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firtig Die Zeitung zum Feiertag 5. Ausgabe, Ostern 2011

Ja, liebe Kinder. Ausser an Ostern ist der Osterhase ein arbeitsloser Säufer.

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Speck muss weck! Jane Fonda is alive! Queen of Gonzo Natalie «Fitgyösi» hat sich, beim legendären ASVZ-Konditraining die violette Leggins übergestreift

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Oster-Poster Es hat sich mal wieder gelohnt die einzige Farbige Seite in diesem Heft unserer Fotografin Sara Merz zu geben. Hallo Frühling. Aber definitiv.

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Der Preis ist Fleisch Unser Gastro-Reporter holte sich beim Testessen fast eine Proteinvergiftung. Dafür weiss er, mit welchem fleischlichen Verlangen man die Fastenzeit effizient beschliesst.


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Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

inhalt

5 impressum Dieser FIRTIG ist: Die einzige gedruckte Zeitung der Stadt Zürich, die an Feiertagen erscheint (und nur dann). 5. Ausgabe, Ostern 2011 Geschrieben haben: Alejandro Jimenez, Nora Steiner, Natalie Gyöngyösi, Hanna Lauer, Marco Rüegg, Richard Oppermann, Fabienne Schmuki, Monika Hardmeier, David Signer. Gelayoutet haben: «Überdomi» Magnusson. Geknipst haben: Peter Hauser (phuckphotography.ch), Sara Merz (saramerz.ch), Nadine Kägi. Titelfoto: Peter Hauser. GEILLUSTRIERT HABEN: fahrenheit 451 (aegerter.blogspot.com) Bea Kaufmann (gutundschoen.ch) Julia Marti (juliamarti.com) Christina Baeriswyl (mdpt.ch) Falko Ohlmer (falko-ohlmer.com) Claudio Kaiser,

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Gebildredaktioniert haben: Simon Smit, Marco Rüegg, Dominique Magnusson. Korrigiert hat… endlich jemand! Juhu! Mike Mateescu (wortroy.wordpress.com).

Aléjandro kommt es spanisch vor… Klingt wie ein Sprachkurs für Putzfrauen, ist aber ein bombiger Lagebericht unseres Luzerner Korrespondentenpoets und Quoten-Migrationshintergründlers Señor Jiménez, nach Nadal, Paella und dem FC Barcelona Spaniens ganzer Stolz! Nora wundert sich… Ein Jahr älter und immer noch genauso naseweiss: Nora Steiner macht Gedankengymnastik. Das verbraucht fast so viele Kalorien, wie das Super Kondi vom ASVZ. Von Henkern und Toyboys Schweinereien haben auf dem Paradeplatz Tradition – nicht erst, seit unter seinen Tramgeleisen der Bankenschatz ruht. Ein Kopfsprung in die Historie von Zürichs schmutzigster Ecke. Und ein ganz geiles Foto dazu! Mit Senf! Die Portion Extra-Fleisch servieren wir zwischen zwei wunderschönen Buchdeckeln: Die «Stadionwurst». Let’s get ready to rumble! Von wegen, Sportteil ist was für Männer. Der FIRTIG war auf Reisen in den luftigen Höhen der bolivianischen Anden. Beim Frauenwrestling, jawohl! Nein, sexy war es nicht, beim besten Willen nicht, gopferdammi! Schöner Waschsalon Shift the focus, Mr. Lewis: Eine Ausstellung des Kanadiers in Winterthur enttarnt die Objekte des Alltags als perfektionistische Exempel der zufälligen Ästhetik. Jetzt sind uns leider die Fachausdrücke ausgegangen, aber unsere Fachfrau für Kunst hat noch ganz viele weitere!

Internetten tun: Simon Smit, Heimo Paffhausen. Einladungen an VIP-Apéros, Massenmails bezüglich Potenzproblemen und Anfragen über das bezahlte Ausleihen einzelner Redationsmitglieder beantworten die Herausgeber: Simon Smit und Marco Rüegg. Druck: ZDS Zeitungsdruck Schaffhausen AG Auflage: 3000 Exemplare Redaktionsadresse: FIRTIG, Pflugstrasse 7 8006 Zürich Mitmachen? redaktion@firtig.ch Werben? anzeigen@firtig.ch Der nächste FIRTIG erscheint an Auffahrt, dem 2. Juni 2011. Und an Pfingsten dann gleich wieder, im Fall!

EDITORIAL Nummer fünf lebt! Wir haben jetzt den Schuldigen! Es ist Steve Lee. Seit der Gottharder in der Wüste Nevadas einen Töff an die Schläfe gekriegt hat, fehlt der Welt ein Schutzengel, könnte man denken. Schon komisch, oder? 2011 geht plötzlich alles den Bach runter, was nicht an einem Mordsbrocken von Felsen festgezurrt ist. Ägypten, Syrien, Libyen, Japan, dann Guatelligate im Letzigrund und schliesslich kommen auch noch die Basler ans Sechseläuten. Überhaupt das Sechseläuten: Ein Haufen Pferdescheisse in der Stadt und angetrunkene Säbelträger in Strumpfhosen. Immerhin war mit einem Knall alles vorbei. Ausser das mit der Pferdescheisse, die klebt wahrscheinlich jetzt noch zwischen den Tramgeleisen. Aber hey! Mitten in diesen globalen Scherbenhaufen, in dieses weltgeschichtliche Sodom und Gomorrha, platzt der FIRTIG mit einem – Trommelwirbel und Fanfare – Mini-Jubiläum, tadaaa! Wir knallen dem Unheil unsere fünfte Ausgabe vor den Latz und treten dem Verwahrlosen der Sitten mit gespitztem Bleistift entgegen. Gewidmet haben wir das Osterheft mehr oder weniger den Königsdisziplinen der Feiertagsolympiade: Schlemmen und Schwitzen. M al ehrlich, wer mag schon dem Ghadhafi (die vom Blick schreiben zwar immer «Gaddafi», aber wir gehen mal davon aus, dass die NZZ R echt hat) nachtrauern, wenn der Letten schon Anfang April zum Fleischmarkt mutiert? Also denkt an die drei Worte, die einst knutschfarbig an einer Hausfassade über den Bahngeleisen standen. Und selbst wenn Dani Beck in den Bundesrat kommt und Monika Fasnacht in den Himmel: Hier ist, für euch, von uns: FIRTIG Nummer fünf. Alles wird gut! Die FIRTIG-Chefredaktion

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Mat Coen Wenn einer wie Trash-Detektiv Mat Coen Winterschlaf hält, kann man darauf wetten, dass er dabei mit seiner Spürnase in einem vollen Aschenbecher steckt. Zum Glück ist er nicht ganz erstickt. Kultur, Konsum und Bedachtsamkeit Auf dieser Seite ist bisschen Chrüsimüsi. Aber immerhin erfahrt ihr, mit welchen populärkulturellen Gütern man den Alltagseinheitsbrei am angenehmsten aus dem Schädel spült, wenn der FIRTIG einmal durchgelesen ist – und wir haben wiedermal einen richtigen Pfarrer als Gastautor aufgetrieben.

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Hausfrauenseite Zwischen dem Frühlingsputz und Osterbrunch schnell ein paar Kästchen ausfüllen. Wir haben sogar einen neuen Generator verwendet, ha! Nein, zu gewinnen gibt es immer noch nichts, dafür verrät Madame La Effe jene Zukunft, die nie jemand hat wissen wollen. Heiliger Bimbam! Also wir für unseren Teil haben unsere partytechnische Eiersuche voll nobel im Plaza gebucht. Kommt auch. Oder sucht euch aus der Agenda was anderes hübsches aus. Oder bleibt doch um Gottes Willen gleich daheim, pha!


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Türsteher

«Alejandro Jiménez kommt es spanisch vor» Illustration: fahrenheit 451

Wenn es um Theken geht, ziehe ich die gemeinen Theken den Diskotheken vor. In Diskotheken gehe ich denn auch selten. Meistens ist da die falsche Musik, das falsche Publikum, die falschen Preise und ich. Und dann immer diese Türsteher. Die meisten sehen angeblich nur böse aus, sind aber ganz lieb. Wenn die eh ganz lieb sind, dann könnte man doch auch gleich welche nehmen, denen man das auch ansieht, oder? Jedenfalls sagte einer der grossen Männer, ihm würden meine Schuhe nicht gefallen. Ich sagte, seine würden mich also auch nicht gleich frohlocken lassen, aber das tue

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ja nichts zur Sache, wir müssten ja nicht tauschen. Da hat der sich vor mir aufgebaut, mich an der Schulter gepackt und böse geguckt. Gerne hätte ich ihn zwischen die Beine getreten, wie ich es im Frauenselbstverteidigungskurs gelernt hatte, aber bestimmt wäre er dann wütend geworden. Dann hätte er mich wahrscheinlich angegriffen, und ich hätte ihm richtig weh tun müssen. Das wollte ich nicht. Man soll Konflikten aus dem Weg gehen. Und als Pazifist sowieso. Also sagte ich zu ihm: «Jetzt hör mir mal zu! Ich gehe jetzt einfach nach Hause, und du kannst nichts

dagegen tun.» Da war der vielleicht baff. So direkt hatte ihm das wohl noch keiner gesagt. Er schaute hilfesuchend seine Kollegen an und zuckte mit den Schultern. Vielleicht hätte ich zu diesem Zeitpunkt einfach gehen sollen. Aber ich machte weiter. Ich war ja im Begriff zu gewinnen. Ich sagte: «Da staunst du aber, was? Ich gehe jetzt, und du kannst mich nicht aufhalten.» Ich hörte noch wie er sagte: «Das wollen wir doch mal sehen.» Dann wurde mir schwarz vor Augen, als er mir seine ziegelsteingrosse Faust auf das Kinn schlug. Eine komische Begegnung war das. F


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Super kondi: Die Exerzierung des Stativs für den Kopf Es gibt ja diesen akademischen Sportverband Zürich. ASVZ, Sport für Studierte. Und der ASVZ bietet dieses legendäre Konditionstraining an, wo Bewegungstubel und geile Blondinen in Fitnesskluft nebeneinander schwitzen – wenn auch nicht unbedingt aus demselben Grund. In der Mission «Speck muss weck» schickte FIRTIG ein österliches Versuchshäschen los, eine solche Lektion tiefenpsychologisch zu analysieren.

Text: Natalie Gyöngyösi Illustration: Falko Ohlmer

Ich war seit ungefähr dreihundert Jahren nicht mehr in einem Fitnessraum. «Willkommen beim Klassiker unter den ASVZ-Sportarten!», begrüsst mich die Website des ASVZ und meint, ich solle keine Angst haben, man arbeite längst nicht mehr mit den Methoden von Turnvater Jahn. Den Herrn Jahn, stell ich mir vor, muss so eine Art Sado-Guru unter den Turnlehrern gewesen sein und ich bin voll nicht böse, ist der inzwischen also scheint’s in Pension. Auf der Seite dräut man weiter, es würde zu fetziger Musik jeder Muskel trainiert, schliesslich kämen Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit nicht von alleine. Alright. Und: das Super Kondi heisst gemäss Stundenplan auch noch «Body Attack», Dauer: 55 Minuten, hohe Intensität. Wie «Friendly Kill». Oder «Friendly Suicide». Egal. Ich werde hingehen und wenn nötig sterben. Für den FIRTIG. Am Anfang steht ein logistisches Problem: Wie kommt eine Nichtstudentin da überhaupt rein? Reinschleichen ist nicht, wie ich vernehme; die Zugangskontrollen seien ähnlich rigoros wie diejenigen vor dem Führerbunker der Al Qaida. Der Schlüssel zum Kondi hat einen Namen: Nike Panitsas, sympathische Marketing- und Kommunikationslei«Die Zugangskontrollen terin des ASVZ, seien ähnlich rigoros wie welche eine grodiejenigen vor dem Führer- sse Reportage über das Super bunker der Al Qaida.» Kondi erlaubt – unter der Bedingung, dass beim Artikel klar herauskommen müsse, dass es sich nicht um ein öffentliches Angebot handle, sondern eines, das sich an Studierende, Mitarbeitende, Alumni und sonstige Angehörige der Uni oder ETH wende – was hiermit erfüllt sei. Mit dem Besucherpass gibt sie mir den Rat, auf keinen Fall das Schloss für den Spind zu vergessen. Wie ein Pferd schnaufend erklimme ich den Hügel bis zur Polyterrasse – es ist kurz vor 18 Uhr – und drücke

mich an den im Studentencafé «bqm» Feierabendbier konsumierenden Bald-Akademikern vorbei zum Eingang des Turntempels. Zwei Stockwerke tiefer ist die «Loge», wo der Hausdienst sitzt, ein sehr freundlicher Abwart. Er reicht mir den Ausweis und verwahrt, weil ich natürlich das Schloss für den Spind doch vergessen habe, meine Handtasche und Lederjacke. Obschon die meisten Anwesenden hier einen IQ von über 140 hätten, würden jeden Tag massenweise Markenschuhe und anderes geklaut, weil die Konditionierenden vor lauter Bewegungswahn alles herumliegen lassen. Da nützten auch die auf den Gängen montierten Überwachungskameras nicht viel. Zum Glück hab ich jetzt statt dem ganzen IQ eine tolle Hauswartconnection. Ausgerüstet mit meinem Laienpass fährt mich der Fahrstuhl noch tiefer in den Untergrund, Stockwerk «Z» (für «Zappeln-4-Fun», glaube ich). Da sitzt schon die Wächterin der Höllenpforte, Kaugummi kauend, mich gruss- und kommentarlos in die Katakomben hinein nickend. Dein Körper ist mehr als das Stativ für deinen Kopf. Oder so. Ich suche die Damengarderobe und hänge mein Jäckchen irgendwohin. Mädchen flitzen herum, stülpen sich Leggings über die Beine und Sport-BHs über die Brüste, zurren Haare fest oder werfen verschwitzte Trägershirts auf den Boden und hüpfen rüber in den Duschraum. Die Glastür zur Halle ist noch zu, ich versuche in der Zwischenzeit, beim Warten schön und schlau auszusehen. Endlich strömen die Super-Kondi-Kandidaten rein in die Halle, verteilen sich so rasch und regelmässig um das Podest für den Vorturner als würde sie jemand fernsteuern. Ich stelle mich irgendwo in der Mitte dazu, eine waghalsige (und total bescheuerte, wie sich gleich herausstellen sollte) Idee von mir. Der Trainer joggt in die Halle, springt wie ein Zirkustiger auf sein Podest in der Mitte, klatscht in die Hände und begrüsst seine rund dreihundert (echt jetzt, Drei! Hundert!) Turnerinnen und Turner. Es setzt – nun ja, subjektiv beurteilt ziemlich


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hopp ..

zack p en g

fürchterliche – Eurodance- oder Trance-Motivationsmusik ein, alle springen gleichzeitig in die Höhe. Ich bin raus. Raus aus dem Rhythmus, raus aus dem Konzept. Falls ich überhaupt je eins hatte, seit ich den Raum betrat. Mit dem Mut der Verzweiflung versuche ich noch einmal, den Takt und die Form der Übung zu erwischen, zäck, hopp, nach vorne, zäck, hoch das rechte Bein, Wechsel, ah nein, das linke, nach hinten, drehen, zäck, hopp, das linke hoch, ups! Arme auch, hopp zäck, drehen – der Trainer hüpft wie ein Besessener hin und her und die Studenten, als könnten sie seine Gedanken lesen (aber ich glaube eher, diese Studis haben zuhause einfach alles auswendig gelernt), ihm jeden Schritt sofort nach. Und wieder peitscht mich die Musik mit dem Maschinengewehrrhythmus weg und fegt mich die Masse unsanft zur Seite, dass ich fast am Hallenfenster klebe. Ich kapituliere und muss vor Überrumpelung lachen. Niemand schert sich um mein Turnstundenschicksal, alle hüpfen arschcool, konzentriert und leichtfüssig vor sich hin, zäck, hopp, schägalägga, hopp das Bein, links, rechts, vorwärts, rückwärts, päng, zäck päng. Das kleine, fette Mädchen, das eben noch mit gesenktem Pickelgesichtkopf in die Halle geschlurft ist, ist zur kessen Aerobicmaus mutiert. Alles hüpft, ich selbst fühle mich dabei wie der grösste Bewegungsspastiker ever und verziehe mich unauffällig die Treppe hoch zur Tribüne mit den Hometrainervelos. Auf einem der Bikes pedalt ein Student völlig unbeeindruckt von dem Spektakel unten und schwitzt sich bei der Lektüre eines Buches einen ab. Von oben erscheint mir das Szenario weitaus weniger bedrohlich als aus der Nähe, aber nicht minder faszinierend. Eine Menschenmasse mit perfekt synchronisierten Bewegungen, wie ein Schwalbenschwarm in Fitnesssocken. Okay, vielleicht nicht ganz so elegant, aber sehr geschickt. Nach einem Drittel der Lektion springt der Turndompteur von seinem Podest und überlässt das Vorturnen seiner Kollegin; einem Energiebündel, das wiederum abgeht wie ein Zäpfchen mit Pferdeschwanz. Obwohl die Bewegungsabläufe bei jedem Training exakt dieselben sind, zeigen die Leiter weder Motivationsschwund noch

Ermüdungserscheinungen. Das Adrenalin scheint jedes Aufkommen von Langeweile zu tilgen. Auf dem Gang der Tribüne spazieren immer wieder Studenten entlang, das Frotteehandtuch locker über die Schulter geworfen, bleiben stehen und kommentieren aufmerksam einzelne wackelnde Fudis in der Halle. Der Frauenanteil unter den Super-Kondi-Teilnehmern beträgt etwa 80 Prozent. Nach dem Training – der Schweiss scheint in der Luft hängen geblieben zu sein, der Boden ist tropfnass und der Geruch im Saal... Ihr könnt es euch denken – befrage ich einen jungen Mann zu seinen Beweggründen für die Teilnahme am Super Kondi. Immer noch schwer atmend (aber mit strahlendem Gesicht) gibt er Auskunft: «Ich finde halt das kollektive Erlebnis speziell am Super Kondi. Es ist zwar tendenziell militärisch, dass einer etwas vormacht und alle es ihm nachtun, aber es gibt einem so ein tolles Zusammengehörigkeitsgefühl.» Die «fetzige Musik» während dem Training sei privat nicht gerade so sein Geschmack, aber es sei dennoch packend, wie diese gezielt von den Trainern angeordneten «Urschreieinsätze», (so ein bisschen wie beim Frauentennis, «Wouw!, «Yeah!, «Aha!») wenn alle die Arme heben und mit den Beinen ausschlagen, das Adrenalin in die Höhe trieben. Einige seiner Kollegen, die nicht ins Training kämen, machten sich regelmässig lustig darüber, indem sie ihn den Super Kondi vom ASVZ nann«Hoch das rechte Bein, ten und so. Am Anfang hätte er Wechsel, ah nein, das auch etwas das linke, nach hinten, irritierend gefundrehen, zäck, hopp.» den, das Nachmachen und Mitsingen und so, aber: «Sobald du drin bist und deine Bewegungen mit denen der anderen übereinstimmen, ist es nur noch Wahnsinn und löst Glücksgefühle aus – das macht süchtig!» Eine weibliche Kollegin sagt: «Als Anfänger ist es immer sehr anstrengend. Es ist normal, dass du die ersten paar Mal rausfällst.» Es müsse einem gar nicht peinlich sein, es schaue sowieso niemand auf einen, denn alle konzentrierten sich darauf, mithalten zu können. «Am besten gefällt mir, dass ich manchmal immer noch alles Mögliche völlig falsch mache, aber da ich mich nicht im Spiegel sehe, hab ich die ganze Zeit das Gefühl, ich mache alles richtig und fühl mich supergeil dabei», grinst sie. «Dass von der Tribüne ab und zu irgendwelche sabbernden Jungs starren, während wir hier im engen Trainingsgwändli Liegestützen und Rumpfbeugen machen, ist mir egal.» Wenn die euch riechen könnten, denk ich. Sie findet’s zum Glück lustig. Es war schön im Super Kondi. Ehrlich. Aber da ich ein bisschen Angst habe, ich würde zu viele Hirnzellen in diesem Training rausschwitzen und mir der Schweiss auch nicht so gut steht, denke ich, dass ich meinen Körper auch künftig doch lieber geschmeidig halte, indem ich meine Ausdauer beim wochenendlichen Diskodauerlauf trainiere – auf High-Heels. F


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Nora wundert sich… über Ich Text: Nora Steiner Illustration: Claudio Kaiser

W ett be w e rb Busta Rhymes live! Ähm, wir haben es ja selber fast nicht geglaubt, aber ja, Busta Rhymes macht bei einem Musical mit, das Skydance heisst und bei dem auch Sutter und Pfändler und Sascha Ruefer dabei sind. Wer es nicht glaubt: Wir verlosen Tickets für die Premiere von Skydance im Hallenstadion.Email mit Betreff «YO BUSTA, you no Gangsta no more!» an winner@firtig.ch

Lilys.ZH Potz tusig, eine neue Rubrik! Und die funktioniert so: Wir schlagen euch vor, wo ihr heute den FIRTIG lesen könnt. Und ihr rennt dann dem Laden – falls ihr nicht eh schon dort seid – umgehend die Tür ein. Die einzurennende Tür befindet sich für heute (und morgen und übermorgen) an der Langstrasse 197. Dahinter befindet sich das Lilys Restaurant, wo ihr unsere Seiten mit einem höllenscharfen Panji Renga Curry vollkleckern dürft. Oder ihr tut es bei euch daheim, die strammen Velojungs von Lilys-Homedelivery liefern nämlich den FIRTIG samt panasiatischen Leckereien, DVD nach Wahl und gekühltem Weisswein auch in die gute Stube – wenn ihr das wirklich wollt. Lilys Restaurant: Langstrasse 197 Lilys Homedelivery: 044 251 70 70 www.lilis.ch

«Wer bin ich und wenn ja, wie viele?» Eine Frage, die sich vielleicht emotional vergiftete Gschpürsch-mi-fühlschmi-Menschen stellen. Das Buch zum Titel hat der deutsche Philosoph Richard David Precht geschrieben. Ein Bestseller. Bei mir hat diese Frage allerdings nie nach einer Antwort verlangt. Reissender Buchtitel halt. Oder doch nicht? «Wer bin ich und wenn ja, wie viele?» Das ist hier die Frage. Eine Frage für Menschen, die Dinge sagen wie: «Ohne meinen Freund kann ich nicht atmen, aber er erstickt mich.» Oder: «Der Schlaf wäre meine Erlösung, aber die Schlaflosigkeit ist mein Schicksal». Jesus Fucking Christ, wie dramatisch. Ich leide, also bin ich. Auf der Suche nach sich selbst finden sie sich in ihrem Leiden, fühlen sie sich in ihrem Leiden. Sie wären Protagonisten in klassischen Dramen, richtige Märtyrer. Ich ordne übrigens Menschen gerne literarischen Gattungen zu. Da wären zum Beispiel die Romanfiguren. Bei ihnen liefert die Frage «Beine rasieren oder wachsen?» Diskussionsstoff für einen ganzen Abend. Oder die Märchenfiguren. Sie stellen Fragen wie: «Stimmt es, dass ich schwanger werden kann, wenn ich dasselbe Handtuch benutze wie mein Freund?» Letztens sehe ich mir ein Gespräch zwischen Richard David Precht und dem Philosophen Thomas Metzinger an, Sternstunde Philosophie, eine Aufzeichnung versteht sich. Party machen und Sternstunde schauen? Gibt’s nicht im Erziehungssystem des Schweizer Fernsehens. Entweder oder. Aber in your face SF! Ich finde einen Weg, eure Erziehungsmethoden zu umgehen. Die

sonntagmorgendlichen Geheiminfos als Podcast aufs iPhone, so läufts. Wer bin Ich? Darüber philosophieren nun also zwei Philosophen. Und Ich? Ich erwische mich dabei, plötzlich eine grosse Wichtigkeit in der Frage zu erkennen. Immerhin bezeichnen sich sieben Milliarden Menschen als Ich. Nicht nur Emos. Sondern zum Beispiel auch - Ich! Was ist Ich? Laut Metzinger befindet sich unser Selbstbild in einer historischen Übergangsphase. Ursprünglich hatten wir Menschen die Vorstellung, dass es in uns einen Kern gibt. Ein Ich. So etwas wie ein menschliches Öpfelbütschgi. Von oben in unseren Körper gesetzt, von einem Gott oder so. Heute scheint es als wäre mit Gott ein weiterer Diktator gestürzt worden. An der Spitze der Aufständischen: die Hirnforscher. Glaubt man den Revoluzzern, so entsteht unser Ich

«Ich ordne übrigens Menschen gerne literarischen Gattungen zu. Da wären zum Beispiel die Romanfiguren.» in unserem Kopf. Kein Kern, keine Konstante, kein Öpfelbütschgi. Eine reine Illusion. Alles was wir erleben, wird in unserem Kopf durch elektrochemische Vorgänge zu unserem Ich verstrickt. Unser Ich ist in einem dauernden Wandel. «Wer bin ich und wenn ja, wie viele?» Es gibt keine Antwort. Mein Hirn macht mein Ich. Ohne mein Hirn bin ich nichts. Mein Hirntod wäre mein Garaus. Ich habe keine unsterbliche Seele. Mich erwartet kein Leben nach dem Tod. Ich bin endlich. Dieses Fazit wird den leidenden Dramafiguren das letzte Parkettplättchen unter den Füssen wegziehen. Auch den Figuren aller anderen literarischen Gattungen wird das Ende meiner kleinen Geschichte nicht gefallen. Erhoffen wir uns nicht alle ein bisschen Paradies, etwas Happyend zum Schluss? Ich schon. Ich will ein Happyend! Und hier kommt es: Wenn unser Ich in unserem Hirn entsteht, dann sind wir ja so was wie Gedanken. Sind wir tot, können wir nicht mehr denken. Es kann aber weiterhin an uns gedacht werden. Unser Ich wäre dann also immer noch da. Als Gedanke eines andern Menschen. Wie geil: Ein Ich in der Du-Form! F


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Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

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Paradeplatz: Henker, Schweine, Kukident Nach Ladenschluss verschwinden die Rentnerinnen aus dem Sprüngli (angeblich nicht immer allein), nach Sonnenuntergang verziehen sich die japanischen Touristen und spätestens nach dem letzten Tram kann man auf dem Paradeplatz ein Luxemburgerli knacken hören. Dabei war Zürichs Bünzli- und Bankstermeile einst ein höchst schweinischer Ort. Text: Hanna Lauer, Foto: Nadine Kägi

Auf dem Bänkli lässt sich ein älteres Ehepaar von den ersten Sonnenstrahlen die Runzeln wärmen. Wie Gottesanbeterinnen sitzen die beiden Grauen da, und um sie herum tobt der Betrieb der Verkehrsinsel Paradeplatz. Hier verkehren sieben verschiedene Tramlinien – der Paradeplatz gilt als Drehscheibe der VBZ. Knapp bis drei gezählt, schon wieder fährt eines ein. Es herrscht Hektik, korpulente Mütter mit Kinderwagen versuchen, ihr Tram zu verlassen, Opas mit Gehhilfen wollen wiederum einsteigen. Geschätzte fünfzig Prozent der Passanten sind über fünfzig, und die meisten anderen machen einen auf Banker. Von weitem kann ich ein Dutzend verschiedene Krawattenmuster erkennen – willkommen im Zürcher «Financial District»! Männer sind in der Überzahl. Vom Säumarkt über den Neumarkt zum Paradeplatz «Im 16. Jahrhundert? Böh, ich fahre bloss zur Schule und muss am Paradeplatz umsteigen. Keine Ahnung, was hier früher war.» Der versiffte Skatermützenträger schlendert vorbei. Eine Mutter mit den Händen voll Kinder und Kinderwagen meint lachend: «Oh, in Geschichte war ich leider nie gut». Na gut, vielleicht weiss es ja der Greis mit Stock, der gerade das blinkende Tram besteigen will. Prompt zieht er die Augenbrauen hoch: «Junge Dame, das hier war früher der Säumarkt!» Ja, der Paradeplatz hat einiges durchgemacht. Wollte man ihn früher von der Stadt her erreichen, musste man wegen der hohen Stadtmauern das «Wollishofertor» (wie es früher «Junge Dame, das hier hiess) passieren. Die heutige Hauptschlagader des war früher der Säumarkt!» VBZ-Netzes diente zwischen 1667 und 1819 als Vieh- und Schweinemarkt und hatte deshalb den Namen «Säumarkt». Zwischendurch hiess der Platz «Neumarkt» und erst mit der Fertigstellung der heutigen Bahnhofstrasse im Jahr 1865 bekam er den Namen «Paradeplatz». 1947 sammelte das «Volksrecht» Vorschläge zur Umbenennung, aber weder «Chlütterhof» noch «Chiisgrueb» oder «Küngen-Platz» schienen den Zürchern zuzusagen. «Zum Glück ist Zürichs reichster, konservativster und ärgerlichster Platz bei seinem schönen, altväterischen Namen geblieben», schreibt der Schweizer Schriftsteller Walter Baumann in

seinem Buch «Plätze und Brücken der Zürcher Altstadt». Was jedoch für noch mehr Unruhe in der Bevölkerung sorgte: Am Paradeplatz gab es eine Henkerswohnung. Hier logierten lange vor den Indern und Geschäftsreisenden tatsächlich die Scharfrichter. Und wer möchte schon neben einem Henker wohnen? Der letzte von ihnen, Ulrich Volmar (II.), starb im Jahr 1834, nachdem man seine Wohnung der Tierarzneischule überliess. Todesursache: gebrochenes Herzen wegen unfairer Behandlung, wie aus der Chronik hervorgeht. Im Mai 1865 wurde in der Limmatstadt zum letzten Mal hingerichtet. Ganz prominent auf dem Bahnhofplatz. Im Prinzip war der Paradeplatz kein lukrativer Wohnort, im Morast des Fröschengrabens siedelten sich Kröten an und sorgten für quakende Lärmbelästigung. Der besagte Fröschengraben war ein Wassergraben, der zur zweiten Befestigung der Stadt Zürich gehörte. Im Jahr 1864 wurde er zugeschüttet und heute, ja heute ist dort die vornehme Bahnhofstrasse. Männerstrich im Café Sprüngli? Besuch im Café Sprüngli. Beim Eingang steht ein Rollator, welcher erahnen lässt, aus welchem Alterssegment die Kundschaft im ersten Stock stammt. Oben angekommen, klappern mir klunkerbehangene Damen und schrumpelige Gebissträger entgegen. Oder, wie es mein Vater an Familienfeiern zu sagen pflegte: «Schau dir mal dieses Panoptikum an!» Hier sitzt des Züribergs vermögende und älteste Garde. Als ich mich an die Bar setze, finde ich am Boden einen Einfränkler. Es riecht förmlich nach Geld! Die Bardame (nennt man die hier Kaffedame?) ignoriert mich erst einmal gekonnt. Nach zehn Minuten entschliesst sie sich, mich doch noch zu bedienen. Der Espresso kommt höchst chic mit einem Silberlöffel. Es sind unzählige silberhaarige Damen zu sehen, aber praktisch keine Männer. Der Sage, dass sich im Café Sprüngli ältere Damen mit jüngeren Toyboys treffen, wird meine Beobachtung leider nicht gerecht. Dafür erinnere ich mich an ein Erlebnis: Als ich ein kleines Mädchen war, traf sich meine Oma ab und zu mit Freundinnen hier. Manchmal durfte ich sie begleiten und einmal, als wir hier mit einer befreundeten Kukident-Trägerin Kaffee schlürften, musste diese gähnen – ihr Mund stand weit offen, aber das Obergebiss war schon längstens auf dem Untergebiss parkiert. Das war gruselig. F


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Frischfleisch fürs BÜchergestell Wer will schon Messi, wenn er Cervelat mit Brot haben kann? Man bedenke nur schon den Preisunterschied! Wenn euch also der Karfreitagsfisch jetzt schon stinkt und ihr vor lauter Zucker (oder Fussballentzug) am elterlichen Frühstückstisch rumzittert wie ein Duracell-Häsli, dann ist es Zeit für «Stadionwurst». Text: Marco Rüegg

All die guten Vorsätze. Und am Schluss des Wochenendes stets dasselbe: «Ich wollte doch am Sonntagabend [hier sinnvolle Beschäftigung wie «Diplomarbeit schreiben», «Vorhänge häkeln» oder «Grossmutter besuchen» einsetzen], aber dann ging ich doch mit den Jungs ins Stadion und war danach so besoffen, dass ich [hier mässig sinnvolle Beschäftigung einsetzen wie «der Politesse an den uniformierten Hintern fassen und die Nacht in U-Haft verbringen»]. Aber bevor ihr Eltern eure Kinder einsperrt: Fussballgastronomie kennt auch eine alkoholfreie Komponente. Wirklich. Wir haben Beweise, ein ganzes Buch, ach was, ein Manifest direkt vom

heissesten Nebenschauplatz der populärsten Kampfsportart der Welt: dem Grillrost. Wahrscheinlich sind der Lektüre des Bildbandes «Stadionwurst» schon diverse Finger von TV-Kommentatoren zum Opfer gefallen. Im Prinzip ja arme Kerle, die noch aus jedem Gurkenspiel einen knackigen Beitrag zusammenwursteln müssen, während unsereins am Imbissstand längst die dritte Halbzeit zelebriert. Eine weitaus dankbarere Aufgabe fasste das Dream-Team, das Michi Benz, Roli Hofer und Alex Hofmann hier auflaufen lassen: 18 Fotografen und 23 Schreiberlinge versammeln 41 Beiträge aus Schweizer Fussballarenen über die wahren Stars der

Super League. Diejenigen, deren Hemd nicht mit Sponsorenlogos zugemüllt ist, sondern aus einer jungfräulich weissen Papierserviette besteht. Vielleicht mit ein paar Fettflecken hier und da. Aber die Gastro-Kritik ist natürlich nur eine Seite des Schüblig. Im Lichtkegel des Scheinwerfers stehen nicht MichelinPunkte, sondern die Tatsache, dass der wahre Fussball auf den Rängen spielt. Selbst der schönste Match hat ein Ende. Die Stadionwurst dagegen hat zwei. Und der ganze Rest ist Beigemüse. «Stadionwurst – der Fussballschweiz auf die Pelle gerückt» von Michi Benz, Roli Hofer, Alex Hofmann. Preis: CHF 62.-, zu bestellen über www.stadionwurst.ch


FIRTIG Poster by Sara Merz, saramerz.ch. Hair and Make-up: Linda Sigg@Style Council, Model: Helen@Option


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Bolivian! Bitchfight! Battle! Augenbraue um Augenbraue, Zahnbleaching um Wimperntusche: Züri-Zicken haben ihre eigene Art der Konfliktaustragung entwickelt, meist gehören iPhones, Schmolllippen oder eine Szene in der Bahnhofshalle dazu. FIRTIG findet, dass Frau sich in punkto Kräftemessen ruhig einmal an den indigenen Kulturen Südamerikas orientieren könnte. Wir hätten da so eine Idee… Text: Marco Rüegg

Sonntagnachmittag – der schokogepuderte Milchschaum auf dem trüben Gebräu, das die arbeitende Bevölkerung ihren Alltag schimpft. Sonntagnachmittag – wir kochen, kiffen, kuscheln. Knattern mit Motorrädern über Passstrassen, polieren tiefer gelegte Volkswagen, zwängen uns in Fussballstadien, stehen uns an der Tankstelle am See die Beine in den sonnenverbrannten Bauch. So läuft das in Zürich. Doch in einem mit nackten Ziegelsteinhäusern gepflasterten Talkessel in den bolivianischen Anden sieht das etwas anders aus. Nicht nur, aber speziell an Sonntagen: Oberhalb von La Paz brettern Downhillbiker auf dem Camino De La Muerte bis in den Regenwald hinab, der Welt gefährlichste Abfahrt. Im Estadio Hernando Siles kicken die Profis der Liga Profesional auf einer Höhe, auf der es selbst argentinischen Gaucho-Lungen die Luft abschnürt. Am Mercado De Las Brujas verticken Hexen ihre Potenzmittel, getrocknete Lamaföten und Talismane, der Segen kostet nur ein paar Bolivianos. Vor dem Hochsicherheitsgefängnis San Pedro – einige Strassen weiter, mitten in der Innenstadt – versuchen sich verkaterte Gringos an den Wärtern vorbei zu schmuggeln. Ins Innere, versteht sich, wo diejenigen sitzen, die im engmaschigen Netz der Drogenfahnder am Aeropuerto International El Alto hängen geblieben sind. Und durch die Avocadoberge, Bananenstauden, Stände voller raubkopierten DVDs und Schuhputzern am Strassenrand zwängen sich die Minibusse, welche Backpacker von den Hostels in ebendieses El Alto chauffieren – genauer: vor die Arena Multifunctional de La Ceja, zwölf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und über vier Kilometer über dem Meeresspiegel. Am Sonntag, ab 16 Uhr, verkommt hier alles zur Nebensache, das raue Klima, das miese Essen, die unfreundlichen Taxifahrer, der Hangover vom Vorabend. Denn hier und jetzt nehmen sich, eingezäunt von Gummiseilen, furchtlose Indio-Amazonen ihre Gegnerinnen zur wohlgeformten Brust. Sie tauschen Kopfnüsse, begraben sich unter ihren Bowlingkugelkörpern, wenn sie vom obersten Seil aufeinander nieder krachen. Sie hebeln einander auf die Bretter, dass die Röcke wie tollwütige Motten durch die dünne Luft flattern.

Cholitas Wrestling, das ist eigentlich Frauencatchen. Und ihr braucht gar nicht mit Sabbern anfangen, das Ganze hat nämlich etwa den Sex-Appeal einer Karotte in der Migros Enge kurz vor Ladenschluss. Das hängt einerseits mit dem physisch-genetischen Phänomen der Bolivianerin zusammen. Aus ihrer Statur lässt sich der Status in der Gesellschaft problemlos ablesen: Gebärmaschine und Arbeitstier. Die ausladende Hüfte balanciert auf Steckenbeinchen, auf dem Buckel sitzt ein Kopf mit wettergegerbtem «Das Ganze hat etwa den Gesicht, eingerahmt von pechschwarzen Zöpfen. Sex-Appeal einer Karotte in Anderseits, wer in der Migros Enge kurz vor einem der ärmsten LänLadenschluss.» dern der Welt auf Sex aus ist, setzt sich garantiert nicht auf die Tribüne in einer ungeheizten Baracke, die nach trockenem Schweiss, abgestandenem Popcorn und blauen Flecken riecht. Dass Frauen überhaupt in den Ring steigen, hat eine tiefere Bedeutung. Denn: im Grunde ist der Bolivianer ein Macho – wenn auch kein ganz so störrischer wie vielleicht der Peruaner oder der Chilene. Erst unter der präsidialen Hand des Sozialisten Evo Morales wächst seit fünf Jahren eine neue Generation des weiblichen Boliviens heran. Eine, die an den Aufstieg glaubt, Politik und Geschäfte macht. Und der Bruch mit den chauvinistischen Strukturen bringt für einige Mädchen gequetschte Rippen mit sich – freiwillig. Diejenigen, deren Weg in die Bildungselite blockiert ist, bevorzugen die handgreifliche Methode, um Frauenpower zu demonstrieren. In den Hinterhöfen von La Paz schwitzen 19-jährige Teenies zwischen Müllbergen und Autoreifen für den Traum, einst unter den Neonröhren von La Ceja den Ring zu besteigen, geschmückt mit traditioneller Robe und einem Kampfnamen, der den Gegnerinnen ein Frösteln die Wirbelsäule runterjagt. Für rund drei Stunden spielen

die Machos nur Pausenclown, hampeln in Superman-Kostümen und Micky-Maus-Masken umher. Dafür steigen Temperatur, Lärm- und Alkoholpegel mit jedem neuen Cholitas-Duell, mit jedem Mal, dass «Eye Of The Tiger» das Blechdach scheppern lässt, Stühle und Schiedsrichter fliegen aus dem Ring, die Betonwände drohen zu bröckeln, fleischige Pranken ballen sich zu Fäusten, Stimmen schreien, Sodom und Gomorrha, heilloses Durcheinander. Abgeschaut haben die Cholitas ihre Technik übrigens dem Lucha Libre, einem vor rund 80 Jahren in Südtexas und Mexiko entwickelten Freistil. Dabei beabsichtigten die untersetzten, mit wilden Masken geschmückten Latinos, mit kräftigen, ansatzlosen Würfen und spektakulären High-Fly-Moves die gross gewachsenen amerikanischen Muskelberge flachzulegen. Gegen halb acht endet das Spektakel von El Alto, die Dämmerung hat längst ihr graues Tuch über den Lichtern von La Paz ausgebreitet. Bananen und Avocados sind verschwunden, nur rauchende Männer säumen die Gehsteige, als die Minibusse wieder ihre Runde drehen, von Hostel zu Hostel, vom Wild Rover zum Loki, wo sich Australier mit Pickel und Sonnenbrand hochwertiges Koks und billigen Mojito reinziehen, vielleicht am nächsten Tag auf einem Downhill-Bike in den Regenwald brettern oder einen Wärter bestechen, um durch das Tor des Hochsicherheitstrakts zu schlüpfen. La Paz ist ein seltsamer Ort. Nicht nur an Sonntagen, aber besonders dann. F


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firtig Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

Bild: Courtesy Studio Mark Lewis

firtig Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

Stumme Schönheit des Alltags Sehen lernen mit Mark Lewis: der kanadische Wahlbrite stellt in der Kunsthalle Winterthur aus – und zelebriert dabei die Schönheit des Banalen in Zeitlupe. Oder anders: The Beauty of a moving Launderette. Text: Monika Hardmeier

Es passiert nicht viel. Die Waschtrommel dreht sich und das Bullauge gibt den Blick frei auf die kreisenden, zusammengeknüllten Kleider und Textilien, die sich in einem einschläfernd monotonen Rhythmus drehen und zu immer neuen Farbkompositionen zusammengeschleudert werden. Das Video Willesden Launderette; Reverse Dolly, Pan Right, Friday Prayers (2010) zeigt eine Kamerafahrt aus dem Inneren eines Waschsalons hinaus auf eine belebte Londoner Strasse. Selten nehmen wir uns die Zeit, so alltäglichen Abläufen wie dem Kreisen einer Waschtrommel zuzusehen. Mark Lewis, kanadischer Künstler aus London, schenkt uns einen neuen Blick darauf. Er

verlangsamt die Bewegung in seinen Filmen so stark, dass wir sie als wunderschön komponierte Einzelbilder wahrnehmen, die sich kaum merklich verändern. Er zwingt uns, hinzusehen statt Hintergrundtöne zu interpretieren und er überlässt uns einer meditativ schleppenden Kamerafahrt, die unsere Aufmerksamkeit weckt. Der Effekt ist, dass man beobachtet, statt einfach nur hinzusehen. Der Betrachter wird zum Ausharren gezwungen und im Dunkel der Ausstellungsräume kann man sich in diesen Bildern verlieren. Sie werden zur Bühne für unsere Wunschbilder im Kopf, prallen aber auch auf unsere vorgefertigten Erwartungen. Lewis lehrt uns das Sehen neu, indem er in einer stupenden Radikalität reduziert. Seine Videobilder kommen ohne Klang aus. Sie zeigen einen bewusst gewählten Ausschnitt aus Raum und Zeit. Ein Zitat, das George Berkeley zugeschrieben wird, besagt: «Erst wirbeln wir den Staub auf und behaupten dann, dass wir nichts sehen können.» Mark Lewis nimmt sich die Zeit zu warten, bis der Staub sich legt. Bis die Luft so klar wird, dass er das

vor sich Liegende als messerscharfe Komposition wahrnehmen kann. Diese präzisen Kompositionen, welche er zu Beginn seiner Tätigkeit als Künstler mit Fotografien festhielt, filmt er nun. In The Moving Image (2011) befinden wir uns in einem fahrenden Warenlift. Die Kameraeinstellung bleibt unverändert. Was bewegt sich nun; das Bild, die Kamera, die Kabine, die vorbeifahrenden Wände des Liftschachts? In Mark Lewis nie länger als vier Minuten dauernden Clips entdeckt man im langsamen Beobachten wie scheinbar banale Situationen zu interessanten Fragestellungen überleiten. Haruki Murakami fängt dieses Gefühl, das Lewis mit seinen Videobildern in dieser Arbeit erwischt, im Roman «Hard-boiled Wonderland» von 1985 mit Worten ein: «Der Aufzug fuhr ungemein träge aufwärts. Jedenfalls vermutete ich, dass er sich aufwärts bewegte, genau wusste ich es nicht. Er fuhr so langsam, dass ich mein Richtungsgefühl verlor.» F Mark Lewis. 3. April bis 15. Mai 2011, Kunsthalle Winterthur, Marktgasse 25, Winterthur (10 Gehminuten vom Bahnhof durch die Altstadt) www.kunsthallewinterthur.ch


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Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

Mat Coen: Wohlstandsspeck und Silikon Bei ihm stinkt Besinnlichkeit nach Nikotin und kaltem Kaffee: Nach einem Jahr im Dienste von FIRTIG packt Rotlicht-Schnüffler Mat Coen bei seinem fünften Fall wieder einmal ein paar Schurken bei den Eiern. Eine Gangster-Bonanza zwischen Freudenhaus und Feiertagsleid. Text: Dave Signer Illustration: Julia Marti

Denn der Regen goss apokalyptisch vom dunklen Himmel über dem Zürcher Kreis 4, als hätte eine überirdische Macht an diesen Ostern eine zweite Sintflut geplant. Ich stürmte keuchend um die Ecke und bog in eine düstere, schmale Gasse. Mit etwas Abstand folgten mir drei seelenlose Schläger mit Eisenstangen, aus deren Nazi-Kneipe ich einige Minuten zuvor geflohen war, nachdem ich ihre Preispolitik als «jüdisch» bezeichnet und in der darauf folgenden Schlägerei dem achtzigjährigen Barkeeper ein Büste des Führers über die Glatze gezogen hatte. Sie durften auf keinen Fall herausfinden, wo ich wohnte und so erklomm ich rasch die kalte Feuerwehrleiter des Bordells, in welchem ich derzeit hauste. Ich hörte das Klacken von Springerstiefeln an der Ecke, stiess das Fenster vor mir auf und liess mich in den Raum dahinter plumpsen. Ich hörte ein Kreischen eines Mannes und ein nüchternes Seufzen einer Frau. Als ich aufblickte, bemerkte ich, dass ich ein Stockwerk zu hoch gestiegen und ins Gemach von Aisha, einer mir nur allzu gut bekannten Nutte, eingebrochen war. Aisha war gerade auf dem gigantischen roten Bett an der Arbeit, zusammen mit einem dicken Typen, der mich nun ziemlich schockiert

anstarrte. Aisha stieg von ihm runter, warf schon vier Mal innerhalb der letzten zwölf sich einen seidenen Kimono über und setz- Monate selbst «entführt», erklärte er weiter. te Kaffeewasser auf. Ich erhob mich hustend Ich stand auf und schritt zur Tür. «Nun dann, vom Plüschteppich und liess mich in den Ses- gute Nacht!», sagte ich. sel gegenüber von Aishas Arbeitsplatz fallen. «Hey!», schrie der Dicke. «Wollen Sie Von den Zigaretten aus meinem nassen Man- den Auftrag nicht annehmen?» «Sie haben tel suchte ich die trockenste heraus, zünde- doch gesagt, es wäre eine Finte», entgegnete sie mit dem zweiten Streichholz an – die te ich. «Na klar ist es das. Ich möchte auch Schachtel geziert mit dem Emblem des Bor- nicht, dass Sie dem Penner das Geld geben. dells – und zog den Rauch tief in die Lunge. Sie sollen diesen Komplizen meiner Frau stel Der dicke Mann, der mich bis zu die- len. Das ewige Entgeführe geht mir langsam sem Zeitpunkt bloss verdutzt angeschaut auf die Klöten.» Das Bündel Bargeld, das auf hatte, erwachte aus seiner Starre. Er sprang das Wort «Klöten» folgte, brachte mich dazu, hastig vom Bett, schlang sich ein Laken um den Auftrag anzunehmen. Eine halbe Stunde später fand ich mich die nackte Hüfte und meinte wütend zu Aisha: «Was macht dieser Penner hier?» wieder draussen im Vollpiss und schritt leiEr kam näher auf mich zu, blieb aber mit se fluchend über einen kleinen Platz hinter dem Laken am Bettrand hängen. Er zeigte dem Güterbahnhof, wo die Übergabe stattmit dem Finger auf mich. «Was haben Sie hier finden sollte. Einige Minuten stand ich rum und fror mir an den zu suchen? VerfluchRanzen. Schliesslich te Scheisse!» Ich zog schrie ich in die Dunmeine 44 Magnum aus «Lass doch den Mat Coen in kelheit: «Verdammte dem Halfter, zielte Ruhe, mein Häschen! Ich Mistkacke! Ist jetzt auf seine Lenden und mache dir dafür noch einige hier diese beknackte spannte den Hahn. Übergabe oder kann «Nun, ich suche OsterExtras gratis.» ich wieder nach Haueier, sie Weichei!», antse gehen und gegen wortete ich cool. die Decke starren?» Aisha stellte sich hastig zwischen uns und blickte streng zu mir: Daraufhin erklang theatralisches Geläch«Coen, lass das! Steck deine Knarre zurück.» ter direkt hinter mir. Ich drehte mich um Dann wandte sie sich dem Weichei zu und und auf einer niedrigen, breiten Mauer stand schmiegte sich an seinen fetten Leib: «Lass ein dunkler Mann. Vor sich hielt er eine jündoch den Mat Coen in Ruhe, mein Häschen! ger aussehende Frau, welche vom Schein der Ich mache dir dafür noch einige Extras gra- Strassenlaterne beleuchtet wurde. Sie trug tis.» Sie küsste ihn auf die Stirn – er war nur ein langes Kleid, das, vom Regen durchnässt, etwa einen Kopf kleiner als sie. «Mat Coen ist ihre üppigen Körperkonturen zusätzlich herder beste Privatdetektiv der Stadt», fuhr sie vorhob. «Lege die Scheine hier vorne auf den fort. «Ohne ihn wäre ich bestimmt schon tot. Platz und trete zurück!», befahl der Mann. Ich Er sorgt für Gerechtigkeit. Er ist ein Held...» – zog meine Knarre hervor und trat langsam «Ach, halt die Klappe», fuhr ich ihr ins Wort. auf ihn zu. «Was machen Sie denn, Sie un«Bei diesem Gesülze kommt mir ja gleich das professionelles Arschloch?», schrie die Frau verwirrt. «Er wird mich umbringen, wenn Kotzen!» «Soso, ein Privatdetektiv…» Der Dicke Sie seine Anweisungen nicht befolgen.» «Das musterte mich skeptisch. «Nun, wenn Sie glauben doch nicht mal Ihre falschen Titten, wirklich für Gerechtigkeit einstehen, könn- sie Tusse. Er ist ja nicht einmal bewaffnet.» ten Sie eventuell in meinem Haushalt dafür Auf diesen Satz fitzte eine Kugel durch meisorgen.» Während ich mässig interessiert wei- nen linken Oberarm, riss mich um meine ter qualmte und den Kaffee trank, den mir eigene Achse und warf mich auf den nassen Aisha hingestellt hatte, laberte der Fettsack Asphalt – er war doch bewaffnet. Scheisse. Ich fluchte lautstark, während ich, wild irgendeine Scheisse, dass seine Frau entführt worden wäre und heute Nacht Lösegeldüber- um mich schiessend, aufstand. Dann ranngabe sei. Er meinte auch, dass er eigentlich te ich wütend auf den Entführer zu, drehte gar nicht hingehen wolle, weil er dahinter meine Knarre in der Hand und knallte ihm nur eine Finte seiner Alten vermutete, um den Pistolengriff mit einer derartigen Wucht an Geld zu kommen. Sie habe sich nämlich in die Fresse, dass der Kerl rückwärts von

der Mauer fiel. Ich sprang auf ihn zu und schrie ihn an: «Weisst du Affe eigentlich, was ich dem Arzt jedes mal für solchen Scheiss bezahlen muss?» Ich entwaffnete ihn und durchsuchte seine Taschen. Ich fand seinen Pass und zwei Flugtickets nach Rio de Janeiro. Das Pärchen wollte offenbar nach dem erfolgreichen Coup abhauen. Ich überlegte mir kurz, ob mir ein Aufenthalt in der Wärme gut tun würde, dachte dann aber, dass diese Copacabana-Fröhlichkeit wohl etwa das Übelste sei, das es überhaupt gibt. Ich zerriss die Tickets und steckte den Pass in meine Manteltasche. Der Kerl unter mir wurde weinerlich. «Lass uns doch gehen», bettelte er. Ich konnte nicht antworten. An der Ecke erkannte ich plötzlich drei fies grinsende Skinheads mit Eisenstangen. Ich rannte los und bog schliesslich einige Minuten später in meine düstere, schmale Gasse ein. Ich erklomm abermals die kalte Feuerwehrleiter. Diesmal zählte ich die Stockwerke – eins, zwei, drei – und plumpste schliesslich in mein eigenes Büro. Keuchend blieb ich liegen und nahm mir vor zu tun, was ich eigentlich für diesen Tag geplant hatte: hier zu liegen und an die Decke zu starren… F


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Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

Des Fleisches Lust

ten und... ah ja, einer Salatbeilage. Doch selbst die kann dritten Bier angekommen. Und ich bin bald weg, zumal den Beef-Overkill nicht verhindern. Es duftet verführe- die Kellnerin keine Lust zeigt, mir die Regeln des Collegerisch, die Blondine Grösse 42, die sich fachgerecht in eine Footballs zu erklären, ohne die der Anblick der Flachbild36 gepresst hatte, fand denn auch zumindest ein aufmun- schirme so spannend ist wie der meiner Waschmaschine. terndes Lächeln, als sie mir ein nicht ganz so aufmuntern- Mein Bauch wölbt sich zufrieden über den Hosendes Monster von einem Sandwich hinknallt. Die Eisho- bund und ich rolle mich auch nur kurz über die Strasse, ckeyjunioren des HC Niederengstringen am Nebentisch bevor ich in die knackig frisch eröffnete «Subway»-Filiale und der alte Säufer gegenüber tun ihr übriges, die einzig- stolpere. Stille. In einer Ecke des Lokals kann man dem artige Stimmung zu unterstützen. Personal bei den Endrunden ihrer «Gring abe u seckle», und wenig vermutlich schon tagelang andauspäter dichtet eine wohltuende «Ich spiele mit dem Gedanken, ernden Jasspartie zusehen. UnbeFettschicht meine nun nicht mehr achtet inspiziere ich die Auswahl unter dem Tisch die Hose so ungeschützte Magenwand wasan Brotsorten, Fleischbelägen und aufzuknöpfen, doch serfest ab. Ich spiele mit dem Geallerhand Vitaminen in Gemüsedanken, unter dem Tisch die Hose form, die sich mir anbieten. Eine das könnte in diesem Lokal aufzuknöpfen, doch das könnte in subtiles Räuspern meinerseits falsch gedeutet werden.» diesem Lokal falsch gedeutet werund mürrische Blicke seitens der den. Und die Langstrasse ist doch Jass-Asse. Ich entscheide mich, die noch so nah und überhaupt. Hier Tiere ungeachtet ihrer Rassezugegibt‘s keinen mit Haushaltswaage und Geodreieck ge- hörigkeit zu vertilgen und lasse mir ein fein geschnittenes normten Mutterbrustersatz wie beim clownesken Markt- Schweinchen auf meinen Vollkorn-Footlong verteilen. führer. Hier essen echte Männer, die Bulette hängt lässig Salami, scharfe Salami, scharfe Peperoni, Oliven und ein über ein geröstetes Brötchen und flirtet mit nonchalant bitzeli Eisbergsalat runden die Augenweide ab. Bacon, verteilten Speckstreifen. Ich bin glücklich. Bis ich wieder Salz, Pfeffer.. ja, bitte, extra Scheibenkäse. Die Herausaufsehe. Alles wie vorher, die jungen Schlööfler sind beim forderung in meinen Händen kontemplierend, verziehe

An Ostern findet die traditionelle Fastenzeit mit allerlei Grünem in allen Formen, Grössen und Variationen ihr langersehntes Ende. Wurde auch Zeit, gopfriedstutz! Höchste Zeit nämlich, der ungezügelten Fleischeslust zu frönen, von fettig bis noch fettiger. Das Protokoll einer proteinreichen Odyssee.

Text: Richard Oppermann Foto: Nicole Scherrer

Firtig-fleisch-fazit Seit direkt vor meiner Haustür der erste von deut- hintergrund sich sorgt, dass ich mich am trockenen Inschem Gaumen abgesegnete Currywurst-Anbieter sei- halt verschlucke, mal noch kräftig Sauce drauf. Mir läuft nen Grill anwarf, wartete ich auf meine Gelegenheit. das Wasser im Mund zusammen und schon bald rinnt es Mit Loch in der Magengegend, ungezügeltem Appetit mir auch sonst überall hin, denn an den flüssigkeitsabund unerfüllbaren Erwartungen stiefelte ich ins Körry weisenden Eigenschaften von Karton wurde scheinbar und bestellte mir «ne Scharfe». Beziehungsweise, hät- schon lange nicht mehr geforscht. Viel weiter als bis zum te ich gern, doch Personal war Mangelware und kam Fleisch komm ich denn auch nicht; was sich danach noch erst nach einer geschätzten dreifachen Zigarrenpau- in den Tiefen der Box verbirgt, erinnert eher an das, was se hinter die Theke geschlurft, um dann nach allerlei sich nach unabsichtlichem Abtauen des Kühlschranks rituellem Trala doch noch eine Wurst auf den Karton zu und zweitägiger Wartezeit im Gemüsefach findet. Immerhin: Die Kuh vom Stiel war sättischmieren, die sich in Fett suhlte, gend. Also den Rest in die Tonne wie der Hasselhoff im Kokoslikör. gehauen und weiter... Das geht Darm? Fehlanzeige. Angeblich ge«Nach Pommes zu fragen doch wohl noch besser! nauso wie beim unübertrefftraue ich mich dann auch Am Helvetiaplatz blinzle ich lichen Curry36 am Mehringdamm, schon gar nicht mehr in die Sonne. Zurück blinzelt ein doch hier lächelt das verwöhnte Mädchen in zu engem orangenem germanische Herz nur müde. Nach und stapfe mit tropfenden Höschen. Die effizienteste ZusamPommes zu fragen traue ich mich Fingern von dannen.» menfassung des Gastro-Credo an dann auch schon gar nicht mehr der Langstrasse: Knapp bekleideund stapfe stattdessen mit tropfenden Fingern, ungeprüften Schmerzrezeptoren und noch tes Personal, billiges Essen. Die gloriose Tradition aus den immer vorhandener Sehnsucht nach fachgerecht zusam- ruhmreichen Staaten verfolgend suche ich mein Glück in den Tiefen der Dekoltées und der Speisekarte. Konzentramengepressten Fleischereiabfällen von dannen. Nur einige Blocks weiter finde ich mich beim bisher tion fällt einem da zwar schwierig, über unzählige Fernstets zur Zufriedenheit servierenden Türken wieder und seher brüllen Sportkommentatoren aus der halben Welt hol mir ein «mit alles und scharf». Und weil ich Klasse ihren Kommentar in den Raum. Chicken Wings? Die sind hab, in der modernen Dönerbox. Kartoffeln in Stäbchen- für Pingpongspieler, es soll schon der «Farmer Burger» form, matschiges Gemüse, schön geschnippeltes Rind sein, ein halber Fels aus brasilianischem Rindfleisch, gedrüber und dann, wohl weil mein Freund mit Migrations- bratenem Speck, Spiegelei, gekringelten Kartoffelproduk-

Körri Wurst

Masse

Geschmack

Bedienung

Preis

Firtig Fazit

Ausreichend für den gestressten Banker, doch was macht der hungrige Langstrassen-Hustler??

Irgendwo zwischen langweiliger Cervelat und halbgarer Bratwurst

Äh, Bedienung?

Für die Schweiz angemessen, international eher vermessen

Um das Loch in der Spüle zu stopfen reicht‘s

Punkte

Aladin Döner

4 /12 Ein Dreigänge-Menü im Hosentaschenformat.. massig

Zuviel Sauce ist zuviel Sauce ist zuviel Sauce, also weise wählen

Fragender Blick: 2 Liter Cocktailsauce «Mit alles und kosten in der Migros scharf?» Lässiges mehr Nicken: «Was sonst.»

Punkte

Hooters Burger

8/12 Herzgefäss-Krankheit New Orleans inkl. aufbrechendem trifft Kreis 4: Magengeschwür Rauchig, fettig, überschwemmend

Weiblich

Für‘s gucken zahlt man drauf, aber das ist in dieser Gegend ja üblich

Punkte

Subway Sandwich

Punkte

Stärker als jeder Kater, wir kommen wieder 7/12

Ein halber Meter pure Freude

Wie ein Biss in eine sich in der frischen Natur suhlenden Sau

Is there anybody out there…

Nächstes Mal lieber ohne Extras

Punkte

Kornhaus Tartar

Der 1. Mai steht vor der Tür und Molotow-Cocktails sind teurer...

Muss man hin, nur schon um das Personal aufzuwecken 9/12

Rohes Fleisch verlangt eine vernünftige Dosis

Emmentaler-Neandertaler gluckst vor Glück

Wie bei Mutter, nur dass es Schnaps gibt

Sex sells. Und rohes Fleisch ist purer Sex

Kindheitsträume mit erotischem Nachgeschmack 11/12


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Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

ich mich an einen Tisch am Fenster. Die Zeit des reinen Hungerabbaus ist längst vorbei, diese Delikatesse im XXL-Format lediglich runterzuschlingen käme einem Verbrechen gleich. Und so nehme ich mir Zeit, geniesse jeden einzelnen Bissen, zwangsläufig, denn mein Magen zeigt erste Anzeichen von Altersmüdigkeit und verweigert zusehends übermässige Nahrungszufuhr. Auch gut, bleibt das Essen länger im Mund, rutscht mir langsam über die Geschmacksknospen und hinterlässt wohlig-warme Eindrücke. Warum diese Kette in der Schweiz noch immer so sehr hinter den beiden Burger-Magnaten hinterher hinkt, bleibt mir schleierhaft.

WORT ZUM FIRTIG

von Rüdiger Oppermann*

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Noch ein einziges Loch klafft in meiner Wunschliste. Bislang bestand das Vorspiel stets aus Schlangestehen, von bebilderten, laminierten Kärtchen ablesen und sich mit unwilligem Personal herumzuschlagen. Obwohl das Take-Away Prinzip der Heidi-Mentalität eigentlich gar nicht beliebt, ufert das Angebot an Fressbuden immer mehr aus. Ich vertrete mir die Beine, geniesse die Abendsonne und die eine oder andere Verdauungszigarette, bis ich schliesslich, die Josefstrasse längst überquert, über die Schwelle des Restaurants Kornhaus trete. Jawohl, ein Restaurant. So muss das aussehen, von aussen wie innen. Mit echter Hausmannskost auf der Karte, welche ich allerdings für die Bestellung gar nicht benötige: ein deftiges Tartar, bitteschön. Im Sitzen aufs Essen zu warten ist eben doch schöner, besonders in diesem Hinterhof. In Träume von rohem Fleisch versunken, komme ich erst wieder zu mir, wie der Albtraum jedes Vegetariers vor mir aufgebaut wird. Dieses Tier starb nicht umsonst. Kein züngelndes Flämmchen hat diese Lenden gekostet, über die ich nun genüsslich den Calvados und nicht zu knapp die Gewürze verteile. Die Eile ist vorbei, mich von Bissen zu Bissen vorarbeitend lausche ich den abendlichen Geräuschen des Quartiers und sauge nebenher die letzten Sonnenstrahlen auf. Seligkeit macht sich breit, ich belohne sie mit einem abschliessenden Grappa, der Verdauung wegen natürlich, und trolle von dannen. Ein herrlicher, frühsommerlichen Charme versprühender Nachmittag ist vorbei und ich weiss: Das mache ich morgen gleich wieder. Nur diesmal rückwärts. F

Manchmal muss ich lange schweigen und an die zwei alten Eichen denken. Obwohl ich schon 25 Jahre fort bin von diesem Ort, muss ich an diese beiden alten Bäume denken. Sie standen hinter unserem Pfarrhaus in Mecklenburg. Sie sind wohl 400 Jahre alt und wurden in den Anfängen der Barockzeit gepflanzt. Weit überragten sie das Haus und gaben uns so viel Trost. Sie gaben uns so viel Halt. Was konnte uns schon geschehen in der Nähe dieser Bäume, auch wenn die Zeiten schwierig waren? Sie luden uns ein unter ihr Dach. Im Herbst hatten wir Anteil an ihrem Sterben und im Frühling an ihrer Wiedergeburt. So hielten sie uns einen Spiegel hin und berührten unsere Seele. Sie strahlten eine wunderbare Ruhe aus. War es Regen, Sturm oder Trockenheit, alles nahmen sie ungerührt und ungebeugt hin. Selbst von uns als Schädlinge

gebrandmarkte kleine Käfer liessen sie friedlich gewähren. Und wirklich, es dauerte nicht lange, da waren diese unbequemen Untermieter wieder verschwunden. Die beiden alten Eichen schienen sich keine Sorgen darüber zu machen, ob ihre Blätter im nächsten Frühling wirklich wieder austreiben würden. Sie lebten beneidenswert im Heute und Jetzt. Von ihnen können wir lernen, was es heisst, Ostern zu leben: Lass Dich in Ruhe. Sei ganz bei Dir selbst. Mach Dir keine Sorgen. Zur rechten Zeit wirst du voll neuer Energie wiedergeboren werden. Du wirst lebenshungrig aufstehen, das Leben beim Schopf packen und für Dich eine neue Existenz finden. Ostern ist die Zuversicht, dass Abschied und Neubeginn möglich sind. Gott sei Dank gibt es so etwas. *Rüdiger Oppermann ist ausgebildeter Zen-Meister und seit 2005 reformierter Pfarrer in Stans

Sex, DrugS UND Rock`n`Roll gehört, gelesen und gesehen von fabienne schmuki

SEX Paul Auster »The Brooklyn Follies” Rowohlt Verlag In üblicher Auster-Manier springt der Meister der Erzählkunst von Protagonist zu Protagonist. Mit unfassbarer Beiläufigkeit erzählt er im 2005 erschienenen Roman von radikalen Sektenanhängern, schwulen Kunstfälschern, eifersüchtigen Ehemännern und einem traumatisierten Mädchen. Dank sorgfältiger Personeneinführung und immer wieder wechselnden Schauplätzen lesen sich die 352 Seiten fast wie ein Drehbuch zum Film im Kopf. Und Austers Schreibstil bleibt sexy bis zum letzten Buchstaben. Wie immer.

DRUGS Breaking Bad – The Third Season Sony Pictures Diagnose: Lungenkrebs. Der Highschool-Chemielehrer (Bryan Cranston) sieht nur eine Lösung: genug Geld scheffeln, um seiner geliebten Familie nach seinem Tod finanzielle Sicherheit zu garantieren. Darum kocht er Crystal Meth, ein Leichtes für den Chemiker. Nur: Wie vertickt man das Zeug? Heisenberg, so sein Pseudonym, fällt immer tiefer in seine selbst gegrabenen Grube. Drugs don’t work? Für Heisenberg tun sie’s!

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ROCK’N’ROLL

empfiehlt Acapulco Stage Divers «Ahoi Nacht Ahoi Camerado» Kuenschtli.ch/Irascible, VÖ: 22. April

Wer bei den Acapulcos Stagediving ausübt, sollte sich eine Schwimmweste zutun. Denn statt auf starken Armen schweissgebadeter Fans, wiegt man sich in wogenden Wellen, begegnet einem Kapitän, der Magnolien auf die wettergegerbten Unterarme tätowiert hat und der Ahoi Camerado pfeift. Auf der Reise von Emu Bay nach Cincinnati wehen Peggy Sue, Wary Lou und Walt Whitman vorbei. Die Songtitel erzählen Geschichten, die Texte malen Bilder in marineblau. Sanft und unaufgeregt wie der Ozean bei Sonnenaufgang. Oder ein alter Seebär auf Valium. Rock’n’Roll für Romantiker.

Ein Jude für ein Halleluja Von der ersten, blutigen Karfreitagsminute an schickte unser Autor Dave Signer den Milieuschnüffler Mat Coen auf die Piste. Weil lumpige zwei Seiten aber irgendwie immer etwas zu kurz sind, führt der jüdische Privatdetektiv seine Magnum jetzt auf Buchlänge spazieren: 118 Seiten hat Signer deshalb mit einer nackenhaarsträubenden Coen-Saga gefüllt, auf dass er den Ganoven für alle Ewigkeit die Ohren langzieht. Oder eben auch nicht, manchmal. Ach ja, und die FIRTIG-Geschichten – inklusive unveröffentlichten Weihnachts- und Neujahrsfällen – gibt’s franko obendrauf. Seine Gangster-Bonanzas führen den Berufslakoniker Coen tief in den Sumpf des Zürcher Rotlichtviertels, wo er immer wieder eins auf die unrasierte Backe kriegt. Aber einer muss ja zum Rechten schauen, während die Bullen in der Kaserne bloss Däumchen drehen und FIRTIG lesen. Für Zürich. Für die Gerechtigkeit. Oder wenigstens für ein paar Hunderter. Oder lieber gratis? Wir verlosen hochexplosiv drei Exemplare von Signers Roman «Colt, Kaffee & Mutanten» an die Schnellstbietenden. Mail mit Betreff «I love Domi» und Adresse an: winner@firtig.ch. Dave Signer «Colt, Kaffee & Mutanten», erhältlich im Comic Laden, Zappadoing und Thalia (alles Winterthur) oder www.books.ch, CHF 19.90. www.matcoen.ch


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firtig Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

HOROSKOP WIDDER 21. März – 20. Apr.

STIER 21. Apr. – 20. Mai

ZWILLINGE 21. Mai – 21. Juni

KREBS 22. Juni – 22. Juli

Als dich dein schwuler Bekannter zum Eierfärben eingeladen hat, hast du dich über das «PS: Bitte rasieren» gewundert. Nun stehst du inmitten nackter Männer mit Vorliebe für Bodypainting. Ohne Pinsel.

An Karfreitag kriegst du ein Baby. Was für eine tolle Nachricht – wüsstest du nur, wer es vor deiner Türschwelle abgesetzt hat.

Die Tisch-Deko beim Osterbrunch besteht aus blauen Schokoeiern für Männer, rosafarbenen für Frauen. Auf deinem Teller liegt ein gelbes. Zeit für einen neuen Haarschnitt?

Endlich: Am Karfreitag beginnst du eine heisse Affäre mit jemandem vom Arbeitsplatz. Halt mal, arbeitest du nicht mutterseelenallein in einem Labor für Tierversuche?

LÖWE 23. Juli – 23. Aug.

JUNGFRAU 24. Aug. – 23. Sep.

WAAGE 24. Sep. – 23. Okt.

SKORPION 24. Okt. – 22. Nov.

Die Sterne stehen günstig: Am Karfreitag schaut Liebesgott Eros in deinem Haus vorbei. Leider ist es dort derart gruselig, dass er es zwei Minuten später wieder verlässt.

In deinem Briefkasten liegt am Ostersonntag ein Werbeprospekt für rostfreie Grillzangen. Sorry, mehr ist für dich an diesem Weekend nicht drin.

Finanziell bist du nach Ostern ruiniert. Hättest dein Nest doch lieber mit Ostergras gebastelt, statt es durch IndoorGras zu polstern.

In der Nacht auf Karfreitag träumst du von Mike Shiva. Du erwachst schweissgebadet. Selber schuld: Solltest halt auf dein FIRTIG-Horoskop hören!

SCHÜTZE 23. Nov. – 21. Dez.

steinbock 22. dez. – 20. jan.

WASSERMANN 21. Jan. – 18. Feb.

FISCHE 19. Feb. – 20. März.

Endlich gibt es angemessenen Lohn für harte Arbeit im ersten Quartal 2011. Dummerweise aber nicht für dich.

Diese Ostern fasst du den Entschluss: Du wirst sesshaft! Eine neue Wohnung, fester Job, Fiat Brava. Beginn besser früh mit der Suche nach Nachmietern: Der Platz unter der Selnaubrücke ist nicht allzu begehrt.

Gratuliere: Du hast es geschafft, Osterhasen in Gefangenschaft aufzuziehen. Viel Spass dabei, ihnen nun das Konzept der Fortpflanzung abzugewöhnen.

Am Ostersonntag versteckst du Opas Brille in seinem Osternest. Aus Angst, sie verlegt zu haben, verliert er auch noch seinen Verstand. Wenigstens kannst du ihm die Brille grad wieder zurückgeben...

Illustrationen: Bea Kaufmann

KREUZHWORTRÄTSEL Waagrecht 2. 100 Schweizer Biersorten, «Schnäggli mit Treberbrot» und Aussicht auf den Engel 6. Bogen für Bogen für Bogen 8. Edle Bühne und bunter Vogel 9. Unser Team beim Sport mit dem Lederei 10. Im Exil, aber nur montags 12. In diesem Stadtteil liegen begraben: Hugo Koblet und die jüngsten Meisterträume der Lions 15. Partei vom Papa-Moll-Schnauz-Fehr 16. Parkhaus zwischen Bullen und Sternen 17. Das wohl kränkste Hochhaus der Stadt 18. Fussballzebras und Privatschule

Senkrecht 1. Gleich Tram gleich Bus gleich Schiff gleich Billet lösen, sonst 80 Franken Busse! 3. Klingt nach Afrika, ist aber auf 97.5 daheim 4. Sitzt im Glashaus, schmeisst aber manchmal trotzdem mit (medialen) Steinen 5. Heimwehbeiz für gestrandete Süsswasserpiraten 7. Viel Kies, nicht mehr ganz so viele Parties und ein (semi-offizielles) Sprungbrett in den See 8. Interpret von 10 Senkrecht 9. Er schreibt dir jeden Morgen, was wo läuft. Aber gibt es ihn wirklich? 10. «Das woni bin, bini wäge mine…» 11. Erste Badi an der Goldküste und Openair-Laufsteg für Hobby-Models 13. Sie werden im Albisgüetli geschossen 14. Autobahnende, bekannt aus Staumeldungen

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Lösung auf Seite 30.


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firtig Die Zeitung zum Feiertag – Ostern 2011

Heiliger Bimbam! Wo wir uns an Ostern kirre feiern – die FIRTIG-Agenda

Donnerstag, 21. April

Samstag, 23. April

EXIl: Schule der Unruhe, 20 Uhr: Denken und dancen mit Kutti MC, danach The Bridge Prrrdy!

Abart: Pulp Fiction Party, 23 Uhr: We love it, honey bunny!

Härterei: Spring Break, 23 Uhr: DJ James Clean ist das der Meister Proper der Turntables. Mascotte: Silk, 22 Uhr: Ihr Kinderlein kommet, es gibt gratis Cüpli.

We like!

Papiersaal: Kejnu, 20.30 Uhr: Postrock ist eine Briefbombe aus den 70ern.

Was klingt wie eine Iron-Maiden-Raubkopie aus Bangkok, stinkt nach kaltem Kaffee und hat neben dem Zahnputzglas eine Flasche Jack Daniels stehen? Nein, nicht die Wohnung von Dani Beck, sondern die Redaktionsräume des Rockstar Magazine an der Zweierstrasse. Das Yeah-Yeah-Kultheftli mit Stars, Hypes und ganz viel Geil feiert den siebten Geburtstag. Die Kerzli ausblasen tut Beatbox-Bastard Beardyman from da UK, Platten auflegen tut die Redaktion. Nur trinken müsst ihr noch selber.

Revier: Kleiner Freitag, 18 Uhr: Kurzer Auftakt zum langen Weekend.

Donnerstag, 22 Uhr, Stall6

Aelplibar: Röbi’s Musikanten, 20 Uhr: Volksmusik ist ja jetzt plötzlich kuul, angeblich.

Heute schon FIRTIG? Neben einem geilen Cover, dem schönsten Redaktionsteam des Landes und einigen Schreibfehlern hatten die bisherigen vier FIRTIG-Ausgaben vor allem eins gemeinsam: Die Champagnerdusche zum Erscheinen, meist im knutschsympathischen Hubertus. Diesmal ziehen wir jedoch über die Kreisgrenze – in den oberen Stock des Plaza! In den Kosmos-Räumlichkeiten des Ex-Kinos macht Tony Smash FX Krach und die Redaktion Saus und Braus, juhe! Leserbriefe bitte an der Kasse abgeben. Freitag, 21 Uhr, Plaza

Senkrecht: 1. ZVV 3. LORA 4. TAMEDIA 5. HAFENKNEIPE 7. KIBAG 8. PHENOMDEN 9. RONORP 10. ROOTS 11. UTOQUAI 13. KNABEN 14. BRUNAU Waagrecht: 2. FEDERAL 6. VIADUKT 8. PFAUEN 9. RENEGADES 10. RONIN 12. OERLIKON 15. SP 16. URANIA 17. TRIEMLI 18. JUVENTUS

Rote Fabrik: Alborosie & Enter The Dancehall, 21 Uhr: Italo-Ragga? Frölein, Pizza Ganja!

Freitag, 22. April Abart: The Royal Underground, 23 Uhr: London Calling!

Alte Börse: Nasty Trash, 23 Uhr: Wieder einmal anstehen bis auf die Sechseläutenwiese Hive: Stereo & Distance, 23 Uhr: Denn das Gute liegt so nah. Komplex: Nofx, Dropkick Murphys, 18.30 Uhr: blaue Flecken + blaue Teenies = Loudfest 2011. Moods: Afro-Caribbean Jazz All-Stars, 20.30 Uhr: Kokosknackige Improvisationskunst. Revier: Taikodori, 22.30 Uhr: Klingt wie Sushi, ist aber House-Party. Glaubs… Stall6: Cheap Thrill, 23 Uhr: Ryan Riot legt auf – falls der Stall noch steht, nach der Rockstar-Sause vom Donnerstag. X-Tra: Jowell Y Randy, 22 Uhr: Nie gehört, aber wir fanden den Namen irgendwie so drollig… Zukunft: Station 17, 22 Uhr: Oder eben: Endstation Zukunft.

Alte Börse: Esance, 23 Uhr: Eine Durchsage für die DJ-Gäste aus Hup-Hup-Holland: Wohnwagen draussen parkieren, danke! Plaza: House Of Dizko, 23 Uhr: Schon wieder Tony Smash FX, heute ohne FIRTIG, dafür mit Captain Ties von Gleis2. El Lokal: Dr. Will & The Wizards, 20.20 Uhr: An der Sihl blühen Bluegrass und Roots-Blues. Hive: Mute, 23 Uhr: Wie geil: der eine DJ nennt sich doch echt Herr Müller. Kaufleuten: Raphael Saadiq, 20 Uhr: Kommt, kauft und habt euch lieb. Oxa: Remember Trance, 23 Uhr: Ungern, aber bitte… Provitreff: Benefit Party, 22 Uhr: Bollywood? Jungs, ihr verarscht uns, oder?! Volkshaus: Ü30-Party, 20.30 Uhr: Falls die Eltern auch noch raus wollen…

Sonntag, 24. April Abart: Osterrock, 23 Uhr: Dicke Eier in engen Jeans. Hive: Oster Card, 23 Uhr: Ei Ei Ei… Indochine: Ladies Night, 22 Uhr: Äh, hier gar keine Eier. Mascotte: Love Is In The Eir, 22 Uhr: Und alle summen mit. Helsinki: Aad Hollander Trio From Hell, 20 Uhr: Bis in alle Eiwigkeit! Exil: Futurekids, 22 Uhr: Release-Sause zu «Schebegeil» – Züri-Ufo-Rap.

Firtig 5 Ostern 2011  

Superzweitesjahr!

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