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KRITIKEN NEUE FILME

La La Land

Emma Stone und Ryan Gosling erobern tanzend die Stadt der Engel Was für ein Anblick! In der ganzen Weite des Cinemascope-Formats breitet sich Los Angeles County aus, die Stadt selbst blinkt verheißungsvoll am Horizont. Jedenfalls, wenn man nicht auf den verstopften Freeways dorthin muss, so wie die Menschen in den Fahrzeugkolonnen, mit denen sofort ein wenig prosaischer Alltag in den Film kommt. Langsam gleitet die Kamera an den hupenden Autos entlang, bis eine Fahrerin plötzlich aussteigt und beginnt, eine Hymne auf L.A. anzustimmen, bald gefolgt von den anderen Wageninsassen. Wie sie dabei im choreografischen Einklang auf den Autodächern singen und tanzen, erinnert an das aktuelle Phänomen der Flashmobs, ist zugleich aber schon die erste Referenz des Films an die Geschichte des Musical-Genres. Tanzen ist im Kino immer auch »Freitanzen«, ob wie hier von der Zumutung des Verkehrs und der kalifornischen Gluthitze oder wie im

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Filmdienst 01 | 2017

klassischen Hollywood von den diversen Drehbuch-Zwängen, die so vollendete Tänzer wie Fred Astaire, Ginger Rogers und Gene Kelly daran hindern wollten, sich ihrem ureigensten Talent hinzugeben. Auch die Geschichte, die der US-Regisseur Damien Chazelle im Folgenden in seinem Film »La La Land« erzählt, erinnert an Astaire-Rogers-Paarungen wie »Top Hat«. So wie diese immer mehrere Begegnungen brauchten, um zueinander zu finden, ist es auch bei Ryan Gosling und Emma Stone als ihren modernen Wiedergängern Sebastian und Mia keine Liebe auf den ersten Blick. Mia arbeitet in einem Café und geht regelmäßig zu Vorsprechen, sieht ihren Traum aber stets nach einem Satz wieder platzen. Der Pianist Sebastian träumt derweil von einem eigenen Jazz-Club, tut sich aber vorerst schwer, auch nur die Lebenshaltungskosten mit seiner Musik zu bestreiten. Kein Wunder, dass

der erste genervte Kontakt zwischen ihnen eigentlich gar keiner ist. Sie haben genug anderes im Kopf. Mit dem Ringen von Künstlern um einen Platz in der Welt greift Damien Chazelle das Thema seines vorigen Films »Whiplash« wieder auf, allerdings unter gänzlich anderen Vorzeichen. Wo sich die junge MusikerHauptfigur darin bis zur Selbstzerstörung aufrieb, um einem tyrannischen Bandleader zu gefallen, widersetzt sich Sebastian dem Druck seines Bosses – dass beide Autoritätsfiguren vom selben Schauspieler, J.K. Simmons, gespielt werden, ist eine zusätzliche Pointe. Statt in einem Restaurant nur im Hintergrund zu klimpern, lässt Sebastian sich zu einer Improvisation hinreißen, wofür er natürlich prompt gefeuert wird. Mit seiner Musik hat er jedoch die zufällig vorbeigehende Mia angezogen, die der trotzig hinausstürmende Pianist allerdings ein weiteres Mal übersieht.

So ist es, anders als in alten Hollywood-Musicals, der jungen Frau vorbehalten, die Beziehung anzustoßen. Als sie Sebastian bald darauf auf einer Party wiedertrifft und das Gespräch mit ihm sucht, sprühen die Funken schon heftiger. Ein wenig kabbeln sie sich noch, doch ein Spaziergang schafft endgültig Klarheit: Im pastellfarbenen Licht der untergehenden Sonne und aufflammenden Straßenlaternen kommt es zur ersten einer Reihe charmanter Tanzszenen, die durch die natürliche Ausstrahlung der Darsteller zuerst spontan wirken, um an Intensität und Einfallsreichtum zuzunehmen, je weiter die Beziehung sich entwickelt. Der Höhepunkt wird ein Besuch in jedem Planetarium bei L.A. sein, in dem schon zentrale Szenen von »...denn sie wissen nicht, was sie tun« gedreht wurden. Hier streift das Paar endgültig alle irdischen Fesseln ab und entschwebt in den Sternenhimmel, um seine Liebe dort tanzend zu besiegeln. Trotz aller Technicolor-Bilder, ausgefeilter Choreographien und der beschwingten Melodien von Justin Hurwitz ist »La La Land« allerdings weit mehr als ein Imitat der Filme eines Vincente Minnelli oder Stanley Donen und erschöpft sich auch nicht in der bloßen Hommage. Damien Chazelle lässt Mias und Sebastians Beziehung in vier Kapiteln und einem Epilog Höhen und Tiefen durchmachen, mit reichlich melancholischen Noten, die als weiteres Vorbild Jacques Demys »Die Regenschirme von Cherbourg« ausweisen. Ein glattes Happy End ist daher nicht zu erwarten, wenn Sebastian und Mia in der zweiten Hälfte des Films ihre Karrierepläne neu ausrichten und sich der Preis des Erfolgs als bittersüß erweist. Bei all der erstaunlichen Sicherheit, mit der der erst 31-jährige Damien Chazelle mit Elementen der Kino-Musical-Historie jon-


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