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Leserpost Theodor Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg” sind berühmt. Aber kennen Sie auch die „Radler-Streifzüge durch die Mark Brandenburg” von einem gewissen Oskar Kilian? Sie sind mit den Jahren in Vergessenheit geraten, völlig zu Unrecht. Ferienmagazin-Leser Jens Bemme (im Bild rechts) machte uns auf die historischen „Radler-Streifzüge“ von Oskar Kilian (1860-1938) aufmerksam. Der 41Jährige aus Königs Wusterhausen, der heute in Dresden lebt, selbst leidenschaftlicher Radler ist, bringt uns den Pionier des Radtourismus näher.

Sonne auf der Nase, Wind im Haar, tolle See-Panoramen und Uferwege. Seit Jahrzehnten radeln wir durchs schöne Seenland, genießen den Zauber der Landschaft und machen Rast an schönen Plätzen und Schänken. Doch kaum einer weiß, dass diese Art des Radtourismus schon vor über 100 Jahren ihren Anfang nahm: Oskar Kilian (1860-1938) heißt einer der Vorreiter des Fremdenverkehrs, der die Gegend bereits Ende des 19. Jahrhunderts auf zwei Rädern erkundete. Ein guter Drahtesel war anno dazumal zwar noch Luxus. Doch viele Touren, die uns heute faszinieren, befuhr Oskar Kilian schon zu Zeiten unserer Ururomas. Der Schriftsteller war Chefredakteur der Märkischen Radfahrer-Zeitung (1900) sowie des Rad- und AutoVerlages (1908) und brachte u. a. Publikationen mit dem Titel „Radler-Streifzüge durch die Mark Brandenburg“ heraus. 24 Hefte sind um 1898 erschienen (s. Abb.).

Auf historischen Pfaden radeln! Von einem Pionier des märkischen Radtourismus

von Storkow, der Storkower und der Wochow-See in Verbindung…Wer die Schönheiten der märkischen Seen so recht kennen lernen will, der radle hierher in die wasserreiche, aber nicht sumpfige Gegend, mit ihrem anspruchslosen, aber tief zu Herzen gehenden Charakter.” Weiter heißt es: „Nun mussten wir mit freundlichem Dank unsere Räder besteigen und an der rauschenden Wassermühle vorüber, weiter gen Storkow ziehen – wenn wir nicht noch eine kleine aber herrliche Wasserpartie über den Kleinen und Grossen Globigsee zum Spring-See unternehmen wollten, deren Uferränder ein wunderbar schönes Panorama bieten, das lebhaft – selbstverständlich in bescheidenster Auffassung – an den Vierwaldstätter See erinnert und des Abstechers mehr als wert ist.“ Geschichten sind Liebeserklärung Weitere Hefte des radelnden Autors machen beim Stöbern auf den Internetseiten neugierg, sie heißen u. a.: „An Oder und Neisse”, „Durch die Märkische Schweiz”, „Im Spreewald”, „Gamengrund und Rüdersdorf”, „Spreeland über Golssen, Lübben, Straupitz, Lieberose, Beeskow, Müllrose, Frankfurt a. O.” oder „Ins Lebuser Land”. Beinahe alle Geschichten sind eine Liebeserklärung an die Landschaft, die heute als Seenland Oder-Spree bekannt ist. Anders als die berühmten „Wanderungen“ Theodor Fontanes gerieten Kilians „Streifzüge“ in Vergessenheit. Nun sind sie für ein breites Publikum wieder zugänglich.

Im Internet schmökern Einige Hefte aus der damals sehr beliebten Reihe „Radler-Streifzüge” mit ihren ausführlichen Tourenbeschreibungen, den detailgetreuen historischen Erklärungen, filigranen Wegekarten und Abbildungen findet man vielleicht noch mit viel Glück in Antiquariaten – doch nun kann jedermann auch online durch die Seiten blättern. Jens Bemme, der in der Sächsischen Landesbibliothek arbeitet, hat in seiner Freizeit lange recherchiert und sich dafür engagiert. Die Hefte wurden in der Zentralund Landesbibliothek Berlin (ZLB) digitalisiert und sind über diese Internetseite öffentlich zugänglich unter: digital.zlb.de – Auf der ZLB-Seite einfach das Stichwort Radler-Streifzüge Oskar Kilian eingeben, dann geht’s los!

Tipp: E Die Links zu den Streifzügen stehen auf Jens Bemmes Internetseite, dem wir ganz herzlich danken, dass er uns von seinen Recherchen erzählte. jensbemme.de

Um den Scharmützelsee Die Region rund um den Scharmützelsee und das Gewässer selbst müssen es Oskar Kilian besonders angetan haben. Dem schönen Landstrich widmete er eigens das Heft „Um den Scharmützelsee“ und er empfielt: „Mit dem ScharmützelSee stehen die ausgedehnten Gewässer

Historische Werbeanzeige für ein Taschenbuch Oskar Kilians von 1899, 321 Seiten stark. Für Fans eine Rarität. Im Oderbruch, sozusagen auf den Spuren von Kilians Heft „An Oder und Neisse”.

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Seenland Oder-Spree 2020/21  

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