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ÖSTERREICHISCHES FILMMUSEUM Dezember 1975 MEISTERWERKE DES AVANTGARDEFILMS 1904—1936 NEUE FILME AUS OSTERREICH UND FILME VON FEDERICO FELLINI • H. C. POTTER • WARREN SONBERT UND MIT DEN MARX-BROTHERS

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Montan morrcag 19.30 Uhr

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Dienstag 19.30 Uhr

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Mittwoch 19.30 Uhr

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Ein komprimierter Oberblick Ober die Anfange des Experimentalfllms. Georges Melles war Surrealist - bevor noch der Surrealismus existierte. Er war Pionier, der die märchenhaften Möglichkeiten filmischer Illusion er¬ forschte - bevor die Industrie seine Entdeckungen kopieren konnte. Der Maler Viking Eggeling hat sein künstlerisches Programm in einem ein¬ zigen Film konzentriert: seine .Diagonalsymphonie" ist das klassische Doku¬ ment fOr die Metamorphose der abstrakten Malerei in den Film. Der Dadaist Hans Richter Ist ein Schüler Eggelings. Auch Fernand Leger ist ein bedeutender Maler, dem die Leinwand für seine Konzeptionen zu eng wurde. Legers „Ballet Mecanlque" führte konkrete Objekte in den abstrakten Film ein. Rene Clalr: .In .Entr'acte' verwandelt sich das, von seiner Pflicht etwas lalr. Francis Plcabla; Drehbuch: Francis 2U bedeuten befreite Wort In seine konkrete Existenz. Nichts scheint mir Plcabla; Kamera: Jimmy Berliet; Produktion: Rolf Mare; mehr die Zukunft des Films vorwegzunehmen, als dieses visuelle Stottern."

LE VOYAGE A TRAVERS L'IMPOSSIBLE (1904) Qeorges Meiies (Handkoloriert) DIAGONALSYMPHONIE (1921) Viklng Eggellng RHYTHMUS 21 (1921) Hans Richter BALLET MECANIQUE (1924) Fernand Leger ENTR'ACTE 6 (1924) cÄdTamD cel Ducnamp, ^"rlu^lfhlud^GeorgM Darius Miinaud, Georges torto" Aunc u. £ a. ANEMIC CINEMA (1927) Marcel Ducnamp

Ähnllch gelingsefn6r gab Marcel Plcassos größter Cinema" Rivale. 1923 auf dem wie Hohepunkt Erf0|go Du*amp, die Malerei auf: „Anemic gehört zu den wenigen Arbeiten, mit denen er seither noch vor die Offentllchkeit trat.

MENILMONTANT (1925)

Der Film des in Paris lebenden Exilrussen Dmltri Klrsanov zeigt zusammen mit den gleichzeitig entstandenen Filmen Strohelms und Murnaus die künst¬ lerische Reife des westlichen Stummfilms um 1924 an. Kirsanov eliminierte die Zwischentitel und verwendete fast ausschließlich Außenaufnahmen. Seine Montage zwingt dem Zuschauer das direkte Gefühl der erlebten Zelt auf - etwa durch den Kontrast einer rasanten Schlägerei mit dem quälend |angen Warten auf einer Parkbank. Wie Kirsanovs Film um die Hauptdarstellerin Nadja Sibirskaja, so dreht sich der Film Jean Renoirs um seine Lieblingsschauspielerin Catherine Hessling. Andersens Märchen wird von Renoir sehr eigenwillig verfilmt: er benützt die technischen Tricks und filmischen Effekte nur, um sie vor dem Publikum bloßzustellen.

Regie und Drehbuch: Dmltri Klrsanov; Kamera: Leone Crovan, Dmltri Klrsanov; Darsteller: Nadja Slbirskaja, Yolande Beaulleu, Guy Belmont nnr,a\ LA PETITE MARCHANDE D ALLUMETTES (1928) Regle: Jean Renoir und Jean Tedesco; Drehbuch: Jean Renoir nach Hans Christian Andersen; Kamera: Jean Bachelet; Bauten: Eric A6s; Darsteller: Catherine Hesstlng, Manuel Raaby, Jean Storni, Amy Wells

Eines der Hauptwerke einer neuen Richtung in der amerikanischen Avant¬ garde, die sich auf Lumiers zurückbezieht. Diese Beziehung ergibt sich daraus, daß diese Filme wieder die reine Freude am Sehen und Betrachten der Außenwelt in den Vordergrund rücken. Staunendes Betrachten der Um¬ welt ist der Grundton. Die Hauptvertreter dieser Richtung sind Warren Sonbert und Peter Hutton.

American Independent Cinema CARRIAGE TRADE (1968-73) Von Warren Sonbert

Dnnnorctan J.1J?8 19 30 Uhr ■w.wv Ul,r

LA P'TITE LILIE (1927) Regle, Drehbuch und Schnitt: Alberto Cavalcantl; Kamera: Jimmy Rogers; Bauten: Eric A6s; Produktion: Neo-Film; Darsteller: Catherine Hessllng Jean Renoir (Tonfassung aus dem Jahre 1929 mit Musik von Darius Mllhaud)

-La p'tit8 Lille" wurde an drei regnerischen Tagen auf einem Pariser Filmgelände aufgenommen, als niemand anderer drehen wollte. Cavalcanti machte aus dieser Not eine photographische Tugend. Als Darsteller veru,ken Jean Renoir und Catherine Hessling einen uralten französischen Schlager - was Jean Cocteau nicht verzeihen konnte. In „Rien que les heures" faßt Cavalcanti das surrealistische Weltbild zusammen, das sich um die Themen .erlebte Zelt" und .Großstadt" dreht. An den Abenteuern RIEN QUE LES HEURES (1926) der Huren und Matrosen und am Krepieren einer alten Frau wird die meta¬ von Alberto Cavalcanti; Kamera: Jimmy Rogers; Dar¬ physische Identität aller Ereignisse demonstriert. Cavalcantis Film über das steller: Philippe Herlat, Cllfford McLaglen, Nina Chouva- surrealistische Paris ist auch philosophisch der Antipode zu Ruttmanns lowa, Blanche Bernls futuristischem Film über Berlin.

Fraitari i icimy

LA PASSION DE JEANNE D'ARC (1926—28) Dreyer, häretischer Theologe des Kinos jenseits von Kierkegaard, ist eine d«*.i«. r>.ri Th^., n,«,,«,. n«,hh„*. ^„,i Ti..»w«. der herausragendsten und kompromißlosesten Persönlichkeiten, die die

19.30 Uhr K£Äj ÄÄJJÄt^nÄ M'aW^DlkoraHone^X^nrwar^'und^jTan Xo

nÄÄ^'*' Ver8lelehbar- Es >Si eln Land" das *u erf0raehen man

FILME VON GEORGES MELIES

Melifes kann als eigentlicher Schöpfer der Filmkunst angesehen werden, obgleich nicht er es war, der den Film erfand. Schon vor ihm hatten die Brüder Lumiere die ersten „Lebenden Bilder" gedreht, doch betrachteten sie das neue Medium als bloße Möglichkeit, Natur bewegt wiederzugeben. Melius dagegen erfand alle auch heute noch gebräuchlichen Filmtricks, war der erste, der mit Dekorationen arbeitete, der ein Filmstudio benutzte, der künstliche Beleuchtung verwendete und der erste, der richtige Inszenierun¬ gen machte, nach einem selbstgeschriebenen Drehbuch, mit Schauspielern und Dekorationen.

Kostüme: Valentine Hugo; Historischer Berater: Pierre Champion; Darsteller: Maria Falconetti, Eugene Sllvain, Andre Berley, Maurice Schutz

Samstag 18.00 Uhr

LE MAGICIEN DU FIN DE SIECLE (1899) LHOMME A LA TETE EN CAOUTCHOUC (1901) LA CASCADE DE FEU (1904) Handkoloriert UN FEU D'ARTIFICE IMPROVISE (1905) LES BULLES DE SAVON ANIMEES (1906) LES 400 FARCES DU DIABLE (1906) LA FEE CARABOSSE (1906) Handkoloriert UN LOCATAIRE DIABOLIQUE (1909-10) Handkoloriert HYDROTHERAPIE FANTASTIQUE (1909-10) A LA CONQUETE DU POLE (1912)

20.00 Uhr HELLZAPOPPIN' (1941) Regie: H. C. Potter; Drehbuch: Nat Perrin, Warren Wil¬ son; Kamera: Woody Bredell; Schnitt: Milton Carruth; Produktion: Universal; Darsteller: Ole Olsen, Chic Johnson, Martha Raye, Mischa Auer, Jane Frazee, Hugh Herbert

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Dienstag 19.30 Uhr

Mittwoch 19.30 Uhr

OPUS II, III, IV (1921-25) Walter Ruttmann RPBI IN

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BfcHLIN, Ult öllMt-UNIt UtM von Walter Ruttmann; Drehbuch: Freund, nach einer Idee von Carl Kuntze, Robert Baberske, Laszlo

laHUbblAUl 119^7) Walter Ruttmann, Karl Mayer; Kamera; Relmar Schäffer

THE ENCHANTED CITY (1922) Warren Newcombe CHARLESTON (1927) Regle: Jean Renoir; Drehbuch: Pierre Lestrlnguez, nach einer Idee von Andre Cerf; Kamera: Jean Bachelet; Musik: Clement Doucet; Produktion: Editlons Braunberger; Darsteller: Catherine Hessllng, Johnny Hugglns, Pierre Braunberger, Pierre Lestrlnguez LA MARCHE DES MACHINES (1928) Eugene Deslaw THE TELLTALE HEART (1928) Charles F. Klein

Donnerstaa 19 30 Uhr

Neue Filme aus Osterreich — Open House FRIEDERIKE MAYRÖCKER OHI SCIROCCO NIMM MICH AUF DEINE ZUNGE (1975)

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„Hellzapoppin", eine Kombination aus Vaudeville, Revue, Zirkus und Hor¬ rorkabinett unter Mitwirkung des Publikums, lief am Broadway 3 Jahre, 2 Monate und 25 Tage. Dieser Erfolg führte zur Verfilmung durch H. C. Pot¬ ter. Olsen meinte damals, daß der Erfolg wohl seine Ursache in den schlechten Zeiten habe; Zeiten, wo jeder, der nach einer Zeitung greift, am liebsten weinen möchte und sich mehr als je befreiendes Lachen wünscht. Eine „Crazy Comedy". Ruttmann: .Seit ich beim Film bin, wollte ich Immer einen machen, in dem die Tausenden Einwohner einer Großstadt in Form einer Symphonie dar¬ gestellt werden. Die Möglichkeit dazu bot sich, als ich Karl Freund kennen¬ lernte, uer der eoenso ebenso dachte wie icn. ich. Wochenlang IBrn'°' aagnie wie wocnemang haben wir gegen 4 Uhr morgens die unbelebte Stadt aufgenommen. Das war das Schwierigste. Es ist leichter, mit einer bewegten Szenerie zu arbeiten als zu versuchen, absolute Ruhe darzustellen." Im Gegensatz zu seinem großen Vorbild Vertov fanden Ruttmanns Filme bereits früh weltweite Beachtung. .Renoir schien so beeindruckt von der eigentümlichen Schönheit Catherine Hesslings Gesicht und Körper, daß es ihm weniger um aas richtige Spiel ihrer Rolle ging, als darum, sie von jedem nur erdenklichen Winkel aus zu photographieren. Nirgendwo wird so deutlich, daß er sie mit den Augen eines Malers und nicht mit jenen eines Regisseurs sah, als in .Charleston'" (Andre Bazin). .Vier Jahre nach Legers .Ballet Mecanique' drehte Eugen Deslaw ,La Marche des Machines', der ebenfalls von der Faszination des Mechanischen kündete und den Zuseher die Maschinen lieben lehren wollte" (Curtls).

„Neue Filme aus Osterreich — Open House" nennt sich eine in unregel¬ mäßigen Abständen stattfindende Veranstaltung des Österreichischen Film¬ museums, die ausschließlich der Präsentation von Werken österreichischer Filmmacher dient.

Regie und Buch: Gerhard Klefndl DOC; Kamera: Helmut Pirnat; Musik: Uzzi Förster; Schnitt: Tamara Epp. Mit Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Alke Köhler u. a.

PADHI (1974) Regle: Ernst Josef Lauscher; Kamera: Thomas Ott; Schnitt: Juno Sylva Englander; Electronic Effects: Bert Grubhof; Lyrik und Musik: Padhl; Sprecher: Wolfgang Gasser; Produktion: Hochschule für Musik und Darstel¬ lende Kunst, Abteilung Film und Fernsehen

KINDERTOTENLIEDER (1975) Regie, Schnitt: Titus Leber; Buch: Titus Leber, frei nach Hans Christian Andersen; Kamera: Dieter Wittich, Titus Leber; Musik: Gustav Mahler; Darsteller: Elisabeth Kai¬ lina, Steve Bornas, Susanne Fichtenbaum

Freitaa tschelovek s kinoapparatom (1929) 1Q Qft III» ^Der Mann mit der Kamera) von Dziga Vertov; Assistenz: E. Svilova; M. Kaufmann; Produktion: Vufku, Kiew

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Samstag 18.00 Uhr

Der Avantgardefilm par excellence. Ein Manifest zur Befreiung des Kinos, zugleich eine Analyse der Filmtechnik. Dziga Vertov, der den Spielfilm als einen faulen Kompromiß steinigte, demonstriert hier die phantastischen Kamera: Möglichkeiten des Films. Das subtile Auge der Kamera und die Rhythmik der Montage sind poetischer als alle Literatur.

Zu den hervorragendsten Vertretern jener Bestrebungen innerhalb der fil¬ TUSALAVA (1928) mischen Avantgarde, die sich um Darstellung formalabstrakter Aspekte, Len Lye Verbindungen von Rhythmik, Ton und Bild als Einheit oder Musik und REGEN (1929) deren adäquater filmischer Umsetzung bemühten, gehört Len Lye, während Joris Ivens Barsy und Ivens dem Dokumentarfilm zugezählt werden. BRANDING (1929) Joris Ivens über sein Jugendwerk .Regen": .Ich wollte zeigen, wie sich das Joris Ivens , Gesicht einer Stadt, Amsterdams, bei Regen verändert — aber wie ein Poet oder Musiker, nicht wie ein Reporter." Mit „Branding" versuchte sich HOOGSTRAAT (1929) ivens auf dem Gebiet des Spielfilms. A. v. Barsy v. Barsy gibt eine niederländische Variante des damals modischen Gro߬ EIN LICHTSPIEL: SCHWARZ-WEISS-GRAU (1930) A. stadtfilms. Laszlo Moholy-Nagy Moholy-Nagy, einer der namhaftesten Bauhaus-Leute, zählt zu den Pionieren STUDIE 9 (1931) des Design. Seine mehr aufs Technische gerichtete Begabung zeigt sich in Hans Fischinger „Schwarz-Weiß-Grau", dem Fragment einer unvollendet gebliebenen Arbeit. Die sehr publikumswirksame „Studie 9" Hans Flschingers gehört zur Serie A COLOUR BOX (1933) jener Experimente. In denen sein berühmter Bruder Oskar Flschinger den Len Lye Rhythmus der Musik filmisch visualisierte. TRADE TATTOO (1936) Len Lye

20.00 Uhr LE retour a la raison (1923) M&n Ray

EM AK BAKIA (1927)

Man Ray

Man Ray Ist der vielseitigste unter den Filmavantgardisten. Er lernte Karto¬ graph, hungerte als kublstischer Maler und feierte Triumphe in Hollywood als Porträtphotograph. Zeltweise machte er Filme, die MarKstelne der fran¬ zösischen Avantgarde sind. Aus der Malerei übernahm er die Technik der Collage. Die beiden dadaistischen Filme „Le Retour ä la raison" und „Emak Bakia" wenden die von Man Ray erfundene „Rayographie" an: über den unbelichteten Film wurden Pfefferkörner, Salz, Nadeln und Reißnägel

L'ETOILE DE MER (1929) Mnte?^ILnRri1?n^ »!i«hbr!2li*I!d« l^^L^nJi^ verstreut," die',' bei der Projektion weiß auf schwarzem Grund erscheinen. Unter Verwendung ^Ines Ged|chtes_von_ Robert Desnos ^L-Etol]g' de meri nacn einem Gedicht von Robert Desnos, erzählt In kür¬ zester Zeit und mit zahlreichen Brechungen eine komplizierte Liebes¬ LES MYSTERES DU CHATEAU DU DE (1929) geschichte. „Les Mysteres du Chäteau du De "verwirklicht Im Film die Man Ray (Mit freundlicher Genehmigung von Raymond Rohauer) surrealistische Ästhetik.

Montag 19.30 Uhr

L-AGE D'OR (1930)

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UN CHIEN ANDAL0U (1928) Regie und Buch: Luis Bunuel und Salvador Dali; Kamera: Albert Dubergen; Ausstattung: Schilzneck; Schnitt: Luis Bunuel; Darsteller: Simone Mareull, Pierre Batcheff, Jalme Miravllles, Salvador Dali, Luis Bunuel Regle und Schnitt: Luis Bunuel; Drehbuch: Luis Bunuel und Salvador Dali; Darsteller: Gaston Modot, Lya Lys, Max Ernst, Pierre Prevert, Jose Artigas, Jacques Brunius, Caridad de Lamberdesque

Diensten

UN CHIEN ANDALOU (1928)

wicuaiay 19 30 Uhr •v.vw wiii

Regle und Buch: Luis Bunuel und Salvador Dali; Kamera: Albert Dubergen; Ausstattung: Schllzneck; Schnitt: Luis Bunuel; Darsteller: Simone Mareull, Pierre Batcheff, Jalme Miravllles, Salvador Dali, Luis Bunuel L'AGE D'OR (1930) Regle und Schnitt: Luis Bunuel; Drehbuch: Luis Bunuel und Salvador Dali: Darsteller: Gaston Modot, Lya Lys, Max Ernst, Pierre Prevert, Jose Artigas, Jacques Brunlus, Carldad de Lamberdesque

MiHwnrh minwuCn 19.30 Uhr

A PROPOS DE NICE (1929—30) Regle, Drehbuch und Schnitt: Jean Vlgo; Kamera und Mitarbeit am Drehbuch: Boris Kaufman TARIS (1932) Regle, Drehbuch und Schnitt: Jean Vlgo; Co-Regie: Jean ^JaSTo^^^^i^kuSSSS J8oUumai vivant 7FRO DE rONIDUITE f1939_i3) Regle. Drehbuch und Schnitt: Jean Vlgo; Kamera: Boris Kaufman; Musik: Maurice Jaubert: Liedertexte: Charles Goldblatt: Produktion: Argul-Film/J. L. Nounez; Darstel¬ lar: Jean Daste, Robert LeFlon, Blanchar, Larive, Mme. Emile, Henri Storck, Coco Goldstein

Dle zwei klassischen Filme des Surrealismus. Schon in seinen beiden Jugendwerken zeigt Bunuel eine von Grausamkeit und Sexualität besessene Seelenlage .„Un Chlen Andalou" genießt die Dialektik von Frustration und Pervertierung: Es galt für Bunuel und Dali das Programm, daß nur Bilder, die auch bei gründlichster Untersuchung keinerlei Erklärungsmöglichkeit boten, realisiert werden sollten. Alle Beschränkungen üblicher Moral und Vernunft sollten über Bord geworfen werden. Bunuel: .Die einzige Möglich¬ keit, die Symbole zu untersuchen, könnte vielleicht die Psychoanalyse sein." Ein heidnischer Katholizismus manifestiert sich In „L Age d'Or": das antike, das päpstliche und das moderne Rom münden In die große Orgle des Marquis de Sade. Das Szenarium von .L'Age d'Or", von Bunuel und Dali verfaßt, war ein Versuch, die Welt durch Freud und Lautreamont, de Sade und Marx zu erklären. Ursprünglich hätte der Film „Les eaux glacees du calcul egoiste" heißen sollen, ein Ausdruck aus dem „Kommu¬ nistischen Manifest" (Sadoul). Bunuels Mäzen, der Vicomte de Noailles, wurde vom Papst mit der Exkommunikation bedroht; französische Faschi¬ sten sprengten die Filmpremiere.

lm Alter von & gestorben, hinterließ Jean Vlgo vier Filme, die dennoch zu den bedeutendsten Beiträgen der französischen Kinematographie zählen. Er |Jt e|ner der vielen Märtyrer In der Geschichte des Kinos. Sein Vater war ein prominenter Anarchist, der Im Gefängnis starb. Vigos Film „Zero de condulte", eine oft nachgeahmte Satire auf den pädagogischen Stumpr*■». wurde in Frankreich als staatsgefährdend verboten. Mit sarkastischen Vergleichen entlarvt „A propos de Nlce" das mondäne Luxusleben. „Taris" 'st •'" bemerkenswerter Dokumentarfilm Ober einen französischen SchwimmChampion mit damals sensationellen Unterwasseraufnahmen.


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Donnerstag 19.30 Uhr

.Simfonlja Donbassa" Ist der erste konsequent und programmatisch durch¬ formulierte Tonfilm der Geschichte. Zu der Bild-Bild-Montage des Stumm¬ films kommen jetzt noch die Bild-Ton- und Ton-Ton-Kompositlonsebenen von Dziga Vertov; Assistenz: E. Svllova; Kamera: B. Cejt- hinzu. Die Kathedralen, Beter und Alkoholiker des alten Rußland und die lln, K Kulajev; Musik: N. Tlmofeev; Produktion: Ukrain¬ Hochöfen, Walzwerke und Aktivisten der sowjetischen Industrialisierung prallen in Bildern von barbarischer Schönheit aufeinander. Der Schönbergern Schüler Hanns Eisler: .Großartig, wie die Musik gegen das Bild stürmt, Gegensätze zwischen den beiden herausgearbeitet werden." Charlie Chaplin: .Ich hätte mir niemals vorstellen können, daß man diese Indu8trlellen Töne so schön gestalten kann. Dziga Vertov Ist ein Musiker."

SIMFONIJA DONBASSA (1930) (Entuziazm)

.Neue Filme aus Osterreich — Open House" nennt sich eine in unregel¬ mäßigen Abständen stattfindende Veranstaltung- des Österreichischen Fllmmuseums, die ausschließlich der Präsentation von Werken österreichischer Regie: Wilhelm Pellert; Drehbuch: Helmut Korherr, Wil¬ helm Peilen; Kamera: Dieter Wittich; Schnitt: Hannes Filmmacher dient. Zell; Musik: Wilhelm Pellert; Produktion: Gruppe Borobya; Darsteller: Rudolf Piack, Peter Hey, Hilde Sochor, Marianne Gerzner, Stefan Paryla

Freitag 19.30 Uhr

Neue Filme aus Osterreich — Open House JESUS VON OTTAKRING (1975)

Samstag 18.00 Uhr

VAMPYR (1932) Regle: Carl Theodor Dreyer; Drehbuch: Carl Theodor Dreyer und Christian Jul; Kamera: Rudolf Mate; Dar¬ steller: Julian West (Pseudonym für Baron Nikolas de Gunzburg), Henriette Gerard. Jan Hleronlmko, Maurice Schutz, Sybille Schmitz, Rena Nandel, Albert Bras, N. Babanlnl (Mit freundlicher Genehmigung von Raymond Rohauer)

Neben Murnaus .Nosferatu" der einzige ernstzunehmende Film aus dem Horror-Genre. Durch eine raffinierte photographische Technik sowie durch sparsame Verwendung von Wort und Ton gibt Dreyer dem Sujet des Blut¬ saugers geradezu mystische Dimensionen. Dreyer: .Stellen Sie sich vor, wir sitzen In einem gewöhnlichen Zimmer. Auf einmal erfahren wir, hinter der Türe Hege eine Leiche. Mit einem Schlag hat eich alles verändert, alles sieht ganz anders aus. Das ist der Effekt, den Ich In meinem Film erreichen wollte."

„I Clowns" ist eines der Hauptwerke Federico Fellinis. Obwohl für das Fernsehen hergestellt, hielt sich Fellini nicht an dessen tradierte Formen. Regie: Federlco Fellini; Drehbuch: Federlco Fellini, In außergewöhnlich schönen, der Traumwelt des Zirkus und des Varietes Bernardlne Zopponl; Kamera: Dario dl Palma; Musik: adäquaten Sequenzen macht er seine Liebeserklärung für diese Welt ver¬ Nlno Rota; Darsteller: Federlco Fellini, Anita Ekberg ständlich.

20.00 Uhr ' cl°wns (1970)

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Montag ANIMAL crackers (1930)

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Regle: Victor Heerman; Drehbuch: Morrle Rysklnd, Pierre Cofllngs; Kamera: George Folsey; Musik und Songs: „Why Am I So Romantlc , .Hooray For Captaln SpauldIng" von Bert Kalmar und Harry Ruby; .Colleglate" von Moe Jaffe und Nat Bonx; .Some Of These Days" von Shelton Brooks; Produktion: Paramount; Darsteller: Groucho Marx, Harpo Marx, Chico Marx, Zeppo Marx, Lilllan Roth, Margaret Dumont

Dienstag Regie: A NIGHT AT THE 0PERA (1935) Sam Wood; Drehbuch: George

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S. Kaufman, Morr|e Ryskind; Kamera: Merrit B. Gerstad; Schnitt: William LeVanway; Bauten: Cedric Gibbons; Musik und Songs: .Alone" von Naclo Herb Brown, Arthur Fried; .Cosl-Cosa" von Bronlslaw Kaper, Walter Jurmann und Ned Washington; Darsteller: Chico Marx, Groucho Marx, Harpo Marx, Kitty Carlisle, Margaret Dumont

Antonln Artaud, Gründer des Theaters der Grausamkeit, sagte von .Animal Crackers": „Eine außergewöhnliche Sache. .. Ihrem Wesen nach eine Be¬ freiung . .. eine Art Obung In geistiger Freiheit, In der das durch Kon¬ ventionen und Gewohnheiten unterdrückte Unbewußte jeder dieser Ge¬ stalten sich und uns rächt... In seiner Art Ist das brodelnde Anarchie, durch dichterische Mittel erreichte Auflösung des Wirklichen."

Raymond Durgnat zitiert In seiner großen Marx-Brothers-Arbelt Richard Wlnningtons Bemerkung, daß .A Night at the Opera" viermal so gut sei wie .Citizen Cane". Winnington habe erweiternd dazu gemeint, daß das Fehlen kritischer Proportionen die einzig angemessene Reaktion auf deren Filme sei. Sie stellten, ähnlich wie Vigos .Zero de Conduite" etwas Ab¬ solutes und Jenseits aller Vergleiche Befindliches dar. Für Durgnat wiederum war das Beweis genug für die Vermutung, daß viele kunstliebende Intel¬ lektuelle in Ihrem Innersten puerile Wilde geblieben sind. Ein Phänomen, an das man sehr oft bei der enthusiastischen Rezeption der Marx-BrothersFilme gerade unter diesen erinnert wird.

DAS ÖSTERREICHISCHE FILMMUSEUM Die Funktionen eines Filmmuseums definieren sich einerseits durch Erfassen, Sammeln und Konservie¬ ren künstlerisch, historisch oder sonst wissenschaft¬ lich relevanten Filmmaterials und andererseits durch pine permanente Vorführtätigkeit, die diese Sammlung zugänglich macht. Die im Laufe der nunmehr über elfjährigen Tätigkeit des österreichischen Film¬ museums aufgebaute Sammlung repräsentiert einen Großteil der filmgeschichtlich hervorragenden Werke, insbesondere jener der Avantgarde. Diese bildet den Grundstock der Vorführtätigkeit, da nur auf Grund¬ lage einer fundierten Kenntnis filmhistorischer Erscheinungen und Zusammenhänge filmkulturelle Bildung möglich ist. Darüber hinaus wird besonderes Augenmerk auf die Information über neue Werke und neue Tendenzen im internationalen Filmschaffen gelegt. Das österreichische Filmmuseum war und ist bestrebt, durch komplette Retrospektiven, die einer Gattung

oder einem Regisseur gewidmet sind, zur Vertiefung des Wissens über das Medium beizutragen. Große Veranstaltungen wie die Retrospektiven der Werke Bunuels, Hawks', der Marx Brothers und Karl Valen¬ tins, oder in jüngster Zeit Don Siegels, sowie Ober¬ sichten, die dem klassischen Gangsterfilm« Western und Propagandafilm gewidmet waren, konnten ein weltweites Presseecho verzeichnen. Für das gesamte Programm gilt, daß Filme ausschließlich in Original¬ fassung (also präzise so, wie vom Autor gedacht), in bestmöglicher Kopie, originalen Geschwindigkeiten (bei Stummfilmen, die in von der heutigen Norm abweichenden Geschwindigkeiten gedreht wurden) und technisch perfekt vorgeführt werden. Die umfangreiche Photo- und Materialsammlung sowie die öffentlich zugängliche und sämtliche bedeuten¬ deren Werke der Filmliteratur umfassende Bibliothek können ergänzend zum Studium in Anspruch genom¬ men werden.

Zur Retrospektive MEISTERWERKE DES AVANTGARDEFILMS ist eine Publikation des österreichischen Filmmuseums, die anläßlich seines Gastspieles In Graz aufgelegt wurde, zum Preis von S5,— erhältlich.

MIT FÖRDERUNG DES BUNDESMINISTERIUMS FOR UNTERRICHT UND KUNST DIE VORFÜHRUNGEN SIND NUR FÜR MITGLIEDER DES ÖSTERREICHISCHEN FILMMUSEUMS ZUGÄNGLICH Im Interesse der ungestörten Filmrezeption ersuchen wir Sie höflichst, die angegebenen Beginnzeiten einzuhalten. Achten Sie bitte, um diesbezüglichen Störungen vorzubeugen, auf die Numerierung Ihrer Sitze. Desgleichen ersuchen wir Sie, auch das Ende des Nachspannes, der ja noch Bestandteil des Filmes ist, abzuwarten, ehe Sie sich von Ihren Plätzen begeben.

DIE VORFÜHRUNGEN finden Montag bis Samstag im österreichischen Filmmuseum, Wien 1, Augustinerstraße 1 (Gebäude der Albertina), statt. Karten zum Regiebeitrag von S20,- und Mitgliedausweise (S20,-) sind Montag bis Samstag von 17.00 bis 20.00 Uhr Im Foyer der Albertina erhältlich. . Telefonische Reservierungen werden ausschließlich unter der Nummer 52 62 06 erbeten. ÖFFNUNGSZEITEN ZU DEN FEIERTAGEN: Das Sekretariat ist vom 20. Dezember 1975 bis 6. Jänner 1976, der Kartenschalter vom 21. bis 28. Dezember 1975 und vom 31. Dezem¬ ber 1975 bis 1. Jänner 1976 geschlossen. Am 29. und 30. Dezem¬ ber 1975 ist der Kartenschalter von 17.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. KOSTENLOSE MITGLIEDSKARTEN FÜR JUGENDLICHE

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16 UND 20 JAHREN

BIBLIOTHEK Den Benutzern der Nachschlagbibliothek des österreichischen Filmmuseums stehen Karteien zur Verfügung, die nach Autoren, Titeln, Regisseuren und Stichworten aufgegliedert sind. Außer¬ dem können etwa 80 ständig aufliegende Zeitschriften eingesehen werden, zu denen ein ähnlicher Index vorhanden ist. Es besteht die Möglichkeit, Xerox-Kopien für Studienzwecke herzustellen. Die Bibliothek ist Montag bis Freitag (außer feiertags) von 9.00 bis 13.00 Uhr und von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet (Lichttildausweis erforderlich). Vom 20. Dezember 1975 bis 6. Jänner 1976 ist die Bibliothek ge¬ schlossen.

FÜR DAS ZUSTANDEKOMMEN DER VORFÜHRUNGEN DANKEN WIR:

Luis Bunuel, Central Office of Information, Ceskoslovensky Filmovy Archiv, Det Danske Filmmuseum, Gosfilmofond, MCA-TV, The Museum of Modern Art, Dept. of Film, The National Film Archive, London, Nederlands Filmmuseum, Radio Televisione Italiana, Jean Renoir, Hans Richter, Raymond Rohauer, Staat¬ liches Filmarchiv der DDR. NUMMER 9/1975 P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1010 Wien Bei Unzusteiibarkeit zurück an: österreichisches Filmmuseum, Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1010 Wien

BESTELLTE KARTEN KÖNNEN NUR BIS ZWEI KASSENTAGE VOR DER VORSTELLUNG RESERVIERT WERDEN Eigentümer, Herausgeber und Verleger: österreichisches Film¬ museum. Für den Inhalt verantwortlich: Peter Kübelka, alle 1010 Wien, Augustinerstraße 1. Druck der MechitharistenBuchdruckerei, 1070 Wien, Mechitaristengasse 4.

MITTEILUNGEN DES OSTEMtEOnSCDHEN FILMMUSEUMS


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