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NR. 21, 14. MÄRZ 2014

Manuel Neuer Deutschland

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JAHRE SIND GENUG

DEUTSCHE AUSGABE

SEPP BLATTER ROTE KARTE FÜR PYROMANEN WELTMEISTERSCHAFT DER POKAL IM HOHEN NORDEN DIDIER DESCHAMPS SEINE SCHWIERIGSTE MISSION

W W W.FIFA.COM/ THEWEEKLY


I N H A LT

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Prager Frühling In der tschechischen Gambrinus Liga kehrt der Meisterpokal nach drei Jahren in die Hauptstadt zurück. Sparta Prag steht seit ­September 2013 auf Platz 1 und ist saisonübergreifend seit 21 Spielen ohne Niederlage.

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“Bleiben wir realistisch” Didier Deschamps rettete sich mit Frankreich knapp ins WM-Feld. Jetzt will La Grande Nation den Triumph in Brasilien. “Wir gehören nicht zu den Favoriten”, behauptet der ehemalige Mittelfeldspieler im Interview.

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Blatter: Rote Karte für Bengalos Woche für Woche sorgen Zwischenfälle mit pyrotechnischen Materialien für hitzige Diskussionen. FIFA-Präsident Blatter spricht Klartext und sagt den Brandstiftern den Kampf an.

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WM-Trophäe auf Welttour Diego Maradona, Franz Beckenbauer, Zinédine Zidane: Das Original des WM-Pokals wurde von den grössten Fussballern in die Höhe gestemmt. Nun ist die Trophäe auf Reisen. Ein Augenschein beim Stopp in Schweden.

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F IFA-Ranking: Belgien wieder in den Top 10 In der Weltrangliste stösst Belgien wieder in die Top 10 vor – auf Kosten der Niederlande. Auch Uruguay macht einen Platz gut und überholt die Schweiz. An der Spitze herrscht der Status quo: Spanien vor Deutschland und Argentinien.

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B rasilien: das erste Mal Die südamerikanischen Fussballkünstler erhielten europäische Schützen­hilfe: Wie ein englischstämmiger Eisenbahn-Mitarbeiter den Brasilianern das Fussballen lehrte.

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“ Bin i Radi, bin i König” Er hielt jeden Ball, aber traf keinen Ton: Der jugoslawisch-­ ser­bische Torhüter Petar Radenkovic stellte 1965 mit einer Single die deutsche Musik­branche auf den Kopf: Sein Ohrwurm ver­-­ kaufte sich 400 000 Mal.

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Klaas-Jan Huntelaar Am Anfang stockte seine Fussballkarriere. Dann liess sich der Niederländer auf ein Zweitliga-Projekt ein und schaffte den Durchbruch. Huntelaar, Stürmer von Schalke 04, erzählt seine persönliche Geschichte.

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Nord- und Mittelamerika 35 Mitglieder www.concacaf.com

Südamerika 10 Mitglieder www.conmebol.com

Didier Deschamps Im Interview

Thierry Henry Tabu Kunstrasen

Charles William Miller Begründer des brasilianischen Fussballs

U-17 Frauen-Weltmeisterschaft 15. März bis 4. April 2014, Costa Rica

T H E F I FA W E E K LY

Blue Stars/FIFA Youth Cup 28. bis 29. Mai 2014, Zürich

Cover: Mike Hewitt / FIFA via Getty Images

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24 Jahre sind genug Noch 17 Wochen bis zum WM-Finale in Rio de Janeiro. Wer würde Weltmeister, wenn das Turnier jetzt stattfände? Nach brasilianischem Geschmack gibt es nur eine Meinung. Doch die Realität könnte anders aussehen: Deutschland blickt auf eine überragende Qualifikation zurück, besitzt die spielerisch wohl stärkste Mannschaft der Geschichte und ist bereit für den ersten WM-Titel seit 24 Jahren.


D I E WO C H E I N D E R W E LT D E S F U S S B A L L S

Europa 53 Mitglieder www.uefa.com

Klaas-Jan Huntelaar Ein Abstieg als Sprungbrett zum Erfolg

Afrika 54 Mitglieder www.cafonline.com

Asien 46 Mitglieder www.the-afc.com

Ozeanien 11 Mitglieder www.oceaniafootball.com

WM-Pokal 4,9 Kilo Gold unterwegs im hohen Norden

24 Jahre sind genug In der Bundesliga ist Manuel Neuer mit Bayern München seit 49 Spielen ohne Niederlage. Im Juli will er mit der National-Elf ein weltmeisterliches Erfolgskapitel schreiben – und den WM-Pokal das erste Mal seit 1990 nach Deutschland holen.

Inhalt: Imago, Getty Images, AFP, Sven Simon, Rex Features / Dukas

Sami Khedira Deutsche WM-Hoffnung

Fussball-Weltmeisterschaft 12. Juni bis 13. Juli 2014, Brasilien

Petar Radenkovic Torhüter und Hitparadenstürmer

U-20 Frauen-Weltmeisterschaft 5. bis 24. August 2014, Kanada

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Olympische Jugendfussball­ turniere 15. bis 27. August 2014, Nanjing

FIFA Klub-Weltmeisterschaft 10. bis 20. Dezember 2014, Marokko

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UNCOVERED

Weltmeisterliche Stimmgewalt 1974 Die deutschen Fussball-Sänger Bernd Franke, Gerd Müller, Uli Hoeness (hinten von links) Jupp Heynckes, Hans-Josef Kapellmann und Franz Beckenbauer (vorne von links).

Der ewige Favorit Thomas Renggli

dpa / SZ-Photo

“K

önig Fussball regiert die Welt”, sangen die deutschen Fussball-Nationalspieler 1974 voller Inbrunst und stürmten danach die WM-Charts. Der Text des Refrains (Ha! Ho! Heja Heja He! Ha! Ho!) bewegt sich heute hart an der Grenze des Abseits. Sportlich gesehen ist das Lied aber ein Evergreen. Deutschland regiert den Fussball. In der Bundesliga wird das grösste Spektakel geboten, in der Champions League waren die deutschen Klubs zuletzt im entscheidenden Moment unter sich, und auf Nationalmannschafts-Ebene setzt die DFB-Auswahl einen neuen Massstab – nicht was die (klischierten) deutschen Tugenden (Kampfkraft, Durchsetzungsvermögen, Wettkampfglück), sondern was Offensivgeist, Kreativität und Spielfreude betrifft. Der Deutsche Ottmar Hitzfeld, Schweizer Nationalcoach und einer der erfolgreichsten Trainer der Geschichte, hievt seine Landsleute im Hinblick auf die kommende WM in die Favoritenrolle: “Für mich ist Deutschland der klare Favorit. Ich stufe das aktuelle Team stärker ein als Brasilien.

Deutschland hat eine tolle Generation und dank ihr eine überragende Mannschaft. Ich ­behaupte sogar, dass noch nie eine deutsche Nationalmannschaft mehr Qualität hatte, als die aktuelle mit ihren jungen, gut ausgebildeten, technisch und taktisch hervorragenden Spielern.” Hitzfelds Prognose lässt kaum Interpretationsspielraum. In Brasilien dürfte sie gleichwohl mit Gelassenheit zur Kenntnis genommen werden. Denn nach dem Sieg im Konföderationen-Pokal und dank dem Bonus des Heimvorteils sieht sich die Seleção in der P ­ ole-Position. Zwischen Manaus und Porto Alegre existiert nur eine Meinung: Brasilien wird am 13. Juli 2014 im Maracanã zum sechsten Mal den WM-Thron besteigen. Heimvorteil? In der 83-jährigen WM-Geschichte erwies er sich öfters als Heimnachteil. Bei den ersten beiden Austragungen (1930, 1934) besassen die Veranstalter (Uruguay und Italien) aber allein in geographischer Hinsicht einen beträchtlichen Startvorsprung. Zur Premiere in Uruguay liessen sich aus Europa nur Jugosla­w ien, Rumänien, Belgien und Frankreich zur Teilnahme bewegen. Drei Wochen dauerte die Überfahrt in die neue Welt – per Dampfschiff. Auch an der T H E F I FA W E E K LY

zweiten WM glänzten einige Favoriten durch Abwesenheit: Titelverteidiger Uruguay revanchierte sich für die europäische ­Ignoranz vier Jahre zuvor. Und England boykottierte das Turnier, weil es mit seiner Kandidatur zum zweiten Mal abgeblitzt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich das Heimteam nur noch viermal durch – 1966 England, 1974 die gesanglich wie fussballerisch unwiderstehlichen Deutschen, 1978 Argenti­nien und 1998 Frankreich. In Brasilien ist der Heimfaktor aber wieder von erhöhter Bedeutung. Der amerikanische Kontinent erwies sich für die europäischen Teams bisher als uneinnehmbare Festung. ­Zuletzt scheiterte Italien 1994 in den USA im Penaltyschiessen an Brasilien. 20 Jahre später könnte die Geschichte gleichwohl umgeschrieben werden – nicht nur wegen der deutschen Spielstärke. Auch logistisch steht dem Erfolg des DFB-Teams in Brasilien nichts im Weg: Die Anreise von Berlin dauert nicht mehr drei W ­ ochen, sondern 12 Stunden und 40 Minuten. Und wird garantiert ohne Seekrankheit zu bewältigen sein. “Ha! Ho! Heja Heja He! Ha! Ho!” Å 5


1990: Bodo Illgner

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Penaltyheld. Bodo Illgner ebnete im Elfmeterschiessen des WM-Halbfinales 1990 gegen England mit seiner Parade beim Versuch von Stuart Pearce den Deutschen den Weg ins Finale. Nach Sepp Maier (18 Spiele, WM 1970, 1974 und 1978) und Harald “Toni” Schumacher (14 Spiele, WM 1982 und 1986) hat Illgner die drittmeisten WM-Einsätze unter den deutschen Torwarten (12 Spiele, WM 1990 und 1994) – unter anderem vor Oliver Kahn (8 Spiele, WM 2002 und 2006).


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VORTEIL DEUTSCHLAND Traumziel Rio de Janeiro. In 17 Wochen wird im Maracanã der WM-Titel ausgespielt – und die Geschichte möglicherweise umgeschrieben. Noch nie vermochte sich eine europäische Mannschaft auf dem amerikanischen Kontinent durchzusetzen. Deutschland ist bereit für die Premiere.

Deutscher Fussball-Bund (DFB) Gründung 28. Januar 1900 Beitritt zur FIFA 1904 Erfolge bei den Männern Weltmeister 1954, 1974, 1990 Europameister 1972, 1980, 1996 Erfolge bei den Frauen Weltmeister 2003, 2007 Europameister 1989, 1991, 1995, 1997, 2001, 2005, 2009, 2013 (Rekord) Homepage www.dfb.de T H E F I FA W E E K LY

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DEUTSCHLAND

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Thomas Renggli

aracanã, Rio de Janeiro. Es ist der 13.  Juli 2014, kurz nach 18 Uhr Lokalzeit. Der brasilianische Kapitän Thiago Silva stemmt die WM-Trophäe in die Höhe. Die Seleção ist zum sechsten Mal Weltmeister. Konfettiregen. Champagnerdusche. Karneval zum zweiten Mal im Jahr. “Davon habe ich jeden Tag geträumt”, stammelt Silva später freudetrunken in die Mikrofone. Noch ist das brasilianische Happy End ein Traum. Doch das Drehbuch der Veranstalter für die Weltmeisterschaft im kommenden Sommer lässt keinen Handlungsspielraum: Brasilien muss den Titel gewinnen und die Erinnerungen an die finale Niederlage an der Heim-WM von 1950 gegen Uruguay (1:2) aus den Geschichtsbüchern löschen. Der Ausdruck “Maracanaço” ging selbst in den Sprachgebrauch ein. Die Niederlage belastet die brasilianische Volksseele bis heute schwer – obwohl der Verband in einer lebensrettenden Sofortmassnahme damals sogar die Trikotfarbe änderte und die traditionell ­weissen Tenues für immer der Altkleider­sammlung zuführte.

Fakten sprechen für Deutschland In Gelbblau gewann Brasilien seither fünf WM-Titel und im vergangenen Sommer den Konföderationen-Pokal – wie zuvor schon 1997, 2005 und 2009. Der Triumph an der WM-Hauptprobe kann allerdings als schlechtes Omen gewertet werden. So zumindest sieht es Franz Beckenbauer, die höchste moralische Instanz des deutschen Fussballs: “Der Sieger dieses Turniers wurde noch nie Weltmeister. Wenn man der Statistik glauben darf, sieht es schlecht aus für Brasilien.” Beckenbauer, selbst zweifacher Weltmeister (1974 als Spieler und 1990 als Trainer), lacht bei diesen Worten – und schiebt schnell eine konkrete Prognose nach: “Nur Deutschland und Spanien können Brasilien ­gefährlich werden.” Die kaiserlichen Worte lassen sich mit Fakten belegen: Spanien gewann die letzten drei bedeutenden Titel auf der Welt- und Europa-Bühne, Deutschland befindet sich mit sieben WM-Finalteilnahmen statistisch auf ­ Augenhöhe mit Brasilien und vermochte zuletzt auch spielerisch frische Akzente zu setzen. Spätestens mit dem (nicht zu Ende geschriebenen) Sommermärchen von 2006 entsorgten die Deutschen das Klischee vom Kraft- und Ergebnis-Fussball auf der Müllhalde der Sportfloskeln. Kaum eine Mannschaft stürmte mit grös­serer Geradlinigkeit und Risi8

kobereitschaft durch die Qualifikation. Die 36 deutschen Treffer sind Europarekord. Nur Holland (34) und England (31) brachten es zu einer ähnlichen Erfolgsquote – was im Fall der Engländer aber vor allem auf den (fehlenden) Widerstand der Verteidigung aus San Marino zurückzuführen ist. 13 der englischen Treffer fielen gegen die Auswahl des Kleinstaates. Erinnerungen an 1974 Bezieht man die Tendenzen aus dem Klubfussball in Beckenbauers Ausblick mit ein, gehört die Favoritenrolle den Deutschen allein: Mit dem Champions-League-Sieger Bayern München stellt die Bundesliga die derzeit überragende Mannschaft Europas. Das Team von Pep Guardiola schlägt sämtliche Rekorde, ist nach 24 Meisterschaftsspielen weiterhin ungeschlagen und gewann am vergangenen Wochenende beim 6:1 in Wolfsburg zum achten Mal ein Spiel, in dem es vier oder mehr Tore erzielte. Borussia Dortmund, Bayerns erster Herausforderer und Finalgegner der letztjährigen Champions League, spielt in der Bundesliga zwar nur noch um den virtuellen Titel des Vizemeisters, in der Champions League sind die Westfalen mit ihrem spektakulären Offensivspiel weiterhin auf Kurs. Die Nationalelf profitiert direkt von dieser gebündelten Klasse im deutschen Klubfussball: Bei Bayern standen gegen Wolfsburg fünf Deutsche in der Startformation, bei Borussia Dortmund gegen Freiburg sieben. Das erinnert an die deutsche WM-Elf von 1974. Auch damals lieferten zwei herausragende Bundesligaklubs (Bayern München und Borussia Mönchengladbach) die personelle Basis und verhalfen der DFB-Auswahl zum zweiten Titel. Der englische Nationaltrainer Roy Hodgson kann von ähnlichen Zuständen nur träumen. 67 Prozent der Professionals in der Premiere League besitzen keinen englischen Pass. Praktisch in jedem Mannschaftsteil der “Three Lions” fehlen Qualität und Breite – und auf der Torhüterposition ist auch der zwischenzeitlich als neuer Hoffnungsträger gefeierte Joe Hart mehr Sicherheitsrisiko als Lebensversicherung. Der Fall Sami K hedira Während die Engländer ihre notorische Versagensangst vor dem Elfmeterpunkt mit dem

Spätestens mit dem Sommermärchen von 2006 entsorgten die Deutschen das Klischee vom Kraft- und Ergebnis-Fussball auf der Müllhalde der Sportfloskeln. T H E F I FA W E E K LY


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1974: Sepp Meier

Die Katze von Anzing: Josef “Sepp” Maier ist Weltmeister von 1974 und mit 95 Einsätzen der Rekordtorhüter der Nationalelf. Maier war die Lebensversicherung der DFB-Elf in den 1970-er Jahren und eine der zentralen Figuren von Bayern München.


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­ ngagement eines Sportpsychologen in den E Griff bekommen wollen, “kämpft” DFB-Trainer Joachim Löw mit Luxusproblemen. Um den Wohlfühlfaktor zu reduzieren und die Konkurrenz um die 23 Plätze im WM-Kader zu steigern, erweiterte er den Kreis der Kandidaten vor dem Testspiel gegen Chile vor neun Tagen um die Debütanten Shkodran Mustafi (Sampdoria Genua), Matthias Ginter (Freiburg), Pierre-Michel Lasogga (Hamburger SV) und André Hahn (Augsburg). Dafür verzichtete er auf Kräfte wie Marco Reus, Mats Hummels, Julian Draxler oder Benedikt Höwedes, die nach Verletzungen um den Rhythmus kämpfen. Die Leistung gegen Chile gab dann allerdings eher den Abwesenden recht. Nach dem 1:0 in Stuttgart bekam die Mannschaft sogar Pfiffe zu hören. Dass der DFB eben erst die WM-Kampagne “Bereit wie nie” lanciert hatte, passte nicht so recht ins Bild. Die Personalfrage, die Deutschland am meisten beschäftigt, ist derzeit ohnehin noch nicht klar: Sami Khedira, an der WM 2010 im zentralen Mittelfeld der kongeniale Partner von Bastian Schweinsteiger. Der ­Real-Regisseur befindet sich nach seinem im November erlittenen Kreuzbandriss zwar ­“optimal im Fahrplan”, ob es bis zur WM aber reicht, ist nicht sicher. Löw lässt die Türe weit offen und verspricht, dass er Khedira auch dann aufbietet, wenn er nur “80 bis 90 Prozent fit ist”. Realität schlägt Theorie Gleichwohl ist der Bundestrainer darum bemüht, den Druck von seiner Mannschaft fernzuhalten: “In der Theorie haben wir eine Topmannschaft. Aber die Realität sieht im Moment anders aus. Und bei der WM gilt: Die Realität schlägt die Theorie”. Sein Vorgänger und Vorrunden-Gegner, der US-Coach Jürgen Klinsmann, sieht das freilich ganz anders: “Ich ­glaube, der Zeitpunkt für einen deutschen Triumph ist da. Jetzt muss die Mannschaft beweisen, dass sie den Titel auch gewinnen kann.” Ähnlich sieht es Dante, ­brasilianischer Verteidiger des FC Bayern München: “Deutschland ist der grosse Favorit auf den Titel – zusammen mit uns, Spanien und Argentinien. Ich wünsche mir, dass es zum ­Finale Brasilien – Deutschland kommt.” Glaubt man den Statistiken, wäre dies keine günstige Affiche für die DFB-Elf. Noch nie vermochte sich eine europäische Equipe durchzusetzen, wenn eine Weltmeisterschaft auf dem amerikanischen Kontinent stattfand. Die einzigen Teams, die den WM-Pokal bisher auf einem fremden Kontinent gewinnen konnten, waren Brasilien (1958 in Schweden, 2002 in Japan und Südkorea) und Spanien (2010 in Südafrika). Die Mannschaft von Trainer Vicente 10

“Ich ­glaube, der Zeitpunkt für einen deutschen Triumph ist da. Jetzt muss die Mannschaft beweisen, dass sie den Titel auch gewinnen kann.” Jürgen Klinsmann, Trainer USA

del Bosque verlor in der Qualifikationsphase zwar die grosse Unwiderstehlichkeit, im FIFA-Ranking (siehe Seite 29) belegt sie aber weiterhin mit grossem Abstand den ersten Platz. Ausserdem zerstreute sie im Finale der Euro 2012 gegen Italien jegliche Zweifel an der Produktivität des Tiki-Taka-Stils und bewies ihre ungebrochene Wettkampftauglichkeit: Der 4:0-Erfolg war eine in einem Finalspiel zuvor selten gesehene Machtdemonstration. Bleiben der “Messi-Faktor” und die Frage, ob der dominierende Spieler der Gegenwart seine überragende Klasse auf Nationalmannschaftsniveau vergolden kann. Die Argentinier besitzen im Vergleich zum Heimteam einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Vorteil: Der ganze Druck lastet auf den brasilianischen Schultern. Die Argentinier dagegen können als Herausforderer in einer dankbareren Position zur Tat schreiten. Dasselbe gilt für Uruguay. In der Endrunde 2010 scheiterte der zweifache Weltmeister erst im Halbfinale nach einer aufwühlenden Partie gegen die Niederlande – nun könnten sie in Brasilien zum zweiten Mal zum grossen Partykiller avancieren und die Neuauflage des “Maracanaço” initiieren. Wettbüros glauben an Deutschland Eine klare Vorstellung bezüglich der Erfolgsaussichten haben die internationalen Wett­ büros: Sie sehen unabhängig voneinander Brasilien als Topfavorit – mit einer Quote von 4:1. Gefolgt von Deutschland und Argentinien (je 6:1) und Spanien (7:1). Italien, den Niederlande (je 21:1) sowie Frankreich (23:1) und England (26:1) räumen sie Aussenseiterchancen ein. Geht es nach der englischen Stürmerlegende Gary Lineker ist der Verlauf der WM ohnehin schon jetzt vorgegeben. Der Fernsehkommentator sprach einst aus, was kein Engländer hören will: “Fussball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach und am Ende gewinnt Deutschland.” Å

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1954: Toni Turek

Die Torhüter als Spiegel der deutschen WM-Triumphe: 1954 lieferte Anton “Toni” Turek die defensive Basis zum Wunder von Bern. Im Finale gegen Ungarn stand der damals 35-jährige als ältester Spieler des Turniers im Tor.


game onor game over

all in or nothing

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BLICK IN DIE LIGEN

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N Argentinische Liga

Diego Osella gibt Colón Selbstvertrauen Jordi Punti ist Romanautor und Verfasser zahlreicher Fussball-­ Features in den spanischen Medien.

Martin Zabala / Photoshot

In Argentinien fragen sich viele Fussballfans, wie lange die Freude im Armenhaus wohl noch anhalten wird. Das Armenhaus ist in diesem Fall Colón de Santa Fe. Beim Klub selbst zieht man es allerdings vor, optimistisch nach vorn zu schauen und den Traum Spiel für Spiel zu verlängern. Sieben Spieltage des Torneo Final, der Rück­ runde der argentinischen Liga, sind bereits bestritten, und Colón ist Woche für Woche das Überraschungsteam. Nachdem der Klub die erste Partie des Jahres 2014 verloren hatte, legte er eine Serie von vier Siegen in Folge und zwei Unentschieden hin und hat jetzt bereits mehr Punkte auf dem Konto als in der gesamten Hinrunde, dem Torneo Inicial. Ein Sportchronist schrieb dazu, die Spieler “leisten jetzt all die Laufarbeit, die sie im vorherigen Turnier nicht geleistet haben”. Noch hat das Team den Abstieg aus der höchsten Spielklasse nicht abgewendet, der sich nach dem Punkteschnitt aus den letzten drei Jahren richtet. Der Erfolg Colóns ist noch höher anzusiedeln, wenn man bedenkt, dass sich der Klub seit einiger Zeit in einer handfesten Vereins- und Finanzkrise befindet. Dass die Spieler letztes Jahr sieben Monate lang kein Gehalt bekom­ men hatten und aus Protest nicht zum Liga­ spiel gegen Atlético de Rafaela antraten. Es ging drunter und drüber. Der Klub verlor nicht nur die Begegnung, sondern der argenti­ nische Fussballverband beschloss zudem auch noch einen Punktabzug, der das Team ans Tabel­lenende katapultierte. Seitdem hat sich die wirtschaftliche Situation nicht entschei­ dend verbessert und der Klub steht finanziell noch immer unter Druck. Allerdings hat sich – ­zumindest in sportlicher Hinsicht – eine gewisse Normalität eingestellt. Der Rücktritt des Präsidenten nach dem Debakel gegen Rafaela und die Übernahme des Präsidenten­ amtes durch den ehemaligen Spieler Eduardo Vega haben für eine Welle des Optimismus gesorgt, die dem Klub in den letzten Wochen 10 000 neue Mitglieder eingebracht hat.

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Der neue Optimismus von Colón de Santa Fe auf dem Spielfeld ist ebenfalls eng mit einem Namen verknüpft: dem des neuen Trainers Diego Osella. Osella ist ein eher unauffälliger Typ und verfolgt in vielerlei Hinsicht die Fussballphilosophie von Marcelo Bielsa. Er war Assistenztrainer von Roberto Sensini, der Colón in der Saison 2012/13 trainierte, und sammelte dann Erfahrung als Trainer in der chilenischen Liga. Nun hat es Osella mit seiner Bescheidenheit und dank des Ver­ trauens, das von Vereinsseite in ihn gesetzt wird, geschafft, eine kampfstarke Truppe zusammenzustellen, die in jedem Spiel bis zum Schluss alles gibt, ohne dabei grosse Glanzpunkte zu setzen. Der letzte Sieg des Teams vor einigen Wochen bei Rosario Central (1:0) ist ein gutes Beispiel für diese Einstellung. Rosario hatte mehr Chancen und dominierte die Partie, aber das Team aus Santa Fe verteidigte seine Führung nach einem Treffer von Carlos Luque mit Zähnen und Klauen. Einmal abgesehen von einem Schuss nach Ablauf der regulären Spielzeit war das im Übrigen die einzige Chance, die der Klub herausspielen konnte. Seither gab es zwei Unentschieden und die fulminante Serie wurde etwas gebremst. Dennoch ist das Team noch immer alleiniger Tabellenführer. Die nächste Partie, ein kniffliges Auswärtsspiel beim amtierenden Meister San Lorenzo de Almagro, dürfte Aufschluss darüber geben,

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wie weit das Phänomen Colón noch geht. Dabei darf man nicht vergessen, dass der Klub während der Spielpause im Dezember und Januar zahlreiche erfahrene Spieler abgegeben hat, um Kosten zu sparen. Im Gegenzug wurden mehrere Nachwuchsspieler verpflichtet, die ablösefrei zu haben waren. Daher haben wir es jetzt mit einer runderneu­ erten Truppe zu tun, in der vor allem die neu verpflichteten Carlos Soto, Ezequiel Videla und Lucas Landa herausstechen, wobei in erster Linie Wert auf eine geschlossene Mannschaftsleistung gelegt wird. Osella hat es geschafft, dass der Ball zirkuliert und sein Team sich am gegnerischen Strafraum Chan­ cen erarbeitet. Für ihn kommt es jedoch vor allem darauf an, dass seine Spieler füreinan­ der einstehen – und zwar sowohl auf dem Spielfeld als auch abseits davon. “Die Aufstel­ lung ist entscheidend”, entgegnet er auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis des Teams. “Wir haben die schnellen Spieler, über die wir verfügen, auf Positionen beordert, wo sie sich in Eins-zu-eins-Situationen durchsetzen und den Gegnern wehtun können.” Während alle noch versuchen, in der Rück­ runde der Meisterschaft den richtigen Weg zu finden, hat sich bei Colón de Santa Fe die notwendige Normalität bereits eingestellt. Da heisst es rennen, passen, verteidigen, decken und alles geben – vor allem alles geben. Å

Aufwärts Bei Colón de Santa Fe, hier Marcelo Meli (rechts), ist trotz Vereinskrise wieder Zuversicht spürbar. T H E F I FA W E E K LY

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Gambrinus Liga

Triumph zwischen den Häuserblocks Sven Goldmann ist Fussball­

“Nach drei Jahren in der böhmischen Provinz dürfte der Meisterpokal in die Hauptstadt Prag zurückkehren.”

experte beim “Tagesspiegel” in Berlin.

Das Fussballjahr hat gerade erst begonnen in der Tschechischen Republik – und ist doch schon so gut wie entschieden. Das ist eine schlechte Nachricht für alle, die es spannend mögen, aber eine schöne für die Fans aus Prag und ganz besonders für die des Traditionsklubs Athletic Club Sparta. Nach drei Jahren in der böhmischen Provinz dürfte der Meisterpokal endlich in die Hauptstadt zurückkehren. Wer mag daran noch ernsthaft zweifeln, nach Spartas 1:0-Sieg am 19. Spieltag der Gambrinus Liga über Viktoria Pilsen. Tomas Prikryl schoss schon nach acht Minuten das Tor des Tages. Pilsen drängte mit aller Macht auf den Ausgleich – vielleicht mit ein bisschen zu viel Macht. Kurz nach der Pause flog Tomas Horava nach der zweiten Gelben Karte vom Platz, in den finalen Minuten erwischte es auch Michal Duris. Neun Pilsener hatten keine Chance gegen den souveränen ­Tabellenführer. Bei nur noch elf ausstehenden Spielen liegt Sparta acht Punkte vor dem

noch amtierenden Meister Pilsen. Slovan Liberec, der Meister des Jahres 2012, liegt sogar schon 19 Punkte zurück. Nichts deutet darauf hin, dass Sparta sich eine längere und damit entscheidende Schwächephase erlauben wird. Die Mannschaft steht seit Mitte September auf Platz 1 und ist saisonüber­ greifend seit 21 Spielen ohne Niederlage. Das ist eine beeindruckende Bilanz – und wird doch jenseits der tschechischen Grenzen kaum wahrgenommen. Der grosse Fussball war nämlich in den vergangenen Jahren nur selten zu Gast in der Lower Eastside von Prag. Sparta spielt dort, wo das touristische Prag endet. Weit hinter der Cechuv Most, der eleganten Jugendstilbrücke, die die Altstadt vom Arbeiterviertel Letna trennt. Eingezwängt zwischen grauen Häuserblocks aus den Sechzigern und der Eisenbahntrasse Richtung Dresden, liegt das Stadion des AC Sparta. Der Weltstar Tomas Rosicky ist hier aufgewachsen. Rosicky hat mit Sparta noch in der Champions League gespielt, gegen den FC Barcelona und den FC Porto. Das war zu

Beginn des dritten Jahrtausends. Ein Jahr hat Sparta noch von der Substanz gezehrt, dann war Schluss. Das letzte Champions­-LeagueSpiel datiert von 2005. Die jüngere Vergangenheit gehörte Viktoria Pilsen, dem Meister der Jahre 2011 und 2013. In der Vorrunde der Champions League erreichten die Böhmen zweimal Platz 3. Das ist ein überragender Erfolg für einen Klub, der zwar schon 1911 gegründet wurde, aber erst exakt 100 Jahre später seine erste Meisterschaft feiern durfte. Der Vater dieses Erfolges ist Pavel Vrba, das heisst: Er war es einmal. Im Dezember verabschiedete sich der seit 2008 amtierende Trainer von seinem Klub und übernahm die tschechische Nationalmannschaft. Seinem Nachfolger Dusan Uhrin hat er durch Platz drei in der Champions-League-Vorrunde immerhin einen Startplatz in der Europa League vererbt. In der Runde der letzten 32 Mannschaften setzte sich Pilsen in zwei Spielen gegen Schachtjor Donezk durch und spielt nun im Achtelfinale gegen Olympique Lyon. Å

Michal Cizek / A FP

Prag ist wieder Fussballstadt Im Bild der Anfang des Derbys zwischen den Bohemians (in Grün) und Sparta.

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Major League Soccer

Wie schlecht sind Kunstrasenplätze? David Winner ist Autor und Journalist in London. Zu seinen Büchern über Fussball gehören “Brilliant Orange” und “Dennis Bergkamp: Stillness and Speed”.

Kunstrasenplätze sorgten am ersten Spieltag der neuen MLS-Saison für Unmut. Die Platzverhältnisse führten sogar schon im Vorfeld der Partie zu einem Streit zwischen zwei angesehenen Trainern der Liga. Vier der 19 Teams der MLS spielen in Stadien mit Kunstrasen. Drei davon befinden sich im Nordwesten an der Pazifikküste: Seattle Sounders, Vancouver Whitecaps und Portland Timbers. Das vierte ist das Foxboro Stadium von New England Revolution in Massachusetts. Kritiker sagen, die Spielfelder, die jeweils Gummi, Plastik, Sand und anderen Materialien in unterschiedlichen Anteilen bestehen – absorbierten Stösse schlechter als Gras und führten zu Verletzungen wie Muskelzerrungen, Sprunggelenksverstauchungen, Schürfwunden und Knieverletzungen. Am Samstag nun sorgte das besonders umstrittene Spielfeld im B.C. Place Stadium in Vancouver – auf dem man laut einigen Spielern wie auf Beton spielt – mit für die Entscheidung in der Partie gegen die New York Red Bulls, noch bevor überhaupt ein Ball gespielt wurde.

Anne-Marie Sorvin / USA Today / Reuers

Die Red Bulls hatten die letzte Saison mit der besten Bilanz abgeschlossen und den Supporters’ Shield gewonnen. Doch am Samstag trat das Team ohne seinen wichtigsten Akteur, Kapitän Thierry Henry, den 36-jährigen Ex-Stürmer von Arsenal, Barcelona und Frankreich, sowie ohne seinen Schlüsselverteidiger, den 32-jährigen Kolumbianer Jámison Olave an – aus Angst vor Verletzungen, die durch das Spielfeld verursacht werden könnten. Trainer Mike Petke steht hinter der Entscheidung beider Spieler, die keine langwierigen Verletzungen durch den Einsatz auf Kunstrasenplätzen riskieren wollen (obschon Henry in seinen ersten Spielzeiten in Amerika zwei Mal auf dem Spielfeld in Portland spielte). Am Samstag jedenfalls kassierten die Red Bulls ohne ihre zwei Stars eine deutliche 1:4-Schlappe. Es ist schon aussergewöhnlich genug, dass einige Stadien zu gefährlich für den besten Spieler der Liga aller Zeiten sind. Doch der Kunstrasen bringt noch für viele andere

Unzimperlich – aber wer bremst wen? Vancouvers Mattocks (links) im Zweikampf mit New Yorks Sanchez.

Probleme mit sich. Die Partie zwischen den Seattle Sounders und Sporting Kansas City (dem letztjährigen Gewinner des MLS Cup) entwickelte sich im strömenden Regen zu einer äusserst langweiligen Angelegenheit. Beide Mannschaften hatten grosse Probleme, den Ball auf dem trostlos graugrünen Feld zu kontrollieren und Pässe zu berechnen. Bis in die Schlussphase, als den Seattle Sounders doch noch der Siegtreffer gelang, waren die singenden und trommelnden Fans des Klubs so ziemlich der einzige Lichtblick. Kunstrasenplätze gelten weithin als sehr problematisch. Bruce Arena, der Trainer von LA Galaxy, bezeichnet die MLS-Kunstrasenplätze als “Katastrophe” und lässt einzig Portland als “halbwegs akzeptabel” gelten. David Beckham gehörte während seiner Zeit bei LA Galaxy ebenfalls zu den scharfen Kritikern, auch wenn er auf Kunstrasen spielte. Nationalmannschaften und renommierte Klubteams wie Manchester United lehnen auf ihren Reisen Partien auf Kunst­ rasen grundsätzlich ab und bestehen auf Naturrasen-Auflagen. Die geplante Austragung der Frauen-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Kanada auf Kunstrasen hat Unterschriftenaktionen und Proteste ausgelöst. U.S.-Starstürmerin Abby Wambach sprach sogar von “Geschlechterdiskriminierung”. Sie stellte die Frage: “Würde man jemals die Männer-WM auf Kunstrasen stattfinden lassen?” Das Problem der MLS besteht gemäss Fussballjournalist Grant Wahl zum Teil deswegen, weil die T H E F I FA W E E K LY

Teams in Seattle, Vancouver und Neuengland sich die Stadien mit Footballteams teilen, die einen härteren Untergrund brauchen, und weil die Eigentümer die Kosten für den Bau eigener Fussballstadien scheuen. Wahl hat mit zahlreichen Fussballern aus der amerikanischen Liga gesprochen und ihre von Kunstrasenplätzen zerschundenen Körper gesehen. Wahl stellt fest: “Ganz egal wie sehr die Eigentümer uns einreden möchten, Kunstrasenspielfelder wären völlig okay, lautet die eindeutige Ansicht der Spieler schlicht: Sie sind es nicht.” Wie um diese Einstellung zu unterstreichen kündigte auch Torontos Trainer Ryan Nelsen in dieser Woche an, er werde dem Beispiel der Red Bulls am zweiten Spieltag möglicherweise folgen und seine Stars auf dem CenturyLink Field in Seattle ebenfalls nicht spielen lassen. Seattles Trainer Sigi Schmid seinerseits trat keineswegs für den eigenen Platz ein sondern schloss sich der Kritik sogar an und sagte, es gebe gar keine guten Kunstrasenplätze in der Liga, sie seien vielmehr alle gleich schlecht. Selbst der speziell für Fussball ausgelegte Platz in Portland sei durch Überbeanspruchung beeinträchtigt. Er sagte: “Ich denke, wir alle ziehen es vor auf Naturrasen zu spielen. Auf einem schlechten Naturrasenplatz ist es allerdings auch gefährlich.” Abschliessend fügte er hinzu: “Ein guter Platz ist ein guter Platz. Ein Naturrasenplatz ist ideal, wenn es ein guter Naturrasenplatz ist. Ein guter Kunstrasenplatz ist allerdings nicht unbedingt gefährlicher als ein schlechter Naturrasenplatz.” Å 15


Name Didier Deschamps Geburtsdatum, Geburtsort 15. Oktober 1968, Bayonne (FR) Position als Spieler Defensives Mittelfeld Stationen Nantes, Marseille, Bordeaux, Juventus, Chelsea, Valencia (Spieler) Monaco, Juventus, Marseille, Frankreich (Trainer) Sabrina Lambletin

Nationalteam 103 Spiele, 4 Tore Weltmeister 1998 Europameister 2000

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DAS INTERVIEW

“Es ist immer das Gleiche, Frankreich erwartet zu viel” Er gehörte als Spieler der Goldenen Generation Frankreichs an, g ­ ewann die Welt- und E ­ uropameisterschaft. Nun steht Didier Deschamps als Nationalcoach vor seiner vielleicht schwierigsten Mission: La Grande Nation will endlich ­wieder grosse Titel feiern.

Didier Deschamps, steckt der französische Fussball in einer Krise? Didier Deschamps: Nein, das würde ich nicht sagen. Wir gehören nicht zu den WM-Favoriten, aber von einer Krise darf man nicht sprechen.

Aber der grosse Fussball der Franzosen ist schon über 14 Jahre her. Oft wird vergessen, dass Frankreich 2006 im WM-Finale gestanden hatte. Es gibt immer wieder gute und schlechte Phasen. Das geht anderen Ländern gleich. Wie Spanien zum Beispiel. Spanien hatte abgesehen vom EM-­ Triumph 1964 nie einen grossen Titel errungen. Man hat nach allen möglichen Erklärungen für den Misserfolg gesucht. Bis im Jahr 2008 auf einmal die grosse Zeit der Spanier kam. Das sind Ären, sie kommen und gehen.

Paris Saint-Germain und AS Monaco haben reiche Investoren und dominieren die Liga. Hilft das dem französischen Fussball? Durch die beiden Klubs findet unser Fussball international wieder mehr Beachtung. Das ist natürlich sehr schön. Aber viele Spieler – vielleicht zu viele – sind immer noch im Ausland unter Vertrag.

Sie selbst haben als Coach bei Monaco, Juventus und Marseille gearbeitet. Was macht Ihnen mehr Spass, die Arbeit als Klub- oder Nationaltrainer? Diese Jobs sind nicht miteinander zu vergleichen. Ich habe heute viel weniger Zeit, um mit den Spielern zu arbeiten. Meistens sehe ich das Team nur für zehn Tage. Es braucht viel Effizienz. Ich musste da rein­ kommen. Aber die Arbeit gefällt mir gut.

Ihre Mannschaft hat sich mit Mühe und Not ins WM-Feld gerettet. Geben erfolgreiche Barragespiele Schwung? Ein Vorteil sind die Barragespiele hinsichtlich der WM nicht. Aber das Rückspiel in Paris, der Sieg gegen die Ukraine und die Qualifikation, das hat uns schon sehr gut getan ...

... weil es Frankreich an die WM gebracht hat. Nicht nur deswegen. Dieses Rückspiel, der 3:0-Sieg, im Stade de France war fantastisch. So etwas hat das Land seit Jahren nicht mehr erlebt. Es war eine Euphorie vorhanden, eine Atmosphäre, die keiner auf dem Rasen so schnell ver­gessen wird. Auch für unsere jungen Spieler, die das zum ersten Mal so mitbekommen haben, war der Abend in Paris viel wert. Davon können wir nun alle profitieren.

Der neuliche 2:0-Testsieg gegen die Nieder­ lande war aber beachtlich. Den Niederlanden haben wichtige Spieler gefehlt. Vor allem die Absenz von Arjen Robben wog schwer. Ohne ihn ist die Mannschaft von Louis van Gaal nicht die gleiche. Trotzdem bin ich froh, dass wir eine gute Leistung zeigen konnten. Die Leute sind – eben wegen des Ukraine-Spiels – mit hohen Erwartungen ins Stadion gekommen und wurden nicht enttäuscht. Wir haben diesen Moment auf unserer Seite, das ist wichtig für uns. Å Mit Didier Deschamps sprach Alan Schweingruber

Kann Frankreich den Titel gewinnen? Wir müssen realistisch bleiben. Wir sollten jetzt alle glücklich sein, dass wir an der WM in Brasilien dabei sind. Wir gehören nicht zu den grossen Favoriten für den Titel. Da gibt es andere grosse Teams wie Brasilien oder Argentinien mit besseren Chancen.

Sieht Ihr Land das gleich? Es ist immer das Gleiche, Frankreich erwartet vor jedem Turnier zu viel. Kaum waren wir für Brasilien qualifiziert, tauchte schon wieder die Frage auf, ob und wie ­Frankreich denn Weltmeister werden könne. Wir müssen das WM-Projekt nun behutsam angehen. Das erste Spiel gegen Honduras wird sehr wichtig sein für uns. Ein guter Start kann vieles bringen.

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DEBAT T E

Feuer und Rauch

Brennpunkt Bundesliga Am 15. Mai 2012 sorgen Berliner Fans während des Relegationsspiels gegen Düsseldorf für den pyrotechnischen Ausnahmezustand.

Thomas Renggli

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er ehemalige Bundesligatrainer Christoph Daum, derzeit beim türkischen Erstligisten Bursaspor unter Vertrag, kann Pyros im Stadien etwas Positives abgewinnen “Bengalos sind von der Stimmung her etwas Wunderbares. Vom Gefahrenpotenzial her muss man sie aber ablehnen”, sagt er. Sein Zweispalt gibt die Komplexität der Diskussion perfekt wieder. Denn der Grat zwischen feuriger Atmosphäre und Feuerhölle ist schmal – zu schmal, um Bengalos akzeptieren zu können. Und trotzdem können die Fans das Zündeln nicht lassen. 18

Skeptisch sieht Christoph Daum ein (auch von Politikern gefordertes) kontrolliertes Abbrennen der Bengalos. “Wenn ich sagen würde, ich toleriere aus atmosphärischen Gründen ­einen kontrollierten Bengalo-Einsatz, dann ist so etwas natürlich auch sehr schwer zu kontrollieren. Wir können froh sein, dass bisher so wenig passiert ist.” Ob wirklich wenig passiert ist, muss bezweifelt werden. Die Schadensspur der Fussball-Pyromanen zieht sich wie eine brennende Lunte durch den europäischen Fussball: Im vergangenen Dezember attackierten Anhänger von Dynamo Dresden in Bielefeld die Polizei mit Fackeln und Steinen. Bilanz: 17 verletzte Polizisten, 22 Anzeigen, (nur) drei Festnahmen. Ende Januar musste in Schweden das Testspiel zwischen Djurgarden und Union Berlin abgebrochen werden, nachdem Anhänger beider Vereine wiederholt Pyrotechnik abgebrannt hatten. Vor einem Jahr wurde am Rande der Bundesligapartie Hoffenheim gegen Düsseldorf ein vierjähriger Junge durch Bengalos von Fortuna-Fans verletzt. Er erlitt eine Rauchgas-VergifT H E F I FA W E E K LY

tung und eine Augenreizung und wurde ins Krankenhaus gebracht. Im Oktober 2011 musste in der Schweizer Super League das Zürcher Derby zwischen dem FC Zürich und den Grasshoppers nach einem Petardenwurf eines FCZ-Fans abgebrochen werden. Das Spiel wurde forfait zugunsten der Grasshoppers gewertet. Die Liste könnte beliebig verlängert werden Oft ist es aber schwierig, die Schuldigen zu eruieren. Die Täter schützen sich gegenseitig , ein Teil der Fussball-Kundschaft betrachtet das Stadion als rechtsfreien Raum und selbsternannte Szenekenner behaupten: “Pyros gehören zum Gesamtpaket wie Choreografien auch”. Å

Die Weekly-Debatte. Was brennt Ihnen unter den Nägeln? Über welche Themen wollen Sie diskutieren? Ihre Vorschläge an: feedback-theweekly@fifa.org

Imago

Stimmungsmacher oder Partykiller? Pyrotechnik im Stadion sorgt für rauchende Köpfe. Sicherheitstechnisch ist sie untragbar.


DEBAT T E

Pyros im Stadion sind ein akutes Sicherheitsrisiko und etwas völlig Sinnloses. Wer davor die Augen verschliesst, macht sich mitschuldig. Die Täter müssten rigoros mit einem Stadionverbot bestraft werden. Paul Dietrich, Wien

PRESIDENTIAL NOTE

aber keinesfalls mitten in einer grossen Masse an Menschen. Leider wird das kontrol­ lierte Abbrennen nicht möglich sein, da es aus Sicht der Verantwortlichen keinen Grund gibt, Pyro zu erlauben. Solange es aber ver­ boten ist, ist es hirnrissig, Pyro zu zünden. Sebastian C., Gelsenkirchen

Ich plädiere für das kontrollierte Abrennen von Bengalos. Zu Unfällen kommt es nun mal, wenn man sich für das Anzünden in einer grossen Menschenmenge “verstecken” muss und wenn man statt zu den normalen Bengalofackeln zu Magnesiumpulver greifen muss, weil es sich besser reinschmuggeln lässt. Durch diese ganzen Verbote steigt doch die Gefahr nur, dass man sich verletzt, wenn man doch Pyro zündelt.

Pyros in einer Menschenmasse, wie sie nun mal in einem Fussballstadion vorkommt, ist immer gefährlich. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was alles passieren kann. Die Bilder einer Massenpanik müssen doch nun inzwischen jedem präsent sein. Genau auf Grund dieser Gefahr sind Pyros in Stadien verboten. Daniel Lindvall, Göteborg

L. Adler, Bochum

“Ich plädiere für das kontrollierte Abbrennen von Bengalos.” Pyros gehören für mich zur Fankultur und liefern einen wichtigen Teil zur Atmosphäre in den Stadien. Allerdings gehen zu viele Tifosi damit fahrlässig um. Alberto Tomasini, Genua

Wenn schon unbedingt in einem vollen Stadion gezündelt werden muss, dann entweder vor dem Block oder auf dem Zaun,

Es gibt wesentlich mehr vernünftige Fussballfans als Pyromanen. Deshalb verstehe ich nicht, weshalb in den Stadien die Selbst­ regulierung nicht besser greift. B. Wolf, Augsburg

Meine Familie sass bei einem Spiel von St. Pauli auf der Südtribüne bei mir. Meine Eltern fanden die pyrotechnischen Aktionen alles andere als lustig. Die älteren Leute hinter uns haben auch alle nur die Köpfe geschüttelt. Spätestens als nach ein paar Minuten ein Bengalo auf die hineinmaschie­ renden Kinder geworfen wurde, wusste jeder im Stadion, dass so was da nicht hingehört. W. Heinz, Hamburg

Im Kampf gegen Pyros kann es nur eine Ansage geben: Null Toleranz. Wer Fackeln abbrennt, gefährdet die anderen Zuschauer und zerstört das Spiel. Allein die sich anhäu­ fenden Spielabbrüche müssten allen die Augen öffnen. Doch ich werde den Verdacht nicht los: Einige Fans nehmen sich selbst zu ernst – und setzen die eigene Inszenierung über das Geschehen auf dem Rasen. S. Baumann, Basel

“Bei Pyros kann es nur eine Ansage geben: Null Toleranz.”

Schluss mit Pyros!

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ussball begeistert, Fussball bewegt. Emotio­ nen und Dramatik gehören zum Spiel wie der Ball und die Tore. Das Feuer der Leiden­ schaft fesselt Spieler wie Zuschauer. Doch der Fussball darf nicht zum Brandstifter degra­ diert und missbraucht werden. Ich spreche von den Auswüchsen, die leider Woche für Woche in vielen Stadien zu beklagen sind – das Abren­ nen von pyrotechnischen Materialen mitten in den Zuschauermassen. Sehe ich solche Szenen, überkommt mich bares Unverständnis: Jedem Kleinkind wird eingetrichtert, dass Feuer gefährlich ist, aber selbsternannte, erwachsene Fussballfans zün­ den auf der Tribüne 1000 Grad heisse Fackeln und beissende Rauchpetarden. Wo liegt der Sinn, sich selbst einzunebeln und andere akut zu gefährden? Fussballspiele sind soziale Anlässe und ge­ sellschaftliche Ereignisse. Doch durch solch grobfahrlässiges Verhalten verkommen sie zur Plattform für Fanatiker und Pyromanen. An­ statt eines Familienvergnügens werden sie zur Selbstinszenierung einer bedauernswerten Minderheit. Ich kann es verstehen, wenn Eltern ihre Kinder nicht ins Stadion gehen lassen, wenn sie solche Szenen im Fernsehen sehen. In der Verantwortung stehen die Klubs. Denn sie kennen die Täter genau. Oft ist aber die Angst, einzelnen Besucher zu verlieren grösser als die Bereitschaft gegen Krawallbrüder konsequent vorzugehen. Wer von Fanarbeit spricht, muss für die echten Fans arbeiten – und nicht die Störenfriede decken. Der Fussball bietet Spektakel und Unter­ haltung en masse. Wer Messi, Ronaldo oder Ibrahimovic bei der Arbeit zusieht, weiss, was ein echtes sportliches Feuerwerk ist. Wir alle sind Feuer und Flamme für den Fussball – aber Feuer und Flammen auf den Tribünen brau­ chen wir nicht.

Ihr Sepp Blatter T H E F I FA W E E K LY

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First Love


Ort: Ourinhos, Brasilien Datum: 24. April 2013 Z e it : 17. 5 1 U h r

Christopher Pillitz / Prestel Verlag

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FREE KICK

Die legendärsten Elfmeterschiessen

Die Dämonen der Niederlage Perikles Monioudis

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s ist WM-Jahr! Und der Fussball wird in  Kürze zu einer Fortsetzung seiner ­Geschichte ansetzen, nunmehr in Brasi­ lien  – das Eröffnungsspiel ist auf den 12. Juni terminiert, der Gastgeber trifft auf Kroatien. Fussball, Geschichte, Brasilien: Diese drei Wörter gehören bekanntlich zwingend zusammen. Der fünffache Weltmeister aus Südamerika hat bereits mehrfach Geschichte geschrieben und will im Sommer seinen s­ echsten WM-Titel erringen. Er würde es als Katastrophe oder zumindest als Schmach empfinden, wenn ein anderes Nationalteam ihm dabei zuvorkommen würde – an ernsthaften Kandidaten gibt es jedoch einige. Die Geschichte der Fussball-WM wird, unabhängig davon ob Brasilien gewinnt oder nicht, um ein weiteres Kapitel reicher sein, um einen weiteren Fundus an Triumphen und Niederlagen, persönlicher Tragik und kollektiver Euphorie. Denn so wie die vergangenen 19 Weltmeisterschaften ihre Geschichten bis in die Gegenwart ausstrahlen, wird auch die WM 2014 in Brasilien ihre die Zeit überdauernden Momente erzeugen. Dabei verhält sich das alles so: Gleich in der dritten von Tausendundeiner Nacht beliebt es Scheherezade, dem König die Geschichte vom alten Fischer und dem Flaschengeist zu erzählen. Der Fischer stösst auf eine dünnhalsige Messingflasche und öffnet sie. Warum nicht? Vielleicht ist ja etwas drin – im selben Augenblick entweicht der Flasche dicker Rauch, er steigt bis zum Himmel auf, wie Scheherezade so bildhaft sagt. Aus dem Rauch bleibt ein furchteinflössender Dämon zurück. Dieser Dämon hatte sich einst – hasserfüllt – geschworen, denjenigen zu töten, der ihn aus der Flasche befreit, in die er aus eigener Dummheit geraten war. Er ver-

brachte schliesslich eine Ewigkeit darin und hatte ausreichend Zeit, seinen Zorn zu nähren. Der Dämon also wollte dem Fischer umgehend an den Kragen. Der Fischer gab aber vor, die Lauterkeit des Dämons zu bezweifeln: “Du bist doch riesig und willst behaupten, in dieser kleinen Flasche gewesen zu sein?” Natürlich fühlt sich der Dämon in seiner Ehre gekränkt und kriecht zum Beweis unverzüglich in die Flasche zurück. Eine Niederlage kann ein Dämon sein: ein Plagegeist, der sich nicht verscheuchen und oft auch durch gar nichts besänftigen lassen will. Ein frühes Aus an der Heim-WM hat in Brasilien die Gestalt eines Dämons, wenn auch eines kleinen, denn kaum einer rechnet dort damit, dass die Seleção gegen die erwähnten Kroaten, die Mexikaner und Kameruner nicht weiterkommen wird. Der Dämon bläht sich in Brasilien aber zu seiner ganzen Gestalt auf, wenn es um das Halbfinale und das Finale geht. Eine Niederlage im Spiel der Spiele, im WM-Endspiel auf heimischem Boden: Dieser Dämon wird mit jedem Tag wachsen, der an der WM vergeht. Nur Scheherezade scheint zu wissen, dass die Brasilianer den Dämon besiegen können, indem sie sich ihrer WM-Geschichte versichern – Fussball, Geschichte, Brasilien. Liegt 2014 kein sechster Titel drin, dann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit an einer der kommenden Weltmeisterschaften. Der Geist ist damit wieder in der Flasche. Für wie lange? Å

Die wöchentliche Kolumne aus der The-FIFA-Weekly-Redaktion T H E F I FA W E E K LY

1

Brasilien – Italien 3:2 i.E., WM 1994. Roberto Baggio ist die tragische Figur: Er verschiesst den letzten Penalty und macht Brasilien zum Weltmeister.

2

Bishop’s of La Jolla – San Diego Crawford 21:19 i.E., Highschool-Playoffs 2012. Das längste Elfmeterschiessen findet in den USA statt. Das Drama endet erst nach 50 Schüssen.

3

Italien – Frankreich 5:3 i.E., WM 2006. Zidane wird wegen einer Tätlichkeit vom Platz gestellt, sein Team verliert danach im Penaltyschiessen das Finale.

4

Japan – USA 3:1 i.E., Frauen-WM 2011. Die japanische Torhüterin Ayumi Kaihori hält zwei Elfmeter. Zum ersten Mal sichert sich ihr Land den Titel.

5

A rgentinos Juniors – Racing Club Buenos Aires 20:19 i.E., Primera Divison 1988. Das höchste Ergebnis auf Elitestufe. Nach 44 Schüssen erst erhalten die Argentinos den Extrapunkt.

6

Haka Valkeakoski – HJK Helsinki 2:1 i. E., Finnisches Pokalfinale 1985. Drei Treffer bei zwölf Versuchen. Nie fallen weniger Tore in einem Elfmeterschiessen.

7

K K Palace – Civis 17:16 i.E., Pokal 2005, Namibia. Das Penaltyschiessen ist erst nach 48 Anläufen entschieden.

8

Tschechoslowakei – BRD 5:3 i.E., EM 1976. Die Nacht von Belgrad: Panenka lupft den entscheidenden Schuss in die Mitte, während Sepp Maier schon in der Ecke liegt.

9

Deutschland – England 4:3 i.E., WM 1990. Das Spiel gilt als Anfang von Englands Penalty-Trauma – und quasi als (erste) Rache fürs Wembley-Tor.

10

U  kraine – Schweiz 3:0 i.E., WM 2006. Nur gerade drei der sieben Schüsse landen im Tor – kein einziger der Schweizer.

11

L  iverpool – Milan 3:2 i.E., CL-Finale 2005. Liverpool liegt zur Pause 0:3 zurück, gleicht innert sechs Minuten aus und gewinnt nach Penaltys. Gab es noch spektakulärere Elfmeterschiessen? Ihre Meinung an: feedback-theweekly@fifa.org 23


FIFA WORLD CUP TROPHY TOUR BY COCA-COL A

Die berühmtesten 4,9 Kilo Gold auf Welttournee Er ist 41 Jahre alt, besteht aus 4,9 kg Gold und wurde schon von der Hand Gottes in die Höhe gestemmt. Jetzt ist das ­Original des WM-Pokals auf Welttour. Wir waren beim Stopp in Schweden dabei.

Sarah Steiner

D

ie Wolken hängen tief am frühen Samstag­ morgen über Stockholm. Als Farbtupfer auf der Piste des Arlanda-Flughafens fällt einzig der knallrote World­Cup-Trophy-Tour-Flieger ins Auge. Er startet heute seine Reise zu seinem nördlichsten Ziel überhaupt: Kiruna. Das schwedische Städtchen liegt nördlich des Polarkreises. In die globalen Schlagzeilen gerät Kiruna nicht oft, umso aufgeregter sind die knapp 18 000 Bewohner, dass genau sie Gastgeber der Trophy Tour sein dürfen. Seit Monaten warten sie sehnsüchtig auf den grossen Moment, auf den grossen Pokal. Der Pokal, mit dem so viele Hoffnungen und Träume verbunden sind. Der Pokal, der in knapp 17 Wochen in den Händen des Kapitäns der WM-Siegermannschaft sein wird – 11 340 Kilometer entfernt. 24

Bereits zum dritten Mal geht die Original-Trophäe der Fussball-Weltmeisterschaft auf Reisen. Angefangen mit einem Ausflug durch 28 Länder im Jahr 2006, besucht der Pokal anlässlich der diesjährigen Tour ganze 88 Nationen. Im letzten Herbst startete die Reise in Rio de Janeiro, im April wird sie die diesjährige Hauptstadt des Fussballs wieder erreichen. Bis dahin werden Tausende von Fans die Möglichkeit erhalten haben, sich mit dem WM-Pokal abzulichten und ihm so nahe zu sein, wie nur wenige Fussballer es je sein werden. Denn zwischen dem Wunsch eines Spielers, den Pokal in den eigenen Händen zu halten und der Realität sich Weltmeister nennen zu dürfen, liegen mindestens 630 Minuten Arbeit und 77 Gegner, die genau dasselbe Ziel verfolgen. Und sollte sich der Traum für den Spieler tatsächlich erfüllen, wird er auch nicht lange das Vergnügen mit der Trophäe haben. Nach T H E F I FA W E E K LY

gerade mal zehn Minuten wird das Original gegen eine Replika ausgetauscht und zurück an einen sicheren Ort gebracht. Zu gross wäre das Risiko, dass die wertvolle goldene Weltkugel gestohlen wird oder die Siegermannschaft sie gar verliert. WM-Pokal: vergessen und verloren Die Geschichte beweist, dass dies sehr wohl möglich ist. Die Brasilianer wissen beispielsweise nicht, wo sich die Jules-Rimet-Trophäe, der ehemalige WM-Pokal von 1970, befindet. Am 20. Dezember 1983 wurde sie aus dem Gebäude des brasilianischen Verbandes gestohlen – der Fall blieb bis heute ungelöst. Und auch im Vorfeld der WM 1966 ging die Trophäe verloren. Aus einer Ausstellung des englischen Verbandes wurde sie entnommen, eine Lösegeldforderung ging ein, doch der Aufenthaltsort des Pokals konnte nicht ermittelt werden.


FIFA WORLD CUP TROPHY TOUR BY COCA-COL A

Bitte sehr Mit seinen 38,8 cm eher klein, fasziniert der WM-Pokal aus dem Jahr 1973 immer noch Millionen von Fussballfans.

Der Countdown Die Juniorinnen und Junioren in Kiruna spurten zur berühmten Trophäe.

Joel Robison

Ohne tierische Unterstützung wäre sie vielleicht bis heute verschwunden. Pickles, eine schwarz-­weisse Promenadenmischung, buddelte sie in einem Londoner Vorgarten in South Norwood aus. Risiken bestehen auf der World Cup Trophy Tour auch, doch die Organisatoren sind gerüstet. Ein Sicherheitskonzept garantiert den Schutz der wertvollen Fracht. Und der Anblick der bulligen Securitymänner lässt keinen Zweifel daran, dass diese für die Weltmeisterschafts-Trophäe ihr Leben geben würden. Kirunas Ereignis des Jahres Die vereiste Piste in Kiruna liegt inmitten der idyllisch verschneiten Landschaft. Es herrschen für die Jahreszeit “warme” -7⁰C. Unzählige Kinder erwarten das Flugzeug, sie schwenken die Landesfahnen der WM-Teilnehmer, ihre Augen leuchten. Seit Monaten warten sie auf diesen Moment. “Als man mir mitgeteilt

hat, dass die World Cup Trophy Tour nach Kiruna kommt, dachte ich erst, man erlaube sich einen Scherz mit mir. Denn normalerweise gehen solche Anlässe in Stockholm, Göteborg oder Malmö über die Bühne. Uns hier oben vergisst man schnell”, erzählt Gustaf Sixten Inga. Der Präsident des ansässigen Fussball­ vereins Kiruna FF ist fast nervöser als seine Schützlinge. D ie Kinder bekommen eine Stunde nach der Ankunft die Gelegenheit im Sta­d ion ihre Fussballkünste unter Beweis zu stellen. Der französische Welt- und Europameister Christian Karembeu und die schwedische Ex-Nationalspielerin Hanna Marklund stehen als Coach und Vorbilder für eine Trainingseinheit zur Verfügung. Die Kinder sind aufgeregt: “Darf ich ein Autogramm haben?” – “Hast du gewusst: Er hat für Real Madrid gespielt!” – “Eines Tages will ich auch mein Land vertreten!” Jeder Schüler will den perfekten Pass spielen, das genialste DribT H E F I FA W E E K LY

bling machen, das schönste Tor schiessen. Auffällig viele Mädchen tummeln sich auf dem Platz. Der schwedische Frauenfussball hat auch hier im hohen Norden seine Spuren hinterlassen. Fussball bei Mädchen Nummer 1 Gustaf Sixten Inga, der Präsident, steht mit roten Backen auf dem Vorplatz des Stadions, spricht mit Eltern, begrüsst Funktionäre, klatscht bei den Kindern ab. Seit November weiss der Verein vom wichtigen Besuch und hat sich gut vorbereitet. 500 Spielerinnen und Spieler sind in seinem Verein aktiv, der Fussball hat bei den Mädchen die Trendsportart Eishockey als Nummer 1 abgelöst. “Dass sie jetzt die Möglichkeit haben, diese Topspieler zu treffen und den WM-Pokal so nah zu haben, ist einfach fantastisch”, so Sixten Inga. Dass sich Schweden nicht für das Turnier in Brasilien qualifiziert hat, nagt zwar an der Volksseele, die Begeiste25


FIFA WORLD CUP TROPHY TOUR BY COCA-COL A

Ein bisschen Show muss sein, wenn Weltmeister Christian Karembeu beim Training zuschaut.

Ein Hauch von Brasilien Bei den Mädchen ist Fussball hoch im Kurs, selbst wenn sich Schweden nicht für die WM qualifiziert hat.

FIFA World Cup Datum der Herstellung 1973 Gewicht 6175 Gramm (davon 4927 Gramm reines Gold) Grösse

nischen Karneval: Südamerikanische Klänge in den verschneiten Gassen, geschminkte Menschen und Tänzerinnen auf dem vollen Dorfplatz. FF-Präsident Gustaf Sixten Inga: “Diesen Tag werden wir unser ganzes Leben lang nie vergessen”. Am nächsten Tag geht ihre Reise weiter. Nach Rumänien, Frankreich, England, Deutschland, China und Japan geht der Pokal zurück nach Rio de Janeiro. Das Feuer für die Fussball-Weltmeisterschaft ist längst entfacht. Und dies auch dank der Trophy Tour, die ähnlich dem Olympischen Feuer einmal um die Welt gereist ist. Brasilien wir kommen! Å

Brasilienparty auf dem Dorfplatz In Kiruna organisierte die Bevölkerung anlässlich der Trophy Tour sogar einen brasilia26

Designer Silvio Gazzaniga, Italien

Joel Robison

rung für ihre “Blagult” bleibt aber ungebrochen. “Zlatan Ibrahimovic ist der Grösste – ganz egal ob wir an die WM fahren oder nicht!” Wenn Schweden nicht nach Brasilien fährt, dann holt sich Schweden Brasilien eben nach Kiruna. Zumindest für ein Wochenende. Das Ziel der World Cup Trophy Tour ist es, die Weltmeisterschaft rund um den Globus zu promoten und den Fans weltweit die Möglichkeit zu geben, das Original einmal aus der Nähe zu betrachten. Dabei erfahren sie alles über die Geschichte der Weltmeisterschaft. Auch die Vorstellung des Turniermaskottchens Fuleco darf natürlich nicht fehlen. Die Reise ist insgesamt 149 577 Kilometer lang – das ist die dreifache Distanz des Erdumfangs.

38,8 cm Sockel Ø 12,5 cm Material Gold, zwei Ringe aus Malachit verzieren den Sockel Hersteller Bertoni GDE Srl., Mailand (Italien)

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FIFA WORLD CUP TROPHY TOUR BY COCA-COL A

“Ich wollte mehr als eine Dekoration” Bildhauer Silvio Gazzaniga ist 1971 ein ganz besonderes Stück gelungen, als er den WM-Pokal schuf. “Ich hätte nie gedacht, dass er auch für die Jungen so wichtig wird”, sagt der 93-jährige Italiener.

Nein, leider nicht. Ich kann mich aber noch sehr gut an den Zeitpunkt erinnern, als Italien den Pokal gewann (1982). Damals sass ich zu Hause und die Strassen waren voller Menschen. Ich kann mich noch so gut daran erinnern, da es ein grosser Triumph für Italien war.

Herr Gazzaniga, Sie haben 1971 den WM-Pokal entworfen. Geniessen Sie die Aufmerksamkeit, die dieser einen – ganz besonderen – Trophäe zuteil wird? Silvio Gazzaniga: Klar geniesse ich es. Es handelt sich um ein ausserordentlich gelungenes und zweckbezogenes Werk. Ebenso sehe ich den Pokal als grossen künstlerischen Erfolg, auch wenn er eine Bedeutung hat, die weit über die künstlerische Ebene hinausgeht.

Als der neue Pokal in Auftrag gegeben wurde, hat man Sie um die Zusendung einiger Design­vorlagen gebeten. Wie ging es dann weiter? Das war eigentlich ganz einfach. Ich hatte gleich zwei Vorschläge präsentiert. Dann habe ich gemerkt, dass ich ein Modell entwerfen muss, um einen Eindruck davon zu vermitteln, welche Form der Pokal hat und wie er sich anfühlt.

Wieso? Eine Zeichnung vermittelt nie die gleichen Eindrücke, wie es das Material vermitteln kann. Der Pokal sollte nicht nur der Dekoration dienen, wie dies oft bei britischen Pokalen, die eine lange Tradition haben, der Fall ist. Dieser Pokal sollte seine eigene Persönlichkeit haben.

Andrea Pagliarulo / Buena Vista

Stimmt es, dass Sie sich fast eine ganze Woche lang in Ihrem Studio eingeschlossen haben, als Sie an dem Entwurf gefeilt haben? Ja, mehr oder weniger. In der Modellierphase wollte ich nicht zu viele Details einfliessen lassen, da die Skulptur dadurch billiger gewirkt und eine geringere Wirkung entfaltet hätte. Deshalb habe ich sie in einem Stück gefertigt und die Feinheiten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Natürlich war es wichtig, dass Sie selbst mit Ihrem Werk zufrieden waren. Wann aber haben Sie festgestellt, dass es auch der ­Öffentlichkeit gefällt? Man rief mich an und sagte mir, dass der

Stimmt es, dass Sie einmal gesagt haben, dass der Pokal immer ein Stück Italien in sich trägt?

Pokal auf grosse Bewunderung stösst. Da habe ich begriffen, dass er nicht den Kunstfreunden vorbehalten ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass er aus der Spontaneität heraus entstanden ist. Fussballfans verstehen und bewundern dies.

Sie wollten in der Trophäe den Sport und die Welt miteinander verschmelzen. Ja, das stimmt. Da es der Weltpokal ist, erscheint es mir logisch, dass die Welt Teil von ihm sein muss. Schliesslich ist die Erde auch rund und somit einem Ball sehr ähnlich. Die menschlichen Figuren, die aus dem Sockel entspringen, streben nach oben und tragen die Welt, die ich mir eben als Ball vorgestellt habe.

Zudem soll die Trophäe für Fleiss, Harmonie und Frieden stehen. Was meinen Sie damit? Nicht zu vergessen die Dynamik. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, etwas zu kreieren, das für Einsatz, Dynamik und den Jubel des Spielers beim Sieg – einschliesslich der überschwänglichen Freude – steht. Die scheinbar unregelmässigen Formen verleihen dem Ganzen eine starke Dynamik. Aber eigentlich ruht die harmonische Energie im Pokal selbst. Die Figuren, die aus dem rauen Sockel emporsteigen, vereinen sich ja auch zu einem gemeinsamen Siegesjubel.

Können Sie sich erinnern, wo Sie waren als der Pokal 1974 zum ersten Mal überreicht worden ist? T H E F I FA W E E K LY

Da er von einem Italiener entworfen wurde, ist es logisch, dass er immer ein Stück Italien in sich trägt. Ich hoffe auch, dass er noch oft in dieses Land kommt. Italien hat herausragende Spieler, die vielleicht nicht ganz so talentiert sind wie die Brasilianer, die aber immer für einen Titelgewinn gut sind.

Das Paradoxe daran ist, dass Sie wohl niemals diesen Pokal entworfen hätten, wenn Brasilien sich nicht 1970 gegen das italienische Team durchgesetzt hätte und nach diesem dritten WM-Titel den Jules-Rimet-Pokal behalten durfte. So ist nun mal der Sport. Der Ball ist rund und muss sich folglich konstant drehen. Manchmal muss man sich vor der gegnerischen Mannschaft verneigen und die Niederlage akzeptieren. Das ist Teil des Sportsgeists.

Hätten Sie sich jemals erträumt, dass dieser Pokal 30 Jahre nach seiner Entstehung ein dermassen starkes Symbol werden würde, das sogar auf Tournee um die ganze Welt geht? Bestimmt nicht. Ich hätte niemals gedacht, dass er vor allem für die jüngere Generation so wichtig werden würde und als Zeichen des Friedens verstanden wird. Ich bin sehr stolz darauf, meinen Teil dazu beigetragen zu haben, dass der Sport etwas mehr Frieden in die Welt bringt. Der Sport führt Menschen und Nationen zusammen und ist viel wichtiger, als viele von uns glauben mögen. Å Interview von FIFA.com 27


DAS FIFA-R ANKING Rang Team

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 44 46 47 48 49 50 50 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77

Rang­veränderung Punkte

Spanien Deutschland Argentinien Portugal Kolumbien Uruguay Schweiz Italien Brasilien Belgien

0 0 0 0 0 1 -1 0 0 1

1510 1336 1234 1199 1183 1126 1123 1112 1104 1084

Niederlande England Griechenland USA Chile Kroatien Frankreich Ukraine Russland Mexiko Bosnien und Herzegowina Dänemark Ecuador Elfenbeinküste Algerien Ägypten Schweden Serbien Panama Tschechische Republik Slowenien Rumänien Kap Verde Costa Rica Ghana Honduras Schottland Türkei Venezuela Peru Armenien Iran Ungarn Tunesien Österreich Montenegro Nigeria Japan Wales Slowakei Kamerun Island Guinea Albanien Usbekistan Mali Norwegen Finnland Paraguay Republik Korea Vereinigte Arabische Emirate Burkina Faso Australien Südafrika Israel Jordanien Bulgarien Republik Irland Senegal Bolivien Libyen Sierra Leone Polen Sambia Saudiarabien Trinidad und Tobago Marokko

-1 3 -1 -1 -1 0 1 0 3 1 -4 -2 1 -1 1 12 -2 1 3 1 -4 1 -6 1 2 4 -3 4 -4 1 -11 -4 1 1 -1 6 0 2 2 4 -4 -4 9 1 2 3 3 7 -10 1 -3 0 -10 0 -9 3 5 -1 -3 0 -3 1 -3 1 0 1 -3

1077 1045 1038 1017 998 955 929 911 889 888 863 858 855 839 819 790 789 762 755 748 746 740 739 732 729 725 721 710 704 703 699 692 652 641 641 639 626 622 609 588 588 582 572 569 565 561 559 556 554 552 550 548 545 536 526 521 518 513 512 511 508 481 475 458 453 446 443

Rang

Okt. 2013

Nov. 2013

Dez. 2013

→ http://de.fifa.com/worldranking/index.html

Jan. 2014

Feb. 2014

März 2014

1 -41 -83 -125 -167 -209

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Platz 1  

Aufsteiger des Monats  

El Salvador Haiti Jamaika Oman EJR Mazedonien Belarus DR Kongo Uganda Nordirland Kongo Gabun Togo Neuseeland Aserbaidschan Estland Kuba Benin Botsuana Angola Liberia VR China Georgien Äthiopien Katar Simbabwe Irak Niger Litauen Bahrain Zentralafrikanische Republik Moldawien Kenia Kuwait Dominikanische Republik Kanada Lettland Malawi Mosambik Libanon Tansania Neukaledonien Äquatorial-Guinea Luxemburg Tadschikistan Sudan Zypern Namibia Vietnam Guatemala Afghanistan Kasachstan Burundi Philippinen Suriname Grenada DVR Korea Malta Ruanda Gambia Syrien Tahiti St. Vincent und die Grenadinen Belize Malaysia Turkmenistan Lesotho Antigua und Barbuda

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0 0 0 -1 1 -1 7 -1 -1 -1 -1 1 -1 2 -1 5 3 -1 -1 -1 -10 4 1 -2 -2 11 0 -3 0 -2 -1 -1 -1 0 1 -2 1 3 5 -1 -1 -1 0 -11 1 0 0 18 0 11 1 -5 -3 1 3 3 -3 0 1 -4 2 2 2 9 -13 -4 2

Absteiger des Monats

438 430 429 426 421 420 392 391 388 382 381 377 373 369 367 362 357 355 348 347 339 333 331 330 328 317 315 314 312 310 303 293 287 282 279 265 260 258 254 253 252 251 242 237 236 236 227 224 219 213 213 211 200 197 192 191 186 186 184 183 179 177 176 175 166 165 159

145 146 146 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 162 162 165 165 167 168 169 170 171 172 173 173 173 176 176 178 179 180 181 182 183 183 185 185 187 188 188 190 191 191 191 194 195 195 197 197 199 200 201 202 203 204 205 206 207 207 207

Hongkong St. Lucia Kirgisistan Thailand Singapur Puerto Rico Liechtenstein Indien Guyana Indonesien Mauretanien St. Kitts und Nevis Malediven Pakistan Dominica Nepal Barbados Aruba Färöer Bangladesch Salomon-Inseln São Tomé und Príncipe Palästina Nicaragua Bermuda Tschad Chinese Taipei Laos Guam Myanmar Sri Lanka Mauritius Seychellen Curaçao Swasiland Vanuatu Fidschi Samoa Komoren Guinea-Bissau Bahamas Jemen Mongolei Kambodscha Montserrat Madagaskar Brunei Darussalam Osttimor Tonga Amerikanische Jungferninseln Cayman-Inseln Papua-Neuguinea Britische Jungferninseln Amerikanisch-Samoa Andorra Eritrea Südsudan Macau Somalia Dschibuti Cook-Inseln Anguilla Bhutan San Marino Turks- und Caicos-Inseln

-1 2 2 -1 1 7 -1 2 1 4 4 -3 6 7 7 9 7 10 10 2 9 -4 -23 -1 6 -8 -1 -16 -13 -43 -2 1 0 0 5 -1 0 0 15 0 -1 1 -7 1 -1 -3 -1 -1 -1 -1 -1 -1 -1 -1 -1 0 1 -2 0 0 0 0 0 0 0

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ZEITSPIEGEL

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Old Trafford, Manchester, England

1970

Mirrorpix

FA Cup und Teekanne. Chelsea gewinnt 1970 den englischen Pokal gegen Leeds United. Im Normalfall hätten die Londoner den Triumph im Wembley-Whirlpool feiern können. Nach dem 2:2 war aber erstmals seit 1912 ein Wiederholungsspiel nötig – wegen des havarierten Wembley-Rasens mit dem Old Trafford in Manchester als Schauplatz. Chelsea siegte 2:1 – und ging erst nach Spielschluss baden. Mittelfeldspieler Tommy Baldwin stemmt den Pokal in die Höhe, Torhüter Peter Bonetti veredelt sein Haupt mit dem Deckel des Potts.

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ZEITSPIEGEL

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Amsterdam Arena, Amsterdam, Niederlande

2012

Keystone

Silberteller und Flipflops. Die Nasszone in der Amsterdam Arena ist ein sportlicher Wellness­bereich. Mit 32 nationalen Meistertiteln, 18 Cup-­Siegen sowie vier Meistercup- (bzw. Champions-­League-) Triumphen setzt Ajax Amsterdam Massstäbe. 2012 sichern sich die Niederländer die Meisterschaft mit einem 2:0 gegen Venlo und gönnen sich danach einen kollek­ tiven Waschgang. Jan Vertonghen gibt die Meisterschale nicht aus den Händen, Daley Blind muss sich mit den Badelatschen begnügen.

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HISTORY

Wie der Fussball nach Brasilien kam Staubiger Platz im Zentrum von São Paulo Hier kickte Charles W. Miller mit seinem “São Paulo Railway Team” zum ersten Mal auf brasilianischem Boden.

Alois Gstöttner

Brasilien ist Fussball. Jede Bevölkerungsschicht ist verrückt nach dem Spiel. Fünfmal war das Land Weltmeister. Eine Liebesgeschichte, die im kühlen England begann.

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HISTORY

Dominik Petermann

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wei Bälle, eine Luftpumpe, zwei Trikots, ein Paar Fussballschuhe und das Regel­ buch der Hampshire Football Associa­ tion packte der 19-jährige Charles Wil­ liam Miller in seinen Koffer, als er im Winter 1894 in England die Heimreise nach Brasilien antrat. Fussball war in den zehn Jahren seines Studiums in London zu seiner Leidenschaft geworden – nie hätte er das Ge­ burtsland des Fussballs ohne seine Fussbal­ ler-Ausrüstung verlassen. In der “Banister Court School” in Southampton war Miller zu einem der besten Spieler im 1885 gegründeten “St. Mary’s Football Club” geworden. Seine ­Fähigkeiten als flinker und akrobatischer Stür­ mer brachten ihm sogar Angebote für Spiele in Londons gefeiertem Amateur-Klub “Corinthian FC” ein. Umso grösser war seine Ernüchterung, als sein Schiff am 18. Februar im Hafen von Santos anlegte und Charles William Miller, in São Paulo geborener Sohn eines schottischen Eisenbahningenieurs und einer Engländerin, feststellte, dass “Football” seinen Landsmän­ nern völlig unbekannt war. Charles William Miller hatte seine Mission gefunden. Beruflich stieg er in die Fussstapfen seines Vaters, der für den Bau der Eisenbahn­ strecke zwischen Santos und São Paulo nach Brasilien emigriert war. Auch Charles Miller heuerte im Eisenbahnwesen an und fand dort die idealen Bedingungen zur Gründung einer Fussballmannschaft. Mit Arbeitskollegen gründete er das “São Paulo Railway Team”, ­emsig trainierten sie das Spiel auf den staubi­ gen Plätzen von São Paulo. Dann, an einem kalten Herbstnachmittag, wagte sich die Elf an das erste Spiel. Am 14. April 1895 trat Charles William Miller mit seinem “São Paulo Railway Team” zum ersten öffentlichen und dokumen­ tierten Fussballspiel auf brasilianischem Bo­ den an. Gegner war ein Team aus Arbeitern eines ortsansässigen Gasunternehmens na­ mens “Companhia de Gás”. Millers Team gewann die historische Begegnung mit 4:2. ­ Ausgetragen wurde das Spiel in einem grosszü­ gig angelegten, grünen Park namens “Vàrzea do Carmo” im derzeitigen Zentrum von São Paulo. Bis heute wird hier Fussball gespielt – wenn auch eingepfercht zwischen zwei Stadt­ autobahnen auf einem Sandplatz namens “Dom Pedro II”. “Man kann dort nach wie vor nett kicken, im letzten Jahr wurden sogar neue Tore aufgestellt. Die Entwicklung von São Paulo ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich grössere, s­ oziale Zusam­ menhänge im Fussball abbilden. Der Mythos vom strassenkickenden Supertalent, das zwei Wochen später in der Seleção steht, hat nichts mehr mit der Realität zu tun”, beschreibt der Journalist und Fotograf Alois Gstöttner die his­ 34

torische Stätte. In seinem Buch “Gooool do Bra­ sil” zeichnet Gstöttner die Geschichte einer na­ tionalen Leidenschaft nach und fängt die facettenreiche Liebe der Brasilianer zum Fuss­ ball nicht nur auf den auf diesen Seiten abgebil­ deten, staubigen Plätzen und in den Stadien ein, sondern auch in Dutzenden Gesprächen. Mit

Brasiliens Fussballvater Charles William Miller hat 1894 auf seiner Schiffsreise wohl nicht geahnt, welch enge Bindung sein Heimat­ land Brasilien zu den platten Fussbällen und dem Regelbuch in seinem Koffer knüpfen wür­ de. Fünfmal war das Land seitdem Weltmeister und hält damit einen unerreichten Rekord.

Sócrates, dem charismatischen Kapitän der Seleção von 1982, spricht er über die Militärdik­ tatur und seine Demokratiebewegung. Mit dem Schiedsrichter Dourado unterhält er sich im Sa­ nitärbereich einer Umkleidekabine über die He­ rausforderungen des Regelwerks. Mit der Schönheitskönigin Larissa redet er über ihre Teilnahme am exotischsten Fussballturnier der Welt und mit Paulinho, einem Häftling in der Strafanstalt in Guarulhos, über Freiheit.

Charles W. Miller selbst schaffte es immer­ hin noch in eine Liga: Nach 1896 war er die ­treibende Kraft bei der Einführung der Staats­ meisterschaft von São Paulo, der ersten Fuss­ ballliga Brasiliens, die Miller in den Reihen des “São Paulo Athletic Club” in den Jahren 1902, 1903 und 1904 gewann. Å

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Charles William Miller Mit zwei Fussbällen und einer Luftpumpe zurück in die brasilianische Heimat.

Allgegenwärtig im “Wohnzimmer” des S.C. ­­­ Corinthians Paulista: Der Platz vor dem Estádio do Pacaembu in São Paulo ist nach Charles W. Miller benannt.

Getty Images, Alois Gstöttner

“Gooool do Brasil – Kartografie einer nationalen Leidenschaft” Text und Fotos: Alois Gstöttner 176 Seiten, 17 x 22 cm, 86 Abbildungen Verlag: Club Bellevue ISBN: 978-3-200-03492-1

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THE SOUND OF FOOTBALL

DAS OBJEK T

Perikles Monioudis

Hanspeter Kuenzler

Eigentlich wäre Petar “Radi” Radenkovic die Musik ja in die Wiege gelegt worden. Aber ein typisch europäisches Kriegsschicksal hatte zur Folge, dass ihm in der entscheidenden Phase seines Lebens die führende Hand des guten, elterlichen Musikgeschmackes fehlte. Nur so ist es zu erklären, dass Radi derart tragisch auf Abwege geriet, um die deutsche Hitparade mit dem legendärerweise grässlichen “Bin i Radi, bin i König” heimzusuchen. Petar Radenkovic kam am 1. Oktober 1934 in Belgrad im damaligen Königreich Jugoslawien zur Welt. Sein Vater war Gitarrist und Sänger und reiste unter dem Namen Rascha ­Rodell um die Welt. So befand er sich gerade in den USA, als der Zweite Weltkrieg ausbrach und seine Rückkehr nach Europa verhinderte. Radi wurde fortan von der Grossmutter aufgezogen. 36

Während sein Vater die noblen Gäste des Eden Roc Hotel in Miami Beach täglich mit “continental favourites” verwöhnte, erlernte Radi beim OFK Beograd das Handwerk des Torehütens. Er tat dies mit so viel Leidenschaft und Talent, dass er über den Umweg von Wormatia Worms 1962 als einer der ersten Ausländer im deutschen Fussball beim TSV 1860 München landete. Hier zeigte er bald, dass er von den Talenten des Vaters doch etwas abbekommen hatte: Gern spielte er auf dem Rasen den Entertainer. Seine Dribbel-Ausflüge Richtung Mittelfeld liessen die Ränge aufjohlen. Durch seine grandiosen Reflexe und überragende Spielübersicht hatte er sich das Recht auf Narrenfreiheit verdient. 1964 gewann er mit 1860 den DFB-­ Pokal, 1965 verlor er im Europapokal der Pokalsieger erst im Final gegen West Ham United und 1966 wurden die Münchner gar Deutscher Meister.

Mitten hinein in diese Erfolgsserie platzte “Bin i Radi, Bin i König”. Der Titel war einem Interview entnommen worden, in dem sich der Torwart radebrechend zu seinen Gefühlen nach dem Spiel geäussert hatte. Als Begleitung von Radis kernigem Gesang fungierte eine in Lederhosen gekleidete, bayerische Umpa­Humpa-Kapelle. Zur Verblüffung aller Freunde schöner Musik wurde die Single über 400 000 Mal abgesetzt, blieb sieben Wochen lang in der Hitparade und schaffte es auf Rang fünf. Es ist zu befürchten, dass die Single weniger ihres musikalischen Charmes wegen gekauft wurde als wegen der fussballphilo­ sophischen Einsichten: “Steh ich so im Tor  /  Kommt mir machmal vor / Leute nehmen Spiel zu ernst / Haben nicht Humor / Ball kommt wie der Blitz / Das sieht manchmal spitz / Doch ich fang fast alle / Mit Humor und Witz.” Æ T H E F I FA W E E K LY

Sion Ap Tomos

Der König auf Abwegen

Die jüngste sichtbare Errungenschaft des Weltfussballs stellt der Matchball dar, der an der Fussball-WM in Brasilien zum Einsatz kommen wird. Brazuca wurde dem technologischen Wunder als Bezeichnung verpasst – “Bra” steht dabei für Brasilien und “zuca” für ... nun, das müsste man die Million Brasilianer fragen, die sich online für diesen Namen ausgesprochen haben. “Emotionen, Stolz und Herzlichkeit”, lautet eine gängige Umschreibung. Der Brazuca fällt zunächst durch seine bunten Farben und das Schleifenmuster auf. Im Spiel dann mag man bemerken, dass er ­etwas stabilere Flugeigenschaften hat als sein Vorgänger “Jabulani”, der sich von den Frei­ stossspezialisten auf eine ungewohnt flattrige und deshalb besonders erfolgversprechende Bahn schicken liess. Der Ball für Brasilien: so schön dieser Stabreim ist, so genau vermag er das Wesen dieser beiden Wörter zu fassen. Denn der Ball wäre nichts ohne seine Leichtigkeit, mit der er auf dem Boden abprallt und sich durch die Lüfte schiessen lässt; und er wäre nichts ohne seine Schwere, die ihn eben immer wieder auf den Boden zurückfallen und überhaupt erst durch die Lüfte bewegen lässt. Wie dem Ball eignet auch Brasilien – man möge mir diesen keineswegs despektierlich gemeinten Vergleich nachsehen – die Leichtigkeit (des Samba) und die Schwere (des Bossa), und man kann nicht umhin, den “Ball für Brasilien” als das zu verstehen, was er ist: Ein Symbol. Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann, der sich alles in übergeordneten Abläufen erklärte, als System und als Systeme, schrieb in seinem Aufsatz “Der Fussball”: “Mehr als irgendeine andere Spezialität der Moderne eignet der Fussball sich dazu, die Einheit von Leichtigkeit und Schwere zu symbolisieren.” Luhmann sprach dabei vom Spiel, nicht vom Spielgerät. Dennoch nehmen wir mit: Kaum je passte ein neuer Ball so sehr zu seiner Bestimmung wie der Brazuca zur WM in Brasilien. Tooor! Å


TURNING POINT

“Ein freiwilliger Schritt zurück” Lange Zeit stand es nicht gut um die Karriere von Stürmer KlaasJan Huntelaar. Bis der Niederländer beim zweitklassigen Verein Apeldoorn anheuerte.

Dieter Roeseler / laif

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eugierig war ich immer, aber ein Träumer war ich nie. Weil ich bei allen ­w underbaren Augenblicken, die man als treffsicherer und erfolgreicher Stürmer erlebt, immer ein Realist geblieben bin, habe ich einem Schritt zurück auch meinen wichtigsten Schritt nach vorne zu verdanken. Ich war beim PSV Eindhoven, einem der gros­sen Klubs in den Niederlanden, als A-Jugendspieler seit dem Jahr 2000 unter Vertrag und bestritt, in der 76. Minute eingewechselt, für diesen Klub 2002 ein Spiel in der Eredivisie, beim 3:0-Auswärtssieg in Rosendaal. Richtig voran aber kam ich dort nicht, ebensowenig wie bei De Graafschap Doetinchem, dem ­Verein, in dem ich zwischen 1994 und 2000 aus­ gebildet wurde. Als mich der PSV am 1.  Ja­ nuar  2003 dorthin auslieh, konnte ich dem damals noch erstklassigen, heute in der zweiten Liga angesiedelten Klub, auch nicht richtig weiterhelfen. Neun Spiele, kein Treffer: Ich war als Angreifer noch nicht so weit, wie von selbst Tore schiessen zu können und das Gespür dafür zu haben, auch im Profifussball zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Dazu verhalf mir erst mein freiwilliger Schritt zurück zum seinerzeit zweitklassigen Verein AGOVV Apeldoorn. Es war so etwas wie der Wendepunkt meiner Karriere, die eigentlich noch gar nicht so richtig begonnen hatte. Dorthin von Eindhoven ausgeliehen, wollte ich unbedingt zeigen, was ich drauf hatte, und das ist mir dann auch gelungen. Ich erzielte 26 Tore während der Spielzeit 2003/04 und wurde Torschützenkönig der Eersten Divisie. In Apeldoorn hatte ich erstmals das Gefühl, richtig zur Mannschaft zu gehören. Ich genoss es, regelmässig zu spielen. So wuchs mein Selbstvertrauen und ich konnte endlich die Qualitäten ausspielen, die mich als Stürmer auszeichnen: Antizipation und Reaktionsschnelligkeit, Entschlossenheit vor dem Tor und Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Es war für mich die Initialzündung einer Laufbahn, in der ich Schritt für Schritt vorankam. Als mich der PSV Eindhoven

Name Dirk Jan Klaas Huntelaar Geburtsdatum, Geburtsort 12. August 1983, Voor-Drempt (NL) Position Stürmer Vereine Hummelo en Keppel, De Graafschap, Eindhoven, Apeldoorn, Heerenveen, Ajax Amsterdam, Real Madrid, Milan, Schalke 04 Nationalteam Niederlande 60 Spiele, 34 Tore

im Sommer 2004 an den Eredivisie-Klub SC Heerenveen transferierte, war ich so weit und bereit, auf hohem – später höchsten – Niveau Tore zu schiessen und Spiele entscheiden zu können. Es hat in mir gekribbelt vor meinem ersten ­Ligaspiel – und dann habe ich beim 1:1 in Alkmaar auch gleich das Ausgleichstor erzielt. 17 Treffer in 34 Spielen, das war zur Eingewöhnung an mein erstes Jahr in einem etablierten Klub der Eredivisie okay. Als ich dann in der nächsten Halbserie 17 Tore in 15 Spielen geschossen hatte, wusste ich, dass sich meine Geduldsprobe in Apeldoorn gelohnt hatte. Danach war ich ein gefragter Stürmer und wechselte auf den 1. Januar 2006 zu meinem Lieblingsklub Ajax Amsterdam. Insgesamt erzielte ich in der Spielzeit 2005/06 für Heerenveen und Ajax 33 Treffer in 31 Spielen und wurde damit erstmals Torschützenkönig der Eredivisie. Eine Auszeichnung, die mir in der Saison 2007/08 nach 34 Toren in 33 Spielen für Ajax noch einmal zuteil wurde. Bei Real Madrid, wohin ich im Winter 2009 wechselte, hatte ich nicht ganz so viel Glück, obwohl ich in dem halben Jahr, in dem ich für den berühmtesten T H E F I FA W E E K LY

Klub der Welt spielte, immerhin acht Tore in 20 Einsätzen erzielte. Gleichwohl verkaufte mich der Verein im Sommer desselben Jahres weiter – an die AC Milan, wo ich häufiger als Aussenstürmer aufgestellt wurde und nicht im Zentrum als Mittelstürmer. Richtig heimisch fühlte ich mich erst wieder, als ich im Sommer 2010 vom FC Schalke 04 verpflichtet wurde und damit die Bundesliga kennen lernte. Dass ich in der Saison 2011/12 mit 29 Treffern auch in der Bundesliga Torschützenkönig geworden bin, macht mich stolz. Über Apeldoorn in die grosse Welt des Fussballs: Ich setze mir keine Grenzen und weiss, dass ich das, was ich kann, immer wieder machen kann: Tore, Tore und noch einmal Tore zu schiessen. Å Aufgezeichnet von Roland Zorn

Persönlichkeiten des Fussballs erzählen von einem wegweisenden Moment in ihrem Leben. 37


A FIFA World Cup in Brazil is just like Visa: everyone is welcome.

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The FIFA Weekly Eine Wochenpublikation der Fédération Internationale de Football Association (FIFA)

FIFA - R ÄT SEL - CUP

Internet: www.fifa.com/theweekly

James Bond jagt die faulen Weltmeister und den längsten Namen – raten Sie mit!

Herausgeberin: FIFA, FIFA-Strasse 20, Postfach, CH-8044 Zürich Tel. +41-(0)43-222 7777 Fax +41-(0)43-222 7878

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Weisst du noch, damals, als wir in der gleichen Liga spielten, da gab es doch diese weisse Markierung ... Ja stimmt! Aber wie hiess die gleich wieder? B 5-Fuss-Ecke S 25-Inch-Pfosten

Präsident: Joseph S. Blatter

D 15-Meter-Punkt T 35-Yard-Linie

Generalsekretär: Jérôme Valcke Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Walter De Gregorio

2

Chefredakteur: Thomas Renggli

Welcher dieser vier Erstliga-Klubs hat insgesamt den längsten Vereinsnamen (und vielleicht den längsten überhaupt)?

Art Director: Markus Nowak Redaktion: Perikles Monioudis (Stv. Chefred.), Alan Schweingruber, Sarah Steiner Ständige Mitarbeiter: Jordi Punti, Barcelona; David Winner, London; Hanspeter Kuenzler, London; Roland Zorn, Frankfurt/M.; Sven Goldmann, Berlin; Sérgio Xavier Filho, São Paulo; Luigi Garlando, Mailand

A  Serie A

3

Bildredaktion: Peggy Knotz, Adam Schwarz Produktion: Hans-Peter Frei (Leitung), Marianne Bolliger-Crittin, Susanne Egli, Richie Krönert, Peter Utz, Mirijam Ziegler Korrektorat: Nena Morf, Kristina Rotach Redaktionelle Mitarbeit in dieser Nummer: Dominik Petermann, Tim Pfeifer Doris Ladstaetter

E Eredivisie

R  Primera Division

Welche beiden Mannschaften bestritten vor 1957 nie ein WM-Qualifikationsspiel – weder gegeneinander noch gegen ein anderes Team?

A  Uruguay & Argentinien L  Spanien & Deutschland

4

L  Ligue 1

E  England & Brasilien R  Italien & Frankreich

Shaken, not stirred: Das Angebot, für den späteren Weltpokalsieger und Klubweltmeister zu spielen, lehnte ich ab. Ich wurde lieber zum James-Bond-Klassiker. Wer bin ich? R

Redaktionssekretariat: Honey Thaljieh Übersetzung: Sportstranslations Limited www.sportstranslations.com

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Projektmanagement: Bernd Fisa, Christian Schaub

AFP, Vario Images, United Archives, Getty Images

Druck: Zofinger Tagblatt AG www.ztonline.ch Kontakt: feedback-theweekly@fifa.org Der Nachdruck von Fotos und Artikeln aus dem The FIFA Weekly, auch auszugsweise, ist nur mit Genehmigung der Redaktion und unter Quellenangabe (The FIFA Weekly, © FIFA 2014) erlaubt. Die Redaktion ist nicht verpflichtet, unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos zu publizieren. Die FIFA und das FIFA-Logo sind eingetragene Warenzeichen. In der Schweiz hergestellt und gedruckt.

Das Lösungswort des Rätsel-Cups aus der Vorwoche lautete: RUSH (ausführliche Erklärungen auf www.fifa.com/theweekly). Inspiration und Umsetzung: cus

Bitte senden Sie Ihre Lösung bis zum 19. März 2014 an die E-Mail feedback-theweekly@fifa.org. Die richtigen Einsendungen aller Rätsel bis zum 11. Juni 2014 nehmen an der Verlosung von zwei Eintrittskarten für den WM-Final am 13. Juli 2014 teil. Vor der Einsendung ihrer Antworten müssen die Teilnehmenden die Teilnahmebedingungen des Gewinnspiels sowie die Regeln zur Kenntnis nehmen und akzeptieren, die unter folgendem Link zur Ansicht bereit stehen: http://de.fifa.com/aboutfifa/organisation/the-fifa-weekly/rules.pdf T H E F I FA W E E K LY

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FR AGEN SIE DIE FIFA!

UMFR AGE DER WOCHE

Wird Deutschland Weltmeister?

Antwort von Thomas Renggli, Chefredakteur: Reglementarisch wurde die Pflicht 1990 eingeführt. Gehören Schienbeinschützer heute so selbstverständlich zur Ausrüstung wie Schuhe oder Shorts, foutierten sich die Spieler früher um dieses Accessoire. Vor allem Ballkünstler wie Platini oder Maradona (im Bild) spielten fast schon ostentativ mit heruntergerollten Socken. Heute würden sie in dieser Aufmachung zu keinem offiziellen Spiel zugelassen.

Weltmeisterliche Glückseligkeit in Rom: Der WM-Pokal, Andreas Brehme und Thomas Hässler (v.l.) nach dem 1:0 der Deutschen im Finale 1990 gegen Argentinien.

69+31 88,9 13 12 ERGEBNIS DER LETZTEN WOCHE

Gibt es eine Alternative zum Elfmeterschiessen?

NEIN

JA

39%

61%

DER K API TÄN

DIE IN T ERN AT ION ALEN

Stationen umfasste die Reise von Nicola Amoruso durch die

Millionen Euro könnte Carles

Serie A – Sampdoria, Padova,

Puyol in den nächsten zwei

Juventus, Perugia, Napoli, Como,

Jahren beim FC Barcelona

Modena, Messina, Reggina,

noch verdienen. Trotzdem

Torino, Parma, Atalanta

wird der “ewige Kapitän” die

Bergamo und Siena. Abgesehen

Katalanen am Ende

dieser Saison –

von seinem halbjährigen Gastspiel bei Siena, schoss er

Prozent der Spieler von Inter

für jeden Klub mindestens ein

Mailand (im Bild Kapitän Javier

Tor. Kein anderer Spieler traf

de – verlas-

Zanetti, Argentinien) sind Auslän-

für so viele Klubs.

sen. Ob er

der. In Europa weisen (aus den

zwei Jahre vor Vertragsen-

aufhört oder

fünf Top-Ligen) Chelsea und

noch ein Jahr in den

Udinese (je 80 Prozent) die

USA anhängt, ist noch

nächsthöchste Ausländer-

unbestimmt. Seine

quote auf. Von den 15

Erfolgsquote lässt

Klubs mit den meisten

schon jetzt keine Zweifel

Ausländern kommen

offen: 15 Jahre Profifussball, 593 Spiele, 21 Titel. 40

DER WANDER ARBEITER

14 aus Italien oder England. T H E F I FA W E E K LY

Mirrorpix / Bulls Press, dpa / Keystone, Getty Images, AFP

Seit wann müssen Fussballer Schienbeinschoner tragen? Camilla Petersson, Göteborg


The FIFA Weekly Ausgabe #21  
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