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das Invest-Magazin mit Zukunft!

4. Jahrgang Heft N˚ 19 Mai/Juni 2009 CHF 6,00 > punktmagazin.com 9 771661 806003 19

RUBRIK «LEADSTORY» AB SEITE 6

SCHWELLENLÄNDER LAUFEN INDUSTRIENATIONEN DEN RANG AB RUBRIK «AUF DEN PUNKT» AB SEITE 12

BRANDHEISSE SAMBARHYTHMEN, ERSTARKTES BRASILIEN GROSSES INDIEN MANCHMAL AUCH GANZ KLEIN AB SEITE 18

ACHTUNG PIONIERMÄRKTE

AB SEITE 24

RUBRIK «KOPFSACHE» AB SEITE 34

DR. MARK MOBIUS DER EMMA-ÜBERVATER RUBRIK «iPUNKT» AB SEITE 38

DIE HELVETISCHEN PLUSZEICHEN RUBRIK «AKTIVISMUS» AB SEITE 50

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INDEX

CONTENT N˚19 MAI /JUNI 2009 38

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54

21

05˚

EXOTISCH, TOXISCH & EROTISCH Innert 0,26 Se-

24˚

kunden werden rund 24 Millionen Einträge aufgelistet, wenn man in der ...

nicht vor Kurseinbrüchen gefeit. Gegenüber Industrienationen ...

RISIKOMÄRKTE MIT VERVE Pioniermärkte sind

25˚

06˚ «INDUSTRIELAND UNTER» – DIE EMERGING MARKETS KOMMEN Schwellenländer verursachen den westlichen Industrien auf ganz unterschiedliche Art und Weise Sorgenfalten ...

12˚ B WIE BRASILIEN 2008 musste Brasilien quasi kein Öl einführen. Im Gegenteil, riesige Ölfunde machen das Land ... 15˚

21˚

C WIE CHINA Chinas Aktienmärkte haben sich seit Jahresanfang deutlich erholt ...

weise prächtig saftige Steaks aus Argentinien, kaufen günstig schöne Schuhe aus China ...

47˚

GANZ EINFACH DEN MARKT KAUFEN DES SCHWEIZERS LIEBLINGE

47˚ 41˚

KARL-HEINZ CRASSMÄN Federn auf dem Kopf

«GESCHÜTZTE» EMMAS

und Bananen im Garten ...

50˚ DER EXOTISCHE SCHWEIZER Ein florieren-

42˚ DIE INDEXWELT DER PIONIERMÄRKTE Für ei-

des Jungunternehmen verdient sein Geld hauptsächlich mit ...

28˚ SPEZIALISTEN IM GESPRÄCH: BOB VON REKOWSKY, NICK PRICE & ALLAN CONWAY Die BRIC-

nige Anleger ist der Reiz der etablierten Schwellenländer bereits zu gering. Sie suchen neue Gefilde, wo sie zusätzliche ...

53˚ DIE ANGST VOR DER ANGST «Aufschwung beginnt

Staaten wurden oder werden noch immer von vielen ... 32˚

45˚ DER LABYRINTHFÜHRER Einen derzeitigen

GELD IM WÜSTENSAND Auch die Golfstaaten

Einstiegspunkt in die anlagetechnische Exotik können ...

konnten sich dem wüsten Sturm der Finanzkrise ...

45˚

I WIE INDIEN Die indi-

sche Wirtschaftsleistung wächst noch immer; jedoch hat das ...

46˚

ropa-Staaten sehen sich mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert, die sogar zum Staatsbankrott – ganz im Stile von Island – führen könnten.

R WIE RUSSLAND Die

Finanzkrise hat in Russland tiefe Spuren hinterlassen. Verschuldet hat dies die übermässige ... 18˚

DAHINSIECHENDES OSTEUROPA Viele Osteu-

38˚ MUTTER HELVETIA AUF DER WELT GANZ GROSS Wir essen beispiels-

ANLAGE-KNABBERSPASS

54˚ FERNÖSTLICHE GAUMENTÄNZE Japanische Gerichte sind schon länger en vogue und heutzutage an entsprechend überaus vielen ... 58˚

34˚ DR. MARK MOBIUS Als vor 40 Jahren Dr. Mark Mobius die EmMas unter die Lupe hielt, gab es deren fünf. Heute ist es ein Vielerlei, und noch immer bereist ...

im Kopf» heisst es so schön. Doch die Köpfe sind noch ...

45˚

DREI G7-STAATEN IM FOKUS

46˚

ÜPPIGKEIT GEGEN DIE KRISE

WISSEN, DASS ... die drei schwersten Sovereign Wealth Fund per Ende 2008 über ein Kapital von rund 3,9 Billionen Dollar verfügten. Ausgeschrieben sind das ... > punktmagazin.com

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ENTRÉE

txt: CS] Innert 0,26 Sekunden werden rund 24 Millionen Einträge aufgelistet, wenn man in der wohl populärsten Internet-Suchmaschine «Emerging Markets» eingibt. Tippt man «Frontier Markets» ein, dauert es gerade mal 0,23 Sekunden und es erscheinen gut 12 Millionen Einträge. Ob der damit verbundenen Informationsfülle dürfte manch einer jubeln. Die Frohlockung könnte allerdings ein jähes Ende finden, wenn man dasselbe Such-Tool mit «Industrienationen» füttert. Satte 0,36 Sekunden verbraucht es an Zeit, um dann mit knapp 330 000 Auflistungen aufzuwarten. Selbstverständlich, die eine oder andere nützliche Information lässt sich auch daraus ziehen, doch vergleichsweise ist dies ungefähr so mickrig wie der Schlusspunkt am Ende dieses Satzes. Aber was bedeutet denn diese Verhältnismässigkeit, wenn man sich von der virtuellen Welt ab- und sich gänzlich der Realität zuwendet? Haben die gestandenen, zumeist westlichen Volkswirtschaften ausgedient? Wo ortet man den zukünftigen Wachstumsmotor? Mausern sich die aufstrebenden Märkte zu galoppierenden Spitzenreitern? Steht die wirtschaftliche Weltbühne bald Kopf oder wurde der Umbruch längst eingeläutet? Die Zukunft

wird es uns lehren. So oder so können wir uns alle schon einmal darauf vorbereiten, dass es Herausforderungen – auch anlagetechnisch – zuhauf geben wird. Die Fäden des vernetzten Denkens haben bereits die ganze Welt umspannt. Was auf dem Globus passiert, geht uns folglich alle etwas an. PUNKTmagazin «bereiste» jeden noch so exotischen Erdfleck medial, genoss aber keine freien Tage oder Sonnenbäder, sondern setzte sich intensiv mit Neuartigkeiten, Einmaligkeiten, aber auch Sonderbarkeiten oder normalen Gegebenheiten auseinander. Mit dem komplementären Gedankengut im Hinterkopf werden die G-7-Staaten oder zumindest einzelne Exponenten in der Ihnen vorliegenden Ausgabe jedoch nicht einfach sträflich vernachlässigt, ebenso wenig unsere «heilige Mutter» Helvetia. Übrigens: Die Exotik mit dem holprigen Plural Exotiken beschreibt Gegenstände, die als besonders fremd wahrgenommen werden. Dies können etwa aus geologischer Sicht Gerölle sein; vom physischen Blickwinkel aus gesehen werden zum Beispiel bereits 125 Zentimeter Beinlänge als exotisch eingestuft. Gerölle hat es zwar keine in diesem Magazin, dafür die längsten Beine der Welt.

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LEADSTORY

txt: Rino Borini & Cyril Schicker] Schwellenländer reizen Investoren immer wieder, jedoch ist diese Attraktivität auch mit Gefahren verschiedenster Natur verbunden. Anleger mögen aber sogenannte «Take-off-Länder» nun einmal, weil deren Wirtschaftsleistung zuweilen überproportional wächst, und zudem wecken solche Finanzengagements manchmal den Pioniergeist. Allerdings sind die meisten Schwellenlandmärkte äusserst fragil, im Umbruch begriffen oder zumindest einem dauerhaften Reformprozess unterworfen. Gerade der Pri- ›››

«IN DU ST RI EL DI AN E EM D E

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KO M M EN !

Schwellenländer verursachen den westlichen Industrien auf ganz unterschiedliche Art und Weise Sorgenfalten. Die Volkswirtschaften der Schwellenländer wachsen vergleichsweise überdurchschnittlich. Und Schwellenländer werden selten von den Industrienationen verstanden. Schwellenländer sind gefährlich, offerieren aber auch eine enorme Fülle an Chancen. Schwellenländer erobern die Weltherrschaft. Aber ist dem tatsächlich so?

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LEADSTORY

vatinvestor bekundet entsprechend Mühe, wenn es darum geht, diese fremden Nationen tatsächlich zu verstehen. Es ist eine absolute Herkulesaufgabe, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden, das richtige Land, die richtige Branche oder das richtige Unternehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass etliche Finanzexperten einigen gestandenen Emerging Markets (EmMas) attestieren, sie könnten unabhängig von der westlichen Wirtschaftsentwicklung prosperieren. Superlative wurden in diesem Zusammenhang jongliert und ein schier unerschöpfliches Angebot an entsprechenden Anlageprodukten lanciert. Das reizt natürlich, das schürt die Hoffnung, und der Marktteilnehmer sieht die Chance gekommen, den grossen Reibach zu machen. Sturm übers Wasserglas hinaus Einmal mehr wurden Gefahren mehr oder weniger leichtsinnig ausgeblendet, dafür eifrig und vor dem geistigen Auge die Dollarscheine gezählt. Doch weit gefehlt, all diese abenteuerlichen Ausdrücke (Nächsten Elf, BRICs, Frontier Markets ...) haben zwar die gewünschte Marketingwirkung nicht verfehlt, allerdings hat das Gros der feilgebotenen Vehikel die Renditeziele nicht erreicht. Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise hat fast kein Land verschont, egal ob exotisch, gestanden oder aufstrebend. Kein Handelsplatz rund um den Erdball ist von den Turbulenzen verschont geblieben. Die Krise pflanzt sich fort – von Kontinent zu Kontinent, von Land zu Land, von Gesellschaft zu Gesellschaft, inklusive den Finanzinstituten. Keine Nation kann sich diesem starken Sog entziehen. Es war eine Illusion, als vor einiger Zeit noch zahlreiche Experten glaubten, dass die stark wachsenden Volkswirtschaften eine Pufferfunktion übernehmen würden. Den sprichwörtlichen Sturm im Wasserglas hätten diese Nationen erfolgreich abwehren sollen. Doch das Wasserglas hielt nicht stand. Mit dem Eintritt Chinas, Indiens, Osteuropas oder auch Lateinamerikas ist zwar die allgemein beachtete Wirtschaftswelt «breiter» aufgestellt, aber das Risiko hat sich damit nicht besser verteilt. Im Gegenteil: Ein Kunterbunt an Herausforderung «würzt» unser aller Alltag. Als trügerisch erwies sich die Hoffnung, dass Schwellenländer aus eigener Kraft wachsen könnten. Fakt ist und bleibt, dass sich dieser anfängliche Sturm zu einem globalen Hurrikan der Stufe fünf gewandelt hat. Die Wachstumsaussichten vieler junger Volkswirtschaften bleiben auch für das Jahr 2009 (ja, sogar im 2010) nicht berauschend. Nach Wachstumsraten von teilweise weit über sieben Prozent in den letzten Jahren dürften in absehbarer Zukunft lediglich einige Wirtschaftswachstumsprozente herausschauen. Immerhin, gegenüber den Industriestaaten ist das ein doch beträchtlicher Vorsprung. Definitionswirrwarr Exotische Märkte – oder eben Schwellenländer und Pioniernationen – zeichnen sich beispielsweise durch unterentwickelte Aktienmärkte aus und sind kaum in den Händen ausländischer Investoren.

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PUNKTmagazin N˚ 19/09

Ausserdem glänz(t-)en viele von ihnen durch überdurchschnittliche Wirtschaftswachstumsraten. Teilweise übertrafen diese Märkte deutlich diejenigen der OECD-Länder. Ferner grenzen sich Entwicklungsländer durch ein deutlich niedrigeres Lohnniveau aus, mit aber einer vergleichbaren Arbeitsproduktivität. Sie weisen darüber hinaus oft spannende demografische Merkmale auf. Ihre Bevölkerungsdynamik lässt sich durch eine meist hohe Geburtenrate sowie eine hohe, aber momentan stark rückläufige Sterberate charakterisieren. Diese führt im Laufe der Zeit zu einem immer stärkeren Inlandkonsum, was gerade für eine stabile Wirtschaft langfristig essenziell ist. So weit, so gut – doch welche Nationen zählen zu diesen Emerging Markets? Was für ein Land ist in der Kategorie «Pioniermarkt» anzusiedeln und welche Volkswirtschaft gehört zu den Frontier Markets? Weder die Weltbank noch der IWF oder die OECD können eine verbindliche Auflistung beziehungsweise Definition liefern. Noch werden viele Länder wie Brasilien, Indien, China oder Russland als Schwellenländer bezeichnet. Dies obwohl sie mittlerweile einige Merkmale aufweisen, die eigentlich mit renommierten Industrienationen in Verbindung gebracht werden. Fortschritte als Schutzschild Investoren stellen nun zu Recht die Frage, wo die Länder geblieben sind, welche eben die typischen Merkmale aufweisen: anstehender Entwicklungsschub, tiefes Einkommen, starke Wirtschaftswachstumsaussichten, geringer Binnenkonsum et cetera. Georgien, Oman, Bahrain, Kroatien wären beispielsweise gute Exempel für «Pioneer Markets». So wächst etwa Georgien, bezogen auf das Bruttoinlandprodukt, stärker als viele westliche Länder. Ein gleiches Muster ist auch in Kasachstan oder gar in Kambodscha zu erkennen. Doch diese teilweise noch unterentwickelten Nationen – und selbst die gestandenen EmMas – bergen Risiken zuhauf. Man denke hierbei an politische Querelen, Menschen-


LEADSTORY

rechtsverletzungen, Terrorattacken, ökologische Drangsale, mangelnde Infrastruktur wie auch fehlendes Know-how. Dass dies durchaus «ins Garn» gehen kann, machen die teilweise äusserst massiven Aktienkurszerfälle einiger dortiger Wertpapiermärkte, allen voran in Vietnam, Ungarn, Polen oder Rumänien, deutlich. Es muss an dieser Stelle allerdings herausgestrichen werden, dass das Gros der Schwellenländer gegenüber früher viel besser «aufgestellt» ist und Rückfälle jedweder Art um einiges besser überstanden werden als auch schon. Bob von Rekowsky, Fondsmanager des Fidelity Emerging Markets Fund, pflichtet dem bei: «Die langfristigen Wachstumschancen, etwa für China, Indien und Brasilien, werden trotz den Gefahren eine solide Plattform bilden, um die EmMas generell voranzubringen.» Von Rekowsky weiter: «Denn anders als in früheren Krisen sind diese Volkswirtschaften heute besser positioniert und können Rückschläge auch besser verkraften.» In diesem Zusammenhang ist gerade die mangelnde Verknüpfung in das Weltgeschehen für einmal positiv hervorzuheben. Als Beispiel sei das indische oder gar afrikanische Finanzsystem angeführt. Allesamt haben sich nicht gross die Finger mit toxischen Wertpapieren verbrannt und mussten entsprechend nicht mit hohen Verlusten oder Abschreibungen von sich reden machen. Natürlich heisst das nicht, dass sie immun sind gegen die Weltwirtschaftskrise. Im Gegenteil, der indische Leitindex, Sensex 30, ist innert weniger Monate um mehr als 50 Prozent abgestürzt. Jedoch war der Sensex 30 lange Zeit der Überflieger schlechthin. Je höher der Aufstieg, desto grösser die Gefahr eines Einbruches. An die «Wachstumsstory Indien» glauben etliche Experten nach wie vor. So zum Beispiel Christopher Chandiramani, seines Zeichens langjähriger Finanzspezialist und für den unabhängigen Vermögensverwalter Umblin AG tätig: «Die derzeitigen Turbulenzen sind nicht spürbar an Indien vorbeigegangen und werden vorläufig die Investoren

bremsen.» Der studierte Volkswirt und Kantonsrat weiter: «Wenn die Wirtschaft aber wieder einmal anzieht, sind fernöstliche Länder wie Indien und China wieder sehr interessant.» Mächtige Staatsfonds werden aktiv Interessantes, Spannendes, Einmaliges, Seltenes, überdurchschnittliches Wachstumspotenzial bieten all die «Exoten»; in solche Länder sollte aber nur breit diversifiziert investiert werden. Dies kann mittels klassischer Fonds geschehen, mit strukturierten Produkten, Exchange Traded Funds oder Einzeltiteln – oder am besten mit der Kombination von all diesen Investmentvehikeln. Deren komplementäres Zusammenspiel wirkt teilweise fast schon betörend. Betörend ist ebenfalls die schier unerschöpfliche Finanzkraft zahlloser Schwellenländer. Sie sorgte nur schon in den Jahren 2007 und 2008 für grosses Aufsehen. Staatsfonds, sogenannte Sovereign Wealth Funds (SWF), investierten mit Milliardenbeträgen in westliche Unternehmen, schichteten um und brachten damit eine wahre Geldlawine in Gang, die etlichen Noten- oder Investmentbankern die Schamesröte ins Gesicht trieb. SWF sind weltweit an nahezu jeder fünften Firma beteiligt, man stelle sich diese «Power» – ja gar Überlegenheit dem Weltresten gegenüber – vor. Diese «Machtmaschinen» sind eine Begleiterscheinung einer ausgeprägten Verschiebung der weltweiten ökonomischen und finanziellen Kräfteverhältnisse. SWF werden vom Westen kritisch beäugt oder gar mit Verschwörungstheorien überhäuft. Fakt aber ist, dass diese Staatsfonds Symbol sind für die nachhaltige Veränderung der Globalwirtschaft und Finanzwelt. EmMas sind in die Führungsrolle geschlüpft und mittlerweile zum Gläubiger besonders der Industrienationen geworden. Das Gewicht, das die Staatsfonds jetzt schon auf die Waage bringen, ist beachtlich. ›››

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Wirtschaftswachstum im Vergleich Unabhängig davon, das Reich der Mitte geht in seinem strategischen Alltag äusserst geschickt vor, sichert sich nicht nur etliche wichtige Beteiligungen oder Goldvorräte. Nein, China besticht durch exzellente Schachzüge (auch wenn diese nicht immer über alle Zweifel erhaben sind), beispielsweise in Bezug auf die Rohstoffsicherung (Australien, Afrika). Die international operierende Prüfungsund Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) sieht China bereits im Jahr 2025 als die Wirtschaftsmacht schlechthin. In der Studie «The World in 2050: Beyond the BRICs: a broader look at emerging market growth prospects» bringt PwC zum Ausdruck, dass die indische Volkswirtschaft knapp 90 und die chinesische knapp 130 Prozent der relativen Grösse der US-Volkswirtschaft entsprechen wird. Das Land des Lächelns wird sich, ganz nebenbei, gemäss derselben Untersuchung bis 2020 zum zweitgrössten Konsummarkt entwickeln. Gemessen am Bruttoinlandprodukt werden die «E-7-Länder im Schnitt mit 6,4 Prozent per annum deutlich schneller wachsen als die etablierten G-7-Staaten mit einem zweiprozentigen Wirtschaftswachstum.» Monica Cohen-Dumani, Partner Steuer- und Rechtsberatung bei PwC zu den überflügelnden EmMas: «Diese Prognose darf keinesfalls als Bedrohung für die etablierten Wirtschaftsmächte angesehen werden, sondern vielmehr als Chance.» Ein gleiches Bild skizzieren die US-Geheimdienste. Alle vier Jahre betätigen sich die 16 amerikanischen Secret Services als «Wahrsager». Die ökonomisch-politischen Schlussfolgerungen nach dem Blick in die Kristallkugel: China sei erpicht darauf, in den nächsten 20 Jahren mehr Einfluss in dieser Welt zu haben. Plus Osten, minus Westen Noch wie nie zuvor in der Geschichte werde der Osten auf Kosten des Westens an Reichtum und

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Vorhandene Zuversicht Langsam, aber sicher ist es wichtiger denn je, die überall schlummernden Opportunitäten ebenfalls ins Scheinwerferlicht zu stellen. Auch wenn die Malstifte wohl nie ausgehen werden, geht es nicht an, dauernd kleine Teufel an die Wände zu zeichnen. Anlässlich des Weltwirtschaftsforums (WEF) wurden 2008 über 1000 Chief Executive Officers (CEO) aus 50 Ländern zur zukünftigen Wirtschaftsentwicklung befragt. Diejenigen aus den Vereinigten Staaten und Westeuropa (je 15 Prozent) äusserten sich zuversichtlich zu den kurz- bis mittelfristigen Aussichten. 21 Prozent sind es in den aufstrebenden Nationen (Mittel- und Osteuropa), 31 Prozent im asiatischpazifischen Raum und 21 Prozent in Lateinamerika. Natürlich betreibt keiner von ihnen Augenwischerei und fast alle befürchten eine mehrjährige Rezessionsphase. Doch alleine schon der Fakt, dass viel mehr Firmenführer aus den Schwellenländern mit Zuversicht ihrer Arbeit nachgehen, spiegelt ihr Aufblühen oder zumindest die Tatsache, dass mit den Emerging Markets stark zu rechnen ist. Machtübernahmen sind vorprogrammiert, der Westen igelt sich ein.

BÖRSEN IM ÜBERBLICK (IN %, STAND 01.04.2009) Barometer

YTD

1 Yr

3 Yr

-13.86

-44.79

-16.12

MSCI Emerging Markets (EM)

-0.99

-49.54

-10.53

MSCI Frontier Markets (FM)

-18.89

-63.12

-20.59

-1.86

-50.17

N.A.

2.90

-51.58

-7.19

0.04

-47.01

-8.59

-7.31

-68.61

-25.14

MSCI Welt

MSCI Emerging-/Frontier Markets MSCI EM BRIC MSCI EM Asien MSCI EM Osteuorpa MSCI EM Ferner Osten

0.55

-45.38

-8.15

MSCI EM Latein Amerika

2.60

-50.14

-4.70

MSCI FM Afrika

-30.44

-69.90

-8.60

MSCI Golfregionen

-11.97

-57.79

-30.89

Quelle: MSCI-Barra Grafik: fmAG

Die schwersten SWF, die der Vereinigten Arabischen Emirate, von Kuwait und China, sind wohl führend. Nach Schätzung des Finanzdienstleisters «International Financial Services London» verfügten SWF Ende 2008 über ein stolzes Investmentkapital von über 3,9 Billionen Dollar. Setzt sich deren Wachstum wie bisher fort, dürften sie in der nächsten Dekade auf schwindelerregende 17 Billionen Dollar kommen. Das entspricht rund fünf Prozent des globalen Finanzvermögens!

wirtschaftlicher Schlagkraft gewinnen. Wie dem auch sei, Opportunitäten gehen wahrhaftig mit dem attestierten überproportionalen Wachstum einher. Der klitzekleine Schweizer Binnenmarkt ist beispielsweise nicht undankbar, wenn ein bisschen Konsumkraft von aussen herrührt. Es kommen generell die exportorientierten Nationen oder solche Länder, die bei der ausländischen Bevölkerung äusserst beliebte respektive qualitativ hochstehende Produkte herstellen, zum Handkuss, wenn die EmMas florieren. Uhren? Schokolade? Skilifte? Achterbahnbestandteile? Kohlensäure? Mutter Helvetia kämpft zurzeit mit vielen reellen, aber auch virtuellen Gegnern. Im Schatten der Sturm-undDrang-Läufe der Schwellenländer geht oft vergessen, dass die helvetische Erzeugnisküche sehr fein duftet und zuweilen sogar eine wunderbare Herzlichkeit versprüht. Und diesbezüglich ist natürlich nicht der momentan arg strapazierte Finanzplatz gemeint, nein – die beschauliche Eidgenossenschaft, die selten für wirkliche Spannung oder Pioniergeist sorgt, rückt sich angenehmerweise gleich selber in den Fokus.


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NEU


AUF DEN PUNKT

txt: Andreas Hohn] Brasilien galt zusammen mit

China und Indien als Stütze der Weltwirtschaft. Doch derzeit steckt auch die grösste Volkswirtschaft Lateinamerikas in der Rezession, schrumpfte entgegen allen Erwartungen stärker als Europa, Nordamerika oder andere Länder wie Mexiko, Argentinien und Chile. Darauf schraubte die Notenbank

Mitte März 2009 den Leitzins Selic um 1,5 Prozentpunkte auf 11,25 Prozent herab und stemmt sich gegen den Einbruch der Konjunktur. Ungeachtet der jüngsten Entwicklungen hatte die Regierung Brasiliens jedoch schon frühzeitig strukturelle Massnahmen eingeleitet. Das Investitionsprogramm zur Wachstumsbeschleunigung «Programa de ›››

DI E

SA M BA -S CH EI CH S

KO M M EN

W IE

BR AS ILI EN

2008 musste Brasilien quasi kein Öl einführen. Im Gegenteil, riesige Ölfunde machen das Land reich. Aber nicht nur fossile Brennstoffe sprudeln scheinbar unendlich, auch der Boom beim BioEthanol sorgt für Bewegung im Land, das offenbar besser in der globalen Finanzkrise aufgestellt ist als andere.

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AUF DEN PUNKT

Aceleração do Crescimento» (PAC) läuft aber bereits seit zwei Jahren und zielt darauf ab, die Weichen für ein langfristiges und stabiles Wachstum zu schaffen. Der ehrgeizige Zeitund Massnahmenplan soll eine möglichst unbürokratische und reibungslose Realisierung von Grossprojekten ermöglichen. Mit der Aufstockung des PAC im Februar 2009 bekannte sich die Regierung klar dazu, strategische Sektoren wie die Erdölexploration und die Infrastruktur massiv zu fördern – zulasten schwerfälliger Mammutprojekte. Stete Nahrungszuführung Bemerkenswert ist der klare Wille zur Exploration der Offshore-Ölvorkommen («PreSal»). Der staatliche Erdölkonzern Petrobras bekommt alle notwendigen Mittel, um das für die Zukunft Brasiliens bedeutende Projekt zum Erfolg zu führen. Petrobras wird sich in den kommenden Jahren stark auf Brasilien konzentrieren und die Expansionspläne im Ausland zurückfahren. Rund 90 Prozent will der Staatskonzern in Brasilien investieren, davon mehr als 100 Milliarden Dollar in die Produktionsausweitung und deren 28 in die Erschliessung der Tiefseevorkommen vor der Küste. Der Grund ist einfach: Die Öl-Euphorie zwischen Rio und São Paulo bekommt ständig neue Nahrung. So wurde etwa Ende 2007 die Entdeckung des «Tupi-Feldes» bekanntgegeben, 290 Kilometer südöstlich von Rio de Janeiro. Fünf bis acht Milliarden

MODERNE SKLAVEREI

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förderbare Barrel Öl- und Gasreserven liegen unter dem Atlantischen Ozean. Doch nicht weit vom Tupi-Feld entfernt, der grössten Entdeckung seit 20 Jahren, machten die Forscher einen noch weit grösseren Fund aus: Carioca. 33 Milliarden Barrel liegen da in 6000 Meter Tiefe. Damit ist Carioca eine der grössten je gefundenen Öllagerstätten – mehr als doppelt so gross wie das KashaganFeld in Kasachstan.

grösster Zuckerhersteller und liefert allein ein Drittel der Produktion. Durch staatliche Förderung der Produktion von Bio-Ethanol (nicht zu verwechseln mit Bio-Diesel), das aus Zuckerrohr gewonnen wird und für Benzinmotoren geeignet ist, konnte Brasilien mit Ethanol im Tank den steigenden Benzinpreisen davonfahren. Mittlerweile laufen dort rund 70 Prozent aller Autos teilweise mit Ethanol.

Ethanol-Produzent mit Zucker im Tank Fachleute rechnen mit weiteren Ölfunden. Trifft das zu, dann rückt Brasilien von Platz 18 auf Platz sechs der ölreichsten Länder vor. Es verfügt dann über mehr Reserven als Russland, Venezuela oder Kasachstan. Einziger Wermutstropfen für den neuen Ölscheich Lula da Silva: Das Öl ist in so grosser Tiefe und unter einer dicken Salzschicht schwer zu fördern. Eine riesige Herausforderung für das Land. Doch der Trend mit Brasilien als neuem Energie-Riesen ist nicht mehr zu übersehen. Die Nation, deren Fläche 47 Prozent des südamerikanischen Kontinents umfasst, gründet seinen neuen Status als Energiegrossmacht nämlich nicht allein auf Öl und Gas. Der global fünftgrösste Staat wird auch aufgrund seiner grossen (und nicht über alle Zweifel erhabenen – siehe dazu untenstehenden Kurztext «Moderne Sklaverei») Ethanolproduktion geopolitisch bedeutender.

Windkraft mehr als nur ein laues Lüftchen Moderne «Flexfuel-Motoren» machen es seit einigen Jahren möglich, je nach Marktpreis mit Benzin, Ethanol oder einem Gemisch aus beidem zu fahren. Als Technologieführer bei Motoren ist auch Brasiliens Energieversorgung dank vieler Wasserkraftwerke eine der saubersten der Welt. Da in Kürze zahlreiche neue gasbetriebene Wärmekraftwerke ans Netz gehen werden, will die Regierung ausgleichend der Windkraft zum Durchbruch verhelfen. Eine Versteigerung spezieller Kapazitäten soll noch 2009 erfolgen. Global Players wie Siemens, Vestas, General Electric oder Impsa glauben an eine Zukunft der Windkraft in Brasilien und wollen am Aufschwung teilhaben. «Brasilien besitzt weltweit eines der grössten Windkraft-Potenziale von bis zu 143 GW», sagt Juan Araluce, Präsident von Vestas Mediterranean. Dank vorherrschend konstanter Windverhältnisse könnten die Windräder wesentlich länger laufen als in Europa und eine interessante Alternative zur Wasserkraft darstellen. Einziges Problem sind die hohen Kosten, die die Windkraft bei vergangenen Versteigerungen von Energieerzeugungskapazitäten bislang nicht konkurrenzfähig machten. Zudem macht die grosse Entfernung zwischen den windreichen Gebieten im Nordosten und Ballungsräumen im Süden umfangreiche Investitionen in die Transmission und die übrige Infrastruktur notwendig.

Kaffee, Kaffee, Kaffee Anders sieht es aus bei Kaffeebohnen. Sie machten 1970 noch ein Viertel aller brasilianischen Exporte aus – heute sind es nurmehr zwei Prozent. Dafür werden andere Agrarrohstoffe, vor allem Zuckerrohr und Soja, auf riesigen Flächen angebaut. Mit sechs Millionen Hektar Zuckerrohrfeldern ist Brasilien welt-

txt: AH] Statt zu wirtschaftlicher

Entwicklung und zur Armutsbekämpfung, wie von Präsident Lula versprochen, führt der grossflächige Anbau von Zuckerrohr zu einer Konzentration des Landbesitzes und des Einkommens. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die weit mehr Arbeitsplätze bietet, wurde verdrängt. Die ländliche Bevölkerung wird in die Slums der Städte vertrieben oder besiedelt neue Flächen im Amazonasregenwald. Vor allem im Nordosten herrschen im-

mer noch Kolonialzeitenverhältnisse. Die Zuckerrohrschneider leben in einer Art Leibeigenschaft der Zuckermühlenbesitzer und hausen wie Tiere auf den Plantagen. Sie arbeiten im Akkord und müssen bis zu 15 Tonnen Zuckerrohr pro Tag schneiden, fast doppelt so viel wie noch in den 1980-er Jahren. Ihr Reallohn ist im gleichen Zeitraum jedoch gesunken, auf 250 bis 300 Euro pro Monat (rund 385 bis 465 Franken). Laut einer Studie der Universität São Paulo von 2000

dauert das durchschnittliche Arbeitsleben eines Zuckerrohrschneiders nurmehr zwölf Jahre, bevor er womöglich an Überarbeitung stirbt. Der massive Einsatz von Pestiziden verschmutzt das Trinkwasser und gefährdet die Gesundheit sowohl der Bevölkerung als auch der Arbeiter. Wenn vor Erntebeginn die Blätter der Zuckerrohrstauden abgebrannt werden, nehmen Bronchialerkrankungen vor allem bei Kindern und alten Menschen deutlich zu.


Die Finanzkrise hat in Russland tiefe Spuren hinterlassen. Verschuldet hat dies die übermässige Abhängigkeit von Energie- und Rohstoffexporten. Doch in den reichen Bodenschätzen liegt auch der Schlüssel zur Überwindung der Krise. Für Anleger gilt es zu glauben – oder eben nicht.

txt: Dmitrij Gawrisch] Unlängst behauptete ein Schweizer Enthüllungsblatt, sie gefunden zu haben: die teuersten Ski der Welt. Preis: 64 000 Franken, mit Diamanten versetzt, zu kaufen exklusiv im Nobelskiort Zermatt. Eine ausführliche Produktbeschreibung sei nur auf Russisch erhältlich. Meldungen wie diese überraschen mittlerweile kaum. Der Stereotyp des Neuen

Russen, des Oligarchen, für den nur Geld, Glanz und Glamour zählen, sitzt tief in den Köpfen. Aber was ist wirklich dran am Land, das Dollarmilliardäre am Fliessband herzustellen scheint? Was steckt hinter dem Mythos Russland? «Mit Verstand ist Russland nicht zu fassen», so beginnt ein Gedicht des adligen Fjodor Tjutschew (einer der gröss- ›››

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AUF DEN PUNKT

ten respektive renommiertesten Lyriker der russischen Literatur), «und nicht zu messen wie alle anderen.» In der Tat, das Land durchzieht zwei Kontinente, umfasst elf Zeitzonen und ist flächenmässig 414 Mal grösser als Helvetia. Seit 1999 erlebt Russland, das übrigens aufgrund der riesigen Wälder als «die grüne Lunge Europas» bezeichnet wird, einen mehr oder weniger ununterbrochenen Aufschwung. Inflationsbereinigt wächst die Wirtschaft um durchschnittlich 7 Prozent pro Jahr. Allerdings ... Teures Pflaster Moskau ... im 2008 stieg die Wirtschaftsleistung Russlands noch um 5,6 Prozent. Obgleich um durchschnittlich 2,5 Prozentpunkte niedriger als die chinesische Wirtschaft, kann sich dies sehen lassen. Aber es geht auch auf Kosten einer zweistelligen Teuerung. Von den 142 Millionen Einwohnern leben elf Millionen in der Hauptstadt Moskau. Nach einer Erhebung der Unternehmensberatung Mercer hat Moskau London sowie Tokio überholt und führt nun die Liste der teuersten Städte an. Die Statistikbehörde ROSSTAT berechnet für Moskau ein eigenes BIP und eine Inflationsrate, die mit 17 Prozent im vergangenen Jahr nur drei Prozent höher lag als der Landesschnitt. Es ist kein Geheimnis, dass Russland seinen Reichtum den Bodenschätzen verdankt, allen voran den Energieträgern Erdöl und Erdgas, die satte 65 Prozent der

PAKISTAN

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txt: CS] Die Amtssprache in diesem südasiatischen Staat ist Urdu. Die Hauptstadt heisst Islamabad und bezahlt wird mit der Rupie. Die Rede ist hier von Pakistan, der ältesten islamischen Republik. Diese Republik wird vom Arabischen Meer umgarnt, grenzt an den Iran, an Afghanistan, an China sowie an den Vielvölkerstaat Indien. Pakistan gehört zum GoldmanSachs-Konstrukt namens «Next11» und soll gemäss dem US-Finanzinstitut zukünftig durch ein überproportionales Wirtschaftswachstum von sich reden machen. Ob dem tatsächlich auch so sein wird, bleibt indes abzuwarten. Für Pfeilbogenspannung ist sicherlich gesorgt. Pakistan ist aber auch vom Etymologischen her äusserst reizend, geht doch mit dem Namen ein wunderbares Akronym einher. Pak(i-)stan steht für Punjab, Afghania, Kaschmir, Indus, Sindh und Belutschis-

Exporte ausmachen. An dritter Stelle folgen Metalle mit einem Anteil am Gesamtexport von 14 Prozent. Russlands Führung war sich stets bewusst, was auf dem Spiel steht, sollten die Notierungen fallen. Der ehemalige (von vielen Kritikern wie Befürwortern noch immer als tonangebendes Oberhaupt gesehen) Präsident Wladimir Putin ging die Risiken aus zwei Richtungen an. Verstaubte Produktionsanlagen Zum einen wurde 2004 ein Erdölstabilisierungsfonds (seit 2008 «Öl- und Gasfonds») geschaffen, der Preisschwankungen durch Reserven auffangen soll. Zum anderen wurde beschlossen, mit staatlichen Programmen eine Diversifizierung der Gesamtwirtschaft herbeizuführen, um die Exportabhängigkeit zu verringern. Doch leider fehlten die Anreize. Der Weltmarktpreis für Erdöl kletterte kontinuierlich nach oben, sodass selbst die überliquide Energiewirtschaft keinen Anlass sah, in neue Förderkapazitäten zu investieren. Die beiden staatsgeschützten Energieriesen Rosneft und Gazprom konnten Rekordgewinne erwirtschaften, während die Ölförderung stagnierte und die Gasförderung sogar zurückging. Die subventionierte Energie auf dem Inlandmarkt verhinderte ihrerseits, dass energiefressende, teils uralte Produktionsanlagen ersetzt wurden. Putins Bemühungen zum Trotz, die Rüstungsindustrie bleibt der

tan. Das Land beheimatet übrigens mit dem Hindukusch, dem Karakorum und dem Himalaja die drei höchsten Gebirgszüge der Welt. Nicht fehlen darf da natürlich der weltbekannte K2, der zweithöchste Gipfel unseres Planeten. Es scheint wirklich, als sei Pakistan dem Himmel ganz nah. Weniger himmlisch sind dafür die jüngsten Geschehnisse rund um den Nationalsport Kricket. Kricket gilt als eines der pakistanischen «Heiligtümer» und wurde erst kürzlich Opfer des internationalen Terrorismus. Sri Lankas Nationalmannschaft wurde vor nicht allzu langer Zeit jäh von schwer bewaffneten Terroristen (mit unsäglichen AK-47-Sturmgewehren, Handgranaten und Raketenwerfern) angegriffen. Damit ist in Pakistan die letzte Bastion gefallen, denn niemand hat nur im Entferntesten mit einer solchen Attacke gerechnet. Aus-

geträumt hat das Land eigentlich in vielerlei Hinsicht, gilt es doch gemäss den Vereinten Nationen als eine der ärmsten Volkswirtschaften. Weitere Drangsale, die mit Pakistan in Verbindung gebracht werden, sind etwa die weit verbreitete Kindersterblichkeit, Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria, Hepatitis, die Unterernährung, Zwangsehen, Ehrenmorde und der Analphabetismus. Der Anleger muss also eine gehörige Portion Mut und Abenteuerlust sowie einen ex trem langen Zeithorizont «mitbringen», wenn er einen Teil seines Geldes dort parkiert. Dies kann in einem Staat, der ausserdem im internationalen Korruptionsindex fast an der Spitze liegt und wo Militärputsche keine Seltenheit sind, relativ rasch versickern. Der ausgetrocknete Investitionsboden saugt auf, was er nur kriegen kann.


Turmhohe Währungsreserven Dieses gilt als unflexibel und teuer, was viele russische Firmen dazu veranlasste, auf Fremdwährung lautende Kredite im Ausland aufzunehmen. Aufgrund des schwachen Rubels dürfte deren Rückzahlung für manche zum Stolperstein werden. 90 Prozent der russischen Distributoren hätten ihre ausländischen Lieferanten bereits um eine Zahlungsfristverlängerung ersucht, ergibt eine Umfrage des Economist. Doch eine Einöde ist Russland nicht in jeder Hinsicht, es gibt auch Lichtblicke. Der russische Staat besitzt zum Beispiel nach China, Japan, UAE und Kuwait die grössten Währungsreserven und keine nennenswerten Schulden, was ihm erlaubt, die Wirtschaft bei Bedarf zu stützen. Im Gegensatz zu amerikanischen sind russische Privathaushalte kaum verschuldet. Da die wenigsten Russen Aktien besitzen, hat der jähe Absturz der Moskauer Börse (minus 70 Prozent im vergangenen Jahr, siehe #17 «PUNKTschwarzweiss») die meisten Ersparnisse verschont. Die superreichen Eliten dagegen haben gelitten. Gemäss der «Forbes-

Liste», die jährlich veröffentlicht und oft argwöhnisch betrachtet wird, gibt es derzeit 355 Dollarmilliardäre weniger als ein Jahr davor. Als Stadt mit den meisten Dollarmilliardären lief New York Moskau den ersten Rang ab. Erfolgsgarant Diversifikation In der US-Finanzmetropole wohnen laut Forbes 55 derart Wohlhabende. In Russland insgesamt gibt es dagegen «nur» 32, zuvor waren es noch deren 87! Ihre Portfolios waren bei weitem nicht ausreichend diversifiziert, sie spiegelten die Klumpenrisiken der russischen Wirtschaft. Apropos Diversifikation, der «Schwellenland-Übervater» Dr. Mark Mobius sieht gerade in einer intakten Risikostreuung den Weg zum Anlageerfolg (mehr dazu lässt sich in der Rubrik «Rubrik Kopfsache» auf Seite 34ff. nachlesen). Die eingangs erwähnten, luxuriösen und diamantversetzten Ski dürften also vorerst zu grossen Teilen in den Läden bleiben. Russlands Rohstoffabhängigkeit ist momentan ohnehin mehr Fluch denn Segen. Die Chancen dürften zwar bestehen, dass sich das Land früher als andere von der aktuellen Krise erholen wird. Nennenswerte Alternativen zu Erdöl und Erdgas fehlen aber zurzeit, und mit den übrigen «Commodities» steht Russland am Beginn der Produktionskette. Korruption, Bürokratie ... Mit einem blauen Auge davongekommen wird sich Russland sicherlich nachhaltiger um die Diversifizierung seiner Wirtschaft bemühen. Für längerfristig disponierende Marktteilnehmer ist das eine gute Gelegenheit zuzuschlagen. «Branchen, die von der Regierung als strategisch bedeutsam eingestuft werden, sind besonders attraktiv», sagt Michael Jordi, Anlageberater der RusslandAbteilung bei der Credit Suisse. Dazu würden neben der Energiewirtschaft beispielsweise der Detailhandel, die Tele-

kommunikation und der Transport gehören. Und natürlich Teile des Finanzsektors, allen voran die Sberbank und VTB Bank. «Aber Russland eignet sich nur für Anleger, die keine Risiken scheuen», warnt Jordi. Die extremsten sind politischer Art. Russland ist und bleibt eine «gelenkte Demokratie» mit wenig Rechtssicherheit, dafür beherrscht die Korruption und lähmende Bürokratie den dortigen (Arbeits-)alltag. Die Staatsmacht teilen sich zwei Männer, wobei der Jüngere, Dmitri Medwedew, den mächtigeren Posten des Staatspräsidenten innehat, während der erfahrene Wladimir Putin die Staatsgeschäfte als Premierminister führt. Doch wie kurz angetönt, wer wirklich welche Machtfäden zieht, dass wissen wohl nur ganz wenige. Meinungsverschiedenheiten wird es geben – wer setzt sich durch und wie reagiert der Verlierer? Der kurze Krieg gegen Georgien im August 2008 beweist, dass Russland aus prinzipiellen Motiven bereit ist, Waffengewalt einzusetzen. Dies selbst dann, wenn es den wirtschaftlichen Interessen schadet. Und der jüngste Gasstreit mit der Ukraine zeigt, dass Russland seine Energieressourcen durchaus als Waffe einzusetzen weiss. Keine gute Nachricht für Europa, das etwa einen Drittel seiner Energie aus Russland bezieht. Wenn es mit Verstand nicht zu fassen sei, «kann man an Russland nur glauben», sagt Tjutschew am Ende des Gedichts. Er glaubte. Und was meinen Sie?

RUSSLANDS BÖRSENBAROMETER KEHRT ZURÜCK (IN PT.) 2000 1750 1500 1250

Quelle: Telekurs Grafik: fmAG

einzige international wettbewerbsfähige Wirtschaftszweig Russlands. Im Zuge der Finanzkrise brachen aber die Energiepreise ein. Im zweiten Halbjahr 2008 fiel der Erdölpreis um 70 Prozent. Der weltweite Bauboom kam zu einem jähen Stillstand, Stahlpreise sackten in den Keller. Der Devisenzufluss stockte und die russische Notenbank musste eine Abwertung des Rubels um einen Fünftel zulassen. Die Währungsschwäche offenbarte eine weitere Achillesferse: das Bankensystem.

1000 750 500 250 06.2004 MICEX-Index

04.2009

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txt: Cyril Schicker] Indien erhitzt die Gemüter, dies sowohl im Positiven wie auch im Negativen. Es ist noch nicht sehr lange her, da zauberte ein cineastisches Märchen Hunderttausenden von Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Lobeshymnen wurden angestimmt und gewichtige Preise verliehen. Einige Zeit davor kam hingegen eines der indischen Aushän-

geschilder, das Fünfsternehotel Taj Mahal Palace, zu wenig ruhmreichen Schlagzeilen. Die Nobelherberge – und damit auch viele (Zivil-)Personen – wurde Opfer eines Terrorangriffes. Dass der südasiatische Staat oft im traurigen Mittelpunkt steht, wenn es um solche beschämend-feigen Attentate geht, bezeugt ein Blick in Richtung MIPT (Memorial

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Die indische Wirtschaftsleistung wächst noch immer; jedoch hat das Land viele Probleme. Diese sind mannigfaltig und nicht zu unterschätzen, gleichzeitig ist aber auch die Chancenfülle gegeben. Der gewiefte, langfristig orientierte und risikofreudige Anleger dürfte vom Vielvölkerstaat durchaus profitieren.

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Institute for the Prevention of Terrorism). Alleine in der Zeitspanne von 1998 bis 2004 wurde Indien 784 Mal terroristisch heimgesucht. Und in den letzten drei, vier Jahren hat sich am Schrecken nichts geändert. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut hat in einer mit der Berenberg Bank ausgearbeiteten Studie «Sicherheitsindustrie» verdeutlicht, dass solche Vorkommnisse sowohl die individuellen als auch die volkswirtschaftlichen Kosten in die Höhe schnellen lassen. S&P’s Herunterstufung Diesen Kostensteigerungen steht ein von der OECD prognostiziertes und verlangsamtes Wirtschaftswachstum gegenüber. Langjährige Fiskalausgaben in der Expansionsphase gäben gemäss OECD ausserdem nur wenig Raum, um sich geschickte Manöver gegen die attestierte Verlangsamung leisten zu können. Darüber hinaus seien ausländische Kapitalgeber momentan äusserst zurückhaltend. Die knapp zehn Prozent BIP-Wachstum aus den Jahren 2006 und 2007 wurden 2008 mit sieben Prozent bei weitem nicht erreicht. Das angeschnittene Jahr werde dem Vielvölkerstaat einen Anstieg von 7,3 Prozent bescheren, 2010 betrüge das Wachstum bereits wieder 8,3 Prozent. Während also das Gros der Weltwirtschaft Mühe bekundet, nur schon einen Prozentpunkt an Wachstum hinzukriegen, macht Indien noch immer durch positive Zahlen von sich reden – auch wenn diese leicht hinken. Anfang März 2009 konnte man im «UBS investor’s guide» beispielsweise lesen, dass gerade die stark binnenorientierte Wirtschaft nicht einzubrechen droht. Die Schweizer Grossbank hat Indien in ihrer Aktienstrategie für Asien auf «Übergewichtung hochgestuft». Standard & Poor’s, handumkehrt, hat ungefähr zum selben Zeitpunkt den langfristigen Ausblick für das Länderrating gesenkt und die Nachhaltigkeit der Haushaltslage infrage gestellt. Strukturell scheint die Regie-

rung Indiens wahrhaftig einige Gelegenheiten verpasst zu haben, um den Finanzhaushalt zu sanieren. Doch es gilt zu erwähnen, dass das Land scheinbar keinen zwingenden Schub durch öffentliche Ausgaben benötigt. Die Ausfuhrgütermenge ist seit Beginn dieses Jahrzehnts um 20 Prozent per annum gewachsen, aber lediglich 15 Prozent des BIP entfallen auf Warenexporte. Spannende Industriezweige Der interessierte Anleger dürfte auch freudig zur Kenntnis nehmen, dass der im vergangenen Jahr arg gebeutelte indische Aktienmarkt – der Sensex-30-Index wies 2008 unter den grossen asiatischen Märkten eine der schlechtesten Kursentwicklungen auf – nicht mehr durch die hohen Bewertungen belastet wird. So notierte das indische Hauptbörsenbarometer Mitte März 2009 bei rund 9000 Punkten. Zirka ein Jahr davor knackte der Sensex 30 noch die 17 000-Grenze. Christopher Chandiramani, langjähriger Finanzexperte beim unabhängigen Vermögensverwalter Umblin AG, zum Börsenluftwirbel: «Ja, die Turbulenzen waren deutlich spürbar und werden kurz- bis mittelfristig die Investoren bremsen. Fernöstliche Länder – allen voran China und Indien – sind, wenn die Globalwirtschaft Werbung wieder anzieht, aber wieder interessant.» Risikoreiche Direktengagements Konkrete Anlagemöglichkeiten sieht Chandiramani speziell in den Bereichen Industrie (Textil), Elektronik und Informatik. Der Fondsmanager und Politiker kann sich sogar vorstellen, dass irgendeinmal eine indische Automarke in die oberste Weltliga aufsteigt. Doch alles brauche seine Zeit und momentan

seien vor allem Direktengagements zu risikobehaftet: «Einzelanlagen sind mir zu riskant, dies auch in Bezug auf die Währung. Wenn schon, dann bevorzuge ich einen regionalen Top-Anlagefonds einer Bank. Dies alles natürlich am liebsten dann, wenn ein Ende der Krise in Sicht ist.» Das Ende ist jedoch kaum in Sicht und die absehbare Zeit wird der «parlamentarischen Bundesrepublik» Unsicherheiten aufbürden. Einerseits hat der Milliardenskandal um IT-Dienstleister Satyam Negatives mit sich gebracht. Mangelnde Abkoppelung Stark vom Auslandgeschäft abhängige Sektoren (Outsourcing), die lange als dynamisch und unangreifbar galten, sind also nicht vor Gefahren gefeit. Anderseits stehen in den kommenden Monaten Neuwahlen an, kurzfristige (Fehl-)Entscheidungen, um die Wählerstimmen zu beeinflussen, mit aber langfristigen Auswirkungen, sind zu erwarten. Wer schliesslich das Land regiert, sei auch gemäss UBS mit dem jetzigen Wissensstand völlig offen. Nicht zu unterschätzen ist überdies die Tatsache, das macht auch Duncan Campbell, zuständig für volkswirtschaftliche Analysen bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), deutlich, dass sich die Nation trotz der schier unerschöpflichen Bevölkerungsgrösse nicht wirklich von den internationalen Entwicklungen abkoppeln kann. Abschliessend darf die Frage gestellt werden, welcher Anlegertyp sich denn da eigentlich am ehesten eignet. Chandiramani dazu: «EmMa-Engagements erfordern eine extrem hohe Risikobereitschaft. Gutes Timing wie auch die richtige Sektorwahl eröffnen aber auch extrem gute Chancen.»

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GELIEBTES INDIEN

txt: CS] Indien ist en vogue, sowohl für Anleger als auch für exportorientierte Schweizer Firmen. Monica Cohen-Dumani, Partner Steuer- und Rechtsberatung, Leiterin Indien-Desk, und Rolf Helfenberger, Direktor Steuer- und Rechtsberatung, PricewaterhouseCoopers Schweiz, geben Auskunft über indische Herausforderungen und zeigen auf, weshalb mit dem Vielvölkerstaat zukünftig noch immer stark zu rechnen ist.

Indien gilt schon lange als Wirtschaftswachstumsstory. Experten geizen da kaum mit Superlativen. Was macht dieses Land derart populär oder zukunftsträchtig? Mit einer jährlichen Wachstumsrate von fast zehn Prozent und einer grossen, jungen, dynamischen Bevölkerung (Durchschnittsalter liegt unter 25 Jahren!) bietet es zahlreiche Optionen für expansionsorientierte Firmen. Die kulturelle Vielfalt, das komplexe Steuer- und Rechtssystem sowie die wenig entwickelte Infrastruktur stellen allerdings auch enorme Herausforderungen dar. Es bestehen daneben viele politische, wirtschaftliche und soziale Vorteile, die aber für eine Investition im indischen Markt sprechen. Allen voran bieten die Bestrebungen der indischen Regierung mit ihrem Reformplan, der Milliardeninvestitionen etwa in Flughäfen, Strom-, Strassen- und Bahnnetz vorsieht, ein enormes Potenzial für viele Industrien. Die Reformen sollen die von ausländischen Investoren oft bemängelte Infrastruktur und insbesondere auch den Lebensstandard der Ärmsten im Land verbessern. Indien ist im Umbruch. Genau hier kann die Schweiz mit ihrer hohen Innovationskraft und den qualitativ hochstehenden Technologien eine wichtige Rolle spielen. Ausserdem wird das derzeit in Verhandlung stehende Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Indien dem bilateralen Handel nur förderlich sein. Nebst der eigentlichen Expansion in den indischen Markt ist dieses Land aber auch populär für Outsourcing-Projekte (Pro-

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duktion, Back-Office oder IT). Indien bietet mit seiner jungen und aufstrebenden Bevölkerung ein schier unerschöpfliches Reservoir an guten, qualifizierten Arbeitskräften. Wie steht es um Schweizer Firmen, die dort Fuss fassen möchten? Steigt ihre Anzahl laufend oder krebsen viele, eventuell aufgrund der derzeitigen Lage, zurück? Der schweizerische Export nach Indien ist in der ersten Jahreshälfte 2008 gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres um knapp zehn Prozent gewachsen. Helvetia befindet sich unter den besten zehn der ausländischen Investoren in Indien. Die Direktinvestitionen sind in der vergangenen Steuerperiode höher gewesen als in den drei vorausgegangenen Steuerperioden zusammen. Dies zeigt eindrücklich, dass der Trend weiter stark nach oben zeigt. Die derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklungen werden aber sicherlich eine vorübergehende Abflachung der Wachstumsraten zur Folge haben. Indien ist wie eine Wundertüte. Hinter jeder Ecke lauern Gefahren, aber auch Chancen sind gleichzeitig zum Greifen nahe. Was raten Sie generell den übersiedelnden Firmen? Unternehmen müssen mit einem vollständigen Geschäftsplan die Möglichkeiten und Grenzen aus einer wirtschaftlichen, finanziellen, rechtlichen sowie steuerlichen Sicht genau analysieren. Ein erfolgreiches Engagement hängt davon ab, ob die Ziele klar auf die Möglichkeiten und Eigenheiten des indischen Marktes abgestimmt sind. Eine detaillierte Finanzplanung soll zudem aufzeigen, was ein solches Unterfangen kostet und wo die Gewinnschwelle liegt. Es ist unerlässlich, sich zuerst mit Mentalität, Personen-/Geschäftskultur, Marktpotenzial/-erschliessung, Investitionsort sowie umfangreichen regulatorischen und steuerlichen Aspekten auseinanderzusetzen. Der Schritt muss sehr gut überlegt werden und langfris-

tig ausgerichtet sein. Wir haben über viele Jahre Firmen bei solchen Expansionsschritten begleitet und darüber hinaus das entsprechende Netzwerk, um vor Ort die richtigen, zuverlässigen Spezialisten beizuziehen. Das ist gerade in einer wirtschaftlich schwierigen Situation zentral. Diese Erfahrungen können wir weitergeben. Das Herbeiziehen von erfahrenen Partnern spart Zeit, Kosten und unliebsame Folgen. Welche spezifischen Geschäftsstrukturen und Businessstrategien eignen sich gerade für einen indischen Markteintritt am ehesten? Es existieren verschiedene Strukturen und Strategien. Die vorgängigen Analysen je nach Branche, Produkt und Expansionsziel bilden die Grundlagen, sich optimal zu verhalten. Im indischen Markt sind Joint-Venture-Strukturen mit indischen Partnern oft anzutreffen. Die Partnerwahl stellt dabei aber eine sehr grosse – nicht immer zu bewältigende – Herausforderung dar. Eine andere Möglichkeit ist die Übernahme einer bestehenden indischen Firma oder der eigene Geschäftsaufbau. Als Schlüssel zum Erfolg, gerade im indischen Markt, gelten Beziehungen und Netzwerke. Inwiefern können Sie den expansionsorientierten Firmen unter die Arme greifen, und wie lange dauert der Prozess in der Regel? Als führendes Beratungsunternehmen im asiatischen Raum und auch in Indien kennen wir die verschiedenen Facetten, Herausforderungen sowie lokalen Gepflogenheiten. In jeder Phase des Projektes – von der Abklärungsphase bis zum Abschluss des Vorhabens – können unsere Experten aus den Bereichen Wirtschaftsconsulting, Steuer- und Rechtsberatung sowie Wirtschaftsprüfung mit Rat und Tat zur Seite stehen, sowohl hierzulande als auch in Indien.


txt: Matthias Niklowitz] «Das Reich der Mitte» wächst. Jedenfalls an der Börse. Bis Mitte März 2009 legte der Shanghai-A-Index, der die Aktien umfasst, die ausschliesslich von Chinesen gekauft werden dürfen, um 25 Prozent zu. Noch etwas besser war die Performance der B-Aktien, die auch ausländischen Investoren offenstehen. Damit steht der chinesische Ak-

tienmarkt in diesem Jahr deutlich besser da als derjenige beispielsweise von Brasilien, Indien und Russland – den drei anderen BRIC-Staaten. Aber auch die etablierten westlichen Börsen wurden allesamt, zum Teil sogar deutlich, geschlagen. Noch besser sieht der Vergleich mit den im letzten Herbst markierten Tiefstständen aus. Von diesem ›››

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Chinas Aktienmärkte haben sich seit Jahresanfang deutlich erholt. Sie nehmen damit optimistische Erholungsszenarien vorweg. Ob des stark geschnürten Konjunkturankurbelungspakets erhoffen sich viele Experten Positives. Langfristigkeit und starke Nerven sind aber notwendig.

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AUF DEN PUNKT

Stand haben sich die B-Aktien in Shanghai um 50 Prozent abgesetzt. Damit nehmen die Kurse eine rasche Wirtschaftserholung vorweg. «Das Land des Lächelns» lässt sich aber ganz und gar nicht mit westlichen Massstäben vergleichen. Laut Analysten von Exane ist bereits ein Wachstum unter sechs Prozent eine Rezession, weil das Land Raten von acht Prozent und mehr benötigt, um das dortige Arbeitskräftepotenzial zu absorbieren. Exane zählt zu einem der innovativsten Investmenthäuser in Frankreich. Weltgrösstes Hilfspaket Mit weltweiten Niederlassungen zählt das Institut als äusserst renommierter Spezialist für massgeschneiderte Anlageprodukte und Aktien-Research. Seit 2004 hält BNP Paribas eine Beteiligung zu rund 50 Prozent. So oder so, das Wachstum der Stahlproduktion war laut Bank of America bereits seit Mitte 2005 abgeflaut und seit letztem Sommer regelrecht eingebrochen. Zum gleichen Zeitpunkt ging ebenfalls die Stromproduktion zurück. Und auch der Baltic-drx-Index, ein Indikator für die Weltwirtschaftslage, war in der zweiten Hälfte 2008 zusammengesackt. Erst im Februar dieses Jahres zeigte sich in der Stahl- und Stromproduktion eine kleine Trendwende. «Es gibt Anzeichen, dass sich hier eine Trendwende einstellt und die politischen Massnahmen greifen», sagt Timothy

VIETNAM

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txt: AH] 2007 trat Vietnam der Welthandelsorganisation (WTO) bei. Hierdurch wurde der Im- und Export erleichtert, was den Standort für Investoren attraktiver machte. Seitdem folgt das kommunistische Land mit seinen 84 Millionen Einwohnern dem Weg, den China ab 2001 gegangen ist: Es musste Zölle abbauen und Ausländer auf den Markt lassen. Ausserdem ist die Regierung entschlossen, Privatisierungen und Reformen durchzusetzen und fördert ausländische Direktinvestitionen nicht nur durch die Schaffung geeigneter rechtlicher und institutioneller Rahmenbedingungen, sondern auch durch umfangreiche Investitionsförderprogramme. Es besteht nämlich grosser Bedarf an Landmaschinen, Düngern, Pestiziden, an Verarbeitungsmaschinen sowie an modernen Nahrungsmitteln, vor allem auch Süss- und Backwaren. Der Bausektor ist ebenfalls stark ge-

Bond, Analyst der Bank of America in Hongkong. China hatte im letzten November ein Konjunkturprogramm im Umfang von 600 Milliarden Yuan (zirka 650 Milliarden Franken) beschlossen. Die Höhe des Programms entspricht knapp 15 Prozent der Wirtschaftsleistung. Damit ist das Konjunkturpaket – relativ betrachtet – eines der grössten weltweit. Das jüngst verkündete «Rettungsbündel» seitens der Vereinigten Staaten, das sagenhafte 1000 Milliarden Dollar umfasst, gilt es hierbei ebenfalls zu erwähnen.

wachsen, verbunden mit einer gut steigenden Inlandnachfrage. Ohnehin bietet das Land am Südchinesischen Meer geradezu Idealbedingungen für Produzenten: Das niedrige Lohnniveau, eine strategisch günstige Lage und ein vergleichsweise hoher Bildungsstandard mit einer Alphabetisierungsquote von über 90 Prozent – dieses Umfeld sorgte schnell für Exportquoten von bis zu 75 Prozent des BIP und liess selbiges binnen vier Jahren von 35 Milliarden (knapp 55 Milliarden Franken) auf fast 60 Milliarden Euro (90 Milliarden Franken) klettern. Der Export boomt, vor allem bei Textilien und Schuhen. Im Agrarsektor ist Vietnam sogar führend im Export von Reis, Kaffee, Pfeffer und Kautschuk. Doch nach Jahren des Wachstums mit Zuwachsraten von im Schnitt fast neun Prozent droht Vietnam jetzt die Stagnation. Der Boom der vietnamesischen Volkswirtschaft

wurde gemäss Experten in den vergangenen Jahren stark durch ausländisches Kapital getrieben. Mit dem Einsetzen der Finanzkrise ist nun jedoch der Geldfluss deutlich gesunken, weshalb das Land 2009 nur noch knapp an einer Rezession vorbeischrammen dürfte. Eine Entwicklung, welche die erst im Juli 2000 eröffnete HoChi-Minh-City-Stock-Exchange (HOSE) bereits deutlich zu spüren bekam. Konnte sie 2006 und 2007 noch um imposante 176 Prozent auf 1200 Punkte zulegen, ging es 2008 wieder auf Stände von 260 hinunter. Kaufinteressierte sollten eher abwarten, bis sich die Lage 2009 weiter stabilisiert. Denn das Wirtschaftsklima bleibt trotz Finanzkrise insgesamt positiv. Investoren sollten dabei nicht nur den vietnamesischen Markt im Blick haben, sondern auch die schnell wachsenden Märkte der unmittelbaren Nachbarn China und Thailand.


Wirtschaft und -Währung zuvorzukommen. Es gibt aber auch Kritik. «Wir würden es begrüssen, wenn auch der inländische Konsum stärker gefördert würde», so Frank Gong von JP Morgan. «Denn um den Konsum langfristig zu fördern, müsste China die soziale Wohlfahrt ausbauen.» Anlageempfehlungen Das Hauptproblem ortet Gong indes beim Immobilienmarkt: «Hier sehen wir zwar eine gewisse Stabilisierung, aber auf dem Hintergrund des massiven Überangebotes und der schwachen Nachfrage hätten wir uns hier mehr erhofft.» Ob sich die Geschichte dadurch wiederholt, ist offen. Bereits für die Überwindung der Asienkreise 1998/1999 erwies sich der Immobilienmarkt als Schlüsselfaktor neben dem WTO-Beitritt 2001. Laut Gong verpufften alle anderen Konjunkturmassnahmen nach einigen Monaten. Erst die Immobilienmarktreform – in erster Linie die Garantie von Eigentums- und Besitzverhältnissen sowie der Marktöffnung des Immobiliensektors – hatte den Grundstein für ein Jahrzehnt der Prosperität gelegt. Jetzt könnte sich laut Gong eine «W-förmige» Erholung ergeben mit einem Wachstum von 5,5 Prozent. Zu den Sektoren, die bereits jetzt überdurchschnittlich abschneiden dürften, gehören etwa Banken (Bank of China), Versorger wie Huangneng und Konsumgüterhersteller wie China Foods. Zu heisse Eisen ... Schlecht sieht es hingegen für die Aktien von Ölfirmen, für Immobilienwerte und exportorientierte Industrietitel aus. Bei Versicherungswerten und Telecom-Netzbetreibern ist die Datenlage gemischt. Morgan-StanleyAnalyst Jerry Lou weist auf die Unterschiede zwischen den Früh- und Spätzyklikern hin. Zu den Frühzyklikern zählt er Kapitalgüterhersteller, Schiffsbauer, die ganze Bauindustrie, Öl- und Raffineriewerte, Stahlfabriken, Werften und Häfen. Später im Zyklus kommen dann Kleidungs- und Autohersteller, Hotel- und Freizeitwerte sowie Flughäfen und Medien. Wer jetzt auf die besonders defensiven Werte aus den Bereichen Konsum, Telecom und Internet setzen würde, verpasse einen guten Teil einer möglichen Hausse. «Genau diese Werte sind jetzt aber besonders robust», meint Thomas Deng von Goldman Sachs. Er war kürzlich in Shenzen, hat mit etlichen Firmen gesprochen und warnt vor voreiligem Optimismus. «Eine Erholung auf dem Immobilienmarkt, die wir als Schlüssel für eine Wende betrachten, ist nicht in Sicht.» China-Investoren sollten sich auf einen längeren, holprigen Weg zur Erholung einstellen.

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Strategische Schachzüge Ob und wie sehr dadurch die positiven Weichen gestellt werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Weniger schwer respektive fast schon klar ist der aufkeimende Optimismus hinsichtlich rosigen Wirtschaftszeiten in China. Hoffnung schöpfen beispielsweise die chinesischen Einkaufsmanager. Ihr «eigener Index» signalisiert bereits die Rückkehr zum Wachstum. Ebenso gaben die 3000 Delegierten des Nationalen Volkskongresses, der in der ersten Märzhälfte in Peking tagte, ihre Zustimmung. Der Grossteil der Hilfe fliesst in die Infrastruktur und in das verarbeitende Gewerbe. Laut Stephen Green, Analyst der Standard Chartered Bank in Shanghai, könnte das Konjunkturprogramm noch einmal aufgestockt werden, um das 8-Prozent-Wachstumsziel zu erreichen. Geld dafür ist vorhanden. China fördert damit aber nicht nur die Inlandkonjunktur, sondern kauft systematisch Wissen, Technologien und Rohstoffe weltweit auf. So sind Ende Februar 2009 bei zwei mittelständischen Firmen unweit von Frankfurt Einkäufer aus China aufgetaucht. Der Firmeninhaber dachte zunächst an mögliche Kunden, die vergessen hatten, sich anzumelden. Diese stellten sich dann aber, in perfektem Hochdeutsch, als Interessenten für die ganze Technologieabteilung des Unternehmens vor. Ähnliche Berichte gibt es im Rohstoffbereich, wo China als Aufkäufer von Erzen und Metallen (Afrika, Australien) auftritt. Viele sehen das entweder als geschicktes AusnutWerbung zen der gegenwärtigen Preisbaissen in vielen Rohwarenbereichen – oder als Tausch der unermesslich grossen DollarWährungsbestände in handfeste Güter, um möglichen inflationären Tendenzen oder einem eventuellen Schuldenschnitt der US-

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IT M E T K R Ä M O RISIK

Pioniermärkte sind nicht vor Kurseinbrüchen gefeit. Gegenüber Industrienationen scheinen sie aber überproportional wachsen zu können. Zudem wird ihnen eine geringe Korrelation zum Westen attestiert. Der Diversifikationsschlüssel soll überdies helfen, das Tor zum Erfolg zu öffnen.

txt: Cyril Schicker] Man nehme zum Beispiel einen Bürgerkrieg, würze diesen nach Gutdünken mit Wahlchaos, Politikermord oder Firmenverstaatlichung, füge dieser Absonderlichkeit zudem eine Prise Machtballung sowie eine Dosis Rohstoffabhängigkeit bei, übergiesse das Ganze mit einem halben Liter Nachhaltigkeitsdesaster und fertig ist ein «Frontier Market». Wer das globale Nachrichtengeschehen nur schon ein bisschen verfolgt, der kommt wohl nicht gleich auf die abenteuerliche Idee, sein Geld gerade in Nationen mit solchen Gefahrenschwangerschaften zu parkieren. Länder, die durch derartige Instabilitäten, Traurigkeiten oder Absurditäten für Furore sorgen, können schnell einmal dafür verantwortlich zeichnen, dass der eine oder andere Franken ohne Vorwarnung respektive Wimpernzucken verlorengeht. Der (Privat-)Anleger muss, will er ein Engagement in diesen risikoreichen Ländern eingehen, definitiv über einen gesunden Schlaf verfügen oder zumindest Nerven dick wie die Stahlseile der Golden-Gate-Brücke haben. Die Finanzwelt hat für ebendiese Marktteilnehmer aber längst einer Begrifflichkeit Leben eingehaucht: «Frontier Markets».

Jahren wurde in etlichen dieser Märkte zu schnell und zu viel investiert. Dabei wurde kaum noch auf den Entwicklungsstand der Volkswirtschaft und die Finanzierungsseite geschaut. Vor allem deshalb kam es zum Krisenausbruch», so Lambrou. Der EmMa-Kenner weiter: «Die grösste Gefahr ist, dass die Länder nun falsche politische Wege einschlagen und durch Kapitalkontrollen, Überregulierung, Wechselkursfixierungen oder höhere Sozialausgaben versuchen, die Krise zu stoppen.» Aber selbstverständlich, wo Gefahren sind, da gibt es auch Opportunitäten.

Benjamin der BRICs Selbstverständlich, der eingangs erwähnte Gräuel ist und bleibt eine ungebührliche Verallgemeinerung, viele Frontier Markets haben längst mehr zu bieten. Doch was genau sind diese Frontier Markets, die auch Pioniermärkte genannt werden? Welche Länder gehören dazu? Die Definitionen sind von Unternehmen zu Unternehmen, von Organisation zu Organisation oder von Anbieter zu Anbieter verschieden. Die Begriffsbildung der OECD divergiert beispielsweise von derjenigen des IMF, und Werbung Standard & Poor’s legt dies gegenüber Morgan Stanley (Capital International) ebenso anders aus. Andreas Lambrou, Schwellenlandexperte bei Jud & Partner dazu: «Frontier Markets sind für uns Schwellenländer der zweiten Reihe. Nachwuchsmärkte, die an den Erfolg der BRIC-Staaten anknüpfen wollen.» Hält man den MSCI-Frontier-Markets-Index unter die Lupe, sieht man folgende Nationen:

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Bulgarien, Kroatien, Estland, Kasachstan, Litauen, Rumänien, Serbien, Slowenien, Ukraine, Kenia, Mauritius, Nigeria und Tunesien. Der Mittlere Osten sowie der Raum Asien ist mit den Ländern Bahrain, Jordanien, Kuwait, Libanon, Oman, Katar, Vereinigte Arabische Emirate, Sri Lanka und Vietnam vertreten. Wenn es um Vorteile der Pioniermärkte geht, reden viele Finanzmarktstrategen etwa von einer eigenen Wirtschaftsdynamik, unabhängig jedweder Marktturbulenzen. Geringe Korrelation als Pluspunkt Der Mittlere Osten sei zudem mehr von den eigenen Petrodollars abhängig denn von der Liquidität im internationalen Bankensystem. Darüber hinaus seien viele dieser Märkte bislang vom Auslandkapital nicht stark betroffen gewesen – weder zu- noch abfliessend. Und es ist noch nicht so lange her, da bescheinigte der Internationale Währungsfonds zum Beispiel Nigeria sogar einen regelrechten Schutzschild gegen globale Finanzkrisen. Dieses Attest scheint sehr «weit aus dem Fenster gelehnt» zu sein. Weniger gewagt ist die Aussage oder besser gesagt der Fakt, dass Frontier-Market-Engagements durchaus Möglichkeiten zur Diversifikation nach sich ziehen. Das US-Finanzinstitut Merrill Lynch (jetzt Bank of America) zum Beispiel hat Mitte letzten Jahres berechnet, dass zwischen 2000 und 2007 gestandene Handelsplätze mit dem amerikanischen Aktienindex S&P-500 zu 96 Prozent, mit den Emerging Markets immerhin zu 73 Prozent und den Pioniermärkten mit nur 32 Prozent korreliert haben. Natürlich darf man sich angesichts dessen keine Sandkörner in die Augen streuen lassen, denn die derzeitige Wirtschaftssituation macht viele Berechnungen von einem Tag auf den anderen obsolet. Und es kommt hinzu, dass die Risikostreuung fast schon zu einer Farce verkommt, wenn so ziemlich jedes Börsenbarometer einbricht.

Mögliche Wachstumswunder Auf asiatischer Länderebene präferiert Lambrou etwa Vietnam und Kambodscha: «Beide erfüllen, was den Entwicklungsstand, die junge Altersstruktur und den Lernwillen betreffen, alle Voraussetzungen dafür, um in der nächsten Dekade deutlich stärker zu wachsen als bisher.» Das «zweischneidige Schwert» Afrika (siehe dazu #17 PUNKTschwarzweiss, «Am Schwarzen Kontinent scheiden sich die Geister») steht ebenso in seiner Gunst: «In Afrika, Ex-Zentralafrika, besteht ebenfalls ein enormes Entwicklungspotenzial. Spätestens wenn die Rohstoffe wieder in den nächsten Höhenflug übergehen, werden die afrikanischen Länder wieder höhere Investitionen anziehen können.» Es ist wohl unbestritten, dass einzelne Frontier Markets überdurchschnittliche Wirtschaftswachstumsraten liefern. Der Investor dürfte folgerichtig ab und an auch das grosse Los ziehen. Handkehrum darf trotz dieser Aussicht oder besser gesagt Hoffnung nicht vergessen gehen, dass Pioniermärkte fast schon das Synonym für «Handeln fern ab von Ethik und Moral» darstellen. Wer dies als Generalisation abtut, über einen langen Schnauf sowie Ruhe verfügt und zudem fest an das Aufholpotenzial glaubt, der soll sich die Pioniermärkte ins Depot holen. NATIONENKUNTERBUNT IM VERGLEICH (INDEXIERT) 240 210 180 Quelle: MSCI-Barra Grafik: fmAG

E V R E V

150 120

Tipps auf Länderebene Bedeutet dies nun, dass dieser Gefahrenherd auf Höchststufe unweigerlich zu Verbrennungen dritten Grades führt? «In den letzten

90 60 30 12.2006 Vietnam

03.2009 Tunesien

Kenia

Bahrain

Kuwait


Viele Osteuropa-Staaten sehen sich mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert, die sogar zum Staatsbankrott – ganz im Stile von Island – führen könnten. Allgemein kann gesagt werden, dass ohne Einschüsse etwa der EU und der Weltbank die Überlebenschancen zum Teil ganz düster aussehen.

txt: Oliver Bühler] Die Baltischen Staaten (Nordost-

europa) galten hinsichtlich Marktöffnung als Vorzeigemodell. Sie stehen nun vor finanziellen Schwierigkeiten. Zeichnete Lettland vor zwei Jahren noch das höchste Wirtschaftswachstum Europas, sieht sich das Land heute mit der grössten Krise seit seiner Unabhängigkeit konfrontiert. Einer der Gründe ist, dass

das letzte Jahrzehnt in allen drei Baltischen Staaten durch eine Explosion der Kreditvergabe geprägt war. Im gleichen Atemzug stieg auch deren Haushaltsdefizit rapide. Zum Teil mussten Zentralbanken mittels öffentlicher Gelder die eigene Währung stützen, was die Zahlungsbilanzen noch weiter verunglimpfte. Es kommt hinzu, dass kaum natürliche ›››

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Ressourcen vorhanden sind. Der Rezessionsdruck steigt. Währungshavarien Doch das notleidende Baltikum ist nicht alleine. Auch in Ungarn sieht die Situation prekär aus. Nur dank einer schnell zugesprochenen Kreditzusage (EU, Weltbank, IWF) konnte ein Staatsbankrott abgewandt werden. Als Folge befindet sich nun Ungarns Nationalwährung im Sturzflug, die Rückzahlung der internationalen Kredite verteuert sich und entsprechend fressen die Zinsen das Einkommen der Mittelschicht auf. Leicht besser stehen Polen, Tschechien und die Slowakei da. Das Dreierlei gilt als das Produktionszentrum innerhalb des EU-Marktes. Sowohl die polnische wie auch die tschechische Wirtschaft profitieren von Produktionsstätten, die Güter wie Autos, elektrische Ausrüstungsgeräte oder Industrieanlagen produzieren. Alles wird vor allem im westeuropäischen Raum abgesetzt. Ende 2008 sah sich aber Polen mit Exportrückgängen konfrontiert. Nun trifft es auch weitere Indus-

KOREA

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trien (Möbelbranche, Dienstleister wie PKP Cargo). Der Zloty, die polnische Währung, steht zurzeit so stark unter Druck wie noch nie, und es ist unklar, wie die Regierung die Währung stützen will. Auftragsmängel im Anflug Analog der polnischen hinkt die Wirtschaft Tschechiens massiv einer normalen Entwicklung hinterher. Entsprechend hat die tschechische Krone preislich betrachtet eine massive Talfahrt hinter sich. Die eigenen Produkte können zwar billiger vertrieben werden, den Industrien gehen aber langsam die Aufträge aus, speziell aus Deutschland, dem wichtigsten Exportpartner. Die Folgen sind bereits zu spüren. Die Arbeitslosigkeit hat stark zugenommen, per Ende Februar 2009 liegt sie bei überdurchschnittlichen 7,4 Prozent. Aus dem Grund hat die tschechische Regierung eine Reihe von Massnahmen vorgeschlagen, die hauptsächlich auf die Senkung von Produktionskosten, namentlich der Lohnnebenkosten, zielen. Damit soll die Konkurrenzfähigkeit der eigenen Erzeugnisse gegenüber dem Ausland wieder gesteigert werden. Zudem dürfte die Kreditvergabe der Banken an kleine und mittlere Unternehmen, mittels einer staatlichen Risikobeteiligung, wieder angekurbelt werden. Trotz der Tatsache, dass die Slowakei (Tschechiens Schwesterstaat) faktisch zum reinen Auto-Staat geworden ist, scheint er noch am wenigsten von der Finanzkrise betroffen zu sein.

txt: CS] Geografisch wird Korea –

die Demokratische Volksrepublik im Norden, die Republik Korea im Süden – von Mächten wie China, Russland, Japan sowie zwei Ozeanen (Gelbes und Japanisches Meer) in die «Mangel» genommen. Korea, weltweit reden rund 80 Millionen Menschen koreanisch, ist äusserst facettenreich. Die verschiedenen Dynastien (beispielsweise Joseon, Qing, Tang) prägten dieses Reich stark. Korea war von 1910 bis 1945 eine Kolonie Japans, einige hundert Jahre davor eroberten die Mongolen Teile Koreas. In jener Zeit bildeten der heute kommunistische Norden und der aktuelle «Next-11-Exponent» im Süden einen tributpflichtigen Vasallenstaat. Seither hat sich selbstverständlich sehr viel getan (endgültige Teilung nach dem Koreakrieg 1950 mit de facto andauerndem Kriegszustand). Und in den ver-

Mehr Macht der Frau Die Einführung des Euro könnte als Schutzschild fungieren, zumal die Kosten für Finanztransaktionen, Währungsumtausch und administrative Auslagen somit bereits eliminiert sind. Ob die europäische Einheitswährung wirklich einen Schutz bedeutet, dürfte sich zeigen. Analysten gehen davon aus, dass sich die Krise in Europa noch weiter verschärfen wird und der Euro stark unter Druck geraten könnte, was quasi den ganzen europäischen Markt zerstören würde. Diesen Auguren zum Trotz: Das Wirtschaftswachstum sollte laut ihren Prognosen nicht unter Null fallen. Und gerade die Slowakei hat noch den einen oder anderen Trumpf im Ärmel. Dank niedrigen Betriebskosten und Löhne sowie der geografischen Lage sollte es möglich sein, nach wie vor ausländische Investoren anziehen zu können. Die OECD geht sogar davon aus, dass die Slowakei das beste Wirtschaftsergebnis in Europa vorweisen wird. Aus diesem Grund wurde auch das Zahlungsrating der Slowakei (Tilgungen von Exportkrediten) verbessert, ja sogar von der Risikoliste gestrichen. Die OECD meldet aber auch, dass die slowakische Wirtschaft einen grossen Nachholbedarf hat, vor allem bezüglich Ausbildungsniveau und Integration der weiblichen Arbeitskräfte (zum Thema «Womenomics» empfiehlt sich #14 PUNKTfrau). Gerade Mütter seien im Arbeitsmarkt kaum anzutreffen, ein Mangel, den es so rasch wie möglich zu beheben gilt.

gangenen drei Dekaden hat die südkoreanische Volkswirtschaft einen ausserordentlichen Aufschwung erfahren. Südkorea gehört zu den «Tigerstaaten», wie unter anderen auch Taiwan, Hongkong und Singapur, und viele Experten loben das Land über den grünen Klee. Tatsächlich mauserte es sich immer mehr und relativ rasch zu einem Industriestaat. Zudem wurden die Durchschnittslöhne angehoben, soziale Absicherungen ins Leben gerufen, die Politik stabilisiert, Universitäten gebaut und laufend modernisiert. Doch auch in Korea ist das Wetter manchmal trüb, das Leben dort leider nicht immer besänftigend wie ein Kinderwiegenlied. Die Infrastruktur beispielsweise ist entweder überlastet oder sträflich baufällig. Zudem herrscht seit Jahren eine Landflucht, die Bevölkerung ausserhalb der industrialisierten Städte sieht kei-

ne Zukunft oder diese – anders ausgedrückt – in der Stadtmigration. Nicht unterschätzen darf man den Geburteneinbruch seit den 90-er Jahren, die Fertilitätsraten sinken kontinuierlich, währenddem die Zahl der älteren Menschen rasant steigt. Die demografische Entwicklung wird je länger je mehr zu einer Fallgrube. Gerade aus Investorensicht scheinen die Gefahren mit den Chancen nicht die Waagschale zu halten. FDI (Foreign Direct Investments) sind seit nunmehr drei Jahren konsequent rückläufig und weder die OECD noch die Unctad oder die World Bank Database Group erwarten nach jetzigem Wissensstand eine Trendwende. Wer bei dieser Prognose die Nase rümpft, der rümpft, nörgelt und negiert vergebens. Denn auch das koreanische Wirtschaftsministerium haut in die weniger rosige Auguren-Kerbe.


ceylor – für Aufsteiger.


SPEZIALISTEN IM GESPRÄCH txt: Cyril Schicker] Die

BRIC-Staaten wurden oder werden noch immer von vielen Experten über den grünen Klee gelobt. Wie stehen Sie diesem «Anlagethema» gegenüber und welcher dieser Nationen gehört die Zukunft?

Bob von Rekowsky (BR): Als die Finanzkrise zu einer weltweiten Verlangsamung der Wirtschaft führte, haben sich Investoren aus den Emerging Markets zurückgezogen. Fallende Wirtschaftszahlen, tiefere Rohstoffpreise und Liquiditätsprobleme machen die Situation anspruchsvoller und haben zudem eine wachsende Divergenz der Regionen und ihrer relativen Attraktivität für Anleger hervorgebracht. Gerade die stark gefallenen Commodity-Preise haben Wirtschaften mit starker Ressourcenlastigkeit wie etwa Brasilien und Russland zugesetzt. In Osteuropa sind zudem die Währungen sehr stark unter Druck geraten. Die langfristigen Wachstumschancen für China, Indien und Brasilien werden aber weiterhin eine solide Plattform bilden, um die Emerging Markets voranzubringen. Denn anders als in früheren Krisen sind diese Volkswirtschaften heute besser positioniert und konnten die Rückschläge besser verkraften.

2 Ein jüngeres Konstrukt, die sogenannten «Nächsten Elf», soll längerfristig (aus Performancesicht) frohlockende Zukunftsmusik spielen. Ist dem so und welchen Märkten stellen Sie aus welchen Gründen kein gutes Zeugnis aus? 2 BR: Mitten in den Marktturbulenzen kann es sinnvoll sein, einen Schritt zurückzugehen, um das Gesamtbild zu betrachten. Die aufstrebenden Märkte – da gehören auch die von Ihnen erwähnten «Nächsten Elf» dazu – tragen weiterhin einen bedeutenden und wachsenden Teil der Weltwirtschaft bei, auch wenn deren Marktkapitalisierung erst einen kleinen Anteil repräsentiert. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten bleiben die enormen Wachstumsaussichten und damit auch die überwältigenden Anlagemöglichkeiten intakt. Indonesien, Türkei und Ägypten haben wir in dieser Kategorie gegenüber dem MSCI-Emerging-Market-Index übergewichtet, bei Mexiko und Südkorea schätzen wir die Situation unterdurchschnittlich ein. Eine Verallgemeinerung ist aber schwierig und auch gefährlich. Deshalb stützen wir uns weniger auf eine Länderorientierung ab, sondern vertrauen auf Einzelanalysen unserer Researchabteilung, die entscheidende Vorteile bei der Identifikation von interessanten Unternehmen bringen.

BR

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NP

Allan Conway (AC): Die BRICs bilden das Herzstück der relevanter werdenden Schwellenländer. Durch ihre grossen Kapazitäten und Reserven an Arbeitskräften, durch ihr immenses Produktionswachstumspotenzial und ihre rapid wachsende Mittelklasse sind sie die zukünftige Antriebskraft des globalen Wirtschaftswachstums. Ihre schnelle Industrialisierung präsentiert zahlreiche attraktive Anlageopportunitäten: China verfügt über sehr starke ökonomische Fundamentalwerte inklusive massiven Vorräten an Fremdwährungen. Grossen Einfluss haben auch Massnahmen, welche die monetären und fiskalpolitischen Aktivitäten ankurbeln. Obwohl Russland kurzfristig mit Gegenwind zu kämpfen hat, stehen die Zukunftsaussichten langfristig unter einem guten Stern, denn es gehört noch immer zu den Hauptenergielieferanten und ist zudem sehr gut bewertet. Auch Brasilien als wichtiger Rohstoffproduzent kann von einem möglichen Globalwachstum nur profitieren, da es seine Wirtschaftsstruktur verbessert hat. Dagegen verfügt Indien über eine starke Binnenwirtschaft, die wiederum die Möglichkeit schafft, den einheimischen Konsum gegenüber dem momentan tiefen Niveau massiv zu steigern. 2 AC: Wir glauben nicht, dass die «Nächsten Elf» sehr viele Vorzüge bieten. Wie vorhergehend angetönt, bilden die BRIC-Staaten das Herzstück der Schwellenländer. Investoren, die an der nächsten Welle von Entwicklungsländern partizipieren wollen, die wiederum ein langfristiges Zukunftspotenzial innehaben, sollten sich auf Grenzstaaten, also die Frontier Markets konzentrieren. Der Begriff «Frontier Markets» beinhaltet Länder des Mittleren Ostens, der afrikanischen Subsahara, Osteuropas und Asiens. Diese Nationen gehören zu den weltweit am schnellsten wachsenden Wirtschaften. Ihre demografischen Trends sind positiv, da fast 60 Prozent der grob zusammengefassten Bevölkerung unter 30 Jahre alt sind. Ihr Wirtschaftswachstum wird langfristig als sehr stark eingeschätzt, da das Lohnniveau zu den tiefsten der Welt gehört und sie über immense natürliche Ressourcen verfügen. Zusätzlich bieten diese Staaten einen Diversifikationsvorteil, da sie langfristig eine halt eben doch tiefe Korrelation mit den entwickelten Staaten aufweisen.

AC


3 Je nach Sichtweise – geografisch, historisch, ethnisch – verändert sich Osteuropa. Unabhängig davon nimmt es uns wunder, was Sie von diesem Riesenmarkt erwarten. Welche Volkswirtschaften dürften dereinst glänzen, welche eher erbleichen? 3 Nick Price (NP): Ich bin zurückhaltend bezüglich Osteuropa und an dieser Einstellung wird sich vorerst nichts ändern. Gründe dafür sind die unattraktiven Bewertungen und die Tatsache, dass Hauseigentümer, die den Hauskauf mit Krediten in Euro oder Schweizer Franken finanziert haben, extrem anfällig für eine weitere Abwertung ihrer Landeswährung sind. Wir beobachten derzeit auch, dass der Druck wegen steigender Schuldenlast und gleichzeitig sinkender Währungen zunimmt. Zudem gibt es offenbar nur sehr wenige osteuropäische Unternehmen mit einer positiven Cash-Position. Russland beispielsweise ist extrem vom Erdölpreis abhängig und es ist sehr schwierig, sich ein klares Bild zu machen, da die Überkreuzbeteiligungen der Oligarchen äusserst umfangreich und verwirrend sind. Für mich sind dies Gründe genug, all diese Länder momentan unterzugewichten.

4 Die Golfregion (gemäss UN: Persischer Golf) erhitzte schon manche Gemüter, dies nicht nur der Temperaturen wegen. Ist es lediglich ein modisches Investmentthema oder kann der gewiefte Anleger durchaus Profit daraus ziehen? 4 NP: Die Golfregion erlebt zurzeit eine scharfe Korrektur und büsst gewaltig für die Übertreibungen, vor allem im Bausektor. Es ist noch nicht lange her, da wollte Kuwait eine ganze Modellstadt für stolze 120 Milliarden Dollar bauen. Ich war seit längerer Zeit sehr vorsichtig, wenn es um Aktienanlagen ging, insbesondere wegen dem Übergewicht an Unternehmen der Finanz- und Immobilienbranche. Diese stellen zusammen rund 75 Prozent des Anlageuniversums dar, weil der grösste Teil des Energiesektors dem Königshaus oder dem Staat gehört. Die gigantischen Bauvorhaben in der Region (unter anderem Burj Dubai, das mit 4,1 Milliarden Dollar budgetierte und mit über 800 Metern höchste Gebäude der Welt) führten zu einer massiven Verschuldung, die zusammen mit den fallenden Preisen von Erdöl und Immobilien die Blase zum Platzen brachte. Zu einem gewissen Grad war dies unausweichlich, nachdem auch die Golfregion nicht gegen die globale Kreditkrise immun war. Selbst Dubai musste beim Nachbarn Abu Dhabi um Staatshilfe in der Höhe von 20 Milliarden Dollar nachfragen.

5 Speziell der Privatanleger dürfte Mühe bekunden, wenn es darum geht, das geeignete (exotische) Finanzengagement einzugehen. Nehmen Sie diesen bitte bei der Hand. Wie soll er vorgehen, was muss er beachten, wo schlummern Fallgruben und wo Opportunitäten? 5 NP: Derzeit herrschen eher deflationäre Bedingungen. Dass aber die Regierungen in Grossbritannien und den USA inzwischen massiv Geld drucken, wird sich schon bald bemerkbar machen. Die hieraus resultierenden inflationären Tendenzen sollten sich positiv auf Rohstoffe wie Erdöl und Gold auswirken, das angesichts der Werthaltigkeit in Krisenzeiten besonders nachfragt wird. Auf die Metalle Gold und Platin sehe ich daher rosige Zeiten zukommen. Afrika ist in gewisser Hinsicht bislang von den Problemen verschont geblieben, die andere Märkte derzeit heimsuchen. Das liegt speziell daran, dass «der Schwarze Kontinent» in weiten Teilen eine Bargeldwirtschaft mit niedriger Verschuldung der privaten Haushalte hat. Entsprechend ist der Aufwärtstrend im Konsum noch immer ungebrochen. Zudem sind Produkte wie Mobilfunktelefone und Autos nach wie vor nur gering verbreitet, sodass hier weiterhin grosser Nachholbedarf herrscht. Mit verbesserten Infrastruktur- und Kommunikationsnetzen eröffnen sich aber auch neue Geschäftsmöglichkeiten. Für die Region kann das nur von Vorteil sein.

AUF DEN PUNKT

3 AC: Zurzeit durchlaufen zahlreiche osteuropäische Staaten eine Durststrecke. Der Zerfall der Energiepreise hatte einen starken Einfluss auf Russland. Aber als signifikanter Gas- und Erdöl-Produzent profitierte Russland von der vorangehenden Stärke der Erdölpreisnotierung, was beispielsweise in hohen aufgebauten Reserven resultierte. Und obwohl sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt hat, die Inflation hoch bleibt und das Land einen Liquiditätsengpass erfährt, bleiben die Reserven, um dieses Problem anzugehen, doch substanziell. Sobald sich die globalen wirtschaftlichen Aktivitäten wieder verbessern, wird Russland stark profitieren. Polen, Ungarn und die Tschechische Republik sind alle – wenn auch in unterschiedlichem Ausmass – anfällig auf die Rezession und alle haben grossen Bedarf an externen Finanzmitteln. Polen ist das am wenigsten geöffnete Land. Dennoch sind alle drei Nationen sehr stark von den Exporten in die EU-Länder abhängig, die immer stärker zurückgehen. Auch das ungarische Wirtschaftswachstum verlangsamt sich und die Steuerausgaben aufgrund der Bestimmungen des IMF-Paketes. Von den «CE3-Staaten» (Polen, Ungarn, Tschechische Republik) ist Tschechien mittelfristig am besten positioniert. 4 AC: Die Golfregion oder der Persische Golf stellt die Hauptregion innerhalb der ausgedehnten Frontier Markets dar. Zukünftig wird dort ein insgesamt starkes regionales Wirtschaftswachstum erwartet. Aber obwohl sie über grosse Erdöl- und Gasreserven verfügen, geht es in dieser Region nicht nur um natürliche Ressourcen. Grosse Regierungsausgaben in Infrastrukturprojekte und andauernde wirtschaftliche Diversifikation werden die Hauptantriebskräfte für zukünftige wirtschaftliche Aktivitäten sein. Durch die junge, schnell wachsende Bevölkerung wird die Golfregion ein rasantes Wachstum vor allem in den Sektoren Konsumausgaben und Finanzdienstleistungen erfahren. Als eine der ersten internationalen Vermögensverwaltungen, die ein lokales, in Dubai basiertes Büro eingerichtet haben, sind wir im Wachstum dieser aufregenden und zukunftsträchtigen Region gut positioniert. 5 AC: Als Erstes sollte sich ein Anleger auf einen globalen EmergingMarket-Fonds (Core), fokussieren. Damit werden ein ausgewogener Investment-Ansatz und ein diversifiziertes Portfolio angestrebt. Aktieninvestitionen sind immer mit potenziellen Fallgruben verbunden, und Investitionen in Volkswirtschaften, die sich im Entwicklungsstadium befinden, können dabei eine noch höhere Volatilität nach sich ziehen. Auch ist es viel schwieriger, verlässliche Unternehmensinformationen zu erhalten als bei Gesellschaften in entwickelten Staaten. Es ist deshalb unabdingbar, Experten lokal vor Ort zu haben, die zur Stabilität des Prozesses beitragen. Schroders zum Beispiel verfügt über ein 32-köpfiges Emerging-Markets-Team mit durchschnittlich 13 Jahren Erfahrung in diesem Bereich. Unterstützt wird es durch 23 Analysten, die auf der ganzen Welt regional aufgestellt sind. Neben der klassischen Investition in einen global investierten Fonds sollten Investoren auch die BRIC-, Frontier- oder Middle-East-Region in Betracht ziehen. > schroders.com

> fidelity.ch

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> punktmagazin.com


FOTOGRAF Giorgio Balmelli > balmellifoto.ch MODEL Dji Dieng > djidieng.eu


D N A S M I N E T GELD S WÜ

AUF DEN PUNKT

txt: Mark Baer] Es gibt Stimmen, die von Panik

sprechen. Scheich Mohammed al-Sabah, er ist Aussenminister von Kuwait, geht davon aus, dass die Staaten am Golf durch den Sturm an den Finanzmärkten umgerechnet über drei Billionen Schweizer Franken verloren haben. Und wenn so viel Kapital in den Sand gesetzt wird, werden auch hartgesottene, milliardenschwere Ölscheichs langsam nervös. In Dubai beispielsweise werden immer mehr wohlhabende Einwohner arbeitslos und verlassen die Stadt. Dass auch der Tourismus leidet im Moment, das zeigen die Hotelpreise, die vor ein paar Monaten an der Golfküste ins Rutschen geraten sind. Gab es früher – etwa im SiebenSterne-Hotel Burj al-Arab – eine Nacht nicht unter 1000 Franken, bekommt man im prestigeträchtigen Goldhotel zwischenzeitlich Übernachtungsmöglichkeiten um über 50 Prozent günstiger. Aber auch die Bauwirtschaft wurde vom Abschwung hart getroffen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten

IRAN

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txt: RB] Persien, oft als die Wiege der heutigen Zivilisation bezeichnet, steht vor seiner grössten wirtschaftlichen Herausforderung. Brot, Benzin, Waschmittel, Strom, Reis – für Irans 75 Millionen Einwohner werden diese und viele andere Produkte künftig deutlich teurer. Die katastrophale Haushaltslage will die Regierung mit diversen Subventionskürzungen wieder ins Lot bringen. Derzeit frisst eine Inflationsrate von knapp 28 Prozent die Reallöhne, und die Arbeitslosigkeit liegt gemäss inoffiziellen Schätzungen bei rund 30 Prozent. Die Zahl der in Armut lebenden Menschen ist stark gestiegen. Dies stimmt umso nachdenklicher, als auch die Öleinnahmen seit einigen Jahren massiv gestiegen sind. Dies lässt sich auf die falsche und dilettantische Wirtschaftspolitik der amtierenden Regierung Ahmadinedschads zurückführen. Denn allein in den

Auch die Golfstaaten konnten sich dem wüsten Sturm der Finanzkrise nicht entziehen. Etwas später zwar als im Weltrest herrscht nun auch in den Ölstaaten am Persischen Golf Katerstimmung. Doch bald dürften Märkte wie Katar, Saudi-Arabien oder Abu Dhabi wieder glänzen.

(VAE oder auch unter UAE bekannt) wurde die Hälfte aller Bauvorhaben gestrichen. Alle sitzen im gleichen Boot Mit einer kleinen Verspätung hat die globale Wirtschaftssituation nun also auch die arabischen Golfstaaten voll erwischt. Weil HedgeFonds, Derivate und andere gefährliche Anlageprodukte in islamischen Banken aus religiösen Gründen nicht gestattet sind, standen die Kreditinstitute am Persischen Golf lange Zeit aber besser da als die Konkurrenz im Abendland sowie in Asien und Amerika. Weil die staatlichen Investitionsgesellschaften und Scheichs jedoch – so wie wir alle – auf (Bank-)Aktien aus aller Herren Länder sitzen, konnten sich die Golfstaaten der Finanzkrise ebenso wenig entziehen. Doch dem ist nicht genug: Zu schaffen macht dem Nahen Osten ausserdem der aktuell tiefe Ölpreis. War das «schwarze Gold» in der Spekulationsblase des Sommers 2008 noch gut 150 Dollar wert, sorgte die

letzten 12 Monaten konnte der iranische Staat Mehreinnahmen von zwei Milliarden Dollar verbuchen. Denn der Iran ist mit 4,2 Millionen Barrel pro Tag der zweitgrösste Ölproduzent der Opec und rund 80 Prozent seines Staatshaushalts stammen daraus. Aber dem Regime stehen 2009 einige Milliarden Dollar weniger zur Verfügung als budgetiert. Um diese Einbussen aufzufangen, prüft Irans Präsident derzeit die Einführung einer Mehrwertsteuer von drei Prozent, seltsamerweise jedoch erst nach den Wahlen im Juni dieses Jahres. Zudem wird dem Land in absehbarer Zeit das schwarze Gold ausgehen. Das liegt vor allem am jahrelangen rücksichtslosen Raubbau und an Fehlinvestitionen. Die iranische Wirtschaft hungert nach Energie, und der Energiebedarf wächst ebenso rasant wie die Bevölkerung. In den letzten dreissig Jah-

ren hat sich der Verbrauch im Iran mehr als vervierfacht. Die zahlreichen internationalen Sanktionen gegen den Iran bewirkten, dass sich die Islamische Republik in ihrem Öl- und Erdgashandel vermehrt asiatischen Staaten sowie Russland zuwendet. Dabei spielt Russland ein doppeltes Spiel, wie auch viele westliche Industrienationen. Einerseits trägt Russland die Sanktionen gegen den Iran in abgeschwächter Form mit und hat ebenso kein Interesse daran, dass das Land zur Nuklearmacht wird. Andererseits ist der Iran für Russland ein wirtschaftlicher und strategischer Partner. Iran ist und bleibt weiterhin ein heisses Pflaster, auch aus Anlagesicht. Nicht umsonst hat kürzlich die Weltbank den Iran als jene Nation im Mittleren Osten und Nordafrika bezeichnet, die sich (ausländischen) Investoren gegenüber am unfreundlichsten verhält.


Wirtschaftskrise für einen Rückgang des Ölpreises auf zeitweise kümmerliche 35 Dollar. Die meisten Staaten am Persischen Golf sind massgeblich vom Öl abhängig. Bahrain ist laut Rachna Saxena, Analystin der Deutschen Bank in London, am wenigsten auf das schwarze Gold angewiesen. So hat das Königreich, das östlich von Saudi-Arabien und westlich von Katar liegt, ein florierendes Offshore-Finanzzentrum aufgebaut. Noch immer aber sorgt Öl in Bahrain für den grössten Teil der Staatseinnahmen. Das Emirat Katar ist dank einem florierenden Gasgeschäft ebenfalls nicht mehr ganz so stark vom Öl abhängig. Ölmonarchien zeigen die Zähne Wegen der derzeitigen Situation und dem tiefen Ölpreis wird das Bruttoinlandprodukt einzelner Golfstaaten in diesem Jahr keine grossen Sprünge machen. «Da und dort dürfte es zu einer BIP-Schrumpfung kommen», sagt Rachna Saxena gegenüber dem PUNKTmagazin. Für Katar, dem Staat im Nordosten der arabischen Halbinsel, erwartet die Expertin der Deutschen Bank das grösste Wachstum. Als Grund dafür nennt sie neue Gasproduktionen. Nach Einschätzung von JP Morgan Asset Management (JPAM) dürften die Ölstaaten am Persischen Golf dank ihrer Naturschätze 2009 trotz Krise zusammen doch etwa um 0,9 Prozent wachsen. Die Industrienationen werden damit ganz klar in den Schatten gestellt: Schenkt man JPAM Glauben, so dürften diese Staaten 2009 insgesamt nämlich 3,4 Prozent an Wirtschaftskraft einbüssen. Die Golfregion bie-

tet laut der Credit Suisse einzelne attraktive, interessante Anlagemöglichkeiten. «Für Mittel- und Langfrist-Investoren, die mit der aktuellen Volatilität umgehen können, hält der Nahe Osten jetzt einige interessante Investments bereit», sagt Kamran Butt, Aktienanalyst bei Credit Suisse in Dubai. Zurzeit würde die Grossbank für Märkte wie Oman, Bahrain, Saudi-Arabien oder Katar allerdings eine eher defensive Strategie wählen und auf nicht-zyklische Sektoren wie Telekom oder Konsumgüter fokussieren. Golfstaaten als Investmentidee Die Wüstenmonarchien am Golf bezeichnet der Spezialist als attraktiv, weil diese Schwellenländermärkte in den letzten Jahren ein unglaubliches wirtschaftliches Wachstum hingelegt hätten und nun auch ausländischen Anlegern zugänglich seien. Für ein Investment in einem der Ölstaaten am Persischen Golf sprechen gemäss dem Analysten auch die verschiedenen staatlichen Ankurbelungsmassnahmen. «Wenn die Regierungen ihre Wirtschaften weiterhin finanziell unterstützen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die betreffenden Märkte wieder schneller erholen», so Butt. Die Spezialisten der Credit Suisse favorisieren im Moment Katar, Saudi-Arabien und innerhalb der Vereinigten Arabischen Emirate Abu Dhabi. Dies, weil diese drei Staaten vom Wirtschaftswachstum, von der Bewertung sowie wegen ihres geringeren ImmobilienRisikos im Vergleich zu den anderen GolfLändern am meisten überzeugen würden. Als Einzeltitel empfiehlt Analyst Kamran Butt die Aktien Qatar Telecom und National Mobile Telecommunications: «Die Leaderposition von Qatar Telecom sollte trotz Marktöffnung weitergehen. Zudem sieht die Bewertung beider Aktien attraktiv aus. Beide Titel werden mit einem Discount gehandelt.»

txt: Cyril Schicker] Exotik steht unter anderem für Auswärtiges, Fremdländisches, Andersartiges und Ungewöhnliches. Der Subjektivität sind da absolut keine Grenzen gesetzt, werden doch beispielsweise bereits schon Eltern, die ohne grosses Zögern eine Privatschule ins Leben rufen, als exotisch eingestuft. Ja, selbst ein botanischer Garten als Ganzes wird als exotisch kategorisiert. Oft ist sogar das Haar – sei dies als Bart oder als Frisur – Dreh- und Angelpunkt der Exotik. Das alles ist zwar schade, aber nicht zwingend schlimm oder entscheidend und nur zuweilen verwerflich. Der Mensch denkt nun einmal in Bahnen. So trendorientiert sich dieser auch gerne gibt, seine Vorstellungs- und Erduldenskraft reicht aber leider kaum über den Tellerrand hinaus. Und dabei handelt es sich selten um einen Suppenteller. Nein, es ist eine verdammt flache Platte. Wirkliche (zumindest für westliche respektive normalsterbliche Verhältnisse) Exotik geht allerdings viel eher mit folgendem einher: Tantal, Morbus Crohn, Knochenganoiden, Biomakromoleküle, Positronium, Kiwano, Bulgur, Salpen, Amharisch, Koboldmaki, Injera, Asus, Chayote, Karkadann, Daddylongleg, Lanthan, Maracuja, Pulau Seribu, Spirulina, Nashi, Foufou, Appendikularien, Neurofibromatose, Logray, Rhambutan, Exsys, Yakitori, Malagasy, Sternanis, Inger, Hypophosphatasie, Syringomyelie, Bizimungu, Chondrodysplasie, Gadolinium, Paläoklima, Spektroskopie, Globicephala Melas, Thalassämie, Lanthanoide, Sattelrobben, Aspidochelone, Caladrius, Piment, AlienHand-Syndrom, Hanadak, Egg-cellent Street Art (Henk Hofstra), Kleinlinge, Sicheldolde, Indium, Hydrophiiden, Cobaltcarbonyl, Hottonia Palustris, Lachesis, Elapiden, Ewoks, Thaumaturgie, Praseodym, Ytterbium, Donatella Versace, Lachanophobie und so weiter und so fort. Man muss sich jedoch nicht einmal in die Welten der Tiere, Nahrung, Chemie, Sprachen, Krankheiten, Technik, Metalle et cetera vorwagen, um sich einen exotischen Anstrich zu verpassen. Nein, es reicht vollends, wenn man das höchst unterschiedliche, teils abstruse Kommunikationsgebaren gewisser Finanzinstitute unter die Lupe hält. Die Krisenbetroffenheit scheint doch (noch) nicht alle erreicht zu haben; anders ist es irgendwie nicht zu erklären, dass der hiesige kommunikative Finanzalltag dem ungefähren (rückständigen) Entwicklungsstand der Dritten Welt entspricht.

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KOPFSACHE

Schwellenländer gibt es viele. Ebenso gibt es nur schon schweizweit viele, die Schwellenland-Anlageprodukte feilbieten und von sich behaupten, diese Märkte zu kennen. Als vor 40 Jahren Dr. Mark Mobius

die EmMas unter die Lupe hielt, gab es deren fünf. Heute ist es ein Vielerlei, und noch immer bereist Mobius mehr als 200 Tage im Jahr exotische Plätze. Wenn einer Bescheid weiss, dann sicher er.

txt: Cyril Schicker] Es gibt sehr wenige weltweit bekannte Persönlichkeiten, die derart viele Synonyme mit sich führen wie Dr. Mark Mobius. Im Zusammenhang mit dem Executive Chairman von Templeton Asset Management Ltd. in Singapur, einer Tochtergesellschaft des US-Fondsanbieters Franklin Templeton, hört man Lobhudeleien oder einfach nur Wahrheiten wie «Koryphäe», «Kommunikationswissenschafter», «Bald Eagle», «Freigeist», «Kriminologe», «Schwellenland-Übervater», «Fonds-Guru», «Kosmopolit», «Psychologe». Der langjährige und ›››

MARK MOBIUS

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erfolgreiche Finanzakrobat wird zudem oft auch «Indiana Jones der Fondsszene», «Pianospieler», «Bäckersohn», «Weltenbummler» oder einfach «Buchautor» genannt. Die Liste lässt sich eigentlich beliebig erweitern, doch irgendwann einmal kehrt auch bei den extravagantesten Übernamen Langeweile ein. Ganz und gar nicht langweilig ist der deutsch-amerikanische Doppelbürger Mobius. Dies hat zum Teil sicher mit seinem breitgefächerten Werdegang zu tun. Mobius zum biografischen Zickzackkurs: «Ja, meine Ausbildung war tatsächlich sehr multidimensional.» Mobius goes Manga Der 1936 in New Hampshire geborene Pionier, Dr. Mark Mobius, finanzierte seine vielen Studien (Psychologie, Kriminologie, Wirtschaft, Soziologie et cetera) unter anderem mit Tellerwaschen oder Pianospielen. Letzteres hat er, schenkt man Kaoru Kurotani Glauben, seiner musikalischen Familie zu verdanken, die schon früh einen Tastenvirtuosen aus ihm gemacht hat. Kurotani ist ein japanischer Forscher, der dem Templeton-Aushängeschild einen Manga-Comic gewidmet hat. Der sequenzielle Kunstband mit dem Titel «An Illustred Biography of the Father of Emerging Markets Fund» beinhaltet 206 Seiten und begleitet Mobius quasi von klein auf bis heute. Wenn man Mobius nicht kennt oder noch nie etwas von ihm gelesen hat, kommt einem vieles beweihräuchernd vor. Das macht neugierig. Auf die Frage nach Privatem (Steckenpferde, Kurioses, Amüsantes, Visionen) antwortet er: «Da gibt es wirklich einiges zu erzählen, das Comicbuch ‹Manga› gibt Ihnen wohl ein eindrückliches Bild meines Lebens. Gerne gebe ich Ihnen ein Exemplar davon.»

Im Anlageuniversum gibt es meines Erachtens lediglich Studenten. Und die lernen zeitlebens ihre Lektionen.

Und tatsächlich, gemäss «seinem» Comic hat er schon als umtriebiger Sprössling wahrscheinlich mehr erlebt, als viele andere zusammen. Auch wenn es der «preisgekrönte» Fondsmanager (Reuters, CNBC, Morningstar, Sunday Telegraph, International Money Marketing) versteht, sich in Szene zu setzen, so kann er gleichzeitig wunderbar die Klaviatur der Bescheidenheit bedienen: «Ich würde mich persönlich nicht als bedeutender Fachmann oder Experte bezeichnen.» Mobius weiter: «Im Anlageuniversum gibt es meines Erachtens lediglich Studenten. Und die lernen zeitlebens ihre Lektionen.» Respekt und Teamgeist als Erfolgsgarant Als Student hat Mobius eine grosse Verantwortung, die er schon seit Jahren schultert. Er und sein Team – «ich habe eine wundervolle Truppe von Mitarbeitern, die mir bei der Arbeit helfen» – verwalten, zumindest was die in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Investmentfonds aus der Templetonreihe (elf klassische Anlagevehikel an der Zahl: Asian Growth, BRIC, China, Eastern Europe, Emerging Markets, Emerging Markets Smaller Companies, Korea, Latin America, Thailand, Asian Smaller Companies, Frontier Market) anbelangt, ein Vermögen von derzeit rund sieben Milliarden Franken. Gesamthaft verwalten seine EmMa-Fonds zirka 18 Milliarden Franken. Mobius entpuppt sich damit quasi selber als Klumpenrisiko, denn was passiert, wenn er sich etwas anderem zuwendet? «Ein bisschen haben Sie schon Recht. Unsere Kunden geben uns ein enormes Vertrauen, was wir aber auch sehr, sehr ernst nehmen.»

Der Druck ist entsprechend hoch und die Erwartungen an uns selber wie seitens Kunden sind gar noch höher.

Er fügt an: «Der Druck ist entsprechend hoch und die Erwartungen an uns selber wie seitens Kunden sind gar noch höher. Das stachelt an, und wenn man investiert, dann muss man ruhig und überlegt vor-

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gehen. Die gefällten Entscheidungen müssen logisch wie auch langfristig ausgerichtet sein.» Das hört sich an wie Balsam für die Seele, gerade in einer Zeit, wo kurzfristig ausgelegte Entscheidungen den omnipräsenten Erfolgsdruck zum Ausdruck bringen. So herzallerliebst es auch tönt, Mobius ist zwar ein Schwellenlandexperte, der bislang noch seinesgleichen sucht, doch ist er ebenso wenig vor den Markttücken gefeit wie andere.

Alle vier Nationen haben eine grossartige Zukunft vor sich. Ich kann keine einzelne herausstreichen, das Quartett als solches offeriert beste Anlagemöglichkeiten.

Seine klassischen Anlagefonds mussten ebenfalls Federn lassen. Der Templeton-BRIC-Fund zum Beispiel büsste per Ende Februar 2009 und innert Jahresfrist über 60 Prozent an Terrain ein. Unweigerlich kommt die Frage auf, ob das einstige Anlagephänomen BRIC inzwischen ausgedient hat: «Das BRIC-Konzept war über Jahre hinweg erfolgreich. Dies vor allem deshalb, weil der Anleger dadurch die Möglichkeit erhalten hat, in vier grossartige Länder mit total unterschiedlicher Ausrichtung zu investieren.» Mobius kommt ins Schwärmen: «Alle vier Nationen haben eine grossartige Zukunft vor sich. Ich kann keine einzelne herausstreichen, das Quartett als solches offeriert beste Anlagemöglichkeiten.» Obacht vor Gefahren Den derzeitigen Marktverwerfungen zum Trotz liebäugeln gewisse Investoren bereits mit noch risikoreicheren Schwellenländern, den sogenannten Frontier Markets, auch Pioniermärkte genannt. Der Vielflieger dazu: «Darunter fallen all jene Staaten, die traditionellerweise nicht in die Liste der EmMas aufgenommen worden sind. Es sind zumeist solche, die dabei sind, einen Aktienmarkt aufzubauen.» Mobius wird konkreter: «Solche Märkte findet man überall auf der Welt – in Lateinamerika, Afrika, Osteuropa und in Asien.» Ein kleines

Sie bieten tolle Perspektiven, sind aber wenig erforscht und intransparent. Notwendig sind dort als erstes Innovationen.

Warnzeichen folgt ebenso: «Sie bieten tolle Perspektiven, sind aber wenig erforscht und intransparent. Notwendig sind dort als erstes Innovationen.» Dass die Gefahr hinsichtlich kleiner Länder wie etwa Litauen, Kroatien, Estland oder Katar durchaus eine hässliche Fratze annehmen kann, dürfte augenscheinlich sein. Die Schwellenland-Autorität rät dem (Privat-)Investor: «Neuanleger müssen begreifen, dass Aktienengagements durchaus risikobehaftet und anfällig für kurzfristige Volatilitäten sind. Ein Mindestanlagehorizont von fünf Jahren ist ebenso Grundvoraussetzung.»

Die USA ist nicht zwingend besser als zuweilen Europa, Japan oder Australien. Dies verdeutlicht doch nur schon das ‹Madoff-Ungemach›.

Auf die ihm vor die Füsse geworfenen konkreten Brandherde wie beispielsweise Verstaatlichungen, Putsche, Konkurse, Terrorattacken, (Rohstoff-)Abhängigkeiten, Menschenrechtsverletzungen, Machtballungen, Rechnungslegungsinfernos reagiert er gelassen: «Vieles, das Sie erwähnt haben, geschieht sowohl in den aufstrebenden Märkten als auch in den Industrienationen. Die USA ist nicht zwingend besser als zuweilen Europa, Japan oder Australien. Dies verdeutlicht doch nur schon das ‹Madoff-Ungemach›. Anleger aus der ganzen Welt krochen dem Betrüger auf den Leim.»


Evidenz der Expertise vor Ort Aber inwiefern kann man sich denn überhaupt vor all den unsäglichen Finanzmarktdrangsalen schützen? «So simpel es auch tönt, am ehesten ist man vor Verlusten gefeit, wenn man diversifiziert und sich darüber hinaus informiert.» Der Value-Investor weiter: «Wir verbringen enorm viel Zeit und Geld damit, die Unternehmen sowie Staaten zu erforschen – mit dem bestimmten Ziel, die Risiken zu minimieren.» Mobius’ aussergewöhnliche Reisefreudigkeit hat selbstverständlich nicht nur damit zu tun, dass er sich gerne dem fremdländischen Sonnenbad hingibt.

Meine Aufgabe als globaler Investor in aufstrebende Märkte erfordert es, dass ich diese auch gut kenne.

Nein, gerade uns unbekannte oder eben exotische Märkte beherbergen derartig viele Gefahren, und es ist aus der Ferne kaum machbar, sich mit diesen auch tatsächlich auseinanderzusetzen. Denn oft kommen sie erst vor Ort ans Tageslicht. Nur die Besuche der Finanzkenner an den eigentlichen Investitionsplätzen, inklusive dem Durchleuchten des jeweiligen Firmenmanagements, führen zur gewünschFIRMENPORTRÄT TEMPLETON ASSET MANAGEMENT LTD.

KOPFSACHE

ten erforderlichen Informationsfülle: «Ich kann von mir sagen, dass ich ein Weltenbummler bin.» Und er fügt an: «In den letzten vier Wochen war ich unter anderem in Singapur, Südafrika, Mexiko, Brasilien, Argentinien, Chile, Peru und jetzt eben in China.» Mobius weiter: «Meine Aufgabe als globaler Investor in aufstrebende Märkte erfordert es, dass ich diese auch gut kenne. Um dies zu schaffen, bin ich stets auf Achse. Ich will die Leute an Ort und Stelle besuchen.» Welches Land oder welche Gesellschaft er zurzeit empfiehlt, sagt er nicht direkt beziehungsweise er tut sich schwer damit und verweist auf all die Fonds-Factsheets. Mobius’ Bauchpinseleien Aus privater Optik listet er aber folgende Orte auf, mit denen er gute Erinnerungen verbindet: Korea, China, Thailand, Philippinen, Malaysia, Singapur, Indonesien, Indien. Osteuropa habe ihn ebenso gebauchpinselt, allen voran Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Polen, Estland und speziell Russland. Aber er wäre nicht Mobius, wenn er es bei diesen lauschigen Plätzchen beliesse: Südafrika, Mexiko, Argentinien, Peru, Chile sowie Brasilien kommen noch dazu in seine persönliche Reiseschatzkiste. Himmelsstürmer Mobius ist seit nunmehr 40 Jahren dabei, die Schwellenländer – gestandene oder aufstrebende – zu erforschen. Jährlich ist er mehr als 200 Tage im firmeneigenen Flugzeug unterwegs, sein mobiles Büro ist ihm denn auch fast heilig. Seine Erfahrung lässt er nicht nur in all seine Fondsvehikel fliessen. Mobius ist erst kürzlich in einer Kinofilmdokumentation zu sehen gewesen und er betätigt sich nebst all seinen sonstigen Beschäftigungen ebenso als Buchautor. Eines seiner Werke trägt den vielversprechenden Namen «Passports to Profits». Reinschauen und Reichwerden? Werbung

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Umständen unter dem Wert des eingesetzten Kapitals liegen kann, im schlimmsten Fall kann es zu einem Totalverlust kommen. Der Fonds Lyxor ETF MSCI Emerging Markets ist zum öffentlichen Vertrieb in der Schweiz oder von der Schweiz aus im Sinne von Artikel 120 des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen vom 23. Juni 2006 zugelassen. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA hat Société Générale, Zweigniederlassung Zürich, als Vertreter und als Zahlstelle des Fonds in der Schweiz bewilligt. Der entsprechende Prospekt, Statuten, Jahres- und Halbjahresberichte des Fonds, sowie die Aufstellung der Käufe und Verkäufe, welche die Fondsleitung im Berichtsjahr für Rechnung des Fonds abgeschlossen hat, können mittels einfacher Anfrage kostenlos beim Vertreter in der Schweiz (Société Générale, Zweigniederlassung Zürich, Talacker 50, Zürich, Schweiz) bezogen werden. Die Verkaufsprospekte können unter www.lyxoretf.ch heruntergeladen werden.


iPUNKT

Wir essen beispielsweise prächtig saftige Steaks aus Argentinien, kaufen günstig schöne Schuhe aus China und trinken exotisch feine Weine aus Indien oder dem Libanon. Ausländische Güter bestimmen immer

mehr die hiesigen Lebensgewohnheiten. Doch auch in umgekehrter Richtung funktioniert der Güteraustausch. Und im Exportgeschehen nehmen Schwellenländer eine doch immer wichtigere Rolle ein.

txt: Rino Borini] Chinesen mögen Haushaltskaffeemaschinen von Jura, dem Marktführer in China. Die Bauern in Argentinien setzen Dünger und Pflanzenschutzmittel des Schweizer Agrarunternehmens Syngenta, dem grössten Pflanzenschutz- und Saatgutkonzern der Welt, ein. Die in Altstätten beheimatete Rotorcraft AG beliefert grosse indische Textilproduzenten mit Komponenten und Zusatzmodulen für deren Spinnmaschinen. Die Welt wächst zu einem einzigen Markt zusammen. Daran beteiligt sich nebst den neuen Wirtschaftsgiganten China, Indien ›››

MUTTER HELVETIA AUF DER WELT GANZ GROSS > punktmagazin.com 39


iPUNKT

und Lateinamerika auch die Schweiz. Die BRIC-Staaten nehmen einen zunehmenden Einfluss auf das Wachstum der Schweizer Wirtschaft. Die Wichtigkeit dieser neuen Grossmächte hat sich in den letzten Jahren deutlich im Schweizer Aussenhandel niedergeschlagen. Allein die Exporte Richtung Brasilien, Indien und China sind in den Jahren 1990 bis 2005 um 614 Prozent (durchschnittlich rund 53 Prozent per annum) gewachsen. Währenddessen legten die gesamten Ausfuhren um immerhin 134 Prozent zu. Exporte brechen ein Hohe Wachstumsraten über die letzten Jahre kamen insbesondere aus den Transformations-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Insgesamt bestimmen diese drei Ländergruppen über 25 Prozent des Schweizer Aussenhandels und tragen somit massgeblich zu einem positiven Handelsüberschuss bei. Doch die aktuelle Misere an den Weltmärkten spürt auch die Exportindustrie. Die Wirtschaftskrise hat die jungen Nationen ebenso getroffen und wirkt sich nun auf die eidgenössische Exportwirtschaft aus. In den ersten beiden Monaten 2009 knickte der helvetische Aussenhandel buchstäblich ein. So reduzierten sich die Exporte um 14,2 Prozent. Darunter leiden alle Branchen, am stärksten dabei die Metall-, Textil- und Kunststoffindustrie. Damit überhaupt Schweizer Unternehmer besser und effizienter mit den jungen Volkswirtschaften «geschäften» können, sind Freihandelsabkommen bedeutungsvoll. Jüngst sind mit Chile, Kroatien, Ägypten, Israel, Libanon, Mexiko, Marokko, Palästina, Korea, Tunesien, Jordanien, Türkei, Botswana, Lesotho oder auch Namibia neue Abkommen abgeschlossen worden. Das zeigt die Wichtigkeit der kommenden aufstrebenden Nationen. Diese Staatsverträge ermöglichen nun den hiesigen Firmen einen stabilen und rechtlich abgesicherten Zugang zu diesen Märkten. Dadurch sind die Wege ziemlich geebnet für den freien Transfer von Gütern und Dienstleistungen. Schweizer Pionierarbeit Doch schon viel früher haben Schweizer Unternehmen ihre Fühler über die Landesgrenze ausgestreckt. So gehörten die Eidgenossen etwa zu den ersten, die sich im Rahmen der Liberalisierung der verschiedenen EmMas dort ansiedelten. Dabei konzentrieren sie sich auf hochspezialisierte Produkte mit dem Gütesiegel «... of Switzerland». Mittlerweile begegnet man rings um den Erdball Schweizer Qualitätsprodukten, vermehrt auch in den jungen Volkswirtschaften. In Santiago de Chile wird mit dem «Costanera Center» derzeit auch das höchste Gebäude Lateinamerikas errichtet, in dem unter anderem eine ge-

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waltige Shoppingmall untergebracht ist. Damit Touristen, Geschäftsleute wie auch Einheimische sich bequem von Stockwerk zu Stockwerk bewegen können, sind Fahrtreppen mit dem Prädikat «made in Switzerland» im Einsatz. Wer in den Wohnhäusern der nationalen koreanischen Wohnbaugenossenschaft in Südkorea lieber den Aufzug als die Treppe benützen will, nutzt dabei also ein Qualitätsprodukt Helvetias. Die Hotelgäste im «Nha Trang Center» in Vietnam können sich bequem mit Personenaufzügen, die aus der Innerschweiz kommen, fortbewegen. Macher dieser Mobilitätshilfen ist Schindler, der führende Lifthersteller der Welt. Das im Jahre 1874 gegründete Unternehmen zählte zu den ersten Firmen, die sich rechtzeitig auf die Macht der EmMas einstellten. PUNKTmagazin hat in der Ausgabe #12 rund um China ausführlich darüber berichtet. Schindler trotzt der Krise Bereits anfangs 80-er Jahre hatte der Schweizer Aufzugfabrikant das erste Joint-Venture zwischen einem chinesischen und einem westlichen Betrieb abgeschlossen. Dieser frühe Schritt zeigt sich auch in der erfolgreichen Entwicklung des Innerschweizers Liftbauers. Das Jahr 2008 brachte Schindler ein Rekordergebnis. Jedoch wird das Aufzugsgeschäft typischerweise erst spät im Zyklus betroffen. So wird 2009 der Auftragseingang durchaus in Mitleidenschaft gezogen. «Für Schindler sind die schnell wachsenden Märkte von grosser Bedeutung. Wir bauen laufend unsere lokale Präsenz in diesen Ländern aus», so Ivo Zimmermann, dortiger Pressesprecher. Schon Peking rief nach dem helvetischen Aufzugbauer. Mit Fahrtreppen und Aufzügen hat das Unternehmen sogar schon ein Vogelnest, sprich das chinesische Nationalstadion ausgestattet. Apropos: «the Bird’s Nest» wurde von den Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron entworfen. Die Aktionäre von Schindler waren bislang gut bedient, haben sie doch während der letzten zehn Jahre knapp 125 Prozent Kursgewinne einstreichen können. Währenddessen steht der Swiss-Performance-Index (SPI) mit 10 Prozent in der Kreide. Doch damit noch nicht genug, auch gehbehinderte Menschen in den Schwellenländern benötigen einfachere Zugänge zu Gebäuden und Veranstaltungsorten. Und die Lösung bringt eine Schwyzer Firma. «Swissness» für alle Während den Olympischen Spielen in Peking mussten gehbehinderte oder auf den Rollstuhl angewiesene Besucher nicht auf den Komfort verzichten. Komfortgeber war die in Goldau ansässige Garaventa Lift Gruppe. Durch die 40-jährige Erfahrung und sprichwörtliche «Swiss Quality» konnte sich der Schwyzer Betrieb gegen die gesamte interna-

tionale Konkurrenz durchsetzen. Aber nicht nur China will der Welt zeigen, dass seine Aufmerksamkeit auch den Behinderten gilt. Ob Santiago de Chile, Seoul oder Mexico City, die 413 Mitarbeitende zählende GaraventaBelegschaft baute auch in diesen Städten Zugangssysteme für Personen mit Mobilitätsproblemen. «Infrastruktur» ist eines der Stichworte, um lukrative Aufträge der Schwellenländer zu ergattern. Im Frühjahr 2008 wurde zum Beispiel in der südindischen Metropole Bangalore ein neuer internationaler Flughafen eröffnet. Doch bis es soweit war, gab es einige Hürden, die der ehemalige Flughafenchef, der Schweizer Albert Brunner, in Angriff nehmen musste. So hatte unter anderem die indische Regierung schlichtweg vergessen, eine Autobahnausfahrt zum Flughafen hin zu bauen. Geplant, entworfen, realisiert und betrieben wird die neue indische Flugdrehscheibe unter Schweizer Führung. An diesem Airport ist der Flughafen Zürich mit 17 Prozent beteiligt und sicherte sich bis zum Jahre 2015 die Verträge für den Betrieb des Flughafens. Auch der Zementkonzern Holcim zählt auf die EmMas. Trotz einer Abschwächung der Märkte blieb der Schwung in den aufstrebenden Ländern vielerorts erhalten. So etwa in Ostund Südosteuropa, Lateinamerika, Afrika oder Asien. Mittlerweile tragen diese Staaten über 75 Prozent zum Gesamterfolg Holcims bei. Auf der einen Seite ist diese hohe Exposition ein Risiko, doch die Wachstumsaussichten sind auf mittlere und lange Frist allerdings intakt. Hebelkraft in Schwellenländern Dasselbe gilt auch für den «Global Player» Nestlé. Der Konzern weist dank einer weltweiten Präsenz eine hohe Krisenresistenz auf. Seit vielen Jahrzehnten ist der Schweizer Multi in den Schwellenländern tätig. Im letzten Jahr brachten die Verkaufserlöse aus diesen Ländern rund 35 Milliarden Franken ein.


Mit einem spezifischen Businessmodell, das sich an einkommensschwächere Konsumenten in Schwellenländern richtet, lancierte Nestlé vor über zwei Jahren eine Produktlinie unter dem Namen «Popularly Positioned Products» (PPP). PPP umfasst hochqualifizierte Erzeugnisse mit ausgewogenen Nährwertgehalten zu täglich erschwinglichen Preisen. Sie erhöhen derweil mit über fünf Milliarden Franken den Gesamtertrag und wuchsen im letzten Jahr mit mehr als 25 Prozent. Der Konzernchef Paul Bulke schätzt das Marktpotenzial auf über 70 Milliarden Dollar. Dank einer starken Präsenz und der rasch wachsenden Bevölkerung mit einer bisher nicht gekannten Kaufkraft sieht er eine Hebelkraft, die es zu nutzen gilt. Übrigens gehört in das Nestlé-Sortiment der Welthit «MaggiWürze», erfunden von dem Schweizer Julius Michael Johannes Maggi. Hebeleffekte in den asiatischen Schwellenländern nutzt auch der Sanitärtechniker Geberit. Insbesondere China, Vietnam und Indonesien ermöglichen der in Jona ansässigen Firma zweistellige Wachstumsraten. So verkündete das Unternehmen im Oktober 2008, rund 20 Millionen Franken in China zu investieren. Trotz der weltweiten Baisse, die auch beim europäischen Marktführer für Sanitärtechnik zu einem Umsatzrückgang führte, konnten im letzten Jahr Länder in Zentral-/Osteuropa, in Fernost/ Pazifik und in Nahost/Afrika zweistellige Umsatzzuwachsraten beisteuern. Führend ist die Schweiz aber bekanntlich ebenso im Pharma-, Uhren- und Schokoladegeschäft (siehe auch Seite 45ff.). Und genau diese Branchen profitieren langfristig von der starken Nachfrage der neuen Volkswirtschaften, leiden aber kurzfristig unter der kränkelnden Wirtschaftslage. Standort Schweiz für Schwellenländer Aber nicht nur als Exportnation will die Eidgenossenschaft von den jungen Volkswirtschaften profitieren. Helvetia profitiert auch im Tourismus oder als Europahauptsitz für Unternehmen. Mit der einmaligen Lage im Herzen Europas ist «unser Land» ein Zentrum internationaler Handels- und Finanzgeschäfte. Zudem helfen die politische Stabilität, die soziale Sicherheit und ein wettbewerbsfähiges Steuersystem. Diese Vorteile haben sich bereits westliche Unternehmen wie Procter & Gamble, IBM, Kraft Foods, Google oder Dow Chemical zunutze gemacht. Nun hat Mutter Helvetia ein Auge auf die asiatischen Firmen geworfen. Denn bis heute legten asiatische Multis ihren Fokus auf ihre Heimmärkte und die umliegenden Regionen. Sollte es die Schweiz schaffen, in den nächsten 10 bis 15 Jahren rund 120 regionale Hauptsitze zu errichten, würde dies zu einer Steigerung des BIP um zwei bis vier Prozent führen – und etwa 55 000 bis 120 000 neue Arbeitsplätze schaffen.

FEDERN AUF DEM KOPF UND BANANEN IM GARTEN txt: KHC] In welch exotischen Zeiten wir uns doch gerade befinden. Planet Terror? Nein, aber ein bunt gemischter Fruchtsalat ohne beigemischte künstlich Versüssungsmittel – dafür mit speziell hohem Bananenanteil. Unser System versagt. Die neue Welt rutscht Stück für Stück über den Rand unser aller Früchteschale in das dunkle Nichts. Geschätzte Flugzeit in den Abgrund? Zwei bis drei Ewigkeiten? Spekulativ ... Die alte Welt übt sich indes in Schadenfreude, hätte sie doch beinahe dasselbe Schicksal erleiden müssen. Rettungsversuche? Ja. Und was für welche. Die allgemeine Wirtschaft ziert sich weiterhin, elementare Lehren aus den getätigten Fehlern zu ziehen, schichtet fortzu weiter gewichtiges Material auf ein marodes Fundament und bringt so unsere ohnehin schon ungleiche Welt noch mehr ins Wanken. Die Politik agiert nicht. Nein, sie verdingt sich ausschliesslich mit der Reaktion, unser irreparables Gefäss so gut es irgendwie geht zu kitten. Aufkeimende Hoffnung? Ja, die gibt es. Die Zuversicht – auf ein sich eventuell darunter befindendes Rettungsboot vielleicht – ist da. Unser System hat versagt, und doch will es keiner wahrhaben. Die Fragen, die wir uns nun stellen sollten: «Wollen wir die Existenz eines Auffangbeckens dem Zufall überlassen?» «Und sollte uns der Zufall tatsächlich wohlgesinnt sein, nehmen wir jegliche Beschaffenheit unserer Rettungsutopie, und sei sie noch so fragil, in Kauf?» Wo bleibt bloss die innovative Ideenschmiede der weltlichen Regierungen, der studierten Eliten in Wirtschaftsökonomie und Marktwirtschaftsingenieurskunst? Stattdessen erstellt man richtig tolle schwarz-grau-weisse Listen, und aus dem Hochstand der Überheblichkeit «schiesst man fleissig mit Schrot». Halt, war es nicht das Fort Yuma? Ist egal, auf alle Fälle setzte uns der grosse nordische Bruder einen schönen Federschmuck auf unser aller Haupt und gab uns zum Abschuss frei. Waidmanns heil! Soll einer in der heutigen Zeit behaupten, Politik und Wirtschaft seien zweierlei. Mit welchen bunten Geschichten wurden wir nur schon aus der nationalen Politik eingedeckt, und was für welche müssen wir zukünftig noch schmerzhaft erdulden? Das Departement für auswärtige Angelegenheiten schrieb einen Liebesbrief an den OECD-Generalsekretär, der aber nie verschickt wurde – jedoch trotz allem via Sonntagspresse das Licht der Öffentlichkeit er«blick»te. Beschuldigt wird das jüngst gekürte Kabinettsmitglied respektive sein Departement. Das VBS

KOLUMNE iPUNKT

habe im Mitwissen der Wirtschaftsministerin diesen löblichen Brief der Presse zugespitzelt. Bei derartigen brisanten Intrigespielchen wünscht man sich gleich den Polterer aus Herrliberg zurück?! Der Neu-SVP-Bundesrat spielt seine Spielchen da doch eher einfacher oder mit gänzlich offenem Blatt. Er tauschte seinen Dienstwagen temporär gegen ein französisches Gefährt, ein spielerischer Protest. Daraufhin stieg sogleich der arabische Staatsfonds IPIC mit rund zwei Milliarden Euro (Aktienanteile von 9,1 Prozent) beim Stuttgarter Autobauer Daimler ein. Zusammenhängende Verschwörungstheorien sind, zumindest in diesem Fall, wohl auszuschliessen. Um den Finanzminister ist es nicht besser gestellt, watet er doch ebenfalls durch stark verschmutztes Gewässer. Der schier aussichtslose Kampf zur Rettung unseres Bankgeheimnisses und zum Vermeiden des (schwarzen) Listeneintrages hinterliess Spuren. Zumindest Letzteres konnte noch vermieden werden. Die Schweiz ist nun aber wirklich kein weisser Fleck mehr auf der Weltwirtschaftskarte. Aber Grau ist halt eben doch auch der kleine Bruder von Schwarz. Und als ob das noch nicht genug wäre – nun drohen unserem Finanzminister auch noch die 400 Bundeshaus-Putzfrauen während der Sommersession mit Streik. Grund dafür ist das laufende Spar- und Reorganisationsprogramm. Wer kehrt denn nun all den politischen Mist, der momentan in der Bundeshauptstadt produziert wird? Soll ein in die Schweiz zurückgekehrter Wachmann in die Bresche springen? Dieses bunte Treiben kräuselt mein Haar gewaltig. Schöner Nebeneffekt dieser Parodie: Wir Schweizer sind nun offiziell «exotisch»! Endlich darf ich ohne schlechtes Gewissen die Früchte meiner als Tannen getarnten Bananenpalmen ernten und in meinen täglich frischen Fruchtsalat schnetzeln.

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STIMMUNGSBILD

DIE INDEXWELT DER PIONIERMÄRKTE txt: Olivier Bühler] Anleger, die einen zusätzlichen Portfolio-Kick suchen, können diesen mittels Pioniermarkt-Engagements erreichen. Für diejenigen Investoren, die sich nicht selber mit den einzelnen Märkten auseinandersetzen wollen, haben einige etablierte Indexanbieter eigens ein Barometer, das eine Selektion dieser Staaten spiegelt, zusammengestellt.

Führender Börsenbarometer-Anbieter Es ist nicht erstaunlich, dass gerade MSCIBarra als weltweit grösster Indexanbieter eine Serie von Indizes auf Pioniermärkte lanciert hat. Getreu ihrer Methodik werden als Erstes Länderindizes erstellt, die dann in Regionalindizes zusammengeführt werden. Berücksichtigt werden diejenigen Staaten, die gemäss MSCI (Morgan Stanley Capital International) für internationale Marktteilnehmer offen und zugänglich sowie nicht bereits im Universum der industrialisierten respektive Schwellenländer einbezogen sind. Wie bei allen MSCI-Länderindizes wird dabei eine 85-prozentige Abdeckung des investierbaren Aktienuniversums angestrebt. Der Dachindex ist der MSCI-Frontier-Market-Index (siehe dazu «Risikomärkte mit Verve», Seite 24ff.). Berücksichtigt werden 22 Staaten und 177 Firmen. Ein klarer Vorteil der MSCIIndex-Familie ist, dass sie zum einen in verschiedenen Währungen wie auch als Kursund Performance-Index offeriert werden. Im Falle der Pioniermärkte bietet MSCI auch eigens zusammengesetzte Indizes aus dem Bereich der industrialisierten Nationen wie aus dem Universum der Schwellenländer.

Für einige Anleger ist der Reiz der etablierten Schwellenländer bereits zu gering. Sie suchen neue Gefilde, wo sie zusätzliche Renditen generieren können, mit höherem Risiko. Etablierte Index-Anbieter wie MSCI-Barra, S&PIndizes oder auch FTSE tragen diesem Umstand Rechnung.

bau, im Bodentransportwesen, im Flugzeugbau, in der Herstellung von Waffen und Munition tätig sind. Die Indexzusammensetzung wird jedes Quartal neu berechnet, um sicherzustellen, dass alle Komponenten in etwa die gleiche Gewichtung aufweisen. Doch es ist nicht nur die Rüstungsbranche, die im Fokus steht, auch Infrastruktur im Allgemeinen steht in der Anlegergunst ganz weit oben. Der «Gas-Zwist» zwischen der Ukraine und Russland nach Europa zu Beginn dieses Jahres macht deutlich, wie wichtig eine geregelte Infrastruktur ist. In dem Fall wäre wohl eine alternative Pipeline oder ein anderer Lieferant die Lösung. Die aktuelle Wirtschaftskrise veranlasst Regierungen, die Wirtschaft im eigenen Land anzukurbeln mittels Aufträgen für die Instandstellung von Strassen, Bauten, Leitungen und so weiter.

100 Millionen Dollar betragen und der tägliche Umsatz über die vergangenen sechs Monate darf nicht kleiner sein als eine Million «Greenbacks». Zudem müssen die Titel auch für die internationale Investorenschar zugänglich sein. Zurzeit sind folgende Staaten im Index eingebettet: Bahrain, Georgien, Jordanien, Kasachstan, Kolumbien, Kroatien, Kuwait, Nigeria, Oman, Pakistan, Panama, Rumänien, Vereinigte Arabische Emirate, Vietnam und Zypern. Der Index wird auf täglicher Basis in Dollar berechnet und ist als Preis- und als Total-Return-Index erhältlich.

VIEL AUFHOLPOTENZIAL VORHANDEN (KURSINDEX IN PT.)

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650 500 350 200 04.2005 MSCI-Frontier-Markets-Index

42 PUNKTmagazin N˚ 19/09

04.2009

1250 1000 750 500 12.2007 S&P-Select-Frontier-Index

04.2009

Quelle: Telekurs Grafik: fmAG

EINE GEWISSE BERUHIGUNG (KURSINDEX IN PT.)

1250

Quelle: Telekurs Grafik: fmAG

TALFAHRT VORERST GESTOPPT (KURSINDEX IN PT.)

Quelle: Telekurs Grafik: fmAG

Infrastrukturen braucht es immer Es sind Gesellschaften, die unter anderem in der Flugzeugtechnik, der Radar- und spezialisierten Kommunikationstechnik, im Schiffs-

100-Millionen-Marktkapitalisierung Auch der von Standard & Poor’s lancierte Index zielt auf jene Anleger, die ähnliche oder höhere Renditen – als dies in den bereits gestandenen EmMas der Fall ist – erzielen wollen. Der S&P-Select-Frontier-Index setzt sich aus 40 der liquidesten Aktien zusammen, die den Massgaben der Schwellenmärkte nicht genügen. Die Titel werden nach der modifizierten marktkapitalisierten Gewichtung ermittelt und in das Barometer einbezogen. Die Gewichtung der einzelnen Gesellschaften wie auch die der berücksichtigten Staaten sind gekappt. Damit wird gewährleistet, dass kein einzelnes Unternehmen und kein einzelnes Land einen überdimensionierten Einfluss auf die Wertentwicklung haben. Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen die einzelnen «Werte» folgende Kriterien erfüllen: Die Marktkapitalisierung der handelbaren Aktien muss mindestens

FTSE-Frontier-50-Index Das vorgestellte Trio macht der FTSE-Frontier-50-Index komplett. Wie der Name andeutet, werden bei dieser Zusammenstellung die 50 (liquidesten) Titel aus dem Universum der Pioniermärkte berücksichtigt. Die einzelnen Volkswirtschaften müssen eine handelbare Mindestliquidität von 750 000 Dollar betragen, um dem engen Kreis der Indexfamilie anzugehören. Die Titel werden nach ihrem Kapitalmarkt im Streubesitz bewertet, damit denn auch lediglich effektiv handelbare Dividendenpapiere im Index Unterschlupf finden. Diese Aktien werden des Weiteren auch auf ihre Liquidität überprüft. Das berücksichtigte Universum enthält insgesamt 23 Staaten, wobei nur 14 von ihnen in den mehr oder weniger wohligen Schoss des Barometers fallen. Im Gegensatz zum S&P-Select-Frontier-Index werden weder die einzelne Titelgewichtung noch die Ländergewichtung gekappt. Der FTSE-Frontier-50-Index existiert, wie es bei den beiden vorangehenden Indizes ebenso der Fall ist, als Kurs- und als TotalReturn-Index. Berechnet wird auch dieser in Dollar. Lanciert wurde er übrigens Ende Juli 2008 mit einem Basiswert von 1000.

600 500 400 300 08.2008 FTSE-Frontier-50-Index

04.2009


FAZIT

Seit dem vierten Quartal 2008 befindet sich die Globalwirtschaft in einer schweren Rezession. Die Bruttosozialprodukte der etablierten Industrienationen werden schrumpfen. Davon bleiben auch die Schwellenländer nicht verschont. Doch auf lange Sicht anerbieten sich Chancen.

txt: Rino Borini] Die Schwellenländer, die in den vergangenen Jahren mit traumhaften Wachstumsraten aufhorchen liessen und mit teilweise hohen zweistelligen Aktienkursgewinnen für Furore sorgten, werden vom Konjunktureinbruch nicht verschont bleiben. Ein Novum ist, dass dies die erste Rezession ist, die alle Regionen gleichzeitig trifft. Somit kann keine Nation den Wirtschaftswachstumsmotor für die globale Konjunktur übernehmen, wie dies vor rund 12 Monaten noch von vielen Experten prophezeit wurde.

EmMas stehen auf jungen Beinen Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise treffen die schnell wachsenden Nationen umso härter. Dieses Indiz haben die EmMa-Börsen bereits vorweggenommen. So zählten viele dieser jungen Aktienmärkte im vergangenen Jahr zu den grössten Verlierern. Investoren haben ihr Kapital aus diesen Nationen massenhaft abgezogen, und die Kapitalströme aus den Industrienationen bleiben weiterhin versiegt. Dadurch sind auch exotische Währungen zunehmend unter Druck geraten. So verlor etwa die indische Rupie gegenüber dem Dollar beinahe 20 Prozent. Auch der brasilianische Real oder der russische Rubel erlebten einen rapiden Wertezerfall. Ebenso hat der jähe Rohstoffpreissturz – insbesondere bei Erdöl, Industriemetallen und Agrarrohstoffen – Russland und Lateinamerika hart getroffen. Dessen ungeachtet weisen viele der schnell wachsenden Regionen weiterhin positive Steigerungsraten auf, jedoch auf einem viel tieferen Niveau als in den Jahren davor. Aufgrund der soliden Rahmenbedingungen in einer wachsenden Zahl von «Take-offCountries» und des erwarteten strukturellen Wirtschafts- und Ertragswachstums bleiben viele dieser Nationen auf mittlere und lange

PLUS ...

Frist attraktiv. Doch aus Investorensicht ist die Auswahl der Schwellenländer anspruchsvoller geworden, denn einerseits hat sich die Produktpalette vergrössert, andererseits haben sich die Unterschiede zwischen einzelnen Nationen merklich ausgeweitet. Poleposition für Asien Zwei wichtige Argumente sprechen für Schwellenländer: Infrastruktur und Privatkonsum. Diese Kernelemente können sich gegenseitig positiv verstärken. Infrastruktur in Form von Strassen, Flug- und Seehäfen, Kommunikationsnetzen, Schulen, Krankenhäusern, Fabriken und Wohngebäuden legt den Grundstein für die Verstädterung und die damit folgenden Produktivitätssteigerungen sowie den steigenden Konsum. Teilweise sehr gut positioniert sind asiatische Tigerstaaten. Allein 61 Prozent der Wirtschaftsleistung in den Schwellennationen wird aus dem asiatischen Raum generiert. Zudem sprechen für gewisse Tigerstaaten das hohe Bevölkerungswachstum sowie die Nähe zu den grossen Nationen China und Indien. Ebenfalls ein Erfolgspunkt liegt in der verantwortungsvollen Finanzpolitik. Insbesondere China kann sich auf milliardenschweren Währungsreserven «ausruhen» und hat damit strategisches Kapital, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Schreckgespenst Osteuropa Gefährlich, ja sogar toxisch sind derzeit gewisse Teile Afrikas und osteuropäische Länder. Im Gegensatz zu anderen Volkswirtschaften haben die aufstrebenden Staaten im Osten wenig Geld, um Konjunkturprogramme aufzulegen. Sie können kaum ihre üblichen Ausgaben finanzieren. Osteuropas Staaten haben in Aufschwungzeiten einen kapitalen

Fehler begangen. Sie haben sich bei westlichen Nationen verschuldet und jahrelang auf Pump gelebt. Diese Staaten führten jahrelang mehr Waren aus dem Ausland ein, als sie selber exportierten. Sie kurbelten den Inlandkonsum mit Krediten an. Wachstum, das nicht erarbeitet war, Wachstum auf fremde Kosten. Aber dieser Teil Europas präsentiert sich extrem unterschiedlich. So werden wohl einige Nationen (Slowakei, Polen oder Slowenien) den Weg aus der Krise schneller schaffen als zum Beispiel Rumänien, Bulgarien oder das ehemalige Jugoslawien. Allerdings lassen sich auch einige Punkte finden, die gegen ein EmMa-Investment sprechen.Viele Unternehmen in diesen Märkten haben eine vergleichsweise geringe Liquidität und offenbaren auch im Bereich Unternehmenstransparenz erhebliche Defizite. Toxisch ist zuweilen anziehend Negativ sind zudem die meist instabilen Politverhältnisse in einigen Regionen. Anleger, welche die Hausse 2003 bis 2007 verpasst haben oder das eigene Portfolio in Schwellenländeraktien gegenwärtig untergewichtet haben, bietet das Jahr 2009 eine gute Gelegenheit zum Einstieg – sofern man die nötige Geduld mitbringt. Doch die Risiken sind fast durchs Band ungewohnt hoch. Aber für einen international orientierten Investor, der sein Portfolio breit streuen möchte, gehören diese teils «toxischen» Aktienmärkte auf den Radar. Eine alte BörsianerRegel besagt, man solle immer dann in einen Markt einsteigen, wenn die Kurse richtig niedrig sind und eigentlich alles gegen diesen spricht. Für Anleger, die sich an eine solche Maxime halten, sind nun wohl einige Schwellenländer genau das Richtige, aber bitte mit langem (Anlage-) Schnauf.

MINUS ...

> punktmagazin.com 43


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N-11-Core-8 (Total Return) Index: Next-11-Core-8-Index is the exclusive property of Goldman Sachs International, which has contracted with Standard & Poor’s® (“S&P®“) to maintain and calculate the Index. Goldman Sachs International and S&P® shall have no liability for any errors or omissions in calculating or publishing the Index. DAXglobal® BRIC Price Return Index: DAX® and DAXglobal® are registered trademarks of Deutsche Börse AG. This financial instrument is neither sponsored nor promoted, distributed or in any other manner supported by Deutsche Börse AG (the Licensor). Neither the publication of the Index by the Licensor nor the granting of a license regarding the Index as well as the Index Trademark for the utilization in connection with the financial instrument or other securities or financial products, which derived from the Index, represents a recommendation by the Licensor for a capital investment or contains in any manner a warranty or opinion by the Licensor with respect to the attractiveness on an investment in this product. INFRAX® Infrastructure Index (Performance): INFRAX® Infrastructure Index is a registered trademark of Goldman Sachs. Standard & Poor’s® and S&P® are registered trademarks of The McGraw-Hill Companies, Inc. and have been licensed for use by Goldman Sachs International. The certificates are not sponsored, endorsed, sold or promoted by S&P® and S&P® makes no representation, warranty or condition regarding the advisability of investing in the certificates. Garantin: The Goldman Sachs Group, Inc.; Rating der Garantin: A1 (Moody’s) /A (S&P®); Art der Garantie: unwiderrufliche, unbedingte Zahlungsgarantie; Emittentin: Goldman Sachs International; Lead-Manager: Goldman Sachs Bank AG Dieses Inserat stellt keinen Emissionsprospekt im Sinne von Art. 652a resp. 1156 OR dar. Dieses Inserat erscheint ausschliesslich zum Zweck der Information über die im Inserat aufgeführten Produkte. Die Produkte qualifizieren nicht als Anteile einer kollektiven Kapitalanlage im Sinne des Bundesgesetzes über kollektive Kapitalanlagen (KAG) und sind daher auch nicht der Aufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) unterstellt. Die Anleger sind dem Bonitätsrisiko der Emittentin bzw. der Garantin ausgesetzt. Anleger sollten vor Erwerb eines Produktes die Ausführungen im Termsheet und im Offering Circular bestehend aus dem Programme for the Issuance of Derivatives (http://www.goldman-sachs.ch/content/legal_basis/default/nav_id,19/) und dem jeweiligen Pricing Supplement zu den Chancen und Risiken (einschliesslich des emittenten- und gegebenenfalls produktspezifischen Totalverlustrisikos) lesen und etwaige Fragen mit einem Finanzberater besprechen. Sämtliche Angaben sind ohne Gewähr. Goldman Sachs Bank AG, Public Distribution, Münsterhof 4, Postfach, CH-8022 Zürich, Telefon: +41 (0)44 224 1144, Telefax: +41 (0)44 224 1020, www.goldman-sachs.ch, E-Mail: swisswarrants@gs.com © Goldman Sachs, 2009. All rights reserved.


PRODUKTE

DER LABYRINTH-FÜHRER ger empfänglich» verhält (unter anderem Schweden, Schweiz, Dänemark)? Vor diesem Hintergrund offeriert PUNKTmagazin einmal mehr spannende, höchst unterschiedliche, nicht abschliessende und aber prägnant geschriebene Investorenhäppchen. Sie sollen aber nicht den kurzfristigen, sondern vielmehr den langfristigen Hunger stillen. Die Marktverwerfungen verschonen auch die scheinbar gestandenen Anlageplätze nicht. Eine richtige Strategie, Ausdauer, Nervenstärke, Überzeugung und das nötige Quäntchen Glück dürften den Investor jedoch auf den richtigen Weg bringen.

ANLAGE-KNABBERSPASS txt: CS] Schokolade wird seit Jahr-

hunderten gegessen. Schokolade pinselt den Bauch, lässt diesen manchmal aber auch rasch wachsen, und den Zähnen ist dieser Knabberspass nicht sonderlich zuträglich. Um Schokolade ranken sich überdies etliche Mythen. Man ist sich heute beispielsweise noch nicht einig, ob und wie sehr Schokolade den Serotoninspiegel in die Höhe treibt und damit Glücksgefühle entstehen lässt. Es ist überdies nicht zu 100 Prozent erwiesen, dass Luststeigerndes oder gar Psychedelisches mit dem Schokoladenverzehr einhergehen. Tatsache aber ist, dass mit «Schoggi» Geld gemacht werden kann. Die Filmtraumschmiede (Hollywoods Charlie

and the Chocolate Factory), die Modewelt (Schokoladenkreationen von Sonja Rykiel und JeanPaul Gaultier) oder der Tourismus (Schokoladenhotel in den USA) sind nur wenige Beispiele für eine selten gesehene Geldvermehrungsmaschine. Bitter-süsser Ausblick Der Anleger, der frustrierende Börsenphasen vergessen machen will, kann sich zur Abwechslung natürlich einen Film anlugen, ein «süsses» HauteCouture-Kleid kaufen oder aber er kann ein Finanzengagement eingehen. Letzteres dürfte gar mehr bieten als Ablenkung oder Frustrationsbewältigung. Die mehr oder weniger exotischen

Volkswirtschaften (allen voran China, Indien und Russland) stürzen sich noch immer stark auf das Schweizer Klischee Nummer eins. Davon profitiert etwa der in Kilchberg angesiedelte Schokoladier Lindt & Sprüngli. Im vergangenen Jahr wurde ein weiterer Rekordgewinn erzielt und auch wenn im Jahr 2009 gemäss eigener Aussage alles andere als rosige Ergebnisse erzielt werden, dürften die jetzt eingeleiteten Strukturierungsmassnahmen wunderbare Früchte tragen. Dies aber erst, wenn denn auch die Märkte wieder anziehen. Gute Ausgangsposition Bislang wurden die stark in die Höhe geschnellten Rohstoffprei-

DREI G7-STAATEN IM FOKUS txt: CS]Weshalb in die Ferne schwei-

fen, wenn vieles so nah liegt? Exotik ist ohnehin ein beflügeltes Wort, uns vertraute Begrifflichkeiten oder Länder mausern sich urplötzlich zu einer Fremdartigkeit: Italien. «Das Stiefelland» ist korrupt, Transparency International (TI) sei Dank. Per Ende 2008 belegt Italien den 61. Rang und ist damit rückständiger als etwa Chile, Uruguay, Barbados, Slowenien, Estland, Zypern, Botswana, Mauritius, Costa Rica, Slowakei, Malaysia, Südafrika oder Griechenland. Ins positive Licht rückt sich Italien dafür im Bereich der Solarenergie. Das Land gehört zu den attraktivsten Investitions-

standorten, etwa für die internationale Photovoltaik. Es ist so gesehen auch nicht zwingend verwunderlich, dass einer der Photovoltaikpioniere, Alessandro Giuseppe Antonio Anastasio Graf von Volta, aus Como in Italien stammt. Ach ja, der Adelige hat übrigens die Batterie erfunden. Weniger erfinderisch (F&E-Aktivitäten [Forschung und Entwicklung]) scheint dagegen Frankreich zu sein. Anlegerpopularität Gemäss OECD liegt «La France» unter dem von ihr kalkulierten Durchschnitt. Dafür aber ist die Nation eine wahre Brutstätte von fantastischen Schriftstellern, Phi-

losophen und Dichtern. So zum Beispiel Albert Camus, Charles Baudelaire, Antonin und Marcel Proust, Jean-Paul Sartre – aber auch der ewig stänkernde Michel Houellebecq ist ein Schreibvirtuose. In Bezug auf das Fernsehen darf an dieser Stelle liebend gerne das famose Duo JeanPierre Jeunet und Marc Caro erwähnt werden. Frankreich ist bei der internationalen Anlegergemeinde äusserst beliebt. Per Ende 2007 gehörte das Land gemäss Jahresbericht der Unctad mit 158 Milliarden Dollar zur drittpopulärsten FDI-Nation (Auslandsinvestitionen). Amerika und Grossbritannien belegen die beiden vorderen

se durch mehr Effizienz, tiefere Personalaufwendungen sowie Einsparungen in der Logistik wettgemacht. Die Notierungen der Commodities wie Kakao sind inzwischen aber wieder extrem zurückgekommen. Lindt & Sprüngli ist also bestens positioniert und dürfte nach dem «Übergangsjahr 2009» zu weiteren Höhenflügen ansetzen. Ach ja, der Konzernchef stellte jüngst eine Dividendenrendite von über 9 Prozent in Aussicht! SÜSSE PRODUKTE Aktien

Ticker

Lindt & Sprüngli

CH0010570767

Div. %

2.19

Barry Callebaut

CH0009002962

2.12

Nestlé

CH0038863350

4.00

Kraft Foods

US50075N1046

Strukturierte Produkte

Ticker

Chocolate-Basket

CH0045275671

5.21 Anbieter

Vontobel

Quelle: Telekurs, div. Anbieter Grafik: fmAG

txt: Rino Borini & Cyril Schicker] Einen derzeitigen Einstiegspunkt in die anlagetechnische Exotik können sich viele Marktteilnehmer absolut nicht vorstellen. Doch die Frage muss nicht zwingend in Richtung Timing gehen, sondern sie muss vielmehr die Antwort nach der wahren Exotik suchen. Denn was genau ist Exotik? Und ist Exotik nicht absolut subjektiv(siehe auch «Gedankengang», Seite 33)? Der G-7-Exponent Italien als Beispiel ist korrupt und gemäss Transparency International sogar rückständiger als etwa Botswana, Zypern oder Costa Rica. Und ist ein bestechliches Land exotischer als eines, das sich «weni-

Plätze, Helvetia ist auf dem neunten Platz anzutreffen. Ein allgemeiner FDI-Rückgang von bis zu zehn Prozent wurde im selben Atemzug aber ebenso in Aussicht gestellt. Rohstoffriese Ausser der Sprache hat Kanada mit seinen gut 33 Millionen Einwohnern nicht viel mit Frankreich gemeinsam. So oder so, der nordamerikanische Staat verfügt über die wichtigsten «Commodities» – unter anderem Nickel, Weizen, Zink, Kupfer, Gold, Blei, Silber, Holz, Kohle, Erdöl, Erdgas, Molybdän – und leidet entsprechend stark, wenn sich deren Preise in die Tiefe verabschieden. Gemäss der Schweizer Botschaft in Ottawa hat sich jedoch der Rohstoffexport verringert, gegen- ›››

> punktmagazin.com 45


ping Agency) hat ihren Sitz in Montreal, und selbst der Unesco ist das kanadische Engagement eine Erwähnung wert. Stichwort Unesco: Kanada hat einiges an Listeneinträgen in Bezug auf das Weltkulturerbe vorzuweisen. Darunter fallen etwa der historische Stadtteil von Québec oder die Rocky Mountain Parks.

ÜPPIGKEIT GEGEN DIE KRISE txt: CS] Die Rolex-Gruppe hatte in

ihrer ganzen Geschichte nur gerade mal vier Generaldirektoren. Nach dem Gründer Hans Wilsdorf kam André Heiniger an Bord, der wiederum nach 29 Jahren von seinem Sohn Patrick abgelöst wurde. Neu ist der ehemalige Rolex-Finanzchef Bruno Meier mit der Führung des Unternehmens betraut. Das traditionsreiche und bislang sehr verschlossene Schweizer Aushängeschild kann auf ein erfolgreiches Jahr 2008 zurückblicken. Der Umsatz sei im zweistelligen Prozentbereich gewachsen, im ähnlichen Stile auch die Stückzahlen. Teilweise konnte sogar die hohe Nachfrage nicht auf Anhieb gedeckt werden. Bruno Meier sieht «seine» Er zeugnisse als wahren Fluchtwert in düsteren Zeiten. Viel weniger düster sieht der Swatch-CEO Nick Hayek die Zukunft. Hayek liess jüngst ver-

lauten, dass die Uhrenbranche in keiner Krise sei und auch keine schwere bevorstünde. Investitionshunger Spitzenprodukte und eine gute Positionierung der einzelnen Marken in allen Preisklassen ebnen dem Haus weiterhin den Weg zum Erfolg. Die SwatchGruppe werde auch in diesem Jahr ein leichtes Umsatzwachstum aufs Parkett legen, orakelt Hayek. Der Gewinn, dieser betrug 2008 rund 800 Millionen Franken, werde ebenfalls steigen. Kurzarbeit oder Entlassungen sind – wie wunderbar! – vorerst keine geplant. Es kommt noch besser, denn der Investitionshunger ist noch ungestillt. Für den F&E-Bereich (Forschung und Entwicklung) sollen 2009 rund 150 Millionen Franken aufgewendet werden, davon werden alleine in Shang-

hai deren 40 Millionen eingesetzt. Währenddem also Mitstreiter wie der Richemont-Konzert, dem Marken wie beispielsweise Cartier, IWC oder Piaget gehören, seinen Investitionsbedarf zurückschraubt, verhält sich die Swatch-Gruppe einmal mehr different. HNWI als Puffer Es kann natürlich gut sein, dass die momentane Lage erst mit Verzögerung auf den «HayekKonzern» übergreift, denn der grösste Absatzmarkt ist noch immer Europa. Der Uhrengigant hat seit Beginn und bis heute aber schon mehr als 350 Millionen «Zeitmesser» verkauft. Das ist eine Glanzleistung, die unter anderem dank den über den Erdball verstreuten Absatzmärkten zustande kam. Asien ist jetzt das neue Ziel und dürfte mitunter dazu beitragen, das Klumpenri-

DIVERSE ANLAGEPRODUKTE Aktien

Ticker

Solar-Fabrik

DE0006614712

Fonds / ETF

Ticker

Div. %

N.A. Anbieter

New Power Fund

LU0341712544

Sarasin

New Energy Fund

LU0124384867

BlackRock

Smart Energy Fund

LU0175571735

SAM

Aktien Frankreich

US50075N1046 Pioneer Inv.

Kanada (Lux) EF

LU0043389872

UBS

Quelle: Telekurs, div. Anbieter Grafik: fmAG

ohne Wimpernzucken, allerdings weiss niemand genau, wann die US-Einkaufmanie ein Ende finden wird. Kanada ist ebenso wenig über alle Zweifel erhaben wie andere G-7-Staaten, aber in vielerlei Hinsicht auch löblich. Beispielsweise im Kampf gegen das Doping-Ungemach. Die Wada (World Anti-Do-

siko Europa zu minimieren. Addendum: Die Experten sind sich nicht einig, ob gerade das Luxussegment, wo die SwatchGruppe ebenfalls aufgestellt ist, gegen rezessive Zeiten immun ist. Speziell die HNWI (High Net Worth Individuals) – deren Anzahl sich in der letzten Dekade von 4,5 Millionen auf 8,7 Millionen fast verdoppelt hat – seien resistent und natürlich kaufkräftig oder kauflüstern genug. Von daher ist es vielleicht möglich, mit einem geschickten LuxusEngagement wertvolle Renditepunkte einzuheimsen. LUXUSPRODUKTE Aktien

Ticker

Swatch

CH0012255151

4.25

Richemont

CH0045039655

6.60

Tiffany & Co.

US8865471085

Strukturierte Produkte

Ticker

Div. %

3.12 Anbieter

Luxury TR-Index

CH0030983255

ABN Amro

Luxury Goods

CH0038503964

Vontobel

Fonds / ETF

Ticker

EF Luxury Brands

LU0329429897

Anbieter

Julius Bär

Quelle: Telekurs Grafik: fmAG

über satten 40 Prozent Mitte der 60-er Jahre beträgt der Anteil ausgeführter Rohstoffe heute rund 20 Prozent. Es kommt erschwerend hinzu, dass ungefähr 80 Prozent der kanadischen Exporte Amerika erreichen, dies entspricht einem Viertel des BIP. Die Vereinigten Staaten verschulden sich zwar

GANZ EINFACH DEN MARKT KAUFEN txt: RB] «Stock picking» – speziell

wenn es um Schwellenländer geht – braucht einiges an Fingerspitzengefühl. Die Frage stellt sich, ob Anleger mit Investments in riskante und wenig transparente Märkte wie beispielsweise Vietnam, Südafrika oder Malaysia nicht überfordert sind. Denn Engagements in diese Märkte erfordern vertiefte Marktkenntnisse. Zudem unterscheiden sich die jeweiligen Schwellenländer beträchtlich, und sie sind einem dauerhaften Reformprozess unterworfen. Um also von bösen Überraschungen – so gut es geht – auf Einzeltitelebene verschont zu bleiben, bieten sich diversifi-

46 PUNKTmagazin N˚ 19/09

zierte Anlageformen an. Dadurch ist ein Investor mit nur einer Transaktion bereits risikogestreut. Einfach der Benchmark folgen In der Schweiz sind einige hundert verschiedene Anlagefonds zum Thema Schwellenländer zum Vertrieb zugelassen (siehe Seite 48 «Produkteliste»). Diese versuchen durch geschickte Auswahl von Einzelanlagen ihre Benchmark zu schlagen. Kostengünstiger kann der fast gleiche Weg über Exchange Traded Funds (ETF) gehen. Sie bringen jedoch dem Investor nur die Marktrendite (Beta) und keinen zusätzli-

chen Profit (Alpha). An der Schweizer Börse sind ETF auf die wichtigsten Schwellenländerindizes verfügbar, wie aber auch auf einzelne Regionen wie zum Beispiel Osteuropa, Lateinamerika, Asien oder Afrika. Um von der Wachstumsstärke gewisser EmMas profitieren zu können, investiert man beispielsweise direkt in den breitgefächerten MSCI-EmergingMarket-Index. Der Index bildet die Wertentwicklung der globalen Schwellenländer ab. Insgesamt beinhaltet er 23 Länder, so etwa Ägypten, Brasilien, Taiwan, Südkorea, China, Mexiko, Russland et cetera. Die Deutsche Bank

bildet mit ihrem ETF den TotalReturn-Index ab, sprich die anfallenden Zinsen werden direkt in den Index reinvestiert. Der Indexfonds weist zurzeit eine Total-Expense-Ratio (TER) von 0,65 Prozent auf. Lyxor Asset Management dagegen bildet den Kursindex ab. Somit werden dem Investor jährlich die Dividenden ausbezahlt. Dieser ETF belastet ebenfalls eine jährliche Verwaltungsgebühr von 65 Basispunkten. Einzelne Länder im Fokus Auch die noch weniger entwickelten Staaten bieten langfristig attraktive Perspektiven. Um an der etwaigen Aufwärtsent-


DES SCHWEIZERS LIEBLINGE txt: CS] Erst kürzlich wurde eine spannende Studie – «European Trusted Brands 2009» – von Reader’s Digest auf den Markt geworfen. Die Untersuchung wird alljährlich wiederholt und besteht schon seit einiger Zeit. Genau gesagt wurde nun das neunte Mal in 16 Ländern ermittelt, welche Marken aus Konsumentensicht besonders vertrauenswürdig sind.

Dell’scher Überflieger PUNKTmagazin lugt im konkreten Falle durch die Brille der befragten Schweizer Konsumenten und sieht beispielsweise gestochen scharf, dass seit 2005 Volkswagen und Toyota (Automobile) jeweils den ersten Rang unter sich ausmachen. Volkswagen hat diesmal die Nase vorn.

Auffallend ist auch die Tatsache, dass gemäss dieser «Survey» Miele (Bereich Küchengeräte) nunmehr zum fünften Mal hintereinander Spitzenreiter ist. Das deutsche Unternehmen mit seinen rund 16 000 Mitarbeitern ist allerdings trotz aller Beliebtheit nicht börsenkotiert, entsprechend rasch wandert der Blick in Richtung «Personal Computer», denn dort ist der US-Hersteller Dell unangefochten an der Spitze. Doch «der Amerikaner» ist mit «dem Deutschen» (Miele) nicht alleine, wenn es darum geht, langjährig auf der Beliebtheitsskala ganz oben zu stehen. Investmentideen zuhauf Nokia (Mobiltelefone), Swisscom (Mobiltelefon-Netzanbieter), Ku-

oni (Reiseveranstalter),Visa (Kreditkarten), NeoCitran (Gegenerkältungsprodukt) aus dem Hause Novartis, Kellogg’s (Frühstückscerealien) oder Nivea (Hautpflege) vom Beiersdorf-Konzern stehen den beiden in nichts nach. Wenn es um Knabberspass geht, dann liebäugeln die Schweizer am ehesten mit Lindt & Sprüngli, mehr Informationen dazu lassen sich unter «An lage-Knab ber spass», Seite 45, nachlesen. Die Uhrenwelt wird durch Swatch abgedeckt, hierzu können Details auf der Seite 46 unter «Üppigkeit gegen die Krise» angeguckt werden. Sony steht für beliebteste Unterhaltungselektronik, und wohl jede «Bankenmama» dürfte das Finanzinstitut Raiffeisen gerne als Schwieger-

«GESCHÜTZTE» EMMAS txt: RB] Exotische Märkte reizen,

doch die Gefahren von Kursrückschlägen sind im Normalfall höher als bei westlichen Nationen. Trotzdem müssen defensiv orientierte Investoren nicht auf der Seitenlinie verharren, sondern können sich die Vorteile von kapitalgeschützten Produkten zunutze machen. Dabei ist anzumerken,

dass der Kapitalschutz bei einem möglichen Anbieterausfall nicht garantiert ist. Die aktuellen Marktverhältnisse – tiefe Zinsen und hohe Volatilitäten – machen es den Anbietern von kapitalgeschützten Produkten nicht einfach, attraktive Produkte anzubieten. Jedoch bietet der Sekundärmarkt das eine oder andere. So können Anleger geschützt von der BRIC-Story profitieren mit einem

Produkt der Zürcher Kantonalbank. Als Basiswert fungiert der S&P-BRIC-40-Index. Dieser Index investiert in 40 Unternehmen, die in den BRIC-Ländern aktiv sind. Der Investor profitiert von einem 100-Prozent-Kapitalschutz und einer Kurspartizipationsrate von 69 Prozent (ab Ausübungspreis), per Verfall. Bei Ablauf des Instruments am 20. Juli 2012 wird dem Käufer das gesamte nominelle Kapital zurückerstattet. Nebst breitgefächerten Indizes und Baskets sind auch verzeinzelte Börsenindizes verfügbar.

PRODUKTE

Franken-Zertifikat legte im gleichen Zeitraum um souveräne 27 Prozent zu – dank einem stärkeren Dollar (plus 7,3 Prozent gegenüber dem Franken). EMMAS-PRODUKTE Strukturierte Produkte

Ticker

ABN Chile Index

CHILC

ABN Amro

Anbieter

ABN Chile Index

CHILV

ABN Amro

Fonds / ETF

Ticker

Anbieter

MSCI Emerging Markets

LYLEM

Lyxor AM

S&P Frontier Markets

XSFR

DB

DAXglobal BRIC

MABI

ABN Amro

Quelle: Telekurs, div. Anbieter Grafik: fmAG

cherung sein. Das sogenannte Quanto gilt es nicht zu unterschätzen, denn sobald ein Investor in einen Index investiert, der nicht in der jeweiligen Portfoliowährung notiert, geht er automatisch ein (Zusatz-)Risiko ein. Ein exemplarisches Beispiel zeigen die beiden Trackerzertifikate der ABN Amro auf den Chile-Total-Return-Index. Investoren konnten im ersten Quartal 2009 über 15 Prozent Kursgewinne verbuchen. Das eine Produkt notiert in Dollar und konnte bis Ende März um 16,5 Prozent zulegen. Das

sohn haben wollen. Selbstverständlich gilt es diese Studie als nicht wirklich sakrosankt einzustufen, Anlageideen liefert sie aber zur Genüge, und alleine die Tatsache, dass Imagewerte inzwischen stärker von Faktoren wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit geprägt werden, lässt aufhorchen. MARKENPRODUKTE Aktien

Ticker

Kuoni

CH0003504856

Div. %

Novartis

CH0038459415

4.60

Nokia

FI0009005318

3.05

Dell

US24702R1014

0.00

Kellogg

US4878361082

Strukturierte Produkte

Ticker

5.33

3.62 Anbieter

Starke Marken

CH0042420221

Fonds / ETF

Ticker

ZKB

EF Leading Brands

LU0094988002

CS

Premium Brands

LU0217139020

Pictet

Global Brands

LU0111537121

Parvest

Anbieter

Quelle: Telekurs, div. Anbieter Grafik: fmAG

schon fast für jedes Schwellenland eine eigene Anlagelösung, verpackt in Form eines Trackerzertifikats. Diese spiegeln, gleich wie ETF, die Wertentwicklung des ausgesuchten Marktes eins zu eins. «Trackers» weisen jedoch im Gegensatz zu den Exchange Traded Funds ein Gegenparteienrisiko auf. Doch Trackerzertifikate haben einige Trümpfe im Ärmel. Einerseits reagieren sie rasch auf jegliche Marktgegebenheiten, andererseits sind sie oft äusserst attraktiv ausgestaltet. Letzteres kann beispielsweise eine integrierte Währungsabsi-

So findet ein Anleger einige «geschützte» Zertifikate auf China, Hongkong, Brasilien oder auch Indien. Das Zertifikat auf den DBIX-Indien-Index, emittiert von der Goldman Sachs, weist einen 100-Prozent-Schutz auf. Das bedeutet, dass er bei Fälligkeit im Jahre 2012 mindestens 100 Euro (das Instrument ist in Euro gehandelt) zurückbezahlt erhält. Zudem partizipiert er an steigenden Kursen zu 80 Prozent. EMMAS-VEHIKEL Strukturierte Produkte

Ticker

S&P-BRIC-40-Index

ZKB7F7

Anbieter

ZKB

DBIX-Indien-Index

INDEU

GS

Quelle: Telekurs Grafik: fmAG

wicklung zu partizipieren, können sich Anleger einfach und kostengünstig den ETF S&P-Select-Frontier ins Portfolio legen. Mehr dazu lässt sich in der Rubrik «Stimmungsbild» auf Seite 42 nachlesen. Um von der Kraft der BRIC-Staaten zu profitieren, ist allenfalls der DAXglobalBRIC-ETF eine kosteneffiziente Anlagelösung. Das Indexportfolio enthält die 40 nach Marktkapitalisierung grössten und liquidesten Unternehmen innerhalb der BRICs. Die Welt der strukturierten Produkte bietet mittlerweile

> punktmagazin.com 47


EXOTISCH, TOXISCH UND EROTISCH ... ·

Kurserwartung:

·

AKTIEN

·

Profil Investor: Performance

Risikostufe:

• • • • •

Die ausgewählten Aktien gehören zu den höchst kapitalisierten Unternehmen im Bereich Emerging Markets, sind aber bei einer noch genaueren Unterteilung den sogenannten Pioniermärkten zuzuordnen. Die Dividendenpapiere erstrecken sich, in Bezug auf die Branchenzugehörigkeit, über die verschiedensten Industriezweige ... Unternehmen

Währung

ISIN

52-W-Low

52-W-High

Kurs

Performance YTD

Div-Rendite

P/E

EPS

Arab Bank Bank of Cyprus Ltd CEZ AS Emaar Properties Industries of Qatar KazMunayGas GDR Kuwait Finance House Lukoil ADR Mobile Telecommunications Company Telekomunikacja Polska S.A.

JOD EUR CZK AED QAR USD KWD USD KWD PLN

JO01302311013 CY0000100111 CZ0005112300 AE0005802576 QA000A0KD6K3 US48666V2043 KW0EQ0100085 US6778621044 KW0EQ060158 PLTLKPL00017

11.05 2.28 560.00 1.74 57.40 6.95 767.86 22.00 590.00 17.15

23.38 1.55 1396.00 12.05 193.00 22.04 2767.86 115.00 2000.00 24.50

11.20 9.44 739.00 2.22 79.40 11.30 1160.00 37.70 710.00 19.04

-24.57% -15.24% -6.34% -2.67% 11.46% 16.90% 0.67% 13.90% -10.26% -0.83%

0.82% 0.90% 0.69% N.A. N.A. 0.71% 0.50% 1.15% 1.17% 1.15%

9.97 2.73 8.49 4.46 5.98 N.A. 17.03 N.A. 7.10 11.90

1.51 0.84 87.00 0.50 13.23 N.A. 0.07 13.50 0.09 1.61

·

Kurserwartung:

·

ANLAGEFONDS

·

Profil Investor: Performance

Risikostufe:

• • • • •

Die ausgewählten Anlagefonds investieren direkt in Unternehmen der definierten Anlagepolitik. Durch ein aktives Management versucht der jeweilige Fondsmanager eine bessere Rendite zu erzielen als der zugrunde liegende Vergleichsindex. Der Investor profitiert durch einen umfassenden Schutz dank dem Kapitalanlagegesetz (KAG) und erreicht Diversifikationsvorteile. Währung

ISIN

Anbieter

Schroder ISF BRIC Fidelity Funds – Indonesia Templeton Korea Fund DWS Lateinamerika Fidelity Funds – Malaysia Fund JB EF Northern Africa Fortis Fund – Equity Russia HSBC Global Investm. Funds – Singapore Equity UBS Equity Fund – South Africa UBS Equity Fund – Taiwan

USD USD USD EUR USD CHF EUR USD USD USD

LU0228659784 LU0055114457 LU0057567074 LU0055698269 LU0048587868 LU0303757008 LU0269742168 LU0028755279 CH0002785738 LU0085870607

Schroders Fidelity Investment Intl Franklin Tempelton DWS Fidelity Investment Intl Bank Julius Baer Fortis Investments HSBC UBS UBS

Kurserwartung:

·

EXCHANGE TRADED FUNDS

·

Fonds

·

NAV

Performance YTD

114.24 8.09 3.37 162.71 21.73 57.41 41.03 16.44 200.84 75.62

17.98% 8.64% 19.81% 21.17% 3.84% 3.48% 24.40% 3.38% 4.08% 23.83%

Mgmt. Fee p.a.

weitere Infos

1.50% schroders.ch 1.50% fidelity.ch 1.60% franklintempleton.ch 1.74% dws.ch 1.50% fidelity.ch 1.60% jbfundnet.com 1.75% fortisinvestments.com 1.00% assetmanagement.hsbc.com 1.80% ubs.com 1.80% ubs.com

Profil Investor: Performance

Risikostufe:

• • • • •

Exchange Traded Funds (ETF) sind Anlagevehikel, die an der Börse kotiert sind und permanent gehandelt werden. Sie stellen ein ebenso flexibles und liquides Anlagemedium wie Aktien dar. Da auf ein aktives Management verzichtet wird, können ETF mit einer deutlich geringeren Management-Fee angeboten werden, als dies bei Anlagefonds üblich ist. Mittlerweile sind an der Schweizer Börse ETF für alle wichtigen Aktienmärkte und Anlageklassen verfügbar. Basiswert

Währung

ISIN

Symbol

Anbieter

CECE EUR DAXglobal BRIC DAXglobal Russia FTSE/JSE Africa Top 40 HS China Enterprise MSCI AC Far East ex Japan Bovespa MSCI EM Asia TR MSCI EM Eastern Europe MSCI EM Latin America TR MSCI Emerging Market TR MSCI India MSCI Korea TR MSCI Taiwan TR MSCI Turkey S&P CNX Nifty S&P Select Frontier TR

EUR EUR EUR USD USD USD USD USD USD USD USD USD USD USD USD USD USD

FR0010204073 LU0269999792 LU0269999958 LU0270000028 FR0010581413 IE00B0M63730 FR0010413294 LU0292107991 IE00B0M63953 LU0292108619 LU0292107645 CH0016999861 LU0292100046 LU0292109187 IE00B1FZS574 LU0292109690 LU0328476410

LYCEC MABI MDRI MFAI LYASI IFFF LYRIO XMAI IEER XMLA XMEM XTBIG XMKO XMTW ITKY XNIF XSFR

Lyxor ABN Amro ABN Amro ABN Amro Lyxor iShares Lyxor Deutsche Bank iShares Deutsche Bank Deutsche Bank Lyxor Deutsche Bank Deutsche Bank iShares Deutsche Bank Deutsche Bank

48 PUNKTmagazin N˚ 19/09

Dividende

NAV

Performance YTD

jährlich thesaurierend thesaurierend thesaurierend jährlich vierteljährlich thesaurierend thesaurierend vierteljährlich thesaurierend thesaurierend jährlich thesaurierend thesaurierend halbjährlich thesaurierend thesaurierend

9.99 25.94 19.91 15.25 102.63 24.05 17.1 19.46 14.79 30.29 20.57 7.31 27.06 10.16 15.83 60.08 6.94

-23.68% 10.06% 18.30% 1.19% 1.07% -11.89% 8.57% -1.51% -23.12% -3.42% -3.10% -6.52% -0.47% 7.83% -19.39% -7.16% -13.45%

Mgmt. Fee p.a.

weitere Infos

0.50% lyxoretf.ch 0.70% abnamromarketaccess.ch 0.70% abnamromarketaccess.ch 0.70% abnamromarketaccess.ch 0.65% lyxoretf.ch 0.74% ishares.net 0.65% lyxoretf.ch 0.70% dbxtrackers.de 0.74% ishares.net 0.70% dbxtrackers.de 0.70% dbxtrackers.de 0.85% lyxoretf.ch 0.70% dbxtrackers.de 0.70% dbxtrackers.de 0.74% ishares.net 0.85% dbxtrackers.de 0.95% dbxtrackers.de


PRODUKTE

·

Kurserwartung:

·

KAPITALGESCHÜZTE PRODUKTE

·

Profil Investor: Defensiv

Risikostufe:

• • • • •

Kapitalgeschützte Produkte erlauben in risikobehaftete Anlagen zu investieren, da sie ein Sicherheitsnetz bieten. Entwickelt sich der Basiswert negativ, erfolgt eine Rückzahlung in Höhe des eingesetzten (nominellen) Kapitals mal dem Kapitalschutzfaktor. Steigen hingegen die Kurse an, partizipiert der Anleger zu einem bestimmten Grad am positiven Kursverlauf. Diese Anlageform eignet sich für eher konservativere Investoren. Nachfolgend eine kleine Auswahl an Produkten hinsichtlich der behandelten Themen dieser Ausgabe. Währung

ISIN

Symbol

Emittent

ABN Asian Tigers Currency Basket ClaridenLeu Eastern Europe Basket GS 6Y CHF BRIC Index Basket GS Emerging Markets Indices Basket ML Africa Lions Index S&P BRIC 40 Index VT Emerging Countries VT Emerging Market

USD EUR CHF CHF EUR USD USD USD

CH0033964567 CH0037199657 GB00B1534S64 GB00B2RK1472 XS0329941057 CH0032553908 CH0032669472 CH0034575990

ASIAU EASCP BRICG EMBAA MLAPE ZKB7F7 VUEMA VUIDX

ABN Amro Clariden Leu Goldman Sachs Goldman Sachs Merrill Lynch ZKB Bank Vontobel Bank Vontobel

Kurserwartung:

·

INDEX-/BASKETZERTIFIKATE

Laufzeit

21.12.2012 14.02.2013 05.06.2012 19.11.2013 17.12.2012 20.07.2012 20.07.2010 12.11.2012

·

Basiswert

·

Schutz / Partizipation

100% / 160% 100% / 50% 100% / 70% 100% / 100% 90% / 88% 100% / 69% 100% / 60% 100% / 121.8%

Kurs

Performance YTD

84.95 92.00 92.20 77.90 79.10 100.92 946.00 83.65

weitere Infos

-0.42% abnamromarkets.ch 0.93% myproducts.claridenleu.com 2.56% goldman-sachs.ch 2.10% goldman-sachs.ch 2.12% mlinvest.ch 0.71% zkb.ch -0.05% derinet.ch -0.95% derinet.ch

Profil Investor: Performance

Risikostufe:

• • • • •

Index- und Basketzertifikate geben die Wertentwicklung des Basiswertes eins zu eins an den Anleger weiter. Bei Verfall richtet sich die Kapitalrückzahlung nach dem Kurs des Basiswertes. Zudem bieten diverse Anbieter so genannte Open-End-Zertifikate an. Der Vorteil: Diese Zertifikate laufend endlos, haben also keinen fixen Verfalltermin. Bei der Auswahl sollte auf eine gute Bonität des Anbieters geachtet werden.

Indexzertifikate (Trackers) ABN Amro Africa Resources Index ABN Amro Indonesien Index ABN Peru Index ABN Philippines Index ABN BRIC Infrastruktur Index ABN Vietnam Index DAXglobal BRIC Index DB India Index Czech Traded Index Egyptian Exchange EGX 30 Index Kazakh Traded Index Mexican Bolsa Index ML Pakistan Index N-11-Core-8 Index S-BOX Africa Index VT Best of BRIC Fund Basketzertifikate ABN Amro Argentina Basket ABN Amro Brazil Top 15 Basket GS Next 11 Basket ML Dynamic Vietnam Basket VT Black Sea Basket VT Gulf Region Currency

Währung

ISIN

Symbol

USD USD CHF USD USD CHF EUR CHF CHF USD EUR USD EUR USD CHF USD

CH0030393208 CH0018706819 CH0038610181 CH0030072265 CH0031908921 CH0038610603 GB00B3FS3119 GB00B12G2M86 GB00B0RWSS23 CH0023158071 GB00B23YJF01 CH0024408913 DE000ML0BTN1 GB00B27ZJR10 DE000DB3EPZ4 CH0025781136

USD USD USD CHF EUR USD

CH0028428255 CH0019094652 GB00B1YBKW79 XS0287129950 CH0037951206 CH0042836848

Laufzeit

Kurs

Performance YTD

weitere Infos

AFRIU INDON PERUC PHILI BRINU VIETC DAXJF INDIN CTXOE CAIRO KAZOP MEXBO MLPKN NIIBT AFEDB VZBOB

ABN Amro ABN Amro ABN Amro ABN Amro ABN Amro ABN Amro Goldman Sachs Goldman Sachs Goldman Sachs ABN Amro Goldman Sachs ABN Amro Merrill Lynch Goldman Sachs Deutsche Bank Bank Vontobel

Open-End Open-End Open-End Open-End Open-End Open-End 25.11.2011 Open-End Open-End Open-End Open-End Open-End Open-End Open-End Open-End Open-End

70.70 2.43 44.60 66.60 74.50 81.05 236.00 21.10 16.50 7.40 31.50 14.05 37.65 6.20 93.05 72.00

31.66% 4.29% 27.23% 5.20% 3.64% -9.05% 13.08% 0.49% -15.80% -1.99% 23.72% -14.15% 28.50% -7.46% -4.12% 5.35%

abnamromarkets.ch abnamromarkets.ch abnamromarkets.ch abnamromarkets.ch abnamromarkets.ch abnamromarkets.ch goldman-sachs.ch goldman-sachs.ch goldman-sachs.ch abnamromarkets.ch goldman-sachs.ch abnamromarkets.ch mlinvest.ch goldman-sachs.ch dbxmarkets.ch derinet.ch

ARGEN BRAZO NIIUS MLVNC VZBSB VUARC

ABN Amro ABN Amro Goldman Sachs Merrill Lynch Bank Vontobel Bank Vontobel

Open-End Open-End Open-End 28.03.2017 03.03.2010 14.07.2010

40.00 165.71 72.00 20.60 42.00 93.00

-10.09% 25.27% 1.41% -11.21% -2.78% -2.21%

abnamromarkets.ch abnamromarkets.ch goldman-sachs.ch mlinvest.ch derinet.ch derinet.ch

Kurserwartung:

·

BONUSZERTIFIKATE

Emittent

·

Basiswert

·

Profil Investor: Rendite

Risikostufe:

• • • • •

Bonuszertifikate vereinen Partizipation, Performance und einen bedingten Schutz. Der Basiswert kann bis zu der Barriere fallen, ohne dass ein Kapitalverlust eintritt. Hat der Basiswert während der Laufzeit die Barriere nie berührt oder durchbrochen, erhält der Anleger per Verfall eine Auszahlung mindestens in Höhe des Bonus-Niveaus. Basiswert

Währung

ISIN

Symbol

DAXglobal BRIC Index FTSE/JSE Afrika Top 40 Index FTSE/JSE Afrika Top 40 Index FTSE/Xinhua China 25 Index

USD CHF USD EUR

CH0028855879 GB00B15CNJ72 CH0028853106 GB00B15RXN69

DBIBO SAFBO TOPBO CHNXI

Emittent

Laufzeit

ABN Amro Goldman Sachs ABN Amro Goldman Sachs

02.02.2010 18.05.2012 02.02.2010 22.05.2012

Performance YTD

weitere Infos

389.40 / 292.05 5.24% 29 857.04 / 13 062.46 8.44% 26 303.84 / 15 324.84 -3.83% 16 472.37 / 7687.11 9.39%

Bonus / Barriere

abnamromarkets.ch goldman-sachs.ch abnamromarkets.ch goldman-sachs.ch

> punktmagazin.com 49


AKTIVISMUS

DER EXOTISCHE SCHWEIZER txt: Cyril Schicker] Weltweit nimmt die Zahl von chronisch kranken Menschen zu. Hierzulande sind es bereits 40 Prozent der Männer sowie 60 Prozent der Frauen im Alter zwischen 25 und 74 Jahren. Dies besagt eine Studie des World Economic Forum (WEF) in Zusammenarbeit mit PricewaterhouseCoopers (PWC). Derselben Untersuchung kann man entnehmen, dass diese «Gebrechen» nachhaltig negative Auswirkungen auf die Rentabilität wie auch Produktivität von Unternehmen haben.

Frische sorgt für Prosperität Darüber hinaus tragen sie zu den global steigenden Gesundheitskosten bei und es liegt auf der Hand, dass gesundes Humankapital auf lange Sicht hinaus einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor darstellt. In Phasen, wo sich ohnehin schon ein elegischer, miefender Krisenteppich über das Weltwirtschaftsgeschehen gelegt hat, sollte das jeweilige Firmenwachstum nicht zusätzlich gehemmt werden. Doch was tun, wenn’s brennt? Ein erster Schritt ist die gesunde Ernährung. Und damit ist auch ein bekömmliches Trinkgebaren gemeint. Dies soll jedoch nicht nur gesundheitsfördernd sein, sondern ebenso Spass machen. Auf den ersten Blick erscheint dieser Spagat als utopisch. Schielt man in Richtung «Zamba», dann ist es auf einmal weniger utopisch, dafür aber exotisch und vor allem alles andere als toxisch. Zamba ist ein relativ junges Schweizer Unternehmen, das eine umfangreiche Palette an frischen Fruchtsäften offeriert. Dies tönt jetzt relativ unprätentiös, und obschon dies durchaus zum Firmenauftritt passt, ist oder bietet Zamba weit mehr. Denn zum Beispiel sind die Säfte 100 Prozent rein. Das heisst, diese acht verschiedenen Köstlichkeiten bestehen nur aus Früchten, werden also ohne jegliche Konservierungsmittel, Hitzebehandlungen oder Zuckerzusätze hergestellt. Die Frische basiert bei Zamba auf Frische. Der in Zürich ansässige «FruchtAficionado» verwendet keinen vorgepressten, tiefgefrorenen Saft, konserviert ohne Pasteurisierung und verarbeitet täglich um die vier Tonnen Orangen, eine Tonne Ananas sowie drei Tonnen weitere, zum Teil saisonale Früchte wie Grapefruits, Mandarinen, Mangos, Erdbeeren. Stolze Umsatzsteigerungen Doch was genau wird überhaupt offeriert? «Feilgeboten werden die klassischen Mischungen», so Markus Raths, einer der beiden Geschäftsführer. Raths führt weiter aus: «Wir unterscheiden uns von der Konkurrenz hauptsächlich durch den exquisiten Geschmack. Dieser kann dank qualitativ hochstehenden Ingredienzen, reichlich Fachwissen und einem ausserordentlichen Herstellverfahren geschaffen werden.» Der zweifache Familienvater und ehemalige Obstbauer zudem: «Ein Top-Inhalt ist das, was zählt. ‹Sexyness› hat auf lange Sicht hinaus keinen Erfolg.» «Erfolg» ist ein gutes Stichwort. Was überhaupt bedeutet dieser konkret, inwiefern ist diese helvetische Firma, das bis heute 35 Arbeitsplätze geschaffen hat, überhaupt von Erfolg gekrönt? Raths dazu: «Im vergangenen Jahr erzielten wir einen Nettoumsatz von 7,3

50 PUNKTmagazin N˚ 19/09

Ein florierendes Jungunternehmen verdient sein Geld hauptsächlich mit Exotik. Zamba heisst diese, Fruchtsäfte produzierende und vertreibende Firma. Qualität und Ehrlichkeit ist ihr Credo, dazu kommt langjähriges Fachwissen sowie Spass an der Arbeit. Zudem verfügen Sie über eine optimal bedürfnissabgestimmte Produktelinie. Doch Zamba ist weit mehr und zusammen mit Chaya fast schon eine helvetische Getränke-Macht.

Millionen Franken», und zufrieden fügt der «Kletterfreund» hinzu: «In den vergangenen Jahren erreichten wir regelmässig eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 25 Prozent.» Das bedeutet allerdings nicht, dass das Haus Zamba sich fortan in der Sonne bräunt und sich dem Schlendrian hingibt. Im Gegenteil, demnächst stehen drei neue Geschmacksrichtungen im Angebot – und zwar werden dies «Bio-Knospen-Genüsslichkeiten» sein. Bio Knospe ist das von der Bio-Suisse vergebene strenge Ökolabel, gemäss Raths die wohl ehrlichste Form der Zertifizierung. Ehrlichkeit – das Mass aller Dinge Im Gespräch mit dem sympathischen Zürcher wird einem rasch klar, dass bei Zamba Ehrlichkeit oberstes Gebot ist. Der ökologische Aspekt wird, wenn möglich, entsprechend hochgehalten, dies machen nur schon die laufenden hohen Investitionen – beispielsweise in die teilweise mit Gas betriebene Fahrzeugflotte – deutlich. Zamba ist quasi gut Freund mit Biogas, Teile der Produktionsstätte wurden so ausgerichtet, dass aus Abfällen Biogas hergestellt werden kann. In diesem Zusammenhang gilt es zu erwähnen, dass das «saftige Paradies» nach den Vorschriften des ISF (International Food Standard) beglaubigt ist. Mit dem annähernden Punktemaximum sucht Zamba wohl ihresgleichen, doch die Zertifizierung erfolgt einmal im Jahr, und umtriebig, wie die 35 Mitarbeitenden dort sind, geben sie sich auch nie mit dem Bisherigen zufrieden. Dies selbst dann nicht, wenn sich einmal eine Geschmacksrichtung als absatztechnisches Hinkebein – Beispiel Karottensaft – entpuppt. Welcher «Geschmack» ist denn der absolute Überflieger? Raths: «Orangensaft ist gesamthaft gesehen der Renner. Hinsichtlich der Mischungen ist der aus vier verschiedenen Früchten bestehende ‹Season› eine wahre Freude.» Und weshalb hat man mit dem Karottensaft auf Granit gebissen? «Viele sehen in einem reinen Karottensaft eine Saftkur. Zamba aber steht viel eher für Wohlgefühl und Lifestyle», meint Raths. Ich bin auch ein Tee Aus der entsprechenden Ecke kommen auch die meisten Abnehmer der Zamba-Produkte. Der eigentliche Zielkunde ist der urbane Mensch, zum grösseren Teil Frauen. Doch Zamba beliefert ausschliesslich Gastronomiebetriebe, dazu gehören auch die grössten Betriebskantinen oder sogenannte Take-outs. All diese kommen nebst den Säften ebenso in den Genuss von kaltem und natürlichem Bio-Tee. «Chaya» heisst die Linie und beherbergt vier verschiedene Sorten. Das Chaya-Sortiment wurde vor nicht allzu langer Zeit ins Leben gerufen und brachte – Chaya ist eine eigenständige Firma! – dem Unternehmen einen wahren Schub. Innert Kürze wurde eine Umsatzsteigerung von satten 150 Prozent erreicht. Auch wenn man von einem Basiswachstum sprechen kann (neue, noch unbekannte Produkte machen oft grosse Sprünge, währenddem gestandene Marken eher kleinere, kontinuierliche Schritte schaffen), kommen solche Steigerungsraten in einer doch trüben Wirtschaftsphase einem Paukenschlag gleich.


KCÜR

AUSGABE «ACHTUNG SICHERHEIT» txt: Cyril Schicker] Vertrauen hat zu grossen Teilen mit Sicherheit zu tun. Wenn sich also Menschen unsicher fühlen, strotzen sie auch nicht sonderlich vor Vertrauen. Haben Menschen wenig Vertrauen, so befinden sie sich oft in einem unsicheren Umfeld. Die derzeitige Wirtschaftssituation lädt kaum sonderlich ein, sich mit offener Brust und frohlockend dem Gewehrsmündungsalltag zu präsentieren. Das zumindest suggeriert der US-Verbraucherindex Ende März 2009. Der ist laut Forschungsinstitut Conference Board zu dem Zeitpunkt auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gefallen. Das Vertrauensbarometer ist für die US-Konjunktur von besonderer Bedeutung, da die Konsumausgaben in Amerika für fast zwei Drittel der dortigen Wirtschaftsleistung verantwortlich zeichnen. Und da wir noch immer an den Lippen Amerikas hängen, fühlen wir uns schlecht, wenn sich die USA schlecht fühlt.

Falsche Igel-Mentalität Fachleute deuten diesen Indexrückgang als Zeichen der Rezession (wir stecken mitten drin). Thomas Straubhaar, Direktor des Weltwirtschaftsinstitutes HWWI, sah vor rund einem Jahr allerdings noch nichts dergleichen: «Börsenentwicklungen sind das eine, und die sind in der Tat nicht erfreulich. Aber die realen Konjunkturdaten sind das andere. Es gibt viele Indizien für eine Rezession, aber wir können nicht von einer solchen sprechen.» Straubhaar hat sich arg getäuscht. Und wenn selbst gestandene Ökonomen einer derartigen Fehleinschätzung erliegen, dann verschwindet aus volkswirtschaftlicher Perspektive der Silberstreifen am Horizont. Das Thema Sicherheit wird wohl oder übel eine Hochkonjunktur erleben. Die Weltgemeinde igelt sich zuweilen ein, sieht keine Rosen mehr blühen und brät die Wurst geistig schon über dem Fegefeuer. Selbstverständlich ist die momentane Weltwirtschaftslage bedenklich und das Fundament ach wie fragil. Doch es sind etliche Bestrebungen im Gange; die Vereinigten Staaten etwa zücken ihre schärfste Waffe und beabsichtigen ein Massnahmenpaket von stolzen 1000 Milliarden Dollar zu schnüren. Vielförmigkeit auf der Weltbühne Ob und inwiefern die potente Hilfsmassnahme auch wirklich greift, kann nur geahnt werden. Das angefangene Jahr verheisst sicherlich nichts Gutes und es bedarf an Zeit. Doch nicht sehr viel, denn bereits im Jahr 2010 dürften gewisse Volkswirtschaftsleistungen wieder steigen. Der Finanzkonzern Dexia mit Hauptsitz in Brüssel sieht beispielsweise dann die Eurozone gemäss ihrem Monatsbericht (Februar/März) mit immerhin 1,2 Prozent wachsen. So oder so, das erhöhte Sicherheitsbedürfnis ist ohnehin nicht einfach als schlecht abzuzirkeln – im Gegenteil: Kann doch diese Entwicklung aus Anlegersicht als sehr positiv eingestuft werden. Denn die dahinterstehende Industrie gilt als global verankert, krisenresistent und überdies als äusserst vielfältig. Der Facettenreichtum beginnt zum Beispiel bei der Techniksicherheit, führt über die

52 PUNKTmagazin N˚ 19/09

Das Thema Sicherheit hangelt sich auf der Bedürfnisskala des Menschen von Höchststand zu Höchststand. Dies ist insofern bedenklich, als diese Tendenz das Ergebnis einer fast schon ungeheuerlichen Verunsicherung ist. Aber die Sicherheitsindustrie als solche bietet unzählige Möglichkeiten, um wohl fast jede Person zu beruhigen. Es ist mehr Chance denn Gefahr – und nicht nur der Privatanleger profitiert davon.

Personensicherheit und geht hin zur Firmensicherheit. Ebenso hält das populäre Investmentthema Nachhaltigkeit, auch eine Form von Sicherheit, Möglichkeiten parat. Auf Investmentproduktebene gibt es ja bereits die Kapitalschutzprodukte. Die bieten Sicherung bei entgegenlaufenden Märkten, jedoch sind sie nicht gegen das Anbieterausfallrisiko gefeit. Ferner bestehen etwa «Absolute-Return-Vehikel», die unabhängig von der Marktsituation einen Mehrwert versprechen. Schutz, Schutz, Schutz Letztere haben fast durchs Band kläglich versagt. Das Konzept an und für sich ist gut. Absolute Sicherheiten gingen damit aber bei weitem nicht einher. Die arg gebeutelte und viel gescholtene StrukturierteProdukte-Industrie hat aber gelernt und einen Rettungsanker ausgeworfen – in Form von besicherten Zertifikaten. Der Lehmann-Niedergang hat dem Markt schwer zugesetzt. Um das Anlegervertrauen zu stärken, lanciert die Börse Scoach, in Zusammenarbeit mit dem Verband für strukturierte Produkte, eine «Dienstleistung», die das Emittentenrisiko minimiert. So sind ab April 2009 moderne Anlageinstrumente erhältlich, die das allbekannte Gegenparteienrisiko besichern. Wichtig. Dabei hinterlegen die Anbieter liquide Wertschriften wie Aktien oder erstklassige Anleihen beim «Regulator». Obwohl es sich um Schuldverschreibungen handelt (rechtlicher Charakter analog einer Obligation), weisen nun «Strukis» ihnen gegenüber einen neuen Vorteil auf. Doch keine Versicherung ist kostenlos. Folglich muss ein Anleger dafür tiefer in die Tasche greifen. Ob die Investorengemeinde an mehr Sicherheit Freude gewinnt, das wird die Zukunft weisen. Jedoch ist dieser Schritt, mehr Vertrauen durch mehr Sicherheit, sicher nicht der schlechteste.

PUNKTSICHERHEIT VERPASST?


AUSBLICK

DIE ANGST VOR DER ANGST txt: Rino Borini] Kürzlich titelte die deutsche Bild-Zeitung mit der Schlag-

zeile «Job-Kahlschlag im Sommer» und reichte im gleichen Atemzug den Ausdruck «Massenentlassung» nach. Das Boulevardblatt bezog sich auf die jüngsten volkswirtschaftlichen Daten verschiedener Ökonomen. Doch keiner dieser Experten hatte auch nur einmal das harte Wort Massenentlassung erwähnt. «Absturz an der Börse» ist auch eine häufig zu lesende Überschrift. Wie oft soll denn eine Börse innerhalb von 18 Monaten abstürzen? Die Kurse auf dem Börsenparkett können sich in einem Sturzflug befinden, aber irgendwann haben sie den Boden erreicht. In Krisenzeiten greifen Medien zu einer (er-)schlagenden Bildsprache. Und oft wird, vielfach auch mangels klarer Fakten, eine Krise «verschlimmbessert». Zwei US-Forscher haben kürzlich nachgewiesen, dass die Breite, Dichte und insbesondere die Tonalität der negativen Berichterstattung ein Indiz für die Konsumenten ist, es wirklich ernst zu nehmen. Die beiden Professoren, die diese Studie im Auftrag der US-Notenbank durchführten, kamen ausserdem zum Schluss, dass die Berichte zu gewissen Zeiten deutlich vom wirklichen Gang der Wirtschaft abweichen. Sie fanden mehr fette Schlagworte während und kurz nach einer Rezession. Also zu jenem Zeitpunkt, wo sich eine Volkswirtschaft bereits wieder am Erholen ist. Vertrauen ist der Schlüssel Die momentane Sitution ist schlimm und Zweckoptimismus ist definitiv nicht angebracht. Was die nahe Zukunft bringen wird, das wissen mittlerweile weder Forscher, Ökonomen noch alte Börsenhasen. Denn die ganze Wirtschaftskrise wurde komplett unterschätzt und zwar von allen. Dennoch – und vielleicht jetzt erst recht – sollten auch die positiven Nachrichten nicht zu kurz kommen. Einerseits können zahlreiche Unternehmen, Branchen, Regionen und Länder von der Lage profitieren, andererseits gibt es aus Investorensicht, trotz roten Aktienkursvorzeichen, spannende Anlageopportunitäten. Führt uns die USA aus der Krise oder sind es die EmMas? Will man taktisch oder strategisch von tiefen Kursen oder hohen Volatilitäten profitieren? Fakt bleibt, die Menschen müssen wieder Vertrauen finden. Vertrauen in das Land, Vertrauen in die Märkte, Vertrauen in die Banken, Vertrauen in das ganze Wirtschaftssystem, Vertrauen in sich selber. Vereinzelte Lichtblicke Ein Vertrauensbeweis versucht Goldman Sachs (GS) zu schaffen. Das US-Geldhaus will lieber heute als morgen die vom Staat erhaltenen Milliarden zurückbezahlen. GS möchte aus den Schlagzeilen raus und kann sich, sollte das Vorhaben gelingen, dabei Zinsen in Millionenhöhe sparen. Dieser Schritt bringt Vertrauen, das so dringend nötig ist. Kurz nachdem Goldman diese Nachricht verbreiten liess, meldete sich auch die Bank of America zu Worte und signalisierte ebenfalls eine rasche Rückzahlung der 45 Milliarden Dollar Staatsgelder. Dessen völlig ungeachtet leiden die Volkswirtschaften rund um den Erdball. Ob Kurzarbeit oder Effizienzprogramme spielt grundsätzlich kei-

«Aufschwung beginnt im Kopf» heisst es so schön. Doch die Köpfe sind noch nicht so weit. Denn eine solide Vertrauensbasis in die Wirtschaft ist die Basis für einen Aufschwung. Neben täglichen Negativschlagzeilen gehen positive Nachrichten unter. Wer bringt uns aus dieser Krise und – viel mehr – wer wird am Schluss als Gewinner dastehen? Und hat die Psychologie mit der Krise überhaupt etwas zu tun?

ne Rolle, denn Arbeitsplätze gehen durch beide «Schritte» verloren. Wir befinden uns in einem Gesundschrumpfungsprozess, der durchaus ungesund werden kann. Glücklicherweise gibt es sie aber doch noch, die positiven Meldungen. Jüngst verkündete etwa Stadler Rail ein Investitionspaket von rund 35 bis 40 Millionen Franken in ein neues Werk. Die Folge davon: 60 neue Arbeitsplätze. Ebenso verbuchte die ComputerspielBranche in den USA ein hohes Umsatzplus. Auch der E-Commerce, sei es in der Reisebranche, im Buchhandel oder im Konsumbereich, wächst zweistellig. Zudem berichtete Amerika Ende März 2009, dass die US-Einzelhandelspreise einen Anstieg um 0,7 Prozent erzielten und die US-Industrie überraschend, erstmals seit sieben Monaten, mehr Aufträge erhielt. Zweistellige Aktienkursgewinne Blickt man auf das Schweizer Stimmungsbarometer (Index der Konsumentenstimmung), liegt dieses zwar mit minus 23 Punkten tief im Keller. Doch im Vergleich zur Wirtschaftsflaute in den Jahren 2002 und 2003 – der Index stand teilweise auf dem Niveau von minus 39 Punkten – sind wir noch weit von diesen Tiefs entfernt. Späht man auf die Einzelbestandteile, fällt hingegen auf, dass die Zuversicht der Befragten über die erwartete Wirtschaftsentwicklung auf dem tiefsten Niveau seit Anfang der 90-er Jahre steht. Stecken hier auch psychologische Aspekte dahinter? Die Stimmung ist heute bei weitem nicht so schlecht, wie dies im Sommer 2003 der Fall war. Auch der globale Aktienmarkt kann Anlass zum Jubeln geben, ist er doch so günstig bewertet wie schon lange nicht mehr. Und verloren haben längst nicht alle. Seit Anfang Jahr bis Ende März 2009 reussierten etwa Card Guard, Charles Vögele, Credit Suisse, Amazon, Apple oder Volkswagen. Auch das US-Aktien-Barometer (Dow-JonesInudstrial) legte im März um über 12 Prozent zu. Und in Europa konnte der Benchmark Index, DJ-Euro-Stoxx-50, knapp zehn Prozent zulegen. Ob dies nachhaltig oder nur von kurzer Dauer ist, bleibt abzuwarten. «Die Rezession beginnt im Kopf», sagte der ehemalige deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker, und zu dieser Aussage gesellt sich auch die Redewendung: «Der Aufschwung beginnt im Kopf.» PUNKTmagazin wird in der kommenden Ausgabe Chancen aufspüren mitsamt den verbundenen Risiken.

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LEBENS-ART

FERNÖSTLICHE GAUMENTÄNZE txt: Cyril Schicker] Petrologie, die Gesteinslehre und Subdisziplin der Mine-

ralogie, ist ein Forschungsbereich für sich und entsprechend tiefgründig und komplex. In diesem Zusammenhang trifft man unweigerlich auf seltene Ausdrücke respektive Gegebenheiten, die mehr an einen Science-Fiction-Roman von Stanislaw Lem denn an Geowissenschaft erinnern: Xenolith, Oolith, Megalith, Geode, Konkretion, Moräne oder Schluff. Die Liste von eher ungewöhnlichen Begrifflichkeiten scheint uferlos zu sein. Und selbst im gastronomischen Umfeld kommt man nicht um «Stein» oder besser gesagt um «Ishi», das japanische Synonym, herum. Ishi ist ein gaumentänzerischer Gourmettempel inmitten der Zwinglistadt. Ishi hat den Nerv der Zeit zur Gänze getroffen oder besser gesagt: Es werden unter anderem qualitativ hochstehende Sushi- und Sashimi-Spezialitäten angeboten. Dankbarer Facettenreichtum Das «unter anderem» deshalb, weil Ishi noch weit mehr zu bieten hat. Denn selbstverständlich reicht es im anspruchsvollen Zürcher Umfeld längst nicht aus, nur einen exotischen Knabberspass zu offerieren und damit erfolgreich sein zu wollen. Die verschiedenen «Steine», die den Weg zum Erfolg pflastern, sind wunderbar facettenreich. Und diese Vielfältigkeit zeigt sich beispielsweise im Umfang der Menukarte, werden doch die ansehnlichen Sushi- und SashimiSpezialitäten durch mehr oder weniger ausgefallene, warme (japanische) Gerichte – Gemüse, Fisch und Fleisch – komplettiert. Das Getränkesortiment zieht ebenso eine Mannigfaltigkeit nach sich, dies nicht nur in Bezug auf Wein (es wird sogar ein veritabler Sushi-Wein aus Spanien – hergestellt von einer Japanerin – offeriert), Sake oder Tee, sondern auch im Bereich der Spirituosen. Die Auswahl ist sehr gelungen und speziell erwähnenswert ist hierbei «Vodka Kauffman Private Collection», der einzige sogenannte Jahrgangswodka. Das Edelgetränk stammt zwar nicht aus Japan, sondern aus Russland, jedoch wird es nur einmal im Jahr und in einer streng limitierten Auflage abgefüllt. Tradition und Zeitgeist vereint Dem preisgekrönten Tropfen attestieren renommierte Experten eine aussergewöhnliche weiche Note, Raffinesse, Eleganz und Harmonie. Dieselben Attribute lassen sich auch auf das Restaurant Ishi übertragen. Gerade die grob strukturierten, grossformatigen und in Erdtönen gehaltenen Steinplatten an den Wänden – in Verknüpfung mit dem integrierten, warmen Licht – sorgen dafür, dass keine atmosphärische Unterkühlung besteht. Das Interieur generell kann als eher modern, ja teils fast schon als klinisch bezeichnet werden. Und eben, es wirkt trotzdem oder gerade wegen dieser Kombination warm und schick. Inhaber Hanspeter Staudacher dazu: «Das Interieur geht quasi mit dem Essensangebot Hand in Hand. Im Ishi werden Tradition und Zeitgeist vereint.» Überdies sorgen die grossen Fenster zumindest tagsüber für das natürliche Licht und vor allem für

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Japanische Gerichte sind schon länger en vogue und heutzutage an entsprechend überaus vielen Orten zu kriegen. Doch fernöstliche Köstlichkeiten, die qualitativ überzeugen und überdies in einem charmanten sowie einladenden Umfeld offeriert werden, gibt es leider eher selten. Das Designrestaurant «Ishi» aus der Zwinglistadt überzeugt da durchs Band und besticht mit einer Detailverliebtheit sondergleichen.

eine prima Sicht nach draussen. Im Sommer 2009 dürfte sogar das erste Mal der heimelige Garten geöffnet werden; von der Grösse her ist dieser relativ beschränkt, bildet jedoch eine optimale Ergänzung zum Innenteil des Restaurants. Die Schöngeisterei wird im zentral gelegenen Restaurant Ishi hochgehalten, Staudacher pflichtet dem bei: «Es gibt speziell in dieser Stadt derart viele Konkurrenten und die Mehrheit von ihnen ist nur schon in der Ausgestaltung wirklich schrecklich positioniert. Wir haben den hohen Anspruch geschultert, unsere Kunden aus aller Welt ebenfalls vom Design her anzusprechen.» Ästhetik zeigt sich oft auch in den haarfeinen Einzelheiten. Dies wirkt aber erst raffiniert, wenn diese konzis durchgezogen werden und erst auf den zweiten Blick ersichtlich sind. Einladend, charmant, aufmerksam Staudacher und sein Team haben es geschafft, und es macht Freude, sich den überall verstreuten Details hinzugeben. Dies beginnt beim handgemachten, in einem wunderschönen matten Schwarz gehaltenen Geschirr (Porzellan), das zugegebenermassen schnell einmal ins Auge sticht. Es geht dann aber weiter über die Essstäbchen, die in einem traditionsreichen japanischen Familienunternehmen natürlich auch von Hand gemacht werden und hin zu den Knopflöchern in den roten Stoffservietten. Unsinnig ist das ganz und gar nicht, denn auch Sushi oder Sashimi können das Hemd oder die Bluse beflecken. Eine entsprechend unsaubere Kleidung ist eben immer ein ziemliches Ärgernis, auch wenn die Ishi-Belegschaft aufmerksam sowie charmant ist. Und inmitten edlen Leders oder exquisiter Hölzer möchte man doch unweigerlich Frische ausstrahlen wie ein gesunder Löwenzahn. Apropos Gesundheit, das Restaurant Ishi bietet auch Sushi-Kurse an. Es sind dafür absolut keine Vorkenntnisse nötig. Wer sich also in der Herstellung von «Makis» und «Nigiris» versuchen möchte und dabei auch gerne etwas über den Einkauf sowie die Vorbereitung von fernöstlichen Zutaten erfahren möchte, dem sei ein solcher (Halbtages-)Kurs empfohlen. Mehr Informationen offeriert nachfolgende «Wettbewerbsbox». Interessant sind ausserdem die dort erlernten Möglichkeiten einer kunstvollen Präsentation – und ausgeklügelte Eigenkreationen eignen sich sogar als optimales Geschenk. FÜNF SUSHI-KURSE ZU GEWINNEN!

Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Die Gewinner/-innen werden schriftlich benachrichtigt. Gewinnberechtigt sind ausschliesslich Leser-/innen der PUNKTprintausgabe. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


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SCHLUSS-PUNKTE

WISSEN, DASS ...

IMPRESSUM

txt: CS] ... die drei schwersten Sovereign Wealth Fund per Ende 2008 über ein Kapital von rund

Jahrgang 04, Ausgabe N˚ 19 Mai/Juni 2009

3,9 Billionen Dollar verfügten. Ausgeschrieben sind das 3 900 000 000 000 Dollar. Bislang konnten wahrscheinlich lediglich gewiefte Astrophysiker oder gaunerische Buchhalter diese stolze Zahl ausschreiben. Heute scheint dies ein weniger schwieriges Unterfangen zu sein. Dessen ungeachtet kann man mit 3,9 Billionen Dollar (der Einfachheit halber wird mit einem 1:1Wechselkurs zum Franken gerechnet) satte 650 000 000 000 PUNKTausgaben kaufen. Wer nicht derart viele Male den nächstgelegenen Kiosk aufstöbern will, der hat die Möglichkeit, sich während gut 132 200 000 000 Jahren mittels Abonnement den Lesespass nach Hause oder ins Büro schicken zu lassen. +++

Erscheint 6 x jährlich, ISSN Nr. 1661-8068 Auflage: 10 000 Print-Exemplare, 20 000 Email-Abonnenten

HERAUSGEBERIN financialmedia AG, CH-8005 Zürich info@financialmedia.ch, > financialmedia.ch

VERLAG & REDAKTION PUNKTmagazin c/o financialmedia AG, Pfingstweidstrasse 6, CH-8005 Zürich info@punktmagazin.com, > punktmagazin.com

... im an und für sich bezaubernden brasilianischen Amazonasgebiet tagtäglich rund 3500 LKWs mit illegal geschlagenem Tropenholz zirkulieren. Nach Indonesien, das allerdings bald kein Tropenholz mehr hat, ist Brasilien übrigens der zweitgrösste Edelholz-Exporteur weltweit. Alleine schon im Jahre 2002 wurden dort Urwaldflächen in der Grösse von 16 Fussballfeldern – pro Stunde! – radikal gerodet. Nimmt man die Fifa-Norm eines Fussballfeldes (68 Meter in der Breite sowie 105 Meter in der Länge) und setzt dies ins Verhältnis zur Bürofläche der PUNKTredaktion (rund 150 Quadratmeter), so würden «wir» in der Stunde unsägliche 48 Mal gerodet werden. +++

CHEFREDAKTION Rino Borini: borini@financialmedia.ch

STV. CHEFREDAKTION Cyril Schicker: schicker@financialmedia.ch

REDAKTION Mark Baer (MB), Rino Borini (RB), Olivier Bühler (OB) Karl-Heinz Crassmän (KHC), Dmitrij Gawrisch (DG), Andreas Hohn (AH) Karin Ligorio (KL), Niklaus Merker (NM) Matthias Niklowitz (MN) Cyril Schicker (CS), Patrick M. Widmer (PMW)

... der Weltwirtschaftshaussegen schief steht. Das Ungemach betrifft inzwischen alle – einfach unterschiedlich. Unterschiedlich sind ebenso die Massnahmen, mit denen jeder einzelne versucht, der Misere ein Schnippchen zu schlagen. Einige anvisieren professionelle Hilfe beim Psychologen oder igeln sich ein. Andere wiederum gönnen sich Luxusgüter oder Ferien und dann gibt es jene Abenteurer, die ertränken die Sorgen. Gerade Russland trinkt sich kontinuierlich auf ein neues, höheres Niveau. Der Markt für Wodka wird gemäss Analysten der Investmentgesellschaft Renaissance Capital auf zirka 17 Milliarden Dollar geschätzt. 2007 wurden satte 1,31 Milliarden Liter Wodka getrunken. Die PUNKTredaktion setzt mehr auf Wasser – vorzugsweise 1,5-Liter-Flaschen. Um dieselbe Trinkfreudigkeit auf den Parkett zu kriegen, hätten die PUNKTjournalisten demnach innert 12 Monaten gut 873 Millionen 1,5-LiterFlaschen Wasser trinken dürfen. +++ ... wenn die Golfregion oder der Persische Golf zur Sprache kommt, einem unweigerlich die erste (oder zweite) Assoziation «Erdöl» in den Schoss fällt. Die Mitgliedstaaten im Erdölkartell Opec lassen so oder so ihre tägliche Fördermenge zunächst unverändert. Dies wurde Mitte März 2009 beschlossen. Gewisse Branchenkenner fordern allerdings einen Rückgang der Menge von 14 Prozent, um die Erdölpreistalfahrt zu stoppen. Doch was heisst das respektive wie viel Erdöl soll entsprechend (insgesamt und pro Tag versteht sich) ans Tageslicht befördert werden, um die preisliche Kehrtwende herbeizuführen? Ein Fass beinhaltet 159 Liter, unter Berücksichtigung dieser 14-Prozent-Reduktion betrüge die Anzahl Fässer 24 845 Millionen. Das macht 3 950 355 000 000 Liter. Reiht man letztere Zahl auf einem A-4-Papier ohne Abstand aneinander, so bringt man dadurch 4693 Zeichen auf das Blatt. Aus einer grossen Tanne mit 10 Tonnen Lebendgewicht (der nutzbare Stamm dürfte um die vier Tonnen nasses Holz haben, im trockenen Zustand sind dies zirka zwei Tonnen) kann man theoretisch rund zwei Tonnen Papier herstellen. Täte man ein ordinäres 80 Gramm schweres Papier herstellen wollen, so «presste» diese Tanne um die 25 000 Blatt raus. Über den PUNKTkamm geschert sind dies über 415 Ausgaben. +++

ART DIRECTION Boris Gassmann: gassmann@financialmedia.ch

LAYOUT, GRAFIK Boris Gassmann, Serge Meierhofer

FOTOGRAFIE, ILLUSTRATION Giorgio Balmelli «The Studio»: > balmellifoto.ch, Olivier Brandenberg: ob@bluewin.ch Patric Sandri: > patricsandri.ch.vu, Suki Bamboo: > sukibamboo.com

KORREKTORAT Das Korrektorat, Dieter Lüdin, CH-4118 Rodersdorf dl@daskorrektorat.ch, > daskorrektorat.ch

MARKETING & VERKAUF Rino Borini: borini@financialmedia.ch Urs Bai: bai@financialmedia.ch, Telefon: +41 (0)44 277 75 30 Fax: +41 (0)44 277 75 35

ANZEIGENLEITUNG Mediabox Print GmbH, CH-8045 Zürich Nico Keramaris: keramaris@mediabox.ch, > mediabox.ch Telefon: +41 (0)44 205 50 27, Fax: +41 (0)44 205 50 21

DRUCK Swissprinters NZZ Fretz AG, CH-8952 Schlieren nzz-fretz@swissprinters.ch, > swissprinters.ch

ABONNEMENTENPREISE PRO JAHR Inland: CHF 29.50 (inkl. 2,4% MwSt) Ausland: CHF 64.50 (inkl. 2,4% MwSt) Einzelpreis: CHF 6.00 (inkl. 2,4% MwSt) > punktmagazin.com/abo

... der «home bias» (starke Fokussierung auf den Heimmarkt) zunehmend als der häufigste Anlegerfehler genannt wird. Selbstverständlich, die Diversifikation im eigenen Portfolio gehört im übertragenen Sinn auf Händen getragen. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in helvetischen Breitengraden äusserst attraktive Firmen mit Erfolg zu Werke gehen. Aber es sind nicht nur börsenkotierte Schweizer Firmen, etwa aus dem Bereich Tourismus, Süsswaren, Sanitäreinrichtung oder Luxusgüter, die durch zweistellige Wachstumsraten bestechen. Auch das PUNKTmagazin betört zuweilen dank überdurchschnittlichem Wachstum. Innert einem Jahr wurde zum Beispiel die fixe Belegschaft um über 30 Prozent aufgestockt. Während derselben Zeitspanne – dem herausfordernden Umfeld zum Trotz – baute PUNKTmagazin den (Seiten-)Umfang aus, um mehr als 15 Prozent. Erwähnenswert in dem Zusammenhang ist überdies die Auflagensteigerung von 20 Prozent. +++

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DISCLAIMER / RISIKOHINWEIS Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlegers. Für unverlangte Zusendungen wird jede Haftung abgelehnt. Die im Magazin veröffentlichten Angaben dienen der Information und sind keine Aufforderung zum Kauf und/oder Verkauf von Anlagevehikeln.

PUNKTCOVER N˚ 19, 2009 Fotografie:

Giorgio Balmelli «The Studio», > balmellifoto.ch

Model:

Dji Dieng, > djidieng.eu


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Quelle: ABN AMRO (Stand: März 2009) Hinweis: basierend auf Szenarioanalysen und Backtest. Graphik beruht auf Annahmen und ist rein hypothetischer Natur. Die Performance in der Vergangenheit stellt keine Garantie für die zukünftige Entwicklung dar.

Risikohinweis: Dieses Werbeinserat stellt keinen Emissionsprospekt im Sinne von Art. 652a resp. 1156 OR dar. Der alleinverbindliche Prospekt in englischer Sprache kann direkt bei ABN AMRO Bank N.V., Zweigniederlassung Zürich, unter der Tel. 044 / 631 62 62 bezogen werden. Die Zertifikate qualifizieren nicht als Anteile einer kollektiven Kapitalanlage im Sinne des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG) und sind daher auch nicht der Aufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) unterstellt. Die Anleger sind dem Konkursrisiko der Emittentin ausgesetzt. Die genannten Indizes sind zugunsten der jeweiligen Rechteinhaber geschützt. Die Produkte sind weder für den Vertrieb in den Vereinigten Staaten, Grossbritannien oder den Niederlanden, noch an US-Personen bestimmt. Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass die Gespräche auf der angegebenen Linie aufgezeichnet werden. Bei Ihrem Anruf gehen wir davon aus, dass Sie mit dieser Geschäftspraxis einverstanden sind.

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PUNKTmagazin «Exotica»  

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