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Mit Poinsettien in außergewöhnlichen Pflanzgefäßen kann sich das Blumenfachgeschäft von anderen Anbietern abgrenzen. Floristen können hier ihre besondere Kreativität zeigen.

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FARBEN + FORMEN Während die Hochblätter der Wildform der Euphorbia pulcherrima immer rot sind, variiert die Farbpalette der Topfsorten von unterschiedlichen Rottönen über Apricot, Bordeaux, Cremeweiß, Orange, Pink und Rosa bis hin zu Zimtfarben und leuchtendem Zitronengelb. Darüber hinaus gibt es zahlreiche zweifarbige Varianten mit interessanten Farbverläufen oder Sprenkelungen. Auch in Bezug auf Größe, Wuchs- und Blattform bieten Weihnachtssterne Vielfalt. Von Minis, über Hochstämmchen bis hin zu Ampelpflanzen und Büschen ist alles zu haben. Poinsettien gibt es zudem nicht nur mit »normalen«, sondern auch mit spitzen, eichblattartig gezackten oder gekräuselten Blättern. Recht neu sind gefüllte Sorten. Sie wachsen sehr gerade, sind robust, lange haltbar und eignen sich daher gut als Tischschmuck oder Schnittblumen. Trotz des großen Farb- und Formenreichtums ist der Klassiker in den traditionellen Weihnachtsfarben Rot und Grün am beliebtesten. An zweiter Stelle folgen weiße, respektive cremefarbene Varianten, die besonders edel und elegant wirken. Dabei gibt es auch bei den rotgrünen Weihnachtssternen immer wieder neue Züchtungen. Diese verfügen nicht nur über besonders intensiv gefärbte Hochblätter, sie sind auch deutlich robuster und haltbarer als frühere Sorten. SAISON + PRODUKTION Höhepunkt der Weihnachtsstern-Saison ist traditionell die Woche vor dem ersten Advent. Dann kaufen viele Verbraucher die Pflanzen, um ihre eigenen vier Wände zu dekorieren. Ab Anfang Dezember verlagert sich der Schwerpunkt dann in Richtung »Schenken«.Jeder vierte Weihnachtsstern wird verschenkt. Etwa 90 Prozent der bei uns verkauften Weihnachtssterne stammen aus deutscher Produktion. Das ist neben der in der Weihnachtszeit heiß begehrten Farbkombination Rot und Grün ein weiteres positives Argument, das für den Kauf einer solchen Pflanze spricht.

GESCHICHTE + KARRIERE Die Erfolgsgeschichte von Euphorbia pulcherrima begann 1804. In dem Jahr war der Naturforscher Alexander von Humboldt auf die Pflanze mit den leuchtend roten Hochblättern aufmerksam geworden und hatte sie von einer Amerikareise mitgebracht. In Berlin wurde sie katalogisiert und erhielt 1833 von dem Botaniker Carl Ludwig Willdenow den botanischen Namen Euphoriba pulcherrima, was so viel wie die »Schönste der Eurphorbien« bedeutet. 1834 wurde sie von dem Arzt, Apotheker und Kustos am Botanischen Museum Berlin, Johann Friedrich Klotzsch, nach einem Beleg des »Willdenow«Herbariums beschrieben. Mit dem deutschstämmigen Amerika-Auswanderer Paul Ecke begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Weihnachtsstern-Vermarktung. Fasziniert von den wild in der Nähe seiner kalifornischen Farm wachsenden roten Pflanzen versuchte sich Ecke an ihrer Kultivierung. Erste Erfolge verzeichnete er mit frisch geschnittenen Weihnachtsstern-Zweigen. Sein Sohn, Paul jr., verkaufte diese zur amerikanischen »holiday season«, im Weihnachtsgeschäft, an prominenten Standorten: auf dem Sunset- und dem Hollywood-Boulevard in Los Angeles. Ein würdiger Geburtsort für einen Weltstar. Und so begann die Karriere des Weihnachtssterns dort, wo heute die weltbekannten Sterne auf dem »Walk of Fame« die Größen der Unterhaltungsindustrie ehren. Angespornt durch seine Erfolge mit dem Weihnachtsstern in Hollywood forcierte Ecke die Poinsettien-Zucht. Auf seiner Farm im südlichen Kalifornien kultivierte er auf großen Feldern zunächst Poinsettien-Pflanzen,die über Gärtner im ganzen Land als Schnittblumen vermarktet wurden. Die Feldproduktion von Schnittblumen wurde später weitgehend durch die Produktion von Topfpflanzen ersetzt. Züchtungserfolgen in Deutschland um 1950 ist es zu verdanken,dass der Weihnachtsstern heute auch unter den für ihn zunächst ungewohnten Bedingungen in geheizten Räumen zurechtkommt.

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