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Jรถrg WeiรŸ Seminar: Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit

Objektivationen


Inhaltsverzeichnis Vorwort

I

1. Teil – Objektivationen

Seite 02-10

I.I

Objekte und Objektivationen

Seite 02-03

I.II

Die Bedeutung der Objektivationen

Seite 03-07

I.III

Typen von Objektivationen bei Berger und Luckmann

Seite 07-10

II

2. Teil – Kritik

Seite 10-17

II.I

Zustimmung und Widerspruch

Seite 10-14

II.II

Typen von Objektivationen bei Alfred Schütz

Seite 14-17

III

3. Teil – Vorschlag zur Typisierung der Erzeugnisse

Seite 17-20

III.I

Das Kriterium – Das Ich gegen und in der Welt

Seite 17-17

III.II

Typenbildung

Seite 17-19

III.III

Erkenntnisgewinn?

Seite 19-20

Letzte Worte


Einleitung Die vorliegende Arbeite hat Objektivationen zum Thema – also solche Folgen des menschlichen Verhaltens und Handelns, die dem sie wahrnehmenden Subjekt als Hinweis auf subjektive Wirklichkeit erscheinen. Die Arbeit beruht im Wesentlichen auf den Werken von Peter L. Berger und Thomas Luckmann „Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ und Alfred Schütz und Thomas Luckmann „Die Strukturen der Lebenswelt“. Letztgenanntes Buch wurde von Thomas Luckmann nach dem Tod von Alfred Schütz überarbeitet, der es zu Lebzeiten nicht mehr fertig stellen konnte. Wenn im Folgenden also davon die Rede ist, dass Berger und Luckmann dies, Schütz aber jenes sagt, dann muss mitgedacht werden, dass Thomas Luckmann auch Anteil an dem Werk von Schütz gehabt hat, auf das ich mich in diesem Moment beziehe. Im ersten Teil der Arbeit wird der Begriff der Objektivation und seiner Bedeutung für die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit herausgearbeitet. Er endet mit dem Versuch die Typen von Objektivationen aufzuzeigen, mit denen Berger und Luckmann in ihrer Analyse arbeiten. Hier wird deutlich, dass Berger und Luckmann vor allem an solchen Objektivationen interessiert waren, die sie Zeichen nennen – besonders zu Systemen gebündelten Zeichen – und hier wiederum ganz besonders an der menschlichen Sprache. Der zweite Teil der Arbeit ist mit „Kritik“ überschrieben. Die vorgebrachte Kritik bezieht sich auf die das geringe Maß an Aufmerksamkeit, die Berger und Luckmann nicht-sprachlichen Objektivationen entgegenbringen. Es werden Fragen vorgebracht, die mit dem von Berger und Luckmann entwickelten Vokabular nicht befriedigend zu beantworten sind. Im Anschluss wird die Typologie der Objektivationen von Schütz beschrieben. Von besonderem Interesse ist die Einteilung der mit „Erzeugnis“ benannten Objektivationen. Es wird versucht zu zeigen, dass die Schütz’sche Typologie zwar differenzierter ist, aber dennoch keine Antworten auf die zuvor aufgeworfenen Probleme bieten kann. Auch für Schütz wird angenommen, dass sein theoretisches Interesse eher bei der Analyse der Sprache und ihrer Bedeutung für die Alltagswirklichkeit gelegen hat als an nicht-sprachlichen Objektivationsformen. Der dritte Teil der Arbeit stellt den Versuch da eine eigene Typologie der Kategorie „Erzeugnisse“ zu entwickeln. Es soll gezeigt werden, dass auch die Beschäftigung mit nichtsprachlichen Objektivationen wichtig ist, um zu verstehen, wie der Mensch seine Wirklichkeit erbaut und diese auf ihn zurückwirkt. Dieser Teil der Arbeit endet mit einem Resümee und fragt danach, ob und wie weit durch die vorgeschlagene neue Einteilung der Erzeugnisse an Erkenntnis hinzugewonnen wurde und in welche Richtung es sich vielleicht lohnen würde über diese Arbeit hinaus weiterzudenken.


Vorwort Die vorliegende Arbeite hat Objektivationen zum Thema – also solche Folgen des menschlichen Verhaltens und Handelns, die dem sie wahrnehmenden Subjekt als Hinweis auf subjektive Wirklichkeit erscheinen. Die Arbeit beruht im Wesentlichen auf den Werken „Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“1 von Peter L. Berger und Thomas Luckmann und „Die Strukturen der Lebenswelt“2 von Alfred Schütz und Thomas Luckmann. Letztgenanntes Buch wurde von Thomas Luckmann nach dem Tod von Alfred Schütz überarbeitet, der es zu Lebzeiten nicht mehr fertig stellen konnte. Wenn im Folgenden also davon die Rede ist, dass Berger und Luckmann dies, Schütz aber jenes sagt, dann muss mitgedacht werden, dass Thomas Luckmann auch Anteil an dem Werk von Schütz gehabt hat, auf das ich mich in diesem Moment beziehe. Im ersten Teil der Arbeit wird der Begriff der Objektivation und seiner Bedeutung für die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit herausgearbeitet. Er endet mit dem Versuch die Typen von Objektivationen aufzuzeigen, mit denen Berger und Luckmann in ihrer Analyse arbeiten. Hier wird deutlich, dass Berger und Luckmann vor allem an solchen Objektivationen interessiert waren, die sie Zeichen nennen – und hier wiederum ganz besonders an der menschlichen Sprache. Der zweite Teil der Arbeit ist mit „Kritik“ überschrieben. Die vorgebrachte Kritik bezieht sich auf das geringe Maß an Aufmerksamkeit, das Berger und Luckmann nicht-sprachlichen Objektivationen entgegenbringen. Es werden Fragen vorgebracht, die mit dem von Berger und Luckmann entwickelten Vokabular nicht befriedigend zu beantworten sind. Im Anschluss wird die Typologie der Objektivationen von Schütz beschrieben. Es wird versucht zu zeigen, dass die Schütz’sche Typologie zwar differenzierter ist, aber dennoch keine Antworten auf die zuvor aufgeworfenen Probleme bieten kann. Der dritte Teil der Arbeit beginnt mit der Entwicklung einer eigenen Typologie der Kategorie „Erzeugnisse“. Gezeigt werden soll, dass auch die Beschäftigung mit nicht-sprachlichen Objektivationen wichtig ist, um zu verstehen, wie der Mensch seine Wirklichkeit erbaut und diese auf ihn zurückwirkt. Dieser Teil der Arbeit endet mit einem Resümee und fragt danach, ob und wie weit durch die vorgeschlagene neue Einteilung der Erzeugnisse an Erkenntnis hinzugewonnen wurde und in welche Richtung es sich vielleicht lohnen würde über diese Arbeit hinaus weiterzudenken. 1

Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. 2. Auflage. S.Fischer. Frankfurt am Main. 2 Schuetz, Alfred/Luckmann, Thomas (2003): Strukturen der Lebenswelt. UVK-Verlagsgesellschaft. Konstanz.

1


1. Teil – Objektivationen

1.1 Objekte und Objektivationen Berger und Luckmann beginnen ihre Analyse mit der Feststellung, dass das menschliche Bewusstsein immer auf etwas gerichtet ist – es hat immer etwas im Sinn. Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas3. Kurz: Bewusstsein ist immer auf Objekte gerichtet. Diese Objekte können sehr unterschiedlicher Natur sein. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob ich gegen eine Wand laufe, oder ob ich mich einem Tagtraum hingebe, in dem ich gegen eine Wand laufe. Will man nun eine Analyse dieser Objekte vornehmen, bieten sich zunächst fast schon beliebig viele Unterscheidungen an, mit denen man diese Analyse beginnen könnte4. Für Berger und Luckmann, wie auch für Schütz, sind jedoch eine besondere Klasse von Objekten von besonderem Interesse, die sich klar von allen anderen möglichen Objekten unserer Erfahrung unterscheiden lassen: Objektivationen. Was also sind Objektivationen?

„Das menschliche Ausdrucksvermögen besitzt die Kraft der Objektivation, das heißt, es manifestiert sich in Erzeugnissen menschlicher Tätigkeit, welche sowohl dem Erzeuger als auch anderen Menschen als Element ihrer gemeinsamen Welt begreiflich sind. Objektivationen durch Ausdruck sind mehr oder weniger dauerhafte Indikatoren subjektiver Empfindungen.“5 Objektivationen sind also solche Resultate menschlichen Verhaltens, die mir und anderen gestatten von ihnen auf subjektive Empfindungen zu schließen. Eine Gebärde lässt meinen Gegenüber auf meinen Zorn schließen. Die Wahl meiner Kleidung kann Aufschluss über meine politische Einstellung, meine soziale Herkunft, meinen Beruf und viele andere Dinge geben. Der Vorgang der Objektivation überwindet die Schranke zwischen Subjekt und dem Anderen. Durch die Kraft der Objektivation erhält Alter Einblick in Ego und umgekehrt. Der Vorgang der Einblicknahme ist ein Interpretationsprozess, der auf der Annahme der Reziprozität beruht. Alter unterstellt Ego ein ihm ähnliches Innenleben und interpretiert das Verhalten Egos entsprechend. Er versucht sich in die Situation Egos hineinzuversetzen, um verstehen zu können, warum Ego so und nicht anders handelt6.

3

Vgl. Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S. 23 Man könnte beispielweise argumentieren der Gedanke der exzentrischen Positionalität des Menschen entspricht einer Einteilung der Erfahrungsobjekte in: Ich vs. Welt. Mit der Besonderheit, dass mein Körper – je nach eingenommener Perspektive – ein Erfahrungsobjekt ist, das ich mir aber auch der Welt zurechnen kann. 5 Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S. 36. Hervorhebungen von mir. 4

2


Meist beruht diese Einstellung auf Gegenseitigkeit. Ego weiß um die Annahme der Reziprozität von Alter und er weiß auch, dass Alter dies weiß. Dies gilt auch umgekehrt. Dies gibt Ego die Möglichkeit sein Verhalten geplant so zu steuern, dass die Chance einer Fehlinterpretation durch Alter nur sehr gering ist. Dieser Vorgang der Objektivation und Interpretation von Objektivationen ist ein Vorgang, der ständig abläuft. Sobald ein Mensch sein Bewusstsein auf ein Objekt richtet, das er als ein Resultat vergangenen Verhaltens eines anderen erkennt (oder zu erkennen glaubt), unterstellt er dem anderen ein Ich. Wir setzten Laute in die Luft, färben Papier, bearbeiten Stein, bauen Häuser, begradigen Flüssen. Aber auch wenn wir nur ruhig dasäßen, der Andere würde immer noch auf unser Inneres zu schließen versuchen7. Wir können uns nicht nicht verhalten. Immer entäußert der Mensch sich in die Welt. Die Fähigkeit des Menschen zu erkennen, ob das gegenwärtige Objekt seiner Erfahrung das Ergebnis des Verhaltens eines anderen ist, ist dabei sehr gut ausgeprägt8.

1.2 Die Bedeutung der Objektivationen Der Begriff der Objektivation ist eines der wichtigsten Konzept in "Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“. Die immense Bedeutung, die diesem Konzept zukommt, lässt sich am Besten an Hand einiger Zitate aufzeigen: „Die Wirklichkeit der Alltagswelt ist nicht nur voll von Objektivationen, sie ist vielmehr nur wegen dieser Objektivationen wirklich. Ich bin dauernd umgeben von Objekten, welche subjektive Intentionen meiner Mitmenschen « proklamieren » [...].“9 Die Welt, in der ich mich befinde, ist also voll von Objektivationen. Sowohl von solchen, die ich selbst erschaffen habe, als auch solchen, die meine "Mitmenschen" hervorgebracht haben. Einige dieser Objektivationen sind von Mitmenschen erzeugt worden, die schon längst verstorben sind. Dennoch sind sie immer noch in der Welt und wirken auf mich ein. In diese Welt wurde ich hineingeboren und belebe sie seitdem.

6 Bei der Interpretation des Verhalten des Anderen ist eine weitere Annahme beteiligt: Das Verhalten des Anderen ist arbiträr, d.h. er hätte immer auch ganz anders handeln können. Teil der Interpretation ist die Suche nach dem Grund, warum dieses konkrete Verhalten und nicht eine der anderen Möglichkeiten zu Tage getreten ist. 7

Schon unser Körper dient dem Anderen als Anzeichen für ein Inneres. Vgl. Schuetz, Alfred/Luckmann, Thomas (2003): S.559 8

Es ist jedoch zu beachten, dass das zu diesem Interpretationsschritt verwendete Vorwissen zu großen Teilen sozial vermittelt wurde, d.h. nicht immer wird jeder Mensch zum selben Schluss kommen. Was dem einen ein beliebiger Steinsplitter sein mag, mag dem geschulten Archäologen ein Faustkeil sein.

9

Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S. 37

3


In diese Welt entäußere ich mich bereits mein ganzes Leben. Berger und Luckmann schreiben: "Im Augenblick ist zu betonen, daß die Beziehung zwischen dem Menschen als dem Hervorbringer und der gesellschaftlichen Welt als seine Hervorbringung dialektisch ist und bleibt. Das bedeutet: [...] der Mensch und seine gesellschaftliche Welt stehen miteinander in Wechselwirkung. Das Produkt wirkt zurück auf seinen Produzenten. [...] "10

Betrachtet man diese Aussage näher, fallen zwei wichtige Punkte ins Auge:

Erstens: Die gesellschaftliche Welt ist eine Hervorbringung des Menschen, also Objektivation, bzw. Folge der Objektivation. Zweitens: Das Verhältnis zwischen Mensch und seiner Hervorbringung, seinem Produkt, ist dialektisch. Das Produkt wirkt auf den Produzenten zurück.

Als ich geboren wurde, wurde ich in eine bereits bestehende gesellschaftliche Ordnung hineingeboren, die von meinen Mitmenschen hervorgebracht wurde. Diese gesellschaftliche Welt habe ich mir einverleibt11 und trage durch mein Verhalten zu ihrer beständigen Reproduktion bei, da die Resultate meines Verhaltens sowohl mir als auch anderen als Objekt entgegenstehen und auf mich und sie einwirken. In diesem Dreieck aus Entäußerung, Einverleibung und erneuter Entäußerung entsteht das, was wir als Gesellschaft bezeichnen.

Mit den Worten Bergers und Luckmanns: „Gesellschaft ist ein menschliches Produkt. Gesellschaft ist eine objektive Wirklichkeit. Der Mensch ist ein gesellschaftliches Produkt.“12 In Gesellschaft zu leben heißt also an diesem Wechselspiel teilzunehmen. Man kann auch sagen: Mensch zu sein bedeutet in Gesellschaft zu leben. Mein Ich, oder auch das Selbst des Menschen, bildet sich von Anfang an in Auseinandersetzung mit von anderen objektivierter gesellschaftlicher Wirklichkeit heraus. Mehr über den beständigen Prozess der Objektivierung und Einverleibung der objektivierten Realität zu verstehen bedeutet also auch mehr über das Wesen des Menschen selbst zu verstehen.

10

Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S. 65

11

Mehr zum Thema Einverleibung, bzw. Internalisierung siehe: Ebd.: S. 139ff.

12

Ebd. : S. 65

4


Die Tragweite dessen lässt sich erst erkennen, wenn man das bisher gesagt in Zusammenhang mit einer weiteren Grundannahme über den Menschen setzt: Der Instinktungerichtetheit, bzw. Weltoffenheit des Menschen.13

Hiermit ist gemeint, dass das Verhalten des Menschen im Vergleich zum Tier von seiner Veranlagung her wesentlich schwächer von seinen Instinkten geleitet wird. Deutlich wird dies z.B., wenn man sich die unterschiedlichen Weisen ansieht, auf die in der Welt gegessen wird. Es mag mir völlig normal erscheinen mit Messer und Gabel zu essen, allein es ist nicht weniger normal, als denselben Vorgang mit Stäbchen auszuführen. Es wären duzende Strategien denkbar, auf denen ich mich meinem Mittagsessen nähern könnte. Müsste ich dieses und andere Probleme jedes Mal aufs Neue lösen, wäre ich völlig überfordert. Einem Tier stellen sich diese Probleme nicht in diesem Umfang. Ich jedoch wäre ohne die gesellschaftlichen Vorgaben, ohne die Übernahme der durch meine Mitmenschen objektivierten Realität, völlig verloren. Ob ich nun ein Mit-Messer-und-Gabel-Esser oder ein Mit-Stäbchen-Esser werde, hängt aber im Wesentlichen davon ab, in welche gesellschaftliche Wirklichkeit ich hineingeboren worden bin. Von meiner biologischen Grundausstattung her gesehen ist es offen in welcher Welt ich leben werde. Selbiges lässt sich auf viele andere Bereiche menschlichen Lebens übertragen: Werkzeuggebrauch, religiöse und politische Einstellung, die Frage wie man auf Toilette geht, Sexualmoral, etc.

Erwähnt man den Begriff der Weltoffenheit, muss man auch einige Worte über Habitualisierung und Institutionalisierung verlieren. Mit Habitualisierung ist Gewöhnung gemeint. Der Mensch habitualisiert sein Handeln, d.h. er wird in wiederkehrenden Situationen dazu neigen ein ähnliches Verhalten an den Tag zu legen, wie das letzte Mal als er sich in dieser Situation befand – zumindest, wenn das Resultat des vorhergehenden Verhaltens einigermaßen zufriedenstellend war14. Hier zeigt sich eine weitere wichtige Fähigkeit des Menschen: Zwei eigentlich verschiedene Situationen oder Handlungen als ihrem Wesen nach gleich oder ähnlich zu bewerten. Der Mensch kann typisieren, also konkrete Einzeldinge in allgemeine Schemata einordnen.

13

Für eine ausgiebigere Diskussion des Begriffes Weltoffenheit siehe Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S.49ff.

14

Mehr zum Begriff Habitualisierung siehe: Ebd.: S.56ff.

5


Habitualisierung überführt die offene Welt des Menschen in eine relativ-geschlossene Welt: "Habitualisierung sorgt für eben die Richtung und Spezialisierung des Handelns, die der biologischen Ausstattung des Menschen fehlen und baut auf diese Weise Spannungen ab, welche von den ungerichteten Trieben kommen." 15 Zwar könnte ich mein Mittagessen auch anders essen, ich sehe aber gar keinen Grund es zu tun. Ich sehe nicht einmal einen Grund darüber nachzudenken. Mein Mittagessen mit Messer und Gabel zu essen erscheint mir völlig natürlich16.

Nun ist aber das Essen mit Messer und Gabel mehr als eine bloße Gewohnheit. Auch bin ich nicht selbst auf diese Idee gekommen, sondern habe die Problemlösung für die Frage wie ich denn nun mein Essen zu mir nehmen soll von anderen übernommen. Es handelt sich um eine Institution. Jede Institution beruht in ihrem Ursprung auf Habitualiserungsprozessen. Es treten jedoch noch weitere Merkmale hinzu: "Institutionalisierung findet dann statt, sobald habitualisierte Handlungen durch Typen von Handelnden reziprok typisiert werden. [...] Für ihr Zustandekommen wichtig sind die Reziprozität der Typisierungen und die Typik nicht nur der Akte, sondern auch der Akteure."17 Um von einer Institution sprechen zu können, benötigt man also typische Akteure in typischen Situationen, die typische Handlungen ausführen und wechselseitig voneinander wissen, dass sie die beteiligten Typisierungen kennen. Hinzu kommt, dass man erst dann von Institutionen sprechen kann, wenn die so geronnenen Typisierungen an eine neue Generation weitergegeben werden18. Dem Neuankömmling tritt die Institution als etwas bereits Vorhandenes, als etwas Gegebenes entgegen. Er trifft auf eine bereits bestehende soziale Welt, die er übernimmt. Man isst mit Messer und Gabel. Außerdem kann erst dann von einer Typik von Akteuren gesprochen werden, wenn mehr als zwei Individuen beteiligt sind. Solange die habitualisierten Problemlösungen nur von zwei Menschen geteilt werden, gibt es nur Handlungen, die man typischerweise selbst vollzieht und solche, die typischerweise der Andere erledigt – jedoch keine Aufgaben, die „Leute wie ich“ oder „Leute wie die da“ vollziehen. Was hat das alles mit Objektivationen und deren Bedeutung zu tun? Institutionen existieren nur so lange sie immer wieder von konkreten Menschen aufs Neue objektiviert werden. Die

15

Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S.57 Sie auch Verdinglichung: Ebd. : S.94f. 17 Ebd.: S.58 18 Vgl. ebd.: S.63 16

6


Institution Mit-Messer-Und-Gabel-Essen wird beispielsweise immer dann objektiviert, wenn ich oder jemand anderes genau dies tut. Sie wird aber auch dann objektiviert, wenn ich mir mein Besteck ansehe oder mich mit jemanden über die Vorzüge des Mit-Messer-Und-GabelEssens im Vergleich zum Mit-Stäbchen-Essen unterhalte. Nur wenn Institutionen objektiviert werden, können sie auch einverleibt werden. Eine Institution, die nicht mehr objektiviert wird, gibt es nicht mehr.

1.3 Typen von Objektivationen bei Berger und Luckmann Im Folgenden soll nun gezeigt werden, in welche Typen Berger und Luckmann Objektivationen einteilen. Die wichtigste Unterscheidung ist Folgende: "Ein besonderer, aber auch besonders wichtiger Fall von Objektivation ist die Zeichengebung Das Zeichen kann von anderen Objektivationen dadurch unterschieden werden, dass es »ausdrücklich« ein Hinweis auf subjektiv Gemeintes sein soll."19 Die Unterscheidung erfolgt also an Hand der Intention des Handelnden – und zwar nicht an Hand irgendeiner Intention. Ein Zeichen ist eine Objektivation, die Objektivation sein soll. Während die Zeichen von Berger und Luckmann im Folgenden weiteranalysiert werden, bleibt die andere Seite der Unterscheidung, die nicht-Zeichen, weitgehend unerörtert und auch unbenannt. Einige Bemerkungen, die in diese Richtung weisen, finden sich jedoch dennoch: "Mienenspiel, Ausfallstellung des Körpers, bestimmte Bewegungen der Arme und Füße und so weiter. Diese Anzeichen des Zorns sind fassbar, [...]"20 "Die Waffe als Objekt ist also sowohl ein menschliches Erzeugnis als auch eine Objektivation menschlicher Subjektivität." 21 Die Begriffe Anzeichen und Erzeugnis werden weder hier noch im späteren Verlauf des Buches weiter erörtert. Es wird auch nicht näher festgelegt, was genau unter diesen zu verstehen sei. Zwar wird darauf hingewiesen, dass die Anzeichen des Zorns – z.B. Mimik, Gestik und Körperhaltung – nicht über die Vis-á-Vis–Situation hinausreichen, während dies der Waffe als Objekt durchaus gelingt, aber es darf bezweifelt werden, dass die Autoren dies als konstitutives Merkmal von Anzeichen und Erzeugnissen im Sinn hatten. Viel wahrscheinlicher ist, dass die beiden Begriffe dem von Alfred Schütz gebrauchtem Begriffspaar Spur/Erzeugnis entsprechen. Das Merkmal, dessen sich Schütz bedient, um

19

Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S.38 Ebd.: S. 37. Hervorhebung von mir. 21 Ebd.: S. 37. Hervorhebung von mir. 20

7


Spuren von Erzeugnissen zu trennen, ist die Frage, ob eine Objektivation in ihrem Entstehungszusammenhang motiviert war oder nicht.22 Schütz verdeutlicht dies an Hand von Fußspuren im Wald, die einmal unmotiviert entstehen, ein anderes Mal motiviert zurückgelassen werden, um einen Pfad auszutreten23. Das von Schütz verwendete Kriterium motiviert/unmotiviert ähnelt zwar dem Kriterium, mit dem Berger und Luckmann die Zeichen von den nicht-Zeichen trennen, ist mit diesem aber nicht identisch. Berger und Luckmann geben eine bestimmte Motivation vor, Schütz begnügt sich mit irgendeiner Motivation, die zu der Entstehung der Objektivation geführt hat. Auch wenn Berger und Luckmann diesen Schritt nicht explizit vollziehen, lässt sich argumentieren, dass jedes Zeichen immer ein Erzeugnis ist – jedoch mit der Besonderheit, dass die Motivation nicht irgendeine ist, sondern die bestimmte, konkrete Motivation Objektivation zu sein. Nachdem Berger und Luckmann die Zeichen von den nicht-Zeichen geschieden haben, führen sie aus, dass der Mensch Zeichen gleichsam zu ganzen Zeichensystemen bündele. Das wichtigste Zeichensystem der menschlichen Gesellschaft sei die Sprache - ein System aus vokalen Zeichen.24

Also kann man weiter unterscheiden in Zeichen, die einem System

zugehören und solchen, die dies nicht tun. Die Zeichensysteme werden wiederum unterteilt in Sprache und andere Zeichensysteme. Der Sprache wird sowohl bei Berger und Luckmann als auch bei Schütz eine immense Bedeutung zugesprochen. Bevor näher auf diese Bedeutung eingegangen wird, soll das bisher Gesagte erst einmal übersichtlicher dargestellt werden:

Erfahrungsobjekte Das Bewusstsein ist immer auf Objekte gerichtet

nicht-Objektivationen

Objektivationen

Objekt kein Resultat menschlichen

Objekt Resultat menschlichen Verhaltens

Verhaltens

Anzeichen/Spuren

Erzeugnisse

nicht-motiviert

motiviert

nicht-Zeichen unbestimmte Motivation

Zeichen bestimmte Motivation

nichtsystematisiert

systematisiert nichtSprache

Sprache Abbildung 1.1

22

Vgl. Schuetz, Alfred/Luckmann, Thomas (2003): S.369f. Siehe auch: Abschnitt 2.2 ab Seite 14 dieser Arbeit.

23

Am Beispiel des wütenden Mannes und seiner Körper»sprache« in der Vis-á-vis-Situation bedeutet dies: Verzieht er unmotiviert das Gesicht weil er zornig ist, handelt es sich um ein Anzeichen/eine Spur. Verzieht er das Gesicht, um auf seinen Zorn aufmerksam zu machen, handelt es sich um ein Erzeugnis und auch um ein Zeichen.

24

Vgl. Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S.38f.

8


Die Einträge in der Tabelle wurden so angeordnet, dass immer die Seite der Unterscheidung, die von Berger und Luckmann nicht weiter beleuchtet wurde, links steht. Ausgehend vom Postulat des intentionalen Bewusstseins werden die Objekte unserer Erfahrung immer differenzierter betrachtet, bis man schließlich, unten rechts in der Tabelle, bei der Sprache angelangt ist. An Hand der Tabelle lässt sich bereits erkennen, dass die Sprache im Zentrum des

analytischen

Interesses

von

Berger

und

Luckmann

steht:

Die

Trennung

Anzeichen/Erzeugnisse ist in "Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" nur implizit enthalten und konnte so nur mit dem Verweis auf Schütz gerechtfertigt werden. Auch werden die nicht weiter behandelten Felder nicht benannt. Es bleibt nur von nichtObjektivationen, nicht-Zeichen, etc. zu sprechen. Zwei Zitate sollen stellvertretend die der Sprache zugesprochene immense Bedeutung veranschaulichen. Die beiden Zitate folgen im Ausgangstext unmittelbar aufeinander, werden hier jedoch aus gutem Grund getrennt. Zitat 1: "Die allgemeinen und gemeinsamen Objektivationen der Alltagswelt behaupten sich im wesentlichen durch ihre Versprachlichung. Vor allem anderen ist die Alltagswelt Leben mit und mittels der Sprache, die ich mit meinen Mitmenschen gemein habe."25 Und weiter: Zitat 2: "Das Verständnis des Phänomens Sprache ist also entscheidend für das Verständnis der Wirklichkeit der Alltagswelt." 26 Zitat 2 kann ich uneingeschränkt zustimmen. Zitat 1 muss ich widersprechen. Ich widerspreche nicht der Aussage, dass sich die Alltagswelt durch ihre Versprachlichung behauptet, oder dass die Alltagswelt Leben mit und mittels der Sprache ist, die ich mit anderen gemein habe. Ich widerspreche den von mir hervorgehobenen Stellen "im wesentlichen" und "vor allem anderen".

Ich behaupte, dass sich in den von Berger und Luckmann nicht näher behandelten Feldern, wie beispielsweise den nicht-Zeichen, Fragen verbergen, die nicht weniger wichtig für das Verständnis der Alltagswelt sind als das Verständnis des Phänomens Sprache. In Bezug auf Zitat 2 ließe sich also ergänzend feststellen: Ja, das Verständnis des Phänomens Sprache ist entscheidend, aber nicht allein entscheidend für das Verständnis der Wirklichkeit der Alltagswelt. Es handelt sich um ein notwendiges, aber nicht hinreichendes Kriterium.

25 26

Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S.39. Hervorhebungen von mir. Ebd.: S.39.

9


Dieser Widerspruch würde wenig Sinn ergeben, wenn der zitierte Passus nur dazu diente die Wichtigkeit der Sprache zu betonen. Tatsächlich scheint er aber die Marschrichtung für den Rest des Buches vorzugeben. Eine nähere Analyse nicht-sprachlicher Objektivationen unterbleibt.

2. Teil - Kritik

2.1 Zustimmung und Widerspruch Bevor ich mit meiner Kritik beginnen kann, muss ich Berger und Luckmann uneingeschränkt zustimmen: Ja, ohne das Verständnis der Sprache ist menschliche Gesellschaft und deren Konstruktion nicht zu verstehen. Der Mensch ist in seiner Art zu sein auf ein ausdifferenziertes Zeichensystem, auf eine Sprache angewiesen. Das Leben und Erleben in der Alltagswelt spielt sich immer vor dem Hintergrund der typisierenden und strukturierenden Kraft der Sprache ab. Sie liefert mir die Kategorien und Begriffe die Gegenstände meiner Erfahrung zu ordnen und zu einem sinnhaften Gewebe zu verbinden – ohne die Sprache gäbe es keine Alltagswelt. Ohne Sprache gäbe es wohl nicht einmal ein Ich. Da wo der Mensch dieses Gewebe durchbricht – im Rausch, religiöser Ekstase, der Agonie des Schmerzes – verlässt er auch die Alltagswelt. Und selbst hier noch besitzt die Sprache die Kraft diese Erlebnisse im Nachhinein in die Alltagswelt zurückzuholen, sie zu benennen und ihnen somit einen Platz in meiner eigenen Erzählung meines Lebens zuzuordnen: Der Abend, an dem ich betrunken war. Der Tag, an dem ich Paulus wurde. Mein schrecklicher Unfall.27 All dies soll unbestritten bleiben. Was aber ist mit den Objektivationen, die nicht Sprache sind - ja vielleicht nicht einmal Zeichen. Können sie wirklich hinten angestellt werden, wenn es

27 Aus Platzgründen muss eine genauere Analyse der verschiedenen Funktionen der Sprache leider unterbleiben. Vgl. hierzu: Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): Weitergabe von Wissen und intersubjektive Erfahrungsablagerung: S.39 und 72ff.; hierzu auch: Die Rolle der Sprache bei der Sozialisation: S.144ff. Typenbildung und Strukturierung der Alltagswelt: S. 24f., S.33f., S.41, S.74ff.,; insbesondere: Typenbildung und Selbsterfahrung/Rollen und Rollenidentität: S.77f. Der Zusammenhang zwischen Sprache und Legitimation an Hand des Vetternbeispiels/vier Ebenen der Legitimation: S. 100ff; hier auch: symbolische Sinnwelten: 102ff.; zu Sinnwelten auch: S.42. Zum Thema Stabilisierung und Erzeugung der Alltagswelt durch die Sprache: S. 164

Die Aussagen über Sprache von Alfred Schütz gleichen denen bei Berger und Luckmann im Wesentlichen. Schütz Untersuchung hat jedoch andere thematische Schwerpunkte als die von Berger und Luckmann. So verwendet Schütz beispielsweise viel Mühe auf die Analyse der Relevanzstrukturen – ein Begriff, der bei Berger und Luckmann nicht ausführlich diskutiert wird. Dass die Sprache für das Verständnis aller von Schütz postulierten Relevanzarten (thematische, Interpretations- und Motivationsrelevanz) besonders wichtig ist, zeigt sich beispielsweise und besonders deutlich in: Schuetz, Alfred/Luckmann, Thomas (2003): S. 336f. Wichtig ist: Beide Werke stimmen in ihrer Perspektive auf das Phänomen Sprache überein – und zwar sowohl hinsichtlich der Frage was Sprache ist, als auch hinsichtlich der Fragen welche Bedeutung Sprache für den Menschen und welche Bedeutung Sprache für die Analyse menschlichen Seins hat.

10


darum geht die Welt des Menschen und den Menschen selbst zu verstehen? Ich denke die Antwort lautet nein.

Berger und Luckmann schreiben: „Die Wirklichkeit der Alltagswelt ist nicht nur voll von Objektivationen, sie ist vielmehr nur wegen dieser Objektivationen wirklich. Ich bin dauernd umgeben von Objekten, welche subjektive Intentionen meiner Mitmenschen « proklamieren » [...].“28 Ich bin Umgeben von Objekten, aber eben nicht nur von sprachlichen Objekten. Ich bin in eine Welt geworfen, die voll ist von Objektivationen nicht-sprachlicher Natur. Ich sitze an einem Schreibtisch aus Holz. Darauf befinden sich: drei Bücher, ein Handy, zwei Kaffeetassen, ein Computerspiel, ein Computer und ein Bildschirm, ein Drucker, ein leerer Tabakbeutel, eine Packung Apfelsaft, verschiedene mit Notizen bedeckte Zettel, eine Zuckerdose, ein halbleeres Päckchen Kopfschmerztabletten, eine Computermaus mit dazugehöriger Unterlage, zwei Kugelschreiber, sowie mehrere Büroklammern. Hinter mir steht ein Tisch, auf dem sich wiederum mehrere Gegenstände befinden. Links von mir befindet sich meine Einbauküche mit Kühlschrank, Mikrowelle, Schränken, Ofen, Herdplatten, Geschirr und so weiter. Wende ich meinen Blick nach rechts, sehe ich aus dem Fenster. Ich sehe eine betonierte Straße, andere Häuser, eine Autobrücke, mehrere Autos, einbetonierte

Bäume,

eine

künstlich

angelegte

Wiese,

Ampeln

und

andere

Verkehrsleitsysteme, Menschen, die unterschiedliche Kleidung tragen, und vieles vieles mehr. All diese Dinge sind Resultate des Verhaltens oder Handelns anderer Menschen. All diese Dinge zeugen mir unablässig von subjektiven Zuständen anderer Menschen. All diese Dinge verschmelzen in meiner Wahrnehmung, fließen ineinander, verweben sich zu einer ganz eigenen Art von Text, den ich außerordentlich gut kenne. Betäubte man mich und ich erwachte in einer anderen Stadt, einem anderem Land, einer anderen Zeit, der Text erschiene mir zutiefst fremdartig. Ich wüsste, dass ich nicht mehr zu Hause bin, nicht mehr in meiner Welt, auch ohne dass ich mich mit einem anderen Menschen unterhalten hätte. Welch ein Unterschied zwischen einem Dorf aus Lehmhütten und New York. Beiden, dem Einwohner von New York und dem Einwohner eines Dorfes aus Lehmhütten, kommt ihre Umgebung vollkommen natürlich vor. Beide bewohnen völlig verschiedene (Alltags-)Welten – und dies nicht nur weil sie unterschiedliche Sprachen sprechen.

28

Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S. 37

11


Wir leben inmitten einer Welt voll verschiedener Objekte. In dieser überkomplexen Welt erfüllt die Sprache eine wichtige Funktion, in der sie es uns ermöglicht das uns umgebende Chaos zu strukturieren und uns so in der Welt zu orientieren. Die verschiedenen Objekte treten und aber nicht nur vor Augen, weil wir eine Bezeichnung für sie haben. Sie drängen sich uns über unsere Sinnesorgane auf. Die Unterscheidung, ob ein bestimmtes Objekt Resultat des Verhaltens eines anderen Menschen ist, ist eine der grundlegendsten Unterscheidungen, derer wir uns bei der Einteilung unserer Erfahrungsobjekte bedienen. Ohne diese Einteilung in Objektivation/nicht-Objektivation wäre die Sprache für uns nur ein weiterer Bestandteil des Chaos. Bevor wir erkennen können, was ein Zeichen bedeutet, müssen wir erkennen, dass es sich um ein Zeichen handelt. Allein durch unsere Anwesenheit in der Welt greifen wir ständig in diese ein, hinterlassen Spuren in ihr, die andere wiederum als solche interpretieren können. In den von mir hinterlassenen Spuren objektiviert sich mein Ich für den Anderen. Ich kann mein Eingreifen steuern, aber immer ist mein Eingreifen vermittelt über meinen Körper. 29

Der Eingriff in die Welt über die Stimmbänder ist nur ein Weg der Einflussnahme. Der Mensch setzt die Luft in Bewegung und vermag hochgradig differenzierte Laute von sich zu geben. Ohne diese Fähigkeit und ohne die Fähigkeit diese Laute wahrzunehmen und zu deuten, wäre der Mensch kein Mensch. Er wäre aber auch kein Mensch, würde er sich nicht auch in andere Stoffe der Welt entäußern als in die Luft. Er greift einen Stein, um einen anderen Stein zu bearbeiten. Der bearbeitete Stein ist ihm und anderen als Zeugnis seines Tuns entgegengestellt. So wie es keine Kultur gibt, die über keine Sprache verfügt, gibt es auch keine Kultur, die nur spricht. Die Alltagswelt des Menschen ist nicht nur aus Worten erbaut. Will man verstehen, wie gesellschaftliche Wirklichkeit konstruiert wird, muss man dieser Tatsache Rechnung tragen. Dennoch erscheint einem die Welt der Menschen in "Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" seltsam leer. Kaum einmal geht es um tatsächliche Gegenstände. Es entsteht der Eindruck die Sprache sei Fundament, Stein und Mörtel zugleich, wenn es gilt Wirklichkeitsgebäude zu errichten. Betrachtet man das folgende Zitat, wird klar, dass Berger und Luckmann sich über die Bedeutung auch der nicht-sprachlichen Objektivationen durchaus im Klaren sind: "Aber die einfache Tatsache, dass er [der Archäologe] sie [Schwierigkeiten bei der Deutung menschlicher Objektivationen] überwinden und aus einem Artefakt auf eine subjektive 29

Vgl. Schuetz, Alfred/Luckmann, Thomas (2003): S.468

12


Intention von Menschen schließen kann, deren Gesellschaft seit Millennien erloschen ist, beweist die Macht und Hartnäckigkeit menschlicher Objektivationen." 30 Direkt im Anschluss folgt jedoch die Definition des Begriffes Zeichen, das als besonderer und auch besonders wichtiger Fall von Objektivation vorgestellt wird31. Zeichen, und insbesondere die Sprache, stehen von nun an im Zentrum des Interesses. Die "Vernachlässigung" nicht-sprachlicher Objektivationen lässt sich auf zweierlei Weise sehr gut aufzeigen:

Der erste Weg ist sich das Beispiel des Mannes anzusehen, der morgens früh und geplagt von metaphysischen Anwandlungen in einen Vorortzug steigt32. Luckmann

Hier geht es Berger und

darum aufzuzeigen, wie die Menge der Mitfahrer dem Mann durch ihr

"Allerweltsbenehmen" zurück in seine vertraute Alltagswirklichkeit holt. Kein Wort darüber, dass schon die vertraute Umgebung, der Vorortzug selbst, der Bahnhof, der Bürgersteig, etc. ihm seine vertraute Wirklichkeit vor Augen führen. Führe der Zug nach zehnminütiger Fahrt in einer kafkaesken Version von Entenhausen ein, fände der arme Mann statt eines Bahnhofs einen naturbelassenen Wald vor, er würde sich träumend wähnen. Ein anderer Weg ist sich die Begriffe anzusehen, die Berger und Luckmann im Verlauf ihrer Analyse geprägt haben (siehe Abbildung 1.1) und dann den Versuch zu unternehmen sich mit diesem begrifflichen Instrumentarium nicht-sprachlichen Objektivationen zu nähern. Stellen wir uns also die Fragen 1. Wie ist mir ein Zug gegeben? 2. Wie ist mir ein Straßenzug gegeben? 3. Wie ist mir ein Anzug gegeben? und ordnen diese dann in das Begriffschemata von Berger und Luckmann ein. nicht-Objektivation/Objektivation

Erzeugnis/Anzeichen

nicht-Zeichen/Zeichen

Zug

Objektivation

Erzeugnis

nicht-Zeichen

Straßenzug

Objektivation

Erzeugnis

nicht-Zeichen

Anzug

Objektivation

Erzeugnis

nicht-Zeichen Abbildung 2.1

30

Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): S. 37f. Vgl. ebd.: S. 37 32 Vgl. ebd.: S.160. Das Beispiel dient Berger und Luckmann zur Verdeutlichung des Begriffes "Generalisierter Anderer" von George Herbert Mead. Ich muss also einräumen das Beispiel aus seinem Zusammenhang gerissen zu haben. Dennoch ließen Berger und Luckmann an dieser Stelle eine Chance aus auf den wirklichkeitsvermittelnden Charakter der Umgebung des Mannes hinzuweisen. Diese Unterlassung kann als symptomatisch für den Umgang mit nicht-zeichenhaften Objektivationen angesehen werden. 31

13


Wir sehen, dass die Einordnung aller drei Objekte identisch ist. Sicherlich sind uns aber alle drei Objekte jeweils auf eine andere Art und Weise gegeben. Es herrscht also weiter Klärungsbedarf.

An diesem Punkt angelangt lohnt sich der genauere Blick auf Alfred Schütz und sein Werk "Strukturen der Lebenswelt".

2.2 Typen von Objektivationen bei Alfred Schütz Aus Platzgründen kann die Typologie von Schütz nicht so ausführlich hergeleitet werden wie dies bei der Typologie von Berger und Luckmann der Fall war (Vgl. Abschnitt 1.3 dieser Arbeit). Glücklicherweise ist dies auch nicht nötig, da die Typologie von Schütz weitestgehend mit der von Berger und Luckmann übereinstimmt. Die Bedeutung des Wortes Objektivation, sowohl dem Sinn als auch der Funktion nach, ist identisch mit der von Berger und Luckmann verwendeten. Dies soll exemplarisch an einem Zitat gezeigt werden: "Demnach wären alle Handlungen, die in die alltägliche Lebenswelt eingreifen, wie auch »Resultate« solcher Handlungen, soweit von ihnen auf die Handlung zurückgeschlossen werden kann, ferner aber auch Ausdrucksformen im weitesten Sinn, Gestik, Gesichtsausdruck usw. als »Objektivierung« aufzufassen."33 Die Trennung in Anzeichen/Spuren und Erzeugnisse, die bei Berger und Luckmann nur implizit enthalten war, erfolgt bei Schütz explizit: "Bloße Begleiterscheinungen oder »Spuren« des Handelns können zwar als Objektivierungen subjektiver Vorgänge Wissen an Andere vermitteln, sind aber bei der Vergesellschaftung von Wissen von weit geringerer Bedeutung als motivierte Veränderungen, die wir »Erzeugnisse« nennen wollen."34 Auch die Bedeutung des Begriffs Zeichen ähnelt der von Berger und Luckmann gebrauchten: "Die Zeichensetzung steht für denjenigen, der die Zeichen setzt, unmittelbar im subjektiven Um-zu-Zusammenhang des Verstanden-werden-Wollens [...]."35 Auch hier ordne ich das Zeichen den Erzeugnissen unter, da das Setzen eines Zeichens sicherlich als "motivierte Veränderung" bezeichnet werden kann.

33

Schuetz, Alfred/Luckmann, Thomas (2003): S.358 Ebd. S.369. Kursive Hervorhebungen von mir. 35 Ebd. S.650 34

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Schütz unterscheidet sich jedoch auch von Berger und Luckmann: Auch wenn er sein Hauptaugenmerk ebenfalls auf Zeichen und Sprache legt, unterteilt er die Kategorie der Erzeugnisse in weitere Untertypen: Merkzeichen, Werkzeuge und Kunst. Merkzeichen sind solche Veränderungen, die ein Handelnder in die Welt einführt, um sich zu einem späteren Zeitpunkt an etwas zu erinnern, was ihm im Jetzt relevant erscheint. Auch wenn eine Deutung durch einen Fremden möglich sein kann, ist der geplante Rezipient des Merkzeichens typischerweise der Handelnde selbst zu einem späteren Zeitpunkt. 36 Werkzeuge sind Gegenstände, die bei Handlungen zum Einsatz kommen, die die Umwelt des Handelnden verändern. Für die Deutung eines Werkzeuges wesentlich ist dessen Funktion in Um-zu-Zusammenhängen.37 Kunst kennzeichne die Objektivierung von Problemlösungen für solche Probleme, die sich auf das Verhältnis zwischen alltäglichen und nicht-alltäglichen Wirklichkeitsschichten beziehen.38

Es ergibt sich die in Abbildung 2.2 dargestellte Typologie. Die in Abbildung 1.1 enthaltenen Kategorien Erfahrungsobjekte und nicht-Objektivationen wurden – da unverändert und im Folgenden nicht weiter von Interesse – nicht mehr dargestellt. Auch wurde die Kategorie Zeichen vereinfacht abgebildet: Objektivationen Objekt Resultat menschlichen Verhaltens

Spuren/Anzeichen

Erzeugnisse

nicht-motiviert

motiviert

Merkzeichen

Werkzeuge

Kunst

Zeichen

Soll im Jetzt Relevantes zu einem späteren Zeitpunkt erneut relevant machen

Funktion im Umzu-Zusammenhang; Beeinflussung der Umwelt des Handelnden

Objektivierte Problemlösung in Bezug auf die Konfliktlinie alltäglich/nichtalltäglich

Mit Mitteilungsabsicht gesetzt

Abbildung 2.2

Versuchen wir nun unsere drei Musterobjekte – Zug, Straßenzug und Anzug – in diese Typologie einzuordnen, machen wir eine überraschende Entdeckung: Keines der drei Objekte lässt sich einer der Kategorien von Schütz zuordnen. Zweifelsohne handelt es sich bei allen drei Objekten um Erzeugnisse – aber keines der Objekte ist Merkzeichen, Werkzeug, Kunst oder Zeichen. Mit etwas gutem Willen könnte man sie wohl der Kategorie der Werkzeuge zuordnen – aber nur, wenn man sich allein auf die Um-zuKomponente der Werkzeugkategorie konzentriert und vernachlässigt, dass Werkzeuge solche 36

Vgl. Schuetz, Alfred/Luckmann, Thomas (2003): S.371f. und S.643 Vgl. ebd.: S.373 38 Vgl. ebd.: S.374 37

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Objekte sein sollen, die eingesetzt werden, um die Umgebung des Handelnden zu verändern. Lässt man sich auf ein solches Verständnis von Werkzeugen ein, verletzt man aber nicht nur Schütz Vorgaben, sondern nimmt auch in Kauf, dass sich die Kategorie Werkzeug so verbreitert, dass sie praktisch gleichbedeutend mit der Kategorie Erzeugnis wird. Ein irgendwie gearteter Erkenntnisgewinn lässt sich dadurch nicht erzielen. Wir könnten nun auf verschiedene Arten weiter vorgehen. Wir könnten versuchen sinnvolle Veränderungen an der Schütz'schen Kategorien vorzunehmen. Wir könnten versuchen weitere Kategorien von Erzeugnissen zu finden, die sich neben die Kategorien von Schütz stellen lassen. Oder wir gehen einen Schritt zurück und versuchen die Erzeugnisse gänzlich anders zu unterteilen. Ich plädiere für die letzte Möglichkeit. Warum?

Betrachten wir an Hand welcher Fragen und Kriterien die Objekte unserer Erfahrung eingeteilt worden sind: Zuerst wurden jene Objekte, die uns als Resultat menschlichen Verhaltens erscheinen, von denen geschieden, für die dies nicht gilt. Also: Die Objektivationen von den nicht-Objektivationen geschieden. Daraufhin wurden jene Objektivationen, die motiviert entstanden sind, von denen getrennt, deren Vorhandensein nur ein Begleitumstand menschlichen Verhaltens ist. Also: Die Spuren/Anzeichen von den Erzeugnissen getrennt.

Die dieser Unterscheidung zugehörige Frage war, ob die Entstehung der Objektivation motiviert war oder nicht. Handelt es sich um zurückgelassene Fußspuren im Wald oder einen ausgetretenen Pfad?

Die weitere Unterteilung der Erzeugnisse erfolgte an Hand der zur Objektivierung führenden Motivation. Berger und Luckmann trennen solche Erzeugnisse, die erzeugt worden sind, um subjektiv Sinnhaftes zu objektivieren, von solchen, für die dies nicht gilt. Also: Zeichen und nicht-Zeichen. Schütz geht darüber hinaus und führt verschiedene Motivationen an: Reaktualisierung von Relevanz zu einem späteren Zeitpunkt (Merkzeichen). Der Eingriff in die

Umwelt

zu

einem

bestimmten

Zweck

(Werkzeug).

Die

Objektivation

von

Problemlösungen aus dem Spannungsfeld alltäglich/nicht-alltäglich (Kunst). Der Wunsch sich mitzuteilen und verstanden zu werden (Zeichen). Ich schlage vor die Kategorie der Erzeugnisse nicht an Hand der zu Grunde liegenden Motivation zu unterteilen. Nicht, weil die von Berger, Luckmann und Schütz verwendeten Kriterien falsch wären, sondern weil ich glaube, dass es eine andere Blickweise auf diese 16


Kategorie ermöglicht einen erhellenden Blick auf unser Leben in einer aus Objektivationen errichteten Alltagswelt zu werfen.

3. Teil – Vorschlag zur Typisierung der Erzeugnisse

3.1 Das Kriterium – Das Ich gegen und in der Welt Das Kriterium, an Hand dessen ich die Erzeugnisse unterteilen möchte, leitet sich aus der Überlegung ab, wie mir die Dinge der Welt im Verhältnis zu mir, dem erlebenden Subjekt, gegeben sein können. Ich, das Subjekt, bin mir da wo ich bewusst bin immer eines mir entgegengestellten Objekts bewusst. Ich ist immer bezogen auf Etwas. Dieses Bezogensein findet immer statt in einer Welt, die Ich und das Objekt, auf das Ich sich bezieht, umgibt. Eine Besondere Art des Bezogenseins tritt ein, wenn der Mensch sich seinem eigenen Körper zuwendet. Dieser erscheint dem Menschen einmal als mit sich selbst identisch, ein anderes Mal als der Welt zugehörig. Der Körperlichkeit kommt also bei der Frage nach der Art des Bezogenseins von Ich und Welt eine besondere Rolle zu.

Kurz: Objekte können mit entgegengestellt sein, sie können mit mir identisch sein und sie können zum Hintergrund des Bezogenseins von Ich und dem entgegengestellten Objekt gehören. Für das erlebende Subjekt zeichnen sich die ihm entgegengestellten Objekte vor diesem Hintergrund ab.39

3.2 Typenbildung

Aus diesen sehr grundlegenden Überlegungen lassen sich drei Kategorien für die Einteilung der Erzeugnisse gewinnen. Dabei werden genaugenommen nicht die Erzeugnisse selbst kategorisiert, sondern die Art der Bezogenheit, in die das Erzeugnis zum Bewusstsein des Subjekts tritt.

- Ein Erzeugnis ist dem Subjekt entgegengestellt, wenn es das konkrete Erfahrungsobjekt ist, das sich gegenwärtig vor dem Hintergrund der Welt im Bewusstsein abzeichnet. 39

Dieser Gedankengang ist weder Berger noch Luckmann, noch Schütz unbekannt. Im Gegenteil: Diese Autoren waren es, die ihn mir erst vertraut gemacht haben. Er wurde nur nicht zur systematischen Unterteilung der Erzeugnisse herangezogen. Die Frage, warum sich zu einem bestimmten Zeitpunkt und in einer bestimmten Situation ein bestimmtes Objekt vor dem Hintergrund Welt abzeichnet und wann und warum sich das Bewusstsein zu einem anderen Zeitpunkt einem anderen Objekt zuwendet, ist die Kernfrage, die Schütz in seinen Ausführungen zur Relevanz zu beantworten sucht. Vgl. Schuetz, Alfred/Luckmann, Thomas (2003): Relevanz S. 252 – 312; insbesondere: Thematische Relevanz: S. 258 – 272 und Die Verflochtenheit der Relevanzstrukturen S. 305 – 312.

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- Gehört das Erzeugnis zum Hintergrund, vor dem ein Erfahrungsobjekt sich abzeichnet, soll es umgebend genannt werden.

- Die letzte Kategorie gründet auf einer weiteren Eigenart unserer Körperlichkeit: Das Feld dessen, was wir unserem Körper zurechnen, ist im Erleben unbestimmt. Im Erleben verschwimmt die Wahrnehmung unseres Leibes. Ein Schraubenzieher mag dem geübten Handwerker als Verlängerung seiner selbst erscheinen. Ebenso mag es dem Kampfkünstler oder Soldaten mit seiner Waffe, oder dem Künstler mit seinem Stift gehen. Ein weiteres Beispiel bietet die Kleidung. Legen wir sie an, vergessen wir sie oft. Sie verschmilzt mit dem Feld unseres Körpers und wird ein Teil von uns. Auch darin darf ein Grund vermutet werden, aus dem Menschen dazu neigen sich sehr stark mit der und über die von ihnen getragenen Kleidung zu identifizieren: Sie kann ein Teil von ihnen werden. Natürlich ist diese Art der Verschmelzung nicht von Dauer. Im Gegenteil! Sie ist hochgradig flüchtig. Sobald man sich seiner eigenen Körperlichkeit bewusst zuwendet, wird die ursprüngliche Trennung zwischen dem eigenem Körper und Dingen der äußeren Welt reaktualisiert. Dennoch treten Dinge in das Feld unserer Körperlichkeit und verlassen dieses auch wieder. Diese Art der Bezogenheit auf Erzeugnisse soll quasi-körperlich genannt werden.

Klar ist, dass ein und dasselbe Objekt unter Umständen in alle drei Arten der Bezogenheit zum Subjekt treten kann. Ich bin bei mir zu Hause und muss bald zur Arbeit fahren. Ich brauche etwas zum Anziehen. Mein Blick fällt auf meinen Lieblingsanzug. Erst tritt er mit als Objekt entgegen, dann lege ich ihn an und er tritt in das Feld meiner Körperlichkeit. Ich verlasse die Wohnung. Meine Umgebung ändert sich. Waren die Grenzen meiner Wahrnehmung eben noch durch die Wände meiner Wohnung bestimmt, gehe ich nun durch Straßen und an Häusern vorbei. Der Weg, den ich zum Bahnhof nehme, wurde von Architekten, Städteplanern und Bauarbeitern in Beton vorgezeichnet. Ich laufe auf gepflastertem Boden. Sehe ich nach links, rechts, hinten oder vorne, bricht mein Blick an den Fassaden der Häuser, die mir meist nicht als einzelne Objekte, sondern eher als ein Bild, als die natürliche Grenze meiner Welt erscheinen. Einzig, wenn ich nach oben schaue, sehe ich den Himmel, vor dem sich die Silhouetten der Dächer abzeichnen. Der Zug, mit dem ich zur Arbeit fahre, erscheint mir erst als ein mir entgegengestelltes Ding – später, nachdem ich eingestiegen bin – umgibt er mich und bildet so den Rahmen meiner Welt. Sobald ich 18


aussteige, wird er erst wieder zu einem Ding, um dann wieder mit dem Panorama der restlichen Umgebung zu verschmelzen. Mit Ausnahme des kurzen Blicks in den Himmel, waren die Grenzen meiner Wahrnehmung die gesamte Zeit durch menschliche Erzeugnisse bestimmt, ohne dass mir meine Umwelt in irgendeiner Form unnatürlich oder willkürlich vorgekommen wäre. Als moderner Stadtmensch findet der größte Teil meines Lebens in einem Kokon statt, an dem seit vielen Generationen und von vielen Händen eifrig gebaut worden ist. Nur selten tritt mir ins Bewusstsein, dass er konstruiert ist. Er ist meine Wirklichkeit.

3.3 Erkenntnisgewinn? Es ist an der Zeit sich zu fragen, welchen Gewinn man von der neuen Einteilung der Erzeugnisse erzielt. Diese Frage ist am leichtesten zu beantworten, wenn man sich vor Augen führt, dass alle nicht-sprachlichen Objektivationen sowohl bei Berger und Luckmann als auch bei Schütz als dem Bewusstsein entgegengestellt dargestellt werden. Diese Art der Bezogenheit entspricht meiner Kategorie der entgegengestellten Objektivationen.

In „Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ und in „Die Strukturen der Lebenswelt“ findet sich jedoch kaum ein Wort darüber, dass wir in einem sehr alltäglichen Sinne des Wortes in einer von Menschen konstruierten Welt leben.

Der Ungerichtetheit seiner Instinkte tritt der Mensch mit Habitualisierung und Institutionalisierung entgegen. Er passt aber sein Verhalten nicht einfach nur an eine freie ökologische Nische an und bewohnte diese dann – er greift in die Welt ein und verändert diese nach seinen Bedürfnissen. Er passt seine Umwelt an sich an. Diesen Umstand habe ich versucht mit der Kategorie der umgebenen Erzeugnisse Rechnung zu tragen. 40

Wo er sich selbst anpasst, passt der Mensch nicht nur sein Verhalten an, sondern auch seinen Körper: Felle wärmen unsere Körper, Hebelzüge verstärken die Kraft unserer Arme, geschliffenes Glas schärft unseren Blick. Indem wir Elemente der Welt an unseren Körper anpassen, erweitern wir beständig den Raum unserer Möglichkeiten. Im Bewusstseinsstrom des Alltags verschmelzen diese an unseren Körper angepassten Elemente oft mit diesem. Diese Art der Bezogenheit bezeichnet die Kategorie der quasi-körperlichen Erzeugnisse. 40

Von allen Kategorien bedarf vielleicht diese Kategorie am stärksten der weiteren Differenzierung. Es ist immerhin ein erheblicher Unterschied, ob ich von einem Haus umgeben bin, oder ob ein Kugelschreiber irgendwie zum Hintergrund meines Zimmers gehört. In dieser Arbeit muss ich mich jedoch damit zufrieden geben die Kategorie undifferenziert stehen zu lassen. Die Stoßrichtung des Gedankens sollte sich dennoch erkennen lassen.

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Der Gewinn, der aus dieser Einteilung zu ziehen ist, liegt einmal darin den Blick der Untersuchung auf bisher eher schlecht ausgeleuchtetes Terrain gelenkt zu haben – weg von den sprachlichen und hin zu den nicht-sprachlichen Erzeugnissen – und zweitens ein begriffliches Instrumentarium an der Hand zu haben, mit dem man sich auf diesem Terrain bewegen kann – wenn man so will: Ein erstes Licht angezündet zu haben. Der Verlust, den ich in dieser Arbeit in Kauf genommen habe, ist, dass ich das Gebiet der sprachlichen Objektivationen fast völlig aus dem Blick verloren habe. In wie weit es mein Zugang zur Kategorie der Erzeugnisse erlaubt sich dem Phänomen Sprache und seiner Rolle bei der Errichtung der Wirklichkeit zu nähern bleibt offen. Hier möchte ich festhalten, dass ich keinesfalls beabsichtigt habe die Einteilung der Erzeugnisse von Berger und Luckmann oder auch Schütz zu ersetzen. Meine Einteilung wurde an Hand anderer Kriterien vorgenommen, kann aber problemlos und widerspruchsfrei neben den alten stehen. Ich möchte mich jedoch nicht damit aus der Affäre ziehen, dass ich hinsichtlich der Sprache auf die von Berger, Luckmann und Schütz formulierten Erkenntnisse verweise. Ich glaube zwar einerseits, dass es richtig war die Aufmerksamkeit auch auf nichtsprachliche Objekte zu lenken und somit die einseitige Konzentration auf die Sprache aufzuheben, der nächste Schritt müsste nun aber der Versuch sein beides zusammen zu denken. Der Mensch lebt nicht in einer rein aus Sprache errichteten Welt – ebenso wenig ist seine Welt aber nur aus nicht-sprachlichen Erzeugnissen erbaut. So lange man den Blick nur auf einen der beiden Aspekte richtet, kann man nicht fassen, in welcher Beziehung sie zueinander stehen. In diesem Zusammenhang war in der Planungsphase dieser Arbeit ein Ausflug in die Semiotik angedacht – die Frage wie Ding und Bedeutung zusammenkommen ist der Frage wie Handlungsresultate subjektive Wirklichkeit objektivieren können zumindest sehr ähnlich. Ein solcher Exkurs hätte den ohnehin schon ausgereizten Rahmen dieser Arbeit jedoch bei weitem gesprengt. Der Versuch muss also auf ein anderes Mal verschoben werden. Dennoch soll die Richtung des Gedankens angedeutet werden: Wenn man jede Objektivation als Zeichen begreift und die in der Semiotik verwendeten zwei Seiten des Zeichens - Bezeichnendes und Bezeichnetes – als Objektivierendes und Objektiviertes auffasst, sollte es möglich sein viele Erkenntnisse aus der Semiotik für den Ansatz von Berger, Luckmann und Schütz fruchtbar zu machen.

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Letzte Worte

Ich möchte diese Arbeit mit einer Anekdote beenden, die eine Begebenheit erzählt, als deren theoretische Bewältigung diese Arbeit gelten kann.

Für mein Referat zum Thema Institutionalisierung bin ich zur Lektüre mit dem Fahrrad an den Rhein gefahren. Nachdem ich die von mir zu behandelnden Abschnitte gelesen hatte, entschloss ich weiterzufahren und folgte dem Verlauf des Rheins. Nach etwa fünfzehn Minuten erreichte ich den Ludwigshafener Hafen. Mit dem Fahrrad kommt man an dieser Stelle nicht weiter. Ich schloss es ab und spazierte weiter am Ufer entlang. Etwa fünf Minuten später schien es als hätte ich das Ende des Rheins erreicht. Der Verlauf des Flusses ist im rechten Winkel abgeschnitten, er „endet“ in einem Hafenbecken. Als ich mich umdrehte, sah ich den Weg zurück, den ich gekommen war. Zwischen Mannheim und Ludwigshafen verläuft der Rhein fast schnurgerade, in einem genau ausgebaggerten und mit Beton stabilisierten Weg. In regelmäßigen Abständen sind Lichter angebracht, um Schiffen auch nachts die Orientierung zu ermöglichen. Der Rhein ist eine Wasserautobahn – perfekt angepasst an die Bedürfnisse und in die Infrastruktur der beiden Städte, die er trennt. Den Gedanken, dass „Gegenstände“ bei Berger und Luckmann etwas zu kurz kommen, hatte ich vorher schon, aber dies war definitiv der Moment, in dem er sich festsetzte. Der Anblick eines Flusses wie dem Rhein, der durch sein menschengemachtes Bett fließt, verdeutlichte mir die Macht, mit der wir in unsere Umwelt einzugreifen vermögen in diesem Moment deutlicher als Worte es vermocht hätten. Als ich den Blick vom Rhein löste, sah ich für einen Moment auch die beiden Städte an seinen Ufern in anderem Licht. Auch wenn ich schon mein ganzes Leben in ihnen verbracht habe, sie mein „zu Hause“ sind, sind sie doch gemacht – konstruiert. Ich konnte nicht einmal erahnen, wie die Welt um mich herum ohne menschliche Einflussnahme aussehen würde. Angelehnt an das Vokabular Berger und Luckmanns kann man diesen Moment wohl als Augenblick der völligen Ent-Vergegenständlichung bezeichnen. Das „sich Einspinnen“ des Menschen in seine Umgebung ist was mir in „Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ nicht ausreichend behandelt wurde. Wir greifen in die tatsächliche, die stoffliche Welt ein, formen sie um und sie tritt uns wiederum geformt vor unser Bewusstsein. Um es mit einem mutwillig abgeänderten Zitat zu sagen:

Der Mensch hat die Welt nicht nur unterschiedlich interpretiert, er hat sie auch verändert.

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Literaturangaben Schuetz, Alfred/Luckmann, Verlagsgesellschaft. Konstanz

Thomas

(2003):

Strukturen

der

Lebenswelt.

UVK-

Berger, Peter/Luckmann, Thomas (1971): Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. 2. Auflage. S.Fischer. Frankfurt am Main Heidegger, Martin Luhmann, Niklas

Zitatsammlung

Berger/Luckmann: Intentionales Bewusstsein „Bewusstsein ist immer intentional. Es hat immer etwas « im Sinn » und ist auf Objekte gerichtet. Wir können niemals Bewusstsein als solches erreichen, nur Bewusstsein von etwas – unabhängig davon, ob sein Gegenstand zur äußeren, physischen Welt gehört oder als Element einer inneren, subjektiven Wirklichkeit erlebt wird. Ob ich vom Empire State Building aus [...] das Panorama von New York betrachte oder mir einer inneren Beklemmung bewusst werde, die Vorgänge sind in beiden Fällen intentional.“ S.23 GKdW

Objektivationen Der Begriff wird entwickelt im Kapitel „Sprache und Wissen in der Alltagswelt“. Der Erklärung des Begriffs folgen Beispiele. Anzeichen des Zorns (--> den Spuren von Schütz nicht unähnlich), dann ein Objekt als Objektivation des Zorns (Messer in der Wand). Das Archäologenbeispiel. Daraufhin die Erklärung des Zeichenbegriffs. Zeichen werden zu Systemen gebündelt. Sprache ist das wichtigste Zeichensystem des Menschen. Ab hier im großen und Ganzen Ende mit Objekten. Später ist immer wieder von der Objektivität von Institutionen die Rede. Als Vermittler dieser Institutionen dient immer wieder die Sprache. „Eigentliche“ Objekte werden kaum noch in die Analyse einbezogen. „Das menschliche Ausdrucksvermögen besitzt die Kraft der Objektivation, das heißt, es manifiziert sich in Erzeugnissen menschlicher Tätigkeit, welche sowohl dem Erzeuger als auch anderen Menschen als Element ihrer gemeinsamen Welt begreiflich sind. Objektivationen durch Ausdruck sind mehr oder weniger dauerhafte Indikatoren subjektiver Empfindungen.“ S.36 GKdW „Die Wirklichkeit der Alltagswelt ist nicht nur voll von Objektivationen, sie ist vielmehr nur wegen dieser Objektivationen wirklich. Ich bin dauernd umgeben von Objekten, welche subjektive Intentionen meiner Mitmenschen « proklamieren » [...].“


S.37 GKdW

„Der Vorgang durch den die Produkte tätiger menschlicher Selbstentäußerung objektiven Charakter gewinnen, ist Objektivation, das heißt Vergegenständlichung. Die institutionale Welt ist vergegenständlichte menschliche Tätigkeit, und jede Institution ist dies ebenso. [...] Im Augenblick ist zu betonen, daß die Beziehung zwischen dem Menschen als dem Hervorbringer und der gesellschaftlichen Welt als seine Hervorbringung dialektisch ist und bleibt. Das bedeutet: [...] der Mensch und seine gesellschaftliche Welt stehen miteinander in Wechselwirkung. Das Produkt wirkt zurück auf seinen Produzenten. [...] „Gesellschaft ist ein menschliches Produkt. Gesellschaft ist eine objektive Wirklichkeit. Der Mensch ist ein gesellschaftliches Produkt.“ S.64 + 65 GKdW

Anzeichen Anzeichen als Begriff wird nicht systematisch bestimmt. Er wird verwendet, bevor der Begriff des Zeichens eingeführt wird und steht in seinem Kontext in einer ähnlichen Bedeutung, wie das Symptom bei Schütz. Dieser entwickelt den Begriff jedoch anhand konkreter Merkmale (motiviert/unmotiviert), während es Berger und Luckmann vermutlich nicht darum ging einen Begriff zu schaffen, sondern in ihrem Beispiel ein Wort zur Verfügung zu haben, dass nicht Zeichen ist. „Zum Beispiel kommt das Subjektive Gefühl von Zorn [...] in mancherlei physischen Merkmalen zum Ausdruck: Mienenspiel, Aufstellung des Körpers [...] und so weiter. Diese Anzeichen des Zorns sind faßbar, währen die Vis-á-vis-Situation andauert. Deshalb bieten die die optimale Möglichkeit, zum anderen als Subjekt Zugang zu erhalten.“ S.37 GKdW Hervorhebung von mir

Werkzeuggebrauch "Ich verwende Werkzeuge, vom Büchsenöffner bis zum Sportwagen, deren Bezeichnung zu zum technischen Wortschatz meiner Gesellschaft gehören." GdKW S.24 Aber die einfache Tatsache, daß er [der Archäologe oder Ethnologe] sie [die Schwierigkeiten] überwinden und aus einem Artefakt auf eine subjektive Intention von Menschen schließen kann, deren Gesellschaft seit Millennien erloschen ist, beweist die Macht und Hartnäckigkeit menschlicher Objektivationen." GKdW S37 f.


Vorortzug Am Beispiel des Vorortzuges lässt sich gut demonstrieren, wie weit nicht sprachliche Objektivationen aus dem Blickfeld von Berger und Luckmann geraten sind. Sicherlich kann man davon ausgehen, dass auch der Zug, der Bahnhof, die Gleise etc. als Objektivation gesellschaftlicher Wirklichkeit verstanden werden müssen und zur Absicherung der subjektiven Wirklichkeit des von metaphysischen Schabernack Geplagten beitragen. Was wäre denn, wenn der Zug nicht in Grand Central enden würde, sondern in einer kafkaesken Version von Entenhausen? Selbst wenn seine Mitreisenden alle weiterhin so tun, als sei nichts geschehen, diesen überaus seltsamen Weltentwurf als etwas alltägliches behandeln, dürfte der Reisende hier beginnen zu zweifeln, ob er wach ist oder träumt. Fährt der Zug jedoch in Grand Central ein, wird seine Auffassung dessen, was der normale Gang der Dinge ist, bestätigt, ja nicht einmal weiter problematisiert. "Dergleichen [Versicherung der subjektiven Wirklichkeit] spielt sich sogar in einer so wenig signifikanten Situation ab, wie wenn man in einem Vorortzug fährt. Man braucht keinen Menschen zu kennen und mit niemanden zu reden. Dennoch sichert die Masse der Mitfahrer die Grundstruktur der Alltagswelt. [...] Verlässlich wird die Wirklichkeit aber erst in der stillen Bruderschaft im Vorortzug. Wenn er schließlich in Grand Central Station einfährt, ist sie schon ganz hübsch massiv."

Zeichen Berger und Luckmann bezeichnen Zeichen als eine der wichtigsten Formen menschlicher Objektivationen. Das Kriterium ist, dass das Zeichen als Objektivation gedacht wird – es soll also Objektivation innerer Vorgänge sein. Die andere Seite der Unterscheidung, die nichtZeichen, bleiben unbenannt und weitgehend unerörtert. Auch wird die Ablösbarkeit von der Situation im »Hier und Jetzt« nur für die Zeichen besprochen und somit implizit das Bild vermittelt Objektivation subjektiv Gemeinten über die Grenzen des »Hier und Jetzt« sei nur mittels Zeichen möglich.. Was schon dem Beispiel des Archäologen widerspricht. "Ein besonderer, aber auch besonders wichtiger Fall von Objektivationen ist die Zeichengebung. Das Zeichen kann von anderen Objektivationen dadurch unterschieden werden, dass es » ausdrücklich « ein Hinweis auf subjektiv Gemeintes sein soll." GKdW S.38

"Der Mensch bündelt gleichsam seine Zeichen zu ganzen Systemen. [...] Zeichen und Zeichensysteme sind objektiv eingängige Objektivationen, die über subjektive Intentionen im »Hier und Jetzt« hinausreichen." GKdW S.38

Kernsätze zur Sprache


Beispiele nicht-zeichenhafte Objektivationen Interessanterweise verwenden die Autoren für spontane Anzeichen von Zorn den Begriff "Anzeichen" und später für Waffen den Begriff "Erzeugnis". Dies folgt genau der Unterscheidung Spuren/Erzeugnisse von Schütz. Das Unterscheidungsmerkmal (motivierter Entstehungszusammenhang / nicht-motivierter Entstehungszusammenhang) wird jedoch nicht explizit genannt und auch die beiden Begriffe im Folgenden nicht weiter für die Analyse verwendet. „Zum Beispiel kommt das Subjektive Gefühl von Zorn [...] in mancherlei physischen Merkmalen zum Ausdruck: Mienenspiel, Aufstellung des Körpers [...] und so weiter. Diese Anzeichen des Zorns sind faßbar, währen die Vis-á-vis-Situation andauert. Deshalb bieten die die optimale Möglichkeit, zum anderen als Subjekt Zugang zu erhalten.“ S.37 GKdW Hervorhebung von mir "Das Messer als Objekt drückt den Zorn meines Feindes aus." S.37 GKdW

"Die Waffe als Objekt ist also sowohl menschliches Erzeugnis als auch Objektivation menschlicher Subjektivität." S.37 GKdW "Ich verwende Werkzeuge, vom Büchsenöffner bis zum Sportwagen, deren Bezeichnung zu zum technischen Wortschatz meiner Gesellschaft gehören." GKdW S.24

Beispielsätze zur Objektivation, etc.

Überbetonung

der

Sprache/wichtigste

Form

der

S.39 Das Verständnis des Phänomens Sprache ...

Schütz: Erfahrungsobjekte Objektivationen "Ihre Objektivierungen [die Objektivierungen der Sozial– und Kulturwelt] sind rückführbar auf menschliche Tätigkeiten, die auf ihren Sinn hin auslegbar sind. Durch diese Auslegung erfasse ich den Zweck des Werkzeugs, erfasse, wofür ein Zeichen steht, wie sich ein Mensch in seinem Verhalten an einer sozialen Einrichtung orientiert."


S.46 SdL "Mit diesem Ausdruck [Objektivierung] wollen wir allgemein die Verkörperung subjektiver Vorgänge in Vorgängen und Gegenständen der Lebenswelt des Alltags bezeichnen. Demnach wären alle Handlungen, die in die alltägliche Lebenswelt eingreifen, wie auch die »Resultate« solcher Handlungen, soweit von ihnen auf die Handlungen zurückgeschlossen werden kann, ferner aber auch Ausdrucksformen im weitesten Sinn, Gestik, Gesichtsausdruck, usw. als »Objektivierungen« aufzufassen. " S.358 SdL

Handlungsresultate Erzeugnisse, Spuren, motiviert Merkzeichen, Werkzeuge, Kunstwerke, Zeichen Beispiele für nicht-zeichenhafte Erzeugnisse Beispielsätze zur Überbetonung der Sprache/wichtigste Form der Objektivation, etc.

Heidegger: Verweis auf Gestell/Fluss verbaut ins Kraftwerk – Fluss im Gedicht von Hölderlin

Luhmann: ?



Objektivationen