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Diplomprüfung aus Finanzrecht  

27.04.2009

Diplomprüfung aus Finanzrecht, 27.04.2009.  o. Univ. Prof. Dr. Werner Doralt; Univ. Prof. Dr. Michael Tanzer  Die Arbeitszeit beträgt 90 Minuten. Achten Sie auf die Fragestellung, antworten Sie kurz und sachgerecht; für Antwor‐ ten, die nicht gefragt wurden, werden auch keine Punkte vergeben.  Bei Unklarheiten im Sachverhalt treffen Sie Annahmen.  Schreiben  Sie  nur  auf  der  ausgeteilten  Angabe.  Der  freie  Platz  hat  keine  Bedeutung  für  die  notwendige  Länge  der  Beantwortung.  Sollten Sie während der Prüfung mit einer Gesetzesausgabe angetroffen werden, die mehr als reine Paragraphenver‐ weise und Unterstreichungen enthält, wird Ihnen diese abgenommen.  Prüfungen,  bei  denen  unerlaubte  Hilfsmittel  mitgenommen  oder  verwendet  werden,  werden  nicht  beurteilt.  Die  Prüfung wird jedoch auf die Gesamtzahl der Wiederholungen angerechnet (§ 10 Abs 6a der Satzung der Universität  Wien).   

Punkte:   43 – 47: Sehr gut  37 – 42: Gut    Nachname: 

30 – 36: Befriedigend  24 – 29: Genügend    0 – 23: Nicht genügend  _______________________ 

Teil I: _____ Teil II:   _____ 

_______________________

Punkte gesamt:  

Vorname:  

_______

Matrikelnummer:  _______________________ 

Note:

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Teil 1 – Verfahrensrecht, Finanzstrafrecht, Verkehrssteuern, Gebühren [25,5 P]    1. Theoriefrage [1,5 P]   Definieren Sie folgende Begriffe:  a) Freibetrag [0,5 P]      b) Freigrenze [0,5 P]      c) Absetzbetrag [0,5 P]          Seite 1 von 9 


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2. Verfahrensrecht, Finanzstrafrecht [5 P]  a) A hat im vergangenen Jahr einen hohen Gewinn erzielt und muss daher mit Nachzahlungen bei der  Einkommensteuer rechnen. Er will daher eine Fristverlängerung zur Abgabe der ESt‐Erklärung be‐ antragen, um damit die Nachzahlung hinauszuzögern. Welche Konsequenzen ergeben sich für ihn  im Fall der Fristverlängerung? [1 P]          b) A hat Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Da er erhebliche Werbungskosten hat, möchte er sie  im laufenden Jahr geltend machen. Wie geht er verfahrensrechtlich vor? [1 P]          c) Im  Rahmen  einer  amtswegigen  Wiederaufnahme  kommt  das  Finanzamt  zum  Ergebnis,  dass  der  Stpfl  Steuern  verkürzt  hat.  Weil  er  „eine  Ruhe  haben  möchte“,  will  er  das  Mehrergebnis  der  Be‐ triebsprüfung  anerkennen  und  die  Steuer  bezahlen.  Er  befürchtet  allerdings,  dass  das  Finanzamt  dann ein Finanzstrafverfahren wegen Abgabenverkürzung gegen ihn einleitet und er aus der Aner‐ kennung der Nachforderung einen Nachteil hätte. Er fragt Sie daher um Rat. [1 P]           

d) Die Berufung  eines  Stpfl  wurde  abgewiesen;  er  beabsichtigt,  eine  Beschwerde  beim  VwGH  einzu‐ bringen. Als Beweismittel will er eine schriftliche Auskunft des BMF vorlegen, wonach der Berufung  stattzugeben gewesen wäre, weil er sich auf die Auskunft des BMF verlassen hatte. Wie bewerten  Sie dieses Beweismittel? [2 P] 

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3. Verfahrensrecht, Finanzstrafrecht [3 P]  A hat nichtselbständige Einkünfte, mit denen er nicht veranlagt wird. Im Jahr 2001 hatte er aller‐ dings Mieteinkünfte, die er nicht versteuert hat. Da er sich  von seiner Frau scheiden lassen will,  zeigt diese ihn im Jahr 2009 beim Finanzamt an. Das Finanzamt veranlagt ihn daraufhin und leitet  ein Finanzstrafverfahren gegen A ein. A fragt Sie in dieser Angelegenheit um Rat!                     

4. Gebühren und Verkehrssteuern [3 P]  a) Der Onkel  gewährt aufgrund einer schriftlichen Vereinbarung seinem Neffen  ein Darlehen. Als Si‐ cherheit verpfändet ihm der Neffe sein Grundstück, außerdem übernimmt die Schwester des Nef‐ fen für ihn eine Bürgschaft. Beurteilen Sie den Sachverhalt aus gebührenrechtlicher Sicht! [2 P]                b) Variante: Der Neffe nimmt zu denselben Bedingungen ein Bankdarlehen auf. [1 P] 

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5. Gebühren und Verkehrssteuern [2 P]  Beurteilen sie die Sachverhalte aus verkehrssteuerlicher Sicht!  a) A kauft eine Villa um 1 Mio. €; der Grundanteil beträgt 100.000 €, der Gebäudeanteil 900.000 €.          b) B kauft von einem Bauunternehmer ein unbebautes Grundstück um 300.000 €; der Bauunterneh‐ mer verpflichtet sich gleichzeitig, auf dem unverbauten Grundstück um 700.000 € ein Gebäude zu  errichten.   

 

6. Umsatzsteuer [3 P]  Beurteilen Sie folgende Vorgänge aus umsatzsteuerlicher Sicht:  Der Antiquitätenhändler Anton erwirbt von einem Kunstsammler Heiligenfiguren.  a) Eine verkauft er an einen Kunden aus Graz.          b) Die zweite verkauft er an einen Touristen aus den USA.          c) Die dritte verkauft er an einen anderen Antiquitätenhändler. 

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7. Umsatzsteuer [6 P]  Beurteilen Sie folgende Fälle aus umsatzsteuerlicher Sicht!  a) Ein Unternehmer mit Sitz in Zürich liefert Ware an einen Unternehmer in Wien.          b) Ein österreichischer Architekt (Sitz in Innsbruck) errichtet eine Villa in Südtirol.          c) Ein Anwalt aus München berät einen Unternehmer in Wien.          d) Ein Anwalt aus München berät eine Witwe in Wien in Verlassenschaftsangelegenheiten. 

8. Umsatzsteuer [2 P]  Ein Möbelunternehmer M errichtet im Jahr 2006 eine Lagerhalle. Im Jahr 2009 verkauft er die La‐ gerhalle an einen anderen Unternehmer. Welche Fragen ergeben sich umsatzsteuerlich?                      Seite 5 von 9 


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Teil 2 – Ertragsteuern [21,5 P]   

9. [1 P]   Warum unterscheidet man in der Bilanz zwischen Anlage‐ und Umlaufvermögen?          

10. [4,5 P]   A stellt dem Unternehmer X 100.000 Euro für Investitionen zur Verfügung. Als Gegenleistung er‐ teilt er A für die Dauer von 15 Jahren eine Beteiligung am Gewinn; die geleistete Summe soll A am  Ende der Laufzeit zurückbekommen.  a) Welche Einkünfte hat A? Begründen Sie! [1,5 P]            b) Wie wird die Steuer erhoben? [1,5 P]           

Variante: A stellt dem Unternehmer X 100.000 Euro für Investitionen zur Verfügung. Als Gegenleis‐ tung wird A auf unbestimmte Zeit anteilig am Ergebnis des Unternehmens beteiligt; bei Auflösung  der Kooperation bekommt A einen entsprechenden Anteil am Unternehmen des X.  c) Welche Einkünfte hat A? Begründen Sie! [1,5 P] 

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11. [2 P]   Welche Werte setzt der Erbe ertragsteuerlich für folgende ererbte Vermögenswerte an?  a) Bei Betriebsvermögen [0,5 P]:      b) Bei einem Wohnhaus, das bereits vom Erblasser vermietet wurde [0,5 P]:      c) Bei einem Wohnhaus, in dem der Erblasser gewohnt hat und nun vom Erben vermietet wird [0,5 P]:      d) Bei einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft (im Privatvermögen gehalten) [0,5 P]:       

12. [5 P]   Der Arzt A und der Buchhändler B haben betriebliche Einkünfte von je 1 Million Euro; beide besit‐ zen ein Mietgebäude, das sie vor 6 Jahren gekauft haben und wollen es in den Betrieb einlegen.  Beurteilen Sie die geplante Einlage und die damit verbundenen Konsequenzen im Fall einer späte‐ ren Veräußerung:  a) Bei A: [2,5 P]           

b) Bei B: [2,5 P]         

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13. [3 P]   Wie beurteilen Sie eine Mietvorauszahlung für 5 Jahre bei der:  a) Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 [1 P],  1. beim Zahlenden:        2. beim Empfänger:        b) Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 [1 P],  1. beim Zahlenden:        2. beim Empfänger:     

c) Gewinnermittlung nach § 5 [1 P]:  1. beim Zahlenden:        2. beim Empfänger:                 

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14. [1 P]   Eine GmbH wird liquidiert. Im Rahmen der Liquidation werden im ersten Jahr beim Abverkauf von  Anlagevermögen  Gewinne  erzielt,  in  den  beiden  folgenden  Jahren  Verluste.  Wie  erfolgt  die  Be‐ steuerung?             

15. [5 P]     Beurteilen Sie die Steuerpflicht in folgenden Fällen:  a) Eine Kapitalgesellschaft veräußert ihr Mietgebäude [0,5 P]          b) Eine Stiftung veräußert ihr Mietgebäude [1 P]       

c) Eine Handels‐OG veräußert ihr Mietgebäude [2 P]       

d) Ein Einzelunternehmer veräußert sein Mietgebäude [1,5] 

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DP 2009-04 - Angabe  

Nachname: _______________________ Teil I: _____ Teil II: _____ Teil 1 – Verfahrensrecht, Finanzstrafrecht, Verkehrssteuern, Gebühren [25,5 P...

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