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NR. 19, 28. FEBRUAR 2014

DEUTSCHE AUSGABE

IFAB MODERNE GRALSHÜTER

JORDANIEN ÜBERRASCHENDER AUFSCHWUNG

SEPP BLATTER PRÄSIDIALE REISETIPPS 100 Tage vor der WM

FELIPÃO

W W W.FIFA.COM/ THEWEEKLY


I N H A LT

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A lles anders in Österreich Jahrzehntelang wurde die österreichische Meisterschaft zwischen den Wiener Klubs Rapid und Austria entschieden. Nun haben sich die Machtverhältnisse verschoben. Der neue Champion heisst Red Bull Salzburg und sogar Aufsteiger Grödig hält die geschlagenen Hauptstädter auf Distanz.

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 er Fussball in Jordanien boomt D Trotz des Scheiterns auf der Zielgeraden – die WM-Barrage ging gegen Uruguay verloren – erlebt der jordanische Fussball einen Aufschwung. Das Land setzt dabei vor allem auf Entwicklung. Im Zentrum steht die Förderung von jungen einheimischen Fussballern.

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S ind die Fussballregeln zeitgemäss? Seit 1863 wurde das Regelwerk in seinen Grundsätzen kaum verändert. Das letzte Wort in allen Regelfragen hat das International Football Association Board, es hält am 1. März seine Jahresversammlung ab. FIFA-Präsident Blatter: “Das Spiel darf nicht in seinen Grundwerten verändert werden, aber es muss sich anpassen.”

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R eisetipps von Sepp Blatter Genügend Schlaf, wenig Essen, viele Sudokus: Für die Zeit im Flugzeug hält sich FIFA-Präsident Blatter an seine persönlichen Regeln. Alles über seine ausgeklügelte Reisestrategie.

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Weekly Top 11: Die grössten WM-Helden Maradona, Matthäus, Zidane. The FIFA Weekly liefert die Namen der grössten Helden der WM-Geschichte. Die Nummer 1 gehört einem Engländer, der die Latte traf.

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“ Zeit, etwas zurückzugeben” FIFA-Direktor Walter Gagg wünscht sich mehr Respekt und Solidarität im Trainerbusiness. Was die Entwicklung angeht, nimmt der Experte die europäischen Klubs in die Verantwortung: “Alle setzen auf die afrikanische Spielkunst. In Form von Know-how sollte man dem Kontinent nun etwas zurückgeben.”

Felipe Scolari Im Interview

Gruppen A – C Gruppe A

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Der Maradona-Bewacher Guido Buchwald bekam im WM-Finale 1990 die Aufgabe, den damals besten Fussballer der Welt zu decken. Diego Maradona verlor mit Argentinien 0:1 – und Deutschland wurde zum dritten Mal Weltmeister. “Es hat mein Leben verändert”, sagt Buchwald heute.

Südamerika 10 Mitglieder www.conmebol.com

Gruppe B

Gruppe C

Brasilien

Spanien

Kolumbien

Kroatien

Niederlande

Griechenland

Mexiko

Chile

Elfenbeinküste

Kamerun

Australien

Japan

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Cover: Agency / fotogloria / freshfocus

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Nord- und Mittelamerika 35 Mitglieder www.concacaf.com

100 Tage bis zur WM Vorfreude auf die grosse Fussballparty. Am Dienstag, 4. März, dauert es noch 100 Tage bis zum WM-Kickoff zwischen Brasilien und Kroatien. Wir liefern einen repräsentativen Augenschein über die Situation vor Ort und die Befindlichkeit der Hauptdarsteller: ein Exklusivinterview mit Brasilien-Coach Felipe Scolari und Aussagen der Trainer aller übrigen WM-Teilnehmer.


D I E WO C H E I N D E R W E LT D E S F U S S B A L L S

Europa 53 Mitglieder www.uefa.com

Afrika 54 Mitglieder www.cafonline.com

Asien 46 Mitglieder www.the-afc.com

Ozeanien 11 Mitglieder www.oceaniafootball.com

Fabio Capello “In Brasilien schlägt das Herz des Fussballs”

Philipp Huspek Ärgert mit dem SV Grödig die Wiener Klubs

Felipão Weltmeister 2002. Hoffnungsträger 2014. Der brasilianische Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari bei einem Fotoshooting vor zwei Wochen in São Paolo, dem Schauplatz des WM-Eröffnungsspiels gegen Kroatien am 12. Juni. Kwesi Appiah Der Ghana-Coach glaubt an den WM-Titel

Alessandro Del Piero Mit 39 Jahren unverzichtbar beim FC Sydney

Gruppen D – H Gruppe D

Gruppe E

Gruppe F

Gruppe G

Gruppe H

Schweiz

Argentinien

Deutschland

Belgien

Costa Rica

Ecuador

Bosnien-Herzegowina

Por tugal

Algerien

England

Frankreich

Iran

Ghana

Russland

Italien

Honduras

Nigeria

USA

Korea

Getty Image

Uruguay

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Personenkraftwagen“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, Hellmuth-Hirth-Straße 1, 73760 Ostfildern (www.dat.de) unentgeltlich erhältlich ist.


UNCOVERED

Vor dem Karneval

Die WM-Dirigenten – hintere Reihe von links: Eduardo Julio UrtasÚn, technischer Leiter Kolumbien; Abdelhafid Tasfaout, Assistenztrainer Algerien; Demetrio Albertini, Vizekommissar des italienischen Fussballverbandes; James Appiah, Cheftrainer Ghana; Oliver Bierhoff, technischer Leiter Deutschland; Carlos Alberto Parreira, technischer Leiter Brasilien; Vital Borkelmans, Assistenztrainer Belgien; Didier Deschamps, Cheftrainer Frankreich; Luiz Felipe Scolari, Cheftrainer Brasilien; Ottmar Hitzfeld, Cheftrainer Schweiz; Claudio Oscar Gugnali, Assistenztrainer Argentinien. Vordere Reihe von links: Jorge Luis Pinto, Cheftrainer Costa Rica; Fabio Capello, Cheftrainer Russland; Fernando Santos, Cheftrainer Griechenland; Stephen Keshi, Cheftrainer Nigeria; Paulo Bento, Chetrainer Portugal; Louis van Gaal, Cheftrainer Niederlande; Roy Hodgson, Cheftrainer England; Safet Susic, Cheftrainer Bosnien-Herzegowina, Ange Postecoglou, Cheftrainer Australien; Niko Kovac, Cheftrainer Kroatien; Kun Ha Park, Assistenztrainer Südkorea; Volker Finke, Cheftrainer Kamerun; Oscar Tabárez, Cheftrainer Uruguay; Vicente del Bosque, Cheftrainer Spanien; Luis Suárez, Cheftrainer Honduras; Sabri Lamouchi, Cheftrainer Elfenbeinküste; Miguel Herrera, Cheftrainer Mexiko; Carlos Queiroz, Cheftrainer Iran.

Thomas Renggli

Andre Penner / A P Photo

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eute, Freitag, beginnt in Rio de Janeiro der Karneval – ein Millionenspektakel, mit Samba, Caipirinha, Federschmuck und nackter Haut. Die grösste Party des Jahres ist aber erst am 13. Juli vorgesehen – wenn im Marcanã-Stadion das WM-­ Finale stattfindet. Dann soll Brasilien jenes Fest feiern, das eigentlich schon 1950 angesetzt war, das von den uruguayischen Eindringlingen aber jäh zerstört wurde. Noch sind allerdings nicht alle Baustellen behoben. In der Stadionfrage konnte Entwarnung gegeben und Curitiba als Austragungsort bestätigt werden. Trotzdem gibt es bis zum Eröffnungsspiel am 12. Juni zwischen Brasilien und Kroatien noch viel zu tun. “Wir arbeiten mit Hochgeschwindigkeit – und befinden uns deutlich über dem üblichen Tempolimit. Das wird bis im Juni der Fall sein”, sagte FIFA-­ Generalsekretär Jérôme Valcke am Rande des Team-Workshops in Florianopolis, an dem sich

23 der 32 Nationaltrainer über den organisa­ torischen Ablauf des Turniers informierten. Die Pendenzenliste betrifft vor allem das infrastrukturelle und organisatorische Umfeld der Stadien und die temporären Bauten. Sportlich ist die Zuversicht bei den Hauptdarstellern weltmeisterlich gross. Im Exklusiv­ interview sagt der brasilianische Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari, wie er mit dem Druck des “Siegenmüssens” umgeht, weshalb er starke Gegner bevorzugt und welche Gefühle er mit dem Scheitern von 1950 verbindet. Der 65-jährige Brasilianer spricht auch darüber, wie er die Kritik am WM-Turnier und die politischen Lage im Land einschätzt. Im Zentrum steht aber die Vorfreude auf ein einmaliges Ereignis – auf das wichtigste Turnier im Land der unbegrenzten Fussball-­ Möglichkeiten. Das sieht der deutsche Nationaltrainer Joachim Löw nicht anders: “Diese WM wird wahrscheinlich alles übertreffen, was man in den letzten Jahren erlebt hat. Ich war zweimal in Brasilien und habe erlebt, T H E F I FA W E E K LY

welche Urkraft in diesem Land herrscht, ­ wenn es um Fussball geht.” Brasilien und der Fussball – das ist eine ­magische Verbindung, eine Liebesbeziehung mit weltmeisterlicher Leidenschaft. Das “Joga Bonito” führte schon fünfmal auf den Thron des Weltfussballs. Das Gelb der brasilianischen Trikots ist quasi ein Markenzeichen der Vollkommenheit und Ästhetik des Spiels. “Es gibt magische Orte des Sports – Wimbledon für Tennis, Ascot für den Reitsport, ­Monte Carlo für die Formel 1 und das Maracanã für den Fussball”, schrieb FIFA-Präsident Blatter in seiner The-Weekly-Kolumne im Rahmen der Gruppenauslosung in Costa do Sauípe. Der ganze Zauber des Maracanã soll aber erst am 13. Juli gegen 18 Uhr (Lokalzeit) spürbar werden, wenn die Seleção zum sechsten Mal die WM-Trophäe gewinnt. Für die Brasilianer wäre es wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag in einem – und Karneval dazu. Å

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Christophe Simon / A FP

Wenn über 20 Nationalcoachs Bett an Bett nächtigen, dann kommt WM-Atmosphäre auf. Doch wo stehen die Mannschaften 100 Tage vor dem Turnier? Ein Augenschein im brasilianischen ­Florianópolis und ein Gespräch mit Heimtrainer Felipe Scolari.

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Ein Hauch von WM in Florianópolis

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Alan Schweingruber, Florianópolis

a stand er nun, der ältere Hotel­ portier, nervös und mit Stift und Zettel in der Hand und wurde kom­ plett überrumpelt. Das eine oder andere Autogramm hatte er sich in seiner Arbeitspause erhofft. Statt­ dessen marschierten die WM-Trai­ ner links und rechts an ihm vorbei, zügig und zielbewusst, in Beglei­ tung ihrer Assistenten. Scolari, Ca­ pello, Deschamps, Van Gaal, Hitz­ feld, Del Bosque, Hodgson, Bento. Hinter dem Angestellten, da wo die 32 Flaggen der Teilnehmerländer wehten, war alles bereit für das grosse Fotoshooting. 20 National­ coachs, die Besten der Branche; Weltmeister, Europameister, Champions-League-Sieger und Landesmeister auf ein paar Quadratme­ tern. Es war eine Aufnahme für die Ewigkeit. Eine, die signalisiert, dass es nicht mehr lange dauert bis zur WM.

Dieser Moment während des FIFA-Team­Workshops in Florianópolis letzte Woche hatte etwas Magisches, weil da ausschliesslich Sieger posierten. Kleine Sieger und grosse Sieger, be­ kannte und weniger bekannte, frische und alt­ eingesessene – aber alles Sieger mit derselben Ausgangslage, qualifiziert für die WM-Endrun­ de. Ruhig und stolz standen sie da, als wären sie unverwundbar. Das sah unter den Nationalflag­ gen so wunderbar historisch aus, dass nur noch die Trompeten fehlten. In drei Monaten, so viel steht fest, schreien und fuchteln diese Männer am Spielfeldrand. Dann müssen Niederlagen verhindert und Siege erkämpft werden. Bis zu 25 Stunden Anreise hatten die Head­ coachs auf sich genommen, um ins Hotel an der kleinen Bucht südlich von São Paulo zu gelan­ gen. Vor allem die Absage von Jogi Löw hatte zu reden gegeben, weil der Deutsche ausgerechnet am ersten Workshop-Tag auf allen TV-Kanälen zu sehen war. Er weilte beim Champions-­ League-Spiel Arsenal gegen Bayern in London. Auch Englands Roy Hodgson wäre dort gerne T H E F I FA W E E K LY

dabei gewesen. Doch nun einmal in Brasilien, bei Sonne, Palmen und einem Bankett am Meer, kehrte die gute Laune beim smarten Engländer schnell zurück. “Man darf uns nicht abschrei­ ben”, s­ agte Hodgson. “Wenn meine Spieler das erreichen, zu was sie imstande sind, dann ha­ ben wir an der WM eine Chance.” Und Mexikos sonst so bedachter Trainer Miguel Herrera meinte: “Vielleicht schreibt Mexiko ja Ge­ schichte in Brasilien, so wie einst Brasilien Ge­ schichte in Mexiko schrieb.” Es herrschte WM-Atmosphäre im Resort. Und überhaupt schien die Reisemüdigkeit nie aufzukommen. Man holte sich die wichtigen Informationen der FIFA, aber man nutzte die Zeit abseits des Workshops auch ­d afür, den Puls bei der Konkurrenz zu fühlen. Beim Früh­ stück, in der Lobby oder beim Jogging am Strand. Wenn nur der alte Portier von diesen Orten gewusst hätte. Å

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Scolari: “Ich weiss jetzt, dass wir es geniessen können” Mit Felipe Scolari sprachen Bruno Sassi und Jonas Oliveira

In 100 Tagen beginnt die WM. Ist Brasilien bereit, den Titel zu holen? Felipe Scolari: Was unsere Planungen für die Weltmeisterschaft angeht, ist Brasilien bereit. Alles ist organisiert, definiert und gut in die Wege geleitet. Wenn wir uns jetzt an diesen Fahrplan halten, wird wahrscheinlich alles gut gehen.

Jedes andere Ergebnis als ein Sieg im Endspiel würde von der brasilianischen Öffentlichkeit als Scheitern gewertet werden. Denken Sie persönlich auch so? Ich denke da vollkommen anders. Ich habe bereits einige Erfahrungen gemacht und ein paar Situationen erlebt, in denen Mannschaften selbst dann von den Fans Beifall bekamen, wenn sie nicht Meister oder Vizemeister geworden sind oder den dritten Platz belegt haben. Viel mehr hängt vom Auftritt des Teams ab. Wenn man an einer Weltmeisterschaft teilnimmt und den Status Brasiliens hat, erwartet natürlich niemand etwas anderes als den Weltmeistertitel. Darauf arbeiten wir auch hin – aber mit dem gebührenden Respekt für die anderen Mannschaften, die ebenfalls mit diesem Ziel in den Wettbewerb gehen. Zu 8

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Hause in Brasilien werden wir unsere Qualität einsetzen, um unser Ziel zu erreichen. Wenn uns das nicht gelingt, dann wird es daran gelegen haben, dass es andere gab, die besser waren als wir.

Steigt der Druck auf die Mannschaft, weil das Turnier im eigenen Land stattfindet? Die Erwartungen sind höher, weil es die zweite WM ist, die in Brasilien stattfindet, und weil wir die Chance haben, das zu erreichen, was wir beim ersten Mal nicht erreicht haben. Aber wir haben starke Gegner, die dasselbe Ziele verfolgen.

Sie haben bereits einen anderen grossen Wettbewerb vor heimischem Publikum bestrit­ ten, und zwar die Europameisterschaft 2004 mit Portugal. Damals mussten Sie sich im Finale gegen Griechenland geschlagen geben. Welche Lehren haben Sie aus dieser Nieder­ lage gezogen? Diese Erfahrung war hilfreich, ich habe jetzt einen besseren Blick dafür, wie wir ein Finale angehen müssen und wie ein Team, das zu Hause in ein Finale einzieht, sich organisieren und arbeiten muss, um das grosse Ziel zu erreichen. Ich weiss, dass wir es geniessen können, zu Hause zu spielen. Gleichzeitig müssen wir uns bewusst sein, dass wir stärker


Agency / fotogloria / freshfocus

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“Ich glaube nicht, dass ein Team aus Afrika im Augenblick in der Lage ist, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen.”

Ansprache. Scolari in einem Training während des Konföderationen-Pokals 2013. Seine Spieler hören ihm zu. Brasilien gewinnt die WM-Hauptprobe.

leiden, wenn wir unser Ziel nicht erreichen. Diese Erfahrungen werden wir bei der Arbeit mit unseren Spielern nutzen können.

Eugene Hoshiko / AP Photo

Wie schätzen Sie die Nationalteams von Mexiko, Kamerun und Kroatien ein, Ihre Gegner in der ersten Runde? Kroatien spielt einen guten, technisch ausgefeilten Fussball. Die Spielweise ähnelt dem südamerikanischen Fussball, der sich durch gute Arbeit am Ball auszeichnet. Diese Mannschaft praktiziert nicht mehr die Spielweise früherer Tage, die an den englischen Stil erinnerte, sondern ist technisch sehr versiert und spielt auf dem entsprechenden

Niveau. Kamerun ist eine afrikanische Mannschaft mit viel technischer Qualität. Oftmals haben wir etwas Bestimmtes von ihnen erwartet und alles kam anders. Oder wir erwarteten nichts – und dann überraschte das Team alle. Mexiko hingegen ist einer unserer traditionellen Gegner. Die Mexikaner spielen hochklassigen, guten Fussball. Die Begegnungen zwischen Brasilien und Mexiko haben Tradition und sind immer kniffelig.

Kommt die Tatsache, dass diese Teams einen technisch ausgefeilten Fussball spielen, Brasilien entgegen? Ja, weil das auch unsere bevorzugte T H E F I FA W E E K LY

Spielweise ist. Wenn wir gegen andere Teams antreten, die ebenfalls guten Fussball spielen, ist das immer interessant für uns. Brasilien hat oftmals schlecht gegen Mannschaften ausgesehen, die eine andere Herangehensweise haben, die eher Anti-Fussball spielen und auf die Zerstörung des gegnerischen Spieles ausgerichtet sind. Da ist es besser, gegen Teams zu spielen, die gut oder sogar besser als Brasilien sind, denn bei solchen Spielen sind wir in der Lage, den Gegner zu schlagen. An Spiele wie beispielsweise gegen Spanien können wir mit dem gewohnten Elan, ohne Aufregung und psychologische Hindernisse herangehen. 11


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Wurde der Rest der Welt durch den Erfolg Spaniens und des FC Barcelona in den letzten Jahren gezwungen, sich mit diesem Kurzpassspiel auseinanderzusetzen? Ich glaube, die Eigenschaften der Spieler, die beim FC Barcelona aktiv waren, haben sich nach und nach ergänzt. Nun analysieren natürlich alle das Wieso und das Warum. Aber diese Art des Fussballs ist auf die Zeit beschränkt, in der sie erfolgversprechend ist. Wir hatten vor Jahrzehnten bereits den italienischen Fussball, den wir sehr gut analysieren mussten, oder auch die deutsche Spielweise. Es gab bereits früher unterschiedliche Eigenschaften, die jeder Trainer genau beobachten und erlernen musste, um einen Nutzen daraus zu ziehen.

Sie trainieren eine solche Traditionsmannschaft. Wie setzen Sie diese Tatsache ein, um Ihre Spieler zu motivieren? Wir halten den Spielern vor Augen, was erreicht wurde. Wir zeigen ihnen, was sie in ihrer eigenen Karriere und mit der Nationalmannschaft erreichen können. Wir machen ihnen deutlich, auf welche Weise Brasilien seine Titel errungen hat: mit Engagement, mit Temperament und mit Klasse. Und wir geben ihnen das Selbstvertrauen, das sie brauchen, um ihre hervorragenden spielerischen Fähigkeiten in die Praxis umzusetzen.

2002, als Sie mit Brasilien Weltmeister wurden, standen Ihnen Ausnahmespieler wie Cafu, Roberto Carlos, Rivaldo, Ronaldinho und

und dies auch unseren Spielern vermitteln, damit auch sie eine Grenze ziehen und sich auf ihre Aufgabe auf dem Spielfeld konzentrieren können. Jeder hat seine eigene Meinung, aber jeder Spieler muss die gesamte Konzentration, die Aufmerksamkeit und den Fokus allein auf die Aufgabe richten, für die er berufen wurde. Es gab emotionale Reaktionen der Spieler. Wir sprechen offen darüber und sie können ihre Meinung über die sozialen Netzwerke kundtun. Aber in der Mannschaft haben wir unsere Regeln und an die halten wir uns.

Sie waren zwei Jahre alt, als die Weltmeisterschaft zum ersten Mal in Brasilien stattfand ... An den Einzug von Brasilien ins Finale 1950 kann ich mich natürlich nicht erinnern.

“Beim WM-Titel 2002 war vielleicht die Erfahrung entscheidend. Aber wer weiss, ob heute nicht Dynamik und Spielfreude wichtiger sind.”

Für eine Überraschung schon. Aber den Weltmeistertitel zu holen, wird sehr schwer werden, weil die Fussballmächte noch immer bessere Möglichkeiten haben. Sie können auf eine Tradition zurückblicken und spielen kompakter. Das sind Mannschaften, die mehr Erfahrungen vorweisen können und mehr gute Spieler zur Verfügung haben. Das erhöht die Erfolgschancen. Es mag die eine oder andere europäische oder südamerikanische Mannschaft in der Aussenseiterrolle geben, die eine Chance hat. Ich glaube allerdings nicht, dass ein Team aus Afrika oder Asien im Augenblick in der Lage ist, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen. 12

Ronaldo zur Verfügung. Ist diese neue Generation genauso stark wie die vorherige? Man kann nicht nur das Talent vergleichen. Die Auswahl von 2002 hatte mehr Erfahrung. Das aktuelle Team hingegen verfügt über viel Spielfreude und Dynamik. Damals war vielleicht die Erfahrung entscheidend, aber wer weiss, ob heute nicht Dynamik und Spielfreude wichtiger sind.

Die WM rückt näher, es ist viel von organisatorischen Problemen, Verspätungen beim Stadionbau und politischen Scharmützeln die Rede. Lassen Sie sich davon auf irgendeine Weise beeinflussen? Nein. Ich sorge dafür, dass uns solche Umstände nicht beeinflussen, denn sie betreffen uns nicht. Wir sind natürlich als Menschen, als Bürger und als Brasilianer betroffen, müssen hier aber klar unterscheiden können T H E F I FA W E E K LY

Die meisten Leute haben eine bittere Erinnerung an unsere Niederlage gegen Uruguay. Da bin ich ganz anderer Meinung. Die damaligen Spieler haben eine Tür aufgestossen und uns auf einen Weg gebracht, der uns fünf Weltmeistertitel eingebracht hat. Das ist die Sichtweise, die ich weitergebe, die ich den aktuellen Spielern über ihre Vorgänger bei der WM von 1950 vermittle.

Was werden Sie am 13. Juli um 16 Uhr tun? Na ja, ich weiss, dass am 13. Juli das Finale stattfindet. Wenn es also um 16 Uhr beginnt, werde ich am Spielfeldrand stehen und mich vorbereiten. Ich habe dann schon voller Freude, Inbrunst und Dynamik die Nationalhymne gesungen und hoffe, dasselbe von meinen Spielern und dem Publikum sagen zu können. Å

Oleg Popov / Reuters

Sie haben auch in arabischen Ländern gearbeitet und kennen den Weltfussball sehr gut. Glauben Sie, dass eine asiatische oder afrikanische Mannschaft bei dieser WM für eine Überraschung sorgen kann?


Jubel. Brasilien gewinnt in Japan den WM-Titel 2002. Scolari wird von Ronaldo (l.) zur Brust genommen. Roberto Carlos (r.) und Kaka (oben) freuen sich ebenfalls 端ber den zweiten Treffer im Finale gegen Deutschland.

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A FIFA World Cup in Brazil is just like Visa: everyone is welcome.

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2,3 Millionen Tickets in den Händen der Fans Der Löwenanteil der WM-Tickets ist verteilt. Fast 60 Prozent erhielten die brasilianischen Fans.

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ie Brasilianer waren die eifrigsten: 906 433 der insgesamt 1,5 Millionen über­ FIFA.com vergebenen Tickets ergatterten sie - stolze 57 Prozent. Samba-Rhythmen werden in den WM-Stadien erwartungsgemäss die Schlachtrufe für andere Mannschaften übertönen, aber nicht völlig verdrängen. Denn die internationalen Fans halten die restlichen 43 Prozent der bisher vergebenen Tickets in ihren Händen. Sie werden vorallem aus den USA (125 465 Tickets) nach Brasilien reisen, gefolgt von Kolumbien (60  231), Deutschland (55  666), Argentinien (53 809), England (51 222), Australien (40 446), Frankreich (34 971), Chile (32189) und Mexiko (30 238). Werden zu diesen Zahlen noch die über weitere Verkaufskanäle, wie beispielsweise das offizielle Hospitality-Programm, verteilten Tickets gerechnet, kamen in den bisher erfolgten Verkaufsphasen insgesamt 2,3 Millionen Fans an die ersehnte Eintrittskarte für ein WM-Spiel.  

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Wem das viel erscheint, der ahnt nicht mal ansatzweise wieviele Fans weltweit nach den begehrten Karten lechtzen: Knapp zehn Millionen WM-Fans aus 228 Ländern bestellten in den ersten zwei Verkaufsphasen Tickets – ob sie erfolgreich waren oder nicht, werden sie bis spätestens am 11. März 2014 per Mail oder SMS erfahren. “Wir dürfen im Juni und Juli bei allen Spielen eine unglaubliche Atmosphäre in den Stadien erwarten, so wie wir es schon beim Konföderationen-Pokal im letzten Jahr erlebt haben”, sagt der für das Ticketing zuständige FIFA-Direktor Thierry Weil. Die Vergabe der 290 000 Tickets an die Fans der teilnehmenden

Teams zeige zudem eine stärkere Ausgewogenheit bei der Ticket-Zuteilung. “Die Teams können sich auf die Unterstützung ihrer Fans in den zwölf Stadien in Brasilien verlassen, das beweist diese enorme Vorfreude auf die WM in allen Ecken der Welt”, ist sich Thierry Weil sicher.

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Doch noch ist der Kampf um die begehrten Tickets nicht zu Ende. Die verbliebenen 160  000 Eintrittskarten werden ab dem 12. März 2014 um 8 Uhr brasilianischer und 12  Uhr mitteleuropäischer Zeit exklusiv auf FIFA.com angeboten. Wer zugreifen möchte, sollte pünktlich vor dem Bildschirm sitzen, denn der Ansturm könnte einmal mehr gross werden. In der ersten “First Come, First Served”­ -Verkaufsphase im November 2013 waren sämtliche Karten innerhalb von nur sieben Stunden vergeben. Für den Besuch der WM-Spiele im Stadion müssen alle Zuschauer, auch Kinder jeden Alters,

ein eigenes Ticket besitzen. Willige Ticket­ käufer sollten über ausreichend Guthaben für ihre jeweilige Zahlungsmethode verfügen – die Zahlung wird bei erfolgreicher Bestellung sofort belastet, andernfalls wird der Auftrag storniert. Tickets werden für alle Spiele mit Ausnahme des Eröffnungsspiels in São Paulo, des Endspiels in Rio de Janeiro, der Spiele England gegen Italien und USA gegen Portugal (beide in Manaus), der Achtelfinalpartien in Porto Alegre und São Paulo sowie des Halb­finales in Belo Horizonte angeboten. Einzige Verkaufsplattform ist FIFA.com, die FIFA hat keine anderen Unternehmen damit beauftragt, Tickets zu verkaufen. Fans sollten lieber die Finger von Sonderangeboten lassen: Sie könnten bei Spielbeginn vor verschlossenen Toren stehen. Å

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WEGWEISENDE FIFA-ENTSCHEIDUNG IM MAI 1928 Obwohl die FIFA schon 1905 über ein internationales Fussballturnier diskutierte, wurde die Idee damals wieder verworfen. Konkreter agierte drei Jahre später das Internationale Olympische Komitee (IOK): Es organisierte ab 1908 Fussballturniere im Rahmen der Olympischen Spiele. Zu diesen Spielen waren jedoch nur Amateurspieler zugelassen. Bis ein erstes internationales Turnier stattfand, das auch allen Mitgliedsverbänden und Amateur- oder Profifussballern offen stand, dauerte es weitere 22 Jahre. Am 25. Mai 1928, beim FIFA-Kongress in Amsterdam, nahmen die 29 Nationalverbände den Vorschlag “Internationale Meisterschaft” des Franzosen Henri Delaunay an. Sein langfristiger Plan: eine Fussball-Weltmeisterschaft im Vierjahres-­ Rhythmus. So machten sich 1930 zwölf Nationalmannschaften auf nach Uruguay. Die europäischen Mannschaften reisten mit dem Schiff nach Montevideo. Vom 13. Juli bis 30. Juli trugen die 13 Teams den ersten Weltpokal aus. Das Turnier gewann Gastgeber Uruguay.  Yvonne Lemmer

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Coaching Klinik Cesare Prandelli (Italien) “Wir werden uns bis ins letzte Detail vorbereiten, um das Finale zu erreichen. Die Favoriten sind Brasilien, Argentinien, Deutschland und Spanien. Dann kommen wir. Mit unseren erfahrenen Spielern aber auch den vielen talentierten Jungen schaue ich optimistisch in die Zukunft Italiens. Die Zukunft gehört uns!”

Ange Postecoglou (Australien) “Die Vorfreude in Australien ist gross. Wir wollen uns gut vor­ bereiten. Die richtige Akklima­ tisation in Brasilien ist wichtig. Wir werden als eines der ersten Teams da sein.”

Fabio Capello (Russland) “Nach zwölf Jahren wieder bei einer WM dabei zu sein, ist schon etwas Besonderes, umso mehr, weil sie in Brasilien stattfindet. Schliess­ lich schlägt dort das Herz des Fussballs.”

Alberto Zaccheroni (Japan) “Die japanische Kultur ist eine Wachstumskultur, nicht nur im Fussball, sondern in allen Aspek­ ten des Lebens. Daher glaube ich, dass Japan in einiger Zeit auf Weltniveau zu den Protagonisten gehören wird.”

Fabio Capello Russland 16

Cesare Prandelli Italien

Alberto Zaccheroni Japan

Carlos Queiroz (Iran) “Wir gehören nicht zu den Favoriten und ich weiss, dass es vor der Endrun­ denauslosung 31 Teams gab, die Iran in ihre Gruppe gelost bekommen wollten. Doch unser Ziel besteht nun darin, vielleicht dafür zu sorgen, dass einige denken werden, sich dies besser nicht gewünscht zu haben.”

Didier Deschamps (Frankreich) “Es kommt bei der WM auf den Mannschafts­ geist an. Frische kann auch eine wichtige Rolle spielen. Wir werden vom Beginn der Vorberei­ tung bis zum Ende des Turniers über mehrere Wochen zusammen sein. Mit dem Zusammen­ leben allein gewinnt man zwar keine Spiele, aber ohne das erst recht nicht.”

Niko Kovac (Kroatien) “Das sind gute Mannschaften, die ihre Stärken und Schwächen haben. Wir haben sie sorgfältig analysiert und werden uns gut vorbereiten.”

Ange Postecoglou Australien

Carlos Queiroz Iran T H E F I FA W E E K LY

Niko Kovac Kroatien

Didier Deschamps Frankreich


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Jürgen Klinsmann (USA) “Die Erwartungen in den Staaten sind gewachsen. Schliesslich hat sich das Land seit 1990 sieben Mal nacheinander für die Endrunde qualifiziert. Trotz der schwierigen Gruppe schaue ich dem Turnier positiv entgegen: Wir haben ein junges, hungriges Team, das auf das erfolgreichste Jahr der Geschichte zurückblickt.”

Jorge Sampaoli (Chile) “Man kann sagen, dass Chile zu den Herausforderern gehört. Wir werden es nicht zulassen, dass unsere Kontrahenten uns verändern. Wir werden jedem Gegner auf Augenhöhe begegnen.”

Joachim Löw (Deutschland) “Diese WM wird wahrscheinlich alles übertreffen, was man in den letzten Jahren erlebt hat. Ich war zweimal in Brasilien und habe erlebt welche Urkraft in diesem Land herrscht, wenn es um Fussball geht. Es wäre ein Traum, am 13. Juli in Rio de Janeiro im Finale zu stehen.”

Paulo Bento (Portugal) “Wir hoffen, dass Brasilien uns herzlich empfangen wird. Wir haben hart dafür gekämpft, dabei zu sein, nicht nur wegen des Turniers, sondern weil es hier stattfindet, wo vieles aus unserer Kultur bis heute vorhanden ist.”

Getty Images / Keystone / AFP / Imago / Reuters / Corbis

Reinaldo Rueda (Ecuador) “Ich war 2010 der Coach von Honduras – und jetzt hat das Schicksal mir meine alte Mannschaft als Vorrunden-Gegner zugelost. So ist der Fussball und so ist das Leben. Natürlich sind die Schweiz und Frankreich die Favoriten in unserer Gruppe, aber wir werden um unsere Chance kämpfen.”

Jürgen Klinsmann USA

Joachim Löw Deutschland

Louis van Gaal (Niederlande) “Zum Glück starten wir nicht in der heissesten Region Brasiliens in das Turnier, und auch die Reisezeiten könnten schlimmer sein. Das wird der Regeneration der Spieler zugutekommen. Wir können unser Trainingslager wie geplant in Rio de Janeiro aufschlagen.”

Reinaldo Rueda Ecuador

Jorge Sampaoli Chile

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Marc Wilmots (Belgien) “Wenn man ins Achtelfinale kommt, kann alles passieren. Meine Mannschaft ist heiss. Wir haben Vertrauen und Qualität. Ich bin mir sicher, dass wir gegen jede Mannschaft gewinnen ­können, wenn die Tagesform stimmt.”

Alejandro Sabella (Argentinien) “Die Weltmeisterschaft findet sozusagen in unserem Hinterhof statt, doch wir dürfen nicht vergessen, dass der Eigentümer dieses Hinterhofs der fünfmalige Weltmeister ist.”

Paulo Bento Portugal

Louis van Gaal Niederlande

Alejandro Sabello Argentinien

Marc Wilmots Belgien 17


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Hong Myung-Bo (Südkorea) “Eine WM ist ein ganz besonderes Ereignis, das eine gründliche Vorbereitung erfordert. Den jungen Spielern meine Erfahrungen zu vermitteln ist nicht ganz leicht, zumal die meisten von ihnen zum ersten Mal bei einer WM-Endrunde dabei sein werden. Das Wichtigste für sie ist, dass sie für diese Aufgabe bereit sind.”

Fernando Santos (Griechenland) “Es ist etwas ganz Besonderes, dass Griechenland bei der WM dabei ist. Das Land steckt in einer Krise und unsere WM-Teilnahme wird dem Volk enorm gut tun. Für mich als Portugiese hat das Turnier ohnehin einen speziellen Charakter. Brasilien ist ein Bruderland.”

Roy Hodgson (England) “Ich glaube, dass man uns nicht abschreiben sollte. Wenn meine Spieler das erreichen, zu was sie manchmal imstande sind, dann haben wir eine Chance.”

Sabri Lamouchi (Elfenbeinküste) “Wir setzen uns keine Grenze! Das erste Ziel besteht darin, es besser zu machen als bei den letzten beiden Auflagen, das heisst, die Gruppenphase zu überstehen.”

Oscar Tabarez (Uruguay) “Wir sind die Spielverderber. In Südafrika schlugen wir die Heimmannschaft mit 3:0 und sie schieden als erster WM-Gastgeber der Geschichte in der ersten Runde aus. Dann schlugen wir den letzten Vertreter Afrikas, Ghana, und zogen ins Halbfinale ein. Wir gewannen auch ausgerechnet in Argentinien unsere 15. Copa America. Davor waren wir mit 14 Titeln gleichauf mit Argentinien.”

Hong Myung-Bo Südkorea 18

Fernando Santos Griechenland

Oscar Tabarez Uruguay

Volker Finke (Kamerun) “Die Erwartungshaltung kurz vor der WM ist deutlich geprägt von der Hoffnung, dass wieder bessere Zeiten anbrechen. Der lokale Fussball ist am Boden, hier funktioniert überhaupt nichts. Jetzt ist aber die Riesenchance da, daraus etwas zu machen.”

Luis F. Suarez (Honduras) “Ich bin sicher, dass dies die beste WM aller Zeiten wird. Alles spricht in Honduras über unsere Chancen. Die Leute erwarten etwas Grosses. Die meisten Menschen in Latein­ amerika empfinden Brasilien als unseren besten Vertreter. Daher sehen wir diese WM in gewisser Weise als unsere.”

Vahid Halilhodzic (Algerien) “Der Fussball hat mich manches Mal leiden lassen, doch er hat mir auch viel gegeben. Ich bin ihm zum Dank verpflichtet.”

Roy Hodgson England

Sabri Lamouchi Elfenbeinküste

Louis F. Suarez Honduras

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Volker Finke Kamerun

Vahid Halilhodzic Algerien


N O C H 10 0 TAG E

Miguel Herrera (Mexiko) “Das Turnier wird sensationell und es gibt keinen Zweifel daran, dass Mexiko bei der WM ganz anders auftreten wird als in der Qualifikation. Vielleicht schreibt Mexiko ja sogar Geschichte in Brasilien, so wie einst Brasilien Geschichte in Mexiko schrieb.”

Safet Susic (Bosnien-Herzegovina) “Es ist in erster Linie eine grosse Freude, bei der WM dabei zu sein. Es gibt keinen Trainer und auch keine Mannschaft auf der Welt, die nur zur WM fährt, um dabei sein zu wollen. Wir wollen die erste Runde überstehen.”

José N. Pékerman (Kolumbien) “Ich freue mich sehr für die Spieler und für alles, was sie geleistet haben. Denn sie haben alles gegeben, damit Kolumbien hier sein kann, und sie geniessen diesen Moment sicherlich. Nun können wir sehen, wo wir stehen.”

Kwesi Appiah (Ghana) “Ich glaube, dass wir über einige der besten Spieler der Welt verfügen, und ich habe grosses Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Nichts kann uns daran hindern, den Pokal zu gewinnen.”

Getty Images / Keystone / AFP / Imago / Reuters / Corbis

Jorge Luis Pinto (Costa Rica) “Die Gruppe macht mir keine Angst. Im Gegenteil, denn diese grossen Mannschaften motivieren uns umso mehr. Wir träumen davon, über die erste Runde hinauszukommen, und werden neben Italien weiterkommen.”

Safet Susic Bosnien-Herzegovina

José N. Pékerman Kolumbien

Jorge Luis Pinto Costa Rica

Miguel Herrera Mexiko

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Vicente del Bosque (Spanien) “Wir haben die Qualität und die Erfahrung, die es braucht, um den Titel zu gewinnen. Unsere Spieler sind in Spanien, aber auch in den anderen europäischen Top-Ligen engagiert. Die Leistungen aus den Meisterschaften sind die Basis für die Nationalmannschaft.”

Ottmar Hitzfeld (Schweiz) “Unser primäres Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen. Dann gibt es keine Grenzen. Aber jetzt schon vom Viertelfinale zu sprechen, wäre ­vermessen.”

Stephen Keshi (Nigeria) “Ich bin schon sehr aufgeregt und kann es kaum erwarten, nach Brasilien zu kommen. Jeder Spieler träumt davon, bei einer WM zu spielen. Es geht um Fussball auf ­höchstem Niveau.”

Stephen Keshi Nigeria

Vicente del Bosque Spanien

Kwesi Appiah Ghana

Ottmar Hitzfeld Schweiz 19


First Love Ort: Recife, Brasilien D at u m : 17. Ju n i 2 0 1 3 Zeit: 10. 36 Uhr


Marcos Brindicci / Reuters

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BLICK IN DIE LIGEN

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N Hyundai A-League

Marquee Players und ein Maestro Jordi Punti ist Romanautor und Verfasser zahlreicher Fussball-­ Features in den spanischen Medien.

Darrian Traynor / Getty Images

Man sollte sich vielleicht einmal die Mühe machen, die Trainer, die sich rund um den Erdball die Philosophie des FC Barcelona – oder besser gesagt diejenige Pep Guardiolas – zu eigen gemacht haben, auf einer Karte zu verzeichnen. Da wäre beispielsweise Óscar Garcia, der den englischen Zweitligisten Brighton & Hove Albion trainiert, nachdem er im vergangenen Jahr in der israelischen Liga mit Maccabi Tel Aviv Meister geworden ist. Zu den Weltenbummlern, den der auf Ballbesitz ausgerichtete Fussball in noch weitere Ferne geführt hat, gehört Josep Gombau, der aktuelle Trainer von Adelaide United in Australien. Gombau arbeitete sechs Jahre lang als Trainer in der Nachwuchsabteilung des FC Barcelona, zeitgleich mit Frank Rijkaard und Pep Guardiola, und wechselte später nach Hongkong. Dort trainierte er den Kitchee SC und holte mit dem Klub zwei Ligatitel. In dieser Saison übernahm Gombau das Ruder bei Adelaide, und der Auftakt war nicht gerade vielversprechend: In neun Partien konnte er nur einen einzigen Sieg verbuchen. Es ist nicht einfach für die Spieler, mit einer Spielweise zurechtzukommen, die auf technischer Qualität und Kurzpassspiel basiert, aber der Klub setzte in schwierigen Zeiten auf ihn und inzwischen ist die Kritik verstummt und zudem grossem Lob gewichen. Mit nur einer Niederlage in den letzten zehn Spielen hat sich Adelaide auf den vorderen Tabellenpositionen festgesetzt und strebt nun nach dem Einzug in die Finalrunde. Die letzte Partie war hart umkämpft und endete mit einer 3:4-Niederlage gegen Melbourne Victory, aber diese Niederlage wirft den Klub nicht aus dem Rennen. Dies ist ein Beleg dafür, wie ausgeglichen die Verhältnisse in der A-League in dieser Saison sind. Ein weiteres Beispiel dafür ist der unangefochtene Tabellen­ führer Brisbane Roar, der sich am Sonntag gegen Schlusslicht Melbourne Heart 0:1 geschlagen geben musste. Während Gombau versucht, seine Spielweise fest zu verankern, ist sein grösster Widersacher möglicherweise der australische Wettbewerb selbst, der in psychologischer Hinsicht einer

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Achterbahnfahrt mit vielen Höhen und Tiefen ähnelt. “Wir Fans sind anspruchsvoll, vielleicht weil wir möchten, dass unsere Spieler den echten Stars ähnlich sind”, erklärt mir Robert Schofield, ein Krimi-Autor, den ich beim literarischen Festival von Perth kennengelernt habe. Robert lebt und arbeitet in Perth und ist Anhänger von Perth Glory. Er ist sich der begrenzten Möglichkeiten des Fussballs in Australien durchaus bewusst: “Wir Fans gehen ins Stadion, um unser Team pausenlos anzufeuern, genauso wie wir es bei einem Footballoder Rugby-Spiel tun würden. Der Spielrhythmus ist allerdings manchmal langsam, wobei wir andererseits aber das Glück haben, viele Tore zu sehen.” Für Robert stehen die sogenannten Marquee Player im Zentrum der Debatte. Dabei handelt es sich um Spieler, deren Gehalt die für die Liga festgelegte Obergrenze überschreiten darf. Jedes Team darf drei Marquee Player haben, und zwar einen ausländischen Spieler, einen Australier und einen Akteur unter 23 Jahren. Unter den ausländischen Spielern sind derzeit Emile Heskey (Newcastle, von Aston Villa verpflichtet), William Gallas (Perth Glory, von Tottenham verpflichtet) sowie Alessandro Del Piero die bekanntesten. Letzterer spielt für den FC Sydney, hat dort einen Zweijahres­ vertrag und ist die teuerste Verpflichtung in der Geschichte der A-League. “Del Piero ist ein Paradebeispiel für das, was ich gerade gesagt habe”, erläutert Robert. “Solche Spieler können

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gleichzeitig das Problem und die Lösung für einen Fussball sein, der nur teilweise professionell ist und von privaten Lizenznehmern abhängt. Mit seinen 39 Jahren ist der Italiener nicht gerade spritzig, er geht mehr, als dass er läuft laufen, aber er sorgt dafür, dass seine Mitspieler laufen. Seine Klasse zeigt sich in Vorlagen und Spielzügen an der Strafraumgrenze.” Die A-League besteht aus 27 regulären Spiel­ tagen, an denen die neun australischen Teams sowie Wellington Phoenix aus Neuseeland in drei Runden gegeneinander antreten. Die sechs besten Teams kämpfen in einer Playoff-Runde um den Titel. Alessandro Del Piero erzielte in der vergangenen Saison 14 Treffer und hat jetzt, sieben Spieltage vor dem Ende der regulären Spielzeit, bereits acht Tore auf dem Konto. Am vergangenen Wochenende spielte er beim 2:0-Sieg des FC Sydney gegen die Newcastle Jets eine Schlüsselrolle. Er erzielte einen Treffer vom Elfmeterpunkt und lieferte die Vorlage für einen weiteren. In der Presse wird er als der “italienische Maestro” bezeichnet. Während die Aushängeschilder des australischen Nationalteams in der Regel im Ausland unter Vertrag stehen, ist die A-League eine kuriose Mischung aus vielversprechenden Nachwuchsspielern, die auf einen besseren Fussball hoffen, und Altstars, die von der niedrigeren Gangart des Wettbewerbs profitieren. Å

Indirekter Freistoss Die Spieler des Leaders Brisbane Roar verloren bei Melbourne Heart 0:1. T H E F I FA W E E K LY

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Österreichische Bundesliga

Red Bull – und Grödig Sven Goldmann ist Fussball­ experte beim “Tagesspiegel” in Berlin.

Es ist ein bisschen langweilig geworden im österreichischen Fussball. Kritiker mögen einwenden, dass es da noch nie besonders spannend war, denn: Jahrzehntelang haben die untereinander aufs Bitterste verfeindeten Wiener Klubs Rapid und Austria die Meisterschaft unter sich ausgespielt. Oder doch wenigstens die Gegner­ schaft aus Innsbruck oder Salzburg oder Graz geärgert, wenn die denn auch einmal ganz oben mitmachen durfte.

Nach 24 von 36 Spieltagen ist die Meisterschaft zur Farce verkommen. Und was die Sache aus Wiener Sicht noch schlimmer macht: Der erste, nun ja, Verfolger ist nicht Rapid und auch nicht die Austria, sondern der SV Grödig, der Aufsteiger aus dem Salzburger Land. Am 24. Spieltag eroberte Grödig ein 0:0 bei Rapid. Noch vor ein paar Monaten kannte kaum jemand ausserhalb Österreichs diesen Klub. Sein gerade 4000 Zuschauer fassendes Stadion liegt nur ein paar Kilometer entfernt von der High-Tech-Arena der Roten Bullen.

Grödig spielt vorne mit Florian Hart (l., SV Grödig) entwischt Marcel Sabitzer (Rapid Wien) beim 0:0 in Wien.

das Zentrum des österreichischen Fussballs, ist nur noch Provinz. Das schmerzt die Traditionalisten, und es dürfte mehr sein als nur eine Momentauf­ nahme. Vielleicht werden sich die aufmüpfi­ gen Grödiger irgendwann wieder einordnen müssen im Fussvolk der Bundesliga. Aber Red Bull spielt wohl auf absehbare Zeit in einer anderen Liga. Dank der Alimentierung des Brauseherstellers verfügt das Konstrukt aus Salzburg über finanzielle Möglichkeiten, von denen sie in Wien nicht einmal zu träumen

“Erster Verfolger von Red Bull Salzburg ist der Aufsteiger SV Grödig.” Dass Grödig die Prominenz aus Wien immer noch auf Distanz hält, ist ein Zeichen dafür, dass sich die Machtverhältnisse im öster­ reichischen Fussball verschoben haben. Zwei Klubs aus Salzburg geben den Ton an. Wien, von Mathias Sindelar in den Dreissigerjahren bis Herbert Prohaska in den Achtzigerjahren 24

wagen. Und nach ein paar Jahren des unsiche­ ren Herumtapsens haben die Salz­burger ihre wirtschaftliche Potenz jetzt auch mit sportli­ cher Kompetenz angereichert. Verantwortlich dafür sind – ausgerechnet – zwei Deutsche: Sportdirektor Ralf Rangnick, T H E F I FA W E E K LY

ehedem Trainer in Hannover, Schalke und Hoffenheim. Und Roger Schmidt, er hat zuvor beim deutschen Zweitligisten Paderborn gearbeitet und dem Klub jetzt das beschert, wovon der Klubsponsor Dietrich Mateschitz schon seit Jahren träumt: Red Bull Salzburg ist international konkurrenzfähig. Zwar hat es zum mittlerweile sechsten Mal seit dem Einstieg des Brauseherstellers nicht für einen Platz in der Champions League gereicht. Dafür wirbelt Red Bull die Europa League durcheinander. Im Hinspiel des Sechzehntelfinales gab es einen 3:0-Sieg bei Ajax Amsterdam. Frank de Boer, der Weltstar auf der Trainerbank der Holländer, sagte: “Wir hatten keine Chance. Nicht, weil wir so schlecht waren. Sondern weil Salzburg so gut war!” So etwas haben sie in Wien lange nicht mehr gehört. Å Herbert P. Oczeret / Keystone / A PA

In diesem Jahr aber ist alles anders. Austria und Rapid kreiseln immer noch im Dunst der Tabellenspitze, aber der Dunst ist so dicht, dass die Spitze kaum mehr zu sehen ist. Dort thront die neureiche Konkurrenz von Red Bull Salzburg, deren Vorsprung nach dem 6:1-Sieg am Sonntag gegen Admira Wacker Mödling auf 19 Punkte angewachsen ist.


Jordanische Premier League

Konzentration auf die Jugendförderung

“Der Übergang zum Profitum war angesichts der hohen finanziellen Belastungen nicht leicht.”

Andrew Warshaw ist Redakteur von Inside World Football.

Die jordanische Premier League mit ihren zwölf Teams findet außerhalb des Landes kaum Beachtung. Doch die Funktionäre sind überzeugt, dass die jüngsten Ergebnisse der Nationalmannschaft, die es in der WM-Qualifikation bis in die Playoffs schaffte, dem Fussballsport auch auf Vereinsebene einen wichtigen Schub verleihen werden. Trotz der deutlichen Niederlage gegen Uruguay im Duell um den letzten Startplatz bei der WM in Brasilien sorgte allein die Tatsache, dass Jordanien es überhaupt so weit schaffen konnte, für enormen Nationalstolz – schliesslich gehört das Land nicht eben zu den führenden asiatischen Fussballnationen. Wer den jordanischen Fussball etwas genauer verfolgt, kann berichten, dass das Rennen um den Meistertitel Jahr für Jahr von den beiden gleichen Teams beherrscht wird – ganz ähnlich wie beispielsweise in Spanien. Es handelt sich um zwei Klubs aus der Hauptstadt Amman, nämlich

Al-Wehdat und Al-Faisaly, die es zusammen auf 44 Meistertitel bringen und traditionell um die Vorherrschaft kämpfen. Selten einmal gelingt es einem anderen Team, die Dominanz dieser beiden Klubs zu brechen. Ein Beispiel ist Shabab Al-Ordon, ein relativ junger Klub, der vor zehn Jahren den direkten Aufstieg in die höchste Liga schaffte und dann auf Anhieb Meister wurde. Auch in der vergangenen Saison lag der Klub am Ende ganz vorn. Die aktuelle Saison läuft noch bis Ende Mai. Zwei Teams steigen ab und zwei aus der 16 Mannschaften starken zweiten Liga steigen auf. Derzeit deutet alles auf einen knappen Saisonausgang hin. Al-Faisaly und Al-Wehdat standen am ver­­gangenen Wochenende gleichauf an der Spitze, zwei Punkte vor dem Tabellenvierten Al-Ramtha, dazwischen liegt noch Al-Buga’a auf Platz drei. 1932 gegründet ist Al-Faisaly der mit Abstand älteste Klub Jordaniens. Die Spiele gegen die 'Greens Ultras' von Al-Wehdat, in deren Reihen mehrere Spieler mit palästinensischen Wurzeln spielen, ziehen oft 20.000 Zuschauer an. Eine

ähnliche Unterstützung ist für die anderen Klubs völlig undenkbar. Die Partien der jordanischen Premier League finden nicht selten vor nicht einmal tausend Fans statt. Doch in Folge eines kürzlich abgeschlossenen TV-Vertrages ist man optimistisch, dass die Zukunft auch in Bezug auf Investitionen rosig aussieht. Vor zwei Jahren übernahm ein jordanischer TV-Kanal von Al-Jazeera die Übertragungsrechte für die Premier League und die Pokalspiele. Der mit zwei Millionen Dollar dotierte Vertrag erlaubt die Übertragung im Free-TV. “Unser wichtigstes Ziel war es, so viel finanzielle Einnahmen wie möglich zu erzielen und gleichzeitig die weiterhin kostenlose Ausstrahlung sicherzustellen", so ein Sprecher des jordanischen Fussballverbandes, der untrennbar auch mit dem Klubfussball verwoben ist. “Das war eine sehr wichtige Voraussetzung. Aber das Problem der Zuschauerzahlen hängt nicht nur mit der TV-Berichterstattung zusammen. Man muss bedenken, dass das Profitum in Jordanien noch in den Kinderschuhen steckt.” Nach den aktuellen Bestimmungen müssen Premier-League-Teams mindestens 16 Profis im Kader haben. Es sind maximal drei Ausländer zulässig, von denen die meisten aus den umliegenden Ländern in Asien und Afrika kommen. “Der Übergang zum Profitum war angesichts der hohen finanziellen Belastungen nicht leicht”, so der Verbandssprecher. Problematisch ist auch die Infrastruktur, denn viele Teams müssen sich das Stadion mit anderen teilen. Manchmal müssen sogar "Heimspiele" in anderen Spielstätten ausgetragen werden. Doch es gibt auch positive Entwicklungen. So nahm Shabab Al-Ordon kürzlich als erstes jordanisches Team an der Vorrunde der asiatischen Champions League teil, was für die Entwicklung des jordanischen Fussballs ein wichtiger Meilenstein war. Dies und der beispiellose Erfolg der Nationalmannschaft hat die Dynamik des Fussballs in Jordanien verändert und bei großen Unternehmen zu verstärktem Interesse an einer Sponsorentätigkeit geführt. Nun liegt die Konzentration auf der Jugendförderung. Zwar hat das Land noch einen langen Weg vor sich, wenn es das Niveau einiger Nachbarn erreichen will, aber das Selbstbewusstsein steigt. Gleiches gilt auch für die Resultate: Kürzlich belegte Jordanien bei der AFC U-22-Meisterschaft in Oman den dritten Platz. Å

Gemeinsam zum Erfolg Bei Al-Faisaly träumt man erneut vom Titel. T H E F I FA W E E K LY

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DEBAT T E

Wächter des Regelwerks

Fussball-Nachhilfe 1930 In der Springfield Council School in Sheffield weiht der Lehrer H.B. Kinman seine Schüler in die Geheimnisse des Spiels ein.

Thomas Renggli und Perikles Monioudis

“D

er Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten.” Das sagte die deutsche Trainerlegende Sepp Herberger. Daran gibt es nichts zu deuteln. Was über diese Binsenweisheit hinausgeht, liegt in den Händen des International Football Assocication Board. Das ­Gremium mit acht Stimmen entscheidet über Modifikationen und Änderungen des Regelwerks – seit 128 Jahren. Das erste IFAB-Treffen fand am 2. Juni 1886 auf Anregung des englischen Verbandes statt – unter Beteiligung von je zwei Vertretern der vier britischen Verbände (England, Schottland, ­Wales und Irland). In einer Zeit, in der kein einheitliches Regelwerk bestand, avancierte das IFAB in der Bestrebung um eine Standardisierung zum Hüter der Regeln. Die FIFA erkannte 26

bei ihrer Gründung 1904 die Oberhoheit des IFAB in Regelfragen an. 1906 übernahm Daniel Burley Woolfall, ehemaliger Vorsitzender des englischen Fussballverbands, vom Franzosen Robert Guérin die Präsidentschaft der FIFA. Im selben Jahr trat der englische Verband der FIFA bei, und im Jahr 1913 wurde die FIFA Mitglied des IFAB. An die Stelle des gesamtirischen Verbands rückte der nordirische. Am 1. März trifft sich das IFAB in Zürich – unter dem Vorsitz von FIFA-Präsident ­Blatter – zu seiner 128. Jahresversammlung. Hinsichtlich der Spielregeln wird es Vorschläge zur Änderung von Regel 4 (“Ausrüstung der Spieler”) erörtern: die Verwendung von Kopfbedeckungen, nun da die vom IFAB 2012 einstimmig genehmigte Versuchsphase zu Ende geht, und Slogans oder Werbung auf Unterwäsche. T H E F I FA W E E K LY

Das Board wird ferner eine Änderung ­ iskutieren, die für mehr Flexibilität bei Ausd wechslungen im Amateur- und Hobbyfussball sorgen soll (“Rolling Subs”), die Regel 12 (“Fouls und unsportliches Betragen: Handspiel”) sowie den Einsatz elektronischer Systeme zur Leistungskontrolle. Unter “Verschiedenes” werden die Einführung einer “Strafbank” im Hobbyfussball diskutiert, feldverweiswürdige Vergehen (“Dreifachbestrafung”) sowie der mögliche Einsatz von Videowiederholungen zur Unterstützung der Spieloffiziellen. Aufgrund der neuen Struktur des IFAB werden einige der Punkte möglicherweise den beiden neuen Beratungsgremien, eines für Technik und eines für Fussball, unterbreitet. Diesen Gremien gehören Vertreter verschiedener Anspruchsgruppen aus der Welt des Fussballs an, die das IFAB mit ihrem Fachwissen beraten. Die Regelhüter können auch zuhören – zum Wohle des Spiels. Å

Die Weekly-Debatte. Was brennt Ihnen unter den Nägeln? Über welche Themen wollen Sie diskutieren? Ihre Vorschläge an: feedback-theweekly@fifa.org.

Imagno / Getty Images

Das 1886 initiierte International Football Association Board (IFAB) kontrolliert, ­überwacht und passt das Reglement an. Am 1. März tagt das Gremium in Zürich.


DEBAT T E

PRESIDENTIAL NOTE

Mein Kritikpunkt betrifft die Regel 12. Ich verstehe nicht, weshalb die FIFA es als feldverweiswürdiges Vergehen betrachtet, wenn ein Spieler eine offensichtliche Torchance mit einem Vergehen verhindert, das ohnehin mit einem Strafstoss geahndet wird. Diese Regel widerspricht sich selbst. Denn per Strafstoss kommt der Gegner ja genau wieder zur einer solchen offensichtlichen Torchance. Ohne diese Regel wären schon Hunderte tolle Spiele nicht kastriert und kaputt gepfiffen worden.

Für mich sind die Fussballregeln heute nicht mehr zeitgemäss – zum Beispiel die umstrittene Abseitsregel. Diese Regel sollte abgeschafft werden, was eine neue Verteidigungsstrategie erfordern würde. Jeder Spieler, der in der gegnerischen Platzhälfte steht, müsste gedeckt werden. Wenn es zugelassen wird, dass ein Spieler im Abseits stehen kann, ist dies das Problem der Verteidigung. Eine Gelbe Karte sollte zusätzlich mit einer Zeitstrafe verbunden werden.

Andreas Ilgner, Köln (Deutschland)

Werner Furrer, Zürich (Schweiz)

“Regeländerungen D sind nötig.” Regeländerungen sind nötig, damit sie mit der Entwicklung des Spieles Schritt halten. Meiner Meinung nach sollte der Ermessensspielraum der Schiedsrichter so stark wie möglich reduziert werden. Beispielsweise soll ein Handspiel im Strafraum immer mit Elfmeter bestraft werden, unabhängig davon, ob der Ball absichtlich berührt wurde oder nicht. Michele Schillizzi, Rom (Italien)

Ich bin ein klarer Gegner von der Einführung von Zeitstrafen: Das Regelwerk würde einmal mehr komplexer werden, die Zahl der Fehlentscheidungen proportional steigen. Jede Regeländerung muss das Ziel haben, das Spiel zu vereinfachen, da nur so die Zahl der Fehlentscheide sinken wird! Bill Sand, Birmingham (England)

Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Punkte, die diskussionswürdig sind. Erstens: Der mit einem Strafstoss verbundene Ausschluss eines Torhüter oder Feldspielers. Das Team ist mit dem Penalty schon genug bestraft, eine Verwarnung reicht an dieser Stelle, es sei denn, es handelt sich um ein an eine Tätlichkeit grenzendes Foul. Zweitens – eine neue Regel: Jedes Team sowie der Schiedsrichter haben pro Spiel ein zweiminütiges Timeout zugut. Mit diesem Instrument könnte der Trainer auch während des Spiels mehr Einfluss nehmen, ohne dass das Spiel unendlich in die Länge gezogen würde. Der (oder die) Schiedsrichter hätte(n) ein zusätzliches Instrument, in hektischen Phasen die Gemüter zu beruhigen.

Der Fussball ist inzwischen die letzte aller beliebten Sportarten, die noch immer nicht auf die Werkzeuge zurückgreift, die beispielsweise im American Football, Rugby oder Basketball längst erfolgreich verwendet werden. Ein Videobeweis zur ausschliesslichen Verwendung für den Schiedsrichter würde den Fussballergebnissen mehr Glaubwürdigkeit verleihen. Der Schiedsrichter würde trotzdem der einzige Richter bleiben, er hätte nur mehr Mittel zur Verfügung, um die beste Entscheidung zu fällen. Marco Ferrara, Latina (Italien)

“Die Regel 12 widerspricht sich selbst.”

Weltoffene Gralshüter

ie Popularität des Fussballs liegt auch in seiner Wertbeständigkeit begründet. Seit der Festlegung der Fussballregeln 1863 durch die englische Football Association wurde das Regelwerk in seinen Grundsätzen kaum verändert. Das 1886 initiierte International Football Association Board kontrolliert, überwacht und passt gegebenenfalls das Reglement an. Parallel zum Reformprozess der FIFA hat sich auch das IFAB eine zeitgemässe Basis geschaffen. Am 13. Januar 2014 wurde es als unabhängiger Verein neu gegründet. Zudem hat es seinen festen Platz in den FIFA-Statuten. Dies erhöht die Transparenz und Glaubwürdigkeit bei Regeldiskussionen. Durch den Input von Fachkommissionen soll sich das IFAB in der Entscheidungsfindung noch näher am Puls des Fussballs orientieren. Die Kritik, dass die britischen Verbände überproportional vertreten sind, und dagegen der grosse Rest der Fussballwelt zu Statisten degradiert wird, ist nicht zulässig. Die FIFA (mit vier von acht ­Sitzen im IFAB) repräsentiert die 205 anderen Verbände. Für einen Entscheid ist eine Dreiviertelmehrheit erforderlich. Jeder Nationalverband kann einen Antrag stellen. Die Türen stehen jederzeit offen. Im Zentrum muss aber immer die Wahrung der Essenz des Fussballs stehen. Rang sich das IFAB zuletzt zu einer Regeländerung durch, war dies das Resultat einer langen Diskussion und Testläufen in der Praxis: 1992 die Einführung der Rückpassregel, 1993 das Verdikt der Roten Karte bei der Verhinderung einer klaren Torchance, 1995 die Erhöhung des Einwechsel-­ Kontingents auf drei Spieler, 2012 die Einführung der Torlinien-Technologie. Das Spiel darf nicht in seinen Grundwerten verändert werden, aber es muss sich anpassen.

Ihr Sepp Blatter

Thomas Maag, Küsnacht (Schweiz) T H E F I FA W E E K LY

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REISEN MI T BL AT T ER

Weltenbummeln zwischen Brasilien und Visp

→ 10. Januar, Zürich: Treffen mit den Fussballbehörden aus Serbien und dem Kosovo

→ 24. bis 26. Januar, Sankt Petersburg: GUS Pokal

→ 1. bis 7. Dezember, Costa do Sauípe: Gruppenauslosung für die Welt­meisterschaft 2014 in Brasilien

→ 13. Januar, Zürich: FIFA Ballon d’Or und IFAB Gründungstreffen

→ 4. bis 7. Februar: 126. IOC Kongress und XXII Olympische Winterspiele 28

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REISEN MI T BL AT T ER

Schlafen statt essen

Sepp Blatter legt pro Jahr rund 200 000 Kilo­ meter zurück – die meisten im Flugzeug. Kaum jemand weiss so gut wie er, wie man am besten mit langen Flugreisen und belas­ tenden Zeitverschiebungen umgeht.

→ Weihnachten: Stille Nacht zu Hause in Visp

Die wichtigsten Reisetipps des FIFA-Präsidenten:  “Genügend Schlaf ist von essentieller Bedeutung. Für mich wirkt das Motorenge­ räusch im Flugzeug beruhigen­ der als eine Schlaftablette. Ich schlafe bestens im Flieger.”  “Bei Langstreckenflügen ist es wichtig, den Körper so früh wie möglich auf die neue Zeitzone einzustellen. Ich mache das gleich nach dem Einsteigen, indem ich mich gedanklich auf das Reiseziel einstelle.”  “Der Schlüssel zu einer schnel­ len Umstellung liegt im Essver­ halten. Wenn ich beispielswei­ se um 18 Uhr Lokalzeit von New York nach Zürich abfliege, ist in Zürich schon Mitternacht. Dann verzichte ich jeweils auf das Nachtessen. Stattdessen beginne ich den Flug mit einem Glas Wasser – allenfalls etwas

Wein. Grundsätzlich ist es aber wichtig, viel Wasser zu trinken. Die trockene Luft im Flugzeug erfordert dies. Zum Essen im Flugzeug: Abgesehen von der Suppe sind die warmen Mahl­ zeiten vorgekocht. Sie übersäu­ ern den Körper. Weniger ist beim Essen definitiv mehr.”  “Reisezeit ist für mich Erho­ lungszeit. Ich arbeite im Flugzeug nie: keine Dokumen­ te, keine Interviews, keine Schreibarbeit.”  “Manchmal lese ich – Zeitun­ gen oder Krimis. Ich will mich ablenken und meine Batterien aufladen.”  “Ich liebe das Sudoku-Spiel. Es ist eine meiner Leidenschaften und ein grossartiger Zeitver­ treib während Flugreisen. Man braucht einen offenen Geist und viel Kombinationstalent. Das fasziniert mich.”

→ 13. bis 22. Dezember, Marokko: FIFA-Klub-Weltmeisterschaft

→ 30. Januar bis 2. Februar, Südafrika: Gedenkfeier für Nelson Mandela und Finale Afrikanische Nationen-Meisterschaft

Monika Fauler, Getty Images

→ 3. Februar: Treffen mit den Fussballverbänden Israel und Palästina

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FREE KICK

Weltmeisterliche Helden

Spuckaffären Thomas Renggli

­ aseball-Spielern oder den Snus konsumierenB den Eishockey-Cracks können die Fussballer n Sotschi gingen am vergangenen Sonntag keine mildernden Umstände geltend machen. die 22. Olympischen Winterspiele zu Ende. Dass das Regelwerk das Tragen des Trikots In sieben Sportarten wurden 98 Medaillenüber den Shorts untersagt und für den übersätze vergeben – darunter als olympische triebenen Torjubel eine Gelbe Karte vorsieht, Premiere im Frauen-Skispringen, in der aber das globale Spucken – sofern kein gegneBia­ ­ t hlon-Mixed-Staffel und im Team-­ rischer Spieler in die Flugbahn kommt – toleriert, sei nur nebenbei erwähnt. Rodeln (ohne Massenstart!). Noch nicht ins Olympische Programm hat Mediziner führen die erhöhte Speichelproes das Spucken geschafft – obwohl auch hier duktion von Spitzensportlern auf deren Rekordwerte gesetzt werden. Der Weltrekord ­Adrenalinschübe im Wettkampf zurück. Doch im Kirschkern-Spucken beträgt 25,22 Meter – wirklich befriedigen kann diese Theorie nicht. derjenige im Bigorneau-Schnecken-Spucken Denn sobald sich das Geschehen unters Hal10,41 Meter – von Hand gemessen. lendach verlagert, bleibt die Spucke weg: Ein Volkssport ist das Spucken in China. ­Basketball-, Volleyball- und Schachspieler halZwar hält man die Bevölkerung zu einem massten sich sogar unter Hochdruck an gewisse vollen Umgang mit dem eigenen Speichel an, Mindestmassstäbe nach Knigge. Und im Halstellt Spuckregeln auf und verteilt Tüten für lenhandball ist der Freiwurf wesentlich häufiden Notfall, doch in vielen Kreisen wird das ger als der Auswurf. Å öffentliche Entsorgen von Körperflüssigkeit noch immer als Menschenrecht angesehen. Damit teilen die 1,35 Milliarden Chinesen die Haltung der 265 Millionen Fussballer. Letztere kommen zwar mehrheitlich nicht aus dem asiatischen Raum, haben aber eine Speichelproduktion, die selbst den chinesischen Rahmen sprengt. Nimmt man nämlich das Geschehen an einem durchschnittlichen Wochenende auf den Fussballplätzen weltweit– von A wie Adelaide bis Z wie Zürich – zum Massstab, lässt dies nur einen Schluss zu: Fussballspielen ist so schön, dass den meisten Kickern das Wasser im Mund zusammenläuft – bis zum Überquellen. Der frühere französische Nationaltorhüter B ­ ernard Lama hat seine Karriere zwar 2001 beendet, doch seine Erbfolger halten den Speichelfluss auf konstant hohem Niveau. Ob gegen den Wind, vor die Füsse des Lieblingsgegners oder einfach so zum Zeitvertreib auf ein unbeflecktes Stück Rasen: Der Speichel fliesst, als ob alle Dämme gebrochen wären. Die wöchentliche Kolumne aus der Und im Gegensatz zu den Tabak kauenden The-FIFA-Weekly-Redaktion

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Geoff Hurst, England. Wer kennt ihn nicht, den Schützen des legendären Wembley-Tores? Mit seinen zwei Toren im Finale machte er England 1966 zum Weltmeister.

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Diego Maradona, Argentinien. Im Viertelfinalspiel der WM 1986 schickte er mit der “Hand Gottes” die Engländer nach Hause und gewann dann gegen Deutschland das Finale.

3

Lothar Matthäus, Deutschland. “Mister WM” (fünf Teilnahmen) führte 1990 die deutsche Nationalelf in Italien zum Titel.

4

Zinédine Zidane, Frankreich. Er machte “Les Bleus” 1998 mit seinen zwei ­Toren im Endspiel im Alleingang zu Weltmeistern.

5

Ronaldo, Brasilien. 2002 krönte “Il Fenomeno” seine grossartige Karriere mit acht Treffern und dem WM-Titel.

6

Franz Beckenbauer, Deutschland. “Der Kaiser” gilt als Erfinder des modernen Liberos. 1974 führte er seine Mannschaft im eigenen Land zum Sieg.

7

Fabio Cannavaro, Italien. 2006 organisierte er die Abwehr des Weltmeisterteams – sie liess während des gesamten Turniers gerade mal zwei Tore zu.

8

Fritz Walter, Deutschland. Sinnbild für “Das Wunder von Bern”. Mit seinen zwei verwandelten Elfmetern im Halbfinale ebnete er seinem Team den Weg ins Endspiel und somit zum Titel 1954.

9

Paolo Rossi, Italien. Als Torschützenkönig ging der “Skandalbube” 1982 in die Geschichtsbücher ein und wurde in Italien zum Nationalhelden.

10

 Hector Scarone, Uruguay. Bei der ersten Weltmeisterschaft im Jahr 1930 setzte “El Mago” (der Magier) seiner Karriere mit dem Titel die Krone auf.

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 Iker Casillas, Spanien. Als Captain und herausragender Torhüter hatte er 2010 massgeblichen Anteil am ersten Titel­ gewinn der Spanier.

Gab es noch mehr Helden? Ihre Meinung an: feedback-theweekly@fifa.org 31


ZEITSPIEGEL

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Rio de Janeiro Brasilien

Samba, Karneval, Fussball. In Brasilien verschmelzen Sport und Tanz, Fest und Alltagskultur. 1823 fand in Rio de Janeiro der erste offizielle Karneval statt. Der Begriff “Carneval” stammt vom portugiesischen Wort für Fleisch (carne) – der Speise, die vor den Fastenmonaten in besonders grossen Massen verzehrt wurde. 1972 schwebten die Tänzerin­ nen auf einer fussballerischen Erfolgswelle. Brasilien hatte 1970 in Mexiko den dritten Welt­ meistertitel errungen – und Pelé seine wohl beste Leistung an einer Endrunde geboten.

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Bill Ray / Time Life Pictures / Getty Images

1972


ZEITSPIEGEL

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Rio de Janeiro Brasilien

Christophe Simon / AFP

2012 40 Jahre später sind die Kleider unverändert knapp und der Federschmuck üppig. Der Rahmen des Karnevals ist noch grösser geworden: Die Parade findet im Sambodromo im Stadtteil Estacio statt. Die 700 Meter lange Arena bietet 88 500 Zuschauern Platz. Damit ist das Mekka des Karnevals noch grösser als das Maracanã-Stadion (73 531 Plätze). Und sportlich geht die Rechnung im Wett­ bewerb der besten Sambaschulen auf: Nach zwei durchtanzten Nächten gewinnt garantiert Brasilien.

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DAS FIFA-R ANKING Rang Team

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 18 20 21 22 23 24 25 26 27 27 29 30 31 32 33 34 35 35 37 38 38 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 62 64 65 66 67 68 69 70 70 72 73 74 75 75 77

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Rang­veränderung Punkte

Spanien Deutschland Argentinien Portugal Kolumbien Schweiz Uruguay Italien Brasilien Niederlande

0 0 0 1 -1 2 -1 -1 1 -1

1506 1314 1255 1219 1211 1159 1157 1135 1125 1122

Belgien Griechenland USA Chile England Kroatien Bosnien und Herzegowina Ukraine Frankreich Dänemark Mexiko Russland Elfenbeinküste Ecuador Schweden Algerien Slowenien Kap Verde Serbien Armenien Tschechische Republik Panama Rumänien Schottland Costa Rica Venezuela Ghana Ägypten Iran Honduras Peru Türkei Österreich Ungarn Tunesien Kamerun Nigeria Island Paraguay Japan Wales Montenegro Australien Slowakei Albanien Israel Usbekistan Vereinigte Arabische Emirate Mali Norwegen Republik Korea Burkina Faso Guinea Südafrika Finnland Senegal Republik Irland Libyen Jordanien Polen Bolivien Bulgarien Sierra Leone Marokko Sambia Saudiarabien Trinidad und Tobago

0 0 1 1 -2 0 2 0 2 5 0 0 -6 -1 1 1 2 8 1 8 -3 4 0 3 -3 4 -13 -7 -4 3 1 3 4 2 -1 4 -6 1 2 -2 4 0 3 6 1 7 8 5 -19 -1 -8 -4 -1 -10 1 2 0 -6 3 7 -1 2 3 0 -6 -2 1

1117 1084 1044 1038 1032 966 919 917 917 907 887 862 841 831 821 819 799 799 775 771 760 754 746 742 734 734 733 729 729 716 704 703 678 673 656 626 616 613 603 601 598 594 576 574 571 570 569 565 561 557 556 554 554 550 540 529 528 523 514 494 494 486 484 454 450 450 444

Rang

Sept. 2013

Okt. 2013

Nov. 2013

→ http://de.fifa.com/worldranking/index.html

Dez. 2013

Jan. 2014

Feb. 2014

1 -41 -83 -125 -167 -209

78 79 80 80 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 91 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 111 113 114 115 116 117 118 118 120 121 122 123 124 124 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144

Platz 1  

Aufsteiger des Monats  

El Salvador Haiti Oman Jamaika Belarus EJR Mazedonien Uganda Nordirland Kongo Gabun VR China Neuseeland Togo DR Kongo Estland Aserbaidschan Botsuana Angola Liberia Benin Kuba Katar Simbabwe Äthiopien Litauen Georgien Niger Zentralafrikanische Republik Bahrain Moldawien Kenia Kuwait Tadschikistan Lettland Dominikanische Republik Kanada Irak Malawi Tansania Neukaledonien Mosambik Äquatorial-Guinea Luxemburg Libanon Zypern Sudan Namibia Burundi Guatemala Philippinen Kasachstan Turkmenistan Myanmar Malta Suriname Syrien Ruanda Grenada DVR Korea Gambia Afghanistan Lesotho Tahiti St. Vincent und die Grenadinen Belize Vietnam Hongkong

10 0 -1 1 1 1 3 5 -1 -2 4 2 -19 -10 2 1 3 -6 1 2 2 2 5 -6 1 -1 0 2 4 -11 1 -3 3 5 3 -2 1 2 2 4 2 -10 2 2 3 -4 1 0 -14 0 0 4 -1 -1 0 2 -4 -1 -1 1 0 -1 1 14 10 0 -7

Absteiger des Monats (Togo) Absteiger des Monats (Mali) 436 430 426 426 423 402 400 397 393 386 380 378 376 373 373 372 360 356 354 335 334 331 330 329 326 325 316 310 308 305 300 299 285 282 282 275 269 268 254 252 251 251 247 243 240 236 234 234 229 219 214 203 200 199 197 196 195 194 191 190 184 182 179 177 176 172 170

T H E F I FA W E E K LY

144 146 147 148 148 150 150 150 153 154 154 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 172 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 184 186 187 187 189 190 190 190 193 194 194 196 196 198 198 200 200 202 203 204 205 206 207 207 207

Palästina Antigua und Barbuda Thailand St. Lucia Kirgisistan Liechtenstein Singapur Malaysia St. Kitts und Nevis Indien Guyana Laos Puerto Rico Indonesien Mauretanien Guam São Tomé und Príncipe Tschad Malediven Bangladesch Pakistan Dominica Nicaragua Barbados Nepal Chinese Taipei Sri Lanka Aruba Färöer Salomon-Inseln Bermuda Seychellen Mauritius Curaçao Vanuatu Mongolei Fidschi Samoa Guinea-Bissau Swasiland Bahamas Jemen Madagaskar Montserrat Kambodscha Brunei Darussalam Osttimor Tonga Amerikanische Jungferninseln Cayman-Inseln Papua-Neuguinea Britische Jungferninseln Amerikanisch-Samoa Komoren Andorra Eritrea Macau Südsudan Somalia Dschibuti Cook-Inseln Anguilla Bhutan San Marino Turks- und Caicos-Inseln

-2 -2 1 -2 -2 6 -1 4 -3 2 -3 -3 -1 3 -14 2 -1 2 0 0 7 1 -8 -2 3 -3 -2 -2 -2 -2 0 0 0 0 0 1 1 1 1 2 1 -6 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 -1 0 0 0 0 0 0 0

170 164 158 155 155 152 152 152 150 149 149 146 141 135 127 123 122 121 120 116 107 103 102 101 98 97 90 87 87 86 83 67 66 65 55 49 47 45 43 40 40 39 33 33 30 26 26 26 23 21 21 18 18 17 17 11 11 10 8 6 5 3 0 0 0


DER EXPERTE

“Wir stehen bei Afrika in der Schuld” Solidarität statt Opportunismus. Glaubwürdigkeit statt stiller Gehorsam. Die Allianz der Europäischen Fussballtrainer-Verbände (AEFCA) setzt sich für die Anliegen der Fussballtrainer ein – und will Afrika in ­Ausbildungsfragen noch stärker unterstützen.

Xinhua News Agency / eyevine / Dukas

D

Walter Gagg

er Mörder ist immer der Gärtner” – heisst es in einer deutschen Parodie auf Stereotypen in Kriminalromanen. Im Fussball könnte man sagen: Der Schuldige ist immer der Trainer. Allein in der deutschen Bundes­liga wurden seit der Gründung vor 51 Jahren 642-mal die Trainer gewechselt. Das erste Opfer war ­Herbert Widmayer vom 1. FC Nürnberg am ­30. Oktober 1963 – das (bisher) letzte der Niederländer Bert van Marwijk letzte Woche in Hamburg. Den Massstab setzt aber Christian Constantin, der Präsident des Schweizer Super-­ League-Klubs Sion. Er wechselte seine Übungsleiter schon 38-mal aus – in 15 Jahren an der Spitze des Klubs. Man müsste meinen, dass in einer Branche mit einem derart grossen Personalverschleiss und teils menschenunwürdigen Umgangsformen unter den Direktbetroffenen (Trainern) eine gewisse Solidarität gelebt wird – dass Fussballklubs (bzw. Vereinsbosse) mit einem besonders zynischen Management gelegentlich auch mal die kalte (Trainer)-Schulter zu sehen ­bekommen. Nur so könnte auch das Fair Play gegenüber Trainern und die Glaubwürdigkeit des Geschäfts vergrössert werden. Dem ist aber leider nicht so. Schnippt ein halbwegs zahlungsfähiger Klubpräsident mit dem Finger, rennen ihm die meisten Trainer die Türe ein. Ich würde mir wünschen, dass sich das ändert. In der Allianz der Europäischen Fussballtrainer-Verbände (AEFCA) bemühen wir uns, die Solidarität und das Gemeinschaftsgefühl unter den Trainern zu fördern. An unserem jährlichen Treffen, an dem auch die Stars der Szene wie Alex Ferguson, Fabio Capello, Marcello Lippi oder Vicente del Bosque schon aufgetreten sind, stehen insbesondere folgende Punkte im Fokus: – Vertretung der Interessen der Mitglieder­ verbände – Mithilfe bei der Intensivierung bei Aus- und Weiterbildung im Trainerbereich

Feld der Träume In Afrika (hier Dakar, Senegal) sind Infrastruktur und Ausbildung optimierungsfähig.

– Wahrung der Interessen der Trainer – Eine enge Zusammenarbeit mit der UEFA, deren Mitgliederverbände sowie mit der FIFA und anderen internationalen Sport­ organisationen – Förderung einer intensiven, individuellen und kreativen Ausbildung der Fussball­ talente in Europa – Erhalt des Fussballs als Sportart Nummer 1 in Europa – Verbesserung des Berufsbilds des Trainers in der Öffentlichkeit – Wahrung des Fair Plays und Durchsetzung der sportlichen Gesetze in allen Trainer­ gedanken – Einsatz und Umsetzung von Ordnung und Rechtschaffenheit im Fussballtrainerberuf Eines der zentralen Anliegen ist die Ausbildung der Trainer. In Europa sind wir diesbezüglich gut organisiert und strukturiert. Auf anderen Kontinenten besteht aber noch grosser Nachholbedarf: vor allem in Afrika. Es ist kein Zufall, dass die afrikanischen Verbände überproportional oft auf die Dienste von europäischen Fussball-Lehrern zählen. Der Blick auf die afrikanischen WM-Teilnehmer ist durchaus repräsentativ: Bei Kamerun T H E F I FA W E E K LY

steht ein Deutscher (Volker Finke) an der Seitenlinie, bei der Elfenbeinküste ein Franzose (Sabri Lamouchi) und bei Algerien ein Bosnier (Vahid Halilhodzic). Nur Ghana (mit James Kwesi Appia) und Nigeria (Stephen Keshi) setzen auf einen Einheimischen. Gelingt es den Afrikanern, dieses Missverhältnis zu beheben, kann das ein entscheidender Schritt in ihrer fussballerischen Entwicklung bedeuten. Denn das riesige Talentreservoir, das der Schwarze Kontinent zu bieten hat, kann erst dann richtig ausgeschöpft werden, wenn auch die (eigenen) Trainer vorhanden sind. In der Verantwortung stehen die euro­ päischen Klubs, Verbände – aber auch wir von der AEFCA. Denn praktisch jeder europäische Spitzenklub setzt auf die Spielkunst von ­ ­a frikanischen Spielern. Es wäre höchste Zeit, etwas zurückzugeben – in Form von Know-how und Manpower in der Trainerausbildung. Å

Walter Gagg ist FIFA-Direktor und Präsident der Allianz Europäischer Fussballtrainer-Verbände (AEFCA) 35


THE SOUND OF FOOTBALL

DAS OBJEK T

Perikles Monioudis

Hanspeter Kuenzler

Kein anderer Musiker philosophiert so gern und ausführlich über Fussball wie Gilberto Gil. Er sieht sich als Geistesverwandten von Afonsinho, Seleção-Star aus den 30er Jahren. In den Umbruchzeiten der 50er und 60er Jahre, als Brasilien ein noch junges Land war, habe Fussball in materieller wie spiritueller Hinsicht eines der wichtigen Bindeglieder in der Nation dargestellt, erklärte Gil der Berliner Zeitung: “Darum ist für mich auch der erste WM-Gewinn 1958 derjenige, mit dem ich bis heute am meisten Gefühle verbinde. Das ist so wie mit meiner ersten Tochter. Sie wird immer mein Lieblingskind bleiben.” So verwundert es nicht, dass Gil die Poesie des Fussballs immer wieder in Musik verwandelt hat. Gil, geboren 1942, stammt aus Salvador, der Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Bahia. Die Musik von Bahia wird geprägt von afrikanischen Rhythmen, aber auch von den swingenden Akkordeons des Forro. Mit dem vom eleganten Strandleben von Rio de Janeiro geprägten Bossa Nova hingegen habe seine Musik wenig zu tun, betonte Gil stets. An der Seite von seelenverwandten Musikern wie Caetano Veloso, Maria Bethania und Gal Costa machte er sich daran - beeinflusst von Bob Dylan, den Beatles, Fela Kuti und lokalen 36

Folk-Traditionen -, einen neuen brasilianischen Musikstil zu erschaffen: Den Tropicalismo. Mehr als ein Musikstil war der Tropicalismo jedoch eine Lebenshaltung mit politischer Brisanz. Sie brachte Gil und Veloso zuerst ins Gefängnis, dann ins Zwangsexil nach London, ehe die beiden 1972 als Helden in die Heimat zurückkehrten. Gils Engagement für Umwelt, soziale Gerechtigkeit und ein reges Kulturleben kulminierte im Amt des Kulturministers Brasliens, das er von 2003 bis 2008 inne hatte. Sein erstes grosses Fussball-Lied komponierte Gil im Jahr 1972 für Elis Regina, die mit Pelé den Hit “Perdao Nao Tem” gesungen hatte. Das Lied beginnt mit einem zauberhaften Dribbling der Finger über die Klaviertasten und dreht sich um den Mittelfeld-Regisseur Afonsinho, von dem an der WM 1938 sehr viele Angriffe auf dem Spielfeld ausgegangen waren. In ihm erkannte Gilberto Gil einen Geistesverwandten. Afonsinho sei ein einfacher, ruhiger und sanfter Spieler gewesen, der stets an die Gerechtigkeit gegMit grosser Beharrlichkeit habe er dagegen gekämpft, dass Fussballer wie Leibeigene an ihre Vereine gebunden wurden. So wurde Afonsinho der erste brasilianische Spieler, dem ein freier Spielerpass erteilt wurde. Æ

T H E F I FA W E E K LY

Sion Ap Tomos

Gilberto Gil, der Rebell

Bestimmte Anlagen erwirbt man erblich, andere werden einem mit der Muttermilch eingeflösst, wieder andere kündigen sich langsam und schemenhaft an; man sieht sie immer ­k larer, bis sie im Grunde auf sich aufmerksam machen: am Boden des Tellers. Der oben abgebildete Porzellanteller aus der FIFA-Sammlung wurde um 1905 in Ost­ europa gefertigt. Er wird von einer Blechwanne eingefasst, die mit einem mit dichtem Schraubverschluss gesicherten Einguss versehen ist. Die Suppe für das Kind ist so auch dann warm, wenn sie ohne die Wanne längst Zimmertemperatur angenommen hätte. Das Kind blickt am Boden des Tellers auf drei Fussball spielende Altersgenossen, einen linksfüssigen Stürmer, einen Verteidiger in lila Shorts und Stutzen und einen im Fallen begriffenen Torhüter mit Mütze. Ob der Stürmer den Torhüter mit seinem Schuss zu überwinden imstande ist, bleibt dem Kind verborgen – so viele Suppen es sich auch einverleibt. Ein Standbild – drei in der Bewegung erstarrte kindliche Fussballer – kann die Gedanken anregen, kann aber auch frustrieren. ­Letzteres dann, wenn man ob der unentschiedenen Situation gar nicht mehr hinschauen mag und sein Augenmerk statt dessen auf die längliche Schubkarre richtet, die ohnehin stets etwas früher erscheint. Die Schubkarre erinnert das Kind daran, dass auch seine Suppe besser an den beiden Henkeln zu fassen ist als am Tellerrand, denn dieser ist wie der Rest des Tellers heiss. Nehmen wir zugunsten des Stürmers an, dass er trifft. Schliesslich soll man kindliche Anstrengungen besonders dann würdigen, wenn sie konstruktiv sind; destruktive gibt es in der Regel häufiger – auch im Fussball, sonst würden alle Spiele etwa 10:10 oder 20:20 enden. Der Suppenteller weiss auch das schon lange. Sonst wäre er nicht so alt geworden. Å


TURNING POINT

“Guido, du nimmst den Maradona!” So lautete der Auftrag, den ­Guido ­Buchwald von seinem Trainer Franz Beckenbauer für das WM-Finale 1990 erhielt. Buchwald meisterte den Befehl mit Bravour.

Name Guido Buchwald Geburtsdatum, Geburtsort 24. Januar 1961, Berlin (Deutschland) Vereine als Spieler 1979–1983 Stuttgarter Kickers 1983–1994 VfB Stuttgart 1994–1997 Urawa Red Diamonds 1998–1999 Karlsruher SC Vereine als Trainer 2004–2006 Urawa Red Diamonds 2007 Alemannia Aachen 2012 Stuttgarter Kickers (interim) Nationalmannschaft 76 Einsätze, 4 Tore

Lukas Maeder / 13 Photo

D

ie Stuttgarter Kickers waren früher die Talentschmiede des VfB Stuttgart. ­Natürlich war es nicht nur gerne gesehen, wenn man von den Kickers zum Stadtrivalen wechselte, doch es war akzeptiert. Für mich war der Wechsel eine Riesenchance, meine Karriere voranzubringen. Als Profisportler träumst du immer von den grossen Vereinen und natürlich von der Nationalmannschaft. Der rot-schwarz-goldene Traum erfüllte sich für mich 1984 zum ersten Mal und gipfelte 1990 in der Teilnahme an der Weltmeisterschafts-Endrunde in Italien. Wir überzeugten auf ganzer Linie und standen am 8. Juli gegen Argentinien im Endspiel. Argentinien mit dem kleinen und doch so grossen Diego Maradona. Franz Beckenbauer kam vor dem Spiel auf mich zu und sagte: “Guido, du nimmst den Maradona!” Er war kein Mann der grossen ­ Worte. Sein Auftrag war eine grosse Ehre für mich, aber gleichzeitig auch eine grosse Herausforderung. Ich sollte ausgerechnet ­ ­Maradona im Spiel ­“ausschalten”. Ich war total auf die Partie und meinen Gegner fokussiert. Als das Spiel zu Ende war, realisierte ich gar

nicht, was passiert war. Es ist einfach zu viel, was in einem solchen Moment auf dich zukommt. Nach dem Spiel musste ich zur Dopingkontrolle – zusammen mit Maradona. Er war tieftraurig, hat mir aber dennoch gratuliert. Er war ein fairer Sportler. Dann kamen Empfänge, Feste und Pressetermine. Wir kamen kaum zur Ruhe. Ich realisierte erst drei Wochen später, was wir erreicht hatten. Weltmeister! Klar, dieses Gefühl ist unglaublich. Dein Leben verändert sich für immer. Bis heute ist diese Mannschaft ja die letzte, die den Titel für Deutschland gewinnen konnte. Deshalb hat er bis heute auch so eine grosse Bedeutung. In der Geschichte Deutschlands sind es insgesamt nur drei Teams, die sich Weltmeister nennen dürfen. Ich bin einer von ihnen und darauf bin ich sehr stolz. Der Fussball hat für mich heute noch einen sehr hohen Stellenwert: Mein Leben ist Fussball. Das ist es, was ich am besten kann. In Stuttgart habe ich elf wunderbare Jahre verbracht. Der VfB ist eine Herzensangelegenheit. Dennoch wäre ich 1990 gerne nach Italien gewechselt. Diese Liga hätte mich unglaublich gereizt, doch der VfB liess mich nicht ziehen. T H E F I FA W E E K LY

Vier Jahre später wollte ich mich unbedingt im Ausland beweisen, doch die grossen europäischen Vereine hatten kein Interesse mehr. Ich war ja schon 33 Jahre alt. Als das Angebot aus Japan kam, habe ich nicht gezögert. Es war unheimlich reizvoll, auch finanziell. Ich wurde in Saitama sehr herzlich empfangen und man hat mich wirklich höchst professionell um­sorgt. Ich musste mich um nichts kümmern und habe mich sofort wohl gefühlt. Die Faszination für den Fussball in Japan war enorm. Pro Spiel ­k amen bis zu 50 000 Zuschauer ins Stadion. Eigentlich wollte ich bloss eineinhalb Jahre bleiben, schlussendlich sind dreieinhalb daraus geworden. Den Kontakt zu meinen neu gewonnenen Freunden habe ich nie verloren, und als ich 2004 als Trainer von Urawa Red Diamonds begann, bin ich quasi ein bisschen nach Hause zurückgekehrt. Å Aufgezeichnet von Sarah Steiner

Persönlichkeiten des Fussballs erzählen von einem wegweisenden Moment in ihrem Leben. 37


game onor game over

all in or nothing

adidas.com/worldcup Š 2014 adidas AG. adidas, the 3-Bars logo and the 3-Stripes mark are registered trademarks of the adidas Group.


The FIFA Weekly Eine Wochenpublikation der Fédération Internationale de Football Association (FIFA)

FIFA - R ÄT SEL - CUP

Internet: www.fifa.com/theweekly

Franziskus & Lionel, Gerd & Paul, Jesse & Ferenc – raten Sie mit!

Herausgeberin: FIFA, FIFA-Strasse 20, Postfach, CH-8044 Zürich Tel. +41-(0)43-222 7777 Fax +41-(0)43-222 7878

1

Welches Land nahm schon an einer Qualifikation zur Fussball-WM teil, obwohl es gar kein FIFA-Mitglied ist?

Präsident: Joseph S. Blatter Generalsekretär: Jérôme Valcke Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Walter De Gregorio

B Grönland

D Monaco

R Tuvalu

L Vatikan

Chefredakteur: Thomas Renggli Art Director: Markus Nowak

Gerd Müller schoss 14 Tore in 13 WM-Spielen – also etwas mehr als ein Tor pro Spiel. Wer schoss die meisten Tore pro WM-Einsatz?

2

Redaktion: Perikles Monioudis (Stv. Chefred.), Alan Schweingruber, Sarah Steiner, Doris Ladstaetter

L Sandor O  Ernest

Ständige Mitarbeiter: Jordi Punti, Barcelona; David Winner, London; Hanspeter Kuenzler, London; Roland Zorn, Frankfurt/M.; Sven Goldmann, Berlin; Sérgio Xavier Filho, São Paulo; Luigi Garlando, Mailand Bildredaktion: Peggy Knotz, Andreas Wilhelm

3

M Just M Cristiano

Welcher Athlet trug zuerst Dassler-Schuhe (wenn auch noch ohne die drei Adidas-Streifen)? M

Produktion: Hans-Peter Frei (Leitung), Richie Krönert, Marianne Bolliger-Crittin, Mirijam Ziegler, Susanne Egli, Peter Utz

O

A

L

Korrektorat: Nena Morf Redaktionelle Mitarbeit in dieser Nummer: Bruno Sassi, Jonas Oliveira, Andrew Warshaw, Yvonne Lemmer Redaktionssekretariat: Honey Thaljieh

4

Für welche Sportart wird dieses Tor ebenfalls verwendet? T  Faustball M  Futsal

K Quidditch F Hallenfussball

Übersetzung: Sportstranslations Limited www.sportstranslations.com Projektmanagement: Bernd Fisa, Christian Schaub Druck: Zofinger Tagblatt AG www.ztonline.ch Kontakt: feedback-theweekly@fifa.org Der Nachdruck von Fotos und Artikeln aus dem The FIFA Weekly, auch auszugsweise, ist nur mit Genehmigung der Redaktion und unter Quellenangabe (The FIFA Weekly, © FIFA 2014) erlaubt. Die Redaktion ist nicht verpflichtet, unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos zu publizieren. Die FIFA und das FIFA-Logo sind eingetragene Warenzeichen. In der Schweiz hergestellt und gedruckt.

Das Lösungswort des Rätsel-Cups aus der Vorwoche lautete: CARD (ausführliche Erklärungen auf www.fifa.com/theweekly). Inspiration und Umsetzung: cus

Bitte senden Sie Ihre Lösung bis zum 5. März 2014 an die E-Mail feedback-theweekly@fifa.org. Die richtigen Einsendungen aller Rätsel bis am 11. Juni 2014 nehmen an der Verlosung von zwei Eintrittskarten für das WM-Finale am 13. Juli 2014 teil. Vor der Einsendung ihrer Antworten müssen die Teilnehmenden die Teilnahmebedingungen des Gewinnspiels sowie die Regeln zur Kenntnis nehmen und akzeptieren, die unter folgendem Link zur Ansicht bereit stehen: http://de.fifa.com/aboutfifa/organisation/the-fifa-weekly/rules.pdf T H E F I FA W E E K LY

39


FR AGEN SIE DIE FIFA!

UMFR AGE DER WOCHE

Wie sieht der Frauenfussball in zehn Jahren aus?

Antwort von Thomas Renggli, Chefredakteur: Im ersten Regelwerk von 1963 war zwar die Abseitsregel festgelegt, die Zahl der Spieler aber nicht. Mannschaften bestanden aus 15 bis 20 Spielern. 1864 schickte das Trinity College aus Cambridge ein Team mit 14 Spielern aufs Feld – nannte sie aber “Elf”. Der mögliche Grund: Die Schlafsäle boten jeweils elf Studenten Platz. Diese Idee setzte sich durch. Ab 1870 spielten die Teams aus Cambridge und Eton nur noch mit je elf Spielern. 1897 wurde diese Mannschaftsgrösse von der FA verbindlich festgelegt.

Technik und Tempo. Weltmeister Japan setzt im Frauenfussball den Massstab. Weisen die Asiatinnen auch den Weg in die Zukunft? Meinungen an feedback-theweekly@fifa.org

Der englische Internationale

49+51 187, 5 7 70 Antonio Conte im Sommer 2011 das Traineramt

(186,32 cm) und dem Bundesligis-

verlängerte seinen Vertrag

übernommen hat. Seit Mitte der 70er-Jahre war kein

ten Wolfsburg (186,17). Nicht

mit Manchester United bis 2019

Trainer der Turiner erfolgreicher. Conte führte das

in jedem Fall spiegeln die Körper-

zu einem Jahresansatz von

Team in seiner Premiere-Saison ungeschlagen zum

masse die Qualität: Der FC

18,2 Millionen Euro. Der heute

Scudetto. Im vergangenen Frühling verteidigte er

Barcelona (177,44 cm) weist den

28-jährige Stürmer hatte 2004 von

den Titel erfolgreich. Nach 25 Runden der laufenden

zweittiefsten Wert in

Everton zu ManU gewechselt.

Meisterschaft führt Juve die Serie A überlegen an.

Europa aus.

2137

DER STUNDENLOHN

Euro beträgt der Lohn

von Wayne Rooney – auf die Stunde gerechnet.

40

ERGEBNIS DER LETZTEN WOCHE

Gewinnt erstmals eine europäische Mannschaft in Südamerika die WM?

JA

51%

NEIN

49%

DER ERFOLGSCOACH

DIE GRÖSSTEN

Zentimeter messen die Spieler

des ukrainischen Premier-­L eagueKlubs Volyn im Durchschnitt.

Damit sind sie die grössten Fussballer Europas – gefolgt vom

Prozent der Spiele hat Juventus gewonnen seit

serbischen Team Novi Pazar

T H E F I FA W E E K LY

Frank Augstein / AP Photo, Getty Images

Was mich schon lange be­ schäftigt: Weshalb besteht eine Fussballmannschaft aus elf Spielern? Katharina Nabokowa, Rostow (Russland)

The FIFA Weekly Ausgabe #19  
The FIFA Weekly Ausgabe #19