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ECHT

Number 252 in a series of DIESEL “how to...” guides to successful living. For more information call Diesel Deutschland 0211 418560 www.diesel.com

3/07

Deutschland 5,00 € / Österreich 5,00 € / Schweiz 7.50 sfr / www.feld-magazin.de

Fantastisch

Kriegerisch

Es gibt noch Brüste, wie Gott sie schuf!

In Bayern lernen US-Soldaten, wie man in Afghanistan kämpft.

Rebellisch

Modisch

Fisch

Dickkopf, Model, Schauspieler: Jamie Dornan im Interview.

Wie immer: alles, was man diese Saison tragen kann – und muss.

Drei Männer der Weltliteratur, die das Meer herausfordern.

Nachmachen verboten: ein ganzes Heft über echte Menschen.

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Herbst 07


HUGO BOSS AG Phone +49 7123 940 www.hugoboss.com

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Der Arbeitsmarkt floriert zwar, aber die Arbeitslosenquote von nunmehr 10,8  ist immer noch kein Grund zur Freude. Deshalb hat sich auch in dieser Ausgabe unser Autor Florian Pagel für Sie umgesehen und Berufe recherchiert, die die ARGE nicht kennt – mit denen sich aber trotzdem Geld verdienen lässt. Heute erfahren Sie etwas über den Beruf des „Bananenreifers“. Von Florian Pagel (Text)

Tätigkeitsfeld 2 Dass an der Obst- und Gemüsetheke nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, wissen wir spätestens, seit es Tomaten gibt, die in identischer Größe und ohne jeden Makel auch nach Wochen noch prall und rot sind, ohne den Gesetzen des natürlichen Verfalls zu unterliegen. Auch bei Bananen wird kräftig geschummelt. Sie werden in ihrem Ursprungsland in noch grünem Zustand gepflückt und so auch aufs Schiff verladen. Dort wird der natürliche Reifeprozess unterbrochen, indem die Temperatur exakt zwischen 12,5 und 13,5 Grad Celsius gehalten wird. In der Reifekammer angekommen, weckt sie der Bananenreifer aus dem Dornröschenschlaf, indem er sie bei einer genau berechneten Temperatur mit Ethylen bedampft. Der Reifeprozess läuft nun weiter, bis die Bananen ihr gewünschtes Gelb erreicht haben. Nach etwa zehn Tagen ist im Inneren das gewünschte Verhältnis von Zucker und Stärke erreicht, die gelbe Ware kann ihren Weg weiter ins Supermarktregal antreten. Herr Wilhelm Gunkel (51) arbeitet bei der Firma Andretta Fruit Import als Bananenreifer und hat uns etwas über seinen Beruf erzählt.

Wie lange haben Sie den Beruf schon? Ca. 16–17 Jahre Gibt es Ausbildungsmöglichkeiten für den Beruf ? Von Amts wegen gibt es kein Berufsbild und auch keine Prüfung vor der Handelskammer. Die Betriebe bilden ihr Personal aus. Das erfolgt ausschließlich in der Praxis. Dauer: ca. ein Jahr. Welchen Weg haben Sie gewählt, den Beruf zu lernen? Mit 16 Jahren habe ich eine Lehre in der Fruchtbranche begonnen (Kaufmann für den Groß- und Außenhandel). Nach der Lehre bin ich in dieser Branche geblieben. Beim Ausfall eines Kollegen wurde ich von meinem Chef gebeten, diesen Posten zu übernehmen, und ich habe zugesagt. Gibt es ein bestimmtes Gelb, das als Resultat vorgeschrieben ist? Je nach Kunde gibt es unterschiedliche Anforderungen. In der warmen Jahreszeit Farbe 3–4, im Winter eher 4–5. Haben Sie einen bestimmten Gelbton als Lieblingsfarbe? Zum Anschauen: Leuchtend Gelb – die Banane muss lachen. Zum Essen: Vollgelb mit leichten Sommersprossen. Was macht einen guten „Bananenreifer“ aus? Fleiß, gutes Gefühl für das Verhalten der Banane, des Marktes und des Verbrauchers, vorausschauendes Handeln, Umgang mit der Reifetechnik. Mögen Sie Ihren Beruf? Ja. Was genau mögen Sie daran? Kein Tag ist wie der andere, und kein Jahr ist wie das vorhergehende. Die Banane ist die einzige Frucht, die in gleichbleibender Qualität das ganze Jahr zur Verfügung steht. Ich schätze außerdem die Mischung aus körperlicher, geistiger und organisatorischer Arbeit. Vielen Dank.

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EXPÉRIENCE


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Vorsprung durch Technik www.audi.de

quattro速 im neuen Audi TT.


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Es gibt Chancen im Leben, die sind schlicht einzigartig. Aber nur wer

Kombiniert mit einer Hose aus reiner Baumwolle. Dazu passen am besten

sich wohl und sicher genug fühlt, weiß sie auch zu nutzen. Zum Beispiel

rahmengenähte bugatti Schuhe aus feinstem Kalbsleder. So angezogen kann

in einem der vielen sportiven Sakkos aus der neuen bugatti Kollektion.

einen schließlich nichts mehr überraschen.

www.bugatti.de


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ERLEBEN, WAS ANDERE NUR SEHEN.

Echt wahr. Unser Leben wird zunehmend unecht. Die Tour de Dope hat es uns unmöglich gemacht, Radfahrer und ihre Leistungen zu bejubeln. In „Second Life“ kann sich jeder eine zweite Existenz schaffen, die er für passender hält. Muskeln sind aufgepumpt und kein Zeugnis von Kraft. Neue Partnerinnen sucht man sich per Internet, da hat man mehr Möglichkeiten, sich darzustellen, bevor es ans Eingemachte geht. Arbeit wird immer abstrakter, die tiefe Befriedigung, etwas Konkretes zu „erschaffen“, nimmt ab. Jungs sind die neuen Mädchen, weil sie plötzlich schlechtere Chancen haben. New Yorker Frauen verdienen schon mehr als ihre männlichen Kollegen. Männer suchen nach ihrer Rolle, nach dem echten Mann in sich. Eigentlich ganz einfach. Denn Männer lieben doch das Echte, das Ursprüngliche und das Wahre. Männer essen Fleisch, auch wenn’s noch blutet. Sie machen sich gerne dreckig, geigen sich gegenseitig die Meinung, reflektieren nicht ständig über ihre Wirkung auf andere und fürchten sich deshalb nicht davor, sich zum Horst zu machen, wenn sie Tiergeräusche oder sich öffnende Bustüren imitieren, während sie eine doofe Mütze aufhaben. Echte Männer sind wahrhaftige Männer. Mit Muskeln und Raubeinigkeit hat das wenig zu tun. Vielmehr mit der Fähigkeit mutig zu sein, nicht ständig zu berechnen, was man tut, gelassen zu sein und witzig. Und sich ordnungsgemäß aufzuregen, wenn der Anlass es erfordert. Deswegen mögen wir Männer. Ganz in Echt. Mieke Haase und Sabine Manecke

EDITORIAL

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ERLEBEN, WAS ANDERE NUR SEHEN.

Echt wahr. Unser Leben wird zunehmend unecht. Die Tour de Dope hat es uns unmöglich gemacht, Radfahrer und ihre Leistungen zu bejubeln. In „Second Life“ kann sich jeder eine zweite Existenz schaffen, die er für passender hält. Muskeln sind aufgepumpt und kein Zeugnis von Kraft. Neue Partnerinnen sucht man sich per Internet, da hat man mehr Möglichkeiten, sich darzustellen, bevor es ans Eingemachte geht. Arbeit wird immer abstrakter, die tiefe Befriedigung, etwas Konkretes zu „erschaffen“, nimmt ab. Jungs sind die neuen Mädchen, weil sie plötzlich schlechtere Chancen haben. New Yorker Frauen verdienen schon mehr als ihre männlichen Kollegen. Männer suchen nach ihrer Rolle, nach dem echten Mann in sich. Eigentlich ganz einfach. Denn Männer lieben doch das Echte, das Ursprüngliche und das Wahre. Männer essen Fleisch, auch wenn’s noch blutet. Sie machen sich gerne dreckig, geigen sich gegenseitig die Meinung, reflektieren nicht ständig über ihre Wirkung auf andere und fürchten sich deshalb nicht davor, sich zum Horst zu machen, wenn sie Tiergeräusche oder sich öffnende Bustüren imitieren, während sie eine doofe Mütze aufhaben. Echte Männer sind wahrhaftige Männer. Mit Muskeln und Raubeinigkeit hat das wenig zu tun. Vielmehr mit der Fähigkeit mutig zu sein, nicht ständig zu berechnen, was man tut, gelassen zu sein und witzig. Und sich ordnungsgemäß aufzuregen, wenn der Anlass es erfordert. Deswegen mögen wir Männer. Ganz in Echt. Mieke Haase und Sabine Manecke

EDITORIAL

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Der Herbst eignet sich für echte Männer ganz besonders. Der Boden hat wieder die richtige Konsistenz, um im Gelände rumzuwutzen (Echt gut), man kann sich wieder anständig anziehen (Echt lässig), weil die Temperaturen sich mäßigen, und es ist endlich wieder Bundesliga (Echt Pauli). Wir haben uns der genannten Themen angenommen und auch sonst alles dafür getan, um Ihnen die kommende Saison unterhaltsam zu gestalten (Echt echt). Viel Vergnügen!

Intro 

. ORRY S S E R ‘ KATTHI WE OO ET OBUY OL T V A Z NE. YOUH GA I A M THE

Lieber Lehrer, lehr mich was ������������������������������������������� 36 Was ist eigentlich „echt“, und warum suchen wir nach  unverfälschter Wirklichkeit? Reportage Echter Jude �������������������������������������������������������������������� 116 Um vor Gott ein Jude zu sein, muss man beschnitten sein. Auch wenn es wehtut. Echt Hodscha ����������������������������������������������������������������� 138 „Der Mann, der Enver Hodscha war“ oder: die Suche nach Fiktion und Wahrheit in Albanien. Echt Kabul ��������������������������������������������������������������������� 160 Damit amerikanische Soldaten lernen, wie es in Afghanistan zugeht, müssen sie im „bayerischen Kabul“ den Ernstfall üben. Echt spannend���������������������������������������������������������������� 218 In den Krimis von Horst Eckert ist die Ähnlichkeit mit Lebenden zwar unbeabsichtigt. Kommt aber doch vor. Hero Echt Jamie Dornan �������������������������������������������������������� 180 Jamie Dornan ist ganz schön dickköpfig. Der Ire – Schauspieler, Musiker und Topmodel – zeigt uns als Hero, warum er immer durch die Wand will. Privé Echt echt �������������������������������������������������������������������������� 74 Endlich mal wieder echte Brüste sehen. Einfach zu schön. Farbecht ������������������������������������������������������������������������� 148 Im Rausch der Farben: Dieser hübschen Lady wird’s niemals zu bunt. Portrait Echt Pauli ������������������������������������������������������������������������ 84 Die Spieler Marcel Eger, Marvin Braun und Charles Takyi mischen das Freudenhaus der Liga auf. Motor Echt gut���������������������������������������������������������������������������� 92 Wenn schon ein Geländewagen, dann bitte die Mercedes G-Klasse. Feldweg #4 ��������������������������������������������������������������������� 102 Unser rasender Reporter hat ein Auto gefunden, das alles kann, was ein Auto können muss. Objet trouvé Echte Kerle����������������������������������������������������������������������� 46 Die großen Männer der Weltliteratur über Männlichkeit, Mut, Einsamkeit und das Leben. Hemingway, Steinbeck und London über den alten Mann und das Meer, den  Indianer Keno und Kapitän Larsen.

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sommaire

THE OTHER NIEDERMEYER.


Der Herbst eignet sich für echte Männer ganz besonders. Der Boden hat wieder die richtige Konsistenz, um im Gelände rumzuwutzen (Echt gut), man kann sich wieder anständig anziehen (Echt lässig), weil die Temperaturen sich mäßigen, und es ist endlich wieder Bundesliga (Echt Pauli). Wir haben uns der genannten Themen angenommen und auch sonst alles dafür getan, um Ihnen die kommende Saison unterhaltsam zu gestalten (Echt echt). Viel Vergnügen!

Intro  Lieber Lehrer, lehr mich was ������������������������������������������� 36 Was ist eigentlich „echt“, und warum suchen wir nach  unverfälschter Wirklichkeit? Reportage Echter Jude �������������������������������������������������������������������� 116 Um vor Gott ein Jude zu sein, muss man beschnitten sein. Auch wenn es wehtut. Echt Hodscha ����������������������������������������������������������������� 138 „Der Mann, der Enver Hodscha war“ oder: die Suche nach Fiktion und Wahrheit in Albanien. Echt Kabul ��������������������������������������������������������������������� 160 Damit amerikanische Soldaten lernen, wie es in Afghanistan zugeht, müssen sie im „bayerischen Kabul“ den Ernstfall üben. Echt spannend���������������������������������������������������������������� 218 In den Krimis von Horst Eckert ist die Ähnlichkeit mit Lebenden zwar unbeabsichtigt. Kommt aber doch vor. Hero Echt Jamie Dornan �������������������������������������������������������� 180 Jamie Dornan ist ganz schön dickköpfig. Der Ire – Schauspieler, Musiker und Topmodel – zeigt uns als Hero, warum er immer durch die Wand will. Privé Echt echt ���������������������������������������������������������������������������� 74 Endlich mal wieder echte Brüste sehen. Einfach zu schön. Farbecht ������������������������������������������������������������������������� 148 Im Rausch der Farben: Dieser hübschen Lady wird’s niemals zu bunt. Portrait Echt Pauli ������������������������������������������������������������������������ 84 Die Spieler Marcel Eger, Marvin Braun und Charles Takyi mischen das Freudenhaus der Liga auf. Motor Echt gut���������������������������������������������������������������������������� 92 Wenn schon ein Geländewagen, dann bitte die Mercedes G-Klasse. Feldweg #4 ��������������������������������������������������������������������� 102 Unser rasender Reporter hat ein Auto gefunden, das alles kann, was ein Auto können muss. Objet trouvé Echte Kerle����������������������������������������������������������������������� 46 Die großen Männer der Weltliteratur über Männlichkeit, Mut, Einsamkeit und das Leben. Hemingway, Steinbeck und London über den alten Mann und das Meer, den  Indianer Keno und Kapitän Larsen. 14

sommaire

THE OTHER NIEDERMEYER.


Mode Herbst 07 ������������������������������������������������������������������������� 62 Die besten Trenchcoats, Strickpullover, Jeans und Handschuhe für einen goldenen Herbst. Echt retro ������������������������������������������������������������������������� 72 Feldwebel Hy richtet über Modesünden. Diesmal: New Rave, die Saison der Knallbonbons. Echt lässig ���������������������������������������������������������������������� 104 Outfits, denen man kaum anmerkt, wie unglaublich weit vorne sie sind. Echt Metall �������������������������������������������������������������������� 122 Investieren Sie in glänzende Outfits, damit liegen Sie immer richtig. Echt vogue ��������������������������������������������������������������������� 168 Auch im Modelbusiness gibt es echte Freundschaft. Savoir��������������������������������������������������������������������������������� Echte Namen������������������������������������������������������������������ 208 Wussten Sie, welche Badenixe sich hinter dem Namen Barbara Rose Kopetski verbirgt? Wir decken auf. Accessoires������������������������������������������������������������������������� Echt falsch ����������������������������������������������������������������������� 38 Die Chinesen fälschen, was das Zeug hält. Wir aber auch. Beauté�������������������������������������������������������������������������������� Echt haarig �������������������������������������������������������������������� 224 Wir haben uns auf die Suche nach korrekt frisiertem Echthaar gemacht und sind fündig geworden. Musique����������������������������������������������������������������������������� Echt Vinyl ���������������������������������������������������������������������� 194 Totgesagte leben länger. Die schwarze Scheibe hat eine große Zukunft. Expérience������������������������������������������������������������������������� Echt männlich������������������������������������������������������������������ 56 Was kann man tun, wenn man dem Bild eines echten Mannes nun mal einfach nicht entspricht? Einiges. Leider. Echt dufte ���������������������������������������������������������������������� 234 Immer der Nase nach bis zur Hausnummer 4711. Ein Riechbericht. Tätigkeitsfeld #2 ������������������������������������������������������������ 242 Jobs, die das Arbeitsamt nicht kennt. Heute: der Bananenreifer. Art Echt real������������������������������������������������������������������������� 198 Der Hamburger Künstler Marc Lüders fordert die Wahrnehmung heraus. Junior Echt nackt ���������������������������������������������������������������������� 210 Die Fotografin Gina Gorny hat Andersens Märchen mit der Fotoserie „Des Kaisers neue Kleider“ neu interpretiert. Toujours Editorial �������������������������������������������������������������������������� 13 Impressum ����������������������������������������������������������������������� 18 Feldarbeiter ��������������������������������������������������������������������� 21 Mit 100 Sachen durch den Herbst ����������������������������������� 22 Bezugsquellen �������������������������������������������������������� 236/239 Männersache / Abonnement ����������������������������������� 240 / 241 16

sommaire

MINI CLUBMAN. THE OTHER MINI. Beeindruckend anders: der MINI CLUBMAN. Ab 10. November bei Ihrem MINI Vertragshändler. Und ab sofort auf www.MINI.de


Mode Herbst 07 ������������������������������������������������������������������������� 62 Die besten Trenchcoats, Strickpullover, Jeans und Handschuhe für einen goldenen Herbst. Echt retro ������������������������������������������������������������������������� 72 Feldwebel Hy richtet über Modesünden. Diesmal: New Rave, die Saison der Knallbonbons. Echt lässig ���������������������������������������������������������������������� 104 Outfits, denen man kaum anmerkt, wie unglaublich weit vorne sie sind. Echt Metall �������������������������������������������������������������������� 122 Investieren Sie in glänzende Outfits, damit liegen Sie immer richtig. Echt vogue ��������������������������������������������������������������������� 168 Auch im Modelbusiness gibt es echte Freundschaft. Savoir��������������������������������������������������������������������������������� Echte Namen������������������������������������������������������������������ 208 Wussten Sie, welche Badenixe sich hinter dem Namen Barbara Rose Kopetski verbirgt? Wir decken auf. Accessoires������������������������������������������������������������������������� Echt falsch ����������������������������������������������������������������������� 38 Die Chinesen fälschen, was das Zeug hält. Wir aber auch. Beauté�������������������������������������������������������������������������������� Echt haarig �������������������������������������������������������������������� 224 Wir haben uns auf die Suche nach korrekt frisiertem Echthaar gemacht und sind fündig geworden. Musique����������������������������������������������������������������������������� Echt Vinyl ���������������������������������������������������������������������� 194 Totgesagte leben länger. Die schwarze Scheibe hat eine große Zukunft. Expérience������������������������������������������������������������������������� Echt männlich������������������������������������������������������������������ 56 Was kann man tun, wenn man dem Bild eines echten Mannes nun mal einfach nicht entspricht? Einiges. Leider. Echt dufte ���������������������������������������������������������������������� 234 Immer der Nase nach bis zur Hausnummer 4711. Ein Riechbericht. Tätigkeitsfeld #2 ������������������������������������������������������������ 242 Jobs, die das Arbeitsamt nicht kennt. Heute: der Bananenreifer. Art Echt real������������������������������������������������������������������������� 198 Der Hamburger Künstler Marc Lüders fordert die Wahrnehmung heraus. Junior Echt nackt ���������������������������������������������������������������������� 210 Die Fotografin Gina Gorny hat Andersens Märchen mit der Fotoserie „Des Kaisers neue Kleider“ neu interpretiert. Toujours Editorial �������������������������������������������������������������������������� 13 Impressum ����������������������������������������������������������������������� 18 Feldarbeiter ��������������������������������������������������������������������� 21 Mit 100 Sachen durch den Herbst ����������������������������������� 22 Bezugsquellen �������������������������������������������������������� 236/239 Männersache / Abonnement ����������������������������������� 240 / 241 16

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MINI CLUBMAN. THE OTHER MINI. Beeindruckend anders: der MINI CLUBMAN. Ab 10. November bei Ihrem MINI Vertragshändler. Und ab sofort auf www.MINI.de


ECHT

3/07

Deutschland 5,00 € / Österreich 5,00 € / Schweiz 7.50 sfr / www.feld-magazin.de

Fantastisch

Kriegerisch

Es gibt noch Brüste, wie Gott sie schuf!

In Bayern lernen US-Soldaten, wie man in Afghanistan kämpft.

Rebellisch

Modisch

Fisch

Dickkopf, Model, Schauspieler: Jamie Dornan im Interview.

Wie immer: alles, was man diese Saison tragen kann – und muss.

Drei Männer der Weltliteratur, die das Meer herausfordern.

Nachmachen verboten: ein ganzes Heft über echte Menschen.

Herbst 07

. RRY S RESOATTHI ‘ WE K O BUY O ET O OL T AV Z NE. I YOUH AGA THEM

Der Gesamtauflage von FELD HOMMES ist eine Beilage der Marke Strellson beigelegt. Wir bedanken uns an dieser Stelle für die tolle Zusammenarbeit mit der Agentur Inkcorporated. Titel: Yvonne Schwandke (www.megamodel.de), unser Model aus der Privé-Strecke „Echt echt“. Fotografie: Sam Bisso (www.sambisso.com). Styling: Christian Stemmler (www.m4motion.de).

FELD HOMMES Ausgabe 03/07, Herbst 2007 Mieke Haase, Markus Lenz und Kai Maser

Herausgeber Redaktion Kreativdirektion und Chefredaktion Stellv. Chefredaktion Textchefin Redaktion Modeleitung

Mieke Haase Sabine Manecke Martina Behrens Zhoi Hy und Sabine Manecke Isabelle Thiry

Anzeigenleitung Kai Maser Tel.: +49-40-65 68 55-0 Fax: +49-40-65 68 55-17 kai.maser@appel-grafik.de Anzeigenvermarktung MFM Martin Fischer Medien Schulterblatt 58 20357 Hamburg

FELD HOMMES Redaktion

Martin Fischer Tel.: +49-40-42 91 62-11 mfischer@mf-medien.com

Langbehnstraße 15a 22761 Hamburg

Umsetzung

Tel.: +49-40-88 16 97-60 Fax: +49-40-88 16 97-82

Gestaltung Layout

Mieke Haase Design Langbehnstraße 15a 22761 Hamburg Tel.: +49-40-88 16 97-60 Fax: +49-40-88 16 97-82 www.miekehaase.de

Artdirektion

Oliver Griep

Layout

Uwe Jens Bermeitinger, Kathrin Frey, Julia Holtz, Martin Kuhlmann, Martin Müller und Axel Peemoeller

Produktionsleitung

Markus Lenz

Appel Grafik Hamburg GmbH & Co. KG Alter Wall 55, 20457 Hamburg www.appel-grafik.de

Für den unermüdlichen Einsatz in den Bereichen Satz/RZ, Lithografie, Postproduction, Korrektorat und Koordination für diese FELD HOMMES Ausgabe bedanken wir uns besonders bei: Berlin:  Peggy David, Sabine Flores, Thomas Frielinghaus und Anika Nisser Frankfurt:

Janina Melles und Natascha Scheffel

Hamburg:

 ebecca Best, Tina Dammann, R Corinna Delz, Andrea Drewes, Christiane Drösser, Sabine Jürgs, Thomas Kaiser, Holger Konrad, Thorsten Krukow, Nicole Mahnke, Petra Rinklake, Hendrik Rost, Tina Schlenkermann, Nadine Schmanke, Berit Scholz, Anja Vermehren und Katrin Walter

Mitarbeiter dieser Ausgabe Vito Avantario, Till Becker, Michael Benzinger, Sam Bisso, Uwe Böhm, Felix Brüggemann, Walter Chin, Kai Flemming, Andreas Funk, Gina Gorny, Robert Grischek, Rouven Grossman, Maria Grossmann, Jimmy Hansen, James Houston, Bertram Job, Tom Kroboth, Séraphine de Lima, Christian Litz, Marc Lüders, Jürgen Nerger, Florian Pagel, Timothy Reukauf, Til Schlenker, Jan Schlüter, Clarissa Schmarje, Daniel Schröder, Monika Schürle, Christian Stemmler, Judith Stoletzky, Lars-Fredrik Svedberg, Heinrich Voelkel und Bernd Westphal Wir bedanken uns besonders bei Benjamin Adrion, den Berliner Eisbären, Chrischi, Christiana Clapcich, Ray und Margarete Cole, Tanya Dreger, Benjamin Ernst, dem FC St. Pauli, Joachim und Ursula Griep, Carl Linden Haase, Phuong Hy, Anne Lucas, Barbara Maser, Christoph Mecker, Barbara Öztürk, Gabi Paul, Markus Piendl, Pip, Darwin Santo, Daniel Schröder, Hanne Schröder, Senka Stütz, Michael Trautmann und dem „Waschbären“ Verlag FELD Verlag Alter Wall 55 20457 Hamburg

Tel.: +49-40-65 68 55-0 Fax: +49-40-65 68 55-17 www.feld-magazin.de

Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt dieser Ausgabe: Kai Maser (Anschrift wie Verlag)

Thomas Neef Tel.: +49-40-42 91 62-12 tneef@mf-medien.com

Stuttgart:

Roland Baisch und Jan Skrzipietz

Druck & Verarbeitung Vertrieb

Neef + Stumme GmbH & Co. KG Druck und Verlag Schillerstraße 2 29378 Wittingen info@neef-stumme.de www.neef-stumme.de

Einzelverkauf/Handel

Partner Pressevertrieb GmbH Julius-Hölder-Straße 47 70597 Stuttgart Tel.: +49-711-72 52-0 Fax: +49-711-72 52-320 www.partner-presse.de

Sondervertrieb

Über den Verlag

Erscheinungsweise: vierteljährlich. Heftpreis: 5 Euro.

© für alle Beiträge bei FELD Verlag. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung. Für verloren gegangene und unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und andere Arbeiten wird keine Haftung übernommen. Die Meinung, die in den Texten wiedergegeben wird, ist die der Contributeurs und nicht zwingend die des Verlags.

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IMPRESSUM


ECHT

3/07

Deutschland 5,00 € / Österreich 5,00 € / Schweiz 7.50 sfr / www.feld-magazin.de

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In Bayern lernen US-Soldaten, wie man in Afghanistan kämpft.

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Dickkopf, Model, Schauspieler: Jamie Dornan im Interview.

Wie immer: alles, was man diese Saison tragen kann – und muss.

Drei Männer der Weltliteratur, die das Meer herausfordern.

Nachmachen verboten: ein ganzes Heft über echte Menschen.

Herbst 07

Der Gesamtauflage von FELD HOMMES ist eine Beilage der Marke Strellson beigelegt. Wir bedanken uns an dieser Stelle für die tolle Zusammenarbeit mit der Agentur Inkcorporated. Titel: Yvonne Schwandke (www.megamodel.de), unser Model aus der Privé-Strecke „Echt echt“. Fotografie: Sam Bisso (www.sambisso.com). Styling: Christian Stemmler (www.m4motion.de).

FELD HOMMES Ausgabe 03/07, Herbst 2007 Mieke Haase, Markus Lenz und Kai Maser

Herausgeber Redaktion Kreativdirektion und Chefredaktion Stellv. Chefredaktion Textchefin Redaktion Modeleitung

Mieke Haase Sabine Manecke Martina Behrens Zhoi Hy und Sabine Manecke Isabelle Thiry

Anzeigenleitung Kai Maser Tel.: +49-40-65 68 55-0 Fax: +49-40-65 68 55-17 kai.maser@appel-grafik.de Anzeigenvermarktung MFM Martin Fischer Medien Schulterblatt 58 20357 Hamburg

FELD HOMMES Redaktion

Martin Fischer Tel.: +49-40-42 91 62-11 mfischer@mf-medien.com

Langbehnstraße 15a 22761 Hamburg

Umsetzung

Tel.: +49-40-88 16 97-60 Fax: +49-40-88 16 97-82

Gestaltung Layout

Mieke Haase Design Langbehnstraße 15a 22761 Hamburg Tel.: +49-40-88 16 97-60 Fax: +49-40-88 16 97-82 www.miekehaase.de

Artdirektion

Oliver Griep

Layout

Uwe Jens Bermeitinger, Kathrin Frey, Julia Holtz, Martin Kuhlmann, Martin Müller und Axel Peemoeller

Produktionsleitung

Markus Lenz

Appel Grafik Hamburg GmbH & Co. KG Alter Wall 55, 20457 Hamburg www.appel-grafik.de

Für den unermüdlichen Einsatz in den Bereichen Satz/RZ, Lithografie, Postproduction, Korrektorat und Koordination für diese FELD HOMMES Ausgabe bedanken wir uns besonders bei: Berlin:  Peggy David, Sabine Flores, Thomas Frielinghaus und Anika Nisser Frankfurt:

Janina Melles und Natascha Scheffel

Hamburg:

 ebecca Best, Tina Dammann, R Corinna Delz, Andrea Drewes, Christiane Drösser, Sabine Jürgs, Thomas Kaiser, Holger Konrad, Thorsten Krukow, Nicole Mahnke, Petra Rinklake, Hendrik Rost, Tina Schlenkermann, Nadine Schmanke, Berit Scholz, Anja Vermehren und Katrin Walter

Mitarbeiter dieser Ausgabe Vito Avantario, Till Becker, Michael Benzinger, Sam Bisso, Uwe Böhm, Felix Brüggemann, Walter Chin, Kai Flemming, Andreas Funk, Gina Gorny, Robert Grischek, Rouven Grossman, Maria Grossmann, Jimmy Hansen, James Houston, Bertram Job, Tom Kroboth, Séraphine de Lima, Christian Litz, Marc Lüders, Jürgen Nerger, Florian Pagel, Timothy Reukauf, Til Schlenker, Jan Schlüter, Clarissa Schmarje, Daniel Schröder, Monika Schürle, Christian Stemmler, Judith Stoletzky, Lars-Fredrik Svedberg, Heinrich Voelkel und Bernd Westphal Wir bedanken uns besonders bei Benjamin Adrion, den Berliner Eisbären, Chrischi, Christiana Clapcich, Ray und Margarete Cole, Tanya Dreger, Benjamin Ernst, dem FC St. Pauli, Joachim und Ursula Griep, Carl Linden Haase, Phuong Hy, Anne Lucas, Barbara Maser, Christoph Mecker, Barbara Öztürk, Gabi Paul, Markus Piendl, Pip, Darwin Santo, Daniel Schröder, Hanne Schröder, Senka Stütz, Michael Trautmann und dem „Waschbären“ Verlag FELD Verlag Alter Wall 55 20457 Hamburg

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Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt dieser Ausgabe: Kai Maser (Anschrift wie Verlag)

Thomas Neef Tel.: +49-40-42 91 62-12 tneef@mf-medien.com

Stuttgart:

Roland Baisch und Jan Skrzipietz

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Über den Verlag

Erscheinungsweise: vierteljährlich. Heftpreis: 5 Euro.

© für alle Beiträge bei FELD Verlag. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung. Für verloren gegangene und unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und andere Arbeiten wird keine Haftung übernommen. Die Meinung, die in den Texten wiedergegeben wird, ist die der Contributeurs und nicht zwingend die des Verlags.

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Rouven Grossman Der gebürtige Ukrainer lebt in Tel Aviv, ist 22 Jahre alt und hat in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit schon einiges erlebt. Auch beruflich: Türsteher, Callcenter, Internet, Lebemann, Autor, da ist alles dabei. Kein Wunder, dass er jetzt bei uns gelandet ist.

OLYMP Luxor. Bügelfrei. Knitterfrei. 100% Baumwolle.

Sabine Maria de las Mercedes Flores Sotomayor Was ein Name! Die Projektmanagerin mit spanischem Temperament und deutscher Gründlich­ keit sorgt dafür, dass FELD HOMMES am Ende genauso gedruckt wird, wie Sie es jetzt in Händen halten. Prächtig, bunt, fehlerfrei und alles in der richtigen Reihenfolge. Sabine arbeitet eigentlich bei Appel Grafik in Berlin und betreut dort unsere Konkurrenz: z. B. Cicero und die Tempo-Jubiläumsausgabe.

Clarissa Schmarje Endlich mal eine Mitarbeiterin mit lupenreinem Lebenslauf: BILD, Welt am Sonntag, ZDF, Berliner Mopo, Hamburger Mopo, MAX, Welt und Fernseh­woche. Die 32 Jahre junge, hervorragend ausgebildete Journalistin ist jetzt, gut für uns, freiberuflich tätig. Für diese Ausgabe hat Clarissa „Echt Kabul“ begleitet und den Hamburger Künstler Marc Lüders geangelt.

Michael Benzinger Unser „Auto, Motor, Sport“-Autor ist 35 Jahre alt, im Nebenberuf freier Texter, boxt, fotografiert und kocht manchmal gern. Er möchte an dieser Stelle weniger auf seine große Liebe zum Automobil hinweisen als auf die Tatsache, dass er dringend eine Wohnung sucht. Gerne im Karoviertel, auf jeden Fall in Hamburg. Angebote bitte unter: michaelbepunkt@web.de Martin Kuhlmann Der gebürtige Inder ist 34 Jahre alt und nimmt in der FELD-HOMMES-Redaktion irgendeinem Einheimischen den Arbeitsplatz weg, und zwar als Grafiker. Darüber sind wir sehr froh, weil Martin echt tolle Illustrationen (s. „Echt Jude“) sowie Layouts für uns gemacht hat.

www.olymp.com

Jürgen Nerger Eigentlich wollte Jürgen, 41 Jahre alt und Agenturchef, eine Reportage über einen niederländischen Ort namens „Echt“ machen, in dem es angeblich die größten Frauen der Welt geben soll. Er war da, wurde traurig ob der Tristesse des Ortes, fand niemanden, schon gar keine Frauen, und zog unverrichteter Dinge wieder ab. Seine Alternativgeschichte ist „Echt dufte“ geworden, und wir freuen uns, dass er als Autor schon seit zwei Ausgaben mit dabei ist.

Janina Melles Die gebürtige Solingerin ist zarte 24 Jahre alt und arbeitet seit fast drei Jahren bei Appel Grafik in Frankfurt. Sie wirkt bereits das zweite Mal an FELD HOMMES in der Endphase mit, das heißt, sie wusste schon vorher, worauf sie sich einlässt: Nachtarbeit, trotzdem morgens früh raus, noch mal bis in die Nacht arbeiten. Trotzdem sind ihre Reinzeichnungen und Bildbearbeitungen fehlerlos. Dafür sind wir der Hundenärrin dankbar.

James Houston Der gebürtige Austra­ lier ist 42 Jahre alt und einer der renommier­testen Beauty- und Body-Foto­ grafen der Welt. Für die australische Vogue hat er vor zehn Jahren das erste Cover mit einem nackten Model fotografiert. Seinem Vergnügen an unbekleideten Körpern ist er auch für FELD HOMMES treu geblieben. Den Hero dieser Ausgabe, Jamie Dornan, hat er ebenfalls sehr spärlich bekleidet abgelichtet.

Till Becker Der Berliner Fotograf ist in dieser Ausgabe unser fotografischer Youngstar. 31 Jahre jung ist er und hat sich in diesem Jahr erstmals aus seinen surrealen Kunstwelten, mit denen er sich ansonsten beschäftigt, nach draußen gewagt. Für FELD hommes hat er die Service-Seiten zum Herbst 07 fotografiert und dabei echte Paparazziqualitäten bewiesen.

Bernd Westphal Gemeinsam mit seinem Team hat Bernd, 39 Jahre alt, etwas gemacht, was es eigentlich kaum noch gibt. Er hat ein echtes Auto in echter Umgebung fotografiert, und zwar unter extremen Bedingungen. Dazu hat er Straßen und ganze Hafengebiete sperren lassen, Kräne gemietet, Poller umgesetzt und verschiedenen Stadtverwaltungen die Fotoerlaubnis für unglaubliche Locations abgeschwatzt. Wir ziehen unseren Hut.

Walter Chin Die Amerikaner lieben FELD hommes. Anders ist es nicht zu erklären, dass der berühmte VogueFotograf Walter Chin uns angeboten hat, eine Produktion für uns zu machen. Walter wurde auf Jamaika geboren, wuchs in Kanada auf und lebt heute mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Westchester County im Staate New York. Weil wir so stolz auf seine Mitarbeit sind, haben wir seine Strecke einfach „Echt Vogue“ genannt.

Heinrich Voelkel Der gebürtige Russe lebt in Barcelona, ist 33 Jahre alt und arbeitet als Reportagefotograf für Die Zeit, den Spiegel und den Stern; er hat zwei Kinder, nach eigenen Angaben beide frech, keine Hobbys und wünscht sich seit Jahren einen Motorradführer­ schein oder lieber doch ein neues Rennrad. Wir freuen uns über seine hervorragenden Bilder aus dem bayerischen Kabul und dem albanischen Tirana.

CONTRIBUTEURS

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Deine Mission ist klar. Du bringst vollen Einsatz. Tag für Tag.

Männer im OLYMP

Rouven Grossman Der gebürtige Ukrainer lebt in Tel Aviv, ist 22 Jahre alt und hat in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit schon einiges erlebt. Auch beruflich: Türsteher, Callcenter, Internet, Lebemann, Autor, da ist alles dabei. Kein Wunder, dass er jetzt bei uns gelandet ist.

OLYMP Luxor. Bügelfrei. Knitterfrei. 100% Baumwolle.

Sabine Maria de las Mercedes Flores Sotomayor Was ein Name! Die Projektmanagerin mit spanischem Temperament und deutscher Gründlich­ keit sorgt dafür, dass FELD HOMMES am Ende genauso gedruckt wird, wie Sie es jetzt in Händen halten. Prächtig, bunt, fehlerfrei und alles in der richtigen Reihenfolge. Sabine arbeitet eigentlich bei Appel Grafik in Berlin und betreut dort unsere Konkurrenz: z. B. Cicero und die Tempo-Jubiläumsausgabe.

Clarissa Schmarje Endlich mal eine Mitarbeiterin mit lupenreinem Lebenslauf: BILD, Welt am Sonntag, ZDF, Berliner Mopo, Hamburger Mopo, MAX, Welt und Fernseh­woche. Die 32 Jahre junge, hervorragend ausgebildete Journalistin ist jetzt, gut für uns, freiberuflich tätig. Für diese Ausgabe hat Clarissa „Echt Kabul“ begleitet und den Hamburger Künstler Marc Lüders geangelt.

Michael Benzinger Unser „Auto, Motor, Sport“-Autor ist 35 Jahre alt, im Nebenberuf freier Texter, boxt, fotografiert und kocht manchmal gern. Er möchte an dieser Stelle weniger auf seine große Liebe zum Automobil hinweisen als auf die Tatsache, dass er dringend eine Wohnung sucht. Gerne im Karoviertel, auf jeden Fall in Hamburg. Angebote bitte unter: michaelbepunkt@web.de Martin Kuhlmann Der gebürtige Inder ist 34 Jahre alt und nimmt in der FELD-HOMMES-Redaktion irgendeinem Einheimischen den Arbeitsplatz weg, und zwar als Grafiker. Darüber sind wir sehr froh, weil Martin echt tolle Illustrationen (s. „Echt Jude“) sowie Layouts für uns gemacht hat.

www.olymp.com

Jürgen Nerger Eigentlich wollte Jürgen, 41 Jahre alt und Agenturchef, eine Reportage über einen niederländischen Ort namens „Echt“ machen, in dem es angeblich die größten Frauen der Welt geben soll. Er war da, wurde traurig ob der Tristesse des Ortes, fand niemanden, schon gar keine Frauen, und zog unverrichteter Dinge wieder ab. Seine Alternativgeschichte ist „Echt dufte“ geworden, und wir freuen uns, dass er als Autor schon seit zwei Ausgaben mit dabei ist.

Janina Melles Die gebürtige Solingerin ist zarte 24 Jahre alt und arbeitet seit fast drei Jahren bei Appel Grafik in Frankfurt. Sie wirkt bereits das zweite Mal an FELD HOMMES in der Endphase mit, das heißt, sie wusste schon vorher, worauf sie sich einlässt: Nachtarbeit, trotzdem morgens früh raus, noch mal bis in die Nacht arbeiten. Trotzdem sind ihre Reinzeichnungen und Bildbearbeitungen fehlerlos. Dafür sind wir der Hundenärrin dankbar.

James Houston Der gebürtige Austra­ lier ist 42 Jahre alt und einer der renommier­testen Beauty- und Body-Foto­ grafen der Welt. Für die australische Vogue hat er vor zehn Jahren das erste Cover mit einem nackten Model fotografiert. Seinem Vergnügen an unbekleideten Körpern ist er auch für FELD HOMMES treu geblieben. Den Hero dieser Ausgabe, Jamie Dornan, hat er ebenfalls sehr spärlich bekleidet abgelichtet.

Till Becker Der Berliner Fotograf ist in dieser Ausgabe unser fotografischer Youngstar. 31 Jahre jung ist er und hat sich in diesem Jahr erstmals aus seinen surrealen Kunstwelten, mit denen er sich ansonsten beschäftigt, nach draußen gewagt. Für FELD hommes hat er die Service-Seiten zum Herbst 07 fotografiert und dabei echte Paparazziqualitäten bewiesen.

Bernd Westphal Gemeinsam mit seinem Team hat Bernd, 39 Jahre alt, etwas gemacht, was es eigentlich kaum noch gibt. Er hat ein echtes Auto in echter Umgebung fotografiert, und zwar unter extremen Bedingungen. Dazu hat er Straßen und ganze Hafengebiete sperren lassen, Kräne gemietet, Poller umgesetzt und verschiedenen Stadtverwaltungen die Fotoerlaubnis für unglaubliche Locations abgeschwatzt. Wir ziehen unseren Hut.

Walter Chin Die Amerikaner lieben FELD hommes. Anders ist es nicht zu erklären, dass der berühmte VogueFotograf Walter Chin uns angeboten hat, eine Produktion für uns zu machen. Walter wurde auf Jamaika geboren, wuchs in Kanada auf und lebt heute mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Westchester County im Staate New York. Weil wir so stolz auf seine Mitarbeit sind, haben wir seine Strecke einfach „Echt Vogue“ genannt.

Heinrich Voelkel Der gebürtige Russe lebt in Barcelona, ist 33 Jahre alt und arbeitet als Reportagefotograf für Die Zeit, den Spiegel und den Stern; er hat zwei Kinder, nach eigenen Angaben beide frech, keine Hobbys und wünscht sich seit Jahren einen Motorradführer­ schein oder lieber doch ein neues Rennrad. Wir freuen uns über seine hervorragenden Bilder aus dem bayerischen Kabul und dem albanischen Tirana.

CONTRIBUTEURS

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7.

3.

4.

8.

9. 6.

5.

Von Zhoi Hy (Redaktion & Text), Michael Benzinger, Oliver Köhler, Sabine Manecke, Jan Schlüter, Judith Stoletzky und Timm Weber (Text)

2.

1.

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100 affaires

Fotografie: Felix Brüggemann (www.felixbrueggemann.com)

1. Hasisch. Hasen sprechen untereinander genauso wie Menschen – nur mit eigenem Akzent. Die Rasse Nabaztag ist die intelligenteste Sorte und kann Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Bevor ein Nabaztag aber anfängt, „Hasisch“ zu sprechen, müssen Sie ihn unter Strom setzen und mit Ihrem kabellosen Internetrouter verbinden. Mr. Langohr informiert Sie dann über Wetter, Börse oder die aktuelle Verkehrslage. Alles auf „Hasisch“. Quatschhasen in diversen Dekors über www.nabaztag.com 2. Haben Sie Ihre documenta dabei? Um sich als wirklich echter Kunstliebhaber auszuweisen, empfehlen wir Ihnen, diese auf 1.000 Stück limitierte, nummerierte und signierte Edition stets bei sich zu tragen. Die 13 Fotografen Peter Friedl, Geneviève Frisson, George Hallett, Andrea Geyer, Hans Nevídal, George Osodi, Alejandra Riera, Martha Rosler, Allan Sekula, Margherita Spiluttini, Egbert Trogemann, Lidwien van der Ven and Edward Woodman zeigen auf 13 Fotografien, wie sie die documenta 12 sehen. Auf 730 x 464 cm. Ein typisches Taschen-Buch eben. www.taschen.com 3. Ich glaub, es brennt. Und wie, denn das wasser- und windresistente, mit eingebauter LED-Leuchte und Kindersicherung versehene Feuerzeug „Outdoor Utility Lighter“ vom Kulthersteller Zippo zündet wirklich alles an, egal wo. www.zippo.de

4. Der Burner. Jeder mag loderndes Kamin­ feuer. Aber nicht jeder kann und will sich die meist untrennbar damit verbundene JugendstilBeletage leisten. Für solche und andere Fälle gibt es Fireplace I, eine portable Feuerstelle aus hitzefestem Glas und Edelstahl, die gleich­ er­maßen für den Innen- wie Außeneinsatz geeignet ist. Befeuert mit ökologisch korrektem Bioalkohol, spendet das von Wolf Udo Wagner entworfene Großstadtlagerfeuer wohlige Wärme und romantisches Licht. Da wird uns gleich ganz warm ums Herz. Fireplace I über www.pontonliving.eu/product4a.html 5. Auf den richtigen Kurs. Falls Sie bei Gelegenheit mal bei Abramowitsch auf die Yacht eingeladen sind, ist dieser edle Marine-Chronometer aus Messing in einer quadratischen Teakholzbox ein hübsches Mitbringsel. Wenn er den schon hat und Sie deswegen über Bord wirft, berechnen Sie damit immerhin noch zielgenau den Kurs nach Hause. Ahoi! www.panerai.com 6. Für den Walk of Fame. Hermes, der Götterbote, trug an den Fersen seiner Sandalen kleine Flügelchen, die ihn schneller durch den Olymp trugen, als alle Winde pusten können. Dieses Modell aus echtem Goldleder eignet sich ebenfalls für Botengänge, aber auch für Ehrenrunden, zum Beispiel auf der Hamburger Milchstraße oder dem Zürcher Himmelsleiterli. www.puma.de

8. Gutes Sitzfleisch. Zusammen mit diesem Bänkchen aus Beton und Holz verschmilzt Ihr Hintern zu einer atemberaubenden Material­ ästhetik und verwandelt Ihre gute Stube in einen Showroom allererster Kajüte. Diese Bank und noch mehr kuschelige Möbel aus Beton unter www.harr-beton-design.de 9. Sonne, Strand und ein bisschen Kunst. Ein fetter Sonnenbrand und Sie sollten mal einen Tag in den Schatten? Dann besuchen Sie am 18. September die Art Mallorca. Dort gibt es Videokunst von Douglas Gordon, Fotografien von Axel Hütte sowie Arbeiten des Malers und Bildhauers Jean Dubuffet. Aber fragen Sie vorher den Museumswärter, ob Sie Ihren Eimer Sangria mit ins Museum nehmen dürfen. www.art-mallorca.net 10. Luxus für die Katz. Wer mit dem Urban Mobility Ltd. Edition Bag durch die Welt reist, darf die Hoffnung haben, so schnell niemanden mit der gleichen Tasche am Kofferband zu treffen. Nur 600 Besitzern wird die Freude vergönnt sein, T-Shirts und Kondome für drei Tage in den exklusiven Weekender mit der Großkatze zu stopfen. Urban Mobility Edition 10.

7. Geh auf dein Zimmer! Mike Enslin (John Cusack) schreibt Bücher über Hotels, in denen es angeblich spukt. Zur Recherche quartiert er sich für eine Nacht in den entsprechenden Unterkünften ein. Auch Zimmer 1408, in dem angeblich noch nie jemand länger als eine Stunde überlebt hat, versucht er bei Manager Olin (Samuel L. Jackson) zu reservieren. Und wer hat die Vorlage dazu geschrieben? Stephen King. Na, dann: Gute Nacht. „Zimmer 1408“, Horror-Thriller, USA 2007, www.senator.de, ab 13.9.2007 im Kino

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Von Zhoi Hy (Redaktion & Text), Michael Benzinger, Oliver Köhler, Sabine Manecke, Jan Schlüter, Judith Stoletzky und Timm Weber (Text)

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Fotografie: Felix Brüggemann (www.felixbrueggemann.com)

1. Hasisch. Hasen sprechen untereinander genauso wie Menschen – nur mit eigenem Akzent. Die Rasse Nabaztag ist die intelligenteste Sorte und kann Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Bevor ein Nabaztag aber anfängt, „Hasisch“ zu sprechen, müssen Sie ihn unter Strom setzen und mit Ihrem kabellosen Internetrouter verbinden. Mr. Langohr informiert Sie dann über Wetter, Börse oder die aktuelle Verkehrslage. Alles auf „Hasisch“. Quatschhasen in diversen Dekors über www.nabaztag.com 2. Haben Sie Ihre documenta dabei? Um sich als wirklich echter Kunstliebhaber auszuweisen, empfehlen wir Ihnen, diese auf 1.000 Stück limitierte, nummerierte und signierte Edition stets bei sich zu tragen. Die 13 Fotografen Peter Friedl, Geneviève Frisson, George Hallett, Andrea Geyer, Hans Nevídal, George Osodi, Alejandra Riera, Martha Rosler, Allan Sekula, Margherita Spiluttini, Egbert Trogemann, Lidwien van der Ven and Edward Woodman zeigen auf 13 Fotografien, wie sie die documenta 12 sehen. Auf 730 x 464 cm. Ein typisches Taschen-Buch eben. www.taschen.com 3. Ich glaub, es brennt. Und wie, denn das wasser- und windresistente, mit eingebauter LED-Leuchte und Kindersicherung versehene Feuerzeug „Outdoor Utility Lighter“ vom Kulthersteller Zippo zündet wirklich alles an, egal wo. www.zippo.de

4. Der Burner. Jeder mag loderndes Kamin­ feuer. Aber nicht jeder kann und will sich die meist untrennbar damit verbundene JugendstilBeletage leisten. Für solche und andere Fälle gibt es Fireplace I, eine portable Feuerstelle aus hitzefestem Glas und Edelstahl, die gleich­ er­maßen für den Innen- wie Außeneinsatz geeignet ist. Befeuert mit ökologisch korrektem Bioalkohol, spendet das von Wolf Udo Wagner entworfene Großstadtlagerfeuer wohlige Wärme und romantisches Licht. Da wird uns gleich ganz warm ums Herz. Fireplace I über www.pontonliving.eu/product4a.html 5. Auf den richtigen Kurs. Falls Sie bei Gelegenheit mal bei Abramowitsch auf die Yacht eingeladen sind, ist dieser edle Marine-Chronometer aus Messing in einer quadratischen Teakholzbox ein hübsches Mitbringsel. Wenn er den schon hat und Sie deswegen über Bord wirft, berechnen Sie damit immerhin noch zielgenau den Kurs nach Hause. Ahoi! www.panerai.com 6. Für den Walk of Fame. Hermes, der Götterbote, trug an den Fersen seiner Sandalen kleine Flügelchen, die ihn schneller durch den Olymp trugen, als alle Winde pusten können. Dieses Modell aus echtem Goldleder eignet sich ebenfalls für Botengänge, aber auch für Ehrenrunden, zum Beispiel auf der Hamburger Milchstraße oder dem Zürcher Himmelsleiterli. www.puma.de

8. Gutes Sitzfleisch. Zusammen mit diesem Bänkchen aus Beton und Holz verschmilzt Ihr Hintern zu einer atemberaubenden Material­ ästhetik und verwandelt Ihre gute Stube in einen Showroom allererster Kajüte. Diese Bank und noch mehr kuschelige Möbel aus Beton unter www.harr-beton-design.de 9. Sonne, Strand und ein bisschen Kunst. Ein fetter Sonnenbrand und Sie sollten mal einen Tag in den Schatten? Dann besuchen Sie am 18. September die Art Mallorca. Dort gibt es Videokunst von Douglas Gordon, Fotografien von Axel Hütte sowie Arbeiten des Malers und Bildhauers Jean Dubuffet. Aber fragen Sie vorher den Museumswärter, ob Sie Ihren Eimer Sangria mit ins Museum nehmen dürfen. www.art-mallorca.net 10. Luxus für die Katz. Wer mit dem Urban Mobility Ltd. Edition Bag durch die Welt reist, darf die Hoffnung haben, so schnell niemanden mit der gleichen Tasche am Kofferband zu treffen. Nur 600 Besitzern wird die Freude vergönnt sein, T-Shirts und Kondome für drei Tage in den exklusiven Weekender mit der Großkatze zu stopfen. Urban Mobility Edition 10.

7. Geh auf dein Zimmer! Mike Enslin (John Cusack) schreibt Bücher über Hotels, in denen es angeblich spukt. Zur Recherche quartiert er sich für eine Nacht in den entsprechenden Unterkünften ein. Auch Zimmer 1408, in dem angeblich noch nie jemand länger als eine Stunde überlebt hat, versucht er bei Manager Olin (Samuel L. Jackson) zu reservieren. Und wer hat die Vorlage dazu geschrieben? Stephen King. Na, dann: Gute Nacht. „Zimmer 1408“, Horror-Thriller, USA 2007, www.senator.de, ab 13.9.2007 im Kino

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11. Das letzte Stündlein hat geschlagen. Jedenfalls für das Weibliche in der Männermode von Dior. Was an dieser mächtig maskulinen Uhr auf die Sekunde genau abzulesen ist. Der neue Chefdesigner von Dior Homme heißt Kris van Assche und packt Ihnen den Klonken für einen Haufen Asche, nämlich für 3.500 € auch als Geschenk ein. Chiffre Rouge BLACK über www.diorhomme.com 12. Alles Lüge! 200-mal am Tag lügt ein Mensch im Durchschnitt. Die Schlange im Paradies hat damit angefangen, und dann ging es munter so weiter. Im 18. Jh. hatte fast jeder Fürstenhof seinen eigenen Goldmacher, nur Gold konnte keiner von ihnen machen. Und im vergangenen Jahrhundert hatte niemand vor, in Berlin eine Mauer zu bauen. Dieter Hildebrandt und Roger Willemsen haben sich die Geschichte der Menschheit vorgenommen und dabei nichts als Lügen gefunden. Karten können Sie jetzt schon bestellen. Für die Vorstellungen im Juni 2008 in Gelsenkirchen und Gladbach über www.buehnen.net. Die gelesene Variante von „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“ über Random House Audio

15. Datenschutz zum Mitnehmen. Was vor noch nicht allzu langer Zeit ganzen Heerscharen von Dechiffrierspezialisten über Wochen hinweg üble Kopfschmerzen bereitet hätte, erledigt dieser geniale USB-2.0-Stick in Sekunden: Daten ver- und wieder entschlüsseln. Einfach einen sicheren Bereich mit Kennwortschutz erstellen, die Dateien in den Bereich ziehen und der JumpDrive übernimmt selbstständig die Verbzw. Entschlüsselung. So bleiben die anderen USB-Ports frei zugänglich für Richtmikrofone, Dokumentenscanner und Geldscheindrucker. USB-Stick JumpDrive Secure II über www. lexar.com

11.

20. 21. 19.

16. Wer hat’s erfunden? Die ersten Räder sind nicht älter als fünf- oder sechstausend Jahre. Aus dieser Zeit stammen die Funde, die in Ägypten und Babylon gemacht wurden. Wahrscheinlich wurde das Rad in mehreren Gebieten gleichzeitig erfunden und verbreitete sich dann schnell in den Ländern rund ums Mittelmeer. Der neueste Fund kommt aus der Schweiz. Die Schweizer erfinden ja immer alles. Das magische Rad sieht so aus wie eine Kreuzung aus Einrad und Skateboard – fährt sich aber deutlich bequemer. www.magicwheel.co.uk

13.

12.

15.

16.

17. Ja, komm doch mal auf meinen Schoß! Wer kennt das nicht? Da sitzt man mit seinem Laptop in der VIP-Lounge und nutzt die Zeit bis zum Abflug seines Learjets, um ein paar Warentermingeschäfte zu rogern, da rutscht einem das teure Stück wegen Oberschenkelnässe erzeugender Überhitzung vom Schoß herunter. Damit ist jetzt Schluss! Jetzt gibt es LapTop Desk Futura von LapWorks. Damit geht die Arbeit ohne lästiges Balancieren von der Hand. Lüftungsschlitze sorgen für Kühlung zwischen Schenkel und Maschine. Auch auf dem Tisch leistet LapTop Desk Futura dank fünf ergonomisch günstiger Klappwinkel hervorragende Arbeit. www.laptopdesk.net

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14.

13. Weniger Schuhe als Imelda Marcos. „Ein Mann von Welt braucht mindestens acht Paar Schuhe. Drei Paar wertige Business-Schuhe, denn ein guter Lederschuh sollte drei Tage auf einem Leisten sein, um zu lüften und sich zu erholen. Dann einen guten Casual-Schuh für die Freizeit, dazu vielleicht Sportschuhe und Sneaker und eine Sandale, für den Urlaub.“ Diese Info haben wir von Oliver Bremer, dem „Head of Design“ bei Görtz. Wer da mit seinen drei Paar Turnschuhen noch ein bisschen im Rückstand ist, kann in Deutschlands größter Abteilung für exklusive Herrenschuhe aufholen. Görtz Man, ab 13.9. in der Biebergasse 6–11 in Frankfurt. www.goertz-shop.de 14. Herr, es ist Zeit. Zeit, die Badehose einzupacken, in die Mottenkiste mit den Dingern, denn jetzt kommt der Herbst, jetzt wird es schön! Jetzt kann man nach einem Sommer, der nicht sehr üppig war, durch Alleen wandern, wenn die Blätter treiben. Aber nicht unruhig hin und her, sondern fröhlich und mit einem Ziel: zum Briefkasten, die langen Briefe einwerfen, und dabei durch die Pfützen platschen und den Matsch. Und zwar in Gummistiefeln aus Fronkreisch. www.aigle.com

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18.

18. „Denkt mein Hund?“ „Muss ich mich schämen, weil ich zu den wenigsten Dingen eine Meinung habe?“ „Darf sich die Wahrheit alles erlauben?“ „Ist das Schöne an der Arbeit, dass man keine Zeit mehr hat?“ Peter Fischli und David Weiss haben auf Karteikarten einen Haufen unüberlegter Fragen gekritzelt, deren Beantwortung aus jedem Leser einen Philosophen machen. Topgeschenk für eine Geburtstagseinladung, bei der die Gäste sich nach einer halben Stunde nichts mehr zu sagen haben. Fischli/Weiss, „Findet mich das Glück?“, Verlag der Buchhandlung Walther König, www.buchhandlung-walther-koenig.de

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19. Der eingebildete Patient. Für Hypochonder und erotisch exaltierte Menschen ist es das Höchste der Gefühle, immer in der Nähe einer hübschen Krankenschwester zu sein. Hören Sie auf zu simulieren, diese resolute Pflegerin aus echtem Leder begleitet Sie überallhin, trägt Ihre Schlüssel und misst sogar Ihren Puls. Wenn Sie sie am Handgelenk baumeln lassen. Schwester Hildegard USB-Keychain über www.bree.com

20. Endlich eine eigene Mietskaserne. Wer Spaß an engen nachbarschaftlichen Verhältnissen hat, der holt sich ein paar neue Untermieter ins Haus. Die spielen in der Wohnung Fußball und Seilchenspringen, feiern Partys all night long, trampeln einander auf dem Kopf herum, halten unerlaubt Haustiere und zahlen keinesfalls pünktlich ihre Miete. Das Schöne an dem digitalen Plattenbau fürs Vertiko aber ist: Sie werden nie mehr einsam sein. Cubeworld-Würfel mit manipulierbaren LCD-Strichmännchen unter www.getdigital.de 21. Hol den Stift! Ihr neuer bester Freund ist vom ersten Tag an stubenrein und ver­wahrt Schreibwaren, ohne sie zu zerkauen. Der Vaca­ va­liente-Hund, Sie können ihn auch einfach Wackel nennen, weicht Ihnen nicht mehr von der Seite und hält treudoof allzeit Stift sowie Notizblatt für Sie bereit. Utensilo-Hund über www.vacavaliente.com 22. Einmal Schweinshaxe bitte! Ja feini! Dieses beißfeste Plüschspielzeug mit Quietschfunktion gibt es in zwei verschiedenen Größen (14 cm und 22 cm), der Knochen aus PVC, der Schmuseanteil aus Fleece, für Herrchen und Hund über www.dogma-lifestyle.de. Such! 23. Fette Mischung. Diese Platte ist fast komplett untergegangen. Das darf nicht sein, denn Guru, Rapper der Formation Gang Starr hat sich abermals illustre Gäste auf diesem Sideproject zusammentelefoniert. Nicht nur bezaubernde Stimmen wie die Ex-Soul-IISoul-Diva Caron Wheeler oder der talentierte Kem plus angesagte Rapper wie Common oder Slum Village sind dabei, auch wirkliche Jazz-Giganten mischen wieder mit, wie Bob James, Ronnie Laws und David Sanborn. Eine Single gibt es auch, nämlich das gelungene „State of Clarity“, und es lohnt sich, den Clip auf Myspace anzuschauen, heftiger Fritz The Cat Style ... www.myspace.com/gurusjazzmatazz und www.gurusjazzmatazz.net

24. Hau drauf. Stress? Aggro? Schlagen Sie einfach kräftig auf den roten Panic-Knopf, der an Ihren Rechner angeschlossen ist. Dann wird der Monitor schwarz und verschiedene Effekte sorgen für den Stressabbau: Bomben explodieren und dem Chef wird eine reingehauen – zumindest virtuell. Danach können Sie relaxt weiterarbeiten. USB Stress Panic Button über usb.brando.com.hk 25. Egalitee! Fraternitee! Liebertee! Nicht die Engländer, pas de tout! Non! Les Françaises sind la Grand Nation du Thè. Hier wird Teekultur seit 150 Jahren von der Firma Mariage Frères hingebungsvoll gepflegt. Man unterhält Teesalons im Kolonialstil in Japan und Paris und missioniert die ganze Welt mit kostbarsten Tees aus aller Welt. Zu den Nouveautees gehört beispielsweise der extraordinäre japanische grüne Kawanecha-Meicha, der mit nichts aromatisiert ist als der reinen Luft am Fujiyama. Deshalb kostet die Kostbarkeit auch nur 29 € – das Beutelchen mit 50 Gramm. Nouveautee über www.mariagefreres.com 26. Bitte weitertratschen. Das Label Sonar aus Berlin steht für pure Qualität. Kein Wunder, sind doch die drei Jungs von Jazzanova die Inhaber! Vor zwei Jahren haben sie sich ein besonders talentiertes Trio aus Paris geschnappt und jetzt ein Album für die Topliga veröffentlicht. Schon die aktuelle Single „Now That I’m Free“ ist der Hammer und Wutang-Clan-Member RZA featuret gerne. Aber „Our Lives Are Too Short“ ist beleibe keine Rap-Platte. Dazu kann der charmante Frontmann Irfane auch viel zu gut singen. Mal sensitiv-poppig, dann wieder fluffig-soulig, aber immer anmutig. Das Album ist ein echter Geheimtipp, hoffentlich bleibt das nicht so. www.sonarkollektiv.com 27. Und schon hat man ein Tier am Hals. Man geht einfach nur mal so auf die allerdings echt beachtenswerte Website von Sabrina Dehoff, verknallt sich in irgend so ein geiles Bunny und schon ist man seine Kohle los. Tja, so schnell kann’s gehen. Aber sind die nicht auch irgendwie goldig, die kleinen, süßen, dicken Dinger? Erratic Blocks from the Trip to the Moon, www.sabrinadehoff.de

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11. Das letzte Stündlein hat geschlagen. Jedenfalls für das Weibliche in der Männermode von Dior. Was an dieser mächtig maskulinen Uhr auf die Sekunde genau abzulesen ist. Der neue Chefdesigner von Dior Homme heißt Kris van Assche und packt Ihnen den Klonken für einen Haufen Asche, nämlich für 3.500 € auch als Geschenk ein. Chiffre Rouge BLACK über www.diorhomme.com 12. Alles Lüge! 200-mal am Tag lügt ein Mensch im Durchschnitt. Die Schlange im Paradies hat damit angefangen, und dann ging es munter so weiter. Im 18. Jh. hatte fast jeder Fürstenhof seinen eigenen Goldmacher, nur Gold konnte keiner von ihnen machen. Und im vergangenen Jahrhundert hatte niemand vor, in Berlin eine Mauer zu bauen. Dieter Hildebrandt und Roger Willemsen haben sich die Geschichte der Menschheit vorgenommen und dabei nichts als Lügen gefunden. Karten können Sie jetzt schon bestellen. Für die Vorstellungen im Juni 2008 in Gelsenkirchen und Gladbach über www.buehnen.net. Die gelesene Variante von „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“ über Random House Audio

15. Datenschutz zum Mitnehmen. Was vor noch nicht allzu langer Zeit ganzen Heerscharen von Dechiffrierspezialisten über Wochen hinweg üble Kopfschmerzen bereitet hätte, erledigt dieser geniale USB-2.0-Stick in Sekunden: Daten ver- und wieder entschlüsseln. Einfach einen sicheren Bereich mit Kennwortschutz erstellen, die Dateien in den Bereich ziehen und der JumpDrive übernimmt selbstständig die Verbzw. Entschlüsselung. So bleiben die anderen USB-Ports frei zugänglich für Richtmikrofone, Dokumentenscanner und Geldscheindrucker. USB-Stick JumpDrive Secure II über www. lexar.com

11.

20. 21. 19.

16. Wer hat’s erfunden? Die ersten Räder sind nicht älter als fünf- oder sechstausend Jahre. Aus dieser Zeit stammen die Funde, die in Ägypten und Babylon gemacht wurden. Wahrscheinlich wurde das Rad in mehreren Gebieten gleichzeitig erfunden und verbreitete sich dann schnell in den Ländern rund ums Mittelmeer. Der neueste Fund kommt aus der Schweiz. Die Schweizer erfinden ja immer alles. Das magische Rad sieht so aus wie eine Kreuzung aus Einrad und Skateboard – fährt sich aber deutlich bequemer. www.magicwheel.co.uk

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17. Ja, komm doch mal auf meinen Schoß! Wer kennt das nicht? Da sitzt man mit seinem Laptop in der VIP-Lounge und nutzt die Zeit bis zum Abflug seines Learjets, um ein paar Warentermingeschäfte zu rogern, da rutscht einem das teure Stück wegen Oberschenkelnässe erzeugender Überhitzung vom Schoß herunter. Damit ist jetzt Schluss! Jetzt gibt es LapTop Desk Futura von LapWorks. Damit geht die Arbeit ohne lästiges Balancieren von der Hand. Lüftungsschlitze sorgen für Kühlung zwischen Schenkel und Maschine. Auch auf dem Tisch leistet LapTop Desk Futura dank fünf ergonomisch günstiger Klappwinkel hervorragende Arbeit. www.laptopdesk.net

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13. Weniger Schuhe als Imelda Marcos. „Ein Mann von Welt braucht mindestens acht Paar Schuhe. Drei Paar wertige Business-Schuhe, denn ein guter Lederschuh sollte drei Tage auf einem Leisten sein, um zu lüften und sich zu erholen. Dann einen guten Casual-Schuh für die Freizeit, dazu vielleicht Sportschuhe und Sneaker und eine Sandale, für den Urlaub.“ Diese Info haben wir von Oliver Bremer, dem „Head of Design“ bei Görtz. Wer da mit seinen drei Paar Turnschuhen noch ein bisschen im Rückstand ist, kann in Deutschlands größter Abteilung für exklusive Herrenschuhe aufholen. Görtz Man, ab 13.9. in der Biebergasse 6–11 in Frankfurt. www.goertz-shop.de 14. Herr, es ist Zeit. Zeit, die Badehose einzupacken, in die Mottenkiste mit den Dingern, denn jetzt kommt der Herbst, jetzt wird es schön! Jetzt kann man nach einem Sommer, der nicht sehr üppig war, durch Alleen wandern, wenn die Blätter treiben. Aber nicht unruhig hin und her, sondern fröhlich und mit einem Ziel: zum Briefkasten, die langen Briefe einwerfen, und dabei durch die Pfützen platschen und den Matsch. Und zwar in Gummistiefeln aus Fronkreisch. www.aigle.com

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18. „Denkt mein Hund?“ „Muss ich mich schämen, weil ich zu den wenigsten Dingen eine Meinung habe?“ „Darf sich die Wahrheit alles erlauben?“ „Ist das Schöne an der Arbeit, dass man keine Zeit mehr hat?“ Peter Fischli und David Weiss haben auf Karteikarten einen Haufen unüberlegter Fragen gekritzelt, deren Beantwortung aus jedem Leser einen Philosophen machen. Topgeschenk für eine Geburtstagseinladung, bei der die Gäste sich nach einer halben Stunde nichts mehr zu sagen haben. Fischli/Weiss, „Findet mich das Glück?“, Verlag der Buchhandlung Walther König, www.buchhandlung-walther-koenig.de

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19. Der eingebildete Patient. Für Hypochonder und erotisch exaltierte Menschen ist es das Höchste der Gefühle, immer in der Nähe einer hübschen Krankenschwester zu sein. Hören Sie auf zu simulieren, diese resolute Pflegerin aus echtem Leder begleitet Sie überallhin, trägt Ihre Schlüssel und misst sogar Ihren Puls. Wenn Sie sie am Handgelenk baumeln lassen. Schwester Hildegard USB-Keychain über www.bree.com

20. Endlich eine eigene Mietskaserne. Wer Spaß an engen nachbarschaftlichen Verhältnissen hat, der holt sich ein paar neue Untermieter ins Haus. Die spielen in der Wohnung Fußball und Seilchenspringen, feiern Partys all night long, trampeln einander auf dem Kopf herum, halten unerlaubt Haustiere und zahlen keinesfalls pünktlich ihre Miete. Das Schöne an dem digitalen Plattenbau fürs Vertiko aber ist: Sie werden nie mehr einsam sein. Cubeworld-Würfel mit manipulierbaren LCD-Strichmännchen unter www.getdigital.de 21. Hol den Stift! Ihr neuer bester Freund ist vom ersten Tag an stubenrein und ver­wahrt Schreibwaren, ohne sie zu zerkauen. Der Vaca­ va­liente-Hund, Sie können ihn auch einfach Wackel nennen, weicht Ihnen nicht mehr von der Seite und hält treudoof allzeit Stift sowie Notizblatt für Sie bereit. Utensilo-Hund über www.vacavaliente.com 22. Einmal Schweinshaxe bitte! Ja feini! Dieses beißfeste Plüschspielzeug mit Quietschfunktion gibt es in zwei verschiedenen Größen (14 cm und 22 cm), der Knochen aus PVC, der Schmuseanteil aus Fleece, für Herrchen und Hund über www.dogma-lifestyle.de. Such! 23. Fette Mischung. Diese Platte ist fast komplett untergegangen. Das darf nicht sein, denn Guru, Rapper der Formation Gang Starr hat sich abermals illustre Gäste auf diesem Sideproject zusammentelefoniert. Nicht nur bezaubernde Stimmen wie die Ex-Soul-IISoul-Diva Caron Wheeler oder der talentierte Kem plus angesagte Rapper wie Common oder Slum Village sind dabei, auch wirkliche Jazz-Giganten mischen wieder mit, wie Bob James, Ronnie Laws und David Sanborn. Eine Single gibt es auch, nämlich das gelungene „State of Clarity“, und es lohnt sich, den Clip auf Myspace anzuschauen, heftiger Fritz The Cat Style ... www.myspace.com/gurusjazzmatazz und www.gurusjazzmatazz.net

24. Hau drauf. Stress? Aggro? Schlagen Sie einfach kräftig auf den roten Panic-Knopf, der an Ihren Rechner angeschlossen ist. Dann wird der Monitor schwarz und verschiedene Effekte sorgen für den Stressabbau: Bomben explodieren und dem Chef wird eine reingehauen – zumindest virtuell. Danach können Sie relaxt weiterarbeiten. USB Stress Panic Button über usb.brando.com.hk 25. Egalitee! Fraternitee! Liebertee! Nicht die Engländer, pas de tout! Non! Les Françaises sind la Grand Nation du Thè. Hier wird Teekultur seit 150 Jahren von der Firma Mariage Frères hingebungsvoll gepflegt. Man unterhält Teesalons im Kolonialstil in Japan und Paris und missioniert die ganze Welt mit kostbarsten Tees aus aller Welt. Zu den Nouveautees gehört beispielsweise der extraordinäre japanische grüne Kawanecha-Meicha, der mit nichts aromatisiert ist als der reinen Luft am Fujiyama. Deshalb kostet die Kostbarkeit auch nur 29 € – das Beutelchen mit 50 Gramm. Nouveautee über www.mariagefreres.com 26. Bitte weitertratschen. Das Label Sonar aus Berlin steht für pure Qualität. Kein Wunder, sind doch die drei Jungs von Jazzanova die Inhaber! Vor zwei Jahren haben sie sich ein besonders talentiertes Trio aus Paris geschnappt und jetzt ein Album für die Topliga veröffentlicht. Schon die aktuelle Single „Now That I’m Free“ ist der Hammer und Wutang-Clan-Member RZA featuret gerne. Aber „Our Lives Are Too Short“ ist beleibe keine Rap-Platte. Dazu kann der charmante Frontmann Irfane auch viel zu gut singen. Mal sensitiv-poppig, dann wieder fluffig-soulig, aber immer anmutig. Das Album ist ein echter Geheimtipp, hoffentlich bleibt das nicht so. www.sonarkollektiv.com 27. Und schon hat man ein Tier am Hals. Man geht einfach nur mal so auf die allerdings echt beachtenswerte Website von Sabrina Dehoff, verknallt sich in irgend so ein geiles Bunny und schon ist man seine Kohle los. Tja, so schnell kann’s gehen. Aber sind die nicht auch irgendwie goldig, die kleinen, süßen, dicken Dinger? Erratic Blocks from the Trip to the Moon, www.sabrinadehoff.de

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28. Medizin für die Ohren. Wussten Sie, dass das empfindlichste Sinnesorgan das Ohr ist? Schon 18 Wochen nach der Zeugung ist es zu voller Größe und Funktionsfähigkeit herangewachsen. Damit ist das Ohr das erste Organ, das seine Tätigkeit aufnimmt, und in der Regel stellt es auch als letztes Sinnesorgan seine Funktion ein. Deshalb sollten Sie Ihren Öhrchen auch etwas Gutes tun. Mit dem Swirl Earphone über www.aiaiai.dk 28.

29.

30.

29. Die Unbestechliche. Diese Waage von Tefal zeigt mittels bioelektrischer Impedanzanalyse das Verhältnis von Fett- und Magermasse (Muskeln, Hirn) an und auch, wie dieses Verhältnis sich entwickelt. Auch Pseudo-Gewichtsverluste werden sofort enttarnt, z. B. durch bloße Dehydration nach exzessivem Saunieren. Außerdem erkennt Big Sister Sie jedes Mal wieder, auch wenn ein anderer zu Wiegender das gleiche Gewicht hat. Beim Wiegen fließt nämlich ein schwacher Strom durch Ihre Fett- und Magermassen, und der fließt bei jedem etwas anders. www.tefal.de 30. Besondere Note. Der Gemischtwarenladen Berlin Mitte ist um eine Auslage reicher. Der Design Concept Store „Strangefruit“ bietet auf imposanten 450 qm, über zwei Etagen verteilt, verwegene Mode, ungesehene Accessoires, ausgefallene Lifestyle-Produkte und andere Preziosen feil. Ob es auch komisches Obst gibt, wissen wir nicht. Strangefruit, Markgrafen­ straße 33, www.strangefruitberlin.com

31.

35.

32. 33.

31. Bei Fuß! Beeindruckender noch als die bemannte Raumfahrt sind zuweilen technische Revolutionen wie diese: ein Schirm, der uns auch dann artig zur Seite steht, wenn er uns gerade mal nicht beschirmen muss. www.100per.com

100 affaires

32. Wir haben was für Sie zurückgelegt. In loser Folge präsentieren wir Ihnen in dieser Rubrik angenehme Lokalitäten, in denen Sie FELD hommes ungestört lesen und dabei gastronomischen Service in Anspruch nehmen können. Zu Hause bringt einem ja keiner mehr ein Bier. In der Layback Bar in der Hamburger Langen Reihe finden Sie entspanntes Ambiente, freundliche Musik, FELD hommes auf der Fensterbank und von Mo. bis Do. in der Blue Hour von 19 bis 21 Uhr alle Cocktails für die Hälfte. www.layback-hamburg.de 33. Mir ist schon schlecht. Lieber Michael Moore, wieder kämpfst du gegen die da oben. David gegen Goliath. Für David finden wir dich allerdings ganz schön dick. Aber das nur so nebenbei. Diesmal willst du uns zeigen, dass unsere Gesundheit nix wert ist und wir von den Pharma-Konzernen umgebracht werden, wenn wir nicht genug Geld haben. Aber auf die Dauer müssen wir sagen: Du hast uns derart schlimm aufgerüttelt in letzter Zeit, dass uns sowieso schon ganz übel ist. Trotzdem, wer sich einer stabilen Gesundheit erfreut und privat versichert ist, darf zugucken: „Sicko. This might hurt a little“, Doku, USA 2007, www.senator.de, ab 11.10.2007 im Kino 34. Die Kakerlaken sind los. Dieser fiese Krabbler ist schnell, bewaffnet, kann greifen und ist stark genug, eine volle Kaffeetasse durchs Wohnzimmer zu schieben. Wer die Fernbedienung hat, kann also mit Fug und Recht von sich behaupten, die Macht in Händen zu halten. Die Macht über gute oder schlechte Laune auf dem heimischen Battlefield. N.S.E.C.T. über www.mattel.com 35. Mahlzeit! Wenn Da Vinci heute noch mal „Das Letzte Abendmahl“ malen müsste, würde er vielleicht den Esstisch ROY und die dazu passenden Stühle PRIS als Mobiliar für die dramatische Szene wählen. Elegant abgestimmt – maskulin in Funktion und Design –, verkörpert diese Essgarnitur eine seltene Form idealer Perfektion und Vollkommenheit. Was aber nicht heißen soll, dass der Designer Michael Malmborg Gott ist. Roy Dining Table/Pris Dining Chair über www.lyx.com

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36. Fern und doch so nah. Ferngläser sind ja bekanntermaßen nicht nur für Voyeure, sondern auch was für Leute, die sich zu Vögeln hingezogen fühlen. Was aber alle Fernglasbesitzer gemeinsam haben, ist der Wunsch, das Rangezoomte festzuhalten. Bushnells LCDFernglas „Image View“ ist die ideale Hybridlösung: Lo-Fi-Kamera und Hi-Fi-Fernglas in einem. Dürfte auf jeden Fall für interessante Bilder auf vogelschutzverein.de sorgen, oder bei youporn.com! Fernglas über bushnell.de

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28. Medizin für die Ohren. Wussten Sie, dass das empfindlichste Sinnesorgan das Ohr ist? Schon 18 Wochen nach der Zeugung ist es zu voller Größe und Funktionsfähigkeit herangewachsen. Damit ist das Ohr das erste Organ, das seine Tätigkeit aufnimmt, und in der Regel stellt es auch als letztes Sinnesorgan seine Funktion ein. Deshalb sollten Sie Ihren Öhrchen auch etwas Gutes tun. Mit dem Swirl Earphone über www.aiaiai.dk 28.

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29. Die Unbestechliche. Diese Waage von Tefal zeigt mittels bioelektrischer Impedanzanalyse das Verhältnis von Fett- und Magermasse (Muskeln, Hirn) an und auch, wie dieses Verhältnis sich entwickelt. Auch Pseudo-Gewichtsverluste werden sofort enttarnt, z. B. durch bloße Dehydration nach exzessivem Saunieren. Außerdem erkennt Big Sister Sie jedes Mal wieder, auch wenn ein anderer zu Wiegender das gleiche Gewicht hat. Beim Wiegen fließt nämlich ein schwacher Strom durch Ihre Fett- und Magermassen, und der fließt bei jedem etwas anders. www.tefal.de 30. Besondere Note. Der Gemischtwarenladen Berlin Mitte ist um eine Auslage reicher. Der Design Concept Store „Strangefruit“ bietet auf imposanten 450 qm, über zwei Etagen verteilt, verwegene Mode, ungesehene Accessoires, ausgefallene Lifestyle-Produkte und andere Preziosen feil. Ob es auch komisches Obst gibt, wissen wir nicht. Strangefruit, Markgrafen­ straße 33, www.strangefruitberlin.com

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36. Fern und doch so nah. Ferngläser sind ja bekanntermaßen nicht nur für Voyeure, sondern auch was für Leute, die sich zu Vögeln hingezogen fühlen. Was aber alle Fernglasbesitzer gemeinsam haben, ist der Wunsch, das Rangezoomte festzuhalten. Bushnells LCDFernglas „Image View“ ist die ideale Hybridlösung: Lo-Fi-Kamera und Hi-Fi-Fernglas in einem. Dürfte auf jeden Fall für interessante Bilder auf vogelschutzverein.de sorgen, oder bei youporn.com! Fernglas über bushnell.de

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37. Na endlich. Jetzt gibt es ein Handy, mit dem man telefonieren kann. Man kann auch smsen. Und sonst nix. Doch. Man kann es schön finden, dass man auch bei starkem Sonnenlicht das Display erkennen kann, dass der Akku lange durchhält und dass man ein Mann ist, der Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden weiß. www.motorola.de 38. Narrenhände beschmieren Tisch und Wände. Kluge Menschen hingegen bekleben sie. Und nicht nur diese, auch Päckchen, Kühlschränke, Designersofas, Laptops, Lampen, Hund, Katze, Maus. Zu diesem Zwecke führen Schlauberger stets ein Sticker Book bei sich (erhältlich in sechs verschiedenen Farben), in dem sich bis zu 90 farbenfrohe Fotografien oder Müsterlein oder Illus befinden. Selbstklebend. Selbstredend kann man das Sticker Book auch mit eigenen Werken bestickern, äh, bestücken lassen. Wo es das wohl gibt? Hier vielleicht mal nachgucken? www.moo.com/products/stickers.php

37.

39. Eurocrunk trifft Continental-Grime. Nach ihrem klasse Debutalbum „Hello Mom“ melden sich Modeselektor aus Berlin nun mit ihrem zweiten Studioalbum zurück. Nach 111 Brandrodungen der Dancefloors von Reykjavík bis Sydney im letzten Jahr verkrochen sich die beiden heimlichen Brüder Gernot und Szary in ihr mobiles Airstream-Caravan-Aufnahmestudio, um „Happy Birthday“ aus der Taufe zu heben. Dass sie dazu noch Sympathieträger wie Thom York, die Puppetmastaz, Otto von Schirach oder Paul St. Hillaire ans Mikro bzw. an die Regler gebeten haben, macht das Ganze nicht unbedingt schlechter. Vom harten Rap französischer Schule bis Dubstep im weitesten Sinne ist alles dabei. Selbstironisch, reifer, aber keineswegs unattraktiv. „Modeselektor“, erschienen auf www.modeselektor.de 39.

40. Badische und Unsymbadische. Symbadische Leute trinken dieses feine Bier: Rothaus Tannenzäpfle, das seit 1791 in einer staatlichen Brauerei im Schwarzwald hergestellt wird. Sieht urig aus, wird nur in der Topgastronomie, z. B. dem Thier Bräu am Hamburger Schulterblatt ausgeschenkt, und schmeckt einfach, wie ein Bier schmecken soll. Lecker. www.rothaus.de 41. Tiger Wutz. Bei den Rentenkürzungen heutzutage wird’s immer schwieriger, sich im Alter eine Mitgliedschaft in einem Golf-Club mit richtigem Rasen leisten zu können. Deswegen gewöhnt man sich besser gar nicht erst an den Gedanken und übt lieber den Aufschlag mit richtigem Schläger vor dem Monitor. Und zum obligatorischen Drink am 19. Loch kehrt man dann in eine Bar in Second Life ein. Golf-Launchpad über www.electricspin.com

48. 45. Was für eine liebe Limo! Wenn Sie noch nie in Ihrem Leben ein Getränk getrunken haben, das nach einem in allen Farben des Kosmos schillernden Vogel benannt ist, der für seinen indischen Besitzer, den Herrn Kama, von Beruf Gott der Künste und der Liebe, glückbringende Botschaften überbrachte, dann sollten Sie es flugs tun. Prosaisch ausgedrückt, handelt es sich bei dem beschriebenen Produkt um einen Energy Drink in den Geschmackssorten Tajberry, Toniqa, Lima und Bilemon – und die sind ein Gedicht. Besonders zu empfehlen vor dem praktischen Studium der Kamasutra. www.motleybird.com

42. Megapowerdrops. Wir mischen uns nur ungern in die aktuelle Doping-Debatte ein, fragen uns aber, warum so viele Ausdauersportler so eklige Sachen machen wie eignes Blut raussaugen und wieder reinspritzen, wenn man doch mit ganz legalen Drops nahezu den gleichen Effekt erzielen kann. Zym ist im Hochleistungssport legal und gibt dem Körper die notwendigen Vitamine, um die Tour de France zu gewinnen. Wir probieren das nächstes Jahr aus. Zym, Portable Electrolyte Drink über www.gozym.com

45.

43. „Kann Spuren von Nüssen enthalten.“ Was tun Allergiker, wenn sie in früher Morgenstunde diese schreckliche Warnung auf der Müslipackung lesen? Sie greifen beim nächsten Mal zu „mymüsli“. Hier können Fans von Frühstücksflocken aus 70 Zutaten potentielle 566 Billiarden Variationen zusammenstellen, ohne Gefahr zu laufen, an Nuss-Spuren oder Rosinen-Mikroben zu ersticken. www.mymuesli.com

44.

43. 41. 40.

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49. 46. „I wear my sunglasses at night.“ Nicht nur Corey Hart trägt seine Sonnenbrille bei jeder Gelegenheit. Frauen fixieren damit ihre Frisuren, Männer verstecken dahinter ihre Tränensäcke nach durchzechten Nächten und die Zugehfrau von Naomi Campbell verbirgt ihr Veilchen. Die Kollektion besticht durch leichte Gestelle und den damit verbundenen Tragekomfort. Schöner Nebeneffekt: Die Brille ist leicht durchgebogen, so lässt sie sich auch gut ins Haar schieben, wenn Sie Ihrem Gegenüber Augenkontakt gewähren wollen. Wie Jack Blues in den Blues Brothers, als er ein einziges Mal seine Sonnenbrille abnimmt, um seine Frau davon abzuhalten, ihn umzubringen. www.hugoboss.de 47.Wie klappt’s mit dem Stuhlgang? Der moderne Mensch kehrt zurück zum Nomadentum. Wie schön, dass sich ebenso stilsichere wie pfiffige Tüftler dieser Zielgruppe angenommen, und eine heimelige Sitzgelegenheit erfunden haben, die zusammengeklappt mit in die Laptoptasche passt. Der Stuhl „Isis“ misst zusammengefaltet 3 cm in der Tiefe und außenrum 47 x 77cm. Für ganze Clans gibt es auch Docking Stations mit vier, sechs oder zehn Stühlen. www.jakephipps.com

44. Allmächtiger! Wenn Sie sich immer gewünscht haben, die totale Kontrolle zu besitzen, dann brauchen Sie dieses herrliche Produkt: Den kleinen Roboter Spyke von Meccano können Sie von überall auf der Welt via Internet mit einer WiFi-Verbindung steuern. Auf Ihren Befehl hin bewegt er sich, lauscht, macht Fotos, nimmt Sounds und Filme auf und versendet sie per E-Mail. Wenn Sie es wollen, spielt er MP3s oder verwandelt sich in ein VOIP phone. Und wenn seine Batterien leer sind, dann geht er ganz von alleine zum Aufladen zur Station zurück. www.ledroideenchaine.com

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48. Oh! Ein Klavier! Ein Klavier! Ja, das möchten die weniger Technikaffinen ausrufen, wenn sie das neue Heimkino-Wunderwerk von Pioneer sehen. Sein hochglänzender Klavierlack verleiht eine klassische Eleganz. Anders als ein Klavier verfügt das LX01 über einen DVD-Recorder mit 250 GB Festplatte, einen DVB-TTuner. Molto Vivace sind die vier mitgelieferten omnidirektionalen Satellitenlautsprecher, die ein Klangbild von Räumlichkeit erzeugen. So stirbt wieder ein THX-Kino in einer kulturellen Randregion. www.pioneer.de 49. I was made for lovin’ you baby. Es ist nicht in aller Munde. Es ist keine Modeerscheinug. Man wird nicht berühmt. Und doch passiert es. Jeden Tag spenden Menschen Blut – für andere. Die Hard-Rock-Band KISS ließen auch ihren Lebenssaft abzapfen, jedoch nicht um Leben zu retten. Der wahre Grund ist eine Kollaboration mit dem US-amerikanischen Verlag Marvel Comics. Das Besondere: Die Druckfarbe darin beinhaltet das Blut aller vier Mitglieder, sozusagen der rote Leitfaden vom Comic. Bisher sind nur zwei KISS-Comics auf den Markt gekommen. Wir vermuten, dass das Blut alle war. Das ist doch wahre Blutsfreundschaft zwischen Musiker und Fan. www. kissonline.com und www.marvel.com

50. 50. Mein Haus ist dein Haus. Nico Ueberholz baut Häuser. Der Grundriss ist flexibel, die Wandprofile werden nicht gemauert, sondern können mit Erde, Sand oder Kies gefüllt werden. Die Wandprofile bestehen bis zu 80 % aus nachwachsenden Rohstoffen. Zwei Menschen können ein Haus innerhalb weniger Stunden aufbauen. Das „Life Visions Haus“ ist insbesondere für Gegenden gedacht, in denen die Leute ein Dach über dem Kopf brauchen. Nach Erdbeben, Sturmfluten und Hungersnöten. Noch verschenkt Herr Ueberholz viele seiner Häuser. Für eine Klink in Darfur z. B. Wenn Sie es ihm gleichtun wollen, schicken Sie ihm eine E-Mail. Häuser kann man immer brauchen. www.eurobauten.de 51. Tief durchatmen. Für Kettenraucher in fensterlosen Räumen haben die freundlichen Schweden einen Lufterfrischer konstruiert, der leise arbeitet, 99 % aller Schadstoffe aus der Luft entfernt und dabei auch noch gut aussieht. Sie können also den Zimmerbrunnen abstellen, den leuchtenden Salzstein den Ziegen geben und in weniger als fünf Stunden ist die Luft rein. Ion Flow Air Purifier über www.dwr.com 52. Die Technik der Verführung. Eigentlich wurde dieser simple Lichthakenschalter ja dazu entwickelt, um uns Erdenbürgern die Nützlichkeit des Energiesparens besonders plastisch vor Augen zu führen. Steht der Schalter nämlich auf „Aus“, ist er ein vollwertiger Garderobenhaken. Man kann aber auch seine neueste Eroberung bitten, ihr Mäntelchen an den Haken zu hängen, wenn er noch angeschaltet ist. Dann geht das Licht aus und es wird dunkel. OFF, Lichthakenschalter über www.dieelectric.org

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53. 53. Hier kommt so einiges zusammen. Bei adidas wirft man bildende Kunst, Musik und Mode einfach in einen Topf bzw. eine Schachtel. Wir finden, das ist eine sportliche Leistung. Hier kollaborieren DJ Fetisch, Künstler Carsten Fock und adidas, um uns mit zwei Fetischen zu beglücken, die Sammlerwert haben. TNT BOX Set Vol. I und Vol. II., streng limitiert. Drin sind jeweils eine von 50 Lottergirls „But please fuck the system“ als Vinyl-EPS mit unveröffentlichten Tracks und ein, wer hätte das gedacht, adidas-Sweatshirt. www.am-firmament.com

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37. Na endlich. Jetzt gibt es ein Handy, mit dem man telefonieren kann. Man kann auch smsen. Und sonst nix. Doch. Man kann es schön finden, dass man auch bei starkem Sonnenlicht das Display erkennen kann, dass der Akku lange durchhält und dass man ein Mann ist, der Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden weiß. www.motorola.de 38. Narrenhände beschmieren Tisch und Wände. Kluge Menschen hingegen bekleben sie. Und nicht nur diese, auch Päckchen, Kühlschränke, Designersofas, Laptops, Lampen, Hund, Katze, Maus. Zu diesem Zwecke führen Schlauberger stets ein Sticker Book bei sich (erhältlich in sechs verschiedenen Farben), in dem sich bis zu 90 farbenfrohe Fotografien oder Müsterlein oder Illus befinden. Selbstklebend. Selbstredend kann man das Sticker Book auch mit eigenen Werken bestickern, äh, bestücken lassen. Wo es das wohl gibt? Hier vielleicht mal nachgucken? www.moo.com/products/stickers.php

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39. Eurocrunk trifft Continental-Grime. Nach ihrem klasse Debutalbum „Hello Mom“ melden sich Modeselektor aus Berlin nun mit ihrem zweiten Studioalbum zurück. Nach 111 Brandrodungen der Dancefloors von Reykjavík bis Sydney im letzten Jahr verkrochen sich die beiden heimlichen Brüder Gernot und Szary in ihr mobiles Airstream-Caravan-Aufnahmestudio, um „Happy Birthday“ aus der Taufe zu heben. Dass sie dazu noch Sympathieträger wie Thom York, die Puppetmastaz, Otto von Schirach oder Paul St. Hillaire ans Mikro bzw. an die Regler gebeten haben, macht das Ganze nicht unbedingt schlechter. Vom harten Rap französischer Schule bis Dubstep im weitesten Sinne ist alles dabei. Selbstironisch, reifer, aber keineswegs unattraktiv. „Modeselektor“, erschienen auf www.modeselektor.de 39.

40. Badische und Unsymbadische. Symbadische Leute trinken dieses feine Bier: Rothaus Tannenzäpfle, das seit 1791 in einer staatlichen Brauerei im Schwarzwald hergestellt wird. Sieht urig aus, wird nur in der Topgastronomie, z. B. dem Thier Bräu am Hamburger Schulterblatt ausgeschenkt, und schmeckt einfach, wie ein Bier schmecken soll. Lecker. www.rothaus.de 41. Tiger Wutz. Bei den Rentenkürzungen heutzutage wird’s immer schwieriger, sich im Alter eine Mitgliedschaft in einem Golf-Club mit richtigem Rasen leisten zu können. Deswegen gewöhnt man sich besser gar nicht erst an den Gedanken und übt lieber den Aufschlag mit richtigem Schläger vor dem Monitor. Und zum obligatorischen Drink am 19. Loch kehrt man dann in eine Bar in Second Life ein. Golf-Launchpad über www.electricspin.com

48. 45. Was für eine liebe Limo! Wenn Sie noch nie in Ihrem Leben ein Getränk getrunken haben, das nach einem in allen Farben des Kosmos schillernden Vogel benannt ist, der für seinen indischen Besitzer, den Herrn Kama, von Beruf Gott der Künste und der Liebe, glückbringende Botschaften überbrachte, dann sollten Sie es flugs tun. Prosaisch ausgedrückt, handelt es sich bei dem beschriebenen Produkt um einen Energy Drink in den Geschmackssorten Tajberry, Toniqa, Lima und Bilemon – und die sind ein Gedicht. Besonders zu empfehlen vor dem praktischen Studium der Kamasutra. www.motleybird.com

42. Megapowerdrops. Wir mischen uns nur ungern in die aktuelle Doping-Debatte ein, fragen uns aber, warum so viele Ausdauersportler so eklige Sachen machen wie eignes Blut raussaugen und wieder reinspritzen, wenn man doch mit ganz legalen Drops nahezu den gleichen Effekt erzielen kann. Zym ist im Hochleistungssport legal und gibt dem Körper die notwendigen Vitamine, um die Tour de France zu gewinnen. Wir probieren das nächstes Jahr aus. Zym, Portable Electrolyte Drink über www.gozym.com

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43. 41. 40.

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49. 46. „I wear my sunglasses at night.“ Nicht nur Corey Hart trägt seine Sonnenbrille bei jeder Gelegenheit. Frauen fixieren damit ihre Frisuren, Männer verstecken dahinter ihre Tränensäcke nach durchzechten Nächten und die Zugehfrau von Naomi Campbell verbirgt ihr Veilchen. Die Kollektion besticht durch leichte Gestelle und den damit verbundenen Tragekomfort. Schöner Nebeneffekt: Die Brille ist leicht durchgebogen, so lässt sie sich auch gut ins Haar schieben, wenn Sie Ihrem Gegenüber Augenkontakt gewähren wollen. Wie Jack Blues in den Blues Brothers, als er ein einziges Mal seine Sonnenbrille abnimmt, um seine Frau davon abzuhalten, ihn umzubringen. www.hugoboss.de 47.Wie klappt’s mit dem Stuhlgang? Der moderne Mensch kehrt zurück zum Nomadentum. Wie schön, dass sich ebenso stilsichere wie pfiffige Tüftler dieser Zielgruppe angenommen, und eine heimelige Sitzgelegenheit erfunden haben, die zusammengeklappt mit in die Laptoptasche passt. Der Stuhl „Isis“ misst zusammengefaltet 3 cm in der Tiefe und außenrum 47 x 77cm. Für ganze Clans gibt es auch Docking Stations mit vier, sechs oder zehn Stühlen. www.jakephipps.com

44. Allmächtiger! Wenn Sie sich immer gewünscht haben, die totale Kontrolle zu besitzen, dann brauchen Sie dieses herrliche Produkt: Den kleinen Roboter Spyke von Meccano können Sie von überall auf der Welt via Internet mit einer WiFi-Verbindung steuern. Auf Ihren Befehl hin bewegt er sich, lauscht, macht Fotos, nimmt Sounds und Filme auf und versendet sie per E-Mail. Wenn Sie es wollen, spielt er MP3s oder verwandelt sich in ein VOIP phone. Und wenn seine Batterien leer sind, dann geht er ganz von alleine zum Aufladen zur Station zurück. www.ledroideenchaine.com

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48. Oh! Ein Klavier! Ein Klavier! Ja, das möchten die weniger Technikaffinen ausrufen, wenn sie das neue Heimkino-Wunderwerk von Pioneer sehen. Sein hochglänzender Klavierlack verleiht eine klassische Eleganz. Anders als ein Klavier verfügt das LX01 über einen DVD-Recorder mit 250 GB Festplatte, einen DVB-TTuner. Molto Vivace sind die vier mitgelieferten omnidirektionalen Satellitenlautsprecher, die ein Klangbild von Räumlichkeit erzeugen. So stirbt wieder ein THX-Kino in einer kulturellen Randregion. www.pioneer.de 49. I was made for lovin’ you baby. Es ist nicht in aller Munde. Es ist keine Modeerscheinug. Man wird nicht berühmt. Und doch passiert es. Jeden Tag spenden Menschen Blut – für andere. Die Hard-Rock-Band KISS ließen auch ihren Lebenssaft abzapfen, jedoch nicht um Leben zu retten. Der wahre Grund ist eine Kollaboration mit dem US-amerikanischen Verlag Marvel Comics. Das Besondere: Die Druckfarbe darin beinhaltet das Blut aller vier Mitglieder, sozusagen der rote Leitfaden vom Comic. Bisher sind nur zwei KISS-Comics auf den Markt gekommen. Wir vermuten, dass das Blut alle war. Das ist doch wahre Blutsfreundschaft zwischen Musiker und Fan. www. kissonline.com und www.marvel.com

50. 50. Mein Haus ist dein Haus. Nico Ueberholz baut Häuser. Der Grundriss ist flexibel, die Wandprofile werden nicht gemauert, sondern können mit Erde, Sand oder Kies gefüllt werden. Die Wandprofile bestehen bis zu 80 % aus nachwachsenden Rohstoffen. Zwei Menschen können ein Haus innerhalb weniger Stunden aufbauen. Das „Life Visions Haus“ ist insbesondere für Gegenden gedacht, in denen die Leute ein Dach über dem Kopf brauchen. Nach Erdbeben, Sturmfluten und Hungersnöten. Noch verschenkt Herr Ueberholz viele seiner Häuser. Für eine Klink in Darfur z. B. Wenn Sie es ihm gleichtun wollen, schicken Sie ihm eine E-Mail. Häuser kann man immer brauchen. www.eurobauten.de 51. Tief durchatmen. Für Kettenraucher in fensterlosen Räumen haben die freundlichen Schweden einen Lufterfrischer konstruiert, der leise arbeitet, 99 % aller Schadstoffe aus der Luft entfernt und dabei auch noch gut aussieht. Sie können also den Zimmerbrunnen abstellen, den leuchtenden Salzstein den Ziegen geben und in weniger als fünf Stunden ist die Luft rein. Ion Flow Air Purifier über www.dwr.com 52. Die Technik der Verführung. Eigentlich wurde dieser simple Lichthakenschalter ja dazu entwickelt, um uns Erdenbürgern die Nützlichkeit des Energiesparens besonders plastisch vor Augen zu führen. Steht der Schalter nämlich auf „Aus“, ist er ein vollwertiger Garderobenhaken. Man kann aber auch seine neueste Eroberung bitten, ihr Mäntelchen an den Haken zu hängen, wenn er noch angeschaltet ist. Dann geht das Licht aus und es wird dunkel. OFF, Lichthakenschalter über www.dieelectric.org

51.

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53. 53. Hier kommt so einiges zusammen. Bei adidas wirft man bildende Kunst, Musik und Mode einfach in einen Topf bzw. eine Schachtel. Wir finden, das ist eine sportliche Leistung. Hier kollaborieren DJ Fetisch, Künstler Carsten Fock und adidas, um uns mit zwei Fetischen zu beglücken, die Sammlerwert haben. TNT BOX Set Vol. I und Vol. II., streng limitiert. Drin sind jeweils eine von 50 Lottergirls „But please fuck the system“ als Vinyl-EPS mit unveröffentlichten Tracks und ein, wer hätte das gedacht, adidas-Sweatshirt. www.am-firmament.com

46.

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62. Für Optimisten. Der Oyster-PerpetualYacht-Master-II-Regatta-Chronograph ist die erste Armbanduhr, die mit programmierbarem Countdown sowie mechanischem Speicher ausgestattet ist. Dies ermöglicht es, zu jeder Regatta den gewünschten Countdown einzustellen. Perfekt auf die Bedürfnisse von erfahrenen Skippern abgestimmt: Yacht Master II über www.rolex.de

59.

54.

54. Mit Treets unterwegs. Nüsse in Schokohülle hießen früher Treets. Das müssen wir an dieser Stelle mal sagen, obwohl wir „Generation Golf“ und die daraus erwachsende Diskussion über den Geschmack von Brauner Bär und die Melodie von Wickie immer total blöde fanden. Trotzdem sieht dieser schmucke, lederbezogene und goldbekleckerte Mopedhelm von Boss aus wie ein angebissenes Treets. Wir empfehlen dazu eine Honda Dax, in Apfelgrün oder Rot, in dieser Kombination garantieren wir Ihnen den Respekt aller anderen Verkehrsteilnehmer. Helm über Boss orange, www.hugoboss.com 55. Sowas von completely independent. Michael Dracula aus Glasgow hat keine Website. Dass sie trotzdem in dieses Magazin gefunden hat, spricht zum einen für Michael Dracula, zum anderen für dieses Magazin. Wer Bands mit rätselhaftem Namen mag, wer Bands, für die auf den bekannten Websites null „ähnliche Künstler“ gefunden werden, wer düstere Gitarren, treibende Drums, Farfisa-Orgeln und hypnotische Frontfrauenstimmen mag (die ältere unter unseren Lesern vielleicht an Blondie erinnen), denen sei geraten: Kaufen Sie dieses Produkt. Es ist gut. Michael Dracula, „In the red“, www.zerecords.com

55.

56.

57.

58.

56. Grün vor Neid. Davon kann man mal am Kaffeeautomaten in der Raucherecke erzählen: Wochenende beim Alfred Dunhill Links Championship. Mit dabei: Michael Douglas, Hugh Grant, Samuel L. Jackson, Boris Becker, Jodie Kidd und Kyle MacLachlan. Gespielt haben: Ernie Els, Padraig Harrington, Colin Montgomerie und Vijay Singh. Und das Hotel war auch ganz ok. Alfred Dunhill Links Championship, St. Andrews 4. bis 7. Oktober 2007, Eintritt frei, Finale 15 Pfund. Übernachtung im Malmaison in Glasgow ab 99 Pfund, www.malmaison-glasgow.com 57. Kalauer fürs Haar. Respekt für diese Produktbezeichnung von unserer hochgeschätzten Kosmetikfirma Aveda: Pure-Formance. Wenn das „Grooming Clay“ in den Haaren ähnlich pfiffig wirkt wie dieses Wortspiel, dann sehen bald alle Verwender so gut aus wie ... (aktuelles Idol bitte einfügen, uns fällt grad keins mit guter Frisur ein). Aveda Men Pure-Formance™ ist ab Mitte September 2007 in Avedasalons, Spas und Lifestyle Stores erhältlich. Infos auf www.aveda.de

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62.

60.

58. Design für Lutscher. Was soll man davon halten, wenn einer sein eigenes Produkt als Designer-Mints beschreibt? Da ist man doch alarmiert. Das ist doch unsympathisch. Wenn es sich allerdings um einen gewissen amerikanischen Hersteller von Pfefferminz handelt, der unterschiedlichste atemberaubende Pastillen kreiert, jede kunstvoll prägt und in noch schöneren Künstlereditionen-Blechschachteln verpackt, dann könnte man sogar anfangen, Amerikaner ganz unterschiedslos lieb zu haben. Außer auf den Kopfkissen der Nobelhotels rund um die Welt und bei ausgesuchten Delikatessen-Dealern auch hier: www.hintmint.com 59. Haben Sie einen Vogel? Die Familie Sayn-Wittgenstein möchte auch ein bisschen Geld verdienen. Und zwar indem sie etwas für die Ärmsten der Armen tut. Die Piepmätze. „Bald schon können Sie Ihre kleinen Gäste beobachten“. Meinen die damit wirklich die Kohlmeisen oder ist das eine versteckte Beleidigung aller nichtadeligen Besucher? Birds Home über www.louissayn.de 60. Darauf hat die Welt gewartet. Endlich muss man in der U-Bahn nicht mehr das dürre Geklirre aus den Handy-Kopfhörern seiner Mitmenschen erleiden. Man wird richtig teilhaben am musikalischen Leben der anderen. Ihre Abteilgenossen werden echte Lautsprecher mitbringen! Die Sony-Schni-Schna-SchnappiSnap-On-Boxen MPS-75 sind im Nu irgendwo hingeklemmt, und schon kann man sich mit seinen Mitmenschen über die großartige Klangqualität seiner Handy- und Musikdateien freuen. Strom bekommen die Böxly über den Akku des Handy – vorzugsweise eines SonyEricsson-Models. Mit Bluetooth machen die frechen Dinger es aber auch mit anderen. www.sonyericsson.de 61. Schwarzfußindianer. Manchmal gibt es Produkte, die findet man eigentlich prima, aber es fällt einem partout nicht ein, wie man sie anpreisen könnte. Also versuchen wir es ausnahmsweise mal mit der Wahrheit: Schwarzer Turnschuh mit weißen Schnürsenkeln in allen Männergrößen über www.tretorn.com

63. Aufstehen! Hinlegen! Aufstehen! Dieser Wecker des Designers Marc Owens verwirrt den Betrachter nicht mit überflüssigen Zeitangaben, er befiehlt lediglich wachen oder schlafen. Und das in einem gewöhnungsbedürftigen Rhythmus. Dreieinhalb Stunden Wachen. Halbes Stündchen Nickerchen. Napoleon soll gesagt haben: "Vier Stunden die Männer, fünf die Frauen und sechs die Dummköpfe!" Aufstehen! Hinlegen! Aufstehen! Hingehen, Schlaumeier: www.marcowens.co.uk

63.

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64.

61.

64. Immer schön die Finger waschen. Ab jetzt können Sie wenigstens die PIN für Ihr Handy getrost vergessen. Anhand Ihres Fingerabdrucks lassen sich die notwendigen Codes ersetzen. Probleme gibt’s erst, wenn Ihnen jemand den Finger abhackt. Also immer schön sauber bleiben. Porsche Design Phone P9521 über www.porsche-design.com 65. Brat mir doch einer einen Storch! In der letzten Ausgabe haben wir zum aktuellen kulinarischen Trend Dampfgaren eine Sauna angepriesen, in der man bei konstanter Niedrigtemperatur große Fleischprodukte zubereiten kann. Zahlreiche Leserbriefe wiesen uns darauf hin, dass sie die Garmethode interessant finden. Denen raten wir zum besten Dampfbackofen seiner Klasse. Im BS254 von Gaggenau ist druckloses Garen mit Dampf bei Feuchtegraden von 0 bis 100 % und Temperaturen bis 230 Grad möglich, passend fürs Braten, Kochen und Backen. Dampfbackofen BS254 – 110 über www.gaggenau.com

68. 66.

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70.

66. Schaffe, schaffe, Mäusle baue. Der Trend geht zu All-in-one-Geräten. Das hat Logitech erkannt und eine Laser-Maus mit berührungsempfindlichem Scrollrad entwickelt, die sich per Gestensteuerung auch als Fernbedienung nutzen lässt. Für Media-PCs im Wohnzimmer zum Beispiel. Eine echte Zaubermaus eben. MX Air Mouse über www.logitech.com 67. Hier geht’s lang. Ein Breitband-Router sollte vor allem eins: funktionieren. Dass so ein ansonsten eher unspektakuläres Gerät dabei auch noch gut aussehen kann, hat PeripherieSpezialist Belkin begriffen und deshalb seinem neuen, extrem schlanken WLAN-Router ein schickes LC-Display verpasst. Darauf sind haufenweise Informationen zum Netz, den verbundenen Usern und Geräten sowie den Leistungs- und Transferdaten abzulesen. Fehlt eigentlich nur noch eine Außentemperaturanzeige. Aber es muss ja auch noch Entwicklungsspielraum nach oben geben. Belkin N1 Vision über www.belkin.com 68. Wann war Ihre letzte Trennung? Haushalt und täglicher Kleinkram zerstören jede Zweierbeziehung. Manchmal schon nach einer Wäsche. Dauerhafte Bindungen sind unter Sockenpaaren möglich. Der Druckknopf unter dem Bündchen schweißt die beiden beim Waschen, beim Trocknen auf der Leine, in der Schublade zusammen. Kein Verschwinden, kein Fremdgehen mehr, (wohlmöglich noch weiße mit farbigen!). Nun gut, am Tag geht jeder seiner Wege, aber am Abend weiß man, zu wem man gehört. www.snapsock.de 69. Schöner Buckel. Ein Grund, mal die Website von PRADA zu besuchen, ist die wirklich ansprechende Präsentation der aktuellen Kollektion. Und dieser Rucksack natürlich. www.prada.de 70. And the Grammy goes to ... Wenn Sie Grammophone lieben, dann legen Sie sich das Phonofone von Science & Sons zu. Dieses Wunderteil aus Keramik besticht neben der Optik durch eine geniale Akustik. Legt man einen Kopfhörer auf das Gerät, dann schallt durch dessen Schwingungen ein warmer Klang aus dem Schalltrichter. www.scienceandsons.com

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62. Für Optimisten. Der Oyster-PerpetualYacht-Master-II-Regatta-Chronograph ist die erste Armbanduhr, die mit programmierbarem Countdown sowie mechanischem Speicher ausgestattet ist. Dies ermöglicht es, zu jeder Regatta den gewünschten Countdown einzustellen. Perfekt auf die Bedürfnisse von erfahrenen Skippern abgestimmt: Yacht Master II über www.rolex.de

59.

54.

54. Mit Treets unterwegs. Nüsse in Schokohülle hießen früher Treets. Das müssen wir an dieser Stelle mal sagen, obwohl wir „Generation Golf“ und die daraus erwachsende Diskussion über den Geschmack von Brauner Bär und die Melodie von Wickie immer total blöde fanden. Trotzdem sieht dieser schmucke, lederbezogene und goldbekleckerte Mopedhelm von Boss aus wie ein angebissenes Treets. Wir empfehlen dazu eine Honda Dax, in Apfelgrün oder Rot, in dieser Kombination garantieren wir Ihnen den Respekt aller anderen Verkehrsteilnehmer. Helm über Boss orange, www.hugoboss.com 55. Sowas von completely independent. Michael Dracula aus Glasgow hat keine Website. Dass sie trotzdem in dieses Magazin gefunden hat, spricht zum einen für Michael Dracula, zum anderen für dieses Magazin. Wer Bands mit rätselhaftem Namen mag, wer Bands, für die auf den bekannten Websites null „ähnliche Künstler“ gefunden werden, wer düstere Gitarren, treibende Drums, Farfisa-Orgeln und hypnotische Frontfrauenstimmen mag (die ältere unter unseren Lesern vielleicht an Blondie erinnen), denen sei geraten: Kaufen Sie dieses Produkt. Es ist gut. Michael Dracula, „In the red“, www.zerecords.com

55.

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56. Grün vor Neid. Davon kann man mal am Kaffeeautomaten in der Raucherecke erzählen: Wochenende beim Alfred Dunhill Links Championship. Mit dabei: Michael Douglas, Hugh Grant, Samuel L. Jackson, Boris Becker, Jodie Kidd und Kyle MacLachlan. Gespielt haben: Ernie Els, Padraig Harrington, Colin Montgomerie und Vijay Singh. Und das Hotel war auch ganz ok. Alfred Dunhill Links Championship, St. Andrews 4. bis 7. Oktober 2007, Eintritt frei, Finale 15 Pfund. Übernachtung im Malmaison in Glasgow ab 99 Pfund, www.malmaison-glasgow.com 57. Kalauer fürs Haar. Respekt für diese Produktbezeichnung von unserer hochgeschätzten Kosmetikfirma Aveda: Pure-Formance. Wenn das „Grooming Clay“ in den Haaren ähnlich pfiffig wirkt wie dieses Wortspiel, dann sehen bald alle Verwender so gut aus wie ... (aktuelles Idol bitte einfügen, uns fällt grad keins mit guter Frisur ein). Aveda Men Pure-Formance™ ist ab Mitte September 2007 in Avedasalons, Spas und Lifestyle Stores erhältlich. Infos auf www.aveda.de

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58. Design für Lutscher. Was soll man davon halten, wenn einer sein eigenes Produkt als Designer-Mints beschreibt? Da ist man doch alarmiert. Das ist doch unsympathisch. Wenn es sich allerdings um einen gewissen amerikanischen Hersteller von Pfefferminz handelt, der unterschiedlichste atemberaubende Pastillen kreiert, jede kunstvoll prägt und in noch schöneren Künstlereditionen-Blechschachteln verpackt, dann könnte man sogar anfangen, Amerikaner ganz unterschiedslos lieb zu haben. Außer auf den Kopfkissen der Nobelhotels rund um die Welt und bei ausgesuchten Delikatessen-Dealern auch hier: www.hintmint.com 59. Haben Sie einen Vogel? Die Familie Sayn-Wittgenstein möchte auch ein bisschen Geld verdienen. Und zwar indem sie etwas für die Ärmsten der Armen tut. Die Piepmätze. „Bald schon können Sie Ihre kleinen Gäste beobachten“. Meinen die damit wirklich die Kohlmeisen oder ist das eine versteckte Beleidigung aller nichtadeligen Besucher? Birds Home über www.louissayn.de 60. Darauf hat die Welt gewartet. Endlich muss man in der U-Bahn nicht mehr das dürre Geklirre aus den Handy-Kopfhörern seiner Mitmenschen erleiden. Man wird richtig teilhaben am musikalischen Leben der anderen. Ihre Abteilgenossen werden echte Lautsprecher mitbringen! Die Sony-Schni-Schna-SchnappiSnap-On-Boxen MPS-75 sind im Nu irgendwo hingeklemmt, und schon kann man sich mit seinen Mitmenschen über die großartige Klangqualität seiner Handy- und Musikdateien freuen. Strom bekommen die Böxly über den Akku des Handy – vorzugsweise eines SonyEricsson-Models. Mit Bluetooth machen die frechen Dinger es aber auch mit anderen. www.sonyericsson.de 61. Schwarzfußindianer. Manchmal gibt es Produkte, die findet man eigentlich prima, aber es fällt einem partout nicht ein, wie man sie anpreisen könnte. Also versuchen wir es ausnahmsweise mal mit der Wahrheit: Schwarzer Turnschuh mit weißen Schnürsenkeln in allen Männergrößen über www.tretorn.com

63. Aufstehen! Hinlegen! Aufstehen! Dieser Wecker des Designers Marc Owens verwirrt den Betrachter nicht mit überflüssigen Zeitangaben, er befiehlt lediglich wachen oder schlafen. Und das in einem gewöhnungsbedürftigen Rhythmus. Dreieinhalb Stunden Wachen. Halbes Stündchen Nickerchen. Napoleon soll gesagt haben: "Vier Stunden die Männer, fünf die Frauen und sechs die Dummköpfe!" Aufstehen! Hinlegen! Aufstehen! Hingehen, Schlaumeier: www.marcowens.co.uk

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61.

64. Immer schön die Finger waschen. Ab jetzt können Sie wenigstens die PIN für Ihr Handy getrost vergessen. Anhand Ihres Fingerabdrucks lassen sich die notwendigen Codes ersetzen. Probleme gibt’s erst, wenn Ihnen jemand den Finger abhackt. Also immer schön sauber bleiben. Porsche Design Phone P9521 über www.porsche-design.com 65. Brat mir doch einer einen Storch! In der letzten Ausgabe haben wir zum aktuellen kulinarischen Trend Dampfgaren eine Sauna angepriesen, in der man bei konstanter Niedrigtemperatur große Fleischprodukte zubereiten kann. Zahlreiche Leserbriefe wiesen uns darauf hin, dass sie die Garmethode interessant finden. Denen raten wir zum besten Dampfbackofen seiner Klasse. Im BS254 von Gaggenau ist druckloses Garen mit Dampf bei Feuchtegraden von 0 bis 100 % und Temperaturen bis 230 Grad möglich, passend fürs Braten, Kochen und Backen. Dampfbackofen BS254 – 110 über www.gaggenau.com

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66. Schaffe, schaffe, Mäusle baue. Der Trend geht zu All-in-one-Geräten. Das hat Logitech erkannt und eine Laser-Maus mit berührungsempfindlichem Scrollrad entwickelt, die sich per Gestensteuerung auch als Fernbedienung nutzen lässt. Für Media-PCs im Wohnzimmer zum Beispiel. Eine echte Zaubermaus eben. MX Air Mouse über www.logitech.com 67. Hier geht’s lang. Ein Breitband-Router sollte vor allem eins: funktionieren. Dass so ein ansonsten eher unspektakuläres Gerät dabei auch noch gut aussehen kann, hat PeripherieSpezialist Belkin begriffen und deshalb seinem neuen, extrem schlanken WLAN-Router ein schickes LC-Display verpasst. Darauf sind haufenweise Informationen zum Netz, den verbundenen Usern und Geräten sowie den Leistungs- und Transferdaten abzulesen. Fehlt eigentlich nur noch eine Außentemperaturanzeige. Aber es muss ja auch noch Entwicklungsspielraum nach oben geben. Belkin N1 Vision über www.belkin.com 68. Wann war Ihre letzte Trennung? Haushalt und täglicher Kleinkram zerstören jede Zweierbeziehung. Manchmal schon nach einer Wäsche. Dauerhafte Bindungen sind unter Sockenpaaren möglich. Der Druckknopf unter dem Bündchen schweißt die beiden beim Waschen, beim Trocknen auf der Leine, in der Schublade zusammen. Kein Verschwinden, kein Fremdgehen mehr, (wohlmöglich noch weiße mit farbigen!). Nun gut, am Tag geht jeder seiner Wege, aber am Abend weiß man, zu wem man gehört. www.snapsock.de 69. Schöner Buckel. Ein Grund, mal die Website von PRADA zu besuchen, ist die wirklich ansprechende Präsentation der aktuellen Kollektion. Und dieser Rucksack natürlich. www.prada.de 70. And the Grammy goes to ... Wenn Sie Grammophone lieben, dann legen Sie sich das Phonofone von Science & Sons zu. Dieses Wunderteil aus Keramik besticht neben der Optik durch eine geniale Akustik. Legt man einen Kopfhörer auf das Gerät, dann schallt durch dessen Schwingungen ein warmer Klang aus dem Schalltrichter. www.scienceandsons.com

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71. Katalanische Autonome. Befragt man einen Katalanen über seine Heimat, fällt die Beurteilung schlicht aus: Die katalanische Küche ist die beste der Welt, Katalonien ist das schönste Land der Welt und ihre Sprache bringt die größten Autoren der Welt hervor. Die Veranstalter der Frankfurter Buchmesse haben wohl im schönen Barcelona zu oft Tapas gegessen, dass sie auf diese Übertreibung reingefallen sind und Katalonien zum Schwerpunkt der diesjährigen Buchmesse gemacht haben. Viva Catalunya, vom 10. bis 14. Oktober 2007 in Frankfurt. www.buchmesse.de 72. Die Achse des Guten. Wem es bislang aus Gründen des Stils und der Ästhetik an ökologischem Durchhaltevermögen gemangelt hat, dem rufen wir nun aufmunternd zu: Darling! Alles wird gut! Und schön! Denn es gibt eine Website, auf der man nicht nur moralische Unterstützung, sondern auch alles findet, was der Mensch so braucht. Umweltverträglich, fair hergestellt, fair gehandelt und erlöst von allem Bösen, das Leib oder Seele belastet. www.stylewillsaveus.com

73.

73. Nicht traurig sein, Harry. Das Mixen von Cocktails darf sich zu den Künsten zählen. Und wie überall in der Kunst hat auch auf diesem Gebiet eine Demokratisierung stattgefunden. Im Zwei-Komponenten-Pack: ein Döschen mit Fruchtsaft, eins mit Hochprozentigem. Auf der klassischen Cocktailkarte: Sex On The Beach, Mai Tai, Ladykiller, Tequila Sunrise und Planter’s Punch. www.conelly-cocktails.com

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79. 74. Meine wichtigsten Körperfunktionen. Worunter Schmidt leidet, beschreibt er in seinem neuesten Buch. Manche Kapitel sind so lustig, dass man abends im Bett lachen muss und damit seine(n) Bettnachbar(in) zur Weißglut bringt. Andere sind sehr traurig. Jochen Schmidt, „Meine wichtigsten Körperfunktionen“, C.H. Beck, www.beck-shop.de 75. Bei den Wariwaris. Der spleenige amerikanische Millionär Henderson fliegt nach Afrika, weil er seine Familie und die Schweinezucht, seinen Reichtum und sich selbst gründlich satt hat. Dank seiner Bärenkräfte wird Henderson „Regenkönig“ bei den Wariwaris und findet den Sinn seines Lebens wieder. Saul Bellow hat sehr viele schlaue und wahre Bücher über meistens etwas ältere Männer in Krisen geschrieben. Dieses hier ist besonders lustig. Saul Bellow, „Der Regenkönig“, DTV, www.dtv.de 76. Alle kommen. Wenn man das Wort „Orgasmus“ googelt, dann kommen 2,7 Millionen Treffer. Muss man über einen derart durchgenudelten Vorgang noch ein Buch schreiben? Man muss nicht, aber Harald Braun und Simone Buchholz sind wirklich mit außerordentlicher Beobachtungsgabe und maximalem Sprachwitz ausgestattetet und dürfen deswegen über alles schreiben. Simone Buchholz/Harald Braun, „Er kommt, sie kommt“, Ehrenwirth, www.ehrenwirth.de

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77. Das lächerliche Leben eines ernsten Mannes. Häuser und Autos, die wie aufgepumpt aussehen, Männer und Hunde, die Gegenstände und gar die Weltkugel verschluckt zu haben scheinen, Handlungsanweisungen dazu, wie man sich politisch unkorrekt verhalten kann, „One Minute Sculptures“, bei denen das Publikum selbst zur Skulptur wird. Der Künstler Erwin Wurm erfreute uns drei Monate lang mit einer großen Retrospektive in den Hamburger Deichtorhallen. Wer diese Ausstellung verpasst hat, kann sich mit dem fantastischen Katalog halbwegs trösten. Erwin Wurm, „The Artist who swallowed the world“ über www.hatjecantz.de 78. Guck mal! Gute Idee, ein Bild, das man hören kann, möglich gemacht durch den so benannten Vinyl-Bilderrahmen. Das aktuelle Lieblingscover aus eurer Plattensammlung reinstellen und flugs an die Wand hängen. Nach ein paar Wochen das Cover austauschen – und nie wird es langweilig an der Wand zu Hause oder im Büro. www.artvinyl.com 79. Total einen an der Waffel. Manner hat Oma früher immer ins Päckchen gesteckt, weil die genau in die Waschlappen gepasst haben, die sie auch immer ins Päckchen gesteckt hat. Damit heutige Generationen davon verschont bleiben, hat Manfred Deix eine Sonderedition der „berühmten Spezialität aus Wien“ mit anzüglichen Zeichnungen versehen. Respekt, liebe Österreicher! Manner Metallschachtel, DeixEdition in jedem österreichischen Supermarkt. 80. Immer in die Fresse. Als die Bosse des Photoportals Flickr im März 2007 Hunderte bunte Aufblasbälle für eine Firmenfeier anschafften, konnten sie nicht ahnen, dass sie damit den Grundstein für eine neue Massenbewegung des Bürosports legen würden. Zwei Angestellte kamen während eines nicht sehr aufregenden Arbeitstages auf die überaus geniale Idee, sich die Bälle gegenseitig ins Gesicht zu werfen. Was auf Distanz nicht einfach ist, denn die Wurfgeschosse sind teuflisch leicht und ihre Flugbahn ist daher nur schwer zu berechnen. Lustige Ideen finden in der Regel schnell ihre Nachahmer und zack – Faceball war geboren. Faceball auf http://faceball.org

81. Die Post ist da! Der extravaganteste Tipp dieser Rubrik lautet diesmal: Schreib mal wieder. Nee, keine E-Mail, sondern richtig mit der Hand einen Brief! Zum Beispiel dem reichen Onkel in Amerika, der in dieser Minute überlegt, welchen Neffen er dereinst beerben soll. Den cleveren Briefbogen gibt es in 8 aerodynamischen Designs und man kann direkt ins Innere des Umschlags schreiben. www.johnsonbanks.co.uk/thoughtfortheweek/ 82. Auf Wiedersehen, Jörg. Im Mai verstarb Jörg Immendorff. Obwohl er bis zum Schluss in Düsseldorf arbeitete und lehrte, tut sich sein Heimatland Nordrhein-Westfalen schwer mit seinem ungezogenen Sohn. Fünf Ausstellungen in Bremen, Mainz, Oldenburg, Kassel und Koblenz würdigen derzeit nahezu alle künstlerischen Aspekte des verstorbenen Malers, Zeichners und Bildhauers. Nur zu Hause in den nordrhein-westfälischen Kunstmuseen sind seine Werke kaum vertreten. Einzige Ausnahme: Museum Kunst Palast in Düsseldorf, vom 1.9. bis 18.11.2007 Jörg Immendorff, Retrospektive der Zeichnungen 83. Der Führer spricht. Hermann Rauschning (1887 bis 1982) war ein deutsch-US-amerikanischer Musikwissenschaftler, NSDAP-Politiker und Faschismus-Theoretiker, der sich in den 1930er Jahren fleißig mit Hitler unterhalten hat. Die Aufzeichnungen seiner Gespräche gelten als wichtiges historisches Dokument bei den einen, als lausige Fälschung bei den anderen. Vielleicht haben sie Kujau 1983 zu seinen famosen Hitlertagebüchern inspiriert. „Wartet mit dem Heiraten, bis ich an der Macht bin.“ Dieses und ähnliches hitlersches Geplapper in: Hermann Rauschning, „Gespräche mit Hitler“, Europa Verlag Zürich, www.neuer-europa-verlag.de 84. Der Russe trinkt zu viel. Wer könnte seinen Kummer nicht verstehen? Da erdreistet sich doch der Österreicher, besser gesagt zwei davon – der Hillinger Leo und der Kracher Alois, ausgerechnet einen Wodka zu destillieren. Mit reinstem Alpenquellwasser und zwar gleich sechsmal hintereinander. Einen Wodka, der reiner ist als Mütterchen Russlands Herz. Perfiderweise füllen die zwei ihn in wunderschöne Flaschen ab und dann gewinnen sie mit ihrem Premium-Wässerchen auch noch Preise. www.puriste.com 85. 5,6,7,8 and up! Das ab 2008 erhältliche Wii Fit mit dem dazugehörigen Balance Board ist einzigartig. Das Gerät misst einwirkende Kräfte per Sensor und reagiert auf jegliche Bewegung und Gewichtsverlagerung des Spielers. Die Software beinhaltet über 40 Übungen aus den Bereichen Aerobic, Muskeltraining und Yoga. Langsame, kontrollierte Bewegungen stehen dabei im Vordergrund und sorgen recht zügig für den gewünschten Trainingserfolg. Wii Fit über http://de.wii.com

89. Zurück ins Paläozoikum. Gehen Sie zurück ins Meer. Aber bringen Sie bei Ihrem nächsten Landgang unbedingt ein paar scharfe Bilder mit. Mit den 12,1 Megapixeln und dem CASIO- Unterwassergehäuse EWC-100 für die neue EXILIM Zoom EX-Z1200 sollte das echt ein Klacks sein. www.exilim.de

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88. Maß halten. Der Wiesn-Trend 2007 ist das Dirndltascherl. Das geben Sie Ihrer Begleiterin mit, liefern sie im Käferzelt ab und stopfen ins Tascherl alles rein, was sie besoffen nicht verlieren wollen. Ihre Begleiterin finden Sie auf jeden Fall wieder. Hoffentlich. Oktoberfest vom 22.9. bis 7.10.2007 auf der Theresienwiese in München, Dirndltasche über www.hausfrieden.com

90. So ein schönes Wetterchen! Egal, wie das Wetter ist, auf der Wetterstation Crystal wird es schön und klar. 3-D-Symbole und eine großformatige LED-Anzeige für Uhrzeit (funkgesteuert) und Temperatur (-5° bis +50°) lassen schon vom Bett aus erkennen, ob sich das Aufstehen lohnt. www.oregonscientific.de

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87. 86. Zu Hilfe! An Halloween lassen wir einfach den Schlüssel draußen stecken. Dann erschrecken sich die frechen Kinderbanden derart vor dem im Dunkeln leuchtenden Totenkopf, dass sie es nicht wagen, uns um Süßigkeiten anzubetteln. www.worldwidefred.com/skeletonkeys.htm 87. Deathmetal-Freunde bitte weghören. Es gab mal einen Jeff Buckley. Der sang so schön und starb so früh. Wir geben uns der Trauer darüber hin und lassen uns dazu von Patrick Watson begleiten, Jeffs Stimme aus dem Jenseits. Man möchte fast jungmädchenhaft schwärmen von der Sensibilität der Arrangements, von seinem Klavierspiel, von den Streichelstreichern und seiner Stimme. Von dem Märchenhaften, triphopjazzig Verträumten, irgendwie Verschrobenen. Dabei ist der Junge doch so jung! Auch wenn Ihnen das gar nicht gefällt, sollten Sie die Scheibe für den Fall eines Damenbesuchs unbedingt kaufen. www.patrickwatson.net

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71. Katalanische Autonome. Befragt man einen Katalanen über seine Heimat, fällt die Beurteilung schlicht aus: Die katalanische Küche ist die beste der Welt, Katalonien ist das schönste Land der Welt und ihre Sprache bringt die größten Autoren der Welt hervor. Die Veranstalter der Frankfurter Buchmesse haben wohl im schönen Barcelona zu oft Tapas gegessen, dass sie auf diese Übertreibung reingefallen sind und Katalonien zum Schwerpunkt der diesjährigen Buchmesse gemacht haben. Viva Catalunya, vom 10. bis 14. Oktober 2007 in Frankfurt. www.buchmesse.de 72. Die Achse des Guten. Wem es bislang aus Gründen des Stils und der Ästhetik an ökologischem Durchhaltevermögen gemangelt hat, dem rufen wir nun aufmunternd zu: Darling! Alles wird gut! Und schön! Denn es gibt eine Website, auf der man nicht nur moralische Unterstützung, sondern auch alles findet, was der Mensch so braucht. Umweltverträglich, fair hergestellt, fair gehandelt und erlöst von allem Bösen, das Leib oder Seele belastet. www.stylewillsaveus.com

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73. Nicht traurig sein, Harry. Das Mixen von Cocktails darf sich zu den Künsten zählen. Und wie überall in der Kunst hat auch auf diesem Gebiet eine Demokratisierung stattgefunden. Im Zwei-Komponenten-Pack: ein Döschen mit Fruchtsaft, eins mit Hochprozentigem. Auf der klassischen Cocktailkarte: Sex On The Beach, Mai Tai, Ladykiller, Tequila Sunrise und Planter’s Punch. www.conelly-cocktails.com

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79. 74. Meine wichtigsten Körperfunktionen. Worunter Schmidt leidet, beschreibt er in seinem neuesten Buch. Manche Kapitel sind so lustig, dass man abends im Bett lachen muss und damit seine(n) Bettnachbar(in) zur Weißglut bringt. Andere sind sehr traurig. Jochen Schmidt, „Meine wichtigsten Körperfunktionen“, C.H. Beck, www.beck-shop.de 75. Bei den Wariwaris. Der spleenige amerikanische Millionär Henderson fliegt nach Afrika, weil er seine Familie und die Schweinezucht, seinen Reichtum und sich selbst gründlich satt hat. Dank seiner Bärenkräfte wird Henderson „Regenkönig“ bei den Wariwaris und findet den Sinn seines Lebens wieder. Saul Bellow hat sehr viele schlaue und wahre Bücher über meistens etwas ältere Männer in Krisen geschrieben. Dieses hier ist besonders lustig. Saul Bellow, „Der Regenkönig“, DTV, www.dtv.de 76. Alle kommen. Wenn man das Wort „Orgasmus“ googelt, dann kommen 2,7 Millionen Treffer. Muss man über einen derart durchgenudelten Vorgang noch ein Buch schreiben? Man muss nicht, aber Harald Braun und Simone Buchholz sind wirklich mit außerordentlicher Beobachtungsgabe und maximalem Sprachwitz ausgestattetet und dürfen deswegen über alles schreiben. Simone Buchholz/Harald Braun, „Er kommt, sie kommt“, Ehrenwirth, www.ehrenwirth.de

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77. Das lächerliche Leben eines ernsten Mannes. Häuser und Autos, die wie aufgepumpt aussehen, Männer und Hunde, die Gegenstände und gar die Weltkugel verschluckt zu haben scheinen, Handlungsanweisungen dazu, wie man sich politisch unkorrekt verhalten kann, „One Minute Sculptures“, bei denen das Publikum selbst zur Skulptur wird. Der Künstler Erwin Wurm erfreute uns drei Monate lang mit einer großen Retrospektive in den Hamburger Deichtorhallen. Wer diese Ausstellung verpasst hat, kann sich mit dem fantastischen Katalog halbwegs trösten. Erwin Wurm, „The Artist who swallowed the world“ über www.hatjecantz.de 78. Guck mal! Gute Idee, ein Bild, das man hören kann, möglich gemacht durch den so benannten Vinyl-Bilderrahmen. Das aktuelle Lieblingscover aus eurer Plattensammlung reinstellen und flugs an die Wand hängen. Nach ein paar Wochen das Cover austauschen – und nie wird es langweilig an der Wand zu Hause oder im Büro. www.artvinyl.com 79. Total einen an der Waffel. Manner hat Oma früher immer ins Päckchen gesteckt, weil die genau in die Waschlappen gepasst haben, die sie auch immer ins Päckchen gesteckt hat. Damit heutige Generationen davon verschont bleiben, hat Manfred Deix eine Sonderedition der „berühmten Spezialität aus Wien“ mit anzüglichen Zeichnungen versehen. Respekt, liebe Österreicher! Manner Metallschachtel, DeixEdition in jedem österreichischen Supermarkt. 80. Immer in die Fresse. Als die Bosse des Photoportals Flickr im März 2007 Hunderte bunte Aufblasbälle für eine Firmenfeier anschafften, konnten sie nicht ahnen, dass sie damit den Grundstein für eine neue Massenbewegung des Bürosports legen würden. Zwei Angestellte kamen während eines nicht sehr aufregenden Arbeitstages auf die überaus geniale Idee, sich die Bälle gegenseitig ins Gesicht zu werfen. Was auf Distanz nicht einfach ist, denn die Wurfgeschosse sind teuflisch leicht und ihre Flugbahn ist daher nur schwer zu berechnen. Lustige Ideen finden in der Regel schnell ihre Nachahmer und zack – Faceball war geboren. Faceball auf http://faceball.org

81. Die Post ist da! Der extravaganteste Tipp dieser Rubrik lautet diesmal: Schreib mal wieder. Nee, keine E-Mail, sondern richtig mit der Hand einen Brief! Zum Beispiel dem reichen Onkel in Amerika, der in dieser Minute überlegt, welchen Neffen er dereinst beerben soll. Den cleveren Briefbogen gibt es in 8 aerodynamischen Designs und man kann direkt ins Innere des Umschlags schreiben. www.johnsonbanks.co.uk/thoughtfortheweek/ 82. Auf Wiedersehen, Jörg. Im Mai verstarb Jörg Immendorff. Obwohl er bis zum Schluss in Düsseldorf arbeitete und lehrte, tut sich sein Heimatland Nordrhein-Westfalen schwer mit seinem ungezogenen Sohn. Fünf Ausstellungen in Bremen, Mainz, Oldenburg, Kassel und Koblenz würdigen derzeit nahezu alle künstlerischen Aspekte des verstorbenen Malers, Zeichners und Bildhauers. Nur zu Hause in den nordrhein-westfälischen Kunstmuseen sind seine Werke kaum vertreten. Einzige Ausnahme: Museum Kunst Palast in Düsseldorf, vom 1.9. bis 18.11.2007 Jörg Immendorff, Retrospektive der Zeichnungen 83. Der Führer spricht. Hermann Rauschning (1887 bis 1982) war ein deutsch-US-amerikanischer Musikwissenschaftler, NSDAP-Politiker und Faschismus-Theoretiker, der sich in den 1930er Jahren fleißig mit Hitler unterhalten hat. Die Aufzeichnungen seiner Gespräche gelten als wichtiges historisches Dokument bei den einen, als lausige Fälschung bei den anderen. Vielleicht haben sie Kujau 1983 zu seinen famosen Hitlertagebüchern inspiriert. „Wartet mit dem Heiraten, bis ich an der Macht bin.“ Dieses und ähnliches hitlersches Geplapper in: Hermann Rauschning, „Gespräche mit Hitler“, Europa Verlag Zürich, www.neuer-europa-verlag.de 84. Der Russe trinkt zu viel. Wer könnte seinen Kummer nicht verstehen? Da erdreistet sich doch der Österreicher, besser gesagt zwei davon – der Hillinger Leo und der Kracher Alois, ausgerechnet einen Wodka zu destillieren. Mit reinstem Alpenquellwasser und zwar gleich sechsmal hintereinander. Einen Wodka, der reiner ist als Mütterchen Russlands Herz. Perfiderweise füllen die zwei ihn in wunderschöne Flaschen ab und dann gewinnen sie mit ihrem Premium-Wässerchen auch noch Preise. www.puriste.com 85. 5,6,7,8 and up! Das ab 2008 erhältliche Wii Fit mit dem dazugehörigen Balance Board ist einzigartig. Das Gerät misst einwirkende Kräfte per Sensor und reagiert auf jegliche Bewegung und Gewichtsverlagerung des Spielers. Die Software beinhaltet über 40 Übungen aus den Bereichen Aerobic, Muskeltraining und Yoga. Langsame, kontrollierte Bewegungen stehen dabei im Vordergrund und sorgen recht zügig für den gewünschten Trainingserfolg. Wii Fit über http://de.wii.com

89. Zurück ins Paläozoikum. Gehen Sie zurück ins Meer. Aber bringen Sie bei Ihrem nächsten Landgang unbedingt ein paar scharfe Bilder mit. Mit den 12,1 Megapixeln und dem CASIO- Unterwassergehäuse EWC-100 für die neue EXILIM Zoom EX-Z1200 sollte das echt ein Klacks sein. www.exilim.de

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88. Maß halten. Der Wiesn-Trend 2007 ist das Dirndltascherl. Das geben Sie Ihrer Begleiterin mit, liefern sie im Käferzelt ab und stopfen ins Tascherl alles rein, was sie besoffen nicht verlieren wollen. Ihre Begleiterin finden Sie auf jeden Fall wieder. Hoffentlich. Oktoberfest vom 22.9. bis 7.10.2007 auf der Theresienwiese in München, Dirndltasche über www.hausfrieden.com

90. So ein schönes Wetterchen! Egal, wie das Wetter ist, auf der Wetterstation Crystal wird es schön und klar. 3-D-Symbole und eine großformatige LED-Anzeige für Uhrzeit (funkgesteuert) und Temperatur (-5° bis +50°) lassen schon vom Bett aus erkennen, ob sich das Aufstehen lohnt. www.oregonscientific.de

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87. 86. Zu Hilfe! An Halloween lassen wir einfach den Schlüssel draußen stecken. Dann erschrecken sich die frechen Kinderbanden derart vor dem im Dunkeln leuchtenden Totenkopf, dass sie es nicht wagen, uns um Süßigkeiten anzubetteln. www.worldwidefred.com/skeletonkeys.htm 87. Deathmetal-Freunde bitte weghören. Es gab mal einen Jeff Buckley. Der sang so schön und starb so früh. Wir geben uns der Trauer darüber hin und lassen uns dazu von Patrick Watson begleiten, Jeffs Stimme aus dem Jenseits. Man möchte fast jungmädchenhaft schwärmen von der Sensibilität der Arrangements, von seinem Klavierspiel, von den Streichelstreichern und seiner Stimme. Von dem Märchenhaften, triphopjazzig Verträumten, irgendwie Verschrobenen. Dabei ist der Junge doch so jung! Auch wenn Ihnen das gar nicht gefällt, sollten Sie die Scheibe für den Fall eines Damenbesuchs unbedingt kaufen. www.patrickwatson.net

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91. Ferrarimusik. 36.567 Freunde auf Myspace (zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses) und keiner hat was gesehen oder gehört! Wer ist Kavinsky? Die auf seiner Seite zur Schau ge­stellte Vorliebe für Ferraris und synthetische Beats lassen auf einen modernen Michael Knight schließen. Fest steht, dass der testarossageladene Sound des mysteriösen Tüftlers aus jedem Kleinwagen einen Boliden und aus jedem Geschwindigkeitsbegrenzungsapostel einen Freund der Autobahn macht. Wenn nach den zwei EPs „Teddy Boy“ und „1986“ bald ein ganzes Album folgt, kann der ADAC einpacken ... Einlegen und abfahren! www.myspace.com/kavinsky 92. Der Nahostkonflikt. Unter Zockerfreunden wird das Spiel „Assassins Creed“ für die Playstation 3 sehnsuchtsvoll erwartet. Der erste Teil spielt im Jahr 1191 nach Christus im Orient. Es ist die Zeit des dritten Kreuzzuges, in der Europäer versuchten, die Stadt Jerusalem zurückzuerobern, die sich unter Kontrolle des Sultans Saladin befand. Als tollkühne Assassine müssen sie versuchen durch ihr Wirken diesen unlösbaren Konflikt auf beiden Seiten zu stoppen. Ihre Methoden: hinterhältige Meuchelmorde mit politischen Hintergründen und Zielen. Das hört sich ja brandaktuell an. www.assassinscreed.uk.ubi.com 93. Interdisziplinäres Arbeiten. Handwerk und Radios sind wie Ying und Yang. Endlich hat ein Hersteller von Bau-Accessoires dieses enge Verhältnis in einem stoßsicheren Gerät kombiniert. Bosch vereint in seiner Powerbox Radio, Ladegerät und Stromverteiler. Fehlt eigentlich nur noch ein eingebauter Kühlschrank, um das 11-Uhr-Bier kalt zu stellen. Bosch GML 24 V Powerbox über www.bosch-pt.com

94. Kummer macht traurig. Tom Kummer ist in den 90ern als Journalist berühmt geworden, weil er Hollywood-Stars in seinen Interviews dazu gebracht hat, unerwartete Dinge zu sagen. Stars waren plötzlich geistreich und schlagfertig. Diese Interviews hatten nur einen Haken – sie haben nie wirklich stattgefunden: fiktive Geschichten über reale Personen. Natürlich ist das rausgekommen, und das gab dann richtig Ärger – nicht nur für Kummer. Acht Jahre später erzählt Tom Kummer in seinem Buch „Blow up“ die ganze Geschichte. Voller Selbstmitleid und schlapper Rechtfertigungen. Und bei Weitem nicht so gut wie seine erfundenen Texte. www.blumenbar.de 95. Du Arsch! Eigentlich komisch, dass auf die Idee noch keiner gekommen ist. Auf schwarzem Klopapier hinterlässt man keine Schleifspuren. Auf grünem fallen die Popel nicht auf und auf orangenem ... Wir entlassen jetzt unseren pubertären Praktikanten, damit Sie so einen Mist nie wieder lesen müssen. Farbiges Klopapier über News auf www.renovaonline.net. Zum Heulen schön. 96. Billig fliegen, teuer shoppen. So oft und exklusiv wie die Gepäckstücke von Louis Vuitton um die Welt jetten, ist es kein Wunder, dass sich die Marke in der Welt bestens auskennt. Aus diesem Wissensfundus ist eine 1.600 Seiten umfassende Reihe an City Guides entstanden. Das sieht nicht nur gut aus, sondern schützt auch vor Übergepäck beim Billigflieger: in Einzelbänden nach Städten und Regionen sortiert. Vuitton City Guide 2007 über www.eluxury.com 97. Kunstvolle DNA. Endlich ist es möglich sich porträtieren zu lassen, ohne dass es jemand bemerkt. Bei den dnaPorträts von DNA11 wird der genetische Code auf die Leinwand gebracht und kann so die Ahnengalerie im Treppenhaus der Familienvilla schmücken. dnaPortraits über www.dna11.com

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 a.   d.  95.

94. 98. Metallfreunde, bitte herhören! Serj Tankian hat nun sein erstes Soloalbum fertiggestellt. Auf „Elect The Dead“ präsentiert der in Beirut geborene armenisch-amerikanische Sänger und brillante Texter zwölf Tracks engagierter Rockmusik. Kollege Saul Williams schwärmt: „Ein melodischer Visionär, der auf einer Kanonenkugel sitzt und mit Lichtgeschwindigkeit durch den Himmel rast und dabei aus jeder Wolke einen Akkord schlägt und aus dem Herzen regnet.“ Serj Tankian, „Elect The Dead“, www.warnermusic.de, ab Ende Oktober im Handel 99. Es war am 9. Juni 2007. Da betrat ein schüchterner, untersetzter Mann, 37 Jahre alt und von Beruf Telefonverkäufer, die Bühne der englischen Show „Britain’s Got Talent“ und eröffnete der Jury, er werde eine Opernarie singen. Die Juroren schauten gelangweilt, der Mann sang, der Saal tobte, der Jury kippte die Kinnlade runter, die Frau unter ihnen weinte, und ein Märchen wurde war. Das Märchen von der Casting Show, die ein echtes, großes Talent entdecken kann. Auf dieses Happy End warten wir in Deutschland noch. Bis dahin lauschen wir Paul Potts, der die Show vier Wochen später natürlich gewann. Paul Potts, „One Chance“ von Sony BMG, www.sonybmg.de 100. Echt wirklich wahr. Unseriöse Herrenmagazine versprechen ihren Lesern, sie innerhalb von sechs Wochen in Topform zu bringen. Als einziges echt seriöses Herrenmagazin der Welt legen wir Ihnen ein Trainingsgerät ans Herz, mit dem Sie das in vier Minuten schaffen.Mit dem ROM bearbeiten Sie 88 % dessen, was Sie überhaupt an Ihrem Körper trainieren können gleichzeitig – weshalb vier Minuten täglich reichen. ROM Hometrainer: über www.fastexercise.com

ECHT DALLAS.  c.

 a. Der Pilot.  Wie alles anfing: Eine Praktikantin brachte einen Benzinkanister mit in die Designabteilung von Bree. Dort stand das Ding und dieselte Woche um Woche vor sich hin, bis ein Designer sich erbarmte. Die Rillenführung auf dem Kanister inspirierte ihn zu einer neuen Serie: „Dallas“ sollte die rollende Vielzweckwaffe heißen. Benannt nach einer Stadt in einem ölreichen Bundesstaat in den USA. Wir stellen die wichtigsten Figuren der hitverdächtigen Serie vor.  b. Dickes Fell.  J.R. Ewing ist der älteste Sohn von Jock und Miss Ellie. J.R. leitet Ewing Oil, manchmal allein, manchmal in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Bobby. Zur Durchsetzung seiner Ziele, ob privat oder geschäftlich, schreckt J.R. vor keinem Trick zurück und sei er noch so schmutzig. Um zu verhindern dass „Dallas“ durch Machenschaften, auslaufende Badezusätze oder Whiskey verunstaltet wird, wurde er mit Industriefilz verkleidet. Der lässt alles an sich abperlen und kann im Zweifelsfall straff gebürstet werden, wenn doch mal was danebengeht.  c. Innen blond.  Lucy ist die Enkelin von Jock und Miss Ellie. Auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens arbeitet sie als Fotomodell. Ihre goldige Körpergröße von geschätzten 1,45 Metern und ihr langes, lockiges blondes Haar haben die Designer von „Dallas“ zu der Innenfarbe Goldgelb inspiriert. Egal ob Seidenunterwäsche oder eine Winchester, in diesem taftigen Interieur liegen Ihre Kostbarkeiten richtig.

 b. 

 d. Treu wie Bobby.  Der integre Bobby ist der dritte Sohn von Jock Ewing und Miss Ellie. Seine Ehe mit Pamela Barnes ist von Anfang an Anfeindungen ausgesetzt, in erster Linie durch J.R. und Cliff Barnes. Trotzdem steht er in Treue und Liebe zu seiner Gattin. Sein haselnussiger Hundeblick macht ihn zum Sympathieträger unter den männlichen Hauptdarstellern. Wer einen standfesten, zuverlässigen Begleiter wie ihn besitzt, der hat keine Not. Gleiches gilt für „Dallas“.

 e.

 e. Die erste Staffel.  „Dallas“ erscheint zunächst in fünf Größen. Als Boardcase (32 Liter, 159 €), als Boardcase L (37 Liter, 110 €), als Trolley (48 Liter, 159 €), als Trolley L (55 Liter, 199 €) und als Pilotenkoffer (26 Liter, 159 €). Sollte der Erfolg die Erwartungen erfüllen, dürfen wir durchaus mit einer weiteren Staffel rechnen.

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91. Ferrarimusik. 36.567 Freunde auf Myspace (zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses) und keiner hat was gesehen oder gehört! Wer ist Kavinsky? Die auf seiner Seite zur Schau ge­stellte Vorliebe für Ferraris und synthetische Beats lassen auf einen modernen Michael Knight schließen. Fest steht, dass der testarossageladene Sound des mysteriösen Tüftlers aus jedem Kleinwagen einen Boliden und aus jedem Geschwindigkeitsbegrenzungsapostel einen Freund der Autobahn macht. Wenn nach den zwei EPs „Teddy Boy“ und „1986“ bald ein ganzes Album folgt, kann der ADAC einpacken ... Einlegen und abfahren! www.myspace.com/kavinsky 92. Der Nahostkonflikt. Unter Zockerfreunden wird das Spiel „Assassins Creed“ für die Playstation 3 sehnsuchtsvoll erwartet. Der erste Teil spielt im Jahr 1191 nach Christus im Orient. Es ist die Zeit des dritten Kreuzzuges, in der Europäer versuchten, die Stadt Jerusalem zurückzuerobern, die sich unter Kontrolle des Sultans Saladin befand. Als tollkühne Assassine müssen sie versuchen durch ihr Wirken diesen unlösbaren Konflikt auf beiden Seiten zu stoppen. Ihre Methoden: hinterhältige Meuchelmorde mit politischen Hintergründen und Zielen. Das hört sich ja brandaktuell an. www.assassinscreed.uk.ubi.com 93. Interdisziplinäres Arbeiten. Handwerk und Radios sind wie Ying und Yang. Endlich hat ein Hersteller von Bau-Accessoires dieses enge Verhältnis in einem stoßsicheren Gerät kombiniert. Bosch vereint in seiner Powerbox Radio, Ladegerät und Stromverteiler. Fehlt eigentlich nur noch ein eingebauter Kühlschrank, um das 11-Uhr-Bier kalt zu stellen. Bosch GML 24 V Powerbox über www.bosch-pt.com

94. Kummer macht traurig. Tom Kummer ist in den 90ern als Journalist berühmt geworden, weil er Hollywood-Stars in seinen Interviews dazu gebracht hat, unerwartete Dinge zu sagen. Stars waren plötzlich geistreich und schlagfertig. Diese Interviews hatten nur einen Haken – sie haben nie wirklich stattgefunden: fiktive Geschichten über reale Personen. Natürlich ist das rausgekommen, und das gab dann richtig Ärger – nicht nur für Kummer. Acht Jahre später erzählt Tom Kummer in seinem Buch „Blow up“ die ganze Geschichte. Voller Selbstmitleid und schlapper Rechtfertigungen. Und bei Weitem nicht so gut wie seine erfundenen Texte. www.blumenbar.de 95. Du Arsch! Eigentlich komisch, dass auf die Idee noch keiner gekommen ist. Auf schwarzem Klopapier hinterlässt man keine Schleifspuren. Auf grünem fallen die Popel nicht auf und auf orangenem ... Wir entlassen jetzt unseren pubertären Praktikanten, damit Sie so einen Mist nie wieder lesen müssen. Farbiges Klopapier über News auf www.renovaonline.net. Zum Heulen schön. 96. Billig fliegen, teuer shoppen. So oft und exklusiv wie die Gepäckstücke von Louis Vuitton um die Welt jetten, ist es kein Wunder, dass sich die Marke in der Welt bestens auskennt. Aus diesem Wissensfundus ist eine 1.600 Seiten umfassende Reihe an City Guides entstanden. Das sieht nicht nur gut aus, sondern schützt auch vor Übergepäck beim Billigflieger: in Einzelbänden nach Städten und Regionen sortiert. Vuitton City Guide 2007 über www.eluxury.com 97. Kunstvolle DNA. Endlich ist es möglich sich porträtieren zu lassen, ohne dass es jemand bemerkt. Bei den dnaPorträts von DNA11 wird der genetische Code auf die Leinwand gebracht und kann so die Ahnengalerie im Treppenhaus der Familienvilla schmücken. dnaPortraits über www.dna11.com

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 a.   d.  95.

94. 98. Metallfreunde, bitte herhören! Serj Tankian hat nun sein erstes Soloalbum fertiggestellt. Auf „Elect The Dead“ präsentiert der in Beirut geborene armenisch-amerikanische Sänger und brillante Texter zwölf Tracks engagierter Rockmusik. Kollege Saul Williams schwärmt: „Ein melodischer Visionär, der auf einer Kanonenkugel sitzt und mit Lichtgeschwindigkeit durch den Himmel rast und dabei aus jeder Wolke einen Akkord schlägt und aus dem Herzen regnet.“ Serj Tankian, „Elect The Dead“, www.warnermusic.de, ab Ende Oktober im Handel 99. Es war am 9. Juni 2007. Da betrat ein schüchterner, untersetzter Mann, 37 Jahre alt und von Beruf Telefonverkäufer, die Bühne der englischen Show „Britain’s Got Talent“ und eröffnete der Jury, er werde eine Opernarie singen. Die Juroren schauten gelangweilt, der Mann sang, der Saal tobte, der Jury kippte die Kinnlade runter, die Frau unter ihnen weinte, und ein Märchen wurde war. Das Märchen von der Casting Show, die ein echtes, großes Talent entdecken kann. Auf dieses Happy End warten wir in Deutschland noch. Bis dahin lauschen wir Paul Potts, der die Show vier Wochen später natürlich gewann. Paul Potts, „One Chance“ von Sony BMG, www.sonybmg.de 100. Echt wirklich wahr. Unseriöse Herrenmagazine versprechen ihren Lesern, sie innerhalb von sechs Wochen in Topform zu bringen. Als einziges echt seriöses Herrenmagazin der Welt legen wir Ihnen ein Trainingsgerät ans Herz, mit dem Sie das in vier Minuten schaffen.Mit dem ROM bearbeiten Sie 88 % dessen, was Sie überhaupt an Ihrem Körper trainieren können gleichzeitig – weshalb vier Minuten täglich reichen. ROM Hometrainer: über www.fastexercise.com

ECHT DALLAS.  c.

 a. Der Pilot.  Wie alles anfing: Eine Praktikantin brachte einen Benzinkanister mit in die Designabteilung von Bree. Dort stand das Ding und dieselte Woche um Woche vor sich hin, bis ein Designer sich erbarmte. Die Rillenführung auf dem Kanister inspirierte ihn zu einer neuen Serie: „Dallas“ sollte die rollende Vielzweckwaffe heißen. Benannt nach einer Stadt in einem ölreichen Bundesstaat in den USA. Wir stellen die wichtigsten Figuren der hitverdächtigen Serie vor.  b. Dickes Fell.  J.R. Ewing ist der älteste Sohn von Jock und Miss Ellie. J.R. leitet Ewing Oil, manchmal allein, manchmal in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Bobby. Zur Durchsetzung seiner Ziele, ob privat oder geschäftlich, schreckt J.R. vor keinem Trick zurück und sei er noch so schmutzig. Um zu verhindern dass „Dallas“ durch Machenschaften, auslaufende Badezusätze oder Whiskey verunstaltet wird, wurde er mit Industriefilz verkleidet. Der lässt alles an sich abperlen und kann im Zweifelsfall straff gebürstet werden, wenn doch mal was danebengeht.  c. Innen blond.  Lucy ist die Enkelin von Jock und Miss Ellie. Auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens arbeitet sie als Fotomodell. Ihre goldige Körpergröße von geschätzten 1,45 Metern und ihr langes, lockiges blondes Haar haben die Designer von „Dallas“ zu der Innenfarbe Goldgelb inspiriert. Egal ob Seidenunterwäsche oder eine Winchester, in diesem taftigen Interieur liegen Ihre Kostbarkeiten richtig.

 b. 

 d. Treu wie Bobby.  Der integre Bobby ist der dritte Sohn von Jock Ewing und Miss Ellie. Seine Ehe mit Pamela Barnes ist von Anfang an Anfeindungen ausgesetzt, in erster Linie durch J.R. und Cliff Barnes. Trotzdem steht er in Treue und Liebe zu seiner Gattin. Sein haselnussiger Hundeblick macht ihn zum Sympathieträger unter den männlichen Hauptdarstellern. Wer einen standfesten, zuverlässigen Begleiter wie ihn besitzt, der hat keine Not. Gleiches gilt für „Dallas“.

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 e. Die erste Staffel.  „Dallas“ erscheint zunächst in fünf Größen. Als Boardcase (32 Liter, 159 €), als Boardcase L (37 Liter, 110 €), als Trolley (48 Liter, 159 €), als Trolley L (55 Liter, 199 €) und als Pilotenkoffer (26 Liter, 159 €). Sollte der Erfolg die Erwartungen erfüllen, dürfen wir durchaus mit einer weiteren Staffel rechnen.

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LIEBER LEHRER, LEHR MICH WAS ...

Von Andreas Funk (Text) und Martin MĂźller (Illustration)

Oder besser gefragt: Was ist heute noch echt? Unter den Hauptsynonymen „aufrecht“ und „genuin“ lassen sich die meisten und wichtigsten Bedeutungen von „echt“ subsumieren: real, rein, ursprĂźnglich, wahr, wirklich, treu sowie authentisch, natĂźrlich, ehrlich, tatsächlich, wirklich, unverfälscht und ungeschminkt. „Echt“ hat immer eine positive Bedeutung und wird häufig als emotional-persĂśnliche (authentische) Bekräftigung benutzt. So unterstreichen Bemerkungen wie „Das ist echt wahr“ die Ehrlichkeit einer Aussage. Und genau darum geht es auch im grĂśĂ&#x;eren Kontext: Was ist heute im Zeitalter der digitalen Welt, des World Wide Web, von Cyberspace, Second Life und anderen virtuellen Welten noch echt im Sinne von ehrlich, wirklich und authentisch?

Illustration: Martin MĂźller (www.undaddy.com)

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INTRO

JACK WAS NEVER ONE TO FOLLOW OTHERS, Wie kĂśnnen echte von falschen oder verfälschten Dingen unterschieden werden? Und sollen sie das Ăźberhaupt? Oder geht es nur noch um den Schein? Gibt es eine Grenze? Und ist es die Grenze des Machbaren oder die des guten Geschmacks? Wo werden kosmetische Korrekturen wie das Silikon-Sixpack fĂźr die scheinbare Männlichkeit enden? Wann und von wem wird dem betrĂźgerischen Doping endlich Einhalt geboten? Die Antworten kĂśnnen nur im tiefsten Inneren jedes Einzelnen gesucht werden. Denn es gibt eine ursprĂźngliche, menschliche Sehnsucht nach dem Sein und nach unverfälschter Wirklichkeit. Die ewige Sehnsucht nach Realität und Wahrhaftigkeit – ein ureigenes GefĂźhl des Menschen als Individuum, fernab von kĂźnstlichen, unrealen Welten. Willkommen im echten Leben, willkommen in der „echten“ FELD!

BUT †HEY WĂŠRĂ­ ĂĽL∑AÂĽS WELCøMĂŠ †O VISIT.

dddWNPXQN[VRY`P\Z Â&#x2022; $ 7NPX 1N[VRYÂź` .YY _VTUa` _R`R_cRQ 7.08 1.;629Âź@ N[Q <91 ;< $ N_R _RTV`aR_RQ a_NQRZN_X`

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LIEBER LEHRER, LEHR MICH WAS ...

Von Andreas Funk (Text) und Martin MĂźller (Illustration)

Oder besser gefragt: Was ist heute noch echt? Unter den Hauptsynonymen â&#x20AC;&#x17E;aufrechtâ&#x20AC;&#x153; und â&#x20AC;&#x17E;genuinâ&#x20AC;&#x153; lassen sich die meisten und wichtigsten Bedeutungen von â&#x20AC;&#x17E;echtâ&#x20AC;&#x153; subsumieren: real, rein, ursprĂźnglich, wahr, wirklich, treu sowie authentisch, natĂźrlich, ehrlich, tatsächlich, wirklich, unverfälscht und ungeschminkt. â&#x20AC;&#x17E;Echtâ&#x20AC;&#x153; hat immer eine positive Bedeutung und wird häufig als emotional-persĂśnliche (authentische) Bekräftigung benutzt. So unterstreichen Bemerkungen wie â&#x20AC;&#x17E;Das ist echt wahrâ&#x20AC;&#x153; die Ehrlichkeit einer Aussage. Und genau darum geht es auch im grĂśĂ&#x;eren Kontext: Was ist heute im Zeitalter der digitalen Welt, des World Wide Web, von Cyberspace, Second Life und anderen virtuellen Welten noch echt im Sinne von ehrlich, wirklich und authentisch?

Illustration: Martin MĂźller (www.undaddy.com)

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INTRO

JACK WAS NEVER ONE TO FOLLOW OTHERS, Wie kĂśnnen echte von falschen oder verfälschten Dingen unterschieden werden? Und sollen sie das Ăźberhaupt? Oder geht es nur noch um den Schein? Gibt es eine Grenze? Und ist es die Grenze des Machbaren oder die des guten Geschmacks? Wo werden kosmetische Korrekturen wie das Silikon-Sixpack fĂźr die scheinbare Männlichkeit enden? Wann und von wem wird dem betrĂźgerischen Doping endlich Einhalt geboten? Die Antworten kĂśnnen nur im tiefsten Inneren jedes Einzelnen gesucht werden. Denn es gibt eine ursprĂźngliche, menschliche Sehnsucht nach dem Sein und nach unverfälschter Wirklichkeit. Die ewige Sehnsucht nach Realität und Wahrhaftigkeit â&#x20AC;&#x201C; ein ureigenes GefĂźhl des Menschen als Individuum, fernab von kĂźnstlichen, unrealen Welten. Willkommen im echten Leben, willkommen in der â&#x20AC;&#x17E;echtenâ&#x20AC;&#x153; FELD!

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Nicht mal die Farbe hat dieses Mittelklasse-Coupé mit einem Testarossa gemein. Einem blinden Luden sollte die lahme Ente untergeschoben werden. Wir sind entsetzt.

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Stade beläuft sich der Schaden für die Industrie, der durch gefälschte Produkte entsteht, weltweit auf 450 Milliarden Euro. Nicht nur in Shanghai und Istanbul wird kopiert, was das Zeug hält, auch in Deutschland blüht die Produktpiraterie. FELD HOMMES gelang im August dieses Jahres eine spektakuläre Aktion gegen die Verletzungen von Urheberrechten, Geschmacksmustern, Patenten und sonstigen Rechten des geistigen Eigentums und gewerblichen Rechtsschutzes. Eine Fälscherhöhle im feinen Hamburger Westen, die sich auf die Nachahmung von Luxuswaren spezialisierte, konnte ausgehoben, die Produkte beschlagnahmt und die Schuldigen dingfest gemacht werden. Wie frech die Fälscher mittlerweile vorgehen, wollen wir Ihnen hier an einigen Beispielen zeigen. Von Maria Grossmann und Monika Schürle (Fotos)

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ACCESSOIRES

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Nicht mal die Farbe hat dieses Mittelklasse-Coupé mit einem Testarossa gemein. Einem blinden Luden sollte die lahme Ente untergeschoben werden. Wir sind entsetzt.

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Stade beläuft sich der Schaden für die Industrie, der durch gefälschte Produkte entsteht, weltweit auf 450 Milliarden Euro. Nicht nur in Shanghai und Istanbul wird kopiert, was das Zeug hält, auch in Deutschland blüht die Produktpiraterie. FELD HOMMES gelang im August dieses Jahres eine spektakuläre Aktion gegen die Verletzungen von Urheberrechten, Geschmacksmustern, Patenten und sonstigen Rechten des geistigen Eigentums und gewerblichen Rechtsschutzes. Eine Fälscherhöhle im feinen Hamburger Westen, die sich auf die Nachahmung von Luxuswaren spezialisierte, konnte ausgehoben, die Produkte beschlagnahmt und die Schuldigen dingfest gemacht werden. Wie frech die Fälscher mittlerweile vorgehen, wollen wir Ihnen hier an einigen Beispielen zeigen. Von Maria Grossmann und Monika Schürle (Fotos)

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40 ACCESSOIRES ACCESSOIRES 41 In diesem Fall müssen wir den Designern Respekt zollen. Mit Buchstaben-Nudeln das Gucci-Logo zu imitieren, dazu gehört schon ziemlich viel Chuzpe.

Im Knast haben unsere Piraten viel Zeit und Muße sich aktuelle Elektronik Kataloge durchzusehen, um sich auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Das haben sie bitter nötig.


40 ACCESSOIRES ACCESSOIRES 41 In diesem Fall müssen wir den Designern Respekt zollen. Mit Buchstaben-Nudeln das Gucci-Logo zu imitieren, dazu gehört schon ziemlich viel Chuzpe.

Im Knast haben unsere Piraten viel Zeit und Muße sich aktuelle Elektronik Kataloge durchzusehen, um sich auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Das haben sie bitter nötig.


42 ACCESSOIRES ACCESSOIRES 43 Eric Clapton, Jimmy Page und Jeff Beck würden die Finger abfallen, wenn sie mit dieser liederlichen Klampfe, einer Fälschung der berühmten Gibson E-Gitarre, konfrontiert würden.

Mit einer Zickzack-Kinderschere und schwarzem Klebeband schafften die Fälscher bis zu vier Paar Adidas am Tag!


42 ACCESSOIRES ACCESSOIRES 43 Eric Clapton, Jimmy Page und Jeff Beck würden die Finger abfallen, wenn sie mit dieser liederlichen Klampfe, einer Fälschung der berühmten Gibson E-Gitarre, konfrontiert würden.

Mit einer Zickzack-Kinderschere und schwarzem Klebeband schafften die Fälscher bis zu vier Paar Adidas am Tag!


Fotografie: Maria Grossmann und Monika Schürle

44 ACCESSOIRES ACCESSOIRES 45

Wer diesen Schlüsselbund auf einem Kneipentisch liegen lässt, setzt sich der Gefahr aus, dass man seinetwegen den Arzt holt. Denn auf die beiden Fälschungen fallen nur Verrückte rein.

René Lacoste nähte das Krokodil auf seine Polohemden, um sich vor Fälschungen zu schützen. Eine Taktik die heute, fast 70 Jahre später, nicht mehr aufgeht.


Fotografie: Maria Grossmann und Monika Schürle

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Wer diesen Schlüsselbund auf einem Kneipentisch liegen lässt, setzt sich der Gefahr aus, dass man seinetwegen den Arzt holt. Denn auf die beiden Fälschungen fallen nur Verrückte rein.

René Lacoste nähte das Krokodil auf seine Polohemden, um sich vor Fälschungen zu schützen. Eine Taktik die heute, fast 70 Jahre später, nicht mehr aufgeht.


Männer schreiben über Männer. Über Abenteuer, Krieg, Liebe und ihre Beziehung zum Vater, über ihre Kraft, Stärke, aber auch ihr Leiden und ihre Zerrissenheit. Wir haben drei der berühmtesten Literaten der Welt und ihre ebenso berühmten Protagonisten ausgewählt. Jeder der drei Männer ist heldenhaft und bewundernswert in seiner vollkommenen Unvollkommenheit. Keiner der drei ist schön, beliebt oder reich. Alle drei sind echt und wahrhaftig, schwach und stark, liebens- und verachtenswert zugleich. Auch wenn solche Kerle heute selten sind, weil die Welt sich weiterdreht und es kaum noch Piraten, aber dafür viele IT-Techniker gibt, lohnt es sich immer noch, zum Beispiel die grobschlächtig anmutenden Thesen Hemingways für einen Moment ernst zu nehmen. „Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben.“ Stimmt eigentlich, alter Mann.

Der alte Mann und das Meer. 1953 erhielt Ernest Hemingway (1899 –1961) den Pulitzer-Preis und 1954 den Literaturnobelpreis für „Der alte Mann und das Meer“. Es ist die Geschichte eines alten Fischers, der nach monatelanger, glückloser Ausfahrt einen riesigen Fisch fängt, nur um diesen Fang seines Lebens wieder an das Meer und die Haie zu verlieren.

Von Sabine Manecke (Auswahl) und Axel Peemöller (Illustration)

Er war ein alter Mann, der allein in einem kleinen Boot im Golfstrom fischte, und er war jetzt vierundachtzig Tage hintereinander hinausgefahren, ohne einen Fisch zu fangen. In den ersten vierzig Tagen hatte er einen Jungen bei sich gehabt. Aber nach vierzig fischlosen Tagen hatten die Eltern des Jungen ihm gesagt, daß der alte Mann jetzt bestimmt für immer salao sei, was die schlimmste Form von Pechhaben ist, und der Junge war auf ihr Geheiß in einem anderen Boot mitgefahren, das in der ersten Woche drei gute Fische gefangen hatte. Es machte den Jungen traurig, wenn er den alten Mann jeden Tag mit seinem leeren Boot zurückkommen sah, und er ging immer hinunter, um ihm entweder die aufgeschossenen Leinen oder den Fischhaken und die Harpune oder das Segel, das um den Mast geschlagen war, hinauftragen zu helfen. Das Segel war mit Mehlsäcken geflickt, und zusammengerollt sah es wie die Fahne der endgültigen Niederlage aus. Der alte Mann war dünn und hager, mit tiefen Falten im Nacken. Auf den Backenknochen hatte er die braunen Flecken von harmlosem Hautkrebs, den die Sonne durch die Spiegelung auf tropischen Meeren verursacht. Die Flecken bedeckten einen guten Teil seines Gesichts, und seine Hände zeigten die tief eingekerbten Spuren vom Handhaben schwerer Fische an

den Leinen. Aber keine dieser Narben war frisch. Sie waren so alt wie Erosionen in einer fischlosen Wüste. Alles an ihm war alt bis auf die Augen, und die hatten die gleiche Farbe wie das Meer und waren heiter und unbesiegt. (…) Er dachte an die See immer als an la mar, so nennt man sie auf spanisch, wenn man sie liebt. Manchmal sagt einer, der sie liebt, böse Dinge über sie, aber er sagt es immer, als ob es sich um eine Frau handle. Manche der jüngeren Fischer, die Bojen als Schwimmer für ihre Leinen benutzten und Motorboote besaßen, die sie gekauft hatten, als die Haifischlebern viel Geld einbrachten, sprachen von ihr als el mar, was das Maskulinum ist. Sie sprachen von ihr wie von einem Konkurrenten oder einer Ortsbezeichnung, ja selbst wie von einem Feind. Aber der alte Mann dachte immer an sie als an etwas Weibliches, als etwas, was große Gunst gewähren oder vorenthalten kann, und wenn sie wilde oder böse Dinge tat, geschah es, weil sie nicht anders konnte. – Der Mond beeinflußt sie, wie er eine Frau beeinflußt, dachte er. OBJET TROUVé

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Männer schreiben über Männer. Über Abenteuer, Krieg, Liebe und ihre Beziehung zum Vater, über ihre Kraft, Stärke, aber auch ihr Leiden und ihre Zerrissenheit. Wir haben drei der berühmtesten Literaten der Welt und ihre ebenso berühmten Protagonisten ausgewählt. Jeder der drei Männer ist heldenhaft und bewundernswert in seiner vollkommenen Unvollkommenheit. Keiner der drei ist schön, beliebt oder reich. Alle drei sind echt und wahrhaftig, schwach und stark, liebens- und verachtenswert zugleich. Auch wenn solche Kerle heute selten sind, weil die Welt sich weiterdreht und es kaum noch Piraten, aber dafür viele IT-Techniker gibt, lohnt es sich immer noch, zum Beispiel die grobschlächtig anmutenden Thesen Hemingways für einen Moment ernst zu nehmen. „Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben.“ Stimmt eigentlich, alter Mann.

Der alte Mann und das Meer. 1953 erhielt Ernest Hemingway (1899 –1961) den Pulitzer-Preis und 1954 den Literaturnobelpreis für „Der alte Mann und das Meer“. Es ist die Geschichte eines alten Fischers, der nach monatelanger, glückloser Ausfahrt einen riesigen Fisch fängt, nur um diesen Fang seines Lebens wieder an das Meer und die Haie zu verlieren.

Von Sabine Manecke (Auswahl) und Axel Peemöller (Illustration)

Er war ein alter Mann, der allein in einem kleinen Boot im Golfstrom fischte, und er war jetzt vierundachtzig Tage hintereinander hinausgefahren, ohne einen Fisch zu fangen. In den ersten vierzig Tagen hatte er einen Jungen bei sich gehabt. Aber nach vierzig fischlosen Tagen hatten die Eltern des Jungen ihm gesagt, daß der alte Mann jetzt bestimmt für immer salao sei, was die schlimmste Form von Pechhaben ist, und der Junge war auf ihr Geheiß in einem anderen Boot mitgefahren, das in der ersten Woche drei gute Fische gefangen hatte. Es machte den Jungen traurig, wenn er den alten Mann jeden Tag mit seinem leeren Boot zurückkommen sah, und er ging immer hinunter, um ihm entweder die aufgeschossenen Leinen oder den Fischhaken und die Harpune oder das Segel, das um den Mast geschlagen war, hinauftragen zu helfen. Das Segel war mit Mehlsäcken geflickt, und zusammengerollt sah es wie die Fahne der endgültigen Niederlage aus. Der alte Mann war dünn und hager, mit tiefen Falten im Nacken. Auf den Backenknochen hatte er die braunen Flecken von harmlosem Hautkrebs, den die Sonne durch die Spiegelung auf tropischen Meeren verursacht. Die Flecken bedeckten einen guten Teil seines Gesichts, und seine Hände zeigten die tief eingekerbten Spuren vom Handhaben schwerer Fische an

den Leinen. Aber keine dieser Narben war frisch. Sie waren so alt wie Erosionen in einer fischlosen Wüste. Alles an ihm war alt bis auf die Augen, und die hatten die gleiche Farbe wie das Meer und waren heiter und unbesiegt. (…) Er dachte an die See immer als an la mar, so nennt man sie auf spanisch, wenn man sie liebt. Manchmal sagt einer, der sie liebt, böse Dinge über sie, aber er sagt es immer, als ob es sich um eine Frau handle. Manche der jüngeren Fischer, die Bojen als Schwimmer für ihre Leinen benutzten und Motorboote besaßen, die sie gekauft hatten, als die Haifischlebern viel Geld einbrachten, sprachen von ihr als el mar, was das Maskulinum ist. Sie sprachen von ihr wie von einem Konkurrenten oder einer Ortsbezeichnung, ja selbst wie von einem Feind. Aber der alte Mann dachte immer an sie als an etwas Weibliches, als etwas, was große Gunst gewähren oder vorenthalten kann, und wenn sie wilde oder böse Dinge tat, geschah es, weil sie nicht anders konnte. – Der Mond beeinflußt sie, wie er eine Frau beeinflußt, dachte er. OBJET TROUVé

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(…)

(…)

Er freute sich, als er das sanfte Zupfen spürte, und dann fühlte er etwas Hartes und unglaublich Schweres. Es war das Gewicht des Fisches, und er ließ die Leine, die sich von der ersten der zwei Reserverollen abwickelte, auslaufen, hinunter, hinunter. Als sie hinunterlief und dabei leicht durch die Finger des alten Mannes glitt, konnte er immer noch das große Gewicht spüren, obwohl der Druck seines Daumens und Zeigefingers nahezu unmerklich war. „Was für ein Fisch“, sagte er, „jetzt hat er ihn seitlich im Maul, und er zieht damit fort.“ Dann wird er wenden und ihn schlucken, dachte er. Er sagte das nicht, weil er wußte, daß, wenn man etwas Gutes ausspricht, es vielleicht nicht eintrifft. Er wußte, was das für ein riesiger Fisch war, und er sah ihn im Geist, wie er sich im Dunkeln mit dem Thunfisch, den er quer im Maul hielt, entfernte. In dem Augenblick spürte er, wie er sich nicht mehr bewegte, aber das Gewicht war noch da. Dann nahm das Gewicht zu, und er gab mehr Leine. Er verstärkte einen Augenblick lang den Druck von Daumen und Zeigefinger, und das Gewicht nahm zu und zog steil hinunter. „Er hat angebissen“, sagte er. „Jetzt werde ich ihn ordentlich schlingen lassen.“ Er ließ die Leine durch die Finger gleiten, während er mit der linken Hand hinunterlangte und das freie Ende der beiden Reserverollen an der Öse der zwei Reserverollen der nächsten Leine festmachte. Jetzt war er bereit. Er hatte jetzt drei Leinen von vierzig Faden in Reserve außer der Rolle, die er benutzte. „Schling es noch ein bißchen mehr hinein», sagte er. «Schling es ordentlich runter.“ Verschling es, so daß die Spitze des Hakens in dein Herz geht und dich tötet, dachte er. Komm leicht herauf und laß mich die Harpune in dich hineinstoßen. Gut. Bist du bereit? Warst du lange genug bei Tisch?

Nun wurde der Fisch lebendig, als er den Tod in sich spürte, und sprang hoch aus dem Wasser empor und zeigte seine ungeheure Länge und Breite und seine ganze Macht und Schönheit. Er schien über dem alten Mann in dem Boot in der Luft zu hängen. Dann fiel er krachend ins Wasser, so daß Schaum über den alten Mann und über das ganze Boot spritzte. Dem alten Mann war schwindlig und übel, und er konnte nicht recht sehen, aber er entwirrte die Harpunenleine und ließ sie langsam durch seine wunden Hände laufen, und als er sehen konnte, sah er, daß der Fisch mit seinem silbernen Bauch nach oben, auf dem Rücken lag. Der Schaft der Harpune ragte in einem Winkel aus der Schulter des Fisches hervor, und die See verfärbte sich durch das Rot von dem Blut seines Herzens. Zuerst war es dunkel wie eine Untiefe in dem blauen Wasser, das mehr als eine Meile tief war. Dann breitete es sich wie eine Wolke aus. Der Fisch war silbrig und bewegungslos und trieb mit den Wellen.

(…) Es war schwierig in der Dunkelheit, und einmal verursachte der Fisch eine riesige Welle, die ihn der Länge nach niederzwang und ihm eine Schnittwunde unter dem Auge beibrachte. Das Blut lief ein Stückchen über seine Backe herunter. Aber es gerann und trocknete, bevor es sein Kinn erreicht hatte, und er arbeitete sich zurück in die Vorplicht und lehnte sich gegen das Holz. Er rückte den Sack zurecht und manövrierte behutsam mit der Leine, so daß sie über eine andere Stelle seiner Schultern lief, und während er sie mit den Schultern verankert hielt, stellte er sorgfältig fest, wie stark der Fisch zog, und stellte dann mit der Hand fest, wieviel Fahrt das Boot im Wasser machte. Warum er wohl plötzlich so einen Seitwärtsruck gemacht hat, dachte er. Der Draht muß auf seinem großen, hügeligen Rücken gerutscht sein. Bestimmt tut ihm sein Rücken nicht so weh wie mir meiner. Aber er kann das Boot nicht ewig ziehen, und wenn er noch so groß ist. Jetzt ist alles beseitigt, was Unheil anrichten könnte, und ich habe einen großen Vorrat an Leine; alles, was ein Mensch verlangen kann. „Fisch“, sagte er leise und vernehmlich, „ich bleibe bei dir, bis ich tot bin.“

(…) Der Hai näherte sich schnell von achtern, und als er den Fisch anfiel, nahm der alte Mann das Aufsperren seines Rachens wahr und seine seltsamen Augen und das knackende Zuschnappen der Zähne, als er gerade oberhalb des Schwanzes in das Fleisch vorstieß. Der Kopf des Hais war über Wasser, und sein Rücken kam heraus, und der alte Mann konnte das Geräusch hören, wie Haut und Fleisch des großen Fisches zerrissen, als er die Harpune in den Kopf des Hais an einer Stelle einrammte, wo die Linie zwischen den Augen mit der Linie, die senkrecht von seiner Nase zurücklief, sich kreuzte. Es gab keine solchen Linien. Es gab nur den schweren, keilförmigen blauen Kopf und die großen Augen und das Knacken des angreifenden, alles verschlingenden Rachens. Aber dies war die Stelle, wo das Gehirn war, und der alte Mann traf es. Er traf es, als er mit seinen blutig gequetschten Händen seine gute Harpune mit aller Kraft hineinstieß. Er traf es, ohne Hoffnung, aber mit ganzer Feindseligkeit und Entschlußkraft. Der Hai rollte herum, und der alte Mann sah, daß sein Auge leblos war, und dann rollte er noch einmal herum und verfing sich in zwei Schlingen der Leine. Der alte Mann wußte, daß er tot war, aber der Hai wollte es nicht wahrhaben. Da, auf dem Rücken mit schlagendem Schwanz und knackenden Kiefern, pflügte der Hai durch das Wasser wie ein Rennboot. Das Wasser war weiß, wo sein Schwanz es peitschte, und drei Viertel seines Körpers ragten klar aus dem Wasser heraus, als die Leine sich straffte, erbebte und dann riß. Der Hai lag kurze Zeit ruhig an der Oberfläche, und der alte Mann beobachtete ihn. Dann ging er sehr langsam unter. (…) „Halber Fisch“, sagte er, „Fisch, der du gewesen bist. Es tut mir leid, daß ich zu weit hinausgefahren bin. Ich habe uns beide erledigt. Aber wir haben viele Haie getötet, du und ich, und viele andere erledigt. Wie viele hast du im ganzen getötet, Fisch? Du hast das Schwert da an deinem Kopf nicht umsonst.“

(…) „Es ist nicht schlimm“, sagte er. „Und Schmerzen machen einem Mann nichts.“ 48

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Er freute sich, als er das sanfte Zupfen spürte, und dann fühlte er etwas Hartes und unglaublich Schweres. Es war das Gewicht des Fisches, und er ließ die Leine, die sich von der ersten der zwei Reserverollen abwickelte, auslaufen, hinunter, hinunter. Als sie hinunterlief und dabei leicht durch die Finger des alten Mannes glitt, konnte er immer noch das große Gewicht spüren, obwohl der Druck seines Daumens und Zeigefingers nahezu unmerklich war. „Was für ein Fisch“, sagte er, „jetzt hat er ihn seitlich im Maul, und er zieht damit fort.“ Dann wird er wenden und ihn schlucken, dachte er. Er sagte das nicht, weil er wußte, daß, wenn man etwas Gutes ausspricht, es vielleicht nicht eintrifft. Er wußte, was das für ein riesiger Fisch war, und er sah ihn im Geist, wie er sich im Dunkeln mit dem Thunfisch, den er quer im Maul hielt, entfernte. In dem Augenblick spürte er, wie er sich nicht mehr bewegte, aber das Gewicht war noch da. Dann nahm das Gewicht zu, und er gab mehr Leine. Er verstärkte einen Augenblick lang den Druck von Daumen und Zeigefinger, und das Gewicht nahm zu und zog steil hinunter. „Er hat angebissen“, sagte er. „Jetzt werde ich ihn ordentlich schlingen lassen.“ Er ließ die Leine durch die Finger gleiten, während er mit der linken Hand hinunterlangte und das freie Ende der beiden Reserverollen an der Öse der zwei Reserverollen der nächsten Leine festmachte. Jetzt war er bereit. Er hatte jetzt drei Leinen von vierzig Faden in Reserve außer der Rolle, die er benutzte. „Schling es noch ein bißchen mehr hinein», sagte er. «Schling es ordentlich runter.“ Verschling es, so daß die Spitze des Hakens in dein Herz geht und dich tötet, dachte er. Komm leicht herauf und laß mich die Harpune in dich hineinstoßen. Gut. Bist du bereit? Warst du lange genug bei Tisch?

Nun wurde der Fisch lebendig, als er den Tod in sich spürte, und sprang hoch aus dem Wasser empor und zeigte seine ungeheure Länge und Breite und seine ganze Macht und Schönheit. Er schien über dem alten Mann in dem Boot in der Luft zu hängen. Dann fiel er krachend ins Wasser, so daß Schaum über den alten Mann und über das ganze Boot spritzte. Dem alten Mann war schwindlig und übel, und er konnte nicht recht sehen, aber er entwirrte die Harpunenleine und ließ sie langsam durch seine wunden Hände laufen, und als er sehen konnte, sah er, daß der Fisch mit seinem silbernen Bauch nach oben, auf dem Rücken lag. Der Schaft der Harpune ragte in einem Winkel aus der Schulter des Fisches hervor, und die See verfärbte sich durch das Rot von dem Blut seines Herzens. Zuerst war es dunkel wie eine Untiefe in dem blauen Wasser, das mehr als eine Meile tief war. Dann breitete es sich wie eine Wolke aus. Der Fisch war silbrig und bewegungslos und trieb mit den Wellen.

(…) Es war schwierig in der Dunkelheit, und einmal verursachte der Fisch eine riesige Welle, die ihn der Länge nach niederzwang und ihm eine Schnittwunde unter dem Auge beibrachte. Das Blut lief ein Stückchen über seine Backe herunter. Aber es gerann und trocknete, bevor es sein Kinn erreicht hatte, und er arbeitete sich zurück in die Vorplicht und lehnte sich gegen das Holz. Er rückte den Sack zurecht und manövrierte behutsam mit der Leine, so daß sie über eine andere Stelle seiner Schultern lief, und während er sie mit den Schultern verankert hielt, stellte er sorgfältig fest, wie stark der Fisch zog, und stellte dann mit der Hand fest, wieviel Fahrt das Boot im Wasser machte. Warum er wohl plötzlich so einen Seitwärtsruck gemacht hat, dachte er. Der Draht muß auf seinem großen, hügeligen Rücken gerutscht sein. Bestimmt tut ihm sein Rücken nicht so weh wie mir meiner. Aber er kann das Boot nicht ewig ziehen, und wenn er noch so groß ist. Jetzt ist alles beseitigt, was Unheil anrichten könnte, und ich habe einen großen Vorrat an Leine; alles, was ein Mensch verlangen kann. „Fisch“, sagte er leise und vernehmlich, „ich bleibe bei dir, bis ich tot bin.“

(…) Der Hai näherte sich schnell von achtern, und als er den Fisch anfiel, nahm der alte Mann das Aufsperren seines Rachens wahr und seine seltsamen Augen und das knackende Zuschnappen der Zähne, als er gerade oberhalb des Schwanzes in das Fleisch vorstieß. Der Kopf des Hais war über Wasser, und sein Rücken kam heraus, und der alte Mann konnte das Geräusch hören, wie Haut und Fleisch des großen Fisches zerrissen, als er die Harpune in den Kopf des Hais an einer Stelle einrammte, wo die Linie zwischen den Augen mit der Linie, die senkrecht von seiner Nase zurücklief, sich kreuzte. Es gab keine solchen Linien. Es gab nur den schweren, keilförmigen blauen Kopf und die großen Augen und das Knacken des angreifenden, alles verschlingenden Rachens. Aber dies war die Stelle, wo das Gehirn war, und der alte Mann traf es. Er traf es, als er mit seinen blutig gequetschten Händen seine gute Harpune mit aller Kraft hineinstieß. Er traf es, ohne Hoffnung, aber mit ganzer Feindseligkeit und Entschlußkraft. Der Hai rollte herum, und der alte Mann sah, daß sein Auge leblos war, und dann rollte er noch einmal herum und verfing sich in zwei Schlingen der Leine. Der alte Mann wußte, daß er tot war, aber der Hai wollte es nicht wahrhaben. Da, auf dem Rücken mit schlagendem Schwanz und knackenden Kiefern, pflügte der Hai durch das Wasser wie ein Rennboot. Das Wasser war weiß, wo sein Schwanz es peitschte, und drei Viertel seines Körpers ragten klar aus dem Wasser heraus, als die Leine sich straffte, erbebte und dann riß. Der Hai lag kurze Zeit ruhig an der Oberfläche, und der alte Mann beobachtete ihn. Dann ging er sehr langsam unter. (…) „Halber Fisch“, sagte er, „Fisch, der du gewesen bist. Es tut mir leid, daß ich zu weit hinausgefahren bin. Ich habe uns beide erledigt. Aber wir haben viele Haie getötet, du und ich, und viele andere erledigt. Wie viele hast du im ganzen getötet, Fisch? Du hast das Schwert da an deinem Kopf nicht umsonst.“

(…) „Es ist nicht schlimm“, sagte er. „Und Schmerzen machen einem Mann nichts.“ 48

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Die Perle. John Ernst Steinbeck (1902–1968) gehört zu den erfolgreichsten USamerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts. 1962 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Viele seiner Romane wurden verfilmt (u. a. „Jenseits von Eden“, „Von Mäusen und Menschen“, „Via Zapata“). „Die Perle“ ist die Umsetzung eines alten mexikanischen Sagenstoffes über einen armen Fischer, der, um sein Kind zu retten, die größte Perle der Welt findet und beim Versuch, sie zu verkaufen, sein Glück verliert.

(…) Keno blieb ganz still stehen. Er hörte Juana, die die alte Zauberformel murmelte, und er hörte die Musik des Feindes. Er durfte sich nicht bewegen, solange sich der Skorpion nicht bewegte, der den Tod auf sich zukommen fühlte. Ganz langsam, ganz vorsichtig, streckte Keno eine Hand weiter vor. Der Stachel des Skorpions fuhr gerade in die Höhe. Und in diesem Augenblick schüttelte der lachende Coyotito das Seil, und der Skorpion fiel herunter. Keno fuhr mit der Hand auf ihn zu, um ihn aufzufangen; aber er fiel durch seine Finger, landete auf der Schulter des Kindes und stach. Jetzt erst konnte der aufstöhnende Keno seiner habhaft werden. Er hielt ihn zwischen seinen Fingern und zermalmte ihn in seinen Händen. Er schleuderte ihn zu Boden und schlug ihn mit der Faust in die Erde, während Coyotito in seiner Kiste vor Schmerz aufschrie. Keno zerstampfte den Feind, bis von ihm nichts mehr übriggeblieben war als eine feuchte Stelle am Boden. Kenos Zähne waren entblößt. Wut blitzte aus seinen Augen, und in seinen Ohren dröhnte das Lied des Feindes. (…) „Was gibt’s?“ fragte der Arzt. „Ein Indianer mit seinem Kind ist draußen. Er sagt, ein Skorpion habe es gestochen.“ 50

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Der Arzt setzte die Schale vorsichtig nieder, bevor er seinem Ärger freien Lauf ließ. „Habe ich nichts anderes zu tun, als kleine Indianer zu heilen? Ich bin doch kein Tierarzt!“ „Gewiß, Herr“, erwiderte der Diener. „Hat er Geld?“ fragte der Arzt. „Sicher nicht. Diese Kerls haben ja nie Geld … Und mir, mir wird zugemutet, für nichts zu arbeiten. Aber ich habe es satt. Frag ihn, ob er Geld hat.“ (…) Und dann tat er, als ob er die große Auster jetzt zum ersten Mal sähe, und er nahm sie in die Hand und betrachtete sie. Dunkel glänzten die Schalen. Noch zögerte Keno, sie zu öffnen. Er wußte ganz genau, daß das, was er gesehen hatte, nur ein Lichtreflex gewesen sein konnte oder ein flaches Stück einer Muschel, das abgebrochen und zufällig in die Auster getrieben worden war, oder daß er sich alles nur eingebildet hatte. In dem ungewissen Licht des Golfes erschien ja alles nur wie eine Illusion und nicht wie Wirklichkeit. Aber Juana konnte nicht mehr länger warten. „Öffne sie“, sagte sie sanft. Keno stieß sein Messer geschickt zwischen die Schalen. Er fühlte, wie sich der Muskel der Auster zusammenzog. Er setzte die Klinge wie einen Hebel an, der Muskel gab nach, und die Schalen fie-

len auseinander. Das Fleisch zuckte und fiel dann zusammen. Keno schob es zur Seite – und da lag die große Perle, glänzend wie der Mond, vor ihm. Sie fing das Licht ein und strahlte es gereinigt, silbern glühend wieder zurück. Sie war so groß wie das Ei einer Seemöwe. Sie war die größte Perle der Welt. Juana holte tief Atem und stöhnte leicht auf. Und in Keno erhob sich klar und voll und lieblich, anschwellend, aufbrausend und triumphierend, die Melodie von der Perle, die er wirklich gefunden hatte. Er sah, wie auf ihrer Oberfläche seine Träume Gestalt annahmen. Er hob sie aus der Schale der Auster, hielt sie in seinen Händen, drehte und wendete sie und erkannte, daß sie vollkommen war. Juana rückte nahe an ihn heran und starrte in seine Hand, in jene Hand, die er gegen das Tor des Arztes geschmettert hatte und deren aufgerissenes Fleisch auf den Knöcheln durch das Meerwasser jetzt grauweiß geworden war. Juana wandte sich instinktiv zu Coyotito, der auf der Decke seines Vaters lag, und nahm den Umschlag aus Seegras von seiner Schulter. „Keno!“ schrie sie auf. Keno hob den Blick von der Perle und sah, daß die Schwellung auf der Schulter seines Kindes nachgelassen hatte. Er schloß die Faust über die Perle. Sein Gefühl überwältigte ihn. Er warf den Kopf in den Nacken und stieß einen lauten Schrei aus. Die Augen quollen ihm aus den Höhlen, und er schrie und schrie, und die Männer in den anderen Booten sahen auf und paddelten, so schnell sie konnten, zu Keno. (…) Inzwischen hockte Keno in seiner Hütte auf der Schlafmatratze und dachte nach. Er hatte die Perle unter einem Stein der Feuerstelle vergraben und starrte jetzt auf die Wollmatte, bis die gekreuzten Muster vor seinen Augen tanzten. Er hatte eine Welt verloren und keine andere gewonnen. Keno hatte Angst. Noch nie in seinem Leben war er von seinem Heim weit weg gewesen. Er fürchtete dieses fremde Ungeheuer, das sie Hauptstadt nannten, das weit weg vom Meer lag, hinter den Bergen, vielleicht mehr als tausend Meilen von seiner Hütte entfernt. Jede einzelne dieser Meilen jagte ihm Schrecken ein. Aber Keno hatte seine alte Welt verloren, und er mußte eine neue zu erreichen suchen. Sein Zukunftstraum hatte Gestalt angenommen und war nicht mehr zu zerstören. Er hatte gesagt: „Ich werde gehen“, und damit hatte er sich verpflichtet. Wer einen Entschluß gefaßt und ihn auch ausgesprochen hat, der befindet sich schon auf dem halben Weg. Juan Tomas betrat die Hütte und hockte sich neben Keno. Lange schwieg er, bis Keno endlich fragte: „Was bleibt mir anderes übrig? Sie sind Betrüger.“ Juan Tomas nickte ernst. Er war der ältere, und Keno erwartete Rat von ihm. „Es ist schwer zu sagen“, meinte er. „Wir wissen, daß wir vom Tag unserer Geburt bis zu unserem Tode betrogen werden. Aber wir leben trotzdem. Du hast dich nicht gegen die Perlenhändler gestellt, sondern gegen den Lauf unseres Lebens. Ich habe Angst um dich.“ „Was außer Hunger habe ich zu befürchten?“ fragte Keno. Juan Tomas schüttelte langsam den Kopf. „Diese Gefahr droht jedem, aber angenommen, du hast recht – angenommen, deine Perle ist wirklich von großem Wert –, glaubst du, daß dann alles in Ordnung ist?“ „Wie meinst du das?“ „Ich weiß es nicht“, erwiderte Juan Tomas. „Aber ich habe Angst um dich. Es ist ein fremder Boden, auf dem du gehst, und du kennst den Weg nicht.“ „Und doch werde ich gehen“, erklärte Keno.

„Das mußt du auch tun“, meinte Juan Tomas. „Aber ich bezweifle, daß es dir in der Hauptstadt anders ergehen wird. Hier hast du Freunde und mich, deinen Bruder. Aber dort, dort wirst du niemanden haben.“ „Was soll ich denn tun?“ rief Keno. „Hier erlebe ich nur Schimpf und Schande. Ich will, daß es meinem Sohn einmal besser geht, und das wollen sie verhindern. Aber meine Freunde werden mich schützen.“ „Nur solange sie nicht selbst dadurch Unannehmlichkeiten haben oder in Gefahr kommen“, erwiderte Juan Tomas. Dann erhob er sich und sagte: „Geh mit Gott.“ Und Keno erwiderte: „Geh mit Gott!“ Aber er sah nicht einmal auf, denn die Worte klangen so kalt und fremd. (…) „Ja“, erwiderte Keno, „und ich werde sie auch nicht hergeben. Ich hätte sie vielleicht verschenkt, aber jetzt, da sie an meinem Unglück schuld ist, da sie mein Leben so verändert hat, werde ich sie behalten.“ Aus seinen Augen leuchtete Grausamkeit und unerbittliche Härte. (…) Keno war mitten im Sprung, als der Schuß krachte. Das Mündungsfeuer ließ ihn sein Ziel genau erkennen. Das große Messer sauste durch die Luft und bohrte sich, wo es auftraf, knirschend ein. Es biß sich durch den Nacken und drang tief in die Brust. Keno war eine unerbittliche Maschine. Noch während er das Messer aus dem Körper des Mannes zog, der noch vor wenigen Augenblicken sein Feind gewesen war, griff er nach dem Gewehr. Er war stark, genau und geschwind wie eine Maschine. Er drehte sich auf den Fersen herum und hieb auf den Schädel des nächsten Mannes, der sich aufgesetzt hatte, wie auf eine Melone. Der dritte kroch fliehend wie eine Krabbe über den Boden, glitt in den Teich und versuchte dann in seinem Schrecken, den Felsen, über den das Wasser herunterstürzte, hinaufzuklettern. Seine Hände griffen verzweifelt in das Gewirr der Weinranken, und er wimmerte und winselte, während er sich bemühte, sich hochzuziehen. Aber Keno war kalt und tödlich wie Stahl geworden. Er kannte keine Gnade mehr. Er spannte den Hahn, hob das Gewehr, zielte überlegt und feuerte. Er sah den Feind abgleiten, nach rückwärts taumeln und in den Teich fallen. Keno trat zum Wasser vor. Da traf ein Lichtstrahl des Mondes die Augen des Mannes, aus denen Angst, aus denen der Wahnsinn leuchtete. Und diese Augen boten Keno abermals ein Ziel. Und Keno schoß noch einmal. Und dann stand er hilflos da und wußte nicht, was er weiter tun sollte. Ein Gefühl des Entsetzens bemächtigte sich seiner. Die Frösche und die Grillen waren verstummt. Und dann verblaßte langsam der rote Schein vor seinen Augen, und er erkannte den schrillen, stöhnenden, anschwellenden, alles durchdringenden Schrei, der jetzt aus der kleinen Höhle im Felsen drang, als den Schrei des Todes. (…) Seine Hand zitterte, als er sich langsam zu Juana drehte und ihr die Perle entgegenhielt. Sie stand neben ihm und hielt noch immer das tote Bündel auf ihrem Rücken. Sie blickte kurz auf die Perle, sah dann Keno in die Augen und sagte sanft: „Nein. Du mußt es tun.“ OBJET TROUVé

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Die Perle. John Ernst Steinbeck (1902–1968) gehört zu den erfolgreichsten USamerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts. 1962 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Viele seiner Romane wurden verfilmt (u. a. „Jenseits von Eden“, „Von Mäusen und Menschen“, „Via Zapata“). „Die Perle“ ist die Umsetzung eines alten mexikanischen Sagenstoffes über einen armen Fischer, der, um sein Kind zu retten, die größte Perle der Welt findet und beim Versuch, sie zu verkaufen, sein Glück verliert.

(…) Keno blieb ganz still stehen. Er hörte Juana, die die alte Zauberformel murmelte, und er hörte die Musik des Feindes. Er durfte sich nicht bewegen, solange sich der Skorpion nicht bewegte, der den Tod auf sich zukommen fühlte. Ganz langsam, ganz vorsichtig, streckte Keno eine Hand weiter vor. Der Stachel des Skorpions fuhr gerade in die Höhe. Und in diesem Augenblick schüttelte der lachende Coyotito das Seil, und der Skorpion fiel herunter. Keno fuhr mit der Hand auf ihn zu, um ihn aufzufangen; aber er fiel durch seine Finger, landete auf der Schulter des Kindes und stach. Jetzt erst konnte der aufstöhnende Keno seiner habhaft werden. Er hielt ihn zwischen seinen Fingern und zermalmte ihn in seinen Händen. Er schleuderte ihn zu Boden und schlug ihn mit der Faust in die Erde, während Coyotito in seiner Kiste vor Schmerz aufschrie. Keno zerstampfte den Feind, bis von ihm nichts mehr übriggeblieben war als eine feuchte Stelle am Boden. Kenos Zähne waren entblößt. Wut blitzte aus seinen Augen, und in seinen Ohren dröhnte das Lied des Feindes. (…) „Was gibt’s?“ fragte der Arzt. „Ein Indianer mit seinem Kind ist draußen. Er sagt, ein Skorpion habe es gestochen.“ 50

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Der Arzt setzte die Schale vorsichtig nieder, bevor er seinem Ärger freien Lauf ließ. „Habe ich nichts anderes zu tun, als kleine Indianer zu heilen? Ich bin doch kein Tierarzt!“ „Gewiß, Herr“, erwiderte der Diener. „Hat er Geld?“ fragte der Arzt. „Sicher nicht. Diese Kerls haben ja nie Geld … Und mir, mir wird zugemutet, für nichts zu arbeiten. Aber ich habe es satt. Frag ihn, ob er Geld hat.“ (…) Und dann tat er, als ob er die große Auster jetzt zum ersten Mal sähe, und er nahm sie in die Hand und betrachtete sie. Dunkel glänzten die Schalen. Noch zögerte Keno, sie zu öffnen. Er wußte ganz genau, daß das, was er gesehen hatte, nur ein Lichtreflex gewesen sein konnte oder ein flaches Stück einer Muschel, das abgebrochen und zufällig in die Auster getrieben worden war, oder daß er sich alles nur eingebildet hatte. In dem ungewissen Licht des Golfes erschien ja alles nur wie eine Illusion und nicht wie Wirklichkeit. Aber Juana konnte nicht mehr länger warten. „Öffne sie“, sagte sie sanft. Keno stieß sein Messer geschickt zwischen die Schalen. Er fühlte, wie sich der Muskel der Auster zusammenzog. Er setzte die Klinge wie einen Hebel an, der Muskel gab nach, und die Schalen fie-

len auseinander. Das Fleisch zuckte und fiel dann zusammen. Keno schob es zur Seite – und da lag die große Perle, glänzend wie der Mond, vor ihm. Sie fing das Licht ein und strahlte es gereinigt, silbern glühend wieder zurück. Sie war so groß wie das Ei einer Seemöwe. Sie war die größte Perle der Welt. Juana holte tief Atem und stöhnte leicht auf. Und in Keno erhob sich klar und voll und lieblich, anschwellend, aufbrausend und triumphierend, die Melodie von der Perle, die er wirklich gefunden hatte. Er sah, wie auf ihrer Oberfläche seine Träume Gestalt annahmen. Er hob sie aus der Schale der Auster, hielt sie in seinen Händen, drehte und wendete sie und erkannte, daß sie vollkommen war. Juana rückte nahe an ihn heran und starrte in seine Hand, in jene Hand, die er gegen das Tor des Arztes geschmettert hatte und deren aufgerissenes Fleisch auf den Knöcheln durch das Meerwasser jetzt grauweiß geworden war. Juana wandte sich instinktiv zu Coyotito, der auf der Decke seines Vaters lag, und nahm den Umschlag aus Seegras von seiner Schulter. „Keno!“ schrie sie auf. Keno hob den Blick von der Perle und sah, daß die Schwellung auf der Schulter seines Kindes nachgelassen hatte. Er schloß die Faust über die Perle. Sein Gefühl überwältigte ihn. Er warf den Kopf in den Nacken und stieß einen lauten Schrei aus. Die Augen quollen ihm aus den Höhlen, und er schrie und schrie, und die Männer in den anderen Booten sahen auf und paddelten, so schnell sie konnten, zu Keno. (…) Inzwischen hockte Keno in seiner Hütte auf der Schlafmatratze und dachte nach. Er hatte die Perle unter einem Stein der Feuerstelle vergraben und starrte jetzt auf die Wollmatte, bis die gekreuzten Muster vor seinen Augen tanzten. Er hatte eine Welt verloren und keine andere gewonnen. Keno hatte Angst. Noch nie in seinem Leben war er von seinem Heim weit weg gewesen. Er fürchtete dieses fremde Ungeheuer, das sie Hauptstadt nannten, das weit weg vom Meer lag, hinter den Bergen, vielleicht mehr als tausend Meilen von seiner Hütte entfernt. Jede einzelne dieser Meilen jagte ihm Schrecken ein. Aber Keno hatte seine alte Welt verloren, und er mußte eine neue zu erreichen suchen. Sein Zukunftstraum hatte Gestalt angenommen und war nicht mehr zu zerstören. Er hatte gesagt: „Ich werde gehen“, und damit hatte er sich verpflichtet. Wer einen Entschluß gefaßt und ihn auch ausgesprochen hat, der befindet sich schon auf dem halben Weg. Juan Tomas betrat die Hütte und hockte sich neben Keno. Lange schwieg er, bis Keno endlich fragte: „Was bleibt mir anderes übrig? Sie sind Betrüger.“ Juan Tomas nickte ernst. Er war der ältere, und Keno erwartete Rat von ihm. „Es ist schwer zu sagen“, meinte er. „Wir wissen, daß wir vom Tag unserer Geburt bis zu unserem Tode betrogen werden. Aber wir leben trotzdem. Du hast dich nicht gegen die Perlenhändler gestellt, sondern gegen den Lauf unseres Lebens. Ich habe Angst um dich.“ „Was außer Hunger habe ich zu befürchten?“ fragte Keno. Juan Tomas schüttelte langsam den Kopf. „Diese Gefahr droht jedem, aber angenommen, du hast recht – angenommen, deine Perle ist wirklich von großem Wert –, glaubst du, daß dann alles in Ordnung ist?“ „Wie meinst du das?“ „Ich weiß es nicht“, erwiderte Juan Tomas. „Aber ich habe Angst um dich. Es ist ein fremder Boden, auf dem du gehst, und du kennst den Weg nicht.“ „Und doch werde ich gehen“, erklärte Keno.

„Das mußt du auch tun“, meinte Juan Tomas. „Aber ich bezweifle, daß es dir in der Hauptstadt anders ergehen wird. Hier hast du Freunde und mich, deinen Bruder. Aber dort, dort wirst du niemanden haben.“ „Was soll ich denn tun?“ rief Keno. „Hier erlebe ich nur Schimpf und Schande. Ich will, daß es meinem Sohn einmal besser geht, und das wollen sie verhindern. Aber meine Freunde werden mich schützen.“ „Nur solange sie nicht selbst dadurch Unannehmlichkeiten haben oder in Gefahr kommen“, erwiderte Juan Tomas. Dann erhob er sich und sagte: „Geh mit Gott.“ Und Keno erwiderte: „Geh mit Gott!“ Aber er sah nicht einmal auf, denn die Worte klangen so kalt und fremd. (…) „Ja“, erwiderte Keno, „und ich werde sie auch nicht hergeben. Ich hätte sie vielleicht verschenkt, aber jetzt, da sie an meinem Unglück schuld ist, da sie mein Leben so verändert hat, werde ich sie behalten.“ Aus seinen Augen leuchtete Grausamkeit und unerbittliche Härte. (…) Keno war mitten im Sprung, als der Schuß krachte. Das Mündungsfeuer ließ ihn sein Ziel genau erkennen. Das große Messer sauste durch die Luft und bohrte sich, wo es auftraf, knirschend ein. Es biß sich durch den Nacken und drang tief in die Brust. Keno war eine unerbittliche Maschine. Noch während er das Messer aus dem Körper des Mannes zog, der noch vor wenigen Augenblicken sein Feind gewesen war, griff er nach dem Gewehr. Er war stark, genau und geschwind wie eine Maschine. Er drehte sich auf den Fersen herum und hieb auf den Schädel des nächsten Mannes, der sich aufgesetzt hatte, wie auf eine Melone. Der dritte kroch fliehend wie eine Krabbe über den Boden, glitt in den Teich und versuchte dann in seinem Schrecken, den Felsen, über den das Wasser herunterstürzte, hinaufzuklettern. Seine Hände griffen verzweifelt in das Gewirr der Weinranken, und er wimmerte und winselte, während er sich bemühte, sich hochzuziehen. Aber Keno war kalt und tödlich wie Stahl geworden. Er kannte keine Gnade mehr. Er spannte den Hahn, hob das Gewehr, zielte überlegt und feuerte. Er sah den Feind abgleiten, nach rückwärts taumeln und in den Teich fallen. Keno trat zum Wasser vor. Da traf ein Lichtstrahl des Mondes die Augen des Mannes, aus denen Angst, aus denen der Wahnsinn leuchtete. Und diese Augen boten Keno abermals ein Ziel. Und Keno schoß noch einmal. Und dann stand er hilflos da und wußte nicht, was er weiter tun sollte. Ein Gefühl des Entsetzens bemächtigte sich seiner. Die Frösche und die Grillen waren verstummt. Und dann verblaßte langsam der rote Schein vor seinen Augen, und er erkannte den schrillen, stöhnenden, anschwellenden, alles durchdringenden Schrei, der jetzt aus der kleinen Höhle im Felsen drang, als den Schrei des Todes. (…) Seine Hand zitterte, als er sich langsam zu Juana drehte und ihr die Perle entgegenhielt. Sie stand neben ihm und hielt noch immer das tote Bündel auf ihrem Rücken. Sie blickte kurz auf die Perle, sah dann Keno in die Augen und sagte sanft: „Nein. Du mußt es tun.“ OBJET TROUVé

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Der Seewolf. Jack London (1876 –1916) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist. In „Der Seewolf“ erzählt er die Geschichte des Schöngeists Humphrey van Weyden, der nach einem Schiffsunglück von einem Robbenfangschiff aufgelesen wird. Auf dem Schiff herrscht der dämonische Kapitän Wolf Larsen über Leben und Tod seiner Mannschaft. „Der Seewolf“ wurde 1971 mit Raimund Harmsdorf verfilmt. In der berühmtesten Szene des Films demonstriert Wolf Larsen seine übermenschlichen Kräfte, indem er mit der bloßen Hand eine rohe Kartoffel zerquetscht.

(…) „Das langt, Johansen“, sagte Wolf Larsen schroff. „Merken Sie sich, das Fluchen auf diesem Schiff besorge ich. Wenn ich Ihre Hilfe brauche, werde ich Sie hinzuziehen.“ „Jawohl, Sir“, bestätigte der Steuermann unterwürfig. Unterdessen hatte sich Harrison auf die Fallen hinausgewagt. Ich blickte von der Kombüsentür aus hinauf und konnte ihn wie im Schüttelfrost an allen Gliedern zittern sehen. Er kroch, Zoll für Zoll, sehr langsam und vorsichtig. Gegen das klare Blau des Himmels gezeichnet, nahm er sich aus wie eine riesige Spinne, die im Maßwerk ihres Netzes entlangkriecht. Es war eine sacht aufwärts führende Kletterei, denn das Focksegel war aufgetoppt, und die Fallen, die durch verschiedene Blöcke an Gaffel und Mast liefen, gaben ihm jeweils Halt für Hände und Füße. Das Übel lag jedoch darin, daß der Wind weder stark noch stetig genug war, das Segel gefüllt zu halten. Als er die Hälfte hinter sich hatte, krängte die »Ghost« weit nach Luv und legte sich dann zurück in das Tal zwischen zwei Wogen. Harrison hörte auf zu kriechen und hielt sich fest. Achtzig Fuß unter ihm konnte ich bemerken, mit welch angstvoller Muskelanspannung er sich um sein Leben anklammerte. Das Segel leerte sich, und die Gaffel schwang mitschiffs. Die Fallen lockerten sich, und obgleich all das sehr rasch geschah, sah ich, wie sie unter dem Gewicht seines Körpers absackten. Dann schwang die Gaffel mit jäher Geschwindigkeit zur Seite, das große Segel donnerte wie eine Kanone, und die drei Reihen Reffbändsel peitschten wie eine Gewehrsalve an das Segel. 52

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Harrison, immer noch angeklammert, trudelte durch die Luft. Sein Sturz hörte jäh auf. Im Nu strafften sich die Fallen. Es war wie ein Peitschenknall. Sein Griff war gesprengt. Eine Hand wurde losgerissen. Die andere säumte noch einen Augenblick verzweifelt und folgte dann. Sein Körper schwang aus und fiel, aber irgendwie gelang es ihm, sich mit den Beinen festzuhalten. Er hing mit dem Kopf nach unten. Mit einer heftigen Anstrengung brachte er seine Hände wieder nach oben zu den Fallen; aber es dauerte lange, ehe er seine frühere Stellung wieder einnehmen konnte, wo er nun hing, ein bedauernswertes Geschöpf. „Ich wette, ihm ist der Appetit aufs Abendessen vergangen“, hörte ich Wolf Larsens Stimme, die um die Kombüsenecke zu mir drang. „He, gehn Sie beiseite, Johansen! Aufpassen! Da kommt’s runter!“ Harrison war wirklich sehr übel wie einem, der seekrank ist, und lange Zeit klammerte er sich an seinen schwankenden hohen Sitz und machte keinen Versuch, sich zu bewegen. Doch Johansen drängte ihn immer noch ungestüm, seine Aufgabe zu vollenden. „Es ist eine Schande“, hörte ich Johnson in quälend langsamem und korrektem Englisch grollen. Er stand am Takelwerk des Hauptmastes, wenige Fuß von mir entfernt. „Der Junge ist willig genug. Er wird lernen, wenn er eine Möglichkeit hat. Aber das ist...“ Er hielt eine Weile inne, denn sein abschließendes Urteil lautete: „Mord.“ OBJET TROUVé

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Der Seewolf. Jack London (1876 –1916) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist. In „Der Seewolf“ erzählt er die Geschichte des Schöngeists Humphrey van Weyden, der nach einem Schiffsunglück von einem Robbenfangschiff aufgelesen wird. Auf dem Schiff herrscht der dämonische Kapitän Wolf Larsen über Leben und Tod seiner Mannschaft. „Der Seewolf“ wurde 1971 mit Raimund Harmsdorf verfilmt. In der berühmtesten Szene des Films demonstriert Wolf Larsen seine übermenschlichen Kräfte, indem er mit der bloßen Hand eine rohe Kartoffel zerquetscht.

(…) „Das langt, Johansen“, sagte Wolf Larsen schroff. „Merken Sie sich, das Fluchen auf diesem Schiff besorge ich. Wenn ich Ihre Hilfe brauche, werde ich Sie hinzuziehen.“ „Jawohl, Sir“, bestätigte der Steuermann unterwürfig. Unterdessen hatte sich Harrison auf die Fallen hinausgewagt. Ich blickte von der Kombüsentür aus hinauf und konnte ihn wie im Schüttelfrost an allen Gliedern zittern sehen. Er kroch, Zoll für Zoll, sehr langsam und vorsichtig. Gegen das klare Blau des Himmels gezeichnet, nahm er sich aus wie eine riesige Spinne, die im Maßwerk ihres Netzes entlangkriecht. Es war eine sacht aufwärts führende Kletterei, denn das Focksegel war aufgetoppt, und die Fallen, die durch verschiedene Blöcke an Gaffel und Mast liefen, gaben ihm jeweils Halt für Hände und Füße. Das Übel lag jedoch darin, daß der Wind weder stark noch stetig genug war, das Segel gefüllt zu halten. Als er die Hälfte hinter sich hatte, krängte die »Ghost« weit nach Luv und legte sich dann zurück in das Tal zwischen zwei Wogen. Harrison hörte auf zu kriechen und hielt sich fest. Achtzig Fuß unter ihm konnte ich bemerken, mit welch angstvoller Muskelanspannung er sich um sein Leben anklammerte. Das Segel leerte sich, und die Gaffel schwang mitschiffs. Die Fallen lockerten sich, und obgleich all das sehr rasch geschah, sah ich, wie sie unter dem Gewicht seines Körpers absackten. Dann schwang die Gaffel mit jäher Geschwindigkeit zur Seite, das große Segel donnerte wie eine Kanone, und die drei Reihen Reffbändsel peitschten wie eine Gewehrsalve an das Segel. 52

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Harrison, immer noch angeklammert, trudelte durch die Luft. Sein Sturz hörte jäh auf. Im Nu strafften sich die Fallen. Es war wie ein Peitschenknall. Sein Griff war gesprengt. Eine Hand wurde losgerissen. Die andere säumte noch einen Augenblick verzweifelt und folgte dann. Sein Körper schwang aus und fiel, aber irgendwie gelang es ihm, sich mit den Beinen festzuhalten. Er hing mit dem Kopf nach unten. Mit einer heftigen Anstrengung brachte er seine Hände wieder nach oben zu den Fallen; aber es dauerte lange, ehe er seine frühere Stellung wieder einnehmen konnte, wo er nun hing, ein bedauernswertes Geschöpf. „Ich wette, ihm ist der Appetit aufs Abendessen vergangen“, hörte ich Wolf Larsens Stimme, die um die Kombüsenecke zu mir drang. „He, gehn Sie beiseite, Johansen! Aufpassen! Da kommt’s runter!“ Harrison war wirklich sehr übel wie einem, der seekrank ist, und lange Zeit klammerte er sich an seinen schwankenden hohen Sitz und machte keinen Versuch, sich zu bewegen. Doch Johansen drängte ihn immer noch ungestüm, seine Aufgabe zu vollenden. „Es ist eine Schande“, hörte ich Johnson in quälend langsamem und korrektem Englisch grollen. Er stand am Takelwerk des Hauptmastes, wenige Fuß von mir entfernt. „Der Junge ist willig genug. Er wird lernen, wenn er eine Möglichkeit hat. Aber das ist...“ Er hielt eine Weile inne, denn sein abschließendes Urteil lautete: „Mord.“ OBJET TROUVé

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„Willst du wohl stille sein!“ raunte Louis ihm zu. „Wenn dir deine Mutter lieb is, halt den Mund!“ Aber Johnson knurrte weiter, während er zusah. „Hören Sie“, sagte der Jäger Standish zu Wolf Larsen, „das ist mein Rojer, und ich möcht ihn nicht verlieren.“ „Ganz recht, Standish“, lautete die Antwort. „Er ist Ihr Rojer, wenn Sie ihn im Boot haben, aber er ist mein Matrose, wenn ich ihn an Bord habe, und ich werde verdammt noch mal mit ihm machen, was mir beliebt.“„Aber das ist kein Grund...“, begann Standish einen Redestrom. „Es langt, regen Sie sich ab“, riet ihm Wolf Larsen. „Ich habe Ihnen meine Meinung gesagt, und damit Schluß. Der Mann gehört mir, und wenn mir danach ist, koche ich Suppe aus ihm und esse sie.“ (…) Manchmal glaube ich, Wolf Larsen ist verrückt oder zumindest halb verrückt, wegen seiner sonderbaren Launen und Einfälle. Zu anderen Zeiten halte ich ihn für einen bedeutenden Mann, ein Genie, das nie gelandet ist. Und schließlich bin ich überzeugt, daß er das vollendete Urbild des Primitiven ist, tausend Jahre oder Generationen zu spät geboren und ein Anachronismus in diesem auf dem höchsten Punkt angelangten Zeitalter der Zivilisation. Bestimmt ist er ein Individualist von ausgeprägtestem Typ. Es gibt keine Geistesverwandtschaft zwischen ihm und den übrigen Männern an Bord. Seine ungeheure Männlichkeit und Geisteskraft sondern ihn ab. Sie sind mehr wie Kinder für ihn, sogar die Jäger, und wie Kinder behandelt er sie, indem er notgedrungen auf ihre Ebene hinabsteigt und mit ihnen spielt, wie ein Mann mit jungen Hunden spielt. Oder er sondiert sie mit der grausamen Hand eines Anatomen, indem er in ihren geistigen Vorgängen herumtastet und ihre Seelen untersucht, als wolle er sehen, woraus Seelensubstanz gemacht ist. Ich habe Dutzende von Malen erlebt, wie er bei Tisch den einen oder anderen Jäger mit kalten, wohlgezielten Blicken und überdies einer gewissen Miene des Interesses beleidigte, während er ihre Handlungen oder Antworten oder unbedeutenden Wutausbrüche mit einer Wißbegier erwog, die mich, der ich als Zuschauer dabeistand und begriff, fast lächerlich anmutete. Was seine eigenen Wutausbrüche betrifft, so bin ich überzeugt, daß sie nicht echt, daß sie zuweilen Experimente sind,

in der Hauptsache jedoch eine Pose oder Haltung, die er sich angewöhnt hat, seit er entdeckte, wie angebracht es ist, sie seinen Mitmenschen gegenüber einzunehmen. Ich weiß, ausgenommen vielleicht den Zwischenfall mit dem toten Steuermann, daß ich ihn nie wirklich wütend gesehen habe, und ich wünsche mir auch nicht, ihn jemals in echter Wut zu erleben, wenn seine ganze unmenschliche Kraft zur Bewegung aufgerufen ist. (…) Wolf Larsen war jedoch der männliche Typ, das Maskuline, und nahezu ein Gott in seiner Vollkommenheit. Wenn er umherging oder die Arme hob, sprangen und bewegten sich die prachtvollen Muskeln unter der seidigen Haut. Ich habe vergessen zu erwähnen, daß der Bronzeton mit seinem Gesicht aufhörte. Sein Körper war dank seiner skandinavischen Herkunft hellfarbig wie die Haut einer sehr blonden Frau. Ich erinnere mich, daß er die Hand hob, um seine Kopfwunde zu betasten, und daß ich beobachtete, wie sich der Bizeps gleich etwas Lebendigem in seinem weißen Futteral bewegte. Es war der Bizeps, der einmal fast das Leben aus mir gepreßt und den ich so viele mörderische Schläge hatte austeilen sehen. Ich konnte meine Augen nicht von ihm abwenden. Reglos stand ich, eine Rolle antiseptischer Watte in der Hand, die sich von selbst abspulte und am Boden entlang lief. Er bedachte mich mit einem flüchtigen Blick, und mir wurde bewußt, daß ich ihn anstarrte. „Gott hat Sie schön geschaffen“, sagte ich. „So?“ antwortete er. „Das habe ich auch oft gedacht und mich gefragt, warum.“ „Bestimmung ...“, begann ich. „Nutzen“, unterbrach er. „Dieser Körper ist zum Gebrauch geschaffen. Diese Muskeln sind geschaffen, Lebewesen, die sich zwischen mich und das Leben drängen, zu packen, zu zerfleischen, zu zerstören. Und haben Sie an die anderen Lebewesen gedacht? Auch sie haben Muskeln dieser oder jener Art, die geschaffen sind zu packen, zu zerfleischen und zu zerstören, und wenn sie sich zwischen mich und das Leben drängen, übertreffe ich sie im Packen, Zerfleischen und Zerstören. Bestimmung erklärt das nicht. Nutzen, ja.“ „Das ist nicht schön“, wandte ich ein. „Sie meinen, das Leben ist es nicht“, lächelte er.

Quellenangaben: Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer – © 1952, Copyright für die deutsche Ausgabe 1977 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg John Steinbeck: Die Perle. Aus dem Amerikanischen von Felix Horst – © Paul Zsolnay Verlag, Wien 1992 Jack London: Der Seewolf – © Verlag Neues Leben, Berlin 1988 Illustration: Axel Peemöller (www.de-war.de)

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„Willst du wohl stille sein!“ raunte Louis ihm zu. „Wenn dir deine Mutter lieb is, halt den Mund!“ Aber Johnson knurrte weiter, während er zusah. „Hören Sie“, sagte der Jäger Standish zu Wolf Larsen, „das ist mein Rojer, und ich möcht ihn nicht verlieren.“ „Ganz recht, Standish“, lautete die Antwort. „Er ist Ihr Rojer, wenn Sie ihn im Boot haben, aber er ist mein Matrose, wenn ich ihn an Bord habe, und ich werde verdammt noch mal mit ihm machen, was mir beliebt.“„Aber das ist kein Grund...“, begann Standish einen Redestrom. „Es langt, regen Sie sich ab“, riet ihm Wolf Larsen. „Ich habe Ihnen meine Meinung gesagt, und damit Schluß. Der Mann gehört mir, und wenn mir danach ist, koche ich Suppe aus ihm und esse sie.“ (…) Manchmal glaube ich, Wolf Larsen ist verrückt oder zumindest halb verrückt, wegen seiner sonderbaren Launen und Einfälle. Zu anderen Zeiten halte ich ihn für einen bedeutenden Mann, ein Genie, das nie gelandet ist. Und schließlich bin ich überzeugt, daß er das vollendete Urbild des Primitiven ist, tausend Jahre oder Generationen zu spät geboren und ein Anachronismus in diesem auf dem höchsten Punkt angelangten Zeitalter der Zivilisation. Bestimmt ist er ein Individualist von ausgeprägtestem Typ. Es gibt keine Geistesverwandtschaft zwischen ihm und den übrigen Männern an Bord. Seine ungeheure Männlichkeit und Geisteskraft sondern ihn ab. Sie sind mehr wie Kinder für ihn, sogar die Jäger, und wie Kinder behandelt er sie, indem er notgedrungen auf ihre Ebene hinabsteigt und mit ihnen spielt, wie ein Mann mit jungen Hunden spielt. Oder er sondiert sie mit der grausamen Hand eines Anatomen, indem er in ihren geistigen Vorgängen herumtastet und ihre Seelen untersucht, als wolle er sehen, woraus Seelensubstanz gemacht ist. Ich habe Dutzende von Malen erlebt, wie er bei Tisch den einen oder anderen Jäger mit kalten, wohlgezielten Blicken und überdies einer gewissen Miene des Interesses beleidigte, während er ihre Handlungen oder Antworten oder unbedeutenden Wutausbrüche mit einer Wißbegier erwog, die mich, der ich als Zuschauer dabeistand und begriff, fast lächerlich anmutete. Was seine eigenen Wutausbrüche betrifft, so bin ich überzeugt, daß sie nicht echt, daß sie zuweilen Experimente sind,

in der Hauptsache jedoch eine Pose oder Haltung, die er sich angewöhnt hat, seit er entdeckte, wie angebracht es ist, sie seinen Mitmenschen gegenüber einzunehmen. Ich weiß, ausgenommen vielleicht den Zwischenfall mit dem toten Steuermann, daß ich ihn nie wirklich wütend gesehen habe, und ich wünsche mir auch nicht, ihn jemals in echter Wut zu erleben, wenn seine ganze unmenschliche Kraft zur Bewegung aufgerufen ist. (…) Wolf Larsen war jedoch der männliche Typ, das Maskuline, und nahezu ein Gott in seiner Vollkommenheit. Wenn er umherging oder die Arme hob, sprangen und bewegten sich die prachtvollen Muskeln unter der seidigen Haut. Ich habe vergessen zu erwähnen, daß der Bronzeton mit seinem Gesicht aufhörte. Sein Körper war dank seiner skandinavischen Herkunft hellfarbig wie die Haut einer sehr blonden Frau. Ich erinnere mich, daß er die Hand hob, um seine Kopfwunde zu betasten, und daß ich beobachtete, wie sich der Bizeps gleich etwas Lebendigem in seinem weißen Futteral bewegte. Es war der Bizeps, der einmal fast das Leben aus mir gepreßt und den ich so viele mörderische Schläge hatte austeilen sehen. Ich konnte meine Augen nicht von ihm abwenden. Reglos stand ich, eine Rolle antiseptischer Watte in der Hand, die sich von selbst abspulte und am Boden entlang lief. Er bedachte mich mit einem flüchtigen Blick, und mir wurde bewußt, daß ich ihn anstarrte. „Gott hat Sie schön geschaffen“, sagte ich. „So?“ antwortete er. „Das habe ich auch oft gedacht und mich gefragt, warum.“ „Bestimmung ...“, begann ich. „Nutzen“, unterbrach er. „Dieser Körper ist zum Gebrauch geschaffen. Diese Muskeln sind geschaffen, Lebewesen, die sich zwischen mich und das Leben drängen, zu packen, zu zerfleischen, zu zerstören. Und haben Sie an die anderen Lebewesen gedacht? Auch sie haben Muskeln dieser oder jener Art, die geschaffen sind zu packen, zu zerfleischen und zu zerstören, und wenn sie sich zwischen mich und das Leben drängen, übertreffe ich sie im Packen, Zerfleischen und Zerstören. Bestimmung erklärt das nicht. Nutzen, ja.“ „Das ist nicht schön“, wandte ich ein. „Sie meinen, das Leben ist es nicht“, lächelte er.

Quellenangaben: Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer – © 1952, Copyright für die deutsche Ausgabe 1977 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg John Steinbeck: Die Perle. Aus dem Amerikanischen von Felix Horst – © Paul Zsolnay Verlag, Wien 1992 Jack London: Der Seewolf – © Verlag Neues Leben, Berlin 1988 Illustration: Axel Peemöller (www.de-war.de)

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Der deutsche Durchschnittsmann ist 1,80 m groß und hat einen erigierten Penis von 14,5 cm Länge. Als schön gelten Haare auf dem Kopf, aber nicht am Körper, ebenmäßige Gesichtszüge, Sportlichkeit und ein dicker Geldbeutel. Wer diesem Ideal nicht entspricht, zum Beispiel weil er nur 1,73 m misst, eine Glatze hat, aber dafür Haare auf den Schultern, der hat allerhand Möglichkeiten, mehr aus seinem Typ zu machen. Unsere Autorin hat sich auf die Suche nach den Insignien echter Männlichkeit gemacht und gibt praktische Tipps, wie man erreichen kann, was nicht von Gott gegeben wurde. Von Judith Stoletzky (Text) und Martin Müller (Illustration)

Der Thorsten ist ein fauler Sack. Immer isst er zu viel und Sport erachtet er als würdelos. Er bewegt seinen Körper nur dann, wenn es unbedingt sein muss – auf Balz also und bei den sich daran anschließenden Aktivitäten. Dennoch läge man mit der Vermutung, Thorstens Anblick sei tendenziell unerfreulich und sein BMI (Body-Mass-Index) müsse Anlass zur Besorgnis geben, vollkommen falsch. Dem Thorsten hat diese erschreckend ungerechte Rabenmutter Natur nicht einfach nur gute Gesundheit, angenehmen Körpergeruch und weiße Zähne in die Wiege gelegt, sondern auch ein Sixpack, Gardemaße, einen erstaunlichen Penis (Dicke, Länge, Formschönheit, Ausdauer), dichtes, niemals ergrauendes Haar, einen Sportwagenschlüssel und so manch anderes, das Frauen erröten und Rivalen erblei56

EXpérience

chen lässt. Es ist zum Heulen. Und auch das steht Männern beileibe nicht so gut, wie heimtückische Weibsbilder sich gelegentlich zu behaupten erdreisten. Welcher Mann böte einer schwachen Frau nicht gern seine starke Schulter, anstatt sich aus Mangel an hinlänglicher Körpergröße an die ihre zu lehnen, um bittere Tränen über seine Fettbrüstchen zu vergießen? Oder über die seitliche Krümmung seines zu kleinen Penis. Die schwache Erektion. Seinen Ascona. Den schütteren Haarkranz und die stäbchendünnen Waden, die in so starkem Widerspruch zu seiner Fettschürze stehen und den sportlich-maskulinen Ausdruck eines gesunden, aktiven Lebens schmerzlich vermissen lassen. Von den Falten, den nasolabialen, den Stirnfurchen, den TräEXpérience

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Der deutsche Durchschnittsmann ist 1,80 m groß und hat einen erigierten Penis von 14,5 cm Länge. Als schön gelten Haare auf dem Kopf, aber nicht am Körper, ebenmäßige Gesichtszüge, Sportlichkeit und ein dicker Geldbeutel. Wer diesem Ideal nicht entspricht, zum Beispiel weil er nur 1,73 m misst, eine Glatze hat, aber dafür Haare auf den Schultern, der hat allerhand Möglichkeiten, mehr aus seinem Typ zu machen. Unsere Autorin hat sich auf die Suche nach den Insignien echter Männlichkeit gemacht und gibt praktische Tipps, wie man erreichen kann, was nicht von Gott gegeben wurde. Von Judith Stoletzky (Text) und Martin Müller (Illustration)

Der Thorsten ist ein fauler Sack. Immer isst er zu viel und Sport erachtet er als würdelos. Er bewegt seinen Körper nur dann, wenn es unbedingt sein muss – auf Balz also und bei den sich daran anschließenden Aktivitäten. Dennoch läge man mit der Vermutung, Thorstens Anblick sei tendenziell unerfreulich und sein BMI (Body-Mass-Index) müsse Anlass zur Besorgnis geben, vollkommen falsch. Dem Thorsten hat diese erschreckend ungerechte Rabenmutter Natur nicht einfach nur gute Gesundheit, angenehmen Körpergeruch und weiße Zähne in die Wiege gelegt, sondern auch ein Sixpack, Gardemaße, einen erstaunlichen Penis (Dicke, Länge, Formschönheit, Ausdauer), dichtes, niemals ergrauendes Haar, einen Sportwagenschlüssel und so manch anderes, das Frauen erröten und Rivalen erblei56

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. Y R R O S ES ATTHI R ‘ E W OOK Y U B L O O AVET . T E N I Z A YOUH AG M E H T

chen lässt. Es ist zum Heulen. Und auch das steht Männern beileibe nicht so gut, wie heimtückische Weibsbilder sich gelegentlich zu behaupten erdreisten. Welcher Mann böte einer schwachen Frau nicht gern seine starke Schulter, anstatt sich aus Mangel an hinlänglicher Körpergröße an die ihre zu lehnen, um bittere Tränen über seine Fettbrüstchen zu vergießen? Oder über die seitliche Krümmung seines zu kleinen Penis. Die schwache Erektion. Seinen Ascona. Den schütteren Haarkranz und die stäbchendünnen Waden, die in so starkem Widerspruch zu seiner Fettschürze stehen und den sportlich-maskulinen Ausdruck eines gesunden, aktiven Lebens schmerzlich vermissen lassen. Von den Falten, den nasolabialen, den Stirnfurchen, den TräEXpérience

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. RY S I ESOR R T ‘ E T W OOKA H UY B L O O AVET . T E N I YOUH AGAZ M E H T

nensäcken, dem Doppelkinn ganz zu schweigen. Doch gegen all das kann man was machen! Am besten unter Vollnarkose. Es gibt sehr angenehme Kliniken mit reizenden OP-Schwestern und entspannenden Discountpreisen, zum Beispiel in der Tschechischen Republik. Wenn man schon mal dabei ist, kann man neben den Standard-Anti-Aging-Maßnahmen (Facelift, Botox, Laser, Abrasion) auch gleich das eine oder andere ein wenig wegoder eben hinmachen lassen. Außer Wadenimplantaten, Kinn- und Bauchdeckenstraffung steht bei Männern auf der Liste der zu bekämpfenden Makel ganz oben etwas, über das Frauen sich eher selten be58

EXpérience

klagen, nämlich die selbsttätige Vergrößerung der Brüste (Gynäkomastie), manchmal bis zur ungefähren Körbchengröße D. Der Mann empfindet weiche Fülle an dieser Stelle seines eigenen Körpers als peinlich und lässt, anstatt dem Biere abzuschwören, Fett absaugen (bis zu 800 ml, in Prag für 1.800 € zu haben). Das überschüssige Fett könnte – rein theo­ retisch jedenfalls – an anderer Stelle für großes Glück sorgen. Zum Beispiel in einer der Kliniken, die sich auf das männliche Genital spezialisiert haben. Dort kann man seinen als zu klein empfundenen Penis mit Eigenfett unterfüttern lassen. Dadurch wird er nicht nur bis zu vier Zentimeter dicker, ­sondern durch die Umverteilung der Massen bei der Erektion

auch bis zu zwei Zentimeter länger. Allerdings ist das kein Dauerzustand, da das Fett nach einigen Monaten wieder resorbiert ist. Wer härtere Maßnahmen nicht scheut, greift zum Implantat (ein- bis dreiteilig, mit und ohne hydraulische Pumpe im Hodensack). Er kann auch vermittels eines Y-förmigen Schnittes oberhalb der Peniswurzel noch einmal bis zu sechs Zentimeter herausholen: Ein schöner Teil des Schwellkörpers liegt ja im Körperinneren. Welch Vergeudung – da sieht ihn ja keiner. Ernsthaft Interessierte sollten wissen, dass Penisverlängerungen von seriösen Kliniken nur durchgeführt werden, wenn das aktuelle Maß 19 Zentimeter nicht überschreitet. (Ave Maria, gratia plena; Dominus tecum; bene-

dicta tu in mulieribus, et benedictus frustus ventris tui, ­Jesus. Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus nunc et in hora nostrae.) Gegen etwaige Erektionsstörungen als Folge der OP gibt es in jedem gut sortierten Spam-Ordner Angebote für Viagra etc. Von Eingriffen gegen eingebildetes oder tatsächliches Zukurzgekommensein an den verschiedenen Stellen seines ­Körpers erhofft sich der Mann einen Zuwachs an Selbst­ vertrauen, Respekt unter der Gemeinschaftsdusche, höheres Salär und echtes weibliches Interesse. Wünsche, die äußerst nachvollziehbar sind. Erfreulicherweise können diese Ziele aber auch ohne Vollnarkose oder Dämmerschlaf erreicht EXpérience

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nensäcken, dem Doppelkinn ganz zu schweigen. Doch gegen all das kann man was machen! Am besten unter Vollnarkose. Es gibt sehr angenehme Kliniken mit reizenden OP-Schwestern und entspannenden Discountpreisen, zum Beispiel in der Tschechischen Republik. Wenn man schon mal dabei ist, kann man neben den Standard-Anti-Aging-Maßnahmen (Facelift, Botox, Laser, Abrasion) auch gleich das eine oder andere ein wenig wegoder eben hinmachen lassen. Außer Wadenimplantaten, Kinn- und Bauchdeckenstraffung steht bei Männern auf der Liste der zu bekämpfenden Makel ganz oben etwas, über das Frauen sich eher selten be58

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klagen, nämlich die selbsttätige Vergrößerung der Brüste (Gynäkomastie), manchmal bis zur ungefähren Körbchengröße D. Der Mann empfindet weiche Fülle an dieser Stelle seines eigenen Körpers als peinlich und lässt, anstatt dem Biere abzuschwören, Fett absaugen (bis zu 800 ml, in Prag für 1.800 € zu haben). Das überschüssige Fett könnte – rein theo­ retisch jedenfalls – an anderer Stelle für großes Glück sorgen. Zum Beispiel in einer der Kliniken, die sich auf das männliche Genital spezialisiert haben. Dort kann man seinen als zu klein empfundenen Penis mit Eigenfett unterfüttern lassen. Dadurch wird er nicht nur bis zu vier Zentimeter dicker, ­sondern durch die Umverteilung der Massen bei der Erektion

auch bis zu zwei Zentimeter länger. Allerdings ist das kein Dauerzustand, da das Fett nach einigen Monaten wieder resorbiert ist. Wer härtere Maßnahmen nicht scheut, greift zum Implantat (ein- bis dreiteilig, mit und ohne hydraulische Pumpe im Hodensack). Er kann auch vermittels eines Y-förmigen Schnittes oberhalb der Peniswurzel noch einmal bis zu sechs Zentimeter herausholen: Ein schöner Teil des Schwellkörpers liegt ja im Körperinneren. Welch Vergeudung – da sieht ihn ja keiner. Ernsthaft Interessierte sollten wissen, dass Penisverlängerungen von seriösen Kliniken nur durchgeführt werden, wenn das aktuelle Maß 19 Zentimeter nicht überschreitet. (Ave Maria, gratia plena; Dominus tecum; bene-

dicta tu in mulieribus, et benedictus frustus ventris tui, ­Jesus. Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus nunc et in hora nostrae.) Gegen etwaige Erektionsstörungen als Folge der OP gibt es in jedem gut sortierten Spam-Ordner Angebote für Viagra etc. Von Eingriffen gegen eingebildetes oder tatsächliches Zukurzgekommensein an den verschiedenen Stellen seines ­Körpers erhofft sich der Mann einen Zuwachs an Selbst­ vertrauen, Respekt unter der Gemeinschaftsdusche, höheres Salär und echtes weibliches Interesse. Wünsche, die äußerst nachvollziehbar sind. Erfreulicherweise können diese Ziele aber auch ohne Vollnarkose oder Dämmerschlaf erreicht EXpérience

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werden. So wird der Autorin für immer unvergessen bleiben, wie ein u. A. mit Humor ausgestatteter junger Mann sie eines Abends unter dem Sternenhimmel Kölns an sich zog und mit dieser Geste einen ungekannt imposanten Eindruck hinterließ. Er hatte seiner Freude über das Wiedersehen mit einem Paar Tennissocken, an geeigneter Stelle in der Unterhose platziert, Nachdruck verliehen. Heute kann ein Mann auf derart rustikale Methoden der Ausgestaltung seiner Silhouette verzichten. Stattdessen steigt er in einen Schlüpfer des Modells „Wonderjock“ des Labels „Aussiebum“. Das Höschen versteht sich als Pendant zum Wonderbra. Um in der Körper­ 60

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mitte das optische Gleichgewicht der Kräfte wieder herzustellen, könnten allerdings zusätzliche Po-Implantate ange­ raten sein. Ob man jedoch bei vollem Bewusstsein Dinge tun kann, wie über Monate mit dem Penis Gewichte zu heben oder einen Penis-Expander zu tragen, darf angezweifelt werden. Jedenfalls sollte man unter keinen Umständen in einer Situation, in der man jemandem näherkommen könnte, eine dieser hüftgürtelartigen Konstruktionen tragen, die links am Penisansatz zerren und rechts an der Eichel. Die Frage, ob eine auf diese Weise herbeigeführte Verlängerung nicht auch zu einem bedauer-

lichen Verlust an Umfang führen würde, wird von einem Hersteller vollkommen befriedigend mit der Abbildung eines nicht näher bezeichneten Eingeborenen beantwortet, der seinen ­dicken, 45 Zentimeter langen Penis nach jahrelangem Stretching heute als praktischen Knoten trägt. Die natürlichen Methoden sind doch die besten. Auch die Inder stehen auf natürliche Penisvergrößerung. Allerdings erinnert die Anleitung in weiten ­Teilen an ganz ordinäre Masturbation. Eine weitere Technik arbeitet mit einem „weltweit einzigartigen, patentierten System“, auch auf Basis der Streckung, was das Wachstum von Zellen in alle Richtungen des Penis fördern soll. Vor der Anwendung ist ein Ingenieurstudium allerdings dringend zu empfehlen. Hier wird mit Federzügen und Streckstangen operiert, und es gibt Sicherheitsvorrichtungen gegen Überbelastung. Da wählt der stilvolle Mann doch lieber eine klassisch-elegante Variante der Penisverlängerung. Einen 911er zum Beispiel, einen Jaguar E-Type, einen Citroen SM oder einen Aston Martin. Jedoch! Auch ein Ascona vergrößert das maskuline Selbstwertgefühl, und zwar um exakt sieben Zentimeter. Voraus­ gesetzt es handelt sich nicht um einen Opel, sondern um ein segensreiches Modell aus dem umfangreichen Herrenschuh­ angebot zur Vortäuschung von Körperlänge vermittels unsichtbarer Einlagen. Statistiken leider nicht näher benannter Herkunft belegen, dass Frauen es als angenehm empfinden, wenn ein Mann mindestens fünf Zentimeter größer ist. Männer in Führungspositionen sind mindestens fünf Zentimeter größer als ihre Untergebenen, mindestens aber 1,82 m groß und bei Bewerbungsgesprächen hat derjenige bessere Chancen, der größer ist. So gibt der Ascona, der Rimini oder der Bozen privileg einem Mann endlich, was die Gene ihm vorenthalten haben. Investiert er außerdem statt in einen plastischen Chirurgen in einen Herrenschneider, der sich auf die Kunst versteht, Wattierungen und Polster, aber auch Nähte und Korsettstangen in Sakkos zu implantieren, wird jeder ­diesen Mann als stattliche Erscheinung beschreiben. Vielleicht wird er in die Vorstände von Weltkonzernen berufen. Weil er ein aufrechter Mann ist, weil Schultern wie diese jedwede ­Verantwortung tragen können. Und die Frauen werden ihm zu Füßen liegen. Das jedoch ist weniger angenehm. Denn sie könnten in dieser Position angesichts der unnatürlich hohen Ferse Verdacht auf Betrug oder Klumpfuß schöpfen und dann ist der Ascona doch wieder die erniedrigende Erfahrung, die er immer war. Aber nicht nur untenrum ist die Situation zuweilen très, très triste. Wenn man plötzlich gesiezt wird und junge Frauen einem anstelle ihres Körpers einen Sitzplatz anbieten. Dann könnte das daran liegen, dass Ihr Haupthaar, grau und stumpf, vom Staub eines jahrzehntelangen Lebens bedeckt, einen ­hämischen Hinweis darauf gibt, dass die Zeit eben doch vergeht. Auch wenn das 45-jährige Lausbubenherz noch so jugend­ lich unter dem Kapuzenpulli pumpert und die Turnschuhe mit einem noch nach Timbuktu laufen wollen! Da laufe man besser flugs in die Drogerie und erwerbe eine Packung eines Wundertonikums, das dem Haar peu à peu und sehr diskret seinen früheren Beachboy-Farbton zurückgibt bzw. 15 Jahre vom Alter abzieht. Dann ist der Kontrast zwischen innen und außen weniger krass, und das ist angenehm. Anders als dem Ergrauenden geht es dem Kahlkopf. Bisher konnte er große Teile dieses Artikels ohne Betroffenheit lesen, denn die alte Volksweisheit, dass der Mangel an Haarwuchs ein sicheres Zeichen außerordentlicher Männlichkeit sei, ist zumindest nicht widerlegt. Allerdings wird auch behauptet, dass Glatzen Karrieren und Liebesnächte verhindern und schon

so manchen Mann in Isolation und Depression getrieben, ihn zum Alkoholiker oder Toupetträger gemacht haben. Hier stellt sich die Frage, was schlimmer ist. Damit allerdings tut man den Herstellern von Toupets furchtbar Unrecht. Auf dem Gebiet des Haarersatzes haben Revolutionen stattgefunden. Niemand muss heute noch aussehen wie seine Schicksalsgenossen Sean Connery, Burt Reynolds oder Horst Köppel. Duschen, Schwimmen, Wellenreiten, Motorradfahren ohne Helm und sogar Liebesnächte – alles kein Problem mit dem Toupet, bei dem echtes Haar in ein transparentes Trägermaterial gepflanzt wird. Es legt sich, wie die Kontaktlinse auf den Augapfel, mit Hilfe der Adhäsionskraft und einem saugenden Geräusch weich und unsichtbar auf den Kopf. Wer das mützenartige ­Gefühl nicht mag und sich über Reste eines Haarkranzes freuen kann, der entschließe sich zur Transplantation von Eigenhaar. Er sollte aber weder Zeitaufwand und Schmerzen noch Kosten scheuen, denn sonst wird die neue Eigenhaarpracht eher an den Küstenschutz auf Sylt erinnern – an in losem Abstand ­gepflanzte Strandhaferbüschel. Ja, wie gesagt. Man kann viel machen, doch zum Glück muss man nicht. Deshalb wollen wir diese kleine Abhandlung auch mit einer Szene von grandioser Tristesse beschließen: Ein Mann, ein Haarteil auf dem Kopf, in der Unterhose ein PenisPlusStreckgürtel, Implantate in Waden und Gesäß, ein ­Döschen Viagra in der Tasche über der Brustmuskulatur aus Silikon, stelzt an einem sonnigen Tag mit neuem Selbstbewusstsein und nagelneuen Schuhen des Modells Bozen privileg durch sein Städtchen, ein fragiler Anflug von Entschlusskraft umspielt seine dezent aufgespritzten Lippen. Er betritt die Anzeigen­ annahme der Lokalzeitung, um ein Inserat mit folgendem Text aufzugeben: „Echter Mann sucht natürliche Frau, die ihn so nimmt, wie er ist.“

Links Alles: www.dgaepc.de www.plastischechirurgie-ap.de www.medical-one.de Obenrum: www.contactskin.de/trailer.htm www.toupet.de Mitte: www.penis.de www.phalloflex.com www.maenner-klinik.com http://efv.dk/wonderjock_58_de/ www.aussiebum.com.au/ Untenrum: www.moronti.de www.masaltos.com www.bugarrishoes.com

Illustration: Martin Müller (www.undaddy.com)

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werden. So wird der Autorin für immer unvergessen bleiben, wie ein u. A. mit Humor ausgestatteter junger Mann sie eines Abends unter dem Sternenhimmel Kölns an sich zog und mit dieser Geste einen ungekannt imposanten Eindruck hinterließ. Er hatte seiner Freude über das Wiedersehen mit einem Paar Tennissocken, an geeigneter Stelle in der Unterhose platziert, Nachdruck verliehen. Heute kann ein Mann auf derart rustikale Methoden der Ausgestaltung seiner Silhouette verzichten. Stattdessen steigt er in einen Schlüpfer des Modells „Wonderjock“ des Labels „Aussiebum“. Das Höschen versteht sich als Pendant zum Wonderbra. Um in der Körper­ 60

EXpérience

mitte das optische Gleichgewicht der Kräfte wieder herzustellen, könnten allerdings zusätzliche Po-Implantate ange­ raten sein. Ob man jedoch bei vollem Bewusstsein Dinge tun kann, wie über Monate mit dem Penis Gewichte zu heben oder einen Penis-Expander zu tragen, darf angezweifelt werden. Jedenfalls sollte man unter keinen Umständen in einer Situation, in der man jemandem näherkommen könnte, eine dieser hüftgürtelartigen Konstruktionen tragen, die links am Penisansatz zerren und rechts an der Eichel. Die Frage, ob eine auf diese Weise herbeigeführte Verlängerung nicht auch zu einem bedauer-

lichen Verlust an Umfang führen würde, wird von einem Hersteller vollkommen befriedigend mit der Abbildung eines nicht näher bezeichneten Eingeborenen beantwortet, der seinen ­dicken, 45 Zentimeter langen Penis nach jahrelangem Stretching heute als praktischen Knoten trägt. Die natürlichen Methoden sind doch die besten. Auch die Inder stehen auf natürliche Penisvergrößerung. Allerdings erinnert die Anleitung in weiten ­Teilen an ganz ordinäre Masturbation. Eine weitere Technik arbeitet mit einem „weltweit einzigartigen, patentierten System“, auch auf Basis der Streckung, was das Wachstum von Zellen in alle Richtungen des Penis fördern soll. Vor der Anwendung ist ein Ingenieurstudium allerdings dringend zu empfehlen. Hier wird mit Federzügen und Streckstangen operiert, und es gibt Sicherheitsvorrichtungen gegen Überbelastung. Da wählt der stilvolle Mann doch lieber eine klassisch-elegante Variante der Penisverlängerung. Einen 911er zum Beispiel, einen Jaguar E-Type, einen Citroen SM oder einen Aston Martin. Jedoch! Auch ein Ascona vergrößert das maskuline Selbstwertgefühl, und zwar um exakt sieben Zentimeter. Voraus­ gesetzt es handelt sich nicht um einen Opel, sondern um ein segensreiches Modell aus dem umfangreichen Herrenschuh­ angebot zur Vortäuschung von Körperlänge vermittels unsichtbarer Einlagen. Statistiken leider nicht näher benannter Herkunft belegen, dass Frauen es als angenehm empfinden, wenn ein Mann mindestens fünf Zentimeter größer ist. Männer in Führungspositionen sind mindestens fünf Zentimeter größer als ihre Untergebenen, mindestens aber 1,82 m groß und bei Bewerbungsgesprächen hat derjenige bessere Chancen, der größer ist. So gibt der Ascona, der Rimini oder der Bozen privileg einem Mann endlich, was die Gene ihm vorenthalten haben. Investiert er außerdem statt in einen plastischen Chirurgen in einen Herrenschneider, der sich auf die Kunst versteht, Wattierungen und Polster, aber auch Nähte und Korsettstangen in Sakkos zu implantieren, wird jeder ­diesen Mann als stattliche Erscheinung beschreiben. Vielleicht wird er in die Vorstände von Weltkonzernen berufen. Weil er ein aufrechter Mann ist, weil Schultern wie diese jedwede ­Verantwortung tragen können. Und die Frauen werden ihm zu Füßen liegen. Das jedoch ist weniger angenehm. Denn sie könnten in dieser Position angesichts der unnatürlich hohen Ferse Verdacht auf Betrug oder Klumpfuß schöpfen und dann ist der Ascona doch wieder die erniedrigende Erfahrung, die er immer war. Aber nicht nur untenrum ist die Situation zuweilen très, très triste. Wenn man plötzlich gesiezt wird und junge Frauen einem anstelle ihres Körpers einen Sitzplatz anbieten. Dann könnte das daran liegen, dass Ihr Haupthaar, grau und stumpf, vom Staub eines jahrzehntelangen Lebens bedeckt, einen ­hämischen Hinweis darauf gibt, dass die Zeit eben doch vergeht. Auch wenn das 45-jährige Lausbubenherz noch so jugend­ lich unter dem Kapuzenpulli pumpert und die Turnschuhe mit einem noch nach Timbuktu laufen wollen! Da laufe man besser flugs in die Drogerie und erwerbe eine Packung eines Wundertonikums, das dem Haar peu à peu und sehr diskret seinen früheren Beachboy-Farbton zurückgibt bzw. 15 Jahre vom Alter abzieht. Dann ist der Kontrast zwischen innen und außen weniger krass, und das ist angenehm. Anders als dem Ergrauenden geht es dem Kahlkopf. Bisher konnte er große Teile dieses Artikels ohne Betroffenheit lesen, denn die alte Volksweisheit, dass der Mangel an Haarwuchs ein sicheres Zeichen außerordentlicher Männlichkeit sei, ist zumindest nicht widerlegt. Allerdings wird auch behauptet, dass Glatzen Karrieren und Liebesnächte verhindern und schon

so manchen Mann in Isolation und Depression getrieben, ihn zum Alkoholiker oder Toupetträger gemacht haben. Hier stellt sich die Frage, was schlimmer ist. Damit allerdings tut man den Herstellern von Toupets furchtbar Unrecht. Auf dem Gebiet des Haarersatzes haben Revolutionen stattgefunden. Niemand muss heute noch aussehen wie seine Schicksalsgenossen Sean Connery, Burt Reynolds oder Horst Köppel. Duschen, Schwimmen, Wellenreiten, Motorradfahren ohne Helm und sogar Liebesnächte – alles kein Problem mit dem Toupet, bei dem echtes Haar in ein transparentes Trägermaterial gepflanzt wird. Es legt sich, wie die Kontaktlinse auf den Augapfel, mit Hilfe der Adhäsionskraft und einem saugenden Geräusch weich und unsichtbar auf den Kopf. Wer das mützenartige ­Gefühl nicht mag und sich über Reste eines Haarkranzes freuen kann, der entschließe sich zur Transplantation von Eigenhaar. Er sollte aber weder Zeitaufwand und Schmerzen noch Kosten scheuen, denn sonst wird die neue Eigenhaarpracht eher an den Küstenschutz auf Sylt erinnern – an in losem Abstand ­gepflanzte Strandhaferbüschel. Ja, wie gesagt. Man kann viel machen, doch zum Glück muss man nicht. Deshalb wollen wir diese kleine Abhandlung auch mit einer Szene von grandioser Tristesse beschließen: Ein Mann, ein Haarteil auf dem Kopf, in der Unterhose ein PenisPlusStreckgürtel, Implantate in Waden und Gesäß, ein ­Döschen Viagra in der Tasche über der Brustmuskulatur aus Silikon, stelzt an einem sonnigen Tag mit neuem Selbstbewusstsein und nagelneuen Schuhen des Modells Bozen privileg durch sein Städtchen, ein fragiler Anflug von Entschlusskraft umspielt seine dezent aufgespritzten Lippen. Er betritt die Anzeigen­ annahme der Lokalzeitung, um ein Inserat mit folgendem Text aufzugeben: „Echter Mann sucht natürliche Frau, die ihn so nimmt, wie er ist.“

Links Alles: www.dgaepc.de www.plastischechirurgie-ap.de www.medical-one.de Obenrum: www.contactskin.de/trailer.htm www.toupet.de Mitte: www.penis.de www.phalloflex.com www.maenner-klinik.com http://efv.dk/wonderjock_58_de/ www.aussiebum.com.au/ Untenrum: www.moronti.de www.masaltos.com www.bugarrishoes.com

Illustration: Martin Müller (www.undaddy.com)

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Strickjacke von Burberry Prorsum und Hemd von Io

Die Tage werden wieder kürzer, die Temperaturen sinken, und wir lassen den Sommer gehen. Unser Paparazzo hat sich wieder auf die Lauer gelegt, um für Sie die besten Teile in Sachen Trenchcoat, Grobstrick, Jeans und Handschuhe abzuschießen. Pünktlich zu Beginn der Jagdsaison. Von Till Becker (Fotos) und Zhoi Hy (Styling)

Handschuhe von Hackett London

Graue Handschuhe von H&M 

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Trenchcoat von Louis Vuitton.

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Strickjacke von Burberry Prorsum und Hemd von Io

Die Tage werden wieder kürzer, die Temperaturen sinken, und wir lassen den Sommer gehen. Unser Paparazzo hat sich wieder auf die Lauer gelegt, um für Sie die besten Teile in Sachen Trenchcoat, Grobstrick, Jeans und Handschuhe abzuschießen. Pünktlich zu Beginn der Jagdsaison. Von Till Becker (Fotos) und Zhoi Hy (Styling)

Handschuhe von Hackett London

Graue Handschuhe von H&M 

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Trenchcoat von Louis Vuitton.

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Handschuhe von Louis Vuitton

Pullover von Gucci

Handschuhe von Hackett London

Hemd von Io

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Trenchcoat von Burberry Prorsum.

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Handschuhe von Louis Vuitton

Pullover von Gucci

Handschuhe von Hackett London

Hemd von Io

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Trenchcoat von Burberry Prorsum.

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Trenchcoat von Patrizia Pepe, Hemd von Io und Hose von Aemkei.â&#x20AC;&#x2030;

Trenchcoat von Burberry Prorsum

Pullover von Gucci

Jeans von Fifth Avenue Shoe Repair

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Trenchcoat von Patrizia Pepe, Hemd von Io und Hose von Aemkei.â&#x20AC;&#x2030;

Trenchcoat von Burberry Prorsum

Pullover von Gucci

Jeans von Fifth Avenue Shoe Repair

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Grobstrickjacke von Petar Petrov.

WeiĂ&#x;es Hemd von Io und schwarze Jeans von Diesel

Trenchcoat von Maison Martin Margiela und Pullover von Acne Jeans

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Grobstrickjacke von Petar Petrov.

WeiĂ&#x;es Hemd von Io und schwarze Jeans von Diesel

Trenchcoat von Maison Martin Margiela und Pullover von Acne Jeans

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Hemd von Acne Jeans und Jeans von Whyred

Handschuhe von Roeckl Trenchcoat von Tillmann Lauterbach

Fotografie: Till Becker (www.danielawagner.com) Styling: Zhoi Hy Haare & Make-up: Tom Kroboth (www.bigoudi.com) mit Produkten von Aveda Model: Wali Barrech (Streetcasting) Bildbearbeitung: Thomas Kaiser (www.appel-grafik.de) Trenchcoat von H&M

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Hemd von Acne Jeans und Jeans von Whyred

Handschuhe von Roeckl Trenchcoat von Tillmann Lauterbach

Fotografie: Till Becker (www.danielawagner.com) Styling: Zhoi Hy Haare & Make-up: Tom Kroboth (www.bigoudi.com) mit Produkten von Aveda Model: Wali Barrech (Streetcasting) Bildbearbeitung: Thomas Kaiser (www.appel-grafik.de) Trenchcoat von H&M

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Feldwebel Zhoi Hy richtet über die neuesten Modetrends. Sein zweiter Einsatz als Wächter des guten Geschmacks: New Rave Fashion. Das Comeback eines Style, der trotz Untergang der Love Parade eine Renaissance erlebt.

Von Zhoi Hy (Text) und Martin Kuhlmann (Artwork)

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MODE

Erinnern Sie sich noch an den Sehtest vor der Führerscheinprüfung, der klärt, ob man an einer Rot-Grün-Schwäche leidet? Dann sind Sie visuell schon auf den modischen LSD-Trip vorbereitet, dem Sie diese Saison ausgeliefert sind. Man sagt uns Männern ja nach, dass wir Farben nicht unterscheiden können, obwohl gerade Männerberufe wie Pilot oder Polizist besondere Sehschärfe erfordern. Frauen leben Ihre Überlegenheit im Farbendifferenzieren aus, indem sie nicht etwa besonders häufig Männerberufe ergreifen, sondern sich in die modische Ausgestaltung ihres Partners einmischen. Sie legen ihren Männern gerne was zum Anziehen hin und tun dabei so, als würden die Krawatte und das Hemd ganz zufällig gut aufeinander abgestimmt auf dem Bett liegen. Dieser Tage müssen sich Männer solche Bevormundungen nicht weiter gefallen lassen, denn beim aktuellen „New Rave“ können wir unsere kleine Farbschwäche und damit einhergehende geschmackliche Farbverirrungen voll ausspielen und liegen trotzdem im Trend. Pinke Hose zu neongelbem T-Shirt, Goofy-Käppi mit gelbem Sonnenbrillengestell und dazu giftgrüne Sneakers mit blauen Schnürsenkeln: Das ist Mode, das ist Fashion, das ist tierisch angesagt und nicht das Clownskostüm für den nächsten Kindergeburtstag. Endlich können wir kombinieren, wie wir lustig sind – Regeln gibt es keine. Je extremer die Farbkombi, desto besser das Feedback in der Raver-Szene. Apropos Raver, wer war das noch gleich? DJ Westbam im Berliner Osten bezeichnte seinerzeit Anfang der 1990er die Techno-Szene als die „wahre ravende Gesellschaft“. Das Publikum tobte über die mit Schwarzlicht beleuchteten Tanzflächen und sah aus wie Glühwürmchen in der Nacht. Der Kleidungsstil war einzigartig. Die Haare mal mehr oder weniger gut gefärbt mit pinken oder blauen Strähnchen, die Sonnenbrille mit liebevollen Gänseblümchen bemalt, das

T-Shirt mit auffallenden Neonstreifen überklebt, die Schuhe mit abstrusen Plateau-Konstruktionen versehen, die meisten Kleidungsstücke waren nicht gekauft, sondern selbst genäht bzw. gebastelt und hatten damit das, was den Produkten von heute fehlt: Authentizität. Dennoch hatte es sich am Ende des Jahrzehnts ausgeravt. Lounges und After-Work-Clubs vertrieben Diskotheken, und die Musikrichtung „Rave“ war fortan meist eine Sache für Proleten. Seit Anfang Januar dieses Jahres bahnt sich ein Comeback an: „Rave strikes back.“ Musikalisch treten Bands wie Trash Fashion, Klaxons und CSS hervor. Modisch verbreitet sich aus der East Londoner Szene der Trend hin zur New Yorker Lower East Side. Labels wie Jeremy Scott zelebrieren eine scheinbar vergangene Kultur und lassen Models mit kreischenden Farben und Mustern über den Catwalk gehen. Auch die Londoner Marke Casette Playa entwirft gewöhnungsbedürftige Farbmuster mit Typogewitter und kleidet die englische Pop-Göre M.I.A. ein, nicht zu verwechseln mit der Berliner Sängerin Mieze von der Band Mia. Die Kollektion vertreibt die Designerin Caroline „Carrie“ Mundane erfolgreich in London, Tokio und Paris. Sogar Erfolgsproduzent und Musiker Fatboy Slim kann sich dem profitorientierten Modebusiness nicht entziehen und wirbt für das englische Label Chateau Roux. Als deutscher Empfänger für schnelllebige Trends ist Berlin gerüstet und nimmt an der Farbenschlacht teil: Hier sagt das Label ZEHNEUN der Langeweile den Kampf an. Die Spanierin Carmen Cortizo lässt ihr Stilgefühl bei der Farbauswahl zu Hause und kombiniert originale Textilien aus den frühen 90ern in schreiend schrillen Mustern und fluoreszierenden Farben. Auch wenn dieser Kleidungsstil an den ADAC-Mann oder an Straßengaukler erinnert, den jungen Leuten in den Metropolen gefällt’s. Für die Älteren ist es jedoch eine Reise in eine Vergangenheit, die noch nicht lange genug her ist. Wenn Sie als Mann trotzdem nicht die Finger von dieser modischen Trenddroge lassen können, dann sollten Sie die nächsten Flohmarkttermine wahrnehmen. Nichts ist langweiliger, als einfach in den Laden zu gehen und sich ein Outfit zu kaufen. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf. Sie schneiden vom T-Shirt einen Ärmel ab, nähen ihn woanders wieder an, ziehen am linken Schuh neongelbe und am anderen Schuh pinkfarbene Schnürsenkel ein, greifen zur nächstbesten Gasmaske oder Bauarbeiterweste und vergessen Ihre Scham, sämtliche Stil-Knigges und Ihr Gefühl dafür, wie man sich geschmackvoll anzieht. So machen Sie sich zwar zum Hanswurst, erarbeiten sich aber wenigstens den Respekt für konsequentes modisches Agieren. Für mich als Wächter des guten männlichen Geschmacks kann ich so den neuen Rave der Mode gelten lassen. Zumindest mit geschlossenen Augen. MODE

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Feldwebel Zhoi Hy richtet über die neuesten Modetrends. Sein zweiter Einsatz als Wächter des guten Geschmacks: New Rave Fashion. Das Comeback eines Style, der trotz Untergang der Love Parade eine Renaissance erlebt.

Von Zhoi Hy (Text) und Martin Kuhlmann (Artwork)

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Erinnern Sie sich noch an den Sehtest vor der Führerscheinprüfung, der klärt, ob man an einer Rot-Grün-Schwäche leidet? Dann sind Sie visuell schon auf den modischen LSD-Trip vorbereitet, dem Sie diese Saison ausgeliefert sind. Man sagt uns Männern ja nach, dass wir Farben nicht unterscheiden können, obwohl gerade Männerberufe wie Pilot oder Polizist besondere Sehschärfe erfordern. Frauen leben Ihre Überlegenheit im Farbendifferenzieren aus, indem sie nicht etwa besonders häufig Männerberufe ergreifen, sondern sich in die modische Ausgestaltung ihres Partners einmischen. Sie legen ihren Männern gerne was zum Anziehen hin und tun dabei so, als würden die Krawatte und das Hemd ganz zufällig gut aufeinander abgestimmt auf dem Bett liegen. Dieser Tage müssen sich Männer solche Bevormundungen nicht weiter gefallen lassen, denn beim aktuellen „New Rave“ können wir unsere kleine Farbschwäche und damit einhergehende geschmackliche Farbverirrungen voll ausspielen und liegen trotzdem im Trend. Pinke Hose zu neongelbem T-Shirt, Goofy-Käppi mit gelbem Sonnenbrillengestell und dazu giftgrüne Sneakers mit blauen Schnürsenkeln: Das ist Mode, das ist Fashion, das ist tierisch angesagt und nicht das Clownskostüm für den nächsten Kindergeburtstag. Endlich können wir kombinieren, wie wir lustig sind – Regeln gibt es keine. Je extremer die Farbkombi, desto besser das Feedback in der Raver-Szene. Apropos Raver, wer war das noch gleich? DJ Westbam im Berliner Osten bezeichnte seinerzeit Anfang der 1990er die Techno-Szene als die „wahre ravende Gesellschaft“. Das Publikum tobte über die mit Schwarzlicht beleuchteten Tanzflächen und sah aus wie Glühwürmchen in der Nacht. Der Kleidungsstil war einzigartig. Die Haare mal mehr oder weniger gut gefärbt mit pinken oder blauen Strähnchen, die Sonnenbrille mit liebevollen Gänseblümchen bemalt, das

T-Shirt mit auffallenden Neonstreifen überklebt, die Schuhe mit abstrusen Plateau-Konstruktionen versehen, die meisten Kleidungsstücke waren nicht gekauft, sondern selbst genäht bzw. gebastelt und hatten damit das, was den Produkten von heute fehlt: Authentizität. Dennoch hatte es sich am Ende des Jahrzehnts ausgeravt. Lounges und After-Work-Clubs vertrieben Diskotheken, und die Musikrichtung „Rave“ war fortan meist eine Sache für Proleten. Seit Anfang Januar dieses Jahres bahnt sich ein Comeback an: „Rave strikes back.“ Musikalisch treten Bands wie Trash Fashion, Klaxons und CSS hervor. Modisch verbreitet sich aus der East Londoner Szene der Trend hin zur New Yorker Lower East Side. Labels wie Jeremy Scott zelebrieren eine scheinbar vergangene Kultur und lassen Models mit kreischenden Farben und Mustern über den Catwalk gehen. Auch die Londoner Marke Casette Playa entwirft gewöhnungsbedürftige Farbmuster mit Typogewitter und kleidet die englische Pop-Göre M.I.A. ein, nicht zu verwechseln mit der Berliner Sängerin Mieze von der Band Mia. Die Kollektion vertreibt die Designerin Caroline „Carrie“ Mundane erfolgreich in London, Tokio und Paris. Sogar Erfolgsproduzent und Musiker Fatboy Slim kann sich dem profitorientierten Modebusiness nicht entziehen und wirbt für das englische Label Chateau Roux. Als deutscher Empfänger für schnelllebige Trends ist Berlin gerüstet und nimmt an der Farbenschlacht teil: Hier sagt das Label ZEHNEUN der Langeweile den Kampf an. Die Spanierin Carmen Cortizo lässt ihr Stilgefühl bei der Farbauswahl zu Hause und kombiniert originale Textilien aus den frühen 90ern in schreiend schrillen Mustern und fluoreszierenden Farben. Auch wenn dieser Kleidungsstil an den ADAC-Mann oder an Straßengaukler erinnert, den jungen Leuten in den Metropolen gefällt’s. Für die Älteren ist es jedoch eine Reise in eine Vergangenheit, die noch nicht lange genug her ist. Wenn Sie als Mann trotzdem nicht die Finger von dieser modischen Trenddroge lassen können, dann sollten Sie die nächsten Flohmarkttermine wahrnehmen. Nichts ist langweiliger, als einfach in den Laden zu gehen und sich ein Outfit zu kaufen. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf. Sie schneiden vom T-Shirt einen Ärmel ab, nähen ihn woanders wieder an, ziehen am linken Schuh neongelbe und am anderen Schuh pinkfarbene Schnürsenkel ein, greifen zur nächstbesten Gasmaske oder Bauarbeiterweste und vergessen Ihre Scham, sämtliche Stil-Knigges und Ihr Gefühl dafür, wie man sich geschmackvoll anzieht. So machen Sie sich zwar zum Hanswurst, erarbeiten sich aber wenigstens den Respekt für konsequentes modisches Agieren. Für mich als Wächter des guten männlichen Geschmacks kann ich so den neuen Rave der Mode gelten lassen. Zumindest mit geschlossenen Augen. MODE

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Herrschaften, alle mal hingucken. So schön, so unterschiedlich, so wunderbar sehen echte Brüste aus. Freuen Sie sich dran, denn bei der rasanten Zunahme von schönheitschirurgischen Maßnahmen in der Damenwelt wird die Wahrscheinlichkeit, zwei Originale in die Finger zu kriegen, immer geringer. Echt schade eigentlich. Von Sam Bisso (Fotos) und Christian Stemmler (Styling)

Sina, 19 Jeans von Wrangler Blue Bella und Armkette von Versace

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PRIVÉ

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. Y SORRTHESE E R ‘ WE OOKAT BUY O OL AVET T NE. Z A YOUH G I A M THE

Herrschaften, alle mal hingucken. So schön, so unterschiedlich, so wunderbar sehen echte Brüste aus. Freuen Sie sich dran, denn bei der rasanten Zunahme von schönheitschirurgischen Maßnahmen in der Damenwelt wird die Wahrscheinlichkeit, zwei Originale in die Finger zu kriegen, immer geringer. Echt schade eigentlich. Von Sam Bisso (Fotos) und Christian Stemmler (Styling)

Sina, 19 Jeans von Wrangler Blue Bella und Armkette von Versace

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. Y SORRTHESE E R ‘ WE OOKAT BUY O OL AVET T NE. I Z A YOUH G A M THE

Karine, 16 Jeans von Lee X-Line

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signe, 19 Jeans von Replay

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. RRY E RESOATTHES ‘ WE Y K U O O ET OB OL T AV Z H NE. U O A Y MAG I E TH

Karine, 16 Jeans von Lee X-Line

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signe, 19 Jeans von Replay

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. RRY E RESOATTHES ‘ WE Y K U O O ET OB OL T AV Z NE. I A YOUH AG M E TH

Claudia, 21 Jeans von Pepe Jeans London

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Sophie, 24 Jeans von Diesel

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. RY ESE ESOR R T ‘ E T W OOKA H OBUY OL AVET T NE. I YOUH GAZ A M THE

Claudia, 21 Jeans von Pepe Jeans London

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Sophie, 24 Jeans von Diesel

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. RY ESE ESOR R T ‘ E W OOKAT H B O UY OL AVET T NE. I YOUH GAZ A M THE

carol, 19 Jeans von Meltin’ Pot

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alexandra, 22 Jeans von G-Star

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. Y SORRTHESE E R ‘ WE OOKAT BUY O OL AVET T NE. Z A YOUH G I A M THE

carol, 19 Jeans von Meltin’ Pot

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alexandra, 22 Jeans von G-Star

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Fotografie: Sam Bisso (www.sambisso.com) Styling: Christian Stemmler (www.m4motion.de)

. RY ESE ESOR R T ‘ E T W OOKA H OBUY OL AVET T H NE. I YOUMAGAZ E TH

Fotoassistenz: Mimmo Abbondanza, Anthony Ferronato und Uwe Lojewski Stylingassistenz: William Åslund (www.m4motion.de) Haare & Make-up: Joy Cowley für Karine Graf, Sophie Meister Carol Remer, Yvonne Schwandke und Sina Weichbrodt Henriette Höft (www.m4motion.de) für Alexandra Garcia, Signe Kayser, Claudia Müller und Lisa Tomaschewsky, beide mit Produkten von Chanel und Bumble and Bumble Assistenz Haare & Make-up: Sarah Kemnitz (www.m4motion.de) Models: Carol Remer (www.md-management.com), Karine Graf und Yvonne Schwandke (www.megamodel.de), Sina Weichbrodt (www.louisa-models.de), Sophie Meister (www.seeds.de), Alexandra Garcia, Signe Kayser, Claudia Müller und Lisa Tomaschewsky (www.m4models.de)

yvonne, 24 Jeans von Tiger of Sweden

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Bildbearbeitung: Roland Baisch Peggy David Andrea Drewes (www.appel-grafik.de)

Lisa, 19 Jeans von Levi’s

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Fotografie: Sam Bisso (www.sambisso.com) Styling: Christian Stemmler (www.m4motion.de) Fotoassistenz: Mimmo Abbondanza, Anthony Ferronato und Uwe Lojewski

. RY ESE ESOR R T ‘ E T W OOKA H OBUY OL AVET T H NE. I YOUMAGAZ E TH

Stylingassistenz: William Åslund (www.m4motion.de) Haare & Make-up: Joy Cowley für Karine Graf, Sophie Meister Carol Remer, Yvonne Schwandke und Sina Weichbrodt Henriette Höft (www.m4motion.de) für Alexandra Garcia, Signe Kayser, Claudia Müller und Lisa Tomaschewsky, beide mit Produkten von Chanel und Bumble and Bumble Assistenz Haare & Make-up: Sarah Kemnitz (www.m4motion.de) Models: Carol Remer (www.md-management.com), Karine Graf und Yvonne Schwandke (www.megamodel.de), Sina Weichbrodt (www.louisa-models.de), Sophie Meister (www.seeds.de), Alexandra Garcia, Signe Kayser, Claudia Müller und Lisa Tomaschewsky (www.m4models.de)

yvonne, 24 Jeans von Tiger of Sweden

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PRIVÉ

Bildbearbeitung: Roland Baisch Peggy David Andrea Drewes (www.appel-grafik.de)

Lisa, 19 Jeans von Levi’s

PRIVÉ

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St. Pauli, der Hamburger Fußballclub vom Kiez, ist nach Jahren der Dritt­ klassigkeit wieder in die zweite Liga aufgestiegen. Die Weltpokalsiegerbesieger sind am Millerntor zu Hause, einer Spielstätte, deren sanitäre Einrichtungen dem Team des Rekordmeisters und Weltpokalsiegers derart niveaulos erschienen, dass man entschied, sich im Hotel umzuziehen. Derzeit wird das Millerntor renoviert, um seinen Gästen eine angenehmere Kulisse zu bieten. Trotzdem will man „etwas anders“ bleiben. Und hart dafür arbeiten, den neu erworbenen Platz in der Bundesliga zu sichern. Wie es ist, bei St. Pauli zu spielen, und was daran „etwas anders“ ist, haben wir die drei Neu-Zweitligisten Marcel Eger, Charles Takyi und Marvin Braun gefragt. Von Uwe Böhm (Fotos) und Kai Flemming, Vito Avantario (Text)

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St. Pauli, der Hamburger Fußballclub vom Kiez, ist nach Jahren der Dritt­ klassigkeit wieder in die zweite Liga aufgestiegen. Die Weltpokalsiegerbesieger sind am Millerntor zu Hause, einer Spielstätte, deren sanitäre Einrichtungen dem Team des Rekordmeisters und Weltpokalsiegers derart niveaulos erschienen, dass man entschied, sich im Hotel umzuziehen. Derzeit wird das Millerntor renoviert, um seinen Gästen eine angenehmere Kulisse zu bieten. Trotzdem will man „etwas anders“ bleiben. Und hart dafür arbeiten, den neu erworbenen Platz in der Bundesliga zu sichern. Wie es ist, bei St. Pauli zu spielen, und was daran „etwas anders“ ist, haben wir die drei Neu-Zweitligisten Marcel Eger, Charles Takyi und Marvin Braun gefragt. Von Uwe Böhm (Fotos) und Kai Flemming, Vito Avantario (Text)

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hamburg, 6.8.07 Wir haben uns mit den Profis vom FC St. Pauli in einem italienischen Restaurant verabredet. Es liegt in der Nähe der Trainingsanlage. Drei offene, intelligente und humorvolle ­junge Männer sitzen uns gegenüber. Charles Takyi ist Sohn gha­ naischer Einwanderer und lebt seit seinem fünften Lebensjahr in Deutschland. Marvin Braun stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Sein Vater ist Mechaniker, die Mutter Büro­ kauffrau. Marcel Eger ist bei seiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. In dieser Saison spielen sie für den FC St. Pauli in der Zweiten Bundesliga. Der heute bisweilen anarchistisch anmutende Club wurde 1910 gegründet. Er begann als Verein zur Leibesertüchtigung junger Herren und Männer. Im Laufe seiner Geschichte, die auch eine nicht ganz unerhebliche Nazivergangenheit beinhal­ tet, wurde aus dem FC ein beachtlicher Vertreter des deutschen Fußballs. Während sich aber Stadtrivale HSV in der Bundes­ liga festsetzen konnte, kam der FC St. Pauli in den 60er und 70er Jahren nie über ein regionales Niveau hinaus. Das änderte sich mit dem ersten Bundesligaaufstieg 1977. Damals begann etwas, was man als Fußballwunder bezeich­ nen könnte: Zwei bis dahin diametral entgegengesetzte soziale Welten verwoben sich in der Fankultur des Clubs miteinander. Die gewöhnlichen Anhänger mit Kutten und Schals vermi­ schten sich mit Fans aus der aufkeimenden Hamburger Anar­ chobewegung. Die hatte Mitte der 80er Jahre ihr Zentrum in der Hafenstraße auf St. Pauli. Hier entzündeten sich rund um die besetzten Häuser Kämpfe mit der Polizei. Rund um die Streitobjekte entstand ein buntes Milieu mit offenen Läden wie der Volxküche oder Bars wie dem Golden Pudel Club. Di­ ese Szene fand ihre Heimat beim FC St. Pauli. Seit den 80er Jahren gilt der FC St. Pauli als „Freudenhaus” der Liga, als „der etwas andere Verein”. Fans sind hier nicht bloß Kulisse, sie machen den Club aus, sagt man. Was aber ist von diesem Ruf wahr? Und was ist an diesen Jungs echt, die für den FC St. Pauli spielen?

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Marcel Eger, 24, Profi, seit er 21 Jahre alt ist, seit drei Jahren bei St. Pauli. Der Innenverteidiger kommt aus Nürnberg und hat nach eigenen Angaben bei St. Pauli den Spaß am Fußball gefunden, obwohl das Spiel auf dem Rasen schon einige Jahre sein Beruf ist. Darüber hinaus arbeitet er für das Projekt „Viva con Agua“, das sich für sauberes Wasser in Entwicklungsländern engagiert.

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hamburg, 6.8.07 Wir haben uns mit den Profis vom FC St. Pauli in einem italienischen Restaurant verabredet. Es liegt in der Nähe der Trainingsanlage. Drei offene, intelligente und humorvolle ­junge Männer sitzen uns gegenüber. Charles Takyi ist Sohn gha­ naischer Einwanderer und lebt seit seinem fünften Lebensjahr in Deutschland. Marvin Braun stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Sein Vater ist Mechaniker, die Mutter Büro­ kauffrau. Marcel Eger ist bei seiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. In dieser Saison spielen sie für den FC St. Pauli in der Zweiten Bundesliga. Der heute bisweilen anarchistisch anmutende Club wurde 1910 gegründet. Er begann als Verein zur Leibesertüchtigung junger Herren und Männer. Im Laufe seiner Geschichte, die auch eine nicht ganz unerhebliche Nazivergangenheit beinhal­ tet, wurde aus dem FC ein beachtlicher Vertreter des deutschen Fußballs. Während sich aber Stadtrivale HSV in der Bundes­ liga festsetzen konnte, kam der FC St. Pauli in den 60er und 70er Jahren nie über ein regionales Niveau hinaus. Das änderte sich mit dem ersten Bundesligaaufstieg 1977. Damals begann etwas, was man als Fußballwunder bezeich­ nen könnte: Zwei bis dahin diametral entgegengesetzte soziale Welten verwoben sich in der Fankultur des Clubs miteinander. Die gewöhnlichen Anhänger mit Kutten und Schals vermi­ schten sich mit Fans aus der aufkeimenden Hamburger Anar­ chobewegung. Die hatte Mitte der 80er Jahre ihr Zentrum in der Hafenstraße auf St. Pauli. Hier entzündeten sich rund um die besetzten Häuser Kämpfe mit der Polizei. Rund um die Streitobjekte entstand ein buntes Milieu mit offenen Läden wie der Volxküche oder Bars wie dem Golden Pudel Club. Di­ ese Szene fand ihre Heimat beim FC St. Pauli. Seit den 80er Jahren gilt der FC St. Pauli als „Freudenhaus” der Liga, als „der etwas andere Verein”. Fans sind hier nicht bloß Kulisse, sie machen den Club aus, sagt man. Was aber ist von diesem Ruf wahr? Und was ist an diesen Jungs echt, die für den FC St. Pauli spielen?

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Marcel Eger, 24, Profi, seit er 21 Jahre alt ist, seit drei Jahren bei St. Pauli. Der Innenverteidiger kommt aus Nürnberg und hat nach eigenen Angaben bei St. Pauli den Spaß am Fußball gefunden, obwohl das Spiel auf dem Rasen schon einige Jahre sein Beruf ist. Darüber hinaus arbeitet er für das Projekt „Viva con Agua“, das sich für sauberes Wasser in Entwicklungsländern engagiert.

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Herr Eger, Herr Braun, Herr Takyi, welches Auto fahren Sie? Marvin Braun: Einen BMW Z4. Charles Takyi: Einen Audi TT. Marcel Eger: Ich fahre einen alten Ford Mustang. Warum fragen Sie? Wir würden gerne wissen, wofür Sie Ihr Geld ausgeben. Die meisten St.-Pauli-Fans können sich diese Autos nicht leisten. Marcel Eger: Das stimmt. Aber ich denke nicht, dass wir verschwenderisch sind, wenn wir uns hin und wieder einen materiellen Wunsch erfüllen. Wir setzen uns auch für soziale Projekte ein, wie beispielsweise „Viva con Agua“. Es ist ein gemeinsames Projekt von FC-St.-Pauli-Mittelfeldspieler Ben­ jamin Adrion, unserer Mannschaft und der Deutschen Welt­ hungerhilfe. Es unterstützt Trinkwasserprojekte auf Kuba, in Äthiopien und anderen Teilen der Erde. Marvin Braun: Wir gehen in Schulen und setzen uns da­ für ein. Die Kinder nehmen das Problem der Wasserknappheit anders wahr, wenn sie wissen, dass St.-Pauli-Spieler dafür ein­ treten. Angeblich soll der FC St. Pauli der „etwas andere Verein“ im Profigeschäft sein. Finden Sie nicht, dass diese Floskel mittlerweile eine Marketingmasche des Clubs ist? Eger: Nein. Der Verein ist tatsächlich anders als alle ande­ ren, in denen ich bisher gespielt habe. Ich wohne in St. Pauli, und ich halte das auch für richtig, weil ich so Teil des Lebens im Viertel bin, für das ich spiele. Das ist wichtig für mich, um zu verstehen, für wen ich hier auflaufe – nämlich für die Men­ schen, die Geld dafür zahlen, um uns zu sehen. St. Pauli gehört zu den ärmsten Vierteln im Hamburg, der Verein nicht zu den reichen Clubs der Liga. Sie hätten auch zu einem anderen Verein gehen können, dann würden Sie mehr Geld verdienen. Warum sind Sie ausgerechnet zum FC St. Pauli gekommen? Eger: Es gibt in der Regionalliga viele Clubs, die mehr Geld zahlen. Provinzvereine müssen sogar höhere Gehälter zahlen, um gute Spieler aufs Land locken zu können. Ich aber spiele lieber für etwas weniger Geld in der Großstadt. Es war eine bewusste Entscheidung für diesen Verein. Auch weil der FC St. Pauli ein gesellschaftlich engagierter Club ist. Braun: Als ich kam, war ich angetan von dem politischen und sozialen Engagement, in das ich als Spieler dieses Clubs plötzlich involviert war. Ich war zwar schon immer politisch, aber ich habe politisches Bewusstsein nie mit dem Fußball verbunden. Das habe ich hier gelernt. Manche Leute, die ins Millerntorstadion kommen, geben ihr letztes Geld, um uns sehen zu können. Es ist für uns Spieler eine Pflicht, uns reinzu­ hängen für diese Leute.

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Charles Takyi, 23, Profi, seit er 17 Jahre alt ist,

Takyi: Präsident Littmann hat im Trainingslager eine Rede gehalten, in der er uns auf diese Verpflichtungen einstimmte. Wir machten auch einen Stadtteilrundgang, um Verbindung zum Viertel aufzubauen. So lernen wir auch die Menschen hier kennen. Wir wissen, was die Leute bewegt. Ich will verstehen, für wen ich spiele.

seit einem Jahr bei St. Pauli.

Auf St. Pauli leben Arbeiter, Huren, Clubbesitzer, Journalisten, Werber, Studenten. Wenn Sie Ihre Arbeit mit jener vergleichen, der die anderen im Viertel nachgehen, würden Sie sagen, Ihr Job als Profifußballer ist wirkliche Arbeit? Braun: Meistens haben wir täglich zwei Trainingseinheiten à zwei Stunden. Anschließend gehe ich in den Kraftraum oder ins Rehazentrum, um meinen Körper zu pflegen. Hin und wieder liegen Arzttermine an, Interviews, Autogrammstunden und andere Verpflichtungen für den Verein. Die Leute denken, wir Profis trainieren zwei Stunden am Tag und hängen dann zuhause vor der PlayStation. Wir sind rund 40 Stunden in der Woche für unseren Club im Einsatz, das entspricht einer nor­ malen Arbeitswoche. Eger: Urlaub haben wir zwei Wochen in der spielfreien Zeit im Dezember und Januar und zwei Wochen im Juni und Juli. Mehr nicht. Natürlich kannst du im Sommer aber nicht die zwei Wochen, die du frei hast, am Ballermann herumliegen und dich volllaufen lassen – wir bekommen von unserem Ver­ ein Trainingspläne mit in den Urlaub. Takyi: Ich bin vor einem Jahr vom HSV zum FC St. Pauli gewechselt. Während meiner Zeit dort war ich meist Ersatz­ spieler der Profis. Spielpraxis holte ich mir also in der Regio­ nalligamannschaft. Mein Wochenende sah so aus: Am Freitag ging es mit den Profis ins Trainingslager. Samstags fuhren oder flogen wir zum Bundesligaspiel. Nach Auswärtsspielen kamen wir oft erst in der Nacht zurück. Danach ging es ins Bett, um am Sonntagmorgen wieder mit der Regionalligatruppe auf­ zulaufen und abends heimzukehren. Von Freitag bis Sonntag hatte ich ein volles Programm. Wenn du am Montagmorgen wach wirst, weißt du, was du getan hast.

bleibt.

Takyi wurde in Accra, Ghana, geboren. Er war deutscher Jugendnationalspieler und ist so etwas wie der Star von St. Pauli. Der technisch versierte Mittelfeldspieler ist gläubiger Christ, was ihm nicht nur auf dem Fußballplatz hilft, sondern auch. dafür sorgt, dass er im Profigeschäft auf der Erde

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Herr Eger, Herr Braun, Herr Takyi, welches Auto fahren Sie? Marvin Braun: Einen BMW Z4. Charles Takyi: Einen Audi TT. Marcel Eger: Ich fahre einen alten Ford Mustang. Warum fragen Sie? Wir würden gerne wissen, wofür Sie Ihr Geld ausgeben. Die meisten St.-Pauli-Fans können sich diese Autos nicht leisten. Marcel Eger: Das stimmt. Aber ich denke nicht, dass wir verschwenderisch sind, wenn wir uns hin und wieder einen materiellen Wunsch erfüllen. Wir setzen uns auch für soziale Projekte ein, wie beispielsweise „Viva con Agua“. Es ist ein gemeinsames Projekt von FC-St.-Pauli-Mittelfeldspieler Ben­ jamin Adrion, unserer Mannschaft und der Deutschen Welt­ hungerhilfe. Es unterstützt Trinkwasserprojekte auf Kuba, in Äthiopien und anderen Teilen der Erde. Marvin Braun: Wir gehen in Schulen und setzen uns da­ für ein. Die Kinder nehmen das Problem der Wasserknappheit anders wahr, wenn sie wissen, dass St.-Pauli-Spieler dafür ein­ treten. Angeblich soll der FC St. Pauli der „etwas andere Verein“ im Profigeschäft sein. Finden Sie nicht, dass diese Floskel mittlerweile eine Marketingmasche des Clubs ist? Eger: Nein. Der Verein ist tatsächlich anders als alle ande­ ren, in denen ich bisher gespielt habe. Ich wohne in St. Pauli, und ich halte das auch für richtig, weil ich so Teil des Lebens im Viertel bin, für das ich spiele. Das ist wichtig für mich, um zu verstehen, für wen ich hier auflaufe – nämlich für die Men­ schen, die Geld dafür zahlen, um uns zu sehen. St. Pauli gehört zu den ärmsten Vierteln im Hamburg, der Verein nicht zu den reichen Clubs der Liga. Sie hätten auch zu einem anderen Verein gehen können, dann würden Sie mehr Geld verdienen. Warum sind Sie ausgerechnet zum FC St. Pauli gekommen? Eger: Es gibt in der Regionalliga viele Clubs, die mehr Geld zahlen. Provinzvereine müssen sogar höhere Gehälter zahlen, um gute Spieler aufs Land locken zu können. Ich aber spiele lieber für etwas weniger Geld in der Großstadt. Es war eine bewusste Entscheidung für diesen Verein. Auch weil der FC St. Pauli ein gesellschaftlich engagierter Club ist. Braun: Als ich kam, war ich angetan von dem politischen und sozialen Engagement, in das ich als Spieler dieses Clubs plötzlich involviert war. Ich war zwar schon immer politisch, aber ich habe politisches Bewusstsein nie mit dem Fußball verbunden. Das habe ich hier gelernt. Manche Leute, die ins Millerntorstadion kommen, geben ihr letztes Geld, um uns sehen zu können. Es ist für uns Spieler eine Pflicht, uns reinzu­ hängen für diese Leute.

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Charles Takyi, 23, Profi, seit er 17 Jahre alt ist,

Takyi: Präsident Littmann hat im Trainingslager eine Rede gehalten, in der er uns auf diese Verpflichtungen einstimmte. Wir machten auch einen Stadtteilrundgang, um Verbindung zum Viertel aufzubauen. So lernen wir auch die Menschen hier kennen. Wir wissen, was die Leute bewegt. Ich will verstehen, für wen ich spiele.

seit einem Jahr bei St. Pauli.

Auf St. Pauli leben Arbeiter, Huren, Clubbesitzer, Journalisten, Werber, Studenten. Wenn Sie Ihre Arbeit mit jener vergleichen, der die anderen im Viertel nachgehen, würden Sie sagen, Ihr Job als Profifußballer ist wirkliche Arbeit? Braun: Meistens haben wir täglich zwei Trainingseinheiten à zwei Stunden. Anschließend gehe ich in den Kraftraum oder ins Rehazentrum, um meinen Körper zu pflegen. Hin und wieder liegen Arzttermine an, Interviews, Autogrammstunden und andere Verpflichtungen für den Verein. Die Leute denken, wir Profis trainieren zwei Stunden am Tag und hängen dann zuhause vor der PlayStation. Wir sind rund 40 Stunden in der Woche für unseren Club im Einsatz, das entspricht einer nor­ malen Arbeitswoche. Eger: Urlaub haben wir zwei Wochen in der spielfreien Zeit im Dezember und Januar und zwei Wochen im Juni und Juli. Mehr nicht. Natürlich kannst du im Sommer aber nicht die zwei Wochen, die du frei hast, am Ballermann herumliegen und dich volllaufen lassen – wir bekommen von unserem Ver­ ein Trainingspläne mit in den Urlaub. Takyi: Ich bin vor einem Jahr vom HSV zum FC St. Pauli gewechselt. Während meiner Zeit dort war ich meist Ersatz­ spieler der Profis. Spielpraxis holte ich mir also in der Regio­ nalligamannschaft. Mein Wochenende sah so aus: Am Freitag ging es mit den Profis ins Trainingslager. Samstags fuhren oder flogen wir zum Bundesligaspiel. Nach Auswärtsspielen kamen wir oft erst in der Nacht zurück. Danach ging es ins Bett, um am Sonntagmorgen wieder mit der Regionalligatruppe auf­ zulaufen und abends heimzukehren. Von Freitag bis Sonntag hatte ich ein volles Programm. Wenn du am Montagmorgen wach wirst, weißt du, was du getan hast.

bleibt.

Takyi wurde in Accra, Ghana, geboren. Er war deutscher Jugendnationalspieler und ist so etwas wie der Star von St. Pauli. Der technisch versierte Mittelfeldspieler ist gläubiger Christ, was ihm nicht nur auf dem Fußballplatz hilft, sondern auch. dafür sorgt, dass er im Profigeschäft auf der Erde

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Charles, Sie sind Christ. Warum? Takyi: Weil nichts nur aus Zufall passiert. Wenn Sie das Le­ ben genau betrachten, erkennen Sie, dass sich nichts von allein ergibt, sondern alles mit allem zusammenhängt und sich also ineinanderfügt. Alles ist Gottes Wille. Auch meine Laufbahn als Fußballer mit all den Hürden, die ich dabei zu überwinden hatte, ist von Gott gewollt. Ich musste auf meinem Weg zum Profifußballer auch Menschen überzeugen, die kein Vertrauen in mich hatten. In diesen schwierigen Phasen hat mir Gott den Weg gewiesen. Mein Leben ist in seinen Händen. Beten Sie? Takyi: Ja, ich gehe in die Kirche und bete auch zu Hause. Das Gebet ist eine Möglichkeit, sich zu besinnen und seinen Geist zu beruhigen. Das hilft dabei, im Profigeschäft nicht von seinem Weg abzukommen und sich nicht von falschen Freun­ den manipulieren zu lassen.

Marvin Braun, 25, Profi seit dem 17. Lebensjahr,

Woran erkennen Sie falsche Freunde und wie Menschen, die Ihnen wohlgesonnen sind? Takyi: Als wir letzte Saison aufgestiegen sind, klopften mir viele Leute auf die Schulter, die ich nicht kannte. Das ist nor­ mal und gut so. Aber man darf diese Zuneigung auch nicht überbewerten. Die gleichen Leute würden uns in den Hintern treten, wenn wir wieder absteigen würden. Deswegen ist es mir wichtig, alte Freundschaften zu pflegen. Auf die kommt es an, wenn es nicht so gut läuft im Leben. Eger: Mich rief neulich ein alter Bekannter an. Ich hatte lange nichts mehr von ihm gehört, ich war überrascht über seinen Anruf. Dann fragte er mich, ob ich mich für ein Foto mit ihm zur Verfügung stellen könnte. Er wollte sein neues Geschäft mit meinem Gesicht bewerben. Jahrelang hatte der sich nicht für einen interessiert und plötzlich wurde ich meiner Bekanntheit wegen für ihn wichtig.

Wie reagieren fremde Menschen, wenn sie Sie erkennen? Takyi: Neulich brachte mir ein Pizzabote meine Pizza. Er erkannte mich sofort und hat mich im Scherz darauf hin­ gewiesen, ich solle als Sportler nicht so viel Pizza essen, das sei ungesund. Wir haben dann beide gelacht. Heute hole ich manchmal meine Pizza selbst in der Filiale ab und lasse einige Autogrammkarten da. Braun: Fremde sprechen mich auch manchmal auf der Stra­ ße an, die wissen, wie alt du bist, welche Position du spielst, woher du kommst, was dich vielleicht sogar bewegt, weil eine Zeitung Privates über dich berichtet hat. Als ich realisiert habe, dass ich ein öffentlicher Mensch bin, hat mich das erschreckt. Warum? Braun: Weil vonseiten fremder Menschen eine Nähe ein­ tritt, die man selbst nicht erwidern kann. Ich kenne diese Menschen nicht, sie hingegen haben möglicherweise über die Medien etwas über mich erfahren. Diese beiden Ebenen de­ cken sich nicht. Als Profifußballer sind Sie mittlerweile wichtige Protagonisten der Entertainmentindustrie. Schmeckt Ihnen das? Eger: Die Überhöhung des Sports durch die Medien hat teilweise perverse Züge angenommen. Dem Sport und dem Sportler wird darin zu oft eine zu große Bedeutung beige­ messen. Auf der anderen Seite – und das hat die WM im letzten Jahr gezeigt – bringen die Medien den Sport zu den Menschen und führen beide zusammen. Das ist eine positive Wirkung von Medien. Braun: Auf der anderen Seite produzieren Medien Kunst­ figuren, Popstars wie David Beckham. Er ist ohne Zweifel ein Riesenspieler. Aber der Thron, auf den er gesetzt wird, ist nicht angemessen. Takyi: Ich finde, Beckham und seine Frau Victoria haben ihre Vermarktung geschickt vorangetrieben und sich ihren Status verdient. Eger: Sollen sie ruhig. Auf St. Pauli jedenfalls gibt’s so was nicht.

seit einem Jahr bei St. Pauli. Marvin Braun hat etliche Clubs im süddeutschen Raum bespielt, wollte aber unbedingt nach Hamburg. Der Stadt und der Atmosphäre wegen. Mit Marcel Eger teilt der Mittelfeldspieler nicht nur die WG in Schlagweite des Millerntorstadions, sondern auch sein soziales Engagement.

Wie haben Sie reagiert? Eger: Ich stünde nicht hinter seiner Sache, habe ich ihm ge­ sagt. Er hatte nur ein kommerzielles Interesse. Das interessierte mich nicht. Ich achte sehr darauf, wie Menschen mit mir um­ gehen, weil ich zurzeit einen gewissen Bekanntheitsgrad habe. Ich beobachte, wie sich plötzlich das Auftreten einiger Men­ schen mir gegenüber verändert, und das verändert dich selbst auch, wenn du nicht aufpasst. Ich musste neulich etwa meine Mutter daran erinnern, sie solle bitte nicht ständig mit ihren Arbeitskollegen und Geschäftsfreunden über mich reden, nur weil ich ein Fußballprofi bin. Ich mag das nicht.

Fotografie: Uwe Böhm (www.uweboehm.com)

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Charles, Sie sind Christ. Warum? Takyi: Weil nichts nur aus Zufall passiert. Wenn Sie das Le­ ben genau betrachten, erkennen Sie, dass sich nichts von allein ergibt, sondern alles mit allem zusammenhängt und sich also ineinanderfügt. Alles ist Gottes Wille. Auch meine Laufbahn als Fußballer mit all den Hürden, die ich dabei zu überwinden hatte, ist von Gott gewollt. Ich musste auf meinem Weg zum Profifußballer auch Menschen überzeugen, die kein Vertrauen in mich hatten. In diesen schwierigen Phasen hat mir Gott den Weg gewiesen. Mein Leben ist in seinen Händen. Beten Sie? Takyi: Ja, ich gehe in die Kirche und bete auch zu Hause. Das Gebet ist eine Möglichkeit, sich zu besinnen und seinen Geist zu beruhigen. Das hilft dabei, im Profigeschäft nicht von seinem Weg abzukommen und sich nicht von falschen Freun­ den manipulieren zu lassen.

Marvin Braun, 25, Profi seit dem 17. Lebensjahr,

Woran erkennen Sie falsche Freunde und wie Menschen, die Ihnen wohlgesonnen sind? Takyi: Als wir letzte Saison aufgestiegen sind, klopften mir viele Leute auf die Schulter, die ich nicht kannte. Das ist nor­ mal und gut so. Aber man darf diese Zuneigung auch nicht überbewerten. Die gleichen Leute würden uns in den Hintern treten, wenn wir wieder absteigen würden. Deswegen ist es mir wichtig, alte Freundschaften zu pflegen. Auf die kommt es an, wenn es nicht so gut läuft im Leben. Eger: Mich rief neulich ein alter Bekannter an. Ich hatte lange nichts mehr von ihm gehört, ich war überrascht über seinen Anruf. Dann fragte er mich, ob ich mich für ein Foto mit ihm zur Verfügung stellen könnte. Er wollte sein neues Geschäft mit meinem Gesicht bewerben. Jahrelang hatte der sich nicht für einen interessiert und plötzlich wurde ich meiner Bekanntheit wegen für ihn wichtig.

Wie reagieren fremde Menschen, wenn sie Sie erkennen? Takyi: Neulich brachte mir ein Pizzabote meine Pizza. Er erkannte mich sofort und hat mich im Scherz darauf hin­ gewiesen, ich solle als Sportler nicht so viel Pizza essen, das sei ungesund. Wir haben dann beide gelacht. Heute hole ich manchmal meine Pizza selbst in der Filiale ab und lasse einige Autogrammkarten da. Braun: Fremde sprechen mich auch manchmal auf der Stra­ ße an, die wissen, wie alt du bist, welche Position du spielst, woher du kommst, was dich vielleicht sogar bewegt, weil eine Zeitung Privates über dich berichtet hat. Als ich realisiert habe, dass ich ein öffentlicher Mensch bin, hat mich das erschreckt. Warum? Braun: Weil vonseiten fremder Menschen eine Nähe ein­ tritt, die man selbst nicht erwidern kann. Ich kenne diese Menschen nicht, sie hingegen haben möglicherweise über die Medien etwas über mich erfahren. Diese beiden Ebenen de­ cken sich nicht. Als Profifußballer sind Sie mittlerweile wichtige Protagonisten der Entertainmentindustrie. Schmeckt Ihnen das? Eger: Die Überhöhung des Sports durch die Medien hat teilweise perverse Züge angenommen. Dem Sport und dem Sportler wird darin zu oft eine zu große Bedeutung beige­ messen. Auf der anderen Seite – und das hat die WM im letzten Jahr gezeigt – bringen die Medien den Sport zu den Menschen und führen beide zusammen. Das ist eine positive Wirkung von Medien. Braun: Auf der anderen Seite produzieren Medien Kunst­ figuren, Popstars wie David Beckham. Er ist ohne Zweifel ein Riesenspieler. Aber der Thron, auf den er gesetzt wird, ist nicht angemessen. Takyi: Ich finde, Beckham und seine Frau Victoria haben ihre Vermarktung geschickt vorangetrieben und sich ihren Status verdient. Eger: Sollen sie ruhig. Auf St. Pauli jedenfalls gibt’s so was nicht.

seit einem Jahr bei St. Pauli. Marvin Braun hat etliche Clubs im süddeutschen Raum bespielt, wollte aber unbedingt nach Hamburg. Der Stadt und der Atmosphäre wegen. Mit Marcel Eger teilt der Mittelfeldspieler nicht nur die WG in Schlagweite des Millerntorstadions, sondern auch sein soziales Engagement.

Wie haben Sie reagiert? Eger: Ich stünde nicht hinter seiner Sache, habe ich ihm ge­ sagt. Er hatte nur ein kommerzielles Interesse. Das interessierte mich nicht. Ich achte sehr darauf, wie Menschen mit mir um­ gehen, weil ich zurzeit einen gewissen Bekanntheitsgrad habe. Ich beobachte, wie sich plötzlich das Auftreten einiger Men­ schen mir gegenüber verändert, und das verändert dich selbst auch, wenn du nicht aufpasst. Ich musste neulich etwa meine Mutter daran erinnern, sie solle bitte nicht ständig mit ihren Arbeitskollegen und Geschäftsfreunden über mich reden, nur weil ich ein Fußballprofi bin. Ich mag das nicht.

Fotografie: Uwe Böhm (www.uweboehm.com)

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Was kann man über den Klassiker der Geländewagen, die Mercedes-G-Klasse, überhaupt noch berichten? Sieht gut aus, kann alles, will jeder haben, der ernsthaft ins Gelände muss. Also haben wir die Top-Features der G-Klasse dort inszeniert, wo sonst nur behäbige SUVs ihr ­Unwesen treiben. In der Stadt. Für die Fotos musste unser G-Model eine Ziehbrücke mit dramatischer Steigung hoch, Poller überqueren und in einem Brunnen seine Wattiefe unter Beweis stellen. Und zwar in Echt und ohne doppelten Boden. Unser Autor war derart begeistert, dass er ein neues Ziel im Leben hat: G-Klasse fahren. Weil sie einfach gut ist. Eine Liebeserklärung. Von Bernd Westphal (Fotos) und Michael Benzinger (Text)

Auf der Zugbrücke im Mannheimer Hafen beweist die G-Klasse, dass sie ­Steigungen von bis zu 80 % bewältigen kann. Die Ingenieure, die die Brücke hochfahren ließen, prognostizierten wegen des anhaltend starken Windes: Der Fahrer muss entweder kotzen, wenn er lange da oben steht, oder er schläft ein. Letzteres war zutreffend, unser Autor und Testfahrer hielt ein dreistündiges Nickerchen in luftiger Höhe.

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Was kann man über den Klassiker der Geländewagen, die Mercedes-G-Klasse, überhaupt noch berichten? Sieht gut aus, kann alles, will jeder haben, der ernsthaft ins Gelände muss. Also haben wir die Top-Features der G-Klasse dort inszeniert, wo sonst nur behäbige SUVs ihr ­Unwesen treiben. In der Stadt. Für die Fotos musste unser G-Model eine Ziehbrücke mit dramatischer Steigung hoch, Poller überqueren und in einem Brunnen seine Wattiefe unter Beweis stellen. Und zwar in Echt und ohne doppelten Boden. Unser Autor war derart begeistert, dass er ein neues Ziel im Leben hat: G-Klasse fahren. Weil sie einfach gut ist. Eine Liebeserklärung. Von Bernd Westphal (Fotos) und Michael Benzinger (Text)

Auf der Zugbrücke im Mannheimer Hafen beweist die G-Klasse, dass sie ­Steigungen von bis zu 80 % bewältigen kann. Die Ingenieure, die die Brücke hochfahren ließen, prognostizierten wegen des anhaltend starken Windes: Der Fahrer muss entweder kotzen, wenn er lange da oben steht, oder er schläft ein. Letzteres war zutreffend, unser Autor und Testfahrer hielt ein dreistündiges Nickerchen in luftiger Höhe.

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Vor der Mannheimer Popakademie ist der Wagen um Ausgleich bemüht. Um bei extremen Vorwärtsbewegungen die Karosserie einigermaßen stabil zu ­halten, bewegen sich die Achsen gegenläufig zueinander und gleichen die ­Höhenunterschiede aus. Statt sie über Felsbrocken zu klettern zu lassen, ­haben wir der G-Klasse Poller in den Weg gelegt.

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Vor der Mannheimer Popakademie ist der Wagen um Ausgleich bemüht. Um bei extremen Vorwärtsbewegungen die Karosserie einigermaßen stabil zu ­halten, bewegen sich die Achsen gegenläufig zueinander und gleichen die ­Höhenunterschiede aus. Statt sie über Felsbrocken zu klettern zu lassen, ­haben wir der G-Klasse Poller in den Weg gelegt.

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Selbst bei seitlichen Gefällen bis zu 54 % bleibt die G-Klasse stabil. Das klingt vertrauenserweckend, aber im Praxistest im Steinbruch traute sich kaum ­einer der mitfahrenden Journalisten an eine derartige Schieflage.

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Selbst bei seitlichen Gefällen bis zu 54 % bleibt die G-Klasse stabil. Das klingt vertrauenserweckend, aber im Praxistest im Steinbruch traute sich kaum ­einer der mitfahrenden Journalisten an eine derartige Schieflage.

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Im Brunnen vor der Frankfurter Uni sehen wir deutlich: Eine Wattiefe bis 0,5 Meter, egal ob Wasser oder Matsch, bereitet der G-Klasse keine Probleme.

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Im Brunnen vor der Frankfurter Uni sehen wir deutlich: Eine Wattiefe bis 0,5 Meter, egal ob Wasser oder Matsch, bereitet der G-Klasse keine Probleme.

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Leider habe ich keine 15-Meter-Segelyacht, die ich alljährlich per Anhänger über gewundene Alpenpässe in mediterrane Gefilde ziehen müsste. Ich wohne auch nicht in einer Gegend, wo der tägliche Einkauf von Grundnahrungsmitteln expeditioneske Züge annehmen kann. Und ich bin auch kein Förster. Aber trotzdem hätte ich gerne einen G. Eine G-Klasse, den zu Stahl gewordenen Traum schwäbischer Ingenieurskunst und Abenteuerlust. Einen Wagen, der ist wie ein Mann. Der nicht gerne Bummeln geht, sich äußerlich kaum verändert, den ­Moden und Ökoquatsch nicht interessieren, der böse brummt, wenn man ihn tritt. Der kann, was ein Kerl können muss, und dem man nicht ansieht, was alles Tolles in ihm steckt. Das Design der bis heute bei Steyer-Puch in Graz hauptsächlich in Handarbeit gefertigten rollenden Festung hat sich in den letzten 28 Jahren zum Glück nur unwesentlich ge­ändert. Dagegen steckt die G-Klasse der neuesten Generation proppen­ voll mit modernster Technik – bis unter das in ­Respekt ein­ flößender Höhe gelegene Dach. Dank permanentem Allradantrieb, dem elektronischen Trak­ tionssystem 4ETS und drei 100%igen Differenzialsperren findet die G-Klasse Wege, wo keine Straßen sind. Das nahm sich 1988 wohl auch ein schwäbischer Millionär zu Herzen, als er nach dem schmerzlichen Verlust einiger hunderttausend D-Mark mit seiner G-Klasse die Stufen des Eingangsportals der BadenBadener Spielbank hochdonnerte, die Türen durchbrach, als wären sie aus Reispapier, um dann das Foyer in einen nord­ koreanischen Panzerübungsplatz zu verwandeln. Es ist anzunehmen, dass die G-Klasse diesen Einsatz klaglos weggesteckt hat. Genauso wie die stets behutsam vollzogenen Modifikatio­ nen an ihrer Karosserie mit dem einstmals kantigen Charme der späten 70er. Noch immer scheint die Karosse aus dem Vollen gefräst zu sein. Klare, puristische Linien vermitteln eine professionelle Seriosität, die moderne SUVs alt aussehen lässt. Mehr Ruhe und Selbstvertrauen kann ein Auto nicht ausstrahlen – die G-Klasse ist die optische Autorität unter den Geländewagen. Eine Autorität, die sich auch im Alltagsbetrieb angenehm bemerkbar macht: Hat man es nämlich mal eilig, ins Gelände zu kommen, katapultieren auf Wunsch knapp 500 Pferde den 2,6-Tonnen-Koloss auf bis zu 210 Kilometer Spitzengeschwindigkeit. Und sorgen im Duett mit der martialisch wirkenden Frontpartie für garantiert freie Überholspuren. Schließlich möchte niemand gerne von einem rasenden Einfamilienhaus überrollt werden. So viel Spaß es auch macht, einen LKW mit Formel-1-Triebwerk zu fahren – spätestens beim nächsten Tankstopp ist kurz Schluss mit lustig. Aber wer sich das Vergnügen gönnt, ein Fahr­ zeug mit dem cw-Wert eines Mies-van-der-Rohe-Bungalows über die Autobahn zu peitschen, sollte sich später nicht über ein paar Euro mehr auf der Uhr beklagen. G-Klasse-Fahrer ­fragen im Allgemeinen sowieso eher nach der Größe des Tanks als nach dem Verbrauch. Weiß Mercedes-Benz zu berichten. Und die müssen es ja wissen. Dabei kann man auch eine G-Klasse zum zivilen Umgang mit dem kostbaren Nass erziehen. Gibt man ihm nicht allzu oft die Sporen, verbraucht selbst der 5-Liter-Achtzylinder im Durchschnitt nur unwesentlich mehr als eine von der Leistung her vergleichbare Limousine. Dass er einer solchen auch in ­Sachen Komfort nicht viel nachsteht, mag angesichts der anachronistisch wirkenden ­ Kastenrahmenkonstruktion zunächst

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etwas verwundern. Hat man aber erst einmal auf den mit feinstem Leder bespannten Fauteuils Platz genommen und die Tür mit sattem Schmatz ins Schloss fallen ­lassen, dann weiß man, dass man in einem Mercedes sitzt. Kein plebejisches ­Außengeräusch stört die fast schon meditative Ruhe, wenn das mächtige Fahrzeug souverän über den Asphalt der Großstadt rollt. Die erhabene Sitzposition lässt einen, dem Stress des ­Alltags entrückt, über den Dingen und dem Staub der Straßen schweben. Währenddessen kann man seinen Blick entspannt in die Ferne schweifen lassen, um zum Beispiel einen freien Parkplatz lange vor einem potenziellen Konkurrenten zu entdecken. Oder einen 16-Ender auf einer Lichtung im Bayerischen Wald. Und ist er erst im Matsch angekommen, darf der Schwabenpanzer auch mal zeigen, warum er von über 60 Armeen quer über den Globus eingesetzt wird und nach einhelliger Experten­ meinung als bester Geländewagen der Welt gilt. Sich mit einer G-Klasse im Gelände auszutoben, ist ein bisschen wie auf King Kongs Schultern durch den Dschungel zu stürmen. Nur dass King Kong in diesem Fall einen perfekt sitzenden Brioni­Anzug trägt. Es ist einfach unglaublich, wie dieses Ungetüm mit den Ausmaßen eines durchschnittlichen Überseecontainers 80%ige Steigungen bewältigt, mit deutscher Gründlichkeit durch knietiefen Matsch pflügt und selbst bei einem seitlichen Gefälle von 54% nicht ins Wanken gerät. Die zuschaltbaren Differenzialsperren braucht man bei solchen Einsätzen dann nur, wenn der Untergrund extrem lose oder schlüpfrig ist. In der Regel ist man mit 4ETS auch in schwierigem Gelände schon bestens angezogen, ein kurzer Druck auf den „Low ­Range“Knopf genügt. Blinken dann längst vergessen geglaubte physikalische Gesetz­ mäßigkeiten bezüglich Masse, Beschleunigung und Gravitation wie rote Alarmschilder im Kopf auf, genügt hier ein sanftes Streicheln des Gaspedals, dort eine kleine Korrektur am Lenkrad, und die G-Klasse sucht sich wie auf Schienen und von einem unsichtbaren Seil gezogen ihren Weg. Man muss sie einfach nur machen lassen. Apropos machen lassen: Wer ein derart vielfältig einsetzbares Fahrzeug wie die G-Klasse herstellt, darf sich natürlich nicht wundern, wenn er mit den absonderlichsten Umbauwünschen vermögender Kunden konfrontiert wird. Aber weil Mercedes traditionsgemäß einen äußerst intimen und serviceorientierten Umgang mit derartiger Klientel pflegt, gibt es auch da keinerlei Schwierigkeiten. Nicht für den westfälischen Gläserher­ steller, dessen G-Klasse nach einer Sonderbehandlung von Luigi ­ Colani eher einem an Mumps erkrankten Flusspferd glich, und auch nicht für den Sprössling eines arabischen Herrschergeschlechts, der sich eine dreiachsige, komplett offene ­ G-Klasse maßschneidern ließ. Für die Falkenjagd. Eben, warum auch nicht. Leider bin ich kein westfälischer Gläserhersteller und auch kein millionenschwerer Wüstensohn. Trotzdem hätte ich, wie viele richtige Männer, gern eine G-Klasse. Weil sie der einzig wahre Geländewagen ist. Echt gut eben.

Fotografie: Bernd Westphal (www.kstiegemeyer.de) Assistenz: Georg Schmid Produktion: Tim Warnhoff (www.supersonic-production.de)

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Leider habe ich keine 15-Meter-Segelyacht, die ich alljährlich per Anhänger über gewundene Alpenpässe in mediterrane Gefilde ziehen müsste. Ich wohne auch nicht in einer Gegend, wo der tägliche Einkauf von Grundnahrungsmitteln expeditioneske Züge annehmen kann. Und ich bin auch kein Förster. Aber trotzdem hätte ich gerne einen G. Eine G-Klasse, den zu Stahl gewordenen Traum schwäbischer Ingenieurskunst und Abenteuerlust. Einen Wagen, der ist wie ein Mann. Der nicht gerne Bummeln geht, sich äußerlich kaum verändert, den ­Moden und Ökoquatsch nicht interessieren, der böse brummt, wenn man ihn tritt. Der kann, was ein Kerl können muss, und dem man nicht ansieht, was alles Tolles in ihm steckt. Das Design der bis heute bei Steyer-Puch in Graz hauptsächlich in Handarbeit gefertigten rollenden Festung hat sich in den letzten 28 Jahren zum Glück nur unwesentlich ge­ändert. Dagegen steckt die G-Klasse der neuesten Generation proppen­ voll mit modernster Technik – bis unter das in ­Respekt ein­ flößender Höhe gelegene Dach. Dank permanentem Allradantrieb, dem elektronischen Trak­ tionssystem 4ETS und drei 100%igen Differenzialsperren findet die G-Klasse Wege, wo keine Straßen sind. Das nahm sich 1988 wohl auch ein schwäbischer Millionär zu Herzen, als er nach dem schmerzlichen Verlust einiger hunderttausend D-Mark mit seiner G-Klasse die Stufen des Eingangsportals der BadenBadener Spielbank hochdonnerte, die Türen durchbrach, als wären sie aus Reispapier, um dann das Foyer in einen nord­ koreanischen Panzerübungsplatz zu verwandeln. Es ist anzunehmen, dass die G-Klasse diesen Einsatz klaglos weggesteckt hat. Genauso wie die stets behutsam vollzogenen Modifikatio­ nen an ihrer Karosserie mit dem einstmals kantigen Charme der späten 70er. Noch immer scheint die Karosse aus dem Vollen gefräst zu sein. Klare, puristische Linien vermitteln eine professionelle Seriosität, die moderne SUVs alt aussehen lässt. Mehr Ruhe und Selbstvertrauen kann ein Auto nicht ausstrahlen – die G-Klasse ist die optische Autorität unter den Geländewagen. Eine Autorität, die sich auch im Alltagsbetrieb angenehm bemerkbar macht: Hat man es nämlich mal eilig, ins Gelände zu kommen, katapultieren auf Wunsch knapp 500 Pferde den 2,6-Tonnen-Koloss auf bis zu 210 Kilometer Spitzengeschwindigkeit. Und sorgen im Duett mit der martialisch wirkenden Frontpartie für garantiert freie Überholspuren. Schließlich möchte niemand gerne von einem rasenden Einfamilienhaus überrollt werden. So viel Spaß es auch macht, einen LKW mit Formel-1-Triebwerk zu fahren – spätestens beim nächsten Tankstopp ist kurz Schluss mit lustig. Aber wer sich das Vergnügen gönnt, ein Fahr­ zeug mit dem cw-Wert eines Mies-van-der-Rohe-Bungalows über die Autobahn zu peitschen, sollte sich später nicht über ein paar Euro mehr auf der Uhr beklagen. G-Klasse-Fahrer ­fragen im Allgemeinen sowieso eher nach der Größe des Tanks als nach dem Verbrauch. Weiß Mercedes-Benz zu berichten. Und die müssen es ja wissen. Dabei kann man auch eine G-Klasse zum zivilen Umgang mit dem kostbaren Nass erziehen. Gibt man ihm nicht allzu oft die Sporen, verbraucht selbst der 5-Liter-Achtzylinder im Durchschnitt nur unwesentlich mehr als eine von der Leistung her vergleichbare Limousine. Dass er einer solchen auch in ­Sachen Komfort nicht viel nachsteht, mag angesichts der anachronistisch wirkenden ­ Kastenrahmenkonstruktion zunächst

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etwas verwundern. Hat man aber erst einmal auf den mit feinstem Leder bespannten Fauteuils Platz genommen und die Tür mit sattem Schmatz ins Schloss fallen ­lassen, dann weiß man, dass man in einem Mercedes sitzt. Kein plebejisches ­Außengeräusch stört die fast schon meditative Ruhe, wenn das mächtige Fahrzeug souverän über den Asphalt der Großstadt rollt. Die erhabene Sitzposition lässt einen, dem Stress des ­Alltags entrückt, über den Dingen und dem Staub der Straßen schweben. Währenddessen kann man seinen Blick entspannt in die Ferne schweifen lassen, um zum Beispiel einen freien Parkplatz lange vor einem potenziellen Konkurrenten zu entdecken. Oder einen 16-Ender auf einer Lichtung im Bayerischen Wald. Und ist er erst im Matsch angekommen, darf der Schwabenpanzer auch mal zeigen, warum er von über 60 Armeen quer über den Globus eingesetzt wird und nach einhelliger Experten­ meinung als bester Geländewagen der Welt gilt. Sich mit einer G-Klasse im Gelände auszutoben, ist ein bisschen wie auf King Kongs Schultern durch den Dschungel zu stürmen. Nur dass King Kong in diesem Fall einen perfekt sitzenden Brioni­Anzug trägt. Es ist einfach unglaublich, wie dieses Ungetüm mit den Ausmaßen eines durchschnittlichen Überseecontainers 80%ige Steigungen bewältigt, mit deutscher Gründlichkeit durch knietiefen Matsch pflügt und selbst bei einem seitlichen Gefälle von 54% nicht ins Wanken gerät. Die zuschaltbaren Differenzialsperren braucht man bei solchen Einsätzen dann nur, wenn der Untergrund extrem lose oder schlüpfrig ist. In der Regel ist man mit 4ETS auch in schwierigem Gelände schon bestens angezogen, ein kurzer Druck auf den „Low ­Range“Knopf genügt. Blinken dann längst vergessen geglaubte physikalische Gesetz­ mäßigkeiten bezüglich Masse, Beschleunigung und Gravitation wie rote Alarmschilder im Kopf auf, genügt hier ein sanftes Streicheln des Gaspedals, dort eine kleine Korrektur am Lenkrad, und die G-Klasse sucht sich wie auf Schienen und von einem unsichtbaren Seil gezogen ihren Weg. Man muss sie einfach nur machen lassen. Apropos machen lassen: Wer ein derart vielfältig einsetzbares Fahrzeug wie die G-Klasse herstellt, darf sich natürlich nicht wundern, wenn er mit den absonderlichsten Umbauwünschen vermögender Kunden konfrontiert wird. Aber weil Mercedes traditionsgemäß einen äußerst intimen und serviceorientierten Umgang mit derartiger Klientel pflegt, gibt es auch da keinerlei Schwierigkeiten. Nicht für den westfälischen Gläserher­ steller, dessen G-Klasse nach einer Sonderbehandlung von Luigi ­ Colani eher einem an Mumps erkrankten Flusspferd glich, und auch nicht für den Sprössling eines arabischen Herrschergeschlechts, der sich eine dreiachsige, komplett offene ­ G-Klasse maßschneidern ließ. Für die Falkenjagd. Eben, warum auch nicht. Leider bin ich kein westfälischer Gläserhersteller und auch kein millionenschwerer Wüstensohn. Trotzdem hätte ich, wie viele richtige Männer, gern eine G-Klasse. Weil sie der einzig wahre Geländewagen ist. Echt gut eben.

Fotografie: Bernd Westphal (www.kstiegemeyer.de) Assistenz: Georg Schmid Produktion: Tim Warnhoff (www.supersonic-production.de)

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Feldweg #4 Von Kai Flemming (Text) und Martin Kuhlmann (Artwork)

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Es gibt zwei Sorten Männer, so wie es zweierlei Arten von Toilettengängern gibt. Die einen knöpfen sich erst die Hose zu, bevor sie den Spülknopf betätigen. Die anderen können es nicht erwarten, das Geschäft abzuschließen, und spülen es erst hinunter, um dann Hemd und Hose zu richten. Ich er­ zähle dies nicht, um mit meiner feinen Beobachtungsgabe in öffentlichen Bedürfnisanstalten zu glänzen, sondern um eines deutlich zu machen: Der Mann ist ein Individuum. Wäre dies nicht so und würden alle Männer auf die glei­ che Weise scheißen, würden wir weniger Probleme haben und auch ohne zu murren alle dasselbe Auto fahren. Ein Versuch in diese Richtung in der DDR heißt Trabi und verrottet langsam auf dem Komposthaufen der Geschichte. Für einen weiteren Anlauf gibt es einen geeigneten Kandidaten. Den von Renault in Rumänien gebauten Dacia Logan. Ein Auto, das alles kann, was ein Auto können muss. Es hat eine Stufenheckkarosserie, vier Räder, vier Sitze, ein Lenkrad. Einen Motor. Einen Koffer­ raum. Ein echtes Auto eben. Der Stauraum ist groß genug, um damit nach Sylt oder zu Ikea zu kommen. Es passen ausrei­ chend ­Koffer, Taschen und Hühnerkäfige hinein, um allen An­ sprüchen zu genügen. Selbst Vorstandsvorsitzende können sich darin mühelos zur Arbeit chauffieren lassen. Schade eigentlich, dass das keiner der Herren tut, die solide Untermotorisierung und das Fehlen jeglicher Statussymbolik würden Umweltpro­ bleme und soziale Unterschiede auf einen Schlag eliminieren. Passenderweise ist auch die Werbung für dieses Auto noch echt. Keine retuschierten Bildwelten und falsche Vorstellun­ gen erweckenden Headlines, sondern einfache Menschen mit einfachen Aussagen im Stil von Weight-Watchers-Anzeigen: „Ja, ich habe meinen passenden Wagen gefunden. Mehr brauche ich wirklich nicht“, Horst M., Studienrat aus Harse­ winkel, NRW. „Erstaunlich, wie viel Platz er bietet. Zu diesem Preis!“, Chantall W., Apothekenhelferin aus Klötze, Sachsen-Anhalt. Allein, es nützt nichts. Der Dalai Lama unter den Kraftfahr­ zeugen wird sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Streng genommen ist ein Auto ja ein motorgetriebenes Fahr­ zeug, das Personen und Lasten transportiert. Da wir aber In­ dividuen sind, die nicht nur unterschiedliche Neigungen beim Toilettenspülen haben, müssen unsere Autos vor allem unsere einzigartigen Wünsche, Erwartungen und Träume transportie­ ren. Und das treibt uns dazu, beim Kauf eines Auto­mobils nicht gerade vernünftig zu agieren. In Autosalons versagt die kri­ tische Bedarfsanalyse völlig und wir agieren absolut beratungs­ resistent. Angestachelt vom in puncto Realitätssinn ebenfalls mangelhaft ausgestatteten Autoverkäufer. Oder haben Sie schon einmal einen Verkäufer erlebt, der Ihnen davon abge­raten hat, einen Porsche zu erwerben, nachdem Sie ihm erzählt haben, dass Sie einer fünfköpfigen Familie vorstehen? Im Gegenteil, er wird von den Vorteilen der Notsitze schwärmen, deren ge­ ringe Beinfreiheit gerade für Heranwachsende von Nutzen ist.

Und, zwinker, zwinker, Vonnullaufhundert in unter fünf Se­ kunden sind doch eine passable Antwort auf das nervtötende „Papa, sind wir schon da?“ der kleinen Racker. Saßen früher hinter den Lederlenkrädern eines Sportwa­ gens noch kantige Männer vom Schlage eines Danny ­Wilde oder Lord Brett Sinclair, jung, drahtig und ohne Viagra aus­ kommend, treten nun bejahrte, angedickte Familienväter mit schütterem Haar die Gaspedale aus gebürstetem Leichtmetall. So geht es weiter völlig verquer und schief gewickelt durch die Autolandschaft: Gattinnen erklimmen die Bordsteine vor Grundschulen mit dicken Geländewagen, allein­stehende Männer, die gern mal mit dem Golfsack ausgehen, fahren Autos, die eigentlich für Familien und Bauern vorgesehen sind: Kombis. Mit Cabriolets verband man früher feuchte Träume auf süd­ lichen, weiblichen Körperformen nachempfundenen Stra­ ßen. Die sind mittlerweile derartig verbaut, dass man fast den Eindruck bekommt, sie hätten gerade noch ein Sonnendach. Mit einer als Überrollbügel weit nach hinten geschwungenen Windschutzscheibe, einem Windschott im Heck, nach oben gekurbelten Fenstern und der obligaten Schirmmütze taugen heute Cabriofahrer nicht mehr für Roadmovies, sondern nur noch für Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. Ach, auch das Motorradfahren ist zum falschen Vergnügen verkommen. Konnte früher noch jeder echte Biker während der Fahrt ein Vorderrad wechseln, ist man heutzutage nicht einmal in der Lage, eine Glühbirne auszutauschen. Moderne Motorräder besitzen mittlerweile Extras wie Heizgriffe. Sollte so etwas nicht Gehwagen für Rentner vorbehalten sein? Es gibt mittlerweile alles für jeden und für wirklich jeden individuellen Wunsch das passende Fahrzeug. Autos sind in Deutschland übrigens so teuer, weil es allein einen simplen Golf in über hundert Varianten gibt. Wenn Sie denken, das Be­ stellen eines Kaffees in einem amerikanischstämmigen Coffee­ shop wäre kompliziert, dann suchen Sie sich doch erst mal einen neuen Wagen aus. Jeder Kleinwagen hat mindestens sieben Motor- und fünf Ausstattungsvarianten. Dazu kom­ men Lacke, Sitzpolster, Audioanlagen, Klimaoptionen usw. Und das macht das Herstellen teurer. Je mehr Angebot, desto höher der Preis. Das ist tatsächlich wie im Coffeeshop. Wir erinnern uns: Die Tasse Kaffee hat mal 50 Pfennige gekos­ tet. Heute kostet ein Tall Latte Macchiato mit Caramellsmell schlappe Zweifuffzig. Die Freiheit hat eben ihren Preis. Und den müssen wir zahlen. Oder wir versuchen es doch noch mal mit dem Filterkaffee unter den Autos. Dem einzigen Wagen, der nicht mehr sein will als ein Auto und schon ab 7.200 Euro im Handel erhältlich ist. Denn: „Wozu ein schöneres Auto? Man muss doch nur von A nach B kommen, oder?“, Kai F., Kolumnist aus Hamburg.

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Feldweg #4 Von Kai Flemming (Text) und Martin Kuhlmann (Artwork)

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Es gibt zwei Sorten Männer, so wie es zweierlei Arten von Toilettengängern gibt. Die einen knöpfen sich erst die Hose zu, bevor sie den Spülknopf betätigen. Die anderen können es nicht erwarten, das Geschäft abzuschließen, und spülen es erst hinunter, um dann Hemd und Hose zu richten. Ich er­ zähle dies nicht, um mit meiner feinen Beobachtungsgabe in öffentlichen Bedürfnisanstalten zu glänzen, sondern um eines deutlich zu machen: Der Mann ist ein Individuum. Wäre dies nicht so und würden alle Männer auf die glei­ che Weise scheißen, würden wir weniger Probleme haben und auch ohne zu murren alle dasselbe Auto fahren. Ein Versuch in diese Richtung in der DDR heißt Trabi und verrottet langsam auf dem Komposthaufen der Geschichte. Für einen weiteren Anlauf gibt es einen geeigneten Kandidaten. Den von Renault in Rumänien gebauten Dacia Logan. Ein Auto, das alles kann, was ein Auto können muss. Es hat eine Stufenheckkarosserie, vier Räder, vier Sitze, ein Lenkrad. Einen Motor. Einen Koffer­ raum. Ein echtes Auto eben. Der Stauraum ist groß genug, um damit nach Sylt oder zu Ikea zu kommen. Es passen ausrei­ chend ­Koffer, Taschen und Hühnerkäfige hinein, um allen An­ sprüchen zu genügen. Selbst Vorstandsvorsitzende können sich darin mühelos zur Arbeit chauffieren lassen. Schade eigentlich, dass das keiner der Herren tut, die solide Untermotorisierung und das Fehlen jeglicher Statussymbolik würden Umweltpro­ bleme und soziale Unterschiede auf einen Schlag eliminieren. Passenderweise ist auch die Werbung für dieses Auto noch echt. Keine retuschierten Bildwelten und falsche Vorstellun­ gen erweckenden Headlines, sondern einfache Menschen mit einfachen Aussagen im Stil von Weight-Watchers-Anzeigen: „Ja, ich habe meinen passenden Wagen gefunden. Mehr brauche ich wirklich nicht“, Horst M., Studienrat aus Harse­ winkel, NRW. „Erstaunlich, wie viel Platz er bietet. Zu diesem Preis!“, Chantall W., Apothekenhelferin aus Klötze, Sachsen-Anhalt. Allein, es nützt nichts. Der Dalai Lama unter den Kraftfahr­ zeugen wird sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Streng genommen ist ein Auto ja ein motorgetriebenes Fahr­ zeug, das Personen und Lasten transportiert. Da wir aber In­ dividuen sind, die nicht nur unterschiedliche Neigungen beim Toilettenspülen haben, müssen unsere Autos vor allem unsere einzigartigen Wünsche, Erwartungen und Träume transportie­ ren. Und das treibt uns dazu, beim Kauf eines Auto­mobils nicht gerade vernünftig zu agieren. In Autosalons versagt die kri­ tische Bedarfsanalyse völlig und wir agieren absolut beratungs­ resistent. Angestachelt vom in puncto Realitätssinn ebenfalls mangelhaft ausgestatteten Autoverkäufer. Oder haben Sie schon einmal einen Verkäufer erlebt, der Ihnen davon abge­raten hat, einen Porsche zu erwerben, nachdem Sie ihm erzählt haben, dass Sie einer fünfköpfigen Familie vorstehen? Im Gegenteil, er wird von den Vorteilen der Notsitze schwärmen, deren ge­ ringe Beinfreiheit gerade für Heranwachsende von Nutzen ist.

Und, zwinker, zwinker, Vonnullaufhundert in unter fünf Se­ kunden sind doch eine passable Antwort auf das nervtötende „Papa, sind wir schon da?“ der kleinen Racker. Saßen früher hinter den Lederlenkrädern eines Sportwa­ gens noch kantige Männer vom Schlage eines Danny ­Wilde oder Lord Brett Sinclair, jung, drahtig und ohne Viagra aus­ kommend, treten nun bejahrte, angedickte Familienväter mit schütterem Haar die Gaspedale aus gebürstetem Leichtmetall. So geht es weiter völlig verquer und schief gewickelt durch die Autolandschaft: Gattinnen erklimmen die Bordsteine vor Grundschulen mit dicken Geländewagen, allein­stehende Männer, die gern mal mit dem Golfsack ausgehen, fahren Autos, die eigentlich für Familien und Bauern vorgesehen sind: Kombis. Mit Cabriolets verband man früher feuchte Träume auf süd­ lichen, weiblichen Körperformen nachempfundenen Stra­ ßen. Die sind mittlerweile derartig verbaut, dass man fast den Eindruck bekommt, sie hätten gerade noch ein Sonnendach. Mit einer als Überrollbügel weit nach hinten geschwungenen Windschutzscheibe, einem Windschott im Heck, nach oben gekurbelten Fenstern und der obligaten Schirmmütze taugen heute Cabriofahrer nicht mehr für Roadmovies, sondern nur noch für Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. Ach, auch das Motorradfahren ist zum falschen Vergnügen verkommen. Konnte früher noch jeder echte Biker während der Fahrt ein Vorderrad wechseln, ist man heutzutage nicht einmal in der Lage, eine Glühbirne auszutauschen. Moderne Motorräder besitzen mittlerweile Extras wie Heizgriffe. Sollte so etwas nicht Gehwagen für Rentner vorbehalten sein? Es gibt mittlerweile alles für jeden und für wirklich jeden individuellen Wunsch das passende Fahrzeug. Autos sind in Deutschland übrigens so teuer, weil es allein einen simplen Golf in über hundert Varianten gibt. Wenn Sie denken, das Be­ stellen eines Kaffees in einem amerikanischstämmigen Coffee­ shop wäre kompliziert, dann suchen Sie sich doch erst mal einen neuen Wagen aus. Jeder Kleinwagen hat mindestens sieben Motor- und fünf Ausstattungsvarianten. Dazu kom­ men Lacke, Sitzpolster, Audioanlagen, Klimaoptionen usw. Und das macht das Herstellen teurer. Je mehr Angebot, desto höher der Preis. Das ist tatsächlich wie im Coffeeshop. Wir erinnern uns: Die Tasse Kaffee hat mal 50 Pfennige gekos­ tet. Heute kostet ein Tall Latte Macchiato mit Caramellsmell schlappe Zweifuffzig. Die Freiheit hat eben ihren Preis. Und den müssen wir zahlen. Oder wir versuchen es doch noch mal mit dem Filterkaffee unter den Autos. Dem einzigen Wagen, der nicht mehr sein will als ein Auto und schon ab 7.200 Euro im Handel erhältlich ist. Denn: „Wozu ein schöneres Auto? Man muss doch nur von A nach B kommen, oder?“, Kai F., Kolumnist aus Hamburg.

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Immer locker bleiben. Einfach so tun, als ob man sich nicht die Bohne f端r Mode und den ganzen Quatsch interessiert. Nur irgendein T-Shirt und ein Paar Jeans tragen. Mit diesen Outfits kommt keiner drauf, dass Sie in Wahrheit ein extrem trendverliebtes B端rschchen sind. Von Jimmy Hansen (Fotos) und Lars-Fredrik Svedberg (Styling)

Wollm端tze von Wester und Mantel von Julian Red, alles in Grau

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Immer locker bleiben. Einfach so tun, als ob man sich nicht die Bohne f端r Mode und den ganzen Quatsch interessiert. Nur irgendein T-Shirt und ein Paar Jeans tragen. Mit diesen Outfits kommt keiner drauf, dass Sie in Wahrheit ein extrem trendverliebtes B端rschchen sind. Von Jimmy Hansen (Fotos) und Lars-Fredrik Svedberg (Styling)

Wollm端tze von Wester und Mantel von Julian Red, alles in Grau

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Jacke von Petar Petrov, T-Shirt von Nakkna und Hose von Louis Vuitton

Pullover von Petar Petrov und Hose von Wooyoungmi

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Jacke von Petar Petrov, T-Shirt von Nakkna und Hose von Louis Vuitton

Pullover von Petar Petrov und Hose von Wooyoungmi

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Links: gelb-schwarze Sonnenbrille von FaFaFa oben: dunkelblauer Mantel von SimplicitĂŠ CompliquĂŠe und graues T-Shirt von Our Legacy

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Links: gelb-schwarze Sonnenbrille von FaFaFa oben: dunkelblauer Mantel von SimplicitĂŠ CompliquĂŠe und graues T-Shirt von Our Legacy

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T-Shirt von SimplicitĂŠ CompliquĂŠe, Jeans von Petar Petrov und Stiefel von Louis Vuitton

Hemd von Louis Vuitton und Hose von Spastor

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T-Shirt von SimplicitĂŠ CompliquĂŠe, Jeans von Petar Petrov und Stiefel von Louis Vuitton

Hemd von Louis Vuitton und Hose von Spastor

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Links: schwarze Bomberjacke von Diesel Rechts: Wollm端tze und Tanktop, alles von Wester

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Links: schwarze Bomberjacke von Diesel Rechts: Wollm端tze und Tanktop, alles von Wester

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Mantel von Simplicité Compliquée, T-Shirt von Our Legacy, Jeans von Levi’s Vintage und Schuhe von Acne Jeans

Longsleeve und Jeans von Petar Petrov

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Fotografie: Jimmy Hansen (www.jimmyhansen.com, www.b-martin.se) Styling: Lars-Fredrik Svedberg (www.lundlund.se) Haare & Make-up: Tony Lundström (www.mikas.se) Fotoassistenz: Roger Olsson Model: Daryl (www.selectmodel.com) Bildbearbeitung: Janina Melles (www.appel-grafik.de)

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Mantel von Simplicité Compliquée, T-Shirt von Our Legacy, Jeans von Levi’s Vintage und Schuhe von Acne Jeans

Longsleeve und Jeans von Petar Petrov

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Fotografie: Jimmy Hansen (www.jimmyhansen.com, www.b-martin.se) Styling: Lars-Fredrik Svedberg (www.lundlund.se) Haare & Make-up: Tony Lundström (www.mikas.se) Fotoassistenz: Roger Olsson Model: Daryl (www.selectmodel.com) Bildbearbeitung: Janina Melles (www.appel-grafik.de)

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Das beste Stück des Mannes ist eine heikle Sache. Ein Mann, der einer bleiben will, sollte seinen kleinen Freund gut hüten, nirgendwo einklemmen und sich im Genitalbereich vor Messerangriffen schützen. Dem entgegen steht der Brauch der Beschneidung, der in vielen Kulturen, vor allem bei den Moslems und den Juden, bis heute üblich ist. Unser Autor hat sich im hohen Alter von 21 Jahren dazu entschieden, sich beschneiden zu lassen. Ein Erlebnisbericht. Von Rouven Grossman (Text) und Martin Kuhlmann (Artwork)

Die jüdische Beschneidung heißt Brith Mila und wird in der Regel am achten Tag nach der Geburt des Jungen vollzogen. Dann ist der Penis dem Mann, der er eines Tages sein wird, noch nicht so wichtig, so dass er sich auch an die Schmerzen nicht erinnern kann. In den Geburtshäusern der ehemaligen Sowjetunion wurde jedoch von dem reinigenden Brauch der Beschneidung abgesehen. Sowjetische Juden, die nach der Perestroika z. B. nach Israel auswanderten, mussten schnell feststellen, dass man als unbeschnittener Jude irgendwie nicht so ganz als vollwertiger Jude gilt. Zwar wird dem Neueinwanderer niemals von offizieller Seite die Frage nach dem Zustand seines Geschlechtsteils gestellt. Auch wird Mann niemals danach befragt werden, wenn er einer religiösen Vereinigung oder Gemeinde beitreten will. Im privaten Kreise sieht man sich jedoch als Außenseiter und fühlt sich schnell deklassiert, da die Beschneidung als physische Überlegenheit der anderen (Männer) empfunden wird. Reden wir mal Klartext. Wer beschnitten ist, kann hygienischer, optisch ansprechender und vor allem länger ficken. Das muss nicht extra bewiesen werden, oder haben Sie schon mal einen unbeschnittenen Pornodarsteller gesehen? Wer beschnitten ist, bekommt auch nicht so schnell Aids. Eine Beschneidung senkt das Risiko einer Infektion mit dem Aidsvirus bei Männern auf ein Sechstel. Und zwar aus biologischen und nicht aus verhaltensbedingten Gründen, denn die Vorhaut ist mit Zellen gespickt, die dem Aidsvirus besonders gern anheimfallen. Aber darum geht es mir nicht. Ich habe keine gesundheitlichen Bedenken, ich mache mir eher Sorgen um meine spirituelle Integrität. Das erste Buch, das ich in Israel nach meiner Einwanderung las, war die Tora, und seitdem habe ich ehrliche Angst um mein Leben nach dem Tod. In der Tora stehen sehr 116

reportage

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Das beste Stück des Mannes ist eine heikle Sache. Ein Mann, der einer bleiben will, sollte seinen kleinen Freund gut hüten, nirgendwo einklemmen und sich im Genitalbereich vor Messerangriffen schützen. Dem entgegen steht der Brauch der Beschneidung, der in vielen Kulturen, vor allem bei den Moslems und den Juden, bis heute üblich ist. Unser Autor hat sich im hohen Alter von 21 Jahren dazu entschieden, sich beschneiden zu lassen. Ein Erlebnisbericht. Von Rouven Grossman (Text) und Martin Kuhlmann (Artwork)

Die jüdische Beschneidung heißt Brith Mila und wird in der Regel am achten Tag nach der Geburt des Jungen vollzogen. Dann ist der Penis dem Mann, der er eines Tages sein wird, noch nicht so wichtig, so dass er sich auch an die Schmerzen nicht erinnern kann. In den Geburtshäusern der ehemaligen Sowjetunion wurde jedoch von dem reinigenden Brauch der Beschneidung abgesehen. Sowjetische Juden, die nach der Perestroika z. B. nach Israel auswanderten, mussten schnell feststellen, dass man als unbeschnittener Jude irgendwie nicht so ganz als vollwertiger Jude gilt. Zwar wird dem Neueinwanderer niemals von offizieller Seite die Frage nach dem Zustand seines Geschlechtsteils gestellt. Auch wird Mann niemals danach befragt werden, wenn er einer religiösen Vereinigung oder Gemeinde beitreten will. Im privaten Kreise sieht man sich jedoch als Außenseiter und fühlt sich schnell deklassiert, da die Beschneidung als physische Überlegenheit der anderen (Männer) empfunden wird. Reden wir mal Klartext. Wer beschnitten ist, kann hygienischer, optisch ansprechender und vor allem länger ficken. Das muss nicht extra bewiesen werden, oder haben Sie schon mal einen unbeschnittenen Pornodarsteller gesehen? Wer beschnitten ist, bekommt auch nicht so schnell Aids. Eine Beschneidung senkt das Risiko einer Infektion mit dem Aidsvirus bei Männern auf ein Sechstel. Und zwar aus biologischen und nicht aus verhaltensbedingten Gründen, denn die Vorhaut ist mit Zellen gespickt, die dem Aidsvirus besonders gern anheimfallen. Aber darum geht es mir nicht. Ich habe keine gesundheitlichen Bedenken, ich mache mir eher Sorgen um meine spirituelle Integrität. Das erste Buch, das ich in Israel nach meiner Einwanderung las, war die Tora, und seitdem habe ich ehrliche Angst um mein Leben nach dem Tod. In der Tora stehen sehr 116

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viele Regeln für das „Auserwählte Volk“, Speisevorschriften und vieles mehr. Wenn man die Regeln nicht beachtet, auch das steht in der Tora, dann wird Gott sauer und lässt einen nicht ins Paradies. Ich traue mir zwar zu, Gott im Zweifelsfall davon zu überzeugen, mich doch reinzulassen, aber um überhaupt mit ihm verhandeln zu können, muss ich von Gott als Jude anerkannt werden. Und das ist das eigentliche Problem. Wer nicht beschnitten ist, ist laut Tora kein echter Jude, auch dann nicht, wenn seine Eltern Juden sind. Bei der Beschneidung geht man einen Bund mit Gott ein, den Bund, den schon Urvater Abraham seinerzeit mit 99 Jahren einging. Ob ich dieses reife Alter je erreiche, wage ich zu bezweifeln, deswegen entschied ich mich seinerzeit auch für eine sofortige Beschneidung in einem israelischen Klinikum und damit für ein weiteres Leben als echter, beschnittener Jude. Ich kündigte mein Vorhaben bei meiner Arbeitsstelle feierlich an, nahm mir die biblischen vier Tage Urlaub und ging zum Urologen. Ich war mir sicher, dass alles ratzfatz gehen würde. Spritzen, schneiden, entlassen werden. Aber der Arzt eröffnete mir, dass im Judenstaat, im Heiligen Land, in dem fast nur Juden und Moslems leben, die Beschneidung nicht von der Krankenkasse bezahlt werde. Ich müsse etwa 5.000 bis 6.000 Schekel, also fast ein Netto-Monatsgehalt, für diesen Eingriff bezahlen. Das lag jenseits meiner finanziellen Möglichkeiten und ich kehrte enttäuscht und unverrichteter Dinge ins Büro zurück. Mein Schicksal nahm die Kollegen sichtlich mit, eine Mitarbeiterin machte mich bald auf eine Anzeige in einer russischen Tageszeitung aufmerksam: „Kostenlose Beschneidung für alle Juden im In- und Ausland, durchgeführt von Profis, im Krankenhaus, mit anschließender kostenfreier Heimfahrt. Voraussetzung: In der sowjetischen Geburtsurkunde muss stehen, dass die Mutter Jüdin ist.“ Die „Voraussetzung“ konnte ich locker erfüllen. Meine Eltern sind beide Juden, „Jude“ wird in meiner Geburtsurkunde unter Nationalität geführt. 118

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Ich schnitt die Anzeige aus und wartete bis zum richtigen Moment für den Anruf. Es durfte nicht am Freitag oder Samstag sein, schließlich handelte es sich offenbar um einen religiösen Verein. Es sollte auch nicht gerade in der Mittagspause sein, denn da bin ich wiederum nicht in der richtigen Stimmung. Abends konnte ich auch nicht anrufen. Und so lag ich eines Tages am Strand, hatte nichts im Kopf als Gott und meinen Bund zu IHM. War es eigentlich normal, sich im Alter von 21 Jahren beschneiden zu lassen? Aus religiösen Gründen? Ich trage nicht mal eine Kippa und halte auch sonst keine einzige Regel der Tora ein. Was ist, wenn es schiefgeht? Brauche ich meinen Schwanz nicht mehr? Ich wischte meine Bedenken beiseite. Was Abraham mit 99 Jahren konnte, kann ich schon lange. Der Moment war gekommen, ich wählte die Nummer und beantwortete die Fragen meines russischen Gesprächspartners. Ja, meine Mutter ist Jüdin. Nein, ich bin zu keiner heidnischen Religion konvertiert. Ja, ich habe nächste Woche Zeit. Eine Woche später, am Bahnhof von Tel Aviv. Meine Mitfahrgelegenheit verspätet sich. Ich zähle die Sekunden, bei 2.300 klingelt mein Handy. Ich steige ins schrottreife Auto von Yakov ein, einem klassischen Religiösen mit schwarzer Kippa, Vollbart und Schläfenlocken. An einer Bushaltestelle sammeln wir einen zweiten Kandidaten auf. Yakov bringt uns zum Krankenhaus in Raanana, wo der behandelnde Mohel, also der Fachmann für Beschneidung, glücklicherweise ein gelernter Arzt ist und seit 25 Jahren durchschnittlich fünf Beschneidungen pro Tag durchführt. Auf dem Weg erzählt Yakov von der Organisation. BrithJosefJitzhak hat schon 25.000 Männern, Kindern und Babys die religiöse Beschneidung finanziert. Alle waren schon vorher Juden und hatten kein Geld. Die Organisation lebt von Spenden. In der Klinik werden wir in ein Wartezimmer für OP-Patienten geführt. Wir müssen uns ausziehen und bekommen jeder ein OP-Hemd, das hinten offen ist. Nur durch einen

Vorhang getrennt warten wir und vier andere Russen auf das vollbärtige Christkind, das uns im Bett Gott entgegenrollen soll. Aber irgendwer ist länger im OP geblieben als geplant, alle müssen warten, keiner darf rauchen, zu essen gibt es nichts. Meine Bettnachbarn erzählen ihre Geschichten. Da ist der 38jährige Daniel, der zwar schon im Kaukasus beschnitten wurde, aber von einem Moslem, und das sei nicht gut gewesen. Er will es sich heute richten lassen. Neben mir liegt der weit über 60-jährige Andrej Abramovitsch, der auch nicht nach der Geburt beschnitten wurde und es jetzt nachholen will. Er denkt sich die Sache mit Abraham ähnlich wie ich. Es leidet ferner mit mir mein Namensvetter aus der Nähe von Tel Aviv, dessen künftige Ehefrau auf der Beschneidung besteht. Endlich werden wir einer nach dem anderen rausgerollt und kehren nach einer halben Stunde etwas benommen wieder zurück. Ich bin als Vorletzter dran. Zuerst komme ich in einen Vorraum des Operationssaales, wo mir der Anästhesist fünf Spritzen in die Peniswurzel haut und dann noch mal zwei mitten ins Glied, weil ich so am Zucken bin. Dann kommt ein Trupp und holt mich ab. Ein guter Mann hält meine Hand, ein zweiter schiebt das Bett, ein dritter betet für alle und ein vierter sieht mir beim Sterben zu. Im OP wartet der Rest der Bande. Gut 15 Männer, alle vorschriftsmäßig in schwarze Mäntel und Schlapphüte gekleidet, begrüßen mich lachend. Sie beten für mich. Die Organisation lebt also doch nicht nur von Spenden. Amerikanische Erlebnistouristen haben einen ganz besonderen religiösen Trip gebucht! Ich liege flach, mein Hemd wird hochgeschoben. Es wird ernst, die Touristen müssen den Raum verlassen. Eine wunderschöne OP-Schwester assistiert. Ich erleide eine leichte Formschwäche und nach 15 Minuten muss mich die Schönheit noch einmal spritzen, weil ich schon wieder diese Zuckungen bekomme. Ich fühle, wie der Mohel mich schneidet, ich höre das Messer schaben, ich spüre ein leichtes Ziehen der Haut. Nach 20 Minuten folgt der Hauptevent für die Touristen, betend

stürmen sie den Raum. Es ist nur noch ein kleines Stück Haut übrig, das der Mohel, dieser heilige Mann, jetzt durchtrennt. Alle beten und stoßen mit koscherem Wein an. Die Touristen verlassen zufrieden den Raum, ich werde genäht. Saubere 37 Stiche, jeden einzelnen von ihnen spüre ich nur zu deutlich. Mancher stellt sich vielleicht vor, bei einer Beschneidung wird einfach nur die Haut abgeschnitten, die Wunde vernäht, damit es nicht blutet, und das war’s dann. So machen es wahrscheinlich weniger erfahrene Völker mit ihren Kindern, aber bei uns sind Profis am Werk. Ein kurzes Stück der Vorhaut wird nicht abgeschnitten, sondern nach hinten umgeklappt und mit der gesunden Haut am Gliedstamm vernäht. So stellt man sicher, dass die Eichel nicht wieder zuwächst und man auch in Zukunft schmerzlos Kinder zeugen kann. Diese Methode hat aber ihre ganz speziellen Tücken. Fest vernäht und verbunden werde ich wieder zu meinen Mitstreitern gefahren. Einige von ihnen gehen so weit, schon wieder auf der Bettkante zu sitzen. Der Veranstalter gibt mir meinen Pass und meine Geburtsurkunde zurück. Er hat Kopien davon gemacht. Hoffentlich verkauft er sie nicht an auswanderungswillige russische Familie aus Kiew. Als Nächstes muss ich einen kurzen Bericht für die Organisation schreiben, wobei ich den edlen Spendern meinen intimsten Dank ausspreche. Endlich gibt es in der Klinik auch was zu essen, und wir Patienten tauschen unsere Eindrücke aus. Jemand erzählt, am Tag der Beschneidung würde ein erwachsener Mann zwei bis drei Liter Wasser ausschwitzen, man solle deshalb viel trinken. Ich erwidere, dass mir operativ schon zwei Kilo abgenommen wurden, das würde mir als Gewichtsverlust völlig reichen. Ich bete noch ein bisschen mit den Religiösen, wir trinken alle zusammen Wein, werden gesegnet und dürfen gehen. Yakov fährt mich nach Hause. Beim Verlassen des Parkplatzes sehe ich mehrere schwarz gekleidete Menschen etwas Merkwürdiges tun. Einer hält einen Becher in der Hand, der Inhalt reportage

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viele Regeln für das „Auserwählte Volk“, Speisevorschriften und vieles mehr. Wenn man die Regeln nicht beachtet, auch das steht in der Tora, dann wird Gott sauer und lässt einen nicht ins Paradies. Ich traue mir zwar zu, Gott im Zweifelsfall davon zu überzeugen, mich doch reinzulassen, aber um überhaupt mit ihm verhandeln zu können, muss ich von Gott als Jude anerkannt werden. Und das ist das eigentliche Problem. Wer nicht beschnitten ist, ist laut Tora kein echter Jude, auch dann nicht, wenn seine Eltern Juden sind. Bei der Beschneidung geht man einen Bund mit Gott ein, den Bund, den schon Urvater Abraham seinerzeit mit 99 Jahren einging. Ob ich dieses reife Alter je erreiche, wage ich zu bezweifeln, deswegen entschied ich mich seinerzeit auch für eine sofortige Beschneidung in einem israelischen Klinikum und damit für ein weiteres Leben als echter, beschnittener Jude. Ich kündigte mein Vorhaben bei meiner Arbeitsstelle feierlich an, nahm mir die biblischen vier Tage Urlaub und ging zum Urologen. Ich war mir sicher, dass alles ratzfatz gehen würde. Spritzen, schneiden, entlassen werden. Aber der Arzt eröffnete mir, dass im Judenstaat, im Heiligen Land, in dem fast nur Juden und Moslems leben, die Beschneidung nicht von der Krankenkasse bezahlt werde. Ich müsse etwa 5.000 bis 6.000 Schekel, also fast ein Netto-Monatsgehalt, für diesen Eingriff bezahlen. Das lag jenseits meiner finanziellen Möglichkeiten und ich kehrte enttäuscht und unverrichteter Dinge ins Büro zurück. Mein Schicksal nahm die Kollegen sichtlich mit, eine Mitarbeiterin machte mich bald auf eine Anzeige in einer russischen Tageszeitung aufmerksam: „Kostenlose Beschneidung für alle Juden im In- und Ausland, durchgeführt von Profis, im Krankenhaus, mit anschließender kostenfreier Heimfahrt. Voraussetzung: In der sowjetischen Geburtsurkunde muss stehen, dass die Mutter Jüdin ist.“ Die „Voraussetzung“ konnte ich locker erfüllen. Meine Eltern sind beide Juden, „Jude“ wird in meiner Geburtsurkunde unter Nationalität geführt. 118

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Ich schnitt die Anzeige aus und wartete bis zum richtigen Moment für den Anruf. Es durfte nicht am Freitag oder Samstag sein, schließlich handelte es sich offenbar um einen religiösen Verein. Es sollte auch nicht gerade in der Mittagspause sein, denn da bin ich wiederum nicht in der richtigen Stimmung. Abends konnte ich auch nicht anrufen. Und so lag ich eines Tages am Strand, hatte nichts im Kopf als Gott und meinen Bund zu IHM. War es eigentlich normal, sich im Alter von 21 Jahren beschneiden zu lassen? Aus religiösen Gründen? Ich trage nicht mal eine Kippa und halte auch sonst keine einzige Regel der Tora ein. Was ist, wenn es schiefgeht? Brauche ich meinen Schwanz nicht mehr? Ich wischte meine Bedenken beiseite. Was Abraham mit 99 Jahren konnte, kann ich schon lange. Der Moment war gekommen, ich wählte die Nummer und beantwortete die Fragen meines russischen Gesprächspartners. Ja, meine Mutter ist Jüdin. Nein, ich bin zu keiner heidnischen Religion konvertiert. Ja, ich habe nächste Woche Zeit. Eine Woche später, am Bahnhof von Tel Aviv. Meine Mitfahrgelegenheit verspätet sich. Ich zähle die Sekunden, bei 2.300 klingelt mein Handy. Ich steige ins schrottreife Auto von Yakov ein, einem klassischen Religiösen mit schwarzer Kippa, Vollbart und Schläfenlocken. An einer Bushaltestelle sammeln wir einen zweiten Kandidaten auf. Yakov bringt uns zum Krankenhaus in Raanana, wo der behandelnde Mohel, also der Fachmann für Beschneidung, glücklicherweise ein gelernter Arzt ist und seit 25 Jahren durchschnittlich fünf Beschneidungen pro Tag durchführt. Auf dem Weg erzählt Yakov von der Organisation. BrithJosefJitzhak hat schon 25.000 Männern, Kindern und Babys die religiöse Beschneidung finanziert. Alle waren schon vorher Juden und hatten kein Geld. Die Organisation lebt von Spenden. In der Klinik werden wir in ein Wartezimmer für OP-Patienten geführt. Wir müssen uns ausziehen und bekommen jeder ein OP-Hemd, das hinten offen ist. Nur durch einen

Vorhang getrennt warten wir und vier andere Russen auf das vollbärtige Christkind, das uns im Bett Gott entgegenrollen soll. Aber irgendwer ist länger im OP geblieben als geplant, alle müssen warten, keiner darf rauchen, zu essen gibt es nichts. Meine Bettnachbarn erzählen ihre Geschichten. Da ist der 38jährige Daniel, der zwar schon im Kaukasus beschnitten wurde, aber von einem Moslem, und das sei nicht gut gewesen. Er will es sich heute richten lassen. Neben mir liegt der weit über 60-jährige Andrej Abramovitsch, der auch nicht nach der Geburt beschnitten wurde und es jetzt nachholen will. Er denkt sich die Sache mit Abraham ähnlich wie ich. Es leidet ferner mit mir mein Namensvetter aus der Nähe von Tel Aviv, dessen künftige Ehefrau auf der Beschneidung besteht. Endlich werden wir einer nach dem anderen rausgerollt und kehren nach einer halben Stunde etwas benommen wieder zurück. Ich bin als Vorletzter dran. Zuerst komme ich in einen Vorraum des Operationssaales, wo mir der Anästhesist fünf Spritzen in die Peniswurzel haut und dann noch mal zwei mitten ins Glied, weil ich so am Zucken bin. Dann kommt ein Trupp und holt mich ab. Ein guter Mann hält meine Hand, ein zweiter schiebt das Bett, ein dritter betet für alle und ein vierter sieht mir beim Sterben zu. Im OP wartet der Rest der Bande. Gut 15 Männer, alle vorschriftsmäßig in schwarze Mäntel und Schlapphüte gekleidet, begrüßen mich lachend. Sie beten für mich. Die Organisation lebt also doch nicht nur von Spenden. Amerikanische Erlebnistouristen haben einen ganz besonderen religiösen Trip gebucht! Ich liege flach, mein Hemd wird hochgeschoben. Es wird ernst, die Touristen müssen den Raum verlassen. Eine wunderschöne OP-Schwester assistiert. Ich erleide eine leichte Formschwäche und nach 15 Minuten muss mich die Schönheit noch einmal spritzen, weil ich schon wieder diese Zuckungen bekomme. Ich fühle, wie der Mohel mich schneidet, ich höre das Messer schaben, ich spüre ein leichtes Ziehen der Haut. Nach 20 Minuten folgt der Hauptevent für die Touristen, betend

stürmen sie den Raum. Es ist nur noch ein kleines Stück Haut übrig, das der Mohel, dieser heilige Mann, jetzt durchtrennt. Alle beten und stoßen mit koscherem Wein an. Die Touristen verlassen zufrieden den Raum, ich werde genäht. Saubere 37 Stiche, jeden einzelnen von ihnen spüre ich nur zu deutlich. Mancher stellt sich vielleicht vor, bei einer Beschneidung wird einfach nur die Haut abgeschnitten, die Wunde vernäht, damit es nicht blutet, und das war’s dann. So machen es wahrscheinlich weniger erfahrene Völker mit ihren Kindern, aber bei uns sind Profis am Werk. Ein kurzes Stück der Vorhaut wird nicht abgeschnitten, sondern nach hinten umgeklappt und mit der gesunden Haut am Gliedstamm vernäht. So stellt man sicher, dass die Eichel nicht wieder zuwächst und man auch in Zukunft schmerzlos Kinder zeugen kann. Diese Methode hat aber ihre ganz speziellen Tücken. Fest vernäht und verbunden werde ich wieder zu meinen Mitstreitern gefahren. Einige von ihnen gehen so weit, schon wieder auf der Bettkante zu sitzen. Der Veranstalter gibt mir meinen Pass und meine Geburtsurkunde zurück. Er hat Kopien davon gemacht. Hoffentlich verkauft er sie nicht an auswanderungswillige russische Familie aus Kiew. Als Nächstes muss ich einen kurzen Bericht für die Organisation schreiben, wobei ich den edlen Spendern meinen intimsten Dank ausspreche. Endlich gibt es in der Klinik auch was zu essen, und wir Patienten tauschen unsere Eindrücke aus. Jemand erzählt, am Tag der Beschneidung würde ein erwachsener Mann zwei bis drei Liter Wasser ausschwitzen, man solle deshalb viel trinken. Ich erwidere, dass mir operativ schon zwei Kilo abgenommen wurden, das würde mir als Gewichtsverlust völlig reichen. Ich bete noch ein bisschen mit den Religiösen, wir trinken alle zusammen Wein, werden gesegnet und dürfen gehen. Yakov fährt mich nach Hause. Beim Verlassen des Parkplatzes sehe ich mehrere schwarz gekleidete Menschen etwas Merkwürdiges tun. Einer hält einen Becher in der Hand, der Inhalt reportage

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Artwork: Martin Kuhlmann

sieht verdächtig nach Vorhaut aus. Die Herren spießen die sündigen Stückchen auf kleine Stöcke und verbrennen sie betend über einem improvisierten Fegefeuer auf dem Parkplatz. Auf dem Weg zurück spielt Matisyahu* im Autoradio, ich fühle mich high und Gott ein Stück näher. Das passiert mir öfter, aber heute werte ich es als ein besonderes Zeichen des gerade geschlossenen Bundes. Zu Hause werfe ich mich aufs Bett und schlafe durch bis zum nächsten Morgen. Ich werde von stechenden Schmerzen geweckt. Es wird Zeit, den Verband abzunehmen. Für den Verband gibt es die medizinische und die Hausmannslösung. Die medizinische Lösung besteht überwiegend aus Wasserstoff, die des Hausmannes aus dem eigenen Urin. Man hält das Glied eine Minute rein, danach geht der Verband ganz locker weg. Ich hätte es sowieso nicht zur Apotheke geschafft. Man sieht die Nähte und staunt nicht schlecht. Man befasst sich eingehend mit der Sache. Man schafft es die fünf Meter zum Sofa und achtet sorgsam darauf, sich nicht auf das ramponierte Glied zu setzen. Meine Eichel sieht aus wie abgebissen, durchgekaut und wieder angenäht. Geschwollenes dunkles Lila mit braunen Spuren von Jod und Blut. In den nächsten Tagen wache ich jeden Morgen mit einer gewaltigen Erektion auf. Wegen der Reibung, sagt mein Arzt. Ich wurde vorgewarnt und habe mir deshalb ein Tiefkühlhähnchen gekauft. Ich humple nun jeden Morgen als Allererstes zum Kühlschrank und halte mir den Vogel an die Eier. Das Leben geht weiter. Ich gehe zum ersten Mal auf die Straße. Meine Eichel hat sich eingelebt, aber der kleine Rest der Vorhaut lässt meinen Schritt stocken. Was früher innen war, ist jetzt außen und reibt und drückt und nervt gewaltig. Aber nach drei Wochen ist alles besser als zuvor prognostiziert. Ich gehe wieder arbeiten und fühle mich stärker denn je. Ich fühle mich sogar fit für ein bisschen Sport. Wie war noch mal die Telefonnummer der OP-Schwester? Mit meinem Schwanz hat sie schließlich schon Bekanntschaft gemacht. 120

reportage

*Matisyahu (*30. Juni 1979 in West Chester, Pennsylvania; eigentlich Matthew Miller) ist ein Reggae-Hip-Hop-Künstler.

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Artwork: Martin Kuhlmann

sieht verdächtig nach Vorhaut aus. Die Herren spießen die sündigen Stückchen auf kleine Stöcke und verbrennen sie betend über einem improvisierten Fegefeuer auf dem Parkplatz. Auf dem Weg zurück spielt Matisyahu* im Autoradio, ich fühle mich high und Gott ein Stück näher. Das passiert mir öfter, aber heute werte ich es als ein besonderes Zeichen des gerade geschlossenen Bundes. Zu Hause werfe ich mich aufs Bett und schlafe durch bis zum nächsten Morgen. Ich werde von stechenden Schmerzen geweckt. Es wird Zeit, den Verband abzunehmen. Für den Verband gibt es die medizinische und die Hausmannslösung. Die medizinische Lösung besteht überwiegend aus Wasserstoff, die des Hausmannes aus dem eigenen Urin. Man hält das Glied eine Minute rein, danach geht der Verband ganz locker weg. Ich hätte es sowieso nicht zur Apotheke geschafft. Man sieht die Nähte und staunt nicht schlecht. Man befasst sich eingehend mit der Sache. Man schafft es die fünf Meter zum Sofa und achtet sorgsam darauf, sich nicht auf das ramponierte Glied zu setzen. Meine Eichel sieht aus wie abgebissen, durchgekaut und wieder angenäht. Geschwollenes dunkles Lila mit braunen Spuren von Jod und Blut. In den nächsten Tagen wache ich jeden Morgen mit einer gewaltigen Erektion auf. Wegen der Reibung, sagt mein Arzt. Ich wurde vorgewarnt und habe mir deshalb ein Tiefkühlhähnchen gekauft. Ich humple nun jeden Morgen als Allererstes zum Kühlschrank und halte mir den Vogel an die Eier. Das Leben geht weiter. Ich gehe zum ersten Mal auf die Straße. Meine Eichel hat sich eingelebt, aber der kleine Rest der Vorhaut lässt meinen Schritt stocken. Was früher innen war, ist jetzt außen und reibt und drückt und nervt gewaltig. Aber nach drei Wochen ist alles besser als zuvor prognostiziert. Ich gehe wieder arbeiten und fühle mich stärker denn je. Ich fühle mich sogar fit für ein bisschen Sport. Wie war noch mal die Telefonnummer der OP-Schwester? Mit meinem Schwanz hat sie schließlich schon Bekanntschaft gemacht. 120

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*Matisyahu (*30. Juni 1979 in West Chester, Pennsylvania; eigentlich Matthew Miller) ist ein Reggae-Hip-Hop-Künstler.

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Echte Werte sind zukunftssichere Kapitalanlagen. Börsenprofis prognostizieren: Der Silberpreis könnte zum Ende des Jahres deutlich anziehen! Unsere Modeprofis haben auf den Trend unverzüglich reagiert und prognostizieren: Für den Herbst sind die Aussichten glänzend, und bei einem Silberpreis von knapp zehn Dollar pro Unze investieren wir gerne in Metall und andere High-Performance-Produkte. Von Daniel Schröder (Fotos) und Isabelle Thiry (Styling)

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MODE

Blouson von Hugo Boss Orange und Pullover von French Connection

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Echte Werte sind zukunftssichere Kapitalanlagen. Börsenprofis prognostizieren: Der Silberpreis könnte zum Ende des Jahres deutlich anziehen! Unsere Modeprofis haben auf den Trend unverzüglich reagiert und prognostizieren: Für den Herbst sind die Aussichten glänzend, und bei einem Silberpreis von knapp zehn Dollar pro Unze investieren wir gerne in Metall und andere High-Performance-Produkte. Von Daniel Schröder (Fotos) und Isabelle Thiry (Styling)

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Blouson von Hugo Boss Orange und Pullover von French Connection

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Nylonparka, Hemd sowie Hose von Hope und Schuhe von Acne Jeans

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Jacke von Acne Jeans, Pullover von S.N.S. und Hemd von Tillmann Lauterbach

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Nylonparka, Hemd sowie Hose von Hope und Schuhe von Acne Jeans

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Jacke von Acne Jeans, Pullover von S.N.S. und Hemd von Tillmann Lauterbach

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Jacke von Belstaff

Mantel von Burberry Prorsum

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Jacke von Belstaff

Mantel von Burberry Prorsum

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Jackett von Patrizia Pepe, Pullover von H&M und Hose von Henrik Vibskov

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Jackett von Patrizia Pepe, Pullover von H&M und Hose von Henrik Vibskov

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Anzug von Joop! und Pullover von Hope

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Anzug von Joop! und Pullover von Hope

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links: Käppi von Acne Jeans und Mantel von Filippa K – rechts: Jacke von Postweiler Hauber und T-Shirt von Io

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links: Käppi von Acne Jeans und Mantel von Filippa K – rechts: Jacke von Postweiler Hauber und T-Shirt von Io

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links: Anorak von Louis Vuitton â&#x20AC;&#x201C; rechts: Jacke von Calvin Klein, Kleid von Whyred und Hose von Wonhundred

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links: Anorak von Louis Vuitton â&#x20AC;&#x201C; rechts: Jacke von Calvin Klein, Kleid von Whyred und Hose von Wonhundred

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Fotografie: Daniel Schrรถder (www.nergermao.de) Styling: Isabelle Thiry (www.thiry.info) Fotoassistenz: Dominic Rose, Oliver Tank Model: Taylor Fuchs (www.successmodels.com) Artdirektion: Mieke Haase (www.miekehaase.de) Bildbearbeitung: Janina Melles (www.appel-grafik.de)

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Mantel und Pullunder von Prada

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Fotografie: Daniel Schrรถder (www.nergermao.de) Styling: Isabelle Thiry (www.thiry.info) Fotoassistenz: Dominic Rose, Oliver Tank Model: Taylor Fuchs (www.successmodels.com) Artdirektion: Mieke Haase (www.miekehaase.de) Bildbearbeitung: Janina Melles (www.appel-grafik.de)

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Mantel und Pullunder von Prada

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Viele Albaner ziehen in die Hauptstadt, weil sie sich dort eine bessere Zukunft erhoffen. Ein Bauboom hat eingesetzt, an diesem Bauzaun weist ein Schild auf das angeblich schönste Hotel von Tirana hin.

40 Jahre lang war kaum ein Fremder in Albanien. Nach dem Sturz des Realsozialismus 1990 war der neuseeländische Journalist Lloyd Jones einer der Ersten, die das unbekannte Land bereisten. Seine Reportage „Der Mann, der Enver Hodscha war“ bestimmte maßgeblich das Albanien-Bild in der westlichen Öffentlichkeit. Wer nach Jones in Albanien war, sah sich stets mit den Bildern und Berichten des hervorragenden Reiseschriftstellers Jones konfrontiert. So auch unser Autor. Bis ihm leise Zweifel kamen. An der Aufrichtigkeit, an der Wahrheitstreue des von ihm so hochgeschätzten Kollegen. Von Heinrich Voelkel (Fotos) und Christian Litz (Text)

Der Anruf, ein Rückruf, er kommt am Dienstagnachmittag. Nach langem, fast hoffnungslosem Warten geht es plötzlich ganz schnell. Nur ein paar Sätze, eigentlich nur einer, und nach dreizehn Jahren wird plötzlich alles geklärt. Die Pressesprecherin des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland in Berlin sagt: „Es gibt und gab im diplomatischen Dienst niemanden, der Gert Munz hieß.“ „Sicher?“ „Ganz sicher.“ „Wow!“ „Ja, das ist faszinierend“, sagt sie. Ein freundliches „Auf Wiederhören“, aus dem deutlich ihr Mitleid herauszuhören ist, und alles ist vorbei.

2003: In der Nacht vom 19. auf den 20. März endet das Ultimatum, das US-Präsident Georg Bush jr. Saddam Hussein gestellt hat. Zwei Stunden später treffen amerikanische Marschflugkörper Bagdad. Explosionen. Am nächsten Tag heißt es in vielen Medien, Saddam Hussein sei tot. Vielleicht tot, wahrscheinlich tot. Doch am nächsten Tag läuft überall ein etwas runzliges Video, es zeigt Saddam, der eine Rede mit zahlreichen Hinweisen auf die Bombardierung hält. Hinweise, die so nicht vorab besprochen worden sein können. Da kommt vielen die Idee: Könnte ein Doppelgänger sein. Saddams Ohren seien viel größer, ist in der Folge zu lesen und zu hören. Das sei offensichtlich. Doppelgänger. Oh nein, nicht schon wieder ein

Angefangen hat es 1994. Meine Sucht, meine Suche, hervorgerufen durch ein Buch. Eine Suche, die nicht chronologisch und konsequent verläuft. Sondern in Wellen, aufbrausend und wieder abflachend. 138

REPORTAGE

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Viele Albaner ziehen in die Hauptstadt, weil sie sich dort eine bessere Zukunft erhoffen. Ein Bauboom hat eingesetzt, an diesem Bauzaun weist ein Schild auf das angeblich schönste Hotel von Tirana hin.

40 Jahre lang war kaum ein Fremder in Albanien. Nach dem Sturz des Realsozialismus 1990 war der neuseeländische Journalist Lloyd Jones einer der Ersten, die das unbekannte Land bereisten. Seine Reportage „Der Mann, der Enver Hodscha war“ bestimmte maßgeblich das Albanien-Bild in der westlichen Öffentlichkeit. Wer nach Jones in Albanien war, sah sich stets mit den Bildern und Berichten des hervorragenden Reiseschriftstellers Jones konfrontiert. So auch unser Autor. Bis ihm leise Zweifel kamen. An der Aufrichtigkeit, an der Wahrheitstreue des von ihm so hochgeschätzten Kollegen. Von Heinrich Voelkel (Fotos) und Christian Litz (Text)

Der Anruf, ein Rückruf, er kommt am Dienstagnachmittag. Nach langem, fast hoffnungslosem Warten geht es plötzlich ganz schnell. Nur ein paar Sätze, eigentlich nur einer, und nach dreizehn Jahren wird plötzlich alles geklärt. Die Pressesprecherin des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland in Berlin sagt: „Es gibt und gab im diplomatischen Dienst niemanden, der Gert Munz hieß.“ „Sicher?“ „Ganz sicher.“ „Wow!“ „Ja, das ist faszinierend“, sagt sie. Ein freundliches „Auf Wiederhören“, aus dem deutlich ihr Mitleid herauszuhören ist, und alles ist vorbei.

2003: In der Nacht vom 19. auf den 20. März endet das Ultimatum, das US-Präsident Georg Bush jr. Saddam Hussein gestellt hat. Zwei Stunden später treffen amerikanische Marschflugkörper Bagdad. Explosionen. Am nächsten Tag heißt es in vielen Medien, Saddam Hussein sei tot. Vielleicht tot, wahrscheinlich tot. Doch am nächsten Tag läuft überall ein etwas runzliges Video, es zeigt Saddam, der eine Rede mit zahlreichen Hinweisen auf die Bombardierung hält. Hinweise, die so nicht vorab besprochen worden sein können. Da kommt vielen die Idee: Könnte ein Doppelgänger sein. Saddams Ohren seien viel größer, ist in der Folge zu lesen und zu hören. Das sei offensichtlich. Doppelgänger. Oh nein, nicht schon wieder ein

Angefangen hat es 1994. Meine Sucht, meine Suche, hervorgerufen durch ein Buch. Eine Suche, die nicht chronologisch und konsequent verläuft. Sondern in Wellen, aufbrausend und wieder abflachend. 138

REPORTAGE

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Das Denkmal des unbekannten Partisanen im Zentrum Tiranas, das an den Kampf gegen deutsche und italienische Besatzungstruppen im 2. Weltkrieg erinnern soll, hat keinen Namen. Im Schatten des Denkmals warten jeden Tag Tagelöhner auf jemanden, der ihre Arbeitskraft braucht.

Doppelgänger. Es geht wieder los, ab in die Hamburger Staatsbibliothek. Wühlen in den Fernleihekatalogen. Nach Jahren wieder mit den Suchwörtern Doppelgänger, Enver Hodscha, Stalin, Ceauşescu, Diktatoren, Double, dazu diesmal noch Saddam Hussein. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Bücher mit Titeln wie „Doppelgängerfantasie“ oder „Doppelgänger. Von endlosen Spielarten eines Phänomens“. Aber es gibt immer noch keinen einzigen belegten Doppelgänger. Immer nur Theorien, Ideen, Phantasien, Andeutungen. Es scheint ein tief sitzender Wunsch zu sein: Neben dem Echten muss es einen Falschen geben. Viele angelsächsische Werke wie „The Doppel­ gänger. Double visions in German literature“ deuten darauf hin, dass es vor allem einen deutschen Hang zu Doppelgängertheorien gibt. Ingesamt gibt es nicht viel Neues, seit ich mich das letzte Mal auf die Suche gemacht habe. Zutreffende Literatur ist immer noch schwer zu finden, weil die Wortkombinationen mit „Doppelgänger“ kaum in Buchtiteln oder Stichworten auftauchen. Die Erfahrung lehrt: Am meisten findet man, wenn man möglichst viele Diktatorenbiografien liest. 140

REPORTAGE

Am besten Ostblockdiktatoren. Warten, bis die Bücher per Fernleihe kommen, aus Zürich, New York, München, Heidelberg, Berlin, Amsterdam. Mit dem Reportageband „Biografi“ von Lloyd Jones, der 1993 in England und ein Jahr später in Deutschland als „Der Mann, der Enver Hodscha war“ im Hanser-Verlag erscheint, fing alles an. Es ist ein großes Buch. Gut geschrieben, spannend, wahrhaftig. Eine gigantische Reportage über Albanien nach dem Tod Enver Hodschas und vor allem eine Beschreibung der Suche nach dessen Doppelgänger. Diese Suche ist ein Trick, das Land zu beschreiben, Menschen zu interviewen. Lloyd findet ihn, Petar Shapallo, den „Mann, der Enver Hodscha war“, mithilfe des deutschen Botschafters Gert Munz. Dieser hat Shapallo unter den Flüchtlingen, die sich 1991 in die deutsche Botschaft retten, als das Land zusammenbricht, entdeckt. Munz spricht lange mit ihm. Dann geht Shapallo verloren, er entstellt sein Gesicht mit einem Rasiermesser. Damit ihn die Landsleute in Ruhe lassen, ihn nicht mehr als Schatten des Diktators sehen, hassen und malträtieren. Lloyd Jones sucht lange nach Hodschas Doppelgänger, beschreibt dabei Albanien, den seelischen Zustand der Menschen. Er findet Shapallo im Süden des Landes, erfährt von ihm seine ganze Geschichte. 1986, als Hodscha stirbt und er als Doppelgänger überflüssig wird, braucht ihn der Staat nicht mehr. Seine Familie ist tot, er hat nichts und niemanden. Er muss um sein Leben fürchten, hungern, sich verstecken. Er überlebt, weil er seine Geschichte erzählen will. Wie er seinen Beruf als Zahnarzt aufgeben musste und chirurgisch zum Double Hodschas präpariert wird. Er flieht vor seinem Spiegelbild und taucht 1991 in der deutschen Botschaft auf, nachdem das Regime von Hodschas Nachfolger zusammen gebrochen ist. REPORTAGE

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Das Denkmal des unbekannten Partisanen im Zentrum Tiranas, das an den Kampf gegen deutsche und italienische Besatzungstruppen im 2. Weltkrieg erinnern soll, hat keinen Namen. Im Schatten des Denkmals warten jeden Tag Tagelöhner auf jemanden, der ihre Arbeitskraft braucht.

Doppelgänger. Es geht wieder los, ab in die Hamburger Staatsbibliothek. Wühlen in den Fernleihekatalogen. Nach Jahren wieder mit den Suchwörtern Doppelgänger, Enver Hodscha, Stalin, Ceauşescu, Diktatoren, Double, dazu diesmal noch Saddam Hussein. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Bücher mit Titeln wie „Doppelgängerfantasie“ oder „Doppelgänger. Von endlosen Spielarten eines Phänomens“. Aber es gibt immer noch keinen einzigen belegten Doppelgänger. Immer nur Theorien, Ideen, Phantasien, Andeutungen. Es scheint ein tief sitzender Wunsch zu sein: Neben dem Echten muss es einen Falschen geben. Viele angelsächsische Werke wie „The Doppel­ gänger. Double visions in German literature“ deuten darauf hin, dass es vor allem einen deutschen Hang zu Doppelgängertheorien gibt. Ingesamt gibt es nicht viel Neues, seit ich mich das letzte Mal auf die Suche gemacht habe. Zutreffende Literatur ist immer noch schwer zu finden, weil die Wortkombinationen mit „Doppelgänger“ kaum in Buchtiteln oder Stichworten auftauchen. Die Erfahrung lehrt: Am meisten findet man, wenn man möglichst viele Diktatorenbiografien liest. 140

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Am besten Ostblockdiktatoren. Warten, bis die Bücher per Fernleihe kommen, aus Zürich, New York, München, Heidelberg, Berlin, Amsterdam. Mit dem Reportageband „Biografi“ von Lloyd Jones, der 1993 in England und ein Jahr später in Deutschland als „Der Mann, der Enver Hodscha war“ im Hanser-Verlag erscheint, fing alles an. Es ist ein großes Buch. Gut geschrieben, spannend, wahrhaftig. Eine gigantische Reportage über Albanien nach dem Tod Enver Hodschas und vor allem eine Beschreibung der Suche nach dessen Doppelgänger. Diese Suche ist ein Trick, das Land zu beschreiben, Menschen zu interviewen. Lloyd findet ihn, Petar Shapallo, den „Mann, der Enver Hodscha war“, mithilfe des deutschen Botschafters Gert Munz. Dieser hat Shapallo unter den Flüchtlingen, die sich 1991 in die deutsche Botschaft retten, als das Land zusammenbricht, entdeckt. Munz spricht lange mit ihm. Dann geht Shapallo verloren, er entstellt sein Gesicht mit einem Rasiermesser. Damit ihn die Landsleute in Ruhe lassen, ihn nicht mehr als Schatten des Diktators sehen, hassen und malträtieren. Lloyd Jones sucht lange nach Hodschas Doppelgänger, beschreibt dabei Albanien, den seelischen Zustand der Menschen. Er findet Shapallo im Süden des Landes, erfährt von ihm seine ganze Geschichte. 1986, als Hodscha stirbt und er als Doppelgänger überflüssig wird, braucht ihn der Staat nicht mehr. Seine Familie ist tot, er hat nichts und niemanden. Er muss um sein Leben fürchten, hungern, sich verstecken. Er überlebt, weil er seine Geschichte erzählen will. Wie er seinen Beruf als Zahnarzt aufgeben musste und chirurgisch zum Double Hodschas präpariert wird. Er flieht vor seinem Spiegelbild und taucht 1991 in der deutschen Botschaft auf, nachdem das Regime von Hodschas Nachfolger zusammen gebrochen ist. REPORTAGE

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Abendstimmung auf der Rückseite der „Pyramide“, ein Kinderkarussell bringt etwas Licht in die leicht düstere Stimmung.

Sommer 1998. Wir fahren an den Rand Tiranas, der hässlichen, heruntergewirtschafteten Hauptstadt Albaniens mit wenig Grün, zu viel Stein, Beton und Smog, ein paar grauen Denkmälern. Und so vielen missmutigen Gesichtern. „Bullshit“, sagt die hübsche, großnasige, dunkelhaarige Nevila, mit der wir unterwegs sind. „Bullshit.“ Kontrolle. Die mit schwarzen Skimasken und Kalaschnikows bewehrten Polizisten durchsuchen an der Straßensperre die Insassen unseres rostigen Mercedes. Besser gesagt, sie durchsuchen den Fahrer des Autos und den Fotografen, die sich an das Dach lehnen und die Beine spreizen müssen. Mich nicht, weil ich einen Anzug anhabe. Nevila hatte am Vortag gesagt: „Wenn möglich, zieht Anzüge an oder wenigstens Jacketts, Krawatten.“ Sie ist ein echter Profi. Kleidung ist eine Botschaft. Die Polizisten durchsuchen natürlich auch nicht unsere Begleiterin Nevila. Albanien ist ein muslimisches Land, da würde kein Polizist eine Frau durchsuchen.

In der „Pyramide“ wurde 1988 ein Museum zur Erinnerung an Enver Hodscha, der Albanien mehr als 40 Jahre lang regierte, eröffnet. Seit 1991, nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur, beherbergt das Gebäude eine Disko, ein Messezentrum und einen privaten Fernsehsender.

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REPORTAGE

„Bullshit, absoluter Bullshit“, sagt Nevila wieder. Diese Emotionalität ist für einen Profi wie sie etwas Besonderes. Bei Kontrollen verhält man sich eher ruhig. Sie sagt, während die Polizisten die Papiere durchsehen, „Hodscha hatte keinen Doppelgänger, das ist Fantasie.“ Aber Nevila, entgegne ich, in diesem Buch wird der deutsche Botschafter zitiert, er spricht über Petar Shapallo, seitenlang. „Bullshit“, ruft Nevila zu laut und wild. Einer der Polizisten dreht sich zu ihr hin, die Kalaschnikow vor seinem Körper schwingt sich auch in unsere Richtung. Sie spricht perfekt Englisch, hat, als die Journalisten aus aller Welt nach Albanien kamen, um aus dem köchelnden Bürgerkrieg zu berichten, lange für CNN gearbeitet, für englische Zeitungen, für die International Herald Tribune. Für alle, die eine Dolmetscherin und Stringerin brauchten, jemanden, der sich auskannte, der jeden kannte, der genau wusste, wer wo und wie zu finden war. Damals, als jeder Albaner, nachdem die staatlichen Waffenlager geplündert worden waren, zwei oder drei Kalaschnikows besaß. Als plötzlich an jeder Ecke die Blutrache wieder tobte, die Enver Hodschas Regime unterdrückt hatte. Als Mord und Totschlag in Mode waren. Als Bedrohung beim bloßen Atmen zu spüren war.

Nevila sieht nett und lieb aus, spricht formvollendet, damenhaft, aber sie ruft „Bullshit“ bei zwei Themen: Hodschas Doppelgänger und bei den Gesprächen über Barry Levinsons Film „Wag the Dog“. Die Politsatire von 1997 handelt von einem Hollywood-Spin-Doctor, der dem von medial verbreiteten Sexaffären geplagten US-Präsidenten (es war die LewinskyZeit) vor der Wahl hilft, indem er einen kleinen Krieg gegen irgendein kleines Land startet. Nehmen wir eines, das keiner kennt, nehmen wir doch Albanien, dachten sich die Autoren. Wenn Nevila über „Wag the Dog“ spricht, kann sie lachen, das sei schon lustig. Albanien war 30 Jahre lang völlig abgekapselt vom Rest der Welt, der einzige Verbündete Nordkoreas beispielsweise. Enver Hodscha, der Diktator, sah Mao als Abweichler vom Weg zum wahren Kommunismus. Stalin war in Ordnung, alle, die nach ihm kamen, hielt er für Revisionisten.

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Abendstimmung auf der Rückseite der „Pyramide“, ein Kinderkarussell bringt etwas Licht in die leicht düstere Stimmung.

Sommer 1998. Wir fahren an den Rand Tiranas, der hässlichen, heruntergewirtschafteten Hauptstadt Albaniens mit wenig Grün, zu viel Stein, Beton und Smog, ein paar grauen Denkmälern. Und so vielen missmutigen Gesichtern. „Bullshit“, sagt die hübsche, großnasige, dunkelhaarige Nevila, mit der wir unterwegs sind. „Bullshit.“ Kontrolle. Die mit schwarzen Skimasken und Kalaschnikows bewehrten Polizisten durchsuchen an der Straßensperre die Insassen unseres rostigen Mercedes. Besser gesagt, sie durchsuchen den Fahrer des Autos und den Fotografen, die sich an das Dach lehnen und die Beine spreizen müssen. Mich nicht, weil ich einen Anzug anhabe. Nevila hatte am Vortag gesagt: „Wenn möglich, zieht Anzüge an oder wenigstens Jacketts, Krawatten.“ Sie ist ein echter Profi. Kleidung ist eine Botschaft. Die Polizisten durchsuchen natürlich auch nicht unsere Begleiterin Nevila. Albanien ist ein muslimisches Land, da würde kein Polizist eine Frau durchsuchen.

In der „Pyramide“ wurde 1988 ein Museum zur Erinnerung an Enver Hodscha, der Albanien mehr als 40 Jahre lang regierte, eröffnet. Seit 1991, nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur, beherbergt das Gebäude eine Disko, ein Messezentrum und einen privaten Fernsehsender.

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„Bullshit, absoluter Bullshit“, sagt Nevila wieder. Diese Emotionalität ist für einen Profi wie sie etwas Besonderes. Bei Kontrollen verhält man sich eher ruhig. Sie sagt, während die Polizisten die Papiere durchsehen, „Hodscha hatte keinen Doppelgänger, das ist Fantasie.“ Aber Nevila, entgegne ich, in diesem Buch wird der deutsche Botschafter zitiert, er spricht über Petar Shapallo, seitenlang. „Bullshit“, ruft Nevila zu laut und wild. Einer der Polizisten dreht sich zu ihr hin, die Kalaschnikow vor seinem Körper schwingt sich auch in unsere Richtung. Sie spricht perfekt Englisch, hat, als die Journalisten aus aller Welt nach Albanien kamen, um aus dem köchelnden Bürgerkrieg zu berichten, lange für CNN gearbeitet, für englische Zeitungen, für die International Herald Tribune. Für alle, die eine Dolmetscherin und Stringerin brauchten, jemanden, der sich auskannte, der jeden kannte, der genau wusste, wer wo und wie zu finden war. Damals, als jeder Albaner, nachdem die staatlichen Waffenlager geplündert worden waren, zwei oder drei Kalaschnikows besaß. Als plötzlich an jeder Ecke die Blutrache wieder tobte, die Enver Hodschas Regime unterdrückt hatte. Als Mord und Totschlag in Mode waren. Als Bedrohung beim bloßen Atmen zu spüren war.

Nevila sieht nett und lieb aus, spricht formvollendet, damenhaft, aber sie ruft „Bullshit“ bei zwei Themen: Hodschas Doppelgänger und bei den Gesprächen über Barry Levinsons Film „Wag the Dog“. Die Politsatire von 1997 handelt von einem Hollywood-Spin-Doctor, der dem von medial verbreiteten Sexaffären geplagten US-Präsidenten (es war die LewinskyZeit) vor der Wahl hilft, indem er einen kleinen Krieg gegen irgendein kleines Land startet. Nehmen wir eines, das keiner kennt, nehmen wir doch Albanien, dachten sich die Autoren. Wenn Nevila über „Wag the Dog“ spricht, kann sie lachen, das sei schon lustig. Albanien war 30 Jahre lang völlig abgekapselt vom Rest der Welt, der einzige Verbündete Nordkoreas beispielsweise. Enver Hodscha, der Diktator, sah Mao als Abweichler vom Weg zum wahren Kommunismus. Stalin war in Ordnung, alle, die nach ihm kamen, hielt er für Revisionisten.

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Auf dem zentralen Skanderbekplatz in Tirana kann man kleine Elektrofahrzeuge für Kinder mieten. Vor 1991 stand hier die größte Enver-Hodscha-Statue Albaniens. Im Hintergrund das albanische Museum für Nationalgeschichte.

Am Ende gab es nur ein wirklich kommunistisches Land auf Erden: Albanien. Es ärgert Nevila ein bisschen, dass es Albanien erwischt hat in „Wag the Dog“, aber o.k., da dürfe man sich nicht wundern. Aber dieses Doppelgängerbuch von Lloyd Jones sei „Bullshit“. Ihr Vater war ein höheres Tier bei der Luftwaffe, General, Kommandant. Die Familie war Nomenklatura. Nevila wuchs in den Siedlungen auf, in denen nur Hochkaräter mit ihren Familien lebten. Sie sagt, es gab keinen Doppelgänger, es gebe nur zu viele Geschichten von früher im neuen Albanien. Nachforschungen, Nevilas Zweifeln eine Chance geben. Wieder mal in Büchereien und wieder nichts. Nur Vermutungen, Andeutungen von Pseudowissenden. Kein Beleg, aber zwei verständliche Gründe für die Theorie des Diktatoren­ doppelgängers. Erstens: Wenn ein Attentat droht, soll es nicht den Echten treffen, sondern den Falschen. Klingt logisch. Aber: Es gab beispielsweise im Ostblock nie ein Attentat auf einen Herrscher. Es gab nur die Angst davor. Aber nicht einen einzigen Doppelgänger, der bekannt ist. Der zweite Grund 144

REPORTAGE

im Ostblock und auf dem Balkan waren meist eher sparsam dosiert und deshalb immer was Besonderes, Beeindruckendes, lieferten Szenen, an denen man heruminterpretieren konnte. Etwa so: Stalin hat Molotow nicht angeschaut, das hat was zu bedeuten? Tito hat keine Hand geschüttelt, vermutlich zittert er zu stark. Weniger war da mehr. Allgegenwart könnte man dagegen heute, in Zeiten der elektronischen Medien, leichter haben. Lloyds Jones’ „Der Mann, der Enver Hodscha war“ wird, als es 1994 in Deutschland erscheint, in den Kritiken gelobt. „Von derart starker Reiseprosa ist das deutsche Publikum nicht gerade verwöhnt“, schreibt die TAZ. Die Geschichte sei so gut, steht in der FAZ, man müsse sich bei der Lektüre ein paar Mal versichern, dass auf dem Buchumschlag nicht Roman stünde. Sondern „Nein, es ist ein wahrhaftiger Reisebericht. Jeder, der schon einmal hier gewesen ist, kann es bestätigen.“ Ähnlich der Tagesspiegel, dessen Rezensent nach der Lektüre der „grausamen, unglaublichen Begebenheiten“ nachdenklich wird und zu dem Schluss kommt: „Aber die mühevollen Recherchen von Jones sind wahr.“ Lloyd Jones’ Reportage, das spürt man, die stimmt, solche Details kann sich niemand ausdenken.

für Doppelgänger, der in der Literatur auftaucht: Man kann mit ihrer Hilfe den Anschein von Allgegenwart erwecken. Kann? Könne. Dieser literarische Kniff baut auf Erich Kästners „Schule der Diktatoren auf“, wo er massenhaft Diktatorendoubles auftreten lässt, damit diese überall und ständig sichtbar sind. Allgegenwart bedeutet: Der Diktator kann innerhalb von ein paar Stunden überall auftauchen, theoretisch gleichzeitig überall sein, göttlich und mächtig wirken. So wie ein amerikanischer Präsident, wenn er auf Europareise ist und hier ein paar Stunden, dort ein paar Stunden und dann einige Gesprächspartner weiter wieder auftaucht. Berlin, Warschau, Riga und ... (nächste Station optional einfügen). Dabei bleibt er immer topfit und frisch. Bei den Ostblockdiktatoren war das anders. Man kann suchen, so lange man will, es gab keinen Diktator, der ständig überall war. Die Auftritte der Diktatoren

Die Straße, die am Wall des städtischen Stausees vorbeiführt, ist voller Löcher, bei jedem Regen verwandelt sie sich in eine gefährliche Hindernisstrecke. Der Stausee, der hinter dem Wall liegt, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und verliebte Jugendliche.

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Auf dem zentralen Skanderbekplatz in Tirana kann man kleine Elektrofahrzeuge für Kinder mieten. Vor 1991 stand hier die größte Enver-Hodscha-Statue Albaniens. Im Hintergrund das albanische Museum für Nationalgeschichte.

Am Ende gab es nur ein wirklich kommunistisches Land auf Erden: Albanien. Es ärgert Nevila ein bisschen, dass es Albanien erwischt hat in „Wag the Dog“, aber o.k., da dürfe man sich nicht wundern. Aber dieses Doppelgängerbuch von Lloyd Jones sei „Bullshit“. Ihr Vater war ein höheres Tier bei der Luftwaffe, General, Kommandant. Die Familie war Nomenklatura. Nevila wuchs in den Siedlungen auf, in denen nur Hochkaräter mit ihren Familien lebten. Sie sagt, es gab keinen Doppelgänger, es gebe nur zu viele Geschichten von früher im neuen Albanien. Nachforschungen, Nevilas Zweifeln eine Chance geben. Wieder mal in Büchereien und wieder nichts. Nur Vermutungen, Andeutungen von Pseudowissenden. Kein Beleg, aber zwei verständliche Gründe für die Theorie des Diktatoren­ doppelgängers. Erstens: Wenn ein Attentat droht, soll es nicht den Echten treffen, sondern den Falschen. Klingt logisch. Aber: Es gab beispielsweise im Ostblock nie ein Attentat auf einen Herrscher. Es gab nur die Angst davor. Aber nicht einen einzigen Doppelgänger, der bekannt ist. Der zweite Grund 144

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im Ostblock und auf dem Balkan waren meist eher sparsam dosiert und deshalb immer was Besonderes, Beeindruckendes, lieferten Szenen, an denen man heruminterpretieren konnte. Etwa so: Stalin hat Molotow nicht angeschaut, das hat was zu bedeuten? Tito hat keine Hand geschüttelt, vermutlich zittert er zu stark. Weniger war da mehr. Allgegenwart könnte man dagegen heute, in Zeiten der elektronischen Medien, leichter haben. Lloyds Jones’ „Der Mann, der Enver Hodscha war“ wird, als es 1994 in Deutschland erscheint, in den Kritiken gelobt. „Von derart starker Reiseprosa ist das deutsche Publikum nicht gerade verwöhnt“, schreibt die TAZ. Die Geschichte sei so gut, steht in der FAZ, man müsse sich bei der Lektüre ein paar Mal versichern, dass auf dem Buchumschlag nicht Roman stünde. Sondern „Nein, es ist ein wahrhaftiger Reisebericht. Jeder, der schon einmal hier gewesen ist, kann es bestätigen.“ Ähnlich der Tagesspiegel, dessen Rezensent nach der Lektüre der „grausamen, unglaublichen Begebenheiten“ nachdenklich wird und zu dem Schluss kommt: „Aber die mühevollen Recherchen von Jones sind wahr.“ Lloyd Jones’ Reportage, das spürt man, die stimmt, solche Details kann sich niemand ausdenken.

für Doppelgänger, der in der Literatur auftaucht: Man kann mit ihrer Hilfe den Anschein von Allgegenwart erwecken. Kann? Könne. Dieser literarische Kniff baut auf Erich Kästners „Schule der Diktatoren auf“, wo er massenhaft Diktatorendoubles auftreten lässt, damit diese überall und ständig sichtbar sind. Allgegenwart bedeutet: Der Diktator kann innerhalb von ein paar Stunden überall auftauchen, theoretisch gleichzeitig überall sein, göttlich und mächtig wirken. So wie ein amerikanischer Präsident, wenn er auf Europareise ist und hier ein paar Stunden, dort ein paar Stunden und dann einige Gesprächspartner weiter wieder auftaucht. Berlin, Warschau, Riga und ... (nächste Station optional einfügen). Dabei bleibt er immer topfit und frisch. Bei den Ostblockdiktatoren war das anders. Man kann suchen, so lange man will, es gab keinen Diktator, der ständig überall war. Die Auftritte der Diktatoren

Die Straße, die am Wall des städtischen Stausees vorbeiführt, ist voller Löcher, bei jedem Regen verwandelt sie sich in eine gefährliche Hindernisstrecke. Der Stausee, der hinter dem Wall liegt, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und verliebte Jugendliche.

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2004: Der Irakkrieg ist, von amerikanischer Seite zumindest offiziell verlautbart, zu Ende. Es erscheint in verschiedenen Zeitungen die Geschichte von Al Bashir. Der war Saddams Arzt, ein Chirurg und Bildhauer. Was für eine Kombination, zumal er auch Schönheitsoperationen machte. Er muss damit leben, dass noch heute in den irakischen Zeitungen steht, er habe Saddam-Doppelgänger geschaffen. Was er abstreitet. „Bashir lachte bitter und sagte, dass eine weitere Geschichte kursiere, in der es heißt, er sei mit Saddam geflohen, habe ihn operiert und sei dann von Saddam getötet worden, damit seine Identität geheim bleibe.“ So erzählt der Reporter des New Yorker Jon Lee Anderson in seinem Buch „The Fall of Bagdad“. Noch so ein Mythos, die neue Identität. Es sei im Fall Saddam Husseins nichts dran. Da ist er wieder, ein neuer Rückfall in die Sucht nach der Frage von Enver Hodschas Doppelgänger. Doppelgänger bieten eine gute Geschichte für uns Geschichtenkonsumenten, weil sie die Fantasie anregen. Enver Hodscha, Albaniens Diktator, ist immer für eine dieser Geschichten gut. Er war seltsamer als die anderen. Der Mann hat für jeden Albaner einen Platz in einem Bunker geschaffen und dafür das Land mit diesen pilzartigen Betonhalbkugeln überzogen. Wo man steht in Albanien, man sieht mindestens einen Bunker. Auch Hodschas Drang, sich mit allen anzulegen, war bizarr. Mao und den chinesischen Kommunismus verdammte er als Revisionismus, den sowjetischen sowieso, Titos jugoslawischen Weg auch, jede Art von Kommunismus außer dem eigenen. Einer gegen alle, das ist seltsam. Hodscha isolierte sein Land vierzig Jahre völlig, Grenzen dicht, eine ­Terra Incognita in Europa, in der die Zeit stillstand. Gleichzeitig versuchte er den Bewohnern eines kargen, steinigen Landes klar zu machen, dass sie am Mittelpunkt der Welt leben, dass sie wehrhaft sein müssen, weil alle anderen gerne ihr Land überfallen, in ihr Paradies eindringen wollen. In ein Paradies, in dem man karg lebt. Wahnsinn. Da wäre doch ein Doppelgänger ganz folgerichtig, weil in Albanien ohnehin alles nahe am Irrsinn war. Wenn es einen Doppelgänger gibt, dann in Albanien, dem Land der Skipetaren, das keiner kennt, wo jahrzehntelang niemand war. Wieder Lesetage. Saddam Hussein taucht noch mal auf. Besser, sein Sohn Odai. Der habe einen Doppelgänger gehabt. Dieser schreibt ein Buch. „Ich war Saddams Sohn. Als Doppelgänger im Dienst des irakischen Diktators Hussein“. Es gibt nicht viel her, ist reißerisch, wirkt nicht wirklich glaubhaft. Und der Autor reitet gar nicht mal so vehement auf dem Doppelgängertum herum, sondern erzählt, dass Odai eher einen Schatten haben wollte, jemanden, der ihm ähnlich sah und immer neben ihm stand. Vielleicht aus Sicherheitsgründen. Vielleicht aber – na ja, wer will das verstehen? Odais Doppelgänger Latif Yahia jedenfalls haut ab und flieht nach Jordanien, was der These, der Doppelgänger sei wichtig und müsse immer zur Hand sein, nicht wirklich hilft. Doppelgänger, das ist ein Mythos, den er benutzt, um ein Buch zu verkaufen. 146

REPORTAGE

2000: sieben Jahre nach Lloyd Jones in Tirana. Vor einem großen, dicken Holztor. Das Haus wirkt wie eine Festung. Der Sohn von Enver Hodscha macht auf, der jüngere von zweien. Er öffnet, sagt auf Französisch, dass er genervt sei, wie oft ich denn noch anfrage. Er sage nein und fertig. Ich lüge ihn an, sage, ich werde noch einen Monat hier sein und anrufen und klopfen. Täglich. Wir könnten uns doch jetzt kurz zusammensetzen. Er will nicht, reagiert auch nicht auf die Fragen. Erst als ich auf Englisch sage, weil ich das Wort Doppelgänger auf Französisch nicht kenne, mich würde eigentlich vor allem interessieren, ob es den Doppelgänger seines Vaters wirklich gab, wirkt er etwas offener. Seine Gesichtszüge, die verbissen sind, entspannen sich. „Nein“, sagt er, „das ist absoluter Blödsinn.“ Aber es wurde als wahre Geschichte präsentiert. „Es ist gelogen.“ Der deutsche Botschafter wird zitiert, sage ich, der kann sich so was doch nicht ausdenken. Hodscha junior sagt: „Ach, ich muss es doch wohl besser wissen.“ Bumm, die Holztür knallt zu. Am Tag vor dem Treffen mit Hodschas Sohn in der deutschen Botschaft von Tirana. Der Botschafter sei in Urlaub, die Diplomatin nennt den Namen. Sie sei erst sechs Monate hier, den Namen des Vorgängers kennt sie auch. Aber Gert Munz habe sie noch nie gehört. Sie fragt herum, kommt nach zehn Minuten zurück. Nein, keiner kenne den Namen, es gäbe niemanden mehr, der schon seit Anfang der 90er Jahre in der Botschaft arbeitet, als es hier rundging. In ihrem Büro gibt es Kaffee und die Aussage: „Keine Ahnung, ich hab ‚Der Mann, der Enver Hodscha war‘ gelesen, es klang wahr, finde ich.“ Aber sie selbst habe noch nie nachgefragt, hätte noch nie Zweifel gehabt. Sie werde sich erkundigen und anrufen, zur Not auch in Deutschland. Der Anruf, der alles hätte klären können, kam nie. Schon damals, vor sieben Jahren, hätte ich beim Auswärtigen Amt anrufen und nach Gert Munz fragen können, ganz einfach. Warum habe ich es nicht getan? Spielt das Unterbewusstsein mit? Ein Verdrängen? Wollte ich doch weiter an die Möglichkeit eines Doppelgängers glauben, an die Wahrheit einer schönen, großen Geschichte? Recherche im gleichen Jahr: David Jones aus Liverpool lobt in einer der Amazon-Laienbesprechungen das Buch von Lloyd Jones sehr. Aber es sei falsch. Ich suche David Jones in Liverpool. Per Telefon. Damals, im Jahr 2000, war das Internet noch nicht das, was es heute ist. David Jones in Liverpool suchen, das dauert, das sind viele Anrufe. Ist wie Hans Mayer in München. Nach Monaten hab ich einen dran, der mir sagt, ja, „great book but a fake“. Das Problem des Telefongesprächs ist Jones’ Aussprache. Ich verstehe ihn kaum. Woher er es weiß? Ob er verwandt sei mit Lloyd Jones, dem Neuseeländer? Er sagt irgendwas, doch ich verstehe nur das Ende: „... als ich das letzte Mal mit ihm gesprochen habe, hat er es zugegeben, ein Fake“. Woher er es wisse? Wer ist David Jones? Vertrauenswürdig? Einer, der einem Verwandten eins auswischen will? Lässt sich nicht klären. Tesla ist Albanerin. Ah, sag ich, in Albanien war ich mal. Ob sie die Geschichte kenne von dem Doppelgänger, Petar Shapallo? Im Wohnzimmer in Brooklyn Hights sitzend, erklärt

Auf der Quemal-Stafa-Straße in Tirana ist Chaos alltäglich. Wer etwas auf sich hält, fährt Mercedes-Benz, egal wie alt. Tirana ist wohl die europäische Hauptstadt mit der höchsten Dichte an Mercedes-Benz-Fahrzeugen.

sie lachend, dass sie es nicht glaube. Shapallo sei in Albanien ein Name wie Miller in den USA. „Petar Shapallo, nein, das mit dem Doppelgänger, das ist Satire.“ Ich hab sie gefragt, weil ein Jahr zuvor das Buch, ursprünglich beim Hanser-Verlag erschienen, als Taschenbuch beim Wagenbach-Verlag herauskam. Nur steht nicht mehr „Reportage“ auf dem Umschlag, sondern „Roman“. Schrecklich. Die Pressestellen beider Verlage, ebenso die Lektoren, wissen von nichts. Warum nun Roman darauf stehe statt Reportage? Keine Ahnung, sagen sie. Sei ja lange her mit dem Buch. Ab jetzt ist es nicht nur ein drängendes Gefühl, nun ist es starker Zweifel: Es gab keinen falschen Hodscha, nur den echten. 2007: Ich lese, vorerst zumindest, ein letztes Mal „Der Mann, der Enver Hodscha war“. Es riecht, es schmeckt, man fühlt die Geschichte. Der Stil ist klar und simpel, kein Wort zu viel, „lakonisch“ nennen es die Rezensenten. Es zeigt viel Einfühlungsvermögen, viel Nachvollziehbares, viel Logik, viel Überraschung, die perfekte Mischung. Ich erkenne zahlreiche Bilder wieder, die ich in Albanien gesehen habe. Die Wirklichkeit ist wirklich niedergeschrieben. Es ist ein gutes Buch, und ob es wahr ist, ist mir ab jetzt egal. Sag ich mir. Und glaube immer noch daran. Sommer 2007, eine miese Nacht. Seit neun Jahren ist die Idee im Kopf, der Doppelgänger könnte keiner sein. Sonst wäre ich nicht in die Deutsche Botschaft in Tirana marschiert, hätte immer wieder gelesen und recherchiert. Anruf beim Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland. Die Pressestelle, bitte. Ich buchstabiere den Namen Gert Munz. Erzähl die Geschichte. Mache mich lächerlich. Tagelang, wochenlang höre ich nichts. Dann der Anruf, der alles beendet. Es gab und gibt keinen Gert Munz. Ich lege auf. „Bullshit!“ Die Sucht ist besiegt.

Fotografie: Heinrich Voelkel (www.heinrichvoelkel.com)

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2004: Der Irakkrieg ist, von amerikanischer Seite zumindest offiziell verlautbart, zu Ende. Es erscheint in verschiedenen Zeitungen die Geschichte von Al Bashir. Der war Saddams Arzt, ein Chirurg und Bildhauer. Was für eine Kombination, zumal er auch Schönheitsoperationen machte. Er muss damit leben, dass noch heute in den irakischen Zeitungen steht, er habe Saddam-Doppelgänger geschaffen. Was er abstreitet. „Bashir lachte bitter und sagte, dass eine weitere Geschichte kursiere, in der es heißt, er sei mit Saddam geflohen, habe ihn operiert und sei dann von Saddam getötet worden, damit seine Identität geheim bleibe.“ So erzählt der Reporter des New Yorker Jon Lee Anderson in seinem Buch „The Fall of Bagdad“. Noch so ein Mythos, die neue Identität. Es sei im Fall Saddam Husseins nichts dran. Da ist er wieder, ein neuer Rückfall in die Sucht nach der Frage von Enver Hodschas Doppelgänger. Doppelgänger bieten eine gute Geschichte für uns Geschichtenkonsumenten, weil sie die Fantasie anregen. Enver Hodscha, Albaniens Diktator, ist immer für eine dieser Geschichten gut. Er war seltsamer als die anderen. Der Mann hat für jeden Albaner einen Platz in einem Bunker geschaffen und dafür das Land mit diesen pilzartigen Betonhalbkugeln überzogen. Wo man steht in Albanien, man sieht mindestens einen Bunker. Auch Hodschas Drang, sich mit allen anzulegen, war bizarr. Mao und den chinesischen Kommunismus verdammte er als Revisionismus, den sowjetischen sowieso, Titos jugoslawischen Weg auch, jede Art von Kommunismus außer dem eigenen. Einer gegen alle, das ist seltsam. Hodscha isolierte sein Land vierzig Jahre völlig, Grenzen dicht, eine ­Terra Incognita in Europa, in der die Zeit stillstand. Gleichzeitig versuchte er den Bewohnern eines kargen, steinigen Landes klar zu machen, dass sie am Mittelpunkt der Welt leben, dass sie wehrhaft sein müssen, weil alle anderen gerne ihr Land überfallen, in ihr Paradies eindringen wollen. In ein Paradies, in dem man karg lebt. Wahnsinn. Da wäre doch ein Doppelgänger ganz folgerichtig, weil in Albanien ohnehin alles nahe am Irrsinn war. Wenn es einen Doppelgänger gibt, dann in Albanien, dem Land der Skipetaren, das keiner kennt, wo jahrzehntelang niemand war. Wieder Lesetage. Saddam Hussein taucht noch mal auf. Besser, sein Sohn Odai. Der habe einen Doppelgänger gehabt. Dieser schreibt ein Buch. „Ich war Saddams Sohn. Als Doppelgänger im Dienst des irakischen Diktators Hussein“. Es gibt nicht viel her, ist reißerisch, wirkt nicht wirklich glaubhaft. Und der Autor reitet gar nicht mal so vehement auf dem Doppelgängertum herum, sondern erzählt, dass Odai eher einen Schatten haben wollte, jemanden, der ihm ähnlich sah und immer neben ihm stand. Vielleicht aus Sicherheitsgründen. Vielleicht aber – na ja, wer will das verstehen? Odais Doppelgänger Latif Yahia jedenfalls haut ab und flieht nach Jordanien, was der These, der Doppelgänger sei wichtig und müsse immer zur Hand sein, nicht wirklich hilft. Doppelgänger, das ist ein Mythos, den er benutzt, um ein Buch zu verkaufen. 146

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2000: sieben Jahre nach Lloyd Jones in Tirana. Vor einem großen, dicken Holztor. Das Haus wirkt wie eine Festung. Der Sohn von Enver Hodscha macht auf, der jüngere von zweien. Er öffnet, sagt auf Französisch, dass er genervt sei, wie oft ich denn noch anfrage. Er sage nein und fertig. Ich lüge ihn an, sage, ich werde noch einen Monat hier sein und anrufen und klopfen. Täglich. Wir könnten uns doch jetzt kurz zusammensetzen. Er will nicht, reagiert auch nicht auf die Fragen. Erst als ich auf Englisch sage, weil ich das Wort Doppelgänger auf Französisch nicht kenne, mich würde eigentlich vor allem interessieren, ob es den Doppelgänger seines Vaters wirklich gab, wirkt er etwas offener. Seine Gesichtszüge, die verbissen sind, entspannen sich. „Nein“, sagt er, „das ist absoluter Blödsinn.“ Aber es wurde als wahre Geschichte präsentiert. „Es ist gelogen.“ Der deutsche Botschafter wird zitiert, sage ich, der kann sich so was doch nicht ausdenken. Hodscha junior sagt: „Ach, ich muss es doch wohl besser wissen.“ Bumm, die Holztür knallt zu. Am Tag vor dem Treffen mit Hodschas Sohn in der deutschen Botschaft von Tirana. Der Botschafter sei in Urlaub, die Diplomatin nennt den Namen. Sie sei erst sechs Monate hier, den Namen des Vorgängers kennt sie auch. Aber Gert Munz habe sie noch nie gehört. Sie fragt herum, kommt nach zehn Minuten zurück. Nein, keiner kenne den Namen, es gäbe niemanden mehr, der schon seit Anfang der 90er Jahre in der Botschaft arbeitet, als es hier rundging. In ihrem Büro gibt es Kaffee und die Aussage: „Keine Ahnung, ich hab ‚Der Mann, der Enver Hodscha war‘ gelesen, es klang wahr, finde ich.“ Aber sie selbst habe noch nie nachgefragt, hätte noch nie Zweifel gehabt. Sie werde sich erkundigen und anrufen, zur Not auch in Deutschland. Der Anruf, der alles hätte klären können, kam nie. Schon damals, vor sieben Jahren, hätte ich beim Auswärtigen Amt anrufen und nach Gert Munz fragen können, ganz einfach. Warum habe ich es nicht getan? Spielt das Unterbewusstsein mit? Ein Verdrängen? Wollte ich doch weiter an die Möglichkeit eines Doppelgängers glauben, an die Wahrheit einer schönen, großen Geschichte? Recherche im gleichen Jahr: David Jones aus Liverpool lobt in einer der Amazon-Laienbesprechungen das Buch von Lloyd Jones sehr. Aber es sei falsch. Ich suche David Jones in Liverpool. Per Telefon. Damals, im Jahr 2000, war das Internet noch nicht das, was es heute ist. David Jones in Liverpool suchen, das dauert, das sind viele Anrufe. Ist wie Hans Mayer in München. Nach Monaten hab ich einen dran, der mir sagt, ja, „great book but a fake“. Das Problem des Telefongesprächs ist Jones’ Aussprache. Ich verstehe ihn kaum. Woher er es weiß? Ob er verwandt sei mit Lloyd Jones, dem Neuseeländer? Er sagt irgendwas, doch ich verstehe nur das Ende: „... als ich das letzte Mal mit ihm gesprochen habe, hat er es zugegeben, ein Fake“. Woher er es wisse? Wer ist David Jones? Vertrauenswürdig? Einer, der einem Verwandten eins auswischen will? Lässt sich nicht klären. Tesla ist Albanerin. Ah, sag ich, in Albanien war ich mal. Ob sie die Geschichte kenne von dem Doppelgänger, Petar Shapallo? Im Wohnzimmer in Brooklyn Hights sitzend, erklärt

Auf der Quemal-Stafa-Straße in Tirana ist Chaos alltäglich. Wer etwas auf sich hält, fährt Mercedes-Benz, egal wie alt. Tirana ist wohl die europäische Hauptstadt mit der höchsten Dichte an Mercedes-Benz-Fahrzeugen.

sie lachend, dass sie es nicht glaube. Shapallo sei in Albanien ein Name wie Miller in den USA. „Petar Shapallo, nein, das mit dem Doppelgänger, das ist Satire.“ Ich hab sie gefragt, weil ein Jahr zuvor das Buch, ursprünglich beim Hanser-Verlag erschienen, als Taschenbuch beim Wagenbach-Verlag herauskam. Nur steht nicht mehr „Reportage“ auf dem Umschlag, sondern „Roman“. Schrecklich. Die Pressestellen beider Verlage, ebenso die Lektoren, wissen von nichts. Warum nun Roman darauf stehe statt Reportage? Keine Ahnung, sagen sie. Sei ja lange her mit dem Buch. Ab jetzt ist es nicht nur ein drängendes Gefühl, nun ist es starker Zweifel: Es gab keinen falschen Hodscha, nur den echten. 2007: Ich lese, vorerst zumindest, ein letztes Mal „Der Mann, der Enver Hodscha war“. Es riecht, es schmeckt, man fühlt die Geschichte. Der Stil ist klar und simpel, kein Wort zu viel, „lakonisch“ nennen es die Rezensenten. Es zeigt viel Einfühlungsvermögen, viel Nachvollziehbares, viel Logik, viel Überraschung, die perfekte Mischung. Ich erkenne zahlreiche Bilder wieder, die ich in Albanien gesehen habe. Die Wirklichkeit ist wirklich niedergeschrieben. Es ist ein gutes Buch, und ob es wahr ist, ist mir ab jetzt egal. Sag ich mir. Und glaube immer noch daran. Sommer 2007, eine miese Nacht. Seit neun Jahren ist die Idee im Kopf, der Doppelgänger könnte keiner sein. Sonst wäre ich nicht in die Deutsche Botschaft in Tirana marschiert, hätte immer wieder gelesen und recherchiert. Anruf beim Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland. Die Pressestelle, bitte. Ich buchstabiere den Namen Gert Munz. Erzähl die Geschichte. Mache mich lächerlich. Tagelang, wochenlang höre ich nichts. Dann der Anruf, der alles beendet. Es gab und gibt keinen Gert Munz. Ich lege auf. „Bullshit!“ Die Sucht ist besiegt.

Fotografie: Heinrich Voelkel (www.heinrichvoelkel.com)

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Diese Dame ist wunderbar pflegeleicht. Sie inspiriert uns aufs Angenehmste mit all ihren schillernden Facetten und anmutigen Posen, – und wenn man sie wäscht oder heiß mit ihr badet, sind ihre herrlichen Farben und Formen hinterher immer noch wie neu. Von Robert Grischek (Fotos) und Séraphine de Lima (Styling)

. RY R O SE S E E H R T ‘ WE OOKAT BUY O OL AVET T H NE. I YOUMAGAZ THE Kette Vintage.

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Diese Dame ist wunderbar pflegeleicht. Sie inspiriert uns aufs Angenehmste mit all ihren schillernden Facetten und anmutigen Posen, – und wenn man sie wäscht oder heiß mit ihr badet, sind ihre herrlichen Farben und Formen hinterher immer noch wie neu. Von Robert Grischek (Fotos) und Séraphine de Lima (Styling)

Kette Vintage.

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. Y R R E O S S E E H R ‘ E W OOKATTBUY O OL AVET T . E H N I U YO MAGAZ THE Weiße Sonnenbrille mit buntem Muster von Francis Klein by Fielmann

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Weiße Sonnenbrille mit buntem Muster von Francis Klein by Fielmann

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. Y R R E O S S E E H R ATT Y ‘ WE K OBU O O L O AVET . T E H N I U Z O Y MAGA THE Links: Kette Vintage Mitte: schwarzer Lederblouson von Hotel Vintage, grauer Slip von Calvin Klein und schwarzer Lackgürtel von Viktor a& Rolf Rechts: Paddingtonhut von Mayser und Stiefel von A.P.C., alles in Schwarz

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Links: Kette Vintage Mitte: schwarzer Lederblouson von Hotel Vintage, grauer Slip von Calvin Klein und schwarzer Lackgürtel von Viktor a& Rolf Rechts: Paddingtonhut von Mayser und Stiefel von A.P.C., alles in Schwarz

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. Y R R O THESE S E R ‘ KAT WE Y U O B O L O O AVET T . E H N I U Z O Y MAGA THE Schwarzer Brustschmuck von Agent Provocateur und schwarz-goldener Slip von American Apparel.

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Schwarzer Brustschmuck von Agent Provocateur und schwarz-goldener Slip von American Apparel.

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. Y R R E O S S E E H R ATT Y ‘ WE K OBU O O L O AVET . T E H N I U Z O Y MAGA THE

Rotes Netztop von Helmut Lang und grauer Slip von Calvin Klein.

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Rotes Netztop von Helmut Lang und grauer Slip von Calvin Klein.

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. Y R R E O S S E E H R ATT Y ‘ WE K OBU O O L O AVET . T E H N I U Z O Y MAGA THE

Orange-weißfarbene Hot Pant von Eley Kishimoto Vintage und schwarze Stiefel von A.P.C.

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Fotografie: Robert Grischek (www.grischek.com) Styling: Séraphine de Lima (www.ballsaal.com) Artdirektion & Bildkonzept: Mieke Haase (www.miekehaase.de) und Til Schlenker (www.til-schlenker.de) Fotoassistenz: Georg Schmid und Benni Bock Haare & Make-up: Alex Auschill (www.ballsaal.com) mit Produkten von Origins’ Model: Alexandra Garcia (www.m4models.de) Bildbearbeitung: Janina Melles (www.appel-grafik.de)

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Orange-weißfarbene Hot Pant von Eley Kishimoto Vintage und schwarze Stiefel von A.P.C.

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Fotografie: Robert Grischek (www.grischek.com) Styling: Séraphine de Lima (www.ballsaal.com) Artdirektion & Bildkonzept: Mieke Haase (www.miekehaase.de) und Til Schlenker (www.til-schlenker.de) Fotoassistenz: Georg Schmid und Benni Bock Haare & Make-up: Alex Auschill (www.ballsaal.com) mit Produkten von Origins’ Model: Alexandra Garcia (www.m4models.de) Bildbearbeitung: Janina Melles (www.appel-grafik.de)

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Sandige Straßen, scharfe Gewehre, mutige Kämpfer: Szenen nicht etwa aus Kandahar, sondern aus dem tiefsten Bayern

Was haben Afghanistan und Bayern gemeinsam? Männer mit langen Bärten? Von wegen: Im bayerischen Hohenfels liegt Europas größtes Trainingscamp der US-Armee. Hier werden Specialforces auf den Kriegseinsatz in aller Welt vorbereitet, und vor allem auf die Mission am Hindukusch. So realistisch, dass man kaum glauben mag, dass die Soldaten dort nicht gegen die Taliban kämpfen. Sondern gegen bayerische Freiwillige. Von Clarissa Schmarje (Text) und Heinrich Voelkel (Fotos)

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Sandige Straßen, scharfe Gewehre, mutige Kämpfer: Szenen nicht etwa aus Kandahar, sondern aus dem tiefsten Bayern

Was haben Afghanistan und Bayern gemeinsam? Männer mit langen Bärten? Von wegen: Im bayerischen Hohenfels liegt Europas größtes Trainingscamp der US-Armee. Hier werden Specialforces auf den Kriegseinsatz in aller Welt vorbereitet, und vor allem auf die Mission am Hindukusch. So realistisch, dass man kaum glauben mag, dass die Soldaten dort nicht gegen die Taliban kämpfen. Sondern gegen bayerische Freiwillige. Von Clarissa Schmarje (Text) und Heinrich Voelkel (Fotos)

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Deutsche Afghanen werden eingestellt, um bei dem Planspiel Realität zu vermitteln

US-Militärs stellen auf dem 160 Quadratkilometer großen Areal Straßensperren mit Stacheldraht auf

Der Soldat hat noch mal Glück gehabt an diesem Morgen. Statt seine Ausrüstung reinigen zu müssen, liegt er nun regungslos da. Der rechte Finger berührt entschlossen den Abzug, die Augen sind fokussiert, der Geist ist nur auf eines eingestellt: den Feind zu erwischen. Jeder Augenblick in diesem Graben zählt. Fürs ganze Leben, wenn man so will. Eine falsche Bewegung, ein verfrühtes Hochgucken, ein Laut – und es ist vorbei. Der Mann wird vom Gegner einfach ausgelöscht. Für ganze 24 Stunden. Dann wird sein Sensor neu aktiviert, und es geht zurück in den Kampf. Was sich wie ein verrücktes Planspiel für Battlefield-Junkies anhört, ist bitterer Ernst: Mitten in Süddeutschland, im bayerischen Hohenfels, liegt Europas aufwendigster Manöverplatz der US-Army, das „Joint Multinational Training Centre“ (kurz: JMTC). Hier werden Spezialeinheiten, wie z. B. die 173. Luftlandebrigade, auf ihren Einsatz in Afghanistan vorbereitet. Ganze vier Wochen kommen die Soldaten, zwischen 19 und 25 Jahre alt, in die Obhut erfahrener Offiziere, die allesamt schon mal Kriegsluft geatmet haben. Gemeinsam proben sie den Ernstfall. Denn wenn die Spezialeinheit das rund 160 Quadratkilometer große Areal betritt, herrscht Ausnahmezustand. Wie Marionetten werden die jungen Rekruten durch den gefakten Kriegsdschungel geleitet: Von Monitoren und Sensoren überwacht, steuert ein 20-köpfiges Team das Manöverfeld von einer Art Schaltzentrale aus. Alle Rekruten sind in 162

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Gruppen eingeteilt, die entweder zusammen oder gegeneinander kämpfen. Sie alle tragen Gürtel, die mit kleinen Empfängern versehen sind. Wird auf einen geschossen (per Infrarotstrahlen), piept’s. Der verletzte Soldat zieht eine Karte aus seiner Uniformtasche und weiß erst dann, wo er „getroffen“ wurde – am Kopf, Herz, Fuß oder Bein. Ein Helikopter bringt den „Verletzten“ umgehend in eine nahe gelegene MedicalSupport-Unit, ein voll ausgestattetes Zelt mit OP-Tisch und neuesten medizinischen Geräten. Liegt ein „besonders komplizierter chirurgischer Fall“ vor, werden sogar Spezialisten in den USA per Satellitentelefon zurate gezogen. Natürlich wird nicht wirklich geschnippelt. Der Aufenthalt im Hospital wird nur

simuliert. Und in der Nachbehandlung gibt es Smarties statt Pillen. Trotzdem bleibt der „Patient“ 24 Stunden im Krankenlager – erst dann wird sein Gürtel wieder freigeschaltet und er darf zurück in die Schlacht. Mit der afghanischen Realität hat das allerdings wenig zu tun: Seit dem ersten US-Angriff am 7. Oktober 2001 herrscht dort grausames Chaos. Als direkte militärische Reaktion auf die Anschläge vom 11. September ließ US-Präsident George W. Bush damals die längsten Angriffe der amerikanischen Luftwaffe gegen das Taliban-Regime fliegen. Die Bombardements der B-2-Bomber dauerten 44 Stunden. Im November kam es dann zum Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz. Seitdem arbeiten die NATO-Staaten und Partnerländer an einem Wiederaufbau. Doch es vergeht fast kein Tag, an dem nicht von toten oder verletzten Soldaten berichtet wird. Offi­ziellen Angaben zufolge starben seit Kriegsbeginn etwa 646 Männer, darunter 421 US-, 68 britische und 21 deutsche

Sol­daten. Experten vermuten allerdings eine weitaus höhere tödliche Trefferquote. Und auch in Bezug auf die Zivilbevölkerung ist die Zahl diffus: Der renommierte „The Guardian“ spricht von 20.000 bis 49.600 Toten, die „Los Angeles Times“ nennt dagegen nur rund 1.000 Opfer. Damit dieses Schicksal den Jungs der 173. Luftbrigadeeinheit erspart bleibt, werden sie nach Bayern geschickt. In ein (fast) perfektes Kriegs-Setting: Extra angefertigte Schilder mit arabischen Schriftzeichen verwandeln die einfachen Baracken „made in Germany“ in Häuser, wie sie auch in Kabul stehen könnten. Von der Army beauftragte Firmen heuern in der Umgebung lebende Afghanen an, den Feind zu mimen. Frauen in traditionellen Burkas schleichen über die Straßen und verstummen sofort, wenn US-Soldaten sich nähern. Sie neigen den Blick und verschwinden schnell – ganz so, wie sie es in ihrer Heimat tun würden. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass hinter der Verschleierung deutsche Studentinnen stecken und sie für ihre geplante Unterdrückung 100 Euro pro Tag bekommen – mehr Geld, als die meisten afghanischen Frauen jemals in den Händen halten. Nicht nur äußerlich legt die Armeeführung Wert auf Per­ fektion: Wie in Kabul treffen die Soldaten während der Übung REportage

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Deutsche Afghanen werden eingestellt, um bei dem Planspiel Realität zu vermitteln

US-Militärs stellen auf dem 160 Quadratkilometer großen Areal Straßensperren mit Stacheldraht auf

Der Soldat hat noch mal Glück gehabt an diesem Morgen. Statt seine Ausrüstung reinigen zu müssen, liegt er nun regungslos da. Der rechte Finger berührt entschlossen den Abzug, die Augen sind fokussiert, der Geist ist nur auf eines eingestellt: den Feind zu erwischen. Jeder Augenblick in diesem Graben zählt. Fürs ganze Leben, wenn man so will. Eine falsche Bewegung, ein verfrühtes Hochgucken, ein Laut – und es ist vorbei. Der Mann wird vom Gegner einfach ausgelöscht. Für ganze 24 Stunden. Dann wird sein Sensor neu aktiviert, und es geht zurück in den Kampf. Was sich wie ein verrücktes Planspiel für Battlefield-Junkies anhört, ist bitterer Ernst: Mitten in Süddeutschland, im bayerischen Hohenfels, liegt Europas aufwendigster Manöverplatz der US-Army, das „Joint Multinational Training Centre“ (kurz: JMTC). Hier werden Spezialeinheiten, wie z. B. die 173. Luftlandebrigade, auf ihren Einsatz in Afghanistan vorbereitet. Ganze vier Wochen kommen die Soldaten, zwischen 19 und 25 Jahre alt, in die Obhut erfahrener Offiziere, die allesamt schon mal Kriegsluft geatmet haben. Gemeinsam proben sie den Ernstfall. Denn wenn die Spezialeinheit das rund 160 Quadratkilometer große Areal betritt, herrscht Ausnahmezustand. Wie Marionetten werden die jungen Rekruten durch den gefakten Kriegsdschungel geleitet: Von Monitoren und Sensoren überwacht, steuert ein 20-köpfiges Team das Manöverfeld von einer Art Schaltzentrale aus. Alle Rekruten sind in 162

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Gruppen eingeteilt, die entweder zusammen oder gegeneinander kämpfen. Sie alle tragen Gürtel, die mit kleinen Empfängern versehen sind. Wird auf einen geschossen (per Infrarotstrahlen), piept’s. Der verletzte Soldat zieht eine Karte aus seiner Uniformtasche und weiß erst dann, wo er „getroffen“ wurde – am Kopf, Herz, Fuß oder Bein. Ein Helikopter bringt den „Verletzten“ umgehend in eine nahe gelegene MedicalSupport-Unit, ein voll ausgestattetes Zelt mit OP-Tisch und neuesten medizinischen Geräten. Liegt ein „besonders komplizierter chirurgischer Fall“ vor, werden sogar Spezialisten in den USA per Satellitentelefon zurate gezogen. Natürlich wird nicht wirklich geschnippelt. Der Aufenthalt im Hospital wird nur

simuliert. Und in der Nachbehandlung gibt es Smarties statt Pillen. Trotzdem bleibt der „Patient“ 24 Stunden im Krankenlager – erst dann wird sein Gürtel wieder freigeschaltet und er darf zurück in die Schlacht. Mit der afghanischen Realität hat das allerdings wenig zu tun: Seit dem ersten US-Angriff am 7. Oktober 2001 herrscht dort grausames Chaos. Als direkte militärische Reaktion auf die Anschläge vom 11. September ließ US-Präsident George W. Bush damals die längsten Angriffe der amerikanischen Luftwaffe gegen das Taliban-Regime fliegen. Die Bombardements der B-2-Bomber dauerten 44 Stunden. Im November kam es dann zum Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz. Seitdem arbeiten die NATO-Staaten und Partnerländer an einem Wiederaufbau. Doch es vergeht fast kein Tag, an dem nicht von toten oder verletzten Soldaten berichtet wird. Offi­ziellen Angaben zufolge starben seit Kriegsbeginn etwa 646 Männer, darunter 421 US-, 68 britische und 21 deutsche

Sol­daten. Experten vermuten allerdings eine weitaus höhere tödliche Trefferquote. Und auch in Bezug auf die Zivilbevölkerung ist die Zahl diffus: Der renommierte „The Guardian“ spricht von 20.000 bis 49.600 Toten, die „Los Angeles Times“ nennt dagegen nur rund 1.000 Opfer. Damit dieses Schicksal den Jungs der 173. Luftbrigadeeinheit erspart bleibt, werden sie nach Bayern geschickt. In ein (fast) perfektes Kriegs-Setting: Extra angefertigte Schilder mit arabischen Schriftzeichen verwandeln die einfachen Baracken „made in Germany“ in Häuser, wie sie auch in Kabul stehen könnten. Von der Army beauftragte Firmen heuern in der Umgebung lebende Afghanen an, den Feind zu mimen. Frauen in traditionellen Burkas schleichen über die Straßen und verstummen sofort, wenn US-Soldaten sich nähern. Sie neigen den Blick und verschwinden schnell – ganz so, wie sie es in ihrer Heimat tun würden. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass hinter der Verschleierung deutsche Studentinnen stecken und sie für ihre geplante Unterdrückung 100 Euro pro Tag bekommen – mehr Geld, als die meisten afghanischen Frauen jemals in den Händen halten. Nicht nur äußerlich legt die Armeeführung Wert auf Per­ fektion: Wie in Kabul treffen die Soldaten während der Übung REportage

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Morgentraining: Statt zu joggen üben sich die Soldaten im Häuserkampf

In Afghanistan ist es immer noch etwas Besonderes, wenn Frauen studieren. In Deutschland sind Studentinnen in Burkas noch seltener.

Damit die Straßen möglichst authentisch aussehen, werden Fahrzeuge ausgebrannt.

immer wieder auf kleine Nester afghanischer Dorfbewohner. Sind die Army-Jungs nett und geben den Armen etwas zu essen, bekommen sie Infos, wo sich die Terroristen versteckt halten. Bedrohen sie die Bevölkerung, werden aus einfachen Bauern plötzlich ausgebildete Taliban-Kämpfer. Alles eine Frage der Diplomatie und des psychologischen Geschicks. Genau das könnte ihnen eines Tages einmal das Leben retten. Bei aller Ernsthaftigkeit gibt es in Hohenfels zum Glück auch Dinge, die die Rekruten immer wieder zurück in die Realität holen: Biegt man um die Ecke, kann es passieren, dass man plötzlich gegen ein Dixie-Klo rennt. Oder über ein Schild stolpert, auf dem steht: „Rasen bitte nicht betreten“. 164

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Und selbst unerschrockene Taliban müssen – sobald sie in ein Fahrzeug steigen – einen US-Helm aufsetzen. So will es das amerikanische Militärreglement. Welcome to the real world! Trotzdem bleiben alle Akteure professionell: Vor allem Neulinge, die noch nie zuvor Amerika verlassen haben, sind hochmotiviert. Und nervös. Manche fahren nach dem Camp direkt an die Front. Ihnen bleibt keine Zeit zu verschnaufen. Alles, worauf sie sich verlassen können, sind die 30 Tage in Bayern als Erfahrungsgrundlage. Das muss reichen. Wenn sich der Tag im „JMTC“ schließlich neigt und die 12Stunden-Schicht vorbei ist, treffen sich die Soldaten in der Kantine. Es riecht nach Steak, Ketchup und Fries. Fast wie zu ­Hause. Nur mit dem feinen Unterschied, dass jeder zum Essen sein Gewehr mitbringt. Es gibt eben keine privaten Momente, kaum Zeit zum Entspannen. Allzeit bereit, lautet das Motto. Der einzige Luxus ist ein Imbisswagen zweier bayerischer Griechen. Wer das Einheitsessen satt hat, stellt sich hier für ein fettiges Gyros an. Ob es das wohl in Kandahar geben wird? Man wird sehen. REportage

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Morgentraining: Statt zu joggen üben sich die Soldaten im Häuserkampf

In Afghanistan ist es immer noch etwas Besonderes, wenn Frauen studieren. In Deutschland sind Studentinnen in Burkas noch seltener.

Damit die Straßen möglichst authentisch aussehen, werden Fahrzeuge ausgebrannt.

immer wieder auf kleine Nester afghanischer Dorfbewohner. Sind die Army-Jungs nett und geben den Armen etwas zu essen, bekommen sie Infos, wo sich die Terroristen versteckt halten. Bedrohen sie die Bevölkerung, werden aus einfachen Bauern plötzlich ausgebildete Taliban-Kämpfer. Alles eine Frage der Diplomatie und des psychologischen Geschicks. Genau das könnte ihnen eines Tages einmal das Leben retten. Bei aller Ernsthaftigkeit gibt es in Hohenfels zum Glück auch Dinge, die die Rekruten immer wieder zurück in die Realität holen: Biegt man um die Ecke, kann es passieren, dass man plötzlich gegen ein Dixie-Klo rennt. Oder über ein Schild stolpert, auf dem steht: „Rasen bitte nicht betreten“. 164

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Und selbst unerschrockene Taliban müssen – sobald sie in ein Fahrzeug steigen – einen US-Helm aufsetzen. So will es das amerikanische Militärreglement. Welcome to the real world! Trotzdem bleiben alle Akteure professionell: Vor allem Neulinge, die noch nie zuvor Amerika verlassen haben, sind hochmotiviert. Und nervös. Manche fahren nach dem Camp direkt an die Front. Ihnen bleibt keine Zeit zu verschnaufen. Alles, worauf sie sich verlassen können, sind die 30 Tage in Bayern als Erfahrungsgrundlage. Das muss reichen. Wenn sich der Tag im „JMTC“ schließlich neigt und die 12Stunden-Schicht vorbei ist, treffen sich die Soldaten in der Kantine. Es riecht nach Steak, Ketchup und Fries. Fast wie zu ­Hause. Nur mit dem feinen Unterschied, dass jeder zum Essen sein Gewehr mitbringt. Es gibt eben keine privaten Momente, kaum Zeit zum Entspannen. Allzeit bereit, lautet das Motto. Der einzige Luxus ist ein Imbisswagen zweier bayerischer Griechen. Wer das Einheitsessen satt hat, stellt sich hier für ein fettiges Gyros an. Ob es das wohl in Kandahar geben wird? Man wird sehen. REportage

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Auch griechische Soldaten sind in Afghanistan stationiert. Ihre zivilen Landsleute sorgen mit Gyros f端r kulinarische Abwechslung in Bayerisch-Kabul.

Fotografie: Heinrich Voelkel (www.heinrichvoelkel.com)

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Auch griechische Soldaten sind in Afghanistan stationiert. Ihre zivilen Landsleute sorgen mit Gyros f端r kulinarische Abwechslung in Bayerisch-Kabul.

Fotografie: Heinrich Voelkel (www.heinrichvoelkel.com)

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rechts: Chris, Pullover von Z Zegna und Hose von Martin Margiela 10, alles in Schwarz

mitte: Lucas, Mantel von John Varvatos, Hose von D&G und Halskette von Hugo by Hugo Boss, alles in Schwarz Links: Chad, Pullover von Dsquared und Hose von Martin Margiela 10, alles in Schwarz

Die M o tats채c dels Chri s, Ch hlich ad .F doch nicht 체r den Vo und Luca s 체be g r echt ue-Fotog s tun nich tn ra e Freu Von W ndsch fen Walte ur so, als alter r Chi Chin a f t . n hab ob sie gute (Fot o s) und en sic Timo h die Kumpels w thy R drei i eukau n Pos 채ren, sie s f (St y i e gew l ing ) orfen nd es . Es g eht

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rechts: Chris, Pullover von Z Zegna und Hose von Martin Margiela 10, alles in Schwarz

mitte: Lucas, Mantel von John Varvatos, Hose von D&G und Halskette von Hugo by Hugo Boss, alles in Schwarz Links: Chad, Pullover von Dsquared und Hose von Martin Margiela 10, alles in Schwarz

Die M o tats채c dels Chri s, Ch hlich ad .F doch nicht 체r den Vo und Luca s 체be g r echt ue-Fotog s tun nich tn ra e Freu Von W ndsch fen Walte ur so, als alter r Chi Chin a f t . n hab ob sie gute (Fot o s) und en sic Timo h die Kumpels w thy R drei i eukau n Pos 채ren, sie s f (St y i e gew l ing ) orfen nd es . Es g eht

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170 Mode Mode 171

linkS: Chad, schwarze Weste von Dsquared

rechtS: Chris, schwarze Lederjacke von D&G und Halskette von Martin Margiela

links: Lucas, schwarze Lederjacke von D&G


170 Mode Mode 171

linkS: Chad, schwarze Weste von Dsquared

rechtS: Chris, schwarze Lederjacke von D&G und Halskette von Martin Margiela

links: Lucas, schwarze Lederjacke von D&G


172 Mode Mode 173

Mitte: Chris, schwarze Weste von Dsquared, indigofarbene Jeans von Diesel und braune Kette von Hugo by Hugo Boss

rechts: Chad, schwarze Lederjacke von Z Zegna, schwarze Hose von Yâ&#x20AC;&#x2122;s by Yohji Yamamoto und braune Armkette von Martin Margiela

links: Lucas, graue Krawatte von Givenchy, weiĂ&#x;es Hemd von Dsquared, Jacke sowie Jeans von Diesel, beides in Schwarz


172 Mode Mode 173

Mitte: Chris, schwarze Weste von Dsquared, indigofarbene Jeans von Diesel und braune Kette von Hugo by Hugo Boss

rechts: Chad, schwarze Lederjacke von Z Zegna, schwarze Hose von Yâ&#x20AC;&#x2122;s by Yohji Yamamoto und braune Armkette von Martin Margiela

links: Lucas, graue Krawatte von Givenchy, weiĂ&#x;es Hemd von Dsquared, Jacke sowie Jeans von Diesel, beides in Schwarz


174 Mode Mode 175

mitte: Lucas, grauschwarze Strickjacke und schwarzer Mantel, beides von Z Zegna und schwarze Hose von Dsquared

rechts: Chris, Mantel sowie Hose von Dries van Noten

links: Chris, schwarzer Mantel von Z Zegna, graue Strickjacke von Yâ&#x20AC;&#x2122;s by Yohji Yamamoto, graue Hose von Jean Paul Gaultier und Halskette von Martin Margiela


174 Mode Mode 175

mitte: Lucas, grauschwarze Strickjacke und schwarzer Mantel, beides von Z Zegna und schwarze Hose von Dsquared

rechts: Chris, Mantel sowie Hose von Dries van Noten

links: Chris, schwarzer Mantel von Z Zegna, graue Strickjacke von Yâ&#x20AC;&#x2122;s by Yohji Yamamoto, graue Hose von Jean Paul Gaultier und Halskette von Martin Margiela


176 Mode Mode 177

mitte: Chad, Pullover von Thierry Mugler und Hose von Dries van Noten, beides in Schwarz

rechts: Lucas, brauner Pelzmantel von Dsquared, schwarze Lederjeans von Versace und silberne Halskette von Dsquared

links: Chris, brauner Pelzmantel von Jean Paul Gaultier und graue Hose von John Varvatos


176 Mode Mode 177

mitte: Chad, Pullover von Thierry Mugler und Hose von Dries van Noten, beides in Schwarz

rechts: Lucas, brauner Pelzmantel von Dsquared, schwarze Lederjeans von Versace und silberne Halskette von Dsquared

links: Chris, brauner Pelzmantel von Jean Paul Gaultier und graue Hose von John Varvatos


rechts: Chris, Weste von Paul Smith, Halstuch von Z Zegna und Lederhose von Dsquared, alles in Schwarz

mitte: Lucas, Sakko von Boss by Hugo Boss, Weste von Versace und Lederhose von Hugo by Hugo Boss, alles in Schwarz links: Chad, Sakko von Martin Margiela und Lederhose von Dolce & Gabbana, alles in Schwarz

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Fotografie: Walter Chin (www.marekandassociates.com). Styling: Timothy Reukauf. Haare: Xavier Soto. Make-up: B. J. Gillian (www.markedwardinc.com). Stylingassistenz: Audrey Chaney. Models: Lucas Kerr, Chris Whelan. und Chad White (www.majormodelmanagement.com). Bildbearbeitung: Natascha Scheffel (www.appel-grafik.de).

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rechts: Chris, Weste von Paul Smith, Halstuch von Z Zegna und Lederhose von Dsquared, alles in Schwarz

mitte: Lucas, Sakko von Boss by Hugo Boss, Weste von Versace und Lederhose von Hugo by Hugo Boss, alles in Schwarz links: Chad, Sakko von Martin Margiela und Lederhose von Dolce & Gabbana, alles in Schwarz

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Fotografie: Walter Chin (www.marekandassociates.com). Styling: Timothy Reukauf. Haare: Xavier Soto. Make-up: B. J. Gillian (www.markedwardinc.com). Stylingassistenz: Audrey Chaney. Models: Lucas Kerr, Chris Whelan. und Chad White (www.majormodelmanagement.com). Bildbearbeitung: Natascha Scheffel (www.appel-grafik.de).

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Was für ein Job: gut aussehen, gute Sachen anhaben und dann die schönsten Frauen der Welt küssen. Und das nicht nur in Werbefilmen für Levis oder Dolce & Gabbana, sondern auch in Hollywood. Das Topmodel Jamie Dornan hat in Sofia Coppolas „Marie Antoinette“ Kirsten Dunst verführt und war mit Keira Knightley liiert. Tickt so einer überhaupt noch normal? Muss das nicht ein verwöhntes Bürschchen sein, mit einem Horizont bis zum nächsten Schminkspiegel? Von wegen. Wir treffen einen echten irischen Jungen, der Rugby spielt, nicht auf den Mund gefallen ist und auch schon mal zuhaut, wenn es sein muss – kurz: ein Typ, mit dem man sofort im nächsten Pub ein Bier trinken würde. Von James Houston (Fotos) und Sabine Manecke (Interview)

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Was für ein Job: gut aussehen, gute Sachen anhaben und dann die schönsten Frauen der Welt küssen. Und das nicht nur in Werbefilmen für Levis oder Dolce & Gabbana, sondern auch in Hollywood. Das Topmodel Jamie Dornan hat in Sofia Coppolas „Marie Antoinette“ Kirsten Dunst verführt und war mit Keira Knightley liiert. Tickt so einer überhaupt noch normal? Muss das nicht ein verwöhntes Bürschchen sein, mit einem Horizont bis zum nächsten Schminkspiegel? Von wegen. Wir treffen einen echten irischen Jungen, der Rugby spielt, nicht auf den Mund gefallen ist und auch schon mal zuhaut, wenn es sein muss – kurz: ein Typ, mit dem man sofort im nächsten Pub ein Bier trinken würde. Von James Houston (Fotos) und Sabine Manecke (Interview)

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Notting Hill, Portobello Road, 1. Stock, bitte klingeln und warten, bis man hereingelassen wird. „Members only“, wir sind unverkennbar in England. Jamie kommt ein paar Minuten zu spät und entschuldigt sich formvollendet unter Nennung zahlreicher akzeptabler Gründe für diese kleine Unhöflichkeit. 25 Jahre alt ist er, arbeitet für die ganz Großen der Branche, Dior, Calvin Klein, Tommy Hilfiger, und sieht aus wie der nette Junge von nebenan, für den ein paar mehr Mädchen schwärmen als für die anderen netten Jungs von nebenan. Jamie Dornan setzt sich in der Lounge-Ecke auf die Sofakante und bestellt sich einen Tee. FELD HOMMES: Mr. Dornan, Sie sind Model, Schauspieler und Musiker. In welcher Reihenfolge? Jamie Dornan: Meinen Sie, wie viel Zeit ich damit verbringe oder wie viel Geld ich damit verdiene? Beides. (Überlegt) Ich würde sagen 45 % Schauspieler, 45 % Musiker und der Rest ist Fashion. Mein Geld verdiene ich allerdings zu 90 % mit dem Modeln. Was gefällt Ihnen am Modeln? Das Fashion-Business finde ich faszinierend. Man bekommt erst eine Ahnung davon, was da läuft, wenn man mit dabei ist. Ich habe noch nie so viele inspirierte und talentierte Menschen getroffen, die sich nur mit einer Sache beschäftigen und in dem, was sie tun, wirklich brillant sind. Am Anfang dachte ich ganz naiv: „Was machen die Leute schon groß, zum Beispiel der Make-up-Typ, der schminkt halt ein bisschen“ – aber das sind Künstler. Dagegen hat man als Model wirklich nur einen sehr kleinen Anteil an der ganzen Produktion. Man stellt sich hin, es werden ein paar Fotos gemacht und fertig. Aber alle sind so besessen von den Bildern, der ganzen Mode und dem Image. Das ist schon verrückt. Trotzdem kann ich auch nach fünf Jahren etwas für mich aus der Sache rausziehen. Man darf sich nicht langweilen lassen. Man muss die Augen aufmachen und weiterlernen. Das ist der Trick. Dann macht es auch Spaß. Und was gefällt Ihnen an der Schauspielerei? Die Möglichkeit zu haben, rumzuspielen und so zu tun, als ob man jemand anderes wäre. Das macht Spaß. Ich glaube, fast niemand ist wirklich zufrieden mit sich selbst. Ich langweile mich schnell mit mir. Deswegen finde ich es toll, wenn ich einen Teil des Tages nicht ich selbst sein muss. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist eher kurz. Ich hab ziemlich viel Energie. Als Kind war ich hyperaktiv, und wenn ich die ganze Energie in mich selbst investiere, anstatt sie auszuleben, endet das ziemlich frustrierend. Leute mit zu viel Energie sollten Schauspieler werden. Das funktioniert super. Und die Musik? Es ist das beste Gefühl der Welt, wenn man auf der Bühne steht und Musik macht. Wir haben ganz we-

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nige Male vor vielleicht tausend Menschen gespielt und sehr, sehr oft nur vor einer Handvoll Leuten – beides ist fantastisch. Wenn man da oben steht und etwas Eigenes spielt, etwas, was man sich selbst ausgedacht und gemacht hat, und das gibt man dann weiter an sein Publikum, das macht mich glücklich. In der Musik und mit den Texten kann ich Dinge ausdrücken, die ich beim Modeln nicht loswerden kann. Ihre Band, mit der Sie irischen Folk machen, heißt Sons of Jim. Nicht mehr. Wir heißen jetzt Thin Blue Flames. Und wir werden lauter, mehr Rock, der Sound soll ein bisschen fetter werden. Aber ich liebe Folk immer noch. Neil Young und Bob Dylan sind für mich die Größten. Wollen Sie denn irgendwann nur noch Musiker oder Schauspieler sein? In der Phase meines Lebens, in der ich jetzt bin, scheint es für mich das Richtige zu sein, einfach alles so zu belassen. Weil ich wie gesagt aus allem etwas rausziehen kann. Ich will mich nicht profilieren, ich nehme das Leben, wie es kommt. Realistisch gesehen brauche ich das Modeln auch, um mein Geld zu verdienen. Und in dem Business gibt es für mich auch noch einiges zu erreichen. Mir gefällt die Mischung. Also war die Schauspielerei kein logischer Schritt nach dem Modeln? Sozusagen als die ernstzunehmendere Variante? Nein, das klingt so kalkuliert, und ich habe absolut keinen Plan, nach dem ich vorgehe. Aber das ist ein Klischee, das man nicht loswird. Guck mal: noch ein Model, das Schauspieler werden will. Viele Leute sagen, aus einem Model wird kein gescheiter Schauspieler (lacht). Wieso nicht? Am Ende des Tages tut man was, und einer hält die Kamera drauf. Wieso sollte man nicht das eine können und das andere auch? Nehmen Sie denn Unterricht? Nein. Ich will nichts werden, was ich nicht bin. Bestimmt ist Schauspieltraining eine tolle Sache. Aber wenn ich etwas ausprobiere, und einer sagt mir, das war Mist, dann probiere ich was anderes, höre mir die Ideen meiner Kollegen oder des Regisseurs an und lerne beim Arbeiten. Ich möchte, dass alles, was ich tue, aus mir herauskommt. Dann wollen Sie kein neuer Robert De Niro werden? Eher ein junger Marlon Brando. Den bewundere ich. Er war so lebendig, so präsent, seine Filme waren wirklich relevant, auch für die Jugendkultur. „Endstation Sehnsucht“ ist so ein großer Film, auch heute noch. Brando war wirklich fucking cool. Gibt es einen Satz aus einem Film, den Sie gerne gesagt hätten? Nein … (denkt nach) … doch! (Lacht) In „St. Elmo’s Fire“ sagt Rob Lowe (lacht), also Rob Lowe sagt, als er in eine Klo­ schüssel getunkt wird und wieder auftaucht: „Du hast verdammtes Glück, dass Wet-Look gerade angesagt ist, Arschloch!“

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Notting Hill, Portobello Road, 1. Stock, bitte klingeln und warten, bis man hereingelassen wird. „Members only“, wir sind unverkennbar in England. Jamie kommt ein paar Minuten zu spät und entschuldigt sich formvollendet unter Nennung zahlreicher akzeptabler Gründe für diese kleine Unhöflichkeit. 25 Jahre alt ist er, arbeitet für die ganz Großen der Branche, Dior, Calvin Klein, Tommy Hilfiger, und sieht aus wie der nette Junge von nebenan, für den ein paar mehr Mädchen schwärmen als für die anderen netten Jungs von nebenan. Jamie Dornan setzt sich in der Lounge-Ecke auf die Sofakante und bestellt sich einen Tee. FELD HOMMES: Mr. Dornan, Sie sind Model, Schauspieler und Musiker. In welcher Reihenfolge? Jamie Dornan: Meinen Sie, wie viel Zeit ich damit verbringe oder wie viel Geld ich damit verdiene? Beides. (Überlegt) Ich würde sagen 45 % Schauspieler, 45 % Musiker und der Rest ist Fashion. Mein Geld verdiene ich allerdings zu 90 % mit dem Modeln. Was gefällt Ihnen am Modeln? Das Fashion-Business finde ich faszinierend. Man bekommt erst eine Ahnung davon, was da läuft, wenn man mit dabei ist. Ich habe noch nie so viele inspirierte und talentierte Menschen getroffen, die sich nur mit einer Sache beschäftigen und in dem, was sie tun, wirklich brillant sind. Am Anfang dachte ich ganz naiv: „Was machen die Leute schon groß, zum Beispiel der Make-up-Typ, der schminkt halt ein bisschen“ – aber das sind Künstler. Dagegen hat man als Model wirklich nur einen sehr kleinen Anteil an der ganzen Produktion. Man stellt sich hin, es werden ein paar Fotos gemacht und fertig. Aber alle sind so besessen von den Bildern, der ganzen Mode und dem Image. Das ist schon verrückt. Trotzdem kann ich auch nach fünf Jahren etwas für mich aus der Sache rausziehen. Man darf sich nicht langweilen lassen. Man muss die Augen aufmachen und weiterlernen. Das ist der Trick. Dann macht es auch Spaß. Und was gefällt Ihnen an der Schauspielerei? Die Möglichkeit zu haben, rumzuspielen und so zu tun, als ob man jemand anderes wäre. Das macht Spaß. Ich glaube, fast niemand ist wirklich zufrieden mit sich selbst. Ich langweile mich schnell mit mir. Deswegen finde ich es toll, wenn ich einen Teil des Tages nicht ich selbst sein muss. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist eher kurz. Ich hab ziemlich viel Energie. Als Kind war ich hyperaktiv, und wenn ich die ganze Energie in mich selbst investiere, anstatt sie auszuleben, endet das ziemlich frustrierend. Leute mit zu viel Energie sollten Schauspieler werden. Das funktioniert super. Und die Musik? Es ist das beste Gefühl der Welt, wenn man auf der Bühne steht und Musik macht. Wir haben ganz we-

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nige Male vor vielleicht tausend Menschen gespielt und sehr, sehr oft nur vor einer Handvoll Leuten – beides ist fantastisch. Wenn man da oben steht und etwas Eigenes spielt, etwas, was man sich selbst ausgedacht und gemacht hat, und das gibt man dann weiter an sein Publikum, das macht mich glücklich. In der Musik und mit den Texten kann ich Dinge ausdrücken, die ich beim Modeln nicht loswerden kann. Ihre Band, mit der Sie irischen Folk machen, heißt Sons of Jim. Nicht mehr. Wir heißen jetzt Thin Blue Flames. Und wir werden lauter, mehr Rock, der Sound soll ein bisschen fetter werden. Aber ich liebe Folk immer noch. Neil Young und Bob Dylan sind für mich die Größten. Wollen Sie denn irgendwann nur noch Musiker oder Schauspieler sein? In der Phase meines Lebens, in der ich jetzt bin, scheint es für mich das Richtige zu sein, einfach alles so zu belassen. Weil ich wie gesagt aus allem etwas rausziehen kann. Ich will mich nicht profilieren, ich nehme das Leben, wie es kommt. Realistisch gesehen brauche ich das Modeln auch, um mein Geld zu verdienen. Und in dem Business gibt es für mich auch noch einiges zu erreichen. Mir gefällt die Mischung. Also war die Schauspielerei kein logischer Schritt nach dem Modeln? Sozusagen als die ernstzunehmendere Variante? Nein, das klingt so kalkuliert, und ich habe absolut keinen Plan, nach dem ich vorgehe. Aber das ist ein Klischee, das man nicht loswird. Guck mal: noch ein Model, das Schauspieler werden will. Viele Leute sagen, aus einem Model wird kein gescheiter Schauspieler (lacht). Wieso nicht? Am Ende des Tages tut man was, und einer hält die Kamera drauf. Wieso sollte man nicht das eine können und das andere auch? Nehmen Sie denn Unterricht? Nein. Ich will nichts werden, was ich nicht bin. Bestimmt ist Schauspieltraining eine tolle Sache. Aber wenn ich etwas ausprobiere, und einer sagt mir, das war Mist, dann probiere ich was anderes, höre mir die Ideen meiner Kollegen oder des Regisseurs an und lerne beim Arbeiten. Ich möchte, dass alles, was ich tue, aus mir herauskommt. Dann wollen Sie kein neuer Robert De Niro werden? Eher ein junger Marlon Brando. Den bewundere ich. Er war so lebendig, so präsent, seine Filme waren wirklich relevant, auch für die Jugendkultur. „Endstation Sehnsucht“ ist so ein großer Film, auch heute noch. Brando war wirklich fucking cool. Gibt es einen Satz aus einem Film, den Sie gerne gesagt hätten? Nein … (denkt nach) … doch! (Lacht) In „St. Elmo’s Fire“ sagt Rob Lowe (lacht), also Rob Lowe sagt, als er in eine Klo­ schüssel getunkt wird und wieder auftaucht: „Du hast verdammtes Glück, dass Wet-Look gerade angesagt ist, Arschloch!“

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Sie sind in Belfast geboren, und zwar als Sohn eines Gynäkologen und Geburtshelfers. Hat Ihr Vater Sie auf die Welt geholt? Ich glaube, er durfte nicht. Es war irgendwie verboten, sein eigenes Baby zu holen. Aber er war dabei, als Vater. Ich bin mir sicher, dass die Kinder in der Schule Sie wegen des Berufs Ihres Vaters ziemlich aufgezogen haben. Oder? Oh ja, die ganze Zeit, und das hat mich tierisch genervt. Ich war total sauer, weil ich auf meinen Vater so stolz war. Man sollte sich darüber eigentlich nicht aufregen, aber wenn man ein Kind ist, kapiert man das nicht. Welchen Witz mussten Sie sich besonders oft anhören? „Nimmt dein Vater seine Arbeit mit nach Hause?“ Den hab ich tausend Mal kassiert. Waren Sie je bei einer Geburt dabei? Um Himmels willen, nein! Ich wüsste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Ich hätte meinem Vater nicht beruflich nachfolgen können. Schon allein weil mir der akademische Aspekt nicht liegt. Ich wollte nie Arzt werden. Obwohl mein Vater einen wirklich erfüllenden Job hat und dadurch ein sehr glücklicher Mensch ist. Das hat er auch an mich und meine Schwestern weitergegeben. Aber ich wollte nie mit ihm mal zur Arbeit gehen. Nie. Wie ist denn eine Kindheit in Nordirland, in einem geteilten Land? Ich wurde von den Kämpfen einigermaßen verschont. Ich war auf einer gemischten und sehr liberalen Schule mit Protestanten und Katholiken. Und unsere Familie lebt in einem hübschen Viertel in Belfast, in den umkämpften Gebieten von Belfast war ich nur selten. Trotzdem war mir immer bewusst, was los ist, das Gegenteil wäre auch unmöglich gewesen. Einmal habe ich in den frühen Neunzigern gesehen, wie eine Bombe hochging. Aber als Kind versteht man das natürlich nicht wirklich. Und in dem Alter, als ich es hätte verstehen können, löste sich der Konflikt langsam. Jetzt ist Frieden, und die Leute setzen sich hin und reden, statt aufeinander zu schießen. Ich hoffe, das bleibt so. Haben Sie viel auf der Straße Fußball gespielt? So stellt man sich bei uns eine Kindheit in Irland vor. Wir haben viel auf der Straße gespielt, klar. Aber ich war kein besonders guter Fußballspieler. Ich habe schon immer mitgekickt, aber ich habe nie im Verein gespielt. Mein Sport ist Rugby. Und Tennis, darin bin ich gut. Rugby ist ziemlich hart. Ja. Ich war als Kind sehr aggressiv, und wenn mir einer blöd gekommen ist wegen meinem Vater oder so (lacht), dann gab es beim Rugby auf die Ohren. Haben Sie einen Vertrag, dass Sie kein Rugby mehr spielen dürfen, damit keiner Ihnen die Nase bricht? So etwas gab es, aber ich habe keinen unterschrieben. Ich lasse mir ungern vorschreiben, was ich zu tun oder zu lassen habe. Sind Sie ein typischer irischer Sturkopf? Keine Ahnung, ich bin Stier, ich bin wahrscheinlich ein Dickkopf. Aber ich fühle mich nicht so.

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Und wie sieht’s mit dem Trinken aus? Iren gelten als ordentliche Zecher. Das Klischee ist wahr. Das kann ich unterschreiben. Trinken ist ein wichtiger Teil der irischen Kultur. Der englischen natürlich auch. Es gibt in ganz Irland großartige, alte Pubs. Da sitzen seit 50 Jahren die gleichen Typen drin, mit dem gleichen Glas fürs Guinness in der Hand. Und ich trinke auch gern. Bier? Bier und Kurze. 2001, da waren Sie knapp 20, haben Sie bei einer CastingShow im Fernsehen mitgemacht. Wie passt das? Mein Vater hat sich, ich glaube, 15 Mal mit mir zusammengesetzt, um mir ins Gewissen zu reden, dass es so nicht weitergehen kann. Ich war zwar an der Uni eingeschrieben, aber ich bin nur zum Trinken und Rugbyspielen hingegangen. Also hat mein Vater mich ermahnt, dass ich mit meinem Leben irgendwas anfangen muss. Ich habe dann für mich entschieden, dass ich keinen Nine-tofive-Job will, weil Routine nichts für mich ist. Meine Schwester hat dann im Fernsehen den Trailer für „Model Behaviour“, eine Model-Casting-Show, gesehen. Ich hab erst mal gezögert, weil ich niemals in Betracht gezogen hätte, bei etwas so Bescheuertem mitzumachen. Ich war damals außerdem durchs Rugbyspielen viel kräftiger, ich dachte, das passt gar nicht. Aber meine Schwester hat mich hingeschleppt. Ein Freund von mir war noch mit, der flog noch am selben Tag raus. Ich kam in die nächste Runde und musste dann drei Tage nach London. Da war dann für mich Schluss. Sie haben nicht gewonnen? Nein. Gott sei Dank ist mir die Erfahrung erspart geblieben, mit acht Kollegen in einem Apartment vor der Kamera zu leben. Ich bereue es nicht, mitgemacht zu haben, das hat mir ein paar gute Kontakte eingebracht, aber es war besser, früh auszusteigen. Es wäre auch schlecht für meine Karriere gewesen, wenn ich bis zum Schluss dabeigeblieben wäre. Sie sind also kein Fan der weltweiten Erfolgsformate „Germany’s, England’s, America’s Next Topmodel“? Das ist das Lächerlichste, was ich je gesehen habe. Da machen diese Leute mit, die sich „Fashion-Experts“ nennen, und sie haben keinen verdammten Schimmer davon, was Fashion ist. Die Fotoshootings, die sie da veranstalten, sind absolut unrealistisch. Und dann dieser Quatsch wie „Wenn du unter Wasser nicht lächelst, während die Haie um dich rumschwimmen, dann wirst du es als Model nicht schaffen“. Das ist so weit von dem entfernt, wie das Geschäft läuft, das ist wirklich unfassbar. Sie lassen die Mädchen durch die Hölle gehen, die sehen auf den Fotos super aus, und die Idioten in der Jury putzen sie runter. Die werden behandelt, als ob sie Tiere wären oder in die Army wollten. Niemand hat mich je bei einem Job so behandelt. Die Menschen sind höflich zu einem, man lacht und hat Spaß. Und Fotoshootings sind auch keine Zirkusveranstaltungen, sondern meistens steht man vor einer weißen Wand und arbeitet. Diese Shows sind Mist. Wer Model werden will, geht in eine Agentur, zeigt ein paar Polaroids und fertig. Man muss sich nicht im Fernsehen wie Scheiße behandeln lassen, um Model zu werden.

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Sie sind in Belfast geboren, und zwar als Sohn eines Gynäkologen und Geburtshelfers. Hat Ihr Vater Sie auf die Welt geholt? Ich glaube, er durfte nicht. Es war irgendwie verboten, sein eigenes Baby zu holen. Aber er war dabei, als Vater. Ich bin mir sicher, dass die Kinder in der Schule Sie wegen des Berufs Ihres Vaters ziemlich aufgezogen haben. Oder? Oh ja, die ganze Zeit, und das hat mich tierisch genervt. Ich war total sauer, weil ich auf meinen Vater so stolz war. Man sollte sich darüber eigentlich nicht aufregen, aber wenn man ein Kind ist, kapiert man das nicht. Welchen Witz mussten Sie sich besonders oft anhören? „Nimmt dein Vater seine Arbeit mit nach Hause?“ Den hab ich tausend Mal kassiert. Waren Sie je bei einer Geburt dabei? Um Himmels willen, nein! Ich wüsste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Ich hätte meinem Vater nicht beruflich nachfolgen können. Schon allein weil mir der akademische Aspekt nicht liegt. Ich wollte nie Arzt werden. Obwohl mein Vater einen wirklich erfüllenden Job hat und dadurch ein sehr glücklicher Mensch ist. Das hat er auch an mich und meine Schwestern weitergegeben. Aber ich wollte nie mit ihm mal zur Arbeit gehen. Nie. Wie ist denn eine Kindheit in Nordirland, in einem geteilten Land? Ich wurde von den Kämpfen einigermaßen verschont. Ich war auf einer gemischten und sehr liberalen Schule mit Protestanten und Katholiken. Und unsere Familie lebt in einem hübschen Viertel in Belfast, in den umkämpften Gebieten von Belfast war ich nur selten. Trotzdem war mir immer bewusst, was los ist, das Gegenteil wäre auch unmöglich gewesen. Einmal habe ich in den frühen Neunzigern gesehen, wie eine Bombe hochging. Aber als Kind versteht man das natürlich nicht wirklich. Und in dem Alter, als ich es hätte verstehen können, löste sich der Konflikt langsam. Jetzt ist Frieden, und die Leute setzen sich hin und reden, statt aufeinander zu schießen. Ich hoffe, das bleibt so. Haben Sie viel auf der Straße Fußball gespielt? So stellt man sich bei uns eine Kindheit in Irland vor. Wir haben viel auf der Straße gespielt, klar. Aber ich war kein besonders guter Fußballspieler. Ich habe schon immer mitgekickt, aber ich habe nie im Verein gespielt. Mein Sport ist Rugby. Und Tennis, darin bin ich gut. Rugby ist ziemlich hart. Ja. Ich war als Kind sehr aggressiv, und wenn mir einer blöd gekommen ist wegen meinem Vater oder so (lacht), dann gab es beim Rugby auf die Ohren. Haben Sie einen Vertrag, dass Sie kein Rugby mehr spielen dürfen, damit keiner Ihnen die Nase bricht? So etwas gab es, aber ich habe keinen unterschrieben. Ich lasse mir ungern vorschreiben, was ich zu tun oder zu lassen habe. Sind Sie ein typischer irischer Sturkopf? Keine Ahnung, ich bin Stier, ich bin wahrscheinlich ein Dickkopf. Aber ich fühle mich nicht so.

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Und wie sieht’s mit dem Trinken aus? Iren gelten als ordentliche Zecher. Das Klischee ist wahr. Das kann ich unterschreiben. Trinken ist ein wichtiger Teil der irischen Kultur. Der englischen natürlich auch. Es gibt in ganz Irland großartige, alte Pubs. Da sitzen seit 50 Jahren die gleichen Typen drin, mit dem gleichen Glas fürs Guinness in der Hand. Und ich trinke auch gern. Bier? Bier und Kurze. 2001, da waren Sie knapp 20, haben Sie bei einer CastingShow im Fernsehen mitgemacht. Wie passt das? Mein Vater hat sich, ich glaube, 15 Mal mit mir zusammengesetzt, um mir ins Gewissen zu reden, dass es so nicht weitergehen kann. Ich war zwar an der Uni eingeschrieben, aber ich bin nur zum Trinken und Rugbyspielen hingegangen. Also hat mein Vater mich ermahnt, dass ich mit meinem Leben irgendwas anfangen muss. Ich habe dann für mich entschieden, dass ich keinen Nine-tofive-Job will, weil Routine nichts für mich ist. Meine Schwester hat dann im Fernsehen den Trailer für „Model Behaviour“, eine Model-Casting-Show, gesehen. Ich hab erst mal gezögert, weil ich niemals in Betracht gezogen hätte, bei etwas so Bescheuertem mitzumachen. Ich war damals außerdem durchs Rugbyspielen viel kräftiger, ich dachte, das passt gar nicht. Aber meine Schwester hat mich hingeschleppt. Ein Freund von mir war noch mit, der flog noch am selben Tag raus. Ich kam in die nächste Runde und musste dann drei Tage nach London. Da war dann für mich Schluss. Sie haben nicht gewonnen? Nein. Gott sei Dank ist mir die Erfahrung erspart geblieben, mit acht Kollegen in einem Apartment vor der Kamera zu leben. Ich bereue es nicht, mitgemacht zu haben, das hat mir ein paar gute Kontakte eingebracht, aber es war besser, früh auszusteigen. Es wäre auch schlecht für meine Karriere gewesen, wenn ich bis zum Schluss dabeigeblieben wäre. Sie sind also kein Fan der weltweiten Erfolgsformate „Germany’s, England’s, America’s Next Topmodel“? Das ist das Lächerlichste, was ich je gesehen habe. Da machen diese Leute mit, die sich „Fashion-Experts“ nennen, und sie haben keinen verdammten Schimmer davon, was Fashion ist. Die Fotoshootings, die sie da veranstalten, sind absolut unrealistisch. Und dann dieser Quatsch wie „Wenn du unter Wasser nicht lächelst, während die Haie um dich rumschwimmen, dann wirst du es als Model nicht schaffen“. Das ist so weit von dem entfernt, wie das Geschäft läuft, das ist wirklich unfassbar. Sie lassen die Mädchen durch die Hölle gehen, die sehen auf den Fotos super aus, und die Idioten in der Jury putzen sie runter. Die werden behandelt, als ob sie Tiere wären oder in die Army wollten. Niemand hat mich je bei einem Job so behandelt. Die Menschen sind höflich zu einem, man lacht und hat Spaß. Und Fotoshootings sind auch keine Zirkusveranstaltungen, sondern meistens steht man vor einer weißen Wand und arbeitet. Diese Shows sind Mist. Wer Model werden will, geht in eine Agentur, zeigt ein paar Polaroids und fertig. Man muss sich nicht im Fernsehen wie Scheiße behandeln lassen, um Model zu werden.

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Fotografie: James Houston (www.jgkinc.net)  Hero: Jamie Dornan (www.selectmodelmanagement.co.uk) Bildbearbeitung: Peggy David, Thomas Kaiser (www.appel-grafik.de) 

Wie bleibt man bei dem ganzen Wahnsinn „echt“? Wo es doch immer nur um Verstellung, um Verkleidung, um Posieren geht? Ich glaube eigentlich, oder besser ich hoffe, dass mich das alles nicht verändert hat. Ich bin so, wie ich immer war. Ich habe eine Gruppe von Freunden, die kenne ich seit zehn, 15 Jahren. Drei Freunde kenne ich sogar schon, seit ich vier bin. Viele meiner irischen Freunde sind auch nach London gezogen. Das heißt, ich sehe dieselben Menschen wie immer. Sie haben normale Jobs, und wir treffen uns und hängen zusammen ab. Ich habe in der Branche schon auch ein paar neue Leute kennengelernt, die wirklich nett und okay sind. Aber um eine Handvoll echter Menschen rauszupicken, musst du einen Haufen Arschlöcher und Freaks ertragen. Viele in dieser Mode-Film-Welt sind verlorene Seelen. Sie wollen so unbedingt irgendwas darstellen, dass sie auf dem Weg dahin sich selbst verlieren. Gibt es Menschen, die Sie richtig in Rage versetzen? Ja. Unerzogene und unhöfliche Menschen. Ich kann es nicht ab, wenn Menschen nicht reagieren, wenn ihnen jemand die Tür aufhält oder sie bedient werden. Bitte, danke, Entschuldigung – das sollte wirklich jeder draufhaben. Egal wie besoffen ich bin, wenn ich im Club jemanden anremple, entschuldige ich mich. Was mich noch irrer macht, sind Leute, die nicht zu Fuß gehen können. Die Touristen hier, die gucken rum und merken nicht, wo und wie sie unterwegs sind. Dann laufe ich die ganze Zeit Slalom und bleibe doch wieder hinter einem schlechten Fußgänger stecken, der plötzlich stoppt, und ich kann nicht vorbei. Kloppen Sie sich schon mal, wenn es Ihnen zu viel wird? Auf der Straße oder wie? Ja? Klar, öfter. Also nicht mehr so oft wie früher, aber schon noch ab und zu. Ich werde manchmal ein bisschen frech, aber nur wenn es jemand verdient. Ich bin ja kein massiver Mann oder Schlägertyp, ich benutze eher mein Mundwerk. Meine Freunde wundern sich immer, dass ich nicht öfter eins draufkriege. Grade neulich habe ich mich ein bisschen geboxt, da hab ich gesehen, wie ein Typ eine Freundin an eine Wand geschubst hat. Es gibt viele Arschlöcher auf der Welt. Was machen Sie, um fit zu bleiben? Nicht viel. Eigentlich seit fünf Jahren fast nichts mehr. Ich renne Treppen rauf, weil ich nicht die Geduld habe, langsam zu gehen. Aber ich bin nicht Mitglied in einem Fitness-Studio. Ab und zu ein bisschen Tennis oder Kicken. Das ist alles.

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Fühlen sich andere Männer dazu herausgefordert, sich mit Ihnen zu messen? Nach dem Motto „Der ist Model, aber ich hab die besseren Tricks bei den Frauen“? Das ist mir noch nie aufgefallen. Aber ich gehe ja eh nur mit meinen Freunden aus. Und die haben definitiv die besseren Tricks. Ich hatte zwei Mädchen in meinem Leben. Ich bin nicht sehr erfolgreich, mir liegt das nicht so. Meine Freunde haben die cooleren Sprüche drauf. Mein Aussehen funktioniert vielleicht im Fashion-Business. Bei den Mädchen zählen andere Dinge. Fahren Sie denn ein tolles Auto? Das schindet ja auch Eindruck. Einen 1988 MB SL 450. Ich nenne ihn Macy, und er ist die Liebe meines Lebens. Und was ist mit Keira Knightley? Wir waren zusammen, es hat irgendwann nicht mehr geklappt, wir haben uns getrennt. Wie das immer so ist. Aber wir sind gute Freunde. Hat Keira Sie Sofia Coppola vorgestellt und sozusagen in Holly­wood eingeführt? Nein. Das war mein Agent. Ich habe für „Marie Antoinette“ ganz normal vorgesprochen. Und dann die Rolle bekommen. Ich glaube, Keira kennt Sofia gar nicht. Könnten Sie mit Ihrem Erfolg so etwas wie ein Vorbild für irische Jungs sein? Kate Moss zum Beispiel. ist ja ein RoleModel für englische Mädchen. Nein. Jungs brauchen keine männlichen Models als Vorbilder. Sie sollten sich Rockstars oder Sportler suchen. Und für mich interessieren sich auch nicht so viele Menschen wie für Kate. Ich habe mal mit ihr für Calvin Klein gearbeitet. Sie hat eine Ausstrahlung, eine solche Kraft, dass man sich wünscht, viel mehr von ihr zu wissen. Das haben nicht viele. Was steht denn als nächstes Projekt an? Ich drehe eine Fernsehserie, so eine Gruselsache, ein bisschen verrückt, wie die Engländer es mögen. Mit Spuk und Vampiren und einer Geisel­geschichte im Irak und so. Gruselgeiseln im Irak? (Lacht) Irgend so was. Die Serie soll erst im Internet laufen, sich da verbreiten und dann ins Fernsehen kommen. Und Sie spielen den Vampir? Nein, es gibt auch einen Helden. Ich bin der Held. Mr. Dornan, danke für dieses Gespräch.

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Fotografie: James Houston (www.jgkinc.net)  Hero: Jamie Dornan (www.selectmodelmanagement.co.uk) Bildbearbeitung: Peggy David, Thomas Kaiser (www.appel-grafik.de) 

Wie bleibt man bei dem ganzen Wahnsinn „echt“? Wo es doch immer nur um Verstellung, um Verkleidung, um Posieren geht? Ich glaube eigentlich, oder besser ich hoffe, dass mich das alles nicht verändert hat. Ich bin so, wie ich immer war. Ich habe eine Gruppe von Freunden, die kenne ich seit zehn, 15 Jahren. Drei Freunde kenne ich sogar schon, seit ich vier bin. Viele meiner irischen Freunde sind auch nach London gezogen. Das heißt, ich sehe dieselben Menschen wie immer. Sie haben normale Jobs, und wir treffen uns und hängen zusammen ab. Ich habe in der Branche schon auch ein paar neue Leute kennengelernt, die wirklich nett und okay sind. Aber um eine Handvoll echter Menschen rauszupicken, musst du einen Haufen Arschlöcher und Freaks ertragen. Viele in dieser Mode-Film-Welt sind verlorene Seelen. Sie wollen so unbedingt irgendwas darstellen, dass sie auf dem Weg dahin sich selbst verlieren. Gibt es Menschen, die Sie richtig in Rage versetzen? Ja. Unerzogene und unhöfliche Menschen. Ich kann es nicht ab, wenn Menschen nicht reagieren, wenn ihnen jemand die Tür aufhält oder sie bedient werden. Bitte, danke, Entschuldigung – das sollte wirklich jeder draufhaben. Egal wie besoffen ich bin, wenn ich im Club jemanden anremple, entschuldige ich mich. Was mich noch irrer macht, sind Leute, die nicht zu Fuß gehen können. Die Touristen hier, die gucken rum und merken nicht, wo und wie sie unterwegs sind. Dann laufe ich die ganze Zeit Slalom und bleibe doch wieder hinter einem schlechten Fußgänger stecken, der plötzlich stoppt, und ich kann nicht vorbei. Kloppen Sie sich schon mal, wenn es Ihnen zu viel wird? Auf der Straße oder wie? Ja? Klar, öfter. Also nicht mehr so oft wie früher, aber schon noch ab und zu. Ich werde manchmal ein bisschen frech, aber nur wenn es jemand verdient. Ich bin ja kein massiver Mann oder Schlägertyp, ich benutze eher mein Mundwerk. Meine Freunde wundern sich immer, dass ich nicht öfter eins draufkriege. Grade neulich habe ich mich ein bisschen geboxt, da hab ich gesehen, wie ein Typ eine Freundin an eine Wand geschubst hat. Es gibt viele Arschlöcher auf der Welt. Was machen Sie, um fit zu bleiben? Nicht viel. Eigentlich seit fünf Jahren fast nichts mehr. Ich renne Treppen rauf, weil ich nicht die Geduld habe, langsam zu gehen. Aber ich bin nicht Mitglied in einem Fitness-Studio. Ab und zu ein bisschen Tennis oder Kicken. Das ist alles.

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Fühlen sich andere Männer dazu herausgefordert, sich mit Ihnen zu messen? Nach dem Motto „Der ist Model, aber ich hab die besseren Tricks bei den Frauen“? Das ist mir noch nie aufgefallen. Aber ich gehe ja eh nur mit meinen Freunden aus. Und die haben definitiv die besseren Tricks. Ich hatte zwei Mädchen in meinem Leben. Ich bin nicht sehr erfolgreich, mir liegt das nicht so. Meine Freunde haben die cooleren Sprüche drauf. Mein Aussehen funktioniert vielleicht im Fashion-Business. Bei den Mädchen zählen andere Dinge. Fahren Sie denn ein tolles Auto? Das schindet ja auch Eindruck. Einen 1988 MB SL 450. Ich nenne ihn Macy, und er ist die Liebe meines Lebens. Und was ist mit Keira Knightley? Wir waren zusammen, es hat irgendwann nicht mehr geklappt, wir haben uns getrennt. Wie das immer so ist. Aber wir sind gute Freunde. Hat Keira Sie Sofia Coppola vorgestellt und sozusagen in Holly­wood eingeführt? Nein. Das war mein Agent. Ich habe für „Marie Antoinette“ ganz normal vorgesprochen. Und dann die Rolle bekommen. Ich glaube, Keira kennt Sofia gar nicht. Könnten Sie mit Ihrem Erfolg so etwas wie ein Vorbild für irische Jungs sein? Kate Moss zum Beispiel. ist ja ein RoleModel für englische Mädchen. Nein. Jungs brauchen keine männlichen Models als Vorbilder. Sie sollten sich Rockstars oder Sportler suchen. Und für mich interessieren sich auch nicht so viele Menschen wie für Kate. Ich habe mal mit ihr für Calvin Klein gearbeitet. Sie hat eine Ausstrahlung, eine solche Kraft, dass man sich wünscht, viel mehr von ihr zu wissen. Das haben nicht viele. Was steht denn als nächstes Projekt an? Ich drehe eine Fernsehserie, so eine Gruselsache, ein bisschen verrückt, wie die Engländer es mögen. Mit Spuk und Vampiren und einer Geisel­geschichte im Irak und so. Gruselgeiseln im Irak? (Lacht) Irgend so was. Die Serie soll erst im Internet laufen, sich da verbreiten und dann ins Fernsehen kommen. Und Sie spielen den Vampir? Nein, es gibt auch einen Helden. Ich bin der Held. Mr. Dornan, danke für dieses Gespräch.

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Am Anfang war alles schwarz. Von Jan Schlüter (Text)

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Der erst 1948 geborenen schwarzen PVC-Scheibe sagte man schon im mittleren Alter, nämlich Ende der 1980er Jahre, den baldigen Tod voraus. Total falsche Prognose, denn wie immer leben Totgesagte besonders lange und Vinyl wahrscheinlich sogar bedeutend länger als die abgegrabbelte Audio-CD. Zugegebenermaßen gab es auch deprimierende Durchhänger für die Schallplatte, aber im Zuge der fortwährenden Digitalisierung unseres Alltags und der permanenten Verfügbarkeit von allem und jedem durch das Internet ist Vinyl wieder sehr beliebt. Zwar gingen die Vinylverkäufe in Deutschland 2006 leicht zurück, aber der vom deutschen Phonoverband ermittelte Marktanteil von ca. einem Prozent bzw. knapp einer Million verkauften Vinyltonträgern stimmt trotzdem hinten und vorne nicht. Die realistische Quote liegt wohl bei circa drei Prozent und somit bei satten drei Millionen verkauften Vinylscheiben bundesweit. Dabei werden alle erdenklichen Formate und die Verkaufserfolge selbst der kleinsten Plattenläden mitgerechnet. Trotzdem bleibt die Zahl erstaunlich. In den verbliebenen sechs Presswerken in Deutschland wurden letztes Jahr doch tatsächlich über zehn Millionen der schwarzen Scheiben gepresst. Ein deutsches Presswerk gibt sogar an, mittlerweile das größte der Welt zu sein, es steht auf der grünen Wiese in Mecklenburg-Vorpommern. Wenn man dann noch bedenkt, dass die lieben Nachbarn in England und Frankreich fast genauso viel Vinyl pressen, und man noch die Platten liebenden Länder USA und Japan dazunimmt, merkt man schnell, dass es sich nicht mehr um eine Nische handelt, sondern dass das Vinylformat ein echter Dauerläufer ist. Weltweit munkelt man was von über 30 Millionen Pressungen jährlich! Zum Glück gibt es noch genug Ersatzteile für die alten Druckmaschinen. Zur Not stellt der gewitzte Plattenpresser sie selbst her! Bei der Vinylliebhaberei geht es aber keineswegs um langweiligen audiophilen Hörgenuss älterer Herren im HighendWahnsinn, die es bei der Callas knacken lassen wollen, sondern vielmehr um einen modernen und urbanen Lifestyle. Vinyl ist im wahrsten Sinne des Wortes wieder in Mode. Als Haute-Couture-Zar Christian Dior Ende der 90er Jahre ein eigenes Musiklabel gründete, war es für die Verantwortlichen selbstverständlich, Vinylplatten zu veröffentlichen. Denn Vinyl hat Stil. Das hat sich auch bei den Lifestyle-Hustlern auf Konsumentenseite herumgesprochen. Besonders in den Jahren nach der Jahrtausendwende gab es einen fulminanten und weltweiten Vinylboom. Auch weil man mit der Vinylscheibe so schicke Formate herstellen kann wie zum Beispiel die stark

angesagten Picturediscs mit Smileys oder nackten Menschen drauf. In England verkaufen sich gerade die kleinen 7“s, also die klassischen Singles, besonders gut. Alleine dieses schnuckelige Format ging 2006 über eine Million Mal über die Tresen der englischen Plattenshops. Die aktuelle sechste LP der White Stripes, „Icky Thump“, schoss quasi durch die Decke und verkaufte sich so oft wie keiner der Megaseller neulich vor 25 Jahren! Kein Wunder, ist England doch das Land mit dem höchsten Vinylverbrauch pro Kopf. Auffallend an dem Boom ist, dass Jugendliche, die mit der CD aufgewachsen sind, wieder verstärkt Vinyl kaufen. Weil es cool ist, ein Stück Musik in der Hand zu halten und nicht einen speckigen, leicht grauen MP3-Player mit zerkratztem Display und so vielen Songs drauf, dass man ja sowieso nur immer dieselben drei Lieder anhört. Vor allem der bedeutende haptische Aspekt und die charakteristische Abspielweise lassen den ältesten existierenden Tonträger, die Schallplatte, zum Kult-Gadget der Teenies werden. Es ist wie das Rennen um Zuneigung zwischen einem technisch ausgereiften, aber lahmen Liegefahrrad mit einem funky Dirtbike. Der Vorgang, sich Musik vom PC auf den MP3-Player zu laden, ist rein klinisch-technisch und hat absolut gar nichts mehr mit Sinnlichkeit zu tun. Vom Handyklingelton-Download ganz zu schweigen! Eine Platte aufzulegen ist dagegen extra sinnlich. Nicht nur, dass man einen Plattenspieler, einen Verstärker sowie Lautsprecher benötigt. Also eine Anlage, etwas Großes, Bedeutendes. Nein, vielmehr geht es doch um spezifische Extras der Schallplatte wie das leise Knacken und Kratzen der Nadel, die in der Rille läuft, und das warme und einduselnde Geräusch, wenn der Diamant in der Endlosrille hängen geblieben ist. Platten kann man im Gegensatz zum Audio-File noch richtig anfassen, umdrehen, auflegen, scratchen, nervende Fettfingerabdrücke auf ihnen hinterlassen oder sie wutentbrannt zerbrechen. Und nichts geht über das erhabene Gefühl, aus einem total coolen Plattenshop zu stolzieren und den neusten Hit unterm Arm bzw. in der durchsichtigen Tüte mit sich herumzutragen. Man kann Schallplatten auch schlicht ins Regal stellen, sogar sammeln und vor allem toll damit angeben. Man kann die Rillen zärtlich berühren und somit gewissermaßen die Musik ertasten. Vinyl riecht auch. Mal gut, mal nicht so gut, und manchmal riechen auch die Cover. Es lebt eben. Das mögen die urbanen jungen Menschen wieder gerne fühlen, weltweit. Und sie möchten mehr sehen als das automatische Cover-Flippen bei iTunes. Denn ein weiterer Pluspunkt für die Schallplatte ist natürlich die bestechende Verpackung. Für Platten gibt es große Cover aus richtigem Papier, manchmal sogar schick in Folie eingeschweißt. Auf der Rückseite der Cover sind oft Fotos der Künstler, manchmal bizarre Illustrationen oder Graffitipieces, komplette Comicstrips oder

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Am Anfang war alles schwarz. Von Jan Schlüter (Text)

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Der erst 1948 geborenen schwarzen PVC-Scheibe sagte man schon im mittleren Alter, nämlich Ende der 1980er Jahre, den baldigen Tod voraus. Total falsche Prognose, denn wie immer leben Totgesagte besonders lange und Vinyl wahrscheinlich sogar bedeutend länger als die abgegrabbelte Audio-CD. Zugegebenermaßen gab es auch deprimierende Durchhänger für die Schallplatte, aber im Zuge der fortwährenden Digitalisierung unseres Alltags und der permanenten Verfügbarkeit von allem und jedem durch das Internet ist Vinyl wieder sehr beliebt. Zwar gingen die Vinylverkäufe in Deutschland 2006 leicht zurück, aber der vom deutschen Phonoverband ermittelte Marktanteil von ca. einem Prozent bzw. knapp einer Million verkauften Vinyltonträgern stimmt trotzdem hinten und vorne nicht. Die realistische Quote liegt wohl bei circa drei Prozent und somit bei satten drei Millionen verkauften Vinylscheiben bundesweit. Dabei werden alle erdenklichen Formate und die Verkaufserfolge selbst der kleinsten Plattenläden mitgerechnet. Trotzdem bleibt die Zahl erstaunlich. In den verbliebenen sechs Presswerken in Deutschland wurden letztes Jahr doch tatsächlich über zehn Millionen der schwarzen Scheiben gepresst. Ein deutsches Presswerk gibt sogar an, mittlerweile das größte der Welt zu sein, es steht auf der grünen Wiese in Mecklenburg-Vorpommern. Wenn man dann noch bedenkt, dass die lieben Nachbarn in England und Frankreich fast genauso viel Vinyl pressen, und man noch die Platten liebenden Länder USA und Japan dazunimmt, merkt man schnell, dass es sich nicht mehr um eine Nische handelt, sondern dass das Vinylformat ein echter Dauerläufer ist. Weltweit munkelt man was von über 30 Millionen Pressungen jährlich! Zum Glück gibt es noch genug Ersatzteile für die alten Druckmaschinen. Zur Not stellt der gewitzte Plattenpresser sie selbst her! Bei der Vinylliebhaberei geht es aber keineswegs um langweiligen audiophilen Hörgenuss älterer Herren im HighendWahnsinn, die es bei der Callas knacken lassen wollen, sondern vielmehr um einen modernen und urbanen Lifestyle. Vinyl ist im wahrsten Sinne des Wortes wieder in Mode. Als Haute-Couture-Zar Christian Dior Ende der 90er Jahre ein eigenes Musiklabel gründete, war es für die Verantwortlichen selbstverständlich, Vinylplatten zu veröffentlichen. Denn Vinyl hat Stil. Das hat sich auch bei den Lifestyle-Hustlern auf Konsumentenseite herumgesprochen. Besonders in den Jahren nach der Jahrtausendwende gab es einen fulminanten und weltweiten Vinylboom. Auch weil man mit der Vinylscheibe so schicke Formate herstellen kann wie zum Beispiel die stark

angesagten Picturediscs mit Smileys oder nackten Menschen drauf. In England verkaufen sich gerade die kleinen 7“s, also die klassischen Singles, besonders gut. Alleine dieses schnuckelige Format ging 2006 über eine Million Mal über die Tresen der englischen Plattenshops. Die aktuelle sechste LP der White Stripes, „Icky Thump“, schoss quasi durch die Decke und verkaufte sich so oft wie keiner der Megaseller neulich vor 25 Jahren! Kein Wunder, ist England doch das Land mit dem höchsten Vinylverbrauch pro Kopf. Auffallend an dem Boom ist, dass Jugendliche, die mit der CD aufgewachsen sind, wieder verstärkt Vinyl kaufen. Weil es cool ist, ein Stück Musik in der Hand zu halten und nicht einen speckigen, leicht grauen MP3-Player mit zerkratztem Display und so vielen Songs drauf, dass man ja sowieso nur immer dieselben drei Lieder anhört. Vor allem der bedeutende haptische Aspekt und die charakteristische Abspielweise lassen den ältesten existierenden Tonträger, die Schallplatte, zum Kult-Gadget der Teenies werden. Es ist wie das Rennen um Zuneigung zwischen einem technisch ausgereiften, aber lahmen Liegefahrrad mit einem funky Dirtbike. Der Vorgang, sich Musik vom PC auf den MP3-Player zu laden, ist rein klinisch-technisch und hat absolut gar nichts mehr mit Sinnlichkeit zu tun. Vom Handyklingelton-Download ganz zu schweigen! Eine Platte aufzulegen ist dagegen extra sinnlich. Nicht nur, dass man einen Plattenspieler, einen Verstärker sowie Lautsprecher benötigt. Also eine Anlage, etwas Großes, Bedeutendes. Nein, vielmehr geht es doch um spezifische Extras der Schallplatte wie das leise Knacken und Kratzen der Nadel, die in der Rille läuft, und das warme und einduselnde Geräusch, wenn der Diamant in der Endlosrille hängen geblieben ist. Platten kann man im Gegensatz zum Audio-File noch richtig anfassen, umdrehen, auflegen, scratchen, nervende Fettfingerabdrücke auf ihnen hinterlassen oder sie wutentbrannt zerbrechen. Und nichts geht über das erhabene Gefühl, aus einem total coolen Plattenshop zu stolzieren und den neusten Hit unterm Arm bzw. in der durchsichtigen Tüte mit sich herumzutragen. Man kann Schallplatten auch schlicht ins Regal stellen, sogar sammeln und vor allem toll damit angeben. Man kann die Rillen zärtlich berühren und somit gewissermaßen die Musik ertasten. Vinyl riecht auch. Mal gut, mal nicht so gut, und manchmal riechen auch die Cover. Es lebt eben. Das mögen die urbanen jungen Menschen wieder gerne fühlen, weltweit. Und sie möchten mehr sehen als das automatische Cover-Flippen bei iTunes. Denn ein weiterer Pluspunkt für die Schallplatte ist natürlich die bestechende Verpackung. Für Platten gibt es große Cover aus richtigem Papier, manchmal sogar schick in Folie eingeschweißt. Auf der Rückseite der Cover sind oft Fotos der Künstler, manchmal bizarre Illustrationen oder Graffitipieces, komplette Comicstrips oder

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gut geschriebene und informative Linernotes, sogar Sticker und anderer lustiger, kreativer Schnickschnack. Oft sind die Songtexte auf dem Innencover abgedruckt, das ist gut, wenn man laut mitsingen will, aber den Text wieder mal nicht richtig verstanden hat ... Es gibt auch dicke, prachtvolle Doppel-LPs zum Aufklappen. Das alles spiegelt wider, dass es sich hier um ein wahrhaft kreatives Produkt handelt und nicht um vergängliche Wegwerfware. Verschiedene künstlerische Gewerke haben sich an der Vinylverpackung ausgetobt und beteiligt. Das Artwork wurde dadurch fester Bestandteil der Musikkultur. Labels und Künstler können visuell Profil zeigen. Die Gestaltung ist gleichzeitig Corporate Identity und als Marketing-Instrument bestens geeignet. Das renommierte Jazzlabel Blue Note hat nach wie vor eine perfekt abgestimmte grafische CI, einst von Reid Miles gestaltet. Bei den Covern des englischen Talkin’Loud-Labels mit den Swifty Typographics wusste man auf den ersten Blick, was man in der Hand hatte. Nicht zu vergessen die tollen Logos: Das schicke geschwungene von Verve ist zu erwähnen oder das Polydor-Logo auf allen James-Brown-Platten. Einige Cover sind wahre Kunstwerke. Paradebeispiele sind die von Andy Warhol gestalteten Cover der Debüt-LP von Velvet Underground und der Rolling-Stones-LP „Sticky Fingers“, aber auch Pink Floyds „Dark Side of the Moon“, die ausgeschnittene Teile, Texte und ausklappbare Elemente enthielten. Manches Artwork hat ganze Musikrichtungen maßgeblich mitbestimmt. So sind Schriftcollagen prägend für den Großteil von Punk-Covern, wie beispielsweise das Cover-Design der Sex-Pistols-Platten von Jamie Reid. In Japan kann man den Trend zurück zum Vinyl ebenfalls beobachten. Es geht den technikbegeisterten und sehr tradi­ tionsbewussten Japanern ganz ernsthaft um die Erhaltung des hoch kreativen Formats. Kleines Beispiel: Ein gut gebuchter Top-DJ, der ausschließlich mit Vinylplatten in Clubs in Tokio auflegt, bekommt tatsächlich oftmals eine höhere Gage. Das Unterfangen nennt sich dann simpel ein „Vinyl-only-Set“. Man huldigt also nicht nur dem Vinyl an sich, sondern auch der langen Tradition des DJ-tums, das ja einmal sehr ehrenhaft und professionell betrieben wurde. Das wird es natürlich immer noch, aber die Zahl der Plattenritter wird immer geringer. Denn mal ehrlich, zwei iPods in eine eigens dafür konzipierte Mixkonsole zu stecken und dann einfach mal den Regler rüberziehen und die Songs mixen sich von ganz alleine, das kann

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in der Tat jeder Volltrottel! Aber mit echten Vinylplatten aufzulegen, sensibel auf den richtigen Sound zu achten, vorhören und dezentes Auspegeln plus einer akkuraten Mix-Technik zu sporten, das kann nicht jeder. Schon gar nicht Lifestyle-Affen wie Giulia Siegel. Denn DJ-Sein im Handumdrehen, wie in der Nokia-Werbung uncharmant und pseudomodern dargestellt und suggeriert, ist dann eben doch nicht so einfach, wie es auf den Plakaten aussieht. Mit Vinyl zu arbeiten ist richtiges Handwerk. Teilweise ist es sogar hohe Kunst und verlangt ein atemberaubendes artistisches Geschick, wie es einige DJs an den Start bringen! Das müssen einem nicht erst fast geheime und im Stillen stattfindende D.iscoM.ixC.lub Championchips beweisen oder rare youtubeVideos von DJ-Legenden wie Cut Chemist, DJ Shadow, A-Track oder dem wahnwitzigen und schier genialen Kid Koala, der durch seine Scratches sogar Trompeten singen lässt. Aber man kennt heute das Gegenteil leider zur Genüge aus vielen Clubs weltweit. Am schlimmsten wird es gerade dann, wenn große und stolze Namen der DJ-Gilde mit durchgelutschten CDs auflegen, die andauernd springen und man deutlich merkt, die Jungs haben gar keinen Spaß an ihrer Arbeit. Mit Schallplatten ist unengagiertes Auftreten deutlich schwieriger. Einigen DJs würde es körperlich auch ernsthaft guttun, wieder zwei schwere Kisten schleppen zu müssen. Damals, in den späten 70ern und frühen 80ern, gab es sogar noch die Record-Boys, DJ-Assistenten sozusagen. Die Burschen haben nicht nur die Kisten für die DJs getragen, sondern auch Platten saubergemacht, behände die richtige 12“ angereicht und anschließend die gespielten Scheiben wieder ordentlich im korrekten Cover untergebracht. Das ist Materialpflege mit Tradition und Stil. Der Gipfel andersrum, quasi der K2 an Unsexyness, sind überkandidelte iPod-Partys. Was soll das denn? Da bringen gelangweilte VIPs und solche, die diesen Beruf gerne früher erlernt hätten, ihre kleinen MP3-Player in eine echt dufte Location und spielen dann den verblödeten Zuhörern „ihre“ Lieblingssongs vor. Na, danke. Als ob es nicht schon genug Langeweile im deutschen Radio gäbe. iPod soll modern sein? Die Zukunft sieht zum Glück ganz anders aus. Es gibt sogar schon Versuche, das Vinyl-Feeling für den tragefaulen Laptop-DJ zu imitieren. Das Ergebnis dieser Bemühungen sind Systeme wie „Final Scratch“, mit denen MP3s vom Laptop mit gewöhnlichen

Plattenspielern gemixt werden können. Dazu werden spezielle Schallplatten benutzt, auf denen statt des Tonsignals ein Timecode aufgespielt wurde. Eine Hardware rechnet den Timecode flugs in Signale um, mit denen die Software die Abspielgeschwindigkeit des digitalen Musikstücks steuert. Puristen wie Techno-DJ Ricardo Villalobos würden so was natürlich niemals benutzen. Abschließen wollen wir dieses Plädoyer mit Geld, Erfolg und Erotik. Die Reihenfolge der drei Begriffe lässt sich beliebig verändern. Die Geschichte des Vinyls ist nämlich gleichzeitig die lange Geschichte von Männern und ihren Plattensammlungen. Mit einer gut sortierten Plattensammlung gelingt es auch optisch fragwürdigen Zeitgenossen, die Damenwelt zu beeindrucken. Und spätestens wenn man hört: „Oh, sind das aber viele“, hat sich die Investition gelohnt. Als wahrer Gentleman und Chef-Styler möchte man den Damen wohl kaum den Auszug aus seiner iTunes-Liste zeigen, das wäre jämmerlich! Zudem ist eine Plattensammlung auch manchmal eine wahre Geldanlage. Stichwort Collectors Item. Die teuerste Schallplatte der Welt ist das Album „Double Fantasy“ von John Lennon und Yoko Ono (Geffen-US-Album, 1980). Unterschrieben von John Lennon persönlich, und zwar fünf Stunden bevor der vermeintliche Autogrammjäger Mark David Chapman ihn erschossen hat. Die Szene ist von einem Paparazzo fotografisch festgehalten worden und der verbriefte Wert der Platte beläuft sich auf stattliche 525.000 Dollar. Selbst die zehntteuerste Scheibe von den Sex Pistols, „God Save the Queen“ von 1977, immerhin nur eine mickrige 7“, kostet stolze 22.000 Dollar.

Das heißt, wenn man einfach nur 15 Jahre lang Platten kauft, kann das in der Summe einen gewissen Wert bedeuten. Man muss ja nicht verkaufen. Sollte man auch nicht tun, denn Platten haben manchmal eine Geschichte zu erzählen. Ich darf mal eben persönlich werden: Es war Sylvester, 1989 auf 1990, und ich sollte auf einer Privatparty von Freunden auflegen. Extra suchte ich die richtige Mischung zusammen und vergaß natürlich nicht obligatorische Sylvesterknaller wie „New York, New York“ von den Frankie Boys mitzunehmen. Man ist ja schließlich Profi. Mein bester Kumpel und ich legten eine ganze Weile Platten auf, und der Alkoholpegel stieg kontinuierlich. Plötzlich blutete mein DJ-Kollege stark aus einer klaffenden, fiesen Wunde an der rechten Hand. Die Verletzung war das Resultat von zu viel Bier und zu geringem Druckwiderstand einer dünnen Fensterscheibe. Der Blutdruck ließ einen kleinen Strom auf meine Michael-Jackson-LP „Thriller“ fließen, direkt auf die noch laufende Platte. Mist. Eilig kippte ich ein Glas Mineralwasser darüber und abgespült war das Ding. Ein paar Wochen später stellte ich fest, dass auch das Cover in Mitleidenschaft gezogen worden war. Kleine, bereits verkrustete Bluttropfen wie feine Tuschesprengsel waren darauf zu sehen. Heftige Party! Die Platte habe ich natürlich immer noch, was für ein schönes Erinnerungsstück, unbezahlbar. Erzählen Sie das mal Ihrem iPod.

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gut geschriebene und informative Linernotes, sogar Sticker und anderer lustiger, kreativer Schnickschnack. Oft sind die Songtexte auf dem Innencover abgedruckt, das ist gut, wenn man laut mitsingen will, aber den Text wieder mal nicht richtig verstanden hat ... Es gibt auch dicke, prachtvolle Doppel-LPs zum Aufklappen. Das alles spiegelt wider, dass es sich hier um ein wahrhaft kreatives Produkt handelt und nicht um vergängliche Wegwerfware. Verschiedene künstlerische Gewerke haben sich an der Vinylverpackung ausgetobt und beteiligt. Das Artwork wurde dadurch fester Bestandteil der Musikkultur. Labels und Künstler können visuell Profil zeigen. Die Gestaltung ist gleichzeitig Corporate Identity und als Marketing-Instrument bestens geeignet. Das renommierte Jazzlabel Blue Note hat nach wie vor eine perfekt abgestimmte grafische CI, einst von Reid Miles gestaltet. Bei den Covern des englischen Talkin’Loud-Labels mit den Swifty Typographics wusste man auf den ersten Blick, was man in der Hand hatte. Nicht zu vergessen die tollen Logos: Das schicke geschwungene von Verve ist zu erwähnen oder das Polydor-Logo auf allen James-Brown-Platten. Einige Cover sind wahre Kunstwerke. Paradebeispiele sind die von Andy Warhol gestalteten Cover der Debüt-LP von Velvet Underground und der Rolling-Stones-LP „Sticky Fingers“, aber auch Pink Floyds „Dark Side of the Moon“, die ausgeschnittene Teile, Texte und ausklappbare Elemente enthielten. Manches Artwork hat ganze Musikrichtungen maßgeblich mitbestimmt. So sind Schriftcollagen prägend für den Großteil von Punk-Covern, wie beispielsweise das Cover-Design der Sex-Pistols-Platten von Jamie Reid. In Japan kann man den Trend zurück zum Vinyl ebenfalls beobachten. Es geht den technikbegeisterten und sehr tradi­ tionsbewussten Japanern ganz ernsthaft um die Erhaltung des hoch kreativen Formats. Kleines Beispiel: Ein gut gebuchter Top-DJ, der ausschließlich mit Vinylplatten in Clubs in Tokio auflegt, bekommt tatsächlich oftmals eine höhere Gage. Das Unterfangen nennt sich dann simpel ein „Vinyl-only-Set“. Man huldigt also nicht nur dem Vinyl an sich, sondern auch der langen Tradition des DJ-tums, das ja einmal sehr ehrenhaft und professionell betrieben wurde. Das wird es natürlich immer noch, aber die Zahl der Plattenritter wird immer geringer. Denn mal ehrlich, zwei iPods in eine eigens dafür konzipierte Mixkonsole zu stecken und dann einfach mal den Regler rüberziehen und die Songs mixen sich von ganz alleine, das kann

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in der Tat jeder Volltrottel! Aber mit echten Vinylplatten aufzulegen, sensibel auf den richtigen Sound zu achten, vorhören und dezentes Auspegeln plus einer akkuraten Mix-Technik zu sporten, das kann nicht jeder. Schon gar nicht Lifestyle-Affen wie Giulia Siegel. Denn DJ-Sein im Handumdrehen, wie in der Nokia-Werbung uncharmant und pseudomodern dargestellt und suggeriert, ist dann eben doch nicht so einfach, wie es auf den Plakaten aussieht. Mit Vinyl zu arbeiten ist richtiges Handwerk. Teilweise ist es sogar hohe Kunst und verlangt ein atemberaubendes artistisches Geschick, wie es einige DJs an den Start bringen! Das müssen einem nicht erst fast geheime und im Stillen stattfindende D.iscoM.ixC.lub Championchips beweisen oder rare youtubeVideos von DJ-Legenden wie Cut Chemist, DJ Shadow, A-Track oder dem wahnwitzigen und schier genialen Kid Koala, der durch seine Scratches sogar Trompeten singen lässt. Aber man kennt heute das Gegenteil leider zur Genüge aus vielen Clubs weltweit. Am schlimmsten wird es gerade dann, wenn große und stolze Namen der DJ-Gilde mit durchgelutschten CDs auflegen, die andauernd springen und man deutlich merkt, die Jungs haben gar keinen Spaß an ihrer Arbeit. Mit Schallplatten ist unengagiertes Auftreten deutlich schwieriger. Einigen DJs würde es körperlich auch ernsthaft guttun, wieder zwei schwere Kisten schleppen zu müssen. Damals, in den späten 70ern und frühen 80ern, gab es sogar noch die Record-Boys, DJ-Assistenten sozusagen. Die Burschen haben nicht nur die Kisten für die DJs getragen, sondern auch Platten saubergemacht, behände die richtige 12“ angereicht und anschließend die gespielten Scheiben wieder ordentlich im korrekten Cover untergebracht. Das ist Materialpflege mit Tradition und Stil. Der Gipfel andersrum, quasi der K2 an Unsexyness, sind überkandidelte iPod-Partys. Was soll das denn? Da bringen gelangweilte VIPs und solche, die diesen Beruf gerne früher erlernt hätten, ihre kleinen MP3-Player in eine echt dufte Location und spielen dann den verblödeten Zuhörern „ihre“ Lieblingssongs vor. Na, danke. Als ob es nicht schon genug Langeweile im deutschen Radio gäbe. iPod soll modern sein? Die Zukunft sieht zum Glück ganz anders aus. Es gibt sogar schon Versuche, das Vinyl-Feeling für den tragefaulen Laptop-DJ zu imitieren. Das Ergebnis dieser Bemühungen sind Systeme wie „Final Scratch“, mit denen MP3s vom Laptop mit gewöhnlichen

Plattenspielern gemixt werden können. Dazu werden spezielle Schallplatten benutzt, auf denen statt des Tonsignals ein Timecode aufgespielt wurde. Eine Hardware rechnet den Timecode flugs in Signale um, mit denen die Software die Abspielgeschwindigkeit des digitalen Musikstücks steuert. Puristen wie Techno-DJ Ricardo Villalobos würden so was natürlich niemals benutzen. Abschließen wollen wir dieses Plädoyer mit Geld, Erfolg und Erotik. Die Reihenfolge der drei Begriffe lässt sich beliebig verändern. Die Geschichte des Vinyls ist nämlich gleichzeitig die lange Geschichte von Männern und ihren Plattensammlungen. Mit einer gut sortierten Plattensammlung gelingt es auch optisch fragwürdigen Zeitgenossen, die Damenwelt zu beeindrucken. Und spätestens wenn man hört: „Oh, sind das aber viele“, hat sich die Investition gelohnt. Als wahrer Gentleman und Chef-Styler möchte man den Damen wohl kaum den Auszug aus seiner iTunes-Liste zeigen, das wäre jämmerlich! Zudem ist eine Plattensammlung auch manchmal eine wahre Geldanlage. Stichwort Collectors Item. Die teuerste Schallplatte der Welt ist das Album „Double Fantasy“ von John Lennon und Yoko Ono (Geffen-US-Album, 1980). Unterschrieben von John Lennon persönlich, und zwar fünf Stunden bevor der vermeintliche Autogrammjäger Mark David Chapman ihn erschossen hat. Die Szene ist von einem Paparazzo fotografisch festgehalten worden und der verbriefte Wert der Platte beläuft sich auf stattliche 525.000 Dollar. Selbst die zehntteuerste Scheibe von den Sex Pistols, „God Save the Queen“ von 1977, immerhin nur eine mickrige 7“, kostet stolze 22.000 Dollar.

Das heißt, wenn man einfach nur 15 Jahre lang Platten kauft, kann das in der Summe einen gewissen Wert bedeuten. Man muss ja nicht verkaufen. Sollte man auch nicht tun, denn Platten haben manchmal eine Geschichte zu erzählen. Ich darf mal eben persönlich werden: Es war Sylvester, 1989 auf 1990, und ich sollte auf einer Privatparty von Freunden auflegen. Extra suchte ich die richtige Mischung zusammen und vergaß natürlich nicht obligatorische Sylvesterknaller wie „New York, New York“ von den Frankie Boys mitzunehmen. Man ist ja schließlich Profi. Mein bester Kumpel und ich legten eine ganze Weile Platten auf, und der Alkoholpegel stieg kontinuierlich. Plötzlich blutete mein DJ-Kollege stark aus einer klaffenden, fiesen Wunde an der rechten Hand. Die Verletzung war das Resultat von zu viel Bier und zu geringem Druckwiderstand einer dünnen Fensterscheibe. Der Blutdruck ließ einen kleinen Strom auf meine Michael-Jackson-LP „Thriller“ fließen, direkt auf die noch laufende Platte. Mist. Eilig kippte ich ein Glas Mineralwasser darüber und abgespült war das Ding. Ein paar Wochen später stellte ich fest, dass auch das Cover in Mitleidenschaft gezogen worden war. Kleine, bereits verkrustete Bluttropfen wie feine Tuschesprengsel waren darauf zu sehen. Heftige Party! Die Platte habe ich natürlich immer noch, was für ein schönes Erinnerungsstück, unbezahlbar. Erzählen Sie das mal Ihrem iPod.

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Der malende Fotograf und fotografierende Maler Marc Lüders sabotiert mit seinen „Photopicturen“ den Dokumentationswert von Fotografie. Die Protagonisten seiner Werke fotografiert er an belebten Orten wie Fußgängerzonen und transportiert sie mit dem Pinsel auf unwirtliche Landschaften. Dort wirken sie einsam und verloren. Durch die vermeintliche Dreidimensionalität der Fotografie wirken seine komponierten Situationen real. Zumindest solange es für den Betrachter keinen Grund zum Zweifeln gibt. Von Marc Lüders (Bilder)

figur --, Öl auf Ilfochrome-Print, 120 x 95, 2006 (Privatsammlung Hamburg)

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objekt --, Öl auf Ilfochrome-Print, 120 x 99, 2006 (Sammlung DZ Bank)

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Der malende Fotograf und fotografierende Maler Marc Lüders sabotiert mit seinen „Photopicturen“ den Dokumentationswert von Fotografie. Die Protagonisten seiner Werke fotografiert er an belebten Orten wie Fußgängerzonen und transportiert sie mit dem Pinsel auf unwirtliche Landschaften. Dort wirken sie einsam und verloren. Durch die vermeintliche Dreidimensionalität der Fotografie wirken seine komponierten Situationen real. Zumindest solange es für den Betrachter keinen Grund zum Zweifeln gibt. Von Marc Lüders (Bilder)

figur --, Öl auf Ilfochrome-Print, 120 x 95, 2006 (Privatsammlung Hamburg)

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objekt --, Öl auf Ilfochrome-Print, 120 x 99, 2006 (Sammlung DZ Bank)

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objekt --, Öl auf Silbergelatine-Print, 40 x 30, 2002 (Privatsammlung Hamburg)

figur --, Öl auf Ilfochrome-Print, 110 x 87, 2005 (Sammlung ASS Hamburg)

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objekt --, Öl auf Silbergelatine-Print, 110 x 88, 2004 (Privatsammlung New York)

objekt --, Öl auf Silbergelatine-Print, 104 x 51, 2006

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objekt --, Öl auf Silbergelatine-Print, 40 x 30, 2002 (Privatsammlung Hamburg)

figur --, Öl auf Ilfochrome-Print, 110 x 87, 2005 (Sammlung ASS Hamburg)

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objekt --, Öl auf Silbergelatine-Print, 110 x 88, 2004 (Privatsammlung New York)

objekt --, Öl auf Silbergelatine-Print, 104 x 51, 2006

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figur --, Öl auf C-Print, 19,5 x 16, 2004 (Privatsammlung Wien)

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figur --, Öl auf C-Print, 90 x 74,5, 2003 (Sammlung Kaufmann, Berlin)

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figur --, Öl auf C-Print, 19,5 x 16, 2004 (Privatsammlung Wien)

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figur --, Öl auf C-Print, 90 x 74,5, 2003 (Sammlung Kaufmann, Berlin)

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objekt --, Öl auf Silbergelatine-Print, 85 x 109, 2004 (Privatsammlung Hamburg)

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objekt --, Öl auf Silbergelatine-Print, 85 x 109, 2004 (Privatsammlung Hamburg)

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Die Arbeiten von Marc Lüders sind 2007 in den USA („Displaced Persons“, pablo’s birthday gallery, New York) und in Tschechien („Marc Lüders – Photopicturen“, The Brno House of Art, Brünn) zu sehen. Vertreten wird der Hamburger Künstler durch die Galerie Levy in Hamburg. Weitere Infos unter www.marclueders.de

kuh -, Öl auf Silbergelatine-Print, 108 x 125 cm, 1998 (Privatsammlung Berlin)

vogel --, Öl auf Silbergelatine-Print, 30 x 40, 2000 (Privatsammlung Hamburg)

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hund --, Öl auf Silbergelatine-Print, 50 x 60 cm, 1998

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Die Arbeiten von Marc Lüders sind 2007 in den USA („Displaced Persons“, pablo’s birthday gallery, New York) und in Tschechien („Marc Lüders – Photopicturen“, The Brno House of Art, Brünn) zu sehen. Vertreten wird der Hamburger Künstler durch die Galerie Levy in Hamburg. Weitere Infos unter www.marclueders.de

kuh -, Öl auf Silbergelatine-Print, 108 x 125 cm, 1998 (Privatsammlung Berlin)

vogel --, Öl auf Silbergelatine-Print, 30 x 40, 2000 (Privatsammlung Hamburg)

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hund --, Öl auf Silbergelatine-Print, 50 x 60 cm, 1998

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Mit Namen verhält es sich wie mit Nasen: Nicht ­jeder wird von Geburt an mit einem schönen Exemplar ausgestattet, kann aber im Laufe seines Lebens etwas daran ändern. Von Florian Pagel (Text) und Uwe Jens Bermeitinger (Illustration)

Das Bürgerliche Gesetzbuch erlaubt die Änderung eines Namens aus wichtigem Grund. Das ist zum Beispiel: Verwechslungsgefahr (Michael Schumacher), anstößig, frivol oder lächerlich klingend (Dieter Trunkenbold), Buchstabierungen, die orthografisch zu Problemen führen könnten (­Pryzybytsky), oder zum eigenen Schutz (Adolf Hitler). Mehr Möglichkeiten, ein anderen, „falschen“ Namen anzunehmen, bietet die Wahl eines sogenannten Pseudonyms (von griechisch „pseúdos“ für „Lüge“ und „ónoma“ für „Name“), geregelt durch das Urheberrecht. Hier wird es spannend, denn wer durch Veröffentlichungen belegen kann, seinen frei gewählten Fantasienamen auch tatsächlich zu nutzen, darf sich diesen sogar in den Personalausweis eintragen und schützen lassen. Die Gründe für ein Pseudonym sind vielfältig. Journalisten und Schriftsteller stehen aufgrund ihrer berufs­ethischen Ehrlichkeit nur allzu gerne im Fadenkreuz ihrer Gegner. Mit einem Pseudonym entziehen sie sich dem Zugriff durch ihre Kritiker. Oder erarbeiten sich mit einem neuen Namen auch neue Möglichkeiten. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert schrieben Frauen oft unter männlichem Namen, um ihre Manuskripte bei Verlegern unterzubringen (Mary Ann Evans = George Eliot). Wie so oft im Leben geht es manchmal aber auch schlichtweg um Vereinfachung (Nikolaus Günther Nakszynski = Klaus Kinski). Oder um Verkürzung (Udo Jürgen Bockelmann = Udo Jürgens). Es gibt Menschen, die arbeiten zeitlebens unter einem Pseudonym (z. B. Friedrich Freiherr v. Hardenberg = Novalis). Andere ändern nur für bestimmte Lebens- oder Schaffensperioden oder für besondere Werke ihren Namen (Richard Bachman = Stephen King). Der häufigste Grund ist jedoch ganz einfach: Die Geburtsnamen geben oft nicht genug her für eine große internatio­nale Medienkarriere. Hansi Last ist provinzieller als James Last, und Peter Geerdes aus Ostfriesland klingt nicht halb so modern wie H. P. Baxxter von Scooter. Mit der folgenden Liste haben Sie die Möglichkeit, die Beispiele den verschiedenen Gründen zuzuordnen, den echten Namen in einen anderen (aber nicht weniger echten) abzuändern. Viel Vergnügen.

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SAVOIR

Andy Garcia = Andres Arturo Garcia-Menendez Andy Warhol = Andrej Warhola Anna Nicole Smith = Vicky Lynn Hogan Aphex Twin = Richard David James Astrid Lindgren = Astrid Ericsso Audrey Hepburn = Edda Van Heemstra Hepburn-Rusten Bela B. = Dirk Felsenheimer Bela Lugosi = Bela Ferenc Dezso Blasko Ben E. King = Benjamin Earl Nelson Bertha von Suttner = B. Oulet Bill Clinton = William Jefferson Blythe Billy Idol = William Michael Albert Broad Billy the Kid = Henry McCarty Billy Wilder = Samuel Wilder (alias Richard Wiener) Boy George = George Alan O’Dowd Brigitte Bardot = Camille Javal Bruce Lee = Sai Fon (später: Jun Fan) Bruce Willis = Walter Willison Bud Spencer = Carlo Pedersoli Buffalo Bill = William Frederick Cody Cary Grant = Archibald Alexander Leach Cat Stevens = Stephen Georgiou Charles Bronson = Charles Buchinski Charlie Sheen = Carlos Irwin Estévez Chris Roberts = Christian Klusacek Christian Slater = Christian Michael Leonard Gainsborough Coco Chanel = Gabrielle Bonheur Chasnel David Copperfield = David Kotkin Dean Martin = Dino Paul Crocett Demi Moore = Demetria Gene Guynes Diane Kruger = Diane Heidkrüger Dolly Buster = Katja-Nora Bochnicková Donna Summer = LaDonna Andrea Gaines Dr. Motte = Matthias Roeingh Dusty Springfield = Mary O’Brien Edith Piaf = Edith Giovanna Gassion Elke Sommer = Elke Schletz Elle MacPherson = Eleanor Gow Emil Nolde = Emil Hansen Estée Lauder = Josephine Esther Mentzer Frank Zander = Fred Sonnenschein Fred Astaire = Frederick Austerlitz Freddy Quinn = Franz Eugen Helmut Manfred Niedl-Petz Friedensreich Hundertwasser = Friedrich Stowasser Gene Wilder = Jerome (Jerry) Silberman George Michael = Georgios Krylacos Panayiotou George Orwell = Eric Blair Gina Wild = Michaela Schaffrath Götz George = Götz Schulz Gunther Philipp = Gunther Placheta Helmut Newton = Helmut Neustädter Ice-T =Tracy Morrow Ice Cube = O’Shea Jackson Jean-Claude van Damme = Jean-Claude Van Varienberg Jennifer Aniston = Jennifer Anistopoulou Jerry Lewis = Jerome Levitch Joaquim Phoenix = Joaquim Raphael Bottom

Jodie Foster = Alicia Christian Foster John Wayne = Marion Michael Morrison Josef Stalin = Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili June Newton = Alice Springs Karl Malden = Mladen Sekulovich Kevin Spacey = Kevin Matthew Fowler Kim Wilde = Kimberly Smith Kirk Douglas = Issur Danielovitch Demsky Klaus Kinski = Nikolaus Günther Nakszynski Lino Ventura = Angelo Borrini Lou Reed = Louis Fairbanks Maria Callas = Maria Anna Sofia Cecilia Kalogeropoulos Mark Twain = Samuel Langhorne Clemens Marlene Dietrich = Marie Magdalene Dietrich von Losch Martin Sheen = Ramon Estévez Marylin Monroe = Norma Jean Mortensen Meg Ryan = Margaret Mary Emily Anne Hyra Mel Brooks = Melvin Kaminsky Mel Gibson = Frank Dunne Michael Caine = Maurice Joseph Micklewhite Michael Douglas = Michael Danielovitch Michael Keaton = Michael Douglas Michel Houellebecq = Michel Thomas Mick Jagger = Michael Philip Mutter Teresa = Agnes Gonxha Bojaxhin Nena = Susanne Gabriele Kerner Nicolas Cage = Nicholas Kim Coppola Omar Sharif = Michael Chalhoub Oscar Niemeyer = Oscar Ribeiro de Almeida de Niemeyer Soares Pamela Anderson = Barbara Rose Kopetski Paracelsus = Theophrastus Bombastus von Hohenheim Pelé = Edson Arantes do Nascimento Ralph Lauren = Ralph Lipschitz Raquel Welch = Raquel Tejada Ringo Starr = Richard Starkey Rosa von Praunheim = Holger Mischwitzky/Holger Radtke Roy Black = Gerhard Höllerich Rudi Carrell = Rudolf Wijbrand Kesselaar Sir Ben Kingsley = Krishna Bhanji Sky Dumont = Caetano Bremme Gaspar Neven DuMont Smudo = Michael Bernd Schmidt Spike Lee = Shelton Lee Sting = Gordon Matthew Sumner Terence Hill = Mario Girotti Tim Allen = Timothy Allen Dick Tina Turner = Anna (Annie) Mae Bullock Tony Curtis = Bernard Schwartz Udo Jürgens = Udo Jürgen Bockelmann Vin Diesel = Mark Vincent Walter Matthau = Walter Matuschanskayasky Werner Herzog = Werner H. Stipetic Whoopi Goldberg = Caryn Elaine Johnson Willy Brandt = Herbert Ernst Karl Frahm Woody Allen = Allen Steward Königsberg Yul Brynner = Youl Bryner (Taidje Khan) Illustration: Uwe Jens Bermeitinger (www.findeglueck.com)

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Mit Namen verhält es sich wie mit Nasen: Nicht ­jeder wird von Geburt an mit einem schönen Exemplar ausgestattet, kann aber im Laufe seines Lebens etwas daran ändern. Von Florian Pagel (Text) und Uwe Jens Bermeitinger (Illustration)

Das Bürgerliche Gesetzbuch erlaubt die Änderung eines Namens aus wichtigem Grund. Das ist zum Beispiel: Verwechslungsgefahr (Michael Schumacher), anstößig, frivol oder lächerlich klingend (Dieter Trunkenbold), Buchstabierungen, die orthografisch zu Problemen führen könnten (­Pryzybytsky), oder zum eigenen Schutz (Adolf Hitler). Mehr Möglichkeiten, ein anderen, „falschen“ Namen anzunehmen, bietet die Wahl eines sogenannten Pseudonyms (von griechisch „pseúdos“ für „Lüge“ und „ónoma“ für „Name“), geregelt durch das Urheberrecht. Hier wird es spannend, denn wer durch Veröffentlichungen belegen kann, seinen frei gewählten Fantasienamen auch tatsächlich zu nutzen, darf sich diesen sogar in den Personalausweis eintragen und schützen lassen. Die Gründe für ein Pseudonym sind vielfältig. Journalisten und Schriftsteller stehen aufgrund ihrer berufs­ethischen Ehrlichkeit nur allzu gerne im Fadenkreuz ihrer Gegner. Mit einem Pseudonym entziehen sie sich dem Zugriff durch ihre Kritiker. Oder erarbeiten sich mit einem neuen Namen auch neue Möglichkeiten. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert schrieben Frauen oft unter männlichem Namen, um ihre Manuskripte bei Verlegern unterzubringen (Mary Ann Evans = George Eliot). Wie so oft im Leben geht es manchmal aber auch schlichtweg um Vereinfachung (Nikolaus Günther Nakszynski = Klaus Kinski). Oder um Verkürzung (Udo Jürgen Bockelmann = Udo Jürgens). Es gibt Menschen, die arbeiten zeitlebens unter einem Pseudonym (z. B. Friedrich Freiherr v. Hardenberg = Novalis). Andere ändern nur für bestimmte Lebens- oder Schaffensperioden oder für besondere Werke ihren Namen (Richard Bachman = Stephen King). Der häufigste Grund ist jedoch ganz einfach: Die Geburtsnamen geben oft nicht genug her für eine große internatio­nale Medienkarriere. Hansi Last ist provinzieller als James Last, und Peter Geerdes aus Ostfriesland klingt nicht halb so modern wie H. P. Baxxter von Scooter. Mit der folgenden Liste haben Sie die Möglichkeit, die Beispiele den verschiedenen Gründen zuzuordnen, den echten Namen in einen anderen (aber nicht weniger echten) abzuändern. Viel Vergnügen.

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Andy Garcia = Andres Arturo Garcia-Menendez Andy Warhol = Andrej Warhola Anna Nicole Smith = Vicky Lynn Hogan Aphex Twin = Richard David James Astrid Lindgren = Astrid Ericsso Audrey Hepburn = Edda Van Heemstra Hepburn-Rusten Bela B. = Dirk Felsenheimer Bela Lugosi = Bela Ferenc Dezso Blasko Ben E. King = Benjamin Earl Nelson Bertha von Suttner = B. Oulet Bill Clinton = William Jefferson Blythe Billy Idol = William Michael Albert Broad Billy the Kid = Henry McCarty Billy Wilder = Samuel Wilder (alias Richard Wiener) Boy George = George Alan O’Dowd Brigitte Bardot = Camille Javal Bruce Lee = Sai Fon (später: Jun Fan) Bruce Willis = Walter Willison Bud Spencer = Carlo Pedersoli Buffalo Bill = William Frederick Cody Cary Grant = Archibald Alexander Leach Cat Stevens = Stephen Georgiou Charles Bronson = Charles Buchinski Charlie Sheen = Carlos Irwin Estévez Chris Roberts = Christian Klusacek Christian Slater = Christian Michael Leonard Gainsborough Coco Chanel = Gabrielle Bonheur Chasnel David Copperfield = David Kotkin Dean Martin = Dino Paul Crocett Demi Moore = Demetria Gene Guynes Diane Kruger = Diane Heidkrüger Dolly Buster = Katja-Nora Bochnicková Donna Summer = LaDonna Andrea Gaines Dr. Motte = Matthias Roeingh Dusty Springfield = Mary O’Brien Edith Piaf = Edith Giovanna Gassion Elke Sommer = Elke Schletz Elle MacPherson = Eleanor Gow Emil Nolde = Emil Hansen Estée Lauder = Josephine Esther Mentzer Frank Zander = Fred Sonnenschein Fred Astaire = Frederick Austerlitz Freddy Quinn = Franz Eugen Helmut Manfred Niedl-Petz Friedensreich Hundertwasser = Friedrich Stowasser Gene Wilder = Jerome (Jerry) Silberman George Michael = Georgios Krylacos Panayiotou George Orwell = Eric Blair Gina Wild = Michaela Schaffrath Götz George = Götz Schulz Gunther Philipp = Gunther Placheta Helmut Newton = Helmut Neustädter Ice-T =Tracy Morrow Ice Cube = O’Shea Jackson Jean-Claude van Damme = Jean-Claude Van Varienberg Jennifer Aniston = Jennifer Anistopoulou Jerry Lewis = Jerome Levitch Joaquim Phoenix = Joaquim Raphael Bottom

Jodie Foster = Alicia Christian Foster John Wayne = Marion Michael Morrison Josef Stalin = Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili June Newton = Alice Springs Karl Malden = Mladen Sekulovich Kevin Spacey = Kevin Matthew Fowler Kim Wilde = Kimberly Smith Kirk Douglas = Issur Danielovitch Demsky Klaus Kinski = Nikolaus Günther Nakszynski Lino Ventura = Angelo Borrini Lou Reed = Louis Fairbanks Maria Callas = Maria Anna Sofia Cecilia Kalogeropoulos Mark Twain = Samuel Langhorne Clemens Marlene Dietrich = Marie Magdalene Dietrich von Losch Martin Sheen = Ramon Estévez Marylin Monroe = Norma Jean Mortensen Meg Ryan = Margaret Mary Emily Anne Hyra Mel Brooks = Melvin Kaminsky Mel Gibson = Frank Dunne Michael Caine = Maurice Joseph Micklewhite Michael Douglas = Michael Danielovitch Michael Keaton = Michael Douglas Michel Houellebecq = Michel Thomas Mick Jagger = Michael Philip Mutter Teresa = Agnes Gonxha Bojaxhin Nena = Susanne Gabriele Kerner Nicolas Cage = Nicholas Kim Coppola Omar Sharif = Michael Chalhoub Oscar Niemeyer = Oscar Ribeiro de Almeida de Niemeyer Soares Pamela Anderson = Barbara Rose Kopetski Paracelsus = Theophrastus Bombastus von Hohenheim Pelé = Edson Arantes do Nascimento Ralph Lauren = Ralph Lipschitz Raquel Welch = Raquel Tejada Ringo Starr = Richard Starkey Rosa von Praunheim = Holger Mischwitzky/Holger Radtke Roy Black = Gerhard Höllerich Rudi Carrell = Rudolf Wijbrand Kesselaar Sir Ben Kingsley = Krishna Bhanji Sky Dumont = Caetano Bremme Gaspar Neven DuMont Smudo = Michael Bernd Schmidt Spike Lee = Shelton Lee Sting = Gordon Matthew Sumner Terence Hill = Mario Girotti Tim Allen = Timothy Allen Dick Tina Turner = Anna (Annie) Mae Bullock Tony Curtis = Bernard Schwartz Udo Jürgens = Udo Jürgen Bockelmann Vin Diesel = Mark Vincent Walter Matthau = Walter Matuschanskayasky Werner Herzog = Werner H. Stipetic Whoopi Goldberg = Caryn Elaine Johnson Willy Brandt = Herbert Ernst Karl Frahm Woody Allen = Allen Steward Königsberg Yul Brynner = Youl Bryner (Taidje Khan) Illustration: Uwe Jens Bermeitinger (www.findeglueck.com)

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Jeder kennt das Märchen vom eitlen Kaiser und seinen unsichtbaren Kleidern, dem aus Furcht um seine Stellung wider besseres Wissen niemand die offensichtliche Wahrheit sagt. Erst ein kleines Kind, dem der Konflikt „Ansehen und Wohlstand oder Wahrheit?“ naturgemäß völlig egal ist, spricht aus, was alle sehen: „Der Kaiser ist nackt!“ Die junge Fotografin Gina Gorny hat aus Hans Christian Andersens Märchen die Fotoserie „Des Kaisers neue Kleider“ gemacht. Gina Gorny ist 25 Jahre alt und lebt zurzeit in Berlin. Von Gina Gorny (Fotografie) und Sabine Manecke (Text)

Mit einem Diaprojektor hat Gina Gorny modische Hüllen geschaffen, die zwar sichtbar, aber trotzdem nicht mehr sind als blanke Haut. Der Spaß an ihren Bildern ist aber weniger die im Feuilleton seit Jahren durchdeklinierte Konsumkritik als vielmehr eine Diskussion, die so alt ist wie die Philosophie: Was ist Realität? Sind nur Dinge, die eindeutig beschreibbar, abbildbar und erkennbar sind, real? Oder spiegelt sich die Realität im Bewusstsein der Menschen wider? Was also, wenn wir ein kariertes Hemd sehen – ist es dann real? Babys lernen im Alter von ungefähr acht Monaten das Phänomen der Objektpermanenz. Wenn ich meinen Löffel runterschmeiße, ist er nicht weg, nur weil er aus meinem Blickfeld verschwunden ist. Deswegen lassen Kinder so oft Dinge auf den Boden fallen, weil sie dieser Wissensgewinn schlichtweg begeistert. Was also, wenn einer der abgebildeten Herrschaften zur Seite tritt? Wo ist dann sein Hemd? Ist eine Projektion überhaupt ein Objekt? Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit.

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Jeder kennt das Märchen vom eitlen Kaiser und seinen unsichtbaren Kleidern, dem aus Furcht um seine Stellung wider besseres Wissen niemand die offensichtliche Wahrheit sagt. Erst ein kleines Kind, dem der Konflikt „Ansehen und Wohlstand oder Wahrheit?“ naturgemäß völlig egal ist, spricht aus, was alle sehen: „Der Kaiser ist nackt!“ Die junge Fotografin Gina Gorny hat aus Hans Christian Andersens Märchen die Fotoserie „Des Kaisers neue Kleider“ gemacht. Gina Gorny ist 25 Jahre alt und lebt zurzeit in Berlin. Von Gina Gorny (Fotografie) und Sabine Manecke (Text)

Mit einem Diaprojektor hat Gina Gorny modische Hüllen geschaffen, die zwar sichtbar, aber trotzdem nicht mehr sind als blanke Haut. Der Spaß an ihren Bildern ist aber weniger die im Feuilleton seit Jahren durchdeklinierte Konsumkritik als vielmehr eine Diskussion, die so alt ist wie die Philosophie: Was ist Realität? Sind nur Dinge, die eindeutig beschreibbar, abbildbar und erkennbar sind, real? Oder spiegelt sich die Realität im Bewusstsein der Menschen wider? Was also, wenn wir ein kariertes Hemd sehen – ist es dann real? Babys lernen im Alter von ungefähr acht Monaten das Phänomen der Objektpermanenz. Wenn ich meinen Löffel runterschmeiße, ist er nicht weg, nur weil er aus meinem Blickfeld verschwunden ist. Deswegen lassen Kinder so oft Dinge auf den Boden fallen, weil sie dieser Wissensgewinn schlichtweg begeistert. Was also, wenn einer der abgebildeten Herrschaften zur Seite tritt? Wo ist dann sein Hemd? Ist eine Projektion überhaupt ein Objekt? Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit.

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Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, dass er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um Theater und liebte es nicht, in den Wald zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. Eines Tages kamen auch zwei Betrüger, die gaben sich für Weber aus und sagten, dass sie das schönste Zeug, was man sich denken könne, zu weben verstanden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Zeuge genäht würden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, dass sie für jeden Menschen unsichtbar seien, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei.

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Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, dass er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um Theater und liebte es nicht, in den Wald zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. Eines Tages kamen auch zwei Betrüger, die gaben sich für Weber aus und sagten, dass sie das schönste Zeug, was man sich denken könne, zu weben verstanden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Zeuge genäht würden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, dass sie für jeden Menschen unsichtbar seien, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei.

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Sie stellten auch zwei Webstühle auf, taten, als ob sie arbeiteten, aber sie hatten nicht das Geringste auf dem Stuhle. Trotzdem verlangten sie die feinste Seide und das prächtigste Gold, das steckten sie aber in ihre eigene Tasche und arbeiteten an den leeren Stühlen bis spät in die Nacht hinein. „Oh, es ist niedlich, ganz allerliebst“, antwortete der alte Minister und sah durch seine Brille. „Dieses Muster und diese Farben! – Ja, ich werde dem Kaiser sagen, dass es mir sehr gefällt!“ „Nun, das freut uns!“, sagten beide Weber, und darauf benannten sie die Farben mit Namen und erklärten das seltsame Muster.

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Sie stellten auch zwei Webstühle auf, taten, als ob sie arbeiteten, aber sie hatten nicht das Geringste auf dem Stuhle. Trotzdem verlangten sie die feinste Seide und das prächtigste Gold, das steckten sie aber in ihre eigene Tasche und arbeiteten an den leeren Stühlen bis spät in die Nacht hinein. „Oh, es ist niedlich, ganz allerliebst“, antwortete der alte Minister und sah durch seine Brille. „Dieses Muster und diese Farben! – Ja, ich werde dem Kaiser sagen, dass es mir sehr gefällt!“ „Nun, das freut uns!“, sagten beide Weber, und darauf benannten sie die Farben mit Namen und erklärten das seltsame Muster.

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„Seht, hier sind die Beinkleider, hier ist das Kleid, hier ist der Mantel!“, und so weiter. „Es ist so leicht wie Spinnwebe; man sollte glauben, man habe nichts auf dem Körper, aber das ist gerade die Schönheit dabei!“ „Aber er hat ja gar nichts an!“, sagte endlich ein kleines Kind. „Hört die Stimme der Unschuld!“, sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte. „Aber er hat ja gar nichts an!“, rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: „Nun muss ich aushalten.” Und die Kammer­herren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

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  Fotografie: Gina Gorny (www.ginagorny.de)  

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„Seht, hier sind die Beinkleider, hier ist das Kleid, hier ist der Mantel!“, und so weiter. „Es ist so leicht wie Spinnwebe; man sollte glauben, man habe nichts auf dem Körper, aber das ist gerade die Schönheit dabei!“ „Aber er hat ja gar nichts an!“, sagte endlich ein kleines Kind. „Hört die Stimme der Unschuld!“, sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte. „Aber er hat ja gar nichts an!“, rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: „Nun muss ich aushalten.” Und die Kammer­herren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

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  Fotografie: Gina Gorny (www.ginagorny.de)  

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Nur zu gerne würde er einfach so drauflos schreiben, wie man sich das von anderen Romanciers landläufig denkt – ohne größeren Plan und lange Recherche, schlicht ins Blaue hinein. Im wirklichen Leben aber hat Horst Eckert zunächst alle Hände voll zu tun, bevor er zum ersten Mal das Textverarbeitungsprogramm aufrufen kann. Und so geht das nun schon, seit er vor über dreizehn Jahren mit dem ersten von insgesamt neun Kriminalromanen begann. Von Bertram Job (Text) und Udo Bonanza (Fotos)

Wenn es also wieder mal darauf ankommt, steigt Eckert in seinen dunkelblauen, uralten Golf 3, der bei einer grob geschätzten Gesamtauflage von 200.000 verkauften Büchern eher ein fahrzeugliches Understatement ist, und kreuzt darin durch die Straßen und Viertel von Düsseldorf. Ein verdeckter Ermittler von eigenen Gnaden, der das überschaubare Metropölchen am Rhein von Unterrath bis Oberkassel durchkämmt und dabei überlegt, wo er seine nächste ausgedachte Leiche ablegen kann. Den nächsten „Hugo“ (human going), wie das im US-Slang der Kripo heißt. Manchmal ist der so unscheinbar dreinblickende 48-Jährige aber auch nur auf dem Weg ins Polizeipräsidium am Fürstenwall, wo er sich die Abläufe und Zuständigkeiten der verschiedenen Dienststellen erklären lässt. Gerade jetzt sei das Organigramm der Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen wieder völlig umgekrempelt worden, erzählt Eckert, „nur weil irgend so’n Bürokrat auf die Idee gekommen ist, das Rad neu zu erfinden. Dieser ganze Wasserkopf hat eine unheimliche Eigendynamik.“ Oder es ergibt sich, dass der studierte Politologe und ehemalige TV-Journalist Informanten trifft, um die Gepflogenheiten in einem bestimmten Milieu bzw. einem abgelegenen Land in Erfahrung zu bringen. So wie für seinen jüngsten, im Sommer erschienenen Roman „Königsallee“, in dem russische Mafiosi aus dem autonomen Transnistrien ihr schmutziges Geld in der Landeshauptstadt in protzige Immobilien umwandeln wollen. In dieser Weise geht es derzeit etwa in Baden-Baden zu, wie Eckert erfahren hat – „und dann hab’ ich mir ausgemalt, wie das in Düsseldorf ablaufen könnte.“ Wladimir hat recht, dachte Jewgeni. Es ist wie zu Hause, Transnistrien ist überall. Den heutigen Deal hatten sie mit Vertretern der Stadt in einem russischen Lokal gefeiert, das der weißhaarige Unternehmensberater ebenfalls für die Turin-Familie erworben hatte. Roter Krimsekt, Blinis mit Sauerrahm und Kaviar – der Stör schmeckte besser als in Alexandrus „Kumatschok“ an der Straße des 25. Oktober. Für jeden hatte eine Flasche Wodka auf dem Tisch gestanden. Das Stadtoberhaupt hatte sich mit grünem Tee begnügt und war bald aufgebrochen. Später hatten sich Wladimir und seine Männer ins Hotel zurückgezogen, während den Ladys der Sinn nach Tanzen stand.

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Reportage

Die vielen Vorarbeiten hat sich der Autor selbst eingebrockt, denn Horst Eckert möchte so genau wie möglich lügen – genauer jedenfalls als andere. Die Wirkung seiner Kriminalgeschichten, die ihren Ausgangspunkt jeweils in Düsseldorf haben, hängt für ihn vor allem von der Glaubwürdigkeit des Geschilderten ab: „So ein Krimi ist auch ein Stück Gesellschaftsroman, wenn er gut gemacht ist und mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Also nicht bloß so ein Phantasiekon­ strukt, wo ein Serienkiller wie der böse Wolf im Märchen Leute umbringt. Das ist nicht unser wirkliches Leben.“ Wenn sich bei Eckert Mörder und Fahnder im Medienhafen jagen, endet ihr Rennen wie in Wirklichkeit auf der Spedi­ tionsstraße. Und niemals würde der Autor seine Figuren über die Grafenberger Allee treiben, wenn sie aus dem Zentrum direkt nach Eller wollen. Die lebensechte Topographie der Stadt unterstützt die Macht der Suggestion ja nicht weniger als jedes andere realistische Detail, vom Dialog bis zum Milieu. „Die Wirklichkeit zu kennen, kann dabei helfen, das Ganze noch spannender zu machen“, davon ist Eckert überzeugt. Sollte es für den Plot notwendig sein, stellt der Schriftsteller den Ermittlern aber auch mal eine Telefonzelle auf, wo in echt keine steht – „da bin ich ganz skrupellos.“ Oder er lässt sie verkehrt herum durch Einbahnstraßen fahren. „Und so sehr die Leute darauf achten, ob vielleicht ihr Haus oder das des Nachbarn darin vorkommt – daran nehmen sie keinen Anstoß. Ich werde nicht ständig korrigiert, dass man in diese Straße aus jener Richtung gar nicht reinfahren kann. Das ist sehr angenehm.“ In letzter Konsequenz ist Horst E. aus D. nämlich bloß ein notorischer Dieb. Er plündert Bruchstücke aus dem wirklichen Düsseldorf, um sie in einer erfundenen Geschichte zu bunkern. Einer postmodernen Moritat vom Leben in deutscher Urbanität, das von Drang, Druck, Drogen sowie manch unerfüllten, benutzbaren Sehnsüchten geprägt ist. So schildert er es ebenso beharrlich wie beiläufig, weil Eckert kaum etwas bewusster meidet als den dauererigierten Zeigefinger – und jeder in diesem Genre Egoist sein muss: „Die spannende Geschichte bleibt mein Hauptaugenmerk. Sonst wäre das nicht mehr, sondern weniger als ein Krimi.“

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Nur zu gerne würde er einfach so drauflos schreiben, wie man sich das von anderen Romanciers landläufig denkt – ohne größeren Plan und lange Recherche, schlicht ins Blaue hinein. Im wirklichen Leben aber hat Horst Eckert zunächst alle Hände voll zu tun, bevor er zum ersten Mal das Textverarbeitungsprogramm aufrufen kann. Und so geht das nun schon, seit er vor über dreizehn Jahren mit dem ersten von insgesamt neun Kriminalromanen begann. Von Bertram Job (Text) und Udo Bonanza (Fotos)

Wenn es also wieder mal darauf ankommt, steigt Eckert in seinen dunkelblauen, uralten Golf 3, der bei einer grob geschätzten Gesamtauflage von 200.000 verkauften Büchern eher ein fahrzeugliches Understatement ist, und kreuzt darin durch die Straßen und Viertel von Düsseldorf. Ein verdeckter Ermittler von eigenen Gnaden, der das überschaubare Metropölchen am Rhein von Unterrath bis Oberkassel durchkämmt und dabei überlegt, wo er seine nächste ausgedachte Leiche ablegen kann. Den nächsten „Hugo“ (human going), wie das im US-Slang der Kripo heißt. Manchmal ist der so unscheinbar dreinblickende 48-Jährige aber auch nur auf dem Weg ins Polizeipräsidium am Fürstenwall, wo er sich die Abläufe und Zuständigkeiten der verschiedenen Dienststellen erklären lässt. Gerade jetzt sei das Organigramm der Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen wieder völlig umgekrempelt worden, erzählt Eckert, „nur weil irgend so’n Bürokrat auf die Idee gekommen ist, das Rad neu zu erfinden. Dieser ganze Wasserkopf hat eine unheimliche Eigendynamik.“ Oder es ergibt sich, dass der studierte Politologe und ehemalige TV-Journalist Informanten trifft, um die Gepflogenheiten in einem bestimmten Milieu bzw. einem abgelegenen Land in Erfahrung zu bringen. So wie für seinen jüngsten, im Sommer erschienenen Roman „Königsallee“, in dem russische Mafiosi aus dem autonomen Transnistrien ihr schmutziges Geld in der Landeshauptstadt in protzige Immobilien umwandeln wollen. In dieser Weise geht es derzeit etwa in Baden-Baden zu, wie Eckert erfahren hat – „und dann hab’ ich mir ausgemalt, wie das in Düsseldorf ablaufen könnte.“ Wladimir hat recht, dachte Jewgeni. Es ist wie zu Hause, Transnistrien ist überall. Den heutigen Deal hatten sie mit Vertretern der Stadt in einem russischen Lokal gefeiert, das der weißhaarige Unternehmensberater ebenfalls für die Turin-Familie erworben hatte. Roter Krimsekt, Blinis mit Sauerrahm und Kaviar – der Stör schmeckte besser als in Alexandrus „Kumatschok“ an der Straße des 25. Oktober. Für jeden hatte eine Flasche Wodka auf dem Tisch gestanden. Das Stadtoberhaupt hatte sich mit grünem Tee begnügt und war bald aufgebrochen. Später hatten sich Wladimir und seine Männer ins Hotel zurückgezogen, während den Ladys der Sinn nach Tanzen stand.

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Die vielen Vorarbeiten hat sich der Autor selbst eingebrockt, denn Horst Eckert möchte so genau wie möglich lügen – genauer jedenfalls als andere. Die Wirkung seiner Kriminalgeschichten, die ihren Ausgangspunkt jeweils in Düsseldorf haben, hängt für ihn vor allem von der Glaubwürdigkeit des Geschilderten ab: „So ein Krimi ist auch ein Stück Gesellschaftsroman, wenn er gut gemacht ist und mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Also nicht bloß so ein Phantasiekon­ strukt, wo ein Serienkiller wie der böse Wolf im Märchen Leute umbringt. Das ist nicht unser wirkliches Leben.“ Wenn sich bei Eckert Mörder und Fahnder im Medienhafen jagen, endet ihr Rennen wie in Wirklichkeit auf der Spedi­ tionsstraße. Und niemals würde der Autor seine Figuren über die Grafenberger Allee treiben, wenn sie aus dem Zentrum direkt nach Eller wollen. Die lebensechte Topographie der Stadt unterstützt die Macht der Suggestion ja nicht weniger als jedes andere realistische Detail, vom Dialog bis zum Milieu. „Die Wirklichkeit zu kennen, kann dabei helfen, das Ganze noch spannender zu machen“, davon ist Eckert überzeugt. Sollte es für den Plot notwendig sein, stellt der Schriftsteller den Ermittlern aber auch mal eine Telefonzelle auf, wo in echt keine steht – „da bin ich ganz skrupellos.“ Oder er lässt sie verkehrt herum durch Einbahnstraßen fahren. „Und so sehr die Leute darauf achten, ob vielleicht ihr Haus oder das des Nachbarn darin vorkommt – daran nehmen sie keinen Anstoß. Ich werde nicht ständig korrigiert, dass man in diese Straße aus jener Richtung gar nicht reinfahren kann. Das ist sehr angenehm.“ In letzter Konsequenz ist Horst E. aus D. nämlich bloß ein notorischer Dieb. Er plündert Bruchstücke aus dem wirklichen Düsseldorf, um sie in einer erfundenen Geschichte zu bunkern. Einer postmodernen Moritat vom Leben in deutscher Urbanität, das von Drang, Druck, Drogen sowie manch unerfüllten, benutzbaren Sehnsüchten geprägt ist. So schildert er es ebenso beharrlich wie beiläufig, weil Eckert kaum etwas bewusster meidet als den dauererigierten Zeigefinger – und jeder in diesem Genre Egoist sein muss: „Die spannende Geschichte bleibt mein Hauptaugenmerk. Sonst wäre das nicht mehr, sondern weniger als ein Krimi.“

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Auf der Heimfahrt dachte Reuter über die Richtertochter nach und darüber, wie er sie zum Reden bringen könnte. Was sie über das Ausleben von Fantasien gesagt hatte, beschäftigte ihn ebenfalls. Hast du schon mal beim Autofahren einen geblasen bekommen? Kollege Koch hätte die Hand nicht weggeschoben, dachte Reuter. Ihm fiel Katja ein. Zwei Kondome im Gepäck – wehe, wenn sie ihn betrog. Dann hatte er gerade die Gelegenheit zur Revanche verpasst. Reuter kontrollierte den Rückspiegel – kein Verfolger mehr. Trotzdem schlug er Haken, bis er ganz sicher war. Der BMW sagte ihm, dass er auf der Hut sein musste. Für Eckert ist „Düsseldorf“ in erster Linie eine sehr praktische Metapher der Großstadt allgemein – „weil sie alle sozialen Milieus aufweist, von ganz unten bis ganz oben. Gleichzeitig ist das so überschaubar, dass sich zwei Leute in der Innenstadt begegnen können, ohne dass das konstruiert wirkte. In Berlin wär’ das schwieriger.“ Darum ist das Label des so genannten „Stadtkrimis“, mit denen Bahnhofsbuchhandlungen in ganz Deutschland zum beschleunigten Abverkauf grob gestrickter Leseware genötigt werden, in diesem Fall eher ein Affront. „Ich möchte packende Geschichten schreiben, die der Leser auch gut finden kann, wenn er Düsseldorf nicht kennt“, so Eckert. Für einen beträchtlichen Teil seiner Leserschaft aber ist die Stadt keine Folie, sondern reale Umgebung. Mindestens jeder fünfte von Eckerts Kunden, schätzt der Dortmunder Grafit Verlag sehr vorsichtig, lebt in Düsseldorf. Darum kommt es immer häufiger vor, dass Leser sich selbst oder sonst wen in den Romanen des Horst E. wiederzuerkennen glauben. Und das kann für den Urheber mal mehr und mal weniger bzw. überhaupt nicht mehr amüsant ausfallen – je nachdem, wer sich durch seine wahren Lügen gemeint fühlt. Vor einigen Monaten etwa, bei einer Lesung in der Landeshauptstadt, kam ein Polizist zum Autor, um sich ein Buch signieren zu lassen, und fragte ihn dabei unumwunden: „Übrigens, woher kennen Sie meinen Chef so genau?“ „Ich hab’ diese Figur einfach erfunden“, sagt Eckert, „aber damit offenbar einen Nerv getroffen. So was seh’ ich als Bestätigung.“ Ein anderer Leser rief ihn eines Abends an, weil er genau dort wohnt, wo im Roman „Ausgezählt“ eine halbe Familie ausgelöscht wird. „Der fand es klasse, dass sein Haus darin vorkommt“, sagt Eckert, „obwohl ich es anders beschrieben habe, als es in Wirk-

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lichkeit ist. Und dann fragte er mich noch: „Woher wissen Sie, dass mein Nachbar einen Volvo fährt?“ Ich habe nur die Gegend geschildert, in der das passiert ist. Und dahin passte für meinen Geschmack ein Volvo. Reiner Zufall ... Ich höre auch oft: „Warum haben Sie bisher noch keinen Mord in unserem Viertel spielen lassen? Passt doch auch gut zu uns.“ Leider nehmen manche das viel ernster, als ich es meine.“ Solche Missverständnisse kann der routinierte Erzähler ohne größere Probleme in kurzweilige Anekdoten für den Freundeskreis umwandeln. Seit er im letzten Frühjahr jedoch die Kurzgeschichte „Wege zum Ruhm“ in einem Sammelband mit Krimis zum Thema Fußball („Blutgrätsche“) veröffentlicht hat, fühlen sich in Düsseldorf nun offenbar einflussreichste Kreise von Eckert bloßgestellt. Darin verheddert sich ein gewisser Dagobert Kroll, Prototyp des machtbesessenen Oberbürgermeisters, bei der Planung einer umstrittenen Mehrzweck-Arena im Dickicht selbst angebahnter Amigo-Seilschaften, um sich schließlich nach Brasilien abzusetzen. Cornelius spielte nervös mit einem dicken Ring an ihrer Rechten. ‚Wird er damit nicht schlafende Hunde wecken? Das wirkt doch wie ein Schuldeingeständnis. Womöglich wird die Staatsanwaltschaft Lunte riechen und sich für die Arena interessieren.‘ ‚Wohl kaum‘, antwortete Wagner. ‚Die halbe Justizbehörde spielt Golf oder Tennis mit Kroll.‘ Die Dezernentin ließ ein grimmiges Lachen hören. Dann sagte sie: ‚Die Nachfolgefrage muss jedenfalls so rasch wie möglich geregelt werden.‘ ‚Klar.‘ ‚Wir haben an Sie gedacht, Herr Wagner.‘ ‚Bitte?‘ Der Sammelband war noch nicht lange veröffentlicht, als Horst Eckert selbst zum Opfer eines harten Tacklings wurde: Eine Lesung in der Düsseldorfer Stadtbücherei wurde ihm unter fadenscheiniger Begründung kurzfristig abgesagt. Es war nicht schwierig, hinter dem Foul Joachim Erwin als Verursacher zu vermuten, leibhaftiger OB der Landeshauptstadt, der im wirklichen Leben mit der LTU-Arena unlängst ein ähnliches Monsterprojekt durchgesetzt hatte. Ein Verdacht, der durch einen öffentlichen Ausfall Erwins („parasitäres Reportage

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Auf der Heimfahrt dachte Reuter über die Richtertochter nach und darüber, wie er sie zum Reden bringen könnte. Was sie über das Ausleben von Fantasien gesagt hatte, beschäftigte ihn ebenfalls. Hast du schon mal beim Autofahren einen geblasen bekommen? Kollege Koch hätte die Hand nicht weggeschoben, dachte Reuter. Ihm fiel Katja ein. Zwei Kondome im Gepäck – wehe, wenn sie ihn betrog. Dann hatte er gerade die Gelegenheit zur Revanche verpasst. Reuter kontrollierte den Rückspiegel – kein Verfolger mehr. Trotzdem schlug er Haken, bis er ganz sicher war. Der BMW sagte ihm, dass er auf der Hut sein musste. Für Eckert ist „Düsseldorf“ in erster Linie eine sehr praktische Metapher der Großstadt allgemein – „weil sie alle sozialen Milieus aufweist, von ganz unten bis ganz oben. Gleichzeitig ist das so überschaubar, dass sich zwei Leute in der Innenstadt begegnen können, ohne dass das konstruiert wirkte. In Berlin wär’ das schwieriger.“ Darum ist das Label des so genannten „Stadtkrimis“, mit denen Bahnhofsbuchhandlungen in ganz Deutschland zum beschleunigten Abverkauf grob gestrickter Leseware genötigt werden, in diesem Fall eher ein Affront. „Ich möchte packende Geschichten schreiben, die der Leser auch gut finden kann, wenn er Düsseldorf nicht kennt“, so Eckert. Für einen beträchtlichen Teil seiner Leserschaft aber ist die Stadt keine Folie, sondern reale Umgebung. Mindestens jeder fünfte von Eckerts Kunden, schätzt der Dortmunder Grafit Verlag sehr vorsichtig, lebt in Düsseldorf. Darum kommt es immer häufiger vor, dass Leser sich selbst oder sonst wen in den Romanen des Horst E. wiederzuerkennen glauben. Und das kann für den Urheber mal mehr und mal weniger bzw. überhaupt nicht mehr amüsant ausfallen – je nachdem, wer sich durch seine wahren Lügen gemeint fühlt. Vor einigen Monaten etwa, bei einer Lesung in der Landeshauptstadt, kam ein Polizist zum Autor, um sich ein Buch signieren zu lassen, und fragte ihn dabei unumwunden: „Übrigens, woher kennen Sie meinen Chef so genau?“ „Ich hab’ diese Figur einfach erfunden“, sagt Eckert, „aber damit offenbar einen Nerv getroffen. So was seh’ ich als Bestätigung.“ Ein anderer Leser rief ihn eines Abends an, weil er genau dort wohnt, wo im Roman „Ausgezählt“ eine halbe Familie ausgelöscht wird. „Der fand es klasse, dass sein Haus darin vorkommt“, sagt Eckert, „obwohl ich es anders beschrieben habe, als es in Wirk-

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lichkeit ist. Und dann fragte er mich noch: „Woher wissen Sie, dass mein Nachbar einen Volvo fährt?“ Ich habe nur die Gegend geschildert, in der das passiert ist. Und dahin passte für meinen Geschmack ein Volvo. Reiner Zufall ... Ich höre auch oft: „Warum haben Sie bisher noch keinen Mord in unserem Viertel spielen lassen? Passt doch auch gut zu uns.“ Leider nehmen manche das viel ernster, als ich es meine.“ Solche Missverständnisse kann der routinierte Erzähler ohne größere Probleme in kurzweilige Anekdoten für den Freundeskreis umwandeln. Seit er im letzten Frühjahr jedoch die Kurzgeschichte „Wege zum Ruhm“ in einem Sammelband mit Krimis zum Thema Fußball („Blutgrätsche“) veröffentlicht hat, fühlen sich in Düsseldorf nun offenbar einflussreichste Kreise von Eckert bloßgestellt. Darin verheddert sich ein gewisser Dagobert Kroll, Prototyp des machtbesessenen Oberbürgermeisters, bei der Planung einer umstrittenen Mehrzweck-Arena im Dickicht selbst angebahnter Amigo-Seilschaften, um sich schließlich nach Brasilien abzusetzen. Cornelius spielte nervös mit einem dicken Ring an ihrer Rechten. ‚Wird er damit nicht schlafende Hunde wecken? Das wirkt doch wie ein Schuldeingeständnis. Womöglich wird die Staatsanwaltschaft Lunte riechen und sich für die Arena interessieren.‘ ‚Wohl kaum‘, antwortete Wagner. ‚Die halbe Justizbehörde spielt Golf oder Tennis mit Kroll.‘ Die Dezernentin ließ ein grimmiges Lachen hören. Dann sagte sie: ‚Die Nachfolgefrage muss jedenfalls so rasch wie möglich geregelt werden.‘ ‚Klar.‘ ‚Wir haben an Sie gedacht, Herr Wagner.‘ ‚Bitte?‘ Der Sammelband war noch nicht lange veröffentlicht, als Horst Eckert selbst zum Opfer eines harten Tacklings wurde: Eine Lesung in der Düsseldorfer Stadtbücherei wurde ihm unter fadenscheiniger Begründung kurzfristig abgesagt. Es war nicht schwierig, hinter dem Foul Joachim Erwin als Verursacher zu vermuten, leibhaftiger OB der Landeshauptstadt, der im wirklichen Leben mit der LTU-Arena unlängst ein ähnliches Monsterprojekt durchgesetzt hatte. Ein Verdacht, der durch einen öffentlichen Ausfall Erwins („parasitäres Reportage

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Geschreibsel“) sowie den Stil der Absage noch erhärtet wurde. „Nicht mal der Leiter der Stadtbücherei hat sich getraut, mit mir in Kontakt zu treten, weil das seinen Dienstherren verärgert hätte“, so Eckert. Die Absage geriet durch die überregionale Berichterstattung zum öffentlichen Eklat, der auf der Image-Oberfläche der weltoffenen Landeshauptstadt Kratzer hinterließ. Darum gingen die Autoritäten bei nächster Gelegenheit subtiler vor. Bei einem städtisch geförderten Kulturfestival wird ein verabredeter Auftritt Eckerts zwar nicht abgesagt, doch besteht man beim einleitenden Pressetermin ein paar Tage zuvor darauf, dass der Autor namentlich nicht erwähnt werden darf. Das ist so obskur wie ungeschickt, denn in den offiziellen Flyern zum Festival ist der Name längst gedruckt. So hinterlässt die erfundene Geschichte im wirklichen Leben einige düstere Spuren, weil lebendige Personen sich plötzlich wie schlecht erfundene Figuren verhalten. Darüber wird der Blick des Schriftstellers Horst E. auf die Untiefen der Lokalpolitik nicht unerheblich geschärft – und für manche Gesprächspartner ist er dadurch sogar zu einem adäquaten Kummerkasten geworden. „Sehr viele Leute haben mich angerufen, um mir ihre Erlebnisse mit dem real existierenden Oberbürgermeister zu schildern“, erzählt Eckert. „Dabei habe ich noch einige Inspirationen rausziehen können. Alles, was ich so mitbekomme, ist ja auch Futter für mein Schreiben.“ Als im Juni 2006 dann Eckerts neunter Krimi‚ „Königsallee“, erscheint, stürzt sich die regionale Presse voller Neugier auf den Hardcover-Band. Ihr Vorverdacht wird nicht enttäuscht: Auf 409 Seiten entspinnt sich auf mehreren Erzählebenen ein fiktives Sittengemälde von „Düsseldorf“, in dem zum Beispiel Dagobert Kroll als ungebremster Autokrat mit finsteren Mafiosi kooperiert. Der Teufelspakt soll ein millionenschweres Bauvorhaben retten – und damit auch Krolls Nimbus eines dauerdynamischen Visionärs. Wie man Macht behauptet, bekommt seine drall-dreiste persönliche Referentin Simone Beck auch sonst sehr anschaulich erklärt.

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‚Ich habe über jeden ein Dossier. Über jeden!‘ Oberbürgermeister Dagobert Kroll stopfte Unterlagen in den Aktenkoffer und zeigte grimmig lächelnd seine tadellosen Zähne. Wie zum Zeichen, dass mit ihm nicht zu spaßen war. Simone Beck hielt ihrem Chef die Tür auf – der Fortuna-Aufsichtsrat wartete im Besprechungsraum auf seinen Vorsitzenden. Krolls Terminplan zuliebe hatten die Honoratioren das Treffen auf den Feiertag gelegt. ... Kroll ging zum Schrank, zog einen Fortuna-Schal heraus und schlang ihn um den Hals. ‚Der Mann, von dem ich rede, Frau Beck, gehört übrigens der Opposition an, aber er ist mein treuester Gefolgsmann, wenn’s drauf ankommt. Das hat man Ihnen im Studium nicht beigebracht, oder? Bei mir können Sie noch was lernen!‘  Horst Eckert schwört, dass er den herrlich fiesen Satz mit den Dossiers über jeden aus der Berichterstattung über den Skandal um die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier hat. Für die Auguren der lokalen Medien aber stand fest, dass damit nur der real existierende OB gemeint sein kann. „Krimi-Autor Eckert schlägt wieder zu“, feixte die Westdeutsche Zeitung schon Ende Mai in dicken Lettern, während die Rheinische Post am gleichen Tag durch Vorabdruck ausgesuchter Textpassagen zum „kriminellen Promi-Raten“ einlud – handele es sich bei dem Werk doch um „ein kleines und mitunter böses ‚Who is who‘ der Düsseldorfer Prominenz“. Doch keiner ist so schnell und schlau wie der „Express“, der an Dagobert Kroll bereits zwei Wochen eher „verblüffende Ähnlichkeiten mit OB Erwin“ entdeckt, um sich sogleich zu sorgen: „Ob Autor Horst Eckert wohl aus diesem Roman in einer städtischen Bibliothek lesen darf?“ Das nimmt der Autor E. gleichmütig in Kauf, weil auch ein platter Rummel Aufmerksamkeit erzeugt. Der Bürger E. aber beginnt sich zu wundern: „Ich habe mir gedacht: Hoppla, was trauen die hier in meiner Stadt dem Oberbürgermeister alles zu?“ Was ist also ähnlich, was genau so? Und wo liegt die feine Grenze zwischen Kriminal- und Schlüsselroman? Manches Detail in „Königsallee“ hat Eckert in der Tat auffällig nah ans wirkliche Leben platziert. So wettert Simone Beck nach dem

Verlust eines Stilettoabsatzes im Rathaus ebenso gegen das denkmalgeschützte Kopfsteinpflaster, wie es von der echten, ähnlich drall-dreisten OB-Büroleiterin Christina Begale überliefert ist. Dazu ist es schon phonetisch verlockend, in dem Kulturdezernenten Lohmeier den echten Dezernenten HansGeorg Lohe wiederzuerkennen – auch wenn Eckert beteuert, von jenem zuvor „nie gehört“ zu haben. „Bei aller Echtheit sind das ja erlogene Geschichten“, sagt Eckert, der auch im OB Kroll nicht eins zu eins den OB Erwin, sondern allgemein „den Typus eines machtbewussten Oberbürgermeisters“ nachzeichnen wollte. Das ist ihm leider so gut gelungen, dass auch in seiner oberpfälzischen Geburtsstadt Weiden sensible Gemüter über reale Bezüge zu spekulieren begannen. Dort hatte ein Stadtvater 30 Jahre lang wie ein Provinzfürst regiert, bis der im Volksmund als „Sonnengott“ Titulierte dieses Jahr über zwei Skandale und Rechtstrafen stolperte. Dieser OB im Ruhestand heißt Hans Schröpf, aber derlei Namensplattheiten würde sich vermutlich kein Kriminalautor ausdenken. „Die Wahrhaftigkeit in der Fiktion entsteht ja, weil man sich vorstellen kann, dass es so und so ablaufen könnte“, weiß Eckert, „und auf die Art wird’s wieder realistisch.“ Sie entsteht aber auch, weil Horst E. aus D. gerne und durchaus publikumswirksam mit den brisanten Bezügen zwischen Sein und Schein spielt – ganz im Sinne des Philosophen Siegfried Kracauer und seiner berühmtesten Sentenz: „Die Wirklichkeit ist eine Konstruktion.“ Gelegentlich wird die Fiktion von der Wirklichkeit nur dermaßen überholt, dass statt ihrer das Reale wie verzerrt erscheint. Auch darum schließt „Königsallee“ im Abspann mit einer letzten Süffisanz: Danke auch einigen Tippgebern aus Politik und Wirtschaft, die es vorziehen, nicht genannt zu werden. Ihnen verdanke ich die Einsicht, dass die Wirklichkeit der Autorenfantasie manchmal näher kommt, als man es glauben möchte.

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Geschreibsel“) sowie den Stil der Absage noch erhärtet wurde. „Nicht mal der Leiter der Stadtbücherei hat sich getraut, mit mir in Kontakt zu treten, weil das seinen Dienstherren verärgert hätte“, so Eckert. Die Absage geriet durch die überregionale Berichterstattung zum öffentlichen Eklat, der auf der Image-Oberfläche der weltoffenen Landeshauptstadt Kratzer hinterließ. Darum gingen die Autoritäten bei nächster Gelegenheit subtiler vor. Bei einem städtisch geförderten Kulturfestival wird ein verabredeter Auftritt Eckerts zwar nicht abgesagt, doch besteht man beim einleitenden Pressetermin ein paar Tage zuvor darauf, dass der Autor namentlich nicht erwähnt werden darf. Das ist so obskur wie ungeschickt, denn in den offiziellen Flyern zum Festival ist der Name längst gedruckt. So hinterlässt die erfundene Geschichte im wirklichen Leben einige düstere Spuren, weil lebendige Personen sich plötzlich wie schlecht erfundene Figuren verhalten. Darüber wird der Blick des Schriftstellers Horst E. auf die Untiefen der Lokalpolitik nicht unerheblich geschärft – und für manche Gesprächspartner ist er dadurch sogar zu einem adäquaten Kummerkasten geworden. „Sehr viele Leute haben mich angerufen, um mir ihre Erlebnisse mit dem real existierenden Oberbürgermeister zu schildern“, erzählt Eckert. „Dabei habe ich noch einige Inspirationen rausziehen können. Alles, was ich so mitbekomme, ist ja auch Futter für mein Schreiben.“ Als im Juni 2006 dann Eckerts neunter Krimi‚ „Königsallee“, erscheint, stürzt sich die regionale Presse voller Neugier auf den Hardcover-Band. Ihr Vorverdacht wird nicht enttäuscht: Auf 409 Seiten entspinnt sich auf mehreren Erzählebenen ein fiktives Sittengemälde von „Düsseldorf“, in dem zum Beispiel Dagobert Kroll als ungebremster Autokrat mit finsteren Mafiosi kooperiert. Der Teufelspakt soll ein millionenschweres Bauvorhaben retten – und damit auch Krolls Nimbus eines dauerdynamischen Visionärs. Wie man Macht behauptet, bekommt seine drall-dreiste persönliche Referentin Simone Beck auch sonst sehr anschaulich erklärt.

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‚Ich habe über jeden ein Dossier. Über jeden!‘ Oberbürgermeister Dagobert Kroll stopfte Unterlagen in den Aktenkoffer und zeigte grimmig lächelnd seine tadellosen Zähne. Wie zum Zeichen, dass mit ihm nicht zu spaßen war. Simone Beck hielt ihrem Chef die Tür auf – der Fortuna-Aufsichtsrat wartete im Besprechungsraum auf seinen Vorsitzenden. Krolls Terminplan zuliebe hatten die Honoratioren das Treffen auf den Feiertag gelegt. ... Kroll ging zum Schrank, zog einen Fortuna-Schal heraus und schlang ihn um den Hals. ‚Der Mann, von dem ich rede, Frau Beck, gehört übrigens der Opposition an, aber er ist mein treuester Gefolgsmann, wenn’s drauf ankommt. Das hat man Ihnen im Studium nicht beigebracht, oder? Bei mir können Sie noch was lernen!‘  Horst Eckert schwört, dass er den herrlich fiesen Satz mit den Dossiers über jeden aus der Berichterstattung über den Skandal um die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier hat. Für die Auguren der lokalen Medien aber stand fest, dass damit nur der real existierende OB gemeint sein kann. „Krimi-Autor Eckert schlägt wieder zu“, feixte die Westdeutsche Zeitung schon Ende Mai in dicken Lettern, während die Rheinische Post am gleichen Tag durch Vorabdruck ausgesuchter Textpassagen zum „kriminellen Promi-Raten“ einlud – handele es sich bei dem Werk doch um „ein kleines und mitunter böses ‚Who is who‘ der Düsseldorfer Prominenz“. Doch keiner ist so schnell und schlau wie der „Express“, der an Dagobert Kroll bereits zwei Wochen eher „verblüffende Ähnlichkeiten mit OB Erwin“ entdeckt, um sich sogleich zu sorgen: „Ob Autor Horst Eckert wohl aus diesem Roman in einer städtischen Bibliothek lesen darf?“ Das nimmt der Autor E. gleichmütig in Kauf, weil auch ein platter Rummel Aufmerksamkeit erzeugt. Der Bürger E. aber beginnt sich zu wundern: „Ich habe mir gedacht: Hoppla, was trauen die hier in meiner Stadt dem Oberbürgermeister alles zu?“ Was ist also ähnlich, was genau so? Und wo liegt die feine Grenze zwischen Kriminal- und Schlüsselroman? Manches Detail in „Königsallee“ hat Eckert in der Tat auffällig nah ans wirkliche Leben platziert. So wettert Simone Beck nach dem

Verlust eines Stilettoabsatzes im Rathaus ebenso gegen das denkmalgeschützte Kopfsteinpflaster, wie es von der echten, ähnlich drall-dreisten OB-Büroleiterin Christina Begale überliefert ist. Dazu ist es schon phonetisch verlockend, in dem Kulturdezernenten Lohmeier den echten Dezernenten HansGeorg Lohe wiederzuerkennen – auch wenn Eckert beteuert, von jenem zuvor „nie gehört“ zu haben. „Bei aller Echtheit sind das ja erlogene Geschichten“, sagt Eckert, der auch im OB Kroll nicht eins zu eins den OB Erwin, sondern allgemein „den Typus eines machtbewussten Oberbürgermeisters“ nachzeichnen wollte. Das ist ihm leider so gut gelungen, dass auch in seiner oberpfälzischen Geburtsstadt Weiden sensible Gemüter über reale Bezüge zu spekulieren begannen. Dort hatte ein Stadtvater 30 Jahre lang wie ein Provinzfürst regiert, bis der im Volksmund als „Sonnengott“ Titulierte dieses Jahr über zwei Skandale und Rechtstrafen stolperte. Dieser OB im Ruhestand heißt Hans Schröpf, aber derlei Namensplattheiten würde sich vermutlich kein Kriminalautor ausdenken. „Die Wahrhaftigkeit in der Fiktion entsteht ja, weil man sich vorstellen kann, dass es so und so ablaufen könnte“, weiß Eckert, „und auf die Art wird’s wieder realistisch.“ Sie entsteht aber auch, weil Horst E. aus D. gerne und durchaus publikumswirksam mit den brisanten Bezügen zwischen Sein und Schein spielt – ganz im Sinne des Philosophen Siegfried Kracauer und seiner berühmtesten Sentenz: „Die Wirklichkeit ist eine Konstruktion.“ Gelegentlich wird die Fiktion von der Wirklichkeit nur dermaßen überholt, dass statt ihrer das Reale wie verzerrt erscheint. Auch darum schließt „Königsallee“ im Abspann mit einer letzten Süffisanz: Danke auch einigen Tippgebern aus Politik und Wirtschaft, die es vorziehen, nicht genannt zu werden. Ihnen verdanke ich die Einsicht, dass die Wirklichkeit der Autorenfantasie manchmal näher kommt, als man es glauben möchte.

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Mit wenigen Ausnahmen ist die gesamte äußere Haut mit Haaren bewachsen. Schön, wenn die meisten davon sich auf dem Kopf befinden. FELD HOMMES hat sich auf die Suche nach korrekt frisiertem Echthaar gemacht und ist auf den Straßen von Berlin fündig geworden. Von Till Becker (Fotos) und Tom Kroboth (Haare & Make-up)

gerardo, Haare: Aveda Men Pure-Formance Pomade

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Mit wenigen Ausnahmen ist die gesamte äußere Haut mit Haaren bewachsen. Schön, wenn die meisten davon sich auf dem Kopf befinden. FELD HOMMES hat sich auf die Suche nach korrekt frisiertem Echthaar gemacht und ist auf den Straßen von Berlin fündig geworden. Von Till Becker (Fotos) und Tom Kroboth (Haare & Make-up)

gerardo, Haare: Aveda Men Pure-Formance Pomade

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moritz, Haare: Aveda Men Pure-Formance Liquid Pomade

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moritz, Haare: Aveda Men Pure-Formance Liquid Pomade

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werner, Haare: Aveda Men Pure-Formance Grooming Cream

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werner, Haare: Aveda Men Pure-Formance Grooming Cream

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dennis, Haare: Aveda Men Pure-Formance Liquid Pomade

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dennis, Haare: Aveda Men Pure-Formance Liquid Pomade

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Fotografie: Till Becker (www.danielawagner.de) Haare & Make-up: Tom Kroboth (www.bigoudi.de) mit Produkten von Aveda Styling: Caro Kiehl-Grimm Models: Wali Barrech, Dennis Kleinke Day, Gerardo de Mendonça (streetcasting), Moritz (www.seedsmodels.de) und Werner (www.type-face.de) Bildbearbeitung: Andrea Drewes (www.appel-grafik.de)

wali, Haare: Aveda Men Pure-Formance Grooming Clay

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Fotografie: Till Becker (www.danielawagner.de) Haare & Make-up: Tom Kroboth (www.bigoudi.de) mit Produkten von Aveda Styling: Caro Kiehl-Grimm Models: Wali Barrech, Dennis Kleinke Day, Gerardo de Mendonça (streetcasting), Moritz (www.seedsmodels.de) und Werner (www.type-face.de) Bildbearbeitung: Andrea Drewes (www.appel-grafik.de)

wali, Haare: Aveda Men Pure-Formance Grooming Clay

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Geruchsinformationen gelangen schneller ins Gehirn als andere Sinneswahrnehmungen. Im Hippocampus werden sie mit tausenden gespeicherten Geruchserinnerungen abgeglichen. Zu diesen Erinnerungen hält dann die Amygdala gleich die passenden Emotionen bereit. Sollte Ihnen also bei den Ausführungen unseres Autors irgendwann ein bekannter Geruch in die Nase steigen, seien Sie unbesorgt. Das ist kein Riechstreifen einer Parfümreklame, sondern der süße Duft der Erinnerung: an nassen Hund, Mamas Kakao und den berühmtesten Duft Deutschlands. Von Jürgen Nerger (Text)

Es sind die Gerüche, die bei jedem von uns Bilder zum Leben erwecken, die unser Gedächtnis vor langer Zeit in einem dicken Album abgelegt hat. Die meisten davon stammen aus der Kindheit, schöne und weniger schöne Gerüche sind dabei, verführerische wie abstoßende, anregende, verstörende, benebelnde und verwirrende. Wenn es Frühling wird und der erste warme Tag des Jahres die Hormone in Bewegung bringt, erinnert mich der Geruch daran, wie es war, als Kind endlich die lange gegen die kurze Hose tauschen zu dürfen. Bei uns war das meistens zu Ostern. Wenn Oma gekocht hat, roch das immer anders als bei Mama, zu meinem Leidwesen leider besser. Bin ich heute in einer Kneipe und rieche abgestandenen Bierschleim an der Theke, erinnert es mich an meinen Vater, den ich des Öfteren betrunken aus dem Wirtshaus führen musste. Riecht es feucht und kalt, fällt mir mein unbeheiztes Kinderzimmer im Herbst ein, riecht es nach Schokolade, denke ich an den heißen Kakao, den mir meine Mutter zum Abendbrot kredenzt hat. Und wie erst riecht die Liebe! Wie könnte ich je den süßen Duft meiner ersten großen Liebe vergessen. Sie hieß Wienke, kam

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aus Südafrika, wir tanzten während einer Scheunenfete zusammen und hörten Hotel California von den Eagles. Ihr süßer, leicht verschwitzter Geruch ließ mich wochenlang nachts wach liegen und voller Sehnsucht an die Decke starren. So oder so ähnlich riecht nur noch der Tod. Das wurde mir viele Jahre später am offenen Sarg meiner Oma bewusst. Ein Beweis dafür, dass Liebe und Tod dichter beieinander liegen, als es manch einem lieb ist. Auch weniger angenehme Gerüche will mein Gedächtnis nicht vergessen: Mein Turnbeutel zum Beispiel roch so stark, dass ich noch heute Turnhallen, Squashcourts, Herrenumkleiden und ähnliche geschlossene Räume meide wie der Hippie die Parfümerie. Jeder weiß, wie es riecht, wenn man mit einer Stichflamme die Augenbrauen abfackelt. Wer kennt nicht den Duft von ranzigem Fett, wenn man sich so auf die Fritten gefreut hat, oder den von saurer Milch, die jeder schon mal ausgespuckt hat. Der Geruch von Lösungsmitteln erinnert mich an meinen Semesterferienjob in der Siebdruckerei, von dem ich abends immer wie betrunken nach Hause kam. Selbst Orte haben einen unverkennbaren Eigengeruch. Wer wie ich lange vor dem Mauerfall in Berlin gelebt hat, wird sich an den Geruch der Kokskachelöfen erinnern, der im Winter in einer Wolke über der Stadt lag. Wir wissen, wie das salzige Wasser des Meeres riecht, das Kerosin eines startenden Flugzeugs, das Krankenhaus, die Bäckerei, der Fisch- oder Fahrradladen, der Furz eines Hundes, der gerade Pansen gefressen hat. Es gibt sogar Düfte, denen man bestimmte Produkte zuordnen kann. Nutella riecht anders als jede andere Nuss-NougatCreme, Coca-Cola anders als Afri-Cola, ein neuer Mercedes anders als ein neuer Golf. Die einzige Zahlenkombination, die es je zu einem unverwechselbaren Eigengeruch gebracht hat, ist „4711. Echt Kölnisch Wasser“. Meine Mutter pflegte stets ein Fläschchen 4711 zwischen die Wäsche im Schrank zu legen. Genauso wie Geldscheine, Dokumente, die niemand zu Gesicht bekommen sollte, Süßigkeiten, die vor den gierigen Griffen der Kinder ebenso geschützt werden mussten, Liebesbriefe oder goldener Schmuck. Das Fläschchen 4711 aber führte dazu, dass jedes frische Handtuch und jedes Bettlaken für immer und alle Tage den Geruch der Kindheit und frühen Jugend annahm. Die Geschichte von 4711, dem „Echt Kölnisch Wasser“, ist aber nicht nur untrennbar mit meiner Mutter verbunden, „Echt Kölnisch Wasser“ ist die Mutter aller Düfte. Auf Französisch heißt es „Eau de Cologne“ und ist auf unzähligen Duftwasserfläschchen zu lesen. Alles begann im Jahr 1792. Das westliche Europa hatte mit den Folgen der französischen Revolution und dem Tatendrang des kleinwüchsigen Napoleon Bonaparte zu tun, als der wohlhabende Kölner Bankier und Kaufmann Wilhelm Mühlens seine Hochzeit feierte. Unter den zahlreichen Geschenken fand er auch das alte Pergament eines Karthäusermönches, dem er einst Unterschlupf gewährt hatte und der sich – wohl nicht zuletzt auch dafür – auf diesem Weg bedanken wollte. Das Pergament enthielt ein Geheimrezept zur Herstellung eines „Aqua Mirabilis“, dem man eine einzigartige heilende und lindernde Wirkung zusprach. „Aqua Mirabilis“ deshalb, weil es lange Zeit äußerlich wie innerlich angewandt wurde. Mit anderen Worten:

Es gab Zeiten, da hat manch einer einen ordentlichen Schluck aus der 4711-Pulle genommen. Heute kommt Letzteres, wie man hört, gelegentlich noch unter hartgesottenen Alkoholikern vor. Aber das nur nebenbei. 1794 hatten die Franzosen Köln besetzt und keinen blassen Schimmer davon, wie sie sich in der fremden Stadt am Rhein, in dem man so einen albernen Dialekt sprach, zurechtfinden sollten. Der kommandierende General Daurier ordnete deshalb an, alle Häuser fortlaufend zu nummerieren. Das berühmte Stammhaus der Mühlens war die Nummer 4711 auf der Liste. Die ganze Welt wurde in den nächsten 150 Jahren vom Kölnisch Wasser erobert, und es gab wohl kaum jemanden, der sich dem Einfluss bzw. Reinriechen dieses Produktes dauerhaft entziehen konnte. Selbst von Goethe ist ein Brief erhalten, in dem er sein Interesse am „Echt Kölnisch Wasser“ bekundet. Der Zar von Russland hat sich ebenso mit 4711 erfrischt wie der Prince of Wales. Richard Wagner hätte ganz Bayreuth in 4711 ertränken können bei den Mengen, die er bestellte. Das hätte uns viel erspart. Heute müffeln neben Milliarden unbekannter Erdenbürger der Scheich von Abu Dhabi, Montserrat Caballé, Madonna und Königin Sirikit von Thailand so, als hätten sie bei uns zu Hause zwischen der Wäsche gelegen. Was ich mir allerdings lediglich bei Madonna wirklich wünschen würde. Bei 4711 handelt es sich übrigens absolut nicht um ein Parfüm, das man sich etepetete tröpfchenweise hinters Ohr tupft. Mit 4711 hat man verschwenderisch umzugehen. Richtig angewendet tränkt man ein ganzes Tuch in Kölnisch Wasser und wischt sich damit durchs Gesicht, den Hals entlang, und nichts spricht dagegen, den ganzen Körper großzügig damit abzureiben. Eine herrliche Erfrischung! Wer jetzt die Nase rümpft und von seiner Amygdala mit der Vision einer dicken, schwitzende Nachbarin versorgt wird, der sollte seine Erinnerungen gründlich auffrischen. Und zwar mit einem Besuch im Ausland. In Spanien gilt es unter Männern als der letzte Schrei, bevor man die Nacht durchmacht, sich mit einer ordentlichen Portion „4711. Echt Kölnisch Wasser“ abzureiben. Die Nordamerikaner und Japaner verschenken die Fläschchen mit Vorliebe an ihre Geliebten, Chefsekretärinnen und Dominas, sofern es sich dabei nicht um ein und dieselbe Person handelt. In Saudi-Arabien erfrischt man sich nach einem millionenschweren Geschäftsabschluss gern aus der Magnumflasche und die Eskimos schätzen den guten Duft vor allem deshalb, weil er 85  Alkohol enthält und deshalb beim Auftragen nicht gleich gefriert. Höchste Zeit also, sich auch in Deutschland wieder auf den echtesten und deutschesten und erfolgreichsten Duft aller Zeiten zu besinnen. Auf „4711. Echt Kölnisch Wasser“. Eine Essenz von ätherischen Ölen ausgesuchter Citrusfrüchte und einem geringen Anteil von Rosmarin und Lavendel. Na? Riechen Sie’s jetzt auch? Schnell mal Mutti anrufen.

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Geruchsinformationen gelangen schneller ins Gehirn als andere Sinneswahrnehmungen. Im Hippocampus werden sie mit tausenden gespeicherten Geruchserinnerungen abgeglichen. Zu diesen Erinnerungen hält dann die Amygdala gleich die passenden Emotionen bereit. Sollte Ihnen also bei den Ausführungen unseres Autors irgendwann ein bekannter Geruch in die Nase steigen, seien Sie unbesorgt. Das ist kein Riechstreifen einer Parfümreklame, sondern der süße Duft der Erinnerung: an nassen Hund, Mamas Kakao und den berühmtesten Duft Deutschlands. Von Jürgen Nerger (Text)

Es sind die Gerüche, die bei jedem von uns Bilder zum Leben erwecken, die unser Gedächtnis vor langer Zeit in einem dicken Album abgelegt hat. Die meisten davon stammen aus der Kindheit, schöne und weniger schöne Gerüche sind dabei, verführerische wie abstoßende, anregende, verstörende, benebelnde und verwirrende. Wenn es Frühling wird und der erste warme Tag des Jahres die Hormone in Bewegung bringt, erinnert mich der Geruch daran, wie es war, als Kind endlich die lange gegen die kurze Hose tauschen zu dürfen. Bei uns war das meistens zu Ostern. Wenn Oma gekocht hat, roch das immer anders als bei Mama, zu meinem Leidwesen leider besser. Bin ich heute in einer Kneipe und rieche abgestandenen Bierschleim an der Theke, erinnert es mich an meinen Vater, den ich des Öfteren betrunken aus dem Wirtshaus führen musste. Riecht es feucht und kalt, fällt mir mein unbeheiztes Kinderzimmer im Herbst ein, riecht es nach Schokolade, denke ich an den heißen Kakao, den mir meine Mutter zum Abendbrot kredenzt hat. Und wie erst riecht die Liebe! Wie könnte ich je den süßen Duft meiner ersten großen Liebe vergessen. Sie hieß Wienke, kam

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aus Südafrika, wir tanzten während einer Scheunenfete zusammen und hörten Hotel California von den Eagles. Ihr süßer, leicht verschwitzter Geruch ließ mich wochenlang nachts wach liegen und voller Sehnsucht an die Decke starren. So oder so ähnlich riecht nur noch der Tod. Das wurde mir viele Jahre später am offenen Sarg meiner Oma bewusst. Ein Beweis dafür, dass Liebe und Tod dichter beieinander liegen, als es manch einem lieb ist. Auch weniger angenehme Gerüche will mein Gedächtnis nicht vergessen: Mein Turnbeutel zum Beispiel roch so stark, dass ich noch heute Turnhallen, Squashcourts, Herrenumkleiden und ähnliche geschlossene Räume meide wie der Hippie die Parfümerie. Jeder weiß, wie es riecht, wenn man mit einer Stichflamme die Augenbrauen abfackelt. Wer kennt nicht den Duft von ranzigem Fett, wenn man sich so auf die Fritten gefreut hat, oder den von saurer Milch, die jeder schon mal ausgespuckt hat. Der Geruch von Lösungsmitteln erinnert mich an meinen Semesterferienjob in der Siebdruckerei, von dem ich abends immer wie betrunken nach Hause kam. Selbst Orte haben einen unverkennbaren Eigengeruch. Wer wie ich lange vor dem Mauerfall in Berlin gelebt hat, wird sich an den Geruch der Kokskachelöfen erinnern, der im Winter in einer Wolke über der Stadt lag. Wir wissen, wie das salzige Wasser des Meeres riecht, das Kerosin eines startenden Flugzeugs, das Krankenhaus, die Bäckerei, der Fisch- oder Fahrradladen, der Furz eines Hundes, der gerade Pansen gefressen hat. Es gibt sogar Düfte, denen man bestimmte Produkte zuordnen kann. Nutella riecht anders als jede andere Nuss-NougatCreme, Coca-Cola anders als Afri-Cola, ein neuer Mercedes anders als ein neuer Golf. Die einzige Zahlenkombination, die es je zu einem unverwechselbaren Eigengeruch gebracht hat, ist „4711. Echt Kölnisch Wasser“. Meine Mutter pflegte stets ein Fläschchen 4711 zwischen die Wäsche im Schrank zu legen. Genauso wie Geldscheine, Dokumente, die niemand zu Gesicht bekommen sollte, Süßigkeiten, die vor den gierigen Griffen der Kinder ebenso geschützt werden mussten, Liebesbriefe oder goldener Schmuck. Das Fläschchen 4711 aber führte dazu, dass jedes frische Handtuch und jedes Bettlaken für immer und alle Tage den Geruch der Kindheit und frühen Jugend annahm. Die Geschichte von 4711, dem „Echt Kölnisch Wasser“, ist aber nicht nur untrennbar mit meiner Mutter verbunden, „Echt Kölnisch Wasser“ ist die Mutter aller Düfte. Auf Französisch heißt es „Eau de Cologne“ und ist auf unzähligen Duftwasserfläschchen zu lesen. Alles begann im Jahr 1792. Das westliche Europa hatte mit den Folgen der französischen Revolution und dem Tatendrang des kleinwüchsigen Napoleon Bonaparte zu tun, als der wohlhabende Kölner Bankier und Kaufmann Wilhelm Mühlens seine Hochzeit feierte. Unter den zahlreichen Geschenken fand er auch das alte Pergament eines Karthäusermönches, dem er einst Unterschlupf gewährt hatte und der sich – wohl nicht zuletzt auch dafür – auf diesem Weg bedanken wollte. Das Pergament enthielt ein Geheimrezept zur Herstellung eines „Aqua Mirabilis“, dem man eine einzigartige heilende und lindernde Wirkung zusprach. „Aqua Mirabilis“ deshalb, weil es lange Zeit äußerlich wie innerlich angewandt wurde. Mit anderen Worten:

Es gab Zeiten, da hat manch einer einen ordentlichen Schluck aus der 4711-Pulle genommen. Heute kommt Letzteres, wie man hört, gelegentlich noch unter hartgesottenen Alkoholikern vor. Aber das nur nebenbei. 1794 hatten die Franzosen Köln besetzt und keinen blassen Schimmer davon, wie sie sich in der fremden Stadt am Rhein, in dem man so einen albernen Dialekt sprach, zurechtfinden sollten. Der kommandierende General Daurier ordnete deshalb an, alle Häuser fortlaufend zu nummerieren. Das berühmte Stammhaus der Mühlens war die Nummer 4711 auf der Liste. Die ganze Welt wurde in den nächsten 150 Jahren vom Kölnisch Wasser erobert, und es gab wohl kaum jemanden, der sich dem Einfluss bzw. Reinriechen dieses Produktes dauerhaft entziehen konnte. Selbst von Goethe ist ein Brief erhalten, in dem er sein Interesse am „Echt Kölnisch Wasser“ bekundet. Der Zar von Russland hat sich ebenso mit 4711 erfrischt wie der Prince of Wales. Richard Wagner hätte ganz Bayreuth in 4711 ertränken können bei den Mengen, die er bestellte. Das hätte uns viel erspart. Heute müffeln neben Milliarden unbekannter Erdenbürger der Scheich von Abu Dhabi, Montserrat Caballé, Madonna und Königin Sirikit von Thailand so, als hätten sie bei uns zu Hause zwischen der Wäsche gelegen. Was ich mir allerdings lediglich bei Madonna wirklich wünschen würde. Bei 4711 handelt es sich übrigens absolut nicht um ein Parfüm, das man sich etepetete tröpfchenweise hinters Ohr tupft. Mit 4711 hat man verschwenderisch umzugehen. Richtig angewendet tränkt man ein ganzes Tuch in Kölnisch Wasser und wischt sich damit durchs Gesicht, den Hals entlang, und nichts spricht dagegen, den ganzen Körper großzügig damit abzureiben. Eine herrliche Erfrischung! Wer jetzt die Nase rümpft und von seiner Amygdala mit der Vision einer dicken, schwitzende Nachbarin versorgt wird, der sollte seine Erinnerungen gründlich auffrischen. Und zwar mit einem Besuch im Ausland. In Spanien gilt es unter Männern als der letzte Schrei, bevor man die Nacht durchmacht, sich mit einer ordentlichen Portion „4711. Echt Kölnisch Wasser“ abzureiben. Die Nordamerikaner und Japaner verschenken die Fläschchen mit Vorliebe an ihre Geliebten, Chefsekretärinnen und Dominas, sofern es sich dabei nicht um ein und dieselbe Person handelt. In Saudi-Arabien erfrischt man sich nach einem millionenschweren Geschäftsabschluss gern aus der Magnumflasche und die Eskimos schätzen den guten Duft vor allem deshalb, weil er 85  Alkohol enthält und deshalb beim Auftragen nicht gleich gefriert. Höchste Zeit also, sich auch in Deutschland wieder auf den echtesten und deutschesten und erfolgreichsten Duft aller Zeiten zu besinnen. Auf „4711. Echt Kölnisch Wasser“. Eine Essenz von ätherischen Ölen ausgesuchter Citrusfrüchte und einem geringen Anteil von Rosmarin und Lavendel. Na? Riechen Sie’s jetzt auch? Schnell mal Mutti anrufen.

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Deutsches Kettensägenmassaker. Männer lieben Baumärkte. Männer lieben Werkzeuge und Maschinen. Immer fehlt ein Teil. Muss ein Mann ein Schlüsselbrett anbringen, geht er in den Baumarkt. Korrekte Dübel kaufen. Und was sieht er im Baumarkt? Frauen. Frauen, die sich Akkuschrauber kaufen, Winkelschleifer vergleichen, mit wissenden Gesichtern zwischen Farbeimern rumstehen und dann den 20-Liter-Eimer ohne Hilfe in den Wagen heben. Da bleibt einem Mann doch nichts anderes übrig, wenn er sich eine der letzten Bastionen der Männlichkeit erhalten will, als zu einem Produkt zu greifen, das eine Frau niemals anfassen würde. Eine Motorsäge. Die ist schwer, die ist gefährlich, die macht Lärm, stinkt nach Benzin, die sieht nicht nur brutal aus, die ist es auch. Mit einer Motorsäge kann man Bäume fällen, Europaletten zersägen, Schrankwände einreißen und im Notfall Leichen beseitigen. Har, har. Eine Motorsäge wiegt mit Kette dran an die sieben Kilo. Dieses Gewicht länger zu stemmen und auch in schwierigen Posen, also über Hüfthöhe und mit gestrecktem Arm, souverän zu halten, ist an sich schon schweißtreibend. Mit angelassenem Motor, vibrierender Kette und voll einsatzbereiter, tödlicher Zerstörungskraft ist neben Stärke, Gleichgewichtssinn und Vernunft auch noch Adrenalin im Spiel. Eine falsche Bewegung und das Bein ist ab. Richtig benutzt, ersetzt eine Motorsäge die Axt im Walde. Mit zerkleinerten Bäumen kann der hauseigene Ofen befeuert werden. Das spart in Zeiten explodierender Energiepreise Kohle, macht was her, will aber gekonnt sein. Tabu ist die Spitze des Sägeblatts. Berührt sie einen zu zersägenden Baum zuerst, droht das gefürchtete Zurückschlagen. Dabei schnellt die

Säge in Sekundenbruchteilen Richtung Kopf. Damit der nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, trägt der Waldschrat vernünftigerweise einen Helm mit Visier. Wer die nötige Muskelkraft und Körperbeherrschung hat, eine hochwertige Kettensäge besitzt und die Sicherheitsregeln beachtet, der kann sich daran erfreuen, mit welcher Leichtigkeit sich die rotierende Kette lärmend durch das Holz frisst. Dieses Spielzeug wird Ihnen Mutti so schnell nicht streitig machen. Und genau deswegen kaufen echte Kerle Motorsägen. Auch wenn im Garten nur Büsche stehen. Und weit und breit kein Wald ist, kein Ofen, kein Kamin und dementsprechend auch nichts zum Anfeuern in der Mietswohnung steht. Trotzdem. Man weiß ja nie. Und wo sind die Dübel fürs Schlüsselbrett? Vergessen.

Echt geil. Die ganze Ausgabe lang haben wir überlegt, wo wir diese Headline unterbringen können. Jetzt zum Schluss setzen wir sie einfach völlig sinnfrei an dieser Stelle ein, einfach nur, damit’s erledigt ist. Apropos sinnfrei. Einen anderen Aspekt konnten wir auch nicht ausreichend beleuchten und möchten Sie, liebe Leser, bitten, uns bei der Lösung des Problems zu helfen: Was ist „Echtzeit“? Ein Begriff, über den wir sogar schon in den Nachrichten gestolpert sind. Also, was ist Echtzeit? Beziehungsweise, gibt es eine falsche Zeit? Existiert eine Zeitrechnung der Lüge und eine der Wahrheit? Das würde

uns doch brennend interessieren. Vielleicht können Sie einfach unter Betreff auf dem Überweisungsschein, den sie ausfüllen, um FELD HOMMES zu abonnieren, eine Antwort einfügen. Dann haben Sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Denn Nachdenken ist was Schönes und Geld ausgeben auch. Vor allem, wenn man dafür vier Ausgaben jährlich für 20 Euro inklusive Versandkosten bekommt. Echt geil!

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Der Arbeitsmarkt floriert zwar, aber die Arbeitslosenquote von nunmehr 10,8  ist immer noch kein Grund zur Freude. Deshalb hat sich auch in dieser Ausgabe unser Autor Florian Pagel für Sie umgesehen und Berufe recherchiert, die die ARGE nicht kennt – mit denen sich aber trotzdem Geld verdienen lässt. Heute erfahren Sie etwas über den Beruf des „Bananenreifers“. Von Florian Pagel (Text)

Tätigkeitsfeld 2 Dass an der Obst- und Gemüsetheke nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, wissen wir spätestens, seit es Tomaten gibt, die in identischer Größe und ohne jeden Makel auch nach Wochen noch prall und rot sind, ohne den Gesetzen des natürlichen Verfalls zu unterliegen. Auch bei Bananen wird kräftig geschummelt. Sie werden in ihrem Ursprungsland in noch grünem Zustand gepflückt und so auch aufs Schiff verladen. Dort wird der natürliche Reifeprozess unterbrochen, indem die Temperatur exakt zwischen 12,5 und 13,5 Grad Celsius gehalten wird. In der Reifekammer angekommen, weckt sie der Bananenreifer aus dem Dornröschenschlaf, indem er sie bei einer genau berechneten Temperatur mit Ethylen bedampft. Der Reifeprozess läuft nun weiter, bis die Bananen ihr gewünschtes Gelb erreicht haben. Nach etwa zehn Tagen ist im Inneren das gewünschte Verhältnis von Zucker und Stärke erreicht, die gelbe Ware kann ihren Weg weiter ins Supermarktregal antreten. Herr Wilhelm Gunkel (51) arbeitet bei der Firma Andretta Fruit Import als Bananenreifer und hat uns etwas über seinen Beruf erzählt.

Wie lange haben Sie den Beruf schon? Ca. 16–17 Jahre Gibt es Ausbildungsmöglichkeiten für den Beruf ? Von Amts wegen gibt es kein Berufsbild und auch keine Prüfung vor der Handelskammer. Die Betriebe bilden ihr Personal aus. Das erfolgt ausschließlich in der Praxis. Dauer: ca. ein Jahr. Welchen Weg haben Sie gewählt, den Beruf zu lernen? Mit 16 Jahren habe ich eine Lehre in der Fruchtbranche begonnen (Kaufmann für den Groß- und Außenhandel). Nach der Lehre bin ich in dieser Branche geblieben. Beim Ausfall eines Kollegen wurde ich von meinem Chef gebeten, diesen Posten zu übernehmen, und ich habe zugesagt. Gibt es ein bestimmtes Gelb, das als Resultat vorgeschrieben ist? Je nach Kunde gibt es unterschiedliche Anforderungen. In der warmen Jahreszeit Farbe 3–4, im Winter eher 4–5. Haben Sie einen bestimmten Gelbton als Lieblingsfarbe? Zum Anschauen: Leuchtend Gelb – die Banane muss lachen. Zum Essen: Vollgelb mit leichten Sommersprossen. Was macht einen guten „Bananenreifer“ aus? Fleiß, gutes Gefühl für das Verhalten der Banane, des Marktes und des Verbrauchers, vorausschauendes Handeln, Umgang mit der Reifetechnik. Mögen Sie Ihren Beruf? Ja. Was genau mögen Sie daran? Kein Tag ist wie der andere, und kein Jahr ist wie das vorhergehende. Die Banane ist die einzige Frucht, die in gleichbleibender Qualität das ganze Jahr zur Verfügung steht. Ich schätze außerdem die Mischung aus körperlicher, geistiger und organisatorischer Arbeit. Vielen Dank.

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