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Diplomprüfung aus Finanzrecht  

 

27.04.2009 

Diplomprüfung aus Finanzrecht, 05.10.2009.  o. Univ. Prof. Dr. Werner Doralt; Univ. Prof. Dr. Michael Tanzer  Die Arbeitszeit beträgt 90 Minuten. Achten Sie auf die Fragestellung, antworten Sie kurz und sachgerecht; für Antwor‐ ten, die nicht gefragt wurden, werden auch keine Punkte vergeben.  Bei Unklarheiten im Sachverhalt treffen Sie Annahmen.  Schreiben Sie nur auf der ausgeteilten Angabe. Der freie Platz hat keine Bedeutung für die notwendige Länge der Be‐ antwortung.  Sollten Sie während der Prüfung mit einer Gesetzesausgabe angetroffen werden, die mehr als reine Paragraphenver‐ weise und Unterstreichungen enthält, wird Ihnen diese abgenommen.  Prüfungen,  bei  denen  unerlaubte  Hilfsmittel  mitgenommen  oder  verwendet  werden,  werden  nicht  beurteilt.  Die  Prüfung wird jedoch auf die Gesamtzahl der Wiederholungen angerechnet (§ 10 Abs 6a der Satzung der Universität  Wien). 

  Punkte:   43 – 48: Sehr gut  37 – 42: Gut    Nachname: 

31 – 36: Befriedigend  25 – 30: Genügend    0 – 24: Nicht genügend  _______________________ 

Teil I: ______ Teil II:   ______ 

_______________________ 

Punkte gesamt:  

  Vorname:  

_______ 

  Matrikelnummer:  _______________________ 

Note: 

________________ 

    Teil 1 – Ertragsteuern [24 P]      1. [2 P]   Wie ermittelt der Erwerber eines Unternehmens den Firmenwert? Wie wird der Firmenwert in der  Steuerbilanz und in der Unternehmensbilanz behandelt?  Der Firmenwert oder „good will“ eines Unternehmens wird nur bei entgeltlichem Erwerb eines Un‐ ternehmens ausgewiesen; er bezeichnet die Differenz zwischen Kaufpreis und der Summe der zum  Teilwert bewerteten übernommenen Wirtschaftsgüter [1]. Der Firmenwert muss in der Steuerbilanz  ausgewiesen werden und ist zwingend auf 15 Jahre verteilt abzuschreiben (§ 8 Abs 3 EStG) [0,5]; in  der Unternehmensbilanz kann er ausgewiesen werden und wird auf die voraussichtliche Nutzungs‐ dauer verteilt (§ 203 Abs 5 UGB)  [0,5].  [Doralt 2008/09 Tz 107] 

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27.04.2009 

2. [3 P]  a) Ein Möbelhändler aus München liefert an einen Kunden in Salzburg Möbel und erzielt dar‐ aus einen Gewinn von 10.000 €. Inwieweit unterliegt er mit dem Gewinn der ESt in Öster‐ reich (ohne DBA)? [1]  Da der Möbelhändler keinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat, ist er nicht un‐ beschränkt steuerpflichtig (vgl § 1 Abs 2 EStG). Beschränkt steuerpflichtig ist er mit Einkünften aus  Gewerbebetrieb  nur  dann,  wenn  er  eine  inländische  Betriebsstätte  unterhält  (vgl  §  98  Abs  1  Z  3  EStG). Da eine solche nicht vorliegt, ist der Gewinn nicht in Österreich steuerpflichtig. 

b) Ein  Sänger  aus  München  tritt  in  der  Wiener  Staatsoper  auf  und  erhält  ein  Honorar  von  10.000 €. Inwieweit unterliegt er mit dem Honorar der ESt in Österreich (ohne DBA)? [2]  Auch beim Sänger scheidet die unbeschränkte Steuerpflicht aus. Da die Tätigkeit im Inland ausgeübt  wird,  ist  er  mit  dem  Honorar  in  Österreich  beschränkt  steuerpflichtig  (Einkünfte  aus  selbständiger  Arbeit; § 98 Abs 1 Z 2 EStG) [1]. Da es sich um Einkünfte aus einer künstlerischen Tätigkeit handelt,  wird die ESt im Wege der 20%igen Abzugssteuer erhoben (§ 99 Abs 1 Z 1 EStG)[1].  [Doralt 2008/09  Tz 10, 173 f] 

  3. [3 P]  Beurteilen Sie folgende Veräußerungsvorgänge in der Einkommensteuer:  a) Ein Landwirt hat zwei Äcker, den einen seit 20, den anderen seit 5 Jahren. Er verkauft beide  Äcker und erzielt dabei einen Gewinn von jeweils 30.000 €. [1,5]  Landwirte ermitteln den Gewinn entweder nach § 4 Abs 1 oder § 4 Abs 3 [0,5]; da bei Gewinnermitt‐ lung nach § 4 Wertänderungen von Grund und Boden außer Ansatz bleiben [0,5], ist nur die Veräu‐ ßerung des vor 5 Jahren angeschafften Ackers als Spekulationsgeschäft steuerpflichtig (vgl § 30 Abs  1 Z 1 lit a EStG) [0,5]. 

b) Ein Arzt verkauft die Eigentumswohnung, in der er seit 15 Jahren seine Ordination betrie‐ ben hat. [1,5]  Der Arzt ermittelt den Gewinn nach § 4 Abs 1 oder § 4 Abs 3 [0,5]; der Gebäudeanteil am Veräuße‐ rungserlös  ist  als  Betriebsvermögen  steuerpflichtig  [0,5],  der  G&B‐Anteil  dagegen  auszuscheiden  (Gewinnermittlung nach § 4) [0,5].  [Doralt 2008/09  Tz 28, 52, 55)] 

  4. [6 P]  Beurteilen  Sie  folgende  Sachverhalte  auf  ihre  steuerlichen  Auswirkungen  im  laufenden  Jahr;  bei  betrieblichen Einkünften nehmen Sie eine Einnahmen‐Ausgaben‐Rechnung an!  a) A ist an der Vermögensberatungs‐GmbH zu 10 % beteiligt, der Gewinnanteil wurde in die‐ sem Jahr beschlossen, wird aber erst im Folgejahr ausbezahlt. Außerdem ist er für die Ge‐ sellschaft als Geschäftsführer tätig und erhält dafür monatlich ein Gehalt von 2.500 €. [1,5]  Da die Beteiligungshöhe 25 % nicht übersteigt [0,5], erzielt A Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit  (vgl  §  22  Abs  1  Z  2  EStG)  [0,5].  Für  die  Gewinnanteile  (Einkünfte  aus  Kapitalvermögen)  gilt  das  Zufluß‐Abfluß‐Prinzip (§ 19 EStG), sie sind daher erst im Folgejahr zu versteuern [0,5].  Seite 2 von 8 


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b) Da A auch von zu Hause arbeitet, macht er für sein Arbeitszimmer zu Hause anteilige Miet‐ kosten von 2.000 € geltend. [1]  Da  das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit darstellt, sind die  Aufwendungen nicht abzugsfähig (vgl § 20 Abs 1 Z 2 lit d EStG; auch nicht nach der Judikatur, wo‐ nach der Mittelpunkt der jeweiligen Einkunftsquelle ausreicht). 

c) A vermietet ein Zimmer seiner Wohnung und erhält von seinem Untermieter eine Mietvor‐ auszahlung in Höhe von 6.000 € für die Jahre 2009, 2010 und 2011. [1]  Es gilt das Zufluß(‐Abfluß)‐Prinzip (§ 19 Abs 1 EStG), die Zahlung stellt daher mit Zufluß in voller Hö‐ he  (0,5)  Einkünfte  aus  Vermietung  und  Verpachtung  dar  (0,5);  eine  Verteilung  der  Vorauszahlung  nach § 19 Abs 3 EStG kommt beim Zahlungsempfänger (Vermieter) nicht in Betracht! 

d) Außerdem ist A an einer Automaten‐OG mit 25 % beteiligt und ist für diese im Angestell‐ tenverhältnis als Wartungstechniker tätig; er erzielt daraus monatlich 500 € (jährlich 6.000  €). [1]  Da  es  sich  um  eine  Personengesellschaft  handelt,  gilt  unabhängig  von  der  Art  der  Anstellung  das  Durchgriffsprinzip; A erzielt daher Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 23 Z 2 EStG).   e) A  erhält  von  seinem  Onkel  aufgrund  eines  Schenkungsversprechens  (notariell  beglaubigt) 

zu dessen Lebzeiten eine Rente. Außerdem hat ihn seine verstorbene Tante in ihrem Tes‐ tament mit einer Rente bedacht. [1]  Rente des Onkels: Bei der zu Lebzeiten gewährten Rente handelt es sich um eine freigebige Rente,  die nicht steuerpflichtig ist (vgl § 29 Z 1 EStG).  Rente der Tante: Die letztwillig gewährte Rente stellt dagegen ein Rentenlegat dar, das steuerpflich‐ tig ist (wiederkehrende Bezüge nach § 29 Z 1 EStG; abzugsfähig bei Erben). 

f) Seinen  privaten  Wohnwagen  vermietet  A  für  den  Sommer  um  2.000  €  an  einen  Freund.  [0,5]  Die  gelegentliche  entgeltliche  Überlassung  von  beweglichem  Privatvermögen  vermittelt  Einkünfte  aus Leistungen (§ 29 Z 3) (0,5).  [Doralt 2008/09  Tz 22, 23, 30 f, 35, 43, 95, 133 f, 157 ff] 

    5. [5 P]  Eine Maschine wird durch Brand zerstört.   Welche Folgerungen hat der Steuerpflichtige daraus zu ziehen: [3]  a) bei Gewinnermittlung nach § 5?  In Betracht kommen eine (verpflichtende) Teilwertabschreibung (§ 204 Abs 2 UGB) oder eine Abset‐ zung aufgrund außergewöhnlicher technischer Abnutzung (§ 8 Abs 4 EStG) [1]. 

b) bei Gewinnermittlung nach § 4 Abs 1?  Der Steuerpflichtige kann  bzw muss eine Teilwertabschreibung vornehmen (vgl § 6 Z 1 EStG) oder  die  AfaA  geltend  machen  [1].  Da  das  Wirtschaftsgut  zerstört  wird,  wird  die  Teilwertabschreibung  zwingend sein.   Seite 3 von 8 


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c) bei Gewinnermittlung nach § 4 Abs 3?  Da es keine Teilwertabschreibung gibt, kommt nur eine AfaA in Betracht [1]. 

Variante:  Die  Maschine  wird  nicht  zerstört,  durch  die  Konkurrenzsituation  der  Produzenten  am  Weltmarkt sinkt aber ihr Wert erheblich. Steuerliche Auswirkungen bei [2]:  a) bei Gewinnermittlung nach § 5?  Bei Gewinnermittlung nach § 5 ist (zwingend) eine Teilwertabschreibung vorzunehmen (§ 204 Abs 2  UGB) [0,5]. 

b) bei Gewinnermittlung nach § 4 Abs 1?  Bei  Gewinnermittlung  nach  §  4  Abs  1  kann  (fakultativ)  eine  Teilwertabschreibung  vorgenommen  werden (vgl § 6 Z 1 EStG) [0,5]. 

c) bei Gewinnermittlung nach § 4 Abs 3?  Bei  der  Gewinnermittlung  nach  §  4  Abs  3  gibt  es  keine  Teilwertabschreibung  [0,5]  und  eine  AfaA  aufgrund einer bloßen Wertminderung ist – bei allen drei Gewinnermittlungsarten – nicht möglich  [0,5].  [Doralt 2008/09  Tz 91, 109] 

    6. [3 P]  Ein Bauunternehmer hat im Betriebsvermögen eine 100%ige Beteiligung an einer Baustoff GmbH.  Gegen die GmbH hat er eine (werthaltige) Forderung von 30.000 €. Er verzichtet auf diese Forde‐ rung.  Welche  Auswirkung  hat  der  Forderungsverzicht  auf  den  Gewinn  beim  Unternehmer  und  bei  der  GmbH?  a) Bauunternehmer:  Es liegt eine (verdeckte) Einlage vor; die Darlehenssumme ist als nachträgliche Anschaffungskosten  der Beteiligung zu aktivieren und der Verzicht hat keine gewinnmindernde Wirkung (nicht abnutzba‐ res Anlagevermögen). 

b) Baustoff GmbH:  Der  Forderungsverzicht  ist  für  die  GmbH  eine  steuerneutrale  Einlage  und  erhöht  oder  vermindert  den Gewinn nicht (§ 8 Abs 1 KStG). 

c) Sind sonst noch (andere als ertrag‐)steuerliche Folgen zu beachten?  Da der Forderungsverzicht geeignet ist, die Gesellschafterrechte zu erhöhen, fällt im Zeitpunkt des  Verzichts Gesellschaftssteuer in Höhe von 1% an (§ 2 Z 4 lit b, §§ 7, 8  KVG).  [Doralt 2008/09  Tz 63, 210, 477] 

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7. [2 P]  Eine   a) Kapitalgesellschaft  b) Gemeinde  hat  ein  Bauunternehmen  und  eine  Gärtnerei.  Beide  Betriebe  haben  gelegentlich  Gewinne,  gele‐ gentlich Verluste. In den Bilanzen werden die Betriebsergebnisse zusammengefasst.  Nehmen Sie dazu Stellung!  a) Kapitalgesellschaft  Eine Kapitalgesellschaft hat immer Einkünfte aus Gewerbebetrieb; die Ergebnisse mehrerer Betriebe  werden zusammengefasst und können untereinander ausgeglichen werden [1]. 

b) Gemeinde  Die  Gemeinde  ist  als  Körperschaft  öffentlichen  Rechts  nur  mit  ihren  Betrieben  gewerblicher  Art  (BgA)  steuerpflichtig;  Steuersubjekt  ist  aber  nur  der  einzelne  BgA,  ein  Ausgleich  der  Verluste  mit  Gewinnen aus anderen Betrieben ist daher unzulässig (vgl § 1 Abs 2 Z 2 KStG) [1]. Die Gärtnerei wä‐ re als landwirtschaftlicher Betrieb gar nicht steuerpflichtig [+0,5].  [Doralt 2008/09  Tz 206]     

Teil 2 – Verfahrensrecht, Finanzstrafrecht, Verkehrssteuern, Gebühren [24 P]    8. [2,5 P]   Ein Fabrikant erwirbt von einem Konkurrenten ein Industriegrundstück samt Gebäuden und dem  Inventar. Ermitteln Sie die Bemessungsgrundlage für die GrESt (Ankreuzen der einzelnen Posten)  und rechnen Sie diese aus, wenn im Kaufvertrag folgende Geldbeträge angesetzt sind:   

Für den Grund und Boden  

  

Für die Gebäude  

 

70     

 

Für die vorhandene Büroausstattung   

10     

 

Für die Fertigungsmaschinen  

 

50    

 

Für einen Kran  

 

15     

 

Der Käufer übernimmt auf dem Grundstück lastende Schulden  

50  

 

100  

 

Die Bemessungsgrundlage beträgt somit:   Erläuterung (kein Teil der Antwort):  Bemessungsgrundlage ist bei einem Kauf der Wert der Gegenleistung für das Grundstück. Betriebs‐ anlagen (Maschinen usw.) gehören dabei nicht zum Grundstück, Zugehör (Inventar) dagegen schon.  Übernommene  Verpflichtungen  erhöhen  die  Bemessungsgrundlage.  Diese  beträgt  somit  230  (Grundstück, Gebäude und Inventar, übernommene Schulden).  [Doralt 2008/09 Tz 464, 466]  Seite 5 von 8 


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9. [4 P]   Ermitteln Sie die Bemessungsgrundlage für die GrESt in folgenden Fällen:  a) A  kauft  von  seinem  Vater  ein  Grundstück  um  30.000  Euro.  Der  Verkehrswert  beträgt  300.000 Euro und der EW 20.000 Euro. Auf dem Grundstück lastet ein Pfandrecht in Höhe  von 15.000 Euro [1,5].  Hier liegt eine gemischte Schenkung vor, bei der die Gegenleistung (45.000) geringer ist als der drei‐ fache EW (60.000) [1]. Gem § 4 Abs 2 Z 1 ist der dreifache EW Bemessungsgrundlage [0,5]. 

b) B  kauft  ein  Grundstück  mit  einem  Verkehrswert  von  100.000  Euro  und  einem  EW  von  20.000  Euro  zum  Barbetrag  von  100.000.  Der  Verkäufer  behält  sich  allerdings  ein  Wohn‐ recht mit einem Wert von 30.000 Euro vor [1,5].  Übernommene  Verpflichtungen  (Schulden,  Fruchtgenussbelastungen)  sind  Teil  der  Gegenleistung  [0,5]. Die Bemessungsgrundlage ist damit die Gegenleistung iHv 130.000 [1].  c) C ist mit 75% an der X‐Immo‐GmbH beteiligt, in deren Vermögen sich Grundstücke befinden (Ver‐ kehrswert  der  Grundstücke  100.000  Euro,  EW  10.000  Euro).  C  erwirbt  die  restlichen  25%  an  der  GmbH für einen Kaufpreis von 300.000 Euro [1].  Bei einer Anteilsvereinigung ist der Wert der sich in der Gesellschaft befindenden Grundstücke Be‐ messungsgrundlage, somit der dreifache EW iHv 30.000.   [Doralt 2008/09 Tz 466] 

10. [1 P]   A, ein Elektrohändler unterliegt in einem Zivilprozess gegen seinen Konkurrenten und wird unter  anderem zum Ersatz der gegnerischen Anwaltskosten iHv 3.000 Euro zzgl. 600 USt verurteilt. A ver‐ langt die Honorarnote, damit er die USt als Vorsteuer geltend machen kann.   Nehmen Sie dazu Stellung.  A ist nicht Leistungsempfänger des gegnerischen Anwalts. Er kann die Vorsteuer daher nicht geltend  machen [1].   Sobald  der  Kläger  den  Vorsteuerabzug  vornehmen  könnte,  hat  der  Beklagte  allerdings  einen  zivil‐ rechtlichen Rückersatzanspruch auf die USt, den er allerdings geltend machen muss [+1].   [Doralt 2008/09 Tz 341, 363] 

 

11.  [7,5 P]   Beurteilen  Sie  folgende  Sachverhalte  aus  umsatzsteuerlicher  Sicht.  Gehen  Sie  dabei  davon  aus,  dass die Rechtslage in den angeführten Staaten der österreichischen sinngemäß entspricht:  a) Ein Tourist aus Wien kauft in der Schweiz eine Uhr um 3.000 Euro und nimmt sie nach Ös‐ terreich mit. Wie beurteilen Sie den Vorgang aus schweizer und österreichischer Sicht (ge‐ hen Sie davon aus, dass die Rechtslage in beiden Ländern gleich ist) [3]?  Außerhalb des Gemeinschaftsgebiets gilt grundsätzlich das Bestimmungslandprinzip [0,5]. Die Aus‐ fuhr  aus  der  Schweiz  ist  steuerfrei  [0,5],  wenn  der  Käufer  dem  Verkäufer  einen  Ausfuhrnachweis  übermittelt [1]. Bei der Einfuhr nach Österreich handelt es sich um eine steuerpflichtige Einfuhr aus  einem  Drittland  (§  1  Abs  1  Z  3).  Die  Uhr  ist  bei  der  Einfuhr  grundsätzlich  EUSt‐pflichtig  (allerdings  bestehen Freigrenzen) [1].      [Doralt 2008/09 Tz 305, 333]  Seite 6 von 8 


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b) Ein Tourist nimmt aus Frankreich eine Kiste Champagner nach Wien mit, eine zweite lässt  er sich nachliefern [2].  Im  Binnenmarkt  gilt  für  Lieferungen  an  Private  das  Ursprungslandprinzip;  die  USt  für  die  mitge‐ nommene Kiste fällt somit in Frankreich an [0,5]. Die zweite Kiste wird nach Österreich geliefert, es  handelt  sich  somit  um  eine  Versendungslieferung  [0,5].  Für  den  Versand  von  Alkohol  (verbrauchsteuerpflichtige  Ware)  gilt  allerdings  unabhängig  von  einer  Lieferschwelle  das  Bestim‐ mungslandprinzip. Dieser Erwerb unterliegt daher in Österreich der Besteuerung (Erwerbsteuer) [1].  [Doralt 2008/09 Tz 356, 359] 

c) Ein Arzt kauft in München medizinische Geräte im Wert von 5.000 Euro [1,5].  Der Arzt ist unecht steuerbefreit (§ 6 Abs 1 Z 19 UStG) und daher Schwellenerwerber [0,5]. Diese ha‐ ben grundsätzlich die USt im Ursprungsland zu zahlen [0,5]. Der Kauf der Geräte überschreitet die  Erwerbsschwelle  iHv  11.000  Euro  (Art  1  Abs  4  BMR)  nicht  und  damit  fällt  die  USt  in  München  an  [0,5].               [Doralt 2008/09 Tz 334, 358, 361] 

d) Der Arzt kauft die gleichen Geräte in Zürich [1].  Die BMR kommt nicht zur Anwendung, weil die Schweiz nicht zum Gemeinschaftsgebiet gehört. Aus  schweizer Sicht liegt eine steuerfreie Ausfuhrlieferung vor [0,5]. Mit der Einfuhr nach Österreich fällt  EUSt an [0,5].             [Doralt 2008/09 Tz 305, 317, 332 f] 

  12. [3 P]   Anlässlich  der  Scheidung  schließen  die  Ehegatten  X  und  Y  eine  außergerichtliche  Unter‐ haltsvereinbarung. Danach verpflichtet sich X gegenüber Y zu einem monatlichen Unterhalt in Hö‐ he von 3.500 Euro.   Welche steuerlichen Folgen ergeben sich daraus (inklusive ESt)? Begründen Sie [2]!  Die  Rente  ist  als  Unterhaltsrente  einkommensteuerlich  nicht  relevant;  sie  ist  beim  Verpflichteten  nicht abzugsfähig und beim Empfänger nicht steuerpflichtig [1].  Die Vereinbarung ist ein außergerichtlicher Vergleich, für den die Vergleichsgebühr nach § 33 TP 20  GebG  anfällt  [0,5].  Der  Steuersatz  beträgt  2%,  die  Bemessungsgrundlage  ist  der  Rentenbarwert  nach § 16 BewG [0,5].  [Doralt 2008/09 Tz 157, 512] 

Variante: Die Ehegatten X und Y schließen aufschiebend bedingt dieselbe Vereinbarung bereits vor  der Eheschließung [1].  Hier liegt ebenfalls ein Vergleich vor, der gebührenpflichtig ist. Die aufschiebende Bedingung kann  die Entstehung der Steuerschuld nicht hinauszögern, weil es sich nicht um ein genehmigungsbedürf‐ tiges Rechtsgeschäft handelt.  [Doralt 2008/09 Tz 519] 

         

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13. [2,5 P]   X verpflichtet sich ein bestimmtes, von ihr im Alleineigentum gehaltenes Grundstück im Wert von  300.000  Euro  in  eine  Immobilien‐AG  einzubringen,  an  der  sie  mit  15%  beteiligt  ist.  Welche  ver‐ kehrssteuerlichen Folgen sind damit verbunden?  Die Einbringung des Grundstücks in die AG ist ein kapitalverkehrsteuerpflichtiger Vorgang [0,5], weil  die freiwillige Leistung geeignet ist, den Wert der Gesellschaftsrechte zu erhöhen [0,5]. Der Steuer‐ satz beträgt 1%, die Bemessungsgrundlage ist der Wert der Leistung (gemeiner Wert der Grundstü‐ ckes – 300.000) [0,5]. Zusätzlich fällt auch GrESt an, weil die AG das Grundstück erwirbt [1].  [Doralt 2008/09 Tz 476 ff] 

  14. [1,5 P]   A versäumt wegen eines Spitalsaufenthalts die Frist für die Berufung gegen seinen ESt‐Bescheid.  Welche Möglichkeiten hat er und was muss er dabei beachten?  Er kann eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragen [0,5]. Gleichzeitig mit dem Antrag  muss er die versäumte Handlung nachholen [1].  [Doralt 2008/09 Tz 579] 

  15. [2 P]   A  hat  einen  ESt‐Bescheid  bekommen,  wobei  das  Finanzamt  eine  von  ihm  geltend  gemachte  Be‐ triebsausgabe mit der Begründung, dass sie fingiert worden ist, nicht berücksichtigt hat. A ist über‐ rascht, weil er zum ersten Mal davon hört. Darüber hinaus möchte er Stundung beantragen, weil  er die vorgeschriebene ESt nicht sofort zahlen kann. Nehmen Sie dazu Stellung!  Die Behörde hat das Parteiengehör verletzt, weil sie A keine Gelegenheit gegeben hat, auf das Er‐ gebnis des Beweisverfahrens zu reagieren. Daher sollte eine Berufung eingebracht werden [1].   Die Stundung zu beantragen ist zwar möglich, allerdings nicht vorteilhaft. Besser wäre es die Aus‐ setzung der Einhebung zu beantragen, da die Aussetzungszinsen niedriger sind [1].   [Doralt 2008/09 Tz 566, 568] 

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DP 2009-10 - Musterloesung