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Wei nmaga zi n

Jürgen Dollase im Landhaus Bacher

Frauen im Wein: Jancis Robinson

Bourgogne 2009 – zweiter Teil

Champagner vom Meeresgrund

Weinlegenden: Schloss Eltz

Weingut Graf Adelmann

Gerstensaft für Gourmets

Château L’Église- Clinet

Entdeckt: Älteste Weinlagenkarte der Welt

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1/2011

Seite 34 Château L‘Eglise-Clinet

Seite 58 Wein und Zeit: Scharzhofberg

Seite 64 Bourgogne – zweiter Teil

Seite 90 Jancis Robinson

Seite 120 Champagner vom Meeresgrund

Seite 132 Weingut Graf Adelmann


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I n h a lt Seite 52 Karl Graf zu Eltz

Seite 100 Weinaromen

Seite 16 Spätburgunder aus dem Ahrtal

Seite 46 Älteste Weinlagen-Karte der Welt

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Fine Editorial

Thomas Schröder

14

Fine Degustation

Die Fine-Kriterien

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Fine Ahr

Der Spätburgunder von der Ahr

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Fine Bordeaux

Château L‘Eglise-Clinet

46

Fine Weindokument

Die älteste Weinlagen-Klassifikationskarte der Welt

52

Fine Weinlegenden

Karl Graf von und zu Eltz

58

Fine Wein und Zeit

Altscharzer Riesling

64

Fine Bourgogne

Das köstliche Chaos der Bourgogne

74

Fine Wein & Speisen

Jürgen Dollase im Landhaus Bacher

84

Fine Das Große Dutzend

Château de Beaucastel

90

Fine Frauen im Wein

Jancis Robinson

96

Fine Die Pigott Kolumne

Das populäre Objekt meiner Begierde

100

Fine Gourmandise

Wein, Aromen und drei Sterne

112

Fine Gourmet-Bier

Edle Biere – Konkurrenten feiner Weine?

120

Fine Weinraritäten

Das Geheimnis des Champagners vom Meeresgrund

128

Fine Reiner Wein

Anne Zielke: Röntgenblick auf Geber und Gastgeber

132

Fine Württemberg

Michael Graf Adelmann und seine Württemberger Weine

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Fine Abgang

Ralf Frenzel

Seite 112 Bier für Gourmets

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Weinlandschaft wie aus dem Bilderbuch: Terrassenlagen bei Mayschoß

botschafter deutscher weinkultur:

der spätburgunder

von der ahr Text: Till Ehrlich Fotos: Alex Habermehl und Johannes Grau

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under gibt es immer wieder. Jahrzehntelang

genauer: im kleinen Tal der Ahr, schlummerte ein Schatz,

funkelten in der Krone des deutschen Weins

den es nur zu heben galt. Dort findet der Spätburgunder ein

nur die ­weißen Diamanten, während die

­kühleres Klima vor, und das Gestein im Weinberg ist dunkler.

roten, von deren Glanz überstrahlt, mehr oder weniger ein

Dieser verwitterte Schiefer begünstigt die Wärme­speicherung,

Schatten­dasein führten. Mit der Apotheose der französi-

weshalb in den nach Süden ausgerichteten Steillagen der Spät-

schen Rot­weine hatte Rotwein, der etwas galt, aus Frank-

burgunder spezifische Qualitäten ausbildet und zu einem Rot-

reich zu k­ ommen, aus Burgund. Der Côte d’Or, dem ultima-

wein mit besonderer Eigenart ausgebaut werden kann.

tiven ­Symbol kultivierten Weingenusses, lag die Weinwelt zu

Dies zu prüfen, versammelte Fine Das Weinmagazin im

Füßen. Dieses Bild, an dem auch die Medien fleißig mitgemalt

November des vergangenen Jahres eine kleine Schar von

hatten, stimmt schon lange nicht mehr. Denn in Deutschland,

Weinexperten zu einer sensationellen Spätburgunder-Probe.

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Werner Näkel vom ­Weingut Meyer-Näkel mit seinem ­1997-er Dernauer Pfarrwingert ­Spätburgunder »S« trocken

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er erste Advent war ein ungemütlicher, g­ rauer Sonntag, an dem es selbst mittags nicht ­richtig hell werden wollte. Am Abend, als der erste Schnee dieses Winters die Wein­berge im Ahrtal bedeckte, hatte Hans-Stefan Stein­ heuer in sein Restaurant Zur Alten Post nach Heppingen eingeladen. Zehn Jahrgänge Spätburgunder – von 1997 bis 2009 – sollten verkostet werden. Die insgesamt fünfzig Weine stammten von den sechs führenden Wein­gütern der Ahr, deren ­Winzer anwesend waren. Gekommen waren ­Werner Näkel vom Weingut Meyer-Näkel, ­Gerhard ­Stodden vom Weingut Jean ­Stodden, Marc ­Adeneuer vom Weingut J. J. Adeneuer, ­Ludwig Kreuzberg vom Weingut H. J. Kreuzberg, ­Philip Nelles vom Weingut Nelles und Hans-Jörg Lüchau vom Weingut Deutzerhof CossmannHehle. Aber auch Winzer aus anderen deutschsprachigen Rotweinregionen, ­Pioniere des Spätburgunders, die Grenzen überschritten und ihm zu überregionaler Bedeutung verholfen haben, waren angereist, um Zeugen dieser exzeptionellen Verkostung zu sein. Aus Franken war Paul Fürst vom Weingut Rudolf Fürst gekommen, aus Baden


der Kaiserstühler Joachim Heger vom Weingut Dr. Heger und aus der Schweiz das Winzer­ehe­ paar Martha und Daniel Gantenbein, das in Grau­ bünden mit Pinot Noir Maßstäbe setzt. »Wir wollen den Spätburgunder als Gesicht und Identität der Ahr zeigen«, sagte gleich zu Beginn der Winzer Marc Adeneuer. Die Geschichte des Weinbaus und des Spätburgunders im Ahrtal ist lang und von Auf und Ab, von ­Blüte, K ­ rise und Neubeginn, gezeichnet. Eine frucht­bare Kontinuität: Auch im Weinbau gibt es k­ eine Größe ohne die bittere Erfahrung des Scheiterns. Die Anfänge des Weinbaus im Ahrtal liegen im D ­ unkeln. Ob es die Römer oder im 3. Jahr­hundert die Franken waren, die die ­ersten Weinberge anlegten und Reben kultivierten, konnte bislang archäologisch nicht eindeutig geklärt werden. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das 8. Jahrhundert. Klöster von Mönchsorden wie den Benediktinern formten im Mittelalter den Weinbau an der Ahr. Der Drang der Klöster und ­Bistümer zum Wein ist nicht nur auf einen liturgischen Bedarf zurück­zu­führen. Die Kirche entwickelte den Weinbau auch zu einem

für sie bedeutsamen wirtschaftlichen Zweig. Entscheidend war dabei, dass er nicht als Raubbau an Natur und Landschaft aufgefasst wurde, da man die Fruchtbarkeit von Weinberg und Boden als Teil der göttlichen Schöpfung verstand, die es zu bewahren und zu pflegen galt. Hier liegt die ­Wurzel dessen, was heute als Nachhaltigkeit bezeichnet wird und den abendländischen Weinbau in seinem Wesen geprägt hat, noch immer ­seine agrikulturelle Identität ausmacht und ihn so von der Agrarindustrie unterscheidet. Die vom Weinbau geschaffene Kulturlandschaft des Ahrtals lässt sich in ihrem Kern auf ­dieses christlich geprägte Mittelalter zurückführen. Erst nach der ersten Jahrtausend­wende gelangten einzelne Weinberge auch in weltlichen Besitz. Damals wuchsen überwiegend w ­ eiße ­Sorten im Ahrtal, doch im späten Mittelalter wurde das Potential des Gebietes für rote Weine erkannt und genutzt: Seit dem 13. Jahrhundert wurden an der Ahr vor allem rote Rebsorten kultiviert. Der nächste entscheidende Schritt erfolgte in der Neuzeit, als nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges Mitte des 17. Jahrhunderts der

Weinbau im Ahrtal wiederbelebt wurde. Damals pflanzte man Spätburgunder in die verwitterten Schieferböden der Terrassen und Steillagen und legte somit das Fundament für die lange Geschichte dieser edlen Rebe im Ahrtal.

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eit dem 18. und 19. Jahrhundert mussten sich die Ahrweine verstärkt gegenüber französischen Importweinen behaupten. Das 20. Jahrhundert brachte für den Weinbau im Ahrtal gegensätzliche Entwicklungen. Bis in die 1950-er Jahre stand das Gebiet im Schatten der Mosel, Ahr­ weine waren außerhalb der Region wenig bekannt. Der Spätburgunder wurde an der Ahr seit eh und je in der traditionellen Maischegärung hergestellt, durchgegoren, trocken ausgebaut und so als »natur« verkauft. In den sechziger ­Jahren kam dann der Tourismus ins Ahrtal. Zur selben Zeit konnten die Winzer mit Hilfe modernen Keller­technik restsüße Weine herstellen, die den Geschmack der Touristen bedienten. Die Ansprüche an den Wein waren aus heutiger Sicht bescheiden, es war die Zeit des Wirtschaftswunders, des

Rebhang über Bad Neuenahr

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Château

L’Eglise-Clinet

Spektakulär ist allerdings der Wein: Bescheiden liegt das Gutsgebäude von Château L’Eglise-Clinet in einer unspektakulären Weinlandschaft.

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Ein bekannter Unbekannter

in Pomerol

Nicht nur ist dieses Stück Land bemerkenswert flach – was

Fleck bedecken außer dem Friedhof nebenan. Beim Anblick

die Einheimischen hier einen Hügel nennen, ist eine sanft

­dieser langweiligen Landschaft denke ich nicht an edle und t­ eure

an­steigende Erhebung von wenigen Metern –, man sieht auch

Rotweine, sondern an die Bemerkung von Jancis ­Robinson:

keinerlei Berge in der ­Ferne. Bedeutende Bauten sucht man

»Weinberge sind so langweilig wie Kartoffelfelder.« Und doch

ebenfalls vergeblich, abgesehen von einer gotischen Kirche

wächst neben dem Friedhof der Kirche St. Jean de Pomerol ein

mit spitzem Turm unweit des Punktes, an dem wir stehen. Die

Rotwein, der nicht nur oft großartig schmeckt, sondern auch

­wenigen steinernen Bauern­häuser zwischen den Weinbergen

bemerkenswert eigenständig ist; ein Unikat, das der gegen­

wirken bescheiden oder gar hässlich. Wenn die Sonne nicht

wärtigen Mode standardisierter Luxusweine in Bordeaux trotzt.

scheint, ist es hier ziemlich trist, trotz der Rebzeilen, die jeden

Wir stehen in den Wein-»Bergen« von Château L’Eglise-Clinet.

Text: Stuart Pigott Fotos: Johannes Grau

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Wie der Kirchturm von Pomerol in das wolken­ lose Blau über dem flachen Rebland, so ragt der Rang der außerordentlichen Gewächse von Denis Durantous Château L’Eglise-Clinet in den Weinhimmel dieser begnadeten Weinregion.

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omerol ist ein seltsames Weinbaugebiet. Die acht Quadratkilometer große Anbau­fläche in der Ebene verteilt sich auf knapp zweihundert Winzer, was einem durchschnittlichen Weinbergbesitz von gerade etwas mehr als vier Hektar entspricht. Damit ist L’Eglise-Clinet mit viereinhalb Hektar Rebfläche in dieser klein­strukturierten Welt des teuren Rotweins eine ganz normale Erscheinung. Der Kontrast zu Château-Pracht und Erzeugungsmengen im Médoc am ­linken Ufer der Gironde ist gewaltig. Das ­ließe sich wohl als ­Quelle handwerklicher Individualität und geschmacklicher Vielfalt feiern, wie die wichtigsten Weinkritiker der Welt es in Burgund und an der Mosel tun. Für Pomerol benutzen die m ­ eisten jedoch Worte wie »unübersichtlich« und »verwirrend«. Und in einem Punkt haben sie dabei Recht. Die Grenze zum Nachbargebiet St. ­Emilion im Osten ist weder optisch auf der Straße noch geschmacklich im Glas zu erkennen. Manche der Gewächse aus dem äußersten ­Westen St. Emilions

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schmecken ziemlich ähnlich wie die besten ­Weine auf der Pomerol-Seite dieser Grenze. Dennoch: Pomerol und L’Eglise-Clinet sind erfolgreich. Das beruht vor allem darauf, dass die einflussreichen amerikanischen Weinkritiker und ­viele der wohlhabenden Weinkonsumenten rund um Planet Wein, die auf sie hören, begeistert von den hier wachsenden üppigen und geschmeidigen Rotweinen sind. Erst mit dem Aufstieg Robert ­Parkers, der mit seiner Berichterstattung über den Bordeaux-Jahrgang 1982 einsetzte, haben diese Weine eine breite internationale Anerkennung erfahren. Es ist wichtig zu wissen, dass Parkers Wine Advocate damals nicht vorwiegend erfahrene ältere Kenner ansprach, sondern eine neue wohlhabende Konsumentenschicht ­begeisterte. Darunter waren viele junge Menschen, die ihr Geld in Silicon Valley oder anderswo in neuen Branchen machten. Sie wollten einfach wissen, was heute Abend am besten schmecken könnte, Parker erzählte es ihnen, und seine Empfehlungen gefielen ihnen nur allzu oft. »Eigentlich müssten wir ein riesiges Standbild von ihm auf dem Dorfplatz aufstellen, schließlich er hat uns groß gemacht,« sagte mir einmal einer der führenden Winzer des Gebiets. Der eigentliche Witz dabei ist, dass L’Eglise-Clinet trotz der von Parker gezündeten Turbostufe unter den wohlhabenden Weintrinkern der Welt immer noch nicht berühmt ist. Vielleicht hat das einen geschmacklichen Grund: L’Eglise-Clinet passt in keine der üblichen Schubladen für Pomerol-Rotweine, weder in die moderne üppig-süßliche noch in die traditionelle mittelvoll-sanft-herbe. Das macht diesen Wein zum großartigsten bekannten Unbekannten unter den Bordeaux-Rotweinen. Es scheint vielleicht ein wenig absurd, über Probleme in einem Gebiet zu sprechen, in dem Pétrus und Le Pin oft vierstellige Europreise erzielen. L’Eglise-Clinet geht es auch nicht wirklich schlecht – für eine Flasche 2005-er bekommt man nicht viel Rückgeld auf 500 Euro –, aber es gibt neben den großen Fans eine Menge einfluss­ reicher Weinfachleute, die Pomerol nichts richtig


zu gönnen scheinen. Am linken Ufer der Gironde fühlen diese Kenner sich einfach wohler, gerade so, als ob die längere Geschichte des Qualitätsweinbaus für die Richtigkeit der Sache bürge, während am rechten Ufer die traditionsschwächeren ­Weine bestenfalls halbrichtig sein können. Nicht einmal von der Weltkulturerbe-Stadt St. Emilion sind diese Menschen beeindruckt, sie ist ihnen zu touristisch. Nur wenigen Châteaux gelingt es, erhaben über diesem Trubel zu schweben. Pomerol mag römische Wurzeln haben, in punkto Qualitätsweinbau ist es aber ein ­ziemlich junges Pflaster. Von 1660 datiert die erste urkundliche Erwähnung des Bordelaiser Rotweins in seiner heutigen tieffarbigen, gerbstoffbetonten, langlebigen Erscheinung: Haut-Brion aus Pessac/ Graves, also vom linken Ufer, wurde in jenem Jahr im Kellerbuch des königlichen Hofes in London erwähnt, dann drei Jahre später von Samuel Pepys beschrieben. Dagegen ist die erste bedeutende Auszeichnung für einen Rotwein aus P ­ omerol eine Goldmedaille für Château Pétrus auf der ­Pariser Weltausstellung 1878. Warum erscheint kein Pomerol in der berühmten Klassifikation der

Bordeaux-Gewächse von 1855? Damals standen die besten Winzer des Gebiets noch am Anfang eines langsamen Aufstiegs. Manche Q ­ uellen aus dem 18. Jahrhundert sprechen von Pomerol als unbedeutendem Weißwein­gebiet! Erst dank der enormen Anstrengungen von Madame Loubat gelang es Pétrus als erstem Pomerol-Gewächs mit den Jahrgängen 1949 und 1953, En-Primeur-­ Preise ähnlicher Größenordnung wie die P ­ remiers Grands Crus Classés am linken Ufer zu erzielen. Doch selbst dann war Pomerol immer noch ein Insider-Tipp, und auch das nur in ­Brüssel und Paris, nicht in London oder New York.

Es duftete nach braunem Zucker In seinen berühmten, 1920 in London erschienenen »Notes on a Cellar Book« singt George Saintsbury eine lange Lobeshymne auf den Bordeaux-Wein – ohne Pomerol auch nur ein einziges Mal zu erwähnen. Auch in André Simons einflussreichem, 1945 in London veröffentlichten Buch »Vintagewise« ist kein Satz zum Thema Pomerol zu finden. Im fundierten Standardwerk

»The Wines of Bordeaux« von Edmund PenningRowsell aus dem Jahr 1969 gibt es zwar endlich ein kurzes Kapitel zum Thema Pomerol, aber nach der Beschreibung der »reichlichen Konzentration« der besseren Pomerol-Gewächse wird ihr Duft mit »braunem Zucker« verglichen, was nicht g­ erade raffiniert klingt. Auch die Beobachtung, dass sie unter den jungen Bordeaux-Rot­weinen »die unmittelbar ansprechendsten« Gewächse s­ eien, wirkt eher wie unterschwellige Kritik. Der englische Weinkritiker folgt darin dem Trend ­seiner Zeit, outet sich aber als erzkonservatives Mitglied des britischen Wine Establishments. Nach dessen Auffassung können die Pomerol-Rotweine nichts Besonderes sein, weil sie tenden­ziell deutlich weichere Gerbstoffe ­besitzen als die Rotweine des Médoc. Es wird dabei ein meist unausgesprochener Zweifel gehegt, ob sie ­wirklich Jahrzehnte im Keller überleben können. Ein Médoc-Wein, der noch nach zwanzig oder mehr Jahren den Mund pelzig werden lässt und knüppelhart abweisend schmeckt, beeindruckt solche Konsumenten, die sich viel zu selten die wichtige Frage stellen, ob das je wirklich

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So sieht eine Sensation aus: Die definitiv älteste Weinlagen-Klassifikationskarte der Welt von 1867, nach fast hundert­fünfzig Jahren jetzt aus den Tiefen eines Archivs gehoben, zeigt die Rheingau»Weinlagen I. und II. Klasse«.

»Von hoher kulturhistorischer  Bedeutung«

Die älteste Weinlagen-Klassifikationskarte der Welt im Rheingau entdeckt Text: Daniel Deckers Fotos: Guido Bittner

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tto Beck war ein ­Preusse, wie er im Buche steht; und das nicht nur im über­tragenen, ­sondern im eigentlichen Sinn des Wortes. Im Jahr 1868, fast genau fünfzig Jahre nach der Errichtung der Preussischen Rhein­provinz, schickte sich der »königliche Regierungs- und Departementsrath für die Landeskultur und S ­ tatistik zu Trier« an, eine Bilanz der gerade an der Mosel nicht überall mit Begeisterung auf­genommenen königlichprotestantischen Herrschaft aus dem fernen Berlin zu ziehen.

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n drei voluminösen Bänden, deren letzter 1871 erschien, legte Beck eine Bilanz der zahllosen Bemühungen der Obrigkeit vor, um die Lebensgrundlagen der oft in tiefer Armut lebenden Bevölkerung im Regierungsbezirk Trier zu verbessern: Schulwesen, Förderung des Ackerbaus und der Waldwirtschaft, Verkehr und Industrieansiedlung. Das besondere Augenmerk des 1818 in Schwedt an der Oder geborenen Beamten galt indes dem Weinbau, der im Mosel- wie auch im Saartal die Existenzgrundlage zehntausender einfacher Bauern wie einer Handvoll recht wohl­ habender Weingutsbesitzer war. Die ebenso sachkundigen wie für einen in Schwedt an der Oder geborenen Mann geradezu leidenschaftlichen Ausführungen über den Wein und den Weinbau im äußersten Westen Preußens, die Beck im

e­ rsten Band seiner Trierer Trilogie niederlegte, sind bis heute eine Quelle höchsten Ranges. Beck legte für den Moselwein aber nicht nur gute Worte ein. Da eine neuerliche Ermäßigung des Schutzzolls auf französische und österreichische Weine drohte und es mit der über­regionalen Bekanntheit der Kreszenzen von Mosel und Saar nicht weit her war, beließ es der Beamte nicht bei kulturwissenschaftlichen Beschreibungen. Am 30. November 1869 konnten Beck und die König­liche Regierung, Abteilung des Inneren, ver­ melden, dass Steuerrat Clotten eine Karte über den Weinbau an Mosel und Saar verfertigt habe, die in drei Farben die Ergebnisse der Grundsteuer­ regelung der einzelnen Weinberge veranschauliche und die bekannteren Lagen namentlich verzeichne – mithin jene imposante, mehr als einen

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Meter breite »Mosel-Weinbaukarte für den Regierungsbezirk Trier«, die gemeinhin als die älteste Lagenklassifikationskarte der Welt gilt. Eines jedoch verschwieg Beck: Dass die Idee einer Lagenklassifikationskarte nicht von ihm stammte. 1868 war er hingegen noch so frei gewesen, das Kartenprojekt mit den Worten anzukündigen, man sei schon seit mehreren Jahren bestrebt, »für die Mosel und Saar eine ähnliche Weinbaukarte herzustellen, wie Dr. Dünkelberg in neuester Zeit für den Rheingau in muster­ gültiger Form veröffentlicht hat«. Wie bitte? Eine Rheingau-Weinbaukarte als Vorläufer der MoselKarte, die ihr den Rang der ersten und ältesten Lagenklassifikationskarte ablaufen müsste? Kaum zu glauben. Aber wahr. Nicht ganz so hoch und längst nicht so breit wie die Saar-Mosel-Karte, jedoch die Weinberge zwischen Flörsheim am Main und Kaub am Rhein eindeutig in drei Farben ab­stufend, so tauchte die von Beck beschriebene RheingauWeinbaukarte eines Februartages des Jahres 2011 nach fast hundertfünfzig ­Jahren des Vergessens aus den Tiefen des Magazins der ­Hessischen Landes­ bibliothek in ­Wiesbaden ­wieder auf. Und mit ihr ein Buch, in ­Wiesbaden gedruckt und ­ganze vierundsechzig Seiten s­ chmal, das sich als die umfassendste und gelehrteste Beschreibung des Weinbaus im nassauischen Rheingau entpuppt.

Dr. Friedrich Wilhelm Dünkelberg nun war ein Nassauer, wie er im Buche steht; und das im übertragenen wie im eigentlichen Sinn des ­Wortes. Geboren 1819 auf der Schaumburg hoch über der Lahn, seit 1856 Generalsekretär des Vereins nassauischer Land- und Forstwirte und von 1871 an Direktor der bedeutenden Königlich Preußischen Landwirtschaftlichen Akademie in Bonn-Poppels­ dorf – ein Pionier der Kultur­technik. Und wie der Beamte von der Oder so verlor auch der Beamte von der Lahn sein Herz an den Wein: »Der nassauische Weinbau« erschien 1867, wenige Monate nach der Annexion des Herzogtums Nassau, das 1866 im preußisch-österreichischen Krieg auf der falschen Seite gekämpft hatte. Die neuen Herren dürften indes maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Dünkelberg es nicht bei einer Beschreibung des Weinbaus im Rheingau beließ, sondern zugleich eine Karte entwarf. Denn in Nassau hielten sie es nicht anders als in der Rheinprovinz. 1867 machte sich der Königlich Preußische Generalstab an die »Landesaufnahme«. Das Militär war auf präzise Karten angewiesen. Und die Steuerbehörden sollten wissen, wo die Grundsteuer anfiel. Doch in Nassau waren die Preußen 1867 nicht so weit wie in Trier der Veranlagungskommissar für die Grundsteuer namens ­Clotten. Der hatte den langjährigen Reinertrag der einzelnen

Grundlagenarbeit für die Steuerbehörden: Lagen »I. und II. Klasse« im Rheingau hielt der Nassauer Friedrich Wilhelm Dünkelberg schon 1867 akribisch fest.

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Parzellen auf den Silbergroschen genau ermittelt, dann die Weinberge in acht Bonitäts­klassen eingeteilt und diese wiederum für die Zwecke der ­Karte in drei Gruppen zusammengefasst. Nun konnten Weinberge in drei Brauntönen erscheinen, die b ­ esten natürlich in den dunkelsten, weil hervor­stechendsten Tönen. Woher nun in Nassau Anhaltspunkte für eine Lagen­klassifikation ­nehmen oder auch nur ableiten? Aus der Geschichte des Rheingaus und seiner welt­berühmten Lagen wie Steinberg, Marcobrunn oder Johannisberg? Oder aus der Exposition und der geologischen Analyse der Weinbergsböden von Hochheim bis Assmannshausen? Oder ­musste Dünkelberg sich an den Besitzungen der nam­haftesten Weingutsbesitzer im Rheingau orientieren? Wir wissen es nicht. Denn anders als der Preuße Beck ließ sich der Nassauer Dünkelberg nicht in die Karten sehen und verriet weder in seinem Buch noch in der Legende seiner Weinbaukarte, was ihn dazu verleitete, diese Lage in die I. Klasse, jene aber in die II. Klasse einzuordnen. Doch was immer Dünkelberg zu diesem Vorgehen bewogen hat, erst zählt das Ergebnis: Die älteste jemals gedruckte Lagenklassifikations­ karte der Welt zeigt den Rheingau und seine Lagen I. und II. Klasse. Die Mosel-Saar-Weinbaukarte kommt als zweitälteste Klassifikationskarte gleich hinterdrein. Denn in einer Hinsicht haben die Preußen Beck und Clotten Maßstäbe gesetzt, wie sie nur Preußen setzen k­ onnten: Dank ihrer »Zuverlässigkeit und exakten Ausführung« (Beck) wurde sie und nicht die Dünkelberg-­Karte zum Urbild der Rheingauer Weinbaukarte von ­Heinrich Wilhelm Dahlen aus dem Jahr 1885 (die nun ihrerseits nicht länger als die älteste Rheingau-Karte gelten kann). Und die Mosel-SaarKarte ist auch das Urbild jener vier weiteren Klassifikationskarten, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert für die Weinberge an der Untermosel, am Rhein und an der preußischen Nahe angefertigt wurden. Sie alle aber sind, was Beck, der ­Preuße, schon 1869 selbstbewusst formulierte: »Auch noch für spätere Generationen von hoher kulturhistorischer Bedeutung«.  >

Bildnachweis: Stadtarchiv/Stadtbibliothek Trier. Nachdrucke der Karte können in der Stadtbibliothek Trier erworbenwerden.

Jetzt nur noch die zweitälteste Weinlagen-Klassifikationskarte der Welt: Des Preußen Otto Beck berühmte »Mosel-Weinbaukarte für den Regierungsbezirk Trier« von 1869.


Benefizauktion zu Gunsten des Vereins der Freunde der Nationalgalerie, Berlin 19. Mai 2011 Die Autktion wird durch Christiane Gräfin zu Rantzau, Deputy Chairman Christie’s Germany, geleitet. Das Projekt Vendemmia d’Artista des Weingutes Tenuta dell’Ornellaia ist eine besondere Verbindung zwischen der Welt der zeitgenössischen Kunst und der Welt des Weins und wie geschaffen, um die einzigartige Wesensart eines jeden ­neuen Jahrgangs des Ornellaia – Wahrzeichen und wichtigs­ ter Wein des Gutes – zu feiern. Die international anerkannte Künstlerin Rebecca Horn hat mit dem Weingut Ornellaia zusammengearbeitet, um die ­Energie (L’Energia) des neuen Jahrgangs 2008 zu interpretieren. Eigens für diesen Jahrgang schuf sie eine Skulptur, die im Weinkeller des Guts installiert wurde. Mit Bezug auf dieses einzigartige Kunstwerk gestaltete die Künstlerin außerdem eine limitierte Serie von Weinflaschen, die am 19. Mai 2011 im Rahmen einer Benefizauktion in der Neuen National­ galerie in Berlin versteigert werden. Insgesamt 9 Lose sollen im Laufe des Abends unter den ­Hammer kommen, darunter 10 Doppelmagnum-Flaschen (3 Liter), 3 Imperial-Flaschen (6 Liter) und eine einzige Salmanazar-­Flasche (9 Liter). Der Erlös kommt dem ›Verein der Freunde der Nationalgalerie‹ als Spende zugute. Jede Doppelmagnum-Flasche mit exklusivem Etikett wurde von der Künstlerin bemalt und so zum Unikat gemacht. Die Imperial-Flaschen wurden außerdem in Anlehnung an die Originalskulptur mit Kupferelementen versehen. Die Sala­ manzar-Flasche wird durch eine aufwändige Gestaltung s­ elber zur Skulptur. Jede Flasche ist nummeriert und signiert.

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Edle Biere – Konkurrenten feiner Weine? Die Braufactum-Kollektion gibt dem Gerstensaft eine Chance bei Gourmets Text: Bernd Fritz Fotos: Kilian Bishop, Alex Habermehl

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r hat schon einen besonderen Nachbarn, der Braumeister Marc Rauschmann zu Frankfurt. Sein kleines Reich auf dem Sachsenhäuser Berg, die Internationale Brau-Manufacturen GmbH, liegt in Ruf­ weite eines Wahrzeichens sowohl des deutschen Brau­wesens als auch der Stadt am Main. Es ist der Henninger-Turm, das fast einhundertzwanzig Meter hohe ehemalige Malz­silo der verschwundenen gleichnamigen ­Brauerei, der nun als geschütztes Industriedenkmal s­ einer finalen Verwendung harrt. Doch während der ausgediente Turm mitsamt einem weiteren Nachbarn, der Groß­brauerei ­Binding, für den hergebrachten Begriff des

­ ieres als preiswertes und gutes Volks­getränk B ­stehen, streben Rauschmann und ­seine Crew nach Höherem, höher als alle Silotürme zusammen: nach einem Wertewandel, der nichts Geringeres zum Ziel hat als »die verdiente Gleichberechtigung von Bier und Wein an der feinen Tafel«. Die erste Kollektion von Werken der Braukunst, die diesen Anspruch erfüllen, haben die Revolutionäre vom Sachsenhäuser Berg bereits vor­ g elegt. Unter dem Label »­ B raufactum« dokumentieren über dreißig Bier-Kreationen

kulinarische Standards, die von Brau-­Visionären der großen Biernationen gesetzt wurden, gepaart mit einer stilistischen und sensorischen Vielfalt, die ihresgleichen sucht. Gefunden haben Marc Rauschmann und seine Gefährten, Thorsten Schreiber (Logistik) und Ute Londrigan (Marketing), die Elixiere des ­Malzes und Hopfens nicht im Internet, sondern auf einer Reise rund um den Globus. Drei lange Monate spürte das passionierte Trio in Belgien und Italien, in England und Schottland, in Japan und den Vereinigten Staaten der Schlüssel­frage nach: Was passiert im Ausland? Die Antwort lautet, in erfrischender hessischer Schlichtheit: allerhand.

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Feinste Weyermann-Gerste der Sorte Sauermalz

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a wird beispielsweise der H ­ opfen mit dem Malz nicht immer allein ­gelassen, sondern, wie in der New ­Yorker ­Brooklyn Brewery, mit Honig, Orangen­ s chalen und Kandis­zucker verbraut. Oder, wie im ­Piemont, mit Gewürzen aufgemischt, deren Kompo­sition das Geheimnis von Teo Musso ist, dem BrauMagier der Birreria Baladin. Der B ­ elgier Frank Boon lässt junges Bier mit ­frischen Himbeeren oder Sauerkirschen nachvergären, im Birrificio Italiano am Comer See setzt man auf die aroma­ tische Potenz der schwarzen Johannisbeere. Affinitäten zum Wein entdeckten die BraufactumScouts in der schottischen Grafschaft Clackmannanshire, wo die Harviestoun Brewery ihr Porter in gebrauchten Single-Malt-­ Fässern ­aromatisiert, die zuvor mindestens dreißig ­Jahre mit Whisky gefüllt waren. Versteht sich, dass jede ­Flasche dieser Kostbarkeit nummeriert und

mit der ­Signatur des Braumeisters versehen ist. Die kalifornische Brauerei Firestone Walker setzt auf eichene Bourbon-Whiskey-Gebinde, in denen es das Stout auf Alkoholwerte bringt, die man von Spätlesen kennt, und Teo Musso treibt sein Dessert­bier Xyauyù mit der SoleraLager­methode, wie man sie von der Sherry-­ Produktion kennt, auf stolze 14,5 Prozent. Den direkten Kontakt zum Wein stellt Frank Boon für sein belgisches Lambic-Bier mit Riesling­ fässern aus dem Rheinland her. Im Anschluss an das Fasslager wird der Stoff in Sektflaschen nachvergoren, was ihm wegen s eines feinen Mousseux den Ehrennamen ­ »­Brüsseler Champagner« einbrachte. Und das Ale der englischen Brauerei Marstons wird gar mit einem genuin önologischen Verfahren behandelt, über das Weinfreunde sonst die Nase rümpfen: mit Eichenholzspänen (Chips),

Ein Wahrzeichen deutscher Braukultur: Der HenningerTurm zu Frankfurt am Main hat seine Funktion als Malz­silo längst verloren. Im Schatten des Industriedenkmals tüftelt Braumeister Marc Rauschmann neue köstliche Biere aus.

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Ein Merkmal neuer Gourmandise: Die große Küche verlangt nicht immer und überall mehr nach Wein. Ein kostbares Bier als Begleitung bietet neue Geschmackserlebnisse.

die hier zudem in Weinbrand getränkt wurden und dem Bier verblüffende Geschmacks- und Duftakkorde verleihen. Doch nicht nur Verfahren und Rezepturen interessierten die drei Deutschen. Auch die Ausstattung mit ihrer Vielfalt von Flaschenformen, Verschlüssen und Etiketten war eine Offenbarung, desgleichen die Präsentation am Markt: Die hochwertigen Brau-Kreationen waren in den Läden nicht wie sonst neben Limonade und Sprudel zu finden, sondern in der Weinabteilung, wenn nicht gar direkt im Weinfachhandel, den Vinotheken und Winebars. Und in nicht wenigen Restaurants fanden sich Sommeliers, die Bier mit der gleichen Sachkenntnis und Engagiertheit empfehlen wie sonst die Gewächse auf der Weinkarte und in Gläser füllen, die mit einem Bierseidel oder Pilskelch nichts mehr gemein haben.

Die anfängliche Skepsis gegenüber den Besuchern aus dem Land des Reinheitsgebots wich bald kollegialer Achtung und begeisterter kreativer Zusammenarbeit. Die drei beeindruckten nicht nur durch fachliche Kompetenz, sondern auch, wie Marc Rauschmann, mit einer Vita, die den Visionären und Berühmtheiten der Weltbraukultur, allen voran Bierrevolutionär ­Garrett Oliver von der Brooklyn Brewery, nicht fremd war. Der Frankfurter, diplomierter Ingenieur für Brauereiwesen und promoviert über das ­Thema Ultrafiltration, nämlich hatte ebenfalls als sogenannter Home Brewer begonnen, als noch jugendlicher Amateur im Keller des elterlichen Hauses im Taunus. Angeregt durch eine Fernsehsendung zum Thema »Bier selbstgebraut« wurde zunächst Mutters Entsafter zweckentfremdet, mit seinem Temperaturregler ideal für die Herstellung der Würze. Dann kam der Glas-

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Mit Gaggenau beginnt perfekter Weingenuss schon vor dem Öffnen der Flasche.

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Fine Das Weinmagazin 1|2011 - Leseprobe