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Es begann mit diesem Bild. Ich habe es vor Jahren in der Turnhalle irgendeines Gymnasiums während einer der obligatorischen Vorführungen geschossen, die man erleben darf, wenn man in einer Delegation eine öffentliche Einrichtung besucht. So lang ich mich erinnern kann, bin ich mit meinem Vater nach Weißrussland gefahren. Er hat bald nach der Auflösung der UdSSR, Anfang der 90er, begonnen, Hilfstransporte zu organisieren und führt seit einigen Jahren verschiedene interkulturelle Projekte in Belarus und Deutschland durch, an denen ich mich oft beteiligt habe. Während dieser Reisen habe ich eine Menge solcher Vorführungen gesehen und sie meistens genau so schnell wieder vergessen. Ebenso wie die obligatorische Einladung zum Tee gehörte das schlicht und einfach zum offiziellen Teil dazu. Dieses Mal war anders. Nach einigen mehr oder weniger gelungenen Tanz- und Gesangsdarbietungen ist eine Gruppe von Kindern auf die Bühne gekommen, um klassische Standardtänze aufzuführen. Ich war zu gleichen Teilen fasziniert und erschrocken. Diese vielleicht 8-jährigen Mädchen und Jungs absolvierten ihren Auftritt mit einer solchen Perfektion und einem professionellen Ernst, dass es mich erschauern ließ. Ich begann über meine eigene Kindheit nachzudenken und versuchte mir vorzustellen, wie es sein muss, in dieser, für mich immer noch in allen Belangen unbegreiflichen Diktatur groß zu werden. Um etwas mehr zu verstehen, bin ich im Dezember 2009, ungefähr fünf Jahre später, wieder nach Weißrussland gefahren mit der Idee im Gepäck, eine Reportage über das Leben an dem Staatlichen Musikkolleg der Stadt Grodno zu fotografieren. Felix Hüffelmann


Es begann mit diesem Bild. Ich habe es vor Jahren in der Turnhalle irgendeines Gymnasiums während einer der obligatorischen Vorführungen geschossen, die man erleben darf, wenn man in einer Delegation eine öffentliche Einrichtung besucht. So lang ich mich erinnern kann, bin ich mit meinem Vater nach Weißrussland gefahren. Er hat bald nach der Auflösung der UdSSR, Anfang der 90er, begonnen, Hilfstransporte zu organisieren und führt seit einigen Jahren verschiedene interkulturelle Projekte in Belarus und Deutschland durch, an denen ich mich oft beteiligt habe. Während dieser Reisen habe ich eine Menge solcher Vorführungen gesehen und sie meistens genau so schnell wieder vergessen. Ebenso wie die obligatorische Einladung zum Tee gehörte das schlicht und einfach zum offiziellen Teil dazu. Dieses Mal war anders. Nach einigen mehr oder weniger gelungenen Tanz- und Gesangsdarbietungen ist eine Gruppe von Kindern auf die Bühne gekommen, um klassische Standardtänze aufzuführen. Ich war zu gleichen Teilen fasziniert und erschrocken. Diese vielleicht 8-jährigen Mädchen und Jungs absolvierten ihren Auftritt mit einer solchen Perfektion und einem professionellen Ernst, dass es mich erschauern ließ. Ich begann über meine eigene Kindheit nachzudenken und versuchte mir vorzustellen, wie es sein muss, in dieser, für mich immer noch in allen Belangen unbegreiflichen Diktatur groß zu werden. Um etwas mehr zu verstehen, bin ich im Dezember 2009, ungefähr fünf Jahre später, wieder nach Weißrussland gefahren mit der Idee im Gepäck, eine Reportage über das Leben an dem Staatlichen Musikkolleg der Stadt Grodno zu fotografieren. Felix Hüffelmann



polen 2011