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03 | 2017 € 6,00

MITG LIE DE R Z EIT U NG DE R FIN A NZ PL A N E RV E R EIN E N FP U N D N FE P

Auswirkungen der Investmentsteuerreform auf Spezialund Millionärsfonds von Dr. Robert Strauch (S. 24)

Erkenntnisse aus der Mitgliederversammlung des FPSB Deutschland (S. 8)

Immobilienkauf leicht gemacht von Christian Tischer (S. 28)

Die besten Ideen aus den Schwellenländern nutzen von Geoffrey Wong (S. 37)


Impressum

Herausgeber/Verleger Forum Trainingsmanagement UG (haftungsbeschränkt) Ebereschenallee 7 14050 Berlin

Morgan Harting Geoffrey Wong Huw van Steenis Markus Köppl Oren Kaplan

Chefredakteur Thomas Abel, CFP®, CFEP® editor@financialplanningmagazin.de

Redaktionsanschrift Forum Trainingsmanagement UG (haftungsbeschränkt) Ebereschenallee 7, 14050 Berlin Telefon: +49 30 20 84 55 25 Fax: +49 3212 12 07 854

Autoren Sven Putfarken Ronald Sier Michael E. Kitces Stephan Liebl Jonathan Guyton Renée Kwok Daniel Kern Dr. Martin Lück Hans-Jörg Naumer Dr. Robert Strauch Sven Scherner Christian Tischer Marco Richter Thomas Knigge Christoph Schwarzmann Marcus Ratz Karen Watkin

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FINANCIAL PLANNING Magazins bestellen? 4 Hefte/Jahr, Preis 20 Euro inkl. MwSt. Mehr dazu unter: www.financialplanningmagazin.de/abo Das FINANCIAL PLANNING Magazin ist die Mitgliederzeitschrift der Finanzplanervereine network financial planner e.V. (nfp) und Netzwerk der Finanz- und Erbschaftsplaner e.V. (nfep). Bildquellen www.shutterstock.com www.depositphotos.com Risikohinweis Die im FINANCIAL PLANNING Magazin (FPM) enthaltenen Angaben und Mitteilungen sind ausschließlich zur Information bestimmt. Keine der im FPM enthaltenen Informationen begründet ein Angebot zum Verkauf oder die Werbung von Angeboten zum Kauf eines Anlageproduktes. Die Forum Trainingsmanagement UG (haftungsbeschränkt) haftet nicht für Schäden aufgrund von Handlungen, die ausgehend von den im FPM enthaltenen Informationen vorgenommen werden. Nachdruck/Vervielfältigung ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion gestattet.


Editorial Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte FinanzplanerInnen,

Thomas Abel, CFP, CFEP Chefredakteur

Sehr geehrte Berufskolleginnen und Berufskollegen, Sie halten die erste Ausgabe des Financial Planning Magazins in werte Leserinnen und Leser, den Händen. Ein Format, das in dieser Form auf dem Markt nicht verfĂźgbar war, obwohl Finanzplanung im deutschsprachigen Raum kurz nach dem Erscheinen dieser Ausgabe findet die Bundestagswahl seit gut 20 Jahren etabliert ist. Auch auf meinen Reisen durch in Deutschland statt. Wir dĂźrfen gespannt sein, in welcher Konstellation Deutschland als Dozent fĂźr Financial & Estate Planning sowie im beziehungsweise mit welcher Koalition unser Land in den kommenden 3BINFONFJOFS/FU[XFSLU˜UJHLFJUBMT7PSTUBOEEFTOFUXPSLĂ?OBODJBM Jahren regiert wird. Manches deutet auf eine Fortsetzung des Bisherigen QMBOOFSF7IBCFJDIEFTÂ?Ĺ&#x;FSFOEFO8VOTDIOBDITPFJOFN.BHB[JO hin, eine konservative Variante aus CDU/CSU und FDP ist aber ebenso vernommen. denkbar wie eine linksorientierte Koalition aus SPD, BĂœNDNIS 90/DIE GRĂœNEN und DIE LINKE. Egal wer regieren wird, die Probleme in der InGeldden letzten 15 bis 20 Jahren sind allein in Deutschland, und Fiskalpolitik, der internationalen Politik undĂ–sterreich der Steuerung und der Schweiz Tausende Berater als Financial Consultant, Financial der Wirtschaft mĂźssen angefasst und bearbeitet werden. Planner, FinanzĂśkonom oder Estate Planner ausgebildet worden. An sieIm richtet sichunterscheidet unser Magazin,sich an die der FinanzdienstleisGrunde derBerater privateaus Haushalt, der von uns als tungsbranche selbstverständlich an den interessierten Finanzplanersowie und VermĂśgensverwalter betreut wird, vomAnleger. Ăśffentlichen

Haushalt nur in seiner GrĂśĂ&#x;e. Auch hier mĂźssen der Haushalt geplant, Bisher fanden Fortbildung und Erfahrungsaustausch in unserer Schulden getilgt und Beziehungen gemanagt werden. Nur dass hier im #SBODIF[VNFJTUCFJ5SFĹĽFOVOE5BHFTWFSBOTUBMUVOHFOTUBUU Normalfall nicht alle vier Jahre ein neuer Haushaltsvorstand gewählt 'BDIMJUFSBUVS .BHB[JOF /FXTMFUUFSVOE#MPHT[VN5IFNBĂ?OEFO wird. Daher sollte der Privathaushalt regelmäĂ&#x;ig auf einen (externen) sich dagegen im deutschsprachigen Raum. Hierder muss „Finanzundkaum Wirtschaftsminister“ zurĂźckgreifen, dieman aktuelle Haushaltslage ĂźberprĂźft und beiPublikationen Bedarf MaĂ&#x;nahmen empfiehlt und umsetzt. aktuell auf englischsprachige zurĂźckgreifen.

Thomas Abel, CFPÂŽ, CFEPÂŽ Chefredakteur Das Diese AusgabeMagazin des FINANCIAL Magazinsund bietet vorliegende soll diesePLANNING LĂźcke nun schlieĂ&#x;en die Ihnen Basis ein breites Themenspektrum aus alleninBereichen der Finanzplanung. Neben fĂźr eine tiefer greifende Diskussion der Financial-Planning-Branche dem Artikel zur Investmentsteuerreform von Dr. Robert Strauch finden IJFS[VMBOEFTDIBĹĽFO&TTPMMSFHFMN˜“JHFSTDIFJOFOVOE*IOFO"SUJLFM Sie Informationen zu den Themenbereichen Software, Investment und BVTEFS8FMUEFS'JOBO[QMBOVOHMJFGFSO%BCFJXPMMFOXJSBVDIÂŻCFS Finanzplanung – zu letzterem wie immer von den deutschsprachigen Tellerrand hinausblicken, mitunseren ArtikelnGastautoren und aus den USA und den Niederlanden. Ebenfalls ist ein RĂźckblick auf Meinungen von europäischen und amerikanischen Finanzplanern. des Planning networkvor financial e.V. in Hamburg Indie denVeranstaltungen USA wurde Financial gut 40 planner Jahren „erfunden“. enthalten sowie ein ResĂźmee der Mitgliederversammlung des FPSB 8JSGSFVFOVOTTFIS EBTTXJS*IOFOEVSDIFJOF,PPQFSBUJPONJUEFN Deutschland im Juni. Journal of Financial Planning – dem Sprachrohr der Financial Planning

Association (FPA) – kontinuierlich Inhalte daraus in deutscher Sprache In unserer laufenden Rubrik „Finanzplaner im Interview“ finden Sie vorstellen kĂśnnen. diesmal die Antworten von Stephan Liebl, CFPÂŽ. Er ist in Ă–sterreich als Finanzplaner fĂźr die Allgemeine Sparkasse OberĂśsterreich Bank AG Das Financial Planning Magazin ist in Rubriken wie Financial & Estate tätig und betreut vor allem deutsche Kunden. Planning, Journal of Financial Planning, Investmentphilosophie und .BSLUNFJOVOHVOUFSUFJMU8JSNŠDIUFO*IOFOGBDIMJDIBOTQSVDITWPMMF Im Herbst finden neben der Bundestagswahl auch viele Veranstaltungen Inhalte aus dem Financial Planning den einzelnen BeratungssegfĂźr Finanzplaner statt. Details zuund allen Veranstaltungen finden Sie wie menten Um diesem Anspruch zu werden, sind immerpräsentieren. im Veranstaltungskalender diesesgerecht Magazins. wir auf die Zusammenarbeit mit Ihnen als Leser und Finanzplaner BOHFXJFTFO8JSGSFVFOVOTBVG*IS'FFECBDL[VNBLUVFMMFO)FĹ&#x; Mein nächstes persĂśnliches Highlight in diesem Jahr ist natĂźrlich das sowie Ăźber RĂźckmeldungen, welche Themen und Inhalte gerne 13. Financial Planner Forum in Berlin, welches am 24.Sie und 25.11.2017 [VLÂŻOĹ&#x;JHMFTFONŠDIUFO erneut im KOSMOS stattfinden wird. Neben den Keynote-Speakern Dr. Gregor Gysi, TomĂĄĹĄ SedlĂĄÄ?ek und Dr. Norbert Häring werden viele *DIXÂŻOTDIF*IOFOWJFM4QB“CFJEFS-FLUÂŻSFVOEIPĹĽF EBTTEJFTF weitere hochkarätige Referenten zu einer interessanten und abwechsdazu beiträgt, den Gedanken der ganzheitlichen Finanzplanung lungsreichen Veranstaltung beitragen. Am Abend des ersten Veranstalnoch tiefer in wird Ihrem verwurzeln. tungstages esHerzen dann inzu der Berliner Kalkscheune ausreichend Platz, BekĂśstigung und Musik zur Auswertung all der im Verlauf des Jahres erlebten Ereignisse Beste GrĂźĂ&#x;e aus Berlin,geben. Thomas Abel Herzliche GrĂźĂ&#x;e

Thomas Abel

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INHALT 8

3 | Editorial Financial Planning | Verbände News & Facts

6 | Netzwerk der Finanz- und Erbschaftsplaner e.V. network financial planner e.V.

8 | Erkenntnisse aus der Mitgliederversammlung

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Journal of Financial Planning

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18 | Because Retirees Aren’t Spreadsheets von Jonathan Guyton

19 | Cognitive Decline: The Importance of Awareness and Advance Planning von Renée Kwok und Daniel Kern

des FPSB Deutschland am 23.06.2017

10 | Das größte Finanzplanertreffen in Norddeutschland – der 3. Hamburger Finanzplanertag am 16.06.2017

15 Jahre network financial planner e.V. – offizielle Feier am 17.06.2017 in Hamburg

Financial & Estate Planning | Praxis

11 | A Simple Edit That Makes Financial Planning 100% More Engaging von Ronald Sier

12 | Wie größere Bargeldreserven Glück und Zufriedenheit kaufen können

Kolumne

22 | China läuft und läuft und läuft ... von Dr. Martin Lück

23 | Künstliche Intelligenz: Teil unseres Alltags, Treiber unserer Zukunft von Hans-Jörg Naumer

Steuern in der Finanzplanung

24 | Auswirkungen der Investmentsteuerreform auf Spezial- und Millionärsfonds von Dr. Robert Strauch

von Michael E. Kitces

16 | Finanzplaner im Interview mit Stephan Liebl

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Software

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26 | Grafiken aus dem Finanzplanungsalltag oder Finanzplanungssoftware aus der Sicht eines Anwenders von Sven Scherner

28 | Immobilienkauf leicht gemacht von Christian Tischer

30 | Einblicke in die verschlossene Welt

36 | Kräftiger Rückenwind für die

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Schwellenmärkte

von Karen Watkin und Morgan Harting

37 | Die besten Ideen aus den

Schwellenländern nutzen von Geoffrey Wong

38 | Populismus erhöht politische Risiken von Huw van Steenis

der Profisportler und ihrer Finanzen Im Interview: Marco Richter

Investment

32 | Sind Anleihen im aktuellen Marktumfeld noch ein zeitgemäßes Investment? Es kommt darauf an! Im Interview: Thomas Knigge

34 | Alternativ denken

von Christoph Schwarzmann

35 | Europäische Nebenwerte –

In den Hidden Champions von heute stecken die Giganten von morgen

Recht | Regulierung | Analyse

39 | Trends bei Finanzdienstleistern von Markus Köppl

40 | MiFID II – Wie Algorithmen unterstützen können

42 | Encouraging transparency in the Fund Industry von Oren Kaplan

43 | Veranstaltungskalender

Im Interview: Marcus Ratz

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Financial Planning | Verbände News & Facts

Aktuelles vom Netzwerk der Finanz- und Erbschaftsplaner e.V.

Liebe Leserinnen und Leser, der deutsche Aktienmarkt war im ersten Halbjahr 2017 von einer extrem niedrigen Volatilität geprägt. Und das trotz der vielen politischen Ereignisse. Hier galt wieder einmal das Motto „Politische Börsen haben kurze Beine“. Viele Investoren scheinen weiterhin auf die EZB zu schauen und bleiben bei der Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen voll investiert. Risiken werden aufgrund einer selektiven Wahrnehmung ausgeblendet. Andere scheinen jedoch auf einen Rückschlag zu warten und sind kaum investiert. Als Anker haben diese Kunden oftmals die langjährige DAX-Höchstmarke um die 8.000 Punkte. Sowohl der so genannte Ankereffekt als auch die vorgenannte selektive Wahrnehmung können zu irrationalen Entscheidungen führen. Es ist wichtig für uns Berater, mit den Kunden über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen, sie „abzuholen“ und die Fakten richtig einzuordnen. Als Anker

in meiner Beratungstätigkeit dient mir dieses Magazin. Immer wieder inspirieren mich Artikel dazu, meine Beratung zu reflektieren und mich zu verbessern. Von daher sehe ich diesen Anker nur positiv! Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und bin mir sicher, dass das FINANCIAL PLANNING Magazin auch Sie sicher durch den komplexer werdenden Berateralltag navigiert. Mit freundlichen Grüßen Samir Zakaria 1. Vorsitzender vom Netzwerk der Finanz- und Erbschaftsplaner e.V.

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Financial Planning | Verbände News & Facts

Neues vom network financial planner e.V.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, werte Mitglieder, In diesem Jahr beginnt erst nach dem Sommer die heiße Phase. Anstehende Gesetzesänderungen (IDD, MiFID II) werfen ihre Schatten voraus und müssen in das Tagesgeschäft integriert werden. Die EZB hat weiter keine Zinsschritte beschlossen und bleibt nach wie vor auf dem Rekordtief beim Leitzins, die Börse macht das Gegenteil und winkt mit regelmäßigen Höchstständen. Wie diese Entwicklung fortschreiten soll, wird die EZB und die Märkte wohl auch weiterhin beschäftigen. Die ersten Zinsschritte in den USA sind zumindest gemacht und weitere sind durchaus zu erwarten. Donald Trump nahm am G20-Gipfel in Hamburg teil und traf das erste Mal Wladimir Putin – mit dem Ergebnis, dass es in Syrien nach Jahren des Krieges eine reelle Aussicht auf Frieden gibt. Warum man dafür allerdings auf den Gipfel warten musste, bleibt wohl ein Rätsel. Apropos G20: Am zweiten Wochenende im Juli dieses Jahres kam es in Hamburg zu wirklich schlimmen Zuständen, musste das Hamburger Schanzenviertel doch vom SEK der Polizei geräumt werden, nachdem Gehwegplatten und andere Geschosse auf die Polizisten niederregneten. Dass eine Demonstration unter dem Motto „Welcome to Hell“ nicht zu friedlichen Protesten führte, sorgte nicht nur bei den Veranstaltern für „Verwunderung“ – wurde doch lediglich zu friedlichem Protest aufgerufen. Einem gewissen Block war das aber herzlich egal! Offen bleibt, warum – genau wie die Fragen, weshalb gewaltbereite Aktivisten aus dem In- und Ausland mit Sonderzügen zum Gipfel reisen durften und warum Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz den G20-Gipfel mit dem Hafengeburtstag verglich. Dass es am Ende ein nicht wirklich fröhliches Wochenende war und zu Recht Kritik an allen Lagern geübt wurde, rundet das Bild irgendwie ab. Dass Hamburg aber eigentlich eher liebenswert ist, haben der 3. Hamburger Finanzplanertag am 16.06.2017 mit 80

Teilnehmern sowie die offizielle Jubiläumsfeier des network financial planner e.V. bei bestem Wetter gezeigt. Einen Bericht dazu lesen Sie auf Seite 10. Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des FPSB Deutschland wurden wieder Vorstände gewählt – dieses Jahr zum ersten Mal mit der Option zur Onlineabstimmung, die von circa 280 Mitgliedern auch wahrgenommen wurde. Die Anzahl der anwesenden Mitglieder auf der Versammlung war dafür erneut sehr gering, was der Bericht von Thomas Abel ab Seite 8 auch widerspiegelt. Notieren Sie sich unbedingt den 5. Münchner Finanzplanertag am 12.10.2017. Auch außerhalb der Oktoberfest-Zeit ist München eine Reise wert und die bereits veröffentlichte Agenda verspricht ein hervorragendes und abwechslungsreiches Programm, welches Sie natürlich auch beim 13. Financial Planner Forum am 24. und 25.11.2017 in Berlin zu attraktiven Sonderkonditionen erwartet. Die weiteren Termine können Sie wie gewohnt dem Veranstaltungskalender im Magazin entnehmen. Natürlich finden Sie diese Termine aber auch in unseren Newslettern und auf unserer Webseite www.network-financial-planner.de. Wir würden uns sehr freuen, Sie vor Ort in Berlin, Hamburg, Stuttgart, München oder Düsseldorf begrüßen zu dürfen. Sprechen Sie uns gern an und bleiben Sie uns gewogen, wir sind für Sie da!

Sven Putfarken im Namen des Vorstands des network financial planner e.V.

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Financial Planning | Verbände News & Facts

Erkenntnisse aus der Mitgliederversammlung des FPSB Deutschland am 23.06.2017 in Frankfurt am Main Im Rahmen des zwanzigjährigen Bestehens des FPSB Deutschland fand die diesjährige Mitgliederversammlung in den Räumen der Klassikstadt im Frankfurter Osten statt.

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ielleicht lag es an der in diesem Jahr eingeführten Onlineabstimmung, dass sich erschreckend wenige – lediglich 28 – stimmberechtigte Mitglieder auf den Weg zur Versammlung gemacht haben. Durch die Stimmrechtsübertragungen waren letztlich 247 Stimmen vor Ort vertreten, online hatten 274 Mitglieder abgestimmt. Eine aus Sicht des Autors enttäuschende Zahl, da es im Vorfeld doch die Hoffnung gab, hierüber eine weitaus höhere Zahl an Mitgliedern zu mobilisieren beziehungsweise zu motivieren. Mit circa 520 Stimmabgaben konnte somit nur eine Wahlbeteiligung von etwa einem Drittel erreicht werden, mehr als 1.000 Mitglieder des Vereins haben sich nicht beteiligt. Der Vorstand war dennoch mit dem Ergebnis zufrieden – warum, wurde nicht näher erläutert.

Eine Ursachenforschung vonseiten des Vorstands fand jedenfalls nicht statt. Vielleicht muss man aber einfach mit einer großen, stimmlosen Masse leben, wie es bei anderen Vereinen auch oft der Fall ist. Wünschenswert wären für die Folgejahre allerdings detailliertere Erläuterungen zu den einzelnen Tagesordnungspunkten für den online abstimmungswilligen CFP®/CFEP®. Auch wäre es zu begrüßen, Webkonferenzen vor der Abstimmung anzubieten, in denen man den interessierten Mitgliedern unter anderem die Zahlen aus dem Kassenbericht erläutert, damit sie überhaupt die Möglichkeit haben, sich eine Meinung zu bilden.

Was könnten die Ursachen der geringen Wahlbeteiligung sein? Ist den meisten Mitgliedern der FPSB Deutschland mittlerweile egal? Im Vorjahr waren es zwar nur etwa 280 Stimmen – es gab also eine deutliche Steigerung in 2017 durch die

Das gleiche Instrument könnte man ebenso anbieten, um allen Mitgliedern die Kandidaten für die einzelnen Vorstandspositionen und deren Ideen zu präsentieren – so konnten dies nur die 28 anwesenden Mitglieder erleben.

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Onlineabstimmung –, allerdings waren bei der kontroversen Versammlung im Jahr 2015 sogar circa 800 Stimmen vor Ort vertreten.

Der Bericht des Vorstands zeigt auf, dass aktuell und in naher Zukunft mit schwindenden Einnahmen durch sinkende Mitgliederzahlen zu rechnen ist, und dass die Kosten durch Personalaufstockung und Sonderprojekte steigen werden und somit mit Verlusten auf Vereinsebene zu rechnen ist. Die größten Ausgabenpositionen in Höhe von insgesamt knapp 140.000 EUR sind hier – neben den Personalund Bürokosten – die Kosten für die Arbeiten von Herrn Asmussen, für die Pressearbeit von Frau Albrecht und die Honorarnoten von Rechtsanwalt Küster für seine Mitarbeit im DINNormungsausschuss. Einsparungen in diesen Bereichen könnten die Defizite erheblich schrumpfen lassen. Ein anderer Weg wäre die Steigerung der Einnahmen. Dafür fehlt es allerdings an jeglicher Vision. Die einzig vorgestellte Idee ist die Einführung des zusätzlichen Zertifikats „European Investment Practitioner®“ (EIP®), wofür es in Deutschland laut Professor Tilmes (Vorstandsvorsitzender des FPSB Deutschland) allerdings keine große Nachfrage gibt.

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Financial Planning | Verbände News & Facts

Neue und günstigere Zugangswege zum CFP® sind dagegen nicht in Sicht. Bei einmaligen Kosten für die Akkreditierung als Ausbildungsträger in Höhe von 25.000 bis 30.000 EUR und einem einjährigen Zulassungsprozess dürfte sich der Kreis der potenziellen Anbieter allerdings sehr stark eingrenzen. Diese Kosten müssten dann an die Teilnehmer eines Kurses weitergeleitet werden und damit würde es erneut zu einer teuren Ausbildung kommen, die viele Berater davor zurückschrecken lässt, diesen Weg zu beschreiten. Warum reduziert man nicht diese extrem hohen Barrieren und macht es so attraktiver für neue Anbieter? Im Vergleich mit den USA ist dies absolut nicht nachvollziehbar. Gleiches gilt für die Flexibilisierung des Lernprogramms. Warum werden Studieninhalte anderer Programme nicht anerkannt, zum Beispiel die aus einem Hochschulstudium, der Bankausbildung oder aus anderen Kursen (etwa Finanzfachwirt oder IHK-Sachkundeprüfungen)? Der angehende Finanzplaner müsste lediglich die ihm fehlenden Bausteine nachholen und könnte dann seine Zentralprüfung schreiben.

Junge Berater für den CFP® begeistern – wie geht das? Wer nicht darüber nachdenkt, kann auch keine Ideen entwickeln und präsentieren. Überlegt wird eher in eine andere Richtung, um die Zahl der bestehenden Zertifikatsträger zu erhöhen: die Ernennung aller bestehenden CFP® zum EFA® – damit könnte man auf einen

Schlag mehr als 1.000 neue Zertifikate generieren! Allerdings ohne neue Mitglieder, ohne weitere Beitragseinnahmen – dafür aber mit zusätzlichen Ausgaben in Höhe von 15.000 EUR pro Jahr für die Übernahme der Lizenzkosten. Ist das der richtige Weg? Wenn die Mit gliederanzahl dann schrumpft, schlägt sich dieser Effekt allerdings ins Gegenteil um und man verliert mit jedem Mitglied gleich drei Zertifikate, denn auch das Gütesiegel DIN ISO 22222 wird ja bereits gratis an alle CFP® vergeben. Kommt dann noch der EIP®, könnte man einen weiteren Titel kostenfrei an alle bestehenden Mitglieder vergeben. Nur: Welcher Verbraucher blickt bei diesem „Zertifikatehandel“ noch durch? Denn neben all diesen tollen Abkürzungen gibt es ja schließlich auch noch die zertifizierten Ruhestandsplaner, Generationenberater et cetera. Möglich wäre auch die Fusion mit dem Verein Estate Planner Deutschland e.V. (VEPD) mit seinen 300 CEP®. Hier soll es nach vielen Jahren der Funkstille Fusionsgespräche geben. Der VEPD ist ein Verein, der auf einem ähnlichen Weg wie der FPSB Deutschland sein dürfte: ältere Mitglieder, die dem Ruhestand entgegenstreben, und kaum Nachwuchs. Immerhin könnte eine Fusion hier tatsächlich Sinn ergeben und frische Einnahmen in die Kasse spülen. Dann könnte man auch endlich das vor vielen Jahren nötig gewordene F in CFEP® entfernen, denn das verstehen sowieso nur die wenigsten Kunden.

Die Arbeitskreise Lobbyarbeit und Öffentlichkeitsarbeit wurden eingestellt: bei den Lobbyisten ohne messbare Ergebnisse, beim Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit wurde zumindest ein Video für 48.000 EUR produziert – welches mittlerweile zwar über 100.000 Klicks im Netz vorweisen kann, jedoch nicht jeden CFP® begeistert. Laut Vorstand wird das Video auf YouTube durchschnittlich zwei Minuten lang angesehen. Bei Laufzeiten von dreieinhalb (Kurzfassung) respektive sieben Minuten (Langfassung) ist das keine zufriedenstellende Bilanz. Leider wird auch erst am Ende des Videos explizit darauf hingewiesen, dass die Kunden von einem CFP® beraten werden. Trotz steigender Kosten und des negativen Ausblicks wollten die Mitglieder beim Tagesordnungspunkt 19 am Ende dann doch keine Beitragserhöhung durchwinken. Es wäre die erste seit Vereinsgründung gewesen. Der Vorstand muss nun also andere Lösungen finden, um die finanzielle Situation in den Griff zu bekommen. Die Defizite werden aber wohl nicht durch Fördermitglieder kompensiert, denn diese möchte der FPSB Deutschland nicht, da zu viel Einflussnahme befürchtet wird – trotz bestehender Regelungen. Nach viereinhalb Stunden endete die Mitgliederversammlung. Auf ein Neues im Jahr 2018! Es bleibt zu hoffen, dass sich bis dahin ein paar Dinge ändern, die die Mitglieder erkennen lassen, warum es wichtig und sinnvoll ist, im FPSB Deutschland zu verbleiben und die Fahne der Finanzplanung hochzuhalten.

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Financial Planning | Verbände News & Facts

Das größte Finanzplanertreffen in Norddeutschland – der 3. Hamburger Finanzplanertag am 16.06.2017 15 Jahre network financial planner e.V. – offizielle Feier am 17.06.2017 in Hamburg von Sven Putfarken

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m 16.06.2017 fand der 3. Hamburger Finanzplanertag statt. Auch diesmal konnten wir uns über die steigende Resonanz freuen und circa 80 Teilnehmer bei der Veranstaltung begrüßen. Bei den Ausstellungspartnern zeigte die Tendenz ebenfalls nach oben und mit insgesamt acht Gesellschaften konnte auch hier ein neuer Höchststand erzielt werden. Das Veranstaltungskonzept in Hamburg wird in der Branche also sehr gut angenommen. Die hohe Teilnehmerzahl in Hamburg – neben unserem jährlichen Hauptevent im November in Berlin und unseren anderen Finanzplanertagen in Düsseldorf, Stuttgart und München – liefert den erneuten Beweis, dass bundesweit ein Bedarf an qualifizierten Fachveranstaltungen für Finanzplaner besteht. Neben der wiederholt tollen Eventlocation, dem „elbdeck“ in der Hamburger Speicherstadt, waren es vor allem die abwechslungsreiche Agenda und das abschließende Abendevent, was die Teilnehmer aus der gesamten Bundesrepublik in die Hansestadt zog. Die Vorträge am Vormittag erstreckten sich inhaltlich vom volkswirtschaftlichen Kapitalmarktausblick über die Rentenund Aktienmärkte. Das aktuelle Kapitalmarktumfeld stellt nach wie vor alle Marktteilnehmer vor das Problem, eine ansprechende Rendite für die Mandanten zu erwirtschaften – darüber waren sich in den Pausengesprächen alle einig. Neu war das Konzept der „Speedvorträge“, bei denen jeder Redner in 20 bis 30 Minuten seinen jeweiligen Fachvortrag referieren durfte. Fragen waren zwischendurch nicht gestattet, sodass die Teilnehmer diese erst in den Pausen an die Referenten richten konnten. Dieses Konzept kam bei al-

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len sehr gut an und sorgte für einen kurzweiligen und abwechslungsreichen Vormittag. Nach dem Mittagessen lag der Fokus dann auf dem Erbrecht, dem deutschen Immobilienmarkt und der Ethik in der Finanzberatung. Insgesamt also eine abwechslungsreiche Agenda, welche dem Anspruch, als Finanzplaner sämtliche Themengebiete abzudecken, mehr als gerecht wurde. Das Highlight am Schluss des Tages war der Auftritt von Marvin Willoughby, ehemaliger deutscher BasketballNationalspieler und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Aktuell ist er sportlicher Leiter und Geschäftsführer des Basketball-Zweitligisten Hamburg Towers. Er berichtete über den Aufbau des von ihm initiierten Sozialprojekts „Sport ohne Grenzen“ in Hamburg, welches Schülerinnen und Schüler für den Basketballsport begeistern soll. Sein freier Vortrag war sehr beeindruckend, kam doch deutlich zum Vorschein, mit welcher Energie er dieses Projekt von der ersten Idee bis zum gegenwärtigen Stand entwickelt hat. Derzeit ist er in Hamburgs Schulen unter wegs und fördert aktiv den Teamgedanken unter den Jugendlichen, unterstützt wird er dabei von der Stadt Hamburg. Danach ließen wir den Tag in entspannter Atmosphäre bei einem Barbecue und dem perfekt dazu passenden Sonnenuntergang ausklingen – warfen doch die Ereignisse des kommenden Tages ihre Schatten schon voraus: Die offizielle Jubiläumsfeier zum 15-jährigen Bestehen des network financial planner e.V. fand nämlich im Anschluss an den Finanzplanertag ebenfalls in Hamburg statt. Gestartet wurde am Morgen um 10 Uhr mit dem nfp-Golfturnier, bei dem die

Brutto- und Nettosieger ausgespielt wurden. Neun Spieler versuchten ihr Glück bei sehr gutem Golfwetter mit norddeutschen Böen. Alternativ begann für die anderen Teilnehmer um 11 Uhr eine Führung durch die neue Elbphilharmonie. Nach einer kurzen Stärkung am Mittag fanden wir uns um 15:30 Uhr wieder zusammen, um an der Alsterfleetfahrt über die Hamburger Außenalster und die Winterhuder Alsterfleete teilzunehmen. Die Hansestadt präsentierte sich auch am Nachmittag bei allerbestem Wetter und so wurde auch die Fahrt auf dem Wasser zu einem einzigartigen Erlebnis. Die Abendveranstaltung fand in der für uns separierten Eventetage des „clouds – Heaven’s Bar & Kitchen“ im 22. Stock statt – mit einem traumhaften Blick über die Dächer der Stadt. Thomas Abel, der 1. Vereinsvorsitzende, ergriff zu Beginn das Wort und ließ die letzten 15 Jahre des Vereins emotional Revue passieren, wobei er noch einmal allen Mitgliedern für ihr Engagement dankte. Bei einem wunderbaren Dinner ließen wir den Abend ausklingen und haben es auch nicht versäumt, auf die nächsten 15 Jahre des nfp anzustoßen. Wir danken abschließend nochmals herzlich unseren Fördermitgliedern Plenum, Aramea und Schroders für die tolle Unterstützung bei den Feierlichkeiten des Vereinsjubiläums! Sven Putfarken PS: Wir freuen uns schon heute darauf, den 4. Hamburger Finanzplanertag am 15.06.2018 in einer neuen und ebenfalls tollen Location durchzuführen – lassen Sie sich überraschen.

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Financial & Estate Planning | Praxis

A Simple Edit That Makes Financial Planning 100% More Engaging von Ronald Sier

Has this happened to you? You’ve spent years of hard work, wracking your brain to become the financial planner you want to be, and then you find most people just don’t care about financial planning. And you wonder: how is that possible? Perhaps your service is lacking something important. It needs one vital ingredient to really stand out. A clear reason why you’re in business. Not a single financial planner wants to scare his potential clients off when telling the story about their business. Yet, very few financial planners dare to really attract their clients with the real reason they’re in business. And what if that reason is a story that makes you more believable, trustworthy and gets you more clients (and maybe even some raving fans)?

computer, and the “crazy ones” were people who dared to think that they could change the world. Steve Jobs changed how we buy and listen to music and the way we work and shop. Apple forever changed how we feel about technology by addressing the worldview most people have.

How Do You Win People’s Hearts (and Get Some Raving Fans)? What if the Apple ad would continue like this? Here’s to the crazy ones. We make great computers. They are beautifully designed, simple to use and user friendly. Wanna buy one?

status quo. Apple told us why they did what they did. And that helped them to speak to what really matters to the people. So that ‘the crazy ones’ had a real and personal connection with the story of Apple. What Steve Jobs Knew As we all know Steve Jobs was a brilliant marketer. He knew that people don’t buy what you do, they buy why you do it. He knew that if he told the world what he was selling, he wouldn’t be compelling or different to any other computer company. But what if financial planners communicated like Apple? So your clients had a true connection with your story?

Do you think that is a compelling ad? I think not.

What if you reversed the order of your story?

Unfortunately, that’s how most financial planners communicate.

What if you’d not started with what, but instead started with why?

They say for example:

Then maybe you’d also attract raving fans. Just like Apple.

I’m a financial planner. I give advice to high net worth people so that they can reach their financial goals. I’m a feeonly CFP with specialization in wealth management. Wanna buy my service?

Let’s make financial planning matter, Ronald

The real Apple ad goes like this: In 1997, a young CEO was launching a new product, and here’s what he said to his team: “Marketing is about values. Our clients want to know what it is that we stand for. And what we’re about isn’t making boxes for people to get their jobs done, although we do that well. We’re about something more than that. We believe that people with passion can change the world for the better.” Then he played the “Think Different” advertising campaign video, which began with the words, “Here’s to the crazy ones …..” The ad, of course, was for the Apple

Here’s to the crazy ones. In everything we do, we believe in challenging the status quo, we believe in thinking differently. The way we challenge the status quo is by making our products beautifully designed, simple to use and user friendly. We just happen to make great computers. Wanna buy one? Do you think that is a compelling ad? I believe it is. Apple reversed the order of their business story. Apple didn’t tell us first what they were selling. No, first they told us why they are in business. Apple sells computers to challenge the

Ronald Sier ist Financial Planner bei der Rabobank und seit 1999 in der Finanzbranche tätig. In seinem Blog www.seebeyondnumbers. com schreibt er regelmäßig zu aktuellen Themen der Branche.

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Financial & Estate Planning | Praxis

Wie größere Bargeldreserven Glück und Zufriedenheit kaufen können von Michael E. Kitces

ZUSAMMENFASSUNG In der Investement-Welt wird Bargeld für gewöhnlich als etwas betrachtet, das man meiden und nach Möglichkeit loswerden sollte. Natürlich ist es notwendig, eine gewisse Menge Barmittel für unmittelbar oder kurzfristig bevorstehende Ausgaben zur Verfügung zu haben, doch das Ziel klassischen Investments besteht darin, so wenig Bargeld wie irgend möglich zu halten und den Rest langfristig anzulegen. Die Ergebnisse einer neuen Studie von Ruberton, Gladstone und Lyubomirsky legen allerdings den Schluss nahe, dass es unserem Gefühl von finanziellem Wohlergehen und Lebensglück zuträglich sein kann, eine gesunde Menge Geld in Bar (oder zumindest auf einem Giro- oder Sparkonto) zur Verfügung zu haben. Diese Wechselwirkung blieb auch nach einer Überprüfung von Einkommen, Ausgaben und anderen Investments sowie Alter und Beschäftigungsverhältnis nachweisbar. Mit anderen Worten, egal über wie viel Gesamtvermögen und Einkommen wir verfügen, wir werden niemals vollkommen glücklich sein, so lange es nicht mit einem ansehnlichen Haufen Bargeld (oder zumindest einem gut gefüllten und stets verfügbaren Bankkonto) einhergeht. Aus der Investment-Perspektive ist es dagegen geradezu irrational, eine Menge Bargeld zu halten, die über das hinausgeht, was zur Deckung unmittelbar bevorstehender, unumgänglicher Ausgaben notwendig ist. Doch die Ergebnisse der Studie werden nachvollziehbarer, ergänzt man sie mit Forschungsergebnissen

Kann ihr Kontostand Glück kaufen? Ein altes Sprichwort lautet: „Glück kann man nicht kaufen“, doch wie neuere Forschungen zeigen, kann man das unter Umständen doch. Jedenfalls in einem gewissen Rahmen. Denn wie sich herausstellt, hängt unser Glück ganz materiell damit zusammen, wie wir unser Geld ausgeben. Studien legen nahe, dass unser Lebensglück und unser emotionales Wohlergehen eng mit größerem finanziellem Besitz und höherem Einkommen korrelieren (jedenfalls bis zu einem jährlichen Einkommen von etwa 75.000 US-Dollar).

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aus der mentalen Buchführung, die zeigen, dass wir dazu neigen, unser Vermögen gedanklich in sogenannte Buckets aufzuteilen: derzeitiges Einkommen, aktuelle Assets und zukünftiges Einkommen (beziehungsweise Assets, die zukünftiges Einkommen ermöglichen). Das bedeutet, dass wir, selbst wenn wir über ein stattliches Einkommen und starke Assets für ein zukünftiges Einkommen verfügen, dennoch nicht zufrieden sind, solange wir nicht außerdem auch eine gesunde Reserve aktueller Assets besitzen - womit in der Praxis für gewöhnlich Bargeld oder ähnliche Mittel gemeint sind. Daraus folgt, dass es für Berater von Vorteil sein könnte, Kunden nicht unbedingt dazu zu ermutigen, ihr gesamtes verfügbares Barvermögen anzulegen, sondern stattdessen ihre Kunden erst einmal zu fragen, wie viel Bargeld sie benötigen, um sich sicher zu fühlen und nachts ruhig schlafen zu können, und anschließend das zu investieren, was nach Abzug dieses Betrags noch übrig ist. Denn warum sollte man ein wenig mehr Geld investieren, um später einen etwas größeren Ertrag zu erhalten, wenn auf lange Sicht größerer Reichtum ohnehin nur wenig zusätzliches Lebensglück bedeutet und andersherum ein gewisser Überfluss an Bargeld im Hier und Jetzt wesentlich größere positive Auswirkungen auf unser finanzielles Wohlergehen haben kann? Anders gesagt, vielleicht sollte man das Zurückhalten einer gewissen Menge an Comfort Cash nicht als „Unterinvestition“ verstehen, sondern als Möglichkeit, ein wenig mehr finanzielle Zufriedenheit zu „kaufen“.

Betrachtet man jedoch „nur“ absolute Stufen von Einkommen und Vermögen, kann dabei leicht übersehen werden, welche relative Bedeutung es hat, wie dieses Geld verdient und/oder verwendet wird. So zeigen etwa Shefrin und Thaler, dass Menschen ihr Geld mental in drei verschiedene Buckets aufteilen – aktuelle Assets, derzeitiges Einkommen und zukünftiges Einkommen – und sie fügen hinzu, dass diese drei Buckets nicht zu gleichen Teilen zu unserem Glück und emotionalen Wohlergehen beitragen. Beispielsweise neigen wir dazu, uns weniger Sorgen um mangelndes zukünftiges

Einkommen (z.B. fehlende Altersvorsorge) zu machen, solange wir heute über ausreichende aktuelle Assets und ein stabiles Einkommen verfügen (uns also zwei der drei Buckets zufriedenstellen). Auf der anderen Seite wären wir wesentlich unzufriedener, hätten wir zwar beachtliche zukünftige Assets – mehr als genug um unser zukünftiges Einkommen für den Rest unseres Lebens zu sichern – aber zugleich nicht genügend Bargeld in der Hand, um den Bucket der „aktuellen Assets“ ebenfalls zu füllen (selbst wenn wir es nicht unmittelbar „benötigen“).

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Um dies zu überprüfen, analysierte eine kürzlich in Emotion veröffentlichte Studie von Ruberton, Gladstone und Lyubomirsky 585 britische Bankkunden und ihre Konten in Hinblick auf Einnahmen und Ausgaben (gemessen anhand direkter Zahlungsein- und -ausgänge auf den Konten). Eine Umfrage untersuchte anschließend das Lebensglück dieser Kunden und ihr finanzielles Wohlergehen. (Einbezogen wurden außerdem Informationen über externe Investment-Accounts und Schulden sowie Alter, Beschäftigungsverhältnis und Beziehungsstatus). Die Ergebnisse zeigten, dass die Größe des „liquiden Vermögens“ eines Teilnehmers – der Wert seiner Giro- und Sparkonten – tatsächlich eng mit finanziellem Wohlergehen und Lebensglück korrelierte. Genauer gesagt: Das liquide Vermögen stand in einem engeren Verhältnis zu diesen Faktoren als Einkommen, Ausgaben, Investments oder Schulden!

Ausgaben ausfallen mochten! Wobei allerdings zu beachten ist, dass die Forscher letztlich feststellten, dass Barvermögen nicht per se zu größerem Lebensglück führt; vielmehr wirkt sich liquides Vermögen direkt auf das empfundene finanzielle Wohlergehen aus, und ein verbessertes finanzielles Wohlergehen führte dann wiederum zu einem Anstieg an Lebensglück (auch hier wieder mit einem deutlich größeren Effekt als es bei Investment-Vermögen allein der Fall wäre). Dennoch bleibt es bei dem überraschenden Fazit der Studie: Ein finanzieller Puffer von liquidem Barvermögen, verfügbar über Giro- oder Bankkonten, unabhängig von Gesamtvermögen oder Einkommen, scheint ein Gefühl von finanzieller Sicherheit zu erzeugen, welches wiederum zu positiven Gefühlen hinsichtlich Lebensglück und finanziellem Wohlergehen führt. Oder, einfacher ausgedrückt: Reiche Menschen mit sehr wenig Barvermögen können größeren

FACTORS THAT CORRELATE WITH LIFE SATISFACTION & FINANCIAL WELL-BEING 0 0

Correlation

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Average Monthly Life Satisfaction

Total Investments

Total Investments

Relationship Status (0 = No Relationship)

Average Monthly Income

Age

Indebtedness (0 = No Dept)

Financial Well-Being © Michael Kitces, www.kitces.com Source:How your bank balance buys happiness: The importance of "cash on hand" to life satisfaction (Ruberton, Gladstone, & Lyubomirsky, 2016)

Darüber hinaus fanden die Forscher heraus, dass die Korrelation zwischen liquidem Vermögen und Glück und Wohlergehen sogar nach einer Überprüfung aller anderen finanziellen Variablen noch Bestand hatte (ebenso nach der Überprüfung von Alter, Beschäftigungsverhältnis und Beziehungsstatus). Mit anderen Worten, die Studie zeigte, dass sich die unmittelbare Verfügbarkeit von Bargeld positiv auf Lebensglück und Wohlergehen auswirkte, gleichgültig, über welches Vermögen die betreffende Person in Form von Einkommen oder Investments verfügen oder wie hoch ihre

finanziellen Druck verspüren als arme Menschen mit (vergleichsweise) viel Bargeld!

Vorbehalte zur Bargeld-Studie Man kann die Ergebnisse der Forschung von Ruberton u.a. dahingehend interpretieren, dass sie Investoren bestätigen, die es bevorzugen, große Mengen ihres Vermögens in Barkonten anzulegen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Studie auch einen nicht zu vernachlässigen „Abminderungseffekt“ in der Beziehung zwischen beiden Fakto-

ren gefunden hat, denn die positive Korrelation bestand tatsächlich zwischen Lebensglück/finanziellem Wohlergehen und dem logarithmisch transformierten Wert an liquidem Vermögen. Auf einer logarithmisch-normalen Skala bedeutet jeder zusätzliche Punkt an liquidem Vermögen eine Verzehnfachung des konkreten Vermögenswertes. Die Forscher haben herausgefunden, dass jeder Steigerung des (logarithmisch transformierten) liquiden Vermögens um einen Punkt eine LebensglückSteigerung um 0,69 Punkte entspricht (auf einer Skala mit 20 Punkten). Das bedeutet, dass das durchschnittliche Glück um 0,69 Punkte steigt, wenn sich das Barvermögen von 1 auf 10 US-Dollar erhöht, um weitere 0,69 Punkte für den Schritt von 10 auf 100 US-Dollar, erneut um 0,69 Punkte von 100 auf 1.000 US-Dollar, um weitere 0,69 Punkte von 1.000 auf 10.000 US-Dollar usw. Zusammengenommen ist der Schritt von 1 US-Dollar Barvermögen auf 100 US-Dollar also ebenso lohnend wie der Schritt von 100 auf 10.000 US-Dollar, der wiederum ebenso lohnend ist wie der Schritt von 10.000 zu 1.000.000 US-Dollar. Anders ausgedrückt: Der relative Ertrag erhöhten Barvermögens sinkt in höheren Sphären deutlich; der Schritt von 1 zu 10.000 US-Dollar ist exponentiell lohnender als der von 10.000 zu 20.000 US-Dollar. Natürlich bedeutet das nicht, dass die Steigerung des finanziellen Wohlergehens und der Übergang zu verminderten, nur noch geringfügigen Verbesserungen für jeden Anleger in den gleichen Abstufungen erfolgt. Wohlhabendere Haushalte können durchaus einen erhöhten Bedarf an Barvermögen haben; andererseits kann dieser Bedarf aufgrund von anderen Investment-Assets auch signifikant niedriger sein. Varianzen können auch zwischen einzelnen Personen bestehen, von denen einige unter Umständen eher dazu neigen, Barvermögen zu halten, als andere. Daraus folgt, dass man den angenommenen Wendepunkt bei 10.000 US-Dollar, ab dem „dramatisch verminderte Erträge“ feststellbar sind, zumindest nicht als in Stein gemeißelt betrachten darf. Dazu kommen dann natürlich noch die Menschen, denen es notorisch schwerfällt, Bargeld nicht umgehend auszugeben, sobald es verfügbar ist. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass eine Korrelation immer nur genau das ist – eine Ko-Relation zwischen zwei Faktoren. Genau ge-

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nommen ist damit nicht bewiesen, dass größeres Barvermögen ursächlich für größeres Lebensglück und mehr finanzielles Wohlergehen ist. So ist es beispielsweise vorstellbar, dass Menschen, die ohnehin zufriedener mit ihrem Leben sind und daher ihre Chancen optimistischer einschätzen, eher dazu neigen, Barvermögen zu behalten (um damit dann diese Chancen finanzieren zu können). Es könnte auch sein, dass Menschen, die in finanzieller Hinsicht kompetenter und selbstbewusster sind, von vornherein größere finanzielle Zufriedenheit verspüren, und dass ihr Wissen und ihre Fähigkeiten sie außerdem dazu bringen, eine „gesündere“ Menge Barvermögen als Notfallreserve zu halten. Das würde bedeuten, dass es in Wahrheit ihre Finanzkompetenz ist, die ihnen sowohl mehr Barvermögen als auch größeres finanzielles Wohlergehen verschafft.

„Comfort Cash“ und andere Folgen für Anlageberater Doch auch unter Berücksichtigung der Forschungsvorbehalte leuchtet der Gedanke unmittelbar ein, dass größere Reserven an Barvermögen ein entscheidender Faktor sein können, der zu einem besseren Gefühl hinsichtlich des eigenen finanziellen Wohlergehens führt. Viele Anlageberater dürften sich hier erinnert fühlen an das allzu reale Bedürfnis vieler Kunden, manchmal beachtliche Summen an Barvermögen auf ihren Giro- und Sparkonten zu behalten. In gewisser Hinsicht dürfte sich darin einfach die finanzielle Realität widerspiegeln. Diejenigen, die kaum oder kein Barvermögen besitzen, dürften nicht nur Probleme mit ihrem empfundenen finanziellen Wohlergehen haben; zweifelsohne haben sie mit größerer Wahrscheinlichkeit akute finanzielle Probleme, da ein sehr niedriges Barvermögen ein Indikator dafür sein kann, dass der Haushalt über keine gesunde Notfallrücklage verfügt und möglicherweise darüber hinaus bereits mit finanziellen Verpflichtungen zu kämpfen hat, die er nicht bedienen kann. Außerdem wissen wir bereits, dass die negative Reaktion von Konsumenten auf Rückgänge in Vermögen oder Kaufkraft weitaus stärker ausfällt, als die positive Reaktion auf Steigerungen in denselben Bereichen. Insofern ist es nachvollziehbar, dass diejenigen, die Mühe haben, ihren Lebensstandard ohne nennenswerten Bargeldpuffer aufrechtzuerhalten, und

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die zeitweise Rückgänge in ihrer Kaufkraft hinnehmen müssen, ein signifikant niedrigeres finanzielles Wohlergehen spüren im Vergleich zu den Wohlhabenderen, die über mehr als ausreichende Reserven verfügen, um ihren Haushalt stabil halten zu können. Doch davon abgesehen zeigt die Studie im Kern, dass größere Barvermögen in Verbindung stehen mit Verbesserungen des finanziellen Wohlergehens, unabhängig von Einkommen oder Gesamtvermögen. Mit anderen Worten: Es kommt nicht darauf an, ob ein Haushalt tatsächlich (größere) Notfallreserven benötigt; es ist dennoch eine Steigerung des finanziellen Wohlergehens feststellbar, wenn dieser Haushalt sein liquides Vermögen erhöht! Eigentlich ist das nicht wirklich überraschend, da unser gesamtes Bankensystem auf der Tatsache beruht, dass Konsumenten mehr verfügbares Vermögen verlangen, als sie tatsächlich benötigen; nur so können Banken über kurzfristige Einlagen langfristige Darlehen vergeben. Wie bereits in diesem Blog erwähnt, hat die Forschung zur mentalen Buchführung außerdem nahegelegt, dass dies durchaus mit der „Hierarchie von Ruhestandsbedürfnissen“ bei Rentnern zusammenhängen könnte. Allerdings weist die RubertonStudie einen breiteren Wirkungsbereich nach, da in dieser Studie derselbe Effekt feststellbar ist, obwohl die Teilnehmer im Durchschnitt „nur“ 37 Jahre alt waren (und also noch weit entfernt vom Renteneintrittsalter). Dessen ungeachtet betrachtet das klassische Investment das Bedürfnis, größere Mengen Bargeld zu besitzen, als unnötig (solange andere Investments einigermaßen liquide sind) und/oder geradezu kontraproduktiv (angesichts der Tatsache, dass Bargeld und Bargeldalternativen traditionell wenig und derzeit quasi keinen Ertrag bringen). Die Neigung, Barvermögen zu halten, wird üblicherweise als ein „InvestmentFehler“ gewertet, den der Anlageberater korrigieren kann, indem er das „Geld arbeiten lässt“. Während diese Annahme aus einer reinen Investment-Perspektive nach wie vor grundsätzlich richtig sein mag, zeigen die Forschungsergebnisse zu liquidem Vermögen und finanziellem Wohlergehen doch, dass es mit emotionalen Kosten verbunden sein kann, die Barreserven eines Investors voll auszuschöpfen. Und sie zeigen auch,

dass diese Kosten nicht aufzuwiegen sind durch angenommene zukünftige Erträge (vorausgesetzt, dass ein geringes Barvermögen einen deutlich negativen Effekt hat, während sich ein größeres Gesamtvermögen nur vermindert auswirkt). Man kann es so sehen: Eine größere Bargeldreserve zu halten, ist weniger eine „ineffiziente Investment-Entscheidung“, sondern vielmehr der Entschluss, mit einem gesunden Comfort-Cash-Polster „mehr Glück zu kaufen“! Hier stellt sich allerdings die Frage, wie „Bargeld-ähnlich“ das individuelle liquide Vermögen tatsächlich sein muss, um das mentale Bedürfnis nach „ausreichenden“ aktuellen Assets stillen zu können. Die Forscher haben eine Verbindung zwischen finanziellem Wohlergehen und der Deckung von Spar- und Girokonten erkannt, also ist physisch vorhandenes Geld – konkrete Scheine und Münzen – offensichtlich keine zwingende Voraussetzung. Aber zählen andere, etwas weniger liquide Investments wie beispielsweise Anleihen auch? Könnten auch „jederzeit“ verkäufliche Aktien und ETFs dieses Bedürfnis stillen? Könnten Anlageberater bestimmte Investment-Assets als „aktuelle Assets“ deklarieren, um ihren Kunden so ein besseres Gefühl dabei zu geben, diese Assets zu halten anstelle von Bargeld? Und wie sieht es in dieser Hinsicht mit anderen Alternativen zu liquidem Vermögen aus, wie etwa Krediten (z.B. eine revolvierende Kreditlinie, Kredite zur Eigenheimfinanzierung oder eine Umkehrhypothek für Rentner)? Könnte das Bedürfnis des Investors nach aktuellen Assets gestillt werden, wenn er zwar sein Barvermögen in Investments steckt, aber zugleich Möglichkeiten hat, Geld zu leihen? Die Antwort muss wohl „Nein“ lauten, denn es kommt häufig vor, dass Konsumenten Notfallersparnisse anlegen (die keinerlei Ertrag bringen), während sie zugleich unvorteilhafte Verbindlichkeiten (z.B. hochverzinste Kreditkarten) bedienen müssen. Daraus lässt sich schließen, dass das Bedürfnis nach Bargeld zu stark ist, um mit dem Geld bestehende Schulden zu bedienen und später bei Bedarf neues zu leihen. Wir wollen unser liquides Vermögen wirklich besitzen. (Ein ähnliches Phänomen ist zu beobachten bei Investoren, die eine Hypothek bedienen, während sie zugleich ein diversifiziertes Aktienportfolio besitzen, anstatt die

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Aktien einzusetzen, um die Hypothek zurückzuzahlen.) Aus all dem folgt, dass Anlageberater, die ihre Kunden dazu drängen, „so viel von ihrem Barvermögen wie möglich arbeiten zu lassen“, tatsächlich größeren finanziellen Stress auslösen können, selbst wenn die mathematische Realität eher so aussieht, dass es dem Gesamtvermögen im Schnitt auf lange Sicht zuträglich wäre, das Geld anzulegen. Ganz zu Ende gedacht, ist es sogar vorstellbar, dass ein „Über-Investieren“ des Barvermögens (welches zwar aus finanzieller Hinsicht nicht notwendig, aber aus psychologischen Gründen wichtig ist) Kunden dazu bringen könnte, in schwankenden Märkten schneller in Panik zu verfallen. Ermutigt man die Kunden hingegen dazu, genügend Comfort Cash zurückzuhalten (so viel, wie sie für ausreichend halten), könnten sie eher gewillt sein, in unsicheren Zeiten die Ruhe zu bewahren. Nicht so sehr, weil sie das Geld brauchen, sondern weil es ihr Bedürfnis befriedigt, den Bucket „aktuelle Assets“ zu füllen, ungeachtet etwaiger konkreter Bedürfnisse. Auf der anderen Seite muss man festhalten, dass es auch eine Rolle spielt, wo das Barvermögen aufbewahrt wird. Wenn hinter dem Bedürfnis nach Bargeld vor allem der Wunsch steht, im Sinne der mentalen Buchhaltung den Bucket „aktuelle Assets“ zu füllen, kann

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es suboptimal sein, das Barvermögen in einem Anlagenkonto zu halten, denn Anlagenkonten und vor allem Pensionskonten werden mit großer Wahrscheinlichkeit eher als „zukünftiges Einkommen“ denn als „aktuelle Assets“ eingestuft. Das bedeutet, es geht nicht allein darum, die Bargeldwünsche des Kunden zu berücksichtigen, sondern vor allem darum, dass das Barvermögen in einem Giro- oder Sparkonto bei der Bank verfügbar und nicht in einem Portfolio angelegt ist. In der Folge können sich so Vorteile auftun für technische Lösungen, die Beratern dabei helfen, Bar-Renditen zu managen und zu maximieren (sofern eine Vergrößerung des Barvermögens wirklich „notwendig“ sein sollte). Unter dem Strich muss man festhalten, dass Menschen nicht immer absolut rational handeln und dass daher eine reine, optimierte Investment-Strategie – renditearme Barvermögen so weit wie nur irgend möglich zu minimieren – nicht unbedingt zu größerem finanziellen Wohlergehen beim Kunden führen wird. Vielleicht ist es Zeit, Barvermögen nicht länger als ein „Problem“ zu betrachten, das aus der Welt geschafft werden muss, sondern als ein psychologisches Bedürfnis des Kunden, welches es zu befriedigen gilt. Wir sollten damit beginnen, den Kunden zu fragen: „Wie viel Geld brauchen Sie, um sich wohl zu fühlen?” – und anschließend können wir mit dem, was noch übrig ist, den Rest

des Portfolios planen. Möglicherweise ermutigen wir die Kunden auf diese Weise auch dazu, wesentlich langfristigere Investments zu wagen. Was denken Sie? Sorgt ein größeres Barvermögen (oder ein üppiges Bankkonto) wirklich dafür, dass Konsumenten nachts ruhiger schlafen? Ist es sinnvoll, einem psychologischen Bedürfnis nach mehr Bargeld „nachzugeben“, wenn es die Kunden glücklicher macht?

Michael E. Kitces, MSFS, MTAX, CFP®, CLU, ChFC, RHU, REBC, CASL, ist Herausgeber des “The Kitces Report” und Blogger des “Nerd‘s Eye View”. Außerdem ist er Partner und Director of Research der Pinnacle Advisory Group in Columbia, Maryland.


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Finanzplaner im Interview mit Stephan Liebl

den isoliert betrachtet, sondern mit seiner Familie und seinem beruflichen Umfeld. Wesentlich ist für uns hierbei eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wir sehen uns klar als Innovationsführer am heimischen Bankenmarkt. Dies nicht zuletzt wegen unserer Plattform „George“, dem modernsten Onlinebanking Österreichs, das auch in Deutschland Beachtung findet. Am Standort Schärding am Inn (Oberösterreich) betreuen wir seit Jahrzehnten in einem eigenen Kompetenzzentrum unsere deutschen Kunden.

Stephan Liebl, Bankfachwirt (IHK), EFA®, Finanzfachwirt (FH), CFP ®, Allgemeine Sparkasse Oberösterreich Bank AG Beschreiben Sie bitte Ihre Tätigkeit und Ihr Unternehmen. Stephan Liebl: Die Allgemeine Sparkasse Oberösterreich Bank AG mit Sitz in Linz hat sich in den 168 Jahren ihres Bestehens zur führenden Regionalbank entwickelt. Als kundenstärkste Bank Oberösterreichs geben wir mit über 410.000 Kunden an 162 Filialstandorten ein klares Bekenntnis zu gelebter Kundennähe ab. Die Basis unserer Kundenbetreuung bildet ein ganzheitlich angelegter Beratungsansatz, der nicht nur den Kun-

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Neben dem Treasury, einer eigenen Kapitalanlagegesellschaft und der Vermögensverwaltung unseres Hauses arbeiten wir mit weiteren renommierten Kapitalanlagegesellschaften zusammen. Für unsere deutschen Kunden bieten wir einen Zugang zu einem externen Versicherungsmakler. Neben meiner Tätigkeit als CFP® und Geschäftskundenbetreuer bin ich intern auch als Referent in der Mitarbeiterfortbildung tätig. Welche Kundengruppe beraten Sie schwerpunktmäßig? Stephan Liebl: In meiner Abteilung betreuen wir ausschließlich Kunden aus dem benachbarten Bayern. Es handelt sich hierbei in der Regel um

vermögende Kunden, meist auch mit gewerblichem Hintergrund. Persönlich betreue ich in erster Linie mittelständische Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler. Hochinteressant sind hierbei insbesondere die Wechselwirkungen und Gestaltungsmöglichkeiten zwischen privater und betrieblicher Vermögenssphäre. Was sind Ihre Beratungsschwerpunkte? Stephan Liebl: Unsere Beratung baut auf einem ganzheitlichen Ansatz auf, der grundsätzlich auch alle Familienmitglieder einschließt. Die Schwerpunkte in der Finanzplanung ergeben sich in der Regel aus der individuellen Situation unserer Kunden. Anhand von Beispielen erklärt: Für die Generation „50 plus“ entwickeln wir individuelle Strategien und Lösungen für den Erhalt und Schutz von Vermögenswerten. Im Fall eines gewerblichen Hintergrunds bedingt sich meist automatisch ein stärkerer Fokus auf bedarfsgerechte und individuelle Finanzierungskonzepte. Dies setzt auch voraus, dass man das Geschäftsmodell des Unternehmens versteht und Kenntnis über dessen Marktumfeld hat. Hohes Augenmerk legen wir zudem auf die Bereiche Nachlass-, Nachfolge-, Liquiditäts- und Risikomanagement.

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Welche Literatur lesen Sie und welche empfehlen Sie den Lesern des Magazins? Stephan Liebl: Ich lese regelmäßig das „FINANCIAL PLANNING Magazin“, den Newsletter des FPSB, „Capital“ und „DAS INVESTMENT“ sowie die örtliche Tagespresse. Daneben Publikationen aus dem NWB-Verlag sowie die Online-Ausgaben von „stern“ und „FOCUS“. Als ausgesprochen interessante Lektüre empfinde ich „Gier. Neuroökonomie: Wie wir ticken, wenn es ums Geld geht“. Der Autor Jason Zweig beschreibt hier auf Basis jüngster neurowissenschaftlicher Studien sehr anschaulich unsere Verhaltensökonomik. Ergänzend hierzu „Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition“ von Gerd Gigerenzer. Welche Fortbildungen und Netzwerke nutzen Sie und warum? Stephan Liebl: Ich besuche jedes Jahr die Financial Planner-Tage der Frankfurt School of Finance & Management und den Münchner Finanzplanertag des network financial planner e.V. Regelmäßig auch das Financial Planner Forum in Berlin sowie Veranstaltungen der Finanzplaner Forum UG. Aus meiner Sicht ergänzen sich diese Veranstaltungen inhaltlich und charakteristisch sehr gut. Besonders schätze ich die komprimierte Vermittlung von Inhalten und die hohe fachliche Kompetenz der Dozenten.

Durch die vielen persönlichen Kontakte im Rahmen der Veranstaltungen ergibt sich eine laufende Erweiterung meines Netzwerks.

beruhen. Transparenz, Klarheit und Ehrlichkeit sollten selbstverständlich sein.

Welche Ausbildung(en) haben Sie?

Was wünschen Sie sich für die Zukunft an Unterstützung und Weiterentwicklung?

Stephan Liebl: Ich bin Bankfachwirt (IHK ), Financial Planner (Frankfur t School of Finance & Management), DINzertifizierter Finanzplaner, EFA ®, zertifizierter Trainer/Coach, Finanzfachwirt (FH) und CFP®. Ende des letzten Jahres habe ich außerdem die Reziprozität in Österreich erfolgreich abgelegt.

Stephan Liebl: Für die Finanzplanung im Allgemeinen wünsche ich mir eine noch stärkere Etablierung und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Den Kunden sollte es möglich sein, die Vielzahl von unterschiedlichen Beratungsangeboten möglichst einfach differenzieren zu können.

Was macht für Sie einen guten Finanzplaner aus?

Sehr hilfreich wäre es hierbei, dass bekannt ist, was sich hinter einem CFP® oder EFA® genau verbirgt und worin der Mehrwert besteht.

Stephan Liebl: Zuallererst ist es wichtig, zuzuhören und zu hinterfragen. Im Zuge der immer stärker zunehmenden Komplexität und Schnelllebigkeit unserer Zeit wird es immer wichtiger, eine Lotsenfunktion für den Kunden einzunehmen. Nach kritischer Auseinandersetzung mit den Vorstellungen und Wünschen der Kunden sollten Empfehlungen und Lösungsvorschläge stets nachvollziehbar sein. Durch eine Vielzahl von Einflüssen unterliegt auch die „beste“ Planung einer gewissen „Halbwertszeit“. Regelmäßige „Check-up-Gespräche“ mit etwaiger Nach- oder Neujustierung sind deshalb notwendig. Gute Beratung sollte sich zudem immer an ethischen Grundsätzen orientieren und auf ausgeprägter fachlicher Basis

Welche Hobbys haben Sie? Stephan Liebl: Meine große Leidenschaft gilt selbst organisierten Fernreisen. Fremde Länder und Kulturen lassen mich Dinge immer aus anderen Blickwinkeln betrachten. Abschalten kann ich am besten bei Gartenarbeit oder einer Runde Golf. In den letzten Jahren wird die Freizeitgestaltung vermehrt durch unsere Söhne bestimmt. Das hat auch dazu geführt, dass mir inzwischen nahezu alle Spielplätze und Freizeitparks in unserer Gegend bekannt sind. Es ist zwar kein klassisches Hobby, aber ein Themenbereich, der mich seit Jahren zunehmend fesselt, sind die Theorien der „behavioral finance“. Vielen Dank für das Gespräch.

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Journal of Financial Planning

Because Retirees Aren’t Spreadsheets von Jonathan Guyton

treme form, this approach advocates investing a great majority, if not all, of these assets in equity assets. This strategy, often called essentialversus-discretionary, seems logical, sounds simple and reasonable, and would work flawlessly if people were spreadsheets and not human beings. But retirees are indeed human. And their lifestyle costs don’t often follow a spreadsheet’s COLA on a steadily rising path. So this advice can have significant, unintended consequences.

Essential Core Spending Jonathan Guyton, CFP®, is principal of Cornerstone Wealth Advisors Inc., a holistic financial planning and wealth management firm in Edina, Minnesota. He is a researcher, mentor, author, and frequent national speaker on retirement planning and asset distribution strategies.

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etirees often cover ongoing living expenses with Social Security and any pension benefits. If these sources aren’t enough, they are sometimes advised to cover the rest by using assets to purchase guaranteed sources of inflation-adjusted income, such as bond ladders or single premium immediate annuities (SPIAs). Depending which they choose, the use of retirement savings to fund these “essential” expenses can be an irrevocable decision. The amount of capital required to fund each real dollar of such lifetime spending is about $30. Remaining financial assets can then be earmarked for “discretionary” (in theory, nice, but not necessary) expenses and invested more aggressively for growth, because assets funding essential expenses no longer enjoy that opportunity. In its most ex-

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Most retirees’ discretionary expenses actually seem quite necessary to them. As one of our clients put it, “If we can’t keep doing these things in retirement, it’s not worth it to retire.” He has a point. For these reasons, our firm does not advocate this approach when advising clients, although I understand why other advisers do. It’s understandable that retirees are not ambivalent about the quality of life funded by these so-called discretionary expenses. After all, people often enter retirement with wishes to fulfill, bucket lists to live out, deferred gratifications nearing their live-by dates, in addition to travel dreams, key lifetime events for children and grandchildren, etc., while aware that their health is the most precious asset of all given its unknown longevity. But here’s the planning challenge: just because a client considers a spending item to be essential doesn’t mean it will be a part of their spending (at today’s level) 10 or 20 years into what may be a 40-year retirement. We treat expense items reasonably expected to be a part of client spending for the rest of their lives – at least 25 years at a similar annual inflation-

adjusted amount – as “essential” core spending. This typically includes all housing-related items (including second homes, since they are often retained longer than people expect), food, insurances, transportation, personal care, and entertainment. (As a patron of the performing arts, I’m always inspired by the physical ailments older audience members overcome to continue attending the performances they love; it’s usually the same with other entertainment.) Everything else we consider discretionary – that is, not essential – if they are expected to occur for less than 20 years, will decline in real terms over time, or are irregular, spontaneous, or one-time expenses. These we fund via a different strategy. We probably need different labels. Calling them “core” avoids the Spartanesque connotation of being merely “essential.” But whatever they’re called, one of the most important things our retired clients have taught me is that far more of their expenses when retirement begins fit the “discretionary” definition than I initially realized. Research by David Blanchett (see “Exploring the Retirement Consumption Puzzle” in the May 2014 issue of the Journal) backs this up: he found that real spending declined 25 to 30 percent by age 85 for households whose lifestyle costs were over $100,000 in their early 60s.

An Example Consider the financial planning implications of this, beginning with the amount of capital needed to fund essential or core lifestyle spending. This, of course, directly determines what’s available for items that don’t meet the definition of core spending. Imagine a household with a pre-tax income need of $130,000 to retire as

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they wish. If $60,000 of this is (eventually) covered by pension and/or Social Security, it requires at least another $2 million of dedicated capital to fund the other $70,000 of core spending. If their retirement savings total $1.5 million, this isn’t a very encouraging picture; it would seem they were more than $500,000 short of being able to retire. But what if $30,000 of this (about 25 percent) in the truly golden years didn’t meet the above definition of core lifestyle costs? Instead, this $30,000 was to fund a decade or two of ambitious travel and other bucket list items, meaning that financial assets were actually needed to fund $40,000—not $70,000—of annual, ongoing core lifestyle. That changes the retirement math dramatically. Now, while still employing the basic tenants of an essential-versus-discretionary approach, the core lifestyle is fully funded. And remaining liquid financial assets could be as much as $300,000. Clearly, such a discretionary fund would be drawn on more heavily in the first 10 to 15 years of retirement, but that is precisely the point, especially if clients hope to have higher spending in retirement’s first five to 10 years. A situation where the essentials of this approach previously included a heavy dose of scarcity now contains an abundance of freedom, discretion, and flexibility for intentional spending.

Lifestyle Risk But even with this adjustment to the core-discretionary spending dichotomy, there could still be unintended lifestyle costs. Investing a discretionary fund too aggressively can make its value so volatile that retirees may unwittingly

hitch their ability to enjoy bucket list dreams to the stock market’s shortterm fluctuations. That’s because when equities experience their inevitable big declines, these funds could fall so much that retirees feel they have no choice but to change their plans. Although they know deep down that markets will recover, it is their physical health that may not allow them to wait out a recovery – a certain recipe for regret. To illustrate, it was 10 years ago in 2007. The Johnsons were two years from some joyous family events. In 2009 they would celebrate their 40th wedding anniversary, and their younger daughter would be married. They had promised $25,000 toward her wedding and, to celebrate their own marriage, the Johnsons planned to host their three children, spouses, and grandchildren for a week of family adventure and memory-making in Hawaii. For this, they budgeted another $25,000. They previously determined they could earmark $100,000 of assets for such events, as it wasn’t needed to fund their core spending. Although they had high hopes for further travel after this, they were comfortable using half the $100,000 in 2009 because they expected high returns from these assets, investing 80 percent of it in stocks. Sadly, markets didn’t cooperate. By early 2009 when final payments were due, these assets had fallen nearly 40 percent to $63,000. It was a horrible time to take out $50,000. So, with heavy hearts they cancelled the Hawaii trip, telling their disappointed children and grandchildren they hoped it would be possible in 2014 at their next significant anniversary, hoping that their health permitted it.

Writing in 2012, Michael Kitces suggested that such market-induced delays, cancellations, and the regrets they trigger signify the failure of one’s retirement plan itself (see “The Problem with Essential-Vs-Discretionary Retirement Strategies,” posted May 30, 2012 at kitces.com/blog). He is still right today. For unfortunate families like the Johnsons, this generated a huge increase in lifestyle risk, which has been documented. In mid-2011, the Journal surveyed advisers who used various strategies to generate retirement income (see “Study Suggests Link between Planner Retirement Advice and Client Lifestyle Changes,” in the December 2011 Journal). The survey asked about clients who felt it necessary to make “significant changes” to their lifestyle in the years just after the Great Recession. The results were striking: 64 percent of advisers who recommend the essential-versusdiscretionary approach saw more than 20 percent of clients undergo a significant lifestyle change—even though their income for essentials did not change. By contrast, just 36 percent of advisers using other approaches had that high a frequency of significant lifestyle changes. Noticeably, half of these saw just 4 percent or fewer of their clients suffer a significant change. What did these financial planners do differently? In short, they took a more balanced, flexible approach and employed a more dynamic, policy-based withdrawal strategy. It’s yet another example of why retirement planning done well must also consider human nature and behavior in addition to analytics and spreadsheets.

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Cognitive Decline: The Importance of Awareness and Advance Planning von Renée Kwok und Daniel Kern

Renée Kwok, CFP®, is president and CEO of TFC Financial Management, overseeing the firm’s financial planning and wealth management services. Daniel Kern, CFA®, CFP®, is chief investment officer of TFC Financial Management, where he is responsible for overseeing TFC’s investment process, research activities, and portfolio strategy.

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or an aging population, cognitive decline is an unnerving challenge on numerous levels. Expected longevity has jumped more than 10 percent since 2000, according to the Society of Actuaries. The average 65-yearold man can be expected to live into his mid-80s, one-fourth live past age 90, and 10 percent live past 95. The average 65-year-old-woman has an even longer life expectancy. Affluent individuals have actuarial life expectancies beyond the averages and often have complex financial considerations requiring high levels of cognitive function. Although increased life spans bring great benefits, the potential for cognitive decline is an important consideration for financial advisers.

Defining Cognitive Decline

Implications

Dementia is defined as the loss of cognitive and mental functions severe enough to impair a person’s daily functioning, and estimates indicate that nearly 15 percent of Americans over age 70 suffer from some form of dementia.1 An estimated 5 percent of the population of those ages 71 to 79 suffer from dementia, increasing to 39 percent for those age 90 and older. 2

Studies of decision-making have identified tendencies of older consumers to make poor financial choices when compared to middle-aged consumers, highlighting potential risks for an aging population.

According to the Mayo Clinic, mild cognitive impairment (MCI) is an intermediate stage between the expected cognitive decline of normal aging and the more serious decline of dementia. Mild cognitive impairment can involve problems with memory, language, thinking, and judgment that are greater than normal age-related changes. Individuals with mild cognitive impairment may be aware that memory or mental function has “slipped.” Family and close friends also may notice changes, but they often aren’t severe enough to interfere with day-today life and activities. In total, about half of 80-year-olds suffer from dementia or cognitive impairment that falls short of dementia. This group includes dementia patients, but is also largely comprised of those struggling with cognitive decline— impairment in processing speed, reasoning skills, spatial processing, and the ability to solve problems spontaneously.

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One study found that financial literacy scores declined by about 1 percent per year after age 60 while other studies identified declines in investment skill and credit behavior (see the Center for Retirement Research at Boston College paper in endnote 2). The Rush University Memory and Aging Project, for example, continually assesses cognition among a group of individuals in the Chicago metropolitan area. The annual assessment identifies the impact of cognitive decline on financial literacy, confidence in the ability to manage money, and willingness to seek help in managing finances. According to one study that explored this data (see the Journal of Human Capital paper in endnote 1), at the time of the initial assessment, individuals were able to answer most financial literacy questions correctly, were reasonably self-confident, and were primarily responsible for managing their own finances (though a meaningful percentage received some help with their finances). Declines in cognition among study participants led to declining financial literacy scores, but despite the decline in general levels of self-confidence, confidence in managing finances remained high. The “stickiness” of confidence in managing financial matters may indicate that older individuals fail to recognize the impact of declining cognition on their financial decision-making ability. Although older

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Journal of Financial Planning

individuals were reluctant to give up control, the research published in the Journal of Human Capital also indicated that those with declining cognition were willing to seek some degree of help from others. Data from the Health and Retirement Study, a nationally representative study of Americans over age 50 and their spouses, has been used to draw similar conclusions. In examining patterns over a 27-point cognition scale, research has identified that cognitively impaired individuals were either unaware of their situation or were unwilling to admit their impairment. 3 Aging clients face a wide variety of financial considerations – the decline of defined benefit plans creates retirement planning complexity; rising costs of medical care alongside shrinking insurance coverage creates financial and emotional stress; and the complexity of the tax code presents a unique set of challenges. Cognitive decline reduces the likelihood that clients will make appropriate decisions unless they plan in advance. The time to start planning is before the onset of cognitive decline. Some Solutions Cognitive decline can jeopardize hardearned financial security at a time in which clear-headed decision-making may be most important. The choices that must be made to manage finances and investments are contingent upon one’s understanding of accounts, tax rates, global equity and fixed-income markets, and short- and long-term cash flow needs. When this understanding falters, risk increases. There is no one, widely used measurement system for cognitive decline, which complicates the task of identifying whether an individual is impaired enough to need help. Family members and financial advisers should look for changes in demeanor, behavior, or personality to identify potential indications of cognitive decline. People who are typically on top of everything may become scattered or disorganized, or may start to forget recent conversations or correspondence. Documenting changes

can confirm a pattern of behavioral change and will help support what may be a difficult conversation. Understanding the realities of aging helps families better prepare, especially when financial and personal legacies are at stake. Certainly not all families encounter this issue and some are reluctant to discuss cognitive issues, but the future can be better managed by those willing to share information and responsibilities with trusted family members and advisers. Protecting against cognitive decline can involve establishing trusts, assigning power of attorney to other family members, or transitioning responsibilities to professional third parties.

Communication within the Family The way in which families interact changes as life progresses, especially for those who are caring for their children and their parents at the same time. Both this sandwich generation and the elder generation are considering issues such as investment decisions, maintenance of family-held property, and health care needs that expand in tandem with extended life spans. The idea of sharing information is greeted differently from family to family, as dynamics among parents and siblings can create long-term financial and emotional complications. Some families limit financial transparency to bill payment and basic budgets while others are fully transparent about their finances. In an ideal world, financial goals, personal preferences, and estate plans are prepared and shared with family members and advisers long before cognitive decline impairs financial decision-making. Living wills and medical directives can provide guidance as to how to handle certain medical situations. A durable power of attorney for health care appoints a person to make health care decisions, and can be structured to become effective only upon inca-

pacity. A durable power of attorney for property can provide continuity of decision-making for business and/or personal affairs. Other considerations best handled before the onset of cognitive decline include gifting strategies, trusts, and insurance planning. The transition process within the family calls for formal documentation and introductions to advisers. Meeting in person with trustees, financial advisers, accountants, and attorneys will promote a less difficult transition. Planning with Confidence and Foresight The tendency of families to wait until decline has started can create financial and emotional challenges. The delicate nature of cognitive decline underscores that a family’s true financial situation goes beyond portfolio performance. Families should have a plan that captures their life goals, not just their financial outlook. A comprehensive checklist of financial and legal items is one of the most critical tools with which families can equip themselves. Working with various advisers, including financial planners, CPAs, and attorneys, families should identify the location of legal documents, all financial accounts, and the necessary passwords to access critical information. These details should be accessible to appointed family members and held in a secure environment. It is also important to document personal preferences regarding considerations that may fall outside the specified direction provided in a will or trust document. The best aid for handling cognitive decline is knowledge. Families will benefit by improving their personal financial literacy so that they can recognize warning signs and change direction when concerns arise. If families are comfortable communicating with one another, have a grasp on their own capabilities, and delegate when necessary, they can put themselves in a strong position. Their efforts will allow them to direct less energy to anxiety about their financial pressures and more to the emotional needs across the generations.

Endnotes: 1. See “Dementia Risk and Financial Decision Making by Older Households: The Impact of Information,” by Joanne W. Hsu and Robert Willis published in the April 2013 issue of the Journal of Human Capital, available at ncbi. nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4267321. | 2. See “What Is the Age of Reason?” by Sumit Agarwal, John C. Driscoll, Xavier Gabaix, and David Laibson, published July 2010 by the Center for Retirement Research at Boston College, available at crr.bc.edu/wp-content/uploads/2010/07/IB_10-12-508.pdf. | 3. See “Growing Older in America: The Health and Retirement Study” posted July 15, 2015 by the National Institute on Aging, available at nia.nih.gov/ health/publication/growing-older-america-health-and-retirement-study, and Hsu and Willis (2013) shown in endnote 1. Resources: In addition to those mentioned in the endnotes, the authors used the following resources as background information for writing this article: • “ How Does Aging Affect Financial Decision Making?” by Keith Jacks Gamble, Patricia A. Boyle, Lei Yu, and David A. Bennett, published January 2015 by the Center for Retirement Research at Boston College, available at crr. bc.edu/briefs/how-does-aging-affect-financial-decision-making. • “How to Make Your Money Last as Long as You Do,” by Mark Miller, published February 18, 2017 by The New York Times, available at nytimes.com/2017/02/18/your-money/retiring-longevity-planning-social-security.html.

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Kolumne

China läuft und läuft und läuft ... von Dr. Martin Lück

Dr. Martin Lück, Managing Director, Chief Investment Strategist für Deutschland, Österreich, Schweiz und Osteuropa bei BlackRock

E

nde Juni kündigte der Index-Anbieter MSCI an, chinesische A-Aktien ab nächstem Jahr schrittweise seinem Benchmark-Schwellenland-Index hinzuzufügen. Marktbeobachter sehen darin zwar keinen unmittelbaren „Game Changer“, das zunehmende Auftauchen großer chinesischer Unternehmen in den wichtigsten Indizes dürfte aber das Augenmerk vieler Investoren verstärkt auf die Region – und Schwellenländer insgesamt – lenken. Eine gute Gelegenheit, noch einmal auf deren wichtigste Chancen und Risiken hinzuweisen. Beginnen wir mit China selbst. Das Land befindet sich im Umbruch, auf dem Weg vom Entwicklungs- zum Industrieland, und hat vermutlich bereits den größten Teil dieses Weges zurückgelegt. Nach dem enormen Wachstum der letzten Jahrzehnte gilt es nun, von einer viel breiteren Basis aus langsamer zu wachsen – und dies auf eine Weise, die nachhaltiger ist und die Umwelt sowie Ressourcen besser schont. Dieser Herausforderung begegnet die politische Führung des Landes mit einer

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Art wirtschaftspolitischer Stop-andgo-Strategie. Verlangsamte sich etwa das Wachstum vor zwei Jahren so stark, dass die Staatsführung Angst vor einer „harten Landung“ zu bekommen schien, führte eine schnell auf den Weg gebrachte Investitionsoffensive zu wieder stabilerem Wachstum. Nebeneffekt dieser staatlich orchestrierten Ankurbelung von Infrastrukturprojekten war der bemerkenswerte Preisanstieg bei Industriemetallen wie Eisenerz oder Kupfer über das Jahr 2016. Nun, jenseits der Jahresmitte 2017, bremsen die chinesischen Behörden angesichts ausufernder Verschuldung wieder leicht ein, vor allem beim Kreditwachstum. Was lernen wir aus alledem? China läuft und wird weiterlaufen, solange die Behörden genug Munition für dieses Makro-Management haben. Wie sieht es dann mit den Emerging Markets insgesamt aus? Nach Einschätzung des BlackRock Investmentinstitut beschleunigt sich zurzeit das globale Wirtschaftswachstum, und zwar mehr oder weniger synchron in verschiedenen Teilen der Welt. Eine derartige Konstellation, die auch zu wieder stärkerem Welthandel führt, nützt Schwellenländern ganz besonders. Da sich gleichzeitig die Qualität der Unternehmensführung und auch – ganz generell – der politischen Governance in den meisten Schwellenländern verbessert hat, dürften dort Wachstum und Unternehmensgewinne überproportional profitieren. Nicht zu vergessen ist dabei, dass die Schwellenländer per saldo einen erheblichen Rückstand im Pro-Kopf-Einkommen im Vergleich zur industrialisier ten Welt haben. Dies bedeutet Aufholpotenzial, mit anderen Worten: stärkeres Wachstum. Auch hier liegen Chancen für Anleger. In der Tat haben Schwellenländer im Durchschnitt der letzten zehn Jahre mehr als die Hälfte zum globalen Wirtschaftswachstum beigetragen, und das trotz ihres immer

noch deutlich geringeren Gewichts. Wer heute in überdurchschnittliches Wachstum investieren möchte, kommt um Schwellenlandanlagen kaum herum. Es wäre aber fahrlässig, nicht auch auf die Risiken hinzuweisen. Zu beginnen wäre bei den hausgemachten Problemen in Schwellenländern, etwa die oft unzureichende Rechtssicherheit, verbreitete Korruption oder Kriminalität in den Städten. Auch hat sich keineswegs – wie oben allgemein postuliert – die Governance überall verbessert. Die gegenwärtige Qualität der politischen Führung in einigen großen Schwellenländern – Brasilien, Türkei, Südafrika, um nur einige zu nennen – spricht eine andere Sprache. Auch können Schwellenländer überdurchschnittlich betroffen sein, wenn etwa der US-Dollar stark aufwertet. Als dies 2013 geschah, verloren gerade die Währungen von Ländern mit hoher Dollar-Verschuldung dramatisch an Wert. Zwar hat das Risiko einer Wiederholung derartiger Verwerfungen abgenommen, auszuschließen sind sie aber nicht. Und schließlich hängt über den Schwellenländern das Damoklesschwert eines wiederkehrenden Protektionismus. Ähnlich, wie sie am stärksten von freiem Welthandel profitieren, sind Schwellenländer auch von Abschottung und nationalen Egoismen im Handel am stärksten betroffen. Unterm Strich glauben wir, dass in diesem Jahr erneut die Chancen die Risiken überwiegen und deshalb Anlagen in Schwellenländern attraktiv bleiben. Dabei hilft es, dass China mit seinem nach wie vor robusten Wachstum und vor allem seinem unersättlichen Rohstoffhunger für eine Ausbreitung stärkerer Nachfrage in Rohstoffregionen wie Südamerika oder Afrika sorgt. Solange also China läuft, laufen die Schwellenländer insgesamt. Für den Moment ist das noch eine gute Nachricht. Es mag ein Punkt in der Zukunft kommen, an dem wir das weniger optimistisch beurteilen.

03|2017


Kolumne

Künstliche Intelligenz: Teil unseres Alltags, Treiber unserer Zukunft Künstliche Intelligenz ist überall. Sie ist mittlerweile Alltag und wird weiter an Raum gewinnen. Die Investitionsmöglichkeiten sind vielfältig.

von Hans-Jörg Naumer

A

bgesehen von „Siri“ und ihren Freunden steckt Künstliche Intelligenz oder kurz „KI“ (englisch „AI“ für „Artificial Intelligence“) längst in vielen Alltagsanwendungen: SocialMedia-Plattformen, die Informationen filtern, Videoanalysen zur Sicherheitsüberwachung, Anwendungen im Gesundheitssektor (so führt eine indische Firma heute schon Tag für Tag bis zu 100.000 Diagnosen mit KI durch), Algorithmen, die Sportberichte oder Unternehmensanalysen verfassen, selbst juristische Stellungnahmen werden von KI angefertigt mit Datenbanken im Hintergrund, die kaum noch von Menschen durchforstet werden könnten. KI ist unser Alltag. KI ist unsere Zukunft. Bis 2020 sollen im „Internet der Dinge“ („Internet of Things“) bis zu 50 Milliarden Objekte vernetzt sein, die alle fortlaufend auswertbare Daten liefern. „Smart Home“ – das vernetzte Zuhause, bei dem der Kühlschrank für Nachschub sorgt, wenn der Vorrat zur Neige geht – oder auch das selbstfahrende Auto sind dazu die Stichworte aus unseren Alltagsanwendungen.

Die technologische Infrastruktur Künstliche Intelligenz ist mehr als nur ein paar kluge Algorithmen, die Probleme selbstständig lösen können. Es geht um einen ganzen Kosmos von Technologien und Maschinen – und damit Investitionsmöglichkeiten – die zusammenwirken. Es beginnt mit der Schnelligkeit der Prozessoren, die exponentiell anwächst. Aber Schnelligkeit ist nicht alles. Es geht um mehr. Zuallererst um Daten. Je mehr Daten, desto besser. Denn Speicherkapazität kostet kaum noch etwas und sie kann über Rechnernetzwerke in der „Cloud“ nach Belieben zusammengeschaltet werden. Kapazitätsprobleme gibt es nicht, und wenn, dann nur in Form von mangelnder Verfügbarkeit der Daten. Bei den Ergebnissen gilt Korrelation statt Kausalität, womit das Mantra von Statistik und Ökonometrie auf den Kopf

gestellt wird. Hieß es bisher doch immer: Was einen statistischen Zusammenhang aufzeigt, sagt nicht notwendigerweise etwas über den tatsächlichen Zusammenhang, die Kausalität, aus. Je mehr Daten, desto mehr lässt sich an – auch noch so speziellen – Verknüpfungen erstellen. Daten und Rechnerleistung machen Strukturen im bisher Unstrukturierbaren erkennbar. Wenn nur genügend Daten zur Verfügung stehen, dann werden sogar bei sehr individuell verlaufenden Krankheiten Muster sichtbar, die eine zielgerichtete, speziell angepasste Behandlung ermöglichen. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat zum Beispiel der britische National Health Service der KI-Einheit „DeepMind“ von Google Zugang zu den Daten von 1,6 Millionen Patienten gewährt. Nicht nur die Diagnose soll damit besser und schneller werden, Algorithmen sollen auch Vorhersagen über Krankheitsverläufe treffen. Dabei geht es auch um mobile Anwendungen, die sowohl die Datenerhebung als auch deren Auswertung direkt vor Ort ermöglichen. Der große Unterschied zwischen KI und dem menschlichen Gehirn ist dabei: Während Letzteres in seiner Kapazität begrenzt ist, können Computerkapazitäten schier unbegrenzt ausgebaut werden. Sie können über „Big Data“ Muster erkennen, die menschlichen Gehirnen allein verschlossen bleiben. Aufgrund der Masse der Daten ist dann nicht mehr die Kausalität, der Wirkungszusammenhang, entscheidend, um Entwicklungen erkennen und prognostizieren zu können, sondern die Korrelation – rein statistisch erkannte Zusammenhänge, die neue Lösungen ermöglichen. Speicherplatz und Rechnergeschwindigkeit sind schon längst nicht mehr die Engpassfaktoren. Im Gegenteil. Die Rechnergeschwindigkeit hat sich exponentiell fortentwickelt, während die Kosten für Speicherkapazität geradezu kollabiert sind. Und nicht nur das.

Hans-Jörg Naumer, Global Head of Capital Markets & Thematic Research, Allianz Global Investors Speicher und Rechnerleistung lassen sich über Cloud-Computing weltweit verbinden. Vor diesem Hintergrund ist es auch zu verstehen, warum ein Team am Imperial College London eine auf künstlicher Intelligenz beruhende Lösung fand, mit der Lungenhochdruck mit einer 80-prozentigen Genauigkeit diagnostiziert werden kann. Menschliche Kardiologen können dies nur mit einer Genauigkeit von 60 Prozent. Ähnlich bei Google: Der Datenriese erreicht mittlerweile Stateof-the-Art-Ergebnisse bei der Diagnose von Brustkrebs. Investitionsbedarf als auch Investitionsmöglichkeiten sind riesig. Nach Datenanbieter Tractica liegen die weltweiten Umsätze mit künstlicher Intelligenz zwar noch unter einer Milliarde USD, bis 2025 sollen sie jedoch auf knapp 37 Milliarden USD anwachsen, so die Prognose. Das entspräche einer Wachstumsrate von 57 Prozent pro Jahr. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama dürfte recht haben, wenn er sagt: „My successor will govern a country being transformed by AI.“ Künstliche Intelligenz ist Teil unseres Alltags und wird ein Treiber unserer Zukunft sein.

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Steuern in der Finanzplanung

Auswirkungen der Investmentsteuerreform auf Spezial- und Millionärsfonds von Dr. Robert Strauch

2 Grundzüge der Investmentsteuerreform 2.1 Publikumsfonds Fondsebene: Publikumsfonds unterliegen mit inländischen Beteiligungseinnahmen (insbesondere Dividenden), Immobilienerträgen und bestimmten sonstigen inländischen Einkünften zukünftig einer partiellen Körperschaftsteuerpflicht (Steuersatz 15 Prozent). Zinsen und Veräußerungsgewinne unterliegen dagegen grundsätzlich nicht der partiellen Steuerpflicht. Gewerbesteuer fällt grundsätzlich nicht an.

Dr. Robert Strauch, Steuerberater, Vorstandsvorsitzender, Institut für Vermögensstrukturierung (IVS) e.V.

1 Begriff des Spezialund des Millionärsfonds Begriff des Spezialfonds: Nach altem Recht liegt ein Spezialfonds vor, wenn die Fondsanteile satzungsgemäß von nicht mehr als 100 Anlegern, die nicht natürliche Personen sind, gehalten werden. Nach neuem Recht ähneln die Voraussetzungen im Ergebnis den bisherigen Voraussetzungen. Es ist jedoch insbesondere zu beachten, dass zukünftig auch eine mittelbare Beteiligung von natürlichen Personen, die ihre Anteile im Privatvermögen halten, unzulässig ist. Begriff des Millionärsfonds: Millionärsfonds sind im Grundsatz Publikumsfonds, bei denen durch Gesetz, Satzung, Gesellschaftsvertrag oder Anlagebedingungen die Beteiligung natürlicher Personen von der Sachkunde des Anlegers abhängig oder für die Beteiligung eine Mindestanlagesumme von 100.000 EUR oder mehr vorgeschrieben ist. Hierunter fallen insbesondere luxemburgische „Fonds d’investissement spécialisés“ (FIS) beziehungsweise auf Englisch „Specialised investment funds“ (SIF), die auch häufig als luxemburgische Spezialfonds bezeichnet werden. Im Gegensatz zu Spezialfonds können sogenannte Millionärsfonds von natürlichen Personen auch direkt im Privatvermögen gehalten werden.

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Anlegerebene: Investmenterträge zählen weiterhin zu den Einkünften aus Kapitalvermögen (Abgeltungsteuer). Um einen Ausgleich für die partielle Steuerpflicht des Fonds zu schaffen, sind die Investmenterträge in Abhängigkeit des Fondstyps (Aktien-/Immobilien-/ Mischfonds) und des Anlegers (natürliche Person mit Privat-/Betriebsvermögen, Körperschaften) auf Anlegerebene zukünftig teilweise steuerfrei. Neben den Ausschüttungen muss der Anleger die sogenannte Vorabpauschale, die die thesaurierten Erträge erfasst und typisierend auf Basis einer risikolosen Verzinsung des Fondsvermögens ermittelt wird, versteuern. Das Fondsprivileg, das heißt die allgemeine Freistellung von thesaurierten Veräußerungsgewinnen, fällt in Zukunft weg. Gesamtbetrachtung: Die tatsächliche Steuerbelastung hängt zukünftig von der Art des Fonds und der tatsächlichen Zusammensetzung der Erträge ab. Eine wesentliche Mehrbelastung ist nicht zu erwarten. Die Investmentsteuerreform erfolgt vor allem, um das Investmentsteuergesetz (InvStG) europarechtskonform auszugestalten und die Gestaltungsanfälligkeit des InvStG zu reduzieren. 2.2 Spezialfonds Besteuerungsregime: Es besteht zukünftig ein Wahlrecht, ob • Spezialfonds ähnlich den Publikumsfonds einer partiellen Steuerpflicht unterliegen und die Spezial-Investmenterträge für den Anleger teilweise steuerbefreit sind, wobei im Gegen-

satz zu Publikumsfonds keine Vorabpauschale anfällt und weiterhin das Fondsprivileg besteht (Freistellung von thesaurierten Veräußerungsgewinnen), das zukünftig allerdings auf 15 Jahre beschränkt wird, oder

• S pezialfonds ähnlich den bisherigen

Regelungen vollständig steuerbefreit sind (sogenannte Transparenzoption) und beim Anleger eine semitransparente Besteuerung vorgenommen wird, wobei wie bisher zwischen ausgeschütteten und ausschüttungsgleichen Erträgen unterschieden wird und das Fondsprivileg ebenfalls fortbesteht und auf 15 Jahre beschränkt wird.

2.3 Übergangsregelung Sämtliche Alt-Anteile gelten mit Ablauf des 31.12.2017 als veräußert und mit Beginn des 01.01.2018 als angeschafft. Eine Besteuerung des fiktiven Veräußerungsgewinns erfolgt jedoch erst bei tatsächlicher Veräußerung. Bei Anteilen, die vor dem 01.01.2009 (Einführung der Abgeltungsteuer) erworben wurden, bleibt der fiktive Veräußerungsgewinn bis zum 31.12.2017 steuerfrei. Wertänderungen, die ab dem 01.01.2018 eintreten, bleiben insoweit bis zu einem Freibetrag in Höhe von 100.000 EUR steuerfrei (Wegfall des sogenannten Grandfathering).

3 Implikationen der Investmentsteuerreform für Spezialfonds Auswirkungen der Investmentsteuerreform: Es er folgt eine fiktive Veräußerung/Anschaffung zum 31.12.2017/01.01.2018 (Wegfall des Grandfathering). Die Steuerfreiheit des fiktiven Veräußerungsgewinns und der Freibetrag für zukünftige Wertänderungen in Höhe von 100.000 EUR werden jedoch nur gewährt, wenn die Anteile vor dem 10.11.2007 erworben wurden. Auch eine mittelbare Beteiligung von natürlichen Personen, die ihre Anteile im Privatvermögen halten, ist zukünftig unzulässig. Selbst in den Fällen des Bestandsschutzes (Erwerb der mittelbaren Beteiligung vor dem 09.06.2016) unterliegen die Investmenterträge beim Anleger zukünftig der

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Steuern in der Finanzplanung

tariflichen Einkommensteuer (und nicht der Abgeltungsteuer). Einschätzung: Obwohl Spezialfonds auch zukünftig transparent besteuert werden können (Transparenzoption), steigt die Steuerbelastung für Privatanleger, die mittelbar einen Spezialfonds halten, erheblich. Bestehende Strukturen sollten bis Ende 2017 angepasst werden, damit die Kapitalerträge zukünftig nicht der tariflichen Einkommensteuer unterliegen. Gestaltungsansätze: Natürliche Personen, die im Privatvermögen mittelbar Anteile an Spezialfonds halten, können insbesondere

• d ie Anteile an dem Spezialfonds verbriefen oder

• d ie Anteile an dem Spezialfonds auf eine Lebensversicherung übertragen.

In beiden Fällen ist die Transparenzoption zu wählen. Sämtliche Erträge des Spezialfonds bleiben dann grundsätzlich bis zur Auflösung der Verbriefungsgesellschaft respektive der Lebensversicherung (beziehungsweise bis zu einer vorzeitigen Auszahlung) steuerfrei. Ob eine Verbriefung oder die Übertragung auf eine Lebensversicherung zu bevorzugen ist, hängt vor allem von den Präferenzen des Vermögensinhabers ab. Während eine Lebensversicherung auch eine steuerfreie Auszahlung der Erträge ermöglicht (Todesfallleistung), können bei der Verbriefung im Gegensatz zur Lebensversicherung auch laufende Kuponzahlungen an den Vermögensinhaber vorgesehen werden. Alternativ könnte der Spezialfonds auch in einen Publikumsfonds „umgewandelt“ werden, damit die Kapitalerträge zumindest weiterhin der Abgeltungsteuer (und nicht der tariflichen Einkommensteuer) unterliegen.

4 Implikationen der Investmentsteuerreform für Millionärsfonds Auswirkungen der Investmentsteuerreform: Es er folgt eine fiktive Veräußerung/Anschaffung zum 31.12.2017/01.01.2018 (Wegfall des Grandfathering). Die Steuerfreiheit des fiktiven Veräußerungsgewinns und der Freibetrag für zukünftige Wertänderungen in Höhe von 100.000 EUR werden jedoch nur gewährt, wenn die Anteile vor dem 10.11.2007 erworben wurden. Die zukünftige Steuerbelastung hängt aufgrund des typisierenden Teilfreistel-

lungssystems von der Art des Fonds (Aktien-/Immobilien-/Mischfonds) und der tatsächlichen Zusammensetzung der Erträge ab. Einschätzung: Die laufende Steuerbelastung wird sich gegenüber der aktuellen Rechtslage nicht wesentlich ändern:

• A usgeschüttete Erträge unterliegen weiterhin der Abgeltungsteuer.

• T hesaurierte Dividenden und Immo-

bilienerträge unterliegen zukünftig einer partiellen Steuerpflicht auf der Ebene des Fonds, die durch eine Teilfreistellung beim Anleger im Fall der Ausschüttung kompensiert wird.

• A n die Stelle der Besteuerung der

sonstigen ausschüttungsgleichen Erträge (insbesondere Zinsen) tritt zukünftig die Vorabpauschale, die bei einer späteren Veräußerung angerechnet wird.

• V eräußerungsgewinne können grund-

sätzlich weiterhin steuerfrei thesauriert werden, sofern die Rendite des Fonds insgesamt eine risikolose Basisverzinsung überschreitet (ansonsten würden die Veräußerungsgewinne typisierend im Rahmen der Vorabpauschale erfasst werden).

Im Ergebnis führt die Investmentsteuerreform vor allem dazu, dass thesaurierte Veräußerungsgewinne bei einer späteren Veräußerung des Millionärsfonds nicht mehr wie bisher steuerfrei vereinnahmt werden können. Gestaltungsansätze: Natürliche Personen, die im Privatvermögen Anteile an Millionärsfonds halten, können eine Optimierung vornehmen, indem sie die Anteile auf eine Lebensversicherung übertragen. Sofern die Anteile an einem Millionärs- beziehungsweise Publikumsfonds von einer Lebensversicherung gehalten werden, entfällt die Vorabpauschale, sodass Veräußerungsgewinne und darüber hinaus auch Zinsen zukünftig steuerfrei thesauriert werden können. Wenn die Lebensversicherung erst im Todesfall ausgezahlt wird, können die betreffenden Erträge weiterhin insgesamt steuerfrei vereinnahmt werden. Alternativ könnte der Millionärsfonds auch in einen Spezialfonds umgewandelt oder die Anteile verbrieft respektive auf eine Lebensversicherung übertragen werden (vergleiche hierzu die Gestaltungsansätze zum Spezialfonds).

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Software

Grafiken aus dem Finanzplanungsalltag oder Finanzplanungssoftware aus der Sicht eines Anwenders von Sven Scherner

I

n Gesprächen mit Kollegen höre ich immer wieder, dass eine Finanzplanung für Kunden viel zu zeitaufwendig ist, der Kunde die vielen Seiten des Finanzplanes eh nicht liest und noch seltener bereit ist, für den Zeitaufwand zur Erstellung des Finanzplanes ein entsprechendes Honorar zu bezahlen. Und deshalb wird das Thema Finanzplanung beim Kunden erst gar nicht angesprochen. Das sind Argumente, die ich gut nachvollziehen kann. Jedoch erlebe ich es in der Praxis, dass ein Privatkunde schon mit relativ wenigen Seiten zum Vermögens- und Liquiditätsstatus für eine kleine Finanzplanung zu begeistern ist. Dabei ist nicht die Ansprache ausschlaggebend, ob der Mandant gern eine Finanzplanung hätte. Es sind vielmehr Anlässe im Leben unserer Kunden, die manchmal im Gespräch nur beiläufig erwähnt werden, die dann aber zu einer schriftlichen Vermögensbilanz und Liquiditätsrechnung führen. Gern nenne ich Ihnen konkrete Ereignisse aus meiner praktischen Tätigkeit, welche dann in einem Finanzplanungsmandat mündeten und bei denen ich die Finanzplanungssoftware von XPS genutzt habe:

j ährliche Information der Versicherer zur Entwicklung der Rückkaufswerte und der Ablaufleistungen (Renditebetrachtung und Versorgung im Ruhestand);

1

Trennung/Scheidung (Darstellung getrennter Vermögenspositionen und Liquiditätsströme);

Immobilienfinanzierung (bis zu welcher Höhe kann ich mir einen Kredit jetzt und in Zukunft leisten?);

 chlaganfall eines Lebenspartners S (Umzug in eine barrierefreie Wohnung);

 ie Erbschaft soll vorab geregelt d werden (Vermögensverteilung im Todesfall);

 eburt/Adoption eines Kindes (Eltern G gehen in Teilzeit).

In all diesen Fällen konnte ich mithilfe der Finanztools von XPS dem Kunden eine grafische/tabellarische Aufarbeitung seiner Situation darstellen. Und dabei sind es oft nur zwei oder drei Grafiken, die mehr aussagen als ein mehrseitiger Finanzplan. Beispielhaft stelle ich Ihnen die Auswertungen zum Thema Entwicklung der Rückkaufswerte/Ablaufleistungen von Versicherungen dar, die ich für das Kundengespräch nutze. Dabei interessiert meine Kunden insbesondere eine Zusammenfassung der Zahlen aus der Vergangenheit, denn die umfangreichen Informationsschreiben von den Versicherungen füllen oftmals mehrere Ordner. Dafür nutze ich einen Ausschnitt aus der Historie des

XPS-Vermögensplaners. Hier erkennt der Kunde den historischen Verlauf der Rückkaufswerte seiner Versicherungen (siehe Grafik 1). Wenn es um die Betrachtung einer einzelnen Versicherung geht, dann nutze ich die Einzelanlage aus dem XPS-Vermögensplaner. Mithilfe dieser Auswertung können Aussagen zur Rendite der jeweiligen Versicherung getroffen werden (siehe Grafik 2). Für die Beurteilung, ob es sich aus der Renditesicht lohnt, die Versicherung weiter zu besparen, beitragsfrei fortzuführen oder aufzulösen, dient die Grafik 3, die mit Unterstützung der XPSFinanztools erstellt wurde.

Fazit: Ein wichtiger Effekt der Finanzplanung ist, dass Ordnung in die Finanzen gebracht wird. Unwichtiges muss von Wichtigem getrennt und aussortiert werden. Der Finanzplaner kann hierbei mithelfen oder diesen Part für den Kunden ganz übernehmen. Professionelle Finanzplanungssoftware, wie beispielsweise der XPS-Vermögensplaner, liefert entsprechende Übersichten und unterstützt den Ordnungsprozess. (Zitat Volker Weg)

ENTWICKLUNG DER RÜCKKAUFSWERTE/ABLAUFLEISTUNGEN VON VERSICHERUNGEN (alle Werte in EUR)

Anlage

Bilanzkonto

Historie

Dez 09

aktuell

Dez 10

Dez 11

Dez 12

Dez 13

Dez 14

Dez 15

Dez 16

Feb 17

50.794 22.864 4.714 22.045 6.704

53.664 25.569 5.852 27.951 6.287

54.185 27.703 7.036 34.117 7.416

54.620 31.327 8.266 40.485 8.314

54.896 34.714 9.546 47.036 8.314

55.029 37.258 10.877 53.642 8.954

55.168 39.149 12.262 60.348 8.954

55.312 41.835 13.706 67.070 8.954

55.813 44.409 13.760 72.416 10.430

107.121

119.323

130.457

143.012

154.506

165.760

175.881

186.877

196.828

Versicherungen Provinzial #826016 Alte Leipziger #5553320 Gothaer #3643331 Neue Leben #88364555 Hanna R+V #2497342 SUMME

Kapitalversicherungen Kapitalversicherungen Kapitalversicherungen Kapitalversicherungen Kapitalversicherungen

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Software

2

EINZELANLAGE

(alle Werte in EUR)

Entwicklung des Rückkaufswerts Versicherung

XY #

Rückkaufswert

67.070

Ablaufleistung

130.000

Leistung bei Tod

67.070

Beginn

01.12.2004

Ende

01.12.2024

Beitrag p.a.

5.000

Höchstrechnungszins

2,75 %

Beitragsrendite

2,44 %

Fortführungsrendite

2,91 %

Rückkaufs- Beitrags- Wertsteiwert zahlung gerung

Datum

30.11.2009 30.11.2010 30.11.2011 30.11.2012 30.11.2013 30.11.2014 30.11.2015 30.11.2016

22.045 27.951 34.117 40.485 47.036 53.642 60.348 67.070

5.000 5.000 5.000 5.000 5.000 5.000 5.000

906 1.116 1.368 1.551 1.606 1.706 1.722

Entwicklung der Ablaufleistung ... in %

3,2 % 3,4 % 3,4 % 3,4 % 3,0 % 3,8 % 2,6 %

Datum

01.12.2009 01.12.2010 01.12.2011 01.12.2012 01.12.2013 01.12.2014 01.12.2015 01.12.2016

Ablauf- Verändeleistung rung

159.160 159.160 152.517 149.815 144.206 141.357 142.028 139.365

0 -6.643 -2.702 -5.609 -2.849 671 -2.663

... in %

0,0 % -4,4 % -1,8 % -3,9 % -2,0 % 0,5 % -1,9 %

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KAPITALLEBENSVERSICHERUNG "XY VERSICHERUNG" – RENDITEANALYSE (unverbindliche Berechnung)

Beitragsrendite 150.000

Summe der Ausgaben Summe der Einnahmen Überschuss

100.000

Rendite

50.000 0 Dez 04

Jun 07 Ausgaben

Dez 09

Jun 12

Einnahmen garantiert

Dez 14

Jun 17

Dez 19

Jun 22

Dez 24

Einnahmen gesamt mit Überschüssen

Summe der Ausgaben Summe der Einnahmen Überschuss

100.000

Rendite

50.000 0 Dez 04

Jun 07 Ausgaben

Dez 09

Jun 12

Einnahmen garantiert

Dez 14

Jun 17

Dez 19

Jun 22

Dez 24

gesamt*

100.000 € 130.000 € 30.000 €

100.000 € 139.365 € 39.365 €

2,44 %

3,06 %

Die Beitragsrendite stellt die Rentabilität des Vertrages ab Beginn dar. Ausgaben sind die vom Versicherungsbeginn an gezahlten Beiträge. Einnahme ist die Ablaufleistung am Ende.

Fortführungsrendite 150.000

garantiert

garantiert

gesamt*

107.070 € 130.000 € 22.930 €

107.070 € 139.365 € 32.295 €

2,91 %

3,96 %

Die Fortführungsrendite misst die Rentabilität ab heute. Es werden "fiktiv" der Rückkaufswert und die Beiträge ab heute investiert. Am Ende steht die Ablaufleistung.

Einnahmen gesamt mit Überschüssen

Beitragsfreistellung garantiert 100.000

Summe der Ausgaben Summe der Einnahmen Überschuss

80.000 60.000 40.000

Rendite

20.000 0 Dez 04

Jun 07 Ausgaben

* inkl. Überschussbeteiligung

Dez 09

Jun 12

Einnahmen garantiert

Dez 14

Jun 17

Dez 19

Einnahmen gesamt mit Überschüssen

Jun 22

Dez 24

gesamt*

67.070 € 83.650 € 16.580 €

67.070 € 88.318 € 21.248 €

2,80%

3,50%

Die beitragsfreie Rendite misst die Rentabilität ab heute, wenn man den Vertrag beitragsfrei stellt. Es wird "fiktiv" der Rückkaufswert investiert. Am Ende steht die Ablaufleistung.

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Software

Immobilienkauf leicht gemacht

Wie das Finanzplanungstool fi.lux Immobilienrenditen transparent macht und Verkaufsmaschen der Bauträger und Immobilienmakler entlarvt

von Christian Tischer

D

er Nachfrageboom nach Immobilien scheint ungebrochen. Die Kaufpreise steigen, und das nicht nur in Ballungszentren. Aktuelle Analysen des Postbank-Wohnatlas und der vdpResearch GmbH scheinen einen klaren Trend zu belegen. Während der Postbank-Wohnatlas Angebotspreise analysiert, basiert die Datenbank von vdpResearch auf konkreten Verkaufsdaten. Das Verhältnis von Kaufpreis zu Jahresnettomiete durchbricht die Schallmauer von 30 immer häufiger. Selbst in Randlagen wie Südostbayern kommt das vor.

Der vom Bauträger beauftragte Verkäufer hatte nicht über Instandhaltungsrücklagen, mögliche Mietausfälle durch Mieterwechsel, Finanzierungsrisiken, Bauzeitzinsen (das Objekt soll erst Anfang 2019 fertiggestellt werden) et cetera gesprochen.

Betongold ist hoch im Kurs – ungeachtet der Kaufpreise und tatsächlichen Investitionsrenditen. Die Mandanten meinen, angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase und aufgrund vermeintlich mangelnder Alternativen die Flucht in die Immobilie antreten zu müssen. Ob da immer Klarheit herrscht bei dem, was man so alles angeboten bekommt und dann auch kauft, ist allerdings mehr als fraglich.

Für den Berater ist der Umgang mit Ambiguität (subjektive Entscheidungen unter Unsicherheit) an dieser Stelle nicht einfach. Den Mandanten auf Inkonsistenzen in den Bauträgerberechnungen hinzuweisen, ist das eine. Die als selbstverständlich dargestellten Berechnungsparameter waren schlichtweg falsch, unvollständig oder geschönt. Das andere: Wer das aber nicht hören möchte, kauft die Immobilie eventuell dann auch ohne Wissen des Finanzplaners und befriedigt seinen Wunsch mit positiven Emotionen – ungeachtet aller Konsequenzen.

Ein konkretes Beispiel: Ein exklusiver Wohntraum in Toplage – eine 3-ZimmerWohnung mit 75 Quadratmetern Wohnfläche – wurde meinem Mandanten vor Kurzem für 242.500 EUR angeboten. Der Bauträger legte eine Liquiditätsmusterberechnung mit einer Nettokaltmiete von 13 EUR je Quadratmeter vor. Wir befinden uns in einer südostbayerischen Kleinstadt, in der aktuell kaum mehr als 9 EUR Kaltmiete pro Quadratmeter – auch bei Neubauten – zu erzielen sind. Der Verkäufer ermittelte ein KaufpreisJahresmiete-Verhältnis von etwa 21. Unter realistischen Annahmen änderte sich dieses Verhältnis allerdings schnell auf 30! Schon hier hätte man eigentlich hellhörig werden müssen. Auf die Frage, welche Motivation dem Kaufwunsch zugrunde liege, wurden folgende Argumente genannt: Man will etwas Eigenes. Man kann sich vorstellen, später einmal selbst darin zu wohnen. Und die Investition soll sich ohne zusätzlichen Liquiditätsaufwand durch die Vermietung selbst tragen.

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Der Mandant befand sich in einem ihm unbewussten Klarheits-Dilemma. Auf der einen Seite die unglaublich positiv besetzte Immobilie mit allen dazugehörenden Emotionen und der Lockruf der Sirenen. Auf der anderen Seite die Wirklichkeit der harten Zahlen und Fakten.

Eigentlich könnte man nun einen Haken hinter das Projekt machen, schließlich war es die Entscheidung des Mandanten; er ist erwachsen und voll verantwortlich für seine Entscheidungen. Mit dem Einsatz der leistungsstarken Finanzplanungssoftware fi.lux bekam das Investitionsvorhaben allerdings eine Wendung. fi.lux ist eine spezialisierte Finanzplanungssoftware mit modularem Aufbau. Integriert ist ein hochprofessioneller Immobilienreport, der den Erwerb der Immobilie in die Lebenssituation des Mandanten einbettet und über einen dynamischen Zeitverlauf alle wichtigen Ebenen darstellt: Investitionsrechnung – Liquiditätsrechnung – Steuerrechnung – Kapitalstruktur – Rentabilitätskennziffern – Finanzierungsstruktur.

Je nach Komplexität der Finanzierung kann der Report bis zu 30 Seiten umfassen – Transparenz pur.

Überblick Gegenstand dieser Analyse ist die Immobilie "ETW vermietet" in 99999 Bayernstadt, Bauträgerstraße 18. Ihr Baujahr ist 2017. Ihre Investitionen betragen 242.500  €, die Erwerbsnebenkosten 41.910  €. Daraus ergibt sich eine Gesamtsumme der Anschaffungskosten von 284.410  €. Es sollen zwei Darlehen mit einer Gesamtsumme von 200.000  € für die Fremdfinanzierung genutzt werden. Das aufzubringende Eigenkapital beträgt somit 84.410 €.

Die Darstellungsmöglichkeiten haben den Mandanten zu einem selektiven und transparenten Entscheidungsprozess geführt. Er konnte sehen, wie hoch der eigentliche Liquiditätsaufwand sein würde, und dass der Wunsch, die Investition möge sich selbst tragen, bei seinen Vorgaben kaum zu erfüllen war (siehe Grafik 1). In der Nachsteuerbetrachtung (inklusive Abschreibungen) mit seinem eigenen, individuellen Steuersatz „fand er sich wieder“ (siehe Grafik 2). Und zu guter Letzt konnte er sehen, mit welcher Rentabilität er rechnen sollte (siehe Grafik 3). Der Mandant lernt, zu unterscheiden: die positiv besetzte Immobilie von den harten Fakten. Er erlebt auf einmal das, was er bei Banken oder anderen Beratern vermisst: Entscheidungshilfen, Klarheit, Sicherheit, Kompetenz und vor allem Individualität. Er sieht sein finan-

03|2017


Software

zielles Abbild vor sich. Sein KlarheitsDilemma wurde ihm nun bewusst und löste sich auf. Angesichts enttäuschender Rentabilität traf er die Entscheidung, diese Immobilie nicht zu erwerben, sondern den Markt gezielt nach Alternativen zu sondieren. Die Konsequenzen für den Berater: die Möglichkeit einer herausragenden Po-

sitionierung bei der Immobilienanalyse und Vermögensplanung sowie gezielte Empfehlungsansprachen. Das Bedürfnis des Mandanten an gemeinschaftlichem, persönlichem Austausch steigt, wenn er beim Berater maximale Kompetenz zur Lösung seiner Fragestellungen und Probleme wahrnimmt. Die Wertschätzung des Beraters durch den Kunden bekommt eine neue Dimension und ermöglicht andere, produktunabhängige Vergütungsmodelle – gegebenenfalls

1

auch mit wiederkehrenden Einnahmen.

Christian Tischer, selbstständiger Finanzberater und Investmenttrainer, connect Sozietät für Finanzmanagement GmbH, Regensburg. Er berät seit 20 Jahren Kunden der Heilberufe, Unternehmer und Führungskräfte und hält Vorträge zu den Themen Finanzplanung, Investmentstrategien und Existenzgründung für Heilberufe.

LIQUIDITÄTSRECHNUNG Liquiditätsrechnung Eigenkapital(-) / Darlehensüberschuss (+... + Einnahmen - Ausgaben - Sachversicherungen - Zinsen TEST-Bank - 100 T€ KfW 153 - TEST 1 ... TEST-Bank - 100 T€ 15 J - TEST 2 E ... = Liquidität vor Steuer und vor Tilgung - Tilgung / Tilgungsersatz TEST-Bank - 100 T€ KfW 153 - TEST 1 ... TEST-Bank - 100 T€ 15 J - TEST 2 E ... = Liquidität vor Steuer und nach Tilgung +/- Steuerersparnis (+) / Steueraufwand(... Aufwendungen für eigengenutze Immobilien Gesamtsteuerbelastung mit Investitionen Gesamtsteuerbelastung ohne Investitionen Grenzsteuersatz (inkl. Soli + KiSt) = Liquidität nach Steuer und nach Tilgung

2017 -136.426 0 0 0 -626 -84 -542 -137.052 0 0 0 -137.052 3.244 0 37.236 40.480 47,67 % -133.808

2

2018 52.016 894 -506 0 -3.188 -1.472 -1.997 49.216 -9.342 -7.736 -1.606 39.874 3.957 0 36.578 40.534 47,44 % 43.831

2019

2020

2025

2030

2035

2036

2037

2038

0 10.725 -6.075 0 -3.396 -1.487 -1.908 1.254 -11.152 -4.647 -6.505 -9.898 1.096 0 39.383 40.480 47,67 % -8.802

0 10.725 -6.075 0 -3.187 -1.410 -1.777 1.463 -11.361 -4.725 -6.636 -9.898 997 0 39.431 40.428 47,67 % -8.901

0 10.725 -6.075 0 -2.084 -1.004 -1.080 2.566 -12.646 -5.131 -7.333 -9.898 470 0 40.438 40.908 47,67 % -9.428

0 10.725 -6.075 0 -872 -563 -305 3.778 -13.676 -5.572 -8.104 -9.898 -488 0 55.857 55.369 47,67 % -10.386

0 10.725 -6.075 0 -84 -84 0 4.566 -6.050 -6.050 0 -1.485 -543 0 5.451 4.909 30,18 % -2.027

0 10.725 -6.075 0 -6 -6 0 4.644 -1.823 -1.823 0 2.821 -565 0 5.474 4.909 30,42 % 2.256

0 10.725 -6.075 0 0 0 0 4.650 0 0 0 4.650 -567 0 5.476 4.909 30,42 % 4.083

0 10.725 -6.075 0 0 0 0 4.650 0 0 0 4.650 -745 0 18.411 17.666 39,72 % 3.905

STEUERRECHNUNG Steuerrechnung

2017

Einnahmen - Ausgaben - Sachversicherungen - Abschreibungen - Zinsen / Disagio TEST-Bank - 100 T€ KfW 153 - TEST 1 ... TEST-Bank - 100 T€ 15 J - TEST 2 E ... = Einkünfte aus V & V +/- Steuerersparnis (+) / Steueraufwand(... Aufwendungen für eigengenutze Immobilien Gesamtsteuerbelastung mit Investitionen Gesamtsteuerbelastung ohne Investitionen Grenzsteuersatz (inkl. Soli + KiSt) + Abschreibungen +/- Wertsteigerung = Gesamtertrag

0 -2.629 0 -3.557 -626 -84 -542 -6.803 3.244 0 37.236 40.480 47,67 % 3.557 0 -2

3

2018 894 -306 0 -5.421 -3.470 -1.472 -1.997 -8.303 3.957 0 36.578 40.534 47,44 % 5.421 0 1.075

2019

2020

2025

2030

2035

2036

2037

2038

10.725 -3.675 0 -5.955 -3.396 -1.487 -1.908 -2.300 1.096 0 39.383 40.480 47,67 % 5.955 0 4.751

10.725 -3.675 0 -5.955 -3.187 -1.410 -1.777 -2.092 997 0 39.431 40.428 47,67 % 5.955 0 4.859

10.725 -3.675 0 -5.955 -2.084 -1.004 -1.080 -988 470 0 40.438 40.908 47,67 % 5.955 0 5.436

10.725 -3.675 0 -5.155 -872 -563 -305 1.023 -488 0 55.857 55.369 47,67 % 5.155 0 5.436

10.725 -3.675 0 -5.155 -84 -84 0 1.811 -543 0 5.451 4.909 30,18 % 5.155 0 5.690

10.725 -3.675 0 -5.155 -6 -6 0 1.890 -565 0 5.474 4.909 30,42 % 5.155 0 6.423

10.725 -3.675 0 -5.155 0 0 0 1.895 -567 0 5.476 4.909 30,42 % 5.155 0 6.483

10.725 -3.675 0 -5.155 0 0 0 1.895 -745 0 18.411 17.666 39,72 % 5.155 0 6.305

RENTABILITÄTSKENNZIFFERN Rentabilitätskennziffern Brutto-Mietrendite Gesamtkapitalrendite Gesamtkapitalrendite ohne Wertsteigerung Netto-Eigenkapitalrendite Netto-Eigenkapitalrendite ohne Wertsteigerung bisherige Rendite (Interner Zinsfluss mit ... zukünftige Rendite (Interner Zinsfluss) Liquidität nach Steuern und nach Tilgung Rückfluss bei fiktivem Verkauf (=geb...

2017 0,00 % 0,12 % 0,12 % 0,0 % 0,0 % 1,84 % -133.808 114.016

2018

2019

2020

2025

2030

2035

2036

2037

2038

0,24 % 1,11 % 1,11 % 1,51 % 1,51 % -13,93 % 1,87 % 43.831 71.342

2,92 % 2,49 % 2,49 % 5,76 % 5,76 % -7,62 % 1,83 % -8.802 82.494

2,92 % 2,49 % 2,49 % 5,18 % 5,18 % -4,51 % 1,80 % -8.901 93.855

2,92 % 2,49 % 2,49 % 3,53 % 3,53 % 0,02 % 1,66 % -9.428 153.927

2,92 % 2,35 % 2,35 % 2,59 % 2,59 % 0,85 % 1,58 % -10.386 219.836

2,92 % 2,47 % 2,47 % 2,47 % 2,47 % 1,13 % 1,54 % -2.027 260.177

2,92 % 2,47 % 2,47 % 2,47 % 2,47 % 1,16 % 1,52 2.256 262.000

2,92 % 2,47 % 2,47 % 2,47 % 2,47 % 1,19 % 1,49 % 4.083 262.000

2,92 % 2,41 % 2,41 % 2,41 % 2,41 % 1,21 % 3.905 262.000

%

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Software

Einblicke in die verschlossene Welt der Profisportler und ihrer Finanzen Im Interview: Marco Richter

Marco Richter: Man sollte annehmen, dass sich die Vereine um die Finanzen ihrer Schützlinge kümmern. Zumal viele von ihnen Banken als prominente Sponsoren haben. Dem ist aber nicht so. Die Vereine halten sich in der Regel nicht nur aus Geldangelegenheiten raus, sondern wollen damit explizit nichts zu tun haben und verweisen auf Eltern und Spielerberater. So wundert es auch nicht, dass meine Untersuchung ergeben hat, dass diese beiden Gruppen die wichtigsten Vertrauenspersonen von Profifußballern in Finanzangelegenheiten sind.

Marco Richter M. A. (EBS), CFP®, Master in Wealth Management und Geschäftsführer der wealthpilot GmbH, wird vom FPSB Deutschland für seine Masterthesis Financial Planning für " Profisportler – Konzeption eines zielgruppenspezifischen Beratungsangebots am Beispiel von Profifußballern" ausgezeichnet

Der Fall Boris Becker macht das Thema Ihrer Thesis besonders aktuell. Wie beurteilen Sie als Experte den Bankrott des Wimbledon-Siegers? Wundert Sie die Entwicklung? Marco Richter: Nicht wirklich. Im Fall Becker treten vielmehr die typischen finanziellen Probleme von Profisportlern offen zutage. Als da wären? Marco Richter: Erfolgreiche Sportler verdienen während ihrer aktiven Karriere oft Millionen. Sie gewöhnen sich in dieser Zeit einen luxuriösen Lebensstil an, der – solange die Einnahmen sprudeln – auch finanzierbar ist. Problematisch wird es, wenn mit Ende des Profidaseins plötzlich und abrupt der Geldhahn versiegt. Zwar ist dieser Verlauf vorhersehbar und für Profisportler charakteristisch, dennoch wird diesem extremen Cashflow-Abriss nicht mit einer entsprechenden Finanzplanung und Haushaltsdisziplin Rechnung getragen. Meiner Untersuchung zufolge beschäftigt sich über die Hälfte der

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Profifußballer selten bis sehr selten mit ihren Finanzen. Die meisten leben einfach in den Tag hinein, bis sie eines Tages pleite sind. Was ist der Grund für das Desinteresse an Vermögensthemen? Marco Richter: Da gibt es sicherlich mehrere Gründe. Einer ist das sehr geringe Wissen zum Thema Finanzen. Wie in der deutschen Bevölkerung insgesamt mangelt es ihnen an grundlegendem Wissen über finanzielle Zusammenhänge. Erschwerend kommt bei den Athleten hinzu, dass sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere meist sehr jung sind und sich Wissen vor allem über die Zeit aufbaut. Aber diese Zeit haben sie nicht. Sie verdienen mit Anfang zwanzig ihre Topgehälter und müssen in einer Lebensphase, in der sich der Durchschnittsbürger mit Studium und Freizeit beschäftigt, weitreichende Vermögensentscheidungen treffen. Sie müssen ja auch nicht alles selbst wissen. Gibt es denn niemanden, der ihnen hilft? Zum Beispiel die Vereine?

Sind die Eltern denn kompetent fürs Managen des Vermögens ihrer Kinder? Mir fällt da noch der Fall des Vaters von Steffi Graf oder Lionel Messi ein. Marco Richter: Na, eben nicht. Die Eltern sind mit der Komplexität der Vermögensverwaltung überfordert und wenden sich Rat suchend an die Spielerberater. Diese verwalten aber praktisch nie selbst das Vermögen, sondern vermitteln in 80 Prozent der Fälle an einen externen Finanzberater. Nach welchen Kriterien werden diese Finanzberater ausgewählt? Marco Richter: Interessanterweise werden keine objektiven Kriterien herangezogen oder die Berater in einem „Beauty-Contest“ verglichen. Stattdessen zählt, ob der Berater zum persönlichen Netzwerk des Spielerberaters gehört oder einen guten Ruf in der Community hat. FPM: Und wie wird man Teil dieser Community? Marco Richter: Das ist nicht so einfach. Der Kreis der Entscheidungsträger ist verhältnismäßig klein, gut vernetzt und es herrscht ein erbitterter Konkurrenzkampf unter den Spielerberatern. Für einen Außenstehenden ist es fast unmöglich, in diese geschlossenen Zirkel zu gelangen.

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Software

Wie kam es, dass Sie in Ihrer Thesis diese Gemeinschaft untersuchen durften? Waren Sie bereits Teil der Community? Marco Richter: Zu Beginn meiner Studienarbeit war ich definitiv kein Insider. Deshalb wurde meine Idee, eine Masterthesis zum Thema Finanzplanung für Profifußballer zu schreiben, anfangs zwar für äußerst interessant, aber quasi nicht realisierbar befunden. Aber ich blieb hartnäckig und schaffte es, innerhalb von fast einem Jahr Vorarbeit die Spielergewerkschaft und den Verband der Spielerberater für meine Arbeit zu begeistern. Ich konnte im Laufe der Befragungen dann sogar viel mehr Informationen gewinnen, als ich zu träumen gewagt hatte. War das der ausschlaggebende Punkt dafür, dass die Thesis 2017 vom FPSB Deutschland mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurde? Marco Richter: Sicherlich hat zum Gewinn dieser Auszeichnung beigetragen, dass es bisher noch niemandem gelungen war, eine empirische Arbeit über Profisportler (im Zusammenhang mit deren Finanzen) und speziell über Fußballer zu erstellen. Besonders herausgestellt wurden in der Laudatio zudem der Praxisbezug und das spezifische Beratungskonzept, das ich erarbeitet habe. Was ist denn das Besondere an der Beratung von Profisportlern? Marco Richter: Grundsätzlich unterscheidet sich eine gute Beratung von vermögenden Privatpersonen nicht fundamental von der Beratung von Profisportlern. Eine Besonderheit bei der von mir untersuchten Zielgruppe sind jedoch die häufigen und oft drastischen Veränderungen, die sich im Leben von Athleten abspielen. Diese müssen in der Finanzplanung antizipiert werden und insbesondere in der Cashflow-Planung als zentralem Steuerungselement Berücksichtigung finden, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Eine Verletzung, ein Trainerwechsel oder schlicht ein Formtief können einen hohen Impact auf die Cashflows haben – vor allem vor dem Hintergrund immer kürzerer Zeitverträge und hoher variabler Vergütungsbestandteile. Financial Planning für jemanden wie Jérôme Boateng ist daher hochkomplex und extrem dynamisch.

Können Sie mir ein konkretes Planungsbeispiel nennen, das diese Besonderheiten illustriert? Marco Richter: Nehmen wir die Immobilie. Wenn sich beispielsweise Holger Badstuber ein Haus kauf t, muss die Finanzierung so ausgelegt werden, dass die Entschuldung der Immobilie mit Ende der Profikarriere gewährleistet ist, auch im Falle von weiteren Verletzungen – denn auch ein Profi erhält nur sechs Wochen lang Lohnfortzahlung. Sie haben die Software wealthpilot mitentwickelt. Welche Rolle spielten dabei die Erkenntnisse aus Ihrer Masterthesis? Marco Richter: Die Erkenntnisse spielten eine gewichtige Rolle. wealthpilot ist die Antwort auf die Herausforderung, die sich aus dem hohen Grad an Komplexität, dem geringen Verständnis für Finanzen und – damit einhergehend – dem geringen Engagement der Spieler bei der Finanzplanung ergibt. Stellen Sie sich vor: 69 Prozent der Befragten gaben an, sich maximal 45 Minuten Zeit für ein Finanzberatungsgespräch nehmen zu wollen. Ist wealthpilot dann eine Software speziell für die Berater von Profifußballern? Marco Richter: Nein, keineswegs. wealthpilot ist eine B2B-Software für jeden Vermögensberater, der ganzheitlich arbeitet. Meine Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass die Probleme, mit denen sich die Berater von Sport-

lern herumschlagen, wie mangelnde Transparenz über Vermögensbestand und Cashflow, sowie die zeitraubende Datenaufnahme und -analyse bei praktisch allen Beratern wohlhabender Kunden vorkommen. Dann führen Sie also gar kein typisches Fintech-Unternehmen? Marco Richter: Die meisten Finanzberater verstehen unter Fintech immer gleich einen Robo-Advisor und sehen es daher als Konkurrenz oder sogar als Bedrohung. Die wealthpilot GmbH ist meines Wissens das einzige FinanztechnologieUnternehmen, das sich in den Dienst der persönlichen Beratung stellt. Ich selbst bin seit zwanzig Jahren Berater aus Leidenschaft. Daher ist es meine Mission, die Beratung von Mensch zu Mensch zukunftsfähig zu machen. Mit einer digitalen Lösung? Marco Richter: Ja genau! Ich bin ganz fest von der intelligenten Symbiose zwischen digitaler Infrastruktur und persönlichem Kontakt zum Kunden überzeugt. Die IT hat dabei in meinen Augen zwei wesentliche Aufgaben zu erfüllen: Sie soll mich von zeitraubenden Tätigkeiten entlasten und damit Raum schaffen, um die Beziehung zu meinen Kunden vertiefen zu können, zudem soll sie mir helfen, ein Kundenerlebnis zu kreieren, das meine Kunden begeistert. wealthpilot erfüllt genau diese Anforderungen und ist die Software, nach der ich als Berater immer vergeblich gesucht habe. Vielen Dank für das Gespräch.

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Investment

Sind Anleihen im aktuellen Marktumfeld noch ein zeitgemäßes Investment? Es kommt darauf an! Wo noch Chancen liegen und wie Anleiheinvestoren auch heute noch die wichtigsten Eigenschaften von festverzinslichen Wertpapieren – Kapitalerhalt, attraktive Erträge und stabile Entwicklung – für ihr Portfolio nutzen können, erläutert Thomas Knigge, Produktspezialist Fixed Income bei Allianz Global Investors, im Interview mit Thomas Abel.

Herr Knigge, wenn Anleger derzeit von Anleihen und erst recht US-High-Yields hören, winken viele ab. Aus Ihrer Sicht ist das gerade im aktuellen Umfeld ein großer Fehler. Warum?

Thomas Knigge, Produktspezialist Fixed Income bei Allianz Global Investors

Thomas Knigge: Ganz recht! Viele Anleger denken, dass der US-High-YieldMarkt genauso wie der europäische funktioniert. Aber das ist nicht der Fall. Der US-amerikanische Markt für High Yields unterscheidet sich strukturell vom europäischen. Aus diesem Grund sind im kurzlaufenden US-Hochzinsanleihemarkt Kapitalerhalt, Stabilität und attraktive Erträge auch im aktuellen Marktumfeld möglich. Gerade diese Aspekte sind für Anleiheanleger derzeit besonders wichtig, weshalb es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Kapitalerhalt, Stabilität und attraktive Erträge mit kurzlaufenden US-Hochzinsanleihen. Das klingt wie ein Widerspruch. Könnten Sie das bitte näher erläutern? Thomas Knigge: Anders als in Europa erhalten in den USA Unternehmen mit High-Yield-Rating in der Regel keinen langfristigen Bankkredit. Das bedeutet, sie finanzieren sich überwiegend über den Kapitalmarkt, geben also Schuldtitel und Anleihen aus. Der Erfolg der Anleiheemission ist abhängig davon, wie überzeugend die finanzielle Situation eines Unternehmens ist. Aus diesem Grund wird in den USA erwartet, dass ein Unternehmen mit High-Yield-Rating frühzeitig seinen mittelfristigen Kapitalbedarf sichert und seine ausstehenden Anleihen 1 bis 2 Jahre vor Fälligkeit refinanziert. Dies ist möglich, weil USHochzinsanleihen in der Regel kündbar

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sind. Im Gegenzug zahlen sie höhere Kupons als herkömmliche Anleihen, da der Anleger das Wiederanlagerisiko bei einer vorzeitigen Kündigung trägt. Für Anleger bedeutet das: Wenn sie in Anleihen mit einer Restlaufzeit von 3 bis 4 Jahren investieren, haben sie im Regelfall das niedrigere Risiko einer Anleihe mit einer Restlaufzeit von 1 bis 2 Jahren im Portfolio. Gleichzeitig sind die Kupons attraktiver als bei herkömmlichen Anleihen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – wie kann ein Anleger das nutzen? Thomas Knigge: Die Auswahl der Titel ist zugegebenermaßen nicht einfach, denn es ist notwendig, sowohl die Funktionsweise des US-High-Yield-Marktes als auch die Unternehmen darin zu kennen und zu verstehen. Bei Allianz Global Investors ist dafür ein eigenes Team zuständig. Die Kollegen arbeiten zwar im größeren US-High-Yield-Team von Allianz Global Investors vor Ort, allerdings verfolgen sie einen anderen Ansatz als die klassischen Hochzinsanleihe-Manager. Während diese nach Outperformance im Vergleich zu einer Benchmark streben, konzentriert sich das Team des Allianz US Short Duration High Income Bond darauf, Anleihen mit einer Restlaufzeit von 3,5 bis 4 Jahren bei um die 100 Prozent zu kaufen. Die Idee dahinter: Die Anleihen werden mit dem Ziel gekauft, sie für etwa 2 bis 2,5 Jahre im Portfolio zu halten, bevor sie in der Regel zu 100 Prozent zurückbezahlt werden (Ziel: Kapitalerhalt). Bis dahin sollen die aufgrund des Kündigungsrechts höheren Kupons vereinnahmt werden (Ziel: attraktive

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Investment

Erträge). Steigen in der Zwischenzeit die Zinsen, so wären die Anleihen aufgrund ihrer kurzen Restlaufzeiten nur geringfügig davon betroffen (Ziel: Stabilität). Insgesamt ergibt das ein attraktives Fondsprofil für kurzfristig orientierte Anleiheinvestoren. Der Ertrag ist der Kupon.1 2015 wird vielen US-High-YieldAnlegern in Erinnerung bleiben. Mit dem Ölpreistief brachen auch die US-High-Yield-Märkte aufgrund ihrer starken Abhängigkeit vom Ölpreis ein. Wie geht der Allianz US Short Duration High Income Bond mit derartigen Risiken um? Thomas Knigge: Er investiert nicht in Unternehmen, die stark von zyklischen Ereignissen abhängig sind. Hierzu gehören auch die von Ihnen genannten Fracking- oder Ölunternehmen. Das Portfolio ist, verglichen mit einem klassischen Hochzinsportfolio, eher langweilig. Das ist dem zugrunde liegenden Investment-Ansatz geschuldet: Wir wollen attraktive Erträge über Kupons und Kapitalerhalt über die Rückzahlung der Anleihe erzielen. Aus dem Grund interessieren uns vor allem Unternehmen, die unserer Meinung nach Geschäftsmodelle verfolgen, die sie auch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld beibehalten können – und zwar ohne dass diese Unternehmen zu Ausfallkandidaten werden. Wenn wir nicht verstehen, wie ein Unternehmen in 3 bis 4 Jahren sein Geld verdienen möchte, investieren wir nicht. Ist das nur Theorie oder bereits praxiserprobt? Thomas Knigge: In den USA kommt die Anlagestrategie bereits seit 1996 erfolgreich zum Einsatz. Der Composite hat seit seiner Auflage etwa 5 bis 6 Prozent pro Jahr erwirtschaftet.2 Wir haben uns natürlich auch die Verluste im Vergleich zum breiten US-High-Yield-Markt angesehen: dieser hat sich von November 2009 bis März 2017 in 64 Monaten

Auflage am 01.04.2016 hat der Allianz US Short Duration High Income Bond - A (H2 EUR) - EUR 6,54 Prozent erwirtschaftet (Stand: 30.06.2017)3 und Anleger haben mehr als 1 Milliarde EUR in den Fonds investiert. Sie sehen: Es lohnt sich gerade im aktuellen Umfeld, einen Blick auf den kurzfristigen US-High-Yield-Markt zu werfen.

negativ entwickelt. Die durchschnittliche monatliche Wertentwicklung des breiten US-High-Yield-Marktes lag bei −1,6 Prozent. Der Composite verlor in dieser Zeit nur 0,1 Prozent 2, was auf den auf Kapitalerhalt ausgerichteten Auswahlprozess zurückzuführen ist. Diese Daten haben uns überzeugt, weshalb wir die Anlagestrategie letztes Jahr nach Europa gebracht haben. Seit seiner

Vielen Dank für das Interview.

WERTENTWICKLUNG DES ALLIANZ US SHORT DURATION HIGH INCOME BOND – A (H2 EUR) - EUR3 108,00 107,00 106,00 105,00 104,00 103,00 102,00 101,00 100,00 99,00 Apr 2016

Mai 2016

Jun 2016

Jul 2016

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Sep 2016

Okt 2016

Chancen + besonderes Renditepotenzial hochverzinslicher Anleihen, Kurschancen bei Zinsrückgang + schwerpunktmäßige Ausrichtung auf den US-Markt + breite Streuung über zahlreiche Einzeltitel + mögliche Zusatzerträge durch Einzelwertanalyse und aktives Management + Wechselkursgewinne bei nicht abgesicherten Anteilklassen gegenüber Anlegerwährung möglich

Nov 2016

Dez 2016

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Risiken − Zinsniveau schwankt, Kursverluste von Anleihen bei Zinsanstieg − überdurchschnittliche Schwankungs-, Liquiditäts- und Verlustrisiken hochverzinslicher Anleihen*; die Volatilität (Wertschwankung) des Fondsanteilwerts kann stark erhöht sein − unterdurchschnittliche Entwicklung des US-Marktes möglich − begrenzte Teilhabe am Potenzial einzelner Titel − keine Erfolgsgarantie für Einzelwertanalyse und aktives Management − Wechselkursverluste bei nicht abgesicherten Anteilklassen gegenüber Anlegerwährung möglich

* Die Liquidität mancher Marktsegmente, in die der Fonds investiert, kann eingeschränkt bis stark eingeschränkt sein. So haben viele Marktteilnehmer ihre Handelsaktivitäten in diesen Segmenten auf Basis von regulatorischen Anforderungen deutlich reduziert. Dies kann dazu führen, dass Vermögensgegenstände des Fondsvermögens nur mit Abschlägen (aufgrund einer Ausweitung der Geld-BriefSpanne) beziehungsweise mit zeitlicher Verzögerung veräußert werden können.

1 Ein Erfolg der Strategie kann nicht garantiert und Verluste können nicht ausgeschlossen werden. 2 Vor Hedging-Kosten für Euro-Anleger. Zeithorizont der Performance-Daten: 01.05.1996 (Auflegung des Composite) bis 30.06.2007 und 01.11.2009 bis 31.12.2016. Zwischen dem 01.07.2007 und dem 31.10.2009 waren im Composite keine Portfolios im Rahmen von Vermögensverwaltungsmandaten enthalten. Ab dem 01.11.2009 beinhaltete der Composite wieder mindestens ein Portfolio. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Bruttoangaben; berechnet nach der BVI-Methode auf der Basis des Anteilwerts und unter der Annahme, dass Ausschüttungen wieder angelegt werden, sowie ohne Berücksichtigung von Ausgabeaufschlägen. Individuelle Kosten wie Vergütungen, Provisionen und andere Gebühren wurden nicht berücksichtigt und würden sich bei Berücksichtigung negativ auf die Wertentwicklung auswirken. Quellen: Barclays Investment Bank (ehem. Barclays Capital), Bank of America Merrill Lynch, Credit Suisse. 3 Berechnungsbasis: Anteilwert-Ausgabeaufschläge im ersten Anlagejahr berücksichtigt; Ausschüttungen wieder angelegt. Berechnung nach BVI-Methode. Die Wertentwicklung in dieser Modellrechnung basiert auf einer Anlagesumme von 1.000 EUR und wird um folgende Kosten bereinigt: Ausgabeaufschlag in Höhe von 3 Prozent (Minderung des Anlagebetrages am Tag der Anlage in Höhe von 29,13 EUR) im ersten Anlagejahr. Im Rahmen der Depotführung können wertentwicklungsmindernde jährliche Depotkosten anfallen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Stand: 30.06.2017.

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Alternativ denken von Christoph Schwarzmann

Christoph Schwarzmann, Executive Director, Pioneer Investments, ein Unternehmen der Amundi-Gruppe

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m derzeitigen Umfeld herrscht weitestgehend Konsens darüber, dass die Renditen der Aktien- und Anleihemärkte mittelfristig niedriger ausfallen werden als in der Vergangenheit. Deshalb weiten Investoren ihr Anlageuniversum aus, auch auf liquide alternative Investments. Aber nach wie vor zögern viele unter ihnen, diesen Weg mitzugehen. Nach Analysen von Amundi Asset Management1 investieren die meisten Anleger noch immer nur einen kleinen Teil ihres Portfolios in liquide alternative Investments, selbst wenn die Anlageklasse wächst. Die Analysen zeigen, dass vor allem die mangelnde Klarheit über die Umsetzung alternativer Strategien Anleger davon abhält, mehr in Liquid Alternatives zu investieren. Ein großes Hindernis sind für viele Investoren dabei die Vielzahl und die Heterogenität von Liquid Alternatives: Sie umfassen ein gewaltiges Spektrum von Strategien und Assetklassen. Die Entscheidung, welcher Anteil eines traditionellen Portfolios in Liquid Alternatives umgeschichtet werden soll, ist nicht einfach.

Vorteil: bessere risikoadjustierte Renditen

Wir nennen diesen Prozess unseren „4-Säulen-Ansatz“.

Dennoch, die Vorteile liegen auf der Hand: In einem traditionellen Mischportfolio lassen sich die Erträge potenziell steigern, wenn man einen größeren Anteil in Aktien investiert. Damit steigt aber auch das Portfoliorisiko. Liquide alternative Investments, die nur wenig mit Aktien und Anleihen korreliert sind, können hingegen das Risiko-Ertrags-Verhältnis eines Portfolios verbessern – durch mehr Diversifikation und weniger starke Drawdowns. Nach den Analysen von Amundi Asset Management kann man das Risiko-Ertrags-Verhältnis eines traditionellen Mischportfolios deutlich verbessern, wenn man knapp 20 Prozent davon in Liquid Alternatives umschichtet. 2

Die erste Säule ist die Makrostrategie, eine Top-down-Komponente, über die wir unsere Sicht der Welt einbringen. Dazu können auch langfristige AktienThemeninvestments zählen, etwa Robotertechnik oder Unternehmen, die von der steigenden Lebenserwartung profitieren.

Meist keine Benchmarks Für manche Investoren sind auch die Mandatsrichtlinien ein Hindernis. Traditionelle Investmentmandate sind oft recht klar. Die meisten Aktienmandate streben zum Beispiel einen Mehrertrag gegenüber einer Benchmark wie dem MSCI World an. Liquide alternative Strategien haben dagegen in der Regel keine Benchmark und sind meist auf Absolute Return ausgerichtet. Ihr Ziel ist üblicherweise ein bestimmter Mehrertrag gegenüber dem Geldmarkt. Für viele ist das ungewöhnlich, aber in Zeiten erhöhter Volatilität und niedriger Marktrenditen ist dies ein großer Vorteil. Was hätte man auch davon, eine Benchmark zu schlagen und trotzdem Verlust zu machen?

Ein 4-Säulen-Ansatz für effektive Diversifikation Am Ende müssen Portfoliomanager aber auch die versprochenen stabilen risikoadjustierten Renditen liefern. Bei Amundi Asset Management haben wir einen robusten Multi-Asset-Investmentprozess entwickelt, mit dem wir das Risiko auf vier Komponenten allokieren.

Bei allen Investmententscheidungen betrachten wir auch die Risiken. Die zweite Säule ist daher das Makro-Hedging. Hier beurteilt ein unabhängiges Team aus Hedging-Experten die Risiken der Makrostrategie, um die Portfolios vor Extremrisiken zu schützen. Bei der dritten Säule, unseren Satellitenstrategien, handelt es sich um Relative-Value-Strategien, mit denen in eine Vielzahl von Assetklassen investiert wird. Relative-Value-Strategien können das Anlageuniversum immens vergrößern und neue Alphaquellen erschließen – unabhängig von den Aktien- und Anleihemärkten. Das ist ein entscheidender Unterschied zu Fonds, die keine Short-Positionen eingehen und daher vor allem auf die Marktrichtung setzen. Wir wollen in Strategien investieren, die wenig mit der Makrostrategie und auch untereinander wenig korreliert sind. Außerdem setzen wir uns Kursziele und strenge Verlustobergrenzen, um ein diszipliniertes Portfoliomanagement sicherzustellen. Bei der letzten Säule handelt es sich um die Auswahl von Einzeltiteln (Selection Strategy). Mit ihr streben wir eine stärkere Diversifikation und laufende Erträge an. Dazu investieren wir meist in einen Korb aus internationalen InvestmentGrade-Unternehmensanleihen, um stabile Renditen über dem Geldmarktsatz zu erzielen. Letztlich sollen so Portfolios entstehen, die stabile risikoadjustierte Renditen bieten, eine hohe Diversifikation aufweisen und Risiken im Zaum halten.

1 | Befragung von 70 Investoren im März 2017. 2 | Modellportfolios (Zeitraum 31.12.2012–07.02.2017): (1) 90 % Fixed Income Global Agg TR Hedged EUR Index (Renten), 10 % Equity MSCI Daily Net TR World Index (Aktien) und (2) 72 % Renten, 8 % Aktien, 20 % Pioneer Funds – Absolute Return Multi-Strategy.

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Europäische Nebenwerte – In den Hidden Champions von heute stecken die Giganten von morgen Im Interview: Marcus Ratz

Wieso sollten Anleger aktuell auch auf die kleineren Börsentitel aus Europa schauen? Marcus Ratz: Fast jeder der vier großen Technologiegiganten – Apple, Amazon, Google und Facebook – hat einmal ganz klein angefangen. Manche davon sogar in einer Garage. Die sogenannten Hidden Champions in Europa gehören zu den besonders innovativen Unternehmen, die häufig im Technologiesektor zu finden sind. Als Nischenanbieter sind sie dort mit ihren Produkten führend. Blickt man auf die großen Technologietrends wie etwa Robotik, künstliche Intelligenz, Automation, E-Commerce oder 3D-Druck, ist klar, dass wir vor einem strukturellen Wandel stehen. Mit einem Investment in europäische Small und Mid Caps können Anleger an dieser „industriellen Revolution 4.0“ teilnehmen und von den Innovationen profitieren, die aus den kleinen Firmen von heute die Giganten von morgen machen. Gibt es noch weitere Bereiche, in denen die Industrie 4.0 eine Rolle spielt? Marcus Ratz: Neben den Unternehmen aus dem Technologiesegment werden Themen wie Big Data oder Cloud-Anwendungen auch in anderen Industriebereichen wie im Pharmasektor oder bei Biotechnologiefirmen immer wichtiger. Mithilfe spezieller Softwareprodukte ist inzwischen eine individuelle Diagnose möglich, die zu neuen und verbesserten Behandlungsmethoden führt. Nimmt man die Automobilbranche unter die Lupe, zeigt sich, dass die Wertschöpfung immer stärker von den Zulieferern ausgeht als von den Automobilherstellern selbst. Hinter den Zulieferern stecken viele Weltmarktführer aus dem Mittelstand. Wachstumstreiber sind beispielsweise die CO2-Reduktion, E-Mobilität, autonomes Fahren oder das Car-Sharing, wo wir in den nächsten Jahren noch einige Innovationen erwarten dürfen.

und die Branchen, in die wir investieren, ganz genau kennen. Das Team hat über 1.000 Managementkontakte pro Jahr und erhält somit einen sehr guten Einblick in die Denkweise der Entscheider und die zukünftige Marschrichtung der Unternehmen. Europäische Nebenwerte bieten vielfältige Chancen. Wie sieht es mit den Risiken aus?

Marcus Ratz, Portfoliomanager des Lupus alpha Smaller Euro Champions, Lupus alpha Asset Management AG Wie gelingt es Ihnen, wahre Ertragsperlen unter den europäischen Hidden Champions zu finden? Marcus Ratz: Wichtig für uns ist es, Trends aufzuspüren und dann gezielt in die kleinen und mittleren Unternehmen zu investieren, die mit ihren Produkten eine Schlüsselstellung einnehmen. Europa bietet uns hierfür ein sehr breites Anlagespektrum, das sich über verschiedene Branchen und Industriezweige erstreckt. Dabei spielen zum Teil auch länderspezifische Besonderheiten eine Rolle. Dänemark hat etwa einen starken LifeScience-Markt, den norwegischen Markt prägt natürlich die Ölindustrie, während die deutschen Hidden Champions eine starke Stellung beim Maschinenbau und in der Automobilindustrie einnehmen. Sie sind den kleinen Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe auf der Spur. Verfolgen Sie dabei eine besondere Investmentstrategie? Marcus Ratz: Bei unseren Investmententscheidungen setzen wir seit über 15 Jahren ganz auf Stock-Picking und aktives Portfoliomanagement. Wir haben den Vorteil, dass wir jedes Unternehmen

Marcus Ratz: Für Anleger haben seit der Finanzkrise die Themen Risiko und Risikomanagement ganz besonders an Bedeutung gewonnen. Die kleineren Börsenwerte haben dabei den Vorteil, dass sie auf zwei Ebenen diversifizieren. Zum einen durch die Streuung von zyklischen und defensiven Titeln. Daneben spielt die weltpolitische Großwetterlage eine deutlich geringere Rolle. Es dominieren unternehmensspezifische Faktoren. Gerade deswegen schauen wir uns die Unternehmen genau an. Grundsätzlich zeigt sich, dass eine Beimischung von Small und Mid Caps das Gesamtrisiko in einem diversifizierten Portfolio senkt. Insgesamt zeigen sich die Nebenwerte auf Basis des STOXX Europe TMI Small seit Beginn des Jahrtausends deutlich weniger volatil als die großen Werte des STOXX Europe 50. Nebenwerte sind in den vergangenen Jahren besser gelaufen als viele Large Caps. Ist angesichts dieser Performanceentwicklung noch Luft nach oben? Marcus Ratz: Ich bin überzeugt, dass sich kleine und mittelgroße Aktienwerte auch künftig auf lange Sicht besser entwickeln werden als die großen Standardaktien. Nebenwerte bieten den Zugang zur vollen Breite und Tiefe der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung. Überdies ist das Ertragswachstum bei kleineren Titeln oftmals höher als bei großen Unternehmen. Daneben profitieren die Small und Mid Caps von der derzeit guten Stimmung in Europa. Vielen Dank für das Gespräch.

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Kräftiger Rückenwind für die Schwellenmärkte von Karen Watkin und Morgan Harting

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ährend die Konjunk tur weltweit anzieht, lassen zahlreiche Schwellenländer die Industriestaaten sogar hinter sich. Im Durchschnitt erwarten wir für die Schwellenländer in 2017 ein Wachstum von über 4 Prozent, für die Industrieländer nur knapp über 2 Prozent. Die altbekannten Einwände gegenüber Investments in Emerging Markets (EM) bezüglich höherer Volatilität der dortigen Unternehmen und Staaten treten in den Hintergrund: Die Anleger nehmen den positiven Strukturwandel an den Schwellenmärkten wahr. Viele EM-Länder haben erhebliche politische und wirtschaftliche Reformen durchgeführt, die vor allem der konjunkturellen Stabilisierung dienen. Das hat zu einem signifikanten Rückgang der Inflation und stabileren Wechselkursen geführt.

Karen Watkin Multi-Asset-Portfolio-Manager bei AllianceBernstein

Das wiederum eröffnet vielen EM-Regierungen neue Chancen, neue Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur zu ergreifen, was sowohl Anleihen als auch Aktien aus den Schwellenmärkten Auftrieb verleihen dürfte. Im Zuge sinkender Inflationsraten hat sich die Preismacht der Produzenten verbessert, was den Margen und Gewinnen vieler EM-Unternehmen zugutekommt und zudem ihre Kreditwürdigkeit stützt. Dank der stark verbesserten Außenbilanzen vieler Schwellenländer sind diese nun auch weniger abhängig von ausländischem Kapital und somit nicht mehr so exponiert bei steigenden Zinsen in den Industrieländern, was die EM in der Vergangenheit so stark belastet hat.

Was bedeuten diese Veränderungen für EM-Vermögenswerte? Chinas Wirtschaft setzt ihren großen Strukturwandel fort: weg von exportgestütztem Wachstum und hin zu einem ausgewogeneren Modell mit größerem Gewicht auf inländischer Nachfrage und Investitionen. Dieser Trend unterstützt viele der schnell wachsenden Unternehmen, die auf den heimischen Markt fokussiert sind. Der Autobahnbetreiber Jiangsu Expressway ist dafür

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Morgan Harting Multi-Asset-Portfolio-Manager bei AllianceBernstein

ein gutes Beispiel: Das Unternehmen dürfte von höheren Infrastrukturausgaben profitieren sowie vom höheren Verkehrsaufkommen im Zuge steigender Zulassungszahlen für Autos und Lastwagen. Außerdem sollten neue Sicherheitsvorschriften zur Verhinderung von überladenen Lastwagen positiv für Jiangsu Expressway sein, da somit mehr Lastwagen benötigt werden und das Mautaufkommen steigen dürfte. Wir schreiben der Aktie ein hohes Kurssteigerungspotenzial zu, nicht zuletzt durch das Momentum nach sehr guten Berichtszahlen im ersten Quartal. In einigen anderen Schwellenländern liegen die Chancen, die sich aus den langfristigen Veränderungen ergeben,

eher im festverzinslichen Bereich. Mexiko etwa durchlebt gerade eine eher schleppende konjunkturelle Entwicklung, was nicht für den dortigen hoch bewerteten Aktienmarkt spricht. Doch die gebremste Entwicklung zähmt die Inflation. Das ist ein weiterer positiver Faktor für mexikanische Staatsanleihen, die bereits von der zuletzt umsichtigeren Wirtschaftspolitik der Regierung profitieren. In Peso ausgegebene Anleihen genießen bereits Investment-GradeStatus. Dennoch bietet die zehnjährige Anleihe eine Rendite von mehr als 7 Prozent. Das ergibt eine hochattraktive Kombination von hohem Ertragspotenzial bei überschaubarem Risiko. Andere Schwellenländer sind auf der Währungsebene besonders attraktiv. Die leidvolle Geschichte Argentiniens als Schuldnerland bedeutet, dass dessen Staatsanleihen weiterhin definitiv ins High-Yield-Universum gehören. Es ist Präsident Macri und seiner marktfreundlichen Regierung jedoch gelungen, eine Übereinkunft mit der internationalen Gläubigergemeinschaft zu erzielen. Dadurch erhält das Land wieder Zugang zu ausländischem Kapital. Diese positiven Entwicklungen machen Peso-denominierte Anleihen doppelt attraktiv: Sie bieten nicht nur eine Rendite von rund 13 Prozent per annum, sondern zusätzlich noch eine Carry-Rate von 22 Prozent (per Juli) auf der Währungsseite. Trotz der erwähnten positiven Faktoren, ausgelöst durch hohe Wachstumsraten und Reformen, sind viele EM-Vermögenswer te noch immer vergleichsweise attraktiv bewertet, vor allem gegenüber den Industrieländern. EM-Aktien werden zu einem erheblichen Abschlag gehandelt. Und EM-Anleihen in Lokalwährung bieten einen besonders hohen Renditevorteil im Vergleich zu Papieren aus den Industrieländern. Zudem sind die meisten Anleger trotz der jüngsten Mittelzuflüsse in die Schwellenmärkte dort weiterhin untergewichtet. Das lässt vermuten, dass erhebliches Potenzial für zukünftige Allokationen verbleibt, was die Vermögenswerte der Schwellenländer zusätzlich stützen dürfte.

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Die besten Ideen aus den Schwellenländern nutzen

Die Schwellenländer sind zurück. Für Geoffrey Wong, Leiter Schwellenländeraktien und Aktien Asien/Pazifik bei UBS Asset Management, hat der Zyklus erst angefangen und sollte fünf bis sieben Jahre dauern. Mit dem UBS Global Emerging Markets Opportunity Fund verspricht er ein aktiv verwaltetes Portfolio der besten Ideen aus den Schwellenländern.

von Geoffrey Wong Onlinehandel in den Schwellenländern. Hervorzuheben ist hier China, aber auch Indien bietet enormes Potenzial. Viertens rückt mit dem wachsenden Wohlstand das persönliche Wohlbefinden in den Fokus, was die Nachfrage nach hochwertigen Gesundheitsdienstleistungen stärkt. Diese vier Wachstumstreiber haben wir im UBS Global Emerging Markets Opportunity Fund im Hinterkopf, wenn wir die Aktienauswahl für den Fonds treffen.

Der innere Wert

Geoffrey Wong, Leiter Schwellenländeraktien und Aktien Asien/Pazifik, Manager des UBS Global Emerging Markets Opportunity Fund, UBS Asset Management

Vier Wachstumstreiber Vier Themen spielen bei der weiteren Entwicklung der Schwellenländer eine besondere Rolle: Erstens wächst mit steigenden Löhnen das frei verfügbare Einkommen. Die Verbraucher geben mehr Geld für gutes Essen, aber auch für Bildung, Freizeit und Unterhaltung aus. Zweitens steigt mit dem höheren Einkommen das Markenbewusstsein. Teure Markenprodukte sind Ausdruck einer verbesserten Lebensqualität. Ein drittes Thema ist der rasant wachsende

Der Preis wird ins Verhältnis zum inneren Wert des Unternehmens gesetzt. Dieser innere Wert bestimmt sich über die Fundamentaldaten der Gesellschaft, vor allem über die zu erwartenden Cashflows. Weicht der Aktienkurs stark vom inneren Wert nach unten ab, ist unser Interesse geweckt. Für uns bieten sich dann gute Gelegenheiten, zu einem attraktiven Preis in Unternehmen mit solidem, langfristigem Potenzial zu investieren. Dabei sind wir sehr wählerisch. Nur die besten 25 bis 35 Titel unserer 18 Branchen-Analysten werden für das Portfolio ausgewählt – bei insgesamt 23 Schwellenländern ein äußerst konzentriertes, nach Sektoren diversifiziertes Portfolio. Jeder Titel ist gegenüber dem Index stark übergewichtet und trägt maßgeblich zur Wertentwicklung bei. „Die Besten“ heißt für uns: Firmen mit starken Geschäftsmodellen und star-

ken Bilanzen, die wir zu vernünftigen Bewertungen erwerben.

Gemanagtes Risiko Eine wichtige Rolle für den Anlageerfolg spielt das Risikomanagement. Mithilfe von branchenüblichen und proprietären Risikosystemen ist das Risikomanagement in jede Stufe des Anlageprozesses eingebunden, von der Unternehmensanalyse bis zur Portfoliokonstruktion. Wir führen einen tief greifenden Qualitätscheck für jedes Unternehmen durch, das wir ins Portfolio aufnehmen. So versuchen wir, Aktien einer niedrigen Qualitätsstufe zu vermeiden, und minimieren das Risiko von Störfällen, zum Beispiel durch Buchführungsdelikte oder schlechte Unternehmensführung. Die Konzentration auf Qualitätsunternehmen trägt dazu bei, die Volatilität zu reduzieren. Wir stehen im kontinuierlichen Dialog mit den Firmen im Portfolio. Und jedes Jahr bewerten wir die Unternehmensführung und andere Risikoquellen neu. Geoffrey Wong verwaltet von Singapur aus den UBS Global Emerging Markets Opportunity Fund, wofür er 2017 bei den Citywire Deutschland Awards als bester Fondsmanager für Schwellenländeraktien ausgezeichnet wurde. Er ist seit 1997 bei UBS Asset Management und verfügt über fast 30 Jahre Erfahrung in der Finanzindustrie. Absolviert hat er am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

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Investment

Populismus erhöht politische Risiken

Der zunehmende Wirtschaftsnationalismus rückt die Analyse politischer Risiken verstärkt in den Vordergrund.

von Huw van Steenis

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ie Erfahrungen aus der Finanzkrise haben bestätigt, dass es sich lohnt, sich intensiver mit der Wirtschaftsgeschichte – insbesondere der von Schwellenländern – zu beschäftigen. Auch in Zeiten, in denen der Wirtschaftsnationalismus und Widerstand gegen die Globalisierung in den Industrieländern vielerorts auf dem Vormarsch scheinen, werden die Parallelen zu den Schwellenländern wieder deutlich. Populisten üben meist großen politischen Druck auf die Institutionen ihres Landes aus. Allerdings muss dieser Druck im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung zunächst nicht zwingend negativ sein. Denn die Bedrohung durch den von Populisten gern favorisierten Protektionismus kann eine stärkere Reaktion der Politik in Form einer Förderung des Binnenwachstums hervorrufen – etwas, das Europa dringend benötigt. Beim Wirtschaftsnationalismus geht es darüber hinaus um eine Wende hinsichtlich der Regulierung, da die Vorteile der Globalisierung neu bewertet werden. Wenn Länder im Finanzbereich Mauern errichten und der Konsens über die Basler Regelwerke für Banken verloren geht, werden diese sich stärker auf den jeweiligen nationalen Markt fokussieren. Ein stärker unterteiltes Bankensystem kann zwar bei der Abfederung von Schocks helfen, dürfte aber – wie wir in den Schwellenländern gesehen haben – wachstumsbremsend wirken, wenn die Lücke nicht durch die globalen Märkte geschlossen wird. Ein Blick auf die Schwellenländer zeigt zudem, dass Wirtschaftsnationalismus

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oft inflationstreibend wirkt. Im Westen hat man sich lange Zeit stark auf die Geldpolitik gestützt – der Übergang zu einer reflationären Handels- und Fiskalpolitik sowie Änderungen in der Regulierung sind grundsätzlich zu begrüßen. Erfahrungen aus den Schwellenländern lehren uns allerdings, dass man die Entwicklung sorgfältig beobachten sollte. In der Anfangsphase von Konjunkturprogrammen belebt sich die Wirtschaft häufig dank zunehmender Beschäftigung. Im weiteren Verlauf hat sich jedoch gezeigt, dass die Schwellenländer divergieren. Einige sind sehr erfolgreich. Doch andere werden oft von niedrigen Investitionen und geringer Produktivität gebremst. Die damit einhergehende Zunahme von Inflation und Ungleichheit kann zu einer Politik der Wut führen, vor allem, wenn das Einkommensniveau niedriger ist.

Bewegung bei den Wechselkursen Darüber hinaus schwanken die Wechselkurse meist stärker. An den westlichen Märkten könnte diese Volatilität grundlegend die Art und Weise verändern, wie Anleger Risiken in ihren Portfolios bewerten. Die Währungen in den am stärksten vom Wirtschaftsnationalismus erfassten Ländern dienen allerdings als Reservewährungen. Daher vermute ich, dass übermäßige Wechselkursschwankungen und Ausschläge bei den Finanzierungskosten gedämpft werden, solange es nicht zu einem Zerfall der Eurozone kommt. Natürlich haben historische Parallelen auch ihre Grenzen. Das liegt nicht zuletzt an den enormen technologischen Veränderungen, die sich auf Arbeit, Kultur und Politik auswirken. Sie überschneiden sich mit anderen Entwicklungen wie dem

Wirtschaftsnationalismus, politischer Abschottung nach außen und der Fragmentierung infolge der Globalisierung. Da sich der technologische Wandel fortlaufend beschleunigt, werden auch seine Auswirkungen zunehmen. Eine grundlegende Destabilisierung von Märkten und Volkswirtschaften ist die Folge. Dies führt zu einer anderen Verteilung wirtschaftlicher und finanzieller Renditen.

Die Risiken sind relevant Dieser kurze Überblick zeigt: Die Geldanlage in Schwellenländern erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit Länderrisiken und volkswirtschaftlichen Aspekten. Für erfolgreiches Investieren in Schwellenländer ist es von zentraler Bedeutung, die Stärke politischer Institutionen und Grundsätze der Unternehmensführung genau zu analysieren – diese Faktoren können sich ganz erheblich auf das Bewertungsniveau und die lang fristigen Wachstumserwartungen auswirken. Unsere Analysen haben ergeben, dass Länderrisiken für bis zu 50 Prozent der von Anlegern erzielbaren Renditen verantwortlich sein können. Deshalb verwundert es nicht, dass der Markt für die Analyse politischer Risiken boomt. Wenn wir in einer stärker divergierenden Welt investieren, dann ist das Anlage-Instrumentarium für Schwellenländer ebenso unverzichtbar wie ein grundsätzliches Verständnis dafür, wie sich Technik auf die Gesellschaft, Unternehmen und Märkte auswirkt.

Huw van Steenis, Global Head of Strategy, Schroders

03|2017


Recht | Regulierung | Analyse

Trends bei Finanzdienstleistern von Markus Köppl

von der Vermittlung von einfachen ETF-Dachfonds über IT-Lösungen für die automatische Kontoeröffnung beziehungsweise Apps bis hin zu vollumfänglichen Robo-Advisor-Lösungen, in der Regel über Drittanbieter.

Trend zur Größe

Markus Köppl, Gründer der MK Anleger Gesellschaft mbH und Anleger24.de. Anleger24.de hilft Anlegern deutschlandweit, Berater bei Vermögensverwaltern, Banken, Family Offices, Finanzdienstleistern sowie Robo-Advisors zu finden. Die MK Anleger Gesellschaft mbH unterstützt Finanzdienstleister bei M&A-Transaktionen, Beratergewinnung und Digitalisierung.

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ie Banken-, Finanzdienstleisterund Vermögensverwalterbranche ist im Umbruch. Die Gründe sind insbesondere die Digitalisierung, steigender Kostendruck, die Altersstruktur der privaten Finanzdienstleister und Vermögensverwalter und die größer werdende Regulierung durch die Aufsichtsbehörden, auch wegen der Finanzmarktrichtlinie MiFID II. Die Auswirkungen sind zum Teil schon sehr konkret und es entwickeln sich Trends.

Trend zur Digitalisierung Einige Finanzdienstleister sind derzeit schon sehr aktiv, sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen. Die Palette von unterschiedlichen Vorgehensweisen ist groß. Sie reichen

Finanzdienstleister wollen wachsen, insbesondere mit weiteren Beratern und durch Zukauf von anderen Finanzdienstleistern. Es gibt allein bei der MK Anleger Gesellschaft mbH über 35 Unternehmen, die aktiv nach neuen Beratern suchen, und über 20 Unternehmen, die gern ein anderes Unternehmen kaufen oder sich daran beteiligen möchten. Demgegenüber stehen lediglich sechs Finanzdienstleister ganz unterschiedlicher Größenordnungen (von der reinen Hülle mit KWG-32-Zulassung bis zu Vermögensverwaltern mit Volumina im hohen dreistelligen Millionenbereich), die aktiv einen Verkauf anstreben oder eine zeitnahe Nachfolgeregelung suchen. Auf der Beraterseite werden derzeit acht Berater mit einem Kundenportfolio von 340 Millionen EUR aktiv bei der Suche nach einer neuen Gesellschaft begleitet. Das zeigt, wie sehr die Nachfrage- und Angebotsseite auseinanderklaffen. Ein Grund dafür ist: Verkaufswillige Gesellschaften und veränderungswillige Berater brauchen die absolute Sicherheit, dass ihr Vorhaben absolut vertraulich behandelt wird und sich nicht herumspricht.

Trend zu vermögensverwaltenden Strategien Seit Jahren gibt es eine massive Abkehr von der klassischen Anlageberatung. Die steigende Regulierung, die Auswirkungen von MiFID II auf die Vergütungsmodelle und die Administration, zum Beispiel durch Beratungsprotokolle, sind

die Gründe dafür. Auch das Haftungsrisiko ist bei Anlageberatungsmodellen deutlich höher. Bei der Vermögensverwaltung hingegen kann viel schneller auf Marktgegebenheiten reagiert werden, da für Anpassungen keine Rücksprache mit den Kunden notwendig ist. Zudem ist durch eine mögliche Standardisierung durch verschiedene Strategien (beispielsweise konservativ, ausgewogen, spekulativ) eine viel geringere Administration notwendig.

Trend zum Honorar MiFID II und die damit verbundenen Auswirkungen auf Vergütungsmodelle treiben den Trend voran, dass Finanzdienstleister ihre angebotenen Dienstleistungen komplett auf Honorare, Management- oder Servicegebühren umstellen. Alle weiteren Zuwendungen und Vergütungen, wie etwa Bestandsprovisionen bei Investmentfonds, werden dem Kunden direkt auf das Konto gutgeschrieben. Umso transparenter und transaktionsunabhängiger ein Vergütungsmodell ist, desto unabhängiger sollte demnach auch die Beratung sein. Ob hier jedoch die Rechnung ohne den Kunden gemacht wurde, bleibt offen. Viele, insbesondere kleinere Anlagekunden, sind nicht bereit, für Beratung zu bezahlen. Viel zu sehr wurden sie über Jahrzehnte hinweg daran gewöhnt, dass Banken und Finanzdienstleister ihre Dienstleistungen „kostenlos“ anbieten. Provisionen werden beziehungsweise wurden quasi ohne Wissen des Kunden abgezwackt. Kurz zusammengefasst wollen Finanzdienstleister auch künftig gewinnbringend arbeiten, ihre Administration verringern, auf die Kundenwünsche bezüglich der Digitalisierung eingehen und natürlich rechtssicher arbeiten können.

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MiFID II – Wie Algorithmen unterstützen können Mit MiFID II droht Finanzdienstleistern mehr Bürokratie und weniger Gewinn. Technologie kann helfen, die Folgen abzufedern.

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lle sprechen davon, kaum einer versteht es und die Umsetzung ist strittig: willkommen bei MiFID II. Die Finanzbranche ächzt bereits unter starker Regulierung. Jetzt wird sie noch einmal verschärft. Was beinhaltet MiFID II nun eigentlich und wie lässt sich effizient darauf reagieren? MiFID II wird die ohnehin mit den Regularien kämpfenden Finanzdienstleister weiter belasten – finanziell und zeitlich. Die Überarbeitung und Anpassung der MiFID-Richtlinie („Markets in Financial Instruments Directive“), welche seit 2007 angewendet wird, soll vor allem Schwachstellen der bisherigen Regulierung verbessern und die Rechte der Anleger stärken. Noch stehen nicht alle Einzelheiten fest, aber ein Inkrafttreten zum 3. Januar 2018 ist mittlerweile sehr wahrscheinlich.

Vermögensverwaltung keine Zuwendungen von Dritten erhalten – weder monetäre noch nicht monetäre. Es wird wohl im Bereich unwesentlicher nicht monetärer Zuwendungen zulässige, geringfügige Abweichungen geben, generell gilt aber das strikte Annahmeverbot.

2.

Die Regulierung ist umfangreich – hier nur die wichtigsten Aspekte in Bezug auf Interessenskonflikte und Kostentransparenz im Überblick:

Zukünftig wird die Vereinnahmung von Zuwendungen sehr erschwert bis unmöglich.

1.

Der Vermögensverwalter darf im Zusammenhang mit der diskretionären

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3.

In der Anlageberatung sieht es etwas anders aus. Hier muss strikt zwischen Honoraranlageberatung und konventioneller Anlageberatung unterschieden werden. Dem Kunden muss zwingend vor jeder Beratung erläutert werden, welche Art von Beratung nun erfolgen wird. Bei der Honoraranlageberatung muss der Berater zwingend auf sämtliche Provisionen verzichten und zusätzlich hat er erhöhte Anforderungen an die Qualität seiner Beratung zu erfüllen (weiter Marktüberblick, keine Beschränkung auf eigene Produkte, hohe Diversifikation des Anlagespektrums et cetera). Das obligatorische Beratungsprotokoll wird durch eine Geeignetheitserklärung ersetzt, welche inhaltlich vergleichbar ist. Neu ist, dass Anleger anhand verschiedener Kriterien in Zielmärkte eingeordnet werden müssen (Geeignetheitsprüfung). Parameter sind

hier der Anlagehorizont, die Verlusttragfähigkeit und die Kundenkategorie (Privatkunde/professioneller Kunde/geeignete Gegenparte). Produktgeber müssen zukünftig angeben, für welche Kundenkategorie ihre Produkte gedacht sind. Der Vertrieb muss nun sehr genau auf die richtige Zuordnung der Produkte achten, das heißt, dass die Produkte nur den Kunden aus dem entsprechenden Zielmarkt angeboten werden dürfen.

Kostentransparenz wird zu einer Bürokratiewalze.

4.

Zukünftig müssen dem Kunden dezidierte Ex-ante- und Ex-post-Offenlegungen der Kosten angeboten werden. Diese beinhalten die Kosten- und Gebührenbestandteile des Finanzinstruments, der Transaktion und der Wertpapierdienstleistung einschließlich der Beratungskosten. Diese aggregierte Gesamtkostensumme ist in Prozent und als Geldbetrag auszuweisen.

5.

D  iese Kostenof fenlegung muss grundsätzlich vor jeder Anlageempfehlung erfolgen. Das klingt nicht dramatisch, dürfte aber einen erheblichen Zeitaufwand und Unsicherheitsfaktor mit sich bringen. Bisher

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Recht | Regulierung | Analyse

ist es noch ungewiss, welche Kosten ganz konkret auszuweisen sind. Im schlimmsten Fall sind die tatsächlichen Kosten auf Basis der tatsächlichen Haltedauer zu ermitteln.

6.

 ass zukünftig Telefongespräche, die D auf eine Ordererteilung hinauslaufen, aufgezeichnet und mindestens fünf Jahre archiviert werden müssen, ist da fast nebensächlich. Dies gilt übrigens auch, wenn keine Order erteilt worden ist. Das jeweilige Telefonat muss dem jeweiligen Kunden zugeordnet werden (können).

Das Ergebnis: mehr Aufwand, weniger Rentabilität. Die Anforderungen von MiFID II belasten den Arbeitsalltag weiter, die Zeit für Wertschöpfung und – viel wichtiger – für Kundenkontakt wird geringer. Bereits jetzt sind Vermögensverwalter einer regelrechten Informationsexplosion ausgesetzt: Laut einer Studie der TABB Group wird ein Portfoliomanager täglich mit bis zu 800 Handelsvorschlägen konfrontiert und kann auf bis zu 90.000 neue Finanzartikel zugreifen. Mehr als die Hälfte der Arbeitszeit verbringt er mit dem Sammeln, Ordnen und Auswerten von Informationen. Nun kommt aus unserer Erfahrung noch hinzu, dass fast alle unabhängigen Vermögensverwalter eine Vielzahl von kleinen Kunden betreuen. An diesem gewissen Teil ihrer Kundschaft verdie-

nen Vermögensverwalter zu wenig. Die Anlagesummen sind zu klein, der Betreuungsaufwand ist zu hoch. Kündigungen sind aber aus Reputations- und Loyalitätsgründen keine Option. So sind Vermögensverwalter gezwungen, weniger rentable Kunden „mitzuschleppen“ und querzusubventionieren. MiFID II wird diese Kunden noch „unrentabler“ machen.

Die Lösung: höhere Effizienz durch Technologie. Technologie kann helfen, die Arbeit wieder rentabler zu gestalten. Sie automatisiert zeitaufwendige Schritte im Verwaltungsalltag und übernimmt bürokratische Prozesse. Das bedeutet mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Es bleibt Vermögensverwaltern also nichts anderes übrig, als sich mit Fragen zur Technologie sowie zu neuen Instrumenten und Ansätzen in der Kundenbetreuung auseinanderzusetzen. Ohne Offenheit gegenüber Technologie kommen Anlageberater heutzutage nicht weit. Vermögensverwalter sollten sich einen zuverlässigen Partner suchen, der ihnen hilft, in herausfordernden Zeiten ihre Effizienz und Attraktivität für Kunden zu steigern und damit ihre Wirtschaftlichkeit zu erhalten. Die regulatorischen Änderungen zwingen uns, unsere Beratungsprozesse zu überprüfen und zu standardisieren. Wichtige Ziele sind hierbei die Steigerung der Effizienz, die

Reduktion von Risiken und die Verbesserung der Servicequalität für Kunden durch skalierbare Prozesse. Anmerkung: Minveo betreibt einen digitalen Vermögensverwalter, der als flexibler und effizienter Outsourcingpartner professionellen Vermögensverwaltern das Leben leichter macht. Die Technologie entwirft aus einer Vielzahl von Instrumenten – nicht nur ETFs – passgenaue Anlagestrategien. Zudem optimieren Algorithmen das Portfolio und helfen, Krisen vorherzusagen. Durch die Kooperation mit einer klassischen Vermögensverwaltung stellt Minveo sicher, dass Fach- und Technologieexpertise zusammenkommen. Das Leistungsspektrum reicht vom reinen Outsourcing des Vermögensmanagements bis hin zur Bereitstellung einer vollumfänglichen White-LabelPlattform. Diese erfüllt sowohl die regulatorischen Anforderungen als auch den Bedarf der Kunden nach einer technisch ausgereiften Onlineplattform. Die Anlagestrategien und technischen Module sowie der visuelle Auftritt können individuell an die Anforderungen des Partners angepasst werden. Minveo kann zum Beispiel die Betreuung kleinerer, unrentabler Kunden für Vermögensverwalter übernehmen und jenen einen kostengünstigen und gleichzeitig qualitativ hochwertigen Service anbieten. Kunden erhalten bei Minveo anspruchsvolle und maßgeschneiderte Anlagestrategien.

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Recht | Regulierung | Analyse

Encouraging transparency in the Fund Industry von Oren Kaplan

W

hat if there was an internet site where fund selectors, investment advisors and end investors could share their opinions and insights regarding funds? What if that platform was open and free to use? Well, there is no need to use your imagination since such a tool already exists and it's called SharingAlpha. SharingAlpha is a user generated fund ratings and model portfolios platform that has become the world’s largest fund rating agency in terms of the number of Fund Analysts contributing to its ratings. SharingAlpha rates funds based on the average rating provided by Fund Selectors worldwide. Apart from being able to create a better fund rating, SharingAlpha is also able to rank the individual raters in terms of their talent in selecting funds. Their fund selection track record enables the raters to test their analysis, and if they choose the raters are able to present their proven track record to existing and potential clients. Based on the above, SharingAlpha is able to publish a list of both top rated

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funds and top ranked Fund Selectors. An additional feature enables Investment Advisors to build virtual Fund of Funds and in turn SharingAlpha ranks them based on their performance not only as Fund Selectors but also as Asset Allocators. The use of the website is totally free and covers over 100k funds listed in 110 countries. Our vision is to offer the investment community a better way to select winning funds and at the same time to offer Fund Selectors and Investment Advisors the option of building their own proven long term track record. It’s about time that funds are rated on the basis of parameters that have been proven to work and Fund Selectors and Investment Advisors will be judged according to their ability to add value to investors. To sum up, here are 2 ways in which SharingAlpha is improving transparency in this much closed industry:

• Funds: Fund providers who are trying to sell their product give you plenty of publicly accessible information but that

is marketing material and definitely not neutral. Standard rating agencies give us a more neutral view of funds but with such a large number of funds most of their information is quantitative. Only on SharingAlpha can you find information that is qualitative taking into account parameters such as the latest impression a Fund Selector has on the Fund Managers motivation, or in other words, whether the Fund Manager is truly dedicated to achieving Alpha or are there any issues that are interfering in achieving that goal. This insight that is received through a wide network of market participants places more information at investor’s fingertips.

• Advisors: Many Fund Selectors and

Investment Advisors claim that they have a way of helping investors either with selecting winning funds or with deciding on the best mix between them, however none of them are able to prove that it's worth while listening to them. SharingAlpha allows these market professionals to present a clear and measurable track record turning the task of selecting an Advisor to a much more transparent and clear process.

03|2017


Recht | Regulierung | Analyse

Veranstaltungskalender Forum Trainingsmanagement UG in Kooperation mit dem network financial planner e.V. (www.trainingsmanagement.com) 24./25.11.2017

LPX Group (www.lpx-group.com) Roadshow - Assetklasse Infrastruktur

13. Financial Planner Forum in Berlin

26.09.2017

Netzwerktreffen mit dem finanzebs e.V., Hamburg

12.10.2017

5. Münchner Finanzplanertag

Netzwerk der Finanz- und Erbschaftsplaner e.V. (www.nfep.de) 25.09.2017 19:00 Uhr

"Mitarbeiterbindung und Liquiditätsschaffung aus einer Hand - unternehmerische Ideen für CFPs.", Referenten: Darius Gevelhoff und Andreas Kätsch, Vorstand Münchener Versorgungsmanagement AG, Veranstaltungsort: Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Mainzer Landstraße 275, 60326 Frankfurt

06.11.2017 19:00 Uhr

"Aktuelle Fälle aus der Beratungspraxis", Referent: Rechtsanwalt Karsten Seidel, Veranstaltungsort: Kanzlei K&L Gates, OpernTurm, Bockenheimer Landstr. 2-4, 60306 Frankfurt

Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. (www.vuv.de) 24.11.2017

Deutscher Vermögensverwaltertag und Feier zum 20. Jubiläum in Wiesbaden

Finanzplaner Fortbildung in Kooperation mit dem NFEP (www.finanzplanerfortbildung.de) 28./29.09.2017

6. Frankfurter Finanzplaner Forum, Veranstaltungsort: Relexa Hotel, Lurgiallee 2, 60439 Frankfurt

Financial Planning Trends (www.fp-trends.de) 22.09.2017 10:00 Uhr

Webinar: „Risikokommunikation in der Ruhestandsplanung“

Weiterbildung

Kompaktseminar „Beratung und Finanzplanung von Personen-/Kapitalgesellschaftern“ 14.10.2017 10:00 Uhr

Frankfurt

04.11.2017 10:00 Uhr

Stuttgart

25.11.2017 10:00 Uhr

Düsseldorf

02.12.2017 10:00 Uhr

Frankfurt

Frankfurt School of Finance & Management gemeinnützige GmbH (www.frankfurt-school.de) Studiengang „Financial Consultant/Financial Planner“ 09.03.2018

Frankfurt

16.03.2018

Frankfurt

07.09.2018

Frankfurt

14.09.2018

Frankfurt

05.10.2017 09:30 Uhr

Augustiner-Keller, München Referent: Dr. Michel Degosciu (Gründer und Geschäftsführer der LPX Group)

06.10.2017 09:30 Uhr

Wirtschaftsclub Düsseldorf, Düsseldorf Referent: Dr. Michel Degosciu

13.11.2017 08:30 Uhr

Hotel Ku‘ Damm 101, Berlin Referent: Dr. Michel Degosciu

13.11.2017 15:00 Uhr

Hamburger Börse, Hamburg Referent: Dr. Michel Degosciu

15.11.2017 09:30 Uhr

Rotonda Business Club, Köln Referent: Dr. Michel Degosciu Trüffeltour 2017 (www.trueffeltour.de)

Weiterbildung

Netzwerke

network financial planner e.V. (www.nfpb.de)

26.09.2017 13:00 Uhr

Berlin

27.09.2017 13:00 Uhr

Hamburg

28.09.2017 13:00 Uhr

Düsseldorf

09.10.2017 13:00 Uhr

Frankfurt

10.10.2017 13:00 Uhr

Stuttgart

11.10.2017 13:00 Uhr

München

EBS Executive Education (www.ebs.edu) 11.09.2017

Kompaktstudium Private Equity 15. Jahrgang

17.–19.09.2017

20. kontakte 2017: Financial Planning Praxis

22.09.2017

Intensivstudium Wirtschaftsmediation 5. Jahrgang

25.09.2017

Kompaktstudium Socially Responsible Investments 1. Jahrgang

25.10.2017

Tagesseminar „Refresher Testamentsvollstreckung“ mit RA Dr. Michael Bonefeld

14.11.2017

Kompaktstudium Testamentsvollstreckung 22. Jahrgang

05.12.2017

Tagesseminar „Praxisforum Finanzplanung 2017/2018: Steuern – Recht – Trends“ mit Hans Nickel

XPS-Finanzsoftware GmbH in Kooperation mit der Forum Trainingsmanagement UG (www.xps-finanzsoftware.de) 05.09.2017

Basisseminar, München Dozent: Sven Scherner (Forum Trainingsmanagement UG)

06.09.2017

Praxisseminar, München Dozent: Sven Scherner

08.11.2017

Basisseminar, München Dozent: Sven Scherner

09.11.2017

Praxisseminar, München Dozent: Sven Scherner

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