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E U R O P E A N

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Deutschland · Österreich · Schweiz ·

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WEI NMAGA ZIN

Jürgen Dollase bei Bareiss

Gut Hermannsberg

Weingut Fürst Löwenstein

Alejandro Fernández

Cape Mentelle und Cloudy Bay

Henri Jayer

Spätburgunder aus vier Ländern

C H Â T E A U

H A U T - B R I O N


ArnoldArnold & Son & ging Son ausging demaus jahrhundertealten dem jahrhundertealten Interesse Interesse der Briten der Briten an der Zeitmessung an der Zeitmessung hervor.hervor. John Arnold, John Arnold, ein Name, ein Name, wie er britischer wie er britischer kaum sein kaum könnte. sein könnte. Im 18. Im Jahrhundert 18. Jahrhundert war Arnold war Arnold der anerkannte der anerkannte Spezialist Spezialist für Marinechronometer. für Marinechronometer. Er erfand Er erfand die Chronometerdie Chronometerhemmung hemmung sowie die sowie bimetallische die bimetallische Unruh.Unruh. Abraham-Louis Abraham-Louis Breguet, Breguet, der Arnold der Arnold und dessen und dessen StrebenStreben nach Präzision nach Präzision sehr bewunderte, sehr bewunderte, erwies Arnold erwies Arnold nach dessen nach dessen Tod eine Tod eine außergewöhnliche außergewöhnliche Ehre: Breguet Ehre: Breguet brachtebrachte 1808 sein 1808 sein Tourbillon Tourbillon an einen anvon einen Arnold von Arnold konstruierten konstruierten Marine-Marinechronometer chronometer an, undan, schenkte und schenkte ihn dem ihn Sohn demdes Sohn genialen des genialen englischen englischen Uhrmachers. Uhrmachers. Eine solche Eine solche Geste bleibt Geste bis bleibt bis heute unvergessen. heute unvergessen. Dieses Dieses außergewöhnliche außergewöhnliche Stück ist Stück ist heute noch heuteim noch Britischen im Britischen Museum Museum in London in London zu sehen. zu sehen. Heute verbindet Heute verbindet ArnoldArnold & Son & dieSon klassische die klassische Uhrentradition Uhrentradition der Briten der Briten mit dermit hohen der hohen Uhrmacherkunst Uhrmacherkunst der Schweiz. der Schweiz. Ergebnis Ergebnis ist die HMS1 ist die HMS1 mit dem mit exklusiven dem exklusiven Manufakturkaliber Manufakturkaliber A&S 1001 A&S 1001

Mit einem Mit Durchmesser einem Durchmesser von 30von mm,30einer mm,Höhe einervon Höhe von 2,7 mm2,7 verfügt mm verfügt es durch es seine durchbeiden seine beiden Federhäuser Federhäuser über über eine Gangreserve eine Gangreserve von 80von Stunden. 80 Stunden. Das Gehäuse Das Gehäuse in Stahlinoder StahlRoségold oder Roségold hat einen hat einen Durchmesser Durchmesser von 40von mm.40Ein mm. Saphirglasboden Ein Saphirglasboden gibt gibt den Blick denauf Blick dasauf mitdas dem mit Genfer dem Genfer Streifenschliff Streifenschliff verzierte verzierte Werk frei. Werk frei. WeitereWeitere Informationen: Informationen: Fine Instruments Fine Instruments GmbH,GmbH, Tel.: 0611-5050770 Tel.: 0611-5050770 info@fiinfo@fi ne-instruments.de ne-instruments.de


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Seite 52 Alejandro Fernández

Seite 66 Hennessy Cuvée Paradis Impérial

Seite 74 Jürgen Dollase bei Bareiss

Seite 104 Lech: Wintersport und Wein

Seite 112 Gut Hermannsberg

Seite 128 Prinzessin Stephanie zu Löwenstein


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I N H A LT Seite 42 Henri Jayer

Seite 90 Cape Mentelle und Cloudy Bay

Seite 14 Château Haut-Brion

Seite 26 Spätburgunder aus vier Ländern

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FINE Editorial

Thomas Schröder

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FINE Bordeaux

Château Haut-Brion

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FINE Tasting

Spätburgunder aus vier Ländern

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FINE Bourgogne

Henri Jayer

52

FINE Spanien

Alejandro Fernández

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FINE Cognac

Hennessy Cuvée Paradis Impérial

74

FINE Wein & Speisen

Jürgen Dollase bei Bareiss

84

FINE Das Große Dutzend

Riesling bei Mr. Wu

90

FINE Neue Welt

Cape Mentelle und Cloudy Bay

104

FINE Tasting

Lech: Wintersport und Wein

112

FINE Nahe

Gut Hermannsberg

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FINE Wein & Zeit

Die Weinbaudomäne Niederhausen-Schlossböckelheim

124

FINE Die Pigott Kolumne

Keine Riesling-Zukunft für Deutschland?

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FINE Frauen im Wein

Prinzessin Stephanie zu Löwenstein

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FINE Reiner Wein

Anne Zielke: N  icht geeignet zum Trocknen von Haustieren

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FINE Das Bier danach

Bernd Fritz: Bière blanche

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FINE Selbstgespräch

Günter Schöneis mit einer Flasche Dom Pérignon 1995

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FINE Abgang

Ralf Frenzel

Seite 118 NiederhausenSchlossböckelheim

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Treue

Dienste, hohe Ziele Auf Château Haut-Brion ist die Verwalterfamilie Delmas seit fast hundert Jahren Garant für Qualität Text: Armin Diel Fotos: Johannes Grau

Château Haut-Brion zählt zu den ältesten Wein­ gütern des Bordelais, obendrein ist es das e­ inzige doppelt klassifizierte Château. Es wurde geprägt von drei Besitzerfamilien, den de Pontacs, den ­Larrieus und schließlich den Dillons. ­Letztere haben nicht nur Haut-Brion seit 1935 zu ­neuer ­Blüte gebracht, sondern durch den Kauf des Nachbar­gutes La Mission Haut-Brion im Jahr 1983 ein einzigartiges Ensemble geschaffen. Garant für die Qualität der Weine ist seit beinahe hundert Jahren die Verwalterfamilie Delmas, deren dritte Generation nun am Ruder ist.

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Sehnsuchtsort für Weinkenner: Einladend öffnet sich das große Tor zum Château Haut-Brion. F I N E 

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ie lange Geschichte von Château Haut-­Brion begann im Jahr 1533, als Jean de ­Pontac das Herrschaftshaus von dem Basken Jean ­Duhalde kaufte und 1549 mit dem Bau des ­heutigen Schlosses begann. Jean de Pontac war insgesamt drei Mal verheiratet und hatte aus seinen beiden ­ersten Ehen fünfzehn Kinder. Das letzte Mal heiratete er im Alter von sechsundsiebzig Jahren und verstarb 1589 in dem für damalige Verhältnisse geradezu biblischen Alter von einhundertundein Jahren! In seinen letzten Tagen hatte er den Schwestern des Karmeliterordens fünf H ­ ektar Wein­berge geschenkt, wofür die Damen jeden Tag nach Haut-Brion gekommen sein sollen, um für seinen Aufstieg ins Paradies zu beten. Nach der Revolution kamen diese Weinberge in den Besitz der Familie Chantecaille, woraus später Château Les Carmes Haut-Brion hervorgegangen ist. Etwa hundert Jahre nach der Gutsgründung wurde Arnaud III. de Pontac 1649 Besitzer von

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Haut-Brion. Mit seinem Aufstieg zum ersten Präsidenten am Gerichtshof von Bordeaux erreichte das gesellschaftliche Ansehen der Pontacs seinen Höhepunkt. Von ihm wurden Konservierungsmaßnahmen entwickelt, etwa im Zusammenhang mit dem Auffüllen der Fässer und dem Abstechen, wodurch seine Weine besser reifen konnten. Nach mehreren Eigentümerwechseln kam Haut-Brion 1801 für kurze Zeit in den Besitz des bekannten Staatsmanns Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord. Der spätere Außen­minister Napoleons I. verkaufte das Gut aber schon drei Jahre später an einen Bankier, der es dann an einen Weinhändler weitergab. Als der aus der B ­ retagne stammende Bankier Joseph-Eugène Larrieu den Großteil von Haut-Brion im Jahr 1836 ersteigerte, begann eine wichtige Epoche, die ­später den Ausschlag dafür gab, dass das Château in die ­erste Kategorie der Spitzenweingüter der Gironde aufgenommen wurde. Als Larrieus Enkel Eugène


Löwen für Extravaganz: Gelassen und unbestechlich wie die steinerne Raubkatze im Hof des Châteaus wachten Vater Jean-Bernard Delmas und Sohn Jean-Philippe über den einzigartigen Stil von Haut-Brion. Heute führt allein Jean-Philippe als Gutsverwalter einfühlsam Regie.

1896 kinderlos starb, versuchten mehrere Neffen erfolglos, Haut-Brion aus der vor allem von der Reblausseuche verurachten Krise herauszuführen. Alles wendete sich erst 1935 zum Besseren, als der amerikanische Bankier Clarence Dillon das Gut kaufte, in dessen Familie sich Haut-Brion bis zum heutigen Tag befindet. Dillons Sohn Douglas war amerikanischer Botschafter in Paris und ­später Finanzminister unter Präsident John F. Kennedy. Als er Paris im Februar 1957 verließ, blieb seine Tochter Joan in Frankreich zurück und heiratete zehn Jahre später Prinz Charles von Luxemburg; ihr Sohn Robert übernahm 2008 den Vorsitz der Geschäftsführung von seiner Mutter. Ein bedeutender Schritt war im Jahr 1983 der Kauf des

Nachbarweinguts La Mission Haut-Brion, das – obwohl gemeinsam mit Haut-Brion geführt – bis heute seine eigene Stilistik bewahrt. Bereits beim Kauf von Haut-Brion konnten sich die Dillons auf die treuen Dienste der F ­ amilie Delmas verlassen: Georges Delmas war dort seit 1923 als Gutsverwalter tätig. Ihm folgte 1961 sein Sohn Jean-Bernard, der Ende des Jahres 2003 seinen Abschied nahm, nicht ohne zuvor seinen Sohn Jean-Philippe sehr sorgfältig in die Nachfolge einzuarbeiten. Weil Besuche auf Château Haut-Brion wegen umfangreicher Umbaumaßnahmen nicht möglich sind, treffe ich Jean-Philippe Delmas im vergangenen Juni auf Château La Mission Haut-Brion

zum Interview. Wir durchschreiten den wunderschön restaurierten Innenhof der alten Abtei und setzen uns in einen mit schweren Möbeln ausstaffierten Salon. Delmas berichtet von s­ einem Oenologiestudium an der Universität in Bordeaux und seinen Lehr- und Wanderjahren, die ihn unter anderem zu Moët & Chandon in ­Epernay und Far Niente im Napa Valley führten. Zum guten Schluss folgte noch ein Praktikum in der Provence. »Ich wollte alle möglichen Weintypen kennen­lernen,« sagt der smarte Anfangvierziger und ergänzt leicht schmunzelnd, dass es vielleicht am schwierigsten sei, einen sehr guten Roséwein zu machen. Ich will wissen, wie sich die immerhin neun Jahre währende Zusammen­arbeit mit ­seinem durchaus für sein ausgeprägtes Ego bekannten Vater darstellte? »Am Anfang war es völlig unproblematisch, da ich drei Monate mit der Verkaufsmannschaft von Châteaux & Estates in Amerika unterwegs war, um Kunden zu besuchen. Später musste ich allerdings gut zuhören, weil mein Vater nie viel aufgeschrieben hat. Langweilig ist es jedenfalls nie gewesen!« Das ist es für den unermüdlichen Vater Delmas übrigens bis zum heutigen Tag nicht. Nach seinem Ausscheiden bei Haut-Brion war er ­einige Zeit Berater von Château Haut-Bailly in Léo­gnan, seit 2006 ist der mittlerweile Sechsundsiebzigjährige nun Verwalter von Château Montrose in Saint-Estèphe, also just dort, wo Jean-Bernard Delmas’ Tante einst im Keller gearbeitet hatte. Und wie sieht es mit den Aussichten für eine vierte Delmas-Generation auf Haut-Brion aus? »Nichts ist unmöglich,« sagt Jean-Philippe Delmas, »aber die Beantwortung dieser delikaten Frage wird in jedem Fall noch geraume Zeit in Anspruch ­nehmen, da meine Söhne Maxime und Adrien erst sechs und vier Jahre alt sind!« Wir wechseln das Thema. Ich will wissen, ­wieso Château Haut-Brion bei der Klassifikation von 1855 als einziges Rotweingut ­außerhalb des Médoc Berücksichtigung fand? »Die Klassifikation von

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HIER SPRICHT DER ­PINOT NOIR DEUTSCH Warum der Spätburgunder in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol zu einem glorreichen Klassiker wurde Text: Stuart Pigott Fotos: Christof Herdt

Aber ehe wir uns der Verkostung zuwenden, sind einige Dinge zu klären, allen voran die Bedeutung der Traubensorte. Spätburgunder ist eine sehr alte Sorte, deren Geschichte bis ins ­frühe Mittelalter zurückreicht. Seit ­dieser Zeit wird sie in einigen der heutigen Weinbau­gebiete des deutschsprachigen Raums an­gebaut. Mit 11,5 Prozent der Gesamtrebfläche spielt sie eine besonders große Rolle in Deutschland (Platz Drei in der Weltrangordnung h ­ inter Frank­ reich und den Vereinigten Staaten), aber auch in Österreich, der deutsch­sprachigen Schweiz und Südtirol ist sie eine sehr wichtige Speziali­ tät im oberen Marktsegment, weitaus bedeu­ tender, als die allgemeine Statistik vermuten lässt – und das, weil eben der Spätburgunder auch die Spitzen-­Pinot-­Noirs der Bourgogne hervorbringt (Stichwort Romanée-­Conti Grand Cru mit vierstelligem Flaschenpreis), deren

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­ imbus kaum glorreicher sein könnte, obgleich N die Sorte laut Genanalyse eine Zufalls­kreuzung zwischen dem bescheidenen Pinot Meunier/ Schwarz­ r iesling und dem meist verpönten ­Traminer ist. Jahrzehntelang – zwischen 1960 und 1990 – war es um den Spätburgunder ganz anders bestellt: ein dunkles Zeitalter für diesen Wein  – die Konsu­menten zeigten kein Interesse, die Erzeu­ ger taten sich mit kurzsichtiger Rationalisie­ rung in Weinberg und Keller schmählich hervor. Damals waren diese Rotweine tendenziell sehr hell­farbig, dünn und kalt, also säuerlich oder gar süß-­sauer. Erst im Lauf der achtziger Jahre begann eine Gruppe von ehrgeizigen ­Winzern, ernsthaft zu experimentieren, um Spätburgun­ der zu erzeugen, die mit den besten aus dem Burgund mithalten sollten. Die wichtigsten Schritte dabei waren eine drastische Ertrags­

Diese Verkostung war tatsächlich groß und das in mehrerer Hinsicht. Horizontale Verkostungen der besten Spät­burgunder aus dem deutschen Sprachraum, auch Blauburgunder, Pinot Nero und Pinot Noir genannt, hat es schon reichlich gegeben. Das­selbe gilt für vertikale Verkostungen. Doch eine Vergleichsverkostung wie die vom 14. Juni 2011 auf dem Weingut Fürst in Bürgstadt/Franken, mit mehreren Jahrgängen der gleichen Spitzenweine aus Deutschland, Österreich, Italien (Süd­tirol) und der Schweiz, horizontal und vertikal zugleich, das gab es noch nie. Das war k ­ eine l­eichte, aber eine ungemein s ­ pannende Auf­gabe sowohl für die anwesenden W ­ inzer als auch für mich als Berichterstatter: Endlich eine Gelegenheit, Schlüsse zu ziehen, statt nur nach dem besten Wein e ­ ines Jahrgangs oder dem besten Jahrgang eines ­Erzeugers zu suchen.

reduzierung (zur richtigen Zeit, sonst geht der Schuss nach ­hinten los!), der optimale Lesezeit­ punkt (um ­Frische und Frucht zu bewahren), eine Maischegärung ohne Erhitzung (oft wird am Anfang sogar stark gekühlt) und eine l­ange, ruhige Reifezeit im Barriquefass (aber nicht zuviel Geschmack davon im fertigen Wein). Paul Fürst gehörte zu dieser Gruppe der ­Pioniere. Wie manche seiner Kollegen hat er seit seinem ersten Volltreffer-Jahrgang 1990 viel vom Burgund und von Pinot-Noir-Erzeugern in anderen Ländern gelernt. Er und ­seine Mit­ streiter wollen nicht kopieren, sondern ihre ganz eigenen Wege gehen. Das passt zur französi­ schen Grundtheorie, Pinot Noir könne ­besser als jede andere blaue Traubensorte das Terroir, also die Besonderheiten der Herkunft, im Glas zum Ausdruck bringen. Wenn das stimmt, dann ist ein Spätburgunder, der wie ein Pinot Noir


Stuart Pigott bei konzentrierter Arbeit: »Endlich eine Gelegenheit, Schlüsse zu ziehen.«

aus Burgund schmeckt, ein bloßer Blender. Er muss vielmehr, laut Theorie, seinen ganz eige­ nen Geschmack haben. Zu den Fragen, die diese Verkostung beantwor­ ten sollte, gehörte natürlich, ob es solch einen Terroir-Geschmack beim Spätburgunder gibt: Lassen sich Burgenland, Südtirol oder Rhein­ gau blind erschmecken? Noch fundamentaler war die Frage, ob jeder Erzeuger eine eigene ­Stilistik entwickelt hat, die über die Jahre zuver­ lässig zum Tragen kommt, oder ob dies alles noch im Fluss ist. Und natürlich hing ­während der gesamten Verkostung auch die unausge­ sprochene Frage in der Luft – davon gibt es viel im neuen Verkostungsraum des Weinguts Fürst! –, wie die Weine den Vergleich mit der Konkurrenz aus dem Burgund bestünden. Die ließ sich nur bedingt beantworten, weil FINE nicht darauf aus war, die Siegerweine

des ­neuen Jahrgangs zu küren. Der exzellente Spätburgunder-Jahrgang 2005 war der erste aus einem glanzvollen Trio mit 2007 und 2009. Wenn wir in ein paar Jahren eine Vergleichs­ probe zwischen den deutschen und burgun­ dischen G ­ ewächsen dieser drei Jahrgänge veranstalten können, werden wir diese Frage vollständig beantworten. Es lässt sich aber auf alle ­Fälle sagen, dass die besten deutschspra­ chigen Erzeuger mit dem 2005er ihren burgun­ dischen Kollegen auf Augenhöhe begegnen. Viele Verkoster konnten sofort ­ b estimmte Terroir-Richtungen erschmecken. Mit ihren Schwarze-­Johannisbeer- und Veilchen­noten etwa sind die Assmannshäuser ­Gewächse leicht zu erkennen. Ähnlich war es mit den ­Weinen von der Ahr dank ihrer oft aus­ g eprägten Kräuter­aromen und ihrer eher schlanken Art. Kalk­böden wie im badischen Markgräflerland

oder in ­manchen Ecken der Pfalz führen hin­ gegen tendenziell zu vollen, runden Weinen mit betont herben Tanninen. Wenn die Lagen­ unterschiede in der Bourgogne noch deut­licher auffallen, darf man nicht vergessen, dass die Appellation-­Contrôlée-Gesetze manche der alten burgundischen Anbaumethoden, wie die Pflanz­dichte zur Zeit der Bewirtschaftung mit Pferden, »eingefroren« haben. H ­ inzu kommt, dass zwar auch Burgund während der 1970er und frühen 1980er Jahre schwierige Zeiten durchmachte, aber ­keinen vollständigen Bruch in der Rotwein-­Tradition erlebte, wie dies in den deutsch­sprachigen Weinbaugebieten der Fall war. Aber genau d ­ ieser Bruch ist der Grund, warum das, was wir am 14. Juni zu schmecken bekamen, eine so großartige Leistung ist. Das haben alle diese Winzer allein und aus dem Stand geschafft!

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Die Winzer- & Weinpersönlichkeiten

Fritz Becker Jr. vom Weingut Friedrich Becker in Schweigen/Pfalz ­hatte ein zugleich fantas­ tisches und schwieriges Erbe anzutreten, weil ­seinem Vater Fritz Becker Sr. über zwanzig ­Jahre hinweg eine w ­ ahre Pfälzer Rotwein-Revo­ lution gelungen ist. Fleischig und gerbstoff­ betont sind die Beckerschen Spätburgunder. Die Großen Gewächse Kammerberg und Sankt Paul sowie die sehr limitierten Spätburgunder »Res.« und der Pinot-Noir-Tafelwein brauchen einige Jahre auf der F ­ lasche, um ganz aufzuge­ hen. Dank der Arbeit des Juniors in den l­etzten Jahren sind die Tannine noch einen Stich feiner geworden.

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Ralf Bengel von der Domäne Assmanns­hausen (Hessische Staatsweingüter) im Rheingau hat seit der Jahrtausendwende dieses deut­ sche Rotwein-Kulturdenkmal wieder zur ­Spitze geführt. Die Spätburgunder aus der Steil­lage Höllenberg mit ihren Phyllitschieferböden ­duften oft nach schwarzen Johannisbeeren und Veilchen. Auch bei hohen Alkohol­werten wir­ ken sie erstaunlich schlank und lebendig. Mauer­ wein heißt die Spitzenabfüllung aus dieser Lage, weil sie von den Stöcken entlang der mächtigen Terrassen­mauern stammt.

Willi Bründlmayer vom Weingut Bründ­lmayer in Langenlois/Kamptal, als einziger Winzer an der Teilnahme verhindert, erbte eine ­ganze ­Menge Weinberge mit blauen Traubensorten von seinem Vater, der Willis Mutter zuliebe den Rotwein im Betrieb eingeführt hatte. Show und Superlative sind nicht seine Sache, er arbeitet ganz systematisch im stillen Kämmerlein an der Perfektionierung seiner Weine. Darunter ist auch der Blauburgunder Cecile, immer mit strahlenden Aromen und einer frischen, leben­ digen Art trotz Konzentration und hoher Reife.


Martin Foradori vom Weingut J. Hofstätter in Tramin/Südtirol ist für seinen trockenen Kolben­hof Gewürztraminer genauso bekannt wie für seinen Barthenau Pinot Nero. Der viel­ seitige Winzer, der Witz mit fundiertem Wissen verbindet, ist dank der besonderen klimatischen Situation Südtirols mit anderen kellerwirtschaft­ lichen Problemen konfrontiert als seine K ­ ollegen aus dem Norden. Er schafft es regelmäßig, in seinen Rotweinen eine gewisse Üppigkeit mit Eleganz zu verbinden.

Schauplatz der aufschlussreichen Probe: Der neue Verkostungspavillon des Weinguts Rudolf Fürst in Bürgstadt/Franken.

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© StockFood.com / Cephas, Mick Rock


Annäherung an einen Mythos

Henri Jayer: So einfach, so gut Text: Stephan Reinhardt

Auch fünf Jahre nach seinem Tod lebt die Legende Henri Jayer aus Vosne-Romanée w ­ eiter fort, nicht nur an der Côte d’Or in Burgund, sondern auch in den Herzen und den ­Weinen vieler anderer Pinot-Noir-Erzeuger. Fine Das Weinmagazin lud zu einer Probe von zweiundzwanzig Rotweinen des großen Weinmachers aus den Jahren 1976 bis 1996.

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ersönlich habe ich Henri Jayer, eine der bedeutendsten Winzerpersönlichkeiten Burgunds in der zweiten Hälfte des 20. Jahr­hunderts, nicht gekannt. Er ging 1988 in Rente, als ich mich für Wein zu interessieren begann, und er starb 2006, als ich auf einer Recherche für Stuart Pigotts Buch »Wein spricht deutsch« durchs Burgenland und nicht durch Burgund reiste. Ich bin kein Experte für Burgunder, aber die ­Weine der Côte d’Or faszinieren mich wie kaum ein anderer Wein sonst. Auch Jayer ist daran schuld. Obgleich ich doch bis zur großen Fine-Probe nur drei ­Weine von ihm – zwei Echézeaux und einen Cros Parantoux – getrunken hatte. Aber ich habe über J­ ayer gelesen, Freunde, Kollegen und ­Winzer von ihm und seinen Weinen schwärmen hören, wenn es um wegweisende Burgunder ging. Sein Stern ­leuchtet also noch immer. Richtig auseinandergesetzt allerdings hatte ich mich mit H ­ enri J­ ayer bislang nie, auch nicht mit seinen ­Weinen, an die zu kommen nicht nur sehr schwierig, s­ ondern auch empfindlich ­teuer ist. Einige hundert Euro muss man in jedem Fall berappen, für die großen Crus sogar weit über tausend. Die Einladung, für Fine eine große JayerProbe kommentieren zu dürfen, konnte ich nicht ausschlagen. Denn ob sich mir eine solche Gelegenheit im Leben noch einmal böte, ist zumindest ungewiss. J­ ayers Weine sind längst Geschichte. Wer ihrer aber habhaft wird, sollte darum in die Historie eintauchen, denn ohne Analytik denkt

es sich dümmer – oder anders: man verschenkt Dimensionen des G ­ enusses, wenn man sich J­ ayers Weinen nur als Hedonist nähert. ICE Hannover-Karlsruhe, 20. Juni. Ich will ausgeruht und vorbereitet in die für vier Uhr nachmittags angesetzte Probe in Sackmanns Schlossberg-Restaurant in Baiersbronn-Schwarzen­berg gehen, und so nehme ich morgens um halb zehn im Zug Platz. In meine iPad-Bibliothek habe ich geladen, was ich an Literatur zu Jayer finden konnte: Remington Norman, Clive Coates, Jacky Rigaux. Ich lese, dass der vor fünf Jahren vierundachtzigjährig verstorbene Winzer als Legende der Côte d’Or bezeichnet wird, als Guru und Pate einer neuen, jungen Winzergeneration, und dass er jener Mann war, ohne den sich das heutige Burgund nicht denken lässt (Coates, 1997), denn, so jetzt Norman (1996): »Wenn es einen Mann gibt, der auf die Einstellung und das Sachkönnen der jungen Winzergeneration großen Einfluss ausübt, dann Henri Jayer.« Der habe es verstanden, aus Weintrauben mit einfachsten Mitteln wahre »Wunder« zu »zaubern« – vom »vorbildlichen« Bourgogne rouge bis hin zum »prachtvollen« Cros Parantoux und zum »gebieterischen« Echézeaux. Inzwischen, fünfzehn Jahre nach diesen Einschätzungen, sind es mehrere Winzergenera­ tionen, die sich auf Henri Jayer berufen, die sich ihn und seine während fünfundvierzig und mehr ­Jahren erzeugten Weine zumindest zum Vorbild

nehmen. Und diese Winzer füllen ihre ­Weine auch längst nicht mehr nur an der Côte d’Or ab. Sondern, um nur einige Beispiele zu nennen, auch in Kallstadt (Bernd Philippi, der gerade sechzig Jahre alt geworden ist), in Dernau an der Ahr (Werner Näkel, der übernächstes Jahr sechzig wird), im churfränkischen Bürgstadt (Paul Fürst, der irgendwann sicher auch mal sechzig wird), ja sogar am Douro in Portugal (Dirk Niepoort, der noch lange keine fünfzig ist) und nun auch in Deides­heim, wo sich der vierzigjährige Stephan Attmann vom Weingut von Winning ebenso auf Jayer bezieht wie das noch jüngere Duo Enderle & Moll im badischen Münchweier, das mit einfachsten Mitteln, aber alten Reben und viel Fleiß und Mut kraftvolle, fleischige und markante Pinots wie aus einer vergangenen Zeit erzeugt.

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enri Jayer kam 1922 als jüngster von drei Brüdern zur Welt. Zwar besaß die F ­ amilie etwa drei Hektar Weinberge, unter anderem in Echézeaux und Vosne-Romanée, aber der Vater, Eugène ­Jayer, war eigentlich kein ­Vigneron. ­Henris Bruder Georges war Förster, Lucien, der andere Bruder, kümmerte sich um die Familien­ wein­gärten. 1942 bot Etienne Camuzet, der Gründungsvater der heutigen Domaine Méo-­ Camuzet, dem zwanzigjährigen Henri an, einen großen Teil s­ einer Reben auf Métayage-Basis zu ­pflegen. Ein Zufall. Jayer willigte ein. Nun konnte F I N E 

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V Der

errückte,

der die Welt für spanischen Wein begeistert

Wie Alejandro Fernández zum Rey del Tempranillo wurde Text: RAINER SCHÄFER Fotos: JOHANNES GRAU

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Selbstgewiss und immer optimistisch: ­Alejandro Fernández im Keller von Dehesa La Granja.

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Wo alles begann: In der Ribera del Duero, beim Dörfchen Pesquera, gründete Fernández sein erstes Weingut. Es trägt den Namen des Dorfes.

El Loco wird er genannt, der Verrückte, und auch wenn er schon neunundsiebzig ­Jahre alt ist und kaum mehr als einhundertsechzig Zenti­ meter misst, muss man auf der Hut vor ihm sein. Entschlossen drückt er zur Be­grüßung die Hand und grinst verschmitzt. Bereit, jeden zu ver­ albern mit seinen Späßen. A ­ lejandro ­Fernández ist eine der beeindruckendsten Persönlich­ keiten in der spanischen Weinszene. El Loco ist nur eine Seite von ihm: Fernández wird auch als Rey del Tempranillo verehrt, als König des Tempranillo. Seinen Geburtsort ­Pesquera, ein unbekanntes Dörfchen in Kastilien am Ufer des Flusses Duero, hat er auf den Land­karten der Wein-Aficionados verewigt. Er ist Herr über den Grupo ­Pesquera, über vier Weingüter: ­Pesquera, Condado de Haza, Dehesa La Granja und El ­Vínculo, die auf achthundert Hektar bei­ nahe zweieinhalb Millionen Flaschen Wein im Jahr erzeugen. Der Name Fernández steht für ­einige der begehrtesten Weine der Welt.

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Alejandro Fernández hat einen Aufstieg hinge­ legt, als ob er jeden Tag mehrere Sternschnup­ pen gesehen und ihm alle Wünsche erfüllt ­worden wären. Er hat sich als Selfmademan einen Galaplatz in der iberischen Weinaristokra­ tie erobert. Viele bewundern ihn dafür, manche neiden ihm den Erfolg. Überall werden ­kuriose Geschichten von ihm erzählt. Um Konventio­ nen hat er sich selten geschert. Seine M ­ einung sagt er auch denen, die sie nicht hören wol­ len. Im katholisch-konservativen Spanien hat er ­Skandale ausgelöst, als er im Fernsehen über die Potenz fördernde Wirkung seiner Weine schwadronierte. Fernández kann ein Kauz sein. Es kommt vor, dass er seine Glatze mit seinem berühmten T ­ into Pesquera einreibt. Der, so behauptet ­Fernández, besser gegen Sonnenbrand ­schütze als jede Sonnencreme. Bei einer Verkostung in ­London, wo es am Tisch stocksteif und e ­ tepetete zuging,

fing er einfach an zu singen. Zur Melodie von Quantanamera: Tinto Pesquera, wir wollen ­Tinto Pesquera. Zunächst wurden in der erlese­ nen Gesellschaft Nasen gerümpft, irgendwann haben fast alle mitgesungen. Fernández, der nur spanisch und mit den Händen spricht, hatte die Weißkragen eingewickelt mit seinem rustika­ len Charme. Bei aller Exzentrik, die Fernández sich ­leistet, ist er ein einfacher Mann vom Land ­geblieben. Er hat immer härter und länger gearbeitet als andere. Das zeigt auch sein zerfurchtes Gesicht, in dem neben Lachfalten auch Entbehrungen ihre Spuren hinterlassen haben. Gegen Wider­ stände ankämpfen, sich durchboxen: Das ist ihm zur Gewohnheit geworden. Er stammt aus ärm­ lichen Verhältnissen. Schul­bildung hat er kaum genossen, mit dreizehn musste er schon arbei­ ten wie ein Erwachsener. »Ich musste mein eige­ nes Brot verdienen, wenn ich nicht ­hungern

wollte«, sagt er. Als Tagelöhner schuftete er in der Landwirtschaft, die Erde ­pflügte er noch mit Eseln. Der einzige Beruf, den er jemals erlernte, war der des Zimmermanns. Nichts deutete dar­ auf hin, dass dieser Campesino, d ­ ieser besitzlose Landarbeiter, zu den größten und erfolgreichs­ ten Weingutsbesitzern Spaniens aufsteigen würde. Aber Fernández verfügt über reichlich Intuition, er trifft immer ­wieder die richtigen Entscheidungen, auch wenn es zunächst nicht danach aussieht. Er wusste, dass die Bauern in der Franco-Diktatur mit primitiven Maschinen schuften mussten. Die Landwirtschaft ­musste dringend modernisiert ­werden. Nach Feier­ abend konstruierte er die erste mechanische Zuckerrüben-Erntemaschine, für die er noch immer das Patent hält. Er tüftelte mehrere Jahre, bis sie so funktionierte, wie er sich das vorstellte. Mit dem Verkauf von Landmaschinen ­wollte Fernández zu Geld kommen, um sich s ­ einen

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Mit Aromen spielt man nicht Hennessy, grösster Cognac-Produzent der Welt, besinnt sich mit der Cuvée ­Paradis Impérial auf seine alten Verbindungen zum Zarenhof. Die kaiserlich paradiesischen F ­ laschen enthalten grossen Stoff aus dem 19. Jahrhundert. Text: Michael Freitag Fotos: Christof Herdt

Guter Cognac ist alter Cognac, sehr guter Cognac ist noch älter. So will es eine Faustregel der C ­ onnaisseure. Aber wie das mit Faustregeln so ist – Renaud de Gironde kann immerhin darüber lächeln. Er ist einer von sieben Mitgliedern von Hennessys Comité de Dégustation. Diese Glorreichen Sieben entscheiden über die Zusammensetzung jeder Cuvée und die Qualität jeder Partie, die in den Verkauf kommt. »Wenn wir nur besonders alten Cognac verkaufen wollten, wäre das ganz einfach: Man nehme ein Fass mit Eau-de-vie, lasse es einige Jahrzehnte liegen und ziehe den Inhalt irgendwann auf Flaschen, voilá. Aber glauben Sie ja nicht, dass das besonders guten Cognac ergäbe«, sagt de Gironde.

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ber ist Hennessy nicht ganz besonders stolz auf sein riesiges Lager mit alten und uralten Eau-de-vies (individuellen Bränden von ­Winzern, die ihre Erzeugnisse en gros an ­Hennessy verkauft haben), die bis ins Jahr 1830, zu einem ­kleinen Teil sogar noch weiter zurückreichen? »Jaaa – aber. Wir brauchen die alten Brände, aber auch die jüngeren Jahrgänge. Auswahl und Vielfalt, darauf kommt es uns an. Nur so können wir einen Cognac wie den Paradis

Impérial erzeugen.« Für den, fügt de G ­ ironde hinzu, seien mehr als hundert verschiedene Eau-de-vies notwendig: »Erst im Zusammen­ spiel dieser Aromen entsteht das, worauf es uns ankommt: Eleganz«. Eine hervorragende Cuvée Paradis gibt es schon länger, die kaiserliche Version Paradis I­ mpérial überbietet sie. Dieser Cognac soll an den e­ rsten Auftrag erinnern, den das Haus Hennessy vom Zarenhof in Sankt Petersburg erhielt. Kurz

vor Weihnachten 1818 ließ die Zarenwitwe Maria Fjodorovna geborene Prinzessin Sophie ­Dorothee von Württemberg ihren französischen Majordomus Monsieur Benois »Cognac der feinsten Qualität« bei Hennessy ordern. Maria Fjodorovna wollte den Cognac als Geburtstagsgeschenk für ihren Sohn, Zar Alexander I. Benois machte in der Order deutlich, dass er eine »einzigartige« Cuvée erwartete, exklusiv für den Hof in Sankt Petersburg komponiert.

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Reiner Wein

»Nicht geeignet zum Trocknen

von Haustieren«

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Unsere Kolumnistin Anne Zielke hat ihren Zeigefinger frisch manikürt, um ihn warnend zu erheben.

eukophobie nennt man die Angst vor der Farbe Weiß. Ein Leuko­phobiker erschrickt zum Beispiel, wenn man ihm ein Vanilleeis mit Sahne hinstellt. Oder ihn vor ein weißes, leeres Blatt Papier setzt (das funktioniert übrigens auch sehr gut bei Schriftstellern). Ich weiß zwar nicht, wie hoch die Dunkelziffer der Leukophobiker ist, aber ich kann mir vorstellen, dass sich die große Zahl der Rotweintrinker in Deutschland darauf zurückführen lässt. Warum? Sie haben Angst vor Weißwein. Zu Recht. Haben Sie schon mal ein Glas Weißwein auf einer ­Vernissage getrunken? Oder an einem Messestand? Oder auf einem fünfzigsten Firmen­jubiläum? Eigentlich nimmt man der Hostess das Glas nur ab, damit Ruhe ist. Denn der klassische Vernissage-Messe-JubiläumsWeißwein schmeckt meistens so, dass man das Weintrinken gleich ganz aufgeben will: zu schlecht, zu sauer. Schon der Anblick führt zu Sod­ brennen, im besten Fall. Es hat also durchaus seinen Sinn, wenn man, wie in Amerika üblich, seinen Alkohol in der Öffentlichkeit in braunen Papiertüten verbergen muss. Dann bekommt man vielleicht seine Pawlowschen Reflexe besser in den Griff. Was fehlt, ist noch eine Warnung. Ich halte viel von Warnungen. Neben der Badewanne meiner Eltern hing lange Zeit ein amerikanischer Aufkleber, der mir schon mehr als einmal das Leben gerettet hat, wenn ich beim Einseifen Lust auf einen Kopfsprung bekam: »Do not jump! Do not dive! Watch all kids!« Ganz zu schweigen von all den Haustieren, die nur dank des berühmten Aufklebers überlebt haben, der angeblich zur Grundausstattung amerikanischer Mikrowellengeräte gehört: »Nicht geeignet

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zum Trocknen von Haustieren«. Die Amerikaner sind, was das Warnen und Alarmieren angeht, viel weiter als wir. Man müsste auch mal vor dem Leben an sich warnen. Dass es mit dem Tod endet, wird immer unterschätzt. Immerhin wird jetzt wenigstens auf Zigarettenschachteln mit noch deutlicheren Bildern gedroht, die zeigen, was das Rauchen alles anrichten kann. Es ist zum Teil so drastisch, was man da sehen kann, dass es gut neben der Eingeweide- und Blut-Kunst der Wiener Aktionisten bestehen, also auch in jede Galerie passen würde. Wie sehr würde ich mir mehr warnende Eindringlichkeit auch bei ­Weinen wünschen. Hier herrscht Nachholbedarf, hier müssen mehr Informationen her über die Konsequenzen des Weintrinkens. Wir brauchen eine Kommission, eine Art Wein-FSK, die Weinetiketten endlich mit Warnungen oder wenigstens Empfehlungen bedruckt. Das sieht auch auf b ­ raunen Papiertüten gut aus. Man könnte ein großformatiges Bild darauf z ­ eigen von jemandem, dem nach einer Vernissage/Messe/Firmenparty/Weihnachtsfeier so richtig übel ist. Und bei Weinen, die wirklich gut sind, wäre eine Warnung ebenfalls günstig. »Do not drink! Do not buy! Watch all men!« müsste darauf stehen, falls der Kauf einer Flasche in die Nähe einer Privat­ insolvenz führte. Das ist, haben eigene Recherchen ergeben, schnell der Fall bei Männern über fünfunddreißig. Wenn sie auf einmal nach v ­ ielen Jahren des Biertrinkens entdecken, dass sie im tiefsten Innern schon immer Weinsammler waren. Ich habe mir extra meinen Zeige­finger manikürt, um zu warnen: Denn so ein Weinsammler-Coming-Out kann sehr, sehr teuer werden. >


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Fine Das Weinmagazin 3|2011-Leseprobe  

Fine Das Weinmagazin ist in der Welt der großen Weine zu Hause: Verlockende Geschichten, spannende Reportagen, Begegnungen mit den wichtigen...

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