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Nr. 92 (4/2009)

Der Apfel

Rundbrief des Ă–sterreichischen Frauenforums Feministische Theologie

BLUT


In eigener Sache

In eigener Sache Offenlegung gem. § 25 MedG:

Inhaltsverzeichnis Editorial Thema Ulrike Sals Mein Blut für dich gegeben. Warum das Alte Testament mir doch näher ist, als ich dachte.

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Der Apfel. Rundbrief des Österreichischen Frauenforums Feministische Theologie

Veronika Prüller Jagenteufel Das ist mein Blut

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Medieninhaberin, Herausgeberin, Verlegerin: Österreichisches Frauenforum Feministische Theologie

Regina Ammicht-Quinn Christi Blut und christliches Blut

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Andrea Koppenberger „Und auf einmal war da Blut“

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Adelheid Berger „Siehe mein Blut“

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Johanna Mattitsch Rubinrote Frauenzeit

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Ingrid Jehle Ein rotes Fest für Mirjam

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Claudia Mitscha-Eibel Frauenblut Mein Wechseljahre-Ritual

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Mitglieder des Vorstandes: Maria Eicher (Sprecherin), Doris Gabriel (Stv. Sprecherin) Therese Hofer (Kassierin), Cécile Billault (Stv. Kassierin), Anita Schwantner (Schriftführerin) Sitz: Baum 1, 4880 Berg im Attergau

... und dazwischen Elfchen

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Unternehmensgegenstand: Der gemeinnützige Verein Österreichisches Frauenforum Feministische Theologie ist ökumenisch ausgerichtet und will die Kommunikation feministisch und religiös interessierter Frauen fördern, Informations- und Erfahrungsaustausch ermöglichen und ein Netzwerk bilden.

Kolumnen Mail aus der Fremde Feministische Theologin im Portrait Themen der letzten Nummern

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Rezensionen Veranstaltungen

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Verein Was ist los Nachlese des Pespektiventages Ankündigung der Vollversammlung

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Blattlinie: Die Zeitschrift ist Kommunikationsorgan des Vereins Österreichisches Frauenforum Feministische Theologie. Sie entsteht an der Schnittstelle von feministisch-theologischer bzw. feminiistisch-philosophischer Forschung und und der religiösen Alltagspraxis. In wissenschaftlichen Artikeln und Essays schreiben Frauen über ihre Wahrnehmung und Gestaltung der Welt.

hellrot alarm! alarm! bevorzugt an knien ich finde ein pflaster gestillt

Blut Rot Lebendig berauschend Herzkraftmond Ich lebe Heiß

reinhilde unterfrauner

Claudia Hasibeder

Der Apfel

Der Apfel


In eigener Sache

In eigener Sache

Editorial Bluatwies’n gehen“ ein. Wie grundlegend dieses Thema für christliche (Frauen-)Welten ist, zeigen auch die eingelangten Beiträge: Ulrike Sals erhebt Indizien im Alten Testament zum Blut, Veronika PrüllerJagenteufel schreibt theologischspirituelle Assoziationen zum Thema, Regina Ammicht-Quinn trägt kulturgeschichtliche und theologische Deutungen des Herzblutes Jesu zusammen, Andrea Koppenberger verfasst einen religionspädagogischen Zugang zur Menarche, Johanna Mattitsch berichtet über Menstruationsblut als Bestandteil von Arzneien, Adelheid Berger macht sich Gedanken über die Nicht-Wahrnehmung der Menstruation im öffentlichen Raum. Daran schließen zwei RitualBeschreibungen an, von Ingrid Jehle zum Menstruationsbeginn und von Claudia Mitscha-Eibl zu den Wechseljahren.

Eine gestalterische Besonderheit dieser Apfelausgabe ist, dass in die Fülle der Texte immer wieder ein Elfchen hüpft: Diese literarische Miniaturform wurde von unterschiedlichsten (Forums-) Frauen zum Thema verfasst - sie spiegeln entsprechend vielfältige Erfahrungen und Verknüpfungen mit Blut. Was bei diesem Thema nicht fehlen darf, ist das Lied Frauenblut von Claudia MitschaEibel. Die Mail aus der Fremde erreicht uns diesmal aus einer anderen Art der Fremde: Anita Schwantner reflektiert ihren Krankenstand. Unter der Kolumne Theologin im Porträt wird hier Silvia Arzt vorgestellt. Den Abschluss der Textsammlung bilden eine Rezension und Informationen aus dem Verein und der Szene. Im Namen der Redaktion wünsche ich eine genussvolle Lektüre, sowie eine gute Advent- und Weihnachtszeit, Andrea Pfandl-Waidgasser

Wie sich die Elfchen in dieser Ausgabe organisierten: 1. Zeile = 1 Wort: ein Eigenschaftswort 2. Zeile = 2 Wörter: eine Erfahrung umschreibend 3. Zeile = 3 Wörter: wo und wie findet frau Blut? 4. Zeile = 4 Wörter: ein Satz, der mit „ich“ anfängt 5. Zeile = 1 Wort: Schlusswort

Der Apfel

Der Apfel

Es rauscht, pulst und schwallt durch unsere Adern, rötet Backen, tropft oder quillt aus Öffnungen, versiegt, klumpt oder krustet - Blut, der Träger des Lebens schlechthin. Besonders bewusst wird uns dies meist in (Grenz-) Erfahrungen wie Unfall, Geburt oder Tod. Es beschäftigt weiters in vielfältiger Weise: Als einzelner Tropfen kann es schon die entscheidende Wende in einem Märchen einleiten. Rhythmisches Bluten kann Frauen mit Scham oder Stolz erfüllen oder auch für eben dieses einen Kultausschluss begründen. Dieser Lebenssaft nimmt eine zentrale Funktion in der Medizin, in Religionen, in Krimis und Thrillern,

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Thema

Thema

Das ist mein Blut Theologisch-spirituelle Assoziationen

Veronika Prüller-Jagenteufel eröffnet und beschließt ihren Beitrag mit einem liturgiegeschichtlich brisanten Zitat - in Marias Mund. Dazwischen wandert sie mit der Leserin gemeinsam christlich geprägte Themen und ihre Bedeutungsfelder ab und eröffnet damit Räume, zu diesen Themen in ein weiteres, eigenes Assoziieren zu kommen.

Als ich im Jahr 1993 die schöne Gelegenheit hatte, an einer Sommertagung der British and Irish School of Feminist Theology teilzunehmen, brachte ich unter anderem folgendes Gedicht mit:

Did the Woman Say? Von Frances Croake Frank Did the woman say, When she held him for the first time in the dark of a stable, After the pain and the bleeding and the crying, ‘This is my body, this is my blood’? Did the woman say, When she held him for the last time in the dark rain on a hilltop, After the pain and the bleeding and the dying, ‘This is my body, this is my blood’? Well that she said it to him then, For dry old men, brocaded robes belying barrenness, Ordain that she not say it for him now.

Sagte die Frau als sie ihn hielt zum ersten Mal in der Dunkelheit im Stall nach all dem Schmerz, dem Bluten und dem Schrei’n, „Das ist mein Fleisch, das ist mein Blut“? Sagte die Frau als sie ihn hielt zum letzten Mal im dunklen Regen auf dem Hügel nach all dem Schmerz, dem Bluten und dem Tod „Das ist mein Fleisch, das ist mein Blut“? Sie sagt’ es für ihn - damals, denn: trock’ne alte Männer, unfruchtbar trotz ihrer Roben aus Brokat, lassen nicht zu, dass sie es sage für ihn - heute (Übersetzung vpj)

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Ich weiß noch, wie aufhorchte, als dieses Gedicht von einer Referentin vorgetragen wurde. So konkret, so leiblich, so blutig wie das Geborenwerden und der Tod. Auch heute noch beeindruckt mich nicht nur die Wende in der letzten Strophe hin zum Ärgernis der Nicht-Zulassung von Frauen zum Priesteramt (das die anglikanische Kirche damals gerade ausgeräumt hatte), sondern mich berührt auch die Unmittelbarkeit, der fleischlich-blutige Realismus. Gott wurde Mensch, ein Mensch mit Fleisch und Blut. Diese Radikalität der Zuwendung Gottes zu uns Menschen ist nicht so leicht anzunehmen. In allen Jahrhunderten christlicher Frömmigkeits- und Theologiegeschichte gab es Versuche, das abzuschwächen, umzudeuten, der Schärfe auszuweichen. Jesus entschwindet dann ins rein Geistlich-Geistige und die Konkretheit von Leben und Leiden wird zum vordergründigen Schauspiel. Der blutige Ernst hält sich im Hintergrund. Scheu vor dem Blut An mir selber und an anderen beobachte ich, dass die Rede von Leib und Leiblichkeit, gerade auch in der Christologie, eher selbstverständlich ist das Blut kommt dabei allerdings kaum vor. Ob das auch etwas damit zu tun haben kann, dass Frauen jahrhundertelang und meistens auch heute in der Kommunion nur der Leib Christi gereicht wird, bleibt Spekulation. Erfahrbar ist die Scheu vor dem Blut bei sehr vielen Frauen, vor dem fremden Blut, auch immer noch oft vor dem eigenen, monatlichen, vor dem Der Apfel

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Thema

Thema

Blut Christi und christliches Blut: Über die Verfestigung einer Kategorie der Theologie- und Frömmigkeitsgeschichte Das Christentum ist eine blutige Religion. Hier ist - imaginiert und real - Blut über Blut vergossen worden. Das religiöse Denken, Leben, Erinnern, Fühlen und Verstehen ist um ein zumindest in der

Gennaro ist der Schutzheilige der Stadt. Er wurde unter Diokletian, wohl im Jahr 305, geköpft; sein Leben scheint vergessen, wichtig ist heute noch sein der Legende nach damals aufgefangenes Blut: sein Blut in einer Phiole, das sich unter Gebeten, Ge-

Regina Ammicht-Quinn unternimmt in Sachen Blut einen breit angelegten Streifzug durch die christliche Kultur- und Frömmigkeitsgeschichte. Dabei sind Legenden, Heiligenbiograpien, Dogmengeschichte und ikonographische Darstellungen nicht nur schmückende Details.

ersten Hälfte blutiges Geschehen Kreuzigung und Auferstehung - und dessen Vergegenwärtigung in der Eucharistie zentriert. Und in seiner Intensität ist dieses christliche Blut in einer verknoteten Säkularisierungsanstrengung noch gut für Werbezwecke, sei es für Benetton oder das Rote Kreuz. Blut ist eines der Grundsymbole des Christlichen. Mit seiner Hilfe könnte man die gesamte Geschichte und Glaubensstruktur aufblättern. Im vorliegenden Text kann nur Weniges nur angerissen werden. Zugleich ist das Christentum, wie jede Religion, jede Tradition, jede Kultur, in sich vielschichtig. Die reflektierten Ausschnitte verweisen damit nicht auf die eine einheitliche große (und wahre) Erzählung, sondern auf ein kompliziertes Gewebe von unterschiedlichen Handlungen und Diskursen. Einer der Orte, an dem das Blut abstrakt und volkstümlich geworden ist, schon seit Jahrhunderten getrennt von dessen Träger, ist Neapel. San 10

sängen und Weihrauch zweimal im Jahr verflüssigt - oder verflüssigen sollte. Ein Laien-Zeuge, der neben dem Bischof stehen darf, schwenkt dann sein weißes Taschentuch und gibt das Zeichen für allgemeinen Jubel. Verflüssigt sich das Blut nicht, steht die Möglichkeit einer Katastrophe im Raum. Ungeachtet der Tatsache, dass Wissenschaftler Erklärungen für die Verflüssigung vorgelegt haben (Reibung bzw. Erschütterung) und dass die Frage des Märtyrerbluts als Orakel einen ganz eigenen kulturhistorischen Komplex eröffnet, ist dieses Glaubensphänomen so zentral wie lehrreich: Christliches Blut ist Blut der Verwandlung. Es verwandelt sich in einen anderen Aggregatzustand, ist selbst aus Wein verwandeltes Blut und verwandelt die Menschen, die damit in Verbindung kommen oder es sich einverleiben. Im konkreten neapolitanischen Fall verwandelt sich Festes in Flüssiges, und das fromme Spektakulum ist damit Teil eines kultursymbolischen Rasters des Wirklichkeitsverstehens,

das durch die Kategorien ‚flüssig’ und ‚fest’ gebildet wird.1 Die kulturellen Symbole des Festen und des Flüssigen sind geschlechtlich markiert. Das Flüssige ist häufig über das Feste repräsentiert wie Wasser durch Dämme, Deiche, Kanäle. Es besteht immer die Gefahr, dass das Flüssige außerhalb dieser Deiche, Dämme, Kanäle kulturauflösend wirkt. Für die Individualentwicklung um nur einen Aspekt des Fest-flüssigKomplexes zu nennen - beschreibt Freud den Prozess der Entwicklung vom Es zum Ich als „Kulturarbeit etwa wie die Trockenlegung der Zuydersee.“2 Eine gefestigte Persönlichkeit ist dann nicht mehr nah am Wasser gebaut und an unterschiedlichen Orten, nicht nur hinter den Ohren, trocken. Zugleich ist der symbolische Weltzugang über ‚flüssig’ und ‚fest’ kein binärer Code, sondern komplex und ambivalent. Das Überflüssige ist zum einen das Reiche, zum anderen der Abfall. Man kann liquide sein, flüssig mit Hilfe etwas Festem - des Geldes -, man kann sich so eben über dem Wasser halten oder man kann liquidiert werden, aufgelöst oder ausgelöscht.3 Was also hat es mit dem sich verwandelnden und sich manchmal verflüssigenden christlichen Blut auf sich? 1. Herzblut Christliches Blut ist Herzblut: Blut und Herz stehen in unmittelbarer Verbindung, das blutende Herz Jesu wird zum Vorbild der blutenden Herzen der Gläubigen. Das katholische Sondergut der Herz-Jesu-Frömmigkeit und der daraus erwachsene Kult ist der Ort, an dem das Herz unübersehbar Der Apfel

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Thema

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„Siehe, mein Blut …“ Überlegungen zur Wahrnehmung der Menstruation im öffentlichen Raum 1. Teil In der HLW gibt es immer noch reine Mädchenklassen. Im Zusammenhang mit dem Lehrplanthema des ersten Jahrgangs „miteinander leben“ arbeite ich mit den Schülerinnen gerne zu der Fragestellung, welche Nachteile und Vorteile sie aufgrund ihres Frauseins kennen. Mit auffallender Häufigkeit wird die Menstruation als ein gravierender Nachteil genannt. In einem weiteren Schritt versuchen wir dann zu präzisieren, worin der Nachteil genau besteht und ob es Möglichkeiten gibt, die Nachteile in Vorteile zu wandeln oder zumindest einen positiven Umgang damit zu finden. Und dann staune ich jedes Mal aufs Neue - nicht die Menstruation selbst mit all ihren individuell unterschiedlich erlebten Begleiterscheinungen macht diese so unangenehm. Es ist die Angst, als Blutende entdeckt zu werden. Die Hälfte der Menschheit verbringt ungefähr ein halbes Leben mit dem Menstruationszyklus. Und dennoch vollzieht sich dieses Geschehen im Verborgenen. Und wir leben mit der Angst, entdeckt zu werden. Absurd? Nachdenklich suche ich die Toilette

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auf. Ich öffne die Tür nach innen, zwänge mich am Waschbecken vorbei zur nächsten nach innen zu öffnenden Tür. Mit einer geschickten Drehung, die ich bei zahlreichen Toilettengängen in den letzten zehn Jahren umfassend trainieren konnte, gelingt es mir, auch diese Tür hinter mir zu schließen, ohne mich am Toilettensitz zu stoßen. Ich setze mich. Die Enge des Raumes lädt nicht zum längeren Verweilen ein. Und mein Blick fällt auf das Schild an der Innenseite der Tür. Mittels einer simplen Zeichnung wird darauf hingewiesen, Tampons nicht in der Toilette zu entsorgen. Und da steht auch noch der Satz: „Melden, wenn die Hygienebeu-tel nachgefüllt werden müssen.“ Bloß warum um alles in der Welt liegt da ein Hund, der mit seinen Vorderpfoten Ohren und Augen bedeckt? Und langsam beginnt es mir zu dämmern… Unzählige Klos habe ich in meinem Leben schon aufgesucht. Sitzend, stehend hockend, begleitet von unterschiedlichen Düften und Geräuschkulissen konnte ich meine Stoffwechselendprodukte in flüssiger oder eher fester Form von mir geben. Aus-

gestattet mit raffinierten Möglichkeiten zur Desinfektion der Klobrille, mit unterschiedlicher Organisationsform des Toilettenpapiers und der Qualität desselben, mit Bürste, Müllkübel und gelegentlich sogar mit Aschenbecher waren diese Räume stets groß genug, um das Nötige verrichten zu können. Jedoch nicht unbedingt in aller Bequemlichkeit. Das Waschbecken befindet sich fast immer im Vorraum! Ladycare, Hygienebeutel, einzeln verpackte Feuchttücher, die mit manchen Binden mitverkauft werden, sind durchaus tolle Erfindungen, die bestimmt etliche Arbeitsplätze sichern. Ein Waschbecken, bei dem ich mir noch bequem sitzend die blutige Hand waschen kann, nachdem ich Tampons gewechselt habe, wäre der absolute Luxus. Über diesen verfüge ich nicht einmal in meiner eigenen Wohnung. Also habe ich gelernt, zu improvisieren. Ein eigenes Taschen- oder ein Papierhandtuch - wenn solches überhaupt vorhanden ist - wird rasch vor dem Toilettengang angefeuchtet, oder das Klopapier muss dafür herhalten bzw. die einzeln verpackten, schon zitierten Feuchttücher. Sinnvoll

Der Apfel

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Kolumne Kolumne

Mail aus der Fremde

Im Krankenstand „Da bleiben’s erstmal diese Woche zu Hause, vermeidens jegliche Kälte und am Freitag kommen’s noch einmal“. Soweit der praktische Arzt, der mir noch ein Rezept in die Hand drückt, welches ich dann in der Apotheke in Antibiotikum, Schmerztabletten und Hustentropfen umsetze. Zudem bietet mir die freundliche Apothekerin einen Vitamincocktail an und empfiehlt noch einige andere heilsame Produkte. Für meine Gesundheit wird mir wohl nichts zu teuer sein und ich will ja schnellstens wieder fit sein! Nach diesem kostspieligen Einkauf versorge ich mich noch mit Gemüse und einem Suppenhuhn, denn nun ist es Zeit für gesunde und reichhaltige Nahrung.

möglichen Szenen aus meinen Tätigkeitsfeldern wollen durchgespielt werden, drängen sich auf, bevorzugt in der Nacht. Es dauert zwei Tage bis ich im Krankenstand angekommen bin. Zwei Tage bis ich akzeptieren kann, dass in mir etwas Ruhe braucht. Zwei Tage bis sich auch etwas von Genuss einstellt, der Genuss zu Hause zu sein, das Tagesprogramm selber bestimmen zu können, schlafen und lesen abzuwechseln, vom Telefonieren, vom Mailen, vom Kommunizie-

ren und vom Agieren eine Pause machen zu können. Die Tage zu Hause unterbrechen meinen vorherrschenden Tagesrythmus, ich kann mich innerlich wieder sammeln, ordnen, Fremde und Heimat wieder neu ausloten und ausrichten. Anita Schwantner, Linz PS: Den Sanddornsaft gemischt mit Banane, Apfelsaft und heißem Wasser, kann ich wärmstens empfehlen!

Wieder zu Hause, bin ich eigentlich viel zu müde zum Kochen, Tee machen und Inhalieren. Ich muss vielmehr einige Mails verschicken, meine Dienstgeberinnen und Kolleginnen informieren, dass ich wieder einmal krank bin. Nein, das „ wieder einmal“ sollte ich wohl besser weg lasssen. Von heute auf morgen ist alles anders: Von viel Arbeit umschalten auf das Sorgen für meinen Körper, meine Stimme, mich. Mein Körper verlangt nach einer Ruhezeit und ich muss loslassen von den Verpflichtungen, die die vergangenen Wochen gestaltet haben. Ich bin unruhig, absolviere mein Programm mit Inhalieren, Tabletten einnehmen, schlafen, lesen und immer wieder Mails checken. Denn ich will ja nichts versäumen, will zeigen, dass ich trotz allem mit dabei bin. Alle 30

Der Apfel

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