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Bernd Koller (rechts) verschwindet förmlich in seinem neuen Verkaufsgewächshaus unten den großen Fleuropdeluxe-Bannern. Schon die Außenansicht signalisiert – es regiert die Größe.

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SERIE MARKETING TEIL V Nicht nur in Darmstadt (siehe Seite 24/25) – auch an vielen anderen Orten wird in das Erscheinungsbild von Blumenfachgeschäften investiert. Etwa in Stralsund, wo Dr. Bernd Koller, Verwaltungsratsmitglied von Fleurop, seinem Gartencenter-Stammhaus ein neues Gesicht gab. Rund 2 200 Quadratmeter im Verkaufsgewächshaus wurden neu gestaltet. Eine Kalthalle für Pflanzen von 850 Quadratmetern und 350 Quadratmeter Freifläche ergeben insgesamt eine überdachte Verkaufsfläche von 3 300 Quadratmetern. Ganz klar – Bernd Koller setzt auf Größe und bekräftigt das auch im nachfolgenden Interview, in dem er schwierige Zeiten für kleine Blumenfachgeschäfte prognostiziert. FLEUROP-MAGAZIN : Herr

Koller, Sie feierten Mitte September die Einweihung Ihres umgestalteten Gartencenters. Was waren die wesentlichen Maßnahmen? BERND KOLLER : Wir haben im Eingangbereich, der vorher nur ein umgebautes Produktions-Gewächshaus war, durch eine zehn Meter hohe Glaspyramide ein gänzlich neues, imposantes Ambiente geschaffen. Zentraler Blickfang ist ein Pflanzbeet mit hohen Palmen unter anderem aus Australien. Ein Becken mit japanischen Kois ist ein weiterer Blickfang. Der komplette Warenbereich einschließlich Bodenplatten wurde umgestaltet, alles ist großzügiger, übersichtlicher geworden. Erst jetzt kommen beispielsweise die langen Banner der Fleurop-deluxe-Line zur Geltung. FLEUROP-MAGAZIN : Viele Verbraucher jammern über den Verlust der Tante-Emma-Läden mit ihrem sehr persönlichen Nachbarschaftscharakter – und suchen doch andererseits für ihren Einkauf große Geschäfte mit einem breiten Sortiment auf. Ist auch im Blumenhandel heute eine gewisse Größe notwendig? BERND KOLLER : Eine gewisse Konzentration ist unübersehbar, den »Großen« gehört sicher ein Stück Zukunft. Wir sind Mitglied bei ZEUS Hagebau, ein Einkaufs- und Marketingverbund mit über 1 500 angeschlossenen Unternehmen. Für Gartencenter gibt es einige solcher Dachunternehmen, etwa die Firma Sagaflor. Dort wurde jüngst eine Mitgliederbefragung gemacht, bei der sich unter anderem Alexander Wagner vom Florapark in Wiesloch wie folgt äußerte: »Kleinere Handelsformate wie der Blumeneinzelhandel, gesichtslose Baumärkte oder unproduktive Gärtnereien werden es schwer haben zu überleben.« Diese Äußerung könnte ich unterzeichnen. FLEUROP-MAGAZIN : Heißt das, dass Sie für den traditionellen, lokal agierenden Blumenfacheinzelhandel schwierige Zeiten prognostizieren? BERND KOLLER : Die schwierigen Zeiten sind doch schon längst da. Nicht zufällig sind viele Geschäfte schon verschwunden. Die erwähnte Befragung ergab unter anderem: Die Kunden sind informierter als früher, zugleich wählerischer, sie wünschen Erlebnisein-

kauf. Trends kommen und gehen immer schneller. Der Mitbewerberdruck durch Discounter und Baumärkte wird deutlich stärker. Serviceangebote und Aktionen werden wichtiger, kosten aber zugleich Zeit und Geld. Es wird Top-Qualität erwartet und zugleich ein tiefes und breites Angebot. Da stellt sich doch die Frage – wie soll ein Blumenfachgeschäft mit 50 Quadratmetern Verkaufsfläche all das bieten? Man muss schon realistisch fragen, ob in zehn, zwanzig Jahren solche Geschäfte von den Verbrauchern noch gebraucht werden. FLEUROP-MAGAZIN : Wenn man aber konsequent auf Fachgeschäftscharakter setzt, auf Qualität, auf Top-Floristik – sehen Sie da keine Chance für die Zukunft? BERND KOLLER : So etwas klappt in bestimmten Geschäftslagen – aber auf dem flachen Land schafft man das nicht. Den floristisch meisterlich gestalteten Strauß in den dann entsprechenden Preislagen kaufen die Kunden doch in der Regel nur noch als Präsent. Allein von Blumen-Präsenten kann die Branche aber nicht leben. Man braucht eine möglichst hohe Kundenfrequenz, die viele kleine Blumenfachgeschäfte heute nicht mehr haben. FLEUROP-MAGAZIN : Können Sie das näher erläutern? BERND KOLLER : Ja, allein schon mit einer Zahl. Wir machen rund drei bis vier Prozent unseres Gesamtumsatzes mit Fleurop. Wohlgemerkt: Des Gesamt- und nicht des Schnittblumenumsatzes. Das ist im Wesentlichen auf unsere starke Kundenfrequenz zurück zu führen. Und nur mit einer entsprechend hohen Kundenfrequenz erreicht man Umsatzgrößen und damit gute Einkaufskonditionen. FLEUROP-MAGAZIN : Hat sich denn die Einkaufssituation so verändert? BERND KOLLER : Die Warenbeschaffung hat sich für viele kleine Blumenfachgeschäfte sicher nicht verbessert. Neben den hohen Personalkosten und den ebenfalls hohen Ladenmieten in besseren Lagen

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