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Diplomprüfung aus Finanzrecht  

Diplomprüfung aus Finanzrecht, 1.3.2010  o. Univ. Prof. Dr. Werner Doralt; Univ. Prof. Dr. Michael Tanzer  Die Arbeitszeit beträgt 90 Minuten. Achten Sie auf die Fragestellung, antworten Sie kurz und sachgerecht; für Antwor‐ ten, die nicht gefragt wurden, werden auch keine Punkte vergeben.  Bei Unklarheiten im Sachverhalt treffen Sie Annahmen.  Schreiben  Sie  nur  auf  der  ausgeteilten  Angabe.  Der  freie  Platz  hat  keine  Bedeutung  für  die  notwendige  Länge  der  Beantwortung.  Sollten Sie während der Prüfung mit einer Gesetzesausgabe angetroffen werden, die mehr als reine Paragraphenver‐ weise und Unterstreichungen enthält, wird Ihnen diese abgenommen.  Prüfungen,  bei  denen  unerlaubte  Hilfsmittel  mitgenommen  oder  verwendet  werden,  werden  nicht  beurteilt.  Die  Prüfung wird jedoch auf die Gesamtzahl der Wiederholungen angerechnet (§ 10 Abs 6a der Satzung der Universität  Wien). 

  Punkte:   44 – 50: Sehr gut  38 – 43: Gut    Nachname: 

32 – 37: Befriedigend  26 – 31: Genügend    0 – 25: Nicht genügend  _______________________ 

Teil I: ______ Teil II:   ______ 

_______________________ 

Punkte gesamt:  

  Vorname:  

_______ 

  Matrikelnummer:  _______________________ 

Note: 

________________ 

    Teil 1 – Ertragsteuern [26 P]  1. [2 P]  a) Worin unterscheidet sich der Teilwert vom gemeinen Wert (bitte keine Definition, sondern nur den  Unterschied)? [1]                b) Inwiefern folgt die Unternehmensbilanz dem Teilwert? [1]            Seite 1 von 10 


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2. Einkommensteuer [5 P]  a) Herr X erhält Vergütungen als Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft.  Welche Einkünfte bezieht X (Einkunftsart)? [0,5]        b) A ist als stiller Gesellschafter nur am Gewinn und Verlust einer gewerblich tätigen Personengesell‐ schaft beteiligt. Welche Einkünfte bezieht A (Einkunftsart)? [0,5]         Herrn A werden folgende Verlust‐ bzw. Gewinnanteile (Personengesellschaft) zugewiesen:  2009: Verlust iHv € 200.000,‐  2010: Gewinn iHv € 300.000,‐   Wie sind diese steuerlich zu behandeln? [1]             Wie erfolgt die Steuererhebung bei A‘s Einkünften aus der stillen Beteiligung? [2]                      c) Variante: A ist auch an den stillen Reserven und am Firmenwert der Personengesellschaft beteiligt.  Welche Einkünfte bezieht A und wie erfolgt die Gewinnermittlung? [1]            Seite 2 von 10 


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3. Einkommensteuer [6 P]  a) Der Unternehmer E lässt eine neue Erfindung zur weiteren Nutzung in seinem Betrieb patentieren.  Im Rahmen der Patententwicklung fallen Aufwendungen iHv € 200.000,‐ an. E will zur Vermeidung  eines Verlustes die Entwicklungskosten aktivieren. Nehmen Sie dazu Stellung. [1]          b) E übt seine betriebliche Tätigkeit im Erdgeschoß seines Hauses aus. Die Nutzfläche des Erdgescho‐ ßes beträgt etwa ein Drittel der Gesamtnutzfläche des Hauses. Wie sind die Aufwendungen steuer‐ lich zu berücksichtigen? [1]          c) Für seine betriebliche Tätigkeit schafft E einen PKW um € 80.000,‐ an. Allerdings verwendet er den  PKW auch für private Zwecke (ca. 25 %).   1.

Wie ist der PKW einkommenssteuerlich zu beurteilen? [2] 

                  2.

Welche Besonderheiten sind im Bereich der steuerlichen Aufwendungen des erwähnten PKW  zu beachten? [2] 

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4. Einkommensteuer [2 P]  Der verstorbene X hat seinen Töchtern folgende Vermögenswerte hinterlassen:  1. Tochter A einen Betrieb (Verkehrswert € 500.000,‐; Buchwert € 200.000,‐)   2. Tochter B eine vermietete Liegenschaft (Verkehrswert € 500.000,‐; Anschaffungskosten vor 8 Jahren   € 400.000,‐).  Die Töchter veräußern anschließend (nach einem Jahr) die Vermögenswerte um den genannten Verkehrs‐ wert.     A  hatte  beabsichtigt,  sein  Vermögen  gleichmäßig  aufteilen,  ist  ihm  das  aus  Sicht  des  EStG  gelungen  (Be‐ gründung)?  a) Tochter A [1]              b) Tochter B [1]              5. Einkommensteuer [5 P]   Der 60jährige Y veräußert seinen Betrieb (Verkehrswert € 100.000, Buchwert € 20.000,‐) gegen eine Rente.  Beurteilen Sie folgende Konstellationen aus Sicht des Rentenempfängers und des Rentenverpflichteten:  a) Der Käufer ist sein Sohn A, der Rentenbarwert beträgt € 30.000,‐ [1]                  b) Der Käufer ist der Konkurrent B, der Rentenbarwert beträgt € 110.000,‐ [1]                Seite 4 von 10 


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c) Die Käuferin ist die Tochter C, der Rentenbarwert beträgt € 250.000,‐ [1]                d) Y veräußert nicht seinen Betrieb, sonder sein Privatgrundstück (Verkehrswert € 100.000,‐) an den  Nachbarn D, Rentenbarwert € 100.000,‐ [2]                      6. Körperschaftsteuer [3 P]  Beurteilen Sie nachfolgende Erträge nach dem KStG und EStG.  a) Das Stift Heiligenkreuz bezieht Einkünfte aus dem Verkauf von CDs von Choraufführungen der Pat‐ res. [1]            b) Das Stift Klosterneuburg bezieht Einkünfte aus einem Weingut. [1]          c) Das Stift Klosterneuburg bezieht Einkünfte aus einer Glaserzeugungs‐GmbH. [1]          Seite 5 von 10 


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7. Privatstiftung [3 P]

 

Welche 3 großen steuerlichen Vorteile genießen Privatstiftungen?                            Teil 2 – Umsatzsteuer, Gebühren, Verkehrssteuern, Verfahrensrecht, Finanzstrafrecht [24 P]  8. Umsatzsteuer [6 P]  Beurteilen Sie folgende Sachverhalte aus umsatzsteuerrechtlicher Sicht:  a) Die Bank B verwendet eine Rechenmaschine (Anschaffungskosten € 1.200.000,‐ inkl. USt) seit 5 Jah‐ ren  für  Kreditvermittlung.  Ab  dem  6.  Jahr  wird  der  Computer  für  die  Immobilienverwaltung  ver‐ wendet. [1]          b) Der Finanzbeamte A hat Nebeneinkünfte von € 20.000,‐ jährlich als Sachverständiger. Wie soll A  vorgehen, wenn er folgende Unternehmen iSd UStG beraten hat [2]:  1) Versicherung  2) Bauunternehmen                    Seite 6 von 10 


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c) A  bestellt  privat  für  sein  Eigenheim  bei  einem  ungarischen  Unternehmen  U  Mineralöl.  Der  Ver‐ sandumsatz von U nach Österreich beträgt € 40.000,‐ [1]          d) Das Schweizer Unternehmen A berät im Zusammenhang mit einem Grundstückskauf in Vorarlberg  (Umsatzsteuerpflicht im Inland)   1. das österreichische Unternehmen U, und  2. die österreichische Privatperson P  Beurteilen Sie die Steuerschuld und die Haftung. [2]                    9.

Gebühren und Verkehrssteuern [6 P]  

Beurteilen Sie folgende Sachverhalte.  a) Die X‐AG (Wien) vereinbart mit der A‐GmbH (Eisenstadt), ihr einen Kredit zu gewähren, unter der  Bedingung, dass der Aufsichtsrat der X‐AG zustimmt; die Urkunde wird am 1.12.2009 errichtet, die  Zustimmung erfolgt am 1.3.2010. Danach wird das Darlehen dem Finanzamt angezeigt. Die B‐GmbH  (Schwestergesellschaft der A‐GmbH) räumt der X‐AG im Gegenzug ein Pfandrecht an ihrer Liegen‐ schaft ein. [1,5]            b) Die Muttergesellschaft gewährt der Tochtergesellschaft ein Darlehen, weil die Tochtergesellschaft  nicht mehr kreditwürdig ist. [1,5]          Seite 7 von 10 


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c) Zwischen  der  Muttergesellschaft  und  der  Tochtergesellschaft  wird  ein  Darlehensvertrag  mündlich  abgeschlossen und in die Bilanzen beider Unternehmen aufgenommen. [1]              d) Herr A schließt mit seiner zukünftigen Frau vor der Eheschließung eine Regelung über den Unter‐ halt im Falle einer Scheidung und eine Vereinbarung über das Heiratsgut ab. [2]                        10. Gebühren und Verkehrssteuern [2 P]  Welche steuerrechtlichen Auswirkungen haben folgende Vorgänge  a) A kauft eine Wohnung, nimmt aber kurz darauf das Rücktrittsrecht nach dem Konsumentenschutz‐ gesetz in Anspruch. [1]            b) B mietet eine Wohnung und nimmt kurz darauf das Rücktrittsrecht nach dem Konsumentenschutz‐ gesetz in Anspruch. [1]             

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11. Verfahrensrecht (4 P)  Beurteilen Sie folgende Sachverhalte im Abgabenverfahren.  a) Das Finanzamt hat eine ergänzende Eingabe des Steuerpflichtigen übersehen und die Steuern  zu niedrig festgesetzt. Anläßlich einer internen Revision erkennt das Finanzamt nach einem Jahr  den Fehler. Welche Möglichkeiten hat das Finanzamt den Fehler zu berichtigen? [1,5]              b) Welche Möglichkeiten hat das Finanzamt, wenn es nach 1 Monat sieht, dass die Daten von zwei  Steuerpflichtigen verwechselt und daher der „falsche“ Bescheid zugestellt wurde? [1]          c) Der UFS gibt einer Berufung statt. Das Finanzamt hält die Entscheidung des UFS jedoch für un‐ richtig. Nehmen Sie dazu Stellung? [0,5]        d) Nachdem die X GmbH in Konkurs gegangen ist, nimmt die Abgabenbehörde für die ausstehen‐ den Abgaben den Geschäftsführer in Anspruch. Beurteilen Sie die Rechtslage [1]              12. Finanzstrafrecht und Verfahrensrecht (6 P.)  a)

A hat seine Steuererklärung nicht zeitgerecht abgegeben. Da er nicht zum ersten Mal säumig  war,  verhängt  das  Finanzamt  einen  Säumniszuschlag  und  setzt  außerdem  eine  bedingte  Fi‐ nanzstrafe wegen Verletzung von Abgabenvorschriften fest. Nehmen Sie dazu Stellung?   1. Welches Finanzvergehen liegt hier vor? [0,5]        Seite 9 von 10 


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2. Säumniszuschlag? [0,5]        3. Bedingte Finanzstrafe? [1]          b)

Die Finanzbehörde hat von einem Bankmitarbeiter Daten über vermutete Steuerhinziehungen  erhalten. Um der drohenden Aufdeckung zuvorzukommen, macht der Steuerpflichtige A eine  umfassende Selbstanzeige beim zuständigen Finanzamt, um Straffreiheit zu erwirken. Wird er  Erfolg haben (Begründung)? [1] 

          c)

A hat Wiener Vergnügungssteuer hinterzogen, macht aber bei der zuständigen Gemeinde nach  § 29 FinStrG eine Selbstanzeige. Die Behörde verweigert die strafbefreiende Wirkung mangels  Deckung im Gesetz. Nehmen Sie zum Sachverhalt und zur Problematik Stellung? [3] 

 

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DP 2010-03 Angabe