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HipHop Kultur Magazin #04 / Dezember 2007

Feuer Frei! Kostenlos


IMPRESSUM

Liebe Leser, wir haben lange in der Redaktion darüber nachgedacht, wie unser Cover für die letzte Ausgabe 2007 aussehen soll. Nach langem Hin und Her folgte dann die Entscheidung, dass wir ein Gruppenfoto schießen, das den Frankfurter Untergrund unter dem wunderschönen Frankfurter Himmelblau darstellen soll. Auch wenn leider bei weitem nicht alle Künstler zum Fototermin erscheinen konnten, was zum Großteil an der sehr Spontanen Aktion gelegen hat, soll es doch die Frankfurter Szene als eine Einheit repräsentieren. An dieser Stelle viel Respekt und Liebe an unseren Fotografen Mario Andreya, der uns mit seinem Talent- Momente festzuhalten, mehr als überzeugt hat! Doch über den Zusammenhalt in Frankfurt hinaus, soll dieses Bild eine Message symbolisieren: HipHop ist nicht nur eine Musikrichtung und erst recht kein Lifestyle- Modetrend! Das ist vielmehr eine Sache, mit der Verrückte wie wir versuchen unser Umfeld zu prägen und zu bewegen, in ihr Trost und Rückhalt finden und diese Liebe mit dem ganzen Freundeskreis teilen. Abseits von MTV und sonstigen Medienzombiefließbandportalen, gibt es eine grenzübergreifende Bewegung, die sich dem weltweiten Kommerz- Gedanken widersetzt. So wurden die Graffitis auf dem Cover von einem jungen Maler aus Deutschland und einem Marseiller Writer gesprüht. Aber jetzt endlich zum Inhalt der vierten Ausgabe: Der für uns persönlich wichtigste Bericht ist diesmal der über die Jungs aus Eckenheim, der sich beim ganzen Team schnell als Titelstory heraus kristallisiert hat. Zum einen wird darin auf die aktuellen Probleme in sozialen Brennpunkten hingewiesen und dabei ausnahmsweise die Wahrheit präsentiert. Zum anderen zeigt auch dieser Artikel, dass wir uns durch unsere politische Meinung von anderen Magazinen abheben und mehr als nur unseren Ohr auf die Straße legen: Hand, Herz und Verstand! Natürlich stellen wir euch auch viele bekannte Künstler und Geheimtipps vor. So stellt diesmal Jeyz sein neuestes Mixtape vor und bezieht Stellung zu seiner Musik und seinen Fans. Die Frankfurter Rap- Legende Real Jay gibt ebenfalls Einblick in seine lang erwartete und sehr beeindruckende erste Solo- LP. Darüber hinaus spricht er Worte, die man sich wirklich durch den Kopf gehen lassen sollte. Die neue Generation ist natürlich auch wieder vertreten. So stellen sich uns die in letzter Zeit alle Clubs füllenden „Azzis mit Herz“ vor, so wie Anoush, Uqilo und Titan und Partizan von der „Bruderschaft“, die seit kurzem ihr Mixtape „Capital of Crime“ auf dem Markt geschossen haben. Sassan Siamak und Ram-C a.k.a. „Sas und Ram“ liefern uns ebenfalls einen kleinen Einblick in ihre Welt, da sie kurz vor einer Veröffentlichung stehen und so langsam die Wehen einsetzen. Ex- Beatzschmiede- Mitglied und HipHop-Mobil-Angestellter Einohrbill steht demnächst auch mit einer neuen Veröffentlichung an. Auf zwei Seiten öffnet er sich gegenüber der Musik, seiner Liebe und seiner Hoffnung. Unsere Redakteurin Katrin hat Kontakt mit der Reggae- Sängerin Nicola aufgenommen und mit ihr ein sehr beeindruckendes Interview geführt. Zusätzlich haben wir uns diesmal sogar im Rock-Milieu verwirrt, denn die allseits bekannte „Randgruppe“ überrascht die HipHop- Szene mit einer neuen Metall- EP. Die Jagd auf den König geht weiter, denn der Mainzer Emcee Separate steht noch zielstrebig auf den Beinen. In unserem Interview könnt ihr erfahren, welche neuen Ziele er sich für sein Leben gesetzt hat und das Rap- Musik als Fulltime- Job ziemlich Nerv raubend sein kann. Zusätzlich haben wir satte viereinhalb Seiten Graffitis für euch! Aser aka „The King of the Road“ gehört zu den wohl wichtigsten Writern der Rhein- Main- Szene. Achtet bei den Fotos auf den Hintergrund, denn er war einer der Ersten, der intensiv seine Styles auf der Autobahn hinterlassen hat. Dazu gibt es ganze zwei Seiten mit „Crue“- Pieces für unsere Kunstliebhaber. Auf einer halben Seite könnt ihr zusätzlich schon mal in das reinschnuppern, was euch in den nächsten Ausgaben in voller Länge erwartet: die wahrhaften Local Heroes an der Wand! Wir hoffen, dass ihr viel Spaß beim Lesen haben werdet und freuen uns natürlich weiterhin über Feedback! Die nächste Ausgabe wird voraussichtlich Ende Februar erscheinen. Damit ihr auch die Zeit bis dahin problemlos überbrückt, werden wir euch ab Anfang Januar über www.Wildstylemag.com mit einem dicken Frankfurt- Special versorgen. Danke an Pasu, dem Chefredakteur der Seite, dass er mit uns auf diese Zusammenarbeit eingeht, oder eher abgeht? Ab geht’s ins neue Jahr! Wir wünschen euch allen einen super Start, auf das all eure Träume und Hoffnungen in Erfüllung gehen. Lasst uns gemeinsam im neuen Jahr nicht nur den Kopf hochheben, sondern auch die Faust, denn die Rhein- Main- Szene schreit nach einer Veränderung! Unity - euer Feuer Frei Team!

Herausgeber: Hip Hop Mobil/ Hip Hop Movement Uwe Budnitz (Kamisa One) Hanauer Landstr. 11 60314 Frankfurt am Main Chefredakteur Mario Kemenc Co-Chefredakteur Timucin Balcin Redaktion Katrin, Kamisa One, Seilo, Dirty Hank, Mado Beats, Delfa, Torsten “MSK One” Schuck Grafitti-Seiten RakeOne Layout & Grafik Timucin Balcin sogukates@360rec.de www.myspace.com/sogukates Fotograf Mario Andreya ma@phasedrei.com www.phasedrei.com Kontakt feuerfreimainhattan@gmail.com oder info@hip-hop-movement.de www.myspace.com/feuerfreimainhattan www.hip-hop-movement.de www.hip-hop-mobil.de Das “Feuer Frei!”- Magazin dient zu Dokumentationszwecken, unser Anliegen ist es nicht mit bildlichen Inhalten zu strafbaren Handlungen aufzurufen! Für die eingesandten Fotos wird keine Haftung übernommen.

TITEL 6

Eckenheim – Stadtteil Report

RAP/ EMCEEING 10 12 16 18 24 25 26 30 32 36

Jeyz Real Jay Einohrbill Sassan Siamak & Ram-C 3 Stimmen Bruderschaft Randgruppe Anoush Don Bene & Daniel Sahib Separate

DANCEHALL/ REGGAE 34

Nicola

GRAFFITI/ WRITING 20 22 24

Aser Crue Local Heroes

PRODUCING 19

Uqilo

RUBRIKEN 4 28

News Reviews


Jam Session 2007 / 2008 Die größte Jam Session aller Zeiten geht mit großen Schritten in Richtung Finale. Aber vorher müssen noch die besten Crews aus dem Norden, dem Süden, dem Osten, dem Westen und der Mitte Deutschlands ihr Können unter Beweis stellen und um das Weiterkommen bangen. Die Entscheidung Mitte fällt im Jahr 2008 in Frankfurt. Hier treten am 22.02.2008 J.Stress & Azrael, R.A.F, Smokey Montana, 3rd-Music, Daneben, Brainchild und Micoholic gegeneinander an um sich ein Ticket für das große Finale zu sichern. Nähere Informationen gibt es im Netz auf www.jamsessions.de. Kool Savas – „Tot oder Lebendig“-Tour 2008 Der King of Rap kommt nach Frankfurt. Lange haben Fans und Kritiker darauf gewartet, dass Kool Savas einen würdigen Nachfolger zu seiner ersten LP „Der beste Tag meines Lebens“ liefert. Seit dem 02. November hat das Warten ein Ende. „Tot oder Lebendig“ heißt das zweite Soloalbum des Wahl-Heidelbergers. Am 08.01.2008 haben die Frankfurter Fans die Chance sich live einen Eindruck von Savas’ neuem Album zu machen und zu den neuen Tracks sowie den alten Hits die Batschkapp beben zu lassen. Einlass ist um 19.00 Uhr. Karten kosten im Vorverkauf 17 €. Political Rap Contest geht in die dritte Runde Am 18. Januar 2008 findet im Wiesbadener Kulturpalast zum dritten Mal der “Political Rap Contest” statt. Bereits im Dezember werden unter allen Einsendungen die 4 besten Einzelkünstler/Crews herausgesucht. Diese gewinnen einen Auftritt beim Final Contest bei dem von einer Jury die Plätze eins bis vier vergeben werden. Den Gewinnern winken je nach Platzierung ein Auftritt beim Festival Folklore im Garten, eine Freikarte inkl. Fahrtkostenzuschuss zum Hip Hop Kemp in Tschechien und ein Jahresabo der Backspin. Über die endgültigen Platzierungen entscheiden sowohl das Publikum als auch eine Jury in der dieses Mal Einohrbill und Zeda aus Frankfurt vertreten sein werden.

04 Feuer Frei Magazin #04 Dezember 2007

InDex der Neon-Rapper

JAM REPORTS

Nach einigen Features und gut drei Jahren Raperfahrung released der Mühlheimer MC InDex mit dem „Neon Tape“ das dritte Mixtape aus seiner „We love InDex“ Reihe. Zu hören gibt es wie gewohnt freshe Styles, ausgefeilte Battleraps und sehr durchdachtes Storytelling. InDex a.k.a. DXTC ist eben ein Alleskönner. Das „Neon Tape“ gibt es zum kostenlosen Download auf www.myspace.com/ihrliebtmich.

Mit „klein, aber oho“ lässt sich die Releae-Party zum Propz City –Mixtape beschreiben. Am 3.11. trafen sich im „Das Bett“ rund 100 Besucher ein, um eine Untergrund-Party zu feiern. Den Abend eröffnen und das Publikum einheizen durfte Momo von 3rd Music. Ihm folgten mit ebenfalls soliden Shows B-Flexible und Randgruppe-Mitglied Albowholik, ehe Anoush einen denkwürdigen Auftritt hinlegte. Nachdem er seinen Track „Wo bin ich?“ preformt hat, fluchte er noch etwas herum, rief einige Male „Sachsenhausen!“ und verließ plötzlich die Bühne. Doch neben dem Vorfall sollte man den Abend sicherlich auch wegen der starken Darbietung von Louis Deka in Erinnerung halten. Abgerundet wurde der Abend durch Star-Gast Real Jay. Als einziges zu bemängeln war, dass jeder Künstler nur um die drei Songs aufführen durfte.

Baggefudda mit neuem Album Darmstadt strikes back. Seit dem 14.12. steht „Das Hundehirn und sein Betreuer“, das neue Album der Darmstädter Crew Baggefudda, in den Läden. „Das Hundehirn und sein Betreuer“ ist 23 Tracks stark und wird über Groove Attack vertrieben. Nähere Informationen und das Snippet findet ihr auf www.myspace.com/baggefudda. DJ Katch & Efe bringen die „Kingstrumentals“ In den letzten Jahren ist auch in Deutschland der Producer immer mehr in den Vordergrund gerückt. Nun hat endlich auch Frankfurt sein Top-Producer-Team. In den Tiefen der Goldmine Studios bauen die beiden Frankfurter Urgesteine DJ Katch und Efe Bomben für die Größen der bundesweiten Raplandschaft. So entstanden u.a. auch Produktionen für Kool Savas, Franky Kubrick sowie Snaga & Pillath und Manuellsen. Für Letztere wurde der Track „Einen Tag“ produziert zu dem es auch ein Video gibt welches demnächst seinen Weg in die TRL Charts finden wird. Wer nun genauer wissen möchte was die beiden FFM-Representer noch alles auf Lager haben checkt einfach den offiziellen Kingstrumentals-Blog auf hiphop.de oder www. myspace.com/kingstrumentals. In der nächsten Ausgabe liefern wir euch ein ausführliches Interview mit den beiden, also haltet die Augen offen. Splash! Festival 2008 Die ersten Acts des Splash-Festivals 2008 stehen bereits fest. So werden die New YorkerHardcore-Rapper von MOP und Shaggy aus den Staaten herreisen. Die Münchener Gruppe Blumentopf hat ebenfalls schon zugesagt. Doch freuen darf man sich vor allem auf die wiedervereinigten Dynamite Deluxe um Samy herum. Man darf gespannt sein, wer in den nächsten Wochen auch noch für den 11.-13.07. präsentiert wird.

Azad Album Wenn es schon kein großes Interview in „Feuer Frei“ gibt, können wir zumindest im NewsBereich nähere Infos zu Azads neuem Album geben. Am 07.12. erschien mit „Blockschrift“ der bereits fünfte Longplayer vom „Bozz“. Als Gäste erwarten uns Gesangs-Einlagen von Adel Tawil, Gentlemann, J-Luv und Joy Denalane. Für die Beats gesorgt haben neben den Label-Producern Benny Blanco, STI, Martelli und Brisk Fingaz noch Shuko und Max Herre. Ob das neueste Azad- Werk von der Qualität her an seine Vorgänger heranreicht, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. KingheadMixtape „Fresh out the box“ - 14 Tracks + Intro und Outro, 1Emcee und sein erster Gang an die Öffentlichkeit. Der 18 jährige Kinghead rappt überwiegend auf Amibeats über das Leben, wie er die Welt sieht, über den täglichen Struggle und wie seine Jugend in der Großstadt Frankfurt so läuft. Zitat: „Mein erstes Release, auf dem ich bewusst keine Features habe um mich als MC zu präsentieren.“ An den Skillz und Flows muss Kinghead noch etwas feilen, aber er hat was zu sagen und ist ein weiterer Newcomer den unser Frankfurt hervor bringt. www.kinghead-music.de Dancehall-Rap-Mixtape Eines der berühmtesten Frankfurter Soundsystems, Dubs Till Dawn, hat die Idee, ein Mixtape an den Start zu bringen, auf dem über Dancehallriddims gerappt werden soll. Das Mixtape wird im Internet zum Downloaden bereit stehen und eine Release-Party soll auch organisiert werden. Ziel sei es, mit dem Projekt HipHop, aber auch Dancehall einem neuen Publikum zu präsentieren. Vor allem Frankfurter Künstler sollen auf diesem Mixtape vertreten sein. Bei Interesse könnt ihr euch einfach an dubstilldawn@gmx.de wenden.

Die Rap- und Reggae-Party der „Ultras-Frankfurt“ am 16.11. im O25 verlief zwar in einem größeren Rahmen, doch nicht minder qualitativ. Den Startschuss setzten Daniel Sahib und Don Bene, die um die 40 Minuten lang das Publikum zum kochen brachten. Ihnen folgten Giovandino, die unter Beweis stellten, dass sie ihr Handwerk verstehen und Sassan Siamak und RamC. Obwohl am Ende Sassans Stimme weg war, zeigten „Sas & Ram“, dass sie eindeutig einer der stärksten Live-Acts Frankfurts sind. Ebenfalls auf der Bühne befanden sich die EintrachtRap-Crew Ultrakaos und die Soundbwoys Destsiny versorgten die Crowd mit Reggae Tunes. Doch das Highlight des Abends war die dreiviertelstündige Vorstellung von Real Jay, der in absoluter Top-Form auftrat. Kein Mal in Atemnot geraten, demonstrierte er, dass hier einer Jahre lang an seinem Syle gefeilt hat. Mit einer sehr gelungenen Abwechslung zwischen Party-Tracks und nachdenklichen Liedern schaffte es Jay auch „Nicht-HipHopper“ in seinen Bann zu ziehen. Den Schlusspunkt der Jams in der letzten Zeit legten die „Azzis mit Herz“ zusammen mit Skit Sketch am 4.12. hin. Im Sinkkasten lieferten sie sozusagen eine Einstimmung auf die große „Feuer Frei“-Party am 23. Daniel und Bene preformten dabei auch zum ersten Mal ihren neuen Track „Feuer Frei“, während Skit Sketch das Publikum mit Comedy-Einlagen zu begeistern wusste. Zum Schluss führten sie noch manche Lieder gemeinsam auf und man kann alles in allem einen gelungenen Abend festhalten. Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 05


Dass die wenigsten Heranwachsenden des Viertels blonde Haare haben, dürfte wohl keinen überraschen. Der Großteil der Jugendlichen hier sind Migrantenkinder oder „Kanaken“, die Bezeichnung, die sie selber bevorzugen. Als Fremder merkt man schnell, dass man sich in einer dunklen Ecke der Bankenstadt „Mainhattan“ befindet. Nicht weil man brennende Mülltonnen und Massenschlägereien zu bestaunen kriegt, sondern weil vielmehr eine allgemeine Resignation zu spüren ist. Doch dieses Thema wird in den Medien totgeschwiegen, anstatt auf die Probleme der Einwohner hinzuweisen. Vielleicht gerade deswegen, weil ihnen dies zu unspektakulär erscheint. „Eckenheim ist eine Lüge! Wenn du hier herumläufst, siehst du erstmal gar nichts. Aber wenn du hier lebst, dann merkst du, wo sich die Jugendlichen verstecken

“Sie haben Angst, dass wir so schlimm werden wie die Älteren, deswegen schikanieren sie uns. Sie wollen nicht, dass wir in unseren eigenen Straßen abhängen...”

Es gibt ein Wort, das Herbsttage so oft umschrieben hat, dass es mir schon zur Nase raushängt. Und auch wenn es an diesem Samstag nieselt, bewölkt ist, Laub auf dem Boden liegt und alles grau erscheint, komme ich bei meinem ersten Eindruck drum herum das Bild als „trüb“ zu bezeichnen. Denn die Stimmung von David, der mich an der U-Bahn-Station „Sigmund-Freud-Straße“ erwartet, lässt eher Sonnenschein vermuten. David ist 22 Jahre alt, rappt unter dem Künstlernamen „Da Don“ und arbeitet nebenbei bei „Hassia“ in Bad Vilbel. Seine Wohnung liegt in Frankfurt-Eckenheim, einem Stadtteil, dessen Atmosphäre man bei genauerer Betrachtung im Gegensatz zu Davids Gemüt doch mit unserem „trüb“ umschreiben muss. Eckenheim und speziell die Hochhaussiedlung „Sigmund-Freud-Straße“ haben schon seit Jahrzehnten den Ruf einer gefährlichen Gegend... Text Mario Kemenc Foto Mario Andreya

06 Feuer Frei Mainhattan #04 Dezember 2007

und was hier abgeht. Kannst du dir vorstellen, dass am Donnerstag ein Besoffener hier in der Straße herum geschossen hat? Weißt du, was die Jungs von hier dann sagen? Nicht „ach, ehrlich?“, sondern „schon wieder?“. Die Jugendlichen hier sind alle depressiv“, beschreibt mir David das Bild seiner Wohngegend. “Depressiv, perspektivlos, ziellos“ - diese Begriffe fallen, wenn man nach der Grundstimmung der Eckenheimer Jugend fragt. Der Sozialarbeiter Sven K. nahm sich ebenfalls Zeit für ein kurzes Interview und gibt seine Meinung hierzu so wieder: „Wenn ich mich bei den 16-20 jährigen umhöre, kann ich weder eine grundsätzlich negative und aggressive, noch eine optimistische und positive Grundstimmung erkennen. Sie ist eher geprägt von einer schleichenden Gleichgültigkeit gegenüber der persönlichen, vor allem beruflichen Zukunft. Wenn ich sie darauf anspreche, bekomme ich in der Regel ein Achselzucken und die Bemerkung „Es wird schon irgendwie“ zur Antwort. Wie dieses „Irgendwie“ aussehen soll, darüber gibt es meist keine konkrete Vorstellung. Und auch dieser Umstand wird eher gleichgültig hingenommen.“ Ursachen für diesen traurigen Zustand gibt es viel zu viele: „Der Mangel an Ausbildungsplätzen und die daraus resultierende Jugendarbeitslosigkeit, schlechte Schulausbildung, Integrationsproblematik, Hartz IV

und die unüberblickbare Flut an medialen Einflüssen“, zählt Sven die allgemein gültigen auf. Dass sich bei diesen sozialen Umständen Kriminalität (gerade in der Jugend) breit macht, ist eine logische Folge. Die Reaktion der Politik darauf ist, dass die Anzahl von Polizisten in den Straßen Eckenheims stark zunimmt. Die Tatverdächtigen, nach denen gefahndet wird, werden dabei immer jünger. Ob sich dadurch die Kriminalität in den Griff bekommen lässt? „Nein, die Bullen schikanieren uns. Es fehlt nur noch, dass ein Bulle einen Jugendlichen so kaputtschlägt wie damals Rodney King, dann geht es hier richtig ab. Dann wird’s genauso sein wie in Frankreich.“, sieht David eine Gefahr für die Zukunft. „Sie haben Angst, dass wir so schlimm werden wie die Älteren, deswegen schikanieren sie uns. Sie wollen nicht, dass wir in unseren eigenen Straßen abhängen. Es gab auch mal eine Diskussion, ob wir ein Jugendhaus gebaut bekommen. Abgelehnt! Die alten Leute von hier wollen nicht, dass wir ein Jugendhaus haben. Man kümmert sich nicht um uns. Stattdessen werden wir rund um die Uhr vor der eigenen Haustür kontrolliert.“ Dabei spricht er eine wichtige Sache an. Nämlich, dass ein Stadtteil wie Eckenheim viel mehr soziale Einrichtungen und engagierte Sozialarbeiter wie Sven benötigt. Doch stattdessen gibt es nur einen kleinen Jugendclub „mit der Größe eines Wohnzimmers“, wie David anmerkt. „Sogar der hat nur zweimal die Woche geöffnet“. Die Situation des Stadtteils erscheint so deprimierend, dass sich mir als Außenstehendem die Frage stellt, ob man in der letzten Zeit gar keine positive Entwicklung feststellen konnte. „Die meisten haben jetzt Hauptschulabschlüsse. Früher hatten sie gar keinen, jetzt wenigstens Haupt!“, entgegnet mir David knapp. Doch Sven findet, dass der Hauptschulabschluss, für den viele Kinder mit u.a. sprachlichen Nachteilen hart kämpfen müssen, leider in der Gesellschaft stets an Bedeutung verliert… Von all dem lässt sich David, wenn „Da Don“ aus ihm spricht, nicht aufhalten. Seine Motivation und die Energie, die er in Rap-Musik steckt, spiegeln alles andere als einen depressiven und resignierten jungen Mann wider. Über HipHop redet er sehr gerne und dabei sieht man ihm die Fröhlichkeit an. Doch in seinen Texten geht es nicht nur um ihn, sondern er repräsentiert dabei ganz Eckenheim. Von daher klingt seine Musik dann doch oft traurig, depressiv, Dezember 2007 #04 Feuer Frei Mainhattan 07


aber auch kritisch. „Jeder Stadtteil in Frankfurt hat mindestens einen Älteren gehabt, der rappt oder R’n’B macht – außer Eckenheim. Aber Eckenheim verdient einen, der es repräsentiert. Ich hab mir vorgenommen, ich ziehe es durch. Als mein Song „Sparta“ wie eine Bombe einschlug hieß es plötzlich „Uaa, David, du kannst ja rappen, mach mal mehr“ und es hat sich herumgesprochen, wer „Da Don“ ist. Ich bin der Pate Eckenheims in Sachen Rap“, gibt David voller Stolz seinen Status in der eigenen Nachbarschaft wider. Sein erstes Lied „Sparta“ nahm er mit STiLLa und Nezat aus Walldorf/Mörfelden auf. Zusammen bilden sie auch die Formation „Rappernostra“, eine Multi-Kulti-Crew bestehend aus einem Türken, einen Griechen und David, dem Italiener. Der erste kleiner Straßenhit wurde „Hustlin’“, mit dem sich „Da Don“ bis nach Offenbach und Wiesbaden einen Namen machen konnte. Hierzu soll jetzt ein Remix mit „Daniel Sahib & Don Bene“ folgen. Um mit seiner Musik weiter voranzukommen, hat David, der Notorious B.I.G. als sein Vorbild bezeichnet, Geld zusammengespart und ein Home-Studio eingerichtet. Für seine Liebe zur Musik ist ihm kein Weg zu weit, wie die Strecke zum bisherigen Studio nach Walldorf zeigt. Doch von zu Hause aus

ist es natürlich viel leichter am eigenen richtigen Album zu arbeiten. Zur Jahreswende wird es dann erscheinen (siehe „Die Ära beginnt“ in den Reviews). „Selbst wenn mich schon manche kennen, hat man sich erst mit einer LP einen Status aufgebaut, erklärt er den Namen. Für den Sommer 2008 hat er ein noch größeres Projekt geplant. Auf dem Sampler „Ein Gesicht, eine Rasse“ will er auf jedem Track der CD einen MC aus einer anderen Stadt featuern. Durch seinen Fleiß hat David eine kleine Welle ausgelöst, denn mittlerweile ist er nicht mehr der einzige Rapper aus Eckenheim. Nach einem ausführlichen Gespräch mit David allein (zeitweise hat uns aber auch sein Kumpel Tomek Gesellschaft geleistet), führt er mich zu einer Gruppe Jugendlicher, die neuerdings ebenfalls am Reimen und Flowen sind. So greift der 18jährige Mustaq seit einem Jahr zum Stift, um seine Texte auf das Papier zu bringen. Dabei schreibt und rappt er am liebsten über sein Leben, seine Familie und seine Probleme. „Die Musik gibt mir eine innere Ruhe“, beschreibt der junge Afghane seine Motivation. „Und ich hoffe, ich komme damit irgendwann mal hoch hinaus.“ Doch zunächst soll sein erster Videoclip in naher Zukunft erscheinen. Mustaq bezeichnet keinen Star wie Azad oder Savas

als sein Vorbild, sondern David. Denn der habe bewiesen, dass auch einer von „ihnen“ als echter Rapper angesehen werden kann. “Der David hat uns mit seinem Home-Studio gezeigt, dass man sich selber was aufbauen kann“, spricht auch Arab respektvoll von ihm. Arab (20) selbst hat mit seinem Freund Killer Capone (19) die Crew „La Familia“ gegründet. Dabei ist den beiden wichtig, nicht nur mit Eckenheimern zusammenzuarbeiten, sondern Leute aus ganz Frankfurt zu vereinigen. „Wir hängen viel ab auf der Straße, haben vieles zu erzählen und wollen, dass die Leute daran teilhaben“, beschreibt Arab den Inhalt ihrer Songs. „Ob Deutsche, Italiener, Türken, Marokkaner, egal was – wir sprechen allen an, die unser Schicksal teilen.“ Die Themen, die sie in ihren Liedern aufgreifen, stammen aus ihrem alltäglichen Leben und den bereits erwähnten Problemen. Obwohl die Inhalte ihrer Texte viele Missstände in der Gesellschaft kritisieren, verstehen die Eckenheimer ihre Musik nicht als politisch. David begründet das stellvertretend für seine Freunde: „Unsere Lieder gelten doch nicht als politisch, sondern als Kanaken-Gelaber. Das interessiert doch die Politiker garnicht, hier wird sich nichts ändern. Hier ist immer

noch alles gleich wie vor 15 Jahren.“ Da hört man nun auch bei David einen Hauch von Resignation in der Stimme. Denn rosige Zeiten für ihren Stadtteil in den nächsten Jahren sehen die Jungs nicht. Ebenso wenig Sven, der auf die Frage nach den Zukunftsperspektiven für Eckenheim kurz und ehrlich „Ich weiß es nicht“ antwortet. Denn in der Gesellschaft sind keine Bemühungen zu erkennen, den Arbeitsmarkt und das Schulsystem so zu verändern, dass Jugendliche aus solchen Bezirken die gleichen Chancen geboten werden wie denen aus den sozial stärkeren Gegenden. Doch die Jungs geben nicht auf. Auch wenn David betont, dass er auf keinen Fall rappt, um damit bloß Geld zu verdienen und einer Mode- Erscheinung zu folgen, könnte er es doch schaffen eines Tages in den Charts zu stehen. Denn das Talent und den Eifer dazu hat er. Vielleicht würde er auch – im Gegensatz zu vielen aktuellen Rapstars - vor großem Publikum auf die Probleme der Stadtteile wie Eckenheim aufmerksam machen und damit etwas zu einer Verbesserung der Gesamtsituation in den Vierteln beitragen. Ich hoffe für ihn und seine Kollegen, dass dies eintrifft. Dann müsste man nicht ständig das Wort „trüb“ mit Berichten über die Eckenheimer Jungs verbinden…

Eckenheim Fotos Sven K.

08 Feuer Frei Mainhattan #04 Dezember 2007

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E

s ist fast genau ein Jahr vergangen seit dem wir die letzte Scheibe von Jeyz hören durften. Die „Chronologie Part 2“ ist jedem ein Begriff, doch wer jetzt denkt, Jeyz hat sich das letzte Jahr auf seinen Lorbeeren ausgeruht, der liegt verdammt falsch! Jeyz ist ein sehr professioneller Künstler, der seine Arbeit ernst nimmt! Jede freie Minute wird im Studio ausgenutzt. „Es gibt immer irgend eine Kleinlichkeit zu erledigen“ sagt der Sizilianer. Wir trafen den gut gelaunten Jeyz an einen Freitagnachmittag im Büro von Bozz Music. Text & Interview Mado Beats Jeyz, knapp ein Jahr ist es nun her, seitdem du die „Chronologie Part 2“ veröffentlicht hast. Was ist seitdem geschehen?

Chronologie 3 Das Ende vom Anfang

“Ich wollte erst einmal, dass die Leute meinen Namen kennen lernen und auch wissen wer ich bin. So hatten halt beide Seiten Zeit sich kennen zu lernen. Ich denke, so was ist schon sehr wichtig. Ein Künstler sollte niemals die Nähe zu seinen Fans vergessen.”

Eines der größten Projekte im letzten Jahr hatte ich mit meiner Gruppe Warheit, da haben wir alle viel Blut und Schweiß hinein gesteckt. Parallel dazu habe ich stets an neuen Songs gefeilt und so Stück für Stück die Tracks für mein Mixtape und mein im Frühjahr erscheinendes Album gesammelt. Dein neues Mixtape heißt „Chronologie 3: Das Ende vom Anfang“ Wie kam es zu diesen Namen? Es ist definitiv das letzte Mixtape vor meinem Album und es schließt praktisch die Anfangsphase meiner Karriere ab. Mit dem Album geht’s nämlich erst richtig los, ich will dann richtig durchstarten! Und dieses Mixtape ist mein Startschuss um durch zu drehen! Wie würdest du das Mixtape reiben? Was erwartet deine

beschHörer?

Auf jeden Fall gibt es eine Vielfallt an Tracks mit den unterschiedlichsten Themen, Flows und Techniken. Eigentlich typisch Jeyz halt! In meinen Augen ist es wirklich ein sehr gutes Mixtape geworden, meiner Meinung nach kann dieses Mixtape einige Alben

10 Feuer Frei Mainhattan #04 Dezember 2007

in den Schatten stellen. Das klingt vielleicht eingebildet, doch glaub mir, in diesen Tape steckt verdammt viel Mühe, Kraft, Zeit und Leidenschaft! Es ist Aufjedenfall auch die aufwendigste Chronologie bis her! Es sind eigentlich nur 5 Songs drauf, die unter die Kategorie Chronologie fallen, dazu gibt’s noch 5 sehr geile Remixe und ganze 10 exklusive Tracks! Was ist für dich persönlich das Highlight auf diesem Mixtape und warum? Das ist echt schwer zu beantworten. Da ich jeden meiner Tracks liebe fällt es mir schwer mich da fest zu legen. Zu dem ist es bei mir auch davon abhängig wie ich an diesem Tag drauf bin. Und je nach dem was meine Laune sagt feier ich den einen Track an diesem Tag und den anderen Track am anderen Tag. Aber ich denk es ist echt für jeden was dabei!

Durch die Mixtapes hatten die Leute einfach Zeit zu sehen was für Musik ich mache und so kann ich heute sagen, jetzt erreich ich viel mehr Menschen mit meiner Musik und ich denk, das ist die richtige Zeit für das Album. Auf wen darf man sich als Feature freuen? Die üblichen Verdächtigen… und noch nen paar Überraschungen! Wie wichtig sind für dich diese features? Hast du immer einen persönlichen Draht zu deinen „Gästen“? Also in der Regel schon, bei meinen Jungs ist das ja klar! Aber auch so lern ich gern die Leute erstmal kennen, sofern das die Zeit natürlich zulässt. Aber wenn ich die Musik von einem Künstler feier, dann steht einer

“Klar ist in Deutschland das Niveau gestiegen, meins aber auch!” Wie sieht es mit deinem Album aus? Wann darf man damit rechnen? Wenn alles gut geht, erscheint es im ersten Quartal 2008. Deshalb kommt jetzt das Mixtape als Vorreiter sozusagen. Selbstverständlich wird es wieder zwei bis drei Videos dazu geben, da könnt ihr euch schon drauf freuen! Auch da geht es stetig immer weiter rauf und wir kommen mit jedem Schritt auf eine höhere Qualität. Wenn ich ehrlich bin ist das Album so gut wie fertig. Ich habe mir aber extra noch die Zeit genommen um dann meine beste Auswahl an Tracks zusammen zu haben. Auch jjetzt in der Endphase kommen noch ein paar frische Dinge hinzu. Noch der letzte Schliff und dann geht’s im nächsten Jahr los! Hat es einen bestimmten Grund gehabt warum du dir soviel Zeit mit dem Album gelassen hast? Klar! Ich wollte erst einmal, dass die Leute meinen Namen kennen lernen und auch wissen wer ich bin. So hatten halt beide Seiten Zeit sich kennen zu lernen. Ich denke, so was ist schon sehr wichtig. Ein Künstler sollte niemals die Nähe zu seinen Fans vergessen. Hätte ich direkt ein Album rausgebracht, hätte ich wahrscheinlich kaum Aufmerksamkeit bekommen oder die Leute hätten gesagt, das ist nur einer von Azad’s Jungs.

Zusammenarbeit nichts im Wege! Und die Zusammenarbeit nutz ich dann als „KennlernPhase“! Wie empfindest du das momentane RapGame in Deutschland? Ich sag Dir ganz ehrlich, dass geht mir dick am Arsch vorbei! Ich kümmere mich einfach um meine Musik, nutze jede Minute im Studio aus und arbeite hart an meinem Ziel! Diese ganzen Geschichten, von wegen jetzt ist „Gangster“ angesagt oder irgendwas anderes - das interessiert mich einfach nicht! Rap war schon immer für mich ein Ventil und ist es heute noch. Ich hab damals angefangen, als ich ein Ventil brauchte und so entstand auch der der erste Track „Der Tag“. Bis heute hat sich da nicht viel geändert, in der Musik kann ich einfach mein Herz ausschütten und wieder Kraft und Energie sammeln. Klar ist in Deutschland das Niveau gestiegen, meins aber auch! Noch

einpaar

abschließende

Worte!?

Vielen Dank für die Zeit, dank geht auch an die Leser, die sich die Zeit nehmen um mehr über mich zu erfahren! Ja, und schnappt euch dieses Mixtape und ladet es nicht runter! Es ist wirklich sehr gut geworden! Das ist das Ende vom Anfang, 2008 geht’s erst richtig los! Dezember 2007 #04 Feuer Frei Mainhattan 11


E

in Jazz- & Bluesmusiker und -sänger als Vater und ein jüngerer Bruder, der unter dem Künstlernamen Jonesmann aktiv ist, zeigt, dass in dieser Familie die Musik eine Verpflichtung und vielleicht sogar eine Gabe ist, die man in die Wiege gelegt bekommen hat. Bei Real Jay aber fand man nicht nur eine talentierte Ader für Musik, sondern auch die Eigenschaft nach jedem Sturz wieder aufzustehen und mit neuer Energie weiter zu kämpfen. Real Jay hat eine sehr kriminelle Vergangenheit hinter sich und verbrachte mehrere Jahre im Gefängnis, wo er anfing Bücher zu lesen und Texte zu schreiben, während viele Frankfurter Künstler Verträge unterschrieben und mit Rap- Musik Geld verdienten. Doch „Pake“ hinterließ seine Spuren im Rap- Game, jedes Mal wenn er in einem Studio das Mikrophon greifen konnte. So ist er auf den Hymnen der zwei wichtigsten Emcees aus Frankfurt vertreten: „Unaufhaltbar“, der Possetrack auf dem Soloalbum „Leben“ von Azad und „Wo sind wir daheim“, die Rapresenter- Bombe auf der LP „Basstard“ von D- Flame. Real Jay hat die Frankfurter- Szene und seine Fans sehr lange auf ein eigenes Solo- Album warten lassen und sieht nach über 10 Jahren am Mic die Zeit reif für den ersten großen Schritt. Unter dem Titel „Gangstertainment: Von der Straße zu den Sternen“ präsentiert Real Jay seine Liebe, seinen Schmerz, seine Wut und seine Skills als Emcee. Wir trafen uns mit Real Jay, um über sein erstes Album, die Rap- Szene in Deutschland und über die aktuelle Lage in den Medien zu diskutieren. Text & Interview Timucin Balcin Foto Mario Andreya Die wenigsten Rapper, die zurzeit in den Medien laut „Gangster“ rufen, haben ein erstzunehmendes Verbrecherleben hinter sich. Die meisten werden von großen Labels geschustert, die vorher ihren Fokus auf Techno und Kuschelrock gerichtet haben. Zusätzlich überschwemmt die Rap- Szene sich selbst mit Releases, die weder Qualität noch einen Wahrheitsfaktor nachzuweißen haben. Jeder will das sein, was die letzten Jahre einen Trend ausgemacht hat: Gangster! Doch die Frage, was ein Gangster ist, können wohl die wenigsten beantworten, vor allem, wenn eine Person wie Real Jay vor einem steht. Real Jay hat sich entschieden Künstler zu sein und kein Gangster, auch wenn die Medien genau das heutzutage als einen Künstler verkaufen. Real Jay trägt keine mit Diamanten beschmückten Goldketten, fährt keinen Sportwagen mit verchromten Felgen und halbnackte Frauen laufen ihm auch nicht hinterher. Trotzdem nennt er sein Album „Gangstertainment: Von der Straße zu den Sternen“ und riskiert damit in eine Schublade gesteckt zu werden. „Es ist mir egal, was die Leute denken. Ich kann es auch schwer einschätzen, denn es gab einfach bis zu dem jetzigen Zeitpunkt kein Real Jay- Release in Deutschland. Die Leute können sich erst mit meiner Solo- LP ein Bild machen und das, obwohl es den Namen schon seit über 10 Jahren gibt. Deswegen bring ich jetzt das raus, was ich als HipHop empfinde.“, antwortet er und fügt hinzu: „Jeder muss eigen sein und so hervor stechen, wie er ist. Ich mag es nicht, wenn man Künstler macht! Die ganze Pop- Retorte interessiert mich nicht. Künstler muss man sein und seine Kunst selber machen

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und sie den Leuten zeigen. Das ist das, was ich und viele andere Künstler auch tun.“ Während viele Rapper sich in Ruhe ins Studio setzen, um ihre Texte zu schreiben, entstanden Real Jays Lyrics eher hinter Türen, die sich nicht aufschließen ließen. „Es sind einige Texte dabei, die ich irgendwann, irgendwo mal geschrieben habe. Aber solange sie up to date sind und mir gefallen, fließen sie auch mit in das Album rein, denn Niveau vergeht nicht. Eigentlich ist alles ziemlich neu. Die Storys sind natürlich einige Jahre alt, aber für mich immer noch aktuell. Die sind auf der Straße, im Knast so wie im normalen Leben entstanden. Es ist eine Mischung aus Neu und Alt.“, erklärt uns Real Jay mit einer ruhigen Stimme. Er kann über seine Vergangenheit berichten, ohne aufdringlich zu wirken. Es klingt so, als hätte sein Leben so kommen müssen, als wenn es keinen anderen Weg gegeben hätte. Ende der 80er Jahre hat Real Jay Tresore im großen Stil geknackt und Drogen verkauft. Er führte ein Leben im Rausch, was nicht nur auf den Drogenkonsum zurück zu führen ist, denn er hatte wenig Halt in der Gesellschaft. In seiner Kindheit wurde er als „Neger“ und „Warchild“ beschimpft. Sein aus New Orleans stammender Vater war in den 60ern in Deutschland stationiert. Seine Mutter ist weiß, wodurch in seiner Kindheit Rassismus ein großes Thema war und heute noch ist. Die Erziehung, die er und seine zwei Brüder genossen haben, war sehr hart, denn sie wurden mit Schlägen bestraft, wenn ihr Vater sie mit geklauten Sachen erwischte. Es war sozusagen ein Nehmen und Geben. Man nahm Aggressionen auf und gab sie der Gesellschaft und dem Umfeld zurück. Diese Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 13


Probleme sowie viele mehr verarbeitet Real Jay in seinen Texten, ohne zu sehr auf seine Person einzugehen, denn es sind Probleme, die viele Jugendliche heute noch haben und sie dazu verleiten, kriminell zu werden. Deswegen ist ihm auch die Atmosphäre, die sein Album beim Hören aufbaut, sehr wichtig. „Es ist eine LP, die man sich anhören kann, wie früher ein altes französisches Rap- Tape oder die Sachen von Mobb Deep. Es gibt nun mal unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Schichten, die HipHop machen. Das kann man nicht auf den Punkt genau definieren.“

Beatbox und Emceeing gehörten zur Tagesordnung. Während unseres Fotoshootings in Bonames erzählt er uns, dass er hier mit Freunden seine ersten Graffities gesprüht hat und man damals nur zwei Styles kannte, da man die Bilder aus dem Film „Wildstyle“ als Vorlage nahm.

Real Jay rappt für die Kids auf der Straße, für die älteren Rapfans, die mit der heutigen Musik in den Medien nichts anfangen können. Er will seine Geschichte erzählen und über das berichten, was er gesehen und erlebt hat. Viele seiner Freunde aus alten Tagen sind gestorben, wurden abgeschoben oder kamen nicht mehr aus dem Knast raus. Zu diesen Personen gehörte auch sein Bruder, der sich in der Zelle das Leben nahm, da er mit dem Druck eingeengt zu sein nicht klar kam.

Damals stand HipHop in den Medien nicht zur Debatte. Die Jugendlichen sahen sich als ein Teil einer Bewegung, einer eigenen, kleinen Kultur und so kristallisierten sich auch die, die konstant am Ball blieben als, die „Kings“ heraus. Die heutige Entwicklung von HipHop betrachtet Real Jay nicht nur kritisch: „Es gibt nicht nur Kids, die in der Schule die Bravo lesen um zu erfahren, was gerade im Trend ist. Es gibt auch zwölfjährige, die alles über HipHop wissen! Die kennen jeden DeeJay mit den besten Cuts und die wissen auch, was ein guter Rap ist. Das ist genau wie bei den Erwachsenen, da gibt es eine Hand voll, die wirklich Ahnung von gutem Rap haben. Die Leute, die mit HipHop groß geworden sind und jetzt auch Mitte Dreißig sind, können keinen Rap auf Deutsch hören, weil sie mit einem Bushido oder Fler nichts anfangen können!“ und fügt hinzu: „Mein Album ist wirklich nur was für Leute, die gute Raps, gute Beats und guten HipHop lieben. Es ist nichts für Leute, die auf irgendwelche Images abfahren. Ich habe natürlich ein Image, das eine Palette von Wünschen abdecken würde, aber das Image muss man erst einmal vergessen. Ich bin in erster Linie der, der ich bin. Die Musik steht im Vordergrund!“.

Das verzerrte Bild der Medien gibt keine Eigenschaft von Real Jay wieder. Auf die Frage, wie er den aktuellen Hype sieht, antwortet er: „Das was zurzeit in den Medien läuft ist kein Gangsterrap. In Amerika nennt man das Streetrap und hier nennt man Straßenassirap einfach Gangsterrap. Ob der Künstler hinter der Musik ein Gangster oder einfach nur ein Assi ist, interessiert die wenigsten. Wer ist denn wirklich Gangster? Massiv ist von Pirmasens nach Berlin gezogen und wird dort jetzt als der Berliner Gangsterrapper gefeiert. Bushido kommt aus einem Eliteinternat und macht nun sein Geld mit Images. Von mir aus! Mir geht es nicht um Images. Mir ist es einfach nur wichtig, dass ich jemandem mein Tape geben kann und er sagt: „Das sind dicke Beats und hammer Raps!“. Ich habe auch französischen Rap gehört, obwohl ich kein Wort verstehen konnte, aber die Musik war einfach hammer! Dein Ohr sagt dir letztendlich was gut ist. Steck fünf Millionen in den größten Penner und dein Geld ist weg, aus ihm wird nichts! Aber wenn du 1000€ in einen guten Künstler steckst, macht er seine eigenen Millionen!“ Real Jay begann mit HipHop, als Filme wie „Wildstyle“ und „Beatstreet“ in Deutschland anliefen. Die ersten Pieces wurden gesprüht,

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„Es gibt nun mal unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Schichten, die HipHop machen. Das kann man nicht auf den Punkt genau definieren.“

Das die Musik für Real Jay im Vordergrund steht ist verständlich, denn ohne die Musik und ohne HipHop, hätte er den Sprung aus der Kriminalität nicht geschafft: „Ich hatte dank Gott das Glück den Weg aus der Kriminalität raus zu finden. Das habe ich dank Rap geschafft. Wenn man ein Gangster ist, ist man immer bereit in den Knast zu gehen. Ich habe einfach mein Glück erkannt ein Talent zu haben, sodass ich vor einigen Jahren mich komplett um die Musik kümmern konnte. So habe ich den Weg aus der ganzen Scheiße gefunden. Ich kann mir endlich auch einen kompletten

„Ich habe schon vor 10 Jahren versucht mein Tape bei irgendwelchen Labels abzugeben und damals hieß es, dass das zu hart wäre und ich das niemandem erzählen darf.“ Song von mir anhören und nicht nur irgendwelche Feature- Parts. Korrekt aufgenommen mit meiner eigenen Hook und mit einem Beat, den ich ausgesucht habe. Wenn ich etwas mit viel Wut sage, dann aus dem Grund, dass ich es seit über 10 Jahren in mir aufgestaut habe!“ Vor kurzem hat Real Jay seinen 36. Geburtstag gefeiert. Er hat einen fünfjährigen Sohn um den er sich kümmern muss. So richtig passt er nicht in das Bild der Medien von einem „Gangster“. Woran das wohl liegen mag? „Ich habe schon vor 10 Jahren versucht mein Tape bei irgendwelchen Labels abzugeben und damals hieß es, dass das zu hart wäre und ich das niemandem erzählen darf. Plötzlich kommen irgendwelche Vögel daher und erzählen Sachen, die sie noch nicht einmal erlebt haben. Die haben praktisch meine Story geklaut und dazu muss ich einfach

etwas sagen, ganz klar! Diese Leute sollen ehrlich sagen, woher sie kommen!“. Die Antwort liegt auf der Hand: Real Jay hat das was er erzählt auch wirklich erlebt. Er hatte die Wahl weiterhin als Krimineller zu fliehen oder sich seinem Leben zu stellen. Nun steht ein Mann vor einem, der Reife, Sympathie und Ehrlichkeit ausstrahlt wie kein Zweiter. Er passt nicht wirklich in den Medienzirkus der „Gangster“ und „Plastikkrieger“, aber vielleicht öffnet seine Musik bald den Menschen die Augen und Ohren. Zumindest hoffen wir es für ihn, für HipHop und vor allem für die Kids, die draußen dieselben Probleme durchleben, aber durch die Medien die falschen Personen als Vorbilder sehen müssen. Real Jays Worte haben genug Kraft, um eine Wende herbei zu rufen. Man muss nur genau zuhören …

Real Jay

„Gangstertainment: Von der Straße zu den Sternen“ - Album „Wir sollen in Zellen sitzen ohne Lesen und Schreiben, in den Medien jedem erzählen das Leben ist scheiße!“, ist einer von vielen Zeilen, die beim Hören des Albums im Kopf hängen bleiben. Real Jay rappt über die Wahrheit, die in den Medien oft auf der Strecke bleibt. Seine Zeilen reflektieren das Leben, so wie seine eigene Person und ermöglichen dem Zuhörer ohne Effekte ein Ohr auf die Straße zu legen. Der so oft als Feature- Gast präsent gewesene Emcee holt sich diesmal selbst Verstärkung ins Boot. Jeyz, RAF, Blaze und Broke repräsentieren gemeinsam mit Jay Frankfurt und das Leben. Aber auch Berlin erhebt auf der Scheibe die Stimme, vertreten durch Deso Dogg, Jasha und Kalif, drei Rapper, die sehr gut mit Real Jay zu harmonieren wissen. Doch der wohl wichtigste Feature- Gast auf der LP ist Jonesmann, der jüngere Bruder von Pat Jones, der durch seine Gesangs- Parts und seinem brennendem Flow die einzelnen Stücke sehr präzise abrundet. Einer der Höhepunkte der CD ist „Blues Musik“, auf dem beide Brüder über ihren Vater, die Erziehung, sich selbst und dem prägendem Blues der Straßen berichten. „Mom sagt mach Cash und trink nicht zu viel, halt dein Kopf hoch, Augen aufs Ziel, Klippen sind tief…“. Fortgesetzt wird diese Geschichte mit dem Track „Ein Stück Herz“, Real Jays akustischem Brief an seinen verstorbenen Bruder. Im Allgemeinen fällt stark auf, dass Real Jay mit seinem inneren Kampf und der sozialen Lage in Deutschland abrechnet und sehr viele persönliche Erfahrungen und Erinnerungen aus seinem Leben preisgibt und in die Musik einfließen lässt. Mit diesem Meisterwerk ebnet sich Real Jay seinen Weg aus der Dunkelheit ins Licht und bereichert die HipHop- Szene mit einem wahren Rohdiamanten. Jeder der ehrliche und offene Rap- Musik liebt, wird dieses Album feiern. Wer auf Spaß- Rap und glatt gebügelte Musik steht, sollte seinen Kopf in die Tonne hauen oder sich trauen in die CD reinzuhören, denn Real Jay ist die rappende Guillotine! Timucin Balcin Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 15


Sag mal, viele unserer Leser fragen sich vielleicht: „Wieso nennt er sich Einohrbill“? Was genau bedeutet der Name? Das war mein damaliger Spitzname in der Jugend. Natürlich durfte nicht jeder mich so nennen. Nur der harte Kern war dazu befugt. Irgendwann legte es sich mit diesem Namen bis ich ihn 2007 wieder ausgegraben habe, weil ich dachte, dass zu einem Neuanfang auch ein neues Synonym gehört. Außerdem ist der Name sehr direkt und ehrlich! Keine falschen Spielchen. Man weiß gleich wo man dran ist: „Ja genau, ich bin der Bursche mit dem einen Ohr“! Du setzt dich mit deiner Behinderung ja auch beispielsweise in Track 5, „Goldenhaarsyndrom“, auseinander und offenbarst dem Hörer auch sehr persönliche Dinge. Ist das nach dem Motto: „Ich zeig den Leuten gleich mal, wer ich bin und wie es ist“? Oder um eventuell dummen Sprüchen oder blöden Blicken gleich offensiv zu begegnen?

Bei dem Titel der Anfang Januar erscheinenden ersten Solo LP des Frankfurter Musikers Einohrbill könnte der ein oder andere denken, dass ihn hier R’ n B, oder Popmaterial erwartet. Aber die 19 Titel starke CD bietet eine gute Mischung aus gechillten-, energiereichen- und tanzbaren Sounds inklusive Rap- und Gesangsstilen, welche in dieser Kombination bisher selten in Deutschland zu hören waren. Selbst eingespielte Gitarrensamples und Melodien von Bill runden das ganze Werk ab. Bei dem Namen „Einohrbill“ könnte man vermuten, dass hier ein fieser Bursche aus einem alten Western um die Ecke kommt und alles platt ballert! Doch der Zuhörer wird eines Besseren belehrt. Natürlich spricht er mal im harten Ton, wobei seine weiche Seite ebenfalls nicht zu verachten ist. „Die Mischung machts“!, so die Aussage des Solodebütlers. Einohrbill ist seit gut 7 Jahren mal mehr, mal weniger, in der Szene am Start. Anfangs war er als Teil der Beatzschmiede, später dann als „Masch“ des Teams „Masch & Zmint“ unterwegs. Heute steht er mit seinem ersten Soloalbum bereit, sich und seine Musik zu präsentieren. Bei einem Treffen im Studio des „Hip Hop Movements“ ergab sich die Zeit, dem Mann ein paar kurze Fragen zu stellen. Text & Interview Kamisa One “Viele Schreiben Bücher, andere gehen zum Psychiater und wiederum andere begehen Selbstmord. Ich dachte mir ein Lied über meine Vergangenheit mit meinem Makel zu schreiben, um diesen für mich schwierigen Lebensabschnitt auf jeden Fall festgehalten zu haben. Ihr müsst selbst beurteilen wer ich bin!”

>>> www.myspace.com/einohrbill <<< 16 Feuer Frei Mainhattan #04 Dezember 2007

Viele Schreiben Bücher, andere gehen zum Psychiater und wiederum andere begehen Selbstmord. Ich dachte mir ein Lied über meine Vergangenheit mit meinem Makel zu schreiben, um diesen für mich schwierigen Lebensabschnitt auf jeden Fall festgehalten zu haben. Ihr müsst selbst beurteilen wer ich bin! Manch ein Song bietet sicherlich eine gewisse Hilfestellung. Ach ja, und dumme Sprüche und Blicke existieren eh schon seit langem nicht mehr! Du erzählst Geschichten, wirkst dabei mal entspannt, mal gelassen und andererseits mal Energie geladen und impulsiv. Das ermöglicht Dir sicherlich deine vielseitige Stimme, die oft zwischen Rap und Gesang wechselt. Steckt dahinter ein Konzept? Es kommt raus, wie es halt rauskommt! Kein Konzept was Rap und Gesang angeht. So bin ich eben. Ungefähr so habe ich angefangen und mich natürlich im Laufe der Zeit entwickelt. Die Strophen basieren ja auf Rap, doch gerne bringe ich einen Rapgesangs-Chorus, oder etwas Bridgeähnliches in meine Songs ein. Für mich kann das Gefühl und die Aussage des Stückes sonst nicht perfekt hervorgehoben kann. Manchen Chorus von mir find ich erstaunlicherweise so gut, dass ich echt schon mal darüber nachgedacht habe ein Forum aufzumachen, um dort

meine Melodie-Ideen frei zur Verfügung zu stellen, damit auch andere in den besonderen Genuss kommen können. Hehe… Den Feinschliff bringt mein Freund und DJ KIDWITDEGUN rein. Ohne seine schönen Vocal-Cuts, würde sich so mancher Song ziemlich alleine fühlen. Was auch auffällt ist, dass du ohne Battletracks auskommst, wie kommt das? Stehst du über den Dingen, oder ist das einfach nicht dein Ding? Ich war noch nie so ein „Faust aufs Auge“-Typ. Egal ob mit Fäusten oder mit Worten. Beide Arten entsprechen nicht meinen Vorstellungen vom Leben. Wenn ich jetzt parteiisch wäre, würde ich die Methode „Faust aufs Auge“ wählen, da ja der böse Spruch ins Mikro dem Künstler eine gewisse Distanz gewährt. Find ich unnötig - und außerdem wer soll sich den jetzt bei den meisten Battletracks angesprochen fühlen? Heutzutage wird ja alles in Schubladen gesteckt. Im Hip Hop gibt es da z.b. Backpacker- Strassen- Gangster-Fun- und sonst was Rap, wo gehört dein Material hin? Oder ist dir das Scheissegal? Tja, in welche Schublade bin ich denn zu stecken? Mich muss man als Kommode betrachten, heute mal bock auf was Lustiges, morgen auf was Hilfreiches, am Abend auf was Melancholisches und am nächsten Tag vielleicht Lust auf etwas Härteres. Ob ich Emcee oder Sänger bin? Muss das Album erst mal verarbeiten bzw. darüber reflektieren! Danach kann ich eventuell darüber entscheiden was für eine Musik ich mache. Nicht ohne Grund habe ich das Album ,,Rappst Du noch, oder singst Du schon“ genannt. Dann vielen Dank für die Beantwortung der Fragen und die letzten Worte des Gesprächs gehören natürlich dir! Die letzte Zeit hat mich und alle Mitwirkenden viel Kraft und Energie gekostet. Ohne euch wäre mein Solo nicht so ein Hammer geworden! Danke Marcant für die Geduld und die aus langen Nächten entstandenen Hammerbeats und Songs! Dank Dir DJ Fuji für den bösen Song! Hab Dank Manila! Und danke an Dich, Albow, für alles! Deine Cuts KID runden alles ab und daKo, das Cover gefällt jedem! Ach ja Marijo “Mado“ Dolic, du bist mein Mastermann! Dezember 2007 #04 Feuer Frei Mainhattan 17


SASSAN & RAM-C

Hey Uqilo, stell dich mal unseren Lesern vor!

Alltag auf, das hat nix damit zu tun, dass wir beweisen wollen aus was für harten Gegenden wir kommen – ich komme nicht einmal aus einer harten Gegend! Trotzdem nimmst du Sachen wahr und über die erzählst du dann auch.“ Dass Musik bei den beiden eine Herzensangelegenheit ist, beweist ihre Antwort auf meine Frage, was einen neuen Interpreten bei diesen schweren Zeiten im Musikgeschäft dazu bewegt eine eigene CD zu veröffentlichen: „65jährige gönnen sich nach ihrem harten Arbeitsleben Golfsport. Aber ich kann nicht bis zur Rente warten und brauche jetzt schon nach der Arbeit einen Ausgleich. Den gibt mir das Rappen, das ist meine Passion.“, erklärt Ram-C und Sassan ergänzt: „Gleichzeitig ist es auch ein Ventil wie für andere Sport. Es geht dabei nicht ums Cash, sondern dass du für dich selbst Erfolg verzeichnest. „Aber ich kann nicht bis zur Rente warten und brauche jetzt schon nach der Arbeit einen Ausgleich. Den gibt mir das Rappen, das ist meine Passion.“ Das ist für mich dann, wenn ich mit einem eigenen Release präsent bin.“ Sowohl die Frage nach ihrem Style als auch nach der Motivation wäre geklärt. Bleibt nur noch festzustellen, wie und warum die beiden sich zu einem Duo zusammengesetzt haben. „Wir haben auch schon einige Solo-Dinger gemacht, aber wir kennen uns schon seit dem Kindergarten“, beginnt Sassan, doch sein Kollege unterbricht ihn mit dem Einwurf, er hätte den Kindergarten abgebrochen und würde sich seitdem auf der Straße herumschlagen. „Wir finden einfach, dass sich unsere Stile perfekt ergänzen und deswegen ist es nahe liegend, dass wir uns gegenseitig pushen“. Zum Schluss droht Sassan mit einer gefährlich klingenden Stimme der Rap-Szene: „Ich bin noch diplomatisch, freundlich, nett, aber vom rap-technischen her gehören wir jetzt schon zu den Top Ten. Die Seuche der ganzen deutschen Rapper soll sich warm anziehen, denn wir haben das Potenzial und da geht was! Wenn einer findet, wir sind nicht Top Ten, dann soll er mir ruhig seine Meinung zumailen.“ www.myspace.com/sasundram

Auffällig ist ja, dass du dich in jungen Jahren schon komplett der Musik widmest. Für einen achtzehnjährigen nicht schlecht. Sag mal wie kam es dazu?

...“alles

Text Mario Kemenc Lange vor „Feuer Frei“ legten sich zwei motivierte Jungs ins Zeug, eine Plattform für Nachwuchskünstler der Mainmetropole zu erschaffen. Monatelang telefonierten, organisierten und rappten Sassan Siamak und Ram-C bis die Compilation „Frankfurt Mixxed“ fertig gestellt wurde. Im weiteren Verlauf ist aus dem Sampler eine Internet-Seite entstanden, auf der uns die beiden Macher regelmäßig mit neuen Videos, Tracks und Interviews aus unserer Stadt versorgen. Doch jetzt ist es endlich Zeit, dass Sassan und Ram-C selbst ins Rampenlicht treten. Demnächst ist es soweit, wenn das erste Mixtape von „Sas & Ram“ in den Läden steht… Ihre Musik kann man sich als ein Wechselspiel der kraftvollen, tiefen Stimme Sassans und Ram-C’s schnellem Flow vorstellen. Der Inhalt der Lieder des im Februar erscheinenden Mixtapes reicht von unterhaltsamen Battles über Geschichten von der Straße bis hin zu clubbigeren Sachen und amüsanten Begegnungen mit dem Teufel. Inspiriert werden die beiden mehr von den dunklen Seiten des Lebens. „Wir können auch über fette Goldketten, BMW und den ganzen GlitzerScheiss rappen“, meint Ram-C, „aber das hat nichts mit uns zu tun. Wenn ich schon so viel Geld hätte, dann würde ich gar nicht mehr rappen. Wir greifen daher lieber Sachen aus unserem

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oda

nix!”

Uqilo mein Name, Afghane, 18 Jahre alt, rappe seit drei und produziere seit etwa zwei Jahren. Meine erste kleinere Veröffentlichung war eine Free-EP mit Albowholik von der Randgruppe Anfang 2007.

Musik war in meinem Leben eigentlich ein ständiger Begleiter von mir. Schon als kleines Kind habe ich angefangen aus Spaß auf Tablas zu trommeln. Das Klavierspielen wurde später eine Leidenschaft von mir. Doch schon mit elf Jahren hatte ich es satt nur Sachen nachzuspielen und fing an meine eigenen ersten kleine Stücke zu komponieren, was geholfen hat meine Emotionen zu verarbeiten. Irgendwann hat das aber nicht mehr gereicht und ich begann meine Erfahrungen in Texten zu verarbeiten. Da mir klar wurde, dass ich mich einzig und allein in der Musik verwirklichen kann, wurde alles andere zur Nebensache, deshalb brach ich auch die Schule ab. Aber wie hältst du dich über Wasser? Kannst du schon von der Musik leben? Um Gottes Willen, das wäre schön. Nein natürlich nicht. Man macht hier und da ein bisschen Geld, ich geh auch arbeiten und durch mein eigenes Studio kommt auch Bares in die Tasche. Im Moment ist es sicher nicht einfach, mein Leben ist Stress pur, aber ich bereue nichts. Ich habe es mir selbst ausgesucht und bin schon ein wenig stolz darauf, dass ich die Eier hatte mein Ding durchzuziehen und mich nicht von meinem Weg habe abbringen lassen. Irgendwann wird das jeder verstehen.

Was kann man in Zukunft von dir erwarten und wo kriegt man was von dir zu hören? Einiges, vielleicht nicht quantitativ, aber qualitativ. Ich arbeite zurzeit an einem Album mit Hank(Randgruppe). Das wird definitiv keine 0-8/15 Geschichte. Es wird kein normales deutschrap- Album. Produziert wird alles von mir. Es werden keine Samples verwendet und ich spiele ausschließlich alles selbst ein. Ich bin ein absoluter Perfektionist, was Hank manchmal zur Verzweiflung treibt. Anfang 2008 ist die Platte dann erhältlich. Außerdem steuere ich Produktionen zum vierten Randgruppe-Album bei. “Red Carpet Beats” sind musikalisch, technisch anspruchsvoll und nicht nur Rap- orientiert. In Zukunft werden einige davon die Runde machen. Checkt die Free-Tracks auf www.uqilo.de, besucht www.myspace.com/uqilo. Ich dank dir für das Interview. Willst du noch was Abschließendes sagen? Im Frankfurter Untergrund mögen viele noch nicht so viel Fame haben, wie ihnen eigentlich zusteht. Unterschätzt nicht das Potenzial, es gibt mehr als nur die Charts. Verschließt euch nicht aus Neid und purer Ignoranz vor guter Musik. Unterstützt ehrlichen und guten Frankfurter Straßenrap! Um es wie Al zu sagen: Wämst die Ente!

www.myspace.com/uqilo

Uqilo

Underground Producer Text Dirty Hank Foto Uqilo Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 19


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N

ach der Arbeit machte ich mich an einem Dienstagabend auf den Weg in die abgelegenen Ecken der Nordweststadt, um mich mit Titan und Partizan von der „Bruderschaft“ zu treffen. Im Verlauf der nächsten drei Stunden hörten wir uns ihre Musik an, redeten über die politische Weltlage und analysierten das Rap-Geschäft. Beobachtet wurden wir dabei von Che Guevarra und Tupac, die von zahlreichen Postern in Partizans Wohnung auf uns herab schauten. Vieles an dem Abend Gesagte ist zu persönlich oder gewagt, um es in einem Interview zu offenbaren, doch heraus kam trotzdem diese Vorstellung der beiden äußerst interessanten und gesprächigen Männer und ihrer neusten CD. Text & Interview Mario Kemenc

3 STIMMEN

J

Text & Interview Mario Kemenc

ahrelang waren Skinny, L-Nocka und MosBos jeder für sich in der Darmstädter Szene aktiv. Doch erst nach einem Azad-Konzert kam die Idee auf, gemeinsam einen Track aufzunehmen, zu dem kurze Zeit später auch ein Videoclip gedreht wurde. Der kam dann in ihrer Stadt so gut an, dass dem die Entscheidung, in dieser Formation weiterzumachen und eine EP fertig zustellen, folgen musste. Hinzu beschloss MosBos mit dem Rappen kürzer zu treten und sich von nun an auf das Basteln von Beats zu konzentrieren. So bilden seitdem seine Melodien die dritte Stimme der Gruppe. “Das Zusammentreffen der drei Kontinente macht die Besonderheit unserer Musik aus“, beschreibt MosBos den Sound seiner Band, „Das Afrikanische trifft das Asiatische und ich als Bosnier vertrete das Europäische.“ Hinzu kommt noch, dass die beiden Emcees sehr unterschiedliche Rap-Stile verinnerlicht haben. „Ich habe einen amerikanischen Flow, das kann man so sagen. Aber ich benutze ungern Anglizismen“, beschreibt L-Nocka seine Art. Das Bestreben mit den Inhalten seiner Texte erklärt Skinny so: „Vor allen Dingen will ich die Jugend von gewissen Dingen wegbringen. Ich versuche das Positive im Menschen zu sehen. Wir sind keine 17, 18 mehr und wollen von daher unsere Erfahrung rüberbringen, anstatt ein Image zu erfüllen.“ Da alle Mitglieder der „3 Stimmen“ um die 30 Jahre alt sind, kommen sie aus einer ganz anderen HipHop-Generation. So sind sie durch das erste Nas-Album oder B-Boying Teil der Kultur geworden. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass ihnen das heutige HipHop-Bild missfällt. „Bei den Jams von früher hat man sich wie unter Brüdern gefühlt. Heutzutage schaut man, wer der Coolste ist, weil er das Cappy am tiefsten trägt. Früher galt HipHop als eine Vereinigung, heute steht es für „Ich bin’s und sonst keiner“, bedauert Skinny die Entwicklung der jüngsten Zeit. „Wenn man sich uns anschaut, würde keiner vermuten, dass wir HipHopper sind. Man muss sich auf eine bestimmte Art anziehen, um als HipHopper zu gelten“, ergänzt MosBos seinen Kollegen. Dass reifere Auftreten spiegelt sich auch in ihrer Wortwahl wider, denn auf Obszönes wird man in ihren Liedern nicht stoßen. Das alles kann man von ihrem Album erwarten, dass Anfang 2008 veröffentlicht werden soll.

24 Feuer Frei Magazin #04 Dezember 2007

Das erste Vorurteil, was man von der „Bruderschaft“ haben könnte, ist dass mit „Capital of Crime“ zwei weitere ausländische Gangster-Rapper ein Werk abgeben. Genauso klingt auch „Kanak Attack“, was dem Intro folgt, denn brave Jungs sind die beiden Emcees mit Sicherheit nicht. Doch auf dem Rest des Albums beweisen Titan und Partizan, dass sie noch vieles mehr zu bieten haben. Auf 50 Minuten werden neben harten Liedern sehr viele politische und traurige Themen angesprochen, was in letzter Zeit in Frankfurt oft vermisst wurde. Hier rappen nämlich zwei Männer, die sich auch nach fast drei Jahrzehnten in Deutschland nicht integriert fühlen und dem Ausdruck verleihen. „Ich muss sprechen für den, dessen Leid keiner anhört“ lautet eine Zeile und bringt es auf den Punkt. Auf „Capital of Crime“ werden keine Phrasen gedrescht, sondern der ein oder andere Zuhörer zur Identifikation gezwungen. So zum Beispiel in „Memorys“, einer meiner Favoriten des Tapes. Hier fragt sich der Türke Titan, wie seine Welt aussehen würde, wäre alles anders gekommen in seinem Leben. Abgerundet wird der Song durch Partizans Part, in dem er über das Leben philosophiert und seine Liebe zu HipHop bekundet und eine 2Pac-Strophe, die perfekt zur Atmosphäre passt. “Es sind Sachen hier drinnen“, urteilt der sich selbst als Jugoslawe bezeichnende Partizan über ihre Musik, „die gesagt werden müssen. Wenn’s wem gefällt, der hört’s. Wer weghört, der hört halt weg. Aber für mich gilt Gefühle zeigen als wahre Stärke.“ Bei den Beats spürt man größtenteils eine West Coast- bzw. Compton-Prägung. Eines ist klar: Hier wird weder in Highspeed gerappt noch werden überraschende Tripple-Reime geboten. Doch das ist den beiden egal, denn diese CD ist für die Leute, die ihre Sorgen und Gedanke teilen. So haben sie auch bewusst auf bekannte Gäste verzichtet und lieber Leute gefeatuert, die aus dem eigenen Umkreis stammen. Was den beiden, die den rappenden Teil der großen „Bruderschaft“-Clique ausmachen, besonders wichtig ist, ist dass sie sich nicht in der Nordi einbunkern. Sie hoffen darauf, dass die vielen kleinen Gruppierungen der Frankfurter HipHop-Szene sich in Zukunft zusammensetzen. Denn dann hätte laut Titan und Partizan keine andere deutsche Stadt eine Chance in Sachen Rap mitzuhalten. So ist „Capital of Crime“ eine Veröffentlichung, die speziell für den Frankfurter Markt gedacht ist. Obwohl die beiden eine kriminellere Vergangenheit hinter sich haben als viele Kollegen sich in ihrer Märchenwelt erträumen können, werden sie der Verantwortung eines Musikers gerecht. „13 oder 14jährige sollen sich unsere Lieder auch anhören können, deswegen haben wir keine Tracks über übertrieben abartige Dinge“, erklärt Titan. Wenn alles gut läuft, soll dem Mixtape bald auch ein Album folgen, das dann in ganz Deutschland verkauft werden soll. Stellt sich mir noch die Frage, wie sie selbst ihre Musik beschreiben würden. „Als Straßenpoesie! Straßenpoesie aus der Sicht eines Ausländers“, lautet Titans Antwort. Wollen wir hoffen, dass die „Bruderschaft“ ihren Weg geht, denn zu erzählen, was die Masse da draußen hören sollte, haben sie auf jeden Fall vieles! Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 25


Mit eurer Metall-EP bringt ihr ja etwas total Ungewohntes heraus. Kann man sie daher als eine Neugeburt der Randgruppe bezeichnen? Johnny: Nee, eher als eine Missgeburt der Randgruppe.. Hank: Aber eine perfekte Missgeburt! Wir wollten damit neue Erfahrungen sammeln und etwas Anspruchsvolles ausprobieren, denn zu Rock kann nicht jeder rappen. Und ich denke, das ist uns auch gut gelungen mit der EP. Kosmo: Rock ist Adrenalin-Musik und damit mal aufzutreten und durchzudrehen finden wir geil. Ich denke, damit gehen die Leute mehr ab als mit Rap.

“...Wir stehen dazu. Wir sind Chaoten, pöbeln auch manchmal rum. Aber jeder der uns persönlich kennen lernt, merkt dass wir korrekte Leute sind...”

*Free ep* www.myspace.com/randgruppeffm *free ep*

W

ir schreiben Dezember 2007, das neue Jahr naht. Bereits seit einiger Zeit ist es nichts Ungewöhnliches mehr, wenn auffällt, dass sich –zig Rapper gleich anhören. Wer aktuell Angesagtes kopiert, fährt nun mal sicherer und einfacher als mit innovativen Ideen. Dieser Entwicklung will sich die Randgruppe nicht unterwerfen. Für ihre neue EP werfen sie alles Gewohnte über Bord und ziehen einen frischen Stil an Deck. „Wir spucken Metall“ nennt sich ihr neustes Werk und wird den ein oder anderen Hörer erst einmal schockieren: „Scheiss auf Rap“ tönen sie zu E-Gitarren und Schlagzeugen. Auf dieser EP wird nämlich kein Blatt vor den Mund genommen, hier dreht sich alles um „Hurensohn, Ficken, Saufen“! Allerdings lässt sich die Musik nicht auf das Fluchen beschränken, denn die Beats sind oberstes Batschkapp-Niveau, versehen mit gewohnt starken Flows und Punchlines (Hank: „Du bist deiner Schlampe leider nur ein Klotz am Bein/guck mich an, 30cm Klotz am Bein“). Auf 9 Tracks wird der Hörer durch harte Klänge aggressiv gemacht, um dann zum Schluss die Wut auf ein Ziel zu bündeln: In „Deutsch“ wird mit dem „deutsch sein“ abgerechnet, denn nicht nur im HipHop sehen sie sich als „Randgruppe“. Wer immer noch unsicher ist, ob sich der Download lohnt, kann sich gerne von den fünf (bzw. vier, denn Albow war beim Interview leider zu tief in seiner Gedankenwelt vertieft) Jungs selbst im Interview überzeugen lassen. Text & Interview Mario Kemenc

26 Feuer Frei Magazin #04 Dezember 2007

Bei Rock, vor allem dem, der in die Metall-Richtung geht, denke ich immer an zwei Dinge: Entweder hemmungslosen Spaß haben oder seine Wut rauslassen. Was trifft denn bei euerem Projekt zu? Wie charakterisiert ihr es? Johnny: Wir haben schon drei CD’s gemacht und sahen, dass wir nicht ganz so vorangekommen sind mit dem Rap. Da hat einige Wut in uns gesteckt, die wir erstmal rauslassen mussten. Kamisa: Wut auf die HipHop-Szene, auf das Business, auf die Magazine! Aber die Randgruppe ist trotzdem keine aggressionsgeladene Crew. Im Gegenteil, auf der anderen Seite ist es auch Spaß. Eine Sache ohne drüber nachzudenken, ob es bei den Hörern und Fans ankommt oder wie es einem Redakteur z.B. der Juice gefällt. Kosmo: Bei der Rock-Platte war uns das aber scheißegal. Das Produkt ist eine CD, auf der wir uns ausgetobt und sehr viel Energie raus gelassen haben. Abgehen und durchdrehen ist die Sache. Einfach drauf los spitten auf „Hardcore Metall“Beats und drauf scheißen, was irgendwer sagt oder denkt.

Hank: Die Lehre ist die, dass wir uns nicht mehr auf den Vertrieb verlassen sollten und selbst konsequenter sein müssen. Wir sind nicht genug „Business-Menschen, sondern eher Chaoten, da müssen wir uns in Sachen Promo usw. zusammenreißen Kamisa: Die Randgruppe ist nun mal wie sie ist und keine Idee, kein erdachtes Image, oder so. Aber wie Hank schon gesagt hat, haben wir eingesehen, dass nur Musik machen nicht reicht, auch wenn sie gut ist. Da wir keine BookingAgentur oder einen Manager haben, wurde die Lehre gezogen, dass wir nach der Produktion des Albums erst recht reinhauen müssen. In Frankfurt genießt ihr bekanntlich einen schlechten Ruf. Manche sagen euch nach, ihr wärt Chaoten, die nur am Trinken wären. Andere sogar, dass ihr Schläger wäret, die nichts auf die Reihe kriegen würden. Was haltet ihr von solchen Vorwürfen?

Es wurde angesprochen, dass ihr mit dem, wie das letzte Album in der Öffentlichkeit ankam, nicht richtig zufrieden wart. Welche Lehren habt ihr daraus gezogen?

Kosmo: Das stimmt schon. Andere gehen feiern, nippen eine Stunde an ihrem Cocktail und sagen dann „Boah, geile Party“. Wir knallen uns halt am Wochenende weg, wenn man schon unter der Woche arbeiten muss und nicht die Sau rauslassen kann. Aber Schläger sind wir nicht, eigentlich kriegen eher wir auf die Fresse (lacht). Hank: Naja, andererseits… Natürlich lassen wir uns auch nicht alles gefallen. Aber Frankfurt ist auch halt kein einfaches Pflaster. Johnny: Wir stehen dazu. Wir sind Chaoten, pöbeln auch manchmal rum. Aber jeder der uns persönlich kennen lernt, merkt dass wir korrekte Leute sind. Kamisa: Aber die andere Seite ist: Welche andere Rap-Crew in Frankfurt hat in drei Jahren drei Alben herausgebracht? Keiner! Jetzt die Rock EP und das vierte Album ist auch voll in Arbeit. Da sind die vier Jungs disziplinierter als andere, die von sich erzählen, sie wären schon 15 Jahre dabei. Man kann sagen, was man will, aber dass wir uns ständig prügeln ist einfach gelogen!

Kosmo: Also ich bin schon zufrieden. War zwar nicht alles perfekt, aber beim nächsten Mal wird es noch besser laufen.

War die Rock-EP eine Ausnahme oder kann man von euch künftig weitere Ausflüge in fremde Gewässer erwarten?

Kamisa: Dann bist du aber der einzige, der so denkt! Der Name „Randgruppe“ wurde zwar mehr in die Szene gebracht, aber mit dem Verkauf über den Vertrieb und mit den Promoergebnissen waren wir unzufrieden.

Kosmo: In erster Linie sind wir eine Rapcrew und werden das auch bleiben, aber man kann nicht sagen, das diese Metall EP die einzige war, denn die Beats gehen ab, man kann durchdrehen, und das sind wir! Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 27


Da Don

„Die Ära beginnt!“ - Download Album

Kombat

„Block Leben Vol 1“ - Download EP

Mad Mic

„Lebenslauf“ - Download Album Um eine erste Info über Mad Mic zu bekommen, verbaut Dj Clay-369 gleich im Intro mit Scratches, die Discografie von Mad Mic, in der klar wird, dass hier kein Newcomer und Anfänger mehr am Start ist. Seit 1998 in der Crew „Vodka Orange“ und „Prosa Nostra“ aktiv, gab es über die Jahre einige Releases und jetzt - 2007 - kommt Mad Mic’s „Lebenslauf“. Dass hier kein Anfänger durch die Boxen kommt, hört man auch ganz klar an seinen Raps und an seinem Style - der Junge hat was auf’m Kasten. Gleich im ersten Track „Ballast“ ballert er uns teilweise Battle, Represent und auch politische Lines um die Ohren und so geht’s auch weiter. Mit „Lebenslauf“ wird uns hier ein Release abgeliefert, dass insgesamt vielfältige Inhalte bietet, aber meiner Meinung nach sind 25 Titel doch ein Zacken zu viel, da nach einer Zeit die Stimme doch zu monoton wird und die Inhalte sich teilweise auch wiederholen. Insgesamt dominiert auf der CD der härtere Sound. Mad Mic rappt immer nach vorne, immer druckvoll und auch die Featuregäste wie Calibuz Wax, Deuceman, Biski usw. machen überwiegend einen guten Job. Abgerundet mit tighten Cutz und Übergänge von Clay-369 ist dieser Freedownload ein weiteres Release, das beweist, was für eine Qualität im Frankfurter Untergrund steckt. Das Album könnt ihr euch unter folgenden Links downloaden: www.myspace.com/tylertorance und/ oder www.prosa-nostra.com Kamisa One

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J.Stress und Azrael „Höhen & Tiefen“ - Album

Von dem Darmstädter Label „Schwarzgeld Records“ haben wir die CD von den beiden Emcees J.Stress & Azrael bekommen. Nach etlichen Releases von Schwarzgeld Records ist diese LP mit 12 Tracks + 2 Remixes, laut Label, die erste ernsthafte Veröffentlichung, in die viel Hoffnung und Energie gesteckt wurde. Und diese Energie hat sich gelohnt, denn das Album bietet auf den relativ wenigen Tracks Abwechslung, ehrlich wirkendes, tiefgründiges Material, aber natürlich auch Battle- und Representertracks, in denen die Jungs ihre Ansagen machen. Die beiden Rapper gehen mit Druck zur Sache, also ist dieses Album eher was für die Hörer der härteren Rapschiene. Heute nennt sich zwar jeder zweite „Strasse“, aber J.Stress und Azrael kommen authentisch rüber. Das Album „Höhen und Tiefen“ ist für jeden Fan von rufferen Strassenrap. Meine Favortien auf dem Album sind „Provukant“ - ein Battletrack auf einer Synthiebombe. Auch „Irgendwann“ feat. Omima, ein ehrlicher Storyteller aus dem Leben der Jungs, ist nicht zu verachten. Nebenbei gesagt wurden alle Beats bis auf 2 von Azrael produziert. Insgesamt ein Album das auf jeden Fall eure Aufmerksamkeit verdient! Holt euch die CD, checkt den Shit ab unter: www.schwarzgeld-records.de Kamisa One

„Block Leben Vol 1“ – so der Name der kurzen, fünf Track plus Intro starken EP vom Offenbacher Kombat . Was als erstes hervorsticht, ist der gut platzierte Hinweis auf dem Cover, dass die CD von „Bozz Music“ gehostet ist. „Wir sind komplett“ mit Johnny und Albow von der Randgruppe ist ein gutes Battle zum Start. Der Track weiß zu überzeugen, auch wenn man merkt, dass der 1990 geborene Kombat mit den beiden erfahrenen Kollegen nicht ganz mithalten kann. Dem folgt ein solider Liebes-Song, doch das Highlight der EP bildet „Real Rap“, ein Track, der mit einem Ohrwurm-Hook und Kombats Reflektion über seinen Weg zu überzeugen weiß. Alles in allem ist „Block Leben Vol.1“ schon ein interessantes Werk gehört und man sollte Kombat auf jeden Fall eine Chance geben. Auch wenn er noch teilweise in der Entwicklung steckt, weiß er eindeutig, was er da tut. www.myspace.com/kaykombat Mario Kemenc

SMS

„Von unten nach oben“ - Download Streettape Mit ihrem neusten Release wollen die beiden Rapper SM89 und Speckmastah von SmS „Von unten nach oben“. Die Stimmen der beiden kennt der ein oder andere vielleicht noch aus N.W.K. Zeiten. Das 20 Track starke Streettape wurde zu großen Teilen vom Randgruppe Mitglied Johnny produziert, was eingängige Melodien und fette Drums verspricht. In den meisten Songs sprechen SM89 und Speckmastah von ihrem Traum, irgendwann mit ihrer Musik im Business erfolgreich zu sein. Aber auch gesellschaftskritische Songs wie „People have to die“ und „Hochhausmusik“ finden sich auf dem Streetape wieder. Zum Leid der beiden hat den Besten Rappart auf „Von unten nach oben“ einer der Featuregäste. Auf „Kugeln schießen scharf“, einem nach vorne gehendem Representersong, spittet Johnny Hammer Lines, die Ihresgleichen suchen. Mit „Von unten nach oben“ schlagen die beiden Jungs auf jeden Fall den richtigen Weg ein, um in nicht allzu ferner Zeit oben mit zu spielen. Feuer Frei für den Download: http://www.sms-ffm.de Seilo

Die Free-LP „Die Ära beginnt“ vom im Eckenheim-Bericht vorgestellten Da Don gibt es zum Jahreswechsel als Download auf seiner Myspace-Seite. Dabei erwarten den Hörer zu Beginn Filmzitate aus „Sparta“, um anschließend im gleichnamigen Lied einen viel versprechenden Vorgeschmack zu liefern. Dabei representet Da Don zu einem coolen Beat zusammen mit seinen Jungs von „Rappernostra“. In ähnlichem Stile geht es dann weiter, so dass die ersten 5-6 Tracks allesamt kräftige Kampfansagen sind. Doch die zweite Hälfte der CD ist hingegen sehr persönlich gehalten, wobei der Song „Der Glaube“ hervorsticht. In dem Lied gibt der junge Italiener den Rückhalt, den ihm die Religion bietet, preis. STiLLa und Para unterstützen ihn dabei. Mit weiteren unter die Haut gehenden Themen geht es dann weiter, bis man im Feature mit Daniel Sahib & Don Bene auf ein weiteres Highlight stößt. „Wir geben nicht auf“ ist ein Hoffnung spendender Titel, der auf einen düster gehaltenen Abschnitt folgt. „Vor zwei Jahren hieß es noch, aus diesem Jungen wird nie was. Doch heute hört ihr meine Tracks und feiert meine Lieder“ – so bringt Da Don seinen Weg auf den Punkt. Ein gelungenes Debüt-Werk! www,myspace.com/dadonffm Mario Kemenc

Corny Kuba & Jowahn „Jinnys“ Download Album

Corny Kuba und Jowahn sind Frankfurter Nachwuchs, den man gehört haben sollte. Denn die beiden Emcees, die ihre erste gemeinsame LP liefern, wissen was sie machen, kicken selbstsichere Flows, die sich wirklich nicht verstecken müssen. 19 Titel auf Beats, die überwiegend Johnny (RG), beigesteuert hat. Beim Durchhören fällt auf, dass die meisten Tracks Representer, Party- und Battlematerial sind und die Jungs sich und ihren Rap feiern. Hier hätte noch etwas mehr Vielfalt sein können! Doch dann kommt mit Track 14 “Schizzo” ein Ding, das zu meinen Favorit wird! Die MCs nehmen die beiden Teile einer gespaltenen Persönlichkeit ein. Ein Typ der im Leben nicht klar kommt und dann die Leute metzelt, wobei der eine Typ vom anderen nichts weiß und am Ende ist Showdown. Ein sehr gut umgesetzter Song! „Jinnys“ bietet teilweise mehr als solides Material, in Corny und Jowahn brodelt Untergrund Potenzial! www.mypsce.com/cornyjowahn Kamisa One Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 29


„Frankfurt ist eine geile Stadt, schöne Clubs, willige & billige Frauen. Ansonsten viele Sehenswürdigkeiten. Aber musikalisch geht hier nicht all zuviel. Der Nordwesten wirbelt ab und zu mal einen Wind in unsere Richtung vorbei,...“

B

evor man das erste Wort des Interviews gelesen hat, merkt man schon am Foto, dass Anoush ein Typ ist, der seinen eigenen Weg geht. Einer, den man mit keinem anderen Frankfurter MC vergleichen kann. Man weiß nie, was ihm als nächstes Verrücktes einfällt wie auf der „Propz City“-Party, wo er nach nur einem Track das Publikum schockiert und die Bühne verlassen hat. So bestand er auch darauf, dass die Interview-Fragen so knapp wie möglich gestellt und seine Antworten nicht umformuliert werden. Denn sie sollen für sich sprechen. „Lies selbst, mein Freund“ würde Anoush jetzt sagen… Text & Interview Mario Kemenc

Mit wem außer deinen eigenen Jungs arbeitest du noch zusammen oder mit wem würdest du noch gerne zusammen arbeiten? Behrang, mein Partner und Artist auf der Big Daddy Muzic-Plattform. Bero, Sirun, StringZ - sind nicht nur gute Freunde, sie produzieren Atombomben. Jetzt rein musikalisch gesehen. Ich bin Iraner, aber kein Terrorist! Nebenbei arbeite ich noch mit anderweitigen Künstlern wie Sistanova, die jetzt ihren Durchbruch hatten. Ich wünsche Ihnen auf diesem Weg auch nochmal alles Gute und viel Erfolg. Peace an Noizmakers… Ric, du Sack ;) Kumrun S, mein Homie aus Offenbach, Cuzzi, den ich auch schon ewig kenne und wie einen Bruder liebe. Mehran, der Imperator/Imper, Giovandino (Skyline Records) und Yasmina eine Sängerin aus dem Nordwesten von Frankfurt. Unter anderem noch mit meinem Kollegen David (Balthasar), B-Lash aus Berlin Kreuzberg (187beatz). Der Junge ist übertrieben, gibt euch sein Zeug und ihr werdet geflasht sein. Frankfurt & Berlin in dein Ohrgasmus! Supafunk, der mein kommendes Album mischen und mastern wird, hat auch übertriebene G-funk Beats für mich produziert. Asen aus der Schweiz, der jetzt in Moabit wohnt. Momo von 3rd Music. Dennis Fiege, der auch bereits einige Beats für uns produziert hat, ist natürlich in der Zukunft auch mit von der Partie. Und Titan von Bruderschaft!

Wie hast du mit der Musik angefangen und was bedeutet sie für dich? “Die Musik hat mir gezeigt wer ich bin - durch dich, macht das leben wieder für mich einen Sinn!” Wie schon in meinem Track “Musik” ist die Musik alles was ich habe. Sie ist mir ewig treu und ich teile mit ihr den Rest meines Lebens. Die Musik bedeutet mir alles. Ich rap jeden Tag, aller und Rap hilft mir. Es ist nicht nur mein Ventil, nicht nur meine Leidenschaft, nicht nur meine Bitch, die ich jeden Tag vergewaltige, sondern mein “Lichtblick”. Ich hab das Gefühl, ich muss es allen beweisen, und vor allem mir selbst weil, ich hab mir hohe Ziele gesetzt. Ich konnte nie aufnehmen bei irgend

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welchen Picos bzw. mir hat kaum einer auf die Schulter klopft. Also hab ich mir vorgenommen meinen Weg zu gehen und anderen Freunden und talentierten Leuten die das Feuer in den Augen haben zu helfen. Aber wie soll ich denen helfen, wenn ich mir erstmal selber helfen muss? Wie

kommst

du

ohne

Label

klar?

Ich glaub, die Frage beantwortet sich wie von selbst, Bruder: Laufende Kosten, die ich nicht decken kann, Kriese auf gut deutsch gesagt! Ich hab für mein Equiptment gekämpft, aller und zahle bis heute noch meine Ratenzahlung ab, nimm Schwanz! Gib mir ein Label und ich drop dir drei Alben im Jahr neben der Deutschland-Tour!!

Wie siehst du die Musikszene, wie siehst du deine Stadt und wie siehst du die Welt? Die Musikszene ist hart. Es ist wahrscheinlicher Schauspieler in Hollywood zu werden als seinen Durchbruch mit der Musik in Deutschland zu schaffen. Leute, ihr dürft das nicht unterschätzen, die “Konkurrenz” schläft nicht. Es gibt echt viele Talente da draußen und inzwischen rappt jeder Zweite... Aber was unterscheidet mich von den anderen, ihr Pisser? Ich mach das vom Herzen, ihr Schmocks

und schon seit ich denken kann, fragt jeden! Frankfurt ist eine geile Stadt, schöne Clubs, willige & billige Frauen. Ansonsten viele Sehenswürdigkeiten. Aber musikalisch geht hier nicht all zuviel. Der Nordwesten wirbelt ab und zu mal einen Wind in unsere Richtung vorbei, aber ich warte auf AZ’s Hurricane. Obwohl, das kann man so nicht sagen. Alles was er macht oder gemacht hat, hat er top gemacht und respektiere ich. Er ist ein Perfektionist. Aber zurück zu mir, Azad ist nicht Frankfurt, und vor allem nicht die Welt! Die Welt ist katastrophal. Ich will dir keine Predigt halten. Ich glaub, das kann Behrang besser. Denn wenn ihr erstmal hören würdet, was der junge alles zu sagen hat, dann legt ihr euch morgen einen Gurt um und wollt nicht mehr leben. Viele sind blind und sehen nicht, wie dreckig und ungerecht die Welt ist. Bei der Propz-City Party hast du das Publikum ziemlich schockiert. Was war da los? Wieso hast du alle Rapper auf dem Mixtape, bis auf die, die aufgetreten sind, beleidigt und bist dann abgezogen? Bruder, ich hab die Bühne nicht verlassen. Ich hab nur meinen Beitrag geleistet, schließlich hatte ich ja nur einen Track auf dem Mixtape, genau wie jeder andere. Also, was sollte ich da noch großartig performen? Und auf die anderen geschissen außer MoMo und meinen Jungs, die mit mir da gefeiert haben. Aber die Party war ok. Die Menge war gut laut, alle waren betrunken und kaputt im Kopf, aber dennoch gut drauf. Korrekter Abend, nicht schlecht.... Was willst du unseren Lesern mitteilen? Kauft meine CD, die hoffentlich bald überall erhältlich ist, verfolgt meine Sachen und ihr werdet begeistert sein. Glaubt an mich und schenkt mir Kraft und ich gebe euch etwas wieder - gute & ehrliche Musik! Feuer frei Frankfurt, Biatchhhhhhh! Peace, ihr werdet bald mehr hören und hoffentlich auch sehen!

www.myspace.com/bigdaddymuzic Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 31


„...dadurch, dass wir großen Wert darauf legen, Frankfurt zu repräsentieren, eine Message rüberbringen wollen, von der Straße kommen und das nicht vergessen, unterscheiden wir uns von diesen Popstars.“ Ihr habt euch innerhalb kürzester Zeit einen Namen in Frankfurt gemacht: Auftritte in der Batschkapp, im O25 und zwei mal im Sinkkasten innerhalb von zwei Monaten! Hinzu habt ihr bereits weit über 80.000 Klicks bei Youtube und T-Shirts seid ihr auch schon mehrere Hundert losgeworden. Kommt man da nicht manchmal in Versuchung abzuheben, weil einem der plötzliche Ruhm zu Kopf steigt?

W

enn du deinen ersten Auftritt im Februar vor weniger als 30 Leuten hast und keine acht Monate später die Batschkapp füllst, dann lässt sich vor allem eins ableiten: Hier wurde gearbeitet mit dem Eifer einer Biene! Genau dieser Fleiß für das ganze drum herum um die Musik ist es, was Don Bene und Daniel Sahib als eine Besonderheit in der Masse der Frankfurter Rapper erscheinen lässt. Anders lassen sich die vier gedrehten Videoclips, die erste EP mit zugehöriger Release-Party und zahlreichen weiteren Auftritte nicht erklären. Lest selbst, was die beiden „Azzis mit Herz“ über ihr Motto, den Gesang und ihre Ziele zu erzählen haben. Text & Interview Mario Kemenc

www.myspace.com/azzismitherz Wie man auf zahlreichen T-Shirts lesen kann, lautet euer Slogan „Azzis mit Herz“. In wie weit wart ihr in den vergangenen Jahren „Assis“ und was versteht ihr unter euerem Motto? Daniel: Wir sind die üblichen Verdächtigen Frankfurts. Wir haben einige Delikte wegen Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung etc. Das Übliche, was der Großteil unserer Jungend in FFM durchgemacht hat und leider immer noch macht. Aber was bei uns dazu kam, sind Probleme hinter den Fassaden, sprich in den eignen 4 Wänden: Mutter allein erziehend, Vater mehr oder weniger verschwunden und

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kaum Geld daheim. Also wirklich Dinge, die leider Gottes immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland durchleben müssen. Genau da wollen wir mit unserer Musik ansetzen und zeigen, dass es trotz dieser Probleme irgendwie nach oben gehen kann, wenn man von Herzen will! Nicht ständig die Schuld suchen, sondern das Problem so annehmen und das Beste draus machen! “Nie zu spät” z.B. ist so ein Track, der viel davon ausdrückt! Wir sagen uns: „Ok, wir sind Assis, wir nehmen das Bild an. Aber trotzdem sind wir gute Jungs mit Herz, mit denen man normal reden und sie nach der Uhrzeit fragen kann, ohne gleich ausgeraubt zu werden.

Bene: Was für ein Ruhm? Wir haben unser Ziel noch lange nicht erreicht und dadurch das wir komplett alles alleine auf die Beine stellen, können und wollen wir nicht abheben, weil wir in meinen Augen noch niemand sind! Ich weiß was wir in so kurzer Zeit erreicht haben und weiß es von Herzen zu schätzen, aber das ist nicht unser Ziel. Also keine Zeit sich was darauf einzubilden oder von Ruhm zu sprechen. Und wie läuft bei euch die Arbeit ab, um die sich eigentlich ein Label kümmert bzw. in wie weit ergänzt ihr euch? Daniel: Der Bene ist der Mann für die mächtigen Beats und das abmischen bzw. das komplette produzieren der Tracks verantwortlich! Ich übernehme dann, wenn wir sagen okay das Ding ist Videoreif, die Ausarbeitung des Konzepts für das Video und schneide das ganze selbst! Merchandise läuft von allein also da rennen wir glücklicherweise keinem hinter her wofür wir sehr dankbar sind und nochmal die riesen Unterstützung unserer Fans zeigt. Bene: Ich denke auch das Label nicht gleich Erfolg heisst. Label heisst nicht gleich Geld, was viele denken. Wir kennen auch einige mit Verträgen und sehen da nicht viel in Richtung Charts! Wir haben einfach auch nicht die finanzellen Mittel und stehen trotzdem da wo wir heut sind. Ich denke das erfüllt uns mit stolz. Der Rest ergibt sich hoffentlich bald.

Daniel, du bist sowohl Rapper als auch Sänger und bei euch meist für die Hooks verantwortlich. Erste negative Kritik musstest du schon einstecken, weil euer Sound zu poppig klingen würde. Was sagst du zu diesen Vorwürfen? Daniel: Wir wurden schon mit Rapsoul und Ähnlichem in eine Schublade gesteckt. Aber dadurch, dass wir großen Wert darauf legen, Frankfurt zu repräsentieren, eine Message rüberbringen wollen, von der Straße kommen und das nicht vergessen, unterscheiden wir uns von diesen Popstars. Ich sehe den Gesang als einen großen Vorteil von uns an, weil wir dadurch noch teilweise das R’n’B-Genre bedienen und das hebt uns heraus aus der Masse und bringt viel Abwechslung in unsere Musik. Wie sieht es mit euerem angekündigtem Debüt-Album aus? Habt ihr schon einen Erscheinungstermin ins Auge gefasst? Bene: Wir haben uns vorgenommen, das Album bis März fertig zu kriegen und es dann auch erscheinen zulassen, aber da machen wir uns keinen Druck. Das wird unser erstes Album und damit eine Visitenkarte, die überall positiven Anklang finden soll. Wir arbeiten einfach noch auf Low Budget und das hört das geschulte Ohr auch heraus.

„Der Druck wächst und die Leute schreien schon nach einem Album.“ Aber wir wollen dieses Manko mit überzeugenden Texten, gutem Flow, Gesang und abwechselungsreichen Beats, die nicht nur Rap und Strasse sind, wett machen. Der Druck wächst und die Leute schreien schon nach einem Album. Aber wenn das Ding dann kommt, wollen wir halt von allen Seiten hören: “Das Teil muss man im Regal stehen haben, trotz Mp3`s und Download!“ Leider sind wir jetzt schon am Ende angelangt. Von daher sage ich danke für das Interview und das letzte Wort ist euers! Daniel: “AZZIS MIT HERZ“, die Bewegung geht weiter! Mit dir oder ohne dich...such es dir aus, weil aufhalten kannst du uns ganz sicher nicht! Danke an Mario („Die Ratte!“) und alle AZZIS MIT HERZ, unsere große Familia! Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 33


N

“Zurück in meiner Heimat, hatten sich viele Dinge in meinem Leben geändert: Meine Einstellung, mein Glaube, einfach alles. Ich fühlte mich wohl damit, Reggae- Musik zu machen.”

icola, eine für uns sehr bewundernswerte Reggae- Sängerin aus den Bahamas, hat sich sehr gefreut, als wir sie gefragt habe, ob sie mit einem Interview in unserem Magazin vertreten sein möchte. Lest selbst, was sie über sich, ihre Musik und ihre Heimat zu erzählen hat. Um den Lesefluss und Nicolas sehr kraftvolle und fesselnde Art zu berichten beizubehalten, haben wir ihre Geschichte für euch auch in der „Ich- Form“ geschrieben.

Text und Interview Katrin Foto J. Simms

Erst einmal herzlichen Dank für das Interview. Mein Name ist Nicola (Nicolalionfish). Ich stamme aus einer Mischehe zwischen einem deutschen Vater und einer bahamesischen Mutter und wurde auf den Bahamas geboren, verbrachte aber eine lange Zeit alleine in Deutschland. Mit 13 Jahren ging ich nach Deutschland in ein bayerisches Internat, um die deutsche Sprache zu lernen, da ich mit der Englischen Sprache aufgewachsen bin. Zwischendurch kehrte ich wieder für eine kurze Zeit auf die Bahamas zurück, kam dann aber schließlich mit 18 Jahren wieder nach Deutschland, um in Frankfurt zu leben. Musik war schon immer mein Leben, aber mir fehlte sehr lange das Selbstbewusstsein. Ich dachte immer, meine Stimme klingt ganz furchtbar und niemand würde sich meine Lieder anhören wollen. Ich habe mit R&B angefangen, ging oft ins Studio und habe aus Spaß Lieder geschrieben und aufgenommen – doch mir fehlte etwas. Zurück in meiner Heimat, hatten sich viele Dinge in meinem Leben geändert: Meine Einstellung, mein Glaube, einfach alles. Ich fühlte mich wohl damit, Reggae- Musik zu machen. Auch hier habe ich meine Gefühle und Gedanken oft in Lieder umgewandelt. Ich schrieb andauernd Lieder und dann habe ich mich endlich auch mal getraut, einen meiner Tunes an eine der größten Radio- Stationen in den Bahamas zu schicken - mein Tune wurde gespielt und auch sehr gemocht, das gab mir das Selbstbewusstsein, weiter zu machen. In dieser Zeit entschied ich mich auch für Rastafari. Es war ein langer Weg mit vielen Hindernissen für mich, ich bekam keinen Support auf den Bahamas - auch heute nicht. Nach einer Weile lernte ich Chris vom „Conjahs Fiyah Soundsystem“ (Köln) kennen. Conjah und Ganjaman nahmen mich unter ihre Flügel und unterstützen mich mit aller Kraft. Es dauerte nicht lange, bis ich in Deutschland eine richtige Fan- Basis hatte. Es gab Menschen,

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die dann angefangen haben mir zu schreiben, dass meine Lieder sie motivieren würden. Dies gab mir den Mut und den Support, den ich gebraucht habe. Es ist schwer, für einen Künstler Fuß zu fassen, wenn du in einem Land lebst, in dem es fast gar keinen Musikmarkt gibt, aber dafür umso mehr Menschen, die dir dein Talent nicht gönnen. Meine ganze Unterstützung kam von Übersee. Sei es Deutschland, England, Italien, teilweise auch aus der Karibik, den USA. Plötzlich schrieen die Menschen nach mehr Liedern von mir. Ich war total glücklich, dass ich die Herzen der Menschen mit meiner Musik treffe. Dann kamen etliche Interviews, Magazine, Request und Radio Sendungen weltweit. Auf einmal wurden zwei meiner Lieder in der Sendung „Rotation“ auf Hot 97.5 in Las Vegas gespielt. Ich bin ein sehr einfacher Mensch, ich mag keinen Glitzer und Glamour. Mein Lebensmotto in jeder Hinsicht lautet: „Do unto others as you would have them do unto you!” („Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu“). Wenn morgen alles enden würde, wäre ich sehr glücklich, denn ich weiß, dass ich schon sehr viel erreicht habe und zwar ohne einen Produzenten, ohne die Unterstützung von Freunden und Familie. Als weibliche Sängerin ohne Management ist es mit Sicherheit nicht einfach, aber genau aus diesem Grund will ich das auch nicht. Ich manage mich selbst, um jede einzelne Facette der Musik selbst lernen zu können. Ich hätte gerne ein paar kleine Shows und zwar dort, wo die Menschen junge, aufsteigende Künstler unterstützen, ein Musikvideo ist auch in Planung und bald werde ich auch ein neues Lied veröffentlichen. Ich werde weiter schreiben und singen. Jeder Artist will einen Vertrag mit einem großen, bekannten Plattenlabel, aber das wollte ich nie. Mein Traum ist es, bald mein eigenes Indie-Label zu gründen. So lange ich eine Stimme habe, werdet ihr Lieder von mir hören und ich hoffe, dass dies nicht das letzte Mal war, dass wir uns sprechen. Ich möchte auch noch ein ganz großes Danke an das „Conjahs Fiyah Soundsystem“ in Deutschland und an Ganjaman aussprechen: Danke für eure Unterstützung! Und natürlich an alle, die mich und meine Musik unterstützen. Jah bless!

www.myspace.com/nicolalionfish Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 35


gutes Stück besser als auf dem ersten Mixtape. Ich habe wieder einige Storys mit rein fließen lassen, aber größtenteils sind es Rapresenter. DJ Kitsune hat das Ganze abgemischt und deswegen konnte ich mal so richtig auf die Kacke hauen. Mit deiner letzten LP hast du angekündigt dich von der Rap- Szene zu verabschieden. Aus welchem Grund veröffentlichst du trotzdem noch ein Mixtape und wie sieht der weitere Verlauf deiner Karriere als Künstler aus? Mixtapes mache ich aus Spaß zu der Sache. In einem Album steckt viel mehr Arbeit und eine ganz andere Herangehensweiße. Im nächsten Jahr wird es garantiert keine Veröffentlichung mehr von mir geben, da ich anfangen werde Medienmanagement zu studieren. Ich habe nicht großartig vor Alben aufzunehmen.

„Ich wollte unbedingt wieder lernen und etwas für meinen Kopf tun und nicht nur die ganze Zeit im Studio abhängen.“ Welche Ziele strebst du mit dem Studieren an und wie wird es mit deinem Label weiter gehen?

Eigentlich wollte sich Separate mit seinem letzten Album „Ein guter Tag zum Sterben“ vom Rap- Game verabschieden. Über sein Label „Buckwheats Records“ erscheint trotzdem noch ein Mixtape. Wir trafen uns mit dem Mainzer Emcee in einem Cafè und sprachen über „Die Jagd auf den König II“, seinen offiziellen Rücktritt, über die Entwicklung von deutschem Rap, die Medien und über seine neuen Ziele, die er sich für sein Leben gesetzt hat. Interview & Text Timucin Balcin Die Jagd auf den König wird fortgesetzt. Woran unterscheidet sich das Mixtape vom Vorgänger und was können deine Fans erwarten? Verglichen mit dem Vorgänger sind diesmal viel weniger Feature- Gäste drauf und auch keine Leute außerhalb vom Buckwheats- Camp. Ich persönlich finde es besser als das erste Mixtape. Die Songs sind ausgereifter und ein

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Ich will irgendwann einmal reich werden. Ich denke mal, dass jeder davon träumt. Ich werde mit Buckwheats ganz normal weiter machen, wir werden bestimmt auch paar Mixtapes raus hauen und ich werde die Jungs supporten. Vielleicht macht mich ja Vega reich und verkauft die Hunderttausend, man weiß ja nie! (lacht) Hattest du dir beim Beginn deiner Karriere erhofft reich zu werden und bist du Enttäuscht vom ganzen Business? Ja, das hatte ich mir erhofft. Ich habe durch Rap auch viel Geld verdient aber das steht in keinerlei Relation zu der Zeit, die man in die Arbeit investiert und vor allem zum Stress den man dazu hat. Das sind zwei verschiedene Welten. Mein Kopf ist gefickt und ich bin jeden Tag übermüdet, egal wie lange ich schlafe! Für die ganze Arbeit die wir geleistet haben, hätten wir sicherlich viel mehr Geld verdient. Irgendwann fragst du dich natürlich auch, wie es weiter gehen soll! Ich bin 26 und auch nicht mehr der Jüngste und ich kann nicht hoffen, dass ich bis zu meinem 35. Lebensjahr mit Rap so viel Geld verdient habe, dass ich mich dann in den Ruhestand setzen kann. Deswegen will ich studieren und einen neuen Weg einschlagen.

In deinen Texten hört man raus, dass du deinen Eltern sehr nahe stehst. Wie sehen sie deine Entscheidung studieren zu gehen und wie war die Reaktion? Meine Eltern waren sehr froh, als ich ihnen das mitgeteilt habe. Was sollen Eltern schon davon halten, wenn du ihnen sagst, dass du in Rap deine Berufung siehst? Es ist doch klar, dass sie nichts davon halten. Jede Mutter der Welt würde sich fragen: „Was machst du da überhaupt? Was ist das?“, außer du kannst hunderttausend Euro auf deinem Konto nachweißen! Aber ich studiere nicht wegen ihnen, sondern weil ich einfach wieder große Interesse hatte etwas zu lernen. Wenn ich die letzten Jahre News lesen wollte, bin ich nicht auf Spiegel.de gegangen sondern auf Mzee.com. Irgendwann kann es so nicht weiter gehen. Du ließt dann die HipHop- News und erst in zweiter Linie die richtigen News, die uns alle betreffen. Das ist mir wirklich stark aufgefallen. Du stehst morgens auf und ließt alles Mögliche auf den HipHop- Seiten um zu sehen, was in der Szene passiert, anstatt mal zu schauen, was auf der Welt passiert. Das hat mir irgendwann gezeigt, dass durch Rap mein Horizont total eingeschränkt ist. Ich habe auch das Gefühl, dass ich so richtig abstumpfe was zwischenmenschliche Sachen angeht. Sobald

es um Musik- Business und Geld geht, kommt es zu Streitereien. Mir ist aufgefallen, dass mich das total abstumpft. Deswegen habe ich wohl auch die Notbremse gezogen. Ich wollte unbedingt wieder lernen und etwas für meinen Kopf tun und nicht nur die ganze Zeit im Studio abhängen. Für jemanden, der das vorher noch nicht kannte, ist das bestimmt etwas ganz besonderes. Aber wenn du das fünf Jahre lang machst, geht es dir irgendwann auf den Sack! Abroo ist vor Kurzem von Buckwheats Records ausgest iegen und ist auf einen Berliner Label gewechselt. Willst du dazu Stellung beziehen? Der Ausstieg von Abroo hat sich so langsam angebahnt. Es ist auch das Beste für ihn, denn er ist auch ein guter und motiviert Künstler und ein guter Freund von mir. Er wird seinen Weg gehen. Im Internet wurde ja wieder einmal darüber diskutiert, dass wir Stress mit einander hätten und unser Exklusiv- Track auf Mzee.com ein Diss gegen ihn wäre, aber das ist alles Bullshit! Ich wünsche ihm natürlich viel Erfolg auf seinem neuen Label. >>> Das komplette Interview könnt ihr auf unserer MySpace- Seite nachlesen!

Separate

„Die Jagd auf den König II“ Mixtape Mit seinem neuen Mixtape lädt der Mainzer Emcee Separate wieder einmal zum Kopfnicken und Mitrappen ein. Explosive Hooks, zerstörende Rhymes und pumpende Beats überrollen einen über die Boxen. Separate trägt stolz den Titel eines „Battle- Emcees“ und genau diese Eigenschaft glänzt überwiegend beim Hören. Mit sehr viel Druck wird gegen Feinde, Hater und Toys geschossen und die Fahne für gute Skills hochgehalten. Der König zieht in die Arena und verlangt von seinem Publikum zu bouncen. Unterstützung kriegt er hierbei vom Frankfurter DJ Kitsune, der auch schon grandiose Mixtapes für Jonesmann, Rasul, Curse, Blaze und Jeyz gemixt hat. Und auch bei diesem Werk gelingt ihm wieder einmal eine saubere Arbeit. Wie es üblich auf einem Mixtape ist, nutzt Separate die Freiheit aus, diverse Styles und Themen auszupacken. So hält er auf dem Titeltrack „Die Jagd auf den König 2“ eine Momentaufnahme seiner Gefühle fest und reflektiert seinen Werdegang in der HipHop- Szene, seine Person und Probleme sowie Wünsche. Rasend ist sein Flow und seine Liebe zu Rap auf dem Stück „Ein Spiel“ wahrzunehmen. „Kreuzzug“ manifestiert auf 48 Bars, gestützt durch eine raue und ruhige Stimme, seine Stellung gegenüber der Rap- Szene. Beim Hören stellt man schnell fest, dass Separate im Studio einfach Spaß hatte und alles raus gelassen hat. Die Gastparts von seinen Homes Charon und Vega bringen sehr viel Abwechslung. Unter dem Titel „Das Leben ist scheiße“ spricht der Frankfurter Vega über die Sicht auf die alltäglichen Dinge die um einen herum passieren und schafft es sogar, durch seinen lyrischen Talent und seiner sympathischen Art zu erzählen, Separate die Show zu stehlen. Mit den Tracks „Coke, Money, Music“ und „Ein neuer Tag“ beendet Separate die Jagd auf den König mit einer düsteren aber sehr hoffnungsvollen und ehrlichen Art. Im Großen und Ganzen bietet das Mixtape in gewohnter Separate- Manier sehr viel Abwechslung, Niveau und Qualität. Der König verlässt blutbesudelt die Arena! Timucin Balcin Dezember 2007 #04 Feuer Frei Magazin 37


1. Daniel Sahib & Don Bene – Wir laden nach www.azzismitherz.de www.myspace.com/azzismitherz 2. Böse Zungen – Sound für www.boese-zungen.de www.myspace.com/boesezungen 3. Ohne Fronten – Ich flow www.ohnefronten.de www.myspace.com/ohnefronten 4. Jeyz – Bozzrapper (Mado Beats Remix) www.jeyz.de www.myspace.com/jeyzbozzmusic 5. RMD – Kalte Tage www.myspace.com/rmdposse 6. Raph & Philos – Keine Kraft www.myspace.com/fiilos www.myspace.com/raphffm 7. 3 Stimmen feat. Momo & Nabil – Unser Standpunkt (Remix) www.myspace.com/skinnyammic www.myspace.com/lnocka www.myspace.com/mosbosbeatz 8. Real Jay – Zu viel für euch www.real-jay.de www.myspace.com/realjaymusic 9. Randgruppe – Scheiss auf Rap (Metall) www.rand-gruppe.de www.myspace.com/randgruppeffm

10. J. Stress & Azrael – Zählt auf uns www.schwarzgeld-records.de www.myspace.com/jstress83 www.myspace.com/asrar65 11. Secandar - Weil ich’s bin www.secandar.de www.myspace.com/secandar 12. Uqilo - Bis zum Untergang www.uqilo.de www.myspace.com/uqilo 13. Micstyle – Terror über Deutschland www.micstyle.de www.myspace.com/micstyle 14. Corny Kuba - Wer ist schuld? www.myspace.com/cornykuba 15. Bruderschaft – Capital of Crime www.myspace.com/diebruderschaft 16. Seilo feat. Dakoh – Gleiches Blut www.seilo-music.com www.myspace.com/mcseilo www.myspace.com/dakohmusic 17. Problem One – Bang Bang www.myspace.com/uppercutmusic www.myspace.com/rekobo www.myspace.com/madobeats 18. Mighty Sixteen – Reggae Mix www.mightysixteen.de www.myspace.com/mightysixteen


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Feuer Frei! HipHop Kultur Magazin #04