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Diplomprüfung aus Finanzrecht, 04.10.2010. Univ. Prof. Dr. Sabine Kirchmayr-Schliesselberger; Univ. Prof. Dr. Michael Tanzer Die Arbeitszeit beträgt 90 Minuten. Achten Sie auf die Fragestellung, antworten Sie kurz und sachgerecht; für Antworten, die nicht gefragt wurden, werden auch keine Punkte vergeben. Bei Unklarheiten im Sachverhalt treffen Sie Annahmen. Schreiben Sie nur auf der ausgeteilten Angabe. Der freie Platz hat keine Bedeutung für die notwendige Länge der Beantwortung. Sollten Sie während der Prüfung mit einer Gesetzesausgabe angetroffen werden, die mehr als reine Paragraphenverweise und Unterstreichungen enthält, wird Ihnen diese abgenommen. Prüfungen, bei denen unerlaubte Hilfsmittel mitgenommen oder verwendet werden, werden nicht beurteilt. Die Prüfung wird jedoch auf die Gesamtzahl der Wiederholungen angerechnet (§ 10 Abs 6a der Satzung der Universität Wien).

Punkte: 43 – 50: Sehr gut 38 – 42: Gut

32 – 37: Befriedigend 26 – 31: Genügend 0 – 25: Nicht genügend

Nachname:

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Teil I: ______ Teil II: ______

Vorname:

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Punkte gesamt:

Matrikelnummer: _______________________

Note:

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Teil 1 – Ertragsteuern [ 25 P] 1. [1 P] Definieren Sie „Gemeinschaftliche Bundesabgaben“ und nennen Sie 3 Beispiele!

2. [1 P] Erklären Sie den Zweck der Übertragung der Stillen Reserven (nicht die Voraussetzungen)!


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3. [ 8 P] Beurteilen Sie folgende Einkünfte nach einkommenssteuerrechtlichen Gesichtspunkten!

a) A ist mit 15 % an der A-KG beteiligt, die im Einzelhandel tätig ist. A erbringt für die A-KG Büroarbeiten gegen ein Monatsentgelt von EUR 1.500,00 weisungsgebunden und persönlich. Welche Einkünfte hat A? Begründen Sie die Antwort. [1]

b) D ist mit 20 % an E-GmbH beteiligt, von der er für seine Geschäftsführer-Tätigkeit aufgrund eines Werkvertrages EUR 1.400,00 monatlich bezieht. Welche Einkünfte hat D? Begründen Sie die Antwort! [1]

c) C verkauft ein Mietgebäude (Wert EUR 100.000,00) aus dem Privatvermögen gegen eine Rente. Der Kapitalwert der Rente beläuft sich auf 150 % des Wertes des Mietgebäudes. Beurteilen Sie den Sachverhalt! [2,5]

d) Eine rechnungslegungspflichtige Fleischhauerei erwirtschaftet aus der Vermietung von Wohnungen jährlich EUR 100.000,00. Welche Einkünfte könnten vorliegen? [1,5]


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e) E vererbt seinem Sohn 0,5 % der vor 3 Jahren von E erworbenen 5 % Beteiligung an einer AG. Sein Sohn verkauft die Beteiligung nach 3 Jahren. Welche Einkünfte hat sein Sohn? Begründen Sie die Antwort! [2]

4. [ 3 P] A erbt von seinem Vater ein Mietgebäude. Danach lässt er die bereits dem Grunde nach schadhaften Elektro-Installationen komplett erneuern und die Fenster neu streichen. a) Welche Bemessungsgrundlage ist für die AfA heranzuziehen? [1]

b) Wie beurteilen Sie die Aufwendungen? [1]

c) Nach 5 Jahren schenkt er das Gebäude B. Welche Auswirkungen hat die Schenkung hinsichtlich der Aufwendungen? [1]


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5. [ 7 P] Die österreichische A-AG (Muttergesellschaft) ist seit 6 Monaten zu 75 % an der inländischen B-AG und zu 5 % an der slowakischen C-AG (Tochtergesellschaft) beteiligt. a) Am 01.01.2010 erwarb die A-AG von der B-AG ein in deren Eigentum befindliches Aktienpaket mit einem Kurs- und Buchwert von EUR 800.000,00 um nur EUR 500.000,00. Beurteilen Sie den Sachverhalt! [2,5]

b) A-AG verkauft Ende 2010 die Anteile an der C-AG mit einem Verlust von EUR 1 Mio. Beurteilen Sie den Sachverhalt! [2]

c) Weiters ist die österreichische A-AG seit 6 Monaten zu 5 % an der bulgarischen D-AG beteiligt (anzuwendender Körperschaftssteuersatz in Bulgarien: 10 %) [2,5]


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6. [5 P] A hat 2007 eine Privatstiftung gegründet und dieser ein Mietgebäude (angeschafft 1998) mit Mieteinkünften von jährlich EUR 50.000,00 sowie eine Anleihe (Nominale EUR 500.000,00) mit jährlichem Zinsertrag von EUR 20.000,00 unentgeltlich gewidmet.

a) Beurteilen Sie die Mieteinkünfte! [1]

b) Das Mietgebäude wird mit Gewinn im Jahr 2010 veräußert! [1]

c) Der Zinsertrag wird jeweils nach zwei Jahren an den Begünstigten ausgeschüttet. Beurteilen Sie den jährlichen Zinsertrag bei der Privatstiftung sowie die Ausschüttungen an den Begünstigten! [2]

d) Im Jahr 2011 wird die Anleihe dem Begünstigten zugewendet! [1]


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Teil 2 – Verfahrensrecht, Finanzstrafrecht, Verkehrssteuern, Gebühren [25 P] 7. [7 P] Beurteilen Sie folgende Sachverhalte aus umsatzsteuerlicher Sicht: a) Beurteilen Sie folgenden Sachverhalt hinsichtlich Steuerschuld und Vorsteuerabzug: Der Arzneimittelhändler U aus Wien lässt sich von einem Versandhaus aus Frankreich mehrere Flaschen Cognac im Wert von € 500,- liefern. Diesen verschenkt er aa. an seine Geschäftspartner. (2) bb. an seiner Freunde. (2)

b) Die Arbeitskräfteüberlassungs-GmbH überlässt 5 Arbeiter dem Bauunternehmer B. B lässt sie für sein Bauunternehmen Fassaden verputzen. Beurteilen Sie den Sachverhalt aus umsatzsteuerrechtlicher Sicht (1,5).

c) Der Rechtsanwalt R aus Wien berät eine Arztgattin aus Basel in Bezug auf ihre anstehende Scheidung. Wo liegt der umsatzsteuerliche Leistungsort (1,5)?


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8. [6,5 P] Frau X schenkt ihrem Sohn F ein Grundstück (Einheitswert: 150.000 €; Verkehrswert: 750.000 €), ihrer Nichte eine Gemäldesammlung (45.000 €) und ihrem Patenkind ein Diamantenkollier (8.000 €). Das Patenkind hat vor vier Jahren zwei Reitpferde (insgesamt 9.000 €) unentgeltlich von ihr erhalten. Welche steuerlichen Pflichten ergeben sich aus der Schenkung a) des Grundstücks? (2)

b) der Gemäldesammlung? (1)

c) des Diamantenkolliers? (2)

d) Mit welchen Konsequenzen ist zu rechnen, wenn X den steuerlichen Verpflichtungen, die sich aus der Schenkung des Diamantenkolliers ergeben, absichtlich nicht nachkommt? (1)

e) Variante: Die steuerliche Verpflichtung wurde versehentlich verletzt (0,5).


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9. [3,5 P] Beurteilen Sie folgende Sachverhalte aus verkehrssteuerrechtlicher Sicht: a) X nimmt ein Darlehen von Y auf. Zur Besicherung des Darlehens begründet X eine Hypothek auf seinem Haus und seine Mutter übernimmt eine Bürgschaft. Die Vereinbarungen über Darlehen, Hypothek und Bürgschaft werden in einer gemeinsamen Urkunde abgefasst. Diese Urkunde wird sowohl für X als auch für Y angefertigt. (3)

b) Noch bevor die Darlehenssumme übergeben worden ist, erfährt X, dass er in der Lotterie gewonnen hat. Nachdem seine Geldsorgen nunmehr vorbei sind, erklären alle Beteiligten ihre Vereinbarungen für hinfällig. Beurteilen Sie die gebührenrechtlichen Auswirkungen(0,5):

10. [2,5 P] I aus Innsbruck und S aus Salzburg treffen sich in München beim Oktoberfest. Dort schließen sie schriftlich einen Mietvertrag über das Ferienhaus des S am Mondsee (Salzburg) ab, dass dieser an I vermieten will. Dabei wird die Zustimmung von der Gattin des S als aufschiebende Bedingung vereinbart. In der Folge lehnt diese die Vermietung ab. (2,5)


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11. [3,5] a) A wartet bereits seit 9 Monaten seit der Abgabe seiner Steuererklärung für 2003 auf die bescheidmäßige Abgabenfestsetzung durch das Finanzamt. Als er telefonisch nachfragt, erhält er die Antwort, die Behörde sei momentan wegen Personalmangels überlastet. Variante. Die Behörde kann nicht entscheiden, da sie weitere notwendige Ermittlungen pflegen muss. (1,5)

b) Der UFS entscheidet ebenfalls nicht in der Angelegenheit des A. (0,5)

c) A erhält im August 2005 endlich seinen Bescheid. Aus diesem ergibt sich, dass er für 2003 zu hohe Vorauszahlungen geleistet hat. Variante: A erhält den Bescheid erst im Jahr 2009. (1,5)

12. [2 P] A und B sind die beiden einzigen Gesellschafter der AB-GmbH. B bringt in die Gesellschaft ein Grundstück ein. Zwei Jahren später überträgt B dem A seine Anteile an der Gesellschaft. A bleibt als Alleingesellschafter zurück. Beurteilen Sie die Vorgänge aus verkehrssteuerlicher Sicht.

DP 2010-10 - Angabe  

Diplomprüfung aus Finanzrecht, 04.10.2010. Nachname: _______________________ Teil I: ______ Teil II: ______ Punkte: 32 – 37: Befriedigend 43...