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Mitbewohner und Vermieter stinksauer

Ein Messie als Mieter – was tun? Von Andreas Kunze, Ftx

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Ftx DÜSSELDORF. Für Vermieter wie Nachbarn kann es zum Alptraum werden: Ein Mieter leidet unter dem „Messie-Syndrom“ und lässt die Wohnung vermüllen. Was lässt sich dann tun? Der Begriff „Messie“ kommt vom englischen Wort „mess“, was bedeutet: Dreck, Unordnung, Durcheinander. Die so genannten Messies neigen auf Grund einer krankhaften seelischen Störung dazu, in ihrer Wohnung Sachen zu sammeln, die andere Mitmenschen wegwerfen würden. Wenn es sich dabei nur um alte Zeitungen, Bücher oder Waschmittelkartons handelt, sieht es zwar chaotisch aus, aber außerhalb der Wohnung stört das niemanden. Häufig kommt jedoch noch eine schwere Verschmutzung hinzu, weil Essensreste liegenbleiben oder die Toilette nicht gereinigt wird. In schlimmen Fällen wird die Wohnung zum Nest für Ungeziefer, von Spinnen bis Ratten. Ein Vermieter sollte nicht davon ausgehen, dass er einem Wohnungsinteressenten das MessieSyndrom ansieht. Messies sind laut Selbsthilfegruppen meist vollkommen unauffällig, haben ein geordnetes Berufsleben, verlieren aber privat die Kontrolle über sich. Bis zu 2,0 Millionen Bundesbürger sind laut Schätzungen mehr oder weniger von dem Messie-Syndrom betroffen – die Wahrscheinlichkeit an einen Messie-Mieter zu geraten ist entsprechend hoch. Gericht: Auf die Müll-Art kommt es an

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Wenn die Wohnung etwa mit Zeitungen und leeren Zigarettenschachteln zugestopft wird, geht das einen Vermieter generell noch nichts an. Auch eine ausgeprägte Sammelwut fällt noch unter den vertragsgemäßen Gebrauch einer Mietwohnung, denn durch bloße Unordnung droht der Wohnung noch kein Schaden. „Anders könnte das nur aussehen, wenn sich tonnenschweres Altpapier in den Zimmern türmt und die Statik des Hauses gefährdet sein könnte oder andere Mitmenschen durch Geruchsemissionen belästigt werden“, sagt Rechtsprofessor Gunnar Horst Daum von der FOM Frankfurt am Main. Wenn sich auf Grund der „Vermüllung“ Ungeziefer breit macht, wenn Gestank ins Treppenhaus oder in andere Wohnungen zieht, Bitte beachten Sie die FINTEXT-AGB (http://www.fintext.de/agb)


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besteht sogar eine Pflicht für den Vermieter, aktiv zu werden. Schließlich muss er andere Hausbewohner vor Beeinträchtigungen schützen. Folgende Möglichkeiten gibt es: Ordnungsamt informieren. Die Behörden können einen Messie-Mieter dazu verpflichten, den Müll zu entsorgen. Mit Krankheit kann der MessieMieter sich dann nicht herausreden, entschied jüngst das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg (Az. 7 LA 13/09). „Die krankhafte Sammelneigung“ lasse „die abfallrechtliche Beseitigungspflicht“ nicht entfallen. Dabei ging es um einen Messie, der rund 50 Kubikmeter Müll entfernen sollte. Der Vermieter sollte aber wissen: Wenn der Mieter zu einer amtlich angeordneten Entrümpelung nicht in der Lage ist, sei es aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen, kann der Vermieter als Wohnungseigentümer dafür in die Pflicht genommen werden. So lautete jedenfalls eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Arnsberg (Az: 3 L 336/08). Begründung: Grundsätzlich sei laut Gesetz ein Eigentümer verantwortlich, wenn von seiner Immobilie eine Gefahr ausgeht. Der Vermieter muss die Kosten für eine Entrümpelung in so einem Fall vorstrecken und kann anschließend nur hoffen, das Geld vom Mieter erstattet zu bekommen. Fristlose Kündigung. Mietverhältnisse können aus wichtigem Grund fristlos gekündigt werden. Chaos und Gestank reichen dafür aber nicht unbedingt aus, wie eine Entscheidung des Amtsgerichts München zeigt (Az: 453 C 29264/02). Es ging um einen Mieter, der unter anderem Flaschen, Zeitschriften und Kleidung in der Wohnung gehortet hatte. Es stank fürchterlich – die fristlose Kündigung wurde aber nicht anerkannt. Unzumutbar sei es erst, wenn der Geruch „Außenwirkung“ entfalte und außerhalb der Wohnung wahrnehmbar sei, etwa im Treppenhaus. Darüber hinaus spielt es nach Ansicht des Amtsgerichts eine Rolle, dass es sich nicht um biologischen Müll handelte, somit keine Ungeziefergefahr drohte. „Wenn indes durch vergammelte Lebensmittel Ratten und anderes Ungeziefer angelockt werden, dürfte in den meisten Fällen eine fristlose Kündigung gerechtfertigt sein“, so Rechtsprofessor Daum. „Der Vermieter sollte vorher jedoch den Mieter abmahnen und die fristlose Kündigung wegen vertragswidrigem Gebrauch zunächst nur androhen.“ Ftx (2664 Zeichen) Linkhinweise: Bitte beachten Sie die FINTEXT-AGB (http://www.fintext.de/agb)


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http://www.femmessies.de/ http://www.messie-syndrom.de/

Bitte beachten Sie die FINTEXT-AGB (http://www.fintext.de/agb)


Ein Messie als MIeter