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fjordLIFE Das Lifestyle-Magazin der Fjordregion Aabenraa - Flensburg Fjord - Sønderborg

INTERVIEW S

Handballp mit rofi Micha el Knudsen Autor Sieg fried Lenz Fernsehsta r Sabine Ka ack

UND VIEL Nfis, EerpHroRbtenVSeO M gelpro urm

Die deutsch-dänische Erlebnisregion an der Ostsee

Kulinarisches

ord Erlebniswelt Fj

Schlösser & Kultur

st rneköchen, bekannten Ste zessinnen... modernen Prin

Traditio

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www.fjordregion.de


INFO

Europäische Union Europäischer Fonds für regionale Entwicklung Investition in Ihre Zukunft

Flensburg Fjord

Kulturelles Miteinander an der Grenze Wie keine andere Stadt vereint Flensburg dänische und deutsche Kultur. Fast 400 Jahre lebte man hier unter der dänischen Krone. Flensburg bietet sowohl für Erholungssuchende als auch für Aktiv-Urlauber ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Ob Schwimmen, Segeln, Tauchen, Wandern oder Rad fahren: Hier gibt es Sportmöglichkeiten für jeden Geschmack. Wer es lieber ruhiger mag, kann sich bei einem ausgiebigen Spaziergang an der Hafenpromenade entlang entspannen oder die schöne Altstadt mit ihren romantischen Kaufmannshöfen entdecken. An Regentagen empfiehlt sich ein Besuch in einem der vielen Museen der Stadt. Die schönen Badestrände laden zu sonnigen Strandtagen ein, bei denen sich Wasserratten und Sandburgenbaumeister austoben können.

Glücksburg und Angeln Vielfalt an der Ostsee

Nur ein Katzensprung ist es nach Glücksburg. Hinter dem bezaubernden Ostseebad wird es ländlicher. Die Landschaft Angelns lockt mit sanften Hügeln und leuchtenden Rapsfeldern. Ob entspannende Tage am Strand oder aktiv beim Wandern und Radfahren: In der Region rund um den Flensburg Fjord gibt es für jeden Geschmack und jede Altersklasse genau das richtige Freizeitangebot. Zu den großen Attraktionen der Region zählen das wunderschöne weiße Glücksburger Wasserschloss, märchenhaft inmitten eines Sees gelegen und vom Wald umringt. Auch die umliegenden Dörfer in Angeln bieten schöne Ziele für kleine Ausflüge und locken mit idyllischen Gutshöfen und reizvoller Natur.

Aabenraa

Die Region zwischen den Fjorden Eingerahmt vom Aabenraa Fjord und vom Flensburg Fjord, bietet die Region vielfältige Angebote für jede Altersgruppe – von historischen und technischen Museen über Wanderwege bis hin zur Draisinenfahrt gibt es hier Angebote für die ganze Familie. Wem wandern alleine nicht genug ist, dem bieten die Touristinformationen in Aabenraa und Kruså eine tolle Möglichkeit: Geocaching. Hier kann man sich GPS-Geräte ausleihen und dann bei einer spannenden Schatzsuche knifflige Rätsel lösen und viel Neues über die Grenzregion und ihre Geschichte erfahren. Von einer der längsten Fußgängerzonen in Dänemark, mit gemütlichen Cafés, schönen Restaurants und interessanten Geschäften bis hin zum breiten Kulturangebot, in Aabenraa gibt es

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für jeden Geschmack das Richtige. Aabenraa kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Über die lange Seefahrertradition der Stadt kann man sich im Schifffahrtsmuseum umfassend informieren.

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Sønderborg

Von Schlössern und Ringreitern Im Nordosten der Region liegt inmitten einer der üppigsten Landschaften Dänemarks Sønderborg. Wandern, Radfahren, Angeln, Baden oder jede andere Art der Entspannung sind möglich. Wer aktiven Urlaub mag, ist auf der wunderschönen Insel Als genau richtig. Ob Wandern oder Fahrrad fahren – die idyllische Hügellandschaft lädt zu entspannten Ausflügen und Picknicks ein. Die windverwöhnte Halbinsel Kegnæs am Südende von Als ist ein Paradies für Kiter und Surfer, und an den Badestränden können große und kleine Wasserratten nach Herzenslust plantschen und schwimmen. Auf der Insel Als befinden sich einige interessante Ausflugsziele, wie zum Beispiel das DANFOSS UNIVERSE in Nordborg, das Fischerdorf Høruphav oder die Stadt Sønderborg. Neben einer gemütlichen Stadtmitte mit attraktiver Fußgängerzone hat Sønderborg noch einiges mehr zu bieten. Für Kulturfreunde finden im Konzertsaal des Alsion immer wieder interessante und vielfältige Konzerte statt. Die charmante Hafenfront mit ihren vielen Cafés und Restaurants lädt zu Spaziergängen ein. Freunde von Schlössern und Burgen kommen in Sønderborg und Umgebung voll auf ihre Kosten. Neben Schloss Sønderborg findet man hier auch die Sommerresidenz der dänischen Königin, Gråsten, sowie die Schlösser in Nordborg und Augustenborg. Das Grenzland erweist sich als idealer Ausgangspunkt für erlebnisreiche Urlaubstage. Überall stößt man auf Aktivitätsangebote, Sehenswürdigkeiten, urwüchsige Landschaft und die für die Region typische Gastfreundschaft. Wir möchten dir auf den kommenden Seiten auf eine der interessantesten und abwechslungsreichsten Urlaubsregionen Nord- und Mitteleuropas Appetit machen. Bist du auf den Geschmack gekommen und möchtest du mehr wissen? Dann wende dich einfach direkt an unsere Touristinformationen oder schaue auf unsere Internetseite:

> www.fjordregion.de

04 Auf Tour durch die Grenzgeschichte Stephan Kleinschmidt

13 Blau machen am Fjord Schnorcheln und Seetang grillen

24 Schlemmen in

der Sterneküche Christian Bind und Dirk Luther im Interview


Herzlich Willkommen in der Fjordregion

13 38

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30 Kunst

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Künstlerisches am Flensburg Fjord

34 Kleine Königreiche Schlösser in der Region

Rum ist sexy Westindien und Flensburgs Rum-Vergangenheit

18 Segeln hart am Wind Jesper Bank im Interview

40 Drehort Fjordregion Flensburg auf vier Pfoten

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Natur pur

Die Zehn

Unterwegs durch die grüne Region

interessantesten Dinge über die Fjordregion

38 Spielend einfach... Spiel & Spaß für kleine und große Leute

10 Das beste Surfrevier der Welt

Endlose Küste, herrliche Strände, blauer Fjord


Historische Wege entdecken

Auf Tour durch die

Grenzgeschichte Nach der langen Steigung in Dybbøl muss auch ein geübter Radfahrer erst einmal verschnaufen. Und das tut Stephan Kleinschmidt nicht irgendwo, sondern am „schönsten Platz“, hoch oben über dem Fjord mit einem atemberaubenden Panorama-Blick. Wir wären allerdings nicht im deutsch-dänischen Grenzland, wenn der Radweg einfach ein Radweg wäre und die Anhöhe ein simpler Aussichtspunkt. Der Weg folgt als Gendarmenpfad ungefähr 75 Kilometer lang von Padborg dem Fjord; stets den Blick aufs Wasser gerichtet. Der heutige Rad- und Wanderweg diente viele Jahre dem Zoll. Bis vor 50 Jahren hatten die dänischen Patrouillen Schmuggler im Visier, die auf immer neuen Wegen Butter und andere Köstlichkeiten nach Deutschland brachten. Und auch die Anhöhe hat etwas mit der deutsch-dänischen Geschichte zu tun. Hier tobte im April 1864 eine der Entscheidungsschlachten im deutsch-dänischen Krieg. „Das ist für mich ein ganz gewöhnlicher

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Bestandteil der Geschichte, von dem ich ein Teil bin.“ Kleinschmidt streift sich den Helm ab und fügt hinzu „und von dem ich ein Resultat bin.“ Die Geschichte hat seit tausenden Jahren Landschaft und Menschen geprägt. Herausgekommen ist ein ganz besonderer Menschenschlag. Das, was die Wissenschaft als „Zweiströmigkeit“ bezeichnet, ist deutsch-dänischer Alltag am Fjord. Kleinschmidt gehört dazu. 33 Jahre alt, wohnt in Sønderborg, arbeitet in Tønder, politisch aktiv und Teil der deutschen Minderheit in Dänemark. Einer, der das Beste beider Welten in sich zu vereinen sucht: deutsche Standpunkte und dänischen Charme. Darum ist für ihn klar: „Man kann das nicht als Einzelnes erzählen, sondern da gehört mehr dazu.“ Die Staatsgrenze liegt fest, das heißt aber nicht, dass die Orte jemanden gehören: Feiern werden meist gemeinsam gefeiert. Symbolische Bedeutungen verändern sich, so gedenken inzwischen Dänen und Deutsche gemeinsam der Opfer der Kriege. Die Menschen hier wissen um die Verheerungen, in die Konflikte münden können und tun etwas dagegen, ohne auf Order von oben zu warten. Diese Toleranz einigt die Menschen rundum den Fjord: „Wir sind hier nicht so autoritätsgläubig.“ Äußerlichkeiten, wie die Frage, ob man nun Gardinen vor den Fenstern habe wie in Deutschland oder nicht, seien untergeordnet: „Gemeinsam haben wir doch die nordische Art und Weise, so wie wir sind.“


Gendar

menpf Strand ad bei erød

Jede Generation hatte ihre eigenen trauma- in beiden Welten zuhause und kennt beitischen Erfahrungen, Krieg, Grenzkampf, de Betrachtungsweisen. „Je mehr ich daAbstimmung, Besetzung und Verfolgung, von erzähle, desto höher ist die Akzeptanz oder wie es Kleinschmidt formuliert: „Das, meiner doppelten Identität.“ was wir heute haben, ist die Konsequenz von dem, wie es früher war.“ Genau dar- Andere Regionen in Europa lassen sich inum ist das Brückenbauen über die Grenze spirieren von der Erfolgsgeschichte. „Das hinweg und deren sinkende Bedeutung ist die Botschaft, die wir nach außen traim Alltag selbstverständlich geworden. gen können.“ Kleinschmidt lobt die UnterDie direkte und persönliche Konfrontation schiede, die in ein neues Ganzes aufgehen. mit Geschichte habe die Menschen ver- „In Vielfalt vereint“, lautet darum auch das Motto der Bewerbung ändert. Sehr oft finge Sønderborgs als europäein Gespräch am Fjord „Wir erzählen die ische Kulturhauptstadt mit Begebenheiten an, Geschichte Europas – 2017. die lange zurücklägen, aber anders.“ aber: „Es geht doch da„Wir erzählen die Gerum, dass Deutsche und Dänen nicht nur nebeneinander leben, schichte Europas, aber anders.“ Am Fjord sondern miteinander. Diese Geschichte sei Einzigartiges gelungen: aus Gegnern von heute muss auch erzählt werden.“ wurden Freunde: „Wir sind nicht nur Genau das tut Kleinschmidt. In ganz Dä- Deutsche oder Dänen, sondern auch nemark wird er zu Vorträgen eingeladen Grenzlandbürger. Da gibt es eine starke und lebt die gemeinsame deutsch-däni- Zugehörigkeit und eine starke Zusammensche Geschichte vor. Er erzielt damit oft gehörigkeit.“ Dieses neue Selbstbewusstverblüffende Ergebnisse, denn als „deut- sein der ehemaligen Randregionen löste scher Nordschleswiger“ ist Kleinschmidt einen enormen wirtschaftlichen Erfolg

aus. Die Verwurzelung strahlt weit über die Minderheiten beiderseits der Grenze hinaus, die nach der Grenzziehung vom jeweiligen Heimatstaat abgeschnitten wurden: „Die Syddansk Universitet“, führt Kleinschmidt an. „ist Dänemarks internationalste Uni mit 51 verschiedenen Nationalitäten.“ [Anm. d. Red.: Die Syddansk Universitet ist die Sønderborger Universität, beheimatet im Alsion.] Die Pause ist zu Ende. Jetzt geht es wieder ans Training. Das soll trotz Politik und Job nicht zu kurz kommen. Da helfen dann preußische Tugenden: „Dann muss ich eben abends um zehn aufs Fahrrad steigen und meine 70 km fahren.“ Kleinschmidt sammelte im Sommer mit dem Team Rynkeby Spenden und will auch 2011 bis Paris fahren. Um dieses Ziel zu erreichen, helfen dem Marathonläufer Beharrlichkeit und die Fähigkeit, auch frustrierenden Situationen etwas Positives abgewinnen können. Und natürlich die abwechslungsreichen Fahrradstrecken rund um den Fjord.


Auf den Spuren der Geschichte

Geschichte des

1412Grenzlandes 1386

Ringsum den Flensburg Fjord stolpert man an nahezu an jeder Ecke über Historisches. Und das kommt so: Die Gegend war früher Teil des dänischen Herzogtumes Schleswig, das sich ca. 60 km auf beiden Seiten der heutigen Grenze nach Norden und Süden erstreckte. Dänische Adelshäuser wie die Schaumburger, Oldenburger, Gottorfer und Glücksburger trugen abwechselnd den Titel eines Herzogs von Schleswig. Die Verbindung zum dänischen Königshaus war traditionell eng, aber auch von Konflikten geprägt.

Wahrscheinlich infizierte sich die dänische Königin Margrete I. während eines Besuches in Flensburg mit der Pest und starb 1412 auf der Kleinen Ochseninsel im Fjord. Damit starb die Verfasserin eines enorm wichtigen Friedensvertrages, der lange Zeit eines der Hauptstreitpunkte zwischen dem dänischen König und dem jeweiligen Herzog von Schleswig war. 1386 belehnte Margrete im ersten Frieden von Sønderjylland den damaligen Graf Gerhard VI. von Holstein mit dem Herzogtum Schleswig. Er musste dafür im Gegenzug die Herrschaft der dänischen Krone anerkennen. Damit wurde erstmals das dänische Lehen, nämlich Schleswig, mit einem deutschen Lehen, Holstein, verbunden. Genaugenommen wurde hier etwas formalisiert, was bereits wirtschaftlich eng verbunden war. Aber wie genau die beiden Teile ver-

...wirtschaftlich eng verbunden bunden waren, blieb über Jahrhunderte offen. Im 19. Jahrhundert spitzte sich die unübersichtliche Konfliktlage weiter zu, was der englische Premierminister Lord Pal-

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merston im Gespräch mit Königin Victoria angeblich folgendermaßen beschrieb: „Es gibt bloß drei Menschen, die das schleswig-holsteinische Problem überhaupt verstehen. Der eine ist der Herzog von Augustenborg, der ist inzwischen verstorben. Der zweite ist ein deutscher Professor, der ist darüber aber inzwischen verrückt geworden. Der dritte bin ich selbst – ich habe aber inzwischen alles wieder vergessen.“

ermuseum Das Ringreit in Sønderborg

Tatsächlich war das umstrittene Gebiet Dänemarks wirtschaftlicher Motor: mehr als jede dritte Krone im Königreich wurde in den Herzogtümern erwirtschaftet. Nicht ohne Grund nannte man sie damals die „Juwelen in der dänischen Krone“. Dort gab es Wachstum und Fortschritt, unter anderem durch moderne Landwirtschaft und eine florierende maritime Wirtschaft.

Ringreiterf estival in Aabenraa

Traditionen Eine der bekanntesten Traditionen im Grenzland ist das Ringreiten. In vollem Galopp jagen Pferd und Reiter auf einen kleinen Ring zu, der zwischen zwei Pfosten baumelt. Wer die meisten Ringe mit einer Stange einsammelt, hat gewonnen. Was heute ganz friedfertig zugeht, kostete im Mittelalter vielen Reitern das Leben. Darum traf diesen weit verbreiteten Adelssport zwischenzeitlich auch der päpstliche Bann. Nichtsdestotrotz veranstaltete der dänische König Christian IV. anlässlich seiner Krönung im Jahr 1596 mit Ringreitern aus ganz Europa ein mehrtägiges Turnier. Doch in der Folgezeit geriet das Ringreiten fast ganz ins Vergessen. Fast. 1845 belebte Herzog Christian August von Augustenborg diese alte Tradition wieder. Er wollte nämlich seine Silberhochzeit besonders prachtvoll begehen. Das ist ihm gelungen: mehr als 450 Reiter von der Insel Als wetteiferten um die Ehre des besten Ringreiters. Heutzutage findet man Ringreiterfeste in ganz Schleswig. Vorzusweise im Sommer jagen die Reiter über die Bahnen. Höhepunkt sind dabei die großen Turniere in Sønderborg und Aabenraa, die traditionell im Juli ausgeritten werden. Hunderten von Ringreiterinnen und Ringreitern geht es dann um nichts Geringeres als um die Krone – die Krone des besten Ringreiters. Es geht dort aber nicht nur ums Reiten, sondern auch um Bier, Limo, Tanz und ungezählte Ringreiterwürstchen. Diese Volksfeste dauern insgesamt mehrere Tage. Wer die großen Turniere verpasst hat, dem sei das Ringreitermuseum in Sønderborg empfohlen, wo man die Tradition nacherleben kann.


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01 Agrar-Geschichte Bereits seit 1472 steht ein Reetdachhaus in Bov. Heute beherbergt das alte Bauernhaus „Oldemorstoft“ ein Museum, wo man den Wandel der Agrar-Geschichte zwischen der Jahrhundertwende und 1980 entweder anhand alter Gerätschaften nachspüren kann oder in einer großen Bibliothek zu dem Thema schmökern kann. Zeitschriften und Statistiken über Pflanzenzucht oder Unkrautbekämpfung runden das interessante Angebot ab. Das Museum bewahrt die gesamte Lokalgeschichte der Region. Dazu gehörte 130 Jahre lang auch die deutsch-dänische Grenze mit Passkontrolle und Zollformalitäten. Darum stellt das Museum Grenzeruniformen aus und dokumentiert den Alltag im Grenzland während der Weltkriege.

02 Ein Dorf mit Museum... ... ein Museum mit Dorf Das Dorf Unewatt ist kein reines Freilichtmuseum, sondern ein bewohntes Dorf, in dem die Zeit vor 100 Jahren stehen geblieben zu sein scheint. Spaziere durch die Dorfstraßen und tauche in der Windmühle Fortuna in die Welt des Müllers anno dazumal ein. Das Freilichtmuseum der Region Angeln ist ein idyllisches Dorf in einem reizvollen Autal. Im historischen Ortskern mit seinen sechs Museumsinseln wird bäuerliches Leben und altes Handwerk gezeigt. Viele Veranstaltungen machen die Exponate „lebendig“.

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Besuche auf dem imposanten Marxenhof (mit einem Südangeliter Fachhallenhaus von 1626 und einer Wandständerscheune) einen urtypischen Bauernhof der Region. Bestaune in der Christesen-Scheune eine große Sammlung von landtechnischen Geräten und Maschinen oder entdecke den damaligen Alltag auf dem Lande in der Räucherei oder in der Wasseradbetriebenen Buttermühle.

03 Ziegeleien am Egernsund

04 04 Museumsberg Flensburg Gut sichtbar, in städtebaulich hervorgehobener Lage, hoch über der Stadt, erhebt sich der Museumsberg Flensburg. Das HeinrichSauermann-Haus und das Hans-Christiansen-Haus geben auf 3000 qm Ausstellungsfläche einen umfassenden Einblick in die Kunst- und Kulturgeschichte im Landesteil Schleswig vom 13. bis zum 20. Jahrhundert.

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Wußtest du, dass entlang des Fjords 300 Jahre das Herz der Ziegelindustrie schlug? In Cathrinesminde Teglværk wurde diese faszinierende Industriegeschichte bewahrt. Zwischen 1732 und 1968 wurden hier Ziegel geformt und gebrannt. Heute bildet die Ziegelei neben einem Museum eine beeindruckende Kulisse für Kulturveranstaltungen jeder Art: Vorträge, Konzerte, Ausstellungen und ein Weihnachtsmarkt. Daneben ist das alte Ziegelwerk ein Klubhaus und Rückzugsraum für einen Waldkindergarten.


Nicht Dänen oder Deutsche – sondern zu allererst Schleswig-Holsteiner

Schlacht bei Dybbøl Vielleicht war es ein Omen oder die Nerven spielten den Soldaten einen Streich. Wer weiß das heute schon. Damals aber, kurz bevor die preußischen Truppen die dänischen Soldaten überrannten, war der Gesang einer Lerche zu hören. Stundenlang schlugen feindliche Granaten ein, bis auf einmal gar nichts mehr zu hören war. Todesstille. Und dann brach die Hölle los. In seinen Büchern „Schlachtbank Dybbøl” und „Weltgericht auf Als” beschreibt Tom Buk-Swienty anschaulich, wie sich die Soldaten mit angehaltenem Atem in Gräben und Stellungen zurückzogen, die den Generälen als uneinnehmbar galten. Eine fatale Fehleinschätzung. Sie kostet Dänemark ein Drittel seines Reiches, aber schlimmer noch das Leben tausender Ehemänner, Väter, Söhne und Brüder. Die Schlacht bei Dybbøl mündete in eine traumatisierende Niederlage, die das Selbstbild Dänemarks als Großmacht erschütterte und das dänische Selbstverständnis über 150 Jahre lang prägte.

„Stunde null“ Für Tom Buk-Swienty ist der verlorene Krieg 1864 mitverantwortlich für die tiefsitzende Skepsis Dänemarks gegenüber seinen Nachbarn. Die Furcht vor der Auslöschung der eigenen Identität wurde in der Folgezeit geradezu ein typischer Wesenszug dänischer Politik. Das schlägt sich auch heute noch in einem tiefen Misstrauen gegenüber der EU nieder.

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INFO

duktion unter Leitung von ”Es spielen natürlich viele FakBücher werden Ole Bornedal. Der Autor toren eine Rolle, wenn man preisgekrönter Filme wie verstehen möchte, was an naverfilmt „Nachtwache“, „Dina tionaler Identität verloren ging. In dem Sinn sind die Niederlagen von Dyb- Meine Geschichte“ und „Fri os fra det onde” bøl und Als bloß ein Teil der Geschichte; also Befreie uns von dem Bösen, kam nicht aber heutzutage sind sie von entscheiden- zufällig zu dem Projekt: „In den Händen von der Bedeutung, wenn man das dänische Ole Bornedal wird der Film über 1864 beSelbstverständnis verstehen will. Obwohl stimmt kein so genannter schöner Film. Er sich die Dänen nach der Niederlage von hat genug Wildheit und eine gehörige Por1864 unnötigerweise vom übrigen Europa tion Unberechenbarkeit. Ich bin mir sicher, abwandten, hatte der verlorene Krieg aber dass er Bilder schaffen kann, die das Publiauch eindeutig positive Folgen. Sowohl die kum anrühren können. Und das wird dann Volkshochschul- als auch die Genossen- den ganzen Wahnsinn der Ereignisse spüschaftsbewegung erhielt Rückenwind und ren“, sagt Tom Buk-Swienty. schufen eine starke und gesunde DemoDer Autor freut sich, dass er an dem Prokratiebewegung“ sagt Tom Buk-Swienty. zess teilhaben kann, indem er die Bilder zur War die Schlacht bei Dybbøl für die Dänen Geschichte liefert, die seine Jugend in Sønein historischer Dollpunkt, an dem das derborg bestimmten. „Die Gegend, die wir neue Dänemark seinen Anfang nahm, gab heute Sønderjylland nennen, war jahrhunes auch für die Deutschen eine „Stunde dertelang Teil des Herzogtumes Schleswig, Null”. Denn ausgerechnet der Sieg über die das gewiss unter die dänische Krone gehörte, dänische Armee verlängerte für Bismarck dessen südlicher Teil im 19. Jahrhundert aber den Weg zu einem vereinten Deutschland deutsch orientiert war. Aber eigentlich fühlunter preußischer Vorherrschaft. „Es gibt ten sich die Bürger vor Ort nicht so sehr als viele unterschiedliche Geschichten, die Dänen oder Deutsche. Die waren zu allererst sich um Deutschlands Beginn ranken; der Schleswig-Holsteiner. Ich habe den Eindruck, Beginn des modernen Deutschland“, sagt dass dieses Selbstverständnis langsam in die Tom Buk-Swienty, dessen Bücher nun end- Gegend zurückkehrt. Das, was alle SchleswigHolsteiner gemeinsam haben, ist auf jeden lich auch auf Deutsch übersetzt werden. Fall, dass sie alle eine Gegend repräsentieren Neben der Übersetzung ist ein weiteres mit einer unglaublich faszinierenden, dramaProjekt in Gang: die Verfilmung der Bü- tischen und einschlägigen Geschichte“, sagt cher in einer großen internationalen Pro- Tom Buk-Swienty. im Ersten WeltNach der deutschen Niederlage g. Das nördmun stim sab krieg kam es zur Volk . isch Die heutige liche Schleswig wurde dän und Dänemark land tsch Deu Grenze zwischen Europas, die deist damit die einzige Grenze de. wur gt mokratisch festgele r-Erklärungen aus In den Bonn-Kopenhagene Regierungen fest, e beid en dem Jahr 1955 legt zur deutschen dass das jeweilige Bekenntnis Kultur im und lität ona Nati bzw. dänischen hgeprüft nac t nich Grenzland frei ist. Es darf ellen, erst sich en soll n nge äru werden. Die Erkl

its der Grenze ihre dass die Minderheiten beiderse tität bewahren Iden lle ure kult eigene nationale und können. te noch, mehr als 50 Tatsächlich gibt es auch heu eine dänische Minund e tsch deu Jahre später, eine Seite der Grenze. derheit auf der jeweils anderen ungefähr 15.000 asst umf heit der Die deutsche Min . Kindergärten, ulen Personen und hat eigene Sch n und Sporteke ioth Bibl g, itun eine eigene Tagesze 50.000 Dädie für h vereine. Das gilt umgekehrt auc . iger esw schl Süd n nisch sprechende


zentrum Geschichts e Dybbøl Bank

Spuren des Krieges Im historischen Informationszentrum Dybbøl Banke werden die traurigen Ereignisse gegenwärtig. Dort, wo früher verbissen gekämpft wurde, Granaten explodierten und die Soldaten unter kümmerlichen Umständen litten, wird der Angriff auf die Stellungen über dem Fjord lebendig. Tagebücher und Briefe geben einen Einblick in den Alltag des Krieges: über Sehnsucht, Heimweh und die Angst vor der Schlacht. Im Zentrum selbst finden sich Rekonstruktionen der damaligen Stellungen, in denen man nacherleben kann, wie sich die Soldaten in den Gräben duckten oder in den Baracken leben mussten. Am letzten Juni-Wochenende kann man das Schlachtgetümmel live erleben. Freiwillige aus ganz Europa rekonstruieren ab den frühen Morgenstunden die Schlacht um die Insel Als, die den Krieg entschied. Nachdem die Preußen am 18. April die Stellungen rund um Dybbøl eroberten, zogen sich die dänischen Truppen auf die Insel Als zurück. Frühmorgens am 29. Juni setzten 166 preußische Boote über den Alssund. Bereits nach wenigen Stunden verzeichnete das dänische Heer schlimme Verluste. Jeder vierte Soldat, 3.000 der 12.000, geriet entweder in Gefangenschaft oder wurde verwundet. Nach ein paar Tagen mussten die däni-

schen Truppen die Insel Als verlassen und um Waffenstillstand bitten. In Wien stimmte Dänemark der demütigenden Abtretung seiner Gebiete Schleswig, Holstein und Lauenburg per Unterschrift unter den Friedensvertrag zu. In der Gegend um Dybbøl finden sich viele Gedenksteine für die Gefallenen des Krieges von 1864. Die meisten Gedenksteine wurden im Laufe der 1930er errichtet, nachdem das Gebiet wieder dänisch war. Nachkommen der Gefallenen konnten ihren Brüdern, Söhnen, Vätern und Ehemännern endlich angemessen gedenken. Die Gräber selbst sind weit verteilt. Viele Gefallenen wurden damals an Ort und Stelle beerdigt. Nur in Dybbøl findet man Massengräber. Auf dem Gendarmenpfad findet man Spuren früherer Grenzpatrouillen, der Gendarme, die dem Pfad seinen Namen gaben. Bis in die 1950er wurde der Schiffsverkehr längs der Küsten zu Fuß kontrolliert. Dabei musste jeder Gendarm einen bestimmten Abschnitt der 74 km langen Strecke im Auge behalten. Der Pfad beginnt in Padborg und folgt der Küsten bis nach Høruphav auf Als. Dabei mussten große Teile der Strecke neu angelegt werden, zum Beispiel über Privatgrundstücke.

2. Weltkrieg Nicht nur längst vergangene Kriege bestimmten die deutsch-dänische Geschichte. Das Frøslevlager war das am besten bewachte Lager für Kriegsgefangene in ganz Europa. Zwischen 1944 und 1945 inhaftierte dort die Gestapo tausende Dänen. Davon wurden schätzungsweise 1.600 Gefangene in deutsche KZ-Lager deportiert. Die Anlage ist öffentlich. In einer der damaligen Baracken kommt man dem Gefangenen-Alltag sehr nahe. In der Ausstellung werden auch die Zustände anderer KZ-Lager dokumentiert. Daneben erfährt man Näheres über die so genannten weißen Busse. Sie waren Teil einer dänischschwedischen Rettungsaktion, die skandinavische KZ-Insassen vor dem Tod rettete.

Spaziergänger am Gendarmenpf ad


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De Spee

„Das beste SurfrevieR der Welt!“ Der Spätsommerwind treibt das Wasser des Fjords in zerfließt das angespülte Salzwasser an den im Sand liegenWellen über den Ostseearm Richtung Dänemark. Gunden schwarzen Felsen, die entlang des Strandes kleine Banar Asmussen steht am Kollunder „Lille Strand“ und debuchten markieren. blickt über das Wasser gen Flensburg. Dem Ostwind entgegen, der dem Deutschen Meister im Windsurfen am „Egal wie der Wind steht – hier in der Region können wir dänischen Ufer mit vier bis fünf Stärken Surfer uns aussuchen, an welchen entgegen bläst. „Bessere SurfbedinStrand wir fahren. Holnis oder Kollund ...in aller Kürze gungen als in der Fjordregion gibt es eignen sich bei Ostwind. Die Ostseite am richtigen einfach nicht“, sagt der 31-Jährige und von Als bei Südost-Nord. Bei SüdwestStrand ankommen zeigt über die tiefblaue Wassergrenze, Ost ist man in der Aabenraa Bucht gut die Deutschland und Dänemark auf bedient und die Halbinsel Kegnæs geht insgesamt rund 40 Kilometern Fjord miteinander verbei fast jeder Windrichtung. Also, egal woher der Wind weht – bindet. Gegenüber liegt der Flensburger Strand Solitüde in der Fjordregion ist man in Kürze beim richtigen Strand. Und im Windschatten. Vor ihm auf dänischer Seite des Fjords somit am Wind und auf dem Wasser“, sagt Gunnar Asmussen. rollen die Wellen schäumend auf den Strand. Kräuselnd

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rüstung Stück für Stück aus dem KofDer Deutsche Meister im Speed- und ferraum holt und im Sand platziert. Slalomsurfen ist mit Wind und Wellen Während an den zahlreichen Stränden groß geworden. Aufgewachsen an der entlang des Fjords im Sommer TouOstseeküste bei Kappeln packte ihn risten nebst Einheimischen sonnenschon früh die Faszination Strand und baden, schnorcheln oder im warmen Surfen. Der damals Zehnjährige bas- Sand Beachvolleyball spielen, sind es telte sich aus Plane ein Segel und maß außerhalb der Sommersaison vor allem am Strand seine Kräfte mit dem Wind. Wassersportler, die den Fjord bele„Irgendwann habe ich dann meine ei- ben. Kajakfahrer und Ruderer paddeln einen Steinwurf gene Surfausrüstung vom Ufer entfernt bekommen“, erinZahlreiche Strände, durchs Wasser, nert sich Gunnar Asunendliche Küste, nicht selten begleimussen. „Das Surfen tet von einer Herde habe ich mir nach das ganze Jahr... kleiner Tümmler. und nach selbst beigebracht.“ Mit Erfolg. „Wenn man hier Kite- und Surfschulen bringen Tourisin der Fjordregion lebt, liegt es natür- ten und Anfänger sicher aufs Wasser lich nahe, dass man die Möglichkeiten und die bereits geübten Surfer fahren ausnutzt und surft“, sagt Gunnar As- Tag für Tag dem Wind hinterher. Immussen, während er seine Segelaus- mer am Fjord entlang – erst hinterm Steuer auf Küstenstraßen, dann hinterm Segel auf dem Wasser. Mit geübter Hand baut Gunnar Asmussen Segel, Gabelbaum und Surfbrett zusammen und schlüpft in seinen kurzärmligen Neoprenanzug. Rund 15 Regatten fährt der Surfer pro Jahr, auf dem Wasser ist er bei Wind fast täglich. Wann immer es seine Arbeit als Segelmacher in Padborg erlaubt. „Vor großen Veranstaltungen wie dem World Cup auf Sylt trainiere ich natürlich gezielter, da bin ich dann in jeder freien Minute auf dem Wasser“, sagt Gunnar Asmussen, der direkt hinter der Grenze auf deutscher Seite lebt und in Dänemark arbeitet. „Dass ich hier in einer Grenzregion zwischen zwei Ländern lebe, empfinde ich schon als Vorteil. Nicht nur beruflich. Man kann sich das Beste aus beiden Ländern raussuchen. Vor allem, was Strände angeht“,


...? Willst du auch mal über die Wellen ge-

lacht Gunnar Asmussen. „Hier sagt man gleich „du“. Es herrscht eine gewisse Lockerheit und es ist ganz natürlich, zum Surfen in ein anderes Land zu fahren“, findet Gunnar Asmussen. „Besser geht’s doch kaum.“

Perfekt für Anfänger, schnell und rasant für Profis In Sachen Surfen erweist sich die Fjordregion als Herausforderung. „Es ist ein wirklich anspruchsvolles Revier. Die Wellen verlaufen oft durcheinander und der Wind kann sich schnell ändern. Wer hier surft, kann es überall“, sagt Gunnar Asmussen. „Andererseits gibt es aber auch einige hervorragende Stehreviere zum Üben. Strände, die flach abfallen. Perfekt für Anfänger.“ Dann wuchtet er sein Surfbrett samt Segel in den Wind und aufs Wasser. Kaum berührt das Brett die ersten Wellenkämme, steigt der Deutsche Meister aufs Brett und lässt sich hinauf auf den Ostseearm ziehen. Innerhalb weniger Sekunden überquert er die deutsch-dänische Grenze. Kaum gestartet, zieht er als immer kleiner werdender weißer Punkt in Richtung Sonwik über das Wasser, bevor er auf seinem Slalom-Brett rasant wendet. Eng am Ostwind brettert er gen Dänemark zurück und so zieht er grenzüberschreitend seine Trainingsrunden. Stets dorthin, wo man als einer der besten Surfer Deutschlands hingehört: Hart am Wind und auf dem Wasser der Fjordregion.

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vom Wind ...wissen, wie es sich anfühlt s können in der Surfschule Holni r ge fän An n? rde we zu n ge tra egion auf dem Wasser GrenSurfen lernen und in der Fjordr wie Gunnar. zen überschreiten - genauso

SURF-TIPPS

VON GUNNAR ASMUSSEN

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Surfer in Kegnæ s

Für Anfänger und bei Ostwind eignen sich die Strände Holnis und Skelde besonders gut. Das Wasser dort fällt flach ab und ist daher das, was man ein „gutes Stehrevier“ nennt. Kegnæs ist als Halbinsel an der Südspitze von Als bei nahezu jeder Windrichtung perfekt, für Anfänger und Fortgeschrittene. Man findet fast überall einen Spot, von wo aus der Wind stimmt. Die Bucht beim Ziegeleimuseum Cathrinesminde südlich von Broager ist für Kiter und Surfer super gut geeignet. Allerdings ist das Revier vom 15. Mai bis zum 15. September aus Naturschutzgründen für Wassersportler gesperrt. Skelde liegt auf der Halbinsel Broager aber ganz in der Nähe und eignet sich genauso für Anfänger und Kiter. Skovby, Mommark, Fynshav und Himmark auf Als‘ Ostseite sind bei Südost- und Nordwind zu empfehlen. Hulk ist bei Südwest- und Ostwind eine Herausforderung und ein beliebter Spot für Kiter. Nichts für Anfänger, da der Strand schnell tief abfällt.


Blau machen am Fjord: Blå Flag

Schnorcheln und Seetang-Grillen mit Anne Noch ist alles still an der Blå Flag-Station am Sønderborger Seglerhafen. Die Sonne knallt vom blauen Himmel, einzelne Segler laufen mit Kulturtasche unterm Arm über die Bootsstege. Wenige Meter daneben blickt Blå Flag-Stationsleiterin Anne-Marie Prahl ratlos im bunt bemalten Container umher. Es ist still. Zu still. Das Aquarium summt nicht! Die Sicherung ist herausgesprungen. Ein Berg blauschwarzer Miesmuscheln im Aquariensand zeigt sich zumindest äußerlich unbeeindruckt vom Stromausfall und auch der Seestern darüber rutscht nicht gleich leblos von der Scheibe. Doch so geht es nicht weiter! Einen Besuch vom Hafenmeister und eine gefundene Schwachstelle im Stromsystem später: Sämtliche Weichtiere der Station sind gerettet und die Sauerstoffzufuhr im Aquarium summt wieder.

Prahl Blå Flag-Leiterin Anne-Marie ogie biol eres Me genießt es, Kindern Hilfe mit h auc ne Ger . gen brin nahezu lle. von Schnorchel und Taucherbri

»Die dänische Unterwasserwelt wird zu Unrecht als farblos und langweilig bezeichnet«, findet die Biologin. »Mit den Fingern Fische aus dem Sand zu kitzeln oder Krebse zu dressieren, alles kein Problem! Besonders gerne mag ich die Aktion »Iss deine Küste«. So viele Kinder wissen gar nicht mehr, was man aus dem Meer alles essen kann. Ich zeige es ihnen und anschließend grillen wir gesammelte Miesmuscheln, Tang oder Krabben. So erleben sie das Meeresleben ganz intensiv.« Wenn keine Aktionen auf dem Programm stehen, steht Anne-Marie Prahl Besuchern an der Station mit Rat und Tat zur Seite. Leiht Kescher und Schwimmwesten aus, verteilt Schnorchel und Eimer an Touristen und aktive Einheimische. »Ich mag meine Arbeit - es gibt nämlich immer wieder Überraschungen«, sagt sie und schaut lächelnd auf das summende Aquarium.

Ein weiterer Sommerferientag kann beginnen und der Alltag von Anne-Marie Prahl geht weiter. Zu 10 Uhr haben sich acht Kinder zum Aktiv-Sommer-Programm angemeldet. »Ich mag meine Arbeit sehr. Was für ein genialer Arbeitsplatz, schöner geht es doch nicht«, sagt die Frau Anfang 30, die bereits zweimal die Sommermonate an der Sønderborger Station verbrachte. »Als ich Anfang 2010 mit meinem Biologiestudium fertig war, wollte ich die Aufgabe gerne nochmal übernehmen. Man lernt ja schließlich nie aus!“ Ihre Aufgabe neben Wartung und Pflege der Station inklusive Aquarium: Kinder in die Welt des Meeres einführen. Und Ziel ist es, HäFreiluftrats (Friluftsrådet). n che das nicht theoretisch. Ob die Aktion nis Dä des ne pag Kam in von Bürgern Blå Flag ist eine chützen und das Bewusstse bes »Kraulen und Krabben«, Expeditiozu v akti des Lan des en und Segelfen und Küsten ärfen. Kommunen mit Stränd sch nen mit dem Segelschiff Haabet zur zu z hut ssc ere Me für zen, werden und Besuchern Umweltschutz vor Ort einset den Fjordsafari oder Schnorcheltouren für ers ond bes z gan gge, dann sind häfen, die sich eichnet. Weht die Blaue Fla gez – Anne-Marie Prahls Arbeitsalltag aus g) Fla å (Bl gge Fla heit und Sanimit einer Blauen ltinformation, Service, Sicher we könnte wohl kaum abwechslungsUm ät, alit rqu sse Wa n laden Kinder Naturschutz und eichnet. Die Blå Flag-Statione reicher sein. gez aus ich äbl hst buc Ort risch austäranlagen vor gie und Umweltschutz spiele olo sbi ere Me ma The dem derborg in der dazu ein, sich mit t die Blå Flag-Station in Søn läd on egi rdr Fjo der In n. einanderzusetze n am Meer ein. Herbstferien zum Mitmache Sommersaison sowie in den

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INFO


ERLEBNISREGION FJORD Schnorcheln, Strand und Surfen – und was noch?

Tauch doch mal ab Wer die Strände entlang der 300 Kilometer langen Küste in Richtung Unterwasser verlässt, kann etwas erleben. Tauchtouren führen zu versunkenen Wracks, Schweinswalschwärme kreuzen die Buchten und auch die übrig üppige Tier- und Pflanzenwelt der Ostsee machen das Tauchrevier Fjord zu einem echten Unterwasserabenteuer. Mehrere Tauchschulen in Deutschland und Dänemark stehen Anfängern und Fortgeschrittenen beim fachkundigen Abtauchen mit Rat und Tat zur Seite. Weitere Informationen sowie Adressen unter www.fjordregion.de.

Kreuz (und quer)-Fahrten Kreuz und quer über den Fjord schippern, mal eben ein paar Stunden im Nachbarland verleben und sich an Bord die Seeluft um die Nase wehen lassen – Fähren schippern lustige Seefahrer und solche, die es werden wollen, durch die Grenzregion. Ob mit der MS Viking von Flensburg über die Ochseninseln nach Glücksburg oder mit der MS Möwe oder MS Jürgensby eine Fjordrundfahrt – viele Fähren queren den Fjord und alle Wege führen übers Wasser. Weitere Informationen zu Verbindungen und Abfahrtszeiten unter www.fjordregion.de.

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...dass du in der Fjordregio du zum Beispiel bieren kannst? So kannst e im Rahmen eines die Unterwasserfotografi enlernen oder Workshops im Meer kenn unter profeseinen Tag lang im Fjord en. sioneller Anleitung erleb


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Aktivurlaub entlang des Fjords hat viele Gesichter: Im Kajak den Fjord entlang paddeln (www.kajaksyd.dk). Hochseeangeln auf einem Kutter in der Aabenraa Bucht. Im Vitalhotel Alter Meierhof, im Campusbad Flensburg, in der Glücksburger Fördeland Therme oder in der Marina Fiskenaes in Wellness baden. Am Strand von Solitüde den Beachvolleyball auspacken und losbaggern oder ganz entspannt beim Wandern rund um die Halbinsel Holnis die Zeit vergessen. Weitere Informationen rund um Aktivangebote entlang des Fjords unter www.fjordregion.de. Einfach mal was anderes!

Mal was anderes


RUM

Willst du auch mal… „rum-probieren“?

Flensburgs älteste Rumfabrik „Johannsen Rum“ bietet ein e mal in der Woche eine offen Führung inklusive Verkostung n an. Gruppenführungen werde nach Absprache angeboten. Verkostungen sind auch im Rumladen bei „Braasch´s Rum“ möglich.

Flüssige Köstlichkeiten aus eigener Herstellung 16

ist sexy, weil er schmeckt!

Etwas versteckt in einer kleinen Gasse gegenüber der imposanten Flensburger Marienkirche trotzt die Marienburg den Zeiten. Der Ziegelbau mit Treppenturm, Ladeluken und grünen Holztoren birgt einen Schatz: Rum aus eigener Herstellung.

„Ein Schluck Rum ist ein Schluck Kulturgeschichte“, sagt Martin Johannsen selbstbewusst. Rum ist sein Geschäft, zugleich aber auch seine Firmenphilosophie und seine Leidenschaft. Das ist nicht immer einfach, denn ums Image des braunen Getränks ist es nicht gerade gut bestellt: „Mir erzählen Kunden oft, dass ihr Opa früher Rum getrunken hat“, sagt Johannsen. Doch selbst getrunken hätten sie es nicht. Noch nicht. Denn Johannsen weiß ein Gegenmittel gegen das ewige Vorurteil vom altbackenen Rum: probieren. Der Rumexperte in vierter Generation lässt die flüssige Köstlichkeit für sich sprechen. Johannsen und seine Frau Astrid Schlesinger bieten regelmäßig und auf Anfrage Führungen durch die Marienburg an. Dann kann man Rum riechen, die Besucher atmen ihn ein und hören ihn, wenn er in die Flaschen rinnt. Höhepunkt jeder Führung: die gemeinsame Rumprobe zwischen Lastenaufzug und Flaschenanlage. Der Rum kann dann zeigen, was in ihm steckt. Bereits vor dem ersten Schluck versagt das erste Vorurteil. Rum ist eben nicht immer braun. Es gibt auch weißen Rum. Und auch der ist nicht durchsichtig, sondern bekommt einen Schimmer nach der Lagerung im Holzfass. Rum schmeckt auch nicht immer gleich: nach langer Reifung im Holzfass kann ihn manchmal nur der Experte vom Brandy oder Whiskey unterscheiden. Und so verabschiedet sich der Besucher Schluck für Schluck vom engstirnigen Bild des Rums als Opa-Getränk. Die Liebe auf dem zweiten Blick bleibt manchmal lebenslang bestehen, davon ist Johannsen überzeugt: „Rum ist eben kein Standardprodukt.“ Darum wird bei „Johannsen-Rum“ jede Flasche für sich und ohne einen einzigen Tropfen zu verschütten abgefüllt. „Abfüllen ist eben eine Kunst“,


Günter Storrer, Gästeführer von Johannsen Rum, führt die Handabfüllung von Johannsen Jubiläum, einem traditionellen Jamaika-Rum-Verschnitt, vor.

sagt Johannsen. Darum geschehen im Familienbetrieb Lagerung, Flaschenabfüllung und Etikettierung von Hand. Dabei kommen immer noch die gleichen Gerätschaften zum Einsatz, wie man sie einen halben Kilometer nördlich im Schifffahrtsmuseum bewundern kann. Das liegt im ehemaligen Zollpackhaus, in dem bis 1972 Rumfässer gelagert wurden, bevor sie vom Zoll freigegeben wurden. Heute werden in dem imposanten Bau die Überbleibsel einer mehrere Jahrhunderte umspannende Rumgeschichte in Deutschlands einzigem Rum-Museum bewahrt. In den letzten vierhundert Jahren war Flensburg Stadtgeschichte eben Rumgeschichte. Rum und Zucker prägten Flensburg von der Gestaltung der Häuser bis hin zur Form der Straßen. Alles war darauf ausgerichtet, die Rohstoffe vom Schiff auf kurzen Wegen in die Rum-Firmen, zu bringen. Fischgrätartig führen Gassen und Straßen vom Hafen hoch zu Packhäusern und Rumfabriken. Der Rum wurde zum „wichtigen Nahrungszweig der Stadt“, erzählt die Rum & Zucker Meile. Sie erinnert mit insgesamt zwanzig Stationen auf Deutsch und Dänisch an die Rumstadt Flensburg. Gäste und Einheimische erfahren dort, wie Flensburger Rum-Firmen den Markt dominierten. Sie verkauften zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Norwegen jährlich mehr als 1,5 Mio. Liter Rum. Dieser gigantische Wirtschaftszweig entstand durch die dänische Westindienfahrt und begann 1755 mit dem Törn der Neptunus nach DänischWestindien. Die karibischen Kolonien des dänischen Königs mussten nämlich mit Waren des täglichen Gebrauchs versorgt werden. Zunächst machten sich vereinzelte Flensburger auf die gefahrvolle zwei- bis dreimonatige Fahrt. Wenn ihr Schiff mit dem Bauch voller Rum und Zucker unversehrt zurückkehrte, waren sie gemachte Leute. Die wertvollen Rohstoffe wurden dann vor Ort in Flensburg weiterverarbeitet. Im Gegensatz zu den Zuckersiedern konnten die Branntweinbrenner ohne Konzession wirtschaften; mit der Folge eines gewaltigen Booms, des so genannten „Rum-Rausches“. Dampfmaschinen betriebene Zuckerraffinerien in Kopenhagen liefen Flensburg aber seit Mitte des 19. Jahrhunderts den Rang ab. Als Dänemark 1864 zum Ausland wurde, war das das endgültige Ende der Siedereien, die dem billigen deutschen Rübenzucker zum Opfer fielen. Die Flensburger setzten danach voll auf Rum und importieren erstmals Rumkonzentrat

auch aus Jamaica. Als Rum nämlich nach der Reichsmonopolsteuer nach Volumen versteuert wurde, verfielen die pfiffigen Flensburger darauf, den edlen Tropfen ausschließlich hochkonzentriert zu importieren und ihn erst vor Ort zu verdünnen, im Rum-Deutsch heißt das: zu verschneiden. Über mehrere Generationen hatten die Flensburger herausgefunden, wie das am besten geht. Sie verschnitten das importierte Destillat so gekonnt, dass die Bezeichnung „Flensburger RumVerschnitt“ zu einem Prädikat wurde. Der kräftige und vollmundige Geschmack war als „German Flavor“ bald global in aller Munde und war der Kern großer RumMarken, made in Flensburg. Diese Tradition hat nach einer gigantischen Talfahrt der letzten Jahrzehnte nur noch in kleinen Nischen überlebt. Die großen Firmen haben sich inzwischen entweder anderen Produkten zugewandt oder wurden vom Markt gefegt. Geblieben ist die Liebe zum Rum in der Rumstadt Flensburg und der behutsamen Annäherung an neue Verbraucherwünsche. Davon kündet mit Vanillerum, prämierten Rumtrüffeln und Jahrgangsabfüllung auch das Sortiment von Johannsen-Rum. „Das, was die Franzosen mit dem Rotwein machen, machen wir mit dem Rum“, sagt Johannsen. Rum in Mixgetränken zu verpanschen, ist dem schlanken Mann ein Gräuel. Dafür steckt auch zu viel Liebe in der Herstellung. Darum antwortet Johannsen ohne langes Nachdenken, ob Rum sexy sei: „Rum ist sexy, weil er schmeckt.“

Führungen…

INFO

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en gibt es au Weitere Information

www.fjordregion.de


z t a l P n e n i e r „...imme d n e g ü n e g d n in Lee u “ n e d n fi e z t ä l Ankerp Jesper Bank segelt Richtung Yachthafen Aabenraa. Dort, wie in ganz Dänemark, kennen ihn einfach alle, so dass es beim Anlegemanöver zu allen Seiten hin grüßen muss. Das tut er aber gerne, denn Jesper Bank ist ein Star ohne Allüren. Er ist einer der bekanntesten dänischen Segler. Insgesamt zwölfmal wurde Bank Weltmeister, in vier unterschiedlichen Bootsklassen. Viermal trat er bei Olympischen Spielen an und brachte in der Soling-Klasse zwei Goldund eine Bronzemedaille mit nach Hause. Dieser Riesenerfolg beruhte aber eigentlich auf einem Zufall. ”Ich wuchs in Fredericia auf, als meine Freunde irgendwann anfingen, Optimistenjollen zu bauen. Da wollte ich natürlich auch mitmachen. Niemand unserer Eltern segelte damals. Als die Jollen fertig waren, brachten wir sie zu Wasser und mussten selbst herausfinden, wie das geht. Das war nicht so richtig durchorganisiert, aber eine große Herausforderung.“ Gleich beim ersten Mal hörten die angehenden Segler, dass diejenigen, die das andere Ufer als erste erreichten, dabei sein würden, wenn nachher die Zeitung ein paar Bilder schießen wollte. „Die Strecke ging gegen den Wind. Niemand hatte uns erzählt, wie man das macht. So mussten wir einfach herum probieren”, erinnert sich Jesper Bank, der die Strecke schließlich als einziger bewältigte. Die anderen 25 Jollen kamen einfach nicht von der Stelle. „Da dachte ich mir, dass ich vielleicht eine Ader fürs Segeln habe. Und so blieb ich an dem Sport hängen.“

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INFO Wer ist Jesper Bank?

...begeistert vom Flensburg Fjord! Dieser Nachmittag in Fredericias Hafen war der erste Tag eines langen Lebens auf dem Wasser. Sein Talent führte Jesper Bank rund um die Welt und mehr noch: neben der Weltmeisterschaft und der Olympiasiege war Bank beim „Americas Cup“ Skipper für das schwedische und später für das deutsche Team. Seit 1988 hat der motivierte Sportler seinen Heimathafen in Aabenraa. Hier kennt er die Gewässer wie seine Westentasche.

Besonders begeistert ist er allerdings von vom Flensburg Fjord. „Ich war sehr oft auf dem Fjord unterwegs und kann das Revier auch im Dunkeln ohne Grundberührung segeln. Auf dem Flensburg Fjord kann man immer einen Platz in Lee finden und darüber hinaus gibt es massenhaft gute Ankerplätze. Weil sich der Fjord landwärts schlängelt, ist der Fjord sozusagen geschlossen; ohne Öffnung wie der Aabenraa Fjord. Bei Ostwind haben wir hier mehrere Meter hohe

April Jesper Bank wurde am 6. Der 1957 in Fredericia geboren. t in zwölfmalige Weltmeister ha en typ vier verschiedenen Boots g, Htriumphiert: Drachen, Solin hen Boot und Matchrace. Zwisc nk 1984 bis 2000 trat Jesper Ba ieviermal bei Olympischen Sp e ein i be len an und gewann da ailBronze- und zwei Goldmed er r len. Beim Americas Cup wa che 2003 Skipper fürs schwedis und Team „Victory Challenge“ utvier Jahre später für das de m“. sche „United Internet Tea nk Ba Am 10. Januar zog Jesper des in die Dänische Ruhmeshalle Sports ein.

Wellen, so etwas passiert am Flensburg Fjord nicht. Unter anderem darum ist der Flensburg Fjord ein besonders geeignetes Revier für Regatten. Dort zu segeln stellt eine Herausforderung da, ohne aber unverhältnismäßige Schwierigkeiten zu bereiten; aber man benötigt schon eine solide Taktik.“ Aber es ist nicht nur die seglerische Herausforderung, die Bank am Flensburg Fjord schätzt: „Die Vereine in Flensburg sind auf jeden Fall deutsche, wenn nicht sogar nordeuropäische Meister in Sachen


Tipps vom Weltmeister...

Vereinsleben. Es ist unglaublich angenehm, dort Segelwettkämpfe auszufahren. Sobald man seinen Fuß an Land setzt, kommt bereits jemand zur Unterstützung oder bietet etwas zu trinken oder zu essen an. So etwas Ähnliches erlebt man in Dänemark nicht”, sagt Jesper Bank und stellt fest, dass Deutschland heutzutage eines der führenden Segelsportnationen sei. ”Ungefähr vor dreißig Jahren lag Dänemark vorne, aber inzwischen haben uns die Deutschen überholt. Wenn Du mit jemand sprechen möchtest, der etwas vom Segeln versteht, dann empfehle ich einen Deutschen. Deutsche haben die interessantesten Boote und das beste Knowhow und unter ihnen gibt es wirklich viele passionierte Segler.“

kommt. Segler sind Segler. Nur der Akzent verrät, dass sie nicht der gleichen Nationalität angehören.“ Jesper Bank blieb Skipper bis Ende 2007. Er war damals Segelprofi, so wie bereits in den Jahren 2000 bis 2003, als er mit dem schwedischen Team beim „Americas Cup“ war. Ansonsten hat er nebenbei noch einen Job, zunächst im Aufsichtsrat bei Elvstrøm Sails, dann als Direktor und schließlich als Miteigner der renommierten Segelmacherei. Heutzutage segelt er aber im Großen und Ganzen nur noch in Verbindung mit seiner Arbeit.

urg Wenn Du auf dem Flensb unFjord unterwegs bist, segle n sel bedingt zu den Ochsenin Meifür ein zünftiges Omelett. s zune Frau und ich machen da ein mindest immer, das ist schon richtiges Ritual. ubFlensburgs Altstadt ist ungla hinlich schön. Also, nichts wie alte segeln, eine Tour durch das ein Hafenviertel machen oder dt Restaurant besuchen. Die Sta rt. we ist den Aufwand absolut äfte Da gibt es viele gute Gesch ins und man segelt mitten hinein Stadtzentrum.

Als Coach stand Jesper Bank 2008 bei den ”Mein Boot liegt in Aabenraa, aber ich Olympischen Spielen in Peking im Mittelsegle meistens mit Kunden oder alten punkt eines realen Segel-Dramas, als der Freunden und nicht mehr in eigener Regie. Mast des dänischen 49er Boots kurz vor Wenn wir mit Kundschaft segeln, handha- dem Start der entscheidenden Wettfahrt Jesper Bank weiß, wo von er spricht. 2005 ben wir das so, dass ich die Aufsicht habe. brach. Mit dem kurzerhand geliehenen kroatischen Boot segelte die gehörte er zum deutschen Team beim Ich gehe an Bord, unterstütze an den richtigen Stellen, daCrew dem Feld hinterher und ”Americas Cup”. Und auch dabei hatte der Salzwasser mit das Boot gut segelt und segelte eine spannende AufZufall seine Hand im Spiel. holjagd. Tatsächlich gewann „Nachdem ich zweieinhalb Jahre vorher die Mannschaft optimal zuund Gischt das dänische Boot die Goldmit dem schwedischen Team segelte, hör- sammenarbeitet. Ich bin nicht medaille. Einige Länder legte ich zuhause, dass in Deutschland kräf- mehr länger derjenige, der tig die Trommeln geschlagen wurden. Auf tatsächlich das Ruder in der Hand führt. ten Protest ein, weil die Dänen mit einem einmal war ich laut dänischer Medien Kan- Ich bin dafür da, dass, nachdem unsere falschen Boot, unter falschem Namen und didat für „Fresh Seventeen“, wie das Team Produkte ausgeliefert sind, die Kunden ge- falscher Flagge gestartet waren. Jesper Bank setzte seine gesamte Erfahrung ein. damals hieß. Ich hatte noch nie davon ge- nauso gut segeln, wie ich es selbst kann.“ hört und rief damals dort an, um zu hören, Sein Job schmeckt also immer noch nach Tatsächlich gelang es dem vierfachen Olymwas da los war. Dort antwortete man mir Gischt und Salzwasser. Vier Monate lang, pioniken, die Jury davon zu überzeugen, ausweichend mit naja und so, aber wenn im Mai, Juni, August und September dass die Dänen zu Recht gewonnen hatten. Du schon mal dran bist, dann können wir wohnt Jespers Frau im gemeinsamen Haus So blieb die Goldmedaille in Dänemark. auch richtig mit Dir sprechen!“ Als Jesper auf Mallorca und Jesper ist dann die meisNatürlich liegt die Frage nahe, ob ein neudas erzählt, muss er immer noch schallend te Zeit auf dem Wasser. er Bank das Erbe des Vaters im Segelsport lachen. Ja, so war das damals. Zu einer weiteren Teilnahme beim Ameri- antritt und ähnlich fleißig Medaillen samcas Cup wird es aber wohl für den melt. ”Nein, wir segeln zwar viel mit der Gibt es eigentlich Mentalitäts- dänischen Skipper nicht kommen. ganzen Familie, aber keines meiner Kinder unterschiede zwischen deutschen ”Nicht, weil es so hart ist, den Ame- wurde bislang Olympiasieger. Genauer gericas Cup zu segeln. Wir segeln ja sagt, einer wird es vielleicht, aber dann in und dänischen Seglern? nicht um die Welt, sondern liegen einer anderen Disziplin, nämlich auf dem fest nur in unserem Basishafen. Die Snowboard. Er besucht ein Internat in Familie ist dabei und die Kinder gehen dort Nordschweden, wo es einen entsprechenNein, eigentlich nicht, sagt Jesper Bank: ”Wir waren Dänen, Schweden, Australier, zur Schule. Es ist eine unheimliche intensi- den Schwerpunkt gibt. Man weiß ja nie”, Neuseeländer, Schweizer und natürlich ve Arbeit. Morgens um 5 Uhr geht’s schon schmunzelt Jesper Bank. auch Deutsche im Team. Wenn Du auf dem los und wir sind erst abends gegen 21 Uhr Wasser bist, macht es keinen Unterschied, fertig“, sagt Jesper Bank, der bereits mehrob man aus dem einen oder anderen Land mals Nachwuchstalente trainierte.

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Segeln

auf dem Fjord In der Fjordregion scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: wie schon vor hundert Jahren treibt der Wind hunderte Segler vor sich her. Heute allerdings ist das anspruchsvolle Segelrevier Flensburg Fjord vor allem eine sportliche Herausforderung. Dabei spielt es keine Rolle, ob eigenes oder gechartertes Boot, Jolle oder Yacht, Holz oder Kunststoff, Profi oder Anfänger. Gäste sind herzlich willkommen. Die Sommersegler erkunden ganz gemütlich per Segelboot von Flensburg aus den Fjord Richtung Ochseninseln. Dieses unvergessliche Erlebnis lässt auch die intensivste Lektüre von „Seewolf“,„Moby Dick“ oder dem Neu-Klassiker „Wir Ertrunkenen“ verblassen. Ohne Motorenlärm spürt man unmittelbar und direkt Wind und Wellengang: die Kraft der Elemente. Doch auch „Sehleute“, wie manche Crew die Fußgänger titulieren, profitieren vom Segelrevier Fjord. Spätestens bei den alle zwei Jahre stattfindenden “Nautics“ mit vielen Segelriesen, ist das Herz jeder passionierten Landratte im Sturm erobert. [Anmerkung der Redaktion: Großes Treffen der Windjammer, Yachten und Gaffelsegler, das alle 2 Jahre stattfindet.] Wie bei günstigem Wind hunderte Segelquadratmeter an den Masten ziehen und die Schiffe in Gang bringen, ist schon eine einmalige Sehenswürdigkeit. Klassische Yachten aus dem gesamten skandinavischen Raum zieht es im Sommer zu der „Robbe & Berking Classic Week“, um das schnellste Schiff bzw. die beste Crew auszusegeln. Fünf Wassersportvereine organisieren unterschiedliche Regatten, entweder an der Innenförde oder in den Revieren vor Sønderborg und Aabenraa. Da können die Ladies unter den Segelschiffen, von denen einige dau-

erhaft in Flensburg festgemacht haben, zeigen, was in ihnen steckt. Und dabei spielt es keine Rolle, ob ein Schiff 50 oder 70 Jahre alt ist. „Früher dominierten Einmaster und kleine Frachtensegler den Hafen“, erzählt Thomas Overdick, Chef des Flensburger Schifffahrtsmuseums, wo die Zeugnisse der maritimen FjordKleine Segle geschichte bewahrt werden. r... Weil das so ist, findet bereits seit 1980 alljährlich am Himmelfahrtswochenende die Rum Regatta statt, ein lebendiges Denkmal für die Berufssegler wie Kutter und Jagten. Kennst Du nicht? Die Danske Jagt war bis vor ca. 160 Jahren der herrschende Lastensegler an der Ostseeküste: flach, wendig und schnell. Durch Industrialisierung und Eisenbahnverkehr wurde die Jagt schlagartig vertrieben. Dass die einst allgegenwärtigen „Sperlinge des Meeres“ trotzdem unvergessen bleiben, verdanken sie der Flensburger Museumswerft. Dort grüßt mit grün-orange gestrichenem

Die Kraft der Elemente Bug der Nachbau einer Danske Jagt. Sie gibt einerseits einen Eindruck von den Baukünsten vergangener Jahrhunderte, wo erfahrene Handwerker ohne eine einzige


..

Segelausfluge und Seebären

Konstruktionszeichnung diese eleganten Das alles, lautes Lachen, knarrende SchiffsLastesel bauten, aber andererseits auch planken und knatternde Segeln, passen von der Enge an Bord, die der Besatzung hierher. Alles ist lebendig und authentisch. nur das Allernötigste zugestand. „Flensburg ist eine besondere, maritim Wer genau wissen will, was es mit den geprägte Stadt“, sagt Overdick. Verschont Schiffstypen und ihren unterschiedlichen von den Verheerungen des Krieges blieb Formen auf sich hat, geht am besten ins hier ein riesiges Areal erhalten, dass die Museum. Das Flensburger Schifffahrts- gesamte Spannbreite maritimer Wirtschaft museum versteht sich dabei einerseits als zeigt, und dabei auf Schnickschnack und „Wissensspeicher“ und andererseits als falschen Pathos verzichtet. Rotlichtviertel, Teil eines „maritimen Freilichtmuseums“, Speicherhäuser, Hafenkneipen und Kaufsagt Overdick, dessen Haus mitten drin im mannshöfe bilden ein einmaliges EnsembFlensburger Hafen liegt. Ähnlich wie auch le, das man erst wieder ca. 6.000 km weiter im Schifffahrtsmuseum Aabenraa, das die westlich in Connecticut findet. Im dortigen Sammlungen reicher Kapitäne bewahrt, maritimen Museumsdorf „Mystic Seaport“ geht es an der Schiffbrücke um die Verbin- wurde allerdings künstlich das geschaffen, dung zwischen dem modernen Menschen was Flensburg von sich aus zu bieten hat: und der maritimen Geschichte vergange- die direkte Nachbarschaft maritimer Werkner Jahrhunderte. Selbst viele Fjordan- stätten, historischer Schiffe und imposanter wohner haben nur noch familiäre Bindun- Handelshäuser. gen zur Seefahrt. Sie kennen aber, wie die meisten Hafenbesucher, nicht mehr aus Die Zeit ist in der Fjordregion nicht stehen eigener Erfahrung den Umgang mit Schiff geblieben, wie der moderne Hafenbetrieb in und Fracht. Berichte über den Alltag an den Hafenstädten zeigt; doch die Tradition Bord findet man darum im Museum, wo ist unvergessen. Neben den Seglern geht es auch die entsprechenum schwimmende Dampfmaden Zusammenhänge schinen, allen voran: der 1908 Lebendig und wirtschaftlichen gebaute Salondampfer „Alexund authentisch andra“, die in privater InitiatiVerflechtungen erklärt werden. ve vor der Schrottverwertung Die neu erworbenen Kenntnisse kann man gerettet und wieder in Gang gesetzt wurde. dann ein paar Schritte weiter gleich anbrin- Damit ist die alte Dame das älteste seegängen. Der historische Hafen zeigt lebendige gige Dampfschiff Deutschlands und MittelSegel-Geschichte: Lotsen-, Zoll und Lasten- punkt des größten Dampferspektakels, dem kutter. Angucken ist kostenlos. „Dampfrundum“ mit dampfenden Lokomotiven, Dampfwalzen und Dampfbooten, das Wer lieber selbst Hand anlegen möchte, alle zwei Jahre die Hafenluft mit Pfeifen und der ist bei den Abendtouren in Sønder- Zischen erfüllt. borg richtig. Dort kann man in den Som- Die Alexandra ist das Aushängeschild der mermonaten einen Segelausflug mit dem Fjordschifffahrt. Früher hatte man mit einer Traditionssegler „Haabet“ machen: inklu- Armada dicker Butterschiffe vor allem eines sive Segel setzen und Steuern. Man kann im Sinn: die Nachteile einer Grenze mitten aber auch einfach nur Seebär sein und sein durch den Fjord in einen absoluten Vorteil Abendessen genießen. zu verwandeln, zum Einkaufsvorteil. ZollGehörig ins Schwitzen kommt man dage- freier Einkauf spielt inzwischen keine Rolle gen bei der Apfelfahrt, wenn man denn mehr auf dem Fjord, aber man kann immer will. Traditionell holt zur Erntezeit eine noch mit einem der Linienschiffe fahren. ganze Traditionsschiffe-Flotte frische Äpfel aus Kollund und Glücksburg. Dort werden Wer einmal auf dem Fjord unterwegs war, auch Äpfel verkauft, versaftet oder verkos- versteht dann auch Petuh, die Mischspratet. Wir wären nicht am Fjord, wenn dabei che aller Sprachen, die entlang des Flenskein zünftiges Fest herauskommen würde. burg Fjord gesprochen wurden: Was, nich In Flensburg lässt man es beim Apfelfest aufm Schiff gewesen? Das is ja voll Sünde, ordentlich krachen, nachdem die Äpfel in nich? langen Menschenketten von Bord geladen wurden.

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Die

HIGHLIGHTS der Fjordregion

Event

Zeitraum

Info

Folk Baltica

Jährlich im April, in Flensburg, Sønderborg und Aabenraa

Ein Festival rund um die Volksmusik aus den Ländern des Ostseeraums.

Flensburg Fjord Regatta

Jährlich am Freitag des Himmelfahrtswochenendes

Die alljährliche „Zubringer-Regatta“ von Sønderborg nach Flensburg bildet den Auftakt zur großen Rum-Regatta.

Rum-Regatta

Jedes Jahr am Himmelfahrtswochenende, in Flensburg

Das größte nordeuropäische Treffen von Gaffelriggern ist ein Highlight für alle Fans von Traditionsseglern.

Flensburger Hofkultur

Mehrere Monate im Hochsommer, in Flensburg

Konzerte, Theater, Kabarett und Film in den romantischen Kaufmannshöfen der Flensburger Altstadt.

Strandmeile

Jährlich im Juli, in Glücksburg am Kurstrand

Der beschauliche Kurstrand verwandelt sich für ein Wochenende lang in ein großes Familien-Sommerfest! Höhepunkt ist der „Glücksburger Feuerzauber“, das größte musiksynchrone Feuerwerk im Norden.

Ringreiten Jährlich im Juli, in Gråsten, Sønderborg, Aabenraa und Broager

Eines der größten und beliebtesten Feste nördlich der Grenze mit einer langen Tradition in Sønderjylland. Erleben Sie wie die Reiter um den Titel König, Kronprinz und Prinz kämpfen und genießen Sie die einzigartige Stimmung.

Dampf Rundum

Alle 2 Jahre im Juli oder August, in Flensburg

Das größte Dampfer-Spektakel Europas lockt mit historischen Schiffen, Dampfloks und einem sehenswerten Technikpark jedes Jahr tausende Besucher nach Flensburg.

Nautics

Alle 2 Jahre im Juli oder August, in Flensburg

Beim „Fest der Schiffe“ wird die maritime Vergangenheit Flensburgs wieder lebendig, wenn Gaffelsegler, Windjammer und Klassik-Yachten den Hafen bevölkern.

Det sønderjyske Fællesdyrskue (Tierschau)

Jährlich im Mai, in Aabenraa

Eine feste Tradition ist die süddänische Tierschau. Ein festliches und heiteres Ereignis, das auf dem Ringreiter- und Tierschauplatz in Aabenraa stattfindet.

Glücksburger Rosenfest

Jährlich im Juni, in Glücksburg

Jedes Jahr findet an zwei Tagen im Juni das „Glücksburger Rosenfest“ statt– Ein Erlebnis für alle Sinne und jedes Alter. Mit einem Markt der Möglichkeiten und vielen Ausstellern zum Thema Garten. Für Jung und Alt gibt es ein musikalisches Begleitprogramm.

Drachenboot-Cup

Jährlich am letzen Samstag im August, in Flensburg an der Hafenspitze

Der Flensburger Drachenboot-Cup ist mit fast hundert Teams (insg. ca. 2.000 aktive Paddler) und gut 3.000 Zuschauern - welche die Teams lautstark anfeuern - Flensburgs größte Ein-Tages-Veranstaltung

Pulver, Kugeln und Kanonen

Jährlich im September, in Aabenraa

Hier erlebst du ein echtes Soldatenlager, die inoffizielle dänische Meisterschaft im Kanonenschiessen (Böllern), Ausstellung von Kanonen, Aufführung/Demonstrationsschiessen von Schwarzpulverschützen, Heer-/ Zeltlager aus dem 18. und 19. Jahrhundert , Spiel- und Lehraktivitäten für Kinder, Musik uvm.

Flensburger Weihnachtsmarkt

Jährlich im Dezember, in Flensburg

Ab Ende November herrscht in Flensburg Weihnachtsstimmung! Dann duftet es in der nördlichsten Stadt Deutschlands nach Punsch, Kakao, gebrannten Mandeln und leckeren Bratäpfel. Die Plätze und Straßen der Altstadt sind festlich geschmückt und alles hat skandinavisches Flair.

Silvester Open Air

Silvester, in Glücksburg an der Promenade

Silvester Open Air an der Promenade in Glücksburg. Das beliebte Freiluftevent mit exklusiver und knallerfreier Freilufttanzfläche. So erwarten die Silvester-Gäste in Glücksburg Musik und Party vom Feinsten vor der traumhaften Kulisse des Flensburg Fjord.

Sportliche Highlights

Regatten Alle Events und unter: findest du auch on.de

www. fjordregi

Ostseeman

Jährlich im August, in Glücksburg

Der Ostseeman ist der einzige Langtriathlon über die IronManDistanz und beginnt mit einem Massenstart im offenen Meer. Unter den Teilnehmern finden sich bekannte Spitzensportler, vom Deutschen Meister bis zu Ironman-Anwärtern.

Aabenraa Bergmarathon

Jährlich im Juni, in Aabenraa

Anspruchsvoller Lauf mit Strecken von 4,3 km bis Marathondistanz und bis zu 15% Steigung. Ein großes Ereignis in Aabenraa und Umgebung.


Vom Meer in die Pfanne –

auf Fischfang mit Christian Bind

Schlemmen

in der Sterneküche Es ist schlichtweg eiskalt. Frierend stehen wir auf dem Steg am Fuße von Christian Binds Restaurant bei Kollund und warten darauf, hinaus auf das Wasser des Flensburg Fjord zu gelangen. Abgesehen von der Kälte ist es ein schöner Herbsttag. Die Sonne versteckt sich

ben sowohl Dorsch als auch Scholle gefangen und wenn wir Glück haben, kriegen wir auch eine Meeresforelle“, fährt der Chefkoch fort, während seine Augen vor Begeisterung fast Funken schlagen.

Als wir an Bord gehen, bedeckt Wasser einzelne Teile des Decks. Nichts, was den Fischer zu behinter dicken Wolken, die in vielen verschiedeunruhigen scheint. Doch sowohl Journalistin als nen Grautönen am Himmel hängen. Es ist nahezu auch Fotograf bringen sich ganz vorne im Boot in windstill. Die Kälte ist längst unter die Jacke gekroSicherheit. Der tuckernde Herzschlag des Kutters chen und die Füße in den hohen grauen Gummibringt uns hinaus auf den Fjord. Mit stiefeln sind kaum noch zu spüren. Mühe holen wir die erste Boje Die Spannung einiger Doch trotz des Wetters ist Christian an Bord. Vorsichtig ziehen drei Männer steigt Bind in bester Laune: „Ich habe das die Netze ein, während Skipper Bind Boot zusammen mit meinem Nachden Kutter in den niedrigsten Gang barn gekauft und es ist mein erster Fischkutter. schaltet. Die Spannung steigt – was ist im Netz? Vorher haben wir von Jollen aus gefischt, aber das Stielaugen wachsen. Selbst der Körper vergisst hier ist weitaus besser“, sagt Christian Bind. Mit nun das Frieren und im selben Moment bricht die einer warmen Thermojacke bekleidet, ist er für Sonne zum ersten Mal durch die Wolken. Einem eine Fahrt über den Fjord natürlich bestens ausSchwung Krebse, die schnell wieder ins Wasser gestattet. Später erzählt er, dass er auch im Winter geschmissen werden, folgen die Fische. Zunächst baden geht. Offenbar ist das kalte, dunkelgraue Schollen und ein paar Flundern, die in der FischFjordwasser nichts, was ihn abschreckt. „Wir hatonne landen. Und dann, wie für das Fischfangfi-

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nale bestellt, ein ausgewachsener Dorsch. Christian Bind ist sichtbar zufrieden. Auf dem Weg zurück achtet keiner mehr auf die Kälte. Das Erlebte auf dem Fjord hat alle im Boot wieder aufgewärmt. Während fachkundige Hände das Deck von Krabbenresten reinigen, umkreisen Möwen das Boot. „Die sind im Handumdrehen da“, sagt Christian Bind. Doch der Fang liegt sicher und gut verstaut in der Fischertonne. Wir schippern zurück an Land.

Gute Lebensmittel als Inspiration Als wir wieder festen Grund unter den Füßen haben, gibt es Kaffee und Kuchen. Christian Bind erzählt von seiner Leidenschaft für Essen. Eine Passion, die er bereits während seiner Kindheit in Frankreich für sich entdeckte. „So lange ich denken kann, hatte alles, was mich anzog, mit Essen zu tun. Schon als ganz kleiner Junge saß ich stundenlang mucksmäuschenstill da und beobachtete meine Mutter in der Küche, in der sie jeden Tag zwei bis drei Zwischenmahlzeiten anrichtete und dasselbe noch mal am Abend tat. Später durfte ich mithelfen. Wir haben eigentlich alles selbst angebaut, all unsere Kräuter und das Gemüse. Wir hatten eine eigene Geflügel-, Kaninchen-, und Taubenzucht und mein Vater hat sich auf den Weinanbau verstanden“, erzählt er stolz. Der junge Christian Bind ging bei den Brüdern Haeberlin im Elsass in die Lehre. Doch die Reiselust führte ihn über Umwege zum Falsled Kro auf Fünen, wo das Zusammentreffen mit seiner Frau Pia sein Schicksal besiegelte. Damals eröffnete er das Restaurant „Chez Paul“ in Flensburg. Nach nur einem Jahr erhielt Christian Bind für seine Kochkünste vor Ort einen Stern im Michelin-Führer. Kurz darauf warb der Kollunder Fakkelgaarden mit Erfolg um den Spitzenkoch und drei Jahre später eröffnete Christian Bind sein Restaurant „Bind“. 15 Jahre im Grenzland sind es mittlerweile geworden. Die naturbelassene Schönheit entlang des Flensburg Fjord ist längst zur Heimat des Franzosen geworden. „Wenn man jeden Morgen beim Öffnen seiner Augen über den traumhaften Fjord blickt, geht einem die Gegend unter die Haut. Die Umgebung bedeutet mir viel, keine Frage. Meine Inspiration finde ich in den guten dänischen Lebensmitteln, die ich mit den stolzen Traditionen französischer Kochkunst kombiniere“, erzählt Christian Bind.

Petri heil! Lust, mal deinen eigenen angeln? Fisch aus dem Fjordeinezu / m Fischkutter sticht ein deutsch

und Alt. Mit Männlein und Weiblein, Jung Mommark, Fynshav, See – z.B. tägl. ab Nordborg, in itän dänisch-sprachiger Kap Std. und kosten ab meisten Touren dauern 3‐4 Aabenraa und Sønderborg. Die , Sprudel, Bier o. Kafoft Würstchen, Käseschnitten 100 DKK. An Bord kannst du en auch die Angelausrüstung. fee kaufen. Die meisten verleih

In Dänemark benötigst du eine Angelkarte. Diese bekommst du in jedem Turistbureau oder bei Vorbestellung vom Kapitän. Kontakte und welche Fische du zu welcher Jahreszeit fängst auf www.fjordregion.de/maritim

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frisch, ten….bekommst du täglich Scholle, Barsch und Konsor äßiIn Flensburg findet in regelm z.B. am Hafen in Langballigau. Fischmarkt statt. gen Abständen sonntags ein www.fjordregion.de Weitere Informationen auf:

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Genau so... Den heutigen Arbeitseinsatz auf dem Fjord bespricht man bei einer dampfenden Tasse Kaffee. „Dæ æ sån, dæ ska`væ`, Kedde“ („Genau so solls sein, Kedde“) sagt der Nachbar im SønderjyskSingsang, dem Dialekt der Süddänen, über Christian Binds Einsatz als Skipper. Der Chefkoch lacht und hat sich ganz offenbar daran gewöhnt, „Kedde“ genannt zu werden, der besondere nordschleswigsche Spitzname für Christian. Der regionale Dialekt bereitet ihm anscheinend keine besonderen Probleme. „Ich kann fünf Sprachen sprechen“, sagt er, „Französisch, Deutsch, Englisch, Dänisch und Sønderjysk.“ Als wir die warme Stube verlassen, schüttelt sich Christian Bind doch ein wenig im rauen, kalten Herbstwetter. „Das Klima ist der einzige Minuspunkt für Dänemark“, sagt er lächelnd zum Abschied, bevor er in seine Küche entschwindet, um das Essen für seine Abendgäste zuzubereiten.

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Fakkelgaarden mit gehobener Küche

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Feine Küche... 01 - Frisch gefangen im Fjord 02 - Der Fisch in der Pfanne 03 - Das fast fertige Gericht 04

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04 - Das leckere Fischgericht fertig auf dem Teller zubereitet

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...mit Dirk Luther

Internationale

Küche unter Verwendung regionaler Spezialitäten

Als Chefkoch eines 5‐Sterne Hotels weiß Dirk Luther um die kulinarischen Bedürfnisse von Einheimischen, Touristen und Geschäftsreisenden. Mit buchstäblich ausgezeichneter Küche – seine kulinarischen Kompositionen erhielten bislang zwei Sterne im Guide Michelin, sowie 17 Punkte im Guide Gault Millau – trifft der Spitzenkoch tagtäglich den Geschmack der Fjordregion. Wie schmeckt die regionale Küche entlang des Fjords, Dirk Luther? Zartes Rindfleisch. Salzwiesenlämmer. Und natürlich frischer Hering und Dorsch handwerklich perfekt zubereitet. Ich persönlich praktiziere eine internationale Küche, die ich aber gerne mit regionalen Produkten ergänze. Wenn lokale Lebensmittel perfekt sind, muss ich schließlich nicht erst um die ganze Welt reisen.

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Aussich

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Sie kamen 2006 aus Hamburg an das Hotel am Flensburg Fjord. Wie arbeitet es sich als Küchenchef im äußersten Norden Deutschlands mit Blick auf Dänemark? Ich mag das Leben hier oben sehr. Durch die Nähe zu Dänemark ist die Esskultur vielseitiger. Ich mag das Miteinander zweier Kulturen, zweier Sprachen. Viele unserer Gäste kommen aus Skandinavien und schätzen gerade unsere Vielfalt aus regionalen Produkten und internationaler Küche.

Welche Ansprüche stellt der anspruchsvolle Restaurantbesucher von heute an einen Chefkoch? Er erwartet hochklassige Küche auf internationalem Niveau. Einfach nur Hering an Bratkartoffeln als regionales Gericht zu servieren, reicht längst nicht mehr aus. Aber auf internationalen Standard müssen Gäste der Fjordregion heutzutage ja nicht mehr verzichten. Da hat sich in den vergangenen Jahren viel weiterentwickelt.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsessen? Gekochter Tafelspitz mit Meerrettichsoße und Bouillon‐Kartoffel.

Geht man als Chefkoch auch selbst mal gerne essen? Ja, das tue ich schon ab und zu. Aber dann meistens in Frankreich oder Spanien, um neue Eindrücke zu gewinnen.

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Möchtest du auf den gion kommen?irs Geschmack unseoderer einr facRe ven h qualitativ hochwertige Sou

Stöbern, Probieren, Plauschen roduzenten. eren regionalen Lebensmittelp erhaschen, kannst du bei uns ig, Säfte aus Moschem Obst und Gemüse, Hon Hier findest du alles von fris n, Eisfabrikanten hprozentigen, Cidres, Hofläde tereien über destillierten Hoc n‐ und FleischKor und Getreideprodukte, Rum, und Süßigkeiten sowie Milch‐ uereien. Bra sind natürlich die bekannten produkte. Nicht zu vergessen www.fjordregion.de/shopping Alle Produzenten findest auf

Esskultur In ganz Schleswig gibt es guten und fruchtbaren Ackerboden, der seit jeher ideale Bedingungen für die Landwirtschaft bietet. Daraus entstand eine lebendige Küche – und so ist es keinesfalls ein Zufall, dass sich in der Region Gourmetrestaurants und Sterneköche wie Perlen an einer Schnur aneinander reihen. Spezialisiert haben sie sich auf die Komposition traditioneller regionaler Gerichte, kombinieren dabei edle Zutaten mit stolzer Handwerkstradition und kreieren so eine variantenreiche Küche mit unzähligen saisonalen Geschmackserlebnissen.

wie Erbsen, Möhren und Kartoffeln besteht. Die Mahlzeiten des Herbstes sind geprägt von der Erntezeit mit Beeren und Obst – und natürlich Grünkohl, der auf vielerlei Weise auf den Menükarten des Herbstes vorzufinden ist. In der Hochzeit des Winters zeigen sich mitunter deutliche Unterschiede zwischen dänischer und deutscher Esskultur. Während in Dänemark oftmals Schwartenbraten zum Hauptgang und Reisbrei als Nachtisch auf dem Weihnachtsabendmenü stehen, isst man südlich der Grenze eher Entenbraten, Roastbeef oder schlicht und einfach Kartoffelsalat mit Würstchen, weil es einfach zuzubereiten ist und so mehr Zeit für das Miteinander bleibt. Den Silvesterabend verbringt man südlich der Grenze oftmals bei Fondue oder Raclette, während der Süddäne stolz die Tradition pflegt, am letzten Tag des Jahres Grünkohl mit Kohlwürsten, Kassler oder geräuchertem Schinken zu servieren.

Lebendige Küche

Wenn beispielsweise im späten Frühjahr alles grünt und sprießt, bereitet man „Klare Suppe mit sieben Sorten Grün“ oder nicht zuletzt die einzigartige Sauerrahmsuppe zu, die durch die besondere Zutat einen frischen, säuerlichen Geschmack erhält. Im Sommer wird häufig das regionale Gericht „Schnüsch“ serviert, das aus den ersten frisch geernteten Gemüsen

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Im Interview mit Siegfried Lenz

Süßes in

Süddänemark „Eine wuchtige Herausforderung“

Nougatbäuchige Napoleon-Schnitten, Kranzkuchen voller Rosinen und salzig gebuttertes Süßteiggebäck als kulinarische Herausforderung in den Abendstunden – die süddänische Kaffeetafel (Sønderjysk Kaffebord) hat es buchstäblich in sich. In seiner literarischen Erzählung „Jütländische Kaffeetafeln“ beschreibt Schriftsteller Siegfried Lenz eine gleichwohl überwältigende kulinarische Eigenart der Grenzregion als „Genuss, Kummer und Wohltat in einem“. Der 1926 in Ostpreußen geborene Schriftsteller verbrachte 30 Sommer lang in seinem Ferienhaus auf Alsen, lebt mittlerweile in Hamburg sowie auf der dänischen Insel Fünen. Mit den Inhabern des Restaurants Bind verbindet Siegfried Lenz eine langjährige Freundschaft, hier heiratete er im Sommer 2010 die Dänin Ulla Jespersen. Gelegentlich veranstaltet das Restaurant Bind Lesungen mit dem Autor. Herr Lenz, an wievielen Süddänischen Kaffeetafeln haben Sie bereits teilgenommen, um das süße Geschlemme derart detailliert wiedergeben zu können? Nun, sagen wir zehn. Zehn Einladungen zu nordschleswigschen Kaffeetafeln durfte ich annehmen und alle habe ich überlebt. Es war jedes Mal eine unglaubliche Wohltat, eine wuchtige Herausforderung sondergleichen. Wo liegt der süße Unterschied zum gedeckten deutschen Kaffeetisch? Ich bin kein Dänemark‐Experte und habe lediglich Erfahrungen sammeln können. Meiner Meinung nach ist der dänische Schichtkuchen etwas ganz Besonderes. Ein Wohlgeschmack, der eine deutsche Torte in Süße und Geschmack bei Weitem zu übertreffen vermag. Was empfinden Sie als typisch für die Grenzregion Dänemarks? Vor allem eins: Auf mich hat das wunderbare Prinzip der Nachbarschaft, der gegenseitigen Hilfe, immer wieder besonders Eindruck gemacht. Diese permanente und oft ungefragte Hilfsbereitschaft ist eine beeindruckende Eigenart, die ich im Grenzland erlebe. Eine wirklich grenzenlose Hilfsbereitschaft.

Siegfried Lenz bei ein er seiner Lesungen im Restau rant Bind


„Eine Minderheit ist etwas Besonderes. Eine geschlossene Gemeinschaft, in der man zusammenhält, vielleicht auch ein wenig zu sehr für sich bleibt. Aber meine Pflegeeltern waren gegenüber „den Deutschen“ niemals negativ. Sie sagten immer: Was im Krieg passiert ist, sei das eine. Dem einzelnen Menschen aber müsse man stets mit Respekt begegnen“, erinnert sich Mette Ohlsen. 35 Jahre lang lebte sie in Deutschland, bevor sie 1984 auf jenen Hof am Südende der Insel Als zurückkehrte, den ihre Mutter als Sommerhaus gekauft hatte. Dort lebt sie seither als Künstlerin. Während wir den Hofplatz überqueren, um ihr Atelier zu besichtigen, erzählt sie von ihrer Verwunderung über die zeitweise recht hitzig geführten Debatten über Ausländer in Dänemark. „Ich selbst habe ja erlebt, wie es sich anfühlt, in einem fremden Land zu leben. Wie man sich „integrieren“ soll, es aber nicht gelingt. Und wenn überhaupt, dann erst viel, viel später. Wenn Menschen in einer fremden Kultur sind, finden sie sich doch rein instinktiv mit Gleichgesinnten zusammen und singen Lieder aus der Heimat. Es ist verwunderlich, dass wir nicht toleranter sind. Schließlich wollen wir auch dann als Dänen wahrgenommen und akzeptiert werden, wenn wir uns im Ausland befinden. Und in Deutschland habe ich als Däne nie etwas Negatives erlebt. Man fand das wohl charmant.

Im Interview mit Mette Ohlsen

Kunst

in der Fjordregion Es ist einer jener Herbsttage: Nebel bedeckt die Felder. Gelbe, rote und braune Blätter glänzen in der Feuchtigkeit. Niemand scheint da zu sein, auf jenem Hof im Süden der Insel Als. Der ehemalige Bauernhof wirkt ausgestorben. Doch dann, ein Lebenszeichen! Aus der Scheune ertönt eine fröhliche Stimme: „Ich wohne hier drüben!“, ruft sie.

Mette Ohlsen (geboren 1944), ausgebildet an der Kunstakademie in Hamburg. Sie hat überall in der Welt ausgestellt, aber natürlich primär in Deutschland und Dänemark.

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Dort drinnen angekommen, wird schnell klar, warum Mette Ohlsen in der alten Scheune Quartier bezogen hat und das alte Stubenhaus als Atelier nutzt. Licht flutet durch große Fensterpartien bis hinauf unters Scheunendach. Gemütliche Ecken, wohin man auch blickt. Alte Türen verleihen dem hellen Raum Atmosphäre. Worte wie „charmant“ oder „idyllisch“ liegen dem Betrachter auf der Zunge. Doch das Ambiente ist mehr als das. Es hat Seele. Ohne Frage hat jeder einzelne Gegenstand im Raum eine Geschichte zu erzählen. Ebenso wie die Bewohnerin. Denn Mette Ohlsen hat viel erlebt. Sie, die als Zehnjährige in ein Kinderheim auf Sylt kam und dort die dänische Schule besuchte, nachdem ihre Mutter einen Deutschen geheiratet hatte. Die später vom Rektorenpaar wie ein eigenes Kind aufgenommen wurde und fortan als Teil der dänischen Minderheit auf Sylt lebte.

Die lebensfrohe Künstlerin mit den roten Haaren und den großen Augen scheint voller Lebensfreude zu sein. Inzwischen sind wir drinnen in ihrem Atelier angekommen. Hier stehen einige hübsche, rund zwei Meter hohe Holzschnitzereien, die Mette Ohlsen für ein Rehabilitationscenter angefertigt hat, in dem Menschen lernen, mit Gehirnverletzungen zu leben. „Ich hatte für die Neurologische Abteilung des Sønderborger Krankenhauses etwas gestaltet. Daraufhin kamen andere und sagten: „Sowas wollen wir auch haben“. „Das kann ich nicht machen“, habe ich entgegnet. „Ich kann lediglich etwas entwerfen, das zu euch passt“. Also ging ich nach Hause und versetzte mich eine Zeit lang in die Welt der Gehirngeschädigten.“ Mette Ohlsen grinst über das ganze Gesicht. Für sie sei es normal, sich durch Selbstversuche in andere Menschen hineinzufühlen, sagt sie. „Wenn ich beispielsweise jemanden sehe, der ein Ei auf ganz besondere Art isst, beobachte ich das sehr genau. Wie macht er es? Wie wird der Löffel gehalten, wie zum Mund geführt? Und dann gehe ich nach Hause und versuche, es haargenau so nachzumachen. Einfach nur, um nachzuvollziehen, wie es sich anfühlt.“


Und wie fühlt und denkt man in der Welt der Hirngeschädigten? Die Künstlerin dachte nach – und machte „Häuser“ zum Thema ihrer Holzschnitte. „Erst dachte ich an Vögel. Vögel wollen frei sein. Aber dann dachte ich, nein, nein. Mein „hirngeschädigtes Ich“ hatte Angst vor Vögeln. Es musste etwas Sicheres sein. Und Häuser – kein Mensch hat Angst vor Häusern!“. Mette Ohlsen schmunzelt erneut. Auch die Wahl des Materials überließ sie nicht dem Zufall. Bewusst entschied sie sich, die Kunstwerke für den langen Gang im Krankenhaus aus Holz herzustellen. „Überall war Plastik und Linoleum. Ich wollte den Menschen vor Ort etwas Anderes bieten. Ein Gegengewicht zur Krankenhausatmosphäre. Ich hatte keinerlei Vorgaben zu befolgen. Also entschied ich, etwas ganz Neues zu machen. Und ich hatte nie zuvor mit Holz gearbeitet. Ich bin eben wie ein Kind, das immer wieder Neues erkunden will. Das macht Spaß. Ich hatte keine Ahnung, dass ich sowas entwerfen könnte. Aber jetzt kann ich es und ich werde es nicht nochmal machen. Ich will neugierig bleiben und mich immer wieder neuen Herausforderungen stellen.“

Immer

neugierig bleiben...

Mette Ohlsen redet lebhaft und nahezu ununterbrochen. Die Batterie des Aufnahmegeräts ist mittlerweile leer. Während wir zurück über den Hofplatz laufen, reden wir über die Unterschiede zwischen dänischer und deutscher Kunst. „Als ich nach Dänemark zurückkam, fehlte mir der scharfe Dialog über Kunst, wie man ihn in Deutschland stets geführt hat. Dinge klar zu benennen, sich gedanklich weiterentwickeln. Dänen werden gerne selbstzufrieden und denken dann „Wir sind die Besten in... Allem“ oder „Wir sind die kreativen Köpfe“. Andere Länder haben jedoch weitaus kreativere Köpfe hervorgebracht. Wir sind keine Weltmeister des Geistes.“

INFO Die Fjordregion hat für Kunstinteressierte jede Menge zu bieten Skulptu Das Kunstmuseum Brundlund Slot zeigt regelrenpark mäßig wechselnde Ausstellungen mit lokalen August iana Künstlern, Gegenwartskunst sowie kunstgeschichtlichen Themen. In einem Saal des Schlosses ist eine Sonderausstellung der C. W. Eckersberg-Sammlung zu sehen. Im Sønderborger Schloss befindet sich eine große Sammlung vorrangig alter und wertvoller Kunstwerke. Zudem stellen regelmäßig moderne Künstler ihre Werke in Sonderausstellungen aus. Auf dem Museumsberg hoch über den Dächern der Stadt Flensburg wird Schleswigsche Kunst- und Kulturgeschichte zwischen 1200 und 1900 gezeigt. Mit einer Ausstellungsfläche von rund 3.000 Quadratmetern zählen die beiden Gebäude des Museumsberges zu den größten Museen Schleswig-Holsteins. Darin finden Besucher Werke u.a. von Erich Heckel, Ernst Barlach und Emil Nolde. Direkt neben dem Museum befindet sich ein hübscher Park. Im Skulpturenpark Augustiana reihen sich stolze und zumeist auch stattliche Werke von Künstlern aus vier Generationen aneinander. Künstler, die allesamt zu den bedeutendsten Bildhauern Dänemarks zählen. Das Kunstcenter von Augustiana präsentiert im Palais des Schlosses zudem mittelgroße und kleinere Skulpturen, Installationen sowie Grafikkunst und Gemälde.

Die Künstlerkolonie Egernsund Einst strömten Künstler in Scharen in das kleine Dorf am Flensburg Fjord namens Egernsund. Zwischen 1875 und 1920 entwickelte sich in Egernsund eine Künstlerkolonie. Der Kunststil jener Epoche lag zwischen Naturalismus und Expressionismus und so waren d n kräftige Farben und intensive Momentaufu s Egern nahmen die neuen Lieblinge der Kunstszene. Vor diesem Hintergrund kam Egernsund eine ganz besondere Rolle zu: Die wechselnden Lichtverhältnisse vor Ort lieferten Malern einzigartige Bedingungen. Als Egernsund nach dem Volksentscheid 1920 wieder dänisch wurde, kehrten viele Künstler nach Deutschland zurück und die Kolonie verlor an Bedeutung. So kam es, dass die Egernsund-Maler in Deutschland noch heute anerkannt und wertgeschätzt sind, während sie in Dänemark weitestgehend unbekannt sind. Kunstgeschichtlich bezeichnet man die Kolonie heute als deutsch. Tatsächlich stammen aber mehrere der Maler aus jenen Gegenden, die bis 1864 der dänischen Krone unterstellt waren. Nach der Neufindung der Grenze nahmen viele Dänen Abstand von allem, was deutsch war und durch den Zweiten Weltkrieg nahm diese Tendenz weiter zu. Mit dem Ergebnis, dass nur ganz wenige kunstinteressierte Dänen die Egernsund-Maler bewusst wahrgenommen haben. Heute hängen die meisten ihrer Werke auf dem Flensburger Museumsberg. Das Museum hat rund 100 Malereien, wovon etwa 50 in einer Dauerausstellung zu sehen sind. In Dänemark sind nur wenige Werke öffentlich zu besichtigen. Beispielsweise im Schloss Sønderborg oder in Aarhus. Diese Bilder sind jedoch ohne ihren geschichtlichen Zusammenhang ausgestellt und tragen somit nicht dazu bei, die faszinierende Künstlerkolonie von einst widerzugeben. Aufmerksame Betrachter hingegen können sich indes noch heute von den einzigartigen Lichtund Lebensverhältnissen vergangener Künstlerkolonie-Zeiten überzeugen. Weitere Informationen zu den Museen und Kunst in der Fjordregion auf www.fjordregion.de


INFO Naturschutz wird groß geschrieben!Feld, Stiftungsland, Gebiete (Twedter Die entsprechenden Besonderheineldal u.a.) und deren Åbjerg Skov, Kruså Tun lärt. Darüber erk n fel ota Inf hand von ten werden vor Ort an nd ku en ist ausn und Flyer. Selbster hinaus gibt es Karte hrend der Brutpha-

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Natur pur „Was den Flensburg Fjord unverwechselbar macht, sind die wunderschönen Wälder, die bis an den steilen Kanten hineingehen.“

Faszinier ende Ste ilküsten in der Fjordregio n

Stefanie Dibbern, 43, muss man nicht lange fragen, was die kleine Seitentäler, teilweise von alpiner Steilheit.“ Der riesige Natur am Fjord ausmacht. Obwohl sich die passionierte Berg- Gletscher zog sich nämlich nicht einfach wie eine Gummizunge steigerin mit beeindruckenden Alpenpanoramen gut auskennt, zurück, sondern schmolz über viele Jahre. Vorne heraus schoss fühlt sie sich in der „gemütlichen Fjordlandschaft“ zuhause. eine türkis-milchige Wassergischt aus dem Gletschertor. Unter Der Grund, warum sie beinahe schon zwanzig Jahre im Norden, dem Gletscher lief aber ebenfalls das Wasser ab und formte ein in Hörup, wohnt: „Der Flensburg Fjord bietet dem Auge trotz einzigartiges Geflecht von Tunneltälern, von denen eines der der Weite des Meeres einen gewissen Halt.“ Das unterscheidet bekanntesten das Kruså Tunneldal (Krusauer Tunneltal) ist: gut diesen Fjord von den anderen Förden entlang der deutschen erschlossen und hervorragend beschildert. „Für Kinder, die mit und dänischen Küste. Zwischen Holnis und Broager mit seinen dem Mountainbike unterwegs sind, ein Highlight.“ Vor allem, imponierenden Kirchtürmen findet man so einen Ort: „Das ist wenn man auf dem Gendarmenpfad, dem „Rückgrat“ der däein schöner, weiter Horizont.“ Gut ausgeschildert und leicht zu nischen Fjordseite, den Fjord vom Ufer aus begleitet. Der Pfad finden. Per Bus, zu Fuß, mit dem Fahrrad und vom Wasser na- biegt an vielen Stellen zum Wasser ab: „Das Meer lockt immer türlich auch. Doch die Natur- und Landschaftsführerin bleibt am wieder zum Spielen, ob mit Steinen oder Tieren. Das ist hier absolut kindergeeignet.“ liebsten in ihren Wanderschuhen und lockt Alt und Jung in die einheimische Landschaft, die Eine Landschaft Die studierte Agrarbiologin Stefanie Dibbern hat voller Schätze ist. Die Natur sei an keiner Stelle die Liebe zur Natur zum Beruf gemacht. Sie führt einschüchternd, sondern gerade durch die kleivoller Schätze als Zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin nen Schönheiten enorm abwechslungsreich. Einheimische und Gäste durch die Wälder, immer „Man muss genau hinsehen“ und das mache den Reiz der Land- mit einem speziellen Thema: „Im Herbst zum Beispiel Nüsse schaft aus. Sie präsentiert sich nicht jedermann, sondern er- oder Wildobst. Oder auch Meerestiere, Salz oder Orchideen.“ schließt sich erst, wenn man sich Mühe gibt. Umso nachhaltiger Damit will Dibbern die Menschen in die Natur locken und einen Anreiz geben, die im Sommer fast mediterran anmutende Regider Eindruck. on selbst zu erforschen. Man müsse die Menschen allerdings ab Wiesen, Wege und Wälder der Nebentäler stehen dabei ein und an regelrecht nach draußen locken und überzeugen, dass wenig im Schatten des Flensburg Fjord. Diese wurde vor Jahr- eine Naturerkundung keinen Schaden anrichten kann. Im Getausenden von einem Gletscher ausgeschoben und abgeho- gensatz zum Fjord selbst, der aufgrund des geringen Wasserbelt. „Im rechten Winkel dazu stehen aber unheimlich viele, austausches sehr anfällig in Sachen Wasserqualität ist, ist die

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Hast du auch Lust...?

n? Auf dänischer Sei rnd he nä an r che f deuts te ist die gesamte, au trände zugänglich. Die Fjords ste Kü ze gan die wurde 1999 vom h, kosglic än zug entlich sind dagegen alle öff tteln mi hrs Orkan „Anatol“ in rke Ve n he tlic tenlos und mit öffen sWa d, aar nsg wenigen Stunden land, Kro gut erreichbar: Kærne geZie r de ich rdl Nö hr. dahingemäht. Ein sersleben und viele me lder große und kleine Wä Drittel des Kelstrup leilandschaft locken dalich süd , alt elf nvi me mit erstaunlicher Blu Skov fiel damals . se) Mo ev n (z.B.Frøsl von Heidelandschafte , ert ild dem Sturm zum sch sge au d sin nder- und Radwege Wa te. Opfer. Seitdem setzt Aussichtspunk inklusive besonderer man konsequent auf d e einzigartige Flora un Unter Wasser lockt ein zSal en Selbstverjüngung. ing ger n de an al Fauna, die sich optim h; Der Wald ist nicht länt. Tauchen ist möglic gehalt angepasst ha n ne ffe cha ges lich nst kü ger nur Rohstoffliefeempfohlen seien die s ack Wr r: unter Wasse rant, sondern dient Sehenswürdigkeiten äts rsit ive Un s de Riff dem Klimaschutz und oder das künstliche ahl zwisw Au die n be ha r Ostseelabors. Angle nder Naherholung. ee- und Binnenseea schen Küsten- Hochs sind len wa ins we Sch t mi geln. Begegnungen Dibbern erklärt Schulwahrscheinlich. auf dem Fjord nicht un

... die Natur zu erkunde

Fjordlandschaft robust und könnte sogar noch ein Vielfaches an Wanderern, Spaziergängern oder Sportlern vertragen. Die beiden „Kronjuwelen“ sind dabei nach Dibberns Einschätzung die Ochseninseln mitten im Fjord, von denen die eine, die Große Ochseninsel, mit einer regelmäßigen Fährverbindung mit Sønderhav verbunden ist.

Der Geheimtipp

Ein kleines Stück weiter östlich ist Dibberns Geheimtipp zu finden: der Kollunder Wald mit teilweise fast senkrechten Abhängen, die alle paar Meter einen neuen Blickwinkel auf das glitzernde Meer ermöglichen. Je nach Jahreszeit ist der Boden in gelbes, grünes oder goldenes Licht getaucht. Für ganz kleine Kinder oder Kinderwagen ist die Strecke mit Brücken und Stegen nicht optimal. Alle anderen könnten aber im Wald wunderbare Entdeckungen machen, unter anderem Waldfrüchte oder Pilze. Damit wäre der Lieblingsort der Naturführerin geklärt. Und die Lieblingspflanze? „Ich finde es relativ überraschend, dass in dieser dicht besiedelten Gegend eine große Vielfalt an wilden Orchideen existiert. Da haben wir einiges aufzuweisen.“ Gleich danach fallen Dibbern noch die unter Naturschutz stehenden Arnikawiesen ein, die im so genannten Aabenraa Bjergskov (Bergwald nahe Aabenraa) als eine von mehreren alpinen Kostbarkeiten ansässig sind. Im Sommer blühen die kleinen Blüten wie ein einziges großes, gelbes Meer, mitten an Land. Auf deutscher Seite, im Stiftungsland Schäferhaus zwischen Harrislee und Flensburg, wachsen Bingelkraut, Salomonsiegel, Waldmeister und Hexenkraut. Allesamt Kräuter, denen das eine oder andere Wunder zugetraut werden kann. „Bestandsprägend sind natürlich nicht die kleinen Blumen, sondern die Laubbäume wie Esche und Buche mit ihrem hellen Grün im Frühling und den bunten Farben im Herbst.“ Der Wald am Fjord hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Nachdem er viele Jahrhunderte nur dem jeweiligen Bedarf entsprechend bewirtschaft wurde, änderte sich das abrupt im 19. Jahrhundert. Das kann man noch heute gut im Kelstrup Skov (Kelstruper Wald) sehen. Dort führte nämlich der deutsche Provinzialforstdirektor Carl Emeis eine gezielte Neubepflanzung durch. Die systematische Nutzung des Waldes und der Druck, immer höheren Holzertrag zu erwirtschaften, veränderten den Wald im 20. Jahrhundert. Heutzutage versuchen die dänischen Forstbehörden, die ortsfremden Nadelbäume zugunsten der heimischen Pflanzen zu verdrängen. Diese sind optimal an die heimischen Gegebenheiten angepasst. Im Gegensatz zur Tanne. Ihr Bestand

klassen, Naturfreunitäten findest du auf Mehr Natur und Aktiv den oder gemischten www.fjordregion.de Gruppen alles, was in der Natur warum vor sich geht. „Ich übersetze die Sprache der Natur in die der Menschen“ und zwar auf Deutsch und Dänisch. Die Dänen nehmen ihrer Erfahrung nach die Natur als selbstverständlicher. Das ist mehr ein Teil von ihnen selbst.“ Viele deutsche Waldbesucher zeigten manchmal zu viel Distanz. Das bedauert Dibbern und nimmt sich vor, das im Laufe ihrer Touren zu ändern. Da wird dann viel gelacht, entspannt geforscht oder gespielt. So erfährt man unter anderem, dass Bucheckern Blausäure enthalten, ihr Öl dagegen nicht. „Ich möchte die Leute neugierig machen.“ Dibbern hat selber Respekt nur vor einer Sache: Gewitter. „So eine Situation besteht schon ein paar Mal im Jahr. Dann ist es wichtig, die Gruppe zügig in Sicherheit zu bringen.“ Das Wasser des Fjords, aber auch die kleinen Wasserläufe und Bäche sind Flächen, die stark leitend sind. Also, in Acht nehmen. Ansonsten gibt es für Dibbern kein schlechtes Wetter am Fjord: „Wenn dich das Wetter einmal im Stich lässt, hat man die wahnsinnige Vielfalt an kulturellen Angeboten.“ Es gäbe eigentlich keine verregneten Ferien: „Ferien am Flensburg Fjord wären immer gute Ferien“, ist Dibbern überzeugt.


it iew m urg v r e t n I Ysenb u z h t be in Elisa s s e z n Pri

Schloss Glücksburg – Zwischen Herzogtümern und Hochzeitsmessen Die moderne Prinzessin von heute bewohnt ein Schloss nicht nur – sie betreibt es. Prinzessin Elisabeth zu Ysenburg und Büdingen aus dem Hause Schleswig-Holstein ist eine solche Adlige. Ihr Arbeitszimmer liegt dort, wo einst Herzöge und Könige residierten: Auf Schloss Glücksburg. Hohe Fenster im rautenförmigen Turmzimmer geben den Blick frei auf See, Kavalier- und Torhaus. Gespannt wartet eine Schulklasse am einst herzoglichen Geräteschober auf den Beginn der Führung durch das Renaissanceschloss. Es ist Mittwochvormittag. Für die Prinzessin hat ein neuer Arbeitstag begonnen.

für Jahr tausende Besucher an und im Geschichtsmuseum erleben Besucher Ursprungsgeschichte europäischer Königshäuser hautnah. Vieles hat sich seit Herzog Johann, dem Jüngeren, verändert, der 1582 als dritter Sohn des dänischen Königs Christian III. für Schleswig-Holstein-SonderZwischen Geschichte burg das Schloss in Glücksburg errichten ließ. Der einstige Faund Moderne Das weiße Schloss ist für Familie und miliensitz ist heute ein wirtLand längst mehr als ein herrschaftschaftliches Unternehmen, liches Zuhause für Hoheiten: Schloss Glücksburg das von der Stiftung des Hauses Schleswig-Holsteins wird seit den frühen 1990er Jahren mit steigendem mit Sinn für Tradition und Zukunft betrieben wird. Im Erfolg als lebendiger Veranstaltungsort zwischen Interview erzählt Prinzessin Elisabeth zu Ysenburg von Geschichte und Moderne betrieben. Das Standes- ihrer Arbeit zwischen Familienstiftung und Führunamt im Schloss ist seit zwölf Jahren dauerbelegt, der gen, Hochzeitsmessen und Hoheiten. Kunst- und Handwerkermarkt „LebensArt“ lockt Jahr

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aal “ Der „Rote S im Schloss

Hochze itsmess e im Schl oss

Wie fühlt es sich an, das eigene Zuhause mit jährlich tausenden Besuchern zu teilen? Wir haben immer in einem offenen und lebendigen Schloss gelebt. Schon damals gab es hier im Haus ein Museum. Später wurde uns bewusst, welch Kunst es ist, das Schloss zu erhalten und dass Besucher, Nutzer, Stiftungen und Freunde des Schlosses dazu beitragen können. Ausgaben gibt es immer: Sanierung der Brücke, Fassadenmalerei oder neue Fenster, das ist kostspielig. Abgesehen davon, dass wir die Öffentlichkeit für den Erhalt des Schlosses gewinnen wollen, ist Schloss Glücksburg als Wiege der europäischen Königshäuser ein wichtiger Ort für alle Geschichtsinteressierten. Das Schloss ist also nicht nur für unsere Familie von großer Bedeutung. Wie entwickelte sich der herzogliche Familiensitz zum modernen Veranstaltungsort? Heute funktioniert Schloss Glücksburg wie ein Unternehmen. In den 1990er Jahren wurde dieses wirtschaftliche Konzept konsequent ausgebaut und professionalisiert. Seitdem finden auf Schloss Glücksburg mehr und mehr Veranstaltungen statt. Kleine und große Firmen nutzen das Schloss als Tagungsort. Die Historische Ge-

sellschaft und der Freundeskreis Schloss Glücksburg belebt das Haus mit Vorträgen und Gesellschaften. Einmal im Jahr findet auf Schloss Glücksburg die Hochzeitsmesse „Herzklopfen“ statt. Auch mit unserer Ausstellung „LebensArt - Erlesenes und Schönes“ im Schlosspark haben wir neue Wege beschritten. Trauungen im Schloss sind seit 1998 möglich. Auch Ihre beiden Söhne haben auf Schloss Glücksburg geheiratet. Was macht den Ort für Liebende so anziehend? Wenn man die Wahl hat zwischen einem Büro und einem Standesamt im Schloss, ist offensichtlich, was schöner ist und welche Szenerie man vorzieht. Hier im Schloss kann man sowohl standesamtlich im Trauzimmer als auch kirchlich in der Schlosskapelle heiraten. Wie erklären Sie die Faszination, die Schloss Glücksburg auf Besucher ausübt? Das Schloss spiegelt die Geschichte vergangener Jahrhunderte wider. Es wird zu Recht als Wiege der europäischen Königshäuser bezeichnet, Christian der IX. hat seine Kinder nach ganz Europa vermählt. Hier im Schloss erleben Besucher, wie die Hoheiten von damals tatsächlich gelebt haben. Das Faszinierende an Schloss

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Glücksburg ist, dass es ein nach wie vor bewohntes und lebendiges Schloss ist, nicht nur ein Museum. So können wir unseren Gästen nordische Geschichte nahebringen und verständlich machen. Hier im Schloss kann man Geschichte buchstäblich begreifen. Auch die deutsch-dänische Geschichte der Fjordregion hat hier ihren Ursprung. Damals war der Schlossherr Herzog von Schleswig-Holstein-Sonderburg. Heute gibt es die Region Sønderjylland-Schleswig. Ist die Grenzregion Ihrer Meinung nach wieder zusammengewachsen? Viele unserer dänischen Besucher interessieren sich auf Schloss Glücksburg sehr für ihre Ursprungsgeschichte. All die herzoglichen Schlösser der Region, in Sønderborg, Augustenborg, Gråsten und Glücksburg sind seit Jahrhunderten miteinander verbunden. Darauf machen wir unsere Besucher natürlich aufmerksam und informieren sie über die anderen Museen in der Region. Wir alle sind miteinander verflochten wie ein Zahnrad. Die Verbundenheit von einst leben wir heute in einem modernen Miteinander über Ländergrenzen hinweg.


eim uss b l n e g k i Mus ls Festiva Norda

Musik auf dem

Schloss

Wenn sich die nordschleswigsche Brauerei Fuglsang neue Lastwagen anschafft, wählt sie stets ein Modell, das ein wenig niedriger ist als andere. Ansonsten passen die Fahrzeuge nämlich nicht durch das Portal des schönen von Wasser umgebenen Nordborger Schlosses, das den Rahmen für die beiden Bühnen des Nordals Festivals stellt. Seit 27 Jahren ist die Brauerei fester Getränkelieferant und versorgt jene rund 5000 bestens gelaunten Festivalgäste mit Bier, die jedes Jahr am zweiten Juniwochenende auf dem Schlossgelände zusammenkommen. „Das nennt man wohl einen treuen Lieferanten“, schmunzelt Karsten Fibiger. Seit zwei Jahren steht er als Festival-Leiter an der Spitze dessen, was er selbst als „Dänemarks größtes Klassenfest“ bezeichnet. „Das Festival ist für die Stadt von großer Bedeutung. Hier trifft sich jeder. Und jene, die weggezogen sind, kehren nach Hause zurück, ja, ganze Familien reisen mit ihren Kindern an um bei diesem bedeutenden Festival dabei zu sein. Tatsächlich ist die Musik oftmals sekundär“, sagt er. Eine ganz besondere Stimmung An Musik fehlt es indes nicht. Denn nicht nur die Brauerei stellt sich der Herausforderung und macht sich auf den Weg über die mit Flaggen geschmückte Zugangsbrücke aufs Schlossgelände. Ob dänische Publikumsmagnete wie Gnags, Big Fat Snake, Medina und Nik&Jay oder kleinere Bands aus dem Ausland, wie etwa die englische Punkband The Levellers - sie alle fanden bereits den Weg nach Nordborg.

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Ein Fest für alle mit ganz besonderer Stimmung... Es birgt so manche Herausforderungen, auf einem Schloss, dessen Gründungsgeschichte bis ins Jahr 1150 zurück datiert wird, ein Festival zu veranstalten. „Die gesamte Ausstattung – von der Bühne bis zur Musikanlage – muss einzeln auf den Schlossplatz verfrachtet werden. Der Sattelschlepper passt ganz einfach nicht durchs Portal“, berichtet Karsten Fibiger, der wie alle anderen Helfer freiwillig und unentgeltlich am Festival mitarbeitet. Das heutige Nordborger Schloss, in dem mittlerweile eine Nachschule beheimatet ist, wurde 1678 errichtet. Geschichtsträchtige Mauern und neue Töne aus aller Welt – diese Kombination erzeugt ein besonderes Erlebnis, wenn Musiker sich auf eben diesem Schloss warmspielen. Und auch wenn Karsten Fibiger einräumen muss, dass man schon mal überlegt habe, das Festival auf eine Wiese zu verlegen, bleibt das Nordals Festival, wo es ist: „Es hat ja auch seine Vorteile, dass wir nicht größer werden können. Denn die Stimmung auf dem jährlich größtenteils ausverkauften Festivals ist einfach einzigartig“, endet Karsten Fibiger.


INFO

Konzerte statt Kanonenschläge – Neue Töne auf alten Schlössern Nicht nur im Nordborger Schloss geht man neue Wege und nimmt Musik und andere spannende Erlebnisse ins Programm auf. Auf vielen regionalen Schlössern aus der Herzogszeit finden heutzutage eine Fülle an Konzerten statt - ob für Freunde klassischer Musik oder gemütliche Familienveranstaltungen, ob Festival oder Auftritte weltbekannter Namen. Auch Kunstausstellungen finden in den Schlössern ideale Rahmenbedingungen.

Auguste

nborger S chloss

Sønderborg Schloss in Das Schloss in Sønderborg wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts als Burg errichtet. Zwischen 1550 und 1571 ließen König Christian III. und Königin Dorothea das heutige Schloss mit den vier Flügeln im Renaissancestil errichten. Die Schlosskirche ist Dänemarks älteste fürstliche protestantische Kapelle, viele der späteren Herzöge liegen hier begraben. Heute beinhaltet das Schloss ein spannendes Museum, welches die Geschichte Sønderjyllands-Schleswigs vom Mittelalter bis in die heutige Zeit aufzeigt. Zudem finden regelmäßig klassische Konzerte, Vorträge und Kunstausstellungen in dem alten Schloss statt.

Glücksburger S chloss Das Glücksburger Schloss ist eines der wichtigsten Schlösser Norddeutschlands und gilt als Ursprung sowohl für die Herzöge des Hauses Schleswig-Holsteins als auch der dänischen Könige. Das zwischen 1582 und 1587 errichtete Schloss beheimatet heute u.a. historische Malereien, die den ganz besonderen Charakter deutsch-dänischer Geschichte dokumentieren sowie eine einzigartige Sammlung niederländischer Gobelins und flämischer Ledertapeten. Malerische Schlossbilder der heutigen Zeit zeichnete die deutsche TV-Serie „Der Fürst und das Mädchen“ auf, die im Glücksburger Schloss als Drehkulisse entstand.

Das Augustenborger Schloss entstand von 1770 bis 1776 und beherbergte bis zum Ende des Dreijährigen Krieges 1850 Mitglieder des Herzoggeschlechts Schleswig-HolsteinSonderburg-Augustenburg. Als der letzte Herzog, Christian August von Augustenburg 1848 an der Seite Schleswig-Holsteins den Aufstand gegen die dänische Krone unterstützte, beschlagnahmte der dänische König das Schloss. 1932 richtete man im Schloss ein Staatshospital ein, heute beherbergt das Schloss eine psychiatrische Klinik und ist der Öffentlichkeit aus diesem Grunde nicht uneingeschränkt zugänglich. Regelmäßige Führungen durch das Schloss finden aber statt. Der Augustenborger Schlosspark hat sich mit namenhaften musikalischen Veranstaltungen einen Namen gemacht. Etwa mit dem jährlichen Musikfestival „Ein Sonntag auf Als“ oder Konzerten mit Mark Knopfler und Erik Clapton. Mit dem Skulpturenpark Augustiana befindet sich eine der bedeutendsten dänischen Skulpturensammlungen auf dem Schlossgelände. Das Schloss Gråsten erbaute 1616 Gregers Ahlefeldt. Die Eigentumsrechte des Schlosses am See wurden über die Jahre von Machtkämpfen zwischen wechselnden nordschleswigschen Herzögen und deren mehr oder minder direkten Forderungen an den dänischen Thron bestimmt. Nach den TurbulenSchloss Gråsten zen der Jahrhunderte wurde Schloss Gråsten Kronprinz Frederik als Hochzeitsgeschenk vermacht, als dieser 1935 die schwedische Prinzessin Ingrid heiratete. Nicht zuletzt jene spätere Königin fühlte sich stark mit dem Schloss und zugleich mit Nordschleswig verbunden, wo sie alljährlich die gesamte königliche Familie versammelte. Heutzutage ist es Königin Margrethe II., die ihre Ferien gemeinsam mit ihren Söhnen Kronprinz Frederik und Kronprinzessin Mary, Prinz Joachim und Prinzessin Marie, ihren Enkeln sowie ihrer Schwester und deren Familie im Schloss verbringt. Die Ankunft der königlichen Familie im Ort ist für viele Bewohner und Besucher Gråstens ein Höhepunkt des Sommers. Königin Margrethe II. lässt es sich zumeist nämlich nicht nehmen, ihre „Zaungäste“ auf dem Marktplatz persönlich zu begrüßen. Da die Regentin und ihre Familie das Schloss regelmäßig selbst nutzen, ist es der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Doch noch immer finden Besucher im geöffneten Schlossgarten jene Gartenpracht, die auf Königin Ingrids einstige Leidenschaft für Blumen zurückgeht. Ein bezauberndes und blühendes Ausflugsziel für alle Garten- und Blumenliebhaber. In der Schlosskirche finden regelmäßig Konzerte, Gottesdienste und Trauungen statt.


Interview

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Spielend einfach

Als Michael Knudsen um kurz nach 10 Uhr die Phänomenta betritt, tönen bereits zahlreiche fröhliche Kinderstimmen durch die Räume. Das Spielen hat längst begonnen.

Nicht nur das bevorstehende Interview findet vor dem Hintergrund des Spielens statt. Spielen war auch jener Grund, warum der heute 32-jährige Handballer vor fünf Jahren mit seiner Familie aus Nordjütland nach Flensburg zog. „Ich spiele Handball, seit ich denken kann. All das Können am Ball war zunächst ein Spiel. Es hat Spaß gemacht, zu erleben, wie ich mich dabei weiterentwickelt habe. Selbst heute, wo ich davon lebe, ist es mehr Spiel als Arbeit“, erzählt Michael Knudsen über seine Freude an jenem taktisch herausfordernden Sport, den er täglich für seinen Verein SG Flensburg-Handewitt praktiziert. Kennzeichnend für den nördlichsten Erstligaklub Deutschlands: Spielfreude gepaart mit starkem zwischenmenschlichem Zusammenhalt. Michael Knudsen ist sich sicher – genau deshalb spielt der Klub seit Jahren an der Spitze der Liga mit. „Woanders kommt man an, liefert seine Arbeit ab und geht wieder nach Hause. Es ist eine Arbeit, die getan werden muss. Bei Flensburg-Handewitt leben und atmen wir

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Handball 24 Stunden am Tag. Uns kommt es nie wie anstrengende Arbeit vor, die absolviert und überstanden werden muss. Es ist ein Spiel, ein Hobby.“ Als „Dänenklub“ wird die SG FlensburgHandewitt gerne bezeichnet. Denn am Flensburg Fjord spielen traditionell viele dänische und nordische Spieler, trainiert von skandinavischen Trainern und unterstützt von Sponsoren des Nordens. Ist es also auch ein Stück skandinavische Lebensart, die zum langjährigen Erfolg des Klubs beigetragen hat? Michael Knudsen grinst: „Vielleicht. Aber zunächst einmal sind wir ein deutscher Klub. Tatsächlich muss man die Strafkasse füttern, wenn man eine andere Sprache als deutsch spricht und so soll das ja auch sein.“ Michael Knudsen wohnt momentan in Handewitt, seine Frau arbeitet in Dänemark und die Kinder der Beiden besuchen einen dänischen Kindergarten und eine dänische Schule. „Es ist schön, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Kinder in dänische Institutionen zu schicken. Aber es ist auch wichtig, dass sie die deutsche Kultur

und die deutsche Sprache kennenlernen. Meiner Meinung nach ist es ein wirklich großes Geschenk, was wir ihnen hier mitgeben können.“ Michael Knudsen kann sich durchaus vorstellen, auch nach seiner Zeit als ProfiHandballer in Flensburg zu bleiben. „In meinem ersten Vertrag ließ ich mir noch zusichern, dass ich nach Dänemark zurückkehren könnte, wenn ich mich hier unten nicht zurechtfinden würde. Mittlerweile hat sich die Situation ja komplett geändert. In Flensburg lässt es sich gut leben. Man ist so nah an Dänemark dran, wie nur irgendwie möglich. Man genießt sowohl dänische als auch deutsche Vorteile.“ Es ist Zeit für ein Foto. Michael Knudsen stimmt freudig zu, als der Fotograf vorschlägt, die Aufnahme an einer der vielen naturwissenschaftlichen Erlebnisstationen der Phänomenta zu machen. Auch als einer der besten Kreisspieler der Welt, ausgezeichnet mit WM Bronze und EM Gold, ist und bleibt man verliebt ins Spielen. Zum Glück.


Lust auf spielend leichtes Lernen?

In der Flensburger Phänomenta kannst du dich von den eigenen Sinnen überraschen lassen, deine Bewegungen austesten und deine Konzentration unter Beweis stellen. Und man kann vor allem eins: Staunen! Wie stabil ist eine Brücke aus Legosteinen? Wie leicht kannst du einen Betonklotz anheben und wieviel Energie braucht man eigentlich, um einen Fernseher laufen zu lassen? Mehr als 150 Experimente schenken dir spielend neues Wissen. Verbunden mit Wissenschaft zum Anfassen und Erleben!

d in der Spiegelwan a Phänoment In Nordborg auf Als kannst du den Erlebnispark Danfoss Universe entdecken – der gespickt ist mit Naturphänomenen, spannender Technik und lustigen Aktivitäten für die ganze Familie. Gemeinsam könnt ihr die Kräfte der Natur am eigenen Leib erleben oder entdecken, wie all die Technik im Alltag eigentlich funktioniert. Auf der Segway-Bahn könnt ihr Balance und Schnelligkeit auf einer rollenden

Technologie austesten, die Computerkraft, Design und Körperspannung miteinander verbindet. Oder wie wäre es mit einem Ausflug ins Bitland? Dort könnt ihr die digitale Welt erkunden. Denn sicher habt ihr euch auch schon mal gefragt, auf welchem Weg eine SMS von einem Handy zum anderen gelangt oder wie genau man Inhalte auf seinen MP3-Spieler lädt. Kurzum: Im Danfoss Universe erfährst du, wie dein digitaler Alltag abläuft. So wirst du spielend einfach schlauer. Im Artefact Power-Park in Glücksburg kannst du Energie mit allen Sinnen erfahren: Lauf mit der Sonne um die Wette und spür die Energie von Wind und Wasser. Die Welt der Energie steckt voll Spaß und Entdeckungen. Informiere dich über den Treibhauseffekt, lerne etwas über erneuerbare Energien und unsere Umwelt. Im Center befinden sich Gästehaus, Ferienwohnungen, ein Natur-Erlebnisraum und vieles mehr. Weitere Informationen auf www.fjordregion.de

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„Die natürlichste

Art

r urg äftsfüh Gesch enta Flensb m o n ä h P

Was ist das Tolle daran, eine Einrichtung wie die Phänomenta zu leiten? Man muss/darf sich ständig in neue Wissensgebiete einarbeiten. Kein Tag ist im Prinzip wie der andere, es kommt nur wenig Routine auf. Das Schönste ist, dass ich mich mit Dingen beschäftigen darf, die eigentlich nicht mehr für mein Alter gedacht sind. Was denkst du persönlich über ”Spielerisches Lernen”? Es ist die natürlichste Art zu lernen. Als Kleinkind lernt man ohnehin spielerisch. Je länger man sich dadurch den Spaß am Lernen erhalten kann, umso besser.

zu lernen!“

Wie siehst du das Potential der Region als attraktive ”Spielen & Lernen-Region? Ich denke in der Region ist dies ein sehr großes Potential, dass sich sicherlich noch ausbauen lässt. Wir brauchen in Zukunft immer mehr Techniker und Ingenieure, die hier in der Region auch Arbeit finden können. Allerdings steht natürlich der touristische Aspekt im Vordergrund und da ist neben Sonne und Strand durch die Edutainment Einrichtungen auch ein sehr attraktiver Mehrwert für den Urlaub vorhanden. Schaut man noch ein wenig über die unmittelbare Region hinaus, dann findet man noch mehr Einrichtungen, die diesen Ansatz unterstützen.

Warum lebst und arbeitest du so gerne in Flensburg und der Grenzregion? Flensburg ist eine sehr schöne Stadt, die mit und von Ihren beiden Kulturen lebt. Gerade im Sommerhalbjahr ist es hier in der Region im Vergleich zum Binnenland einfach schöner. Es gibt eine unglaubliche kulturelle Vielfalt mit einer Bandbreite, die eigentlich keine Wünsche offen lässt. Und wenn man mal kurz Urlaub machen möchte fährt man nach Dänemark kurz über die Grenze...

Die Welt steht Ko pf...


Flensburg auf vier Pfoten

Als Polizeichefin Pia Andresen ermittelt Schauspielerin Sabine Kaack in der ZDF-Abendserie „Da kommt Kalle“ gemeinsam mit Parson Russell Terrier Kalle. Gedreht wird die Krimi-Familienserie zu großen Teilen in Flensburg. Die Dreharbeiten am Fjord verbindet Sabine Kaack gerne mal mit einem Fischbrötchen am Museumshafen oder Schifffahrten nach Glücksburg, wie sie im Interview verrät.

Drehort Fjordregion Kannten Sie - als geborene SchleswigHolsteinerin - die Stadt am Fjord und die Grenzregion schon, bevor Sie 2007 die Hauptrolle der ZDF-Abendserie übernommen haben? Ja, natürlich. Schon als ich ein kleines Kind war, sind meine Eltern mit meinem Bruder und mir gerne zum Bummeln nach Flensburg gefahren und im Sommer, um im Fjord zu baden. Sie leben in Berlin, gedreht wird „Da kommt Kalle“ in und um Flensburg. Sind die Dreharbeiten für Sie eine willkommene Abwechslung im Großstadtall­­­tag? Ja, das kann man wirklich so sagen. Ich genieße die Zeit in Flensburg sehr.

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Bleibt neben der Arbeit Zeit für Spaziergänge am Strand oder einen Bummel durch die Innenstadt? Auf jeden Fall nehme ich mir die Zeit für Spaziergänge am Strand und wenn möglich zum Baden. Auch die Luft ist hier wunderbar klar und es gibt nichts Schöneres, als abends am Strand oder am Fjord der untergehenden Sonne zuzusehen. Was verbinden Sie mit der Grenzregion bzw. welche Erfahrungen haben Sie mit dem deutsch-dänischen Neben- und Miteinander gemacht? Wenn doch alles nur so unkompliziert wäre, wie ein deutsch-dänisches Miteinander! Da ich gerne Rad fahre, möchte ich den Gendarmenpfad erwähnen. [Anm. der Red.: Beim Gendarmenpfad handelt es sich um die Route, auf der die ehemaligen Grenzgendarme noch bis 1958 patrouillierten. Heute wird er als Wanderroute und streckenweise als Radweg genutzt. Siehe Artikel auf Seite 9.]

Dieser hervorragend ausgebaute Radweg für beide Seiten ist super gelungen. Und wo kann man schneller eine Grenze überschreiten als nach Dänemark! Wie ist es eigentlich, sich die Hauptrolle mit einem Vierbeiner zu teilen und wie arbeitet man überhaupt mit einem Hund zusammen? Wir haben einen begnadeten Tiertrainer und ich muss wirklich zugeben, dass Kalle ein eigenständiger Kol-

lege ist. Er macht alles, wie vorher für die Szene geübt, mit erstaunlicher Präzision. Natürlich machen wir auch manchmal Blödsinn und nehmen nicht immer alles so ernst. In dem Hund steckt eben auch ein kleiner Schelm. Vielleicht erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang an eine besonders „anspruchsvoll“ zu drehende Szene mit „Kalle“? Ja, da fällt mir natürlich so einiges ein. Wir mussten eine Verfolgungsjagd beim Museumshafen drehen. Kalle und ich sollten schnell aus dem Polizeiwagen aussteigen um zwei Männer zu verfolgen, die in einem Motorboot flüchten wollten. Wir rannten also hinterher und Kalle sprang in vollem Lauf auf das Boot und hat es auch noch geschafft den Tampen mit der Schnauze im Flug zu fangen und dann noch den Motor zum Absaufen zu bringen. Das muss erstmal ein anderes Tier nachmachen. Hat man in Ihrem Fall als Ermittlerin stets ein Leckerli in der Tasche? Na klar!!!! Pendeln Sie bei Aufnahmeperioden zwischen Flensburg und Berlin hin und her oder leben Sie solange in Flensburg? Ich lebe während der Dreharbeiten in der Flensburger Region.


Meine Lieblingsplätze in Flensburg… edingt mal gesehen oder er-

unb Was sollte man in Flensburg lebt haben? h n kleinen Imbiss mit den für mic Am Museumshafen gibt es eine ich e sitz Da Art. r alle en Fischbrötch am frischsten und leckersten uern oder Seglern zu. Und was tsba Boo den aue gerne und sch alten sollte, ist eine Fahrt mit dem man unbedingt mal erleben ln. inse sen Och den an bei urg, vor Schiff Alexandra nach Glücksb . rlich ach her Das ist bei schönem Wetter einf

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hon, dass... Wusstest du scKa lle nach jedem die „heiße“ Spürnase en gelösten Fall mit einem lecker Hot Dog belohnt wird?

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In Flensburg

tierisch viel erleben

Lust auf unvergessliche Aufnahmen für das Drehbuch des eigenen Lebens? Ab in die Stadt am Fjord! Flensburg ist nämlich nicht nur für Film-Hunde und Schauspielerinnen ein echtes Erlebnis. Während der tierische Schnüffler Kalle wohl am liebsten auf der Hafenpromenade umherspaziert oder im Museumshafen den Bootsbauern über die Pfoten guckt, steht Flensburg auch Zweibeinern für Entdeckertouren offen. Und das inmitten deutsch-dänischer Grenzlandgeschichte! Über vier Jahrhunderte gehörte Flensburg nämlich zum dänischen Königreich. Und so muss man kein Spürhund sein, um zwischen bunten Kapitänshäusern, historischen Kaufmannshöfen und Segelschonern typisch Flensburger Eigenarten zu finden. Eine Mischung aus deutscher Gemütlichkeit und dänischer Offenheit, gewürzt mit skandinavischem Flair und norddeutschem Charme. Die Stadt am Meer zeigt sich also nicht nur im TV von der allerbesten Seite Schleswig-Holsteins. Rund 90.000 Bürger nebst Ausflüglern und Urlaubern erleben in Flensburg Tag für Tag Maritimes in Serie: Am Museumshafen mitgestalten und Boote basteln. Bummeln auf der nordisch-schicken Fußgängerzone. Mit Fischbrötchen in der Hand die Beine über dem Holzsteg am Hafen baumeln lassen. Auf dem Museumsberg Kunst und Fjordpanorama erleben. Toben auf dem Abenteuerspielplatz an der Hafenspitze oder den Tag in einem der Fischrestaurants entlang des Wassers bei Scholle satt ausklingen lassen. Und wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, kann man schon mal rufen „Da kommt ja Kalle!“. Denn nicht selten trifft man den tierischen Serienstar in Flensburg live bei der Arbeit an. Und dann ist auch Sabine Kaack alias Polizeichefin Pia Andresen nicht weit. Es sei denn, die Schauspielerin hat gerade Drehpause und gönnt sich am Hafen ein Fischbrötchen.


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2.000

Die längste Einkaufsstraße

Es gibt viele Geschichten über die Kirche in Broager, aber eine ist besonders interessant: Als die Kirche von Broager gebaut wurde, war der damalige König in eine Schlacht verwickelt und seine Frau schwanger. Deshalb vereinbarte er mit seiner Frau, dass, wenn es ein Junge würde, der Turm der Kirche eine Spitzkuppel erhalten sollte, während es im Falle eines Mädchens eine Zwiebelkuppel sein sollte. Und der staunte bei seiner Rückkehr nicht schlecht: Er war Vater von zwei Jungen. Und deshalb bekam die Kirche nicht nur einen, sondern zwei Spitztürme...

2.000 Meter misst die längste Einkaufsstraße Schleswig-Holsteins: Vom Flensburger Rathaus bis zum Nordertor mit Boutiquen, Restaurants und mehr.

70 Tonnen schwer werden Finnwale

0 1 ZEHN

Umso erstaunlicher, dass diese Riesen regelmäßig im schmalen Flensburg Fjord nach dem Rechten schauen.

32,47

Minuten

so schnell schwamm Frank Kirschke im Jahr 2000 beim Glücksburger Förde-Crossing von Sønderhav in Dänemark bis nach Glücksburg. Bislang konnte diesen offiziellen Rekord kein Schwimmer brechen.

DIE

Durch welche Stadt schlängelt sich die längste Einkaufsstraße Schleswig-Holsteins? Wie schnell schwimmt man von Dänemark nach Deutschland? Die Fjordregion steckt voll spannender Infos und Überraschungen. Zehn Beispiele gefällig? 42

Mach dich vom Acker, Gletscher!

Vor rund

12.000 Jahren

gruben die abschmelzenden Gletscher der letzten Eiszeit tiefe Krater in die Landschaft – der Beginn von Ostsee und Flensburg Fjord!


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8 Schilling oder umdrehen!

Heute muss man auf dem 74 Kilometer langen Wander- und Spazierweg „Gendarmenpfad“ zwischen Flensburg und Høruphav kein Wegzoll mehr entrichten. Früher war das anders. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts forderte der dänische König Erich von Pommern acht Schilling für jeden Ochsen, der an der Burg Nyhus vorbeigeführt wurde.

135 Stufen

muss man auf der Marientreppe vom Fjord bis auf den Marienberg ersteigen. Insgesamt 35 Treppen führen in Flensburg hinauf oder eben hinunter.

3

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Makrelen

schwimmen auf dem Stadtwappen von Aabenraa umher. Das Fischtrio verweist aber nicht etwa auf die vielen Fischrestaurants am Hafen der Stadt. Die Makrelen symbolisieren die einst große Bedeutung der Fischerei für Aabenraa.

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Minuten liegt die Südsee von Flensburg entfernt. Zumindest, wenn man Lust auf Inselhopping in der Dänischen Südsee hat. Im Handumdrehen gelangt man mit dem Wasserflugzeug von der Flensburger Fördepromenade in Sonwik auf die große Ochseninsel vor der dänischen Küste z. B. zum Kaffeetrinken. Und wer länger in der Luft bleiben möchte und die Fjordregion in Ruhe von oben betrachten möchte, kann das natürlich auch tun.

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Buchstaben

und ein Segen „to go“. Wer das Glücksburger Schloss betritt, kriegt buchstäblich noch einen Segen obendrauf. Die Buchstaben GGGMF prangen nämlich zusammen mit dem Wappen des Schlosses über dem Eingangsportal. Es ist der Wahlspruch des einstigen Herzogs Johann: „Gott gebe Glück mit Frieden“. Eine echte Glücksburg eben...

Impressum Herausgeber Projekt Ganzjahres-Erlebnisregion Rathausplatz 1 D-24937 Flensburg www.fjordregion.de Projekt Helårsoplevelsesregion Flensborgvej 11 DK-6340 Kruså www.fjordregion.com Dieses Magazin wurde gefördert aus INTERREG 4 A Syddanmark-Schleswig-K.E.R.N. mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Texte Sara Kannenberg, Flensburg Karin Haug, Flensburg Minna Hallberg, Sønderborg

Fotos Marcus Dewanger, Flensburg Herbert Ohms, Flensburg Søren Petersen, Sønderborg Richard Walch Jens Helmbrecht für Johannsen Rum sowie von c fotolia.com

Konzeption und Gestaltung Fresh!KONZEPT GmbH, Maike Liepolt, Harrislee www.freshkonzept.de

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Erlebe die Fjordregion! Alle Attraktionen der Region findest du im Internet: www.fjordregion.com/de/erlebniskarte

Kruså Turistbureau Flensborgvej 11 DK - 6340 Kruså Tel. +45 / 7467 2171 Fax +45 / 7467 1467 Mail: turist@visitkrusaa.dk www.visitkrusaa.dk

Gråsten Turistbureau Kongevej 71, Banegården DK - 6300 Gråsten Tel. +45 / 7465 0955 Fax +45 / 7465 3513 Mail: graasten@visitsonderborg.com www.visitsonderborg.com

Touristinformation Flensburg Flensburg Fjord Tourismus GmbH Rathausstr. 1/Am ZOB D - 24937 Flensburg Tel. +49 (0)461 / 90 90 920 Fax +49 (0)461 / 90 90 936 Mail: info@flensburg-tourismus.de www.flensburg-tourismus.de

Touristikverein Amt Langballig / Ostsee Süderende 1 D - 24977 Langballig Tel. +49 (0)46 36 / 88 80 Fax +49 (0)46 36 / 88 37 Mail: tourismus@langballig.de www.tourismus-langballig.de

Sønderborg Turistbureau Rådhustorvet 7 DK - 6400 Sønderborg Tel. +45 / 7442 3555 Fax +45 / 7442 5747 Mail: info@visitsonderborg.com www.visitsonderborg.com

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Europäische Union Europäischer Fonds für regionale Entwicklung 44 Investition in Ihre Zukunft

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