Page 24

24

VERKAUFEN II In den Medien wird die Zukunft des Facheinzelhandels häufig in düsteren Farben gezeichnet. Nicht immer zu Unrecht, beobachten doch immerhin 59 Prozent der Deutschen nach aktuellen Zahlen des Demoskopie-Instituts Allensbach, dass Einzelhändler Probleme haben und aufgeben müssen. Besonders in Mittel- und Kleinstädten sowie auf dem Lande. Allerdings gibt es für den Blumenfacheinzelhandel einen zentralen Aspekt, der optimistisch in die Zukunft blicken lässt. Es geht um die, die hauptsächlich Floristik, Blumen und Pflanzen verkaufen und kaufen: die Frauen.

Die Probleme des Facheinzelhandels werden oft mit den immer größer werdenden Verkaufseinheiten der Einkaufszentren, Discounter und Supermärkte in Verbindung gebracht. Alles in einem Geschäft (mit Parkplatz) kaufen – das ist praktisch. Doch sind die Kunden von heute mobiler als viele denken. Allein die Produkte des täglichen Bedarfs werden in ganz verschiedenen Läden gekauft. Im Schnitt besucht der Konsument dafür neuneinhalb Einkaufsstätten.Das spricht für ein Nebeneinander unterschiedlichster Geschäftstypen auch in Zukunft. Nicht zuletzt bei schwierigen, »lebenden« Produkten. Ein natürlicher Verbündeter des Blumenfacheinzelhandels ist zugleich die wichtigste Kundengruppe: Frauen. Sie wollen beim Einkaufen etwas entdecken, sie nehmen sich Zeit bei der Auswahl und Begutachtung. Im Vergleich zu Männern verweilen sie doppelt so lange in den Geschäften. Zeit zum Entdecken bieten vor allem die Fachgeschäfte. Und nicht Supermärkte und Discounter, wo etwa drei Viertel des Ladenaufenthaltes mit dem Suchen (und nicht mit dem Entdecken) nach Produkten verbracht wird. ZIMMERPFLANZEN EIN TRADITIONELLES FRAUENTHEMA Speziell der weiblichen Kundschaft bieten die Blumengeschäfte ein sehr zielgerichtetes Angebot. Das zeigt allein die Statistik von Zimmerpflanzen. 86 Prozent aller Deutschen pflegen und hegen Zimmerpflanzen in ihrer persönlichen Umgebung. Davon sind 92 Prozent weiblich! Es gibt also eine große Affinität Ihrer wichtigsten Kundengruppe zum Produkt Pflanze, dessen Potenzial in vielen Geschäften bei weitem noch nicht ausgereizt ist. Eine »Wiedergeburt« der Zimmerpflanzen, vor allem ausgefallener Sorten mit Design-Effekt, kann den Fachgeschäften viele neue Impulse geben. Frauen sind es auch, die der Werthaltigkeit von Produkten eine große Bedeutung beimessen. Biologischer Anbau, Saisonalität und Regionalität, fairer Handel und Umweltverträglichkeit sind ganz besonders für den weiblichen Teil der Konsumenten wichtige Attribute. Der Blumenfachhandel bietet das. Die Bevorzugung saisonaler Ware ist längst ein Standard im Blumenfacheinzelhandel. Kaum ein Geschäft, das in der Freilandsaison auf heimische und regional erzeugte Ware verzichten möchte. Und nun besteht zusätzlich die Möglichkeit, in das Geschäft mit fair gehandelten Blumen aus Übersee einzusteigen. Diese Domäne der Supermärkte und Discounter wird durch die Fleurop-Kooperation mit Omniflora für Sie erobert. Auch darin verbirgt sich großes,bisher ungenutztes Potenzial. Besonders bei der weiblichen Klientel. Aber ebenfalls bei institutionellen Kunden, viele Firmen und Behörden setzen heute das Angebot fair gehandelter Blumen schlicht voraus.

ein lob EINRICHTEN NOCH EIN FRAUENTHEMA Frauen haben bekanntlich die Meinungsführerschaft beim Thema Einrichtung inne. Auch in diesem Bereich hat im Blumenfacheinzelhandel ein großer Wandel stattgefunden. Viele Geschäfte haben ihr Sortiment erweitert, getestet, was geht, und diesen Produkten dann entsprechenden Raum eingeräumt. Berührungsängste wie noch vor wenigen Jahren gibt es nicht mehr. Der Weg zum Geschenkspezialisten, zum Ideengeber für Wohnung und Wohlbefinden ist längst beschritten. Die Floristen-Branche hat sich hier neu definiert, was mit Blick auf die wichtigste Zielgruppe zukunftsweisend ist. Für den Blumenfacheinzelhandel spricht zudem, dass er dem gerade bei Frauen ausgeprägten Wunsch nach kleinen Einheiten entspricht. Weibliche Konsumenten möchten nicht suchen (wie im Supermarkt), sondern stöbern. Erlebnisvielfalt können die Floristen wie nur wenige andere Branchen auch auf kleiner Geschäftsfläche zelebrieren. Darüber hinaus wird die soziale Funktion eines Nachbarschaftsgeschäftes immer wichtiger. Da es den Krämer von nebenan bald nicht mehr gibt, können Blumenfachgeschäfte diese Rolle durchaus übernehmen. Oft reicht es schon, etwa einen Kaffee anzubieten, um eine nachbarschaftliche Atmosphäre zu erreichen. SELBERMACHEN NICHT DAS LETZTE FRAUENTHEMA Frauen sind auch meinungsführend, wenn es um den omnipräsenten Selbermach-Trend geht.In der einstigen Männer-Domäne Garten sorgen Sie für Euphorie, das erfolgreiche Magazin »Landlust« wird vor allem von Frauen gekauft.Gegenwärtig ist eine regelrechte Handarbeitswelle spürbar. Überall wird gestrickt und gestickt, allerorten entstehen Strickcafes,Stoff-Design-Kurse werden angeboten.All das weit weg vom Oma- oder Öko-Image – das weibliche Publikum ist jung, kommuniziert im Internet, wo sich auf Plattformen wie »Etsy« Handgemachtes gut verkaufen lässt. »Das ist kein Hype, sondern eine nachhaltige Bewegung, die wir seit Jahren verfolgen«, meint Gert Eberhardt vom Branchenverband Initiative Handarbeit. Der feminine Selbermach-Trend ist wie geschaffen für den Blumenfacheinzelhandel. Sei es zu Pflanzthemen, sei es im Bereich Zimmerpflanzen oder Floristik, womöglich mit Kooperationen. Etwa zusammen mit einem Strickladen, Restaurant oder Buchgeschäft, denn auch dort sind Frauen die wichtigste Kundengruppe. Ganz besonders entscheidend ist die wichtigste Zielgruppe der Floristen, wenn man in die Zukunft blickt. Es sind hauptsächlich Frauen, die Kindern ihr Einkaufsverhalten vermitteln. »Ein Großteil unserer Konsumentscheidungen werden in der Kindheit angelegt«, hat der dänische Markenexperte und Buchautor Martin Lindstrom erforscht, der Konzerne wie Nestle, Walt Disney oder Microsoft berät. Es ist sicher kein Fehler, den Kindern, die mit ihren Müttern ins Geschäft kommen, größte Aufmerksamkeit zu widmen. Sie sind die Zukunft.

fm_1212_0