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ff-extra vom 10.05.2018 – ff Nr. 19

Beilage zu ff 19/2018 I Vers. in Post. - 45% I Art. 1 Abs. 1 I Ges. 353/2003 (abg. Ges. 27.02.2004 Nr. 46) CNS Bozen I Poste Italiane SpA I Taxe percue / Tassa pagata

bauen

einfach pompös

Architektentraum in Seis: außen ein Stadel, innen ein Palast. Siamesische Katze

Stein des Anstoßes: Der neue Sitz der Brixen Tourismus Genossenschaft

Back to Black

Ob drinnen oder draußen: Kochen in Schwarz liegt im Trend

Aufgesattelt

In Dietenheim wird das traditionelle ­Satteldach neu interpretiert


Foto: Alex Filz

Inhalt

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Nach zwei Jahren der Kritik steht der Neubau der Brixen Tourismus Genossenschaft

Stefan Rier hat sich in Seis einen glamourösen Architektentraum verwirklicht.

siamesische Katze

pompöses futterhaus

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eins mit allen

Zwei Wohnhäuser im Eisacktal zeigen, wie sich die lokale Baukultur gewandelt hat.

Foto: Gustav Willeit

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Gekonnter knick

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In Dietenheim wird das Satteldach neu interpretiert: Modern und geradlinig.

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Schwarz trifft auf Altholz. Zwei Küchen zeigen, wie der moderne robuste Look gelingt.

In Bozen wird aus einer dunklen 70er­Jahre-Wohnung eine helle Wohninsel.

Back to black

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Schwarz, puristisch, praktisch – so zeigt sich eine Outdoor-Küche am Gardasee.

Hallo Sommer! So wird die Terrasse zur Wohnung unter freiem Himmel.

Heisses eisen

Raus mit dir!

Impressum „ff-extra Bauen“, 10.05.2018, Beilage zu ff 19, Herausgeber: FF-Media GmbH, Eintrag Landesgericht Bozen 9/80 R.ST. vom 27.08.1980. Presserechtlich verantwortlich: Manuel Saxl; Koordination: Georg Mair; Konzeption & Redaktion: Verena Pliger; Grafik & Layout: Sabine Rainer; Werbung: Elisabeth Forer-Naumann, Roswitha Rauter, Miriam Kaser, Bernhard Elzenbaumer; Titelseite: Alex Filz. © ® FF-Media GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf mit grafischen, mechanischen, elektronischen oder mit digitalen Mitteln reproduziert werden. Jeglicher Missbrauch wird im Rahmen des Gesetzes verfolgt.

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BRIXEN

siamesische Katze Es gab Kritiken, jetzt steht der neue Sitz der Brixen Tourismus Genossenschaft. Wie sich der ­Betonkörper in der Bischofsstadt macht. Text: Verena Pliger | Fotos: Samuel Holzner

Willkommen! Der Sitz der Tourismus Genossenschaft in der Regensburger Allee in Brixen, Anlaufstelle für Gäste und ein neuer öffentlicher Platz für die Brixner. Das neue Bürogebäude wurde leicht Richtung ­Süden ­verschoben, so konnte im Norden ein kleiner gepflasterter Platz entstehen.

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≥ siamesische Katze

Foto: Privat

Matteo Scagnol ist der Architekt des Neubaus. ­Gemeinsam mit Sandy Attia führt er das Brixner ­Architekturstudio MoDus Architects.

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rchitektengruppen aus Deutschland und Österreich waren die vergangenen Wochen bereits auf Lokalaugenschein in Brixen. Sie haben sich ein Bild vom neuen Bürogebäude der Brixen Tourismus Genossenschaft gemacht. Einem Baukörper aus Beton, der mit der eleganten Fassade der Hofburg und mit der Mauer des Hofburggartens in einen Dialog tritt. 60 Jahre stand an dieser Stelle der Pavillon von Othmar Barth. Der mittlerweile verstorbene Brixner Architekt hat ihn 1967 errichtet. Nach 60 Jahren verlangte der Sitz des Tourismusvereins nicht nur nach einer Generalsanierung, sondern auch nach einer Vergrößerung. Denn die Mitarbeiterzahl hat sich die vergangenen Jahrzehnte so gut wie verdoppelt, und der Pavillon platzte aus allen Nähten. 2016 wurde für den Neubau ein Planungswettbewerb ausgeschrieben. Sechs Architekturstudios reichten ihre Projekte ein. Gewonnen hat das Brixner Architekturstudio MoDus Architects von Matteo Scagnol und Sandy Attia. Ihr Sieg sollte kein leichter sein. Die beiden Architekten mussten die vergangenen zwei Jahre harte Kritik über sich ergehen lassen. „Die medial ausgetragenen Kritiken kamen von einzelnen Architekten. Sie machten sich für den Erhalt des Pavillons stark. In Brixen selbst gab es eigentlich keine Proteste“, betont Werner Zanotti, Geschäftsführer der Brixen Tourismus Genossenschaft. Nach zwölf Monaten Bauzeit ist der Neubau nun abgeschlossen – Zeit also für eine erste Bilanz. ff: Herr Scagnol, was überwiegt, die Freude über den gelungenen Neubau oder der Ärger über die auch medial ausgetragene Kritik? Matteo Scagnol: Erst mal natürlich die Freude, es ist schön, dass wir so viel positive Resonanz erhalten. Von Brixnern, aber auch von Gästen. Aber ich muss gestehen, die Polemiken haben mir ganz schön zugesetzt. Wir haben vor zwei Jahren völlig unvoreingenommen am Planungswettbewerb teilgenommen. Erst mit der Zeit wurde uns klar, wie vorbelastet dieser Ort eigentlich ist. Was meinen Sie damit? Hier in der Regensburger Allee haben sich in den vergangenen 100 Jahren gleich drei Morde zugetragen. Das erste Gebäude wurde ja 1917 errichtet, also mitten im ersten Weltkrieg. Es trug den Namen „Adler im Eisen“. Es war ein Jugendstil-

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Ausblick: Das Untergeschoss ist vollkommen verglast. Im Innenraum ­dominieren Holz und Naturstein. Im Erdgeschoss sind der Infopoint und eine Lounge angesiedelt, im Obergeschoss ein Seminarraum, Bßros, ­Toiletten und eine kleine Kßche.

      

Anblick: Das neue Bßrogebäude soll mit der eleganten Fassade der ­Hofburg und mit der Mauer des Hofburggartens in einen Dialog treten. Zentrales Element ist die ßber hundertjährige Platane. Das neue Bßro­ gebäude schlingt sich wie eine Vase um den Baum.

    

        

„Wir Architekten sind von natur aus mĂśrder“ Matteo scagnol

     

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≥ siamesische Katze

­ avillon. Das Dach war mit Schindeln gedeckt, die Säulen P mit Holzstatuen verziert, im Inneren hatte ein Adler seinen Platz. 1922 dann der erste Mord, das Denkmal wurde von den Faschisten zerstört. 1936 folgte der Neubau, entstanden ist ein für die faschistische Zeit typischer Backsteinbau mit einer abgerundeten Nordseite. Der zweite Mord erfolgte 1967, als dieses Gebäude mit dem Pavillon von Othmar Barth ersetzt wurde. Verstehen Sie mich nicht falsch: Barth ist ein ganz hervorragender Architekt, aber auch mit seinem Bau musste ein anderer Bau weichen. Ja und nun sind wir es, die den dritten Mord begangen haben. Sie sehen sich als Mörder? Wir Architekten sind von Natur aus Mörder. Gerade ­deshalb war es uns so wichtig, dem Ort nicht nur etwas zu ­nehmen, sondern ihn zu bereichern. Wir wollten einen Platz schaffen,­ wo man die Hofburg endlich als Gesamtes sieht und ­Menschen aufeinandertreffen. Einen Platz, den es in dieser Form in Brixen noch nicht gibt und der einen zentralen Protagonisten­ hat: Die Platane. Sie meinen den über hundert Jahre alten Baum? Ja, genau. All die bisherigen Gebäude wurden ja ersetzt, erst der Adler, dann der faschistische Pavillon und jetzt der BarthPavillon. Der Baum hat an diesem Platz als Einziger überlebt. Entsprechend wollten wir dieses historische Element auf­werten. Der Baum wurde zum Ankerpunkt, an dem sich das Bauwerk festhält. Wir haben das neue Bürogebäude so geplant, dass es sich wie eine Vase um die zentrale Platane schlingt. Dabei ähnelt das Gebäude doch eher einer Katze, oder?  ≥

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≥ Siamesiche Katze

Was ist aus Barth geworden? Kurt Baumgartner: Der Klausner ­Bau­unternehmer ­interessiert sich seit Jahren für ­Architektur und ­Design. Der Pavillon von Othmar Barth: 60 Jahre hatte der Brixner Tourismus­ verein hier seinen Sitz.

Foto: Privat

Vor 60 Jahren hat der Brixner Architekt Othmar Barth den Sitz des Brixner Tourismusvereins errichtet. Ein Pionierwerk moderner Architektur im Alpenraum. Ähnlich wie die von ihm geplante Cusanus-Akademie in Brixen. Ein Jahr ist vergangen, seit bekannt wurde, dass sein Pavillon einem neuen Sitz weichen muss (Seite 4). Ein Raunen ging durchs Land. Einzelne Südtiroler Architekten und auch das Amt für Denkmalpflege versuchten den Abbruch zu verhindern. Am Ende wurde der Pavillon nicht abgerissen, sondern abgetragen. Von Kurt Baumgartner, dem Klausner Bauunternehmer. Was aus Barths Meisterwerk geworden ist, erklärt Baumgartner im Interview.

Kurt Baumgartner: In erster Linie, weil ich Architekt Barth ­unglaublich schätze. Ich durfte mit ihm in Brixen ­mindestens fünf Projekte realisieren. Unter anderem die Zone 13 im Rosslauf, im Grunde Brixens erstes Hochhaus. Als damals junger Bauträger hat mich seine Liebe für Details enorm begeistert. Er hatte eine Liebe zu einfachen, aber hochqualitativen Materialien: Zu sehen auch am Tourismusverein, wo er nur zwei Materialien verwendet hat: Glas und Metall. Für mich ein Meisterwerk an technischen Details, gepaart mit viel Ästhetik. Und genau deshalb habe ich mich kurz vor dem Abriss an Brixens Bürgermeister gewandt. Um das Gebäude zu erwerben. Nein, ich habe dem Bürgermeister angeboten, das Gebäude innerhalb einer Woche abzutragen und Teile des Projektes an einem anderen Ort wieder aufzustellen. Wo, habe ich nie genau gesagt. Schützen konnte ich das Gebäude zwar nicht, zumindest aber die Struktur erhalten, um sie im Detail zu zeigen oder neu zu konfigurieren. Wo befindet sich das Barth-Gebäude heute? In der Nähe des Riggertals gleich neben der Autobahnausfahrt Brixen Nord. Ich besitze dort ein Waldgrundstück, wo ich die einzelnen Teile eingelagert habe. Jedes einzelne ­Bauteil wurde fotografiert, analysiert, nummeriert, ­archiviert und digitalisiert. Das ist im Grunde die größte Herausforderung des Dismantling. Was versteht man unter Dismantling? Das Wort steht für Rückbau. Es geht um die Demontage­ von Pavillons und deren Wiederverwendung ­innerhalb ­neuer architektonischer Strukturen. Während der Expo 2015 in Mailand habe ich eine Begeisterung dafür ­entwickelt, ich habe dort den russischen Pavillon und das Enel-Gebäude abgetragen.

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Foto: Alexander Alber

ff: Warum haben Sie den Pavillon abgetragen?

Nun also soll der Barth-Pavillon seine Architektur­Geschichte an einem anderen Ort weiterschreiben. Wo denn nun? Na ja, das steht so noch nicht genau fest. Ursprünglich wollten wir den Pavillon auf dem Dach des Gewerbe­ gebäudes SynCom in Brixen Süd wieder aufstellen. Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass sich die Struktur­elemente nicht so leicht auf einem bereits ­bestehenden Gebäude aufbauen lassen. Das heißt, das Gebäude wird nicht auf dem Dach von SynCom zu sehen sein? Ich möchte Italiens erstes Architekturmuseum eröffnen, das sich ganz dem Thema Nachhaltigkeit widmet. Es soll den Namen MuBaDIS tragen, das steht für Museum Barth Dismantling. Wobei das SynCom-Gebäude höchstwahrscheinlich nur die Anlaufstelle für die Museumsbesucher sein wird. Teile des Barth-Gebäudes und der Expo-Projekte werde ich hingegen im Riggertal ausstellen. Dort ist auch ausreichend Platz für Tutorial-Programme, Show-Rooms, Laboratorien, Museum-Shops, Artists in Residence oder Gastronomie. Es wird also ein experimentelles Museum, das wächst. Denn es kommen mit der Zeit sicher noch weitere Projekte hinzu.

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Foto: Leonhard Angerer

≥ siamesische Katze

Beton und Glas: Die krumme Linie des Gebäudes lehnt sich an die für Brixen so wichtigen Bögen und Lauben an. Als Material haben die Architekten ­bewusst Beton gewählt: ein starkes Material für eine starke Architektur.

Weitblick: Genauso wie der chinesische und japanische Turm im ­gegenüberliegenden Hofburggarten verfügt auch das neue Bürogebäude über eine Aussichtsplattform.

Ja, das stimmt. Ich habe immer das Bild einer siamesischen Katze im Kopf, die ihre Vorderpfoten von sich streckt. Wobei es bei der Realisierung natürlich nicht um das Bild einer Katze ging. Das neue Bürogebäude sollte mit der eleganten Fassade der Hofburg und mit der Mauer des Hofburggartens in einen Dialog treten. Deshalb haben wird uns auch an den beiden ­Pavillons im Hofburggarten orientiert. Dem chinesischen Turm am südwestlichen Eck und dem japanischen Turm im Südosten des Gartens. Wobei sich die krumme Linie des Gebäudes nicht nur an die beiden Pavillons anlehnt, sondern auch an die für Brixen so wichtigen Bögen und Lauben.

Wir hätten natürlich auch ein sehr leichtes Material wie Holz verwenden können. Wir haben uns aber ganz bewusst für Beton entschieden. Ein Material, das für eine sehr starke Architektur steht. Wir wollten eine echte Oberfläche schaffen, nichts verfälschen, nichts verkleiden, die Struktur nicht mit einem Putz überziehen.

Die drei bisherigen Pavillons zeichneten sich durch eine sehr leichte Bauweise aus. Warum haben Sie sich für ­Beton entschieden?

Dennoch ist Beton ein sehr massives Material. Wir haben lange getüftelt, wie man dem Beton seine Schwere nehmen könnte. Am Ende haben wir uns für einen gehämmerten Beton entschieden, der im Laufe der Jahre eine ganz tolle Patina entwickeln wird und nach wie vor elegant aussieht. Zudem haben wir den Beton direkt von der Baustelle des BBT bezogen. Wir haben die Steine des Ausbruchs recycelt und n wiederverwertet.

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≥ pompöses Futterhaus

SEIS AM SCHLERN

pompöses Futterhaus Außen die Form eines Stadels, innen an Opulenz kaum zu überbieten. Stefan Rier hat sich seinen Architekten-Traum verwirklicht. Text: Verena Pliger | Fotos: Alex Filz

Die Wiedergeburt: Bauherr Stefan Rier hat der ländlichen Bauweise ­Respekt gezollt. Obwohl er das Messner-Haus neu aufgebaut hat, hat er sich an der alten Bausubstanz des historischen Hauses orientiert. Das ­Gebäude mitten in Seis hat eine Kubatur von 1100 m3 und gliedert sich in Form eines Futterhauses in das historische Ortsbild ein. Es lebe die Freiheit! Alles schwebt, alles ist offen, alles ist von überall einsehbar – selbst die frei stehende Badewanne im zweiten Obergeschoss. Auch im Inneren wird die Form des Stadels übernommen, mit stützenden Holzträgern und einer Lärchentäfelung, die bis zur Decke geht.

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„Ich war noch nie ein Fan von ­Minimalismus“ Stefan rier

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chlicht und modern kann jeder. Architektur muss Spaß machen, sich was trauen. Dieser Grundidee folgt die Arbeit von Lukas Rungger und Stefan Rier. Die Inhaber des Bozner Architekturstudios noa* haben sich vor rund 10 Jahren bei Matteo Thun in Mailand kennengelernt. Beim Großen der internationalen Architektur- und Designszene. Er hat sie fasziniert, weil seine Entwürfe möglichst weit weg waren von der herkömmlichen Form. Davon inspiriert, haben die beiden Südtiroler Architekten ihre eigene Sprache entwickelt. Sie entwerfen keine Häuser, sondern bauen Geschichten. Und sie tüfteln und forschen gegen die architektonische Langeweile. 14 No. 19 / 2018 

Alles ausser langweilig ist das Messner-Haus mitten im historischen Ortskern von Seis. Damit hat Stefan Rier, einer der beiden noa-Gründer, sein Lebenswerk geschaffen. Ein Bau ohne Kompromisse. Einfach, opulent, imposant. Es seien, sagt er, in der Kindheit gewebte Träume wahr geworden. Dafür hat er modernes und komplexes Raumgefüge in ein für Seis ortstypisches Gewand verpackt. Damit folgt er dem Genius Loci, dem Geist des Ortes. Beim Wiederaufbau des Messner-Hauses hat er sich an die Bauweise der ortstypischen Bauernhäuser angelehnt. Passend zum Nachbarhaus, das man als Feuerhaus bezeichnen könnte, hat er ein Futterhaus platziert. Mit klassischem Satteldach und ≥

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BERATUNG PLANUNG MONTAGE

≥ pompöses futterhaus

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Leben: Vom Wohnraum mit rosa Kommode und opulentem Samtsofa führt der Weg direkt zur weitläufigen Terrasse. Das Erdgeschoss ist einer Piazza nachempfunden. Herzstück ist der Holzofen aus Schwarzstahl, der zentral auf einem petrolfarbenen Kunstharz-Podest thront. Dahinter der Traum eines jeden ­Gastgebers: Eine lange Tafel für 12 Personen mit samtbezogenen Stühlen. Darüber hängen drei große Gips-Metallleuchten. Ruhen: Die Schlaf- und Badezimmer ­befinden sich in den mit Tapeten überzogenen Kuben. Sie werden von der Holzkonstruktion getragen und verteilen sich auf zwei Stockwerke.

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lichtstudio.com No. 19 / 2018 15


Liebe: Stefan Rier und Stefanie ­Pramstrahler sind seit drei Jahren ein Paar, im Sommer erwarten sie ihr erstes Kind. Bislang haben die beiden in Bozen gelebt, im Dezember haben sie das ­Messner-Haus bezogen. Leben: Während Stefan in Seis geboren ist, muss sich Stefanie an das Leben am Hochplateau erst noch gewöhnen. Gebürtig aus Auer, ist die Geschäftsführerin der Südtiroler Weinstraße Liebhaberin von Südtirols Süden.

Foto: Helmuth Rier

Leidenschaft: Die beiden verbindet die Liebe zum Wein und gutem Essen. Die Sommelière und der Architekt sind Gastgeber aus ­Leidenschaft.

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≥ pompöses Futterhaus

die Bauherren im gespräch ff: Sie sind im Dezember eingezogen. Wie fällt die erste Zwischenbilanz aus? Stefanie Pramstrahler: Mittlerweile gut, obwohl so üppig – oder vielleicht auch gerade­ deshalb –, strahlt das Haus eine extreme ­Gemütlichkeit und Wärme aus. Es gab aber auch Zeiten, in denen ich echt dachte: Stefan, jetzt übertreibst Du es. Etwa als der Kurier ganze 100 Meter dunkelblau-grünen Samtstoff anlieferte. Für Vorhänge im Eingangsbereich! Waren Sie immer schon offen für schräge ­Ideen? Stefan Rier: Ja, im Grunde schon. Ich war noch nie ein Fan von Minimalismus. Architektur muss Spaß machen. Ich mag es ausgefallen, abgefahren, auffällig. Ich mag den Glamour, Farben und Muster. Deshalb war es mir auch so wichtig, eine textile Ausstattungslinie zu entwickeln, die sich in einem Guss durch das ganze Haus zieht. Und wie sieht es bei Ihnen aus, stehen auch Sie auf Glamour? Stefanie: Eigentlich mag ich es lieber schlicht und reduziert. Am liebsten skandinavisch.­ ­Insofern ist Stefans Stil durchaus eine ­Heraus­forderung für mich. Wie lange haben Sie am Projekt gearbeitet? Stefan: Meine Eltern haben das Messner-Haus vor zehn Jahren gekauft. Erst wollten sie selbst einziehen, als sie meine ersten architektonischen Entwürfe gesehen haben, meinten sie, das passe alles viel besser zu mir. Also entschied ich mich, hier in Seis zu bauen. Sieben lange Jahre habe ich mit meinem Architekturstudio geplant und ­getüftelt, der Bau an sich hat vier Jahre in ­Anspruch genommen. Ihr Lieblingsplatz im Messner-Haus? Stefan: Aktuell der Garten, ich habe dafür eine richtige Passion entwickelt. Stefanie: Die freistehende Badewanne mit Blick in den Wohnraum ist echt der Wahnsinn. ­Gespannt sind wir, ob es unsere Tochter aber auch mal so toll findet, im Offenen zu baden. Stefan: Spätestes in der Pubertät könnte es wohl Diskussionen geben. Wir haben ja nur ­abgegrenzt, was wirklich privat ist, wie die ­Schlafzimmer, die Toiletten und die Sauna, die sich in abgeschlossenen Kuben befinden.

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≥ pompöses Futterhaus

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ERDGESCHOSS 1. Türkis: Die Küche, ein einziger glänzender Auftritt. Herzstück ist der massive Küchenblock. Gefertigt aus einer Stahl-Unterkonstruktion, überzogen mit handgefertigten Mosaik-Fliesen aus den ­Marken. Dazu passend: Die vom Schlosser nach Maß und aus ­einem Guss angefertigte Arbeitsplatte aus Bronze. Gekocht wird auf einem Gasherd mit vergoldeten ­Drehreglern, gespült mit einem vergoldeten Wasserhahn. 2. Nordisch: Hübsch sortiert präsentieren sich die Teller und ­Gläser. Praktisch: Schiebetür zu, und das offene Regal ­verschwindet aus dem Blickfeld. 3. Strukturiert: Unten die Küche und der Esstisch, darüber die ­beiden Kinderzimmer und das offene Badezimmer. 4. Theatralisch: Hinter den Samtvorgängen beim Hauseingang schwebt der Küchenblock.

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1. OBERGESCHOSS

Orientalisch: Minimalismus findet er furchtbar langweilig. Stefan Rier mag es, mit Farben und Mustern zu spielen. Morgenländisch angehaucht ist etwa die Treppe, die vom ersten Obergeschoss bis zur Dachterrasse führt. Das Muster hat der Bauherr selbst designt, fertigen ließ er die Schwarzstahl-Treppe vom Schlosser. Eindrucksvoll ist das Lichtspiel auf der ­Treppe. Da das Haus keine Innenwände hat, durchdringt das Licht ­jeden Zwischenraum.

| Foto: Alex Filz

Detailverliebt: Offen ist auch das Kinder-Badezimmer. Wer in der ­Einbaubadewanne sitzt, sieht runter bis in die Küche. Mutig die Farben der ­glasierten Krakelee-Fliesen an Wanne und Waschtisch. Kühle Aquatöne treffen hier auf Petrol und blasses Tannengrün. Für Ruhe sorgen die ­beiden weißen Porzellan-Aufsatzwaschbecken. Links davon verschwindet das WC in einer Box, die an der Außenfassade des Hauses hervorragt.

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≥ pompöses Futterhaus

2. OBERGESCHOSS

Dem Himmel so nah: Das Schlafzimmer von Stefan und Stefanie befindet sich ganz oben, in einer Box mit direktem Zugang zur ovalen Korian­Badewanne, die in luftiger Höhe lässig ruht. Gleich daneben haben die Bauherren ein herrlich gemütliches Daybed in einem warmen Rosaton ­eingerichtet. Blauglasierte Fliesen bilden den Bodenbelag des Ruhe­ raumes und setzen sich auch auf der kleinen Terrasse im Freien fort. ­Immer im Blick: das imposante Schlern-Massiv.

Retro-Chic: Ganze vier Meter lang ist der Waschtisch im Badezimmer. ­Erbaut wurde er aus einer Holz-Unterkonstruktion, veredelt mit ­ Petrol-grauem-Harz. Hingucker sind die vergoldeten Wasserhähne und die asymmetrisch angeordneten Schminkspiegel mit ihren runden LED-Leuchten. Die Dusche versteckt sich links am Ende des Raumes und wurde mit einer waschbaren Tapete ausgekleidet. Für zusätzliche ­Wohnlichkeit sorgen ­bodenlange Leinen-Vorhänge.

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≥ pompöses Futterhaus

2. OBERGESCHOSS

DACHGESCHOSS 1. Freiraum: Da der Bauherr auf Wände ­verzichtet hat, durchdringt das Licht die ­Zwischenräume der ­Kuben und gelangt überall hin. ­Humorvolle Akzente setzen ­mehrere Affen, die sich an der Schnur der ­langen Leuchten ­festhalten. Dazu ­passen die ­kleinen ­weißen Leuchten­ in Form einer Maus, die auf den Querver­strebungen platziert­ ­wurden.

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2. Weitblick: Die ­Architektur korrespondiert mit dem Ort. ­Besonders gut zu ­sehen in der Sauna, die sich der Architekt Stefan Rier im Dachgeschoss eingebaut hat. Herrlich der Blick auf den ­Santner und den Mull.

„ARCHITEKTUR MUSS SPASS MACHEN“ sTEFAN RIER

­ alkonen. Erbaut hat er das voll unterkellerte Haus auf einem B Sockel aus Stein, darauf thront ein dreigeschossiger Leichtbau aus Holz, ein Holzrahmentragwerk in dreidimensionaler Ausfachung. Das Gebäude erinnert an die Form eines Stadels. Das Schwere und das Leichte sind die konstruktiven Elemente des Baus. Um mit der Umgebung in einen Dialog zu treten, ragen in Form von Kuben an allen fünf Fassadenseiten Öffnungen hervor. Kuben, die einzelne Innenräume nach außen erweitern. Während außen die Tradition den Ton angibt, dominiert im Inneren die Moderne. Alles fließt, alles ist offen, alles ist frei. n

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Foto: Alexa Rainer

Pliger Text: Verena

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≥ eins mit allem

Alles in Holz: Nach hinten geschlossen, nach vorne mit raumhohen Fassaden verglast. Das Einfamilienhaus in ­Feldthurns hat Architekt Werner Tscholl mit der Landschaft geplant. Das kurvige Gebäude folgt den Höhenlinien des ­Geländes. Das Besondere: Das Vordach ist so weit nach vorne gezogen, dass im Sommer keine Sonne in die Wohnräume dringt. Im Winter dagegen werden die Wohnräume, dank einer leichten ­Dachneigung, mit Sonne geflutet. Alles offen: Unten die Sauna, der Hobby­raum und der Billardraum, oben die Wohnräume. Sie ordnen sich auf ­einer Ebene wie Perlen an. Der Wohn-, Ess- und Kochbereich sowie die beiden Schlafzimmer und Bäder haben direkten Zugang zur durchgehenden ­Terrasse. Die Untersicht der in der Luft schwebenden Terrassen ist aus Fichtenholz. „Schindeln wären zu rustikal. Eine ­Terrasse ist Teil des Wohnraums und verlangt nach Materialien mit einer ­gewissen Eleganz“, so Tscholl.

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n einer Landschaft ein neues Zeichen zu setzen, ist für einen Architekten nicht nur ein großes Privileg. Damit einher geht auch Verantwortung. Wie Südtirols Architekten mit dieser Verantwortung umgehen, erklärt ­Carlo Calderan, der Präsident der Architekturstiftung Südtirol.

ff: Zwischen Berghängen und landwirtschaft­ lichen Nutzflächen gibt es in Südtirol nur wenig bebaubaren Raum. Wie verantwortungs­ voll gehen die Architekten damit um?

Foto: Landespresseamt

Carlo Calderan: In den vergangenen Jahren hat sich sehr viel getan. Architekten sind sich bewusst, dass sie auf die geografischen und geo­ logischen Gegebenheiten eingehen und sich mit den Räumen auseinandersetzen müssen. Es geht nicht nur darum, irgendwo im Grünen einen Architektentraum zu realisieren. Bei so wenig offenen Räumen muss der Dialog mit der Natur zwangsläufig gesucht werden.

Carlo Calderan, Präsident der Architekturstiftung Südtirol

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Haben die Architekten genügend Gespür dafür? Sagen wir so, sie entwickeln ein immer größeres Gespür für die Wirklichkeit. Vor allem an öffent­ lichen Orten, wo in der Vergangenheit ja auch einiges schiefgegangen ist. Als Beispiel möchte ich Afers oberhalb von Brixen anführen. Früher gab es dort nur ein paar verstreut gelegene Höfe rund um eine Kirche. Mittlerweile ist ein richtiges Dorf entstanden, wobei nicht jede bauliche Entwick­ lung positiv war. Die starke Hanglage hat extrem hohe Einfassungsmauern verlangt, Baumodelle, ≥

Südtiroler Tage der Architektur Vom 25. bis 27. Mai 2018 Geführte Besichtigungen zu Fuß, auf dem Fahrrad, mit dem Pkw und Bus. Die vierte Ausgabe der Tage der ­Architektur bietet zehn verschiedene Touren durch Südtirol an. Architekten und Bauherren führen durch Gebäude, Parks und Straßen. So können sonst unzugängliche Räume bewusst erlebt werden. Alte Wirtshäuser können genauso besichtigt werden wie moderne Wohnhäuser, öffentliche Plätze, Parks, Hotels und auch ein umfunktionierter Bunker. Eisacktaler Baukunst. Eine der 10 Touren führt durch das Eisacktal. Dort wird an drei Beispielen Eisacktaler Wohnkultur gezeigt. „Hier hat sich seit der Jahrtausendwende enorm viel getan. Gerade in den Ortschaften ­Neustift, Feldthurns oder Barbian sind sehr gelungene Bauten, vor allem Einfamilienhäuser, entstanden“, erklärt der Brixner Architekt Thomas Mahlknecht. Er zeigt den Architekturbegeisterten am Freitag, 25. Mai, drei Privathäuser in Feldthurns, Schnauders und ­Barbian. Mahlknecht hat festgestellt, dass den Architekten der Genius Loci, also der Bezug zur Landschaft, zunehmend wichtiger wird. „Gebäude werden um bestehende Bäume gebaut und ragen aus Felsen hervor. Es ist ein Zeitalter angebrochen, in dem wir Architekten endlich das realisieren, was uns an den Unis gelehrt wurde“, so Mahlknecht. Das hänge auch damit zusammen, dass sich Bauherren heute viel stärker mit dem Thema ­Architektur auseinandersetzen. „In den 80er- und 90er-Jahren wurde einfach drauflosgebaut, stärker noch als an der Landschaft hat man sich an den ­Nachbarn orientiert. Heute haben Bauherren, auch dank der modernen Kommunikationsmittel, eine ganz ­genaue Vorstellung, wie der Neu- oder Umbau aus­ sehen soll. Damit fordern sie jeden Architekten heraus. Und das ist gut so“, meint Mahlknecht. Info und Buchung: Architekturstiftung Südtirol www.tagederarchitektur.it info@tagederarchitektur.it

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Foto: Alexa Rainer

≼ eins mit allem

SchĂźtzende SchindelhĂźlle. Erbaut wurde das Klimahaus A in konventioneller Ziegelbauweise. Dach, Wände und Untersicht wurden mit kleinen ­ edernholzschindeln schĂźtzend eingehĂźllt. „Die Schindeln passen perfekt zur Landschaft und eignen sich hervorragend, um dem geschwungenen Z Verlauf zu folgen“, so Tscholl. Eine schĂśne Patina, so der Architekt, wird das Einfamilienhaus erst im Laufe der Jahre bekommen: „Es verhält sich wie bei den alten Bauernhäusern. Richtig schĂśn wurden sie erst, sobald sie vollständig verwittert waren“.

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Ob frĂźhstĂźcken, lesen, sich mit Freunden treffen oder einfach nur entspannen – das Leben im Freien bietet eine Menge an MĂśglichkeiten. Ganz egal ob man den wohltuenden Schatten genieĂ&#x;en oder wirksam die Sommer-Hitze aussperren will, das vielfältige Sonnenund Wetterschutz-Programm vom Ăśsterreichischen Hersteller HELLA lässt keine WĂźnsche offen!

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≥ eins mit allem

„Richtig schön wird das Haus erst, sobald es ­vollständig abgewittert ist.“ Foto: Alexa Rainer

Werner Tscholl

Wohnhaus mit schützender Schindelhülle in Feldthurns.

Wohnhaus in Feldthurns

Foto: Alexader Alber

Architekt: Werner Tscholl

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Der Vinschger Architekt Werner Tscholl gehört zu den herausragenden ­Architekten des Landes. In Feldthurns im ­Eisacktal hat er ein Einfamilienhaus mit einem Kleid aus Schindeln geplant. Das Gebäude gehört einem Ärzteehepaar und wurde 2014 nach drei Jahren Bauzeit fertig­gestellt. Dafür wurde das bereits ­bestehende Wohnhaus abgebrochen und mit einem 850 Kubikmeter größeren ­Volumen neu aufgebaut. Das neue ­Gebäude versucht, dem Hanggrundstück gerecht zu werden, indem es einerseits dem Verlauf der bestehenden Höhen­ linien folgt und sich andererseits dem ­Gefälle des Grundstückes anpasst. Auf ­einer Seite wächst es eingeschossig und auf der anderen Seite zweigeschossig aus dem Hang heraus. Die etwas geschlungene und langgestreckte Form erlaubt die Positionierung aller Räume nach Süden. Damit hat jeder Wohnraum eine gleichwertige Aussicht auf die Geislerspitzen in Villnöß. „Feldthurns ist eine der wenigen Ortschaften in Südtirol, in der man nur Natur und Landschaft sieht. Also keine Fehler wie eine Industriezone oder Autobahn“, erklärt Tscholl.

Der Vinschger Architekt Werner Tscholl

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Naturstein Fliesen Holzböden Für deinen Garten.

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Fotos: Uwe Bacher

≥ eins mit allem

Wohnhaus mit Fassade aus Holzbeständen in Schnauders.

Wohnhaus in Schnauders Architekt Uwe Bacher

In Schnauders, oberhalb von Feldthurns, hat Architekt Uwe Bacher auf einer bestehenden Garage einen zweigeschossigen Aufbau geplant. Der Baukörper mit einer Nettowohnfläche von 160 Quadratmetern gliedert sich in eine ebenerdige Etage mit Wohn- und Essbereich und ein ­Obergeschoss mit drei Schlafzimmern und Bädern. Der monolithische Baukörper wurde bis in die Garagenebene mit einer dunklen Holzver­ schalung ausgekleidet. „Das Tolle an diesem Gebäude ist, dass sämtliches Holz vom elterlichen Holzverarbeitungsbetrieb des Bauherren stammt. Die Lagerbestände des Betriebs wurden zu Kreuzlagenwänden verarbeitet und für die tragenden Außenwände eingesetzt“, erklärt Bacher. Der Architekt fügt hinzu, dass zudem die gesamte Lärchenholzschalung der Außenwände vom Bauherrn selbst hergestellt und montiert wurde.

die eigentlich für andere Lagen erdacht wurden. Das hat dem Ortsbild sicher nicht gutgetan. Mit einem öffentlichen Bau ist es nun aber gelungen, diese Fehler der Vergangenheit zu korrigieren.

„Wir ­müssen in Süd­ tirol stärker am ge­ samtbild arbei­ ten“ Carlo Calderan

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Sie meinen die Grundschule der Architekten Pedevilla? Ja, genau. Die Architekten haben ihr Baukonzept an einer solchen Einfassungsmauer angesetzt. Die Giebelseite ist zum Tal ausgerichtet, und das flache Satteldach greift die nachbarschaftliche Bebauung auf. So verschmelzen die Baukörper wie selbst­ verständlich mit der Umgebung. Zudem wurde mit dem Bau der Schule, der Turnhalle und der Sportzone ein für das Dorf wichtiges Zentrum geschaffen. Die diesjährigen Tage der Architektur ste­ hen unter dem Motto „Räume öffnen, offene ­Räume“. Was heißt das nun konkret? Wir laden dazu ein, den Raum zwischen den Häusern und das, was die Architektur eingrenzt, bewusst zu erleben. Es geht um die Wechsel­ wirkung zwischen Architektur und Gesellschaft. Bei den zehn Touren durch Südtirol möchten wir

nicht nur zeigen, wie toll unsere Architekten sind, sondern auch, wo es hakt. Und wo hakt es? Wir müssen stärker am Gesamtbild arbeiten. Wir finden in unseren Dörfern zwar viele einzelne schöne Gebäude, leider fügen sie sich nicht immer wirklich gelungen in die Umgebung und in die Landschaft ein. Es ist schade, dass in Südtirol nicht öfter urbanistische Wettbewerbe ausgeschrieben werden. Wir bräuchten hier viel klarere Regeln. Vor allem Gemeinden müssen für sich besser und genauer definieren, wie das Ortsbild aussehen soll. Und zwar noch bevor ein Investor ein konkretes Projekt präsentiert. Was zeichnet Südtirols Architekturszene aus? Vielleicht dass wir keinen Star-Architekten im Land haben, über den unsere Architektur definiert wird. Vielmehr haben wir sehr viele sehr gute ­Architekten, die voneinander lernen und sich in den vergangenen Jahrzehnten stark weiterent­ wickelt haben. Nicht ohne Grund bekommen wir jede Woche mindestens eine internationale Anfrage n für eine Architekturführung durch Südtirol. 

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pr-info

Lösungsorientiert & engagiert

Gut geplant ist halb gewonnen: Trotz straffem Zeitplan gingen die Umbauarbeiten im Hotel Weinegg in Girlan reibungslos über die Bühne.

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egeisterte Kunden, qualitativ hochwer­ tige Bauten und motivierte Mitarbeiter – darauf legen wir großen Wert“, er­ klärt Sebastian Plattner von der Plattner AG. Oberstes Ziel sei es, die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Egal, ob Sanierung einer bestehen­ den Bausubstanz oder Neubau – je nach Be­ darf übernimmt das Bauunternehmen mit Sitz in Leifers die gesamte Palette eines Bauvor­ habens, was besonders bei komplexen Bau­ ten vorteilhaft ist: „Sobald Planung und Sta­ tik eines Projektes stehen, kommen wir zum Einsatz. Das operative Team plant die gesam­ ten Arbeitsprozesse in der Arbeitsvorbereitung durch. Damit wir eine termingerechte Abwick­ lung des Bauvorhabens garantieren können, dürfen wir nichts dem Zufall überlassen“, er­ klärt Plattner. Die Handwerker arbeiten ko­ ordiniert, Termine werden abgestimmt und Schnittstellen der ineinandergreifenden Ge­ werke berücksichtigt. „Jeder Bau ist ein Pro­ totyp und wird individuell organisiert, d. h. es gibt kaum Projekte, die ähnlich oder gleich sind.“ Gerade wenn die zeitlichen Vorgaben für ein Bauvorhaben eng gesteckt sind, wird je­ der Schritt genau geplant. Damit sich der Zeit­ druck nicht auf die personelle Ressource aus­ wirkt, ist das Bauteam, vergleichbar mit einer Fußballmannschaft, gut eingespielt, d. h. jeder hat seine Funktion und Rolle im Team.



Eines der letzten Mammutprojekte mit strik­ ten zeitlichen Vorgaben war der Umbau und die große Erweiterung des 5-Sterne-Hotels Weinegg in Girlan. „Gerade die verschiedenen Bauabschnitte, die Erweiterung sowie der Um­ bau waren eine besondere Herausforderung. Bei Hotelbauten ist es ja so, dass der Bau für den Kunden erst dann wirklich von Nutzen ist, wenn der Gast einzieht und sich wohl fühlt.“ Und was passiert, wenn Unvorhergesehenes eintritt? „Natürlich gibt es immer Engpäs­ se und Unvorhergesehenes. Dann kommt un­ sere Philosophie zum Tragen: Im Sinne des Kundennutzens handeln wir stets lösungsori­ entiert. Wir bemühen uns um schnelle und ef­ fiziente Lösungen, darüber hinaus setzen wir Technik und Material neuesten Standes ein. Nicht zuletzt bringen sich unsere hochquali­ fizierten Mitarbeiter mit großem Engagement tagtäglich ein.“ Und wie werden die Mitarbeiter motiviert? „Natürlich brauchen Mitarbeiter Lob und Wertschätzung, jedoch reicht das meiner Er­ fahrung nach nicht aus. Vielmehr ist es so, dass unsere Mitarbeiter Erfüllung und Sinn­ haftigkeit in ihrem Beruf finden.“ Der Mitarbei­ ter weiß: Um eine Herausforderung zu meis­ tern, ist Einsatz gefragt. Er engagiert sich und erlebt Erfolge. „Und der Erfolg wird sein per­ sönlicher Antrieb“, ist Plattner überzeugt.

Foto: Plattner AG

Foto: Hotel Weinegg

Kompetenz am Bau. Sebastian Plattner, Inhaber der Plattner AG, erklärt, warum engagierte Mitarbeiter so wichtig sind und wie es der Baudienstleister schafft, auch komplexe Bauvorhaben auf die Stunde genau dem Kunden zu übergeben.

Sebastian Plattner, Inhaber der Plattner AG.

Dem Unternehmer sind zufriedene Mitarbei­ ter wichtig. Dazu gehören für ihn auch Fort­ bildungsmaßnahmen: „Wir bieten den Mit­ arbeitern die Möglichkeit, sich fachlich sowie persönlich weiterzubilden. Beide Kompo­ nenten, sei es die soziale wie auch die fach­ liche Kompetenz, zeichnen unsere Mitarbei­ ter aus.“ Was die Firmenstrategie betrifft, so hat Platt­ ner die Zukunft stets im Blick. Grundsätzlich sei es Voraussetzung, den Markt sowie den Kunden zu verstehen. Aber ebenso wichtig sei es, Weitsichtigkeit zu besitzen: „Wir achten bei unseren Bauvorhaben auf die Nachhaltigkeit der verarbeiteten Materialien und darauf, dass sie beispielsweise umweltfreundlich herge­ stellt werden. Unser Credo ist, eine zukunfts­ trächtige Baukultur für Menschen zu schaffen und unsere Kunden mit unserer Dienstleistung ❧ zu begeistern.“

Plattner AG Gewerbezone Wurzer 41, Leifers info@plattner.bz | www.plattner.bz

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DIETENHEIM

GEKONNTER KNICK Das Haus M interpretiert das Satteldach neu. Und mag es sonst modern und geradlinig. Text: Verena Pliger | Fotos: Gustav Willeit

Reduziert: Das zweistöckige Einfamilienhaus in Dietenheim trägt die Charakteristik eines doppelten Satteldaches. Das voll unterkellerte Haus verzichtet auf jedes Dekor. Einzige Protagonisten: Dunkel lasiertes Lärchenholz und ein mineralischer Steingranulat-Waschputz.

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uhig, beschaulich, idyllisch. So zeigt sich die kleine Pusterer Ortschaft Dietenheim. Es sind vor allem die schön erhaltenen Bauernhöfe, die prächtigen Ansitze und natürlich das Volkskundemuseum Dietenheim, die das Ortsbild prägen. Sich an diese historischen Ensembles anzupassen, ist für Bauherren, Architekten und Planer eine große Herausforderung. Erst recht bei einem Neubau wie dem Wohnhaus M. Ein Einfamilienhaus, das Teil der ter32 No. 19 / 2018 

rassenförmig angegliederten Neubausiedlung Aschgut ist, aber doch ganz für sich steht. Asymmetrische Dachform. Anders als die Einfamilienhäuser daneben, wurde das Haus auf einem doppelten Grundstück realisiert. „Trotz der doppelten Fläche musste es ein Satteldach sein. Das gab der Durchführungsplan so vor“, erklärt Marco Micheli vom Architekturstudio Comfort Architecten in Bruneck.­

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≥ gekonnter knick

1. Filigran: Die Fassade an der Rückseite des Hauses ist mit schmalen Fenstern gegliedert. Sie bringen natürliches Licht in den Treppenaufgang im Inneren des Hauses. 2. Robust: Von der Tiefgarage führen Treppen aus Betonfertigteilen zum Garten und zum Eingang des Hauses. 3. Klar: Der Eingangsbereich im Erdgeschoss ist vollständig mit dunkel ­lasiertem Lärchenholz ausgekleidet. Er führt in den Wohnbereich mit ­Küche, Wohn- und Arbeitszimmer. 4. Einheitlich: Links die Trockensteinmauern, rechts die leicht abfallende Tiefgarage, darüber der leicht abgeböschte Garten. Auf Wunsch des Bauherren wurde der Garten rund ums Haus auf mehreren Ebenen angelegt. 5. Überdacht: Die Terrasse wurde an der Rückseite mit dunklem Lärchenholz ausgeschalt, für zusätzliche Privatsphäre sorgen vertikal angeordnete Holzlamellen. Der Terrassenboden ist aus hellem Lärchenholz.

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Foto: Privat

Foto: Privat

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Die Architekten Der gebürtige Brunecker Marco Micheli, 49, (links) und der aus Bozen stammende ­Michael Mumelter, 46, (rechts) haben sich ­während ihres Architekturstudiums in Innsbruck kennengelernt. 2002 gründeten die beiden Architekten das Studio Comfort Architecten in Bruneck. Zu den realisierten Projekten zählen Wohngebäude, ­Projekte im Tourismus, Büro-, Gewerbe- und Industriebauten, Renovierungen und Sanierungen im denkmalgeschützten ­Bereich sowie Inneneinrichtungen. Eines der jüngsten realisierten Projekte: das neu ­eröffnete Hotel Lichtenstern am Ritten.

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≥ gekonnter knick

Erdgeschoss

Daten & Fakten: 240 Quadratmeter Nettowohnfläche, aufgeteilt auf zwei Ebenen. Plus Tiefgarage und Keller. Anschluss an das Fernheizwerk.

Erdgeschoss: Richtung ­Garten der Wohnraum, links das Arbeitszimmer und Gästezimmer, hinten der Eingang, die Küche und der Esstisch.

1. Obergeschoss

Obergeschoss: Vier Schlafzimmer, ein Badezimmer, ein Wirtschaftsraum und ein Aufenthaltsraum, der als Musikund Spielzimmer genutzt wird.

Harmonie: Im Erdgeschoss beschränkt sich alles auf das Wesentliche: In der Mitte steht ein ­imposanter Ofen, links ein mit Glas abgetrennter Arbeitsraum und ein Gästezimmer, hinten rechts befindet sich die Küche und der Esstisch, vorne der Wohnraum mit Zugang zum Garten.

Gemeinsam mit Michael Mumelter hat er das Wohnhaus am Ende so geplant, dass es die Charakteristik eines doppelten Satteldaches aufnimmt. Sprich: Das Satteldach wurde neu interpretiert. Entstanden ist eine etwas expressivere, asymmetrische Dachform, die auf der Westseite des Hauses einen Knick nach vorne macht. „So wirkt der Baukörper ganz unterschiedlich aus den verschiedenen Blickwinkeln, fügt sich aber trotzdem harmonisch in die Umgebung ein“, erklärt Architekt Micheli. Verschalung aus Holz. Das kompakte Haus ohne jeden Schnörkel spielt mit Glas, stellt das Familienleben aber dennoch 34 No. 19 / 2018 

Natürlich Holz: In den Innenräumen wurde nur eine Holzart verwendet: Böden, Türen und Einbaumöbel sind aus naturbelassener geölter Lärche.

Helligkeit: Der Treppenaufgang vom Keller ins Erdgeschoss wurde in Lärchenholz ausgeführt. Die Glasfront flutet den Keller mit Tageslicht.

nicht zur Schau. Die weitläufige Terrasse im Obergeschoss ist so angeordnet, dass sie vom Nachbarn nicht einsehbar ist. Für zusätzliche Privatsphäre sorgt eine vertikale Brüstung aus Holzlamellen. Sowohl die Lamellen als auch die Holzververschalung an der Rückseite sind aus dunkel lasiertem Lärchenholz. „Dank der Lasierung wittert das Gebäude nicht unregelmäßig ab“, erklärt Micheli. Das Einfamilienhaus mit einer Nettowohnfläche von 240 Quadratmetern gliedert sich in zwei Ebenen. Unten befinden sich die Wohnräume, oben die Schlafräume und ein Aufenthaltsn raum, der als Musik- und Spielzimmer genutzt wird. 

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pr-info

Das Fertig(durchdachte)haus

Südtiroler Top-Sportler haben ihr Bauvorhaben in die Hände des Sterzinger Fertighausherstellers Alp House gelegt. Die Profis sind sich einig: „Mit Alp House an unserer Seite, würden wir am liebsten gleich noch mal Bauen.“

Das Abenteuer Hausbau haben der Alpinist Simon Gietl und seine Frau Sandra Oberfrank in die Hände von Alp House gelegt.

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x-Skirennläuferin Lucia Recchia und ihr Ehemann, der Sportjournalist Christoph Wieser, wünschten sich ein Haus mit mediterranem Flair. Doch die negativen Bauerlebnisse vieler Freunde schreckten sie ab. „Bei Alp House haben wir gefunden, was wir wollten: Fixpreis, schnelle Fertigstellung und vor allem eine massive Bauweise“, erzählt Lucia Recchia. „Wir hatten konkrete Vorstellungen von unserem Zuhause. Alp House ging auf unsere Wünsche ein, sie wurden auf einen gemeinsamen Nenner gebracht und umgesetzt. Besonders hilfreich war die 3D-Darstellung, mit der man uns verschiedene Raum­ lösungen vorab zeigte.“ Der Alpinist Simon Gietl und seine Frau Sandra Oberfrank sehnten sich nach einem modernen Haus mit viel Platz. „Meine Frau und ich kamen mit einem fertigen Projekt zu Alp House. Die unkomplizierte Zusammenarbeit mit unserer Architektin hat uns sehr beeindruckt. In der Planungsphase konnten wir sogar einige Optimierungen finden, die optisch kaum ins Gewicht fielen, jedoch den Preis deutlich



Auch Ex-Skirennläuferin Lucia Recchia und ihr Mann Christoph Wieser vertrauten auf das Sterzing Unternehmen.

Alp House schafft Häuser fürs Leben, aber keines ähnelt dem anderen. Südtirols führender Anbieter von Fertighäusern in massiver Ziegelbauweise bietet alles aus einer Hand. Mit einem einzigen Ansprechpartner, der sich um Durchführung, Koordination und Über­ wachung aller Baufortschritte kümmert. Auch bei Gemeinde- und Beitragsansuchen lässt das Sterzinger Unternehmen seine Kunden nicht allein. Die Experten führen gekonnt, mit Übersicht und Klarheit durch den Bürokratiedschungel und liefern wichtige grund­ legende Informationen zu baurechtlichen Fragen. „Bei uns endet die Kundenbetreuung nicht mit der Schlüsselübergabe. Nur so können wir mit jedem Projekt dazulernen und uns immer weiter verbessern“, erzählt Geschäftsführer Helmuth Leitner.

senkten“, erzählt Simon Gietl. Beeindruckt hat den Alpinisten vor allem die gute Koordination: „Jeder Handwerker von Alp House weiß, was der andere tut. Sie sind kompetent, innovativ,

MTB Profi Franz Hofer und seine Lebensgefährtin, Ex-Skirennläuferin Denise Karbon leben nun in ihrem Traumhaus.

flexibel und haben Freude an den Projekten. Deshalb konnten wir die Bauzeit entspannt genießen und die Besuche auf der Baustelle wurden jedes Mal zu einem Erlebnis.“ Ex-Skirennläuferin Denise Karbon und ihr Lebenspartner, der Mountainbikeprofi Franz Hofer, träumten von einem rustikalen, aber dennoch modernen Chalet. „Aufgrund der Nähe zum Wald wollten wir ein Haus mit ChaletCharakter, aber dennoch mit viel Glas, hohen Räumen und vielen modernen Elementen. Alp House hat all unsere Wohnträume in die Planung einfließen lassen. Wir bekamen viele Tipps, man hat uns jedoch keine Entscheidung aufgezwungen. Die Zeit vom Projektbeginn bis zum Einzug haben wir wirklich entspannt und ❧ ohne Stress erlebt.“ 

Alp GmbH Karl von Etzel Straße 6, 39049 Sterzing Tel. +39 0472 767 111 | Fax +39 0472 767 911 info@alphouse.it | www.alphouse.it

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BOZEN

Es werde Licht Aus einer dunklen Wohnung aus den 70ern wird eine helle Wohninsel. Klassisch, dezent, aufgeräumt.

Fotos: foto-dpi.com

Text: Verena Pliger

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≥ es werde licht

1. Offenes Wohnen: Die Raumaufteilung wurde den ­Ansprüchen unserer Zeit angepasst, Eingangsbereich und Wohnraum fließen zusammen. Geblieben ist die Stuck­ decke aus den 70er-Jahren, sie wurde saniert und verleiht dem Raum heute eine luftige Tiefe. 2. Gut verstaut: Eine imposante, flächenbündige ­Schrankwand teilt die Wohnung in einen Tages- und einen Nachtbereich. Der Raumteiler aus nur vier Millimeter ­dicken ­lackierten Aluminiumwabenplatten dient zugleich als Stauraum. Highlight ist die nicht sichtbare Schwingtür, die vom Wohnraum in das Schlaf- und Badezimmer führt. 2. Haute Couture: Der halbhohe Paravent ist Raumteiler und dekorativer Hingucker zugleich. Er dämpft den Schall und trennt den Raum, ohne ihn zu verkleinern. Das L-förmige Element wurde von der Textildesignerin Paula Lenti mit einem hellen Stoff bespannt.

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1. Aus Alt mach Neu: Die ursprüngliche Küchen­ zeile blieb erhalten und wurde zu einer weißen linearen Küchenfront umgebaut. Neu ist die freistehende Theke mit ockergelben Barhockern für den schnellen Snack zwischendurch.

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2. Schöner arbeiten: Herzstück des Büros ist der Glastisch mit der Travertinstein-Säule. Für Wärme sorgt die Wandtapete im Muster ­einer Weltkarte, für Ordnung der mit Textilleder ­bezogene Stauraumschrank.

uadratische Fenster, schlecht isolierte Wände, unübersichtliche Raumaufteilungen. So präsentieren sich viele Wohnungen aus den 70er-Jahren. Dunkel und verschachtelt, so zeigte sich auch diese Dreizimmerwohnung in Bozen-Gries. Die Wohnung mit ihrem engen Grundriss war in die Jahre gekommen und entsprach nicht mehr dem Zeitgeist. Je offener und weiter, desto besser – diesen Wunsch äußerte der Bauherr, als er sich Angelika Mair anvertraute. Die Rittner Architektin sollte ihn beim Umbau begleiten. „Ursprünglich sollte der Umbau nur einige wenige Elemente betreffen, vor 38 No. 19 / 2018 

3. Komfortzone: Im Wohnzimmer dominieren schlichte Linien und naturnahe Töne. Neue ­Sitzmöbel, wie das gemütliche Daybett oder der Lese­sessel, wurden mit Lieblingsstücken, wie dem kleinen Glastisch, kombiniert.

allem sollten die Leitungen und die Böden erneuert werden. Vier Entwurfsphasen später entschieden wir uns für eine maßgeschneiderte Neugestaltung der Wohnung. Der Wunsch nach Großzügigkeit und Einheitlichkeit überwog einfach“, erzählt Angelika Mair. Wände raus! Alle nicht tragenden Wandelemente wurden entfernt. Das Fenster zur Terrasse hin wurde bis zum Boden aufgebrochen. Die Wohnung wurde aufgeteilt in einen offenen Tagesbereich mit Entree, Küche und Esszimmer und einen Nachtbereich mit Zimmer, Badezimmer und Büro. Clever abgegrenzt mit einer imposanten Schrankwand. „Die Schränke

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≥ es werde licht

Fotos: foto-dpi.com

die Architektin im gespräch

Architektin Angelika Mair

ff: Die Räume waren klein und die Grundrisse ­verwinkelt. Heute präsentiert sich die Wohnung hell und luftig. Ihr Rezept für den Umbau einer Wohnung aus den 70ern? Angelika Mair: Ich hatte den großen Vorteil, dass der Bauherr eine sehr klare Vorstellung hatte und im Prinzip nur eines wollte: Einheitlichkeit. Also haben wir alle nicht tragenden Wandelemente entfernt und so Entree, Küche und Esszimmer zu einem einzigen Raum verschmelzen lassen. Um beim Betreten der Wohnung aber nicht unmittelbar im Wohnzimmer zu stehen, haben wir den Eingangsbereich leicht abgeschottet. Womit? Damit der Wohnbereich nicht auf Anhieb sichtbar ist, haben wir mit einem halbhohen L-förmigen Paravent das Gefühl eines Eingangsbereichs geschaffen. Damit der Paravent schön wohnlich wirkt, haben wir ihn von der Textildesignerin Paula Lenti nach Maß bespannen lassen. Farblich haben wir uns an das mit dem Bauherren erarbeitete Farbkonzept gehalten: Ockergelb, Orange, Bordeaux und Grau. Farben, die sich durch die gesamte Wohnung ziehen. Finden sich in der Wohnung auch bestehende ­ lemente? E Ja, wir haben zum Beispiel Teile der Küche wiederverwendet, die der Bauherr erst vor fünf Jahren hat anfertigen lassen. Wir haben die Küchenzeile aus ihrer Nische entfernt und zu einer linearen Küchenfront umgebaut. Zusammen mit dem freistehenden Küchenblock wirkt sie nun wieder wie neu. Außerdem lehnen sich die Feinsteinzeug-Fliesen in Travertinstein-Optik an zwei bestehende Möbelstücke an: das Bücherregal im Wohnzimmer und den Schreibtisch im Büro. Wir wollten bestimmte Stücke, die dem Bauherrn über die Jahre lieb geworden sind, bewusst integrieren.

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Fotos: foto-dpi.com

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1. Edler: Das goldbronzene Mosaik hinter dem ­verschiebbaren Spiegelkasten macht aus dem Bade­ zimmer ein wahres Schmuckstßck. Immer im Blick: das angrenzende Schlafzimmer.

3. Eleganter: Fßr Homogenität sorgt die FeinsteinzeugBodenfliese in Travertinstein-Optik. Sie zieht sich auch an der Duschwand fort. Praktisch und klug geplant: Die Sitzbank in der Dusche.

2. SchÜner: Auch bei den Armaturen setzt der Bauherr auf Individualität. Die Wandarmatur von Fantini in Goldoptik sorgt fßr einen zusätzlichen glänzenden Akzent.

4. Raffinierter: Vom Schlafzimmer fßhrt ein Glasschiebe­ element ins Bßro und Badezimmer, und eine Schwingtßr verbindet den Schlafraum mit dem Wohnraum.

haben wir ganz bewusst als Raumteiler eingesetzt. So konnten wir den Stauraum reduzieren und den Wohnraum maximieren“, erklärt die Architektin. Um die GroĂ&#x;zĂźgigkeit zu unterstreichen, wurde nur ein Bodenmaterial verwendet. Durch die gesamte Wohnung ziehen sich Feinsteinzeug-Fliesen in Travertinstein-

Optik. Sechs Monate hat der Umbau gedauert. Bisherige Verbindungsgänge entwickelten sich zu Raumfolgen, die ehemals dunklen Wohnräume werden mit Licht geflutet, und dank des groĂ&#x;flächigen Fensters entstand das angenehme GefĂźhl, dass n sich der Wohnraum drauĂ&#x;en fortsetzt. 

    

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KÜCHE

back to black Schwarz trifft auf Altholz. Zwei Küchen zeigen, wie diese außergewöhnliche Kombination gelingt. Text: Verena Pliger

Foto: Simon Perathoner

KÜCHE 1

Holz & Eisen: Eine Wohnküche in Gröden. Die Fronten der Küchenzeile und des Küchenblocks sind aus Altholz. In Kombination mit dem schwarzen Eisen und der dunklen Arbeitsplatte wirkt die Küche herrlich lebendig.

Von ihrem künftigen Lieb­ lingsplatz hatten die Bau­ herrn eine klare Vorstellung: Gemütlich und bloß nicht steril. So soll­ te ihre Wohnküche in St. Ulrich wirken. Eine Küche mit einer schönen Patina, die einen lebendigen Charakter versprüht. „Zeichen der Zeit waren für die Bauherrin genauso gewünscht wie eine natürliche KÜCHE 1

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Alterung“, erklärt Bettina Blasbichler. Die Designerin aus Feldthurns arbeitet seit sechs Jahren in der Tischlerei ihrer Eltern in Feldthurns und hat die Küche in Gröden entworfen. Eine Küche, in der Altholz auf schwarzes Eisen trifft. Perfekt abgestimmt für einen warmen, aber nicht zu rustika­

len Ton. Das Besondere: Die Fronten aus Altholz wurden nicht auf Alt gemacht, sondern das Holz kommt aus alten Süd­ tiroler Stuben. „Mein Vater Pius hat sich auf die Suche nach dem kostbaren Holz gemacht, er hat ein gutes Händchen da­ für und schafft es immer wieder, echtes, schönes Altholz zu finden“, sagt Bettina Blasbichler.

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≥ back to black

DIE DESIGNERIN IM GESPRÄCH:

Foto: Privat

Bettina Blasbichler ist Innendesignerin und ­arbeitet seit sechs ­Jahren in der Tischlerei ihrer Eltern in ­Feldthurns.

ff: Altholz in der Küche, ist das nicht wahnsinnig empfindlich? Bettina Blasbichler: Das möchte man auf den ersten Blick meinen. Diese Küche in Gröden ist das beste Beispiel dafür, dass das so nicht stimmt. Wobei die Unempfindlichkeit auch damit zu tun hat, dass wir originales Altholz verwendet haben, sprich Holz aus alten Stuben. Der große Vorteil: Da das Holz glatt geschliffen und zum Teil auch gehobelt wurde, ist es weniger porig. Und was tun, wenn ein Fleck auf das Altholz kommt? Hauptsache, keine scharfen Reinigungsmittel ver­ wenden. So, wie man früher alte Stuben ge­reinigt hat, einfach mit einem Tuch, bloßem Wasser und etwas Schmierseife. Außerdem finde ich es auch nicht weiter schlimm, sollte ein Fleck wirklich mal eine Spur hinter­ lassen. Ein natürliches Material wie Altholz darf ruhig leben und authentisch aussehen. 

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Worauf kommt es bei einer guten Küchenplanung an? Eine Küche muss nicht nur gut aussehen, sie muss vor allem praktisch sein. Da man heute gerne auch mal zusammen kocht, braucht man zwischen Küchenzeile und Küchenblock genügend Platz. Ich rate gerne zu einem Abstand von einem Meter.

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Beim Preis einer Küche sind nach oben hin keine Grenzen gesetzt. Wo sollte man auf keinen Fall sparen? Aus meiner Sicht bei den Ausziehschubladen. Sie sind zwar etwas teurer als Türen, aber sie zahlen sich aus. Ein Vollauszug ist einfach praktisch, denn der Inhalt kann vollständig überblickt werden, und auch weiter hinten platzierte Küchenutensilien oder Lebensmittel sind leicht erreichbar.

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Fotos: Simon Perathoner

Klug gelöst: Die Oberschränke reichen bis unter die Decke. Hinter den Fronten ist extra viel Stauraum. In der schließbaren Nische, rechts von der fünf Meter langen Küchenzeile, können auf Wunsch alle Küchengeräte verschwinden. Die Arbeitsfläche der zwei Meter langen Kochinsel ist aus dunklem Grafitstein. Holz auf Holz: Das Altholz der Fronten passt wunderbar zum alten Dreischichtboden aus Eichenholz. „Der Boden eignet sich sehr gut für Räume mit Bodenheizung“, so Blasbichler.  Bitte zu Tisch: Die Oberfläche des Esstisches ist aus sägerauer, gebürsteter Räuchereiche, das filigrane Gestell aus schwarzem Eisen. Dazu passend: Stühle und Lampen, die trotz ihrer unterschiedlichen Form und Farbe harmonisch zusammenpassen.

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≥ back to black

Fotos: Aschbacher Wohnen

KÜCHE 2

Offene Wohnküche: Eine Design-Küche, vollkommen in Mattschwarz, eines jungen Musiker-Paars in Milland. Parallel zur Küche steht der ­große Esstisch aus Massivholz. Mit den weichen Sesseln ergibt die markante sägeraue Eichenholzoberfläche eine lässig-gemütliche ­Kombination.

„Altholz wird nur dort eingesetzt, wo nicht ­gespült und ­gekocht wird.“ Franz Aschbacher

Bettina Blasbichler liebt es zu tüfteln. Vor allem wie Platz und Stauraum bestmög­ lich ausgenutzt werden können. So wie in dieser Küche in Gröden: Um Küchen­ utensilien nicht immer im Blickfeld zu haben, wurde in die Küchenzeile eine auf den ersten Blick nicht sichtbare Nische eingebaut. „Erst wenn man die Aufschub­ türen öffnet, bekommt man Einblick ins

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Innenleben. So wirkt es immer schön auf­ geräumt“, sagt Blasbichler. Praktisch gelöst. Obwohl mit Büf­ felwachs eingelassen, kommt das schwar­ ze Eisen nur dort zum Einsatz, wo nicht geschnippelt und gebraten wird. Etwa bei den Griffleisten oder als Auskleidung bei den Fensterrahmen und Nischen. „Wo 

gearbeitet und gespritzt wird, wäre Eisen viel zu empfindlich. Deshalb sind all die Arbeitsflächen ausschließlich aus robus­ tem Grafitstein“, so Blasbichler. Musik ist ihr Leben, Kochen ihre Leidenschaft. In einer Terrassenbauanlage in Mil­ land hat sich ein junges Musiker-Paar KÜCHE 2

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≥ back to black

DER EINRICHTER IM GESPRÄCH ff: Worauf kommt es an, wenn man eine Küche plant?

Foto: Aschbacher Wohnen

Franz Aschbacher: Auf die penible Planung, sprich auf eine gute Ablaufplanung und die richtigen Proportionen. Leider wird dar­ auf oft zu wenig geachtet. Zwischen Spül- und Kochbereich sollte für die Arbeitsfläche eine Mindestbreite von 90 Zentimeter vorge­ sehen werden. Wichtig auch, eine Kücheninsel sollte so großzügig ge­plant werden, dass das Waschbecken oder das Kochfeld nicht direkt an den Rand andocken. Hier sollte jeweils ein Mindest­ abstand von 30 Zentimetern eingehalten werden. Ansonsten fehlt nicht nur wertvolle Ablagefläche, sondern es besteht auch die Gefahr, dass Fett oder Wasserspritzer auf den Boden tropfen.

Gelungene Kombi: Das Altholz, gepaart mit Schwarz, bringt ein Gefühl von Geborgenheit und Wärme in die Küche.

einen Traum erfüllt: eine Design-Küche, vollkommen in Mattschwarz. Eine Küche mit einer klaren Sprache. „Das erfordert Mut. Die Bauherrn haben sich getraut, sie gehören zu den ersten Kunden, die mit einem so expliziten Wunsch an uns herangetreten sind, seither haben wir sehr viele schwarze Küchen realisiert“, sagt Franz Aschbacher, der mit seinem Einrichtungshaus „Aschbacher Wohnen“ in Sand in Taufers die Küche geplant und eingerichtet hat. Aufgefrischt wird das Schwarz mit einer markanten Wand aus

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Und auf welcher Höhe sollte das Backrohr eingebaut ­werden? Mein Motto lautet: Man sollte sich beim Bedienen des ­Backrohrs nicht strecken, aber auch nicht bücken müssen.

Altholz. „Das Holz schenkt der Küche Wärme, ohne dabei rustikal zu wirken. Wobei wir das Altholz nur überall dort eingesetzt haben, wo nicht gespült und gekocht wird. Ansonsten wäre Altholz viel zu empfindlich“, sagt Aschbacher.

Kochinsel, deshalb sind die Materialien besonders solide gewählt. Die Oberflä­ chen der Fronten und Schubladen sind aus widerstandsfähigem Laminat. Die fugenlose Arbeitsfläche aus schwarzem Naturstein.

Die Wohnküche ist durchdacht bis ins Detail. Herzstück ist der über drei Meter lange Küchenblock, an den ein kleiner Massivholz-Tresen andockt. Eine prak­ tische Lösung für den schnellen Snack zwischendurch. Gekocht wird auf der

Technische Finesse. Highlight ist der Bora-Induktionsherd mit integrierter Abzugshaube. „Der Koch-Wrasen, also der Nebel in der Luft, wird über ein Ringgitter mittig im Kochfeld nach unten gesaugt“, sagt Franz Aschbacher.  n

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GARDASEE

heisse eisen Freiluftküchen liegen im Trend: Wir zeigen, was die Outdoor-Küche kann und worauf es bei der ­Planung ankommt. Text: Verena Pliger | Fotos: Alex Filz

1. Reduziert: Unter dieser Laube einer Villa am Gardasee wird seit vergangenem Sommer ­gegrillt. In einer Freiluftküche, die in der Tiefe, Länge und Breite aus drei gleich großen Modulen­ besteht. Links der Grill, in der Mitte die große ­Arbeitsfläche, rechts die praktische Spüle.

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2. Schwarz in Schwarz: Das Gehäuse der Module besteht aus hochverdichtetem schwarzem Beton und thront auf einem verzinkten Stahl­gerüst. Darin integriert wurde ein Gas-Grill von Napoleon. Der ebenso schwarze Bügel wurde mit einer ­indirekten Beleuchtung ausgestattet.

3. Praktisch: Das tiefe Waschbecken ist aus ­einem Guss aus schwarzem Beton. Der Bügel dahinter hält eine Installations-Box. Dort an­ gebracht sind Lichtschalter und Steckdosen für eventuelle Kleinküchengeräte wie Mixer, ­Schneidemaschine oder eine Teppanyaki-Platte.

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≥ Heisse Eisen

Maßgefertigte Echtholztüren aus Südtirol Erfahrung trifft Qualität. Handwerk mit Liebe zum Detail begegnet einer einzigartigen Vielfalt an Materialien und Fertigungsvarianten. So entstehen jährlich über 30.000 Innen- und Haustüren. 1. Mediterran: Villa samt Pool zwischen Olivenbäumen und Zypressen. Philipp Nösslinger hat den Bauherren bei mehreren Umbauten begleitet. Bei der Planung der Freiluftküche hatte er freie Hand.

ff: Sie sind bekannt für die Planung großer Hotels oder luxuriöser ­Einfamilienhäuser. Nun haben Sie eine Freiluft-küche entworfen, wie kommt’s?

Welche Materialien haben Sie ­verwendet? Es kamen nur zwei Materialien zum Einsatz: Stahl und Beton. Das Gerüst und der Bügel sind aus verzinktem Stahl und wurden schwarz pulverbeschichtet. Der massive Block der Module ist aus hochverdichtetem Beton, der ebenso schwarz eingefärbt wurde. Die wahre Herausforderung war der Transport, wir brauchten sechs Leute, um die schweren Betonwürfel anzuschleppen.

Philipp Nösslinger: Ich s­chmeiße selbst leidenschaftlich gerne den Grill an. Sommersaison heißt für mich Grill­ saison. Entsprechend war ich Feuer und Flamme, als ein Kunde am Gardasee den Wunsch einer Outdoor-Küche äußerte.

Aber ist Beton nicht anfällig für ­Spritzer und Fettflecken? Wir haben den Beton bewusst hoch verdichtet. So kann er möglichst wenig aufsaugen und ist entsprechend einfach zu reinigen. Die Patina der schwarzen Betonwürfel wird von Jahr zu Jahr schöner werden, denn die Oberfläche wird ähnlich wie ein Stein ganz langsam n verwittern.

Also leidenschaftlicher Grillmeister, was war Ihnen besonders wichtig? Die Funktion und die Einfachheit hatten beim Entwurf absolute Priorität. Denn jeder kennt es, das Reinigen nach dem Grillen kann sehr mühsam sein. Deshalb haben wir eine Küche geplant mit klaren Linien und einem puren Design. Wie setzt sich die Küche zusammen? Die Küche besteht aus drei gleich großen Modulen, das schafft Einheit­ lichkeit. Wobei jedes Modul auf nur eine Funktion reduziert ist. Auf den Grill, die Arbeitsfläche und die Spüle. Wichtig war uns vor allem eines: Wir wollten die pure Grillfunktion in den Vordergrund rücken. Deshalb haben wir auch keinen Kühlschrank oder zusätzliche Schubla­ den integriert. Dafür kommt in Kürze ein viertes Modul dazu: Ein Pizzaofen.

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Architekt Philipp ­Nöss­linger führt mit Claudine Holstein und Norbert Gufler das ­Architektur- und Generalplanungs­ unternehmen G22 Projects in Lana. Zu den jüngsten ­Projekten zählen die Seilbahn Marmolada und die Andreus Golf Lodge im Passeiertal.



Besuchen Sie unsere Ausstellungsräume in Kiens und Bozen! Rubner Türen AG Handwerkerzone 10 39030 Kiens (BZ) T: 0474 563 222

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TERRASSE

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RAUS MIT DIR! Im Sommer wird die Terrasse zur Wohnung unter ­freiem Himmel. Wie Sie es sich schön machen. Text: Verena Pliger

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Foto: ff-Grafik

6 1. Trendige Hänger: Die geometrischen Pflanzenhänger aus Steinzeug sorgen für Retrofeeling auf der Terrasse. Lässig ­befestigt an natur­ farbenen Seilen. Von ferm Living in zwei Größen, ab 42 Euro.

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2. Herrliches Sofa: Absolut zeitlos ist das Ecksofa „Natal Alu“ von Tribù. Mit subtilem Aluminium­Gestell, gebogenen Armlehnen und ­wasserabweisenden Outdoor-Polstern, um 5.863 Euro.

3. Hübsche Kanne: Die Gießkanne „Bau“ aus verzinktem Stahl ist funktional und zugleich ein Hingucker. In Rosa, Warmgrau oder Dunkel­blau, von ferm Living, 2 Liter, um 54 Euro.

4. Feiner Hocker: Dank witterungs­ beständiger Füllung und strukturiertem Outdoor-Stoff eignet sich der bequeme Pouf von Tribù auch für das Freie. Ideal auch als Beistell­ tisch. Ab 445 Euro.

5. Mobile Leuchte: Die runde Lampe „Balad“ wurde von Tristan Lohner de­ signt. Ob kaltes oder warmes Licht, es können zwei Licht­ temperaturen einge­ stellt werden. Von Fermob, ab 79 Euro.

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6. Fürstliche Liege: Ein echtes DesignerStück ist die Liege „Vis à Vis“ von Tribù. Designt von Piergior­ gio Cazzaniga aus resistentem Teak­ holz und mit kleinem integriertem Tisch, 1.980 Euro.

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