Feind sich zur Ver­ teidigung eingerichtet hatte. Der Angreifende, der in das Gebiet des Verteidigers eindringen wollte, musste seine Kräfte in die feindliche Zone bringen. Um die gepanzerten Kräfte aufzuhalten legte der Verteidiger vor allem dort Minensperren aus, wo das offene Gelände dem gegnerischen Panzerverband ermöglichte, in breiter Formation und mit viel Feuerkraft anzugreifen. Eine andere Möglichkeit, um Panzer in ihrer Bewegung aufzuhalten, war der Einsatz von Panzersperren, die allerdings immer einen erheblichen Eingriff in Um­­gebung und Infrastruktur bedeuteten. Außerdem war diese Methode sehr teuer und mit einem extrem hohem Material­ verbrauch verbunden. Das Auslegen und Aufnehmen von Minensperren war hin­ gegen wesentlich einfacher und durch den geringeren Materialverbrauch auch kostengünstiger. Die Minen wurden einfach auf dem Bo­den oder direkt unter der Grasnabe verlegt. Durchschnittliche Minen­sperren waren zwischen 400 und 1500 Meter breit – immer abhängig von der Minenund Verlegeart. Sie sollten den feind­ lichen Angriff zum Stehen bringen. Die Mine wurde aus Sicht des Vertei­digers also dazu genutzt, das zu ver­tei­di­gen­de Gelände zu verstärken und dadurch die Bewegung angreifen­der Kräfte zu verlangsamen, zu behindern und so zu lenken.

Da ein Sperrung mit Minen je nach Um­­fang schon einmal sechs bis sieben Stunden dauern konnte, musste mit der Auslegung der Minen begonnen werden, noch bevor der Angreifer losgezogen war. Das Auslegen beruhte also nicht auf realen Bewegungen des Angreifers, sondern wurde vom »Worst Case Szenario« abgeleitet. Von den Angriffsmöglich­ keiten, die dem Gegner durch das Gelän­de gegeben waren, nahm der Verteidiger die für ihn schlimmste an. Heutzutage findet man daher häufig Minensperren, die aus jetziger Sicht keinen Sinn er­geben, da sie noch vor dem Angriff »blind« verlegt wurden. Angriffsszenario (Sicht des Angreifers) Der Angreifer musste immer davon ausgehen, dass der Verteidiger das Gebiet zu seinem Schutz vermint hatte. Er muss­te daher Kapazitäten bereit­halten, die ihn dazu befähigten, an den Schwachstellen der Verteidiger durchzubrechen. Nachdem diese zunächst aufgeklärt worden waren, wurden die Flanken des Angreifers, die stets den schwächsten Punkt des Panzertrupps darstellen, vom Verteidiger frühzeitig mit beweglichen Panzerabwehrwaffen angegriffen. So wurde die Bewegung des Angreifers früh eingeschränkt und kanalisiert. Begleitend zum Angriff verlegte der Verteidiger wei­tere Minensperren in sicherer Entfernung. Erreichte der Angreifer sein Ziel dennoch, so richtete sich dieser im Gelände zur Verteidigung ein, indem er, da wo es erforderlich war, selbst Minensperren ausbrachte. Somit wurde auch von Seiten des An­greifers wieder die Mine eingesetzt.

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Die Mine aus militärisch-taktischer Sicht – im Gespräch mit Frank Abel

Angriffsszenario (Verzögerung des Verteidigers)     Gefechtsart mit dem Zweck, angreifende Feindkräfte zeitlich begrenzt aufzuhalten und abzunutzen, ohne Widerstand bis zum Äußersten zu leisten, um dabei gleichzeitig die Kampf­ kraft der eigenen Truppe zu schonen. Auf diese Weise wurde keine Entscheidung gesucht; es sollten aber Voraussetzungen für andere Operationen geschaffen werden. Der militärische Führer gab dabei bewusst Raum auf, um Handlungsfreiheit oder Zeit zu gewinnen. Der Feind sollte dadurch in eine bestimmte Richtung ge­lenkt werden. Die Verzögerung konnte aus eigenem Entschluss resultieren oder durch die Lage erzwungen worden sein. Der Verteidiger verzögerte den Angreifer unter anderem durch Minensperren. Das durch Minensperren erzwungene Ausweichen und die dadurch entstandene Verzögerung raubte dem Angreifer Zeit zur Aufklärung. Gleichzeitig kostete den Angreifer die Überwindung und Öffnung der Sperren zusätzlich Zeit. Durch die Kanalisation des Angreifers in einem Öffnungspunkt der Sperren, wurde er außerdem zu einem vornehm­lichen Ziel für die verteidigende Artillerie.

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Frühe Minenarten lagen nach der Ablage für unbegrenzte Zeit im Feld, bis sie per Hand wiederaufgenommen oder sprengtechnisch geräumt wurden. Allerdings wurde die Bewegung der eigenen Truppen durch den verminten Bereich sehr stark eingeschränkt und der Kraftaufwand, der für die Aufnahme der Minen nötig wurde, war darüber hinaus immens. Weiter wurde man durch die Minen im fortlaufenden Gefecht stark eingeschränkt. Minen der neueren Generation zerstörten sich nach programmierter Wirkzeit daher von selbst oder entsicherten sich über den integrierten Selbstsicherungsmechanismus. Durch Minenverlegenachweise (Minensperrnachweise) > S. 17 , die von allen regulären Kräften angefertigt werden mussten, und die Kenntnis der unterschiedlichen Verlegemuster, konnten die Minen dann wieder aufgenommen werden. Um dem entgegenzuwirken, verlegte der Feind in einem Radius von ca. 1,50 Meter um die Panzerabwehrminen willkürlich Schützenabwehrminen. So sollte der Gegner an einer Aufnahme gehindert werden. Auch Entlastungszünder erfüllten die­sen Zweck und ließen die Mine bei der Aufnahme detonieren (Diese wurden allerdings auch in den Minensperrnachweisen dokumentiert, um nicht eigene Kräfte bei der Aufnahme in Gefahr zu bringen). Bei den militärischen Szenarien ging man allerdings davon aus, dass die Zivilbevölkerung, bevor eine kriegerische Auseinandersetzung begann, evakuiert war. Somit war sichergestellt, dass unbeteiligte Personen keinen Schaden nehmen würden. > S. 25–27


Schützenabwehrminen    wurden er­gänzend vom Militär dazu verwendet Panzerabwehrminen zu sichern und um Gelände zu sperren, in dem man mit vielen Fußsoldaten rechnen mus­ste (Wald, Gebirge). Insbesondere nachts und im schwer einsehbaren Gelände verfügte das Militär so über einen Indikator, um feindliche Gruppierungen im Anmarsch zu erkennen. Aber auch über diese »Einzelminen« wurde von regulären Kräften Buch geführt und Minensperrnachweise er­stellt, die über die Führungsebene in die zivile Verteidigungsebenen über­geben wurden. Militärische Sicht heute    Die Mine macht heute militärisch gesehen kei­­­nen Sinn mehr, weshalb sie kaum noch zum Einsatz kommt. Sie ist zu langsam und die Notwendigkeit der Verteidung von Landesgrenzen besteht bei vielen Kon­flikten momentan nicht. Andere Waffensysteme sind heute wesentlich prä­ziser und leichter einsetzbar. In modernen Gefechten fährt man in kleinen Verbänden sehr zielgenau in bestimmte Gebiete, die zuvor auf­geklärt worden sind. Der Einsatz von Minensperren jeglicher Art würde heutzutage zu viel Zeit und Kraft in Anspruch nehmen.

Problematik heute    Durch irreguläre Kräfte (z. B. Rebellen) werden Minen aus alten Gefechtsgebieten entnom­ men und dann von diesen gezielt dazu benutzt, Straßen zu sperren und zu terrorisieren. Sie gehen so gegen be­stimmte Personen oder Gruppierungen vor, um ihre Interessen durchzusetzen. Auch auf dem Schwarzmarkt werden Minen gehandelt, weshalb zahlreiche Menschen ihren Lebensunterhalt mit dem Auffinden von intakten Minen be­ streiten, die sie dann verkaufen. In Jugoslawien gab es beispielswei­se viele Hausbesitzer, die ihren Grund und Boden vor einer Evakuierung des Wohnortes mit Schützenminen gegen Feinde gesichert hatten. Problem dieser willkürlichen Verlegung ist – genau wie bei der Verlegung durch andere irre­­gu­läre Kräfte auch, dass die Minen nicht nachgewiesen und dokumentiert sind. Bei internen Kampfhandlungen bleibt Minenräumtrupps häufig nur das Eruieren vorheriger Kampfhandlungen, um so abzuschätzen, wo sich Minen be­finden könnten. Auch in Bürgerkriegen ist diese irreguläre Gefechtsführung gang und gäbe. Hinzu kommt das für diesen Zweck häufig so genannte “improvise explosive devices” (IED) > S. 80 , also improvisierte Sprengkörper, zum Bei­spiel aus Minen­teilen oder Artil­ leriegeschossen zusammengebastelt werden. Diese sind unberechenbar, da sie oftmals nicht identifiziert werden und damit auch nicht ohne weiteres entschärft werden können.

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Minensperrnachweis

PMA-2 > S. 66–67

TC-6 > S. 54–55

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Minensperrnachweis > (1992)


Nr. BIH

Daten Kartenblatt

Koordinaten

Legende

Geländeskizze

Minengruppen

Art und Anzahl der Minen gesamt Verlegeart

Art und Anzahl der Minen in den einzelnen Gruppen

Anlegende Einheit und Verteiler

Zustand der Sperre

Räumhinweise

Minensperren wurden üblicherweise mit soge­ nannten Minensperrnachweisen kartografiert, um die eigenen Truppen nicht zu gefährden und eine schnelle Räumung der Minen nach Kriegsende zu ermöglichen.

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Definition     > Historie

Definition    Eine Mine bezeichnet im Allgemeinen ein explosives Kampfmittel, das dazu be­stimmt ist, unter, auf oder nahe dem Erdboden angebracht und durch die Gegenwart, Nähe oder Berührung einer Person oder eines Fahrzeugs zur Explosion gebracht zu werden. Sie soll gegnerische Soldaten, Fahrzeuge und Panzer außer Gefecht setzen, den Gegner ver­unsichern, seine Handlungen lähmen, seine Bewegungen verzögern, Verkehrs- und Industrie­anlagen sowie andere Objekte zerstören. Minen werden auf Straßen, Wegen, im offenen Gelände, in Ort­ schaften, in Flüssen, Meeren, an Über­­setz- und Land­ungsstellen entweder nach einem bestim­­­m­ten Verlegeschema oder ohne festge­legte Ordnung verlegt. Man unterscheidet bei Landminen zwischen Anti­ fahrzeugminen (Panzerabwehrminen) > S. 50 ff und Antipersonenminen (Schützenabwehrminen). > S. 60 ff Diese können anhand verschiedener Kriterien kategori­siert werden. Sie unterscheiden sich nach: Ziel, Wirkungs­weise, Zündung, Art der Ver­legung, Aussehen, Material und Umfang der Zer­störung.

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Historie    Das Legen von Fallen wurde von den Menschen ursprünglich zur Jagd entwickelt. Die militärische Verwendung von Fallen reicht ebenfalls weit zurück. Die Soldaten des Römischen Reiches nutz­ten diese Waffen systematisch. Sie ver­ legten Krähenfüße, schlugen spezielle Metalldornen mit Widerhaken in kleine Pfähle, die dann kaum sichtbar aus dem Boden hervorragten und hoben Gruben aus, die sie mit angespitzten Pfählen versahen und zur Tarnung bedeckten. In China wurde das Schwarzpulver spätestens im 13. Jahrhundert als Spreng­mittel in Bomben eingesetzt. Die ersten als Mine kategorisierten Waffen wurden im Kreis Togtoh in der Inneren Mongolei von Archäologen gefunden. Diese stam­ men von den Kämpfen im Jahre 1368 und wurden von der Ming-Dynastie als Belagerungswaffe gegen die Yuan-Dynastie genutzt. Es handelt sich um bis zu 1,7 kg schwere Hohlkugeln aus Eisen mit 11 cm Durchmesser, die mit Schwarzpulver gefüllt wurden. Es gab auch Exemplare aus Keramik. Der Begriff Mine leitet sich von Stol­len ab, welche man unter feindliche Befestigungen grub, um die Mauern zum Einsturz zu bringen. Um den Effekt zu vergrößern und um die Mineure zu schüt­zen, wurde die Mine solide mit Holz abgestützt, dann wurde leicht brennbares Material eingebracht und angezündet. Sobald die tragenden Elemente weggebrannt waren, stürzte der darüberliegende Festungsteil ein. Durch Benutzung von Schießpulver wurden diese Stollen noch wirksamer. Seit dem 16. Jahrhundert waren Flatterminen (Fladderminen) bekannt, welche als Annäherungshindernis im Erdreich eingesenkt wurden und die man per Zündschnur explodieren ließ, wenn der Angreifer über sie hinwegging. Wenn Steine als Splittermaterial verwendet wurden, sprach man von Steinminen. Hauptsächlich wurden diese Minen im

Vorfeld von Festungen installiert, seltener im offenen Feldkrieg. Der Augsburger Büchsenmacher Samuel Zimmermann entwickelte 1547 eine selbst­auslösende Mine, basierend auf dem Prinzip des Schnappschlosses. Diese Erfindung setzte sich allerdings langsam im Militär durch. Schwarzpulver ist hydrophil und lässt sich schwer vor Nässe im Erdreich schützen. Erst Johann Friedrich von Flemming be­schreibt 1726 in »Der vollkommene Teut­sche Soldat« die militärische Verwendung selbstauslösender Minen. Die ersten »modernen« Minen (mechanischer Zün­­der, Sprengstoff und Splittermaterial in einem) wurden während des Sezessions­kriegs eingesetzt. Sie bestanden aus Artil­leriegranaten mit improvisiertem Zünder. Am 4. Mai 1862 legten konföderierte Truppen unter Brigadegeneral Gabriel J. Raines bei der Schlacht von Yorktown an der Redoute Nummer 4 die ersten Minen, die auch wenig später Opfer for­derten. Die improvisierten Landminen wurden danach bei weiteren Konflikten wie dem Zweiten Burenkrieg oder dem Russisch-Japanischen Krieg eingesetzt, aber eher sporadisch und nicht flächendeckend. Im Ersten Weltkrieg wurden die ersten industriell hergestellten Minen benutzt. Zwischen den Weltkriegen wurde die Mi­nenentwicklung stark forciert; es wur­den neue Typen von Antipersonen- und Antipanzerminen entwickelt und in Mas­ senproduktion hergestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese exzessiv ge­ nutzt, vor allem in Nordafrika sowie der Sowjetunion. Geschätzt wurden etwa 300 Mil­lionen Antipanzerminen und eine noch höhere Zahl Antipersonenminen verlegt.

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US-Klassifizierung für Panzerabwehrminen

US-Klassifizierung für Panzerabwehrminen nach Umfang der Zer­störung

M-Kill (mobility kill)    Die M-Kill-Mine zer­stört eine oder mehrere, für die Fort­­bewegung notwendige Komponenten (z. B. Fahrzeugachse, Kette). Das Waffen­ system bleibt in der Regel unzerstört, der Tod der Besatz­ung ist nicht immer zu erwarten. Übertragen auf Antipersonenminen (in dieser Kategorie meistens Sprengminen) soll die Person in der Regel verstümmelt, aber nicht getötet werden.

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K-Kill (catastrophic kill)    Ziel ist die Zer­störung des Waffensystems oder der Besatzung. Übertragen auf Anti­personen­ minen (in dieser Kate­gorie meistens Splitter- oder Springminen) soll die aus­ lösende Person getötet werden.

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Mit dem boom eines minenfelds langsam aber wohlbedacht wir rennen niemals der mode nach hier wirds den anderen vorgemacht

Freundeskreis feat. Samy Deluxe – Eimsbusch bis 0711 > S. 112-113


Ottawa-Konvention

fakten/ politik > S. 23–47

> S. 36–37

Beispiel USA

> S. 38–40

Beispiel China

> S. 41

Beispiel Pakistan

> S. 42

Beispiel Indien

> S. 43

Beispiel Israel

> S. 44

Beispiel Russland

> S. 45

Beitrittsstaaten (Karte)

> S. 46

Genfer Konventionen

> S. 25–27

Waffenüberein­kommen – Vereinte Nationen

> S. 28–29

Minenkontamination

> S. 30–31

Herstellung

> S. 32–33

Minenkontamination und Herstellung (Karte) > S. 34–35

Quellen 1

23

> S. 81


> S. 182–183

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Genfer Konventionen

Die Genfer Konventionen    stellen als zwischenstaatliche Ab­kommen eine essen­tielle Kompo­­nente des humanitären Völkerrechts dar­. Für den Fall eines Krieges beziehungsweise eines natio­nalen oder interna­tionalen bewaffneten Konflikts, enthalten die Zusatzprotokolle Regeln für den Schutz von Zivil­personen in Kriegszeiten. Sie verbieten etwa Angriffe, bei denen nicht zwischen Soldaten und zivilen Personen unter­schieden wird. > S. 26–27

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Genfer Konventionen

Art. 48 Grundregel    Um Scho­nung und Schutz der Zivilbevölkerung und ziviler Objekte zu gewährleisten, unterscheiden die am Konflikt beteiligten Parteien jeder­ zeit zwischen der Zivilbevölkerung und Kombattanten sowie zwischen zivilen Objekten und militärischen Zielen; sie dürfen daher ihre Kriegshandlung­en nur gegen mili­tärische Ziele richten.

Genfer Konventionen Zusatzprotokoll I, (08.06.1977)

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Art. 51 Schutz der Zivilbevölkerung 1. Die Zivilbevölkerung und einzelne Zivil­­personen geniessen allgemeinen Schutz vor den von Kriegshandlungen ausge­hen­den Gefahren. Um diesem Schutz Wirksamkeit zu verleihen, sind neben den sonstigen Regeln des an­­wendbaren Völkerrechts fol­gende Vorschriften unter allen Umständen zu beachten. 2. Weder die Zivilbevölkerung als sol­che noch einzelne Zivilpersonen dürfen das Ziel von Angriffen sein. Die An­­wendung oder Androhung von Gewalt mit dem hauptsächlichen Ziel, Schrecken unter der Zivilbevölkerung zu verbreiten, ist verboten. 3. Zivilpersonen geniessen den durch diesen Abschnitt gewährten Schutz, sofern und solange sie nicht unmittelbar an Feindseligkeiten teilnehmen. 4. Unterschiedslose Angriffe sind verboten. Unterschiedslose Angriffe sind a) Angriffe, die nicht gegen ein bestim­mtes militärisches Ziel gerichtet werden, b) Angriffe, bei denen Kampfmethoden oder -mittel angewendet werden, die nicht gegen ein bestimmtes militärisches Ziel gerichtet werden können, oder c) Angriffe, bei denen Kampfmethoden oder -mittel angewendet werden, deren Wirkungen nicht entsprechend den Vorschriften dieses Protokolls begrenzt werden können und die daher in jedem dieser Fälle militärische Ziele und Zivil­personen oder zivile Objekte unter­ schiedslos treffen können. 5. Unter anderem sind folgende Angriffsarten als unterschiedslos anzusehen: a) ein Angriff durch Bombardierung – gleichviel mit welchen Methoden oder

Mit­teln – bei dem mehrere deutlich voneinander getrennte militärische Einzel­­ziele in einer Stadt, einem Dorf oder einem sonstigen Gebiet, in dem Zivil­per­ sonen oder zivile Objekte ähnlich stark konzentriert sind, wie ein einzi­ges mili­tä­ risches Ziel be­handelt werden, und b) ein Angriff, bei dem damit zu rechnen ist, dass er auch Verluste an Menschen­ leben unter der Zivilbe­völ­kerung, die Verwundung von Zivilpersonen, die Beschädigung ziviler Objekte oder mehrere derartige Folgen zusammen verursacht, die in keinem Verhältnis zum erwarte­ten konkreten und unmittelbaren mili­ tärischen Vorteil stehen. 6. Angriffe gegen die Zivilbevölke­r­ung oder gegen Zivilpersonen als Repressalie sind verboten. 7. Die Anwesenheit oder Bewe­gung­en der Zivilbevölkerung oder einzel­ner Zivilpersonen dürfen nicht dazu benutzt werden, Kriegshandlungen von be­stim­mten Punkten oder Gebieten fern­ zuhal­ten, insbesondere durch Versuche, mili­tärische Ziele vor Angriffen abzuschirmen oder Kriegshandlungen zu decken, zu begünstigen oder zu behindern. Die am Konflikt beteiligten Parteien dürfen Bewegungen der Zivilbevölkerung oder einzelner Zivilpersonen nicht zu dem Zweck lenken, militärische Ziele vor An­griffen ab­zu­schirmen oder Kriegshand­lungen zu decken. 8. Eine Verletzung dieser Verbote ent­­hebt die am Konflikt beteiligten Par­teien nicht ihrer rechtlichen Verpflichtun­gen gegenüber der Zivilbevölke­rung und Zivilpersonen, einschliesslich der Verpflich­ tung, die in Artikel 57 vorgesehenen vorsorglichen Massnah­men zu treffen.

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Waffenübereinkommen – Vereinte Nationen

Waffenübereinkommen der Vereinten Nationen – Protokoll II Über Minen, Sprengfallen und andere Vorrichtungen

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Auch das Waffenübereinkommen der Vereinten Nationen regelt die Einsatzbedingungen für Landminen. In dem am 2. Dezember 1983 in Kraft ge­tretenen Abkommen heißt es, dass Waffen, die übermäßiges Leiden verursachen oder unter­ schiedslos wirken, verboten oder nur eingeschränkt zu gebrauchen sind. Ausgangspunkt stellen die vorherrschenden völkerrechtlichen Grund­ regeln dar.

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Minenkontamination

Minenkontamination    Schätzungen zur Folge sind weltweit noch mehrere Millionen Minen verlegt. Zudem lagern die Staa­ten, die den Ottawa-Vertrag > S. 36 ff nicht unterzeichnet haben, zusammen über 160 Millionen Antipersonenminen. Die meisten dieser Minen befinden sind im Besitz von China, Russland, USA, Pakistan und Indien. Trotzdem hat der Einsatz von Antipersonen­ minen durch Staaten im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen. Als einziger Staat setzte Myanmar 2009 noch Antipersonenminen ein. Rebellengruppen und andere irreguläre Kräfte wendeten Spreng­­fallen hingegen verstärkt an. Gerade in Afghanistan, Kolumbien, Indien, Myanmar, Pakistan und Jemen kamen Minen verstärkt zum Einsatz.

siehe Karte > S. 34–35

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Minen mit gleicher Bodenbe­wachsung gut tarnen Dreh­sicherung vor dem Einbau auf Scharf stellen Entsicher­ungsdraht der Stift­sicherung freundwärts Merkblatt über Minen – Feldunteroffizierschule der Panzertruppen

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Herstellung

Pakistan

India

siehe Karte > S. 34–35

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Myanmar


Herstellung    2009 wurden Antipersonenminen offiziell nur noch in Indien, Pakistan und Myanmar produziert. Aus China, Cuba, Iran, Nordkorea, Südkorea, Russland, Singapur, den Verei­nigten Staaten und Vietnam ist keine Produktion bekannt geworden. Bekannte Firmen in der Minenherstellung sind die südkorea­nische Firma Hanwha und die in Singapur ansäs­sige STE. Myanmar ist außerdem der einzige Staat, der noch Anti­­personenminen verlegt. Daneben nutzen vor allem nicht-staatliche, bewaffnete Gruppen aus Afghanistan, Kolumbien, Indien, Myanmar, Pakistan und Jemen Antipersonenminen. Da Antifahrzeugminen von der Ottawa-Konvention nicht betroffen sind, verfügen auch zahlreiche euro­päische Länder noch über Antifahrzeug­minen in ihren militärischen Beständen. Allein die Bundeswehr besitzt etwa eine Million dieser Minen. In vielen europäischen Ländern werden sie darüber hinaus produziert, bzw. von Firmen zum Verkauf angeboten. Auch deutsche Firmen, wie beispielsweise die Diehl Stiftung, Dynamit Nobel, EADS und Rhein­ metall entwickeln und produzieren weiterhin Anti­fahrzeugminen. In der »Bestenliste der Minentech­ no­logieentwickler« gehen sogar die ersten drei Plätze an deutsche Unternehmen: Daimler Chrysler AG, Rheinmetall AG sowie die Diehl Stiftung & Co. Der Preis für die massenhafte Herstellung einer Mine liegt zwischen einem und drei Dollar. Damit ist die Produktion dieser Waffe im Vergleich zu vielen anderen enorm günstig. Die anschließende Ent­ minung der kontaminierten Landstriche übersteigt die Her­stellungskosten jedoch um ein Vielfaches.

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Kontamination und Herstellung

United Kingdom1 United States*

Morocco Algeria Western Sahara Cuba Mauritania Mali Senegal Guinea-Bissau Venezuela Colombia

Ecuador

Minenkontamination *keine Minenkontamination

Peru

hohe Kontamination (gemessen an der Anzahl der Unfälle, > 100 in 2009) Vermutete Kontamination oder Rückstände. Hersteller (Produzenten oder Staaten, die sich die Möglichkeit erhalten Minen zu produ­ zieren) 1 Argentinien und das Vereinigte Königreich erheben Anspruch auf die Falkland­ inseln und stehen somit in der Pflicht die Inseln von Minen zu räumen. Sie sind somit indirekt betroffen.

Chile

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Argentina1

Falkland Islands/Malvinas1


Denmark Russia

Moldova Croatia Bosnia and Serbia Herzegovina Montenegro Kosovo AbkhaziaGeorgiaUzbekistan Kyrgyzstan Armenia Greece Nagorno-Karabakh Azerbaijan Turkey Tajikistan CyprusSyria Lebanon Palestine Israel Iraq Jordan

Afghanistan

North Korea South Korea China

Iran Pakistan

Libya

Nepal

Egypt India

Myanmar

Oman

Niger Chad

Sudan

Eritrea

Lao PDR

Yemen

Thailand

Djibouti

Cambodia Vietnam

Somaliland Ethiopia Uganda

Somalia

Sri Lanka Singapore*

Republic of Congo Congo DR Burundi

Angola Mozambique

Namibia

Taiwan

Zimbabwe

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Philippines


Ottawa-Konvention

1997 wurde die sogenannte Ottawa-Konvention (Mine Ban Treaty) unterzeichnet. Nach der Unterzeichnung durch Burkina Faso als vierzigstem Mitglied trat der Vertrag am 1. März 1999 für die unterzeichnenden Staaten in Kraft. Mittlerweile haben 156 Staaten die Ottawa-Konvention ratifiziert. (Stand 01.02.2011) 37 Staaten, darunter Großmächte wie die USA, China, Indien, Pakistan, Russland, aber auch Iran, Israel und Finnland sind dem Vertrag je­doch noch nicht beigetreten. Polen und die Marshallinseln haben den Vertrag bereits unterschrieben, aber bis jetzt nicht ratifiziert. Das Abkommen verbietet den beigetretenen Staaten Ein­satz, Produktion, Lagerung und Weitergabe von Anti­personenminen. Im Detail sieht der Vertrag die Vernichtung von Lager­-­ be­ständen innerhalb von vier Jahren, die Räumung minenverseuchter Gebiete innerhalb von zehn Jahren sowie die Bereitstellung finanzieller Mittel für die Minenopferhilfe vor. Die von Minen nicht betroffenen Staaten sind verpflichtet, den betroffenen Staaten bei der Minenräumung zu helfen. Antifahrzeugminen fallen allerdings nicht unter das OttawaAbkommen, obwohl sie ebenfalls gegen Personen eingesetzt werden können. Der Vertrag bietet weitere Schlupflöcher, die den Einsatz der Antipersonenmine des Typs M18A1 > S. 76–77 nicht verbieten, da diese auch elektrisch »kontrolliert«, durch den Täter ferngezündet werden können.

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Auch Streumunition > S. 78–79 wurde im Rahmen des OsloProzesses (Convention on Cluster Munitions) mittlerwei­le verboten. Im August 2010 trat das Verbot der Streubomben für die über hundert Unterzeichnerstaaten in Kraft. Doch auch diesem Abkommen sind zahlreiche Staaten, darunter die größten Produzenten USA, Russland, China und Israel, nicht beigetreten.

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Ottawa-Konvention

> Beispiel USA

“More than two-thirds of the Senate is urging the Obama administration to consider signing an international treaty that bans land mines, reviving a dormant campaign from the 1990s that left the United States divided from its closest allies.�

The Washington Post (08.05.2010)

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Senate Letter

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Ottawa-Konvention

> Beispiel USA / China

Barak Obama

The administration of President Barack Obama is en­gaged in a comprehensive review of US landmine policy. As a Senator, Barack Obama co-sponsored legislation introduced by Sen. Patrick Leahy and Sen. Arlen Specter to prohibit future procurement of victim-activated landmines.

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Hu Jintao

“Is still not in a position to accede … the Ottawa Convention has played an important and positive role in addressing the humanitarian concern caused by Anti-Personnel Landmines.” Statement by Amb. Cheng Jingye, Director-General, Department of Arms Control and Disarmament, Ministry of Foreign Affairs, Second Review Conference, Cartagena, 4 December 2009.

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Ottawa-Konvention

> Beispiel Pakistan / Indien

Asif Ali Zardari

“Pakistan remains committed to pursue the objectives of a universal and non-discriminatory ban on antipersonnel mines in a manner which takes into account the legitimate defence requirements of States. Given our security compulsions and the need to guard our long borders, not protected by any natural obstacle, the use of landmines forms an important part of our self-defence stra­tegy. As such, it is not possible for Pakistan to agree to the demands for the complete prohibition of anti-personnel landmines till such time that viable alternatives are available.”

Pakistan, Explanation of Vote on the draft UN General Assembly resolution, 17 October 2007.

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Pratibha Patil

“Landmines continue to play an important role in the defence of the states that have long land borders with difficult and inhospitable terrains … India will also continue to pursue the objective of a non-discriminatory, universal and global ban on anti-personnel mines in the manner that addresses the legitimate defence requirements of states.” Statement by Amb. Hamid Ali Rao, Permanent Representative of India to the Conference on Disarmament, Thematic Debate on Con­ ventional Weapons at the First Committee of the 64th UN General Assembly, New York, 20 October 2009.

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Ottawa-Konvention

> Beispiel Israel / Russland

Shimon Peres

“In light of the regional situation in the Middle East and the need to protect its borders. However, Israel supports the humanitarian principles of the Ottawa treaty.” Email from Tamar Rahamimoff-Honing, Arms Control Department, Ministry of Foreign Affairs, 13 March 2010.

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Dmitry Medvedev

In December 2009, a Russian diplo足mat reiterated that Russia cannot accede at the mo足ment due to the military utility of antiperso足nnel mines, the lack of viable alternatives, and the financial difficulties in destroying its large stockpile within four years. Interview with Georgy Todua, Minister Counsellor of the Russian Embassy in Colombia, Second Review Conference, Cartagena, 4 December 2009.

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Ottawa-Konvention

> Beitrittsstaaten

Beitrittsstaaten nicht beigetreten (Stand 01.02.2011)

Afghanistan Armenia

Albania

Algeria

Australia

Belarus Belgium Brazil

Belize

Canada

Colombia

Comoros

Costa Rica Djibouti

Benin

Cote d'Ivoire

Iraq

Kiribati

Ghana

Liechtenstein Maldives

Lithuania

Mali

Moldova

Monaco

Nepal

Mauritania

Mongolia

Netherlands Palau

Panama

Portugal

Qatar

Romania

Serbia

Swaziland Timor

Somalia

Sweden

Denmark Equatorial Gambia

Guinea-Bissau

India

Indonesia

Kazakhstan

Russia

South Africa

Switzerland

Trinidad and Tobago

Ukraine

United Arab Emirates

Vanuatu

Venezuela

Tonga

Vietnam

46

United Kingdom Yemen

Zambia

Norway

Slovakia

Sri Lanka

Saint Lucia

Zimbabwe

Suriname

Thailand

Turkmenistan

United States

Saudi Arabia

Slovenia

Sudan

Tanzania

Turkey

Oman

Philippines

Sao Tome and Principe

Tajikistan

Tunisia

Nauru

Niue

Peru

Singapore

Spain

Syria

Malaysia Republic of

Namibia

Nigeria

Saint Kitts and Nevis

Sierra Leone

Libya

Micronesia

Paraguay

San Marino

Kuwait

Malawi

Mozambique

Niger

Iran

Kenya

Liberia

Madagascar

Morocco

Rwanda

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Lesotho Mexico

Nicaragua

Papua New Guinea

Seychelles

Solomon Islands

Lebanon Macedonia

Montenegro

Saint Vincent and Grenadines Senegal

China

Gabon

Guinea

Jordan

Mauritius

New Zealand

Pakistan

France

Botswana

Cook Islands

El Salvador

Iceland

Japan

Lao PDR

Luxembourg

Malta

Chile

Democratic People’s Republic of Korea

Latvia

Barbados

Cambodia

Czech Republic Egypt

Guatemala

Hungary

Jamaica

Democratic of Korea

Republic of Kyrgyzstan

Chad

Finland

Grenada

Honduras Italy

Cyprus

Fiji

Greece

Israel

Burundi

Republic of Congo

Ecuador

Ethiopia

Holy See

Ireland

Burma

Central African Republic Cuba

Argentina

Bangladesh

Bosnia and Herzegovina

Burkina Faso

Croatia

Estonia

Haiti

Bolivia

Dominican Republic

Germany

Guyana

Bahrain

Democratic Republic of Congo

Eritrea

Georgia

Bulgaria

Antigua and Barbuda

Bahamas

Bhutan

Cape Verde

Dominica

Guinea

Angola

Azerbaijan

Brunei Daressalam

Cameroon

Andorra

Austria

East

Tuvalu

Uruguay

Uganda

Uzbekistan


der perfekte soldat furchtlos nie müde werdend immer treffsicher

General der Roten Khmer (Mörder-Saat im Reisfeld – Der SPIEGEL 14/1994)


> S. 182–183

48


Antifahrzeugminen

Antifahrzeug­minen

> S. 50–59

> S. 60–77

MK-7 (Druck)

YM-1 (Druck)

> S. 52–53

> S. 62–63

TC-6 (Druck)

SB-33 (Druck)

> S. 54–55

> S. 64–65

TM-57 (Druck)

PMA-2 (Druck)

> S. 56–57

> S. 66–67

TMD-2 (Druck)

PMD-6 (Druck)

> S. 58–59

> S. 68–69

PMR-2A (Splitter)

OZM-72 (Spring-Splitter)

Minen

> S. 70–71

> S. 49–80

> S. 73

V-69 (Spring-Splitter)

> S. 74–75

M18A1 (gerichtete Ladung)

> S. 76–77

Weitere explosive Kampfmittel

> S. 78–80

BLU-3B

> S. 79

IED

> S. 80

Quellen 1

49

> S. 81


Minen – Antifahrzeugminen

Aufhebesperre

1

bezeichnet eine Vorrichtung, die eine Mine schützen soll und Teil der Mine, mit ihr verbunden, an ihr befestigt oder unter ihr angebracht ist und die bei dem Versuch, sich an der Mine zu schaffen zu machen oder sie anderweitig gezielt zu stören, aktiviert wird.

Antifahrzeugmine (Panzerabwehrmine) und Anti­personenmine (Schützenabwehrmine) be­stehen im Wesentlichen aus 3 Komponenten. Einem Gehäu­se, einer Wirkladung und einer Zündeinrichtung. Antifahrzeugminen werden durch Gegenwart eines Fahrzeugs zur Detonation gebracht und sind oft mit einer Aufhebesperre1 ausgestattet. Durch diese Ausstattung können sie somit auch gegen Per­­­so­nen wirken, gelten aber nicht als Antiper­so­nenmine und sind somit auch nicht verboten. Sie werden militärisch nach Zünder oder ihrer Wirkung eingeteilt. In der Wirkung unterscheidet man zwischen Sprengwirkung, projektilbildender Ladung, Hohlladungseinlagen und anderen.

50


anti足fahrzeug足minen


Antifahrzeugminen

> Druck

MK7 Typ

Antifahrzeugmine

Wirkung

Druck

Auslösegröße

150–275 kg

Konstruktionsland

GBR

Hersteller

Royal Ordnance Facto-

ries/British Aerospace

Defence Limited

Einsatzgebiete

AFG/AGO/CYP/EGY/ERI/

ETH/LBN/LBY/NAM/OMN/

SOM/ZMB/ZWE

Durchmesser

33 cm

Höhe

13 cm

Höhe komplex

49 cm

Farbe

braun, grünbraun, oliv

Gesamtgewicht

13600 g

Sprengstoffgewicht

8890 g

Sprengstoffart

TNT

Wirkzeit

unbegrenzt

Runde Metallmine, die zur mittig platzierten Verschlussschraube trichter­ förmig zusammenläuft. Die Verschlussschraube ist mittig mit einer Nut versehen. Der Minenkörper ist im oberen Drittel, zur Verschlussschraube hin mit einem festen Schaumstoff überzogen. Seitlich ist ein Tragegriff aus Metall angebracht.

Funktionsweise    Durch Druck auf die Mine wird der Zünder in

einen Einfachimpulszünder umgewandelt. Der Einfachimpulszünder wird über Druck oder über den Knickstabmechanismus ausgelöst.

Besonderheiten     Es können in der Länge unterschiedliche Knick­stäbe

eingesetzt werden. Zweifach- Impuls- Druckzünder No 5, wahlweise auf Einfach- Impuls umstellbar. Dies entspricht einem langen Knickstab dem Zünder mit der Bezeichnung L93A1B1 mit der Höhe 36 cm und der kurze Knickstab L93 hat eine Höhe von 11,4 cm. Wasserdicht.

52


53


Antifahrzeugminen

> Druck

54


tc6

Typ

Antifahrzeugmine

Wirkung

Druck

Auslösegröße

180–310 kg

Konstruktionsland

ITA

Hersteller

Tecnovar Italiana SpA

Einsatzgebiete

AFG/IRQ/TCD/DJI/LBN/

TJK/ECU

Durchmesser

27 cm

Höhe

18,5 cm

Farbe

sandfbraun, olivgrün

Gesamtgewicht

9600 g

Sprengstoffgewicht

6000 g

Sprengstoffart

TNT/TNT/RDX-Comp B

Gefahrenbereich

300 m

Wirkzeit

unbegrenzt

Runde, tropfenförmige und stark gerippte Mine mit rundem, aufge­ schraubtem Druckdeckel auf der Oberseite. Seitlich ist ein Tragegriff aus Kordel angebunden.

Besonderheiten    Minensuchgeräte zeigen die Mine nicht an

(ca. 2,86 g Metall). Elektronisch schärf- und ent­schärfbar. Druckwellenbeständig, wasserdicht bis zu 1 m. Wird häufig gegen Auf­­nahme gesichert.

55


Antifahrzeugminen

> Druck

tm57 Typ

Antifahrzeugmine

Wirkung

Druck

Auslösegröße

150–400 kg

Konstruktionsland

GUS

Hersteller

Sate Factories

Einsatzgebiete

ARM/TSE/COG/KOR/TJK/

VNM/ZMB/ZWE

Durchmesser

31,6 cm

Höhe

9,5 cm

Höhe komplex

12,6 cm

Farbe

grün

Gesamtgewicht

9500 g

Sprengstoffgewicht

7000 g

Sprengstoffart

TNT

Gefahrenbereich

500 m

tödl. Wirkungsbereich

100 m

Wirkzeit

unbegrenzt

Minengehäuse aus tiefgezogenem Stahlblech mit eingebautem, terassenförmigem Druckdeckel auf der Oberseite und sieben Verstärkungsrippen im Minenboden. Bodenblech und Oberteil sind durch Bördelung miteinander verbunden. Oben in der Mitte befindet sich eine Bohrung mit Schraubge­ winde zur Aufnahme des Druck- oder Knickzünders. Eine weitere Zünderaufnahme, in die ein sprengkräftiger Zünder eingeschraubt werden kann, ist seitlich am Minengehäuse eingelassen. Am Bodenblech ist ein metallischer, festklemmbarer Tragegriff angebracht.

Funktionsweise    Bei der Einwirkung des erforderlichen Druckes auf

die Oberseite der Mine wird der stufenförmig ansteigende Druckdeckel eingedrückt und überträgt die Last auf den Zünder. Infolge dieses Druckes gibt die Sperrkugel den Schlagbolzen frei, der dann den Detonator auslöst; dieser bewirkt die Zündung von Verstärkungs- und Wirkladung.

Besonderheiten    Mine kann auch im flachen Wasser verlegt werden.

Oft gegen Aufnahme gesichert. Verlegbar mit Hubschraubern. Kann nicht entschärft werden.

56


57


Antifahrzeugminen

> Druck

58


tmd2

Typ

Antifahrzeugmine

Wirkung

Druck

Auslösegröße

200 kg

Konstruktionsland

YUG

Hersteller

State Factories

Einsatzgebiete

BIH/KO/YUG/HRV

Länge

32,8 cm

Breite

28,7 cm

Höhe

16,5 cm

Farbe

holzfarben, oliv

Gesamtgewicht

9000 g

Sprengstoffgewicht

5500 g

Sprengstoffart

TNT

Gefahrenbereich

500 m

tödl. Wirkungsbereich

100 m

Wirkzeit

unbegrenzt

Quaderförmiger Minenkörper aus Holz, mit oben auf dem Deckel an­ gebrachten drei Brettern, in deren Stirnseite eine Scherleiste in eine Nut eingeschwenkt ist. Das mittlere Brett dient als Druckdeckel und liegt in der Regel auf der Scherleiste auf. Seitlich angebrachter Tragegriff.

Funktionsweise    Bei Einwirkung des erforderlichen Druckes auf das

Minenoberteil bricht die Scherleiste, auf der das mittlere Druckbrett über dem Zünder gehalten wird, und die Zündung wird ausgelöst.

Besonderheiten     Bei eingesetzten Zündern MV 5 und fehlender

Scherleiste beträgt der Auslösedruck wenige Kilogramm. Häufig behelfs­ mäßig her­gestellt, daher Abweichungen in den Abmesungen möglich.

59


Minen – Antipersonenminen

Antipersonenminen sind dazu bestimmt, eine oder mehrere gegenwärtige Personen (weiche Ziele) kampfunfähig zu machen, zu verletzten oder zu töten. Vorrangiges Ziel ist jedoch meist nicht die Tötung des Gegners, sondern die gezielte Verletzung und die hierdurch notwendige Versorgung, die Ressourcen an das Opfer bindet und den Feind demoralisieren soll. Sie werden militärisch gemäß der Wirkung ein­­ge­teilt. Man unterscheidet zwischen Druck-, Splitter-, Spring-Splitterminen und gerichteter Ladung.

60


anti足personen足minen


Antipersonenminen

> Druck

ym1

Typ

Antipersonenmine

Wirkung

Druck

Auslösegröße

12,5 kg

Konstruktionsland

Iran

Hersteller

Iran Ammunition Indust-

ries Group (AMIG)

Einsatzgebiete

AFG/IRN/IRQ/TJK

Durchmesser

9 cm

Höhe

4,5 cm

Farbe

grün

Gesamtgewicht

190 g

Sprengstoffgewicht

50 g

Sprengstoffart

RDX

Flacher, zylindrischer Minenkörper aus Kunststoff mit zwölf seitlich vertikal verlaufenden Rippen, die für eine bessere Verankerung im Boden sorgen und den Aufprall der Mine (Scattereded) abmildern. Oben be­findet sich eine hervorstehende Druckplatte aus schwarzem Gummi, darüber (im sicheren Zustand) die gerippte Schutzkappe. Der Deto­nator ist mittig in den Minenboden eingeschraubt. Die Mine kann sowohl von Hand als auch mittels Ausstoß/Abwurf von Hubschraubern verlegt werden.

Besonderheiten    Mine bestitzt keine mechanische Sicherung.

Ist resistent gegen Ansprengen. Integrier­ter Zünder.

62


63


Antipersonenminen

> Druck

64


sb33 Typ

Antipersonenmine

Wirkung

Druck

Auslösegröße

8 kg

Konstruktionsland

ITA

Hersteller

MISAR

Einsatzgebiete

AFG/DJI/FLK/IRN/IRQ/KUR/

Westsahara

Durchmesser

8,8 cm

Höhe

3,2 cm

Farbe

sandbraun-rot

Gesamtgewicht

140 g

Sprengstoffgewicht

35 g

Sprengstoffart

RDX/MHX

Wirkzeit

unbegrenzt

Die Mine hat eine asymmetrische Form, die einer abgeschnittenen Ellip­se ähnelt und ist besonders klein. Der Minenkörper besteht aus steifen Kunststoffmaterialien,die sich mechanisch stark und wasserfest machen. Die Mine besteht aus drei Hauptteilen: Deckel und Druckdeckel, Funk­tionsbaugruppe, Bodendeckel mit Wirkladung.

Funktionsweise    Ein auf den Druckdeckel aufgebrachtes Gewicht von ca. 8 kg führt

zu einer graduellen Absenkung des Kolbens und parallel dazu zur Komprimierung der Schlagbolzenfeder. Der Druck auf den Kolben wird auf den Schlagbolzen übertragen, der einen abgeschrägten Querschnitt hat. Der Kolbendruck auf die schiefe Ebene des Schlagbolzend bringt den Schlagbolzen dazu, sich seitlich in Richtung des Anzündhütchens zu bewegen. Diese Bewegung wird von der Seite des Kolbens und auch vom Sicherungshebel aufgehalten. Der Sicherungs­hebel wird durch die Kraft einer Feder gedreht und gelöst, kurz nach dem die Mine das Abwurfsystem verlässt. Ein länger ausgeübter Druck (über 200 Millisekunden) führt zur Absenkung des Kolbens um ca. 5 mm. An diesem Punkt befindet sich eine Nut gegenüber vom Schlagbolzen. In dieser Position lässt sich der Schlagbolzen durch die Kraft der Feder zum Detonator hin bewegen.

Besonderheiten    Elektronische Aufnahmesicherung. Geringer Metallanteil (ca. 0,89 g).

Im Falle einer schnellen Druckwelle, wie sie für die Minenräumung mit Sprengmitteln typisch ist, senkt sich der Kolben nicht völlig herab, und die Nut erreicht nicht die Position gegenüber vom Schlagbolzen, der deshalb auch nicht gelöst wird. Am Ende einer schnel­len Druckwelle kehrt der Kolben in seine Ausgangsposition zurück. Ist mit einem Spezialanstrich gegen Infrarotaufklärung geschützt.

65


Antipersonenminen

> Druck

pma2 Typ

Antipersonenmine

Wirkung

Druck

Auslösegröße

7–15 kg

Konstruktionsland

YUG

Hersteller

State Factories

Einsatzgebiete

ALB/AGO/BIH/KHM/COG/HRV/

KOS/NAM/ZWE

Durchmesser

6,8 cm

Höhe

3,5 cm

Höhe komplex

6,1 cm

Farbe

grün

Gesamtgewicht

130 g

Sprengstoffgewicht

102 g

Sprengstoffart

TNT

Wirkzeit

unbegrenzt

Die fast metalllose Mine hat ein zylindrisches Kunststoffgehäuse. Zur PMA-2 gehört ein mechanischer Druckzünder. Die Öffnung für das Einschrauben des Zünders in die Mine ist mit einer Plastikkappe verschlossen. Die Plastikkappe soll die Verstärkungsladung und das Gewinde zum Einschrauben des Zünders vor mechanischen Schäden und Verunreinigungen schützen. Der Zünder wird getrennt vom Minenkörper gelagert und erst in die Mine eingeschraubt, bevor diese im Gelände verlegt wird. Der Boden der Mine ist mit geriffelten kreisförmigen Plastikstreben versehen, um eine bessere Haftung der Mine auf der Erde zu ermöglichen.

Funktionsweise    Beim Einwirken des erforderlichen Druckes auf

das sternförmige Druckstück wird der Scherring abgeschert, wodurch der Schlagbolzen in eine schlag- und reibeempfindliche Anzündmischung getrieben wird. Dadurch wird der Detonator ausgelöst, der seinerseits die Wirkladung zündet. Die Sprengladung mit 100 g wirkt gegen die unteren Körperteile.

Besonderheiten    Druckwellenbeständig bis 3,5 bar. Metallanteil im

Zünder sehr gering, sehr schwer detektierbar. Formveränderung des Druckstückes durch verkleinern (abbrechen, abschneiden) der 6 sternförmigen Flossen sind möglich. Einbau mit Druckstück nach unten möglich.

66


67


Antipersonenminen

> Druck

68


pmd6

Typ

Antipersonenmine

Wirkung

Druck

Auslösegröße

1–10 kg

Konstruktionsland

GUS

Hersteller

State Factories

Einsatzgebiete

AFG/AGO/AZE/KHM/TCD/COG/

CYP/ECU/ERI/ETH/HND/IRQ/

KUR/LBN/MOZ/NAM/NIC/OMN/

PER/RUS/RWA/SOM/SDN/TJK/

THA/Westernsahara/UGA/

YEM/ZWE

Länge

20 cm

Breite

9 cm

Höhe

6,5 cm

Farbe

holzfarben

Gesamtgewicht

460 g

Sprengstoffgewicht

200 g

Sprengstoffart

TNT

Wirkzeit

unbegrenzt

Die Schützendruckmine ist eine Behelfsmine. Sie besteht aus einem quader­-­ förmigen Holzkasten, mit einem 200 g Sprengkörper und einem angelenkten Oberteil (Druck­de­ckel), der die Längs- und Stirnseite des Minenunterteils überdeckt und sich in Längsrichtung ausklappen lässt. Eine Aussparung an der Stirnseite des Druckdeckels um­schließt den Zünder und liegt auf dem Auslösestift des Schlagbolzen auf. An der Stirnseite des unteren Minen­kastens befindet sich ein Loch zur Aufnahme des Zünders.

Funktionsweise    Bei einem Druck von 1–10 kg auf den Druckdeckel

wird der Zugstift durch die Kante des sich schließenden Deckels heraus­ gedrückt. Der nun freigege­bene Schlagbolzen löst die Zündung aus.

69


Antipersonenminen

> Splitter

PMR2A

Typ

Antipersonenmine

Wirkung

Splitter

Auslösegröße

3 kg

Konstruktionsland

YU

Hersteller

State Factories

Einsatzgebiete

ALB/BIH/CHL/HRV/KOS/NAM

Durchmesser

6,6 cm

Höhe

13,2 cm

Farbe

rostbraun, grün

Gesamtgewicht

1700 g

Sprengstoffgewicht

100 g

Sprengstoffart

TNT

Handgranatenähnlicher Minenkörper, der einen runden Sprengkörper (von unten eingesetzt) beinhaltet und auf einen Holzpflock gesteckt wird. Der Minenkörper weißt neun vorfragmentierte Splitterreihen auf. Der Zünder ist oben mittig eingeschraubt.

Funktionsweise    Durch Zug am Stolperdraht wird der federgespannte

Schlagbolzen freigegeben, der das Anzündehütchen auslöst, das seinerseits den Detonator und dieser wiederum die Wirkladung.

Besonderheiten    Mine wird häufig über Zug/Stol­perdraht mit

weiteren Minen verbunden. Holzpflock kann mit vergrabener Handgranate gesichert sein.

70


71


> S. 182–183

72


ozm72

Typ

Antipersonenmine

Wirkung

Spring-Splitter

Auslösegröße

1–2 kg

Konstruktionsland

GUS

Hersteller

State factories

Einsatzgebiete

AFG/AGO/ARM/AZE/KHM/TSE/

ERI/ETH/GEO/RUS/TJK/ZMB

Breite

10,8 cm

Höhe

16,3 cm

Farbe

oliv, sandbraun

Gesamtgewicht

5000 g

Sprengstoffgewicht

817,5 g

Sprengstoffart

TNT, CE

Zylindrischer Minenkörper aus Metall. Der obere Rand des Minenkörpers ist leicht angephast, im unteren Teil 1,5 cm von dem Minenboden ist eine rillenförmige Einkerbung. Im Minendeckel ist mittig eine Verschlussschraube eingelassen die zur Aufnahme des Zünders dient. Beidseitig davon be­finden sich zwei Füllschrauben, 90 Grad versetzt der Anzündehütchenträger.

Funtionsweise    Durch die bei der Auslösung entstehende Flamme

des Anzündhütchens wird die Ausstoßladung gezündet. Der entstehende Gasdruck treibt den Minenkörper aus dem Minentopf und über den Auslösedraht wird wird der geteilte Schlagbolzen, gegen die Kraft seiner Druckfelder, aus dem Minenkörper herausgezogen. Die Verhakung des Schlagbolzens löst sich und der Schlagbolzen zündet über ein Anzünd­ hütchen und die eingesetze SK Nr. 8 die Wirkladung der Mine.

Besonderheiten    Springhöhe 0,7 m, in der die Sprengladung

de­­to­niert. Der Splittermantel besteht aus ca. 2350 Stahlsplittern (gehackter Stahldraht 5,0 × 5,0 mm). Splittergewicht 0,8 g. Elektrische Zündung möglich.

73


Antipersonenminen

> Spring-Splitter

v69 Bezeichnung Konstr.land Valmara 69 Typ

Antipersonenmine

Wirkung

Spring-Splitter

Auslösegröße

6–10 kg

Konstruktionsland

ITA

Hersteller

Valsella Meccanotecnica

SpA, Chartered Indus­ -

­

tries of Singapure

Einsatzgebiete

AFG/AGO/EGY/IRQ/KWT/MOZ/

SDN/RWA/COD

Durchmesser

13 cm

Höhe

20,5 cm

Farbe

sandfarben

Gesamtgewicht

3300 g

Sprengstoffgewicht

597 g

Sprengstoffart

TNT/RDX-Comp B

Gefahrenbereich

1000 m

Tödl. Wirkungsbereich

20 m

Wirkzeit

unbegrenzt

Zylindrischer, dosenförmiger Minenkörper oberer Rand überstehend. Der seitliche Rand weist vertikale Riffelungen auf. Auf dem Minenobderteil ein kuppelartiges Zünderoberteil; Charakteristisch durch fünf, ca. 5 cm herausragende Stifte.

Funktionsweise   Nach Auslösen des Zünders erfolgt die Zündung der

Austoßladung, die sich entwickelnden Gase treiben den Minenkörper aus dem Minentopf bis zur Detonationshöhe von ca. 45 cm. Dabei spannt sich das Zugseil und der Schlagbolzen sticht in den Detonator und zündet diesen. Über die Übertragungsladung kommt die Wirkladung zur Detonation.

Besonderheiten    Mine kann über Zug/Stolperdraht mit weiteren

Minen verbunden sein. Mine detoniert in ca. 45 cm Höhe. Beinhaltet ca. 1000 Stahlsplitter (5 × 5 × 5 mm). Wasserdicht.

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75


Antipersonenminen

> gerichtete Ladung

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m18 a1 Gebrauchsname

CLAYMORE

Typ

Antipersonenmine

Wirkung

gerichtete Ladung

Konstruktionsland

USA

Hersteller

Thiokol Corporation

Einsatzgebiete

AGO/KHM/TCD/CHL/CRI/ECU/

SLV/ERI/GTM/HND/IRN/IRQ/

KUR/LBN/MWI/MOZ/MMR/OMN/

PHL/RWA/SOM/THA/

Westernsahara

Länge

23 cm

Breite

5 cm

Höhe

9 cm

Höhe komplex

20 cm

Farbe

sandbraun, olivgrün

Gesamtgewicht

1580 g

Sprengstoffgewicht

900 g

Sprengstoffart

C4

Wirkzeit

unbegrenzt

Konkav gewölbte, rechteckige Mine mit zwei Zündkanälen, Visiereinrichtung und vier Metallbeinen. In der Gehäusevorderseite befindet sich ein Splittersatz, der 700 kleine Stahlkugeln enthält. Auf der zum Feind gerichteten Seite steht “FRONT TOWARD ENEMY”.

Funktionsweise    Die Sprengkapsel in einem der zwei Zündkanäle wird

entweder elektrisch oder mechanisch ausgelöst und bewirkt das Zünden der Wirkladung, wobei die Splitter trapezförmig in einem Winkel bis ca. 60 Grad weggeschleudert werden.

Besonderheiten    Gedeckte Zündstelle muss sich mindestens

16 Meter hinter der Mine befinden. Gerichtete Splittermine die nicht unter das Ottawaabkommen für den Verbot von Antipersonenminen fällt, da sie kontrolliert ferngezündet werden kann.

77


Minen – Weitere explosive Kampfmittel

Weitere Gruppierungen    der Bedrohung durch explosive Kampfmittel sind Streumunition (cluster bombs), UXO (unexploded ordnance), ERW (explosive remnants of war) und IED (improvised explosive device). Streumunition    sind kleinere Bomblets, die zu hunderten mit Hilfe eines großen Behälters von Flugzeugen abgeworfen oder dur­ch Artelleriegeschosse über weite Gebiete verteilt werden. UXO    oder auch Blindgänger bezeichnet Munition, Patronen, Granaten und Bomben, die nicht zur Wirkung gelangt sind.

78

ERW    sind explosive Altlasten einer kriegerischen Auseinandersetzung. IED

> S. 76


blu3b

Gebrauchsname

Ananasbombe

Typ

Streubombe

(Clusterbombe)

Wirkung

Splitter

Konstruktionsland

USA

Einsatzgebiete

VNM/KHM/LAO

Länge

9,5 cm

Länge mit Schaufeln

17 cm

Durchmesser

7 cm

Farbe

rot-metall, versch.

Gesamtgewicht

790 g

Sprengstoffgewicht

160 g

Sprengstoffart

RDX

Streubombe, die gegen ungepanzerte Ziele eingesetzt wird. Enthält ca. 250 Stahlpellets von 6,3 Millimetern Durchmesser. Die Streubomben enthalten bis zu 400 dieser BLU-3-Bomben. Sie werden meist durch Druckluft, oder den Winddruck aus 19 Ausstoßrohren (Luft-Dispenser) unmittelbar hintereinander ausgestoßen. Nach Entlas­sung aus dem LuftDispenser entfalten sich die sechs Pop-out-Drag-Schaufeln und bremsen die Bombe ab. Beim Aufschlag explodiert die Bombe, wodurch lebende Ziele in einem Umkreis von 10 bis 15 Metern durch die mit hoher Energie explosiv freisetzten Stahlpellets getötet oder verletzt werden.

79


Weitere explosive Kampfmittel > IED

IED’s    sind gesondert zu betrachten, da sie für das Militär und die zivile Bevölkerung eine zunehmende Be­drohung darstellen. Improvised explosive devices sind behelfsmäßig, im­pro­visiert hergestellte und angebrachte Vorrich­tungen, die zerstörende, tödliche, schädliche, entzündliche oder pyro­technische Stoffe enthalten. Ihr Zweck ist die gezielte Verletzung, Tötung, Zer­störung und Beunruhigung. Mit ihrer Hilfe wird bewusst Terror gegen bestimmte Personen oder Gruppierungen ausgeübt. Sie können militärische Komponenten enthalten, bestehen jedoch häufig auch aus zivilen Ma­terialen des alltäg­ lichen Gebrauchs. Landminen werden häufig als Wirkladung genutzt. Die Bombenbauer, die oftmals über ein enormes Wissen im Bereich Explosivwaffen verfügen nehmen keine Rücksicht auf die Anwesenheit ziviler Personen bei Explo­ sionen. Besonders irreguläre Gruppier­ungen und Personen machen sich diese Waf­fen zu eigen. Sie werden an Straßen, unter Straßendecken, an Autos, Motorädern etc. angebracht und dann von der auszulösenden Person durch verschiedene Systeme zur Detonation gebracht.

IED-Explosion – unter der Fahrbahn verlegt

80


quellen

> S. 25–27

Genfer Konventionen

1/3

www.admin.ch

> S. 28–29

Waffenübereinkommen der Vereinten Nationen

www.bmvg.de

> S. 30–33

Handicap International/ International Campaign to Ban Landmines, “Landmine Monitor Report,”2010

> S. 12–15

Frank Abel (GICHD)

www.gichd.org

www.the-monitor.org/ www.icbl.org

> S. 16–17

> S. 34–35

Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautechnik Ingolstadt – Kampfmittelräumzentrum

International Campaign to Ban Landmines, “Global Contamination from Mines,”2010

> S. 18–19

Wikipedia/Jan Kölbel/ Ottawa-Konvention

www.wikipedia.org/ http://mitglied multimania.de JanKoelbel/#Projekte

> S. 36–37

Ottawa-Konvention/ International Campaign to Ban Landmines

> S. 38–39

US Campaign to Ban Landmines/ Washington Post www.banminesusa.org/

> S. 20–21

Wikipedia

www.washingtonpost.com

> S. 40–46

International Campaign to Ban Landmines, “Country Profiles,”2010

> S. 50–80

Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautechnik Ingolstadt – Kampfmittelräum­ zentrum/ Colin King: Jane’s Mines and Mine Clearance (15. Ausgabe, 2010)/ Wikipedia

81


Medien  prägen zu einem erheblichen Teil unsere Wahrnehmung der Realität. Gerade bei weit entfernten Konflikten oder Problemen sind die Medien für die meisten Menschen naturgemäß sogar die einzige Informationsquelle. Kriegs­ filme und Kriegsberichterstattung ersetzen vielen nach 1945 geborenen Menschen die Wahrnehmung von Krieg und Schrecken – mal blutig-schockierend wie in Francis Ford Coppolas Vietnam-Schocker “Apocalypse Now”, mal nüchtern-effizient wie im PR-Material der US-Truppen zum Golf-Krieg 1991. Man kann daher davon ausgehen, dass die Medien in großem Ausmaß auch die Wahrnehmung der Landminen-Problematik prägen. Wer denkt bei der Vor­ stellung einer Landminen-Explosion nicht an einen kühltödlichen Klick in der Sekunde vor der Explosion…? Während die Thematik im Politikjournalismus nur noch ein Randdasein fristet, findet sie jedoch erstaunlich großen Widerhall in der Alltagskultur. Filme, Musik, Freizeitspiele – sie alle bedienen sich der »Faszination« Landmine in unterschiedlichen Zusammenhängen.

82


2 medien

> S. 87–117

Gesellschaft > S. 119–132

83


Blitz

Als taktisches Zeichen beschreibt der Blitz beim Milit채r die Truppengattung Fernmeldetruppe.


2

>

.

1

di n

e el sc 1

Quellenangaben und Einzelnachweise befinden sich gesammelt am Ende des Kapitels. > S.133

t


You step over the line is like you stepped on a landmine BOOOM

The Alcemist & Oh No – All Bad > S. 112–113


Film

> S. 88–107

Tatort Minenspiel

> S. 90–93

Der englische Patient

> S. 94–97

Schildkröten können fliegen

> S. 98–101

No Man’s Land

> S. 102–103

The Hurt Locker

> S. 104–107

medien

Musik

> S. 87–117

> S. 108–115

Johnny Got His Gun

> S. 110–111

Songs

> S. 112–113

Pressemitteilungen

> S. 114–117

Quellen 2

87

> S. 133


Medien – Film

film

Immer wieder wird die Landminen-Thematik im­plizit oder explizit in Filmen aufgegriffen. Zwei verschiedene Darstellungsweisen dominieren dabei den filmischen Umgang mit der Problematik. Die eine nutzt die Minenexplosion vorrangig als Schockund Spannungs-Effekt. Detonationen, dicke Rauchschwaden, umherfliegende Metal­lsplitter und Gesteinsbrocken dienen hier in erster Linie der Unterhaltung und der filmi­ schen Inszenierung von Krieg (bzw. einer Vorstellung von Krieg). In zahlreichen (Anti-)Kriegs- oder Actionfilmen aus Hollywood ist diese auf Effekt angelegte Einbindung der Minenproblematik zu finden. Die Landmine ist hier nur eine von zahlreichen Möglichkeiten des Zerstörens und Tötens. Die zweite Darstellungswei­se kann im Gegensatz dazu als eher dokumentarisch bezeichnet werden. So wird versucht, auf die für die Menschen in den betroffenden Gebieten alltägliche Todesgefahr, die von den Minen ausgeht, aufmerksam zu machen. Das Aufdecken von Missständen und die Sensibilisierung für ein weltweites Problem­feld stehen hier im Vordergrund. Natürlich können sich bei­de Spannungs­ felder und Darstellungsweisen über­lagern. Eine actionbasierte Darstellung schließt den Wunsch nach gesellschaftlicher Sensibilisierung für ein bestimm­tes Problemfeld nicht per se aus. Genau so gilt es auch anders herum. In der Symbiose kann unter Umstän­den sogar der stärkste Sensibilisierungseffekt erzielt werden.

88


Problematisch wird es aus humanitärer und problemorientierter Perspektive hingegen, wenn Filme ein unzurei­ chendes oder gar falsches Bild der Realität generieren. Obwohl der tödliche Klick vor der Explosion einer Mine ein zentrales filmisches Stilmittel ist und darüber Eingang in das Alltagswissen über Minen gefunden hat, gibt es dazu keine Entsprechung in der Realität. Es ist, entgegen der filmischen Darstellungsweise, auch nicht möglich, unbeweglich auf einer Mine stehen zu bleiben und dadurch eine Detonation zu vermeiden. Auch wenn solche Bilder in erster Linie dem Spannungsaufbau dienen, verfälschen sie auf diese Weise doch die Vorstellung von der Realität. Sie verleihen der Landmine zwar einen gewissen, schockieren­den Schrecken – dieser scheint allerdings auf fatale Weise beherrschbar. In den Hintergrund gerät dabei, dass Landminen lautlose und geduldige Killer sind, die in vielen Weltgegen­den zur blutigen Alltagsrealität gehören. Sie kündigen sich weder an, noch lassen sie sich durch Bewe­gungslosigkeit ausschalten. Sie zwingen ihre Umgebung vielmehr zu Bewegungslosigkeit, in dem sie ganze Land­striche in ödes Brachland verwandeln, auf dem weder die lebensnotwen­dige Landwirtschaft, noch ein normales Leben möglich ist.

89


Film – Der englische Patient

2/5

94

der englische patient


0:12:21

Hey!

Stehen bleiben nicht bewegen!

Hey keinen Schritt weiter!

1996 – USA/GBR Drehbuch Regie

Stehen sie absolut still!

Sie laufen über ein Minenfeld.

Gut, so ist es gut – jetzt schön stillstehen!

Das haben wir gleich.

Was machen sie denn?

Anthony Minghella

95


> S. 182–183

96


»Der englische Patient« ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans des kanadischen Schriftstellers Michael Ondaatje. Während der letzten Tage des Zweiten Weltkrieges, treffen sich die junge Krankenschwes­ter Hana, ihr »englischer Patient« Almasy, der seinen Namen nach einem Unfall vergessen hat, zwei eng miteinander befreundete Bombenentschärfer der britischen Armee und ein mysteriöser Dieb in einem italienischen Kloster. Personen, die Hanah nahestehen scheinen wie durch einen Fluch umzukommen – erst ihr damaliger Freund in einer Schlacht, dann ihre Freundin durch eine Landmine. Sie verliebt sich in Leutnant Kip Singh, einen der Bombenentschärfer. Almasy, der »englische Patient«, versucht sich derweil an die Geschehnisse vor seinem Flugzeugabsturz zu erinnern.

97


Film – Schildkröten können fliegen

3/5

98

schild­kröten können fliegen


1:02:15

Ich will zwei Geschütze holen für das Dorf Kanibo und russische PKC.

Das ist teuer. Die Preise sind gestiegen.

Auf etwa 3500, 3600 Dinar.

Ich will sie nicht kaufen. Nur mieten, für zwei, drei Monate. Das ist alles.

Du willst sie mieten?

Für drei Monate macht das

600, 650 Dinar.

Ich habe 500, 600 Dinar in Minen.

In Ordnung. Leg sie da hin.

Dreh dich um! Extra ausgesuchte Minen.

2004 – IRN/IRQ/FRA Drehbuch Regie

Bahman Ghobadi

99


Film – Schildkröten können fliegen

100


»Schildkröten können fliegen« spielt im Irak des Jahres 2003, einige Wochen vor dem Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte. An der Grenze zur heutigen autonomen Region Kurdistan und dem Iran befindet sich ein Flüchtlingslager in dem viele Kinder leben. Unter der Leitung des 13-jährigen Satellit suchen sie die Gegend nach irakischen Minen ab, um sie dann zu verkaufen. Der Film operiert offenkundig mit dem dokumentarischen Look seiner Aufnahmen; sämtliche Rollen werden von den ortsansäs­sigen Laien gespielt. Spielszenen verweben sich so mit einer Atmosphäre des Authentischen.

101


Film – No Man’s Land

4/5

no man’s land

0:17:47

Leg ihn drauf! Vorsicht, vorsicht, vorsicht! Pass immer gut auf das der Zünder richtig liegt und jetzt lass den Körper langsam drüberrollen, sonst fliegst du mit in die Luft. Also weiter geht’s. Zieh an dem Draht!

Ich? Wieso ich?

Nur keine Angst, die explodiert nicht solange so ein Gewicht drauf liegt. Du brauchst nur ne ruhige Hand.

2001 – BIH/SVN/GBR/ITA/BEL/FRA Drehbuch Regie Danis Tanovic

102

Ich kann’s nicht.


Drei jugoslawische Soldaten geraten während des Bosnienkrieges 1993 zwischen die Fronten und müssen inmitten der feindlichen Linien im Schützengraben, dem sogenannten “No Man’s Land”, ausharren. Zwischen ihnen liegt ein Verletzter auf einer Splittermine, die sofort explodiert, sobald er wegbewegt wird. Durch die UN-Blauhelme kommt dem Mann ein deutscher Minenexperte zur Hilfe. Schon bald werden auch die Medien auf den dramatischen Zwischenfall aufmerksam und inszenieren eine große Pu­blikumsshow. Für das Happy-End inszenieren sie sogar die Rettung des Verletzten, da eine Entschär­fung der Mine nicht möglich ist.

103


Film – Tödliches Kommando / The Hurt Locker

5/5

104

töd­liches kommando


0:08:32

Sanborn! Fleischerei auf 12 Uhr, der Typ hat ein Telefon!

Zwing ihn es wegzulegen!

Runter mit dem Telefon! Runter mit dem Telefon! Runter mit dem Telefon!

Knall ihn ab Eldridge,

na mach schon!

Sofort runter mit dem Telefon!

2008 – USA Drehbuch Regie

Knall ihn ab!

Mark Boal Kathryn Bigelow

105


Film – Tödliches Kommando / The Hurt Locker

US-amerikanische Experten entschärfen Bomben im Irak. Bei einer Explosion verliert das Team seinen Vorgesetzten, der kurz darauf durch Sergeant James ersetzt wird. James, ein echter Draufgänger und »Liebehaber« des Krieges, führt lebensgefährliche Alleingänge beim Entschärfen der Explosivwaffen durch. Bei einem Einsatz findet James, den mit improvisierten Bomben, präparierten Leichnam eines Jungen, den er zu kennen glaubt. Nachdem er ihn beerdigt hat, versucht er herauszufinden wer für seinen Tot verantwortlich ist.

106


107


Medien – Musik

Musik Ein wichtiger Bezugspunkt von Kunst jeder Art sind Aus­ein­ andersetzungen mit und Darstellung von Gewalt. Auch in der Musik – und hier vor allem im Heavy Metall und im Rap – wird Gewalt immer wieder thematisiert. Natürlich greifen Musiker verschiedener Stilrichtungen daher auch in unterschiedlicher Weise das Thema »Landmine« auf. Generell unterscheidet sich die musikalische Darstellung von Gewalt grob in zwei grundlegende Bereiche: Gewaltdarstellung als Stilmittel und Gewaltdarstellung als politisches Engagement. Im ersten genannten Bereich ist Gewalt ein reines Stil­­mit­­tel, durch dessen Nutzung die potentielle und tatsächliche menschliche Brutalität als Faszinosum inszeniert wird. Ab­hängig vom Nutzer kann Musik Gewaltphantasien beschwören oder befriedigen; die dargestellte Gewalt dient als Stimulanz, dem Aggressionsabbau oder der Verar­beitung real empfundener Gewalt, Benachteiligung (etc.). Inwiefern mediale Gewaltdarstellungen im Allgemeinen tatsächlich reale Gewalt befördern können und welche Wechselwirkungen zwischen der »künstlerisch-medialen«, der »gesellschaftlich-realen«, bzw. »individuell-psycho­ logischen« Sphäre herrschen, wird sowohl in der Gesellschaft als auch in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. In Deutschland wird diese Diskussion vor allem um die sehr erfolgreichen Veröf­fent­lichungen der Rapper Bushido oder Sido geführt, deren Texte in erster Linie auf die explizite Betonung von Sex, Drogen und Gewalt setzen.

108


Davon abzugrenzen ist der zweite Bereich medialer, bzw. künstlerischer Gewaltdarstellungen, der hier als »politischengagiert« bezeichnet wird. Hierunter sind Künstler zu verstehen, die mit ihrem Songtexten eher pädagogische, humanitäre oder friedenspolitische Absichten verfolgen. Gewalt ist in diesen Liedern selten Faszinosum und Stilmittel, sondern meist Schrecken. Diese »politischengagierte« Musik, die in Deutschland vor allem seit der Friedensbewegung Eingang in die Musikkultur gefunden hat, will auf globale oder gesellschaftliche Problemfelder – wie etwa die Landminen-Problematik hinweisen und als politisches »Kampfmittel« im Gegensatz zu den mili­ tärischen »Kampfmitteln« wahrgenommen werden.

109


Musik – Johnny Got His Gun

Johnny Got His Gun

Der Song “One” von Metallica ist eine Umsetzung des Romans und Films “Johnny Got His Gun” von Dalton Trumbo. In diesem verliert ein Soldat durch eine Granate (im Song durch eine Landmine) auf dem Schlachtfeld Augenlicht, Gehör, Sprache, Arme und Beine. Er wünscht sich den Tod, aber kann dies auf­grund seiner Verletzungen nicht zum Ausdruck bringen.Er bittet um Hilfe, aber niemand kann ihn hören. 1971 – USA Drehbuch Regie Dalton Trumbo

110


An so einem Ort musst du denken damit du nicht zum Nachdenken kommst I can’t remember anything

can’t tell if this is true or dream

deep down inside I feel to scream this terrible silence stops me

now that the war is through with me I’m waking up, I cannot see

that there’s not much left of me nothing is real but pain now

hold my breath as I wish for death oh please God, wake me

back in the womb it’s much too real in pumps life that I must feel

but can’t look forward to reveal look to the time when I’ll live

fed through the tube that sticks in me just like a wartime novelty

tied to machines that make me be cut this life off from me hold my breath as I wish for death oh please God, wake me now the world is gone I’m just one oh God, help me hold my breath as I wish for death darkness imprisoning me all that I see absolute horror I cannot live I cannot die trapped in myself body my holding cell landmine has taken my sight taken my speech taken my hearing taken my arms taken my legs taken my soul left me with life in hell

Metallica – One > S. 112–113

111


Musik – Songs

4

2

5

3

1

6

112


4 Metallica – And Justice for All > S. 110–111 Song    One Erscheinungsjahr    1988

2 Landmine Marathon 5 Heinz Rudolf Kunze – Räuberzivil > S. 22 Song    Irrland Erscheinungsjahr    2008 3 Alchemist & Oh No – Gutter Water > S. 86 Song    All Bad Erscheinungsjahr    2010

1 Freundeskreis – Esperanto > S. 22 Song    Eimsbusch bis 0711 Erscheinungsjahr    1999

6 Billy Talent – Billy Talent III Song    Diamond on a Landmine Erscheinungsjahr    2009

113


Medien – Pressemitteilungen

Ich kenn kaum oder eigentlich gar keinen Gitarristen der keine Tretminen benutzt – moderne Gitarrenmusik kommt ohne diese Dinger gar nicht aus

Martin Thelen – Gitarrist/Hit Company

Berliner Zeitung > (16.08.2007)

114


Gitarreneffektgeräte    werden vom Gitar­risten während des Spie­lens über Pedale bedient. Durch diese Art der Nutzung und die Form früherer Effekt­geräte, die stark an eine Teller­mine erinner­ten, werden diese auch als »Tretminen« bezeichnet.

115


Pressemitteilungen

Prinz Harry auf den Spuren seiner Mutter Wir sehen Prinz Harry (25) mit Gesichtsvisier und Schutzweste im afrikanischen Mosambik – in einem Minenfeld! Dort machte er sich ein Bild von der Arbeit einer britischen Organisation, die Minen entschärft. Harrys Mutter, Prinzessin Diana († 36), war 1997 in Angola – im gleichen Schutzanzug für dieselbe Stiftung. Diana wäre ja so stolz!

bild.de

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The evil that men do lives after them

Lady Diana (12.06.1997)

117


I know they look like fun But even if they haven’t gone off doesn’t mean they won’t at any time

Superman > S. 150–151


Minesweeper

> S. 121

Freizeitspiele

> S. 126–127

Alltägliches

> S. 128–129

Gebrauchsnamen

> S. 130–132

Gesellschaft > S. 119–132

Quellen 2

119

> S. 133


> S. 182–183

120


Minesweeper

Hit '?' for help Time: 2:30s Mines: 73 Marks: 3

Windows-Minesweeper    ist eines der meist­genutzen Spiele unter dem Be­triebssystem Windows. Der Spieler muss dur­ch logisches Denken herausfinden hinter welchen Feldern Minen versteckt sind. Ziel ist es, in einer be­ stimmten Zeit alle Felder aufzudecken, auf denen keine Minen versteckt sind. Für die Windows Vista Version wurde die Ober­fläche über­arbeitet. Aufgrund der im Spiel vorkommenden Minen und eine hie­r­um entfachte Diskussion in Bezug auf die Landminen-Proble­ma­tik, wurde das Spiel durch einen Blumengar­ten erweitert. Die bisher dargestellten Minen wer­den hier durch Blumen ersetzt. Statt Explosions­ geräuschen erklingt eine Melodie, sobald man das Spiel verloren hat.

121


Freizeitspiele

Werbevideos Minennachbauten

126


Die Idee der Mine findet Verwendung in Spielen/ Sportarten, in denen in nachgestellten Szenarien mit Nachbauten von Waffen aufeinander ge­ schossen wird. Dies geschieht bei Schusswaffen meist mittels kleiner Farb- oder Plastikkugeln. Die Nachbauten der Landminen versprühen eine Wasser- oder Pulverfontäne, sobald sie durch den Gegner mit dem Fuß ausgelöst werden. Bei der »Claymore Variante« > S. 76–77 werden hunderte von Plastikkugeln entweder durch einen Stolperdraht oder durch Fernzündung in Richtung des Gegners ausgestoßen.

127


Alltägliches

Darmausscheidungen von Hunden werden umgangssprachlich auch als »Tretminen« bezeichnet. Die daraus resultierenden Verschmutzung der Gehsteige und Straßen gilt als gesellschaftlichen Problem und, wenn nicht vom Hunde­halter entfernt, als Ordnungswidrigkeit.

128


I really liked this one, wes ... can you do me a huge favour and make a claymore version :D I’m sorry ... Call of Duty 4 is still in my system :(

posted 2 years ago by Westcroft

SWORDFISH (http://www.imdb.com/title/tt0244244/) Has the most BASASS claymore scene! I Love Claymores!

posted 2 years ago by WARdocGirl

129


Gebrauchsnamen

Einige Minen sind unter ihren Gebrauchs­namen oder Spitznamen bekannt. Am bekanntesten ist sicher die sogenannte »Schmetterlings­mine«, welche eigentlich »Drachenzahn« heißt. Die meist verharm­ losenden Begriffe lassen eher einen Bezug zu alltäglichen Gegenständen vermuten, als auf eine tödliche Waffe. Die Namen werden von der Form der Minen oder ihrer Funktionsweise, wie etwa bei der “Bouncin Betty” das Springen, abgeleitet.

L

Y

r m E 

“Claymore”, der Gebrauchsname der M18A1 wurde ihr von ihrem Entwickler Norman A. MacLeod gegeben und bezieht sich auf das schottische Claymore-Schwert. > S. 76–77

130


a

abo 

s e

BLU-3 (Pineapple) wird wegen ihrer herausragenden Schaufeln und Form auch als Ananasbombe bezeichnet. > S. 79

131


Gebrauchsnamen

B



ou

n

cin

Die deutsche S-Mine (Spring- Splitterspringmine) wird auch als “Bouncin Betty” bezeichnet. Der Name spielt auf die Funktionsweise der Mine an, die beim Auslösen in die Luft schnellt und erst im einer Höhe von ca. 80–150 cm explodiert. ähnlich > S. 73

132


Quellen

> S. 121

PC-Welt

2/3

www.pcwelt.de

> S. 126–127

S-Thunder/ You Tube/ Anti-personnel device for war gaming exercises www.s-thunder.com/ www.youtube.com/ www. freepatentsonline.com

> S. 90–93

www.indymogul.com/ post/9403/wesleys-weekly-how-to-prop-landmines

Westdeutscher Rundfunk/ Deutscher Bundestag www.wdr.de/ www.bundestag.de

> S. 94–97

> S. 98–101

Schildkröten können fliegen

> S. 102–103

No Man’s Land

> S. 104–107

Tödliches Kommando – The Hurt Locker

> S. 130–132

Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautechnik Ingolstadt – Kampfmittelräum­ zentrum/ Wikipedia

Der englische Patient

> S. 129

Indy Mogul

> S. 110–111

Johnny Got His Gun/ Metallica “One”

> S. 112–113

Google

www.google.com

> S. 114–115

Stefan Niggemeier

www.stefan-nigge­ meier.de

> S. 102–103

Prinz Harry auf den Spuren seiner Mutter

www.bild.de­

133

www.wikipedia.org


Das Kunst und Humanität unbedingt zusammengehören, hat Schiller schon in seinen Briefen »Über die ästhetische Erziehung des Menschen« aufgezeigt. Die Ästhetik des Schönen soll den Menschen zu einem humanen Leben an­leiten. Doch Kunst erschöpft sich nicht allein in einer Ästhetik des Schönen, gerade das Hässliche und Verstörende, das Grausame und Quälende sind zentrale Themen der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Welt. So greifen Künstler der verschiedensten Richtungen beispielsweise immer wieder Themen auf, die besonders drastische Bei­spiele für Inhumanität bilden. Auch die Landminen-Pro­ blematik ist immer wieder auf verschiedene Weise bear­ beitet worden, denn die zahlreichen zivilen Opfer sind ein besonders eindringliches Beispiel der Inhumanität und Grausamkeit von Kriegen. Gerade in diesem Rahmen kann Kunst als Bollwerk gegen Inhumanität wirken. Sie wirkt dabei im Idealfall auf verschiedenen Ebenen: Identifizieren von lokalen, regionalen und globalen Themen und Problemfeldern, künstlerischproduktive Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, Erzeugung von Aufmerksamkeit, Implementierung gesellschaftspolitischer Diskurse. Im Rahmen dieser politischengagierten Kunst wird der Betrachter oftmals zu einer Auseinandersetzung mit der »Faszination des Bösen« ge­zwungen, durch die ein Blick hinter die abstrakte Darstellung weit entfernter Konfliktszenarien und anonymer Kriegstoter möglich wird und die einen Abgleich zwischen der real existierenden, alltäglichen Gewalt und Ungerech­ tigkeit und dem tatsächlichen gesellschaftlichen Umgang mit diesen Themen schafft.

134


3 KUNST/ HUMANITÄt

> S. 139–181

135


Rautenkontur

Als taktisches Zeichen beschreibt die Rautenkontur beim Militär ­ eine Person.


ST/ U NI Ă„

S.

– 81

Quellenangaben und Einzelnachweise befinden sich gesammelt am Ende des Kapitels. > S.181


Ich werde ein wenig gehen Sagt mir wenn es weitergeht

Robert Capa – Letzte Worte des Kriegs­ fotografen bevor er 1954 im Indochina­ krieg auf eine Landmine trat und starb.


Man of Steel – von Kamel Saadi

DC Comics – Superman/Batman

> S. 140–143

> S. 150–151

Barb Hunt – Explosion

> S. 152–153

Giovanni Diffidenti – The legacy of the perfect soilder

> S. 154–157

Lukas Einsele – ONE STEP BEYOND

> S. 158–163

Philipp Louven – Booom!

> S. 164–169

Sarah Pickering – Explosion

> S. 170–173

M.A.A.T./ Medico International – Minenteppich

> S. 174–179

3 KUNST– HUMANITÄt

> S. 139–181

Quellen 3

139

> S. 181


Kamel Saadi – Man of Steel

Kamel Saadi (JOR)

140


I was 14; it was on March 16th 1979. Around 2:20 pm; when I walked up a hill planted with green hay, up north at Al Mukheibeh area. In the middle of the hill, I went up a rock rather than to step on the hay, and that’s when the mine blew up; when my body was half way up, and my left leg had already triggered the mine without me knowing so. I remember falling down, ears sounding the blast over and over and nose smelling nothing but burns; flesh burns, the flush of my very own. Still, and in spite of this all, my fears rejected admitting the fact that I was hit, hurt, or may be dead; truly I didn’t know, but I stood up trying to race my death; for death was there, but seemed to had not come for delivery yet. I tried to run away, but the limp was hard, I looked behind, beautiful spots of red shattered over the green hay, I stood for a glance, watching, as if the seen was meant to be printed in my head for a certain cause, I didn’t know it then, and I didn’t know it was coming. Two steps I took, and was able no more. I laid on the ground, crawled, but no use; my lower part was too heavy, though I was skinny, but felt I was dragging a ship behind, I called for help, those near by fled as if they were looking at horror itself, then two young men cried from distance telling me to stay where I was; that they’re coming to get me. They were my guardian angels for that moment, jumping so lightly from one rock to the other until they were by my side. They lifted me up, and carried me to safe shores. Yet, still, I hadn’t passed out. Cars with picnickers began to run home, stopping my way, looking at me with fears and tears; “poor kid, look what happened to him,” some of them insisted that they’d take me to hospital with them, but I insisted I’d stay until my uncle comes to see me, so he would be at ease to see I was still alive. He wasn’t really my uncle; he was my father’s best friend since childhood; I was his responsibility for he took me with him and his family to this picnic, and it must

141


Kamel Saadi – Man of Steel

have hurt him so much to have seen this happened while he was responsible of my safety. Poor Uncle Hassan, I loved him so much, may he rest in peace; he died with cancer some years later. Then he came with his car, leaving all of his family behind, caring for no one but me. I looked up to this man; he was strong, and very optimistic. Knowing I was with him gave me strength. He was a builder of houses, and had a wooden box in the back of his hatch back Datsun car; I remember I broke the lid of that box out of pain, but without any sound or tears. It was my parents I kept thinking of, how sad they will be! How were they going to take it and what would my father say! I have wonderful parents, but they were going through hard times then. We had just been robbed only three days before, and that’s why I went to Irbid (north) to see Uncle Hassan; to take him back so he’d build a wall against the balcony so no thieves will come again. I was up north for a mission, and came back with another. I was to help ease the pain, and there I came back with one pain more. The feeling of guilt never left me; perhaps it was useful then to take my mind of what had happened to me. After stopping to a near by hospital, I was given first aid. Then driven to Amman, lying on a wooden board, in a bumpy ambulance. I was dozed off, but had wakened up on the way. I remember cursing at Uncle Hassan who never left me alone, then passed away again. On the first entrance to Amman at Suwaileh Circle, there were all the Al Saadi’s; cousins, my brother, and of course, my father too. They had already known of the news, and were in wonder; will we ever see him alive again! Dr. Jamal, one of my cousins, whom I owe what ever good and which ever strength in me afterwards, was a Doctor Major at The King Hussein Medical City, he tried to stop the ambulance to take me directly to the KHMC, but the nice ambulance driver, thought it was a car accident case which needed an ambulance so he drove through my cozen

142


doctor, and the rest of them. With Amman’s rush hour on a Friday then, at a time where all picnickers were to go back home, it was nearly impossible to get a hold of that slow ambulance, so I ended up at Al Bashir Hospital opposite direction of the KHMC. In that hospital, while laying down on a medical bed, my father, brother, and the rest of my relatives who wit­nessed me then were standing around me, I saw them, but I was already out my body at that point, I was up at the top of that hall, free in the air, looking down at them, with a fine blue whitish round gate near by. I then said to my father with a smile, and comfort in my soul: “I am sorry for what I had done, forgive me, you have got Ihab (my brother) take care of him, for I ask you to let me go. Forgive me for what I have done; I didn’t mean for it to happen, forgive me Dad, and please let me go.” I truly wanted to go, the gate was calling, and it was so beautiful not to leave behind, or not to go through it. I needed to go, but their tears, their weakness, and their need of me got me back. I had a taste of something heavenly, and nothing else mattered afterwards. The same night, at the KHMC, I woke up with a nurse by my side, cuddling my head, looking at me with love and sorrow; I asked her if they’d cut off my leg, she answered with a yes, I said now let me sleep. The next mor­ning my parents came in, it was a nervous moment for me. How was I to meet them, how was I to face them, now that I had brought them another pain to cope with, and when they appeared walking down the hall, I lifted up both my arms, with hoses of glucose attached to them and said with hidden pain:

“I’m a man of steel.”

143


> S. 182–183

144


Die Mine ist von einer extremen Objektpräsenz der enthaltene Sprengstoff verleiht ihr eine ungeheure dingliche Macht

Lukas Einsele > S. 158–163

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like little hitlers lurking in the dirt

Edward Sanders – Song against Landmines


DC Comics – Superman / Batman

1/7

DC Comics (Usa)

1996 veröffentlichte die US-Regierung in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und DC Comics eine Sonderedition des Superman Comics. Die Idee dazu soll bei einem Bosnien-Besuch von Hillary Clinton geboren worden sein. “Superman – Deadly Legacy” ist ein Aufklärungscomic für Jugendliche, der in Bosnien und im Kosovo verteilt wurde. Das Illustratorenteam arbeitete eng mit Experten der US-Army zusammen und fertigte anhand von Umgebungsfotos die Zeichnungen an. Durch den Comic sollten die Kinder das richtige Verhalten in minenverseuchten Gebieten oder beim Fund einer Mine erlernen. Ein zweiter Comic zur Landminen-Problematik, “Superman and Wonderwoman – the Hidden Killer”, wurde 1998 herausgebracht und an Kinder in Lateinamerika verteilt.

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Basierend auf den Superman Comics wurde 1996 zudem “Batman – Death of Innocents” von DC Comics in den USA veröffentlicht. Diesmal allerdings nicht, um Kinder in betroffenen Regionen aufzuklären, sondern um das amerikanische Volk für die Landminen-Problematik zu sensibilisieren.

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Barb Hunt – antipersonnel

antipersonnel    Living in Newfoundland with its rich tradition of domestic textile practices has inspired me to focus on textiles in my art and research. There are close ties between Newfoundland and Ireland, and as a descendant of Irish pioneers I was taught some of the traditional textile skills expected of women. During a residency in Paris. I visited an annual protest against land mines, “The Pyramid of Shoes”, which inspired me to knit replicas of land mines in various shades of pink wool. Since then, I have also made two visits to Ireland to research the his­tory and practice of knitting. The significance of knitting can function on many different levels: historic, cultural, political, and personal. My research in Ireland indicates knitting itself is a text that can be read, as history and meaning are attributed to specific knitting patterns. Knitting was his­torically practised by men (farmers, sailors, soldiers, surgeons) but it is now associated with women’s unpaid domestic labour, lacking in prestige and requiring much effort, time and care.

152

There is a close association of knitting with caring for the body. Knitting was originally used to make undergarments (the origin of the sweater), and its sen­ suous qualities infer intimacy. Bandages for soldiers were once hand-knitted, and women still knit socks for soldiers overseas, and for the homeless. Thus, knitting functions as a metaphor for recuperation, protection, and healing. In antipersonnel, I use these associations to contradict the abuse of power and the use of violence. I am transforming a destructive object into one that can do no harm. These objects deny usefulness, and privilege the private realm of personal exchange. The pro­cess of mass-production is replaced by the slow work of hand-knitting, and through this I hope to re-focus attention on the value of small personal gestures that can accu­mulate into a declaration of caring and hope.


BarB Hunt (CAN)

2/7

153


Giovanni Diffidenti – The legacy of the perfect soilder

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Giovanni Diffidenti (ITA)

3/7

The legacy of the perfect soldier    How does it feel when your foot activates a mine? What is it like when you lose a part of your body? What does it mean to live your life disabled? These are some of the questions that i keep asking myself. I have asked and continue to ask the same questions to different people from different countries since the perfect soldier, or rather its victims, entered my life.

155


Giovanni Diffidenti – The legacy of the perfect soilder

I feel the need to share these stories with the rest of the world. I hope that my work succeeds in conveying to people’s conscience at least part of my experience, because nowadays, there are still too many people who become the prey of these weapons, as there are too many people who believe they are un­able to change the way things are. I would like everybody to abandon their feeling of im­potence by becoming aware of these atro­ cities, until we push the whole world into playing an active part in making a change.

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The bombardment in Kosovo has been going on for a week. Perparim and his twelve-year-old cousin find an unexploded cluster bomb dropped by NATO. They try to open it. A violent explosion. Lots of smoke. “It wasn’t me, it wasn’t

Name

Perparim

me.” These are Perparim’s words before fainting in his mother’s arms.

Country

Kosovo

I do not realize the traumatic consequences on Perparim and on people around him until I see him at school. In the class he has limited capacity of concentration, he plays with his watch and looks around. He does not par­ticipate in the lesson. His classmates help him, letting him copy their homework. The teacher feels inadequate, he rarely talks to him. Only on one occasion I saw him ask Perparim to read. Perparim reads no more than three lines and when the teacher notices he is having difficulties he asks another pupil to go on. Another time I see him abandoned in the class, alone, while everybody is outside playing during the break. The class­room is empty for some minutes but I think that for him it is an endless time. Suddenly, everything is silent, no distraction. He tries to play with his new yoyo, but he leaves it straight away. He looks at his wheel-chair behind him, at the back of the room, and he lays his arms and head on the desk looking out of the window. A window which I start staring at, too. A window full of insensitivity and injustic.

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Lukas Einsele – ONE STEP BEYOND

4/7

ONE STEP BEYOND (OSB) – Wieder­ begegnung mit der Mine    von Lukas Einsele ist ein künstlerisches Projekt, das über Landminen und ihre Opfer be­richtet und sie in ein sichtbares und nachvollziehbares Verhältnis zueinan­der bringt. Im gleichnamigen Buch werden die erarbeiteten Informationen zusammengefasst und in ein Verhältnis zueinander gesetzt. Für OSB erinnerten sich Landminenopfer an den Hergang des Unglücks; einige stellten dabei den Unfallort in einer Zeich­nung dar. Im Anschluss an das Gespräch wurden sie von Einsele mit einer Großbildkamera porträtiert und erhielten im Tausch für ihren Bericht den Polaroidabzug dieser Fotografie. Mit Hilfe dieser Berichte sowie unter Hinzuziehung von Militär- und Minenkarten und den Informationen von Minen­räumern recherchierte Einsele jene Minenarten, die die Unfälle verursacht haben könnten. Sie wurden fotografiert, umfangreich dokumentiert und dem Portrait gegenübergestellt.

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lukas einsele (ger)

Die Interviews und Recherchen zu OSB führten ihn in die vermutlich am stärksten verminten Gebiete der Erde; nach Afghanistan, Angola, BosnienHerzegowina und Kambodscha. Von insgesamt 47 befragten Überlebenden waren 37 zum Zeitpunkt des Unfalls Zivilisten. 17 von ihnen werden im Buch mit ihrem Portrait, ihrer Geschichte und – wenn eine solche vorhanden ist – mit ihrer Zeichnung abgebildet. Die Gespräche wurden von Dolmetschern geführt, mit denen Einsele sich ge­nau über die Form und den Inhalt der Inter­views abgestimmt hatte. Daneben wurden Themen fotografisch aufgegriffen, die zur Problematik von OSB gehören, wie Minenräumungen, Minenaufklärung und Rehabilitationsprojekte. Wer an One Step Beyond Anteil nimmt, sei es rezipierend oder am Projekt aktiv mitarbeitend, wird in diese Beziehung involviert und an einem Grenzgang zwischen Kunst und Politik beteiligt. Dabei, so Einsele, appeliert OSB als multimediales Projekt, das sich der Fotografie, audio-visueller Texte, Zeichnungen und weiterer Dokumentationsmaterialien bedient, »nicht an Mitleid oder humanitäre Hilfe«, sondern soll »die Eigenverantwortlichkeit menschlichen Handelns bewusst machen«.


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Lukas Einsele – ONE STEP BEYOND Es war früh am Morgen. Da hatten wir schon einige Äcker bestellt. In der Nacht hatte es ein Gewitter mit starkem Regen gegeben. Es hatte in mein Haus hineingeregnet. Als ich fertig war mit der Feldarbeit, bin ich in den Busch gegangen, um einige Hölzer zu schneiden, mit denen ich mein Haus stabilisieren wollte. Also … in den Busch, in den Busch. Ich hatte keine Ahnung, dass da die Mine ist. Andere machen da Kohle. Ich hatte das Holz sehr gut zugeschnitten. Es war an beiden Seiten zugespitzt und ich wollte es gerade schultern. Dabei trat ich auf die Mine. Ich hob das Bein … Explosion. Die anderen, die mit auf dem Feld gewesen waren, waren schon vor längerer Zeit weggegangen. Da war ein Mann. Der machte Kohle. Ein Nachbar von mir. Ich rief ihm zu: »Das war die Explo­ sion einer Mine!« Er nahm mich auf den Rücken und trug mich ein Stück von dem Unfallort weg. Dann ist er zum nächsten Kontrollpunkt gerannt. Er sagte ihnen Bescheid: »Hört mal, da ist ein Mann, der ist auf eine Mine getreten.« Er sagte ihnen, sie sollen das Militär holen. Aber dort war niemand. Also brachte er mich zum Kontrollpunkt und legte mich dort neben das Feuer. Ich lag da und habe geschrien und jeder, der auf der Straße war, konnte mich sehen. Wäre es zu einer anderen Zeit passiert, hätte ich sterben können. Die Leute dort haben mir aus ein paar Stangen eine Trage gebaut und mich mitgenommen. In die Klinik. Dort sagten sie: »Da ist einer, der ist auf eine Mine getreten. Er hat schon viel Blut verloren und wird sterben, wenn Sie ihm nicht helfen.« Die Ärzte sagten, dass sie mich an einen anderen Ort bringen müssten. Aber es gab kein Transportmittel. Das war am 24. Juni um elf Uhr. Am 24. Juni 2000. Jetzt tu ich nichts. Vorher war ich Maurer und Schuster. Aber im Moment mache ich nichts.

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Name

Manuel Soares Ferreira

Alter

37

Datum des Interviews

22.11.2001

Ort des Interviews

Luena

Wohnort

Luena

Land

Angola

Beruf

Arbeitslos

Zeitpunkt des Unfalls

24.06.2000

Mine

POMZ-2

ähnl. PMR-2A > S. 70–71

Verwundung

Verlust des rechten

Unterschenkels


Lukas Einsele – ONE STEP BEYOND

Name

Bernardo Kalenga

Alter

55

Datum des Interviews

22.11.2001

Ort des Interviews

Luena

Wohnort

Luena

Land

Angola

Beruf

Bauer

Zeitpunkt des Unfalls

10.11.2001

Mine

PPM-2

ähnl. YM-1 > S. 62–63

Verwundung

Verlust des rechten

Beines

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Vor nicht einmal zwei Wochen, am Samstag, dem 10. November, trat ich auf eine Landmine. Ich hatte Holz gesammelt. Äste und kleine Stämme. Ich muss mein Haus re­parieren. Das ist während der letzten Regenzeit eingestürzt und wir wohnen seitdem in einer Hütte. Aber die ist viel zu klein für die ganze Familie. Das meiste von dem abgesägten und gebündelten Holz hatte ich schon nach Hause gebracht. Um drei Uhr nachmittags ging ich nochmals an die Stelle, an der ich das restliche Holz zurückgelassen hatte. Ich wollte die letzten zwei Holzbündel holen. Ich lief über den Pfad und wollte nur kurz in die Büsche zum Pinkeln. Also verließ ich kurz den Pfad und verschwand hinter einem der Büsche. Dann ging ich zurück, um das erste Bündel zu schultern und zur Straße zu bringen. Direkt neben der Stelle, an der ich das Holz gestapelt hatte, war eine Mine vergraben. Das Unglück wollte es, dass ich auf sie trat. Ich wusste nicht, dass es dort Landminen gibt. Es ging alles so schnell. Ich flog in die Luft und landete auf dem Rücken. Als ich auf die Mine trat, rannten alle Menschen um mich herum weg. Ich lag auf dem Boden und sah, dass mein rechtes Bein stark blutete. Da alle fort waren, musste ich ganz allein bis zu einer Kaserne in der Nähe der Straße kriechen. Die Soldaten schickten ein paar Kinder in mein Dorf, die meiner Familie Bescheid geben sollten. Aber es kam niemand aus dem Dorf. Den Soldaten war klar, dass die Kinder zu spät gekommen waren. Da nahmen sie einem vorbeifahrenden Mann sein Fahrrad ab, verbanden es mit einem zweiten und legten mich auf eine Bahre dazwischen. So brachten sie mich zum Dorf. Auf dem Weg dorthin begegneten wir meiner Frau, die mit den Nachbarn herbeigeeilt kam. Während die Soldaten zur Kaserne zurückgingen, brachten meine Frau und mein Nachbar mich auf der Bahre zum Krankenhaus. Am Zentrum für die Minenopfer in der Nähe des Krankenhauses trafen wir einige Leute der Hilfsgruppen, die dort Ball spielten. Sie legten mich in eines ihrer Autos und fuhren mich zum Krankenhaus. Mein Leben ist vollkommen durcheinander geraten. Mein Bein schmerzt. Die ganze Zeit frage ich mich, wie mein Leben weitergehen wird … Ich denke an meine Kinder … Wie wird es mir bloß möglich sein, für meine Kinder zu sorgen. Ich bin auf die Mine getreten … und ich habe mein Bein verloren. Ich weiß nicht, was ich tun soll … und was ich tun muss … Mir gehen so viele Gedanken durch den Kopf … Es gibt Menschen, die mir helfen. Meine Frau, meine Kinder. Auch Josepha von den Hilfsgruppen. Wenn sie mit mir spricht, sind die Gedanken weniger schwer. Aber … wenn du ein Bein verloren hast … ich denke die ganze Zeit an nichts anderes …

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Philipp Louven – Booom!

5/7

Booom!    Ein Projekt, das für die Präsen­tation eines Aufklärungsbuches für Kinder in verminten Gebieten diente. Aufgenommen mit zwei Kameras aus unterschiedlichen Perspektiven, wird die Kraft und vor allem die Schnelligkeit ei­ner Rohrbombenexplosion gezeigt. Ausgehend vom berechneten Anteil des Sprengst­offes sollte diese der Explosion einer Antipersonenmine nahe kommen.

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Philipp Louven (GER)


BOOOM! 165


Philipp Louven – Booom!

BOOOM! 1/4

2/4

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1 sec

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2 sec

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4 sec

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1/4

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8 sec

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9 sec

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10 sec

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12 sec

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13 sec

1/4

2/4

3/4

14 sec

Kamera 1 9 Sekunden >

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> S. 182–183

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BOOOM! 1/4

2/4

3/4

1 sec

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2 sec

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3 sec

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5 sec

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3/4

6 sec

1/4

2/4

3/4

7 sec

Kamera 2 3 Sekunden

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Sarah Pickering – Explosion

6/7

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Sarah Pickering (GBR)


Explosion    The simu­lation pyrotechnic industry has rapidly expanded over the last five years: atrocious acts have happened in conflict throughout history, yet training in recent times has had to become more and more realistic to psychologically prepare our forces for the worst. Police and soldiers who have grown up playing computer games and seeing ever more spectacular special effects in films are simultaneously disconnected from and situated closer to the “real.” These photographs, which depict pyrotechnic explosions used by British police and military instructors to intensify the sense of drama and tension in training exercises, are part of a series taken at test sites in the English countryside where the bursts of light, flames, sparks, and smoke sit incongruously in the rural environment.

With names like “Artillery,” “Groundburst,” and “Napalm,” the pyrotechnics evoke not only violent and destructive events from wars and conflicts, but also the dramatic re-enactments of such events familiar from feature films or war documentaries. Witnesses to extreme situations often describe what they saw as being “like a film,” and modern film makers use CGI and special effects to conjure the most realistic possible disasters to entertain viewers. Whether real or artificial, we enjoy looking at explosions and, as an artist, I’m of course fascinated by their visual seductiveness. But I’m also interested in the forms of violence they represent, in our relationship to them, and in identifying the imaginative references they instantiate. By using photography to record a simulated or imagined scene, I am creating a document that is already a departure from reality. Moreover, most of the photographs in this series were in fact taken during manu­facturers’ demonstrations for military and police shopping trips rather than during training itself — in this sense, the images represent artificial instances of artificial explosions, packaged here as “product.” Both catalogu­ing and decontextualizing the explosions they depict, these photographs permanently suspend them in a tranquil and contemplative moment. The image of a past event hovers between “then,” “now,” and “what might be”; what should be a decisive moment is confounded.

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Sarah Pickering – Explosion

Landmine

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M.A.A.T. / medico international – Minenteppich

M.A.a.t./ medico 7/7 international (ESP/GER)

Minenteppich    Zu Beginn der inter­ nationalen Kampagne gegen Landminen stellte sich den Machern die grundlegende Frage, wie den Menschen in Europa ein so ernstes und schreckliches Thema über Öffentlichkeitsarbeit nahe­gebracht werden könnte. Für die Frankfurter Hilfsorganisation “medico international” stand dabei von vornherein fest, dass die Kampagne auf keinen Fall auf mit­ leidsheischenden Bildern von amputierten Menschen aufgebaut sein sollte. Den Vertretern von “medico internati­ onal” war auch klar, das die bis dahin üblichen Wege humanitären und friedens­politischen Engagements – etwa Unterschriftensammeln oder Solidaritäts­ bekundungen mit gesellschaftspolitischen Gruppierungen der so genannten 3. Welt – keine größere Öffentlichkeit erzeugen würden.

174

Deshalb sprach ein Mitarbeiter von “medico international” Roland Olbeter, den Bühnenbildner der spanischen Theatergruppe “La Fura dels Baus” an, die mit ihren spektakulären Inszenierungen bereits für internationales Aufsehen gesorgt hatte (u.a. bei der Eröffnungs­ feier der Olympischen Spiele von Barcelona, 1992). Roland Olbeter hatte gemeinsam mit Franc Aleu und Pere Tintinyá das Künstlerkollektiv M.A.A.T. gegründet. Diese Gruppe arbeitete grundsätzlich mit beweglichen Installationen auf der Strasse. Die Intention aller Arbeiten war dabei immer die Herstellung eines »Schocks«, der die Passanten zumindest zum Stehenbleiben herausfordern, bes­ser aber eine starke emotionale Reaktion hervorrufen sollte. Das Konzept des Minenteppichs für “medico international” basiert auf der Annahme, das Menschen erst dann bereit sind, sich einem Thema zu öffnen, wenn es, selbst für wenige Sekunden, gelingt, sie aus ihrer Routine herauszureissen.


Der Minenteppich erzählt die Geschichte eines Minenunfalls in drei Bildern. Das Besondere dieses »Gefühlscontainers« ist, dass die Geschichte nur durch die Zuschauer selbst ausgelöst werden kann – mit allen ihren Konsequenzen. In diesem Fall eine Minenexplosion, die dadurch entsteht, dass die Passanten durch den Container laufen, dabei auf eine »Mine« treten und diese auslösen.

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M.A.A.T. / medico international – Minenteppich

Die Installation »gaukelt« eine durch und durch friedfertige Situation vor einer Alpenidylle vor die Vögel singen, ein Blumenfeld mit Margeriten lädt zu einem Spaziergang ein und in der Klang­installation hört man Kinderstimmen, die »Heidi komm’, Klaus komm’.« rufen.

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Tritt einer der Passanten auf die Wiese, lĂśst er eine Explosion aus, bei der sich der Boden bewegt. Eine laute Explosion, die alles in Rauch hĂźllt, ertĂśnt und im Hintergrund erscheint ein brennendes und schreiendes Kind.

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M.A.A.T. / medico international – Minenteppich

Verlässt der Passant den Container, erklingen gregorianische Gesänge und eine schöne Frau erscheint mit einer Mine – einem Werbespot gleich –, während das Kind gen Himmel schwebt.

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Die Reaktionen auf diese fast poppige Art der Denkanregung waren kontrovers. Damit wurde das vorrangige Ziel der Installation, also die Bekanntmachung der Minenproblematik, erreicht: Der Minenteppich war in über dreißig Städten zu sehen und erreichte nicht zuletzt aufgrund der heftigen und kontroversen Reaktion eine große Medienpräsenz. Die Kampagne gegen Landminen wurde durch diese Installation zum »Aufreger« und »Hingucker«. Der Minenteppich schuf genau jene Art von Aufmerksamkeit, bei der die Öffentlichkeit dann weitere Informationen sucht, um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Auf diese Weise entstand auch eine mediale Plattform, auf der das Minenproblem überhaupt erst publik gemacht und diskutiert werden konnte. Anfang der 90er-Jahre stellte dieser künstlerischer Ansatz in absolutes Novum in der politischen Öffentlichkeitsarbeit dar. Es war auf der einen Seite der Mut einer kleinen Hilfsorganisation, auf der anderen Seite aber auch die künst­ lerische Radikalität der Urheber, die dem Minenteppich zu einem internationalen Phänomen machten. Vor der EU-Zentrale in Brüssel und bei der UNO in Wien, vor der Fabrik eines Minenherstellers in Italien und in vielen deutschen Fußgängerzonen sorgte der Minenteppich für genügend Aufsehen, um einen weltweiten humanitären Skandal anzuprangen.

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Heidi komm Klaus komm

Minenteppich > S. 176–179


quellen

> S. 182–183

International Campaign to Ban Landmines, “Landmine Monitor Report,”2010

3/3

www.the-monitor.org/ www.icbl.org

> S. 140–143

Kamel Saadi

> S. 150–151

Psywarrior/UNICEF

www.psywarrior.com/ PsyopComics.html/ www.unicef.org

> S. 152–153

Barb Hunt

www.barbhunt.com

> S. 154–157

Giovanni Diffidenti

http://theperfectsoldier.giovannidiffidenti.com

> S. 158–163

Lukas Einsele

www.one-step-beyond. de

> S. 164–169

Philipp Louven

www.flipplouven.com

> S. 170–173

Sarah Pickering

www.sarahpickering. co.uk

> S. 170–173

Christoph Goldmann/ medico international/ M.A.A.T.

www.medico.de

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Die Buchpaginierung ist im übertrage­nen Sinne als Zeitlei­ste zu verstehen, die alle 24 Stunden (24 Seiten) 11 Unfälle hinzuzählt. Zur Erklärung    3.956 Opfer von Minen, IEDs, Streumuni­tion und anderen explo­­siven Hinterlassenschaften von kriegerischen Auseinandersetzungen wurden 2009 verzeichnet. 1.041 Per­sonen wurden getötet, 2.855 verletzt und der Zustand weiterer 60 Fälle ist unbekannt. Afghanistan verzeichnete mit 859 Minen­ opfern die meisten Unfälle, gefolgt von Kolumbien mit 674 Vorfällen. Dabei sind die Opferzahlen durch den 1997 abgeschlossenen Ottawa-Vetrag in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Während bis zum Jahr 2000 jährlich noch etwa 15.000 bis 20.000 Unfälle mit Minen und anderen explosiven Waffen registriert wurden, so sanken die jähr­lichen Opferzahlen bis 2009 auf 3956 Minenopfer. Die Dunkelziffer liegt jedoch weit höher. Antifahzeugminen, die für Menschen ebenso tötlich sein können, sind von der Ottawakonvention ausge­nommen und werden von verschiedenen Konfliktparteien immer noch eingesetzt.

> S. 24/48/72/96/120/144/168

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Druck / Bindung

impressum

Schotte GmbH & Co. KG

Papier Innenteil Resa Offset, 115 g/m2 Innenteil Minen Profisilk, 150 g/m2 Umschlag Profisilk, 200 g/m2

Herausgeber

Fonts

Copy Aperçu, Colophon Foundry

Philipp Louven

flipplouven@gmx.de www.flipplouven.com

Zitate/Auszeichnungen Bysshe, David Millhouse

Mit Beiträgen von Frank Abel, Kamel Saadi, Barb Hunt, Giovanni Diffidenti, Lukas Einsele, Philipp Louven, Sarah Pickering, M.A.A.T., medico international

Dank an Frank Abel, Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautech­ nik Ingolstadt – Kampfmittelräumzentrum, Hauptmann Krap, Amelie Chayer (ICBL), Jaqueline Hansen (ICBL), WDR Köln, Kamel Saadi, Barb Hunt, Giovanni Diffidenti, Lukas Einsele, Sarah Pickering, Christoph Goldmann, Anne Jung (medico international), Jan Schulz (Aktionsbündnis Landmine), Firoz Alizada, Jan Kiesswetter, Florian Thelen, Lars Harmsen, Rüdiger Quass von Deyen

Sämtliches Bild- und Text­material ist durch die Urheber geschützt.


Eine grafisch-typogra­fische Ausein­andersetzung mit der Landminen­-Thematik. Fakten aus militärischer, politischer und humanitärer Perspektive überlagern sich mit Dar­stellungen in Medien, Gesellschaft und Kultur. Was genau ist eine Mine und welchen Nutzen hat sie? Wo taucht das Thema bei uns im Alltag auf und nehmen wir die Problematik in ihrer realen Grau­samkeit als solche überhaupt noch wahr? Das Buch als Medium verknüpft die verschiedenen Bereiche und stellt so eine Konfrontation zwischen Realität und Wahrnehmung dar.

FRONT TOWARDS ENEMY  

Final work (Diploma). Book of 192 pages dealing with the landmine topic and it´s influences on our evryday life. Military facts andphotograp...

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