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EDITORIAL

Willkommen Influencer – ein Wort, das vor wenigen Jahren noch eher mit viralen Infektionskrankheiten assoziiert worden wäre, scheint nun paradoxerweise das Allheilmittel im modernen Marketing-Wirrwarr zu sein. Doch ist das nicht ein wenig zu einfach gedacht?! Wagen wir mal einen elegischen Blick einige Jahre zurück: Wie war denn das, als das „Socializing“ noch auf Sportplätzen, in Kaffeehäusern, Bars und an Stammtischen stattfand. Als die Menschen noch Aug in Aug miteinander sprachen und sich ihre Heldentaten nur so um die Ohren warfen. Klar gab es Blender und Möchtegerns damals genauso wie heute, aber sie zu identifizieren war ein Stück weit einfacher als heute – sie wurden nämlich großteils an ihren Taten gemessen und nicht an den Geschichten darüber. Heute kommt es einem oft so vor, als würden sich die Marketingverantwortlichen großer Firmen auf der Suche nach potenziellen Markenbotschaftern darauf verlassen, dass jemand, der eine ausreichend große Reichweite via Social Media hat, auch etwas zu sagen hat. Doch ist dem wirklich so? Ich kenne Beispiele, die vor Followern (schon wieder so ein „Wort des Jahres“) beinahe explodieren, und dennoch rollt die Szene mit den Augen, wenn deren Namen auch nur erwähnt werden. Kann man sich kaum vorstellen, dass dies einer Firma von Nutzen sein soll, wenn der neue „Brand Ambassador“ zwar unzählige virtuelle Likes erzielt, ihm aber die Akzeptanz und das Ansehen aufgrund seiner bisherigen Taten, Erfolge oder einfach nur seiner Ausstrahlung in der Szene zur Gänze fehlt. Wobei man natürlich anerkennen muss, dass aktuell ein gar nicht so kleiner Staat anscheinend via Social Media regiert werden kann, da sollte es doch auch reichen, wenn man sich die Follower-reichsten Ausdauerfreaks im Netz sucht und sie zuschüttet mit Produkten und hofft, dass diese auch richtig in Szene gesetzt werden. Alles recht und schön, und klar kann man dadurch viele Menschen erreichen – Streuverluste und Glaubwürdigkeit sind dann hoffentlich nicht vorrangig wichtig. Bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklungsspirale weiterdreht, ob die Menschen, die in den Firmen am Geldhahn sitzen, wieder öfter den persönlichen Kontakt zu ihren „Markenbotschaftern“ suchen, oder ob dafür schlicht und ergreifend keine Zeit mehr ist. Ich persönlich würde mich freuen, wenn die Jugendlichen und auch älteren Semester wieder mehr Zeit am Sportplatz, in Cafés und Bars verbringen, um „echte“ soziale Kontakte zu knüpfen, und sich einen Dreck darum scheren, wie es um ihre aktuellen Likes und Followerzahlen der letzten Posts aussieht. #betterbeoldschoolthannoschool oder #bettermeetfriendsthangoviral In diesem Sinne – keep on being social and not so media ...

EURE FINISHER - REDAKTION

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Profile for Max Hofstätter

Finisher Magazin #70  

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