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Stuttgart


Impressum Alle Fotos und Grafiken von Felix Vetter, außer das Facebook Like Logo. Alle Texte von Felix Vetter, außer „Wahnsinn in der Telefonzelle“ (Martin Elbert) und der Beginn von „Ein neuer Tisch auf der Theo“ (Katharina Sorg). Fliesstext: New Gothic MT


Editorial Nachtausgabe Interview mit Pavlo Felachidis

Ein neuer Tisch auf der Theo

Wahnsinn in der Telefonzelle

S. 1-2

S. 3-12

S. 13-18

S. 19-28


Stuttgart. Bei Tag. Bei Nacht. Tagmenschen. Nachtmenschen. Tagsevents. Nachtevents. Von hier an lesen sie die Nachtsausgabe. In diesem Doppelmagazin geht es nicht darum, einen Reiseführer oder ein neues Stadtmagazin zu erschaffen.

Das Transit/Bergamo ist einfach der coolste Club. Pavlo und ich halten überhaupt nichts von Doppelkennzeichen in unserem schönen Stuttgart. Überhaupt sind die Türen heutzutage zu lässig geworden. Wir wollen auch, dass der Udo Snack 24 Stunden am Tag offen hat. Dieser neue Club auf der Theo, soll da auch bleiben. Denn er passt da hin, wie der Arsch auf‘n Topf.

Nein.

Neutralität gibt es woanders.

Dieses Mag hat eine Meinung. Die Menschen die zu Wort kommen haben eine Meinung. Der Autor hat eine Meinung. Eine Meinung über Dinge im Nachtleben und was sie ausmacht.

Felix Vetter

Nachtausgabe

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Nightlife aus 1. Hand – ein Interview mit Pavlo Felachidis Tßrsteher & Nightlife Connaiseur


Stuttgart Tag/Nacht: Pavlo, sag doch bitte kurz etwas in 2-3 Sätzen über dich.

Stuttgart Tag/Nacht: Glaubst du, dass die Stuttgarter sich verändern wenn es Nacht wird? Mittags der brave Enkel mit Oma unterwegs und Abends die Party Sau auf am Schlossplatz mit Vodka Flasche?

Pavlo: Hallo mein Name ist ja bekannt, Ich bin durch Gottes Gnaden geborener Stuttgater, vor 28 Jahren in S-West, dass diese Stadt so sehr mein Leben prägen würde, ist mir jedoch erst recht spät bewusst geworden. Ich wollte vor knapp 10 Jahren, im Juli 2002, während meinem Abitur nebenher etwas Geld im Nachtleben als Promoter verdienen! Aus einer geplanten temporären Zeit, ist eine Lebensaufgabe geworden, welche das komplette Nachtleben beinhaltet und durch laufen hat und zu einer Passion geworden ist.

Pavlo: Das glaube Ich nicht...., sondern Ich weis und erlebe es Wochenende für Wochen ende in Repeat. Im Gegensatz zum Tag, den man plant und durchläuft á la „Täglich grüsst das Murmeltier“ versuchen die Menschen und Clubgänger Nachts sich in einer anderen Art von ihrer Besten Seite zu zeigen und wenn es Dunkel wird und die Lichter angehen, möchte der Feiernde polarisieren und das mit allem drum und dran. Egal ob es Style , Ausstrahlung oder Standing ist. Es ist zwar oft Schein und dieser mehr gewollt als gekonnt , aber es sind ein paar Stunden in denen mit aller Macht versucht wird Spass zu haben das gelingt nicht jedem. Jedoch ist es immer sehr amüsant und lehrreich, mitzuerleben wenn die aufgehübschte Fassade aufgrund zu viel Alkohols und Drogenkonsums fällt, Freunde feiernd in den Club kommen und als Feinde gehen, weil sie sich selbst die Probleme gemacht haben.

Stuttgart Tag/Nacht: Was ist für dich das Beste am nächtlichen Stuttgart? Pavlo: Mein Netzwerk. Ich habe in meiner Laufbahn für den ein oder anderen gearbeitet und ich kenne so gut wie in jedem Club, Bar oder Restaurant, Freunde und Bekannte. Plus: man kann nahezu überall zu Fuss hinlaufen also alle Locations mit minimalem Zeitaufwand erreichen.

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„Man kann nahezu überall zu Fuss hinlaufen“ Pavlo über die Vorzüge des Stuttgarter Nachtlebens Stuttgart Tag/Nacht: Was hat sich aus deiner Sicht im letzten Jahr in Stuttgart feiertechnisch verändert? Sowohl vom Publikum als auch von den Locations her?

In dieser Zeitspanne hat Stuttgart und viele Clubs ebenfalls einen Relaunch mitgemacht, man muss sich eben irgendwie seinem Publikum entsprechend anpassen. Nach dem Motto „Der Kunde ist eben König“ und „das Angebot bestimmt die Nachfrage“ ist es in den letzen Jahren zu „die Nachfrage gestaltet das Angebot“ geworden. Sehr zum Nachteil vieler Einrichtungen wie Bars und Clubs . Stil, Originalität oder Besonderheit sind dem Geld und Profit zum Opfer gefallen! Jedoch hat Stil nichts mit Geld zu tun, aber das ist vielen Clubbetreibern gerade mal egal! Abfertigung Woche für Woche! Ich empfinde mässiges Verständnis jedoch müssen Rechnungen, Pachten, Strom und Gehälter irgendwie bezahlt werden aber ich finde, es geht auch anders! Meine und weis ich!

Pavlo: Stuttgart war noch nie so facettenreich wie Heute was die verschiedenen Musikrichtungen betrifft; und auch die Jugend ist sehr involviert und das ist etwas sehr Neues. früher waren die Feiernden älter, heutzutage ist durch den Einfluss diverser Medien u.Ä., das Interesse der Jugendlichen gestiegen und zwar rasant in den letzten 3 Jahren.

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Wahrheit bzw. Tatsache ist, dass eben dieser WochenendTourismus aus dem weiten Umland, wo die Autokennzeichen auch mal drei Buchstaben vor dem Doppelpunkt besitzen, die Stadt fest in Beschlag nehmen. Freitags und am extremsten Samstags.

Stuttgart Tag/Nacht: Sehr viele eingefleischte 0711er ärgern sich über den Bauernzustrom Nachts. Ist das nur so eine subjektive Städter Empfindung oder haben wir wirklich nächtliche Dorfwanderungen rein in die City? Du als Türsteher und Connaisseur müsstest das doch am besten merken. Pavlo: Ich sehe das folgendermaßen: jeder hat irgendwie irgendwo seine Daseinsberechtigung, möchte ich mal ganz diplomatisch und political correct anmerken. Aber die Medaille hat zwei Seiten, wie auch die tatsächliche Realität.

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Diese Leute sind einerseits harmlos andererseits eben fehlt ihnen Stil, Höflichkeit mit Umgangsformen und Selbstkontrolle und da unterscheiden sie sich zumindest von der Mehrheit der „Stadtmeschen“. Es gibt auf der Theodor–Heuss Strasse, welche ich ironischerweise als Schinkenstrasse bezeichne (angelehnt an Mallorca), nur noch 2 Locations die man besuchen kann am Wochenende. Der Rest gehört den Jungen (oft erschreckend jungen) Sauftouris. Zumindest bis Sonntag 6 :00 Uhr morgens... danach der Stadtreinigung und wiederum danach mir [grinst]..


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Stuttgart Tag/Nacht: Gibt es etwas, dass dich an Stuttgart bei Nacht stört? Pavlo: Das Überangebot an schlechten Veranstaltern, DJs und das dazugehörige Publikum, die diese unterstützt . Ein sich leider selbst erfolgsverschaffendem Kreislauf, bestehend aus: Ideenlosigkeit, Talentfreiheit, Anspruchslosigkeit... gleich und gleich gesellt sich bekanntlich gern leider… Stuttgart Tag/Nacht: Derzeit wird ja überall gebaut: Das DaVinci Projekt beim Breuninger, das Bülow Carree beim Palast und mehr. Glaubst du, dass jetzt demnächst mehr Clubs und Bars in der Stadt auftauchen werden? Oder sind wir gerade an einem Punkt angekommen, an dem jetzt erstmal alles Etablierte bleibt?

Pavlo: Da kommt noch einiges, obwohl wir jetzt schon in einer sehr gutes und breit gefächertes Angebot haben, ich bin der Meinung: Zukunft bzw. Fortschritt beginnt immer mit einem Schritt nach vorne deshalb bin ich immer offen für Neues und es kommen alleine im zweiten Halbjahr 2012 mindestens 3 interessante Projekte. Ich persönlich bin der Meinung, dass es einige Clubs und Bars gibt, welche keine wirkliche Zugehörigkeit mehr zu unserem aktuellen Nachtleben haben und ich denke die kommende Rezession wird ihnen den Gnadenstoss geben und durch diese natürliche Auslese wird wieder frischer Wind kommen.

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Stuttgart Tag/Nacht: Gib uns doch einen Blick hinter die Kulissen? Wer ist so der größte Macher derzeit im Stuttgarter Nachtleben?

Pavlo: Der Club in dem Ich arbeite, der People Club Stuttgart und meine Freunde und Chefs Fabrizio Zullo und Daniele Linciano, die in einem toten Eck in Stuttagart ein Club ins leben gerufen haben, der in dieser kurzen Zeit seines Bestehens bereits ein fester Bestandteil der Szene geworden ist und zu einem VorzeigeProjekt avanciert ist. Klingt sehr parteiisch, ist aber wirklich ehrlich gemeint. Und ganz klar Mr.Weekend, das Rocker 33 und die OHHI! Crew.

Stuttgart Tag/Nacht: Beste 5 Uhr Morgens Döner Location? Pavlo: World Of Kepab! Höfliche, persönliche Bedienung und ein sauberer Familienbetrieb. Obwohl ich persönlich nicht zu den Döner Essern nach dem Club gehöre. Ich wäre über einen 24 Stunden Udo Snack glücklich !! (Anmerkung der Redaktion: oh Gott ich auch!!)

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Ein neuer Tisch auf der Theo

Ăœber den kommenden One Table Club


Wenn das mit den spärlich bekleideten Damen erstmal vom Tisch ist, kann man sich dem eigentlichen Tisch direkt widmen. Der ist Teil des Clubkonzepts von Andreas Knoblauch. Einen einzigen riesigen Tisch wird es in dem Club geben und dieser wird auf einem Podest am Rande der Tanzfläche stehen. Von dort hat man den besten Blick, die meiste Aufmerksamkeit und auf dem Tisch tanzen ist offiziell erlaubt. Und diesen Tisch kann man dann beispielsweise für seinen Geburtstag mieten. (Oder Junggesellenabschiede. Und wieder Gänsehaut bei diesem Wort. Aber sicherlich auch die sind eingeplant.) Und dann richtig abfeiern und alle schauen zu.

Nein, es ist kein Stripclub. Und nein, es geht auch nicht ums Glücksspiel in dem Laden. Trügerisch mit dieser Namensgebung. „One Table Club“, da kann man sich halt sowas schon mal vorstellen. Deshalb direkt mal nachgefragt. Schließlich wird derzeit auf dem oberen Teil der TheoHeuss, genauer der Nummer 34, auf großen Plakaten für den neuen Club geworben. Also zwischen 7 Grad und der ehemaligen CDU-Zentrale.

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Den hat der 26-jährige Knoblauch während seines Marketing-Studiums ausgearbeitet und so gleich einen Businessplan als Abschlussarbeit vorgelegt. Seit neun Jahren ist er bei One Taste am Start, dem so genannten NightlifeGuide. Jetzt macht er sich mit seinem eigenen Club selbstständig. Und weil der auch tagsüber offen haben soll, wird man dort auch Fußball schauen können. Die Europameisterschaft sowieso, ChampionsLeague auch und am Wochenende gibt es dann Bundesliga zu sehen. Da sitzen dann alle am Tisch. Eröffnet wird im Juni.

Der Rest des Clubs besteht aus einer großen Bar und einer Tanzfläche. Getanzt werden soll da freitags und samstags zu Mixed Music und jeden Donnerstag gibts elektronische Sounds auf die Beine. Der Trend zum Eintritt setzt sich fort, auch hier geht es nicht umsonst rein, sondern man wird wohl drei Euro zahlen müssen. Für den Club wird es dann auch eine „Member Card“ geben, für 49 Euro im Jahr gibt es freien Eintritt und Rabatt auf die Getränke. Bier kostet dann beispielsweise statt 3 Euro noch 2,50 Euro. So der Plan.

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Das Publikum eines solchen Ladens ist dort und wenn ein weiterer Mainstream Club hinzukommt, bleibt das Publikum auch dort. Denn auf eine Vokuhila Wanderung Richtung Hans-Im-Glück kann Stuttgarts Feierszenerie gut verzichten. Wenn man also nach Feier-Publikum-Einzugsgebieten geht, verschiebt diese Eröffnung nichts, sondern festigt die bestehenden Strukturen eher. Allerdings heisst das auch im Schluss, dass sich die Theo wieder stabilisiert.

Alles an diesem Club und seinem Konzept schreit Theo und Mainstream: Mixed Music, billiger Eintritt, ein PräsentierTeller für balzende Jugendliche um sich zu pushen und dahinter ein 26 jähriger, der das alles als Projektarbeit erstellt hatte und nun realisiert. Der Laden passt wie die Faust aufs Auge auf die Theo. Die ersten Abi Partys sind vermutlich auch schon gebucht. Klingt jetzt wie der Anfang von dem üblichen Szene-Hate aber ich finde diese Neueröffnung auf eine unübliche Weise in der Tat gut. So ein Laden passt auf die Theo und MUSS auch auf die Theo.

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„Ein präsentier Teller für balzende Jugendliche“

Einige eingefleischte Weggeher freuten sich ja schon über das Ende der Bauern-Magnet Straße. Mit dem Wegfall der meisten Clubs bliebe nur noch der Park und das Penthouse, die aber wieder soweit weg von der Innenstadt sind, dass sie irgendwie so ihre Existenzberechtigung haben. Lichtblicke wie die Suite auf der Theo, die in all der Zeit real geblieben sind, werden nun wieder weiter in die Zange genommen. Die Krise des Mainstreams scheint überwunden und die Eröffnung des „One Table“ ist ein Symbol. Die Theo bleibt so doch erstmal beim alten.

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Stuttgarts bestes Spass/m2 Verh채ltniss


0 0 0 4 Punkt ist Schluss

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Freitag- und Samstagnacht. Musik aus.

Keine Diskussion. Meist ist der kleine Laden noch voll, und die Gäste fallen jäh in ein Loch der Stille.

Die DJs werden von der Meute angepeitscht - „komm, nur noch eine!“ - aber es gibt kein Erbarmen. Da kommt heute kein Ton mehr aus der Box. Die Leute begreifen langsam und ziehen davon. Für die harten Steher beginnt Barmann Heiko seine längst berühmte Prozedur. Er steigt auf die Bank, wedelt mit den Armen und ruft voller Inbrunst:

„Meine Damen und Herren, wir haben zwei Ausgänge,

einen zur Linken und einen zur Rechten!“

EXIT > > EXIT 21


Ein paar Minuten sp채ter i s t d a s Tr a n s i t e n d g 체 l t i g l e e r, kurz durchschnaufen und dann beginnen die Aufr채umarbeiten.

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„wie ein Schlund, der alle verspeist“ 23


Grob geschätzt passen 80 Leute auf einen Schlag rein. Wenn zehn gehen, kommen zehn neue Gäste nach, darunter die üblichen Nachteulen, junge Menschen, „alte“ Menschen, verschiedene Nationen, oftmals hört man englische Gespräche, Hipster wie aus einem Modeblog entsprungen, Kerle mit Streifenhemd sowie schicke Mädels, wie man sie sonst vielleicht eher im Aer Club vermutet. Die zwei Eingänge wirken wie ein Schlund, der alle verspeist. In der Theorie heißt der Laden auf der einen Seite Bergamo, auf der anderen Transit. Die einen sagen so, die anderen so. Auf einer Raststätte in den Alpen kamen die Macher im Sommer 2007 auf den Name. Transit nach Bergamo. Im Oktober 2007 hat man eröffnet. Das Interieur hat man überwiegend selbst zusammengezimmert. Der DJ steht quasi mitten im Publikum, so dicht an den Gästen wie in vielleicht keinem anderen Laden der Stadt. Manchmal kratzt die Nadel quer über die Platte, weil jemand mit dem Ellbogen aus Versehen an den Tonarm gekommen ist. Kein Problem, das kalkuliert man hier ein. Ein Stuttgarter DJ schreibt bei der Ankündigung seiner Gigs nur noch: „Transit Madness“. Damit ist alles gesagt.

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Die Hans-im-Glück-Arena Das Geißviertel oder die Hansim-Glück-Arena boomt. Das weiß jeder. Neben dem Mata Hari und der Corso Bar ist das Transit/Bergamo der Auslöser jenes Booms. Genauer gesagt, mit dem Transit kam vor über vier Jahren endgültig so richtig Leben rein auf den paar Quadratmetern zwischen Cafe Weiss und Gül Kebab. Noch vor fünf Jahren hätte keiner gedacht, dass es da unten derartig brummen würde. Es gibt Menschen, die lungern Sommers einfach die ganze Nacht am Brunnen herum und nuckeln an ihrem Supermarkt-Bier. Jeder Laden in diesem kleinen Kosmos hat freilich seinen Charme, von Kottan über Rubens bis zum Miss Jones, jeder auf seine Art ist etwas Besonderes. Für einige hat das Transit in diesem Geiß-Puzzle aber eine besondere Magie.

Der Laden ist gefühlt so groß wie eine Schuhschachtel. Okay, sagen wir wie eine Telefonzelle. Trotz dieser „Madness“ schätzt Janusch Munkwitz, einer der Betreiber, die „Unaufgeregtheit“ im Bergamo. Trotz des Gedränges, trotz der gelegentlichen Auswüchse einer Nacht, bringt er das Gefühl des Ladens folgendermaßen auf den Punkt: „Wir wollen einfach eine nette Bar sein. Ausserdem entdeckt man das Transit oder Bergamo immer neu jeden Abend und erwartet nichts, wie in anderen Läden. Man geht einfach vorbei schaut wer da ist, wer arbeitet, was für Musik läuft. Mal bleibt man länger, mal kürzer, generell oft bis das Licht angeht.“

Mrs. Jones h

sc r i h z t Pla

Kottan

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Mata Transit Corso Hari Bar

BERGAMO Deli Hans im Glueck Brunnen

Ruben‘s


Stammgäste unterschreiben diese Aussage sicherlich sofort. Es gibt kein starres Musikkonzept. Mal läuft Hip-Hop, mal Electro, mal ein Best Of an Clubmusik mehrerer Jahrzehnte. Jeder Abend ist anders, jeder Abend entwickelt sich anders, vielleicht auch, weil dank des kleinen Raumes sich das Publikum schnell mal austauscht. Ein Anker in dieser wöchentliche Metamorphose ist die Mannschaft. Ein Großteil arbeitet zwischenzeitlich seit vielen Jahren hinter oder vor dem Tresen, mitunter sind Freundschaften zwischen Barleuten und Gästen entstanden. Und so kommen mitunter seit vielen Jahren auch dieselben Leute, was nicht viele Läden in Stuttgart hinbekommen. Meist kommt es nach zwei, drei Jahren zu einem Umbruch.

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Nicht im Transit. Man schaut eben gerne vorbei. „Das Team ist das eigentliche Gesicht des Ladens und ich bin sehr stolz auf mein Team“, sagt Janusch, der ein wenig die Rolle im Hintergrund eingenommen hat.Er ist nicht immer da. Aber kann sich fast sich sicher sein: Irgendwann in der Nacht sind die Scheiben wieder angeschlagen, irgendwann reihen sich die Gäste auf den Bänken wie in einem kleinen Stadion auf und jubeln bei jedem neuen Song wie bei einem Tor. Nicht umsonst fiel irgendwann der markante Satz: der kleinste A-Block der Welt.

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Stuttgart


Impressum Alle Fotos und Grafiken von Felix Vetter, außer das Facebook Like Logo. Alle Texte von Felix Vetter, außer der Beginn von „Ein künstlerischer Brückenschlag“ (Michael Schoberth). Fliesstext: New Gothic MT


Editorial Tag Interview mit Anja Kebbedies

Ein k端nstlerischer Br端ckenschlag

Vor die T端r mit den Parties

S. 1-2

S. 3-12

S. 13-20

S. 21-34


Stuttgart. Bei Nacht. Bei Tag. Nachtmenschen. Tagmenschen. Nachtevents. Tagevents. Von hier an lesen sie die Tagausgabe. In diesem Doppelmagazin geht es nicht darum, einen Reiseführer oder ein neues Stadtmagazin zu erschaffen.

Die Leute sind tagsüber anders, trinken aber auch wie Nachts. Die Stadtverwaltung steht immer im Weg, wenn man mal etwas tolles draussen machen möchte. Doch Majerus Arbeit setzte sich durch. Schaffte etwas wunderbares in Stuttgart, wovon alle etwas hatten. Und der Knaller des Sommers sind die Outdoor Parties, die gerade zu einer Bewegung werden.

Nein.

Neutralität gibt es woanders.

Dieses Mag hat eine Meinung. Die Menschen die zu Wort kommen haben eine Meinung. Der Autor hat eine Meinung. Eine Meinung über Dinge im Tagesleben und was sie ausmacht.

Felix Vetter

Tagausgaube

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Direkt am Alltag – Interview mit Anja Kebbedies Betriebsleiterin Tag im Waranga


Stuttgart Tag/Nacht: Der alte Kleine Schlossplatz war ja früher sehr belebt, grade mit Bars. Seht ihr euch da in einer gewissen Tradition das jetzt fortzuführen? Sozusagen der „neue Kleine Schlossplatz 2.0“ Anja: Klar wir haben uns immer gefreut mit Paul‘s Boutique verglichen zu werden aber trotzdem sind wir bemüht etwas eigenes, eigenständiges und neues entstehen zu lassen. Nach 7 Jahren haben wir jetzt auch schon eine eigene History.

Stuttgart Tag/Nacht: Du arbeitest vor allem tagsüber im Waranga. Das ist viel zu tun oder?

Stuttgart Tag/Nacht: Siehst du auch Leute die man so sonst aus dem Nachtleben kennt, hier dann tagsüber wieder bei euch?

Anja: Auf jeden fall, bei schönem Wetter ist einfach mehr los. Wir können die Fenster hier komplett aufmachen, hier den ganzen Platz nutzen. Im Winter ist es entspannter, wenn die Türen zu sind, haben wir hier nur eine begrenzte Platzzahl und auch weniger zutun. Aber wir sind ein tolles eingespieltes Team.

Anja: So die Nachtleben Korifän würde ich jetzt nicht sagen, aber man erkennt sich irgendwo und zwinkert sich dann eben zu.

Stuttgart Tag/Nacht: Viele sagen, dass das Waranga ja so der Dreh und Angelpunkt ist im Stuttgarter Tagesleben. Wie siehst du das? Anja: Klar auf jeden Fall. Das Waranga ist einfach so der Treffpunkt an der Palme. Der Ausgangspunkt um in den Tag zu starten oder ihn zu beenden und wir versuchen regelmäßig unsere Standards zu verbessern, z.B. wenn es um Getränke geht, DJ Bookings, Interieur und wir haben jetzt auch vor zwei Jahren den Club oben eingerichtet. Der läuft jetzt im 2. Jahr. Wir haben eine super Lage. Theodor-Heuss Straße, Königsstraße sind so mittendrin. Wir sehen uns ja da so wirklich als Insel und auch mit dem Abseits oder dem San‘s zusammen entwickelt sich durch den Austausch und die Gäste so eine Art Synergie

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Stuttgart Tag/Nacht: Um wie viel Uhr wird im braven Stuttgart das erste Bier bestellt? Erst wie man so sagt um Vier oder gibt es bei euch auch das Wulle zum M端sli? Anja: Es kommt drauf an, aber eigentlich ist es hier so, dass man Morgens mit einem frischen O-Saft startet und unserem Fr端hst端ck. Am Wochenende dann die Waranga Schorle, Cremant oder Holunder-Bl端ten Schorle. Aber hey, das ist hier eine Bar bei uns wird auch mal um 11 Uhr ein Bier bestellt.

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Stuttgart Tag/Nacht: Weisst du von irgendwelchen Plänen, diese Freifläche hier mal für ein größeres Event mit einzubeziehen? Oder ist euch das zuviel Aufwand sich da mit der Stadt zu zicken bis die Nachgeben? Anja: Die Stadt hat strikte Bestimmungen. Dabei geht es um öffentliches Recht und um die Aussenbeschallung also um die Lautstärke. Aber aller spätestens zum 10 jährigen, wird da etwas größeres entstehen.

Stuttgart Tag/Nacht: Ihr habt hier vor der Bar eine rießen Freifläche und die Leute sitzen dort auch oft mit den Getränken, die sie bei euch bestellen und mitnehmen zum draussen trinken. Wie sieht die Stadt das? Kriegt ihr da oft Ärger oder sehen die das gelassen Anja: Die sehen das nicht gelassen. Es gibt wirklich konkrete Vorschriften die wir einhalten müssen. Wir können eine bestimmte Fläche bestuhlen, die ist an festen Markungspunkten ausgemacht. Wenn Gäste ihren Stuhl in die Sonne rücken oder stellen, müssen wir die zurückrufen weil wenn dann das Ordnungsamt kommt, gibt es eine Beanstandung. Außerdem müssen wir für die Sauberkeit sorgen. Du kannst dir vorstellen was da so an so einem Wochenende oder Tag zusammenkommt: Kippen, Müll, Fastfood. Da bleibt halt einiges liegen. Wir sind dafür verantwortlich, dass der Platz so aussieht, wie ich ihn hier morgens um halb zehn antreffen.

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Stuttgart Tag/Nacht: Es gibt ja einige Tages-Events, was ist da dein Liebstes? Anja: Einfach jetzt im Sommer ist der Samstag nachmittag toll. Wir haben DJs da, die Musik ist toll, meistens elektronisch. Man kann in der Sonne sitzen, seinen Drink geniessen - es ist perfekt. Das mag ich am liebsten

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Ein k端nstlerischer Br端ckenschlag

Was Majerus Arbeit in Stuttgart bewirkt hat


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„Majerus arbeit schafft einen Dialog, eine Verbindung.“


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Dazu zitiere ich einmal aus Kunstmuseums katalog: „In Stuttgart wird die benutzbare Skulptur erstmals im öffentlichen Raum präsentiert. Majerus selbst war es wichtig, Menschen auch außerhalb des Museums anzusprechen.“ Und wo geht das besser, als auf dem Schlossplatz Stuttgart, dem zentralsten Platz unseres Tagesgeschehen. Ich nenne die Verwirklichung dieses Projektes ein Wunder. Die Stadt, egal unter wessen Führung, kriegt schon immer die Krise, wenn überhaupt mal was stattfinden oder gemacht werden soll in Stuttgart, vor allem am Tag und dann noch am Schlossplatz. Weihnachtsmarkt ist da mehr oder weniger die großen Ausnahmen.

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Sonst bekommt man da nur eine Genehmigung wenn man was mit Multi-Kulti macht; ich erinnere an ein ‚internationales‘ Fest der Länder auf dem Marktplatz wo es mehr als merkwürdiges Zeug zu essen gab; oder eine Minderheit vertritt und für deren Rechte demonstriert. Das ist ja schon alles schön und gut, wenn man dann aber mal einfach eine Fun oder Party Veranstaltungen machen will, kommt einem die Stadt mit Begründungen wie „Lärm“, „Behinderung des Verkehrs“ etc. in der Ablehnung.

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Doch für dieses Projekt, dass zwar Kunst ist, aber eben doch etwas spaß Charakter hat, da haben mal wirklich alle an einem Strick gezogen und irgendwie gemerkt, dass eine große Mini Ramp eines modernen Künstlers sich super auf dem Schlossplatz macht und eine schöne Abwechslung in das Bild des Platzes bringt. Ein frisches, junges, modernes Projekt mit großer Verbindung in eine Jugend Szene, die sich in einem stetigen Kampf mit der Stadt befindet. Da ist diese Verwirklichung nicht nur ein Etappensieg, sondern auch schon ein Schlachtsieg. Die Leute haben die Möglichkeit Skaten als Subkultur zu erfahren, ohne sich groß an die Spots begeben zu müssen und so gab es einen Brückenschlag zwischen bürgerlicher Öffentlichkeit, Stadt und der Szene. Schwäbische Flanierer Papa Meier denkt sich vielleicht so in Zukunft nicht mehr: „Doa isch ja scho wieda des Rollbrett Pack“ sondern: „Da sen ja die Jungäh mit ihren Skätboards“.

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Raus vor die T端r mit den Parties Ab ins Freie!


Ich habe dunkle Keller und Blackboxes beim feiern so langsam satt. Nicht generell... Vor allem eigentlich nur im Sommer. Wenn ich im warmen Juli abends noch auf die Gasse geh, will ich auch noch beim feiern was von der schönen Sommer-Nacht mitkriegen. Und so wie mir, geht es unzähligen anderen Stuttgartern auch.

Nicht umsonst gibt es hier bei uns eine richtige Sommerpause bei den großen Veranstaltern. Denn in schönen lauen Sommernächten möchte man nicht drinnen sein und wie im Dampfbeutel von Maggi Fix gegart werden.

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Überhaupt... Im Sommer will man doch das gute Gefühl, die Frühlings Gefühle und vor allem die Sonne feiern. Das geht super draußen und noch besser tagsüber!

Daher hier mein Plädoyer für mehr Parties draußen, unter freiem Himmel um die beste Zeit des Jahres zu feiern. Ich spreche hier nicht von ausartenden, Teeny Hollywood kopierende, Sauf Exzessen á la „Project X im Plattenwald“, sondern von entspannten und groovigen Parties, zu denen Freunde, Freundes-Freunde und auch der eine Bar Keeper, den jeder kennt, kommen. Zusammen feiert man zu relaxten Sounds und verzichtet mal auf den Samstag Mittags Hetz in der Stadt oder die Lernerei, sondern nimmt sich auch mal Zeit etwas zu geniessen.

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Im Stuttgart gibt es drei Partys in diesem Stil: den Rave am Neckar Ufer, die Blockparty von der OHHI! Crew und dem US- SHOP sowie die Dachterassenparty von WildOnTop. Diese Parties sind das Ergebnis des Dranges die Musik in Stuttgart hinaus ins Freie, vor die T端ren der Clubs, zu tragen. Man kann gerade zu von einer Flucht des Sounds sprechen.

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WILD ONTOP OHHI! x Blockparty

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Das Verlangen bei den Leuten war wirklich groß. Alle Events hatten einen großen Zustrom und das Feedback war gigantisch. Die Social-Media Zahlen sind ein wahr-gewordener feuchter Traum eines jeden PR Machers und lassen die NachtEvents damit weit hinter sich. Doch was genau ist der Mechanismus dahinter? Steckt hinter den entspannten Partys ein grosses Profi Kongtlomerat an Party Machern?

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Es ist eine genuine Party. Die Leute kommen, wollen feiern, weil sie es wollen und eben nicht, weil jetzt halt Freitag Abend ist und man das halt macht. Die Leute tanzen, reden, essen ihre Würstle, trinken ihr Bier, schlecken ihr Eis und man genießt einfach, diesen einen Samstag den man sich dafür frei genommen hat. Dass solche Veranstaltungen am Tage ein unglaubliches Schmiermittel für die Szene und allgemeines Socializing sind, muss hier glaube ich nicht mehr groß erläutert werden. Auch den Machern geht es darum eine gute Zeit für alle zu machen. Große Bilanzen, Business Pläne oder Kalkulationen sucht man hier vergebens. Freier Eintritt, Gäste bringen selber Sachen mit, keine Gagen und sonst gibt‘s Dinge vor Ort zu Selbstkostenpreisen. Man vertritt dieses Konzept mit voller Überzeugung, denn schließlich kommen viele Freunde und das soll ja eine tolle Party werden und keine Kröten Wanderung aus den Porte Monnaie.

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Stuttgart Tag/Nacht  

third term typography class at merz akademie - grid & typogrpahy class by julia kuehne. student: felix vetter a magazine, connecting two c...