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NR. 20, 7. MÄRZ 2014

DEUTSCHE AUSGABE

Fédération Internationale de Football Association – Seit 1904

PIA SUNDHAGE GEWALTIGE ENTWICKLUNG STEFFI JONES GEGEN DISKRIMINIERUNG SEPP BLATTER FUSSBALL BEDEUTET FREIHEIT Frauenfussball

NEUE HÖHEN W W W.FIFA.COM/ THEWEEKLY


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Frauenfussball mit Business-Plan In Lyon baut man seit zehn Jahren eine Frauenfussball-Abteilung auf. Zurzeit stehen da zwanzig Profi-Fussballerinnen unter Vertrag. In den vergangenen vier Jahren konnte die Champions League der Frauen zweimal errungen werden. Wie lebt es sich in Lyon als Profi-Fussballerin? Wie weit ist der Klub in seinen Ambitionen bereits gekommen? Eine Reportage von Perikles Monioudis (Text) und Mareike Foecking (Bilder).

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Weit mehr als ein Abklatsch der Premier League Chelsea, Arsenal, Liverpool. Die Favoriten in der englischen ­Women’s Super League heissen gleich wie in der Premier League der Männer. Trotzdem ist die WSL nicht nur ein billiger Abklatsch.

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USA: Die Zeichen stehen auf Erfolg Am 12. April startet die zweite Saison der National Women’s Soccer League (NWSL). Die Ballon-d’Or-Gewinnerin Nadine Angerer und die Weltmeisterin Nahomi Kawasumi sollen die Attraktivität der Liga steigern und ihr zu nachhaltigem Erfolg verhelfen.

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Südamerika 10 Mitglieder www.conmebol.com

Abby Wambach Amerikanische Vorkämpferin

Pia Sundhage - das grosse Interview Die Schwedin gehört zu den erfolgreichsten Trainerinnen der Welt. Im Interview prophezeit sie ihrem Sport eine grosse Zukunft, erklärt, was die männlichen Fussballer von ihren weiblichen Kollegen lernen könnte und weshalb der Kampf um Gleichberechtigung für sie anfänglich kein Thema war.

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 eekly Top 11: Heldinnen W Kristine Lilly aus den USA führt unsere Top 11 von dieser Woche an. Auch Lotta Schelin aus Schweden und die Deutsche Birgit Prinz schafften es auf die Liste der Heldinnen im Frauenfussball.

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R ückblick mit Emotionen María Elena Valverde hat den Fussball in Costa Rica geprägt. Wir trafen die 86-jährige Pionierin zum Gespräch und machten eine eindrückliche Reise in die Vergangenheit.

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 teffi Jones - ein Gespräch ohne Tabu S Interview mit Tiefgang: Die 111-fache deutsche Nationalspielerin redet über Homophobie, Rassismus und Emanzipation. “Fussball beinhaltet Werte, die wir im alltäglichen Leben genauso beherzigen sollten.”

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 N etzer schwärmt Unser Kolumnist Günter Netzer ist vom Frauenfussball begeistert und erinnert sich an das WM-Finale 2011: “Es war fantastisch. Dieses Spiel hätte es jederzeit mit dem Männerfussball aufnehmen können.”

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D en väterlichen Schlägen getrotzt Die Nigerianerin Perpetua Nkwocha wurde von ihrem Vater mit Schlägen vom Fussballfeld ferngehalten. Trotzdem setzte sie sich durch – und fand in Schweden eine neue Heimat.

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Nord- und Mittelamerika 35 Mitglieder www.concacaf.com

U-17 Frauen-Weltmeisterschaft 15. März bis 4. April 2014, Costa Rica

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Blue Stars/FIFA Youth Cup 28. bis 29. Mai 2014, Zürich


D I E WO C H E I N D E R W E LT D E S F U S S B A L L S

Europa 53 Mitglieder www.uefa.com

Steffi Jones Deutsche Symbolfigur

Afrika 54 Mitglieder www.cafonline.com

Pia Sundhage Schwedische Erfolgstrainerin

Asien 46 Mitglieder www.the-afc.com

Ozeanien 11 Mitglieder www.oceaniafootball.com

Homare Sawa Japanische Weltmeisterin

Neue Höhen Unser Cover zum Internationalen Frauentag: Das Powerhouse Olympique Lyonnais Féminin zählt auf die japanische Weltmeisterin Saki Kumagai, die Französin Wendy Renard und die Schwedin Lotta Schelin (v.l.n.r.).

Cover: Mareike Foecking / Getty Images

Perpetua Nkwocha Afrikanischer Widerstandsgeist

Fussball-Weltmeisterschaft 12. Juni bis 13. Juli 2014, Brasilien

U-20 Frauen-Weltmeisterschaft 5. bis 24. August 2014, Kanada

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Olympische Jugendfussball­ turniere 15. bis 27. August 2014, Nanjing

FIFA Klub-Weltmeisterschaft 10. bis 20. Dezember 2014, Marokko

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game onor game over

all in or nothing

adidas.com/worldcup Š 2014 adidas AG. adidas, the 3-Bars logo and the 3-Stripes mark are registered trademarks of the adidas Group.


UNCOVERED

Der Fussball ist weiblich

Triumphal Die Spielerinnen von Olympique Lyonnais feiern den Sieg im Champions-League-Finale gegen den FFC Frankfurt im Mai 2012.

Thomas Renggli

Dylan Martinez / Reuters

“Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. Der Frauentag muss einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.”

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it diesen formellen Worten wurde am 27. August 1910 an der zweiten internationalen sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vorgeschlagen. Die Idee stammte aus den USA. Heute ist der 8. März ein fester Bestandteil im Kalender. In Osteuropa gilt er als gesetzlicher Feiertag. Und wenn er – wie in diesem Jahr – auf einen Samstag fällt, erhält die berufstätige Bevölkerung am folgenden Montag frei – auch die Männer. Aus diesem Anlass

bringt The FIFA Weekly eine Spezialausgabe zum Thema Frauenfussball. “Die Zukunft des Fussballs ist weiblich”, sagte FIFA-Präsident Blatter vor zwanzig Jahren. Die Fakten geben ihm recht. Heute spielen Frauen in allen der 209 FIFA-Verbände Fussball – selbst in Ländern, in denen sie aus kulturellen Gründen in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung treten dürfen. “Der Fussball besitzt die Kraft, kulturelle und soziale Barrieren zu überwinden und den Mädchen und Frauen Selbstvertrauen zu geben und ihnen einen besseren Platz in der Gesellschaft zu ermöglichen”, beschreibt die schwedische Erfolgstrainerin Pia Sundhage die Bedeutung des Sports als gesellschaftlicher Integrationsfaktor. Die Entwicklung im Frauenfussball ist auch in der internationalen Klubszene zu spüren. Viele Grossklubs haben ihre Frauenabteilungen professionalisiert. Als Wegbereiter gilt Olympique Lyonnais Féminin in Frankreich. Dort hat Klubpräsident Jean-Michel Aulas den Frauenfussball zur Chefsache erklärt: Er beschäftigt T H E F I FA W E E K LY

20 Profispielerinnen und möchte mit dem Frauenfussball dereinst Geld verdienen. Zwei Champions-League-Erfolge sind bis jetzt der Lohn seiner Bemühungen. Lesen Sie die spannende Reportage unseres Redaktors Perikles Monioudis aus der drittgrössten französischen Stadt. Auch am FIFA-Hauptsitz in Zürich ist Fussball längst nicht mehr eine Männerdomäne. Von den 401 Mitarbeitenden sind 40 Prozent weiblich. Und wer während der Mittagspause zum Lunchkick mit Bürokolleg(inn)en aufläuft, ist (allfällige) Vorurteile schnell los. Ex-Nationalspielerinnen aus Neuseeland, Griechenland und der Schweiz setzten den fussballerischen Massstab. Und Honey Thaljieh, die Vorkämpferin des Frauenfussballs in Palästina, dribbelt auf dem FIFA-Kunstrasen das männliche Ego elegant aus. Übrigens verschliesst sich auch unsere Redaktion nicht dem Zeitgeist: Das Magazin, das Sie in den Händen halten, wurde zu über 50 Prozent von Frauen produziert. Die Gegenwart der FIFA ist weiblich. Å 5


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Das Glück der Tüchtigen 6

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Olympique Lyonnais Féminin soll eines Tages Geld abwerfen. Mit seinen zwanzig Profispielerinnen hat der zweifache Champions-League-Sieger gute Voraussetzungen dafür. Zu Recht versteht sich der Klub als Vorreiter für den Frauenfussball.

Von Perikles Monioudis (Text) und Mareike Foecking (Bilder) in Lyon

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ls die Bilder laufen lernten, war Lyon das Zentrum der Welt. Die findigen Brüder Auguste und Louis Lumière erwirtschafteten mit ihren fotographischen Platten ein Vermögen – 1894 verkauften sie 15 Millionen Stück davon, hergestellt von 300 Arbeitern. Der erste öffentliche Film der Lumière-Brüder dauerte eine Minute und trug den Titel “Arbeiter verlassen die Lumière-Werke”. Darin war genau das zu sehen, was der Titel aussagt: Arbeiter verlassen nach der Arbeit die ­Lumière-Werke im Lyoner Stadtteil Montplaisir. Von Montplaisir nach Gerland sind es ein paar Kilometer in südwestlicher Richtung – und ein Jahrhundert. Die Spielerinnen des Klubs Olympique Lyonnais Féminin verlassen die Klubräume, um auf dem Trainingsgelände – gelegen in Sichtweite des altehrwürdigen Stade de Gerland – mehrere Einheiten zu Schnellkraft und Torschuss zu absolvieren. Sie sind professionelle Fussballerinnen. Ihre königsblaue Trainingskleidung bildet einen starken Kontrast zum Grün des Rasens, der an diesem Vormittag im zögerlichen Sonnenlicht glitzert. Sie haben Spass bei ihrer Arbeit. Sie leben ihren Traum. Das sagt sich so leicht. Hier aber trifft es zu. Wendy Renard bespricht sich nach dem Training in den funktional eingerichteten Räumlichkeiten des OL Féminin mit dem Physiotherapeuten. Die 23-jährige Innenverteidigerin ist so etwas wie das neue Aushängeschild des französischen Frauenfussballs. Als 8-Jährige verliess sie die Karibikinsel Martinique und kam nach Frankreich. Zuvor hatte sie in kindlich bestimmender Voraussicht ihrer Mutter angekündigt, bald im Trikot der französischen Nationalmannschaft aufzutreten. Renard hielt Wort. Die eloquente Leaderin des Olympique Lyonnais wurde bis jetzt 40-mal ins Nationalteam berufen und trägt in beiden Teams die Verantwortung als Kapitänin. “Ich kam mit 16 Jahren nach Lyon”, sagt ­Renard, “aber ich habe Lyon nicht selbst ausgewählt. Nachdem ich im Ausbildungszentrum des 8

Trainingsgeräte Die Kapitänin Wendie Renard legt Hand an.

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Perspektive fürs Leben Die U19-Spielerin Maeva Manuel im Training.

französischen Verbands in Clairefontaine nicht aufgenommen worden war, fragte meine Vertrauensperson beim Trainer in Lyon an, und ich durfte fürs Erste herkommen. Seit 2009 bin ich hier nun Profi.” Die hochgewachsene Spielerin weiss um das Glück, das ihr in Lyon widerfährt. “Der Fussball ist zwar mein Beruf, aber er ist vor allem meine Leidenschaft. Ich war schon als Kind stets als Erste auf dem Platz, konnte es nicht erwarten, gegen den Ball zu treten.” Die zweifache Champions-League-Gewinnerin spricht konzis – ganz so, wie sie auch auf dem Platz agiert. “Wir müssen Titel erringen. So sehen die Leute, dass der Frauenfussball sich nicht zu verstecken braucht.”

Höchste Sprünge Die Japanerin Saki Kumagai wurde 2011 Weltmeisterin. T H E F I FA W E E K LY

Stabile Erfolgsspirale Titel erringen, das möchte natürlich jede, die Leistungssport betreibt. Sie sind der sichtbare Ausdruck dessen, was am Ende einer Karriere bleibt. In Lyon aber haben Titel eine zusätzliche, programmatische Bedeutung. Ohne nationalen und europäischen Titelgewinn und deren wiederholte Bestätigung fällt das Konstrukt zusammen, das man sich in der drittgrössten Stadt Frankreichs ausgedacht hat. Der Frauenfussball soll seinen Platz in den wichtigsten Sportereignissen des Landes finden und am Ende etwas einbringen. Damit ist nicht nur Prestige gemeint, sondern auch Geld. Hinter dem OL Féminin steht ein Business­ plan in der Art dessen, was auch für das Männerteam galt. Die besten Spielerinnen sollen verpflichtet, aber auch in der eigenen Jugend ausgebildet werden, damit sie Titel erringen und mithin die Menschen ins Stadion und vor den Fernseher locken können. Die Werbewirtschaft soll folgen. Grosse Investitionen in die Marke OL – grosse Gewinnaussichten. Die vergangenen sechs Champions-League-Heimspiele wurden von je 10 000 Zuschauern besucht. Noch ist man bei den Frauen defizitär. Aber die Abteilung hat weiterhin Zeit, um das zu ändern. Sonia Bompastor soll als Verantwortliche mithelfen, die Strukturen für den Frauenfussball im Klub weiter zu verbessern. Die frühere Mittelfeldspielerin gewann zwei Champions-­ 9


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League-Titel mit Lyon und war noch in der vergangenen Saison im OL aktiv. Sie glaubt an die Kraft der Ausbildung – und an die Notwenigkeit der Bildung. Sie möchte den Mädchen eine Art Internatsstruktur anbieten, analog zu den Jungen. Bompastor überwacht an diesem Nachmittag das Training der ältesten Jugendspielerinnen. “Wir haben ein zweifaches Projekt”, sagt sie. “Wir wollen den Mädchen zeigen, dass professioneller Sport persönliche Entbehrungen und Leistungsbereitschaft voraussetzt. Und wir legen Wert darauf, dass sie auf ihrem Weg die schulischen Leistungen nicht vernachlässigen.” Bompastor, die 156-mal im französischen Nationalteam figurierte, konzentriert sich am Spielfeldrand. Ihrem geübten Blick scheint nichts zu entgehen. “Eine Profikarriere kann, wenn man es überhaupt so weit bringt, schnell wieder zu Ende sein, etwa durch eine Verletzung”, sagt sie anschliessend. “Unser Ziel ist es, dass die Mädchen im Fussball, aber auch sonst im Leben reüssieren.” Denn das Ziel, Profi zu werden, ist nicht einfach zu erreichen. Sie rechnet vor: “Wir haben 9 Teams, in denen 180 Frauen und Mädchen spielen. Im OL sind 20 Profis verpflichtet, in Frankreich insgesamt etwa 50 – von 65 000 Spielerinnen.” Schulische Leistung, Fortschritte auf dem Platz, ein gutes Benehmen – für Bompastor ist grundsätzlich wichtig, dass die Mädchen dazu imstande sind, sich selber zu hinterfragen. Akzent auf der Technik Man soll den Fussball der Frauen nicht mit dem der Männer vergleichen, sagen manche. Patrice Lair, der Trainer des Frauen-Profiteams, pflichtet ihnen bei. “Die Frauen spielen langsamer und mit weniger Kraft. Aber ihr Spiel hat einen Akzent auf dem Technischen, und es fallen mehr Treffer. Es ist ein Fussball, der die Menschen ins Stadion zu locken vermag, weil die Spielerinnen Kreativität zeigen und sich zum Tor hin orientieren.” Der erfahrene Fussballlehrer schliesst an: “Und doch muss man sich dem Fussball der Männer annähern. Etwa, was den Kontakt mit dem 10

Eigene Infrastruktur Die U18-Spielerin Yasmine Badache auf dem Trainingsgelände von OL Féminin.

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“Ziel ist es, dass die Mädchen im Fussball, aber auch sonst im Leben reüssieren.” Sonia Bompastor

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Gegenspieler oder den höheren Spielrhythmus anbelangt.” Einen prinzipiellen Unterschied zwischen dem Fussball der Männer und der Frauen habe er im Ansatz nie gemacht. “Ich schaue mit demselben Anspruch auf den Fussball, und ich trainiere Männer und Frauen auf die gleiche Weise.” Die Divergenz sieht Lair lediglich darin, dass der Fussball der Frauen bis jetzt nicht im selben Mass Anerkennung gefunden hat. Wendy Renard bringt es auf den Punkt: “Für viele mag eine Fussballerin kein grosses Prestige haben, und vielen kommt der Frauenfussball merkwürdig vor. Man darf aber nicht vergessen, dass er erst seit ein paar Jahren professionell betrieben wird. Vor zehn Jahren schien es einem unmöglich, seiner Leidenschaft für den Fussball berufsmässig nachgehen zu können.” Renard sieht gerade darin die Errungenschaft des Frauenfussballs. “Man darf den Mädchen nicht das Recht vorenthalten, sich so zu auszudrücken, wie sie das wollen. Davon konnten wir in Frankreich schon einige überzeugen. Vor allem die Eltern, für die es oft schwierig war, ihre Töchter zum Fussball zu bringen. Heute ist das nichts Aussergewöhnliches mehr.” “Mir tut es im Herzen weh, wenn ich sehe, dass zum Beispiel in Bulgarien die Frauen Fussball spielen wollen, es aber alles andere als leicht haben. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns hinterfragen und dankbar sind für die Möglichkeit, täglich Fussball zu spielen und die Mittel dazu zu haben.” Während Renard zu den jüngeren Spielerinnen zählt, denkt die 29-jährige Camille Abily bereits an das, was nach der Karriere kommt. Die Mittelfeldspielerin will Trainerin werden und hat sich entsprechend fortgebildet. Abily, 120-mal für die französischen Farben auf dem Platz, gehört zur ersten Generation von Spielerinnen, denen sich eine echte berufliche Perspektive im Fussball bot. “Ich denke, dass sich die Investitionen im OL noch nicht ausbezahlt haben, aber es steigen immer mehr Sponsoren ein. Und es kommen immer mehr Fans. Unser Präsident Jean-Michel Aulas ist den anderen Präsidenten jedenfalls weit voraus.” “Dass der 11


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Hohe Ansprüche Trainer Patrice Lair im Stade de Gerland.

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Profifussball der Frauen eine solche Entwicklung nehmen würde, konnte man vor zehn Jahren noch nicht voraussehen. Der Spielerinnenpass war schon eine Belohnung für uns. Aber man darf nicht vergessen: Diese Entwicklung ist anfällig. Sie hängt von vielen Dingen ab. Falls Herr Aulas sich eines Tages entscheiden sollte, die Abteilung zu schliessen, würden in Frankreich nur ein oder zwei Klubs mit professionellen Strukturen übrig bleiben.” Der erfolgreiche Unternehmer und vorausschauende Klubpräsident Jean-Michel Aulas hat eine klare Vorstellung von Olympique. Er wollte Lyon, als er 1987 zum Klub stiess, an die europäische Spitze führen. Das ist dem Präsidenten auch gelungen. Vor zehn Jahren begann er, den Frauenfussball im Klub zu kultivieren. Auch hier wollte Aulas nur die Besten verpflichten. Im aktuellen Kader der Frauen stehen etwa die Weltmeisterin Saki Kumagai und die schwedische Weltklassestürmerin Lotta Schelin. Schwedische Treffer Eine Zerrung ausheilend, trainiert Schelin an diesem Tag nicht. Gleichwohl schaut sie beim Klub herein. “Ich kam 2008 nach Lyon, um Aussichten auf den Champions-League-Titel zu haben. Ich zog Olympique einem amerikanischen Klub vor. Ich wollte dann doch in Europa bleiben.” Schelin ist 29-jährig und spielt seit 23 Jahren Fussball. “Ich bin jetzt in Lyon verwurzelt. Ich brauche das Gefühl, irgendwo zu Hause zu sein. Der Erfolg kam hier.” Der Alltag einer Profifussballerin liegt der Schwedin, die schon als Kind den Wunsch hatte, nur Fussball zu spielen. “Wir trainieren am Morgen und essen anschliessend zu Mittag. Zwischen 13 und 15 Uhr haben wir Gelegenheit, mit dem Physiotherapeuten zu arbeiten. Zweimal in der Woche mache ich ausserdem Krafteinzeltraining, die anderen Spielerinnen auch. Üblicher Weise steht uns der Nachmittag zur freien Verfügung. Wir reisen mit dem Team natürlich auch viel.” Lächelnd fährt sie fort: “Die Welt ist männlich. Aber wir sind im Fussball dabei, das zu verändern. Jedes Jahr um ein weiteres Stück. Was wirklich zählt, ist, dass 12

“Wir müssen Titel erringen. So sehen die Leute, dass der Frauenfussball sich nicht zu verstecken braucht.” Wendy Renard

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Denkt an morgen Camille Abily will Trainerin werden.

jedes Mädchen die Möglichkeit hat, Fussball zu spielen, wenn es das möchte.” Die Japanerin Saki Kumagai hat 2011 im WM-Finale den entscheidenden Elfmeter gegen das US-Team erzielt und dabei die amerikanische Torhüter-Legende Hope Solo bezwungen. Die 23-jährige Abwehrspielerin kam 2011 nach Europa, um den 1. FFC Frankfurt zu verstärken. In Lyon spielt sie seit dieser Saison. “Einen zusätzlichen Erfolgsdruck verspüre ich hier nicht, nein”, sagt Kumagai nach dem Training. “Wir gewinnen sehr oft, das macht die Sache leichter. Wir setzen uns selber unter Druck.” Ihre Eltern hätten, als sie noch ein Kind war, ihren Wunsch, Fussball zu spielen, nicht beargwöhnt. Sie habe vielmehr Unterstützung erfahren. “Der WM-Titel 2011 hat in Japan einen zusätzlichen Ruck ausgelöst, die Mädchen meldeten sich vermehrt in Fussballklubs an. Doch die Leute besuchen die Spiele der höchsten Liga nach wie vor nicht sehr zahlreich.” In der aktuellen Champions League sind die Frauen von Olympique Lyonnais bereits ausgeschieden. In der Liga sieht es besser aus. Nur Paris Saint-Germain kann die Lyonerinnen ernsthaft gefährden. Nach dem Training verlassen die Spielerinnen das Gelände in kleinen weissen Autos. Sie fahren einer zwar nicht ganz gewissen Zukunft entgegen. Aber sie werden so oder so von sich behaupten können, dass sie ihren Traum gelebt haben. Damals, als der professionelle Frauenfussball im grossen Stil in Lyon, der Stadt der Lumière-Brüder, das Laufen lernte. Å

“Die Welt ist männlich. Aber wir sind im Fussball dabei, das zu verändern.” Lotta Schelin T H E F I FA W E E K LY

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DER SIEGESWILLE, DER LYON EIN BEIN STELLTE Von der Champions League musste sich Olympique Lyonnais vorzeitig ­verabschieden. Die Achtelfinal-Niederlage gegen Turbine Potsdam zeigt, wie stark die Konkurrenz aus Deutschland ist.

Sarah Steiner

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m Kampf um die Tabellenspitze der deutschen Frauen-Bundesliga ist noch lange nicht das letzte Wort gesprochen. Der 1. FFC Frankfurt eroberte die Spitzenposition dank eines 3:0 gegen den SC Freiburg zwar zurück, Turbine Potsdam befindet sich mit nur einem Punkt Rückstand aber in Lauerstellung. Und auch den amtierenden Champion VfL Wolfsburg darf man im Rennen um die Meisterschale nicht abschreiben. Für die verbleibenden zehn Runden ist für Spannung also gesorgt. Bereits geklärt ist die Trainerfrage in Wolfsburg. Meistercoach Ralf Kellermann hat seinen im Sommer auslaufenden Vertrag ­vorzeitig um drei Jahre verlängert. Der 45-Jährige stellt hohe Ansprüche an sein Team. “Die Entwicklung der Mannschaft ist noch lange nicht abgeschlossen. Ich bin glücklich, weiterhin ein Teil davon zu sein”, sagte er nach der Verlängerung. Der Erfolg gibt Kellermann recht: Nach dem zweiten Platz 2012 führte er Wolfsburg ein Jahr später zum überraschenden Triple-Erfolg. Und auch wenn die “Wölfinnen” diese Saison aus dem Pokal ausgeschieden sind, haben sie noch immer die Chance auf die Meisterschaft und die Champions League. Deutsches Duell im Halbfinale? In der Champions League sorgen aber nicht nur die Frauen aus Wolfsburg für Aufsehen. Turbine Potsdam ist ebenfalls bis in das Viertelfinale des Wettbewerbes vorgedrungen. Um dies zu erreichen, musste sich das Team um Spielmacherin Julia Simic an Titelverteidiger Olympique Lyonnais messen – und schaffte die Sensation. “We made it!!! Stolz, in dieser Mannschaft zu sein”, jubilierte Simic nach dem Sieg auf ihrer Facebook-Seite. Und auch Patrice Lair, Headcoach der Französinnen, war beeindruckt von Potsdams Leistung. “Bei den Deutschen spürst du immer diesen unbändigen Siegeswillen! Das müssen meine Spielerinnen noch lernen.” Am 23. und 30. März will Turbine nun gegen den 14

ASD Torres Calcio die Halbfinal-Qualifikation schaffen. Falls auch Wolfsburg gegen den FC Barcelona gewinnen sollte, würden die beiden Ligakonkurrenten gegeneinander um die Finalteilnahme kämpfen. Bundesliga erobert Japan Für internationales Aufsehen sind die deutschen Frauen-Klubs seit langem verantwortlich. Insgesamt sieben Champions-League-Titel und elf Finalteilnahmen stehen für sie zu Buche. Der Frauenfussball hat es in Deutschland geschafft, sich neben dem der Männern einen Platz im nationalen Bewusstsein zu erkämpfen – dies sicherlich auch dank der zwei WM- und sieben EM-Titel der Landesauswahl. Doch auch die Bun-

desliga hat an Aufmerksamkeit gewonnen. Das DFB-TV überträgt pro Runde ein Spiel live. Und seit dieser Saison hat sich Eurosport die Rechte an der Frauen-Bundesliga bis 2016 gesichert. Dank Yuki Ogimi, die bis zur letzten Saison bei Turbine Potsdam spielte und 2013 als erste japanische Spielerin zu Chelsea in die FA Women’s Super League wechselte, zog die Bundesliga immer mehr Spielerinnen aus dem Land der aufgehenden Sonne an. Der japanische Sender Asahi überträgt ab sofort das Topspiel der Runde. “Das ist ein tolles Zeichen für die Marke Frauen-Bundesliga und ihre hohe Qualität. ­ Damit haben wir einen weiteren wichtigen Schritt in der Entwicklung der Liga gemacht”, sagt DFB-Direktorin Steffi Jones. Å

“Das ist ein tolles Zeichen für die Frauen-Bundesliga und ihre hohe Qualität. Damit haben wir einen weiteren wichtigen Schritt gemacht.” DFB-Direktorin Steffi Jones

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BLICK IN DIE LIGEN

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N F A W o m e n ’s S u p e r L e a g u e

Investitionen allenthalben Sven Goldmann ist Fussball­ experte beim “Tagesspiegel” in Berlin.

Zum Kreis der Favoriten zählen die üblichen Verdächtigen. Liverpool und Arsenal – Chelsea ist nicht ganz so hoch einzuschätzen, dafür mischt Manchester City jetzt ganz oben mit. Allerdings ist die lokale Konkurrenz von Manchester United gar nicht dabei, und dass Notts County und Bristol Academy zu den Topteams gehören, zeigt auf, dass die FA Women’s Super League (WSL) nicht bloss ein Abklatsch der Premier League ist.

Getty Image

Die höchste Frauenliga Englands startet am 16. April in ihre vierte Saison. Wieder spielen acht Teams mit Hin- und Rückrunde die Meisterschaft aus, aber sonst hat sich einiges verändert. Die FA will den Frauenfussball weiter voranbringen und investiert in den kommenden vier Jahren 3,5 Millionen Pfund in die Liga. Zum ersten Mal gibt es als Unterbau eine WSL 2, der zehn Klubs angehören, unter ihnen so prominente Name wie Sunderland, Aston Villa und Watford.

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Zwischen beiden Ligen gibt es einen Continental Cup und, auch das ist neu, eine Aufund Abstiegsregelung. Zum kommenden Jahr tauschen der Letzte der WSL und der Meister der WSL2 die Plätze. Unabhängig davon hat die FA dem Manchester City Women’s Football Club ohne sportliche Qualifikation eine Wild Card für die WSL angeboten. Das war nicht ganz unumstritten, denn dafür wurden die traditionsreichen Doncaster Rover Belles in die WSL 2 relegiert. Die Ladies aus Manchester gehen durchaus ambitioniert in ihre Premieren-Saison. Im Tor steht künftig die von den Lincoln Ladies akquirierte englische Nationalspielerin Karen Bardsley, die allerdings wegen eines Ermüdungsbruchs im Fuss erst einmal ausfällt. Die Kommandos im Mittelfeld gibt die aus Everton verpflichtete Jill Scott, sie verfügt über die Erfahrung von 74 Länderspielen. Vom früheren Serienmeister Arsenal kam Stephanie Houghton, die das neue Team als Kapitänin anführt. Wie hoch City einzuschätzen ist, wird sich gleich am ersten Spieltag zeigen, beim Gastspiel im Halton Stadium von Widnes, wo die Liverpool Ladies ihre Heimat gefunden haben. Es war schon eine kleine Sensation, als Liverpool im vergangenen Herbst die neun Jahre währende Regentschaft der Arsenal Ladies beendete.

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Arsenal steht für den englischen Frauenfussball wie sonst nur der Kinofilm “Bend it Like Beckham” und hat immerhin als einzige englische Mannschaft die Champions League gewonnen. Das war 2007, als der Wettbewerb noch UEFA Women’s Cup hiess. Bei Arsenal ist der Frauenfussball so etabliert, dass das Team zu ausgewählten Anlässen im grossen Emirates Stadium auflaufen darf. Liverpool hingegen hatte die ersten beiden Spielzeiten in der WSL auf dem letzten Platz beendet. Daraufhin baute Trainer Matt Beard die Mannschaft radikal um und verpflichtete zehn neue Spielerinnen. Es kamen unter anderem die Isländerin Katrin Omarsdottir, die Schwedin Louise Fors, die Deutschen Corina Schröder und Nicole Rolser. Die überragende Spielerin der Meistersaison aber war eine Engländerin, die schon in schlechteren Zeiten das rote Trikot getragen hatte. Natasha Dowie schoss in 14 Spielen 13 Tore und bescherte Liverpool das, worauf die Männer jetzt schon bald ein Vierteljahrhundert warten. Die bislang letzte Meisterschaft des FC Liverpool datiert aus dem Jahr 1990. Damals spielte Ian Rush noch an der Anfield Road, und der Trainer hiess Kenny Dalglish. Er wechselte sich im letzten Saisonspiel gegen Coventry City selbst ein. Lange her. Å

Ambitioniert Arsenal gewann als einziges englisches Frauenteam den Champions-League-Titel. T H E F I FA W E E K LY

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N a t i o n a l W o m e n ’s S o c c e r L e a g u e

Die Zeit ist reif Sarah Steiner ist redaktionelle Mitarbeiterin bei The FIFA Weekly.

Die USA sind zwar nicht wirklich für ihre FussballLeidenschaft berühmt, trotzdem spielt der Frauenfussball dort eine wichtige Rolle. Diverse berühmte Spielerinnen wie Mia Hamm, Abby Wambach, Kristine Lilly oder Hope Solo stammen aus Amerika und stehen als Botschafterinnen für den Frauenfussball. In den Colleges erfreut sich die Sportart grosser Beliebtheit (300 Teams), und auch die Liga wird mit Interesse verfolgt – eigentlich. Denn die Geschichte des amerikanischen Liga-Frauenfussballs umfasst mehrere Kapitel.

Im vergangenen Jahr folgte der nächste und bis anhin letzte Versuch, die Gründung der National Women’s Soccer League (NWSL). Die finanzielle Absicherung gilt als oberste Priorität. Die Liga wird aus diesem Grund von den Fussballverbänden der USA, Kanada und Mexiko unterstützt. Acht Mannschaften nahmen an der ersten Ausgabe der Meisterschaft teil, welche die Portland Thorns für sich entschied. Für die neue Saison, die am 12. April 2014 startet, wurde die Liga um das Team der Houston Dash erweitert. Im Januar

Euphorisch Das Team der Portland Thorns will in der neuen Saison seinen Titel erfolgreich verteidigen.

wurden jedem Team Nationalspielerinnen aus den unterstützenden Nationalverbänden zugeteilt. Das Gehalt dieser Spielerinnen übernehmen die Verbände, um die Kosten für die Vereine im Rahmen zu halten. Um eine Attraktion reicher ist die NWSL diese Saison bestimmt. Weltfussballerin Nadine Angerer wird ab April zwischen den Pfosten des Meisters Portland Thorns stehen. “Es war schon immer mein Traum, in Amerika zu spielen”, sagte die Deutsche an der Ballond’Or-Gala, wo sie den Preis als beste Fussballerin 2013 entgegennahm. Doch nicht nur Angerer wird die amerikanische Liga in der neuen Saison bereichern. Auch die japanische Weltmeisterin Nahomi Kawasumi wechselt auf Leihbasis von INAC Kobe Leonessa zum US-Team Seattle Reign. “Naho ist eine Welt-

“Es war schon immer mein Traum, in Amerika zu spielen.” 18

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klassespielerin, die unserer Offensive eine neue Dimension verleihen wird”, so Seattles Trainerin Laura Harvey. Wohin der Weg des amerikanischen Frauenfussballs führen wird, steht in den Sternen. Doch die Voraussetzungen sind besser als in der Vergangenheit. Die Kinder der früheren Profispielerinnen stehen in den Startlöchern, um selber eine Karriere zu starten, die Topresultate der Frauen-Nationalmannschaft sowie die erfolgreiche Männerliga Major League Soccer haben zu einer grossen Akzeptanz des Fussballs geführt und eine breite Fanbasis geschaffen. Und eines ist gewiss: Im Land des Frauenfussballs ist es langsam, aber sicher Zeit für eine erfolgreiche, finanziell auf gesunden Beinen stehende Profiliga. Å

Howard Smith / ISI / Corbis / Dukas / Urzula Striner

2001 wurde die erste Profiliga ins Leben gerufen. Die Women’s United Soccer Association (WUSA) wurde aber nach nur zwei Jahren wegen finanzieller Probleme wieder eingestellt. Ein speziell gegründetes Komitee zur Reorganisation des Frauenfussballs nahm mehrere Anläufe, um die WUSA wiederzubeleben. Doch alle Versuche scheiterten. Ganz ähnlich erging es der Women’s Professional Soccer (WPS): 2009 nahm die Liga den Betrieb auf, drei Jahre später war auch dieses Projekt am Ende.


Premier League Schweden

Der Kampf der Favoriten

“Der Trend weist nach unten”

Andrea Grünenfelder ist schwedische Autorin und Journalistin und lebt in der Schweiz.

Am 13. April beginnt die neue Saison der schwedischen Frauenliga. Im Vorfeld gibt es einige klare Favoriten – und einen interessanten Neuling mit grossen Ambitionen. In der vergangenen Saison stiegen die Gehälter aller Spielerinnen erneut an. In den letzten fünf Jahren haben sich die Löhne verdoppelt – und der Trend weist weiter nach oben. Heute liegt das Durchschnittseinkommen einer Profifussballerin in Schweden bei 11 000 Kronen pro Monat (ca. 1230 Euro). Insgesamt konnte die Liga ihre Einnahmen 2012 um zwölf Prozent steigern und dieses Niveau auch in der vergangenen Saison halten. Trotz des gesteigerten Medien- und Sponsoreninteresses gelingt es der Damall­ svenskan allerdings auch weiterhin nicht, genügend Zuschauer anzuziehen. Im Gegenteil, der Trend weist nach unten. Die Besucherzahlen in der Saison 2011 waren höher als in den folgenden zwei Spielzeiten. Im letzten Jahr wurde der Zuschauerrekord von 5361 Besuchern bei der Partie zwischen Linköping FC (am Ende Tabellenvierter) gegen KIF Örebro (Fünfter) aufgestellt.

LdB Malmö, der Meister der letzten Saison, wurde im Dezember 2013 in FC Rosengård umbenannt. Auch für die neue Saison gilt das Team wieder als Favorit. Experten erwarten eine mindestens ebenso starke Mannschaft wie in der vergangenen Saison, als man 17 Siege aus 22 Partien errang. Der FC Rosengård startet mit einem Auswärts­ spiel bei Neuling AIK FF aus Stockholm, dem Vorjahreszweiten in der Elitettan (der zweiten schwedischen Frauenliga). Vizemeister Tyresö FF hat ebenfalls Titelambitionen und beginnt mit einem Auswärtsspiel gegen Kristianstad DFF (im Vorjahr Neunter). Zuvor tritt Tyresö FF im März noch im Viertelfinale der Champions League an. Der Klub wird wahrscheinlich alle Topspielerinnen halten können. Unsicherheit besteht allerdings in Bezug auf die drei Amerikanerinnen Christen Press, Whitney Engen und Meghan Klingenberg. Gerüchten zufolge werden die drei nach der Champions-League-Partie in die USA zurückkehren. Der letztjährige Tabellenvierte Kopparberg/ Göteborg FC muss während der gesamten Saison ohne Stina Segerström auskommen. Die erfahrene Innenverteidigerin (52 Länder-

spiele) erwartet ein Kind. Kopparberg/Göteborg FC hat zudem einige weitere wichtige Spielerinnen verloren, so dass in Bezug auf die kommende Saison Unsicherheit besteht. Allerdings hat man mit Stefan Rehn einen neuen Startrainer verplichtet, der als Spieler und als Coach mehrfach die schwedische Meisterschaft gewann. In seiner aktiven Zeit war er ein begnadeter Mittelfeldspieler, der etwa für Everton und Lausanne spielte. Zuvor war er Trainer der Männermannschaften von IFK Göteborg und Djurgårdens IF. Nach einer Saison bei Jitex BK in der Damallsvenskan ist er nun wieder in Göteborg. Besonders interessant dürfte in dieser Saison das Team von Neuling Eskilstuna United sein. Die Mannschaft, die letztes Jahr die Elitettan gewann, hat 200 Kleinsponsoren und einen Hauptsponsor, der pro Saison 2,5 Millionen schwedische Kronen (rund 277 000 Euro) in den Klub investiert. Zudem hat Eskilstuna mit Sara Thunebro eine der besten schwedischen Verteidigerinnen verpflichtet. Thunebro kann auf 105 Länderspiele und 300 Einsätze in der schwedischen Damallsvenskan sowie 70 Spiele in Deutschland zurückblicken. Å

Favoritenrolle Meister FC Rosengård, ehemals LdB Malmö, mit der starken Sara Björk Gunnarsdottir (in Weiss). T H E F I FA W E E K LY

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Bildbyrån

Vordenkerin Sundhage setzt als Trainerin Massstäbe – kontinentübergreifend.

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T H E F I FA W E E K LY


PIA SUNDHAGE

Zweifache Olympiasiegerin, Welttrainerin des Jahres 2012. Pia Sundhage ist eine Ikone des Frauenfussballs. Im Interview prophezeit sie ­ihrem Sport eine grosse Zukunft und erklärt, ­weshalb sie kein Männerteam betreuen möchte.

“Wir befinden uns in einem gewaltigen Entwicklungsprozess” Name Pia Sundhage Geburtsdatum, Geburtsort 13. Februar 1960, Ulricehamn (Schweden) Stationen als Spielerin 1978 Falköpings KIK 1979–1981 Jitex BK 1982–1983 Östers Växjö 1984 Jitex BK 1985 Lazio Rom 1985 Stattena IF 1985 Jitex BK 1986 Hammarby IF 1987–1989 Jitex BK 1990–1996 Hammarby IF 1975–1996 Nationalmannschaft Schweden Stationen als Trainerin 1992–1994 Hammarby IF (Spielertrainerin) 1998–1999 Vallentuna BK (Co-Trainerin) 2000 AIK Solna (Co-Trainerin) 2001–2002 Philadelphia Charge (Co-Trainerin) 2003 Boston Breakers 2004 Kolbotn IL 2005–2006 KIF Örebro 2007 China (Co-Trainerin) 2008–2012 USA seit 2012 Schweden Erfolge als Spielerin Europameister: 1984 Schwedischer Meister: 1979, 1981, 1984, 1989 Schwedischer Pokalsieger: 1981, 1984, 1994, 1995 Algarve Cup Sieger: 1995 Torschützenkönigin der Damallsvenskan: 1982 und 1983 Erfolge als Trainerin Vize-Weltmeister bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen: 2011 mit den USA Olympiasieger: 2008 und 2012 mit den USA Algarve Cup Sieger: 2008, 2010, 2011 mit den USA WUSA Meister 2003 Auszeichnungen Spielerin des Jahres in Schweden: 1981 WUSA Trainerin des Jahres: 2003 FIFA Trainerin des Jahres im Frauenfussball: 2012 3. Platz bei der Wahl zur FIFA-Frauenfussballtrainerin des Jahres: 2013

In einem Artikel im “Svenska Dagbladet” war unlängst zu lesen, dass der Fussball der Frauen bald den gleichen Stellenwert habe wie derjenige der Männer. Teilen Sie diese Einschätzung? Pia Sundhage: Das ist schwer zu sagen. Was ich aber sicher weiss: Seit ich begonnen habe Fussball zu spielen, ist extrem viel passiert. Da war beispielsweise die WM 1999 in den USA, als der Frauenfussball erstmals zu einem Ereignis für die breiten Massen wurde. Damals kamen viele Zuschauer das erste Mal mit Frauenfussball in Berührung. Sie waren überrascht, dass Frauen auf diesem Niveau spielen. Viele Zuschauer kamen damals nicht nur wegen des Sports ins Stadion, sondern auch um ihre Solidarität mit der Frauenbewegung zu demonstrieren. Sie waren glücklich, dass sie Frauen Fussball spielen sahen.

Kann man Frauen- und Männer-Fussball überhaupt vergleichen? Nein, das wäre genau so ungerecht wie in anderen Sportarten. Im Fussball kommt der Zeitfaktor dazu. Die Männer sind in ihrer Entwicklung viel weiter – weil sie früher begonnen haben, auf bessere Organisationen und Infrastrukturen zählen können und mehr Medieninteresse und finanzielle Mittel generieren. Es gibt aber definitiv Bereiche, in denen der Frauenfussball weiter ist: Fair Play ist keine Floskel. Brutale Fouls, Zeitschinden oder Schwalben kommen bei den Frauen viel weniger vor. T H E F I FA W E E K LY

Ist der Fussball der Frauen eine andere Sportart als derjenige der Männer? Nein, es ist derselbe Sport. Es spielen elf gegen elf mit den gleichen Regeln. Auch Taktik und Technik sind identisch. Wer aber ein gleiches Spiel erwartet, liegt trotzdem falsch. Das ist ähnlich wie im Theater. Wer mit einer falschen Erwartungshaltung eine Vorführung besucht, wird enttäuscht.

Am Anfang des Frauenfussballs standen auch in Schweden männliche Ignoranz, ja sogar Spott und Hohn. Können Sie das heute noch nachvollziehen? Es ist wirklich wie ein weit entfernter Traum, wenn ich an meine ersten Spiele zurückdenke. Ich war elf Jahre alt und spielte mit den Jungs. Ich kann mich noch genau erinnern: Ich nahm Anlauf, um einen Eckball zu treten. An der Seitenlinie stand ein alter Mann, der sagte: “Das schaffst du nicht – du hast zu wenig Kraft, um den Ball hoch vors Tor zu bringen.” Es war für ihn undenkbar, dass ein Mädchen die Technik beherrscht. Er musste seine Meinung rasch ändern.

Es hiess, Fussball sei nicht weiblich und könne sogar körperliche Schäden bei Frauen verursachen. War das die Angst der Männer vor der weiblichen Konkurrenz? Es war vor allem Unwissenheit. Anfänglich hörten wir: Mädchen können nicht Fussball spielen. Dann hiess es: Fussball sei für den weiblichen Körper ungesund. Dabei 21


PIA SUNDHAGE

Vorbild Sundhage gehört in Schweden zu den gefragtesten Sportpersönlichkeiten.

Ausblick “Vor allem das Tempo wird in den nächsten 10 Jahren zunehmen.”

Rückblick Als Sundhage ihre ersten Spiele bestritt, war der Frauenfussball von Vorurteilen und Missverständnissen umweht.

Was war zuerst? Der Frauenfussball oder der Kampf um die Gleichberechtigung? Das lief parallel. Für mich waren Fragen des Frauenrechtes damals noch kein Thema. Heute denke ich aber, dass man den Fussball mehr als Mittel zu diesem Zweck hätte einsetzen sollen. Beide Bewegungen hätten davon profitieren können.

Als Sie Ihre Karriere begannen, verbesserte sich die Situation – zumindest in Schweden. 1973 zählte der schwedische Verband schon 10 000 lizenzierte Fussballerinnen. Weshalb 22

war der Norden den anderen Ländern so weit voraus? Es liegt an der Stellung der Frau in diesen Ländern. In Nordeuropa war man in dieser Beziehung immer sehr fortschrittlich. Deshalb ging es auch im Fussball schneller. Zu Beginn der 1970er-Jahre setzte diese Entwicklung so richtig ein. Erstmals kamen Frauen im grossen Stil zusammen, um Fussball zu spielen. Und viele realisierten: Das ist das schönste Spiel der Welt.

Noch stärker etabliert ist der Frauenfussball in den USA – dort gilt Soccer sogar als eigentlicher Frauensport … Wegweisend war ein Entwicklungs­ programm an den Universitäten, das vorschrieb, dass den Frauen im Sport die gleichen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen wie den Männern. Und weil im Baseball und American Football keine Frauen mitspielen, floss überproportional viel Geld in den Soccer. T H E F I FA W E E K LY

Dies bescherte dem Frauenfussball in den USA einen enormen Entwicklungsschub. Das Zuschauerinteresse hinkte jedoch lange hinterher. Obwohl wir um alle wichtigen Titel mitspielten – 2008 und 2012 Olympiasieger wurden sowie 2011 im WM-Finale standen – kamen zu unseren Heimspielen anfänglich nur 4000 Zuschauer. Heute hat sich das geändert. Das Heimspiel gegen Kanada Ende Januar sahen 20 000 Fans. Der amerikanische Verband profitierte auch davon, dass er auf grossartige Botschafterinnen für den Fussball zählen kann. Spielerinnen wie Mia Hamm, Hope Solo oder Abby Wambach sind Aushängeschilder für die ganze Fussballbewegung.

2007 waren Sie als Co-Trainerin Ihrer Landsfrau Marika Domanski-Lyfors bei der chinesischen Auswahl engagiert – eine andere führende Nation … Das war tatsächlich ein ganz spezielles Erlebnis. Wir sprachen kein Chinesisch und

Carl Sandin / Bildbyrån

waren diese Thesen völlig aus der Luft gegriffen. Beweise gab es keine. Aber die Leute durften das einfach behaupten. Ich wollte als Jugendliche Fussball spielen, weil ich Freude und Spass hatte – nicht um irgendetwas zu beweisen. Heute bin ich sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit erhalten habe, Fussball zu spielen.


PIA SUNDHAGE

konnten nur via Dolmetscher mit den Spielerinnen kommunizieren. Trotzdem wurden wir auch verstanden, wenn es hektisch wurde. Die Fussballsprache ist international. Kulturell war China ein grosses Abenteuer. Wir erhielten vom V ­ erband jede Unterstützung. Der Erfolg machte alles möglich, obwohl China in Sachen Gleichberechtigung keine Vorreiterrolle spielt.

Bildbyrån

Mittlerweile spielen fast 30 Millionen Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt Fussball. Gibt es ein Schlüsselereignis für diesen Entwicklungsschub? Das war zweifellos die Lancierung der Weltmeisterschaft 1991. Es brachte enormen Schwung in die Entwicklung und gab den Verbänden einen Anlass, in den Frauenfussball zu investieren. Ebenso wichtig ist, dass mittlerweile WM-Turniere auf allen Nachwuchsstufen stattfinden. So werden die Verbände motiviert, noch mehr Energie und

Mittel in die Ausbildung zu stecken. Die Mädchen und Frauen profitieren auf allen Ebenen davon. Der Sport ist ein optimales Instrument zur Integration in die Gesellschaft und Förderung des Selbstvertrauens.

Gerade im Bereich des Coaching sind aber noch vergleichsweise wenige Frauen am Ruder. Wie lässt sich das ändern? Es braucht ein klares Bekenntnis der Verbände. Man muss in jeder Beziehung vom alten Rollendenken abrücken. Ich kenne viele aktive und ehemalige Spielerinnen, die hervorragende Trainerinnen wären. Aber man muss ihnen das Vertrauen schenken und eine Bewährungschance geben. Im Coaching-Bereich müssen Frauen und Männer vermehrt zusammenarbeiten. Die fähigsten Personen müssen in den optimalen Rollen zum Einsatz kommen – egal, ob sie weiblichen oder männlichen Geschlechtes sind. T H E F I FA W E E K LY

Würden Sie sich zutrauen, ein Männerteam zu coachen? Ich könnte es mir vorstellen. Aber ich möchte es nicht tun, nur um zu beweisen, dass eine Frau das kann. Ausserdem ist das, was gerade im Frauenfussball abläuft, extrem spannend. Wir befinden uns am Anfang eines gewaltigen Entwicklungsprozesses. Das möchte ich auf keinen Fall verpassen.

Wo steht der Frauenfussball in zehn Jahren? Mit der wachsenden Professionalität werden Niveau und Leistungsdichte weiter steigen – technisch, aber auch athletisch. Ich erwarte vor allem, dass das Tempo stark zunimmt. Å Mit Pia Sundhage sprach Thomas Renggli

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Photograph by Levon Biss with support from Umbro / RPM


First Love Ort: Khayelitsha, S端dafrika Dat u m : 9. O k tob e r 2 0 0 6 Zeit: 15. 33 Uhr

T H E F I FA W E E K LY

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C O U N T D OW N K A N A DA 2015

→ http://www.fifa.com/worldcup

“Wir wollen den Titel” Die WM 2015 wird das grösste Turnier in der Geschichte des Frauenfussballs. Alleine die Eröffnung verspricht Spektakel. Edmonton versteht es, Sportfeste zu feiern. Alan Schweingruber

M

Reuters / A ndy Clark

it Edmonton, der fünfgrössten Stadt Kanadas, verbindet der Sportfan in erster Linie grossartiges Eishockey und Canadian Football. Die Oilers gewannen alleine in den 80er-Jahren viermal den begehrten Stanley-Cup. Und die Eskimos errangen ab 1978 fünf Grey-Cup-Titel in Folge. Edmonton, seit den Ölfunden 1947 zur Metropole avanciert, wird seitdem auch „City of Champions“ genannt. Nach 1991 wurde es ruhig um die Sporttriumphe in der Stadt. Die Menschen im Herzen Kanadas aber haben nicht vergessen, wie Sportfeste gefeiert werden. Im Jahr 2002 schaffte es Edmonton zu einer Meldung, die heute noch in sämtlichen Jugend-Sportschulen der Welt am Schwarzen Brett zu finden ist: Damals konnten 47  784 Zuschauer für das WM-­Finale der U-19-Mädchen mobilisiert werden. Bis heute haben nicht mehr so viele Menschen ein ­F IFA-Nachwuchsspiel live gesehen.

WM-Vorfreude Kanadas Karina Le Blanc und Teamkollegin Christine Sinclair (rechts) in Vancouver.

Der Plan: 1,5 Millionen Besucher Dass der Titel damals per Golden Goal an die USA ging, ist zwölf Jahre danach fast zur Nebensache verkommen. “Das Erlebnis in Edmonton bleibt unvergessen”, sagt Christine Sinclair, die damalige Torschützenkönigin. “Wir haben uns seither entwickelt und 2012 ein grossartiges Olympiaturnier gespielt. Der dritte Platz in London gibt uns Schwung für die WM 2015.” Sinclair ist mittlerweile Kapitänin des Nationalteams und hält die wichtigsten Rekorde im kanadischen Frauenfussball: Zehnfache „Spielerin des Jahres“, 203 Einsätze für Kanada, 147 Tore. „Die WM im eigenen Land wird zum Höhepunkt meiner Karriere. So eine Chance kommt nicht wieder.“ Die siebte Frauen-WM wird zum ersten Mal mit 24 Nationen ausgetragen. Alles

spricht dafür, dass das Turnier in Kanada neue Besucherrekorde verzeichnen wird. Peter Montopoli, CEO des Nationalen Organisationskomitees sagt: „Wir wollen nach der Männer-WM der bestbesuchte Fussballanlass in der Geschichte werden. Unser Ziel ist es, dass insgesamt 1,5 Millionen Menschen zu den Spielen kommen. “

traditionsgemäss mit von der Partie sein wird, wird in Edmonton gespielt. Die Offensive von Christine Sinclairs passt gut ins Bild: “Wir wollen 2015 Weltmeister werden. Wir sind bereit für diesen Titel.”Å

Sinclair geht in die Offensive Noch dauert es 15 Monate bis das Spektakel beginnt. Als Hauptprobe geht diesen Sommer die U20-WM in Edmonton, Toronto, Montreal und Moncton über die Bühne. Dann wird Edmonton, die Ölhauptstadt Kanadas, zum Zentrum des Frauenfussballs. Das WM-Eröffnungsspiel am 6. Juni 2015, bei dem Kanada T H E F I FA W E E K LY

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6 JUNE – 5 JULY

EDMONTON VANCOUVER

WINNIPEG


Canada has hosted one edition of the Summer Olympics (Montreal 1976) and two Winter Olympics (Calgary 1988 and Vancouver 2010). The Canadian women’s team has participated in five out of six editions of the FIFA Women’s World Cup™, their best ranking being fourth in 2003. One year before the FIFA Women’s World Cup 2015™, Canada will also play host to the FIFA U-20 Women’s World Cup 2014. Canada will be the first country to host this tournament twice after staging the first edition in 2002 when they finished as runners-up. Toronto is the only FIFA U-20 Women’s World Cup stadium that will not host the senior event in 2015. The Canadian Soccer Association celebrated its centenary in 2012. Christine Sinclair scored ten goals in one edition of the FIFA U-19 Women’s World Championship in 2002, the tournament that is now called the FIFA U-20 Women’s World Cup. Former FIFA referee Sonia Denoncourt from Canada has refereed the second highest number of matches in the FIFA Women’s World Cup™ with a total of nine. The number of teams participating in the FIFA Women’s World Cup™ will increase from 16 to 24 in 2015. In 1991 and 1995, there were just 12. In Mexico in 2010, Canada won the CONCACAF Women’s Championship for the second time. Alexander Graham Bell was an eminent scientist, inventor, engineer and innovator who is credited with inventing the first practical telephone.

MONCTON

The Royal Canadian Mounted Police (RCMP), known around the world as The Mounties, is a federal police force for Canada. Even though the RCMP is a modern policing body, the scarlet tunic and the black horse remain an important part of the force’s traditions and form part of Canada’s national identity, as seen in the popular Musical Ride ceremony. Inuksuit are stone landmarks or cairns built primarily by the Inuit in the Arctic region of Canada. They vary greatly in shape, colour, size and how they are constructed and each one has some form of meaning. They have also been used in the past by Inuit in the Arctic region to divert caribou to a wider part of a river or lake for hunting purposes. The word inukshuk means “in the likeness of a human”. Inuit Heritage Trust

MONTREAL

OTTAWA

Totem poles are monumental sculptures carved from large trees, mostly Western Red Cedar, by indigenous peoples of the Pacific coast of North America. The word totem means “kinship group”. Tidal Bores are natural phenomena caused here by the surging Bay of Fundy tides which are the highest in the world. The higher waters in the bay cause the water in the placid Petitcodiac River to roll back upstream in one wave. Tidal bore activity occurs twice daily and waves range in height from 3cm to 60cm. Trees have a commercial, environmental and aesthetic importance to Canadians. Maples sustain the maple sugar industry, help to beautify the landscape and contribute valuable wood products. The maple tree was officially recognised as Canada’s arboreal emblem in 1996. On 15 February, 1965, the red maple leaf flag was inaugurated as the national flag of Canada making it one of the most prominent Canadian symbols. Live Your Goals is FIFA’s long-term commitment to support women’s football worldwide and encourage more young women and girls to participate in the sport.

@FIFAWWC facebook.com/fifawomensworldcup © FIFA 2014 Editorial deadline: March 2014 Images © Getty Images


DEBAT T E

Der Frauenfussball ist auf Kurs

Nachwuchshoffnungen Immer mehr Mädchen zieht es zum Fussball – wie hier an einer Sportschule in Potsdam.

Alan Schweingruber und Xavier Breuil Es ist zu bezweifeln, dass James Brown s­ eine Headline zu “It‘s a Man’s Man’s Man’s World” 1966 nochmals umgeschrieben hätte. Sein chauvinistischer Titel brachte der Soul-Legende Millionen ein. Aber schon die Geschehnisse 45 Jahre vor seinem Welthit hätten ihm zu denken geben müssen. Da befand sich der englische Frauenfussball gerade in einer prächtigen Entwicklung, verzeichnete bei der Liverpooler Benefiz-Partie zwischen den Dick Kerr Ladies (Werksteam des Lokomotiv-Fabrikanten Dick Kerr) und Saint Helen sagenhafte 53 000 Zuschauer. Der ansehnliche Stil und die Eleganz der Frauen auf dem Fussballfeld schien dem a nderen Geschlecht einen Strich durch die ­ 30

Rechnung zu machen. Die Frauen stahlen den Männern die Show. So kam der denkwürdige Tag im Jahr 1922 – 19 Tage vor Weihnachten – als die Football Association den hilflosen Entscheid traf, Frauenfussball in England einfach zu verbieten. Belgien und etwas später auch Deutschland taten es den Briten gleich. Glorreiche Rückkehr Wenn man sich heute die Frage stellt, wo der Frauenfussball in zehn Jahren steht, also 2024, muss auch die wundersame Auferstehung in den Sechzigerjahren miteinbezogen werden. Mit Mut und Engagement drängte die einst abgemurkste Sportart in die Männerwelt zurück. 1969 und 1970 anerkannten Deutschland, Schweden und Frankreich den Frauenfussball wieder offiziell. Der Durchbruch folgte in den Neunzigerjahren mit der Erstaustragung der Weltmeisterschaft (1991) und dem Spektakel mit 660 000 Zauschauern acht Jahre später in den USA. Heute befindet sich der Frauenfussball vielleicht in seiner wichtigsten Entwicklungsphase. Fundamentale Erfahrungen sind gemacht, die Akzeptanz ist vorhanden. Es reifen Technik, Taktik und Athletik. T H E F I FA W E E K LY

Fairness ein fester Wert Trotz des zeitlichen Rückstandes in der ­Geschichte gibt es Bereiche, in denen die Frauen den Männern einen Schritt voraus sind. Frauenfussball besticht nicht nur durch Qualität, sondern auch durch Fairness. Wer sich ein Spiel über 90 Minuten anschaut, wird schnell merken, dass selten Zeit geschunden wird. Auch harte Fouls finden selten statt. Schwalben sind tabu. “Fair Play ist im Frauenfussball keine Floskel”, sagt Welttrainerin Pia Sundhage im Interview auf Seite 20. Die Meinungen über James Browns ­A nsichten gehen heute noch auseinander. Mit seiner Zusatzschleife im Song 1966 (oder war es die Pointe?) hat er den Dreh aber gefunden: “It wouldn’t be nothing, nothing without a woman or a girl!” Å

Die Weekly-Debatte. Was brennt Ihnen unter den Nägeln? Über welche Themen wollen Sie diskutieren? Ihre Vorschläge an: feedback-theweekly@fifa.org

AFP

Wo steht der Frauenfussball in zehn Jahren? Die Entwicklung ­befindet sich in ihrer spannendsten Phase.


DEBAT T E

Im Weltfussball wird es überall Trainerinnen in den Topligen geben, denn wir wissen, wie man ein starkes Team aufbaut. Es wird Assistenztrainerinnen, Physiotherapeutinnen, Ärztinnen, Sportwissenschaftlerinnen und weibliches technisches Personal geben, denn was kaputt ist, können wir reparieren. Es wird weibliche Direktoren, Vorstandsmitglieder und CEOs geben, denn wir sind intelligent, ehrgeizig und haben das beste Interesse des gesamten Teams im Blick. Frauen werden als Schiedsrichterinnen auf allen Ebenen des Sports zu finden sein, denn wir werden von denjenigen Frauen geschult, die im Moment die Barrieren für uns durchbrechen. Es wird Top-Wettbewerbe für Spielerinnen geben, die unseren Kindern die wahre Finesse und das Können beibringen, das die Schönheit unseres Spiels ausmacht. Dawillos, Australien

In zehn Jahren werden noch viel mehr Frauen Fussball spielen – vor allem in Afrika und Asien, wo noch ein grosses, brachliegendes Potenzial besteht. Mit der Zahl der Spielerinnen erhöhen sich automatisch Niveau und Leistungsdichte. Es ist zu wünschen, dass auch im Coaching die Entwicklung im gleichen Tempo weitergeht. Denn um die Nachhaltigkeit zu gewähren, müssen Frauen auch vermehrt technisch zur Verantwortung gezogen werden. Doris Dürr, Deutschland

Vieles hängt davon ab, wie sich das Medien­ interesse entwickelt. Nur wenn die TV-Stationen bereit sind, dem Frauenfussball mehr Platz zu gewähren, werden auch die grossen Klubs mitziehen und mehr Geld in den Frauen­ fussball investieren.

PRESIDENTIAL NOTE

Es gibt keinen Zweifel an den grossen Fort­ schritten des Frauenfussballs in den letzten Jahren. Allerdings glaube ich nicht, dass er sich in den nächsten zehn Jahren noch viel weiterentwickelt. Nicht viele Länder messen dem Frauenfussball besonders viel Bedeutung bei. Daher bleibt die Konkurrenz ziemlich bescheiden und es gibt nur langsame Fortschritte. Acapulco, Mexiko

“Männer und Frauen D ins gleiche Team.”

Gleichberechtigung auf allen Ebenen

In zehn Jahren wird der Frauenfussball so weit sein, dass die FIFA über die Einführung gemischter Mannschaften nachdenkt. Männer und Frauen ins gleiche Team! Glauben Sie mir, dazu wird es kommen. Wie auch schon beim Tennis, Tischtennis usw. Ich bin kein Prophet, aber das sehe ich kommen. Djeniko Esse, Nigeria

Fernando Del Potre, Argentinien

Zehn Jahre reichen sicher nicht, um alles auf den Kopf zu stellen, aber der Frauen­ fussball wird sich ganz sicher weiterent­ wickeln. Es wird mehr Profiteams geben. Die Spielerinnen und Trainer werden fast ebenso wie im Männerfussball vorbereitet sein und das Fernsehen wird den Frauenfussball noch intensiver verfolgen. Der Frauenfussball wird sich auch auf dem Spielfeld in jeder Hinsicht verbessern – technisch, taktisch, physisch. Gleichzeitig wird es weniger abgeschlagene Teams geben und weniger einseitige Resultate wie 8:0 oder 12:1 ... Trotzdem wird der Frauenfussball aber nie mit dem Männerfussball auf einer Stufe stehen.

Der Frauenfussball wird sich zweifellos weiterentwickeln. Er hat in den letzten 40 Jahren schon einen grossen Schritt vorwärts gemacht – vom belächelten Randsport zum Spitzensport. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten zehn Jahren akzentuieren – in den Topligen und an der Basis. A. Strit, Dänemark

Ich hoffe, dass vor allem im Nachwuchsbe­ reich weitere Fortschritte erzielt werden. Mädchen müssen vor allem im Juniorenbereich die gleichen Möglichkeiten haben wie Jungs. Nur so kann die Basis weiterverbreitet werden und letztlich auch das Niveau an der Spitze steigen.

Julien Sorell, Frankreich

D. Boll, Österreich

“Frauenfussball wird sich weiterentwickeln.” T H E F I FA W E E K LY

er Frauenfussball hat in den letzten 40 Jahren eine gewaltige Entwicklung gemacht. Bis 1970 war er ein Randsport und beispielsweise in Deutschland und England von den nationalen Verbänden verboten. Heute spielen weltweit 30 Millionen Mädchen und Frau­en Fussball – in sämtlichen Kulturkreisen und in allen 209 FIFA-Mitgliederverbänden. Ein wichtiges Zeichen für die Globalisierung des Frauenfussballs setzte die FIFA im vergangenen Dezember, als sie die Endrunde der U17-WM der Juniorinnen 2016 nach ­Jordanien vergab. Gerade im arabischen Raum spielt der Sport im Bestreben um Integration und Gleichberechtigung der Frauen eine ­entscheidende Rolle. Das International Football Association Board hat die Zeichen der Zeit ebenfalls ­erkannt. Es bestätigte vor Wochenfrist die Erlaubnis zum Tragen von Kopftüchern in offiziellen Fussballspielen – und öffnete damit Millionen von Mädchen und Frauen die Tür zum Fussball. Die Kritik, damit würde die Unterwerfung der Frau zementiert, da das Kopftuch ein Symbol dafür sei, ist nicht nachvollziehbar. Genau das Gegenteil ist der Fall. Fussball bedeutet Hoffnung, bedeutet Freiheit. Darum geht es bei dieser entscheidenden Regel­ä nderung. Niemand ist gezwungen, das Kopftuch zu tragen. Aber wer will, der darf. Ein Schlüssel ist zweifellos die Einbindung von Frauen in strategische und technische Schlüsselpositionen. Dass mit Moya Dodd, ­Sonia Bien-Aime und Lydia Nsekera drei Frauen im FIFA-Exekutivkomitee sitzen, ist ein erster Schritt. Frauen sollen auch in Coaching und Management eine noch wichtigere Rolle übernehmen. Die Gleichberechtigung muss in allen Bereichen und auf allen Ebenen vorangetrieben werden.

Ihr Sepp Blatter 31


A FIFA World Cup in Brazil is just like Visa: everyone is welcome.

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DAS FIFA-R ANKING

→ http://www.fifa.com/womensworldcup/

Norwegen der Aufsteiger in den Top 10 Im Jahre 2003 führte die FIFA eine Weltrangliste für Frauen-Auswahlen ein. Während das Männer-Ranking ­ ­monatlich aktualisiert wird, erscheint die Rangliste der Frauen viermal pro Jahr – das nächste Mal am 28. März. Sie rangiert die ca. 150 aktiven FIFA-Mitgliedsverbände auf der Grundlage einer Reihe von Faktoren wie Sieg, Heimvorteil, Stärke des Gegners und Bedeutung des Spiels. In der

Rang Team

Rang­veränderung Punkte

1 USA

0 2228

2 Deutschland

0 2156

3 Japan

0 2071

4 Brasilien

0 2031

5 Frankreich

1 2027

6 Schweden

-1 2021

7 Kanada

0 1978

8 Norwegen

2 1973

9 Australien

-1 1957

10 DVR Korea

-2 1956

11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 29 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 42 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58

England Italien Dänemark Niederlande Spanien Neuseeland Republik Korea VR China Island Schottland Russland Schweiz Finnland Ukraine Mexiko Tschechische Republik Belgien Vietnam Österreich Kolumbien Polen Thailand Republik Irland Nigeria Rumänien Wales Ungarn Belarus Chinese Taipei Costa Rica Portugal Myanmar Usbekistan Serbien Slowakei Trinidad und Tobago Kamerun Ghana Indien Südafrika Äquatorial-Guinea Jordanien Iran Haiti Israel Bulgarien Nordirland Slowenien

0 0 -1 0 2 3 0 -2 -4 0 0 3 -1 -1 -1 0 0 0 4 0 -1 -1 1 -2 0 1 -1 0 0 0 1 1 3 -1 -4 0 1 1 1 1 1 1 2 3 6 -1 -3 1

1942 1892 1872 1868 1849 1834 1829 1826 1822 1820 1806 1794 1786 1772 1760 1696 1680 1661 1650 1650 1647 1639 1633 1623 1606 1601 1576 1565 1564 1561 1550 1548 1548 1531 1524 1509 1467 1459 1431 1430 1429 1415 1412 1397 1394 1393 1391 1387

­ ezember-Ausgabe sorgten die europäischen Qualifika­ D tionsspiele für die WM 2015 sowie zahlreiche Freundschaftsspiele, insbesondere in Asien, für Bewegung. Grösster Gewinner in den Top 10 war Norwegen (8, plus 2). Vier ozeanische Teams fielen wegen fehlender Spiele aus der Rangliste. Dagegen fanden Indonesien (68) und Swasiland (112) wieder Aufnahme ins Klassement.

Rang Team 59 60 61 61 63 63 65 66 67 68 68 68 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 94 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117

Albanien Panama Kroatien Hongkong Türkei Kasachstan Griechenland Elfenbeinküste Färöer Uruguay Indonesien Marokko Estland Guatemala Bahrain Bosnien-Herzegowina Philippinen Guam Laos Malaysia Senegal Montenegro Litauen Simbabwe Lettland Palästina Singapur El Salvador Malta Äthiopien Luxemburg Honduras Kirgisistan DR Kongo Nicaragua Nepal Armenien Georgien Zypern EJR Mazedonien Namibia Bangladesch Sri Lanka Libanon Malediven Tansania Sambia Pakistan Dominica Afghanistan Mosambik Kuwait Katar Swasiland Lesotho Belize Bhutan Antigua und Barbuda Botsuana Argentinien** Chile** Ecuador** Papua-Neuguinea** Peru** Paraguay** Aserbaidschan** Jamaika** Venezuela**

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Rang­veränderung Punkte 1 2 2 3 2 3 -7 2 0 1 1 3 -1 0 4 0 0 0 1 2 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 2 2 2 5 3 2 4 2 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 4 4 1 2 2 2 2 2

1379 1364 1361 1361 1358 1358 1352 1344 1338 1330 1330 1330 1321 1318 1314 1312 1311 1294 1293 1266 1247 1242 1241 1224 1192 1182 1177 1175 1166 1163 1156 1153 1136 1132 1111 1104 1104 1100 1087 1073 1015 979 965 955 942 941 938 937 906 899 873 870 867 860 837 827 785 757 708 1609 1544 1484 1476 1450 1430 1341 1339 1338

Rang Team Tunesien** Algerien** Tonga** Fidschi** Ägypten** Guyana** Kongo** Tahiti** Bolivien** Dominikanische Republik** Mali** Kuba** Salomon-Inseln** Neukaledonien** Benin** Moldawien** Barbados** Cook-Inseln** Suriname** Vanuatu** Angola** Sierra Leone** Bahamas** Samoa** Puerto Rico** Amerikanisch-Samoa** Guinea** St. Lucia** Eritrea** Gabun** Grenada** St. Vincent und die Grenadinen** Burkina Faso** St. Kitts und Nevis** Uganda** Turks- und Caicos-Inseln** Bermuda** Guinea-Bissau** Syrien** Amerikanische Jungferninseln** Irak** Liberia** Britische Jungferninseln** Cayman-Inseln** Malawi** Curaçao** Aruba** Komoren** Vereinigte Arabische Emirate* Kenia*

Rang­veränderung Punkte 1325 1320 1316 1306 1289 1256 1238 1238 1236 1226 1204 1201 1195 1188 1187 1177 1173 1170 1159 1139 1134 1132 1111 1110 1108 1075 1063 1061 1060 1031 1029 1008 1003 974 965 963 950 927 927 885 882 877 867 847 840 831 803 534 1665 816

** Teams, die seit über 18 Monaten nicht mehr gespielt haben und deshalb nicht rangiert sind. * Provisorisch rangierte Teams, weil sie nicht mehr als fünf Spiele gegen offiziell rangierte Teams gespielt haben.

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DAS INTERVIEW

“Eine lange Reise” Isha Johansen, die Präsidentin des Fussballverbands von Sierra Leone (SLFA), veranstaltet am Internationalen Frauentag ein Fussballspiel gegen die Auswahl von Liberia. Die jungen, vom Krieg traumatisierten Frauen sollen mit Hilfe des Fussballs neues Selbstbewusstsein erlangen.

Frau Johansen, Sie setzen sich in vielfältiger Weise für die Rechte der Frauen ein. Isha Johansen: Noch vor 15 Jahren tobte in Sierra Leone einer der wüstesten und brutalsten Kriege, ebenso im benachbarten Liberia. Wie in den meisten Kriegen hatten die Frauen und Kinder am meisten zu leiden. Wir Frauen, die im internationalen Fussball engagiert sind, reden deshalb nicht einfach nur über Fussball, sondern auch über die Folgen dieser brutalen Kriege.

Und Sie tun gerade in Ihrer Funktion als Verbandspräsidentin etwas. Regelmässig veranstalte ich Anlässe, an denen Frauen aus allen Lebensbereichen sich austauschen. Wir feiern dabei alle Frauen, etwa die Marktfrauen und die Frauen auf den Äckern. Am 8. März, dem Internationalen Tag der Frauen, möchte ich den Fokus auf jene Frauen richten, die Fussball spielen. Viele unserer Spielerinnen aus den U17- und U20-Auswahlen sind entweder selbst vergewaltigt worden oder haben ganz direkt miterlebt, wie ihre Grossmutter, Mutter oder Schwester misshandelt worden ist. Sie müssen mit den mentalen und emotionalen Narben leben.

Die jungen Frauen brauchen und suchen Bestätigung. Ja, sie erreichen nun viele Bereiche der Gesellschaft – wie eben auch den Fussball–, in denen sie versuchen, ihr Selbstvertrauen zurückzugewinnen.

Das gilt für alle jungen Frauen in der Region. In Liberia haben sie sehr ähnliche Erfahrungen gemacht: Bürgerkrieg, Misshandlungen. 34

Sie leiden unter den gleichen Narben. Wir sind der Ansicht, dass man diese jungen Frauen feiern muss, und wir veranstalten dazu ein Freundschaftsspiel zwischen Sierra Leone und Liberia.

Wie beliebt ist Frauenfussball in Sierra Leone? Ich freue mich sehr darüber, dass unsere jungen Frauen nun anfangen, daran zu glauben, dass es keine typischen Männerberufe mehr gibt, sondern dass auch sie etwa Fussball spielen können. Der Zeitpunkt, sich mit dem Frauenfussball zu befassen, ist in Sierra Leone nun genau der richtige.

Wie schwierig ist es, ein solches Fussballspiel zu veranstalten? Die Herausforderungen bei so einem Anlass sind immer finanzieller Art. Die jungen Frauen aus Liberia werden mit dem Bus anreisen. Der kurze Flug für die 18 Spielerinnen und vier Betreuer würde 11 000 Dollar kosten. Die 11-stündige Busreise kommt da viel billiger zu stehen. Ich bin froh, dass die stellvertretende US-Botschafterin in Sierra Leone die Schirmherrschaft übernommen hat und einen Abend für die jungen Frauen ausrichten sowie Preise und Auszeichnungen an sie vergeben wird. Der Fussballverband von Sierra Leone wird für die jungen Frauen Kost und Logis sowie ein Taschengeld bereithalten.

Wo wird gespielt? Das Spiel wird am Verbandshauptsitz in Freetown ausgetragen, und zwar auf Kunstrasen. Der Platz wurde von der FIFA gebaut. Für die Zuschauer haben wir Stühle und Sessel bereitgestellt, wir erwarten Frauen aus T H E F I FA W E E K LY

der Verwaltung, aus dem Polizeikorps und dem Militär, aus Politik und Wirtschaft. Ausserdem kommen die meisten Mädchenschulen aus der Umgebung.

Seit wann kennt man Frauenfussball in Ihrem Land? Der Frauenfussball hat in Sierra Leone nie wirklich begonnen. Wir müssen bei null starten, etwa in den Schulen, wo man vor allem Volleyball und andere Netzsportarten spielt. Wir reden gerade mit dem Ministerium für Schule und Sport, damit die jungen Frauen zumindest die Option haben, dort Fussball zu spielen.

Ist der Frauenfussball akzeptiert? Dass junge Frauen Fussball spielen, ist hier nicht wirklich akzeptiert. Als ich klein war, schien die Akzeptanz grösser. Fussball wird gemeinhin als Männersport angesehen. Eine junge Frau, die in Sierra Leone Fussball spielen will, wird in der Gesellschaft nicht gerade dazu ermuntert. Wir müssen also zurück in die Schulen und den Fussball dort neu etablieren – als Teil des Lehrplans.

Und ausserhalb der Schulen? Als junge Frau kann man hier nicht einfach einmal die Woche Fussball spielen gehen. Da ist keine ausreichende Infrastruktur. Die Klubs sind für schon etwas ältere Mädchen, für 18- oder 19-Jährige. Es wird eine lange Reise werden. Å Mit Isha Johansen sprach Perikles Monioudis


Name Isha Johansen, geb. Tejan-Cole Geburtsort und Wohnort Freetown, Sierra Leone

Andrew Esiebo/ Panos

Funktion Pr채sidentin des Fussballverbands von Sierra Leone (SLFA), seit August 2013 Weitere Aktivit채t CEO des FC Johansen in Freetown

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W E E K LY T O P 11

FREE KICK

Heldinnen des Fussballs

Men only Thomas Renggli

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icht nur im Fussball mussten die Frauen Missverständnisse ausdribbeln und gegen männliche Vorurteile anrennen. Der Sport kann kaum als Wegbereiter der Emanzipation bezeichnet werden. Die Griechen duldeten Frauen – unter Androhung der Todesstrafe – nicht einmal als ­Zuschauerinnen an den Olympischen Spielen der Antike. Ihr Argument gegen wettkämpfende Frauen: Sport sei für sie unschicklich und untergrabe die Gesundheit. Der deutsche Turnvater Jahn war gleicher Meinung. Er behauptete im 19. Jahrhundert, der Sport verstiere “den Blick des Weibes”. Im deutschen Lehrbuch für Turnübungen der Mädchen von 1885 heisst es: “Es genügt, wenn sie Höhen von 50 Zentimeter überspringen lernen.” Der französische Olympia-Patriarch Pierre de Coubertin hielt ebenfalls nichts von grossen Sprüngen der Weiblichkeit. Er wehrte sich vehement gegen Frauenwettbewerbe an den Olympischen Spielen. Aber schon 1900 musste er kapitulieren und in Paris den golf- und tennisspielenden Damen den Weg aufs olympische Parkett ebnen. Im Schweizer Olympiabuch der Spiele von London 1948 ist zu lesen: “Der neu ins Programm aufgenommene 200-Meter-Lauf der Frauen sollte wieder gestrichen werden, weil er das Geschlecht überfordert.” Der angesehene Wiener Sportmediziner Ludwig Prokop hegte noch 1959 ähnliche Sorgen: “Langstreckenlauf ist für Frauen vollkommen unangebracht.” An den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko war die längste Distanz eines Frauenrennens 800 m, 1972 in München 1500 m. “Wenn die Frauen jetzt auch noch 1500 m rennen, muss man fünf Minuten wegschauen”, sagt ein Kritiker damals. Heute muss er nicht einmal mehr vier Minuten wegschauen: Der Frauen-Weltrekord über die längste Mittelstrecken-Distanz beträgt 3:50,46.

Vor den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles 1984 blitzte die US-Union für Bürgerrechte vor einem zivilen Gericht mit dem Antrag ab, den Frauen das Recht über olympische Rennen über 5000 m und 10 000 m zuzugestehen. Paradoxerweise fand im gleichen Jahr die olympische Marathon-Premiere der Frauen statt. Die Siegerin, die Amerikanerin Joan Benoit, bewältigte die 42,195 Kilometer in 2:24,52 Stunden – einer Zeit, die 1956 zum Sieg im Männerwettbewerb gereicht hätte. Viele Sportärzte sind heute überzeugt, dass talentierte Läuferinnen für Dauerleistungen besser geeignet sind als Männer. Bis diese Erkenntnis aber zu einem diskussionswürdigen Thema reifte, war Überzeugungsarbeit notwendig. Den Durchbruch erzwang die Amerikanerin Roberta Gibb Bingay 1966 beim Boston Marathon. “Men only”, hiess es bei dieser exklusiven Veranstaltung. Gibb nahm ihr LäuferinnenSchicksal selbst in die Hand, tarnte sich mit einer Wollmütze und einem übergrossen Pullover und versteckte sich in einem Gebüsch in der Nähe der Startlinie. Sie wartete, bis der Hauptpulk verschwunden war, ehe sie sich auf den Weg machte. Wegen der Hitze musste sie sich bald von ihrer Verkleidung befreien – und lief in einem schwarzen Badeanzug und halblangen Shorts durch Boston. Weil es keine Laufschuhe für Frauen gab, trug sie Lederschuhe des Roten Kreuzes. Zuschauer und männliche Läufer reagierten begeistert. Gibb wurde als Heldin gefeiert. Will Cloney, der strenge Direktor des ­traditionellen Marathons, der Gibbs Anmeldung mit der Begründung abgeschmettert hatte, Frauen seien zu einer solchen Leistung nicht fähig, mochte sich dies nicht bieten lassen. Er hetzte Häscher auf die Fährte des Eindringlings. Doch Roberta enteilte leichtfüssig. Sie lief, lief, lief - und schrieb Sportgeschichte. Å

Die wöchentliche Kolumne aus der The-FIFA-Weekly-Redaktion T H E F I FA W E E K LY

1

K ristine Lilly, USA. 352 Länderspiele, 30 Spiele bei Fussball-Weltmeisterschaften: Weltrekord.

2

Marta, Brasilien. Sie steht wie keine zweite für den heutigen Frauenfussball. Im Maracanã durfte sie als einzige Frau ihren Fussabdruck in Beton hinterlassen.

3

Nadine Angerer, Deutschland. Als erste Torhüterin gewann sie 2013 den Ballon d’Or. Mit ihren Big Safes machte sie ihr Land im selben Jahr zum Europameister.

4

Homare Sawa, Japan. Mit 12 debütierte sie in der höchsten japanischen Liga, mit 15 spielte sie das erste Mal für die Landesauswahl, mit 16 nahm sie an der WM teil.

5

Lotta Schelin, Schweden. Für ihren Verein Olympique Lyon schiesst sie Tor um Tor. Die 30-Jährige nennt unzählige Titel und Auszeichnungen ihr Eigen.

6

Abby Wambach, USA. Die Gewinnerin des Ballon d’Or 2012 beweist eine unglaublich Effizienz: Mit 165 Toren ist sie Weltrekordhalterin.

7

Kelly Smith, England. Sie war die erste professionelle englische Fussballspielerin und gilt als eine der besten Stürmerinnen der Geschichte.

8

Hege Riise, Norwegen. Als Aktive wurde sie Welt- und Europameisterin und gewann Olympisches Gold. Als Co-Trainerin der Nationalmannschaft will sie Gleiches erreichen.

9

Birgit Prinz, Deutschland. An der EM ‘95 wurde sie in der 62. Minute eingewechselt, schoss nach 120 Sekunden das wegweisende Tor zum Titel und startete nach dem Turnier eine beispiellose Karriere.

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M  ia Hamm, USA. Der Frauenfussball in Amerika entwickelte sich auch dank ihrer Popularität (275 Länderspiele, 158 Tore) zu einer der beliebtesten Sportarten.

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L  ouisa Nécib, Frankreich. Sie wird mit Zinédine Zidane verglichen und gilt als eine der talentiertesten Spielerinnen Frankreichs. Sind Sie einverstanden mit dieser Auswahl? Ihre Meinung an: feedback-TheWeekly@fifa.org 37


ZEITSPIEGEL

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Herne Hill, England

Küsschen. Während des ersten Weltkriegs erlebte der Frauenfussball einen grossen Aufschwung. Wegen der massenhaften Rekrutierungen zum Kriegsdienst war es vielen (Männer-)Ligen nicht mehr möglich, einen regulären Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Mit dem Kriegs­ende drehte der Wind. Am 5. Dezember 1921 zeigte die Football Asscociation den Frauen die Rote Karte und verbot ihnen die Benutzung der Stadien. Die kickenden Ladys liessen sich davon nicht abhalten: In Herne Hill bei London fand 1925 ein Länderspiel zwischen England und Frankreich statt. Die Kapitäninnen Florrie Redford (r.) und Carmen Pomies begrüssten sich freundlich. Danach wurden keine Nettigkeiten mehr ausgetauscht. Frankreich gewann im Elfmeterschiessen.

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MacGregor / Getty Images

1925


ZEITSPIEGEL

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Newcastle upon Tyne, England

Robert Cianflone / FIFA via Getty Images

2012 Handschlag. An den Olympischen Spielen in Grossbritannien standen die Türen für die Frauen zu den schönsten Arenen des Landes offen. Im St. James Park von Newcastle (Kapazität: 52 400) treten sich die Spielführerinnen von Kanada (Christine Sinclair) und Schweden (Nilla Fischer) mit entschlossenem Blick entgegen. Das 2:2 bedeutete das Ende der kanadischen Medaillenträume. Schweden schaffte es ins Viertelfinale, musste nach der Niederlage gegen Frankreich aber ebenfalls vorzeitig nach Hause. Gold ging an die USA – nach einem 2:1 im Finale gegen Japan. Das Endspiel im Wembley sahen 80 203 Fans – Rekord für ein Frauenspiel in Europa.

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HISTORY

“Die WM in Costa Rica erfüllt mich mit Stolz”

Die 86-jährige María Elena ­Valverde gehörte in Costa Rica zu den ersten Frauen, die Fussball spielten. Vor der U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2014 erinnert sich Valverde daran, wie es ihr gelang, ein Frauenfussball-Team zu bilden und gesellschaftliche Anerkennung zu erreichen.

Erinnerungen Noch heute kommen Emotionen hoch, wenn María Elena Valverde die ersten Bilder des costa-ricanischen Frauenfussballs betrachtet.

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HISTORY

Am 19. März 1949 gründeten dreissig junge Frauen die erste Frauenfussball-Mannschaft in Costa Rica. Wie kam es dazu? Die Idee, eine Fussballmannschaft zu gründen, geht auf einen Tag zurück, an dem ich eine Tante zum Beten ins Haus einer ihrer Freunde begleitete, der verstorben war. Die Männer, die dort waren, sprachen ziemlich laut miteinander und diskutierten über ein Thema. Ich wusste allerdings nicht, worum es sich handelte. Eines Tages fragte ich meine Tante, und sie erklärte mir, es sei um Fussball gegangen. Da habe ich ihr ganz glücklich verraten, dass mir diese Sportart sehr gut gefällt. Das erzählte sie wiederum einem der Herren, die sich darüber unterhalten hatten, woraufhin dieser mir berichtete, sie seien sehr interessiert daran, eine Frauenmannschaft zu bilden, es sei jedoch nicht möglich. Ich erkundigte mich, warum es denn unmöglich sei. Er erklärte mir, es gäbe eben nicht viele Frauen, die Fussball spielen wollten. Ich war so begeistert von der Idee, dass ich ihm sogleich berichtete, in meinem Viertel wären wir sieben Frauen, die immer spielten und dass die anderen sicher dabei wären. Dann haben wir vereinbart, dass jede von uns noch Freundinnen fragen sollte, damit wir am Ende ein Team von 30 Frauen zusammenbekämen. Schliesslich haben wir es geschafft und uns in zwei Gruppen zu je 15 Spielerinnen aufgeteilt, um gegeneinander spielen zu können. So begannen wir am 19. März 1949 mit dem Training. Es gab einen Bus, der jede von uns abholte und uns zu einer Finca namens ‘Las Delicias’ brachte. Dort konnten wir trainieren. Man brachte uns Schusstechniken und alle grundlegenden Aspekte des Fussballs bei.

Wann fand die erste Partie statt, welche Erinnerungen haben Sie an diese Begegnung und wie war die Atmosphäre bei den Spielen? Die erste Partie wurde am 27. März 1950 im Estadio Nacional ausgetragen. Wir waren das Team in Rot und nannten uns América, die Mannschaft in den blauen Trikots hieß Costa Rica. Das Spiel war ein Erfolg. Das Stadion war voll besetzt und die gesamte Presse lobte uns. Einige gingen sogar so weit zu sagen, dass wir besser spielen als die Männer. Die Trikots waren wirklich schön und wir gingen geschminkt und gut frisiert auf den Platz. Damit erregten wir viel Aufmerksamkeit.

Laura Rodríguez

Welche Rolle spielte diese Frauenmannschaft in der costa-ricanischen Gesellschaft? Wurde sie akzeptiert? Wir hatten keine großen Probleme, tatsächlich haben wir viele positive Kommentare und Glückwünsche bekommen. Zunächst hieß es, Fussball spielen sei für Frauen gefährlich, weil wir dann keine Kinder mehr bekommen könnten. Das hat die Leute etwas erschreckt, aber später erklärte ein Arzt dann, dass dies nicht richtig sei,

Liebe zum Detail Das Fotoalbum von María Elena Valverde erzählt ihr Leben als Fussballspielerin.

und unsere Eltern und die anderen Leute waren beruhigt. Der Frauenfussball entwickelte sich weiter und es wurden nach und nach immer mehr Teams gebildet, sodass wir bis heute Fussball spielen können.

Wie wurde das im Land aufgenommen? Für den Frauenfussball war es bestimmt nicht einfach, in eine Gesellschaft vorzudringen, die vom Männerfussball dominiert war? Viele meiner Teamkameradinnen mussten lügen und sagen, sie gingen zum Basketball-Training, weil sie glaubten, ihre Väter würden ihnen nicht erlauben, Fussball zu spielen. Also haben sie sie überrascht, als wir unser erstes Spiel bestritten. Als die Väter sahen, wie die Leute und die Medien reagierten und dass wir gut spielten, gaben sie ihren Töchtern die Erlaubnis, weiterzuspielen.

Wie und inwieweit hat der Frauenfussball die Wahrnehmung der Frau in Costa Rica in Bezug auf Gleichberechtigung und Chancengleichheit verändert? Tatsächlich kann ich mich nicht daran erinnern, dass es hinderlich für uns gewesen T H E F I FA W E E K LY

wäre, Fussball zu spielen. Es wurde akzeptiert. Das musste ohnehin passieren, damit nicht nur die Männer Fussball spielen konnten. Das war das Einzige, das sich geändert hat. Die Frauen bekamen ebenfalls die Möglichkeit, eine Sportart auszuüben oder andere Dinge zu tun, von denen man vorher glaubte, nur Männer wären dazu in der Lage.

Welche Botschaft haben Sie für die Mädchen, die an der U-17-Frauen-WM teilnehmen werden? Dass sie eine sehr gute Rolle spielen werden, weil sie sehr mutig sind, und dass sie sich sehr glücklich schätzen können, weil sie die Möglichkeit haben, Fussball zu spielen. Ich wünsche mir, dass sie den Weg fortsetzen, den wir begonnen haben und dass es ihnen bei dieser Weltmeisterschaft gelingt, Geschichte zu schreiben, wie wir vor langer Zeit Geschichte geschrieben haben. Ich bin stolz, mit 86 Jahren diese Frauen-WM verfolgen zu können. Die Spielerinnen sollen das Turnier geniessen und dazu nutzen, das Wachstum des Frauenfussballs anzustossen. Å Mit María Elena Valverde sprach Mariana Soto

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Gaby Gerster / laif 42

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DAS INTERVIEW

“Ich wurde als Kind schon gehänselt” Die 111-fache deutsche Nationalspielerin Steffi Jones ist Direktorin beim Deutschen Fussball-Bund (DFB). Zum Internationalen Frauentag spricht sie über die Gleichberechtigung der Geschlechter, über Rassismus und Homophobie.

Ist der Internationale Frauentag nötig? Steffi Jones: Der Tag ist für uns Frauen ein

wichtiger Tag. Viele starke Frauen haben sich für die Emanzipation der Frau eingesetzt. Daran und dass es immer noch Länder gibt, in denen Frauen für ihre Rechte kämpfen müssen, erinnert dieser Tag – deshalb ist es gut, dass es ihn gibt.

Sind Frauen generell und eben auch im Fussball benachteiligt? Frauen haben es durch die Männerdominanz – nicht nur im Fussball – schwerer, eine Führungsposition zu erlangen. Aber die Entwicklung der letzten Jahre zeigt auch, dass dies nun mehr Frauen in der Politik, der Wirtschaft und im Sport schaffen. Das sind tolle Vorbilder für andere Frauen.

Haben es Frauen im Fussball schwerer als Männer? Ich mache keinen Unterschied zwischen Frauen-und Männerfussball, die Qualifikation ist entscheidend für mich und nicht das Geschlecht. Ich setze mich aber für Chancengleichheit ein.

Weshalb stehen Frauen vor so vielen Herausforderungen, bis sie etwa in Führungsetagen akzeptiert sind? Es braucht sicher noch weitere Jahre, bis Frauen selbstverständlich in Führungspositionen eingesetzt werden. Aber ich sehe jetzt schon viele Frauen in Spitzenpositionen von Unternehmen, Verbänden oder in der Politik. Sie behaupten sich da und machen einen tollen Job. Die Frauenquote hilft vielleicht, die Dinge zu beschleunigen.

Wenn wir schon von Diskriminierung sprechen: Wurden Sie, etwa als Spielerin, mit rassistischen Anwürfen konfrontiert?

Ich habe Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen durch den Fussball gewonnen. Davon zehre ich heute noch.

Die Homophobie scheint im Männerfussball weiter verbreitet als im Frauenfussball. ­Warum? Jegliche Diskriminierung ist für mich unzulässig und ich freue mich über die vielen Aktivitäten der Verbände und Vereine, die sich klar positionieren und sich von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung distanzieren. Wir haben im Deutschen Fussball-Bund zum Thema Homophobie einen Leitfaden in Form einer Broschüre veröffentlicht, um einerseits betroffenen Fussballern und ­Fussballerinnen zu helfen und andererseits um aufzuklären.

Was sagen Sie Eltern, die sexuelle Vorurteile haben und ihre Töchter deshalb nicht in einen Fussballklub lassen? Der Fussball trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei und lebt die Werte, die wir im alltäglichen Leben genauso beherzigen sollten. Respekt und Toleranz sind aber die wichtigsten für mich.

Name Stephanie Ann Jones Geburtsdatum, Geburtsort 22. Dezember 1972, Frankfurt/Main Position als Spielerin Innenverteidigerin

Was denken Sie über die Staaten, in denen Homosexualität verboten ist? Das sollte auf politischer Ebene diskutiert werden.

Was wird die Zukunft bringen? Wie werden wir dieses Interview in zehn Jahren lesen? Ich wünsche mir, dass wir keine Frauenquote mehr brauchen, und ich wünsche mir Chancengleichheit für Mann und Frau. Jedes Mädchen sollte Fussball spielen dürfen, wenn es möchte, um vielleicht seinen Traum verwirklichen zu können. Å Mit Steffi Jones sprach Ségolène Valentin

Ich wurde als Kind wegen meiner Hautfarbe gehänselt, aber gerade durch den Fussball bekommen wir Werte wie Fair Play, Integration, Respekt und Toleranz vermittelt.

Vereine 1986–1991 SG Praunheim 1991–1992 FSV Frankfurt 1992–1993 SG Praunheim 1993–1994 TuS Niederkirchen 1994–1997 SG Praunheim 1997–1998 FSV Frankfurt 1998–2000 SC 07 Bad Neuenahr 2000–2002 1. FFC Frankfurt 2002–2003 Washington Freedom 2003–2007 1. FFC Frankfurt Nationalteam 111 Spiele für Deutschland 1993–2007 Erfolge (Auswahl) Weltmeisterin 2003 Europameisterin 1997, 2001, 2005 Olympische Bronzemedaille 2000, 2004 UEFA-Women’s-Cup-Siegerin 2002, 2006 (1. FFC Frankfurt) Funktion Seit 2011 Direktorin beim Deutschen Fussball-Bund (DFB)

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NET ZER WEISS ES!

DAS OBJEK T

Was halten eigentlich Sie vom Frauenfussball? Frage von Juan Martinez, Stockholm

Auch am Bürotisch galant Günter Netzer als HSV-Manager Ende der 1970er-Jahre.

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ines vorweg: Frauenfussball darf nicht mit Männerfussball verglichen werden. Diese Gegenüberstellung funktioniert nicht. Da sind allein schon die physischen ­Voraussetzungen zu unterschiedlich, als dass ein direkter Vergleich fair wäre. Und die Ansicht des ehemaligen deutschen Nationalcoachs Sepp Herberger – “Fussball ist kein Sport, der für Frauen geeignet ist, eben schon deshalb, weil er ein Kampfsport ist” – stimmt schon gar nicht. Ich sass beim WM-Finale 2011 im Frankfurter Stadion und weiss, wie attraktiv Frauenfussball sein kann. Das Spiel der USA gegen Japan war ein Spektakel und hätte es jederzeit mit dem Männerfussball aufnehmen können. Die 120 Minuten boten Spannung, Schnelligkeit, Athletik und vier Tore. Japan siegte im Elfmeterschiessen 3:1. Die Entwicklung ist fantastisch. Ich erinnere mich an die Siebzigerjahre, als Frauenfussball überhaupt keinen Stellenwert hatte. Man gab sich interessiert, hatte vielleicht schon mal davon gehört. Aber insgeheim wurde der Frauenfuss44

ball belächelt. Allein der Fakt, dass die Sportart für Frauen in Ländern wie Deutschland oder England lange Zeit verboten war, zeigt, was für ein anstrengender Kampf um Anerkennung stattgefunden hat. Dass sich der Frauenfussball in den letzten Jahrzehnten etablieren konnte, ist eine Bereicherung für die Sportwelt. Leider fehlt es den Vereinen und Nationalteams in vielen Ländern noch an Unterstützung – die Stadien sind nur während grossen Turnieren gut besucht. Allen Skeptikern kann ich deshalb raten, sich das WM-Finale von 2011 auf DVD anzuschauen. Å

Was wollten Sie schon immer über Fussball wissen? Fragen Sie Günter Netzer: feedback-theweekly@fifa.org T H E F I FA W E E K LY

Eine Postkarte aus dem Jahr 1906 – auf ihr ­abgebildet eine Fussballerin, sie trägt einen knielangen roten Rock und eine farblich abgestimmte Zipfelmütze, die Arme hat sie auf dem Rücken verschränkt, ihren etwas ätherischen und doch klaren Blick richtet sie auf den ­geneigten Betrachter. Den Ball gibt die junge Frau frei, er dient hier nicht als Spielgerät, sondern als Ornament oder besser als Markierung der sportlichen ­Betätigung, der sie sich hinzugeben beliebt, wenn, ja, wenn ihr danach ist. Denn sie pflegt Fussball in apartem Ambiente zu spielen, das zumindest soll die Postkarte suggerieren. Ist das hinter ihr nicht ein Caspar David Friedrich, in der Art von “Schiffe im Hafen am Abend (Nach Sonnenuntergang)”, ein William Turner, dieser rötlich-pastellige Himmel, der an die ­beiden Werke “The Burning of The Houses of Lords and Commons” erinnert? So oder so kontrastiert die Dramatik oder Drastik des Hintergrunds mit der inneren Ruhe der jungen Frau im properen Fussballoutfit. Denn 1906 war ein Jahr, in dem Ruhe und Drastik kein Gegensatzpaar bildete. Alois Alzheimer diagnostizierte erstmals die nach ihm benannte Krankheit. Robert Musil veröffentlichte seinen Erstling “Die Verwirrungen des Zöglings Törless”. San Francisco wurde in ­seinen Grundfesten zerstört, durch ein Erdbeben mit anschliessenden Feuersbrünsten. Eine Postkarte aus dem Jahr 1906 – in welcher Auflage und von wem an wen das Abbild der Fussballerin postalisch versandt worden ist, weiss niemand mehr. Der Lauf der ­Geschichte aber hat den Frauenfussball wachsen sehen. Postkarten in der vorliegenden Art wurden abgelöst von Autogrammkarten, die Fussballerinnen nach dem Training aus den Händen gerissen werden. Die junge Frau mit den schwarzen Stutzen hält einen Stapel für die Zukunft hinter ihrem Rücken bereit. Å

Mauritius Images

Perikles Monioudis


TURNING POINT

“Der Fussball öffnete mir neue Horizonte” Für afrikanische Mädchen ist der Zugang zum Fussball oft schwierig. Die Nigerianerin Perpetua Nkwocha (38) wurde von ihrem Vater mit Schlägen vom Spielfeld ferngehalten. Trotzdem setzte sie sich durch – und fand in Schweden eine neue Heimat.

Name Perpetua Ijeoma Nkwocha Geburtsdatum, Geburtsort 3. Januar 1976, Nigeria Aktueller Klub Sunnana SK (SWE) Position Mittelfeldspielerin

Lars Baron / FIFA via Getty Images

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ie nordschwedische Stadt Skelleftea ­verkörpert so ziemlich das Gegenteil meiner nigerianischen Heimat. Im Dezember quält sich die Sonne kaum für eine Stunde über den Horizont. Im Sommer wird es nie dunkel. Der Polarkreis liegt quasi um die Ecke und das Fussballtraining findet in der kalten Jahreszeit ausschliesslich in der Halle statt – obwohl es in diesem Winter wenig Schnee gab. Ich gebe zu: Die Klimaerwärmung hat für mich auch etwas Positives. Ich lebe seit sieben Jahren in Schweden, ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass der Transfer hierher der grosse Wendepunkt in meiner Karriere war. Es war der Schritt in ein neues Leben und in die finanzielle Unabhängigkeit. Mein Monatslohn beträgt 4000 Euro. Davon gehen 1000 Euro ans schwedische Steueramt. Weil mein Klub für Kost und Logis aufkommt, kann ich einen beträchtlichen Teil des Geldes nach Hause schicken und meine Familie unterstützen – meine Eltern sowie fünf Brüder und zwei Schwestern. Sie leben in einem kleinen Ort namens Amankwu Umuhu. In Schweden schätze ich die Zuverlässigkeit und Ordnung. Auch das ist ein Unterschied zu Nigeria. Dort wird oft viel gesprochen und versprochen und wenig davon eingehalten. In Nigeria ist Fussball Staats­religion – der Fussball der Männer allerdings. Für Mädchen und Frauen ist der Zugang zum Sport schwierig. Mein Vater konnte es zu Beginn nicht akzeptieren, dass ich mit Jungs auf den Strassen dem Ball nachjagte. Er v ­ erbot es mir. Aber ich liess

Internationale Einsätze 83 Einsätze, 41 Tore

mich nicht unterkriegen – auch nicht davon, dass ich immer wieder Prügel kassierte. Der Kontakt zu Schweden kam über einen amerikanischen Spieleragenten in Ghana zustande. Zuerst hätte ich nach Malmö wechseln sollen. Als ich dort eintraf, fehlte das Geld. Nach zwei Wochen kam das Angebot vom Sunnana SK aus Skelleftea. Ich ging hin. Der Fussball öffnete mir neue Horizonte. In der Grundschule wurde mein Talent entdeckt – und später in der Comprehensive School richtig gefördert. Ich erhielt die Chance, mich beim Staats-Klub Rivas zu bewähren. Die Höhepunkte meiner Karriere waren sicher die Auftritte mit der nigerianischen Landesauswahl bei den WM-Endrunden 2003 und 2007 sowie an den Olympia-Turnieren 2000, 2004 und 2008. T H E F I FA W E E K LY

Mit 38 Jahren befinde ich mich im Herbst meiner Karriere. Ob die WM-Teilnahme mit Nigeria 2015 ein Thema ist, kann ich jetzt noch nicht sagen. Zwei Dinge weiss ich aber genau: Ich möchte in Europa bleiben und weiter in der Welt des Fussballs arbeiten. Dieser Sport ist meine grosse Leidenschaft. Å Aufgezeichnet von Thomas Renggli

Persönlichkeiten des Fussballs erzählen von einem wegweisenden Moment in ihrem Leben. 45


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The FIFA Weekly Eine Wochenpublikation der Fédération Internationale de Football Association (FIFA)

FIFA - R ÄT SEL - CUP

Internet: www.fifa.com/theweekly

Das Frauen- und Männerdouble, ein Stadion für zwei Weltmeister und ein Blumenteam – raten Sie mit!

Herausgeberin: FIFA, FIFA-Strasse 20, Postfach, CH-8044 Zürich Tel. +41-(0)43-222 7777 Fax +41-(0)43-222 7878

Diese Blume steht für den Namen eines Teams, das die ­Weltmeisterschaft im Frauenfussball gewann. Für welches Team?

1

Präsident: Joseph S. Blatter

H Schweden P Norwegen

Generalsekretär: Jérôme Valcke

L China R Japan

Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Walter De Gregorio Chefredakteur: Thomas Renggli

2

Art Director: Markus Nowak

Wo wurden die Frauen und die Männer des gleichen Clubs Landesmeister? U

O

I

A

Redaktion: Perikles Monioudis (Stv. Chefred.), Alan Schweingruber, Sarah Steiner Ständige Mitarbeiter: Jordi Punti, Barcelona; David Winner, London; Hanspeter Kuenzler, London; Roland Zorn, Frankfurt/M.; Sven Goldmann, Berlin; Sérgio Xavier Filho, São Paulo; Luigi Garlando, Mailand Bildredaktion: Peggy Knotz, Adam Schwarz

3

Produktion: Hans-Peter Frei (Leitung), Richie Krönert, Marianne Bolliger-Crittin, Mirijam Ziegler, Susanne Egli, Peter Utz

Das Sinnbild einer internationalen Frauenfussball­-Meisterschaft lange vor der offiziellen WM. Das Finale fand vor mehr als 100 000 Zuschauern statt. Wo? C  China S  Mexiko

G Italien T Südafrika

Korrektorat: Nena Morf Redaktionelle Mitarbeit in dieser Nummer: Dominik Petermann, Tatjana Haenni, Doris Ladstaetter, Ségolène Valentin, Mariana Soto, Andrea Grünenfelder, Xavier Breuil

4

An welcher WM fand das Finale der Frauen im gleichen Stadion statt, in dem bereits ein ­F ussball-WM-Finale der Männer ausgetragen worden war?

Redaktionssekretariat: Honey Thaljieh Übersetzung: Sportstranslations Limited www.sportstranslations.com

E

H

S

T

Projektmanagement: Bernd Fisa, Christian Schaub Druck: Zofinger Tagblatt AG www.ztonline.ch Kontakt: feedback-theweekly@fifa.org Der Nachdruck von Fotos und Artikeln aus dem The FIFA Weekly, auch auszugsweise, ist nur mit Genehmigung der Redaktion und unter Quellenangabe (The FIFA Weekly, © FIFA 2014) erlaubt. Die Redaktion ist nicht verpflichtet, unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos zu publizieren. Die FIFA und das FIFA-Logo sind eingetragene Warenzeichen. In der Schweiz hergestellt und gedruckt.

Das Lösungswort des Rätsel-Cups aus der Vorwoche lautete: ROOM (ausführliche Erklärungen auf www.fifa.com/theweekly). Inspiration und Umsetzung: cus

Bitte senden Sie Ihre Lösung bis zum 12. März 2014 an die E-Mail feedback-theweekly@fifa.org. Die richtigen Einsendungen aller Rätsel bis am 11. Juni 2014 nehmen an der Verlosung von zwei Eintrittskarten für das WM-Finale am 13. Juli 2014 teil. Vor der Einsendung ihrer Antworten müssen die Teilnehmenden die Teilnahmebedingungen des Gewinnspiels sowie die Regeln zur Kenntnis nehmen und akzeptieren, die unter folgendem Link zur Ansicht bereit stehen: http://de.fifa.com/aboutfifa/organisation/the-fifa-weekly/rules.pdf T H E F I FA W E E K LY

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FR AGEN SIE DIE FIFA!

UMFR AGE DER WOCHE

Gibt es eine Alternative zum Elfmeterschiessen?

Wie entstand die Frauen-WM? Nina Meier, Düsseldorf

Banges Warten. Im WM-Finale 2011 muss zwischen den USA und Japan das Elfmeter­schiessen entscheiden. Die Amerikanerinnen sehen das Unheil kommen. Japan gewinnt 3:1. Ist die Kurzentscheidung vom Punkt sinnvoll? Oder müsste man den Sieger bei einem Unentschieden nach 120 Minuten anders ermitteln? Meinungen an feedback-theweekly@fifa.org

1+14+85 7

ERGEBNIS DER LETZTEN WOCHE: Wie sieht der Frauenfussball in zehn Jahren aus?

85 % In zehn Jahren wird der Frauenfussball viel professioneller als heute.

14 % Der Zenit ist erreicht.

1 % In zehn Jahren werden gemischte Teams spielen.

DIE REKORDFR AU

DIE FAK TEN

165 117

DIE DAUERGÄS TE

Tore hat Abby Wambach in

Verbände sind in der

215 internationalen Spielen

FIFA-Weltrangliste

erzielt. Damit hält die

der Frauen klassiert.

33-jährige Amerikanerin

Weltweit spielen

den Rekord für Länder-

30 Millionen Frauen

spieltreffer – geschlechter-

und Mädchen

Turnieren der Frauen dabei:

übergreifend. Dazu kom-

Fussball. An der WM-Enrunde 2011 in Deutschland

die USA, Deutschland,

men 67 Assists. Auch die

kamen 845  7 11 Fans zu den 32 Spielen in die

­Norwegen, Brasilien, Japan, Nigeria

Matchbilanz beeindruckt:

Stadien. Mit der Kampagne “Live Your Goals” will

und Schweden. Das US-Team und

182 Siege, 25 Unentschieden,

die FIFA die Popularität des Frauenfussballs im

Deutschland gewannen je zweimal,

8 Niederlagen.

Hinblick auf die WM 2015 weiter steigern.

Norwegen und Japan je einmal.

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Auswahlen waren bisher an sämtlichen 6 WM-­

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Joern Pollex / Getty Images

Antwort von Thomas Renggli, Chefredakteur: Die erste ­Austragung – 1991 – ging auf die Initiative des ehemaligen ­FIFA-Präsidenten João Havelange zurück. In China umfasste das WM-Feld damals 12 Equipen. 1999 wurde die Teilnehmerzahl auf 16 erhöht. 2015 in Kanada spielen erstmals 24 Teams um den Titel. Als Durchbruch gilt die WM-Endrunde 1999 in den USA. Insgesamt 660 000 Menschen besuchten die 32 Spiele. Das Finale zwischen den Gastgebern und China in der Rose Bowl von Pasadena sahen 90 185 Fans. Weltrekord. Das WM-Turnier der Frauen findet im Vierjahres-Turnus immer ein Jahr nach der Endrunde der Männer statt.

The FIFA Weekly Ausgabe #20