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MEIN PROGRAMM 1


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Programm für die Kandidatur als Verbandsvorsitzende der Sozialistischen Jugend Österreichs

Ich, Fiona Kaiser, habe mich dazu entschlossen, für die Funktion der Verbandsvorsitzenden der Sozialistischen Jugend Österreichs zu kandidieren und habe deshalb meine Analyse der Ausgangssituation, meine Motivation sowie meine Vorstellungen und Ideen für die zukünftige Arbeit der Sozialistischen Jugend Österreich in diesem Papier formuliert.

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Inhalt Sozialismus oder Barbarei 

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1. DEMOKRATISIERUNG, ÖFFNUNG & REPOLITISIERUNG 

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2. DIE ORGANISATION MUSS SICH WEITER ENTWICKELN  2.1. Professionelle Organisationsentwicklung 2.2. Büroteam 2.3. Interne Kommunikation und Datenbank 2.4. Entwicklungshilfe und Stabilisierungsarbeit für die Länder 2.5. Außenwirkung - Homepage, Social Media und Auftritt 2.6. Vorlaufzeit Projekte und Kampagnen

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3. WIR BRAUCHEN ANTWORTEN AUF UNSERE WICHTIGSTEN HERAUSFORDERUNGEN  3.1. Finanzierung und Unabhängigkeit 3.2. Train your Brain – Bildungsarbeit 3.3. Vernetzung innerhalb der SJ und danach 3.4. SPÖ – Linke mit aufbauen 3.5. Vernetzung mit befreundeten Organisationen 3.6. Bündnisarbeit 3.7. Internationale Vernetzung 3.8. Handlungsfähigkeit & Mobilisierung 3.9. Unser SJ Camp – Europacamp am Attersee

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4. WIR MÜSSEN FÜR UND MIT UNSEREN ZIELGRUPPEN ARBEITEN  4.1. Half of the word – half of the power 4.2. Working class heroes 4.3. Für eine bundesweit funktionierende SchülerInnenarbeit 4.4. Migrantinnen und Migranten 4.5. Jugendkultur ist Jugendpolitik

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5. MUT ZUR POSITIONIERUNG – DIE SJ BRAUCHT IHRE EIGENEN THEMEN 5.1. Themen gemeinsam erarbeiten 5.2. Grundsatzprogramm überarbeiten

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6. WOHIN GEHT DIE REISE? 

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7. HER MIT EUREN IDEEN! 

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Sozialismus oder Barbarei

Sozialismus oder Barbarei Nicht der Kapitalismus ist es, der an einer Krise erkrankt ist, sondern der Kapitalismus selbst stellt die eigentliche Krankheit dar. Die Krisen des Kapitalismus sind systemimmanent und somit im Kapitalismus immer unheilbar und wiederkehrend. Weltweit scheitert das System in dem wir leben an seinen eigenen Rahmenbedingungen. Auf der einen Seite wächst der Wohlstand ins unermessliche, auf der anderen Seite verarmen immer größere Teile der Weltbevölkerung und sind mit großem Elend konfrontiert. Das alles passiert nur, weil das System des Kapitalismus genau darauf abzielt, dass diese Kluft zwischen Reich und Arm, zwischen AusbeuterInnen und Ausgebeuteten besteht und wächst. In ganz Europa spüren die Menschen die Auswirkungen der gegenwärtigen Krise jeden Tag durch die Einschnitte, die aufgezwungene Sparpolitik in den Budgets und die unzähligen Kürzungen im Bildungs-, Sozial- oder Gesundheitsbereich. Dass die neoliberalen Therapien die Krankheit immer mehr verschlimmern, wird nicht verstanden und wahrgenommen. Die neoliberale Lösung sieht so aus: Dort, wo ein Problem in Erscheinung tritt, liegen auch dessen Ursachen. Schuld an der Staatsverschuldung ist der Staat, schuld an der Arbeitslosigkeit sind die Arbeitslosen (weil zu teuer), schuld an der Misere der Länder Südeuropas ist ihr Mangel an Wettbewerbsfähigkeit, schuld an der Eurokrise ist der Euro. Diese Wirtschaftstheorie wurde durch die Erfahrungen der letzten Jahre längst ad absurdum geführt. Je mehr gespart wurde, desto stärker stieg die Staatsverschuldung, je mehr die Löhne sanken, desto stärker nahm die Arbeitslosigkeit zu. Dazu kommt die fast groteske Entwicklung der Aktienkurse: Ihr Boom beschleunigt sich gleichzeitig mit der Talfahrt der Realwirtschaft. Als Folge der Wirtschaftskrise ist natürlich auch die Jugendarbeitslosigkeit in ganz Europa explodiert. Im Süden Europas ist zum Teil jeder 2. Jugendliche arbeitslos, in Madrid kommen auf 1 offene Stelle in einem Museum 18.000 Bewerbungen! Europa steht somit einer „verlorenen Generation“ von Jugendlichen ohne Zukunftsperspektiven gegenüber. Der europäische Rat will nach wie vor die Krisenpolitik der Europäischen Union in Griechenland, Spanien oder Portugal auf ganz Europa ausdehnen. Statt das neoliberale Rezept zu ändern, wird die Dosis erhöht. Der sogenannte „Wettbewerbspakt“ ist nichts anderes als ein Pakt für Lohndumping, Sozialabbau und Privatisierung und beinhaltet z.B. die Abschaffung von Kündigungsschutz und Kollektivverträgen. Alle Mitgliedsstaaten sollen verpflichtet werden, „Strukturreformen“ umzusetzen und werden bei Nichtbefolgung finanziell bestraft. Was diese „Strukturreformen“ wirklich sind, hat man in Griechenland, Spanien oder Portugal bereits gesehen: Einschränkung sozialer Leistungen wie Pensionskürzungen, Zerschlagung der Bran6


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chenkollektivverträge und Privatisierung von Wasser, Bildung, Energieversorgung. Dieses System hat in den letzten Jahren auch unzählige junge Menschen auf die Straße gebracht um ihren Unmut zu äußern. Von der „echte Demokratie“ Bewegung in Spanien, den Bildungsprotesten in Chile, den Jugendunruhen in London bis hin zu den Massenprotesten in Israel, Massendemos in Ungarn, der Occupy – Bewegung in den USA und anderen Ländern, den Protesten in Ägypten, Lybien oder der Türkei oder die Refugee-Bewegung in mehreren europäischen Ländern, erstreckten sich die Proteste der jungen Bevölkerung. Sie alle stehen auf und wehren sich, z.B. gegen die Einsparungen im Bildungssystem, gegen Jugendarbeitslosigkeit oder gegen die steigenden Lebenserhaltungskosten. Reagiert wurde auf fast alle Proteste stets mit starken Repressionen und Staatsgewalt. Auch in Österreich sieht die Situation ähnlich aus, obwohl in vielen Bereichen nicht so sehr zugespitzt. Trotzdem sind zehntausende Jugendliche auf der Suche nach einem Job oder einer Lehrstelle. Wir produzieren 75.000 Jugendliche die ganz aus dem System fallen und weder in einer Ausbildung, einem Job oder in einem Training aufgefangen werden. Jene Jugendlichen, die sich somit unfreiwillig der von der Regierung gerade beschlossenen „Ausbildungspflicht bis 18“ entziehen, haben nun noch dazu mit Geldstrafen zu rechnen. Unser Schulsystem gehört zu den Besten, allerdings in Sachen sozialer Selektion. Die Universitäten werden beständig kaputt gespart und die unterschiedlichsten Barrieren für Studierenden werden eingebaut. Auch wenn wir z.B. die letzten Arbeitskämpfe rund um die KV-Verhandlungen in der Metall-Branche beobachten, wird klar, dass Klassenkampf immer geführt wird. Und zwar beständig von OBEN nach UNTEN. Als Sozialarbeiterin hat man ständig mit den sogenannten Randgruppen und unterprivilegierten Menschen unserer Gesellschaft zu tun. Mir wurde jeden Tag in der Arbeit vor Augen geführt, wie der Kapitalismus dazu beiträgt, dass der sogenannte Rand der Gesellschaft ständig verbreitert wird und seine Problematiken immer mehr in die Mitte rücken. Währenddessen steht die Sozialarbeit als eine Krankenschwester des Kapitalismus immer mehr und mehr Tätigkeitsfeldern bei gleichzeitiger Ressourcenkürzung gegenüber. Alleine dieser Widerspruch macht es mir lange schon unmöglich einfach nur zuzusehen oder die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind, sondern motiviert zum Widerstand gegen ein solch absurdes, zum Scheitern verurteiltes, System. Wir müssen als SJ gegen dieses System ankämpfen. Das Ziel am Horizont wird immer der Kampf für eine solidarische, klassenlose Gesellschaft bleiben, für die Befreiung der Menschheit und die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Als SJ müssen wir uns mit internationalen Protestbewegungen und Arbeitskämpfen solidarisch erklären. Als SJ müssen wir es vor allem auch schaffen, Jugendliche für Protest und Widerstand zu begeistern. Denn nur gemeinsam sind wir stark! 7


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Wir wissen: Ein System, in dem Aktienkurse, Profite, Rating Agenturen und Banken mehr zählen als die soziale Sicherheit ALLER Menschen, lehnen wir ab. Ein System, dass auf Ungerechtigkeit und Ausbeutung der ArbeiterInnen aufbaut, und gleichzeitig nur einige wenige profitieren lässt, gehört abgeschafft. Ein System, in dem Gewinne privatisiert und Verluste den SteuerzahlerInnen aufgebrummt werden, ist nicht zu akzeptieren. Ein System, das flüchtende, notleidende und arme Menschen nicht nur im Stich lässt, sondern sie sogar sehenden Auges in ihren Tod laufen lässt, ist unmenschlich und völlig inakzeptabel. Dieses System ist es, gegen das wir entschieden und gemeinsam ankämpfen müssen. Wir wollen, dass für Krisen jene zahlen, die sie verursacht haben und die es sich ohnehin leisten können. Wir wollen, dass junge Menschen endlich wieder eine Perspektive haben und bieten ihnen eine Plattform, sich offensiv gegen die Zertrümmerung ihrer Zukunftschancen zur Wehr zu setzen. Wir wollen, dass alle Menschen mit gleichen Rechten und Chancen ausgestattet werden. Wir wollen ein System, in dem das Wohl der Menschen an erster Stelle steht, alle Lebensbereiche mit Demokratie durchflutet sind und es keine Klassenunterschiede mehr gibt. Auch wir als SJ müssen wieder viel häufiger betonen und darüber reden, wo wir hin wollen. Es ist sehr gut, wenn wir es schaffen, Jugendliche für unsere Forderungen die sie in ihrer Lebensrealität betreffen, wie Jugendticket oder leistbares Wohnen, zu begeistern. Wir müssen es aber auch wieder schaffen, Jugendliche von unserer Überzeugung und unseren Vorstellung einer sozialistischen Gesellschaft begeistern zu können! Die Sozialistische Jugend muss zu einer unübersehbaren gestaltenden Kraft und Bewegung werden, die Jugendliche begeistern kann. Die Aufgabe der SJ ist es, auf die Dinge, die uns in diesem System tagtäglich maßlos ärgern und wütend machen, Antworten zu geben. Die SJ ist es auch, die aktuelle Themen und Schieflagen im System thematisieren und auf die Bühne bringen muss. Wir dürfen in der SJ nicht tatenlos dabei zusehen, wie die Welt den Bach hinunter geht. Wir müssen wieder beobachten und analysieren lernen, was in unserer Gesellschaft und rund um uns herum passiert und schief läuft und daraus die Schlüsse für Veränderung ziehen und Forderungen aufstellen. Wir müssen ein besonderes Augenmerk auf unsere ideologischen Wurzeln legen, marxistische Grundschulungen flächendeckend anbieten und die Analysefähigkeit und das analytische Denken unserer Mitglieder schärfen und fördern. 8


Sozialismus oder Barbarei

Wer, wenn nicht wir, haben junge Menschen gerade in dieser Zeit für den organisierten Kampf zu gewinnen? Wer, wenn nicht wir, sollen das Kampforgan, die Plattform und das Sprachrohr für die Sicherung der Zukunftschancen Jugendlicher darstellen? Wer, wenn nicht wir, müssen uns jetzt für eine Veränderung der Gesellschaft breit aufstellen? Wir müssen die SJ auch als Lernraum für junge Menschen begreifen. Sie ist der Raum in dem Jugendliche Politik in all ihren Dimensionen erlernen und erleben können, eben weil sie sich bei uns politisch engagieren. Wenn wir als Organisation zu diesem Lernraum werden wollen, müssen wir den Jugendlichen auch genügend Zeit für ihre Politisierung lassen und müssen den Kampf um die Herzen und die Köpfe der jungen arbeitenden und lernenden Menschen führen! Gehorsam, Frömmigkeit und Resignation haben noch keine Verbesserung in dieser Welt bewirkt. Sich für die Interessen einer schwächeren, zum Großteil unorganisierten Gruppe gemeinsam mit ihnen einzusetzen, hat immer etwas mit Kämpfen und Konflikten zu tun. Auf der einen Seite erwächst Engagement aus Einbeziehung und Mitbestimmung der betroffenen Personen, auf der anderen Seite führt das gemeinsame Eintreten für die eigenen Interessen zu einem kraftvollen, motivierenden Prozess der Selbstermächtigung. Die Kämpfe und Konflikte, die daraus entstehen müssen wir mit den modernen, allen uns offen stehenden Mitteln führen. Als Sozialistische Jugend haben wir den Anspruch, gesellschaftliche Veränderungen voranzutreiben. Als Sozialistische Jugend ist es unser Auftrag, im organisierten Kampf eine Gesellschaft zu überwinden, in der es sich die Wenigen auf Kosten der Vielen richten.

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DEMOKRATISIERUNG, ÖFFNUNG & REPOLITISIERUNG

1. DEMOKRATISIERUNG, ÖFFNUNG & REPOLITISIERUNG Demokratisierung der Strukturen Die SJ ist immer gut darin, die SPÖ wegen ihrer undemokratischen Entscheidungsfindungen zu kritisieren. Ehrlicherweise müssen wir uns aber als SJ auch vor Augen führen, dass wir es oft mit den demokratischen Prozessen innerhalb unserer Organisation selbst nicht ganz so ernst nehmen. Diesen Vorwurf müssen wir uns gefallen lassen, denn kaum ein Wahlprogramm, eine Kampagne oder eine Themensetzung wurde in den letzten Jahren mit Einbindung und Aktivierung aller Strukturen entwickelt. Wir geben uns oft selbst keine Zeit und keinen Raum, Entscheidungen und Positionsfindungen von Vielen erarbeiten zu lassen und haben somit eine Kultur in die Organisation einkehren lassen, die aktive Beteiligung und die Lust an Diskussions- und Ausverhandlungsprozessen auf allen Ebenen schwinden ließ. Ich bin, unser bildungspolitisches Konzept mitdenkend, der Auffassung, dass Demokratieverständnis und aktive Mitbestimmung erlernt und tagtäglich gelebt werden müssen. Demokratie und Mitbestimmung darf also auch bei uns kein Lippenbekenntnis sein, daher müssen wir dringend Schritte setzen, mit deren Hilfe der verstärkten Entpolitisierung unserer Strukturen und Gremien entgegen gewirkt wird. Nur so können wir es schaffen, dass unsere zum Teil sehr eingeschläferte Organisation sich wieder bewegt – und das muss sie: sowohl organisatorisch, thematisch als auch strukturell.

Öffnung der Strukturen Es muss möglich sein, dass Diskussionspunkte, Positionen und Forderungen, die zuvor auf den verschiedenen Ebenen unserer Organisation (Ortsgruppen, Bezirksgruppen und Landesorganisationen) diskutiert wurden und entstehen konnten, im Verbandsvorstand oder Verbandsausschuss Platz haben. Es muss die Möglichkeit 10


DEMOKRATISIERUNG, ÖFFNUNG & REPOLITISIERUNG

geben, dass sich Arbeitsgruppen auch „von unten“ gründen können und diese dann in den Gremien berücksichtigt werden. Auch die statutarisch vorgesehene Möglichkeit, dass alle gewählten Landesvorstandsmitglieder jederzeit an Verbandsgremien teilnehmen können und sich dort auch einbringen können, muss offensiver kommuniziert und auch eingefordert werden um offene Verbandsgremien zu ermöglichen. Um gleichberechtigte, lebhafte und offene Diskussionsprozesse in unseren Verbandsgremien zu ermöglichen, dürfen gruppendynamische Prozesse und die Beeinflussung von Diskussionen durch den/die jeweilige DiskussionsleiterIn nicht außer Acht gelassen werden. Jede Sitzung muss von einer kompetenten Person moderiert und auch mit unterschiedlichsten Moderations- und Beteiligungsmethoden gestaltet werden, um den Start eines Repolitisierungsprozesses zu erreichen.

Repolitisierung der Strukturen Was es außerdem braucht, ist ein Repolitisierungsprozess für unsere gesamte Organisation. Dieser braucht Zeit und muss von allen getragen und gewollt sein, da wir als Organisation nur als „Ganzes“ funktionieren können. Das bedeutet, dass sich jede Ebene daran beteiligt, eingebunden wird und als wichtig erachtet wird. Von der Ortsgruppe bis zur IUSY müssen wir gemeinsam eine Strategie entwickeln, die uns unserem Ziel einer repolitisierten, vitalen, aktiven und demokratischen Organisation näher bringt. Verbandsvorstand (VV) und Verbandsausschuss (VA) müssen zu Arbeitsgremien werden und dürfen nicht nur dem Infoaustausch dienen oder zur Berieselung genutzt werden. Wichtige Entscheidungen müssen auch in den Gremien diskutiert werden, es kann nicht sein, dass dort nur Vorschläge des Büros abgesegnet werden. Damit die Gremien auch zu solchen werden können, muss die Verantwortung auch unter den VV-Mitgliedern (und somit unter den Landesorganisationen) aufgeteilt werden, z.B. in Projektgruppen und Zuständigkeitsbereichen. Dabei kann eine Strategie sein, auch die bereits bestehenden inhaltlich unterschiedlichen Schwerpunkte der Landesorganisationen auf Verbandsebene besser zu nutzen. Die Aufgabe dieser Gremien muss es sein, Strategien zu entwickeln, wie die SJ auf aktuelle Entwicklungen reagieren muss bzw. welche Themen wir setzen und behandeln wollen. Das bedeutet, dass wir uns intensiv mit den 3 Phasen „Faktencheck“ – „Positionsfindung“ – „Umsetzung“ beschäftigen müssen und den Gremien auch so viel Vorlaufzeit geben müssen, damit unsere Organisation überhaupt von unten nach oben funktionieren kann. Auch unser höchstes Gremium, der Verbandstag, muss so gestaltet werden, dass er für unsere Mitglieder spannend und aufregend ist. Dafür braucht es Rahmenbedingungen, die diese Konferenz nicht lähmen, sondern alle Mitglieder und Delegierten motivieren und zur Mitarbeit anregen. Deshalb ist es auch erforderlich 11


DEMOKRATISIERUNG, ÖFFNUNG & REPOLITISIERUNG

z.B. die Berechtigung einer Antragsprüfungskommission, die den Delegierten eine Abstimmungsempfehlung mitgibt, hinterfragen. Auch sollten die jeweiligen Fristen (z.B. für Kandidaturen, Anträge, etc.) für den Verbandstag bereits im Statut geregelt sein. Somit würde einerseits Klarheit und Transparenz für alle Mitglieder geschaffen, andererseits wird damit sichergestellt, dass die Festlegung der Fristen nicht vom/n der Vorsitzenden oder dem Verbandsvorstand abhängt und von Konferenz zu Konferenz verschieden ist. Bezüglich der Antragsflut, der wir auf jedem Verbandstag ausgesetzt sind, gibt es auch Möglichkeiten, diese oft für viele unbefriedigende Situation, zu verbessern. So muss z.B. eine genauere Unterscheidung zwischen Anträgen, mit klaren Arbeitsaufträgen an den Verbandsvorstand die auch umsetzbar sein müssen, und Resolutionen, die eine inhaltliche Positionierung der SJÖ darstellen, getroffen werden. Dies würde uns eine quantitative Erleichterung und eine qualitative Steigerung unserer Anträge und Resolutionen bringen und muss einher gehen mit einem wirklichen Ernstnehmen unserer eigenen Beschlüsse. Die jeweils aktuellen Beschlusslagen und Positionierungen die auf Verbandstagen getroffen werden, müssen für alle Mitglieder leichter zugänglich gemacht werden.

Verbandsgremien demokratisieren, öffnen & repolitisieren: óó Rahmenbedingungen für Verbandsvorstand und Verbandsausschuss erneuern: »» Verantwortungsaufteilung unter Verbandsvorstands-Mitgliedern: thematische Projekt- oder Arbeitsgruppen mit Verantwortungsaufteilung, offen zugänglich, als thinktanks der Organisation »» Arbeitsgruppen von jeder Organisations-Ebene (nicht nur ausgehend vom VV) müssen zugelassen und gefördert werden »» Verbandsvorstands und -ausschuss Termine langfristig festlegen »» Aussendung der vorläufigen Tagesordnung (die ausführlich sein und realistisch die Diskussionspunkte abbilden muss) und bereits vorhandener Konzepte die dem Gremium zur Beschlussfassung 1 Monat zuvor vorgelegt werden, um Vorlaufzeit und vorangehende Diskussion in anderen Gremien zu ermöglichen und einzufordern »» Rechenschaftspflicht und verpflichtende Info-Weitergabe der Verbandsvorstandsmitglieder vor und nach Sitzungen an das entsendende Gremium (Landesvorstand) »» Jede Verbandssitzung muss moderierten Sitzungsablauf vorweisen inkl. Einsatz von unterschiedlichen Moderations- und Beteiligungsmethoden »» Organisatorische Punkte müssen in der Vernetzung der LandessekretärInnen besprochen werden und sollten Verbandsgremien nicht lähmen

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DEMOKRATISIERUNG, ÖFFNUNG & REPOLITISIERUNG

»» Konzeptpapiere aus den Verbandsgremien müssen allen zugänglich gemacht und offen gelegt werden óó Verbandstag reformieren: »» Antragsprüfungskommission neu gestalten: diese Kommission, die üblicherweise aus 1 Person pro Bundesland besteht, soll keine Abstimmungsempfehlungen mehr abgeben, sondern die eingebrachten Anträge auf die bestehende Beschlusslage überprüfen und allfällige Diskussionspunkte im Antrag markieren »» Anträge für Verbandstage müssen allen Mitgliedern rechtzeitig zugänglich gemacht werden, damit diese die Anträge auch in ihren Gruppen diskutieren können und ihre Delegierten gut vorbereitet entsenden können »» Fristen für den Verbandstag im Statut festlegen »» Unterscheidung von Anträgen (umsetzbare Arbeitsaufträge) und Resolutionen (inhaltliche Positionierung) »» Verbandstagsbeschlüsse und Positionen müssen offengelegt und für alle leichter zugänglich werden (elektronisch)

2. DIE ORGANISATION MUSS SICH WEITER ENTWICKELN 2.1. Professionelle Organisationsentwicklung Die SJÖ muss als Organisation im 21. Jahrhundert ankommen. Damit ist eine professionelle Organisationsentwicklung mit Hilfe eines/r ExpertIn auf diesem Gebiet gemeint und beinhaltet die Strukturierung und Organisierung des Verbandsbüros, 13


DIE ORGANISATION MUSS SICH WEITER ENTWICKELN

aber auch die Reflexion und Weiterentwicklung der Strukturen des gesamten Verbandes und auch der Länderorganisationen.

óó Gemeinsame Reflexion und Weiterentwicklung der Verbands- und Länderstrukturen im Verbandsvorstand, begleitet durch eineN OrganisationsentwicklerIn óó Beratung des Verbandsbüroteams durch eineN OrganisationsentwicklerIn beim Neustrukturierungsprozess und der Verteilung der Aufgabengebiete

2.2. Büroteam Die Konstellation mit zwei Verbands-SekretärInnen erweist sich durchaus als vorteilhaft, weil damit auch der/die Vorsitzende entlastet werden kann. Jungen und neuen MitarbeiterInnen im Verband müssen Schulungen zur Verfügung gestellt werden, damit diese mit der Besonderheit eines Anstellungsverhältnisses, das sich oft zwischen einer „normalen“ Arbeit und Ehrenamt bewegt, umgehen zu lernen. Aber ebenso andere, technische und arbeitsmethodische Schulungen sollten angeboten werden, da es sich vielfach um junge Menschen handelt, die zuvor noch in keinem anderen Arbeitsverhältnis waren. Doch auch wir selbst als SJ müssen uns an der Nase nehmen und müssen gewährleisten, dass unsere eigenen MitarbeiterInnen nicht ausgebeutet und an der Grenze zwischen Arbeit & Ehrenamt aufgerieben werden. Es muss klar sein, dass z.B. von einer 10 – Stunden Kraft nicht der gleiche Arbeitseinsatz wie von einer 40 – Stunden Kraft erwartet und eingefordert werden kann. Der Verbandsvorstand als Leitungsorgan der Organisation muss gemeinsam mit dem bestehenden Büroteam an der Auswahl der BüromitarbeiterInnen beteiligt und eingebunden sein. Auch die internationalen Funktionen die von uns als SJÖ beschickt werden können (etwa in IUSY oder YES) müssen zukünftig demokratischer gestaltet werden. Für die Bundesländer muss klar sein, welche Arbeit im Verbandsbüro passiert und wer für welche Dinge zuständig ist. Dazu braucht es klare Zielvorstellungen und eine straffe Aufteilung der Arbeitsgebiete. Die zentrale Frage die sich dabei stellt, ist, welche Aufgaben der Bund für alle neun Länder übernehmen muss, damit die Länder Zeit und Ressourcen für die Betreuung ihrer Strukturen haben. Wichtige Aufgaben, die dem Verbandsbüro zugerechnet werden müssen, sind die öffentliche Positionierung, bei Kampagnen die interne Vor- und Aufbereitung und Bereitstellung für die externe Agitationsarbeit, die Sozialisierungs14


DIE ORGANISATION MUSS SICH WEITER ENTWICKELN

arbeit der Mitglieder durch Bildungsevents (wie z.B. die Bildungswerkstatt), vermehrte Produktion von Publikationen im politischen Diskurs und die innerund außerparteiliche, nationale und internationale Bündnisarbeit.

óó Anstellung eines/r organisatorischen und eines/r politischen Sekretärs/in óó Zur Verfügung Stellung von Schulungen für junge, neue MitarbeiterInnen óó Klare Zuständigkeiten der VerbandsmitarbeiterInnen, transparent kommuniziert óó Stellenbesetzungen im Verbandsbüro werden gemeinsam vom bestehenden Büroteam und dem Verbandsvorstand getroffen óó Demokratischere Besetzung von internationalen Funktionen in YES und IUSY óó Keine Ausbeutung der eigenen MitarbeiterInnen

2.3. Interne Kommunikation und Datenbank Es braucht eine interne Kommunikationsstrategie bzw. einen Automatismus, wie die verschiedensten Infos von ganz Oben auch ganz Unten ankommen können, aber auch umgekehrt. Es darf nicht sein, dass manche gleichrangigen Gremien etwas früher oder später als andere erfahren bzw. nie erfahren. Wir haben nach wie vor kein vernünftiges Kontaktdatenmanagement, seit der letzten Organisations-Klausur aber zumindest einen Ansatzpunkt und erste Ideen um es zu verbessern. Wir müssen verhindern, dass uns unzählige Kontakte durch die Finger gehen, weil wir nicht sauber mit unseren Daten umgehen bzw. sie nicht nutzen können. Auch wenn oft die Anwendungsfehler bei den zuständigen Personen in den Ländern liegen, muss es gesamtorganisatorische Aufgabe des Verbandes sein, dieses Problem im Auge zu behalten und auf der Verbesserung und Weiterentwicklung zu pochen. Eine qualitative Nutzung der Datenbank ist ein nicht zu unterschätzender Gewinn für die Organisationsentwicklung.

óó Professionelle und verbesserte Nutzung unserer Mitgliederdatenbank óó Strukturierte und professionelle Nutzung neuer Medien für die interne Kommunikation óó Festlegung von Kommunikationswegen und –abläufen zwischen Verband, Land, Bezirk, Ort

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2.4. Entwicklungshilfe und Stabilisierungsarbeit für die Länder Die politisch-inhaltliche Ausrichtung des Verbandsbüros muss sich unbedingt an Strukturaufbau und –ausbau in den Bundesländern orientieren. Deshalb muss auch personell ein Schwerpunkt auf dem Service für die Länder und Ortsgruppen gesetzt werden. Einerseits müssen Inhalte „ortsgruppentauglich“ aufbereitet werden, andererseits muss es eine zuständige Person geben, die auch physisch zur Verfügung stehen kann für die Länder. Diese Person soll zuständig sein für einen regen Kontakt und Austausch darüber, welche Arbeit in den Bundesländern passiert um viel besser eruieren zu können, welche entwicklungspolitischen Maßnahmen der Verband setzen muss. Strukturaufbau braucht Zeit und Energie, die muss man sich nehmen und dem muss man Raum geben, um einen echten und ernstgemeinten Schwerpunkt darauf setzen zu können. Das bedeutet auch, dass der Verband einerseits den Ländern so viel Luft geben muss, dass sie sich auch ernsthaft mit Strukturaufbau beschäftigen können, andererseits aber auch die nötige Unterstützung bereitstellt. Also müssen wir uns bei allen Aktivitäten die Frage stellen, wie die Länder entlastet werden können, damit sie Zeit für die Kontaktarbeit und Agitation haben. Das heißt auch, dass wir uns die Frage stellen müssen, ob nicht manches in unserem alljährlichen Programm abgespeckt bzw. auf seinen Nutzen überprüft werden muss. Damit sich Ortsgruppen möglichst unkompliziert und dennoch professionell – ob auf Veranstaltungen, Kirtagen, Marktfesten u. ä., präsentieren zu können, braucht es geeignete Infrastruktur und Materialien. Eine Möglichkeit wäre z.B. ein eigenes gebrandetes SJ-Fahrzeug, das bei Berufsschul- oder Betriebstouren, Aktionstagen oder sonstigen Veranstaltungen eingesetzt werden könnte. Orts- und Bezirksgruppen sollen dieses Gefährt buchen können, das von einer Person im Sekretariat betreut und gewartet wird. Zusätzlich dazu können von der Verbandsorganisation, wenn nötig, FahrerInnen bereitgestellt werden.

óó Das Hauptaugenmerk und die Ausrichtung des Verbandes liegt auf Strukturaufbau und -ausbau in den Landesorganisationen óó Alljährliches SJ Programm hinterfragen und gegebenen falls abspecken um Freiraum für Strukturarbeit zu schaffen óó Geeignete und nützliche Infrastruktur und Materialien für Orts- und Bezirksgruppen möglichst leicht zugänglich zur Verfügung stellen

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2.5. Außenwirkung - Homepage, Social Media und Auftritt Um besser wahrgenommen zu werden, müssen wir einen professionelleren Auftritt als SJ haben. Viele Dinge und Abläufe dbzgl. (ob regionale Pressearbeit oder Facebook-Auftritte auf verschiedenen Ebenen) müssen standardisiert angeboten werden um somit Energie und Zeit zu sparen, die anderswo dringend gebraucht wird. FB-Aktionen müssen noch viel mehr vom Verband koordiniert und langfristig geplant werden um breitere und flächendeckendere Aufmerksamkeit erregen zu können. Auch unsere Werbestrategie für Kampagnen, Initiativen oder Seminare muss überdacht werden – es gibt neben Flyer gerade im Internet stets neue und effektive Möglichkeiten, Menschen zu erreichen. Unsere eigenen Außenwirkung und Fremdwahrnehmung müssen wir regelmäßig evaluieren um erkennen zu können, ob wir auch wirklich bei unseren Zielgruppen ankommen, alle möglichen Kanäle dafür nutzen oder andere Wege der Kommunikation einschlagen müssen. Mögliche Fragen die wir uns dabei stellen müssen, sind: Wie wird die SJÖ von Jugendlichen gesehen? Gibt es Unterschiede je nach Bildungsweg? Auch der klassische SJ-Aktionstag (Zelt, Tisch, Flyer) muss sich weiterentwickeln und den Anforderungen der Zeit gerecht werden. Es muss uns bewusst sein, dass unsere Aktivitäten in den neuen Medien und im Web nicht die Notwendigkeit der Kontakt- und Agitationsarbeit auf der Straße ersetzen können. Gerade für das Kampagnisieren auf der Straße ist es aber auch notwendig, dass wir uns neue Aktionsformen erarbeiten.

óó Standardisierte FB-Auftritte anbieten óó Vorbereitung von Aussendungen für Regionalmedien óó Werbestrategie (finanzieller Aspekt) überdenken óó SJ-Aktionstagskonzept neu entwickeln (inklusive Aktionstags-Schulungen für die jeweiligen Teams) óó Gruppe von Web 2.0 SpreaderInnen (Beauftragte in den Ländern) aufbauen und nutzen und somit Web 2.0 Auftritt professionalisieren und koordinieren óó Evaluierung über Außenwirkung und Fremdwahrnehmung der SJ bei unseren Zielgruppen óó Aktionismusteam auf Bundesebene einrichten

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DIE ORGANISATION MUSS SICH WEITER ENTWICKELN

2.6. Vorlaufzeit Projekte und Kampagnen Projektpläne für Kampagnen und Initiativen müssen realistisch und nachvollziehbar ausgearbeitet werden. Kampagnen brauchen Zeit und Raum um in alle Strukturen vordringen und um in der Öffentlichkeit wirken zu können. Also früher anfangen, länger planen und vor allem Zeit für die inhaltliche Beschäftigung mit dem Thema schaffen. Konkret heißt das z. B. dass Ende Jänner bereits die Kampagnenschwerpunkte des Antifa-Monats geplant werden, damit ab März inhaltliche Schulungen bzw. eine reibungslose und stressfreie Kampagnendurchführung möglich sind. Vieles im SJ-Jahr wiederholt sich und muss dringend zeitgerecht geplant und organisiert werden. Z.B. die Einladungspolitik von DiskussionspartnerInnen auf Seminaren oder die Besetzung von Workshops mit ReferentInnen. Dies erleichtert es, qualitätsvoll arbeiten zu können.

óó Erstellung von Projektplänen für Kampagnen und Initiativen óó Rechtzeitige ReferentInnenbesprechungen in der Vorbereitung für Seminare

3. WIR BRAUCHEN ANTWORTEN AUF UNSERE WICHTIGSTEN HERAUSFORDERUNGEN 3.1. Finanzierung und Unabhängigkeit Die SJ steht seit Jahren durch die finanzielle Ausdünnung der ständig schwächer werdenden Landesparteien einer Schwächung ihrer eigenen Strukturen in den Bundesländern gegenüber. Diese Entwicklung stellt uns immer wieder vor Herausforderungen in Finanzierungsfragen. 18


WIR BRAUCHEN ANTWORTEN AUF UNSERE WICHTIGSTEN HERAUSFORDERUNGEN

Deshalb müssen wir uns auch als SJ Lösungen überlegen, die uns bis zu einem gewissen Grad aus dieser Bedrängnis bringen können. Eine Möglichkeit wäre, über Drittmittelfinanzierung nachzudenken, da sie uns auch in der politischen Autonomie gegenüber der SPÖ stärken würde. Auf der anderen Seite stellt natürlich jedeR Geldgeber gewisse inhaltliche Bedingungen, die im gegeben Fall dann ebenso diskutiert werden müssen. Allerdings wäre es durchaus sinnvoll, eine Person im Verbandsbüro mit dieser Thematik zu betrauen, mit dem Ziel auf Perspektive durch das Anzapfen von unterschiedlichsten Projekttöpfen und –förderungen Finanzierungsalternativen sicherzustellen. Es gibt in diesem Bereich unzählige Möglichkeiten (Jugendaustausch-Projekte, Bildungsreisen,…), jedoch relativ wenig Wissen darüber innerhalb der SJ.

óó Drittmittelfinanzierungs – BeauftragteN im Verbandsbüro

3.2. Train your Brain – Bildungsarbeit Als SJ ist es unsere Aufgabe, Gegeninformationen zum gängigen, hegemonialen Mainstream zur Verfügung zu stellen und damit auch eine Alternative Wissens- und Informationsquelle darzustellen. Deshalb muss die SJ wieder mehr eigene Publikationen forcieren, z.B.: Broschüren, Blog-Beiträge, Zeitungsartikel, etc. Durch praktische, redaktionelle Arbeit in unseren eigenen Medien (Trotzdem, Länder-Zeitungen, etc.) wird auf der einen Seite die Auseinandersetzung der eigenen Mitglieder mit spezifischen Themen gefördert, auf der anderen Seite, werden wir dem Anspruch der Wissensvermittlung und zur Verfügung Stellung von Informationen nach innen und nach außen gerecht. Wichtig dabei ist, dass es grundsätzlich jedem Mitglied offen stehen muss, sich als RedakteurIn für unsere Zeitungen oder Blogs einbringen zu können. Es muss auch endlich möglich sein, eine „Bildungsdatenbank“ zu schaffen, in der alle möglichen Inhalte leicht zugänglich und thematisch sortiert gesammelt werden. Von Gruppenabendkonzepten bis zu Workshop-Abläufen muss alles zur Verfügung gestellt werden, genauso aber können hier auch Diplomarbeiten oder Papers gesammelt werden. Gleichzeitig wäre es sehr sinnvoll in dieser Datenbank auch Kontakte von TrainerInnen und ExpertInnen zu sammeln. Vorhandenes Knowhow und Wissen in der Organisation muss erfasst und weitergehend angezapft werden, um für die Gesamtorganisation nutzbar zu werden.

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WIR BRAUCHEN ANTWORTEN AUF UNSERE WICHTIGSTEN HERAUSFORDERUNGEN

óó Schwerpunkt auf interner Bildungsarbeit: »» Marxistische Grundschulungen auf verschiedenen Ebenen anbieten (OG-Ebene, Regionalseminare, an Bedürfnissen der Landesorganisation angepasst) »» Beschäftigung mit neueren Theoriekonzepten ermöglichen »» Rufseminar-Pool für alle Strukturen (mit Anreizsystem) anbieten óó „Bildungsdatenbank“ einrichten óó Vermehrt eigene Publikationen óó Offene redaktionelle Arbeit óó Workshopinhalte (z.B. für BiWe oder Antifa-Seminar Workshops) müssen im Verbandsvorstand oder in Arbeitsgruppen festgelegt und erarbeitet werden

3.3. Vernetzung innerhalb der SJ und danach Um Ortsstrukturen miteinander zu vernetzen und voneinander profitieren lassen zu können, muss eine „Ideensammlung“ stattfinden – ob online oder analog erweiterbar. Best-Practice-Beispiele müssen gesammelt und veröffentlicht werden. Sie können auch prämiert werden und so eine Dynamik und Motivation in das Ortsgruppenleben in ganz Österreich bringen. Für Menschen, die ihre aktive SJ-Zeit beenden müssen wir eine Plattform finden, wo sich diese auf der einen Seite vernetzen können, auf der anderen Seite aber auch auf ihre Art weiterhin für die SJ einsetzen können und somit auch nicht „verloren gehen“, sondern greifbar bleiben. Für das rasche Reagieren auf aktuelle tagespolitische Debatten ist z. B. ein Pool an Leuten wichtig, die einmal in der SJ waren und uns ExpertInnen-Papers schnell und auf Basis unserer Beschlüsse schaffen können.

óó „Ideensammlung“ aus Ortsgruppen heraus óó Konzept entwickeln um offenes und transparentes Oldies-Netzwerk aufzubauen und beständig zu betreuen, dass für alle SJlerInnen einen Nutzen bringen kann

3.4. SPÖ – Linke mit aufbauen Die SJ hat zur Sozialdemokratie seit jeher ein kritisches Naheverhältnis. Wir müssen die Sozialdemokratie in Österreich, Europa und auch international zurzeit (noch) als jene politische Kraft sehen, mit der wir gemeinsam für die arbeitenden Menschen und ihre Interessen kämpfen können. Klar ist aber auch: 20


WIR BRAUCHEN ANTWORTEN AUF UNSERE WICHTIGSTEN HERAUSFORDERUNGEN

Wir geben uns keinen Illusionen hin, was den derzeitigen Zustand der Sozialdemokratie betrifft. Wir werden nicht unbeirrbar an einer SPÖ festhalten, wenn diese zum Steigbügelhalter für neoliberale Politik verkommt und daneben weit progressivere Bewegungen entstehen, die effektiv einen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leisten. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass sich die Sozialdemokratie zu einer für uns nicht unterstützenswerten Bewegung entwickeln kann, so etwa die PASOK in Griechenland. Unsere Orientierung an der SPÖ darf nie zum Selbstzweck werden, sondern die SPÖ muss für uns immer den Mittel zum Zweck darstellen. Da sich die Sozialdemokratie heute oft nicht mehr für die Interessen der arbeitenden Menschen einsetzt, dürfen wir nicht müde werden unsere Stimme zu erheben und Kritik zu äußern. Wenn die Sozialdemokratie Politik gegen ArbeiterInnen, SchülerInnen, Studierende oder PensionistInnen macht, dann müssen wir der kritische Stachel im Fleisch sein, der den richtigen Weg weist. Um die SPÖ von innen heraus zu verändern, gilt es, das kommunalpolitische Engagement der SJ-lerInnen zu fördern und SJ-Inhalte auf verschiedenen Ebenen auch innerhalb der SPÖ zu verankern. Dafür muss die SPÖ-Gremienarbeit der SJlerInnen auf den unterschiedlichen Ebenen bundesweit koordiniert und vorbereitet werden. Auch die Vernetzung junger GemeinderätInnen die in der SJ aktiv sind, muss unser Ziel sein. Als SJ muss es aber auch unsere Rolle sein, die Widerstands- und Veränderungsbewegung innerhalb der Sozialdemokratie für einen mutigen Kurs und demokratische Strukturen mit aufzubauen. Dazu ist es höchst an der Zeit, alle progressiven Kräfte inner- und außerhalb der Sozialdemokratie als BündnispartnerInnen für eine erneuerte SPÖ mit sozialistischem Programm und für eine gesellschaftliche Veränderung zu gewinnen und zu vernetzen.

óó Welcher Name auch immer das Projekt schmücken wird – die Vernetzung, Organisierung und Aktivierung der linken Kräfte in Gesellschaft und SPÖ muss starten. Als SJ müssen wir daher einen konkreten Plan entwickeln, um wirksamen Druck auf die Parteiführung auszuüben. Gleichzeitig bedeutet eine Vernetzung der linken Kräfte auch einen Kampf gegen die permanente Frustration, die sich aus dem Versagen der Parteispitze ergibt. óó Bundesweite Koordination der SPÖ-Gremienarbeit óó Vernetzung junger GemeinderätInnen die in der SJ aktiv sind óó SJ muss führende Rolle einnehmen in der Organisierung einer innerparteilichen Widerstands- und Veränderungsbewegung und diese mit aufbauen

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3.5. Vernetzung mit befreundeten Organisationen Im sozialdemokratischen Spektrum gibt es zahlreiche Organisationen, mit denen sich auch die SJ noch besser vernetzen muss, denn es gilt gemeinsame Synergien verstärkt zu nutzen. Gerade was die pädagogische Gruppenbetreuung betrifft, können wir noch viel von Organisationen wie den Kinderfreunden oder Roten Falken lernen und uns abschauen – hier wäre eine gezielte Kooperation auf jeden Fall sinnvoll um die Gruppenarbeit zu professionalisieren und längerfristig zu sichern. Weitere Kooperationen mit den Gewerkschaften, der FSG-Jugend, der ASKÖ, den Naturfreunden, und anderen befreundeten Organisationen müssen in Erwägung gezogen werden.

óó Kooperation mit Kinderfreunden und Roten Falken in Sachen pädagogischer Gruppenbetreuung óó Aktives Zugehen auf andere befreundete Organisationen um Synergien nutzen zu können

3.6. Bündnisarbeit Wie bereits erwähnt, stellt es auch eine Notwendigkeit für uns als sozialistische Bewegung dar, linke, progressive Kräfte in der Gesellschaft mit der SJ zu vernetzen und die Bündnisarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen außerhalb den uns bekannten Bahnen zu intensivieren. Bereits bestehende Bündnisse wie das „Jetzt zeichen setzen“-Bündnis, die „Offensive gegen Rechts“, oder die Bündnisse gegen Rechts in den verschiedenen Landeshauptstädten beweisen, dass gerade im antifaschistischen Bereich breite gemeinsame Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg möglich und auch sehr erfolgreich ist. Auch in jüngster Zeit entstandene Soli-Gruppen, die sich gegen repressive Staats- und Polizeigewalt zur Wehr setzen, müssen als Bündnispartnerinnen in Erwägung gezogen und unterstützt werden. Überall dort, wo gesellschaftliche Kämpfe stattfinden, soziale Missstände auftauchen und Verbesserungspotential vorhanden ist, müssen wir ansetzen und uns über Organisationsgrenzen hinweg mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, ethnischen Vereinen, NGOs und Sozialeinrichtungen vernetzen und gemeinsam organisieren. Wenn wir als gesellschaftsverändernde Kraft auftreten und wirken wollen, dürfen wir diesen Zug nicht verpassen, sondern auch aktiv auf andere Organisationen und Initiativen zugehen.

óó Aktive Bündnisarbeit über Organisations- und Parteigrenzen hinweg verstärken 22


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3.7. Internationale Vernetzung Über eine noch engere Kooperation und Zusammenarbeit mit Schwesterorganisationen müssen wir uns auch progressiven, linken Organisationen in anderen Ländern gegenüber öffnen, auch jenen, die nicht Teil der IUSY oder YES sind. Vor allem mit den unterschiedlichen Nachbarländern können konkrete Bündnisse eingegangen werden und auch grenzübergreifend Themen kampagnisiert werden. Anhand intensiver Beteiligung an den Veranstaltungen unserer internationalen sozialistischen Dachorganisationen YES (Young European Socialists) und IUSY (International Union of Socialist Youth) soll der Austausch mit GenossInnen anderer Länder gefördert und intensiviert werden. Der Besuch internationaler Veranstaltungen muss grundsätzlich jedem SJ-Mitglied per Anmeldung offen stehen und die inhaltliche Arbeit und der Austausch unter den Interessierten müssen im Vordergrund stehen. Darüber hinaus gilt es, auch die laufende SJ-Arbeit verstärkt mit internationaler Vernetzung zu verknüpfen. Hier gewinnt erneut das Abrufen vorhandenen Knowhows unter den älteren SJ-lerInnen an Bedeutung. Zudem soll eine Internationalisierung von ohnehin fix eingeplanten Seminarveranstaltungen stattfinden, etwa durch Beteiligung einer Partnerorganisation aus den Nachbarländern. Hierzu können auch Finanzmittel aus EU-Projekten lukriert werden. Insgesamt muss sich die internationale Arbeit in der SJ weiter in Richtung Transparenz und Offenheit entwickeln. Der inhaltliche internationale Austausch darf nicht nur einem kleinen Kreis offen stehen, sondern muss für Gruppen und einzelne Interessierte niederschwellig zugänglich sein. Um die internationale Vernetzung für SJ-Mitglieder auch nutzbar zu machen, gilt es Projekte zu entwickeln, die das auch ermöglichen. So könnte z.B. die Idee des IUSY-Couch Surfing weiter entwickelt werden und mit Kampagnen, Aktionen oder Veranstaltungen in Österreich, oder auch umgekehrt in anderen Ländern, verknüpft werden. So können internationale Kontakte auf persönlicher Ebene geknüpft werden und auch die jeweilige Organisation davon profitieren.

óó Offensive Zusammenarbeit mit Schwesternorganisationen, vor allem auch aus den österreichischen Nachbarländern óó Kontakte mit der Linken außerhalb der Sozialdemokratie wieder vorantreiben (z.B. Südamerika, Osteuropa, Syriza in Griechenland, etc.) óó Vernetzung mit linken Organisationen auch abseits von YES und IUSY , Partizipation an den Weltjugendfestspielen beibehalten, Vernetzung auch auf dieser Ebene suchen óó Bewerbung von internationalen Seminar- und Veranstaltungsangeboten unter allen SJ-Mitgliedern

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óó Lukrieren von Finanzmitteln aus EU-Projekten óó Internationale Arbeit in der SJ transparent, offen und niederschwellig gestalten óó IUSY-Couch-Surfing-Projekt ausbauen

3.8. Handlungsfähigkeit & Mobilisierung Mitunter sind wir als politische Jugendbewegung aufgerufen, flexibel auf aktuelle Entwicklungen und Bewegungen einzugehen. Neben dem unentwegten Treffen politischer Einschätzungen gilt es, Prioritäten in der politischen Arbeit zu setzen und immer wieder neu zu diskutieren. Dafür müssen wir manchmal auch den organisationseigenen Alltagstrott mit seinen starren Abläufen hinterfragen und gegebenenfalls hintanstellen. Der Verband muss so viel Handlungsspielraum haben, dass er auf aktuelle Geschehnisse reagieren kann. Wichtige Entwicklungen oder politische Bewegungen dürfen nicht an uns vorüberziehen, ohne dass wir die Chance ergriffen hätten uns als SJ einzubringen oder die Situation für uns als Organisation zu nutzen. Wichtig dafür ist, wie bereits erwähnt, die Vernetzung und Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und anderen BündnispartnerInnen! Gleichzeitig ist es Aufgabe der SJ als gesellschaftsverändernde Organisation, nicht nur zu reagieren, sondern selbst Themen aufzuwerfen und öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, wie es uns etwa 2002 mit der Kampagne „Legalize it!“ gelungen ist. Auch bei der Vermögenssteuerdebatte schafften wir es, das Thema in aller Munde zu bringen und die ThemenführerInnenschaft zu übernehmen, bei anderen wichtigen politischen Debatten – insbesondere bei der Berufsheerbefragung – haben wir es allerdings sehr vernachlässigt uns als SJ einzubringen!

óó Politische (Jugend-) Bewegungen nicht an SJ vorbei ziehen lassen óó Nicht nur reagieren, als SJ auch offensiv agieren und Tabu-Themen besetzen

3.9. Unser SJ Camp – Europacamp am Attersee Um unserem Anspruch gerecht zu werden, durch verbandliche Jugendarbeit junge Menschen innerhalb der Sozialistischen Jugend in Strukturen zu organisieren, zu bilden und ihnen den wissenschaftlichen Sozialismus näher zu bringen muss uns bewusst sein, dass eine zentrale Rolle hierfür auch die Möglichkeit, Räume zum Austausch und Dialog, genauso wie zur gemeinsamen Freizeitgestaltung und zur Bildungsarbeit zu schaffen bzw. zur Verfügung zu stellen, darstellt. 24


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Mit dem Europacamp der Sozialistischen Jugend in Weißenbach am Attersee haben wir dafür eine letzte, im Besitz der SJ befindliche, Plattform. Neben dem Bereich der gemeinsamen Freizeitgestaltung ist das Europacamp für Orts -und Bezirksgruppen, sowie für Landesorganisationen und die Verbandsorganisation auch geeignet verschiedenste Bildungsaktivitäten durchzuführen. Es ist wichtig, dass sich alle unsere Strukturen voll zu der letzten im Besitz der SJ befindlichen Einrichtung bekennen. Wenn es darum geht, das Camp in Schuss zu halten, sind oft viele helfende Hände notwendig. Diese Arbeitseinsätze (wie auch das Aus- und Einwintern) können durchaus ja auch mit politischen Events verknüpft und kombiniert werden.

óó Die SJ muss das Europacamp wieder verstärkt als Camp der eigenen Bewegung wahrnehmen und so viele Veranstaltungen/Seminare/Klausuren/etc. wie möglich dort abhalten óó Die Verbandsorganisation muss vermehrt Anreize für Ortsgruppen und AktivistInnen schaffen, das Europacamp zu nutzen óó Wir müssen Möglichkeiten, das Europacamp für die eigenen AktivistInnen sichtbarer zu machen, nutzen und schaffen (z.B. Anzeigen in den verschiedenen SJ – Zeitungen schalten, Ferialjobs bewerben, etc.) óó Wichtige Aktivitäten wie das Aus- und Einwintern des Europacamps sind auch Aufgabe der Verbandsorganisation und müssen von der SJ verstärkt unterstützt werden

4. WIR MÜSSEN FÜR UND MIT UNSEREN ZIELGRUPPEN ARBEITEN Nachdem die Grundlage unseres Handelns unsere sozialistischen Inhalte und Zielsetzungen sind, kann und muss jede/r Einzelne von uns noch stärker als bisher über 25


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den eigenen persönlichen FreundInnen- und Bekanntenkreis hinaus wirken. Diese Öffnung braucht es, um uns insgesamt als Organisation noch breiter aufzustellen und unserem Anspruch einer Massenorganisation gerecht werden zu können. Zu oft sprechen wir nur Menschen an, die uns auf irgendeine Art und Weise sehr ähnlich sind. Um dem entgegen wirken zu können, ist ein reflektierter Umgang mit den eigenen blinden Flecken unumgänglich. Antidiskriminierende Arbeit dürfen wir als SJ dabei nicht nur auf Hautfarbe, Geschlecht oder ethnische Herkunft beziehen, sondern müssen wir darüber hinausgehend auch ausweiten auf sozial bzw. kulturell geprägte Milieus, Berufsgruppen oder jugendkulturelle Trends. Wir müssen uns bewusst sein, dass in unserer Gesell¬schaft in vielen Bereichen (z.B. über den Zugang zu Bildungseinrichtungen, die Wahl der Wohngegend oder bestehende Freizeitmöglich¬keiten, usw.) Ausschlussmechanismen wirken, die auch vor der konkreten Arbeit in der uns als SJ nicht halt machen. Vor genau diesen Ausschlussmechanismen, die wir zum Teil durch unser eigenes Handeln und Agieren bereits unbewusst verinnerlicht haben, dürfen wir als SJ die Augen nicht verschließen, sondern müssen uns aktiv damit auseinander setzen und sie uns bewusst machen um darauf reagieren zu können und Wege in der SJ Arbeit finden zu können, die antidiskriminierend und nicht ausschließend funktionieren.

4.1. Half of the word – half of the power Als sozialistische Organisation kämpfen wir gegen jegliche Art von Diskriminierung und für die Gleichstellung der Menschen. Da Frauen im kapitalistischen System gleich mehrfach ausgebeutet und unterdrückt werden, müssen wir auf geschlechtsspezifische Unterschiede ein besonderes Augenmerk legen. Wir müssen also auch für die Verbesserung der Situation von Frauen im Hier und Jetzt eintreten. Die historisch gewachsene Benachteiligung von Frauen gegenüber Männern muss endlich der Vergangenheit angehören. Aber auch innerhalb unserer eigenen Organisation gilt es das zu leben, was wir predigen. Die SJ ist zwar bis zu einem gewissen Grad ein Spiegel unserer Gesellschaft, trotzdem oder gerade deshalb müssen wir intern stets Sensibilisierungsarbeit leisten und selbstkritisch unseren Umgang mit Machtverteilung und Sexismus innerhalb der SJ reflektieren. Innerhalb unserer Bewegung hat die Frauenpolitische Kommission (FPK) die Aufgabe Frauen zu vernetzen und ihnen Freiraum zu bieten. Sie spielt aber auch eine wichtige Rolle bei der Aufbereitung von feministischen Forderungen und der Sensibilisierung für geschlechterspezifische Themen. Die feministische Arbeit der SJ muss zusätzlich nach außen wirken, um neue Frauen verstärkt in der SJ zu organisieren. Dies ist die Aufgabe der Gesamtorganisation, der sich alle Funktionäre und Funktionärinnen und Mitglieder verpflichtet fühlen müssen. Zur Sensibilisierung möglichst vieler 26


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Menschen in diesem Bereich müssen geschlechterspezifische Fragen und Themen „massenfähig“ gemacht werden. Verschiedene Projekte haben bereits bewiesen, dass antisexistische und feministische Themen auch niederschwellig und leicht zugänglich aufbereitet werden können und damit viele junge Mädchen und Frauen angesprochen werden können. So zum Beispiel die Beschäftigung mit Schönheitsidealen im Rahmen der Topfmodel-Aktionen, das Thema Sexualität und Verhütung im Zuge der „Ficken?! – endlich Klartext reden!“ Kampagne oder die Thematisierung von Gewalt gegen Frauen und Selbstwahrnehmung im Rahmen der Selbstverteidigungskurse, die von SJ-Frauen angeboten werden. Gleichzeitig gilt es aber nicht nur Frauen zu stärken, sondern auch Männer für ihr eigenes Rollenverhalten und dessen Folgen zu sensibilisieren. Ein wichtiger Schritt muss deshalb auch die Öffnung der inhaltlichen Auseinandersetzungen in Sachen Feminismus und Antisexismus für Männer sein. Damit soll auf keinen Fall gemeint sein, dass Frauenfreiräume eingeschränkt werden sollen, sondern lediglich, dass auch interessierten Männern die Möglichkeit zur inhaltlichen Auseinandersetzung verstärkt geboten werden muss. Wie bereits bei einigen „Männer-Workshops“ auf der BIWE begonnen, ist es auch angebracht innerhalb der SJ eine „kritische Männerarbeit“ zu etablieren und zu entwickeln. Professionelle Hilfe von Männerberatungsstellen oder ExpertInnen ist anfangs dafür mit Sicherheit nötig. Auch neuere theoretische Ansätze und Bewegungen müssen Teil unserer Auseinandersetzungen mit Geschlechterpolitik sein, so muss Raum geschaffen werden für Thematiken wie Black Feminism, Intersektionalität, Queer-Theorie, LGBTQ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer) – Bewegungen oder internationale Aspekte der Frauenbewegung.

óó FPK als inhaltlichen Think Tank begreifen óó Feministische Arbeit ist Aufgabe der Gesamtorganisation, das muss sich auch bei der Aufgabenteilung und Umsetzung im Verbandsbüro zeigen óó Inhaltliche Auseinandersetzungen müssen auch Männern zugänglich gemacht werden óó Aufbau kritischer „Männerarbeit“ - (zu Beginn) unter Einbeziehung von ExpertInnen

4.2. Working class heroes Die SJ wurde 1894 als Verein jugendlicher Arbeiter gegründet, um sich für die Interessen der jungen ArbeiterInnen stark zu machen. Dieser Kampf hält bis heute an und auch in der Gegenwart muss sich die junge Arbeitswelt in der SJ abbilden. 27


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Gerade in Zeiten, in denen es auch für Jugendliche in der Arbeitswelt schwieriger wird, müssen wir sie verstärkt organisieren. Die SJ braucht daher dringend einen Lehrlingsschwerpunkt, nicht nur um der FPÖ im Nahkampf junge Menschen abzuwerben. Die Ausarbeitung und Umsetzung einer österreichweiten Strategie im Berufsschul- und Lehrlingsbereich ist erforderlich, damit es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt, was die Organisierung junger ArbeiterInnen in unserer Organisation betrifft. ´ Einzelne Bundesländer haben bereits einige erfolgreiche Erfahrungen und Experimente im Lehrlings- und Berufsschulbereich gewagt – hier muss die SJÖ ansetzen, um Ableitungen für die bundesweite Strategie zu treffen. Essentiell ist die qualitative Nutzung gewonnener Kontakte. Ziel muss es weiters sein, Jugendliche in ein breites Organisationsnetz zu integrieren: Vor Ort in der SJ, im Betrieb z.B. als Jugendvertrauensleute bei der FSG/Gewerkschaft, in der Berufsschule in der AKS! Vor allem Lehrlinge aus Klein- und Mittelbetrieben, die überlicherweise nicht bzw. sehr schlecht organisiert sind, können über SJ-Lehrlingsarbeit gut abgeholt werden. Außerdem müssen wir auch wieder darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll wäre, wieder eigene SJ-Betriebsgruppen zu gründen.

óó Ausarbeitung und Umsetzung einer österreichweiten Strategie im Berufsschulund Lehrlingsbereich óó Koordination und Überblick über die Lehrlingsarbeit durch Verbandsorganisation óó Konkrete Ziele setzen (z.B. 1 x pro Jahr an jeder Berufsschule SJ Aktion)

4.3. Für eine bundesweit funktionierende SchülerInnenarbeit Ziel der Aktion kritischer Schüler_innen war es geschichtlich gesehen seit ihrer Gründung durch AktivistInnen der Sozialistischen Jugend, Schülerinnen und Schüler durch zielgruppenorientierte AktivistInnen- und SchülerInnenvertretungsarbeit zu politisieren. Das Bekenntnis zu einem gesamtgesellschaftlichen Anspruch und das klar formulierte Ziel, SchülerInnen zu antirassistischen, feministischen, antihomophoben und systemkritischen Menschen zu sensibilisieren, unterscheidet die AKS seit jeher von anderen SchülerInnenorganisationen, die die SchülerInnenarbeit auf unpolitischen Service reduzieren. Vor allem durch die lockere Organisationsform der AKS (keine Mitgliederstruktur, etc.) war es in den letzten Jahren möglich, SchülerInnen zu organisieren und im linken Spektrum zu politisieren. Die AKS definiert sich auch als Teil der linken und sozialistischen Jugendbewegungen und ist somit eine 28


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der wichtigsten Partnerinnen der SJ. Durch das AktivistInnenprinzip („Bei uns kannst du nichts werden, bei uns bist du wer!“) hat die politische Arbeit der AKS auch den entscheidenden Vorteil, dass die Politisierung in den Schulen entsprechend niederschwellig angesetzt werden kann. Dieses organisatorische Instrument für die linke Bewegung im Allgemeinen und für die sozialistische Jugendbewegung im Speziellen ist ein enormer Vorteil, um Jugendliche für sich zu gewinnen, jedoch darf es aufgrund dieser selbständigen Arbeit und des sinnvollen AktivistInnenprinzips zu keiner „Abkapselung“ und Entpolitisierung der SchülerInnenarbeit kommen, da ansonsten sich der organisatorische und inhaltliche Vorteil rasch in einen politischen Nachteil verwandeln kann. Gemeinsam mit der AKS müssen wir eine bundesweite Strategie entwickeln, die beide Organisationen gleichberechtigt als Partnerinnen agieren lässt und das Ziel verfolgt, SchülerInnen - in enger Abstimmung beider Organisationen - zu politisieren und für die sozialistische Bewegung zu gewinnen. Angesichts der politischen Situation in Österreich und der innerparteilichen Situation gilt es heute mehr denn je näher zusammenzurücken. Der politische Gegner steht rechts. Oberste Priorität muss sein, dass möglichst viele SchülerInnen an den jeweiligen Schulstandorten organisiert und für politische Arbeit gewonnen werden. SJ-Lokale können z.B. auch jederzeit als SchülerInnentreffs genutzt werden, wo schulbezogene Projekte oder Bildungsabende abgehalten werden können. Es ist nötig, im Bereich der SchülerInnenarbeit eine bundesweite Strategie zu verfolgen, die aus dem Verbandsbüro koordiniert wird und zum Ziel hat, dass eine gemeinsame Strategie der konstruktiven Zusammenarbeit, die beide Organisationen profitieren lässt, mit der AKS entwickelt wird. Versuche, die AKS durch andere Instrumente zu ersetzen und existenziell zu gefährden, lehnen wir ab. Stattdessen muss es uns gelingen, endlich gemeinsam an einem Strang zu ziehen und die Synergien einer kooperativen Zusammenarbeit zu nutzen.

óó Entwicklung einer gemeinsamen Strategie der Zusammenarbeit zwischen AKS und SJ auf Bundesebene óó Ziel muss die enge und funktionierende Kooperation zwischen AKS und SJ sein

4.4. Migrantinnen und Migranten Wir müssen in Zukunft noch stärker auf MigrantInnen zuzugehen. Dazu brauchen wir verstärkten Kontakt zu den einschlägigen Communities, damit wir es schaffen aus ihren Reihen AktivistInnen für unsere Organisation zu gewinnen. 29


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Beim Wintersportfest 2014 hat dies z.B. mit dem Workshop zur Situation in der Türkei bereits sehr gut funktioniert. Außerdem müssen wir verstärkt auf gemeinsame Bündnisarbeit mit Organisationen wie bspw. der alevitischen Jugend oder der DIDF-Jugend setzen. Die bereits existierende Zusammenarbeit mit ethnischen und migrantischen Vereinen lässt sich anhand des Bündnisses „Linz gegen Rechts“ verdeutlichen. Inhaltlich muss der Themenkomplex Migration gemeinsam mit Betroffenen aufgearbeitet werden. Wir wollen nicht von oben herab Politik FÜR MigrantInnen machen, sondern zusammen MIT möglichst vielen in der SJ organisierten Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Wir müssen das auch als eine demokratiepolitische Notwendigkeit sehen und empfinden, vor der wir uns als Organisation nicht verstecken dürfen.

óó Aktives Zugehen auf MigrantInnen-Communities und NGOs óó Vermehrte Zusammenarbeit und Vernetzung mit ethnischen und migrantischen Vereinen óó Anstreben gemeinsamer Projekte (z.B. auch Workshops auf der BiWe, etc.) óó Ermöglichung und Förderung von Selbstorganisation in Form von Arbeitsgruppen, etc.

4.5. Jugendkultur ist Jugendpolitik Unser Anspruch ist, und war es schon immer, eine Organisation der Massen zu sein. Die Arbeit mit der Masse IST politische Arbeit. Der Sozialismus ist eine Bewegung der Massen und entweder er ist demokratisch, oder er ist gar nicht. Es geht also nicht um die Frage ob wir mit und für die Masse arbeiten, diese Frage erübrigt sich, sondern es geht darum wie wir diese politische Arbeit gestalten und umsetzen. Es geht um die Befriedigung von Alltagsbedürfnissen der Menschen. Wir dürfen uns nicht „zu gut“ sein für politische Agitation, wo die Massen sind. Wir müssen uns mit den Alltagsbedürfnissen der jungen Menschen beschäftigen und sie dort abholen, wo sie stehen, sie mitnehmen und ihnen die Möglichkeit bieten sich zu organisieren.

Eigene Jugendkulturinitiativen Bisher haben mehrere Bundesländer bereits eigene Jugendkulturinitiativen gegründet, so etwa „Restart.tc“ in Niederösterreich, „Forward.st“ in der Steiermark oder „Smash it Up“ in Oberösterreich. All dieses Initiativen haben sich zum Ziel gesetzt hat coole, leistbare und innovative jugendkulturelle Veranstaltungen und Angebote für das jeweilige Bundesland zu organisieren und zu schaffen. 30


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DJ-Contest Durch den sehr erfolgreichen ersten Testlauf des DJ-Contests in Oberösterreich im Jahre 2012 konnte auch die SJ Österreich davon überzeugt werden, im Jahr 2013 den DJ Contest auch österreichweit zu veranstalten. Er ist somit auf 14 Vorausscheidungen und 1 Finale angewachsen und wir erreichten als SJÖ alleine mit diesen Veranstaltungen viele 1000e Jugendliche. Die SJ darf den aufkommenden Trend der elektronischen Musik und vor allem die Tatsache, dass sich viele Jugendliche selbst darin versuchen und verwirklichen wollen, nicht unbemerkt an unserer Jugendorganisation vorüberziehen zu lassen, sondern muss ihn aufgreifen und günstige, leistbare und partizipative Angebote für die jungen DJs und DJanes schaffen. Wir geben den jungen KünstlerInnen die Chance in einer richtig großen Location aufzulegen oder bei einem großen Festival dabei sein zu können. Alleine die Kontakte die wir zu den vielen BewerberInnen und TeilnehmerInnen knüpfen können, sind ein enormer Zugewinn für die Arbeit der SJ. Viele der DJs, die z.B. im ersten Jahr dabei waren, sind auch beim zweiten Durchlauf wieder bei unseren Veranstaltungen dabei gewesen und wir können sie immer wieder zu diversen Events und Partys einladen, mit ihnen in Kontakt bleiben, bzw. vermitteln ihnen Kontakte, die für die DJ-Karriere als Trittbrett fungieren können. Unser Ziel muss auch bei derartigen Veranstaltungen immer sein, nachhaltig Kontakte zu knüpfen, Leute an die SJ zu binden und neue Mitglieder zu gewinnen.

Jugendfreiräume und alternative Kulturangebote Wir sind überzeugt davon, dass Freiräume für junge Menschen wichtig sind. Mehr von diesen Freiräumen zu schaffen muss weiterhin am Programm stehen. Das Ziel für die SJÖ muss es sein, dem ganzen Land, von der Großraumdisco bis in die kleinste Gemeinde jugendkulturell neues Leben einzuhauchen! Dass dies nicht nur mit Initiativen wie dem DJ-Contest möglich ist, sondern wir auch andere Kanäle und Trends nutzen und aufgreifen müssen, liegt auf der Hand. Es muss genau so unsere Aufgabe sein, alternative Kulturangebote zu schaffen, wie z.B. die Veranstaltung von Poetry Slams, ArbeiterInnenlieder-Abenden, etc. Und gerade auch in ländlichen Gebieten gestaltet es sich oft als sehr hilfreich und sinnvoll Kooperationen mit regionalen Kulturvereinen einzugehen und gemeinsame Veranstaltungen zu organisieren. Natürlich muss uns auch bewusst sein, dass jugendkulturelle Aktivitäten nie Selbstzweck werden dürfen. Alle Veranstaltungsformate und Initiativen müssen evaluiert werden auf ihren Nutzen, die Erreichung unserer Zielgruppen und den Output für unsere Organisation.

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Festival des politischen Liedes Eine wichtige Funktion in der Etablierung von „ArbeiterInnen“-Kultur und politisch linken Musik- und Kunst-Veranstaltungen nimmt auch das „Festival des politischen Liedes“ ein, das vom Kulturverein Willy mit Unterstützung der SJ Österreich, Niederösterreich und Oberösterreich alljährlich im Europacamp veranstaltet wird. Das Festival stellt auf der einen Seite eine Möglichkeit dar, jungen politischen Bands aus der SJ eine Bühne zu bieten, auf der anderen Seite bringt es politische KünstlerInnen aus Europa zu uns. Durch die Anwesenheit und Mitarbeit zahlreicher ehemaliger und aktiver SJ-FunktionärInnen und AktivistInnen kann das Festival künftig als jährlicher Vernetzungsfixpunkt und zugleich als ideologisches Tagesseminar zu aktuellen Fragen der marxistischen Analyse genutzt werden – so wie auch im letzten Jahr mit der „Krisensitzung“ (Workshop und Diskussion zur Thematik „marxistische Analyse zur Krise in Europa“ mit internationalen Gästen und Gästen von anderen Organisationen, wie z.B. ATTAC) bereits geschehen. Wir müssen das Festival des politischen Liedes als SJ mehr für uns nutzen. Durch aktive Mitarbeit in der Planungsphase können wir das Programm noch mehr mitgestalten und für unsere Zielgruppe attraktiv machen und für SJ-Mitglieder Anreize schaffen, es zu besuchen. Das Festival ist eine jährlich wiederkehrende Chance für die SJ, es muss nur mehr beworben werden.

óó Unterstützung und Förderung von SJ-Jugendkulturinitiativen óó Unterstützung von Projekten wie dem DJ-Contest, die einerseits auf bestehende jugendkulturelle Trends aufspringen und uns andererseits den Zugang zu tausenden Jugendlichen eröffnen, die wir mit unseren klassischen Kampagnen oft nicht erreichen óó Die SJ muss sich für Jugendfreiräume, wie Jugendzentren oder Freizeiteinrichtungen stark machen óó Schaffung von alternativen Kulturangeboten und Kooperationen mit Kulturvereinen óó Evaluierung der jugendkulturellen Angebote und Veranstaltungen, die wir als SJ setzen óó Aktive Unterstützung, Mitgestaltung und Bewerbung des Festival des politischen Liedes als linkes, politisches Festival

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MUT ZUR POSITIONIERUNG – DIE SJ BRAUCHT IHRE EIGENEN THEMEN

5. MUT ZUR POSITIONIERUNG – DIE SJ BRAUCHT IHRE EIGENEN THEMEN Gerade in Zeiten einer SPÖ-Regierungsbeteiligung laufen wir auch als SJ Gefahr, als angepasste und langweilige Parteijugend wahrgenommen zu werden. Dank der Unattraktivität und der Fehltritte der SPÖ-Führung in den letzten Jahren wurden viele Jugendliche davon abgehalten, sich in der SJ zu organisieren. Mittlerweile ist es „hipper“ sich bei neuartigen Bewegungen wie etwa den NEOS zu organisieren. Um aus dieser für uns nicht zufriedenstellenden Situation auszubrechen, müssen wir als Jugendbewegung verstärkt Mut zur Positionierung beweisen. Politische Debatten wie z.B. die Volksabstimmung über die Wehrpflicht dürfen in Hinkunft keinesfalls zur eigenständigen Positionierung der SJÖ versäumt werden.

5.1. Themen gemeinsam erarbeiten Für die Positionierung der SJ ist es wichtig auch die jugendlichen Zielgruppen mit einzubeziehen um Themen aufgreifen zu können, die diesen unter den Nägeln brennen. Die Durchführung einer österreichweiten Gruppenkonferenz, bei der sich alle Ortsgruppen einbringen können, könnte zur Erarbeitung, Sammlung und Festlegung von Themen dienen, die dann als demokratisch von der Basis erarbeiteter Auftrag an den Verbandsvorstand ein „Mehrjahresthema“ für eine Kampagne festlegt.

óó Abhaltung einer Gruppenkonferenz zur Themenfindung für eine Kampagne

Abgesehen davon, gibt es einige Themen, die die SJ dringend wieder aufgreifen muss und die Vorschläge für eine Auseinandersetzung auf einer Gruppenkonferenz sein können: 33


MUT ZUR POSITIONIERUNG – DIE SJ BRAUCHT IHRE EIGENEN THEMEN

Das System ist die Krankheit Wir müssen als SJ wieder vehementer betonen, dass der Kapitalismus keine Ärztin an seinem Krankenbett braucht, sondern dringend einen Sterbehelfer. Es ist das System in dem wir leben, das all diese Katastrophen und Zustände hervorbringt, mit denen wir zu kämpfen haben. Als SJ müssen wir weitgehende, mutige und systemverändernde Forderungen stellen und diese mit realpolitischen Forderungen verknüpfen. Den neoliberalen Krisen“bekämpfungs“ – Mythen muss dringend etwas entgegen gesetzt.

Arbeitszeitverkürzung Das Thema Arbeitszeitverkürzung muss endlich wieder auf die Tagesordnung. Die Arbeitslosigkeit steigt, die geleisteten Überstunden steigen auch ins Unermessliche und prekäre und atypische Beschäftigungsverhältnisse nehmen auch zu. Wer Politik für ArbeitnehmerInnen, Arbeitslose und Jugendliche machen will, muss endlich gegen Arbeitslosigkeit aktiv werden. Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich ist eine Maßnahme, mit der Beschäftigung geschaffen, Einkommen gerechter verteilt und die Lebensqualität der ArbeitnehmerInnen gesteigert werden kann. Auch mit alternativen Arbeitszeitmodellen (Frigga Haugg, etc.) müssen wir uns als SJ beschäftigen und das Thema besetzen und an die Öffentlichkeit bringen.

Drogenpolitik und Legalisierung Nicht nur der Provokation wegen, auch aus inhaltlicher Überzeugung können wir als SJ daher mit dem Thema „Legalize it!“ Akzente setzen, die gerade heute nötiger denn je sind: Weltweit bröckelt die Front der Prohibition, immer mehr Staaten setzen auf fortschrittliche Drogenpolitik. Die Beschäftigung mit und Kampagnisierung dieses Themas ermöglicht es auch, suchtverursachende Komponenten in der Gesellschaft (Arbeitslosigkeit, Armut, Leistungsdruck etc.) zu thematisieren. Zusätzlich dazu wird damit die Lebensrealität vieler Jugendlicher angesprochen und die Kriminalisierung unzähliger junger Menschen bekämpft. Weiters ergibt sich für uns als SJ bei diesem Thema derzeit ein Alleinstellungsmerkmal: Selbst die verbürgerlichten Grünen trauen sich nicht mehr dieses Thema anzugreifen - und verpassen damit einmal mehr eine gesellschaftliche Entwicklung.

Aktive Friedenspolitik Auch ein seit Jahren von keiner Seite mehr angetastetes Thema ist das der aktiven Friedenspolitik. Gerade in Anbetracht des 100-jährigen Jubiläums des Ausbruchs des 1. Weltkrieges und der heutigen Situation der massiven internationalen Aufrüstung in Krisenzeiten und der Ungleichgewichte in der ökonomischen Entwicklung zwischen den Staaten und Wirtschaftsregionen wäre es dringend notwendig, dass die SJ eine Debatte über Friedenspolitik und Antimilitarisierung anstößt. Die SJ 34


MUT ZUR POSITIONIERUNG – DIE SJ BRAUCHT IHRE EIGENEN THEMEN

muss wieder aktiv gegen imperialistische Kriege auftreten, diese verurteilen, zu öffentlichen Protesten gegen imperialistische Kriegspolitik aufrufen und sich mit verschiedenen Initiativen der Friedensbewegung vernetzen.

Festung Europa Die EU baut seit Jahren ihre Außengrenzen immer weiter aus und eine neoliberale Politik der Abschottung und der Fremdenfeindlichkeit hat sich durchgesetzt. Die jetzige restriktive Asylpolitik Europas hatte in den letzten 20 Jahren 20.000 Tote zur Folge, die auf der Suche nach einem besseren Leben an den Grenzen Europas, vor allem im Mittelmeer, starben. Mit sechs Meter hohen, doppelten Stacheldrahtzäunen samt Tränengas versucht Europa, sich seiner Verantwortung zu entziehen und ignoriert dabei strategisch Menschenrechte. Das Thema kommt immer wieder auf und darf auch von uns nicht weiter ignoriert werden.

Prostitution Auch die Diskussion um das Thema Prostitution und Sexarbeit wird in letzter Zeit immer wieder medial geführt – vor allem auch in anderen europäischen Ländern gibt es unterschiedliche Herangehensweisen dazu, die oft die Diskussion um die Thematik Zwangsprostitution, Frauenhandel, freiwilliger Sexarbeit und Freierbestrafung aufflammen lassen. Auch als SJ müssen wir uns in diese gesellschaftspolitische Debatte einbringen, die sehr eng mit der generellen Frage nach dem Umgang in der Gesellschaft mit Sexualität und den darüber vorherrschenden „moralischen“ Vorstellungen verknüpft ist und daher im Diskussionsprozess dringend „entprüdisiert“ werden muss.

Happy Birthday – 120 Jahre SJ Identität ist die DNA einer Organisation. Nur wenn alle Beteiligten über sie Bescheid wissen, können sie gemeinsam an einem Strang ziehen. Identität lässt Wurzeln sprießen und Flügel wachsen. Wo kann man die Identität der SJ finden? In den Überzeugungen, in der Organisations-Geschichte, in den Zielsetzungen und Visionen. Heute denken wir an Projekte wie „wählen-ab-16“ oder die „rezeptfreie Pille-danach“, die dank der SJ erfolgreich in die Tat umgesetzt wurden. Die Botschaft daraus lautet: Wir haben eine Tradition, und daraus erwächst Verantwortung. Dieser Verantwortung müssen wir uns auch als Organisation wieder bewusst werden und uns deshalb auch die Zeit nehmen, zurück zu blicken und aus der Vergangenheit zu lernen und unsere Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

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MUT ZUR POSITIONIERUNG – DIE SJ BRAUCHT IHRE EIGENEN THEMEN

5.2. Grundsatzprogramm überarbeiten Vor 120 Jahren wurde die Sozialistische Jugend – damals noch „Verein Jugendlicher Arbeiter“- gegründet. Als linke Jugendbewegung wissen wir, woher wir kommen. Wohin wir gehen muss in einem permanenten Diskussionsprozess neu erläutert werden. Ich bin daher der Meinung, dass wir das nun 10 Jahre alte Grundsatzprogramm aktualisieren und erweitern sollten. Und zwar in einem offenen, demokratischen Prozess unter Einbindung aller Mitglieder und Interessierten. Dies dient auch der Repolitisierung unserer Organisation. Das Grundsatzprogramm muss endlich wieder seinen Weg in die tägliche SJ Arbeit finden. Und außerdem: 120 Jahre alt wird man nicht alle Tage!

6. WOHIN GEHT DIE REISE? Um wieder zu einer unübersehbaren gestaltenden Kraft und Bewegung als Sozialistische Jugend zu werden, gibt es unzählige Weichen die wir als Organisation stellen müssen. Wir müssen es wieder schaffen, Jugendliche von unserer Überzeugung und unseren Vorstellungen einer sozialistischen Gesellschaft begeistern zu können. Unsere Organisation muss sich weiter entwickeln. Einerseits müssen unsere Strukturen wieder demokratischer, offener und politischer werden. Ausgehend von unseren Gremien auf Bundesebene muss sich dieser Prozess durch die gesamte Organisation ziehen. Andererseits müssen unsere organisatorischen, internen Abläufe professionalisiert und beständig verbessert werden. Das beinhaltet sowohl eine Neustrukturierung des Verbandsbüros, intensive Beschäftigung mit der internen Kommunikation und unserem Kontaktdatenmanagement als auch eine politisch-inhaltliche Ausrichtung des Verbandsbüros an Sturkturauf- und –ausbau in den Bundesländern. Wir müssen an unserer Außenwirkung arbeiten und unseren eigenen Kampagnen und Projekten mehr Vorlaufzeit geben, um sie demokratischer erarbeiten zu können 36


WOHIN GEHT DIE REISE?

und sie bis zu jeder Ortsgruppe durchdringen können. Als SJ stehen wir in den nächsten Jahren wichtigen Herausforderungen gegenüber, auf dies es Antworten zu finden gilt. Es dreht sich dabei um Fragen der alternativen Finanzierung, der internen Bildungsarbeit, der Vernetzung innerhalb der SJ und danach, der Widerstands- und Veränderungsbewegung innerhalb der Sozialdemokratie, der Vernetzung mit befreundeten Organisationen oder Bündnisarbeit, der internationalen Vernetzung, unserer Handlungs- und Mobilisierungsfähigkeit oder um den Umgang mit unserem SJ-Europacamp. Wir stellen den Anspruch, eine Organisation der Massen zu sein, deshalb müssen wir uns auch intensiv mit unseren Zielgruppen auseinander setzen und Wege in der SJ Arbeit finden, die antidiskriminierend und nicht ausschließend so viele junge Menschen wie möglich ansprechen und zur Organisierung motivieren. Ein wichtiger Teil dabei sind die Zielgruppe der jungen Frauen und unsere antisexistische und feministische Arbeit. Damit sich junge Arbeitswelt wieder besser in der SJ abbilden kann, müssen wir wieder verstärkt auf Lehrlinge und junge ArbeitnehmerInnen zugehen und diese in der SJ organisieren. Gemeinsam mit der AKS müssen wir das Ziel einer bundesweit funktionierenden SchülerInnenarbeit verfolgen und eine gemeinsame Strategie der konstruktiven Zusammenarbeit entwickeln. Aus unserem antirassistischen Verständnis heraus, muss es auch unser Ziel sein, junge Menschen mit Migrationshintergrund gleichberechtigt in der SJ zu organisieren und uns mit ethnischen und migrantischen Vereinen vernetzen. Unsere jugendkulturellen Aktivitäten müssen wir dafür nutzen, neue Zielgruppen zu erschließen und dort hin zu gehen, wo Jugendliche sind. Es gilt dabei einerseits, jugendkulturelle Trends aufzugreifen, andererseits aber auch alternative Kulturangebote zu schaffen und linke ArbeiterInnenkultur zu pflegen und zu fördern. Gerade in Zeiten einer SPÖ-Regierungsbeteiligung laufen wir als SJ Gefahr, als angepasste und langweilige Parteijugend wahrgenommen zu werden. Um dem entgegen zu wirken, ist es wichtig, dass wir unsere eigenen Themen besetzen und als Jugendbewegung verstärkt Mut zur Positionierung beweisen. Um Themen gemeinsam mit vielen erarbeiten zu können, soll eine Gruppenkonferenz abgehalten werden aus der Ideen für Kampagnen erwachsen können. Außerdem liegen viele Themen seit Jahren unangetastet in der Schublade, die wir unbedingt wieder auf die Tagesordnung bringen müssen. So muss z.B. wieder öfter die Systemfrage gestellt und in den Vordergrund gerückt werden, das Thema Arbeitszeitverkürzung wieder offensiv diskutiert werden, Drogenpolitik und Legalisierung endlich enttabuisiert werden aber es müssen auch Themen wie aktive Friedenspolitik und Kritik an imperialistischen Kriegen oder Flüchtlingspolitik und Festung Europa von uns als SJ besetzt werden. Obendrein wird die SJ im Jahr 2014 120 Jahre alt – ein guter Anlass um sich auch mit der eigenen Geschichte wieder vermehrt auseinander zu setzen.

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HER MIT EUREN IDEEN!

7. HER MIT EUREN IDEEN! Dieses Papier stellt meine Vorstellungen und Ideen für die Arbeit der Sozialistischen Jugend Österreich in den nächsten Jahren dar. Ich bin mir sicher, dass sich auch ganz viele andere Menschen in der SJ Gedanken über unsere Organisation machen und es mit Sicherheit noch unzählige andere gute und neue Ideen gibt, die noch berücksichtigt werden müssten. Darum möchte ich all jene SJ Mitglieder, die sich mit der Grundrichtung dieses Programmpapiers identifizieren können dazu aufrufen, Ideen und Verbesserungsvorschläge bei mir einzubringen. Ich würde mich sehr freuen, wenn viele verschiedene Menschen aus der SJ das Programm und die Vorstellungen für zukünftige SJ – Arbeit gemeinsam mit mir mitgestalten, einen Diskussionsprozess darüber anregen und es somit noch wachsen lassen.

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DEINE NOTIZEN

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Bitte alle Anregungen, Anmerkungen, Kritik, W端nsche und Ideen einfach direkt an mich: Fiona Kaiser fiona.kaiser@reflex.at 069910524648 Vielen Dank! 40


Programm Verbandsvorsitz Fiona Kaiser