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gliert, ist allenfalls die Story etwas schlicht geraten. »La La Land« ist sicher nicht der Film, der mit dem Fehlschluss aufräumen wird, Musicals könnten nicht auch komplexe Inhalte transportieren. Dafür aber könnte er sehr wohl ein neues Publikum für ein Genre gewinnen, das seine Virtuosität nicht immer so dezent präsentiert wie in diesem Fall. Dass Chazelle dabei die Chemie zwischen seinen Darstellern über gesangliche und tänzerische Perfektion stellt, macht es nur leichter, sich in diese Welt der Träume hineinzufinden, die mittels der Musik beschworen wird. Nicht weil der Film weismachen würde, dass Träume stets in Erfüllung gehen müssten. Sondern weil er klarmacht, wie furchtbar es wäre, keine zu haben. Marius Nobach

Ein Haus in Ninh Hoa

L

The Bicycle

Zwei Frauen in der südvietnamesischen Küstenstadt Ninh Hoa erinnern sich anhand von Briefen, Postkarten und Fotos an ihr Familienleben. Ein Bruder ging in den 1970erJahren als Diplomat nach Deutschland, zwei andere Brüder gerieten in die Wirren des Vietnam-Kriegs. Der unaufgeregt-zurückhaltende Dokumentarfilm entwirft ein komplexes Gewebe aus Gegenwart und Vergangenheit, wobei er höchst sorgsam mit den Leerstellen der Erinnerungen umgeht. Am Ende rekapituliert der Sohn die Familiengeschichte, was die durch die Montage erzielte Beiläufigkeit spielerisch geradezu ironisiert. – Ab 14.

Ein Hamburger Hobbyfilmer und eine Kanadierin pflegen eine komplizierte Fernbeziehung. Um ihre Liebe zu retten, treffen sie sich im sommerlichen Paris, doch lassen ihre charakterlichen Unterschiede schnell wieder die alten Konflikte aufbrechen. Der Versuch, Jean-Luc Godards »Außer Atem« mit Richard Linklaters »Before Sunrise« zu mischen, scheitert am lähmenden Leerlauf tausendfach ausgetretener Pfade. Eine erschöpfende Übung in Ziellosigkeit, vor allem auch, weil der einsamen Zweisamkeit der Anti-Romanze jeder Anflug von Charme fehlt. – Ab 14.

Deutschland 2016 | R: Phil Widmann | 113 Min. | Start: 5.1. | FSK: ab 0; f | FD-Kritik: 44 404

Deutschland 2015 | R: Arne Körner | 82 Min. | Start: 12.1. | FD-Kritik: 44 405

Plötzlich Papa

Die Hollars

Ein lebenslustiger Franzose kutschiert Touristen entlang der Mittelmeerküste, bis ihm eine Strandbekanntschaft ein Baby in die Hand drückt und verschwindet. Auf der Suche nach ihr strandet er in London, wird Stuntman und wandelt sich zum mustergültigen Alleinerziehenden. Gut gespielte, elegant fotografierte Vater-Tochter-Komödie, die pointiert von Liebe und Notlügen, Verantwortung und dem Sinn des Lebens, aber auch von den unterschiedlichen Lebensweisen auf beiden Seiten des Ärmelkanals erzählt. Das französische Remake eines mexikanischen Erfolgsfilms fällt dabei deutlich gefälliger, aber auch harmloser als der Original aus. – Ab 14.

Als sich seine Mutter einer schweren Operation unterziehen muss, kehrt ein beruflich gescheiterter Graphic-Novel-Zeichner aus New York in seinen Heimatort zurück. Dort begegnet er nicht nur seinem geschiedenen Bruder, sondern auch einer Ex-Freundin, was prompt seine eifersüchtige Lebensgefährtin in das Provinzkaff lockt. Gemächlich entwickeltes Drama einer Familienzusammenführung, das die Konflikte zwischen den Figuren nur wenig pointiert ausspielt, sodass die Zweifel und Zerwürfnisse behauptet wirken. Auch die zahlreichen Folk-Songs und gute Darsteller täuschen nicht über den inszenatorischen Leerlauf hinweg. – Ab 14.

DEMAIN TOUT COMMENCE. Frankreich 2015 | R: Hugo Gélin | 118 Min. | FD-Kritik: 44 406

THE HOLLARS USA 2016 | R: John Krasinski | 88 Min. | Start: 12.1. | FSK: ab 0; f | FD Kritik: 44 407

BEWERTUNG DER FILMKOMMISSION

Eine junge Schauspielanwärterin und ein Jazz-Pianist finden in Los Angeles zueinander, erleben den Höhenflug ihrer ersten Liebe, erfahren aber auch die Belastungen ihrer Beziehung, als sie ihre Karrieren neu ausrichten. Ein von der Handlung betont schlichtes, inszenatorisch dafür umso einfallsreicher umgesetztes JazzMusical, das mit charmanten Darstellern, ausgefeilten Choreografien und beschwingten Songs begeistert. Ohne sich je im bloßen Imitat zu erschöpfen, greift der Film auf klassische Vorbilder zurück und verdichtet sich zu einer mitreißenden Hommage auf Los Angeles, das Kino und das Recht zu träumen. – Sehenswert ab 14.

LA LA LAND. Scope. USA 2016 Regie: Damien Chazelle Darsteller: Ryan Gosling (Sebastian), Emma Stone (Mia), J. K. Simmons (Bill), Finn Wittrock (Greg), John Legend (Keith), Rosemarie DeWitt (Laura) Länge: 128 Min. | Kinostart: 12.1. 2017 Verleih: StudioCanal | FSK: ab 0; f FD-Kritik: 44 403

FILMDIENST 01 | 2017

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