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Nummer 9 / M채rz 2015 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine seit 1999/ Preis Fr. 10.00

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Geschichten f체r Fussballromantiker und Freunde des gehobenen Amateurfussballs


Grenzstadtkurier Nummer 9 / M채rz 2015 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Veranstaltungen ~ homes of football Fotografien von Stuart Roy Clarke

November 2015 - M채rz 2016

Eine Ausstellung von Seagulls Roar! / Grenzstadtkurier in Basel

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Grenzstadtkurier Nummer 9 / März 2015 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ The Editor Speaks ~ Liebe Fussballromantiker und Freunde Die von mir organisierte kleine Schweizer Lese des gehobenen Amateurfussballs! -Tour mit Andreas Gläser war 2014 für mich Im vergangenen Jahr sammelte sich wieder ein weiteres Highlight. Viele Grüsse an dieser einiges Material an und so gibt es neben den Stelle nach Berlin, es waren wunderschöne Blog-Berichten aus dem Seagulls Roar! auch Abende in Basel, Winterthur und St. Gallen. jede Menge neue Texte. Im Fokus steht wie Auch möchte ich mich an dieser Stelle bei den immer Historisches rund um den FC Kreuzlin- Veranstaltern bedanken, welche diese Tour gen und Fussballromantisches aus nah und erst ermöglichten und die uns so gastfreundlifern. Zur Abwechslung tragen einige Gastberichte bei. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mit ihren zur Verfügung gestellten Texten und Fotos oder als Interview-Partner zu einer abwechslungsreichen Ausgabe beigetragen haben. Vielen Dank an Dirk Mederer (Göttingen), Beni Pfister (didi:offensiv), Andreas Gläser (Zugriff!), Dani Kehl (knappdaneben), Nicky Kassner (stahlwerk), Kaputte Moite / BFU (Schweinfurt), Joel Virgo (Dulwich Hamlet), Herbert Hostettler (Nordstern Basel), Urs Lang (Sammlung Urs Lang) und Mario Gaccioli (Fotos Heimspiele).

~ Inhaltsverzeichnis ~ The Editor Speaks

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Seagulls-Roar!

5-19

Andreas Gläser Tour

20-21

Bilderbogen Dulwich Hamlet

22-31

Mitropa-Cup_______________ 32-35

Gerade dieser Tausch und Kontakt unter Gleichgesinnten ist sehr bereichernd. So bleiben für mich besonders die Besuche von auswärtigen Fans beim kleinen FC Kreuzlingen in schöner Erinnerung. Ich hoffe, ich kann mich eines Tages bei Euch in Hannover, Göttingen und Altona revanchieren! Bis dahin geniesst mein am 6. August 2014 geborenes Töchterchen Finja Louisa erste Priorität. Diese Ausgabe sei ihr gewidmet. Ein grosses Dankeschön gilt auch meiner geliebten Fabienne für das grosse, meiner zeitintensiven Leidenschaft, entgegengebrachte Verständnis. Nur sie und andere Fanzine-Macher wissen um die Zeit, die hinter einem solchen Projekt wie dem Grenzstadtkurier steckt. 3

Fan-Report Schweinfurt

36-40

Wie ich zum FCK fand

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Stadion-Architektur der 1920er

42-47

Interview 1. SC Göttingen

48-52

Die Curry-Wurst

53

Schweizer Provinz

54-55

Kreuzlinger Fundstück

56-57

Red Rebels in Switzerland

58-60

Interview didi:offensiv

61-63

Nordstern Basel

64-70

Stadt-Milieus: Restaurant Adler

71-72

Matchprogramme

74-78

Architekt und Geniesser

79

Homes of Football

80-81

Waldstadion am Erbsenberg

82-83

Schöner Singen!

84-86

Fussball und Fankultur

87-91

Andere über uns

92-93

Kreuzlingen 30s - 50s

94-95

FC Kreuzlingen 1937/1938

96-107


Grenzstadtkurier Nummer 9 / März 2015 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ The Editor Speaks ~ che Abende bereiteten.

Message to you:

Nicht zuletzt möchte ich auch die alltäglichen Spiele im Klein Venedig und auswärts mit den Porteños erwähnen (insbesondere Yannick, Philippe, Michele und Pasquale), eine immer wieder schöne Zeit die viel Freude bereitet. Ihr zeigt mit eurer gelebten Leidenschaft was wahre Fussballfans sind! Wenn ihr in Basel seid, müsst ihr unbedingt das didi:offensiv besuchen. 2015 steht eine kleine von mir mitorganisierte Ausstellung in der Fussballkulturbar an. Ich zeige dort von November 2015 bis März 2016 OriginalFotografien von Stuart Roy Clarke. Während der Fussballsaison sind die meisten dieser Bilder im Clubhaus des FC Kreuzlingen zu sehen.

CH-Ausgabe Nummeriert /100

Die dem Heft beiliegenden Aufkleber „Kleiner Fussball mit grosser Tradition“ wurden von Jan Stöver für die Fans von Arminia Hannover, Altona 93 und dem FC Kreuzlingen gestaltet, sie gefallen mir sehr, vielen Dank dafür!

Kontakt / Fanzinetausch: Daniel Kessler Andhauserstr. 4 CH-8572 Berg TG daniel.kessler@fck1905.ch Verkaufsstellen: - www.nofb-shop.de - Sportantiquariat Germond, Zürich - didi:offensiv-Fussballkulturbar, Basel - Bei den Heimspielen im Clubhaus

Den ersten 50 Exemplaren des Grenzstadtkuriers liegt ausserdem eine Postkarte des Hafenareals aus der knappdaneben-Edition anbei, schreibt mal wieder euren liebsten Freunden, viel Spass damit.

Druck: esf-print, Rigistr. 9, D-12277Berlin http//www.esf-print.de

Separat von dieser Ausgabe gibt es wieder eine Druckvariante vom NOFB-Shop für deutsche Leser mit zusätzlich ca. 70 Exemplaren.

Euer Daniel

Die Bilder aus dem Seagulls Roar! - Blog wurden grösstenteils von FCK-Fotograf Mario Gaccioli au fgen om m en . Her zlichen Dank!

Titelbild: Sam m lun g Ur s Lan g, Sallmansches Haus / Blick zur Hauptstrasse (Kreuzlingen 1928)

Blog: www.portenoskreuzlingen.wordpress.com

Nun wünsche ich Euch viel Spass mit dem Grenzstadtkurier, wir sehen uns an der Bande!

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~ The Seagulls Roar! ~ 26. Mai 2014 FC Uster vs. FC Kreuzlingen 2:0

Seagulls-Bruchlandung bei den Ulster-Boys 6 Balljungen, 1 Bierverkäufer, 1 Wurstverkäufer, 1 Stadionspeaker (spielte soliden Rock), 1 Kassiererin, 2 Lokalreporter, 3 Uster-Fans mit rot-weissen Balkenschals, 3 FCK-Fans mit grün-weissen Balkenschals, 1 Präsident vom FC Uster, 1 Präsident vom FC Kreuzlingen und 28 handgezählte weitere Zuschauer. Das ist keine Randsportart – so sieht ein Kehrausspiel in der 2. Liga Interregional an einem Dienstagabend aus. Liga-Alltag nach den Red Rebels am Wochenende. Das Uster-Bier schmeckte mit fortlaufender Spielzeit immer schlechter. Der Grund war nicht die lokale

Brauerei, sondern das Gezeigte auf dem Rasen. Die Seagulls verlieren gegen die Ulster Boys trotz Spielhoheit und der technisch feineren Klinge mit 2:0, wenn man die zahlreichen Chancen der Gastgeber ansieht nicht mal unverdient. Ein älterer Kreuzlinger reiste extra aus dem Aargauer Exil ans Spiel, grosse Heimatgefühle dürften sich auch bei ihm nicht

eingestellt haben. Wenn dein Team vor 48 Zuschauern in Uster verliert, ist das wahrlich nicht Champions League und trotzdem geht man gerne hin.

31. Mai 2014 FC Kreuzlingen vs. FC Linth 04 2:1

tuto bene Domenico Am letzten Heimspiel gastierte der FC Linth 04 im Klein Venedig. Die Glarner wollten mit einem Sieg ihre Aufstiegschance in die 1. Liga wahren, unserer Grenzstadt-Truppe ging es nur noch um einen guten Auftritt im letzten Heimspiel. Den zeigten sie auch, der Tabellenzweite wurde von der ersten Minute an mächtig in die eigene Hälfte gedrückt. Linth’s Kick and Rush ohne Chance gegen die Ballkünstler vom Bodensee. Wie so oft geriet der FCK trotzdem in Rückstand, zeigte aber eine tolle Moral und glich in der zweiten Halbzeit durch Jelid Veliu aus. Nicht der Aufstiegsaspirant machte das Spiel, auch nicht ihr bestes Sturm-Duo der Liga (Idrizi/ Feldmann), welche gewöhnlich für Angst und Schrecken im gegnerischen Strafraum sorgen, es war der FCK, welcher unbedingt den Sieg wollte. In der 92. war es dann soweit, der eingewechselte Co-Trainer Aydemir Demir sorgte allein schon durch seine Anwesenheit für Unruhe und Alessio Ricciardi erzielte den vielumjubelten Siegtreffer. Vor dem Spiel wurden Antonio Mihaylov, Danijel Mihaylov und Domenico Aiello von den Fangruppen und dem FCK-Präsident verabschiedet. Toni wechselt zum zwei Klassen höher spielenden SC Brühl St. Gallen und Domenico (Foto) kehrt nach Mailand zurück. Ihn werden wir vielleicht schon bald beim Schwei5


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~ The Seagulls Roar! ~ zer 1.Ligisten Mendrisio spielen sehen. Ein gegen den FCK muss man erstmal gewinnen, äusserst sympathischer Spieler, den wir ver- gerade den Spitzenteams fiel dies in der vergangenen Saison ziemlich schwer. Die Übergangssaison wurde somit auf dem 7. Platz beendet, nächstes Jahr greifen wir an, meint auch Mister Fighting Porteño (Foto). Dieses Jahr gratulieren wir aber Seuzach – dem verdienten Aufsteiger. Fans und Trainerbank zeigten sich während des Spiels ziemlich auf dem Schlauch, ob Nachtflug, Umtrunk mit dem Schwiegervater oder einfach nur Biertrinken bei 30 Grad, Höchstleistungen auf und neben den Rängen. Gestaunt wurde kurz bei den Seuzachern (oder Seuzemern), als in der missen werden. 73. Minute endlich einmal so was wie Stimmung unter den Zuschauern aufkam, die Seuzacher begannen rhythmisch zu klatschen, 7. Juni 2014 landete der Ball doch genau im Moment des FC Seuzach vs. FC Kreuzlingen 2:4 Fighting FCK stellte wie- Klatschhöhepunktes im Seuzacher Tor. Der Freude bei den Seuzachern tat dies natürlich dermal ein Bein trotzdem keinen Abbruch, nach dem Spiel Für den FCK ging es zum letzten Saisonspiel feierten sie ausgelassen ihren erstmaligen Aufnach Seuzach. stieg in die 1. Liga. Als dann auch noch der Vor den Toren Spielerbus von Amriswil eintraf, diese kamen Winterthurs war vom Auswärtsspiel in Gossau ZH und sind Volksfeststimanscheinend mit den Seuzachern verbrüdert, mung angesagt, ging es für uns wieder an den Bodensee. Trotz 400 Einheimides Mittelfeldplatzes – die Saison hat grossen sche feierten ihSpass bereitet und nächstes Jahr wird unser ren Verein, welJahr! cher bereits vor dem Spiel als Saison 14/15 Aufsteiger in die 1. Liga feststand. 10. August 2014 20 Kreuzlinger FC Arbon vs. FC Kreuzlingen 1:6 waren dafür angesichts des 4:2Auftaktsieg im See-Derby Sieges gut gelaunt. Es zeigte sich mal wieder – beim FC Arbon 6


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~ The Seagulls Roar! ~ Vier Tage nach der Geburt meiner kleinen Tochter Finja rief das runde Leder zu einem kurzen Unterbruch der Vaterfreuden. Es ging seeaufwärts zum Aufsteiger nach Arbon. Seines Zeichens drittgrösstes Städtchen im Thurgau mit römischen Wurzeln. Diesmal allerdings mit dem Auto – und nicht wie vor fünf Jahren, als wir FCKSchlachtenbummler beim letzten See-Derby mit dem Linienschiff von Kreuzlingen aus ins Arboner Stacherholz anrückten. Beim letzten Spiel der Grenzstadt-Elf gab es noch verwunderte Gesichter bei der Ankunft, denn der FCA verlegte das Spiel damals auf einen schwieriger zu bespielenden Nebenplatz, um die technischen Finessen des FCK ins Leere laufen zu lassen, was bekanntlich nicht half, denn die Grün-Weissen gewannen mit 1:3. Diesmal spielten die Oberthurgauer mit offenen Karten, duelliert wurde sich bei heissem Sommerwetter auf dem Hauptplatz vor einer stattlichen Zuschauerzahl. Mehrheitlich solide zeigte sich der Speaker mit Classic Rock und den Toten Hosen. Das Matchprogramm glänzte weniger, selbst die FCK-Aufstellung fehlte, aber man gelobt diesbezüglich Besserung beim Traditionsverein aus Arbon. Arbor Felix, der glückliche Baum, so die Übersetzung des alten römischen Siedlungnames, hatte sich viel vorgenommen für seinen Ligaauftakt gegen den FC Kreuzlingen. Der Aufsteiger zeigte sich jedoch als schwacher Sparring-Partner und ging überraschend deutlich mit 1:6 gegen unsere Djordjevic-Elf unter. Allein Neuzugang Marcel Simsek vom FC Singen 04 konnte drei Tore verbuchen. Ex-FCKSpieler Mischa Schoch ärgerte sich sichtlich

über die Tore seines ehemaligen Vereins. Die Kreuzlinger übernahmen damit gleich am ersten Spieltag die Tabellenspitze im Sturmlauf. Man darf gespannt sein, ob der FCK seine derzeitige Stärke auch am kommenden Sams-

tag untermauern kann. Dem FC Arbon wäre der Klassenerhalt dagegen zu wünschen, schliesslich müsste man das mit dem Schiff in einem anderen Jahr nochmals wiederholen…

16. August 2014 FC Kreuzlingen vs. FC Gossau ZH 2:1

Beim FCK werden grössere Brötchen gebacken Strömender Regen eine Viertelstunde vor Spielbeginn und im Clubhaus ein geselliges und Zuversicht ausstrahlendes Grüppchen Anhänger aus dem Zürcher Oberland. Kein Wunder, konnte der FCK bei den Gossauern letzte Saison doch alles andere als Angst und Schrecken verbreiten, zuletzt verloren die Grenzstädter gar mit 6:2 beim stolzen Dorfverein. Vielleicht wirkte das gesellige Grüppchen auch so optimistisch, weil das Wetter in seiner Unbeständigkeit an das orkanartige Gastspiel in Gossau erinnerte. Fussballfans sind da abergläubisch. Zu Spielbeginn hellte es auf – doch die Sorgen beim FCK wur7


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~ The Seagulls Roar! ~ den grösser, Sandro Muggli schoss ins Herz der Kreuzlinger und zum 0:1Pausenrückstand. Es war gegen den Spielverlauf wie so oft. Doch gegen die sehr defensiv eingestellten Gossauer kehrten Jens Strohm und Uwe Beran mit einem herrlichen Sololauf in der zweiten Hälfte dann doch das Spiel zum 2:1-Schlussresultat. Die Mannschaft scheint gefestigter, einfach nochmal eine Schippe besser als in der letzten Saison. Mit Gossau ZH wird es übrigens ein schnelles Wiedersehen geben, am 8. November gastieren die Zürcher erneut im Klein Venedig, dann ruft die 1. Vorrunde zum SFV-Cup. Vor Angst werden die Gossauer dann noch immer nicht zittern, doch wir Porteños wissen, die FCK-Maschinerie wird dann so richtig rund laufen – die Ansprüche sind im Hafenareal gestiegen. Spruch des Tages, Clubhaus: “Willst Du noch ein übrig gebliebenes Brot mitnehmen?” FCKFan: “Nein, ich bin Bäcker!!”

Angekommen im 2014. Gerade war man noch mit dem System der Churer Verpflegungsstände beschäftigt (siehe weiter unten) und schon geschah dies: nach wenigen Spielsekunden ein nicht gegebenes Abseitstor der Churer und nach einer Minute das reguläre 1:0 – erstaunte Gesichter bei den wenigen mitgereisten Kreuzlingern. Wie gewohnt nahm der FCK danach aber das Heft in die Hand und schraubte mit seinen offensiven Qualitäten das Endscore auf 1:4. Nach drei Spielen grüsst der Verein aus dem Hafenstädtchen zumindest vorläufig von der Tabellenspitze mit neun Punkten und 12:3 Toren. Die Zuschauer in Chur mögen es rustikal, Kick

23. August 2014 Chur 97 vs. FC Kreuzlingen 1:4

Drei Punkte an der Ringstrasse In der Bündner Hauptstadt erlebte der FCK schon oft sein Waterloo. So etwa vor knapp zehn Jahren, als unsere Grenzstädter drauf und dran waren nach 2004 erneut die Aufstiegsspiele zur Challenge League zu erreichen. Am vorletzten Spieltag hätten die GrünWeissen dazu einen Sieg an der Ringstrasse benötigt und bis zur 72. Minute führte der FCK auch mit 2:0. Am Ende hiess es aber 2:2 und die Träume vom Profi-Fussball waren erneut dahin.

-and-Rush der eigenen Elf ohne Firlefanz und liegenbleiben. Entsprechend war Balletttruppe noch die nettere Bezeichnung, mit welcher die FCK-Elf vom Heimpublikum eingedeckt wurde. Auch Chur-Edelfan Luca Toni riss es öfters vom Sitz bei den haarsträubenden Aktionen seines Teams, dieser holte nach dem Spiel übrigens noch Autogramme von den einzigen beiden an ihren Schals erkennbaren Fans der Grün-Weissen, wieso auch nicht. 8


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~ The Seagulls Roar! ~ Überhaupt atmet die Ringstrasse Fussballgeschichte, vom verlotterten Parkplatz über die für die 2. Liga Interregional stolze Haupttribüne bis zu den bereits erwähnten Verpflegungsständen. Am ersten holt man Bons, am zweiten Fenster gibt es Bratwürste, am dritten Hamburger und zwanzig Meter weiter kann man Hot Dogs beziehen oder war das mit dem dritten Fenster doch anders? Das Personal hilft jedenfalls freundlich weiter. Nur die wässrige Bratwurst kann mit dem Organisationstalent der Churer nicht mithalten. Die Spiele sind übrigens traditionell gut besucht an der Ringstrasse, über 300 dürften es gewesen sein. Allerdings leerte sich das Stadion ab der 80. Minute bereits beachtlich, wovon auch das Bild, aufgenommen in der 92. Minute, zeugt. Zu ihrem ersten Fussballspiel kam mein siebzehn Tage altes Töchterchen. Die lange Autofahrt kam ihr gerade recht, gibt es für sie doch nichts beruhigenderes als das Geräusch eines fahrenden Autos. Vom Spiel sah sie natürlich nichts aber bis zur 88. Minute fand sie es immerhin nicht zum lauthals Schreien, hätte auch anders kommen können. Ich weiss nicht wie das rustikale Churer Publikum das gefunden hätte.

30. August 2014 FCK vs. Kosova Zürich 4:0

tijan Djordjevic bestimmt noch nicht alles perfekt ist, die Kreuzlinger dominieren bis jetzt die Spiele von der ersten bis zur letzten Minute, sind technisch und konditionell ihren Gegnern überlegen. Selbst der längerfristige Ausfall von Leistungsträger Jens Strohm wurde gegen Kosova problemlos kompensiert. Noch hat der FCK nicht gegen die meistgenannten Gruppenfavoriten gespielt, doch derzeit scheint es so, als könnte die Djordjevic-Elf

nichts stoppen. Entsprechend ist auch die derzeitige Stimmung im Hafenareal, überall zufriedene Gesichter. Das nächste Spiel: Samstag, 16.00 Uhr in Niederurnen gegen den FC Linth 04. Vier gewinnt: vier Spiele, vier mal vier Tore, vier Biere, vier Porteños

6. September 2014 FC Linth 04 vs. FC Kreuzlingen 3:2

4:0 gegen Kosova, vier Lost in Linth Siege und 16:3 Tore Mit dem 4:0 über den FC Kosova Zürich, dem vierten Sieg im vierten Spiel bei 16:3 Toren, steht der FCK als landesweit bester von 84 Vereinen der 2. Liga Interregional da. Auch wenn für unseren ambitionierten Trainer Kris-

Am oberen Teil des Zürichsees, dort wo die Linth in den See fliesst und dieser von den Kantonen Schwyz, St. Gallen und Zürich umschlossen wird, liegt eine schwer einzunehmende Fussballhochburg. FC Rapperswil-

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~ The Seagulls Roar! ~ Jona, FC Tuggen, FC Freienbach, FC Linth 04. Vier Vereine, die im Amateurfussball schon immer mehr als die Goldene Ananas im Visier hatten. Unangenehm sind diese Spiele auch wegen der Anfahrt. Ricken oder Autobahn, selbst das Rheintal wurde als Anfahrtsvariante vorgeschlagen. Im Zangengriff fuhren die kleinen Kreuzlinger Reisegruppen auch diesmal ins Glarnerland. Ich fädelte mich mit Pasquale in den alten

Peugeot 106 meiner Freundin ein. Wenn in den siebzigern die Ultras von Napoli im Cinquecento gen Mailand fuhren, dann schaffen es Pasquale und ich auch im Peugeot 106 nach Niederurnen. Gaspedal auf Anschlag und 120 km/h im alten Peugeot, aus den Boxen drang Im a Speedfreak von Motörhead – natürlich in anderem Sinne. Das Spiel gestaltete sich wie erwartet schwierig, wurde bald unschön und erlebte seinen negativen Höhepunkt mit einem Schlüsselbeinbruch von Dejan Misic und seiner Abfahrt im Krankenwagen. Nach dem 2:1 durch Uwe Beran sprach viel für weitere drei Punkte, die Grenzstädter waren dem 3:1 jedenfalls näher als Linth dem Ausgleich. Es sollte anders kommen, zwei unnötige Gegentore führten zur ersten Saisonniederlage. Währenddessen war Dejan bereits im Kran-

kenhaus von Glarus. Wir fuhren hin, denn für den Rücktransport war nur noch Platz im Peugeot. So läuft das im Amateurfussball, schon in so mancher Notsituation wurden wir vom Mannschaftsbus aufgesammelt oder umgekehrt nahmen wir einen verloren gegangenen Spieler auf der Rückfahrt mit. Oder auch schon Spieler, die der Trainer zu Fuss über den Gotthard jagen wollte, so geschehen irgendwann in den 90ern. Vorbei ging’s am Buchholz-Stadion des FC Glarus, in dem einst Hans-Peter Briegel spielte. Die Walz aus der Pfalz, welcher bekannt dafür war, immer ohne Schienbeinschoner zu spielen. In der Notaufnahme herrschte Hochbetrieb, ein Spieler wurde eingeliefert, nicht nur ohne Schienbeinschoner sondern auch ohne Schuhe, die hatte der Sportchef im Eifer des Gefechts vergessen. Irgendwann gegen 23.00 Uhr war die letzte Autobesatzung wieder im Klein Venedig, es wurden Schuhe organisiert und der Spieler mit Schmerzen an der Grenze verabschiedet. Wir wünschen Dir gute Besserung Dejan! Drei verlorene Punkte, aber wenn man sieht, mit welchem Enthusiasmus die Spieler und das Trainerteam über die eigenen Fehler diskutieren und mit wie viel Hingabe alles zelebriert wird, dann weiss man – es kommt gut mit dem FC Kreuzlingen. Der FCK ist Leidenschaft!

13. September 2014 FC Kreuzlingen vs. FC Widnau 2:3

Blaulicht beim FCK

Seit drei Wochen begleiten unsere Spiele die Krankenwagen. Drei Spieltage – drei Krankenwagen, gab’s auch noch nie. 20 Minuten 10


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~ The Seagulls Roar! ~ wurde Widnau an die Wand gespielt, ein halbes Dutzend Chancen versiebt, um dann mit dem ersten Konter das 0:1 zu kassieren. Ein krankendes Mittelfeld, ein fahrlässig vertändeltes Spiel – eine jäh gebremste Euphorie. Dabei hätte so vieles gestimmt an diesem Samstag bei Sonnenschein und 300 Zuschauern, selbst der Stadtammann war anwesend, die Stadionuhr ging und Agop bekam seine Flyer. Manchmal kann man eigentlich gar nichts mehr sagen, als Fan kann man sich das wenigstens erlauben. Das nächste Spiel: Samstag, 20. August um 17.00 Uhr in der IGP-Arena des FC Wil. Bis dann bleiben wir gelassen. Hoffentlich nur wir.

Jahren gegen eben diese U20. Damals wurden unsere beiden besten Spieler Florian Onken und Ingo Backert kaputt getreten, so schlimm sollte es heute nicht kommen. Über das Spiel findet Ihr am Sonntag an dieser Stelle mehr, ein 2:2 mit vielen Fehlern. Zwischendurch schallte ein kleines Chörli von der Tribüne, bestehend aus Porteños, Veteranen und FCK-Präsi. Man kann nicht behaupten wir hätten die IGP-Arena gerockt, ausbau-

20. September 2014 FC Wil U20 vs. FC Kreuzlingen 2:2

Viel hat sich verändert in der Äbtestadt FC Wil vs. FC Kreuzlingen. Das gab es vor 20 Jahren schon mal in der 2. Liga, Christian Gross war damals Trainer bei den Wilern. Gross und Wil waren noch sehr regional, die Glatze spiegelte sich unscheinbar zwischen Cervelats und Stumpen rauchenden Fussballfans im Hafenareal. Die Schere ging danach zwischen beiden Vereinen stark auseinander. Die Äbtestädter konnten sich langfristig im Profi-Fussball etablieren und stellten sich vor zwei Jahren einen äusserst praktischen Schmuckkasten namens IGP-Arena ins Städtchen. Nun war man zurück, nicht mehr Bergholz und nur noch bei der U20, aber dafür kam man in den Genuss dieses schönen Stadions. Dazwischen sah man sich lange nicht, nur in einem winterlichen Testspiel vor ein paar

fähig wie das Spiel, aber immerhin. Es entschädigte ein wunderbares Ambiente und die bis jetzt beste Bratwurst der Liga. Wenn es mit dem Aufstieg nicht klappt, wir kommen gerne wieder, keine Frage. Nur am Matchprogramm und der Musikauswahl, daran könnte man noch feilen.

27. September 2014 FC Kreuzlingen vs. FC Mels 2:0

Vielleicht wird’s ja wieder was

Samstag, 16.30 Uhr, Klein Venedig. 370 Zuschauer, FC Kreuzlingen vs. FC Mels, fünfte Schweizer Liga. Ein paar Betrunkene vom Konstanzer Oktoberfest sind auch da. Ein paar 11


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~ The Seagulls Roar! ~ Lieder, dann gehört die Bühne wieder den immer gleichen. Boys in Green seit Ewigkeiten, irgendwann wird der Erfolg schon kommen. Ein bisschen Glamour, viel Provinz, der FCK ist wieder da. 1986 gegen die Grasshoppers, zum x-ten mal erzählt und 2004 gegen Baulmes, immer wieder schön. Einer erzählt leise vor sich hin, von einer guten Sache hier in Kreuzlingen am Hafen, an der Bande und so und überhaupt. Müsste man wieder kommen, ist doch klar. Zusammen eine kleine Euphorie vielleicht. Kinder der Bahnhofstrasse – Sprüche unterm Flutlichtmast. Herz gewinnt. Einsnull, Zweinull für den FCK, vielleicht wird’s am Ende der Saison wieder was. Wie damals gegen die Grasshoppers und Baulmes. Nach dem Spiel steckt der Trainer einen Geldschein in den Kinderwagen – au revoir für eine Woche.

ter natürlich wieder die feinere Klinge, aber es reicht einfach nicht. Trotz des vermeintlichen Siegtreffers in der 92. Minute. Grosser Jubel bei den Porteños, und dann tief in der Nachspielzeit mit der allerletzten Spielszene das 2:2. Bitter. Drei junge Konstanzer FCKFans kamen mit dem Fahrrad nach Amriswil und betätigten sich als melodiöser Part beim schöner Singen mit Eintracht Kreuzlingen. Das Tellenfeld zeigt sich mit praktischem Clubhaus, störender Laufbahn und fehlender Tribüne eher lieblos und auf das nötigste beschränkt. Das liegt nicht am FC Amriswil, sondern ist viel mehr typischer Schweizer Standard. Gut schweizerisch werden hier immer Kompromisse geschlossen, was nicht unbedingt sein muss, muss nicht sein. So wurde auch beim FC Amriswil eine beim Neubau des Clubhauses geplante kleine Tribüne eingespart. Manchmal wäre ein bisschen mehr aber auch viel mehr. Der FCA hätte 4. Oktober 2014 es mit seiner Geschichte verdient. FC Amriswil vs. FC Kreuzlingen 2:2 Bitteres Ende auf dem Anekdote zum FC Amriswil: Über zehnmal erreichten die Amriswiler die Aufstiegsspiele Tellenfeld zur 1. Liga. Jedesmal scheiterten die OberIn einem holprigen Spiel konnten unsere Hathurgauer. Mit einer Ausnahme. 1965 kamen fenstädter das frühe 0:1 mühsam in ein 2:1 die Kickers Luzern aufs Tellenfeld. Kurz vor umbiegen. Spielerisch führten die Hafenstäd-

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~ The Seagulls Roar! ~ Schluss steht es 2:1 für den FCA. Doch eine legendäre Szene machte dann alles zunichte. Ein Kickers-Spieler flog bei Regen in die dicht besetzten Zuschauerreihen. In einem Abwehrreflex schlug ein Amriswiler Zuschauer mit seinem Regenschirmknirps nach dem Luzerner. Der Schiedsrichter bricht die Partie ab. Es darf nicht wahr sein, ein Mann mit Regenschirm bringt den FCA um den jahrelang ersehnten Aufstieg. Das Wiederholungsspiel am 5. September 1965 wollten sagenhafte 3’600 Zuschauer sehen, der Mann mit Regenschirm wurde nicht mehr gesichtet und Amriswil gewann mit 2:0. Schöne Zuschauerkulisse beim Derby, 4. Oktober 2014 (linke Seite).

11. Oktober 2014 FC Kreuzlingen vs. FC Sirnach 5:0

Lokalrunde - Tag Amateurfussballs

des

Zur tollen Fussballatmosphäre trug auch die Mannschaft mit ihrem 5:0-Sieg über den FC

Sirnach bei, während die Festwirtschaft mit ihrem Schüblig-Angebot für ein kleines Lokalrunden-Extra sorgte. Wo Fussball am schönsten ist, wurde den Besuchern auch optisch mit einem Lokalrunde-Plakat in Erinnerung gerufen, bedurft hätte es dieser Erinnerung nicht, denn allen war bei schönstem Herbstwetter klar: Fussball im Klein Venedig bereitet auf und neben dem Rasen grosse Freude.

Die Lokalrunde – der Tag des Amateurfussballs feierte in der Schweiz Premiere und 350 Fussballfreunde wollten sich das im Hafenareal nicht entgehen lassen. Gleich acht (!) Fotografen, Berichterstatter und Journalisten wurden am Spiel gesichtet, so eine geballte Präsenz der regionalen Medien dürfte beim FCK lange her sein. Rund 30 Besucher mit Lokalrunde-Gutscheinen wurden gezählt (Danke Agop!) und etwa zehn Fussballfreunde des höherklassigen Fussballs fanden durch unsere Proficlub-Aktion den Weg zum Fussball vor der Haustüre. Im gesamten darf man wohl von gut 80 zusätzlichen Zuschauern ausgehen, sicher ganz zufriedenstellend für das erste Jahr, erst recht wenn man die positive Aussendarstellung miteinbezieht. 13


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~ The Seagulls Roar! ~ selbst vor Ort und konnte am Ende der Veranstaltung zusammen mit Dirk Mederer die Fragen des Publikums beantworten. Im Verlaufe des Sonntags kamen die ersten Meldungen der anderen Lokalrunde-Spiele bei uns herein. 850 Zuschauer beim SC Brühl trotz sportlicher Flaute, 300 Zuschauer beim 2.-Ligisten FC Winkeln (üblich 150), 500 Zuschauer beim SV Eichede (üblich 250), die Liste dürfte bei schlussendlich 80 Teilnehmern im Da passte es, dass Dirk Mederer, Deutschland- deutschsprachigen Raum noch sehr viel PosiKoordinator und die treibende Kraft hinter tives bereit halten. der Lokalrunde gleich selbst im Hafenareal anwesend war. Sein Verein, der 1. SC Göttin- 18. Oktober 2014 gen 05, konnte sein Auswärtsspiel nicht tau- FC Freienbach vs. FCK 3:2 schen. So durfte man einen ausgesprochen Der Tickerer von Freiensympathischen Fussballfreund kennenlernen, der sich mit viel Herzblut für unsere Leiden- bach und die Flucht auf schaft einsetzt und dem auch eine total 14- den Meienägger stündige Zugfahrt nicht zuviel war, um in Einmal pro Saison verpasse ich für gewöhnlich Kreuzlingen zu erscheinen. Sympathisch auch ein Auswärtsspiel. Am vergangenen Samstag der Besuch von Domenico Aiello, der ex-FCKSpieler wohnt mittlerweile in Mailand und besuchte seine ehemaligen Teamkollegen mit einem kleinen mitgebrachten Znacht – es war stimmig am Tag des Amateurfussballs im Hafenareal. Am nächsten Tag stand für Dirk und mich ein weiterer Programmpunkt an. Beim kleinen Regard Bleu – Filmfestival in Zürich, wurde im Vormittagsprogramm die Doku “Nullfünfer – mit Kopf, Herz und Seele” gezeigt. Diese beschäftigt sich mit der Fanszene vom 1. SC Göttingen 05, ein perfekter Abschluss des Wochenendes. Die Regisseurin Birgit Ehret war war’s wieder so weit und dann noch das Spitzenspiel in Freienbach. Der Nach14


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~ The Seagulls Roar! ~ wuchs verlangte eine andere Prioritätensetzung und so gab es statt Auswärtsfahrt und Tore für einmal Kinderwagen und Spaziergang durch das herbstliche Dorf. Der Anpfiff rückte näher und die Nervosität fernab des Spielfeldes stieg, als Fan hat man ja ein ausgesprochen unbehagliches Gefühl wenn man nicht selbst zugegen ist. Ich muss auch eingestehen,

Thoma.” 45. Minute: “Freienbach-Zuschauer ausser sich über Penalty, war aber einer.” Pause: “Grausame Musik, hinter uns Kuhglockengebimmel.” 60. Minute: “FCK drückt, Chance um Chance, fünf Thurgauer Rentner auf der Tribüne sind jetzt heiss!” Am Ende verlor der FCK bekanntlich mit 3:2. Danke Gregory, es ist nicht dein Fehler, aber es konnte nicht gut gehen. Am Abend im trauten Heim brach das Fussballfieber erneut aus, ein Wochenende ohne Fussball – während der Saison! Es darf nicht sein. Schnell football.ch zu Rate gezogen, im Dorf um 18.00 Uhr ein 4.-Liga-Spiel. SC Berg 1 vs. FC Bischofszell 2. Wir müssen hin, meine Freundin hatte Verständnis. Kinderwagen geschnappt und beim Eindunkeln schnellen Schrittes Richtung Meienägger. Das Spiel lief bereits, in der Ferne die Flutlichtmasten. Es dass die Nervosität und das Mitfiebern in all gab Bratwurst und Bier, 50 Zuschauer, tosenden Jahren beim FCK nie abgenommen ha- der Jubel beim 1:1. Jetzt konnte man nach ben. Hause gehen und morgen Sonntag – der geAuf dem Freienbacher Sportplatz Chrum- hört dann wirklich der Familie. men war dafür Gregory zugegen, dessenSportantiquariat an dieser Stelle empfohlen 25. Oktober 2014 sei. Er sollte als mein persönlicher Tickerer FC Kreuzlingen vs. FC Uster 0:2 fungieren und so meine Absenz erträglicher Tag und Nacht im Klein gestalten. Mit Finja auf dem Arm harrte ich der Dinge, die da aus dem fernen Freienbach Venedig Samstag war wieder Meisterschaft im Hafenper SMS kommen sollten. Los ging das Spiel. areal und dazu hatte sich Jan, mein FanzineHier eine kleine Zusammenfassung des FCZtauschpartner aus HamburgFans über die Geschehnisse neben der Bande: Altona angekündigt. So ging es gut gelaunt mit 1. Minute: “Bin auf der Tribüne, Axel Thoma meinem 74er-Audi 80 zum Flughafen Kloten, auch hier!” begleitet von Kurt Laueners Züri West. Ich 30. Minute: “Toll so nah am Spielfeld!” fahre mit Vorliebe Autos die 30, 40 Jahre alt 35. Minte: “Schade, ist doch nicht Axel sind. Die einfachen Modelle, Ford Escort, Opel 15


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~ The Seagulls Roar! ~ Rekord, und seit ein paar Jahren schon meinen zweiten Audi 80. Unter objektiven Gesichtspunkten spricht (fast) alles dagegen, vor allem sind diese Autos unberechenbar. Je nach Aussentemperatur läuft der Motor mehr oder weniger rund, die Tankanzeige funktioniert nach dem Zufallsprinzip, die Armaturenbeleuchtung ebenfalls, bei Regen

überschwemmt es das Handschuhfach, Motoröl wird gefühlt etwa gleichviel benötigt wie Benzin. Mit der Zeit kennt man die Macken. Dafür sitzt man auf einem gemütlichen Sofa hinterm Steuer und Zeit und Raum bekommen eine neue, mitunter abenteuerliche Bedeutung. Man braucht Geduld, manchmal Nerven und bekommt dafür etwas schwer in Worte zu fassendes. Genauso verhält es sich auch oft mit der Sympathie für einen Amateurfussballverein, wel-

cher mit bescheidenen Mitteln agiert und bei genauerem hinsehen doch mehr bietet als die grosse Fussballwelt. Nun war also Jan da – und mit Oli aus dem Aargau hatte sich gleich ein weiterer Gast für das Spiel gegen Uster angekündigt. Dessen kleines Büchlein Stadt, Brot und Spiele mich vor Kurzem zu einer euphorischen Rezension veranlasste. Eines vorweg, auch hier wieder zwei äusserst sympathische Zeitgenossen, welche uns im Klein Venedig besuchten. Im Klein Venedig befindet sich auf kleinstem Raum alles was ein Amateurfussballfreund für ein gelungenes Wochenende benötigt: Einen passionierten Verein in schöner Umgebung, ein Clubhaus mit Festwirtschaft, ein Hotel (mit Blick auf den Fussballplatz) und die Nähe zum Konstanzer Bahnhof

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~ The Seagulls Roar! ~

und zur Altstadt nimmt man auch gerne mit und manchmal auch noch gleich ein Eishockeyspiel. Das einzige, was an dem Wochenende nicht stimmte, war das Spiel. Mehr zur 0:2Niederlage vor 190 Zuschauern an dieser Stelle. Am nächsten Samstag steht dann das grosse Derby gegen den FC Frauenfeld an. Ein 6Punkte-Spiel welches vorentscheidend sein könnte. Acht Punkte Rückstand zur Winterpause wären jedenfalls eine etwas unschöne Hypothek für die ambitionierten Hafenstädter. Nach dem Spiel wurden mit den Gästen im Clubhaus reichlich Fussballgeschichten ausgetauscht. So auch die vom mittelständischen Altona-Präsident, welcher die Spielplakate durch die Bauwagen-Punks von Hamburg aufhängen lässt, gegen Gratis-

Tickets für die Spiele. Dafür fährt er einmal jährlich mit seiner Luxuskarosse auf den Bauwagenplatz der Punks, um die gedruckten Plakate abzuliefern. Letztens wunderte sich der Präsi dann, wieso nicht in allen Läden Spielplakate hingen, des Rätsels Lösung: die Bauwagen-Punks wurden nicht in jeden Laden reingelassen. Solche Anekdoten liebt man doch beim Fussball. Nicht nur wir waren bestens unterhalten, die FCKVeteranen stimmten manches Lied an, Fussballatmosphäre im Container am Hafen von Kreuzlingen. 17


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~ The Seagulls Roar! ~ Das Klein Venedig hatte aber noch mehr zu bieten, auf Jan’s Wunsch gingen wir anschliessend zum überdeckten Eisfeld, dort lief die abendliche Partie EHC Kreuzlingen-Konstanz vs. EHC LenzerheideValbella. Am Eisfeld trafen wir auch wieder unseren Trainer Kristijan Djordjevic. Was viele nicht wissen: dieser ist leidenschaftlicher EishockeyFan. Etwa 100 Zuschauer, schneller Sport, Imbiss-Wagen, unsere alte durch den Eishockeyclub übernommene Tribüne und eine beheizte Eis-Bar. So konnte man den Abend ausklingen lassen. Dazu noch ein schönes Erinnerungsbild von Jan mit unserem Trainer. Bis hoffentlich bald wieder, im Hafenareal, an der Adolf-Jäger-Kampfbahn in Altona oder sonst an einem schönen Ort, wo Fussball mit Herz zelebriert wird. Danke für deinen Besuch Jan!

1. November 2014 FC Frauenfeld vs. FC Kreuzlingen 1:1

Give us a Goal

Derby-Time. FC Frauenfeld vs. FC Kreuzlingen. Adrenalin pur. Erster gegen Dritter. 700 Zuschauer im weiten Rund, manch einer hatte seinen verstaubten Vereinsschal hervorgeholt. Matchday auf der Kleinen Allmend, Schlangen vor dem Bierstand, die Bratwürste wurden lautstark angepriesen. Auf dem Rasen der erwartete Schlagabtausch. Druckphasen wechselten sich auf beiden Seiten ab, Torchan-

cen wurden sträflich ausgelassen, die Spannung blieb 90 Minuten auf höchstem Level. Die Thurgauer Fussballfreunde kamen auf ihre Kosten. Wie so oft beim ewigen Duell der alten Thurgauer Fussballgrössen. Der FCF zog bereits im Vorfeld alle Register und bot Heerscharen lärmender Kinder auf. Diese sorgten mit Rasseln, Trommeln und Transparenten für eine neunzigminütige Geräuschkulisse. Volksfeststimmung vor der ehrwürdigen Tribüne. Auch wir hatten zwei Nachwuchsfans dabei, einer fragte uns mit sorgenvoller Miene: “sind wir die einzigen Kreuzlinger?” Ja, man konnte es fast meinen, wie wir da so standen hinter dem Porteños-Banner, sieben Nasen, drei Schals und Finja in ihrer brandneu gestrickten FCK-Jacke und ihren grün-weissen Turnschuhen. Dabei sah man durchaus viele FCK’ler im weiten Rund. Es war ein schöner Nachmittag, auch wenn es am Ende beim 1:1 nicht ganz zum grossen Erfolg reichte. Eine kleine Spitze in die

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~ The Seagulls Roar! ~ Murgstadt muss aber noch sein, die Bilanz der letzten 15 Kantonsderbys: 10 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen – aus Sicht des FCK’ Das Derby ist längst ein Geheimtipp für Fussballfans der Region.

8. November 2014 FC Kreuzlingen vs. FC Gossau ZH 0:1

Von Plagegeistern und Enthusiasten

Im Schweizer Cup scheidet der FCK mittlerweile traditionell früh aus. So auch am gestrigen Samstag, als die Grenzstädter bereits in der 1. Vorrunde ausschieden. Trotz in der 2. Halbzeit gezeigtem Kampfgeist, hiess die Endstation der Cup-Träume FC Gossau ZH. Auch ansonsten lief vieles nicht rund am Samstag, zahlreiche Verletzte schmälerten den FCK-Kader, die Matchuhr streikte und eine Kulisse von 130 Zuschauern (Saison-Minusrekord) bildete den spärlichen Rahmen. Da fielen dann manche Charaktere besonders auf. Diese sitzen beispielsweise 90 Minuten im Clubhaus und schimpfen unentwegt über das schlechte Spiel. Noch ungemütlicher wird es allerdings wenn es solche Leute bis zur Bande schaffen. Die drei CupVorrunden, gegen in der gleichen Liga spielende Vereine, sind unattraktiv. In der 2. Vorrunde hätte der FCK gegen Eschenbach oder Ruswil gespielt, in der 3. Vorrun-

de gegen Schöftland, Muttenz, Widnau oder Linth. Dieses System verhindert publikumswirksame Cup-Vorrunden. Publikumswirksam wären Spiele zwischen den Kleinen und Grossen und lokale Begegnungen, gerade in den Vorrunden. Derbys gegen Tägerwilen, AS Calcio oder Münsterlingen wären jedenfalls einiges interessanter als Begegnungen mit Eschenbach und Ruswil oder die ewig gleichen Duelle mit Widnau und Linth. In Deutschland ist der Cup so organisiert und die Spiele um den Südbadischen Pokal sind Publikumsmagneten und gleichzeitig die Qualifikation zum DFB-Pokal. Der Abend fand dann aber doch noch einen versöhnlichen Ausklang mit der bestens organisierten Jahresabschlussparty in der BodenseeArena. Aufgrund familiärer Pflichten konnten wir nur kurz vorbeischauen, aber allein schon die gute Laune unseres NachwuchsAusbildungschefs Nikola Rebrina war den kurzen Besuch wert. Dieser schwärmte mit glänzenden Augen von neuen Kindern in den Nachwuchsteams des FCK. Manchmal spürt und sieht man sie, die wahren FussballEnthusiasten. Bild unten: FirmenturnierGymnastik

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~ Gläsers Lese-Tour ~ Ende November begab sich Andreas Gläser auf eine vom Grenzstadtkurier / Seagulls Roar! organisierten Lese-Tour durch die Schweiz.

warteten Doppel-lesung Gläser/Claude in der Libero-Bar Winterthur. Links: BFC-Verherrlichung im didi:offensiv: Gläser vor 150 erwartungsfrohen Hooligans unterm Stasi-Licht und beim BauchladenVerkauf mit charmanten Fans.

Tag 1: Didi-Offensiv-Bar, Basel Gestern Abend fand die erste Lesung der kleinen Schweizer-Reise von Andreas Glä- Tag 2: Libero-Bar, Winterthur ser statt. Austragungsort war das neue Fuss- Tag 2 von Gläsers Schweizer Reise. Vor der Libero-Lesung war Gläser live im Radio Stadtfilter zu hören, 18 bis 19 Uhr Primetime im bunten (Sport-)Programm. Nachdem die Besucher ihre letzte Sport-Zigarette rauchten ging es weiter in der vollbesetzten Libero-Bar mit der grandiose Doppellesung von Andreas Gläser und Pascal Claude. Nur bei Beni Thurnheer kamen ähnlich viele unter der Woche, dass Publikum war begeistert. Beide streuten musikalische Perlen in ihre Vorträge und zeigten sich in sportlicher Form. Champions-League-Lesung im Libero. Mein Sitznachbar erzählte von französischen Plattenläden, Pascal von Perugia und Marseille, Andreas von Udo Lindenberg und ballkultur-Mekka in Basel, die empfehlens- dem BFC. Herrlich. Auf der Terrasse wurden werte didi:offensiv-Bar am Erasmusplatz 12. noch lange Geschichten und Anekdoten aus Bei Ueli Bier, der FussballScheiwillers Bilwelt gelauscht. dern an den WänAnschlies send den und vor symgings weiter pathischen Fussnach St. Gallen. ball- und Kulturfreunden las und Tag 3: Fansang Andreas Lokal, St. Galüber sein Leben len und Streben bei Zum Abschluss Arbeit, Sport und gabs bei GläSpiel. sers GallusWeiter gings mit Lesung Appeneinem Interview zeller Kräuterbei Radio StadtfilLikör und ein ter und der gut besuchtes mit Freuden erFan-Lokal. Inte20


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~ Gläsers Lese-Tour ~ ressant, wie unterschiedlich das Publikum an allen drei Lesungen funktionierte, die Geschichten mal da oder dort besser ankamen (tatsächlich völlig verschieden). Dem Klischee entsprechend war das Ostschweizer Publikum zuerst sehr abwartend, lange nicht so euphorisch wie etwa in Winterthur, zeigte sich im Verlaufe der Lesung aber als sehr interessiert und so entstand ein spannender Abend mit einer intensiven abschliessenden Fragerunde. Natürlich lag der Schwerpunkt bei den Themen BFC / DDR / Stasi und wie das alles so war im Arbeiterund Bauernstaat. Während Gläser von unauffällig auffälligen (Stasi-)Gestalten im BFC-Block redete, betraten zwei St. Galler Zivil-Polizisten die Szenerie, ein etwas skurriler Moment. Gläsers umfangreicher Bauchladen wurde bereits in Basel und Winterthur annähernd leergekauft und in St. Gallen standen die Besucher Schlange um sich Bücher nachliefern zu lassen. Es waren drei spannende Tage, für alle Beteiligten. Mein Dank gilt Andreas Gläser, Beni und Rafi von didi:offensiv, Andreas von der Libero-Bar, Michi von Radio Stadtfilter, Pascal von knappdaneben, Dani vom FanLokal, Mämä vom Zwölf-Magazin und den rund 80 Zuhörern und Zuhörerinnen. Ihr habt die drei Tage zu einem tollen Erlebnis gemacht. Sport heisst die Berliner Medizin!

Gläsers Blog: http://baufresse.de 21


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~ Dulwich Hamlet FC by~Joel Virgo

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~ Mitropa-Cup ~ Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Idee eines europaweiten Cupwettbewerbes auf. Als Vorläufer galt der Challenge-Cup, welcher von einem Mitbegründet des Vienna CFC 1897 ins Leben gerufen wurde und bis 1911 ausgetragen wurde. Zentrum der Idee eines Mitropa-Cups waren die mitteleuropäischen Länder, die damals im Fußballsport führend waren. Zu Beginn der 1920er führten sie als erste Nationen Kontinentaleuropas professionelle Ligen ein. Den Beginn machte Österreich 1924, gefolgt von Ungarn 1925 und der Tschechoslowakei 1926. Um die Vormachtstellung dieser Länder im europäischen Fußball zu stärken und den professionellen Vereinen in wirtschaftlicher Hinsicht unter die Arme zu greifen, wurde am 17. Juli 1927 im italienischen Venedig die Einführung des Mitropa-Cups beschlossen. Als Hauptsponsor und Namensgeber fun-

gierte die Mitropa-Bahn-Gesellschaft. Bereits in der ersten Saison des Mitropapokals gab es sowohl bei den Vereinen sowie den Fans einen großen Zuspruch. Die erste Austragung startete am 14. August 1927 mit den besten Teams (zumeist Meister und Vizemeister oder Pokalsieger) Österreichs, Ungarns, Jugoslawiens und der Tschechoslowakei. Seitdem wurde die Anzahl der teilnehmenden Länder und Vereine stetig vergrößert. 1929 nahmen erstmals die besten Mannschaften Italiens teil, die ab der darauf folgenden Saison in einer professionellen Liga spielten. 1936 nahmen bereits 20 verschiedene Vereine, darunter erstmals vier Schweizer Teams, teil. Ein Jahr darauf kamen auch die rumänischen Mannschaften hinzu. Der Mitropacup wurde vor allem durch die österreichischen, ungarischen, tschechoslo-

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~ Mitropa-Cup ~ wakischen und italienischen Teams dominiert, die alle Finals für sich entscheiden konnten. Die Zuschauerzahlen lagen teilweise bei 100.000 Fans, die Duelle waren vor allem durch ihre Härte geprägt und nicht selten kam es zu nationalistisch oder politisch motivierten Ausschreitungen der Zuschauer. Die Matches waren neben den Länderspielen ein Höhepunkt in der Fußballsaison und wurden oftmals als Länderkampf gesehen. Sie lebten vom Aufeinandertreffen damaliger Fußballstars wie Matthias Sindelar und Giuseppe Meazza (Finale 1933). Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus kam das Ende des Mitropacups. Nach dem Anschluss Österreichs durch das Deutsche Reich 1938 verlor der Wettbewerb sein erstes Gründungsland. 1939 spielten nur noch acht Teams um den Pokal; 1940 musste der Wettbewerb nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges abgebrochen werden, wobei die ausstehenden Finalpartien nicht mehr ausgetragen werden konnten. Es wurden zwar w eit er hin Spi el e zwi sc hen „ostmärkischen“ Teams, Vereinen aus dem Protektorat Böhmen und Mähren sowie aus dem deutschlandfreundlichen Ungarn ausgetragen, jedoch ohne vergleichbare Resonanz. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es insbesondere von italienischer und österreichischer Seite Bestrebungen, den Mitropacup wiederaufleben zu lassen. Seine erste Neuauflage erlebte der Wettbewerb im Jahre 1951 unter dem Titel „Zentropacup“. Anders als der Europapokal der FußballNationalmannschaften, der bereits 1948 wieder eingeführt wurde, wurde der Mitropacup allerdings erst wieder ab 1955 regelmäßig ausgetragen. Im Jahre 1954 kam es zur Gründung der UEFA. Im Rahmen ihres ersten Kongresses in Wien vom 2. bis 3. März 1955 wurde

auch die Wiedereinführung des Mitropacups beschlossen. Man einigte sich, dass an diesem Wettbewerb die Meister und Pokalsieger Österreichs, Italiens, Ungarns, der Tschechoslowakei und Jugoslawiens teilnehmen würden, obgleich mehrere Länder, insbesondere Rumänien, darum baten, ebenfalls teilnehmen zu dürfen. Am 7. Mai 1955 wurde diese Neuauflage des Wettbewerbes von der FIFA anerkannt und die UEFA gebeten, die Austragung zu übernehmen. Im selben Jahr kam es jedoch zur Einführung des Europapokals der Landesmeister, was den Wettbewerb schlagartig abwertete. Dennoch war der Zuspruch zum Mitropacup in den Teilnehmerländern anfangs noch groß; das Finale von 1956 verzeichnete 110.000 Zuschauer im Entscheidungsspiel in Budapest. Die Begeisterung währte allerdings nur kurz und die Veranstalter führten immer wieder Neuerungen ein. So wurden teilweise die Ergebnisse der Mannschaften zu einer Länderwertung addiert oder die Wettbewerbe wurden in einem Tabellenmodus ausgetragen. Am Mitropacup nahmen jedoch bald nur noch mittelklassige Teams teil, die keine Chance auf einen Europapokalstartplatz hatten. Insbesondere italienische Teams, die selbst noch keinen Titel gewinnen konnten, luden in der Endzeit des Turniers zum Mitropacupturnier ein, um so leicht ihre nicht vorhandene Titelsammlung aufzuwerten. 1989 nahmen gerade einmal drei Mannschaften teil. Bei der letzten Austragung 1992 waren vier Mannschaften am Start. Nachdem der Gastgeber US Foggia bereits in seinem ersten Spiel ausgeschieden war, fand das Finale vor gerade mal 900 Zuschauern statt. Eine sehr schöne Titelgeschichte zum Mitropa-Cup gibt es im Ballesterer Nr. 99 nachzulesen.

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~ Mitropa-Cup ~ club name 1.Ferencvaros Budapest 2.AC Sparta Prag 3.FK Austria Wien 4.SK Slavia Prag 5.First Vienna FC 6.Juventus Turin 7.Újpest Budapest 8.SK Rapid Wien 9.AS Ambrosiana Inter 10.SK Admira Wien 11.AGC Bologna 12.Hungária FC Budapest 13.Genova FBC 1893 14.SK Kladno 15.SK Zidenice Brno 16.AS Roma 17.Phöbus FC Budapest 18.AC Torino 19.AC Fiorentina 20.Grasshopper Club Zürich 21.Wiener AC 22.SS Lazio Roma 23.FC Rapid Bukarest 24.SK Viktoria Zizkov 25.Belgrader SK 26.SK Prostejov 27.AC Milan 28.Szegedi FC 29.Lausanne-Sports FC 30.AC Napoli 31.FC Ripensia Timisoara 32.Bocskai SC Debrecen 33.ASC Venus Bukarest 34.Gradjanski HSK Zagreb 35.FC Young Fellows Zürich 36.FC Honved Budapest 37.SK Viktoria Pilsen 38.HASK Zagreb Teplitzer FK 40.NK Hajduk Split 41.FC Bern 42.Favoritner AC

country Hun Tch Aut Tch Aut Ita Hun Aut Ita Aut Ita Hun Ita Tch Tch Ita Hun Ita Ita Sui Aut Ita Rom Tch Yug Tch Ita Hun Sui Ita Rom Hun Rom Yug Sui Hun Tch Yug Tch Yug Sui Aut

part. Pd W D L F- A Pts ( 9) 51 28 6 17 139-101 62 (12) 55 25 11 19 119-105 61 (5) 31 19 3 9 73- 46 41 (13) 44 16 9 19 86- 78 41 ( 8) 30 18 2 10 61- 46 38 ( 7) 31 16 6 9 69- 56 38 (11) 41 16 6 19 98- 93 38 ( 7) 33 16 5 12 83- 70 37 ( 7) 28 11 5 12 64- 69 27 ( 7) 25 10 6 9 49- 53 26 ( 5) 20 9 1 10 43- 35 19 (10) 26 6 6 14 49- 61 18 ( 4) 13 5 4 4 24- 26 14 ( 2) 8 4 1 3 16- 18 9 ( 3) 10 4 1 5 22- 29 9 ( 3) 10 3 2 5 16- 25 8 ( 1) 4 3 0 1 15- 9 6 ( 1) 4 3 0 1 13- 7 6 ( 1) 4 3 0 1 10- 11 6 ( 2) 6 2 2 2 12- 17 6 ( 1) 7 3 0 4 17- 15 6 ( 1) 6 2 1 3 18- 16 5 ( 1) 4 2 0 2 7- 8 4 ( 1) 5 2 0 3 15- 13 4 ( 4) 10 2 0 8 15- 37 4 ( 2) 6 1 1 4 11- 12 3 ( 1) 2 1 0 1 3- 4 2 ( 1) 2 1 0 1 2- 4 2 ( 1) 2 1 0 1 2- 6 2 ( 1) 3 0 2 1 2- 7 2 ( 1) 4 1 0 3 9- 12 2 ( 2) 4 1 0 3 2- 10 2 ( 2) 4 1 0 3 6- 15 2 ( 2) 4 1 0 3 5- 14 2 ( 2) 5 1 0 4 4- 13 2 ( 1) 2 0 1 1 3- 5 1 ( 1) 2 0 1 1 4- 8 1 ( 1) 2 0 0 2 2- 5 0 ( 1) 2 0 0 2 2- 5 0 ( 1) 2 0 0 2 1- 9 0 ( 1) 2 0 0 2 2- 11 0 ( 1) 2 0 0 2 1- 10 0 Quelle: rsssf.com / Author: Karel Stokkermans 34


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~ Mitropa-Cup ~ Mitropa-Cup-Teilnehmer zu Gast beim FC Kreuzlingen

Am 30. Juni 1934 war mit der AS Roma einer der bekanntesten italienischen Fussballvereine zu Gast in Kreuzlingen. Die AS Roma trat mit 12 (!) aktuellen und ehemaligen Nationalspielern an. Ein Highlight war das Spiel auch für die vielen italienischen Emigranten in der Ostschweiz. 3‘000 Zuschauer besuchten die Konstanzerstrasse und wurden nicht enttäuscht. Beide Mannschaften wurden lautstark angefeuert und es entwickelte sich ein hochstehendes Spiel mit einem erneut überragenden Maire im Kreuzlinger Tor. Das Spiel endete mit 0:2 für die AS Roma. Untergebracht waren die Italiener übrigens im Inselhotel in Konstanz. Die Kreuzlinger Elf: Maire, Strobel, Fehr, Smith, Volentik, Pfaff, Robein, Schneider, Stadler, Müller, Sandoz.

Am 2. Januar 1934 durfte der FC Kreuzlingen das legendäre Team von Honved Budapest an der Konstanzerstrasse begrüssen. Ein europäisches Spitzenteam welches die Kreuzlinger Bevölkerung mit ihrem Spiel zu begeistern wusste. Zwar verlor der FCK vor 1‘600 Zuschauern mit 0:3, doch das war zweitrangig. Der “Thurgauer Volksfreund“ erwähnt nebst dem beeindruckten Publikum auch kritisch das „Breitenmoser auf Linksaussen ein glatter Versager“ gewesen sei. Mit Rezső Rozgonyi, Rezső Somlai und Ferenc Puskas gehörten drei ungarische Nationalspieler der WM 1934 zum Honved-Team. Letzterer war der Vater des legendären gleichnamigen Ferenc Puskas, welcher die ungarische Nationalmannschaft 1954 als Kapitän anführte Ein sportlicher Höhepunkt und als der beste ungarische Fussballspieler war das Freundschaftsspiel am 14. November 1934 gealler Zeiten gilt. gen den First Vienna FC welches mit 0:4 verloren Zu Ostern 1934 kamen die Tschechen vom wurde. Enttäuscht war man über den ZuschaueraufTeplitzer FK ins Bodenseemarsch, nur 800 Zuschauer wollten das Spiel städtchen. Vor 1‘400 Zugegen den österreichischen Spitzenclub schauern verloren die Kreuzbesuchen. Der First Vienna FC wurde zu linger mit 0:3 gegen die Profi beginn der 30er Jahre mehrfacher österrei-Mannschaft. Teplitz nahm im chischer Meister– und Pokalgewinner und gleichen Jahr auch am Mitgewann 1931 den Mitropa-Cup mit 2:1 und ropa-Cup teil, ausgeschieden sind sie im Achtelfinale gegen Juventus 3:2 gegen den Wiener AC, gleichzeitig der Turin (2:4, 0:1). Ausserdem spielte Teplitz vielleicht grösste Erfolg im österreichischen einige Tourneen in Südamerika. Die Ball- Vereinsfussball. Das Spiel stand für den FCK kunst der Tschechen begeisterte die Zu- unter keinem guten Stern. Volentik, Hautle schauer genauso wie die aufopferungsvolle und Sandoz schieden mit Verletzungen aus, Abwehrarbeit der Kreuzlinger. Die Kreuzlin- Hautle und Sandoz waren für den Rest der ger Elf gegen Teplitz: Maire, Fehr, Strobel, Saison ausser Gefecht. Pfaff, Smith, Hautle, Sandoz, Sweeney, Stadler, Pennig, Colombo. 35


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~ 1. FC Schweinfurt 05 Fan-Report ~ Schweinfurt ist mit seinen 55‘000 Einwohnern gerade mal die achtgrösste Stadt in Franken. Doch auf der industriellen und auch auf der sportlichen Landkarte hat sich die Kleinstadt längst über die Landesgrenzen hinweg einen Namen gemacht. Den Weg zum industriellen Aufstieg legte Friedrich Fischer im Jahre 1883 mit der Erfindung der Kugelmühle, welche es zum ersten Mal ermöglichte, Kugeln rund schleifen zu können. Die Grundlage für das Kugellagerwurde gelegt, welches bis heute das Wahrzeichen Schweinfurts ist und die Stadt zum Zentrum der weltweiten Wälzlagerindustrie aufsteigen liess. Aber auch zahlreiche andere industrielle Erfindungen verhalfen der Kugellagerstadt in der Vergangenheit und auch heute noch zu grosser Bedeutung in der Zulieferindustrie. Es ist somit auch wenig verwunderlich, dass die grossen Fabriken zu den Hauptarbeitgebern der Region zählen. Nicht selten arbeiten ganze Familien in einem Unternehmen und Schichtarbeit gehört zur Stadt, wie die Bratwurst zum Fussball. Doch trotz des Images als Arbeiterstadt hat Schweinfurt als ehemals freie Reichsstadt

auch eine tiefreichende kulturelle und geistesgeschichtliche Vergangenheit. Vor allem in den letzten Jahren wird dieses Image der mittelalterlichen Stadt in der Weinregion Franken von den Stadtoberen vermehrt wiederbelebt. Neben der Industrie gilt der Sport und vor allem der Fussball als Aushängeschild der Stadt und der Region. Mit ca. 230 Vereinen gehört der Fussballkreis Schweinfurt zu den Fussballhochburgen in Bayern, auch wenn es mit dem 1. FC Schweinfurt 1905 nur ein Verein wirklich schaffte, sich im deutschen Fussball einen Namen zu machen. Die Schnüdel, wie die Mannschaft und auch die Einwohner Schweinfurts im Volksmund gerne genannte werden, spielten von 1931 bis 1963 durchgehend in den höchsten Spielklassen. Die Qualifikation zur 1963 eingeführten Bundesliga verpasst man zwar, doch weitere 13 Jahre jagten die Grün-Weissen in der Regionalliga Süd und der zweiten Bundesliga dem runden Leder hinterher. In den vergangenen 35 Jahren pendelte man zwischen Landesliga und Regionalliga und konnte nur zweimal noch den Sprung in die

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~ 1. FC Schweinfurt 05 Fan-Report ~ 2. Bundesliga packen. Doch gerade diese Jahre sollten zumindest für die Fanbasis ein absolutes Hoch bedeuten, ehe der FC 05 Mitte des letzten Jahrzehnts in die grösste Krise seiner Vereinsgeschichte rutschte. Neben all dem sportlichen Glanz sorgte aber auch die Schweinfurter Fanszene immer wieder für etwas Leben auf den Stehtraversen des Willy-Sachs-Stadions und den Gästeblöcken. Wie in vielen anderen Städten auch begann die Geschichte der grünweissen Fanszene in den 70er Jahren, Mit einfachen grossen Fahnen, langen Strickschals, Kutten und dem damals üblichen Schlachtrufen entwickelte sich erste nennenswerte Unterstützung auf der Gegengerade. Zu dieser Zeit wurde dann auch mit dem „Fanclub Grün-Weiss“ in Schweinfurt die erste ernstzunehmende Gruppe gegründet. Diese ging später in die heute noch bekannte Mainbrigade auf, welche einen losen Zusammenhalt der hartgesottenen Anhänger darstellte. Die Prioritäten lagen, wie in den 80ern üblich, zumeist auf der körperlichen Konfrontation mit dem Gegner. Man mahte sich trotz der vergleichsmässig geringen Anzahl einen recht guten Namen im süddeutschen Raum. Politisch orientierte man sich auch am damals vorherrschenden Mainstream und rechte Parolen waren zeitweise in Schweinfurt nicht unüblich. Davon ist heute jedoch nichts mehr übrig geblieben und die Szene kann als unpolitisch gesehen werden. Politische Extreme haben auf der Gegengerade nichts zu suchen, denn hier zählt nur der Verein. Erst Ansätze der Ultra-Bewegung kamen etwa Mitte der 90er Jahre in Schweinfurt zum Vorschein. Mit der Gründung der Gruppe Always Ultrassollte wieder etwas mehr Schwung in die Fanszene und die Supportaktivitäten gebracht werden. Das Ganze ging aber eher unkoordiniert vonstatten und der

Spass stand klar im Vordergrund. In dieser Zeit wurde aber der Einsatz von Pyrotechnik in Scheinfurt allmählich etabliert. Auf andere optische Stilmittel wurde hingegen noch nahezu vollständig verzichtet und die Hauptinteressen der Gruppe verschoben sich immer mehr in die erlebnisorientierte Ecke. Somit kann als eigentlicher Beginn der Ultramanie in Schweinfurt die Gründung der Kaputten Moite 1998 gesehen werden. Ein kleiner Haufen meist jüngerer Fans, die vor allem aus dem Schweinfurter Umland stammten, entschloss sich fortwährend gemeinsam die Spiele der Schnüdel zu besuchen und der Gegengerade etwas frischen Wind einzuhauchen. Anfänglich wirkte auch dieser Zusammenschluss eher unkoordiniert und man musste erst noch den eigenen Weg und die Richtung finden. Fussballdeutschland erlebte in dieser Zeit einen spürbaren Umbruch, vor allem in Bezug auf grössere, optische Aktionen. Erste, meist sehr einfache Choreographien zauberten Farbe in die zuvor eher tristen Kurven. Auch in Schweinfurt stieg der Wunsch nach mehr Kreativität und es schloss sich ein Choreo-Team unter dem Namen „Kupfers Enkel“ zusammen. Die erste grössere Aktion wurde unter dem Titel „Mainfrankens Stolz“ beim Auswärtsspiel in Karlsruhe durchgezogen und einige weitere folgten in den Jahren darauf. Bedingt durch die überschaubare Grösse der Szene und der vergleichsmässig niedrigen Zuschauerzahlen, waren gerade Papptafelchoreos oftmals schwer darzustellen. Die ChoreoGruppe konnte sich aber nei wirklich etablieren und Aktionen wurden dann ab der Jahrtausendwende zum Grossteil von der Kaputten Moite organisiert. Richtig Schwung

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~ 1. FC Schweinfurt 05 Fan-Report ~ auf die Gegengerade brachte dann der Aufstieg in die 2. Bundesliga im Jahr 2001. Die Saison brachte dem Anhang viele Spiele gegen grosse Traditionsvereine und dadurch auch einiges an frischem Blut in die eigenen Reihen. Gerade zu Beginn der Saison war die Euphorie nahezu grenzenlos

und zu den ersten Heimspielen pilgerten weit über 10‘000 Zuschauer ins Willy-SachsStadion. Zu den ersten Auswärtsspielen beim KSC und Eintracht Frankfurt fuhren jeweils weit mehr als 1‘000 Schweinfurter mit und zeigten auch in der Ferne eine lautstarke Unterstützung. Highlight war dann sicher der Sonderzug mit 1‘200 GrünWeissen nach Fürth. Bei der 0:2 Niederlage lieferte man nicht nur einen guten Support ab, sondern zeigte auch den grossen Zusammenhalt der Szene auf der Strasse. Denn als Hoolmob der Kleeblätter mit etwa 80 Mann nach dem Spiel hinter dem Gästeblick auftauchten, setzte sich alles was Beine hatte, ob jung oder alt, Ultra oder Kutte, in Bewegung und schlug die Fürther in die Flucht. Die alte Feindschaft lebte wieder auf und auch heute gehört der Anhang der SpVgg zu den grössten Rivalen. Neben Fürth gehören die kleineren, fränkischen Traditionsvereine (wie Würzburger Kickers, Bayern Hof, SpVgg Bayreuth) und aus längst vergange-

nen Tagen 1860 München zu den ungeliebten Clubs. Dem Stadtrivalen Freie Turner Schweinfurt wird aufgrund der nicht vorhandenen Fanszene nur wenig Beachtung geschenkt, wenn auch Spiele gegen die „Roten“ immer sehr prestigeträchtig sind. Eine Fanfreundschaft pflegt man hingegen schon seit 1978 zu den Anhängern des FV04 Würzburg, welche über Generationen hinweg weitergegeben wird. Fantechnisch entwickelte sich in der 2. Liga einiges. Erste Doppelhalter und wieder vermehrt Schenkfahnen kamen zum Einsatz und der Support wurde bei den grossen Spielen per Megaphon organisiert. Das Liedgut war zwar auch damals schon zum Grossteil deutschlandtypische Standardware, wurde aber häufig enthusiastisch und mit guter Lautstärke vorgetragen. Mehr und mehr südländische Melodien wurden dem bis dato eher britischen Support hinzugefügt, wenn auch die Akzeptanz bei der älteren Generation nur langsam dafür stieg. Bis heute hat dieser bunte Mix auch weiterhin Bestand. Der Bezug und die feste Verbundenheit zur Stadt und ihrem FC waren für den Support und den Stil der Kurve schon immer wichtig und werden auch heute noch stark gepflegt. Daneben wurde weiter fleissig gezündelt, was nun auf ersten Wiederstand bei der Polizei stiess. Ein übermotivierter Einsatzleiter nahm den Kampf gegen solche „Unsitten“ auf und die ersten Stadionverbote wurden verhängt. Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga und den Folgejahren in der Regionalliga Süd gelang es, auch durch weiterhin attraktive Gegner, einige der neu gewonnen jungen Fans bei der Stange zu halten. Gerade diese Zeit trug stark zur Weiterentwicklung der Schweinfurter Ultras bei. Die neu eingeführten Lieder und Klatschrhythmen konnten weiter durchgesetzt werden und der Ab-

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~ 1. FC Schweinfurt 05 Fan-Report ~ stieg sorgte auch wieder für mehr Freiheiten in der Gestaltung des Tifo. Während der Zweitligazeit waren z.B. Zaunfahnen vor der Kurve nicht erlaubt. So festigte sich der junge Haufen auf der Gegengerade weiter, bevor 2004 dann die schwärzeste Zeit in der bis dato 99-jährigen Vereinsgeschichte ein-

ten Anhängern über die Dörfer. Neue Songs und auch Choreos iessen sich nun wesentlich leichter durchführen als mit den zahlreichen Erfolgsfans aus den Zweitligazeiten. Die wenigen interessanten Spiele gegen Würzburg, Bamberg, Hof oder Bayreuth stellten dann häufig echte Highlights vor

brach. Sportlich packte man den Ligaerhalt zwar, doch der Verein bekam im Sommer 2004 keine Lizenz mehr für die Regionalliga und musste Insolvenz anmelden. Es folgte die Versetzung in die Landesliga (damals noch 5. Liga). Die Zeit riss tiefe Wunden in die Fanszene. Nach zwei Jahren im tristen Niemandsland des bayrischen Amateurfussballs gelang der Aufstieg in die Bayernliga, wo man sich auch bis heute noch befindet. Interessanterweise brachte diese harte Zeit auch viele Vorteile für die Schweinfurter Szene mit sich. Denn nun trennte sich endgültig die Spreu vom Weizen und man tingelte nur noch mit wenigen, aber dafür ech-

grossen Kulissen dar. Mit viel Pyroeinsatz, Choreos und einiges an Action in den Kurven und auf der Strasse avancierten gerade die Spiele gegen die Würzburger Kickers zu Geheimtipps unter dem deutschen Hoppervolk. Leider konnte diese Klasse nur eher selten auch auf die vermeintlich „langweiligen“ Begegnungen übertragen werden, was sich auch an stark schwankenden Auswärtsfahrerzahlen verdeutlichen lässt. So fällt man bei Derbys mit mehreren hundert Schweinfurtern ein und reist eine Woche später nur noch mit 50 Leuten zum Dorfverein in Oberfranken. Und trotzdem besitzen vor allem diese grossen Partien

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~ 1. FC Schweinfurt 05 Fan-Report ~ eine enorme Wichtigkeit für die Gegengerade. Denn dadurch konnten in den letzten Jahren wieder viele jungen Fans hinzugewonnen werden und endlich entstanden auch wieder neue Gruppen, der Ultragedanke konnte weitergetragen werden. Die führenden, aktiven Gruppen bilden derzeit, neben der Kaputten Moite, die Sheperds Riots Boys (seit 2005), welche sich nach der ehemaligen Szenekneipe benannt haben, und die Nachwuchsgruppe Sostenitori (2008). Es existieren zwar noch einige weitere Zusammenschlüsse und Fanclubs wie Category Hometown, die Grabfelder, Fa n a t i c s Schweinfurt usw., welche aber nur wenige aktive Mitglieder besitzen und somit nahezu nur an Spieltagen anzutreffen sind. Mit dem Zuwachs an Jugendlichen stiegen aber auch wieder die Probleme innerhalb der Kurve. Während man früher als Fussballfan ins Stadion kam und erste Schritt für Schritt in die Szene integriert wurde, kommen heutzutage viele Junge jetzt wegen der „coolen“ Ultrabewegung ins Stadion. Wo früher durch die Alten noch Grenzen aufgezeigt wurden, liess man vieles einfach gewähren und halste sich somit wieder den ein oder anderen Eventfan auf. Hier wurden aus heutiger Sicht grobe Fehler in der Nachwuchsarbeit gemacht. Das Verhältnis zwischen den Generationen drohte zeitweise auseinanderzubrechen. Es wurde Zeit, die Kräfte wieder zu bündeln, um einen weiteren Riss innerhalb der Kurve zu verhindern. Durch zahlreiche Feten, gemeinsame Aben-

de, Stammtische und dem Fanturnier im Sommer wurde wieder verstärkt auf einen guten Zusammenhalt geachtet, wovon nicht nur der Nachwuchs profitierte. Mit der Gründung der Fanvereinigung „Szene 1905“ im Jahr 2010 wurde ein weiterer Schritt in die richtige Richtung gegangen. Man entschied sich bewusst gegen eine grosse Ultragruppe und für einen grossen Zusammenschluss aller FC-Fans unabhängig von deren Einstellung und Passion. Endlich können nun Choreographien, Tifo-Material, Busfahren und Veranstaltungen mit Hilfe der Szene 1905 leichter finanziert werden und die Kräfte werden weiter gebündelt. Die Gruppe steckt mir ihren derzeit gut 60 Mitgliedern (Stand 2011) sicher noch in den Kinderschuhen und es gilt viel Basisarbeit zu leisten, doch erste Erfolge sind klar erkennbar. Auch als ernstzunehmender Ansprechpartner auf Augenhöhe bei den Behörden, Verband und dem Verein. Man darf gespannt sein, wie gefestigt die Kurve wirklich ist und ob die derzeit positiven Entwicklungen auch in Zukunft anhalten werden. Doch die grün-weisse Szene musste in den vergangenen Jahren schon einige Schicksalsschläge wegstecken, hat sich stetig weiterentwickelt und wird auch kommende Herausforderungen sicher meistern. (Leicht gekürzter) Text mit freundlicher Genehmigung von Blickfang Ultra / Kaputte Moite Schweinfurt.

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~ Wie ich zum FCK fand ~ Ende der 80er-Jahre, also im Alter von um die zehn Lenzen, spielte ich bei den D-Junioren des FC Kreuzlingen. D-Standard, also bei den eher untalentierten. Unser Torwart war berüchtigter Panini-Bilder-Klauer und unser Trainer dem Alkohol nicht abgeneigt. Es kam schon vor, dass es eine Ohrfeige setzte für Probleme in der Abwehr, wenn auch eher selten. Türkische Väter fuhren uns zu den Auswärtspartien und schwadronierten im Opel Kadett, während wir aus dem Fenster schauten, vom nächsten Sieg. Meistens verloren wir hoch, sehr hoch. Gegen die kräftigen Bauernkinder aus Weinfelden verloren wir mit 13:0, was uns nicht weiter störte, denn immerhin kamen wir lebendig aus der Affäre. Gegen den damaligen Stadtrivalen Rot-Weiss Emmishofen verkauften wir uns aber teuer. Meine Karriere dauerte nicht lange, vielleicht zwei Jahre. Doch viel wichtiger, ich besuchte in der Sommerpause 1988 die ersten Spiele unserer 1. Mannschaft. Bereits zum zweiten Testspiel kün-

digte sich das grosse Slovan Bratislava im Hafenareal an. Ich erwartete bei diesem Gegner tausende Zuschauer und fuhr erwartungsfroh mit meinem Kreuzlinger Tour-de-Suisse-Velo ins Hafenareal. Auch wenn nur wenige hundert Zuschauer kamen, um mich war es geschehen. Meine Oma nähte mir eine kleine FCK-Fahne. Im Stockacher Kaufhaus Jährling gab es nur einen mint-grünen Stoff und so ging ich als zehnjähriger Bengel mit mintgrün-weisser Fahne an die Spiele. Auswärts auch per Velo. Nach Berg, Romanshorn und natürlich zum grossen Derby gegen den FC Tägerwilen. 1'200 Zuschauer kamen damals ins Tägermoos, gefühlte 1'150 für den Dorf-Verein.

glieder in Wuppertal als im Thurgau hat, und war fünf Uhr morgens Stammgast am Konstanzer Bahnhof. Gutgesinnte Schaffner nahmen mich ohne Fahrkarte bis nach Karlsruhe mit. Zurück fuhren wir meist mit dem Wochenendticket, 13 Stunden ein Weg, so liess sich die Reiserei finanzieren als Teenager. Es war eine wilde Zeit im Block 13 auf der Südtribüne. Die grosse Fussballwelt. Wenn auch nicht alles gut verlief. So verlor ich meinen damals besten Freund (Bildmitte) nach einem Fussballspiel in Homburg auf tragische Weise. Dieser Text sei Dir gewidmet Denis. Der Erfolg und eine ungeheure Kommerzwelle überrollte den BVB Ende der neunziger Jahre, ich besann mich wieder vermehrt auf meinen alten Heimatverein. In der Punk- und Skinhead-Szene in der ich mich zu dieser Zeit bewegte, fand ich mit Mäny "The Highlander" im Winter 1999 schnell einen Mitstreiter, welcher ebenfalls schon länger von einem FC Kreuzlingen - Fanclub träumte. Es war genau das, was wir wollten, eine lokale DIYGeschichte, zu der wir einen Bezug hatten und so nahmen die Dinge in Kreuzlingen ihren Lauf.

In den darauffolgenden Jahren wurde mir die Welt zu eng und ich bereiste mit Borussia Dortmund, dessen Spiele ich seit 1989 mit meinem Opa am Radio verfolgte, intensiv die Bundesliga. Ich gründete den BVB-Fanclub Thurgau, welcher noch heute existiert, aber mittlerweile mehr Mit-

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Grenzstadtkurier Nummer 9 / M채rz 2015 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Stadionarchitektur der 20er~

Stade de Frontenex, Urania Genf, erbaut 1921

Mommsenstadion, Tennis Borussia Berlin, erbaut 1926/1930 42


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~ Stadionarchitektur der 20er ~

Stadion am Luftschiffhafen, 1. FFC Turbine Potsam (Trainingsplatz), erbaut 1924

Queen Elizabeth II Stadium, Enfield Town FC 43


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~ Stadionarchitektur der 20er~

Stadio Renato Dall窶連ra, FC Bologna, erbaut 1926

Poststadion, Berliner AK 07, erbaut 1927 44


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~ Stadionarchitektur der 20er ~

Stadion Rote Erde, Borussia Dortmund Amateure, erbaut 1926

Stadion an der Gellertstrasse / Sportforum, Chemnitzer FC, erbaut 1926 45


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~ Stadionarchitektur der 20er~

Dante-Stadion M체nchen, derzeit nur American Football, erbaut 1928

Volkspark-Stadion, FSV Wacker 03 Gotha, erbaut 1926 46


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~ Stadionarchitektur der 20er ~

Jahnstadion, Rheydter SV, erbaut 1922/1925

Weinaupark-Stadion, VfB Zittau, erbaut 1894/1919 47


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~ 1. SC Göttingen 05Old~Glory Group Hallo Dirk, wir kennen uns durch die Initiativen "Glotze aus - Stadion an!" und "Lokalrunde - Der Tag des Amateurfussballs" und persönlich seit deinen Besuch in Kreuzlingen. Erzähl uns doch mal, für was beide Initi-

Arbeit ist dabei die Webseite und der darauf implantierte „Matchfinder“; eine Karte, über die man alle Spiele von LOKALRUNDE abrufen kann. Wie läuft es mit den genannten Initiativen? Mit was bist Du zufrieden und was könnte besser laufen?

Das ist sehr unterschiedlich. Während GASA, nach einer sehr aktiven Anfangsphase, derzeit mehr eine Informationsplattform und gemeinsamer Konsens ist, hat LOKALRUNDE das Potential zu etwas Großem. 2014 haben sich immerhin zur ersten Veranstaltung 80 ativen einstehen. Clubs gemeldet und am Ende hatten wir die Glotze aus, Stadion an! (GASA) ist quasi die Aufmerksamkeit der Medien. Trägerinitiative der jährlichen Veranstaltung LOKALRUNDE, ist aber mehr als das. Im Juni Ich glaube, dass LOKALRUNDE die eigentli2013 gegründet dient der Slogan „Glotze che Legitimation für GASA ist, denn die Veraus, Stadion an!“ als Leitmotiv für ein Netz- anstaltung verkörpert die produktive Arbeit werk assoziierter Amateurfußball-Fanszenen für den Amateurfußball, wie sie von GASA aus Deutschland und der Schweiz. Inhalt der stets anvisiert war. dezentralen Arbeit der Gruppen vor Ort ist Themawechsel, Du bist Fan des Oberlider aktive Protest gegen die Probleme des gisten 1. SC Göttingen, wie kam es dazu? Amateurfußballs, wie Kommerz im Profisektor, Pay-TV, Ligareformen, Zuschauerman- Ich bin eigentlich ein ziemlicher Späteinsteigel und so weiter. Das heißt, dass die invol- ger, und das obwohl ich schon seit fast 25 vierten Gruppen nach lokaler Notwendig- Jahren in Göttingen lebe. Vor knapp 6 Jahkeit ihre Aktionen zur Verbesserung der ren bin ich bei der Suche nach einem SpielSituation unter den GASA-Titel stellen kön- platz mit Fußballanschluss mit meiner ältenen. GASA ist dabei explizit antidiskrimina- ren, damals zweijährigen Tochter, auf den Sportplatz des Landesligisten RSV Göttingen torisch ausgerichtet. 05 geraten. Ich hatte ein paar MeckerrentLOKALRUNDE ist die große Veranstaltung ner erwartet und wurde regelrecht hinwegvon GASA. Sie ist eine „Kopie“ und Partner- gefegt von einer emotionalen Fanbastion veranstaltung des englischen NON-LEAGUE von gut 400 Leuten. Ich erkannte ein paar DAYS und bündelt die öffentliche Wahrneh- vertraute Gesichter und wurde sofort von 05 mung für ein Herbstwochenende im Jahr auf gepackt. Es war Liebe auf den ersten Blick... den Amateurfußball. Wir machen uns dabei die Länderspielpause der Profis zu Nutze. Stell uns doch mal den Verein vor, GöttinZiel ist es, einerseits, die Amateurclubs dazu gen ist ja ein alter Traditionsverein mit zu animieren sich mit einer Meldung für LO- turbulenter Vergangenheit. KALRUNDE zu präsentieren, andererseits Der 1. SC Göttingen 05 ist ein Verein, der in der „Seele des Spiels“ allgemein mehr Auf- der Region schöne Erinnerungen weckt, die merksamkeit zu verpassen. Zentrum der 48


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~ 1. SC Göttingen 05Old~Glory Group sportlich leider nicht zwingend mit der Gegenwart zu tun haben. 1905 gegründet und im steten Derby mit dem Konkurrenzverein SV Göttingen 07 begriffen, erlebte 05 seine Hochphasen nach dem Krieg in den Siebzigern und Achtzigern in der Oberliga Nord mit kurzen Phasen in der Zweiten Liga. Davor scheiterte das Team mehrmals knapp am Aufstieg in die Bundesliga. 2003 war dann der dunkelste Punkt der Vereinsgeschichte, als der 1. SC Göttingen 05 insolvent ging und von der Bildfläche verschwand. Ein paar Jahre später ging es als Fusionsverein RSV Göttingen 05 wieder ganz unten los und seit der Ausgliederung der Herren- und Jugendmannschaften 2013, spielt 05 wieder unter altem Namen und Traditionswappen.

die wenigen Zuschauer ziemlich verlieren, die Akustik für die Ultras aber besser ist und es den Sitzplätzlern nicht auf den Kopf regnet. Zur warmen Jahreszeit spielen wir im eher alten, als ehrwürdigen Maschpark. Hier trainieren die Mannschaften auch und die Kohle vom Getränkeund Wurst-Verkauf gehen zu 100% an den Verein. Allerdings ist der A-Platz ein ziemlich herunter gekommenes Ding mit ein paar bröckeligen Stufen und ohne Dach zum Unterstellen. Es nervt schon, dass wir keine klare, identitätsstiftende Verortung haben. Wie sieht die Fanszene bei Göttingen

Soviel ich weiss, habt Ihr eure Spielstätte aus? öfters gewechselt, in welchem Stadion Die Fanszene der Nullfünfer ist derzeit sehr spielt Ihr derzeit? homogen und aktiv. Das ist fast schon ein wenig tragisch, denn Unter dem Dachverein „Supporters Crew 05 wir spielen diese Saison in zwei Spielstätten. e.V.“ (SCG05) tummeln sich Mitglieder von In der kalten Phase geht es in die „Fritz- einer Handvoll Gruppen, von denen die UltRebell-Kampfbahn“ (Jahnstadion), wo sich ras sicher den zahlenmäßig größten Teil 49


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~ 1. SC Göttingen 05Old~Glory Group ausmachen. Insgesamt hat die SCG05 knapp entscheidend. 80 zahlende Mitglieder, was wohl auch den Bist Du auch in einem Fanclub aktiv? Kern der Szene ausmacht. Ich bin Mitglied der kleinen Gruppe „La Die Fanszene hat einige Altfans (40+) und Familia 05“, die sich vor vier Jahren aus gedurch die Ultras viele junge Supporter meinsamen familiären Besuchen der Heim(unter 25). Uns eint die politische Ausrichspiele gegründet hat, und des Dachvereins

tung gegen Diskriminierung und unser HerSCG05. zensprojekt, der FanRaum. Doch dazu später Habt Ihr eine Fanlokalität in Göttingen mehr ... und seid Ihr sonst noch mit Aktivitäten Gab es schon in alten Zeiten eine aktive am Start? Fanszene in Göttingen? Unsere Fanlokalität – der FanRaum NULL05 hatte in den 80ern, gerade auch durch FÜNF – existiert seit Mai 2013 und ist der den sportlichen Erfolg sehr virulente Fans, Angelpunkt unserer fankulturellen Arbeit. die mit bis zu 1000 Leuten auswärts gefahren Hier finden unsere Veranstaltungen, Darttursind. Darunter einige Fanclubs und durchniere, Stammtische und Spieltagstreffen aus auch einige Hooligans. Eine linke Fanstatt. Ich kann wohl mit Fug und Recht sagen, kultur hat sich in Teilen mit der Gründung dass unsere Räume uns überhaupt erst erder „Fooligans“ im Jahr 1990 entwickelt. Sie möglichen, organisierte und effektive Fanarist seitdem ein wichtiger Teil der Fanszene beit durchzuführen. Gerade jetzt, wo es und prägt seit einigen Jahren die „Kurve“ sportlich schlecht läuft, hält uns dieser La50


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~ 1. SC Göttingen 05Old~Glory Group den zusammen.

Die Supporters pflegen eine intensive Fanfreundschaft zu den Fans des VfB Oldenburg. Zu Arminia Hannover besteht auch eine große Sympathie, die früheren Zeiten entstammt und besonders bei den alten Recken Erinnerungen weckt. Es gibt zudem individuelle Überschneidungen von einzelnen Fans und zu Leuten von Altona 93, Roter Stern Leipzig, Babelsberg 03, Tennis Borussia Berlin, Goslarer SC usw.. Alles Supporter, die mit uns auf einer politischen Wellenlänge sind und die man bisweilen nach Spielen bei uns im FanRaum finden kann.

2014 haben wir zahlreiche Veranstaltungen vor Ort durchgeführt: Wir haben die Ausstellung TATORT STADION 2 in unsere erweiterten Räume geholt, mit Ultras von Braunschweig und Aachen über die Probleme mit Nazis in den Kurven gesprochen, uns von kompetenten Referenten wie Jan Tölva über Geschlechterrollen im Fußball dozieren lassen, den schwulen türkischen Schiedsrichter Halil İbrahim Dinçdağ eingeladen und der vergessenen jüdischen Vereinsmitglieder in einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe ge- Ihr spielt in der fünftklassigen Oberliga dacht. Niedersachsen. Welche bekannten Vereine spielen All dies wädort noch mit, re ohne den wie ist der FanRaum Zuschauergar nicht schnitt bei möglich Euch und in gewesen. der Liga? Pflegt Ihr Bekannte VerRivalitäeine gibt es ten / außer Arminia FreundHannover und schaften vielleicht dem mit andeVfV Hildesren Vereiheim in dieser nen? Saison nicht in Als Nullfünder Oberliga. fer gehört Sie ist nicht es natürlich traditionell dazu, den SVG 07 unbedingt besonders attraktiv. abzulehnen. Da dieser Verein allerdings Da der 1. SC Göttingen 05 diese Saison erkeine Fanszene hat, ist das nicht übermäßig folglos spielt, können wir uns wahrscheinspannend. Ein Derby weckt jedoch immer lich noch glücklich schätzen, wenn sich 250 noch viele 05-Schläfer und holt sie auf die Leute ins Stadion verirren. Der Schnitt in der Straße. 51


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~ 1. SC Göttingen 05Old~Glory Group Liga liegt allerdings auf ähnlichem Niveau. gen, die Stadt kennt man am Bodensee Erfolgreiche Vereine ziehen situativ mehr kaum. Zuschauer, aber im Großen und Ganzen ist Göttingen liegt ziemlich genau in der Mitte der Schnitt schon ein Trauerspiel. Deutschlands und ist eine Universitätsstadt Habt Ihr einen Bus für die Auswärtsspiele mit 25.000 Studenten. Da Göttingen selber und wie weit sind Eure Spiele in der Ober- nur 120.000 Einwohner hat, prägt die Uni das Stadtleben. Wegen seiner vielen alten liga entfernt? Fachwerkhäuser ist Göttingen ein Tourismus Die Oberliga Niedersachsen ist flächenmä-Hotspot und sehr pittoresk; gerade auch ßig sehr groß und Göttingen liegt am südweil es in und um die Stadt keine relevante lichsten Zipfel, was bedeutet, dass AuswärtsIndustrie gibt. Eine starke linke Szene sorgt fahrten bisweilen neun Stunden Fahrt für für ein weltoffenes Klima, wenn man die Bur-

schenschaftler ignorieren kann. Sportliches beide Strecken bedeuten können. In AbhänAushängeschild ist die BG Göttingen, das gigkeit von der Erreichbarkeit des Stadions Erstliga-Basketballteam. Nicht unbedingt werden die Fahrten mit dem Zug oder einem hilfreich für uns Fußballer. ;) angemieteten Bus durchgeführt. Vielen Dank, weiterhin viel Spass und Ich selber fahre nur 1-2mal pro Saison ausErfolg mit Deinen zahlreichen Engagewärts, muss aber gestehen, dass diese Fahrments und Göttingen 05! ten schon zum Besten des Fandaseins gehören. Vielleicht noch ein paar Worte zu Göttin52


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~ Curry-Wurst ~ Auch beim Fussball gern gegessen: Die Curry-Wurst. Vor knapp zehn Jahren haben wir die etwas umstrittene Köstlichkeit auch beim FC Kreuzlingen eingeführt, wir waren damals der erste Schweizer Verein mit diesem Angebot. Beim Fussball mögen es die Zuschauer nach alter Sitte und so isst man in der Schweiz zum Fussballspiel mit Vorliebe eine feine Kalbsbratwurst oder Cervelat, dazu wird eine Scheibe Brot serviert, bestenfalls mit Senf, meistens pur. Aufgrund der fast unschlagbaren Qualität Ostschweizer Würste ist das auch ein ausreichender Genuss. Exotisches, und dazu zählen beim Fussball bereits Hot-Dogs oder Hamburger, haben es da traditionell schwer. Auch in Kreuzlingen haben wir diesbezüglich vieles versucht, nur eine konnte sich neben Bratwurst und Cervelat behaupten, die Curry-Wurst. Internet-Tipp: http://www.stadionwurst.net

Und so schmeckt sie am besten Alle Zutaten gemeinsam in einen geeigneten Kochtopf geben und bei kleiner Hitze köcheln lassen. Da die Geschmäcker unterschiedlich sind, versuchen Sie einfach das Rezept nach Ihrem Geschmack variabel zu verändern.

http://www.fussballwurst.de 500 g Tomaten, passierte

Bewertungen, Blog, Wurst-Atlas

2 EL Honig

Lese-Tipp:

3 EL Essig

http://www.stadionwurst.ch

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1 /2 EL, Gemüsebrühe, instant gestr.

Kulinarische Reise zu den Stadionwürsten der Schweiz

1 EL, gestr. Worcestersauce

Musik-Tipp:

1 EL Curry

Currywurst, Herbert Grönemeyer

1 TL, gestr. Paprikapulver, rosenscharf

7“-Single-Auskopplung der LP „Total Egal“, 1982

2 Spritzer Tabasco 53


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~ Schweizer Provinz ~

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~ Schweizer Provinz ~

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~ Kreuzlinger Fundstück ~ Die wachsamen Augen von Gregory Germond bescherten mir ein äusserst seltenes zeitgeschichtliches Dokument für meine Fundkisten-Rubrik. Ein gut erhaltenes Matchprogramm vom 27. Mai 1934 in achtteiligem Faltblatt-Format. Beworben werden die Spiele FC Juventus Zürich vs. FC Kreuzlingen (1.Liga), FC Young Fellows Zürich vs. Lausanne-Sports (NL) und ein Rugby-Spiel zwischen der Süddeutschen und der Französischen Auswahl (rechts oben). In der FCK-Elf standen unter anderem der ehemalige FCZGoalie Maire, der Nationalspieler Sandoz, der später bei Servette Genf spielende Colongo und die englischen Profis Smith und Sweeny im Matchblatt. Der Spielort wird seltsamerweise nicht erwähnt, im Förrlibuck oder Utogrund dürfte es gewesen sein.

Interessant auch die Inserate der Zeit, dass noch heute bekannte Café Odeon wirbt mit einem “Rendez-vous der Sportsfreunde”, das Geschäft Leutert am Zürcher Hauptbahnhof empfiehlt sich mit “Schinkenbrötchen, Dauerwurst und Berner Zungenwurst für Reisen, Ausflüge und Picknicks” und der Tabakhandel Austria preist seine Atox-Zigaretten “für empfindliche Raucher mit nikotinarmen 0,5%!” Kettenrauchen war damals aber auch schwer angesagt, wie untenstehendes Bild bei den Berner Young Boys aus selbigem Jahrzehnt beweist. Daneben eine Werbung für Toblerone mit Weinbeeren und Rumfüllung. Dazu noch ein deftiger Schüblig, Flaschenbier auf den Traversen und die Sport-Illustrierte unterm Arm – Fussballfreude vor achtzig Jahren.

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~ Kreuzlinger Fundst체ck ~

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~ Red Rebels in Switzerland ~ 24.05.2014 FC Winterthur vs. FC United of Manchester 4:1 Schützenwiese, 2‘700 Zuschauer Red Rebels in Switzerland! Gestern war der englische 7.-Ligist FC United of Manchester zu Gast auf der Schützenwiese. Der von enttäuschten ManU-Fans gegründete Verein ist ganz im Besitz der über 3’000 Mitglieder und baut sich auf die kommende Saison ein eigenes Stadion. Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Kommerzialisierung. Weitere Beispiele wie der AFC Wimbledon, Austria Salzburg, 1. FC Lok Leipzig oder die BSG Chemie Leipzig zeigen auf, dass dies für einige Vereine durchaus ein Erfolgsmodell sein kann. Feststimmung herrschte bereits vor dem Spiel in der Stadt, mehrere hundert United of Manchester – Fans reisten für dieses Freundschaftsspiel nach Winterthur. Dass die FCW-Fangemeinde über das nötige Po-

20 Jahren von einem kleinen Freundeskreis zu einer vielfältigen und viele hundert Personen umfassenden Fankurve herangewachsen. Verein, Stadt und Fans passen hier einfach zusammen. Die United-Fans verteilten

sich mit ihren typisch britischen Zaunfahnen über das ganze Stadion. Auch das ist typisch für eine Fanszene, dessen Durchschnittsalter bei weit über 40 Jahren liegen dürfte. Es gibt noch einen Stimmungsblock der etwas Jüngeren, der Rest verteilt sich im weiten Rund. Hat mich an den BFC erinnert. Ich find das nicht unsympathisch, Back to the Roots,

tential für solche Spiele verfügt, zeigte sich schnell im Stadion. 2’700 Zuschauer kamen zum Spiel gegen einen englischen 7.Ligisten! Der FCW hat sich längst als der wenn man sich mit der Entwicklung der Zualternative Verein der Schweiz etabliert, schauerkultur beim Fussball auskennt. trotz mässigem Erfolg der 1. Mannschaft. Die Fanszene der Winterthurer ist in den letzten Die Bierkurve zeigte eine schöne Choreo zu 58


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~ Red Rebels in Switzerland ~

Spielbeginn, leider aus TribünenPerspektive nicht ganz gelungen mit dem Kranz, dafür mit schönem Banner: “As Football – Should Be”, roten und weissen Luftballons und Papierregen, für sowas hat man als Fussballromantiker immer ein dankbares Herz. Das Spiel ging mit 4:1 an die technisch versierteren Winterthurer, was an dem Nachmittag natürlich nur Nebensache war. Im Tor der Eulachstädter stand mit Christian Leite ein ehemaliger FCK-Goalie. Überhaupt hatte man aus Kreuzlinger Sicht Glück mit der Spielansetzung. Ursprünglich wäre die Partie Uster-FCK zur gleichen Zeit angesetzt gewesen, wurde dann aber auf kommenden Dienstag verschoben.

Selbstverständlich wurde einem auch rund um das Spiel einiges geboten. Zur Halbzeit wurde die FCW-Aufstiegsmannschaft von 1984 geehrt, welche anno dazumal die letzte Winterthurer NLA-Zeit ermöglichte. Calcio Culinaria gab es an den zahlreichen Essensbuden und nach dem Spiel legte Tumult Winterthur mit Rude-Boy-Reggae-Klängen zum Tanze auf. Stilecht aus einem alten VWBus, für sowas hatten auch die alten Engländer einen Sinn. Mit dabei war auch ein DJ aus Manchester, grosse Völkerverständigung auf der Schützenwiese. Am Tag zuvor las übrigens Frank Willmann in der LiberoBar über Fussballfans in der DDR, leider konnte dieser Termin nicht wahrgenommen 59


Grenzstadtkurier Nummer 9 / M채rz 2015 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Red Rebels in Switzerland ~ werden. Aber ich bin mir sicher, in Winterthur wurde auch er bestens versorgt. Bekannte Gesichter sah man nat체rlich jede Menge, ob Saro Pepe vom FCZMuseum, Marcel Tappeiner von den LetziJunx, Gregory Germond vom Sportantiquariat oder viele andere Fussballfreunde aus nah und fern, einfach ein wunderbarer Fussballnachmittag!

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~ didi:offensiv ~ die Fans liebevoll ironisch einen Übernamen schufen, eben „Didi Offensiv“. Der Name passt perfekt zu unserem Konzept. Unser Zugang zum Fussball ist nostalgisch angeMeine Freundin Katherine, mein Bruder haucht, leicht ironisch und vielleicht auch Raphael und ich hatten 2012 alle gleichzeitig nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. in einem Gespräch den Gedanken geäus- Welche Veranstaltungen konntet Ihr sert, dass in Basel eine Bar fehlt, die sich schon durchführen und welche Veranstalausschliesslich mit Fussball beschäftigt. Das tungen sind geplant? haben wir als Zeichen gedeutet und dann Live-Übertragungen von Fussballspielen knapp zwei Jahre am Konzept gearbeitet, stehen bei uns im Vordergrund. Wir versteeine geeignete Location gesucht und diese hen uns aber als Fussballkulturbar und haam Erasmusplatz im Kleinbasel an bester ben deshalb auch schon Lesungen, z.B. mit Lage gefunden. Am 2. Oktober haben wir Pascal Claude, organisiert oder zusammen die Bar eröffnet. mit dem Fussball Film Festival Flutlicht den Hallo Beni, wie kamt Ihr auf die Idee eines Fussball-Kultur-Lokals in Basel, seit wann gibt es Euer Lokal und wie lief die erste Zeit?

Was hat es mit dem Namen didi:offensiv Film „Istanbul United“ gezeigt. Wir möchten auch regelmässig Talkrunden zu Fussauf sich? Claude „Didi“ Andrey war Trainer des FC ballthemen veranstalten. Nach der Vorrunde Basel, als dieser 1994 nach sechs bitteren etwa haben die beiden Journalisten ChrisJahren wieder in die Nationalliga A aufstieg. toph Kieslich von der TagesWoche und OliSein Spielstil war eher pragmatisch, weshalb ver Gut von der Basler Zeitung mit David

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~ didi:offensiv ~ Kooperationen vorstellen, etwa wenn es um die Durchführung einer Fussballsammlerbörse oder ähnliches geht. Eure Bar wird bestimmt auch rege von FCB-Fans benutzt, ist aber keine FCB-Fan -Bar, wie würdet Ihr Euer Publikum beschreiben?

Namensgeber „Didi“ Andrey zu Gast Frey über das erste Halbjahr des FCB mit Trainer Paulo Sousa diskutiert. Wichtig für uns und viel besucht ist auch das FussballPub-Quiz, das wir einmal pro Monat durchführen. In diesem Stil soll es auch in Zukunft weiter gehen. Wir können uns auch weitere

Wir haben das beste Publikum, das man sich vorstellen kann. Klar, FCB-Fans gehen bei uns ein und aus. Wir zeigen natürlich alle FCB-Spiele und haben dann meistens volles Haus und eine gute Stimmung. Unser Publikum ist aber sehr durchmischt und geht von Fussballsenioren bis zu Studenten, die im Quartier wohnen. Bei Bundesliga-Spielen kommen auch immer mehr Deutsche ins didi:offensiv. Ganz unterschiedliches Publikum zieht die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft an. Wir hatten dann auch schon einen FCZ-Fan bei uns. Zur Zeit sind die männlichen Besucher deutlich in der Überzahl. Wir hoffen, dass sich dies noch ändert.

Pascal Claude liest im didi:offensiv 62


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~ didi:offensiv ~ Kamen auch schon bekannte Fussballer- Jass-Turniere. Mit Nachspielzeit sind unsere Persönlichkeiten vorbei, nimmt man in kulturellen Veranstaltungen wie Talkrunden, Filmvorführungen oder Lesungen betitelt. Basel Notiz von Eurem Lokal? Also, eine Ex-Freundin von Ruedi Zbinden Kick-Off heissen die Live-Übertragungen. war schon bei uns... Nein, im Ernst. Ich den- Diese zeigen wir auf einer Leinwand ke, man nimmt unsere Bar in Basel schon zur (Tribüne Ost) und zwei TV-Bildschirmen Kenntnis. Es sind auch schon einige Ex-FCB- (Tribüne Nord und West). Wir haben seit Spieler zu Besuch gekommen. Sehr gefreut diesem Jahr die Möglichkeit, zwei verschiehaben wir uns über den Besuch von Markus dene Spiele gleichzeitig zu zeigen. Steinhöfer, dessen Kickschuhe wir bei uns Wer uns unterstützen will, kann für 100 Franausstellen. Auch FCB-Präsident Bernhard ken eine Saisonkarte kaufen. SaisonkarteninHeusler war einmal bei uns. haber erhalten einen Rabatt auf unsere MoWie sieht, neben dem Fussball, Euer An- natsspecials oder können Plätze für gewisse gebot im didi:offensiv aus, was schenkt Veranstaltungen reservieren Ihr aus, gibt es auch was für den kleinen Was für Spiele überträgt Ihr im TV? Hunger zwischendurch? Wir zeigen alle Spiele des FCB. Das hat Am meisten verkaufen wir Bier... Ueli Bier. oberste Priorität. Dann zeigen wir Spiele der Die Brauerei ist nur ein paar hundert Meter Schweizer Nationalmannschaft, Champions von unserem Lokal entfernt und liegt eben- und Europa League, Bundesliga, Premier falls in Kleinbasel. Speziell bieten wir eine League, La Liga, Serie A oder je nachdem, Sirupkarte mit elf verschiedenen Sorten an. was gerade angesagt ist. Oft laufen die SpieSirup aus Bern übrigens. Zu Beginn hatten le aber nur im Hintergrund, da wir viele wir kein Essen, haben aber wegen grosser Gäste haben, die auch einfach auf ein Bier Nachfrage inzwischen Bierbrezel, Käskiechli vorbei kommen. und bei FCB-Spielen Hot Dogs ins Sortiment Nächste Veranstaltung: aufgenommen. Die Speisekarte werden wir 8. Mai Lesung mit Frank Willmann wohl noch weiterentwickeln. Im Getränkebereich haben wir jeden Monat ein Special. Nächste Ausstellung: Während des Afrika-Cups z.B. verkaufen wir November 2015 - März 2016 das Castle Lager Beer aus Südafrika oder für Fussballfotografien von Stuart Roy Clarke die Champions League-Spiele des FCB ge- Präsentiert von Seagulls Roar! / gen Porto nehmen wir ein portugiesisches Grenzstadtkurier Bier ins Sortiment. Auf Eurer sehr schön gestalteten Internetseite findet man neben Ausstellungshinweisen die Begriffe Saisonkarte, Bolzplatz, Nachspielzeit, Kick-Off: Tribüne Nord, West, Ost. Was hat es damit auf Erasmusplatz 12, Basel sich? Di - Do 17.00 - 1.00 Uhr Das sind hauptsächlich Begriffe für unser Fr 17.00 - 2.00 Uhr Programm. Bolzplatz ist das Label für unsere Sa 14.00 - 2.00 Uhr Spiele wie das Pub-Quiz, Playstation- oder 63


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~ FC Nordstern Basel ~ Vergessene Legenden Herr Hostettler, wie sieht Ihre Funktion beim FC Nordstern aus? Zurzeit habe ich keine Vorstandsfunktion beim FC Nordstern, bis zum Abstieg aus der 2.Liga im 2011 war ich Stadionspeaker des FC Nordstern. Seit 1970 bin ich mit dem Verein eng verbunden, anfangs als Junior und Juniorentrainer später noch in der 4.Liga aktiv. Der FC Nordstern spielte von 1911 bis 1943 in der höchsten Schweizer Liga. Wie lässt sich dieser Erfolg heute erklären? Aufgrund eines grossen Netzwerkes im Kleinbasler Gewerbe und der Politik hatte sich der Club nach seiner Gründung 1901 gut entwickelt. Der Club erfreute sich sehr schnell einer grossen Beliebtheit, die sportlichen Erfolge und attraktive Spielweise wurden zunehmend auch mit einem grösseren Publikumsinteresse goutiert. Mit der Eröffnung des Stadions Rankhof gab es ab

1925 einen weiteren Schub im Club aufgrund guter Zuschauereinnahmen, damit auch die entsprechende finanzielle Grundlage.

Gewann Nordstern auch Titel und welche bekannten Namen spielten zu dieser Zeit im Verein? Zu einem Titel reichte es leider nie. 3x wurde Nordstern Schweizer Vizemeister: 1924, 1927 und 1928. 2x stand der FCN in einem Cupfinal: 1935 und 1939, die aber beide verloren wurden. Bis zum 2. Weltkrieg standen regelmässig Spieler des FC Nordstern im Nationalteam. 14 Nationalspieler mit insgesamt 64 Länderspielen entsprangen dem FC Nordstern. Karl Ehrenbolger mit 18 und August Oberhauser mit 20 Länderspielen sind die bekanntesten im Dress des FC

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~ FC Nordstern Basel ~ Vergessene Legenden Nordstern. Beide waren in der erfolgreichen Nationalmannschaft dabei, die es an der Olympiade 1924 in Paris gegen Uruguay bis in den Final geschafft hatte. Sie waren zu dieser Zeit Stammspieler in der Nationalmannschaft und standen im besagten Final auf dem Feld. 1922 engagierte der FC Nordstern mit Izidor „Dori“ Kürschner seinen ersten Profitrainer. Er war ein ungarischer Fußballspieler und – Trainer, eine anerkannte Grösse im Trainermetier dieser Zeitepoche. Als Spieler hatte Kürschner Erfolg mit dem MTK Budapest und spielte in der ungarischen Nationalmannschaft. Als Trainer reüssierte er in Deutschland mit dem 1. FC Nürnberg. Seine größten Erfolge feierte der Ungar aber in der Schweiz beim Grasshopper Club Zürich, mit dem er sieben Titel errang. Mit seinem Engagement und seinen neuen Trainingsmethoden wurde beim FC Nordstern die erfolgreichste sportliche Ära eingeleitet, ehe er 1925 von GC abgeworben wurde. Wie war das Verhältnis zum FC Basel in dieser Zeit? Da muss ich etwas ausholen. Bis 1932 waren die Spielklassen ja in Serie A, B und C unterteilt. Ein Aufstieg in die nächst höhere Spielklasse war nicht alleine mit dem sportlichen Erfolg möglich. Um aufzusteigen, musste man auch einen Antrag beim Fussballverband stellen. Der FC Nordstern war ab 1904 in der Serie B eingeteilt und konnte dort immer sehr erfolgreich um die Meisterwürde mitspielen. Als 1908 die Serie BMeisterschaft errungen wurde, beantragte der FC Nordstern die Aufnahme in die Serie A. Zwei Mal wurde aber unter der Federführung des FC Basel die Aufnahme verweigert und damit ein Verbleib in der Serie B erzwungen. Beim dritten Mal 1910 wurde dem Antrag endlich entsprochen, notabene mit

der Gegenstimme des FC Basel. Dies hatte sehr lange nachgewirkt, so dass das Verhältnis zum FC Basel meistens sehr angespannt war. Dies dokumentiert sich auch darin, dass es kaum Spielerwechsel zwischen den beiden Vereinen gab. Mit den anderen beiden Lokalrivalen, Concordia und Old Boys war

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~ FC Nordstern Basel ~ Vergessene Legenden der Umgang wesentlich entspannter. Da gab waren da 7000-12000 Zuschauer mit von der es jeweils einige Spielertransfers unterei- Partie. nander. Der FC Kreuzlingen erlebte 1932 eine Kann man behaupten, dass Nordstern bis seiner grössten Sternstunden mit einem zum 2. Weltkrieg die Nummer eins am 3:0-Auswärtssieg im Schweizer Cup beim Rheinknie war? FC Nordstern. Landesweit wurde über Für die Jahre zwischen 1938 und 1942 kann diese Sensation in den Sportzeitungen man das bestimmt so sagen. Die Jahre davor berichtet. Ist darüber noch etwas im Argab es aber in Basel keine klare Nummer chiv des FC Nordstern zu finden? eins, beide Vereine waren auf Augenhöhe Zu diesem für den FC Kreuzlingen ja legenmit Vorteilen für den FC Nordstern. dären Cup-Spiel gibt es in den Annalen des FC Nordstern leider keinen Vermerk. Im Wie konnte man sich damals ein Spiel in Jahr 1932 scheinen grosse Unruhen bestander Nationalliga vorstellen? (Zuschauer- den zu haben, die wahrscheinlich alle sportaufkommen, Presse, Matchprogramm, lichen Gegebenheiten in den Hintergrund rücken liessen. Dazu auch ein kurzer Auszug Rahmenprogramm etc.) Leider haben wir da sehr wenig dokumen- aus unserer Chronik. tiert. In der Zeit vor dem 2. Weltkrieg gab es in der Presse meistens nur bei Länderspielen ausführlichere Berichte. Wenn überhaupt waren die Matchprogramme sehr einfach gehalten, meistens ein A4 quer gefalztes Blatt mit Mannschaftsaufstellungen und einigen wenigen Inseraten. Bei den Spielen auf dem Rankhof waren 5000-6000 Zuschauer anwesend. Bei den Stadtderbys Lässt sich heute noch eruieren, was zum (FCB, OB und Congeli) gab es stets einen Niedergang führte und warum der FC erhöhten Zuschauerandrang, regelmässig Basel dem FC Nordstern den Rang ab-

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~ FC Nordstern Basel ~ Vergessene Legenden lief? Ja das ist relativ gut dokumentiert, der grosse Bruch kam durch den 2. Weltkrieg. Diese sechs Kriegsjahre hatten den Verein finanziell, aber auch durch Querelen innerhalb des Clubs so stark gebeutelt, dass er Ende der 40-er Jahre sogar kurz vor der Auflösung stand. Dank einiger Gründerväter, die nochmals in die Bresche sprangen, konnte der Verein gerettet werden. Bis anfangs der 70er Jahre pendelte der Verein zwischen NLB und der 1. Liga. Das Stadion Rankhof wurde vor 90 Jahren erbaut, was gibt es dazu zu sagen, soviel ich weiss, wurde es in den neunziger Jahren neu gebaut und von Concordia Basel benutzt. Spielt der FC Nordstern noch heute im Rankhof? Das alte auf Genossenschaftlicher Basis betriebene Stadion war de facto bis 1990 im Besitz des FC Nordsterns. Nebst dem Fussball gab es auf dem Rankhof auch einige

andere Grossveranstaltungen wie 1929 das Eidgenössische Turnfest oder das Eidgenössische Schwingerfest. Der FC Nordstern trug auch immer viele internationale Freundschaftsspiele gegen renommierte englische Mannschaften aus, etwa gegen den 1929 amtierenden englischen Champion Sheffield Wednesday, Bild links unten. Das generierte natürlich auch gute Einnahmen, was in jener Zeitepoche wesentlich zum Aufschwung des FC Nordstern beigetragen hat. Der Rankhof mit seiner Tribüne für 1200 Personen wurde 1923-1924 von den Vereinsmitgliedern in Fronarbeit erstellt und am 30. Dezember 1924 eröffnet. Der Rankhof galt zu jener Zeit als modernstes Stadion der Schweiz, was sich auch in den 14 Länderspielen, die zwischen 1924 und 1953 ausgetragen wurden, niederschlug. Das letzte Länderspiel fand am 17. Juni 1953 vor 14‘000 Zuschauern gegen Dänemark statt, die Schweiz verlor 1:4. Der Stadionrekord mit 25‘000 Besuchern wurde anlässlich des Län-

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~ FC Nordstern Basel ~ Vergessene Legenden derspiels 1950 gegen Holland erreicht. Bild unten. 1991 wurde der alte Rankhof mit seinen 3 Nebenplätzen und der angrenzenden SatusSportanlage abgerissen. Auf dem zusammengelegten Gelände wurde nebst einem Stadion für 9000 Zuschauer, ein Sportzentrum mit multifunktioneller Halle, ein Landhockeyhartplatz und 10 Fussballfelder erstellt. Das Sportzentrum Rankhof, wie es heute heisst, untersteht der Verwaltung des Kantons und wird nun von ca. 15 Sportvereinen genutzt. Der FC Nordstern hat noch immer Heimrecht auf dem Rankhof, allerdings nur noch auf den Nebenplätzen. Das Stadion wird hauptsächlich für Meisterschaftsspiele der U-21 des FC Basel und zwei 2.Ligavereinen beansprucht. Der FC Concordia hat nur während seiner Challenge League – Zeiten 2001-2010, Heimspiele auf dem Rankhof ausgetragen. Ein Comeback feierte Nordstern in den 70er und 80er-Jahren, was führte dazu und wie verlief diese Zeit? Zwischen 1972 und 1985 gab es nochmals eine Erfolgsperiode. Nach 15 Jahren des auf und ab, gab es 1970 wieder einen Vorstand

der bereit war, den Verein nach vorne zu bringen. Das sportliche Hoch dieser Zeit muss man eng mit der Verpflichtung des zwanzigfachen jugoslawischen Internationalen Zvezdan Cebinac vom 1. FC Nürnberg in Zusammenhang stellen. Er übernahm 1972 den mittelmässigen Erstligisten FC Nordstern als Spielertrainer. Mit modernen Trainingsmethoden aus der Bundesliga und bis zu fünf Mal Training in der Woche gelang dem FC Nordstern 1973 der Wiederaufstieg in die damalige Nationalliga B. Sogleich etablierte man sich in dieser Liga und arbeitete kontinuierlich Richtung Aufstieg in die Nationalliga A. Mit einer Professionalisierung des Kaders gelang 1978 dieser Auf-

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~ FC Nordstern Basel ~ Vergessene Legenden

stieg dann auch. Die sportlich ansprechenden Erfolge blendeten den Verein aber allzu sehr, denn nach wie vor wurde der Club auf Amateurbasis geführt. Dies führte letztendlich zu einem finanziellen Desaster. 1984 stand der Verein kurz vor dem Konkurs, nur dank der Reaktivierung einiger alter Gönner konnte dieser noch im letzten Moment abgewendet werden.

vor wie vielen Zuschauern finden die Spiele statt? Dank den beiden letzten Präsidenten Ruedi Marty und Hans Hunziker, die in den vergangenen 15 Jahren dem Verein vorstanden, ist der Club finanziell auf ein gesundes Gleis gekommen. Der Club ist heute schuldenfrei und hat sich ganz dem Breitensport verschrieben. Das wiederspiegelt sich aber leider bei den sportlichen Erfolgen wieder. Zurzeit ist unsere 1. Mannschaft nur in der dritten Liga angesiedelt (Anm. für unseren deutschen Leser: die 7. von 9. Spielklassen). Es werden keinerlei Entschädigungen mehr an Spieler und Trainer geleistet. Die Freude am Sport und die Verbundenheit zum Verein sollen im Vordergrund stehen. Mit 12 Junioren- und 7 Aktivmannschaften ist der FC Nordstern aber immer noch einer der grössten Fussballclubs in Basel.

Lässt sich der FC Nordstern einem gewissen Quartier oder Stadtteil in Basel zuordnen? Das kann man auf jeden Fall, die Namensgebung und Herkunft des Vereins gibt die örtliche Zuordnung wieder. Die Gründerväter stammten mehrheitlich aus dem Norden unserer Stadt, darum wählten sie auch den Namen FC Nordstern. Einzugsgebiet damals wie heute ist das obere Kleinbasel mit den Quartieren Hirzbrunnen, Rosental und Matthäus, die auf der rechten Rheinseite der Welche anderen Vereine unter dem FC Stadt gelegen sind. Basel spielen oder spielten eine Rolle in Basel? Wie verliefen die letzten Jahrzehnte? In Bis Ende der 70er Jahre war die Rangstelwelcher Liga spielt Nordstern heute und lung von den sportlichen Kriterien her klar.

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~ FC Nordstern Basel ~ Vergessene Legenden 1. FC Basel, 2. FC Nordstern, 3. BSC Old Boys, 4. FC Concordia, 5. FC Black Star. Vor dem 2. Weltkrieg war der BSC Old Boys ein Verein, der nahe am FC Basel und FC Nordstern dran war. OB, wie der Verein in Basel genannt wird, darf man heute als klare Nummer zwei in Basel bezeichnen. In der besten Zeit von Concordia habe ich von einem Basler vernommen, dass die wahre Nummer zwei von Basel immer Nordstern bleiben würde. Aufgrund der mehr als 110-jährigen Tradition ist das bestimmt so, in der sportlichen Realität wäre es aber vermessen, diesen Anspruch zu äussern. Gibt es noch alte Nordsternler, die dem Verein die Treue halten und die Spiele besuchen? Zu den Spielen kommen nur noch eine Handvoll Zuschauer, davon einige alte „Kämpen“. Aber immer, wenn man an irgendeinem Stammtisch oder sonstigen Anlass auf das Thema FC Nordstern kommt, wird jeweils klar, wieviel Sympathisanten der Verein in der Region noch immer hat. Es gibt einen Hardcore-Fan (Fritz Gerber) der geht noch heute an jedes Spiel ob Heimoder Auswärtsmatch.

decken, dies nur, um die Liga zu halten. Sein Credo ist nun: Wenn er Geld investiert, dann nur zum Wohle des Gesamtvereins. Damit ist auch die sportliche Talfahrt des FC Nordstern zu erklären, als Gegenwert haben wir heute einen gesunden Verein der breit abgestützt ist. Nur um an die Spitze des Amateurfussballs zu gelangen, braucht es heute finanzielle Aufwendungen, die in den 80-er Jahren dem FC Nordstern noch gut für die Nationalliga A gereicht haben. Wir wünschen dem FC Nordstern viel Erfolg und weiterhin viel Spass bei diesem Verein mit so grosser Geschichte! Herzlich Dank für das Interesse am FC Nordstern, es hat sehr viel Freude bereitet, ihre Fragen zu beantworten. Diese haben auch einiges an Recherchen erfordert. Dem FC Kreuzlingen wünsche ich viel Erfolg in der 2.Liga Interregional, wie ich gesehen habe, mischt ihr ja wacker an der Spitze mit. Herbert Hostettler

Wäre eine Rückkehr in den SpitzenAmateurfussball für den Verein vorstell- Nordstern Basel 2014/2015, 3. Liga: bar? Beim heutigen Umfeld eher nein, der amtierende Präsident (H. Hunziker) ist nicht mehr bereit, Geld für Trainer oder Spieler in die Hand zu nehmen. Eine gesunde finanzielle Basis des Vereins steht vor dem sportlichen Erfolg. Von 1999 – 2011 spielte der FC Nordstern in der Interregionalen 2.Liga, während dieser Zeit musste der Präsident jeweils ein jährliches Defizit von Fr. 150‘000 70


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~ Zeitspiel~ Im März erscheint das neue FussballMagazin „Zeitspiel“ welches sich dem ambitionierten Fussball unterhalb der Profi-Ligen widmen will. Herausgegeben wird die Zeitschrift von Frank Willig (nordvier) und dem umtriebigen Göttinger Fussball-Anhänger Hardy Grüne, welcher an über 100 Fussballbüchern beteiligt war. In der Premieren-Nummer, die Ende März erscheinen wird, geht es u.a. um folgendes:

Kultklub US Pro Vercelli, Italien. Krisensitzung aktuelle Berichte über Klubs in der Krise („Insolvenzticker“). Fankurve: Porträt Fanszene – lasst euch überraschen, welche es sein wird.

Groundhoppers Dream: Ziel wird nicht verraten. Was war da los? Spandauer SV Around the Football World: Kurzgeschichten aus der Fußball-Welt.

Zeitspiel Schwerpunkt: Überleben im Turbokapitalismus: Dritt- bis sechstklassige Fußball-Panorama: Stadion wird nicht verFußballvereine im Spannungsfeld zwischen raten. Profi(t)fußball, TV-Geldern, Insolvenzgefahr Buchmacher Buchbesprechungen und einbrechenden Zuschauerzahlen. Dazu kommen Rubriken Fußball-Legenden: Borussia Fulda gestern, wie Kleiderkammer, Zeitreise, Shootingheute und morgen. star, Wappenstube, Eintagsfliege, Lokalrunde (Kleine Vorstellung FC KreuzlinGlobal Game: Tansania und sein Fußball. gen), Singing Area, Abstauber, Kultstätte, Mottenkiste: Fußball in Schlesien, Teil 1: Hagen’s Collectors Corner, Alle Tassen Breslau im Schrank und Derbystimmung. Gästeblock: MDCC-Arena Magdeburg. Newsticker: aktuelle Entwicklungen im deutschen Fußball zwischen 3. Liga und den Landesligen.

Abo und Bezug: http://www.zeitspiel-magazin.de

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~ Stadt-Milieus ~ Restaurant Adler, Kreuzlingen

den.

Im Restaurant Adler an der Unterseestrasse 2 in Kreuzlingen entstand Anfang der siebziger Jahre eine ganz spezielle Szene. Die von Lina Maccarini geführte Beiz zog neben dem italienischen Stammpublikum Intellektuelle aus der ganzen Umgebung an. Neben Hochzeiten, Taufen, Kommunion– oder Erst-Maifeiern war der Adler Treffpunkt: Die Gäste diskutierten nächtelang über Politik und schmiedeten Pläne, um die Welt zu verändern. Professoren, Studentinnen und Studenten der Uni Konstanz gehörten genauso zum Publikum wie das Personal des Spitals in Münsterlingen oder Lehrer des Seminars in Kreuzlingen. Zudem war der Adler Vereinslokal der italienischen Fussballmannschaft Kreuzlingens.

Während am Sonntag vor allem Familien im Restaurant das gute Essen genossen, war die Zeit nach 23 Uhr die Stunde der Intellektuellen. Wie es dazu kam, weiss niemand so genau. „Da war wohl mal ein Student, der vorbeikam, es hat ihm gefallen und am nächsten Tag brachte er ein paar andere mit. Ich stellte gleich eine Korbflasche mit Wein auf den Tisch, die Leute fühlten sich wohl.“

Lina Maccarini kam 1946 mit 21 Jahren nach Kreuzlingen, um in einem Café zu arbeiten. Gemeinsam mit ihrem Mann übernahm sie 1960 das Restaurant Adler. Während Frau Maccarini die Beiz führte und kochte, war ihr Mann für den Salat und den Einkauf zuständig. „Es war eine riesen Arbeit. Ich kam nie vor zwei Uhr ins Bett, und je nachdem musste ich dann um 5 Uhr aufstehen, um der italienischen Fussballmannschaft Schinken und Ei zu kochen, damit die Spieler gut genährt zum Auswärtsspiel nach Rorschach fahren konnten“, erzählt Frau Maccarini in gebrochenem Deutsch. Die ersten sieben Jahre machte sie keine Ferien, der Adler war 20 Jahre lang nie geschlossen und immer voll. „Wenn es keinen Platz mehr hatte, mussten die Leute halt zusammenrücken“, erklärt die Wirtin. Die Bocciabahn im Garten war fest in italienischen Hän-

Jeden Tag wurde ein Menü gekocht, Suppe, Teigwaren, Gemüse, Polenta, Kaninchen, gespickter Rindsbraten spezial, Canneloni, Lasagne (alles handgemacht!) und Zabaione. Es kam auch vor, dass die Leute anriefen, um ihren Menüwunsch anzugeben. Der Preis wurde je nach Kunde oder Kundin angepasst, „wenn jemand nur 5 Franken dabei hatte, bekam er trotzdem was zu essen.“ Zum Teil wurde auch noch nach 23.00 Uhr Essen angeboten. „Wir gehen noch zu Lina“ sagten sich alle, die nicht um Mitternacht nach Hause gehen wollten. Mit der Polizei hatte die Wirtin nur einmal Probleme. „Das waren aber nicht Polizisten der Gemeinde, die waren vom Kanton. Wenn es nach Mitternacht klopfte, sind einfach alle Gäste nach hinten verschwunden. Die Leute waren immer anständig, und wenn es einmal laut wurde, griff ich entschieden ein, der gute Ruf war mir immer sehr wichtig.“ Doch nicht nur die Öffnungszeiten und das gute Essen waren Anziehungspunkt für die Szene im Adler. Neben Gleichgesinnten suchte man auch die Gesellschaft der Wirtin. „Ich bin eine Linke, ich bin für die Menschen, nicht für die Reichen“, erklärt Frau Maccarini ihren politischen Stand-

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~ Stadt-Milieus ~ punkt. „Es war eine schöne Zeit, wir waren eine grosse Familie. Viel Arbeit, die Leute waren zufrieden und ich konnte immer gut schlafen“. Das Einzige, was Lina Maccarini noch heute ein wenig wurmt ist, dass die ganze deutschsprachige Kundschaft in der italienischen Atmosphäre auch italienisch mit ihr sprechen wollte. „Wie hätte ich so richtig deutsch lernen sollen?“ Lina Maccarini war sehr beliebt. „An meinem fünfzigsten Geburtstag war die Stube voller Blumen, es gab in ganz Kreuzlingen keine Blume mehr zu kaufen“.

beschloss 1988 auf dringendes Anraten ihres Mannes, den Adler aufzugeben. „Am Anfang hatte ich unglaublich Heimweh nach dem Adler, ich vermisste die Arbeit und natürlich die Leute. Sie sprechen mich noch heute auf der Strasse an und trauern um das Lokal“. Einige Kontakte sowie viele gute Erinnerungen sind zwar geblieben, doch die spezielle Atmosphäre und die Szene im Adler ging mit dem Weggang der Wirtin zu Ende. Nachtrag GK: Noch heute leben Lina und Zeno Maccarini in Kreuzlingen.

Text aus: Kreuzlingen - Kinder, Konsum Dank dem grossen Erfolg der Beiz war und Karrieren, 2000 dem Ehepaar Maccarini 1980 möglich, den Adler zu kaufen. Mit der Zeit wurde die Arbeit jedoch zuviel und die Wirtin

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~ Matchprogramme ~ Stadionzeitungen, Stadionprogramme oder wie es in der Schweiz so schön heisst, Matchprogramme, kennen wir als Selbstverständlichkeit bei Fussballspielen seit unserer Kindheit. Zentraler Bestandteil sind die Mannschaftsaufstellungen, aber auch die aktuelle Tabelle, Spielervorstellungen, ein Vorwort des Vereins und Statistiken gehören zu den meisten Heften. Genauso wichtig sind sie als Einnahmequelle der Vereine, ist doch oft mehr als die Hälfte des Platzes für Inserate des örtlichen Gewerbes reserviert.

Mutterland der Matchprogramme ist, kaum verwunderlich Grossbritannien. Als eines der ältesten bekannten Fussballprogramme gilt ein Exemplar des Spiels Queens Park Glasgow gegen die London Wanderers von 1875. In den ersten Jahrzehnten gab es nur „Matchcards“, auf der Vorderseite mit den Mannschaftsaufstellungen und auf der Rückseite mit regionaler Werbung bedruckt. Aus den Matchcards wurden mehrseitige Hefte und in der Weiterentwicklung qualitativ hochwertige Informationspublikationen, die sich sehr schnell zu beliebten Manche der Hefte erscheinen seit Jahrzehnund langjährigen Sammlerobjekten entwiten unter gleichem Namen, wie das Fohlen ckelten. Echo (Borussia Mönchengladbach) seit 1965, das Geissbock Echo (1.FC Köln) seit Im Jahr 1967 sorgte Coventry City mit der 1957, hinein (1.FC Kaiserslautern) seit 1947 Veröffentlichung seines farbigen Stadionhefts für einen weiteren Meilenstein, der oder der Schalker Kreisel seit 1971. schnell von den anderen Vereinen über-

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~ Matchprogramme ~ nommen wurde.

ballfreunde, welche auch bei kleinsten Auflagen alle zwei Wochen zum Heimspiel ein Während die Stadionzeitungen der Profivielseitiges Heft auf die Beine stellen. Vereine heute als voneinander kaum zu unterscheidende Hochglanzprodukte daher- Im Schweizer Amateurfussball gibt es nur kommen, waren die Programme auf der In- wenige positive Ausnahmen. Das vielleicht sel lange Zeit phantasievoll und grafisch bekannteste dürfte Dr Bärner sein, dass interessant gehalten. Matchprogramm vom FC Bern (siehe Grenzstadtkurier Nr. 9) gibt es seit 1916, erscheint Wie sieht es unterhalb der Profi-Vereine allerdings nur in unregelmässigen Abstänaus? Bei den Schweizer Amateurvereinen den. Praktisch alle aufwändiger gemachten trifft man meist auf eine Einöde aus bestenHefte (FC Freienbach, Zug 94) erscheinen falls vielen Inseraten, der Mannschaftsaufleider nur als Vereinshefte mit einem Einlastellung und, mit Glück, noch einem Vorwort geblatt zu den Spielen. Unser eigenes des Präsidenten. Auf der anderen Seeseite, Matchprogramm beim FC Kreuzlingen bei den Vereinen des südbadischen Fussdürfte mit 36 Seiten und unter 50% Inseratballverbandes, sieht es etwas besser aus. Anteil unterhalb der Challenge League wohl Wohl aus einem einfachen Grund, im südeines der aufwändigsten sein. deutschen hält sich die „Vereinsmeierei“ besonders gut und es finden sich eher Fuss- Als in den 40er/50er Jahren die Hefte auf der

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~ Matchprogramme ~ Insel immer interessanter gedruckt wurden, begann die Sammelleidenschaft der Engländer zu erwachen. Seit Jahrzehnten, bis zum heutigen Tag, werden die Spielprogramme in Grossbritannien leidenschaftlich gesammelt und gehandelt. Es gibt nicht nur grosse Sammelbörsen, selbst auf Spielprogramme spezialisierte Läden und Mailorder findet man in England zuhauf. Im deutschsprachigen Raum werden die Stadionzeitungen seit den 80er-Jahren gesammelt, wobei es sich in unseren Breitengraden wohl eher um eine kleine Nische handelt. Eine gewisse Popularität geniesst das Sammeln der Hefte auch in den ehemaligen Ländern der Sowjetunion (seit den 70ern), den Niederlanden und Schweden. In Südeuropa scheint das Phänomen kaum verbreitet.

Man muss sich heutzutage aber nicht mehr nach Grossbritannien begeben, um in Börsen oder Läden nach alten Fussballschätzen zu suchen, auch wenn dies natürlich auch heute noch am schönsten bleibt. Neben zahlreichen Foren und Handelsgruppen (auch auf facebook) findet der Sammler allein bei ebay.co.uk über 48‘000 Angebote. Grosse Mailorder bieten jeweils über 50‘000 gut sortierte und mit Zustand bewertete Exemplare. Preislich unterscheiden sich die Angebote stark. Wie bei allen Sammelobjekten bestimmen Exklusivität, Zustand und Nachfrage den Preis. Hefte aus den 50er-Jahren sind oft schon für 1 bis 8 Pfund zu haben und gerade aus dieser Zeit gibt es grafisch sehr schön illustrierte Hefte zu erstehen. Bereits deutlich teurer sind Hefte aus den 30er-Jahren, diese Exemplare

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~ Matchprogramme ~ sind zwar noch einiges einfacher gehalten, jedoch deutlich seltener erhalten geblieben. Während Reprints für wenige Pfund erhältlich sind, kosten die Originale aus dieser Zeit meist über 30 Pfund, oft finden sich auch Hefte im dreistelligen Pfund-Bereich. Selbst gefälschte Stadionprogramme sind immer wieder im Umlauf. Gehandelt werden alte Fussballprogramme auch bei den klassischen Auktionshäusern wie Sotheby‘s. Auch hier gibt es laufend drei– und sogar vierstellige Pfundbeträge für gesuchte Ausgaben. Während meiner Recherche tauchte in einer Sammelgruppe ein Exemplar des FC Burnley von 1909 auf, die WertSchätzungen schwankten zwischen 1‘500 und 4‘500 Pfund für das gut erhaltene Exemplar.

Die im FCK-Archiv befindlichen Matchprogramme (damals noch eher „Matchcards“) mit englischen Gastteams (West Ham, Ever -ton, Oxford City) dürften aufgrund ihrer Seltenheit (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überlebte kein anderes Exemplar die 80 Jahre) also eine beachtliche Summe wert sein (Grenzstadtkurier Nr. 7). Dementsprechend hat mein Post in einer International gebräuchliche Abkürzungen für Angebote, bezieht sich auf das Titelblatt Cr / zerknittert / creased Sl cr / geringfügig zerknittert / slight creased Rs / rostige Heftklammern / rusty staples Sof / Ergebnis auf Titelseite / score on face Gr / schmutzig, schlecht / grubby Wof / Kommentare auf Titel / writing on face Nof / Nummerierung auf Titel / number on face Ph / gelocht, Heftzwecken / punched holes Tc / Riss in der Titelseite / torn cover Cell / mit Tesaband repariert / cellotaped Tm / Gutschein fehlt / token missing Fld / (in der Mitte) gefaltet / folded Sld / befleckt / soiled S/s / Einzelblattprogramm / single sheet PS / Pressezettel

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/ Press sheet


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~ Matchprogramme ~ einschlägigen Sammlergruppe ein begeis- mullocksauctions.co.uk tertes Echo ausgelöst. footballsportsauctions.co.uk Auch in der Schweiz werden Matchprosportingoldauctions.co.uk gramme gehandelt, wenn auch in sehr überschaubarer Zahl. Bekanntester Anbieter footballmemorabilia.com dürfte das Sportantiquariat von Gregory footballprogrammes.com Germond in Zürich sein. Derzeit befinden sich etwa 350 Matchprogramme im Angebot, old-football-programmes.co.uk hauptsächlich von Schweizer Vereinen. Die footballprogs.co.uk Preise bewegen sich zwischen 12 Franken (z.B. NLA-Matchprogramme aus den 70er- bobsfootballprogrammes.com Jahren) und 150 Franken (z.B. FC Young brentside.co.uk Fellows Zürich vs. Ferencvaros Budapest, football-programmes.net 1933 oder Alpen-Cup-Spiele). Links zum Thema:

collectsoccer.com

stadionheft.de

dickrattrayfootballprogrammes.com

sportantiquariat.ch

lt-footballprogrammes.co.uk

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~ Architekt & Geniesser ~ Dani Kehl Schützengarten Film und Wienerli. Als ich am Abend nach Hause kam, sass schon der Pfarrer in unserer Stube und sagte ernst, man habe mich am Umzug gesehen. – Nach der Kirche ging man sonntags auf die Kreuzbleiche an den Fortuna-Match. Die Spieler mussten die Tore noch selbst im Zeughaus holen und aufstellen. Der alte Fortuna-Platz ging gegen den kleinen Hügel hin aufwärts. Beim Penalty mussten sie Sägemehl unter den Ball legen, damit er nicht herunterrollte. – Es gab keine Kasse. Der Vereinskassier Meier ging rund um den Platz herum und wer nicht bezahlen wollte, wechselte einfach auch immer die Seiten.” „Nur

zwei Awaysiege in achtzehn Spielen“ lautet die Schlagzeile im „Sport“. Und der zweite Bund lockt mit dem „Murtenlauf in neuer Bestzeit“. – Vier Buben sitzen 1935 auf dem Hügel hinter dem Tor auf der St.Galler Kreuzbleiche und lesen Zeitung – konzentriert, ja fast heiter. Die vier Freunde stammen aus einfachen Verhältnissen und lesen. – Der Junge links, Ernst Heeb, wird später ein stadtbekannter Architekt und Kunstliebhaber. – Einer der drei anderen ist Toni Rüesch, der es als Goalie vom kleinen Quartierklub FC Fortuna über die Zürcher Young Fellows zu Servette und bis in die Schweizer Nati schafft. Nach seiner Karriere eröffnet er in Genf ein Café, später verliert sich seine Spur. Die beiden Freunde sehen sich nie mehr. – 2010 feiert der FC Fortuna das 100-Jahr-Jubliäum. Über eine Arbeitskollegin erfahre ich die Geschichte von Toni Rüesch und ihrem Vater Ernst Heeb. – Eine unvergessliche Begegnung: Wir sitzen auf der Gartenterrasse und Heeb beginnt zu erzählen: „Tonis Vater war Bähnler und ein fanatischer Sozialist. Einmal zog mich Toni mit an den 1.Mai-Umzug. Nachher gabs im

Ernst sammelt alle Zeitungsauschnitte seines Freundes Toni und klebt sie in ein Heft ein. Auf das eine Foto aus der Schweizer Kulturzeitschrift „DU“ ist Heeb besonders stolz: Es wurde als Sportfotografie des Jahres ausgezeichnet. 1980 verstirbt Toni Rüesch erst 58-jährig in Genf. Heeb bewundert die Fähigkeiten seines Jugendfreunds bis zuletzt: „Tonis Stärke waren die Reflexe auf der Linie, er konnte den Ball wie eine Katze fischen.“ – Auf der Todesanzeige von Ernst Heeb steht: 1923 -2015, Architekt und Geniesser. Text: Dani Kehl, knappdaneben.net

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~ Homes of Football ~

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~ Homes of Football ~ Seagulls Roar! - Ausstellung in der Didi:offensiv-Bar Basel November 2015 bis M채rz 2016

Neues Buch von Stuart Roy Clarke: Homes of Football Britische Fussballkultur in den 90er-Jahren

http://homesoffootball.co.uk

Zahlreiche Original-Bilder von Stuart Roy Clarke sind im Clubhaus des FC Kreuzlingen ausgestellt. 81


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~ Waldstadion am Erbsenberg ~ Nicky Kassner Nachfolgender Text ist von Nicky Kass- Oberliga war. Als Fritz Walter als junger ner, dessen Blog stahlwerknk.com ich an Spieler des FCK, Trainer des VfR war. Als man als Spieler der “Blauen” nicht zu den dieser Stelle empfehlen möchte. “Roten” wechselte. Anmerkung GK: Der VfR Kaiserslautern spielt heute in der 9.-Klassigen A-Klasse Der ältere Herr im Kiosk hinter der alten Kaiserslautern-Donnersberg. Die Holztribü- Holztribüne, er kennt sie noch, die Gene stammt noch grösstenteils von 1925. schichten über das Stadion. Über die alte Anzeigentafel, die schon lange nicht mehr Von außen empfängt der Lautrer Erbsensteht und an die man die Zahlen noch mit berg seine Besucher mit frischer Farbe. langen Stöcken anhängen musste. Als Doch wenn man die wenigen Stufen zum “Stefan´s Vater” Günter Kuntz hier noch im eigentlichen Stadion erklimmt, fühlt man Mittelfeld wirbelte und nach Neunkirchen sich, als würde man eine längst vergessene wechselte, weil man ja zu den “Roten” nicht Zeit betreten. Von Bäumen umsäumt wirkt durfte. Damals gab es noch diese Rivalität, das Waldstadion irreal, wie ein Ort, an dem heute erzählt der Rentner stolz, dass er die Uhr einfach stehen geblieben ist. Sie schon seit 50 Jahren Mitglied bei den Roten zeigt eine Zeit, die man heute nur noch von und bei den Blauen ist. Es ist ja nicht mehr vergilbten schwarz-weiß Bildern kennt, als wie früher, hört man ihn öfter sagen und die “Willimowski”-Elf, benannt nach dem seine Augen verraten, dass ihm das “früher” ehemaligen polnischen und deutschen Natifehlt. onalspieler Ernst Otto Willimowski, der Anfang der 50er-Jahre fester Bestandteil der Mit Wehmut spricht er vom Zustand des Sta-

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~ VfR Kaiserslautern Nicky ~ Kassner dions. Die Gegengeraden, bestehend aus

Stehstufen, drohten der Natur zum Opfer zu fallen. “Man bräuchte schon jemanden, der den ganzen Tag nichts anderes macht, als das Stadion in Schuss zu halten”, dabei machen seine Zeigefinger und sein Daumen die altbekannte Geste. Auch die alte Holztribüne hat schon bessere Tage erlebt, doch noch

steht sie da. Stolz, von Witterungen gezeichnet und irgendwie doch wie ein Symbol des VfR. Die junge Mannschaft gewinnt in einem ansehnlichen Pokalspiel 2:0 gegen die Gäste aus Schopp und der ältere Herr errrechnet, mit Stift und Notizblock, in seinem Kiosk

den Umsatz des Tages. Irgendwie hofft man als Besucher, dass die Uhr noch lange stehen bleibt. Die Vereinskneipe aus früheren Tagen unter der alten Holztribüne gibt es nicht mehr. Dafür findet man einen Anbau am Stadion in dem es heute eine Pizzeria gibt, in der die Besitzer augenscheinlich nicht soviel von der Vereinstradition halten. Alte Bilder, Wimpel oder Pokale sucht man hier vergebens. Auch ein Vereinsarchiv gibt es leider nicht, es scheint als wäre das Stadion das einzige was noch übrig geblieben ist. Ernst Otto Willimowski, spielte von 1951 bis 1955 für den VfR. Wurde diverse Male polnischer Meister und Torschützenkönig. Er war der erste Spieler, der bei einer WM vier Tore schoß und er wiederholte das Kunststück als deutscher Nationalspieler nochmals. Mit dem TSV 1860 München gewann er 1942 den Tschammerpokal gegen die damals “großen” Schalker. Ernst Willimowski ist der einzige Spieler, der als Torschütze sowohl gegen Deutschland (am 9. September 1934 beim 2:5 in Warschau) als auch für Deutschland erfolgreich war (13 in 8 Spielen).

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~ Schöner Singen! Andreas ~ Gläser „Schö-ner sing-en!“ skandierte kurz nach dem Millenium ein junger Mann auf einem Punkkonzert im Kellergewölbe vom Zosch dauernd, wobei niemand einstimmte, denn es war vorher klar, was von dieser Trinkerkohorte geboten werden würde, die bald auch nicht mehr existierte. Im Kopf geblieben ist mir die Forderung des Rufers im Gewölbe, schöner zu singen. Als im Frühjahr 2009 Freund Gigor vorschlug, einen Männerchor zu gründen, zusammen mit einigen anderen Stimmwundern unter den Fans vom BFC Dynamo, kämpfte ich sofort für den Namen, den ich seit vielen Monaten auf Lager hatte: „Schöner singen!“ Ich war entschieden gegen andere Vorschläge wie „Männer Core“, wo Chor im Schriftbild als Core erscheinen sollte, also englisch für Kern. Das war zwar nicht so schlecht, aber einen Namen durfte man nicht erst aufschreiben und erklären müssen; der sollte doch bitte schön gleich die Ansage sein, das Programm. Wenn der Name nach bemühter Kunst klänge, wäre es mit der Kunst auch schon vorbei. Ich machte meine Teilnahme davon abhängig, ob mein Vorschlag als Dogma akzeptiert wird. Na gut, haben alle gesagt, wirklich klasse. Des weiteren war ein Übungsraum gefragt, möglichst eine urige Kneipe mit Hinterzimmer, Klubraum genannt, also eine klassische Gebärmutter eines Männerchores. Ich schlug das „Stübchen“ vor, eine Eckkneipe, die mittig zwischen zwei Kreuzungen liegt, schräg gegenüber von meiner Wohnung, sehr praktisch. In der „Stube“ lässt es sich aushalten, die Kunden können ignoriert werden, wobei ich einige von meinem Gang zur Kaufhalle für den Adel kenne, vom flüchtigen Blick zu ihnen herüber. Sie hängen fast täglich dort ab und schwadronieren über Schnapszahlen. „5,55“ hab ick bezahlt, müssn wa een trinken!“ Und so lange wie an den Pullen genuckelt

wird, gilt es, den lustigen Preis zum Thema zu haben. Die Kassiererinnen unserer Kaufhalle für den Adel müssen darauf einsteigen, ganz anders als die Kolleginnen der Kaufhalle für den Assi, die in jedem Kunden einen Klauer sehen müssen, weshalb sie ein Auge in den leeren Korb werfen. Was der 30Sekunden-Mitmensch trinkt, kann ihnen egal sein. Grüßen, abkassieren, verabschieden, vergessen. Eine Kassiererin der AdelsKaufhalle muss mehr sagen als „Guten-Tag5,55-bitte-Vielen-Dank-Einen-schönen Tagnoch-Danke-Ihnen-auch.“ Die muss ihre Kasse abschließen und mit den Herren draußen einen trinken, zwei rauchen und sich über die 5,55 amüsieren. So jedenfalls sieht die Kundschaft der „Stube“ aus. Wer nicht den Fehler macht, nüchtern hinein zu gehen, hat die Chance, den Abend standesgemäß abzurunden. Hier dudelt der Einfachheit halber der Berliner Rundfunk die Lieder rauf und runter, die ich vor 30 Jahren gerne auf Kassette gehabt hätte. Das Inventar besteht aus retrospektiven Gerümpel, das vor vielen Jahren modern war. Unter anderem das unvermeidliche Poster mit den US-Berühmtheiten am Billardtisch: Marilyn, Franky, Jimmy und andere. Sie sind im Himmel und können nichts dafür, denn das Persönlichkeitsrecht galt zu ihren Lebzeiten noch nicht für Übersee. Der Fernseher hängt in der Ecke schräg oben. Es gibt keinen Platz von dem aus man sich nicht den Hals verrenkt. Blöde Sicht, der Ton ist nicht besser. Die Brabbelköpfe neben einem sind lauter. Ich hatte es schon erlebt, dass in der „Stube“ gesungen wurde, zumindest ansatzweise. Ein Typ hatte einen Hans-AlbersKlassiker angestimmt, blieb aber hängen wie in einem Möbiusband. „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins / ob du ´n Mädel hast oder ob keins / Auf der Reeperbahn nachts um halb eins / ob du ´n Mädel hast oder ob keins / Auf der Reeperbahn …“ Von all dem

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~ Schöner Singen! Andreas ~ Gläser Elend merkt man im hinteren Klubraum weniger, trotz fehlender Zwischentür, wenn man selber laut genug schreit. Irgendwann kam es zum ersten von Gigor initiierten Männerchorabend. Er und Titus trafen vor mir in der „Stube“ ein und offenbarten sich sofort der Tresenfrau: „Guten Abend! Wir werden heute hier singen!“ Meine forschen Jungs ließen sich im Klubraum nieder. Zehn Minuten später betrat ich die „Stube“ und grüßte einige unsportliche Tresentrinker, worauf sie ihr Gebrabbel unterbrachen und die Mundwinkel verzogen. Coole Typen eben. Sie trinken tagsüber vor der Kaufhalle und abends in der Stube, dank der väterlichen Hartzer und dem mütterlichen Erbe. Nein, sie mussten mich nicht grüßen, denn ich war nur ein umherirrender Schwabe. Meinen Abendgruß verstanden sie ganz richtig als „Na, ihr Idioten!“ Das Herrchen des Zottelhundes ließ die Leine locker und lachte fies. Ich wurde angekläfft, wagte aber nicht zu fragen, wo die beiden ihre Maulkörbe hätten. Umso übertriebener grüßte ich meine Chorknaben mit einem lebensfrohen „Dy-namo!“ Schon mal als allgemeine Ansage, was in etwa gesungen werden würde. Ich hatte sogar einen Text dabei. „He, he, he - das ist der Sport an der Spree!“ Fünfmal ausgedruckt, auch für Puni und Janusz, die nun eintrafen. Plötzlich wollte die Wirtin Gigor einreden, er hieße Ingo und hätte 14 Tage

zuvor zwei Knacker gegessen, aber nicht bezahlt. Der Angeklagte verteidigte sich: „Ick bin dit erste mal hier!“ „Is mir ejal, macht 3,20.“ „Dann bring noch eene, macht 4,80.“ Ein Chorknabe nach dem anderen forderte eine Wurst. Es entwickelte sich eine zarte Romanze zwischen Puni und der Wirtin, obwohl sie der Meinung war, er könne ihr Sohn sein und wäre bekloppt. Ungefragt nannte jeder Chorknabe sein Alter, wir kamen auf einen Durchschnitt von 22 Jahren, vor allem dank Puni, der bald Jugendweihe hätte. Nachdem wir unser einziges Lied fünfmal gesungen hatten, kam die Frage auf, wo wir auftreten würden. Eine Antwort lautete: „Da wo wir sonst och singen, im Stadion, im Block.“ „Nee, muss mindestens im Vereinsheim sein.“ „Au weia, lass die Leute in Ruhe Bundeslija kieken.“ Auch ein Punkkonzert kam in Betracht, mit uns als Vorgruppe, obwohl mir schwante, wir würden schüchterner sein als das Publikum. Immerhin wurden wir inzwischen von der Stammkundschaft im „Stübchen“ akzeptiert. Das Zottelhundherrchen beugte sich zu mir und gestand: „Tach, ick bin Maik.“ Ich entgegnete kollegial: „Tach Maik, will dein Hund ne Knacker?“ „Nee, sonst bellt der morjen nich mehr.“

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~ Ähnliche Vereinswappen ~ Stimmte auch wieder, denn die Knacker war außen so grausig grau und innen so wabbelig weich. Meine Tierliebe genügte, um dem Hund die Wurst zu verweigern. Wir fragten uns, wo die verantwortliche Wirtin wäre und bekamen heraus, dass sie mit Puni in der Küche die Jugendweiheklamotten anprobierte. Als beide zurück kamen, gestand Puni, dass sie Michaela hieß. Ich fasste Mut, um mich zu beschweren: „Du, Michaela, deine Knacker jehn überhaupt nich!“ „Ham bisher alle jejessn.“ „Na, kiek dir deine Jäste an.“ Disziplin herrschte bei „Schöner singen!“ nicht. Es kam zu vier oder fünf Chorabenden, doch zu keinem Auftritt. Plötzlich kümmerte sich der eine Sängerknabe vermehrt um seine Schichten und der andere um seine Schulden. Doch mir wurde überliefert, dass unser angedachter Auftritt bei den Umland-Skins von „Oi! The Nische“ zur Folge hatte, dass ein in Oranienburg ansässiger Männerchor der Freiwilligen Feuerwehr zum Gefallen aller ein Punkkonzert eröffnete. Ist doch schön. Text: Andreas Gläser Veröffentlicht in „Knuts Opa war Nazi!“ Abbau-Verlag

FC Wettingen Der 1993 Konkurs gegangene FC Wettingen hatte ein verblüffend ähnliches Vereinslogo. Grösster Erfolg des Vereins: 1989 trat Diego Maradona mit dem SSC Napoli im UEFA-Cup beim FC Wettingen an. Nach einem sensationellen 0:0 im Stadion Altenburg ging das Rückspiel unglücklich mit 2:1 verloren. Grösste Verbindung zum FCK: Der Wechsel des Kreuzlingers René Benz zum damaligen Profi-Verein und ein Cup-Spiel 1983 zwischen dem 1. Ligisten Kreuzlingen und dem NLA-Vertreter Wettingen im Hafenareal, vor 2’100 Zuschauern endete die Partie mit 2:5. Auf Fan-Ebene war die Ritterfront Wettingen lange Zeit zusammen mit den Fans von Vevey Sports und uns Kreuzlingern die einzig nennenswerte Fangruppe im Schweizer Amateurfussball. Heute sieht das wunderbare Stadion Altenburg nur noch 2.-Liga-Fussball vor schmaler Zuschauerkulisse. Man sagt sich, dass ein letzter Fan mit seinem 90er-Jahre-Schalrock noch heute auf der Gegentribüne stünde.

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~ Fussball & Fankultur ~ Stadt, Brot und Spiele Verlag…. …nennt sich ein kleines Büchlein, herausgegeben von einem Schweden und einem Hamburger aus dem Aargau. Der Enthusiast bekommt das gute Stück gegen ein frankiertes Couvert und 20er-Nötli direkt nach Hause geliefert. In der Form ähnelt es einem Schweizer Reisepass, liegt praktisch in der Hand und passt in jede Westentasche (Westentasche – da ist uns wieder etwas Schönes verloren gegangen – in die Harringtontasche vielleicht?). Das Aussenmaterial ist abwaschbar und passt ganz gut an die Orte von denen das Büchlein erzählt – den Kleinoden der alten Stadionarchitektur, den diese umgebenden, meist etwas schäbigen Stadtvierteln und den deftigen Speisen die dort, oder direkt in den Stadiontavernen, serviert werden. Garniert mit passenden Sprüchen alter Dichter. Berlin, Hamburg, Lisboa, Napoli, Wien, Istanbul. Hackepeter, Bierbeisl, Schmorgurken, Zingara und Lahmacun. Cerveja oder Ayran. Die Buchstaben in Stadt, Brot und Spiele sind spärlich, doch jedes Wort ist keines zuviel und die Bilder sprechen eine Sprache, die wir Fussballromantiker alle verstehen. Warum lange Texte, es ist alles gesagt mit den Speisen, den Vierteln, der Kultur und den Stadien, die Geschichte atmen. Eine kurze Angabe der Stadtbahnlinie zu den Orten der Hoffnung muss reichen. Die Stadien (und nicht Arenen) sind die Fixpunkte der Reisen, ganz unaufgeregt und selbstverständlich – wie es bei allen, diese Liebe teilenden Verrückten und Normalen, der Fall ist. Gläser hat das letzte Woche sehr schön in seinem Text Prag sehen und gehen beschrieben (“deren Stadien waren unsere Moldaubrücken”). Eine Leidenschaft die verbindet. Stadt, Brot und Spiele wurde über wemakeit.com finanziert. Dort konnte jeder,

der Sympathie für das Projekt hegte, eine Vorfinanzierung leisten und die beiden mit dem Geld auf Reisen schicken. Für 22 Franken bekam man eine Postkarte von unterwegs, für 33 Franken eine Einladung zur Vernissage, für 55 Franken unter anderem das Buch per Götterbote Hermes hausgeliefert, für 99 Franken selbiges in Leder gehüllt, gewidmet und mit Tinte signiert und für 222 Franken kamen die beiden Herren gleich selbst mit dem kleinen Werk in die eigene Stube geschritten, um sodann am heimischen Küchentisch von den erlebten Geschichten in fremden Städten zu berichten und aus dem Büchlein vorzulesen. Mit dieser sympathischen Idee kam eine recht stattliche Summe zusammen und Stadt, Brot und Spiele konnte entstehen. Zum Glück. All to nah, Nr. 22 Fanzine des Altonaer FC 1893 Letzte Woche erreichte mich die 22. Ausgabe des All to nah. Die Rundschrift der Anhänger/innen des Altonaer Fussball-Clubs von 1893 wird von mir immer sehnsüchtig erwartet, deckt sie doch meine Leidenschaften perfekt ab. Altona 93 ist ein Synonym für gelebte Fussballfreuden nach alter Schule, die Adolf-Jäger-Kampfbahn ein verheissungsvoller Ort der Fussballromantiker. Ich war übrigens noch nie dort, die Verklärung

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~ Fussball & Fankultur ~ aus der Ferne für den Hamburger Oberligisten dürfte also besonders gross sein. Die Titelseite der neuen Ausgabe kommt mit einem Kunstdruck daher und im Innenteil warten auf den Leser wieder zwei von Künstlern gestaltete Sammelkarten mit Altonaer Fussballbezug. Ebenfalls nicht fehlen darf Fussballpoesie, diesmal aus der Feder des Dulwich Hamlet – Poeten. Natürlich gibt es auch viel Geschichtsbezug, ein Vorabzug aus einem neu erschienenen Buch über Adolf Jäger etwa oder die tolle Rubrik “Altona 93 auf Sammelbildern” welche sich diesmal mit Heldentypen der 50er-Jahre beschäftigt. Auch immer schön: AFC-Fans from abroad, hier schreiben auswärtige Fans über ihre Beziehung zu Altona 93. Hauptthema des Heftes, wie schon kurz angedeutet: Helden. Wie wird man Held, wozu braucht man Helden. Passend dazu ein Interview mit dem Altona-Superman, einem Amerikaner welcher im Superman-Kostüm die Spiele des AFC besucht, sowas gibts wohl nur an der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Habe ich erwähnt, dass es in der letzten Ausgabe ein Angelspiel mit einem FC Kreuzlingen – Fisch gab? Meine Freundin fasst es nicht, über was für kindische Dinge wir Fussballfreunde uns über die Grenzen hinweg freuen können. Ebenfalls ungläubige Blicke erntete ich, als ich letztens mit der roten Altona-Fanzine-Henkeltasche im A5-Format aus dem Haus wollte. Aber wenn man seinen Audi 80 von 1978 mit 65 PS als heisse Sportmaschine empfindet, passt auch die Altona-Tasche, na zumindest für mich. Auch Sportplatz-Fetischisten kommen nicht zu kurz, so werden diesmal die Sportplätze des Buxtehuder SV, FC Süderelbe, USC Paloma und SC Victoria vorgestellt. Ganz stark das Interview mit dem Rock’n’RollJournalisten Hollow Skai, wenn über Fussball und Musik in einem Rutsch erzählt wer-

den kann, ist das immer lesenswert. Und eine Geschichte die so anfängt, muss einfach gut sein: “Meld Held heisst Wolfgang Ebersbach. Ich habe eine Menge von ihm gelernt. Immer wenn wir in der Schule etwas über die Steinzeit hörten, musste ich an ihn denken. Ich sah ihn im Fellumhang auf das Tor des VfB Lübeck zustürmen.” Eine Liebeserklärung an den Blumenthaler SV und Wolfgang Ebersbach! überhaupt, ein Held namens Wolfgang Ebersbach ist an sich schon mal was Sympathisches. Zum Schluss noch die Bücher- und FanzineEcke, welche diesmal etwas üppiger ausfiel. All to nah ist Pflichtlektüre. Knuts Opa war Nazi Andreas Gläser - Geschichten 2005-2013 Abbau 2014 / 3,33 Euro Formate: LP / MC / Heft Ich bin ein Kind der Fanzine-Generation. Diese kleinen Hefte von Fussball- und Musikenthusiasten hatten es mir in den 90ern angetan und boten mir in einem Umfeld aus F us s ba ll , St eht ri bün en un d O i! Konzerten, eine Heimat in geschriebener Form. Leicht kam man nicht an die Hefte, am ehesten durch Briefkontakte oder als begehrtes Mitbringsel aus fernen BundesligaStädten. Zuerst kam ich in Dortmund mit der BUDE in Kontakt, es folgten der ERWIN aus Offenbach und natürlich die ganzen Hefte aus St. Pauli: das MILLERNTOR ROAR! oder der SPLITTER etwa – und dann gelangte über irgendwelche Wege die BAUFRESSE aus Berlin zu mir. Im Untertitel hiess es: Andreas Gläsers Schreibanfälle aus der Zeit zwischen Januar 98 und Juli 99. Was für Geschichten, über den alltäglichen Familienwahnsinn, über das Wettbüro “Goldesel” etwa oder über einen “Abend mit Harry” – legendäre Geschichten für mich. Nun wusste ich, die Strassenliteratur hatte mehr zu bie-

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~ Fussball & Fankultur ~ ten als Fussballgeschichten. Beworben wurden im Heft allerlei interessante Läden wie das “Schall und Rauch”. Ich reiste sogar nach Berlin, im Rahmen des Potsdamer Skafestes, und suchte das “Schall und Rauch”, es blieb aber selbiges. Während über die Zeit alle anderen Hefte bei mir zuhause leider verloren gingen, hob ich die BAUFRESSE immer auf, trotz meiner 12 Umzüge in 16 Jahren.

Ein Dutzend Jahre später entstand persönlicher Kontakt zu Andreas. Er schrieb immer noch, Bücher und Romane, eine Kolumne im EHC Eisbären-Fanzine EIS-DYNAMO (Gläsers Globus) und natürlich im ZUGRIFF! vom BFC Dynamo. Es folgte eine Lesung in Kreuzlingen bei Pasquale im Hörnli Irish Pub. Andreas legte am nächsten Tag in der Pause eines FCK-Spiels Reggae und Trio auf, nächtigte in der Kreuzlinger Palme, sah ein Blasmusikspiel in der Konstanzer Altstadt und einen Angriff von Nachwuchshooligans des FC Biel-Bienne auf der Winterthurer Schützenwiese. Nun wollte man auch mal Dynamo sehen und so folgte der Gegenbesuch in Berlin. Am Alexanderplatz trafen wir

Andreas, an einem Hochhaus wehte die BFC -Fahne über uns. Wir assen Schwarzbrot zum Frühstück, spielten mit Emil Tipp-Kick und fuhren mit der Strassenbahn zum Ruhmreichen. Der Gegner hiess Altlüdersdorf und es nieselte. Frank Willmann schrieb im Tagesspiegel über glückliche Schweizer in der Oberliga. Gläsers neues Werk nennt sich “Knuts Opa war Nazi“. Nebst einem limitierten und nummerierten Heft für 3,33 Euro im AbbauVerlag (der Aufbau-Verlag zog es vor einen Bunker zu bauen) erschien auch eine nummerierte und limitierte MC und LP. Im Heft gibt es Gläsers Geschichten von 2005 bis 2013 zu lesen, etwa die “Malteser Hafenrundfahrt” oder eine Geschichte über Gläsers Saxophon-spiel auf der Gegengeraden (kannten wir schon von der Lesung in Kreuzlingen). Sehr gelungen auch “Das Karussell des Clowns”, diese Vergnügungsmaschine werde ich nun mit anderen Augen sehen. Der literarische Spaziergang weiss ebenfalls zu gefallen, hätte ich den Text vorher gekannt, hätte selbiger mich spätestens dann zu meinem Text über die Konstanzerstrasse (“Eine Strasse und ihre Geschichte”) inspiriert. “Schöner singen!”, die Geschichte über den kurzzeitigen und erfolglosen Gesangsverein mit selbigem Namen, ist nach der Veröffentlichung im Zugriff! jetzt ungekürzt zu lesen und das “Unter Brillenschlangen”, wird bei schlecht Sehenden Erinnerungen an den ersten Brillenkauf wecken. Ob das wieder an die alten Texte heranreicht? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall hat mir das Heft grossen Spass bereitet. Aber da sind auch noch die Tonträger, Andreas liess mir die LP zukommen. Seit ich in meinem 78er-Audi einen CD-Spieler eingebaut habe, verfüge ich über kein Kassettenabspielgerät mehr. Die schön gestaltete

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~ Fussball & Fankultur ~ Langspielplatte (steeltownrecords, STR-020, limitiert auf 300 Stück) auf schwerem, weissem Vinyl, bietet eine literarische und musikalische Seite. Auf ersterer gibt es die Geschichte “Knuts Opa war Nazi” zu hören, in Printversion auch im Heft zum Nachlesen, ein schön und flott vorgetragenes Stück über einen Geburtstag, Eisbären und Umzug vom Prenzlauer Berg in die Plattenbauperipherie (inklusive dem Klassiker, man ladet Umzugshelfer ein, die nichts von ihrem Glück wissen). Die musikalische Seite, ebenfalls ein Gemeinschaftswerk, hat auch Einiges zu bieten. Geschickt gehen Arbeiterlieder (Stempellied, Lied für Kampf und Freizeit), Oi!-Musik (Skinheads und Heroin – das schöne Mädchen wusste nichts von alledem) und Trinkerlieder (Wir kriegen unser Leben schon irgendwie rum) Hand in Hand. Schöne Stunden sind garantiert. Bestellen bei: baufresse@web.de

United vs. SC Dornach sind zu finden, natürlich auch alle Spiele von Arminia Hannover. SENF FC St. Gallen Fanmagazin senf.sg / 10 Franken Format: A4Magazin Wem Fan– und Fussballhistorie gefällt und wer Wert auf ein stimmiges Layout legt, ist hier genau richtig. Richtig stark was die Ostschweizer zweimal jährlich auf die Beine stellen.

Viele Grüsse aus dem Stadion Pascal Claude Blick über den Lahmannhügel WOZ / 27,90 Franken Hg. Torsten Bunde Format: Buch Neues aus den Nr. 6 / 2,50 Euro Randgebieten Format: Grounddes Fussballs hopper-Zine Torsten Bunde und von Pascal Clauseine Hopperde. Es hat sich Bande frönten wiebereits herumder auf zahlreigesprochen, chen Sportplätzen Pascal kann von und Stadien ihrer den BegleiterLeidenschaft des scheinungen des Spielbesuchs. Fussballs schreiWenn auch die ben wie nur weAusgabe mit 80 nige. Manche Seiten etwas dünkönnen gut bener ist als der Vorobachten, mangänger, so gibt es doch wieder allerhand che haben Sinn lesenswertes von Schottland bis nach Grie- für leisen Huchenland und selbst Spiele wie FC Zürich mor, manche 90


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~ Fussball & Fankultur ~ können intelligent analysieren, manche können gut schreiben, Pascal Claude kann das alles und daraus werden wunderbare Kurzgeschichten. Der Fussball wird oft verbunden mit Reisen, Essen und Begegnungen, dies sind jeweils meine liebsten Geschichten. Kurzweiliges zum schmunzeln, nachdenken und sich manchmal auch selbst finden. Nullfünfer - Mit Kopf, Herz und Seele Birgit Ehret 2014 / 10 Euro Format: DVD Ich hatte das Glück, diese tolle Doku über die Fans von Göttingen 05 zusammen mit Dirk Mederer bei der Aufführung im Rahmen des Regard-Bleu-Filmfestivals in Zürich zu sehen und durfte dabei auch die Filmemacherin Birgit Ehret kennenlernen. Der Fokus der Doku liegt auf den meist älteren Protagonisten der Göttinger Fanszene und ihren Aussagen. Die 60 Minuten sind kurzweilig und die Fanszene von Göttingen kommt dabei sympathisch rüber. Man merkt der Doku an, dass Birgit Ehret vor den Dreharbeiten lange mit den Gelb-Schwarzen im Stadion stand.

schichten), man erfährt etwas über Schriftkultur in pink & blue (spannend, da mir die englische Fanzine-Kultur noch fast unbekannt ist), es gibt wieder Sammelbilder (nun weiss ich was ein Risograph ist), dazu spannende Interviews und und und… Ausserdem kommen die Porteños gleich dreimal in der Ausgabe vor. Wie man für die zahlreichen Gimmicks immer wieder Künstler findet, ringt mir jedes Mal ein Staunen ab...

Kassiber aus der Gummizelle Frank Willmann Die Werkstatt 2014 Format: Buch Frank Willmann, den wir nicht erst seit seiner Lesung in Kreuzlingen schätzen, bringt im März 2015 seine neuen Geschichten vom Fussball heraus. Bis dahin sei seine ausgesprochen unterhaltsam zu lesende Kolumne im Tagesspiegel empfohlen: www.tagesspiegel.de/sport All to nah, Nr. 23 Fanzine des Altonaer FC 1893 und natürlich seine Lesetour 2015: alltonah@gmx.de 4.5. Bern, Halbzeit / 6.5. Winterthur, Die Nr. 23 wurde wieder sehnsüchtig erwar- Libero / 7.5. St. Gallen, Fan-Raum / 8.5. tet und hält wieder jedes erhoffte Lesever- didi:offensiv, Basel gnügen ein. Man merkt einfach, dass Jan auch weit über den Fussballrand ein interes- Folgende Fanzines seien ebenfalls empsanter und sich interessierender Zeitgenos- fohlen: se ist und dementsprechend was zu sagen und erzählen hat. Da es auch immer einige Auf Jahre unschlagbar - Fanzine für Fussenglische Texte gibt, kann man mit dem All lümmelei, fanzine@aufjahreunschlagbar.de to nah auch wunderbar seine Sprachkenntnisse auffrischen. Diesmal erzählen Heraus- Messeblatt - Zero Ultras TeBe, geber anderer Fanzines über ihre liebsten messeblatt@gmx.de Fanartikel (klasse Idee mit lustigen Ge91


Grenzstadtkurier Nummer 9 / März 2015 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Andere über uns ~ stahlwerknk.wordpress.com über den und drittklassig. Genau diese Zeit beleuchtet die aktuelle Ausgabe mit einem EinleiGrenzstadtkurier Nr. 8 Fußballfanzines sind in letzter Zeit rar gesät bei mir, um so mehr habe ich mich auf die Neuerscheinung des Grenzstadtkurier gefreut. Ein Heft das seine Ersterscheinung noch im letzten Jahrtausend feierte, trotzdem reden wir hier erst von Ausgabe Nummer 8. Ich vermute einfach mal ins Blaue, dass es an der subkulturellen Geschäftigkeit der Vergangenheit liegt, dass es noch nicht mehr geworden sind. Traditionelle Wertarbeit schlägt Fließbandarbeit, kann ich da nur sagen. Oldschool steht auf dem Cover, aber ganz so oldschool geht es dann doch nicht zu, immerhin wird hier durchgehend in Farbe berichtet. Was zwar nicht unbedingt meinen Geschmack trifft, in diesem Falle aber die vielen historischen Bilder unterstreicht und somit doch überzeugt. Inhaltlich geht es zu fast 100 % um den FC Kreuzlingen, einem schweizer Verein am Bodensee. Während uns Kulturbanausen hierzulande der FCK weniger bis eher gar nicht bekannt ist, zeigen einige historische Spielberichte, dass dieser heute im unterklassigen Fußball beheimatete Verein auf eine große Vergangenheit zurückblicken kann. Immerhin spielte man in den ersten Jahrzehnten der Vereinsgeschichte zweit

tungstext, Spielberichten und einer Vorstellung von Alwin Riemke. Dieser war zu seiner Zeit etwa das, was man heute Fußballstar nennen würde. Der gebürtige Leipziger stand sowohl mit dem VfB als auch 1860 München Anfang der Dreißiger zweimal im Endspiel um die deutsche Meisterschaft, danach ging er in die Schweiz. Ein sehr interessanter Text, der wahrscheinlich gar nicht so einfach zu recherchieren war. Natürlich finden sich auch zahlreiche Spielberichte aus der Neuzeit im Heft, dazu gibts noch ein wenig über die Konstanzer Stadtgeschichte zu lesen, der FC Millwall wird besucht und letztlich noch ein Interview mit mir geführt. Am Ende bekommt man alles in allem 56 Seiten reichlich bebildert, locker geschrieben und mit viel Herzblut getränkt. Ein Fanzine, das sich durch und durch mit dem eigenen Verein und seiner Geschichte beschäftigt und damit oder trotzalledem ein Blick in den schweizer Alltagsfußball aus früher und heute wirft. Ich habe von Daniel dankenswerterweise eine Schweizer Ausgabe geschickt bekommen, das Heft gibt es aber, aufgrund der recht hohen Porto und Herstellungskosten in der Schweiz, auch als deutsche Ausgabe, die vom nofbshop herausgegeben wird. Dort findet ihr übrigens noch massig mehr Lesestoff…ein Kauf des Grenzstadtkurier wird dringend empfohlen. Ein Interview mit dem Macher findet ihr auf stahlwerknk.wordpress.com

Lahmannhuegel.de über den Grenzstadtkurier Nr. 8

Nach einem guten Jahr ist es wieder soweit und die 8. Ausgabe vom Grenzstadtkurier ist erschienen. Dabei handelt es sich um eines von zwei Fanzines des FC Kreuzlingen aus

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~ Andere über uns ~ der Schweiz. Auf 56 Farbseiten geht es diesmal natürlich zum einen um die Spiele des FCK seit Oktober 2013, aber es gibt auch einen schönen Rückblick mit Fotos in die Saison 1936/1937, als man seine Heimspiele noch im heute nicht mehr existenten Grenzland-Stadion austrug. Daneben wird auch ein Blick über den Tellerrand geworfen: Zum Beispiel beim Interview mit Nicky Kassner, Fan des Borussia VfB Neunkirchen und Betreiber des lesens- und empfehlenswerten Blogs Stahlwerk, oder ins schweizerische Netzwerk Fussballkultur. Abgerundet wird dies alles durch einige Fanzinerezensionen, einem kurzen Bericht über einen Spielbesuch beim Millwall FC sowie einem Gastbericht des Autors dieser Zeilen. Nicht nur von daher absolut zu empfehlen Demnächst auch in einer separat gedruckten deutschen Ausgabe, vertrieben vom NOFB-Shop von Stephan Trosien.

die Spiele des FCK von Oktober 2013 bis Saisonende. Fazit: Absolut lesenswert! Kein Zine im ultratypischen Stil, was ohne Gepose und Dummlaberei auskommt. Angenehm zu lesen, abwechslungsreich und einfach nur mit viel liebe zum Detail. Und dann braucht man auch keine martialischen Pyrobilder, oder aufgepumpte Berichte von irgendwelchen Honza-Spielen..

Singende Beine und fliegende Frauen Folgende schöne Geschichte erreichte mich von Pascal aus Zürich: Ich muss dir was erzählen. Seit sie draussen ist, lege ich eure FCK-Single regelmässig auf an meinen Fussballplatten-Vorträgen. Sie ist in den Top 3, was die Begeisterungsstürme angeht, und am Samstag musste ich deshalb mein Exemplar einem hingerissenen Zuhörer vermachen. Deshalb brauche ich dringend Ersatz. Aber das ist noch nicht die Geschichte. Der Ort,

Fusseck Groundhopping Blog über den wo ich am Samstag auflegte, war ein Brockenhaus im Zürcher Seefeld. Gestuhlt war mit den Grenzstadtkurier Nr. 8 Seit 15 Jahren ist Daniel Kessler Fan des FC Kreuzlingen 1905. In dieser Zeit hat er, fast im Alleingang, nun bereits die achte Ausgabe des “Grenzstadkurier” herausgegeben. Das Heft kommt mit einer wirklich überragenden Optik daher. Allerlei Farbfotos säumen die 56 Seiten, in Farbe und bunt! Dabei sticht besonders der Rückblick auf die Saison 1936/37 hervor, garniert mit Fotos und Texten aus dieser Zeit. Neben einem kleinen Bericht über einen Spielbesuch beim FC Millwall gibt es noch Gastberichte von Torsten Bunde (Blick über den Lahmannhügel) und ein lesenswertes Interview mit Borussia Neunkirchen Fan und “Stahlwerk”-Blog Betreiber Nicky Kassner zu bestaunen. Natürlich gibt es auch einen Rückblick auf

zu verkaufenden Möbeln, Sofas, Sessel, Stühle. Und hinten an der Wand ein Kajütenbett. Als kurz vor Beginn noch zwei Frauen kamen, hatte es keinen Platz mehr – ausser oben auf dem Bett. Unten sassen schon drei drin, und so stiegen die zwei Frauen hoch. Ich begann. Als ich nach rund 7 Minuten zum FCK kam, vom Hafenareal erzählte und von euch und dann grad die Nadel auflegen wollte, machte es RADADABUMMMMM, und das verdammte Bett krachte in sich zusammen. Es wurde totenstill, weil wir echt nicht wussten, ob sich unten grad jemand das Genick gebrochen hatte. Als nach einigen Minuten alle drei Verschütteten mehr oder weniger ganz wieder

zum Vorschein kamen, konnte ich weitermachen. Und versprach, dem FCK auszurichten, was für ein Erdbeben er in Zürich auslöst. Bis bald wieder einmal, hoffentlich Pascal, http://knappdaneben.net

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~ Kreuzlingen 30s-50s ~

Löwenplatz, Sammlung Urs Lang

Restaurant Traube / Hauptzoll, Sammlung Urs Lang 94


Grenzstadtkurier Nummer 9 / M채rz 2015 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Kreuzlingen 30s-50s ~

Hauptstrasse, Sammlung Urs Lang

Restaurant Schweizerland, Sammlung Urs Lang 95


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~ Vereinsgeschichte ~ Der Kicker in Kreuzlingen Wenn man sich für historischen Fussball in Kreuzlingen interessiert, ist es vermeintlich hoffnungslos auf Trouvaillen ferner Zeiten zu stossen, so unbedeutend klein ist die Stadt und der Verein in der grossen Fussballgeschichte – und doch, es gibt immer mal wieder überraschende Zusendungen von Bekannten. Diese sind oft selbst auf der Suche nach Zeitzeugnissen ihrer Vereine oder an einem Buchprojekt beschäftigt und stossen dann hie und da tatsächlich auf das kleine Kreuzlingen. So geschehen diesen Herbst, als mir Dirk aus Göttingen untenstehendes Bild zusandte und mir anschliessend auch Nicky aus Neunkirchen einiges dazu sagen konnte. Die Aufnahme zeigt die erste Ausgabe des Kicker, welche per Leiterwagen aus der

Druckerei Reuss&Ita in Konstanz (ja, die ersten Kicker-Ausgaben kamen vom Bodensee!) nach Kreuzlingen zum Verkauf und zur Weiterversendung gebracht wurden. Links neben dem Leiterwagen KickerGründer Walther Bensemann. Die Aufnahme stammt vom 14. Juli 1920. Der Fotograf wurde extra von Bensemann, ganz MarketingExperte, zur Zollstelle in Kreuzlingen aufgeboten. Der Kicker hatte zu dieser Zeit drei Büroräume über der Druckerei und der Inhaber war ein gewisser Eduard Reuss. Der einzige Mitschreiber Hanns-Jakob Müllenbach (geb. 28.6.1903, auf dem Bild am Karren) war damals siebzehn Jahre alt, stand eines Tages im Büro von Bensemann und wollte für ihn arbeiten. Später wurden der Jude und völkerverbindende Bensemann und der sich zum Nazi-Anhänger wandelnde Müllenbach

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~ Vereinsgeschichte ~ erbitterte Feinde. Neben Müllenbach sind einige helfende Mitarbeiter der Druckerei und die Zollbeamten zu sehen. Dass in den 30er-Jahren in den von Kreuzlinger Fussballfreunden frequentierten Lokalen auch Fussballzeitschriften auslagen, war mir bewusst. Neu ist mir, dass anscheinend auch der Kicker in Kreuzlingen rege gelesen wurde, bis jetzt hatte ich nur die “Schweizer Sportillustrierte” auf dem Radar. Ein sehr schönes Zeitzeugnis vom Fussballalltag in unserer Grenzstadt anno 1920. Danke an Dirk, empfohlen sei an dieser Stelle auch das Buch “Davidstern und Lederball” aus dem “Verlag – Die Werkstatt”, Göttingen. Foto: Kicker-Ausgabe in Kreuzlingen 1920, Copyright “Verlag – Die Werkstatt”

Nachtrag zur Titelgeschichte im Grenzstadtkurier Nr. 8 Gregory Germond schickte mir nachstehende Kopie einer Alwin-Riemke -Sammelkarte aus seiner Zeit bei Lausanne Sports, mit denen er auf Anhieb Schweizer

Meister wurde. Direkt nach seinem Engagement in Lausanne wechselte Riemke zum FC Kreuzlingen. Die Original-Sammelkarte ist im Sportantiquariat Germond zu erwerben: http://www.sportantiquariat.ch

Saison 1937 / 1938 Nach dem Abstieg unter der deutschen Fussball-Legende Alwin Riemke, sowie den Abgängen von Girardin, Burkhardt, Martinoli und Hans Moser (Foto nächste Seite) sowie Müggler (ausgeliehen an Racing Club Lausanne) übernahm der Spieler Plancherel das Traineramt beim FC Kreuzlingen. Starke Zugänge konnten mit Josef Madlmayer (Rapid Wien) und Eduard Zuber (FC Basel) verzeichnet werden. Vom FC Bern kamen Knöbel und Oscar Hodel und ein gewisser Inhelder von Lausanne Sports. Der Stamm der Mannschaft um Torwart Alfred Fuchs, den Verteidigern Willy Rickenbacher und Alois Haberthür, dem Mittelfeldspieler Paul Hofstetter sowie dem Stürmer Josef Späth und nicht zuletzt Torjäger Henri Anderegg blieb zusammen. Rege Spielerwechsel, auch im zweit– oder drittklassigen Schweizer Fussball und auch quer durchs ganze Land, waren gerade in den 30er-Jahren alles andere als unüblich. Der Fussball war in diesem Jahrzehnt ausgesprochen kommerziell geprägt, eine Re-Amateurisierung folgte in den 40er/50er-Jahren. 04.08.1937, Freundschaftsspiel FC Kreuzlingen - FC Schaffhausen 0:3 Grenzland-Stadion Dieses erste Saisonspiel stand genau unter dem gleichen Unglücksstern wie die Meisterschaftsspiele der vergangenen Saison. Einmal mehr lagen die Kreuzlinger während 2/3 des Spiels im Angriff - und die Schaffhauser schossen die Tore. Im Feldspiel harmonierten die beiden Flügelpaare Knöbel / Lehmann und Madlmayer / Späth ausgezeichnet, während nach der Pause das zu scharfe Anfangstempo seinen Tribut forderte, in Anbetracht der frühen Saison kein Wunder. Gut schlugen sich trotz der Nieder-

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~ Vereinsgeschichte ~ lage die beiden Backs Rickenbacher und Haberthür, die mit ihren weiten Befreiungsschlägen gegen den Erzrivalen aus Schaffhausen angenehm auffielen. 07.08.1937, Freundschaftsspiel FC Solothurn - FC Kreuzlingen 2:4 (2:1) Stadion, 200 Zuschauer Kreuzlingen hatte eine gut ausgeglichene Mannschaft zur Stelle; besonders in der zweiten Hälfte spielte sie flüssigen Fussball und vermochte einen 2:1-Rückstand in einen 4:2-Sieg umzuwandeln. 08.08.1937, Freundschaftsspiel Cantonal Neuchâtel - FC Kreuzlingen 3:4 (3:1) Stade de Cantonal, 250 Zuschauer FCK-Tore: Lehmann (2), Anderegg, Späth Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Haberthür; von Lanthen, Plancherel, Madlmayer; Lehmann, Zuber, Anderegg, Knöbel, Späth. Kreuzlingen, das vom vortägigen Spiel in Solothurn her leicht ermüdet antrat, besass mit einer einzigen Ausnahme dieselben Leute, die das unverständliche Kunststück fertigbrachten, relegiert zu werden. Es ist nach dem heute gezeigten Spiel wirklich unbegreiflich, dass sie diese Gefahr nicht zu bannen vermochten. 14.08.1937, 2. Liga FC Frauenfeld - FC Kreuzlingen 1:7 (1:2)

Kreuzlingen, das mit verschiedenen Ersatzleuten antrat, hat trotzdem eine sehr gute Gesamtleistung gezeigt. Vorbildlich demonstrierten die Gäste den Frauenfeldern, wie man durch gutes Stellungsspiel und raschen Flügelwechseln eine Mannschaft ausspielt. Bei Frauenfeld erwiesen sich Lücken wie durch den tragischen Weggang von Lehmann und den Übertritt Madlmayers zu Kreuzlingen als schwer zu kompensieren. Die Kreuzlinger eröffneten das Spiel mit raschen Vorstössen. Einige Minuten später setzten die Hiesigen zum Gegenangriff an, der auch prompt durch Kern zum Erfolg führt. Es folgt nun das systematische Aufbauspiel der Kreuzlinger, das Frauenfelds Hintermannschaft allzu sehr überlastet und die Angreifer in die Lage versetzt, ihr Tore in gleichmässigen Intervallen zu erzielen. 17.08.1937, Freundschaftsspiel FC St. Gallen - FC Kreuzlingen 2:3 (1:3) Espenmoos, 200 Zuschauer Die Thurgauer überraschen durch überaus gefällige Spielzüge und durch einen gesunden Zug aufs Tor. Die besten Kräfte von Kreuzlingen, das in der 2. Liga sicherlich eine dominierende Rolle spielen wird, waren Anderegg, Plancherel und Fuchs. 22.08.1937, Schweizer Cup / Vorrunde FC Kreuzlingen - FC Oerlikon 1:0 Vor etwas spärlich erschienenem Publikum zeichnete sich früh ein zähes Spiel ab. Den knappen Erfolg sicherte Anderegg mit seinem Tor in der 17. Minute auf Zuspiel Madlmayers. Ein besonderes Kränzchen möchten wir diesmal den Zuschauern widmen (nicht wegen des grossen Aufmarsches), was die Vereinsleitung freute, war das durchaus faire und disziplinierte Verhalten des Publikums. Wir hoffen gerne, dass dies auch in Zukunft

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~ Vereinsgeschichte ~ so bleiben werde und dass die beleidigenden Zurufe an die Adresse der Spieler in Kreuzlingen zu den „Unmöglichkeiten“ gehören. Freundliche Aufmunterungen sind viel eher dazu angetan, die Spieler zu stärken.

12.09.1937, Schweizer Cup / Vorrunde FC Kreuzlingen - FC Frauenfeld 3:5 (3:0) Grenzland-Stadion, 300 Zuschauer Das war eine richtige Cupsensation, die uns die Sportsfreunde von Frauenfeld und Kreuzlingen bescherten. Letztere verwandelten einen 0:3-Rückstand in einen 5:3Sieg. Unter teilweise ohrenbetäubendem Jubel und Anfeuerungsrufen ging das Publikum mit und gab damit der Mannschaft den nötigen moralischen Rückhalt. Die rund 300 Zuschauer dürften von dem spannenden und aufregenden Cup-Spiel trotz kleiner Enttäuschungen in der 1. Halbzeit befriedigt vom Platze gegangen sein. Im Vorspiel massen sich Kreuzlingens Junioren mit der 3. Mannschaft und siegten verdient mit 2:1. 26.09.1937, 2. Liga FC Kreuzlingen - FC Brühl II 7:1 Der erste Meisterschaftssonntag schien es mit der Kreuzlinger Mannschaft gut zu meinen, brachte er ihr doch einen komfortablen Sieg über Brühl II. Leider waren, wohl infolge des schönen Sommerwetters, nur wenige Zuschauer erschienen, die diesmal voll und ganz auf ihre Rechnung gekommen sein dürften. 03.10.1937, Schweizer Cup, 1/32-Finale FC Kreuzlingen - FC Brühl 3:1 (0:1) Grenzland-Stadion, 400 Zuschauer FCK-Tore: Anderegg (3) Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Haber-

thür; Paul Hofstetter (Foto auf dieser Seite), Madlmayer, von Lanthen; Späth, Zuber, Anderegg, Plancherel, Lehmann. Gleich vom Start weg legten beide Mannschaften ein höllisches Tempo vor. Kreuzlingen verdankt seinen Sieg der Stürmerreihe um den kleinen Zuber, der flotte Sachen zeigte, und den Bombenschüssen von Anderegg. 10.10.1937, 2. Liga FC Tössfeld - FC Kreuzlingen 5:0 Kreuzlingens Erste erlitt gestern leider einen schweren „Unfall“, in dem es dem FC Tössfeld mit Hilfe eines vollständig unfähigen Schiedsrichters gelang, die Mannschaft derart aus dem Konzept zu bringen, dass sie schlussendlich 5:0 verlor. Kreuzlingen musste das Spiel e r s a t z g e schwächt und mit 9 Mann bestreiten. Schon in der 4. Minute wies der Schiedsrichter Bollinger aus Schaffhausen Madlmayer vom Platze, ohne dass hierzu ein ersichtlicher Grund vorhanden war. Zudem pfiff derselbe Herr gegen Kreuzlingen einen Elfmeter, der wahrscheinlich nur in seiner Phantasie entstanden sein dürfte. Die Schiedsrichterfrage, namentlich in den unteren Serien, scheint akut zu werden, hatten wir doch auch schon auf unserem Platze Gelegenheit die Unfähigkeit verschiedener Pfeifenmänner zu bewundern. Auf alle Fälle verdienen solche

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~ Vereinsgeschichte ~ Leute nicht mehr, als öffentlich an den Pran- K r e u z l i n g e n : ger gestellt zu werden (Thurgauer Volks- Fuchs; Rickenfreund). bacher, Haberthür; von Lanthen, Madlma24.10.1937, 2. Liga yer, Hofstetter; FC Fortuna - FC Kreuzlingen 0:4 (0:1) FCK-Tore: Madlmayr, Anderegg, Plan- Lehmann, Plancherel, Zuber cherel, Emil Gut in Form zeigte sich auch Torwart Fuchs, W o l f (Foto welcher seinen Kasten beim ungefährdeten rechts), Zuber, Sieg in St. Gallen sauber hielt. Späth. Wo ein Starker ist, sind die 31.10.1937, 2. Liga Sympathien FC Kreuzlingen - FC Altstetten 6:1 (3:1) Altstetten, das zum ersten Male in Kreuzlin- beim Schwagen gastierte, schien sich im voraus seines chen. GrasshopSchicksals bewusst zu sein. Unter der Devi- pers war der se, unter allen Umständen fort mit dem Ball, Starke, war ja schliesslich auch der Meister eröffneten sie das sehr lebhafte Spiel. Die der Schweiz, der Leader der Nationalliga, Einheimischen, die unter allen Umständen Kreuzlingen stieg dagegen letztes Jahr aus ihr Flachspiel pflegen wollen, verlieren oft der Ersten Liga ab und lebt nun ein gesunetwas zu viel Zeit mit dem abtöten der ho- des Dasein in der Zweiten Liga. Wenn es hen Bälle. Die Gäste, in der ersten Halbzeit aber immer wie heute spielt, dann dauert bös herumgehetzt, sind im zweiten Abschnitt der Aufenthalt in der dritten Spielklasse am Ende ihrer Kräfte, es rollt Angriff um An- längstens dieses Jahr. Die spielerische Reife griff auf ihr nun von neun Spielern verteidig- dieser Elf ist für einen Zweitligaclub tes Tor. Zuber bringt durch seine überlege- schlechtweg erstaunlich. Es ist nicht einmal ne Ruhe das Publikum fast aus dem Häuseine Übertreichen. bung, dass Kreuzlingen an Anmerkung GK: Trainer Plancherel bot Inhelder für das Spiel in Altstetten auf und spielerischem dieser reiste pflichtbewusst aus seinen FeriKönnen nicht en in Davos an. Zu seiner Verblüffung sass hinter den beier dann in Altstetten aber nur auf der Ersatzden Erstligabank woraufhin er sich beim Vorstand lautTeams zurückstark beschwerte. gestanden ist, die das vorangehende Spiel be07.11.1937, Schweizer Cup, 1/16-Finale stritten haben. Grasshoppers Zürich - FCK 2:0 (1:0) Das geistige Hardturm, 2‘000 Zuschauer Grasshoppers: Maire (ex-FC Kreuzlingen); Zentrum liegt Minelli, Weiler; Springer, Vernati, Rauch; beim Wiener Fauguel, Rupf, Artimovic, Wagner, Krismer Madlmayer in 100


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~ Vereinsgeschichte ~ besten Füssen. Dieser Mittelläufer hat Format. Er hat hinter sich vor allem im linken Back Alois Haberthür (Foto links unten) einen prima Helfer, vorn in den Verbindern geschickte Burschen. Den Thurgauern fehlte nur ein richtiger Schütze. Freilich mussten sie auf die Dienste ihres Standardmittelstürmers Anderegg verzichten, der vielleicht auch in diesem Punkte befriedigt hätte. Mann kann nicht sagen, dass Grasshoppers das Spiel leicht nahm. Rappan sorgt schon dafür, dass seine Spieler mit der rechten Einstellung auch in sogenannte leichte Spiele hineingehen. Die Triebfeder des GCAngriffs war Wagner, der so gut wie in Genf gegen Italien spielte, und das heisst: ausgezeichnet. Im übrigen merkten die Zürcher bald, dass sie nicht im Spaziergang gewin-

nen könnten und setzten sich dementsprechend ein. So bot das Haupttreffen auf dem in londonischem Nebel verhangenen Hardturm ganz vorzüglichen Fussball, ein Verdienst beider Mannschaften, die sich selbst durch die emsige, allzufleissige Pfeiferei des Schiedsrichters nicht abhalten liessen, fair und sauber zu kämpfen. Nach einer halben Stunde recht offenen und ausgeglichenen Spiels hatten die Hoppers vier Ecken gereicht, aber waren noch nicht zu einwandfreien Chancen gekommen. Einmal konnte zwar Haberthür retten und Rupf sah seinen Weitschuss auf der Latte landen. Kreuzlingen spielte meist mit nur drei Mann im Angriff und konnte damit das DreibackTrio Minelli-Weiler-Rauch nicht bezwingen. Eine der wenigen guten Flanken Krismers

Hardturm in den 30er-Jahren

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~ Vereinsgeschichte ~ FCK-Vereinslied von 1937 Brüder lasst die Bundesfahne In den Lüften wehn, lasst sie wehn. Grün und weiss sind unsre Farben, Die voran uns ziehen.

Drum Ihr jungen Fussballspieler, haltet Euer Wort, Haltet Euern Club in Ehren, dass er blühe fort Und der Tormann auf der Lauer, Hält die Bälle fest, hält sie fest Und die Backs stehn wie‘ne Mauer Hauen sicher drein. Und die Halves die Helfershelfer legen Bälle vor

verwandelte Rupf mit kräftigem Köpfler zum einzigen Treffer vor der Pause. In der 50. Minute jagte Wagner einen famosen 20-Meter-Schuss unter die Latte und wenn nun auch die Thurgauer ihre Ecken herausholten (3:3 Corners nach der Pause), so hielten die Hoppers nun doch den knappen Sieg mit absoluter Sicherheit, konnten ihn aber gegen die aufmerksame und fleissige Gästeabwehr auch nicht weiter ausbauen. Anmerkung GK: Das Werbe-Budget für das Spiel betrug 615 Franken (heute um die 5‘000 Franken) und die Einnahmen gingen zu gleichen Teilen an alle vier beteiligten Vereine (Vorspiel Schweizer Cup 1/16-Final -Partie Young Fellows Zürich vs. FC Oerlikon 5:0). Der FC Kreuzlingen fuhr mit einem Car Alpin ans Spiel nach Zürich. Bild: Car Alpin aus den 30er-Jahren. 28.11.1937, 2. Liga

Dass die kleinen flinken Stürmer schiessen Tor auf Tor Dieses Liedlein ward gesungen In einer Sommersnacht, Sommersnacht. Eine Schar grün-weisser Jungen Die haben es erdacht. Drum Ihr 1905er haltet Euer Wort

Haltet Euern Club in Ehren, dass er blühe fort Ja der FCK der geht nicht unter, Ja der FCK der bleibt bestehn. Und wenn der ganze Sportplatz unter Wasser steht, Ja der FCK der bleibt bestehn, Er lebe hoch, er lebe hoch,

FC Arbon - FC Kreuzlingen 2:1 (1:0) Das in Arbon gespielte Thurgauer Derby, endete mit einem sehr verdienten Sieg Arbons, der leicht noch höher hätte ausfallen können, wenn nicht Fuchs und Haberthür gut im Strumpf gewesen wären. Der sonst vorzügliche Madlmayer fiel durch Indisposition ganz aus und die beiden Aussenläufer schwammen von A bis Z. Über den Sturm breitet man am besten das Mäntelchen der Nächstenliebe, denn was heute diese fünf

Er lebe dreimal hoch!

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~ Vereinsgeschichte ~ Mann produzierten, hält wirklich keiner Kritik stand. Selbst der sonst gute Zuber schien von allen guten Geistern verlassen. Es wäre wirklich zu wünschen, dass die Anstrengungen der Vereinsleitung, den Sturm zu verstärken, bei den Industriellen Kreuzlingens auf etwas mehr Gegenliebe stossen würde. Anmerkung GK: In den Vorstandsprotokollen liest man den Grund der schlechten Vorstellung: Vonlanthen und Knöbel hätten die Nacht durchgezecht und seien nicht spielfähig auf dem Platz gestanden. Beide wurden anschliessend entlassen.

23.01.1938, 2. Liga FC Winterthur II - FCK 1:5 (0:2) FCK: Fuchs; Rickenbacher, Haberthür; Hofstetter, Madlmayer, Inheider; Späth, Hummel, Anderegg, Plancherel, Hodel Nach reichlich langer Winterpause hatten die Kreuzlinger die gewiss nicht leichte Aufgabe, ausgerechnet auswärts beim Tabellenführer anzutreten. Dieser zeigte sich überraschend zahnlos und die GrenzstadtElf in guter Verfassung. Es darf bei dieser Gelegenheit auch verraten werden, dass der

Josef Madlmayer Josef (Franz) Madlmayer war in der Saison 37/38 der unbestrittene Star der Mannschaft und blieb dem FCK bis Anfang 1939 erhalten. Gerne hätte der FC Kreuzlingen Madlmayer als Trainer angestellt, doch der Krieg kam dazwischen. Der Österreicher wurde am 10. April 1907 in Wien geboren und spielte als professioneller Fussballer bei Rapid Wien (1925 bis 1930, 125 Einsätze), Wacker Wien (1930 bis 1933) und beim AS Cannes (1933 bis 1934). Josef Madlmayer bestritt ein Länderspiel für Österreich (6. Mai 1928, Ungarn - Österreich 5:5). In seiner Zeit als Aktiver wurde der auf der Läufer-Position spielende Madlmayer 1 x österreichischer Cup-Sieger (1926/1927) und 2 x österreichischer Meister (1928/1929 und 1929/1930). Ausserdem stand er mit Rapid Wien zweimal (glücklos) im Finale des Mitropa-Cups (1927: Sparta Prag - Rapid Wien 6:2 / 1:2, 1928: Ferencvaros Budapest - Rapid Wien 7:1 / 3:5). Als (Spieler-)Trainer betreute Josef Madlmayer den FC Frauenfeld während der Saison 1936 / 1937. Weitere Trainer– oder Spielerstationen sind nicht bekannt. 1939, mit Ausbruch des 2. Weltkrieges, wurde Josef Madlmayer als Soldat nach Österreich einberufen, aller Wahrscheinlichkeit nach diente er in der 262. InfanterieDivision welche nach dem Wiener Stephansdom „Steffel-Division“ genannt wurde. Josef Madlmayer fiel am 20. März 1945 mit nur 37 Jahren in Enkenbach / nähe Dahn (Deutschland). Seine letzte Ruhe fand er auf dem Dahner Ehren-Friedhof (RheinlandPfalz) in Block V Reihe 2 Grab 2156. Nach den Recherche-Arbeiten des Grenzstadtkuriers werden seine fussballerischen Verdienste nun auf der online-Plattform Weltkriegsopfer.de gewürdigt. 103


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~ Vereinsgeschichte ~ neue Halblinke Hummel, vom FC Basel transferiert, Zuber nicht nur vollständig ersetzt, sondern durch seine imposante Ruhe und Spielübersicht, der gesamten Stürmerreihe das nötige Selbstvertrauen zu geben scheint.

Zwischentabelle 2. Liga Ostschweiz 1. FC Töss 2. FC Kreuzlingen 3. FC Winterthur II 4. FC Frauenfeld 5. Fortuna SG 6. FC Arbon 7. FC Tössfeld 8. FC Altstetten 9. FC Neuhausen 10. Young Fellows II 11. Brühl II

von seinem Arbeitgeber angezeigt und inhaftiert. Er wurde schliesslich durch den bewährten FCK-Torhüter Schwaibold ersetzt. 12.06.1938, 1. Aufstiegsspiel zur 1. Liga FC Kreuzlingen - SV Seebach ZH 2:3 (1:2) Überraschend matt präsentierte sich der FC Kreuzlingen im ersten Aufstiegsspiel. Mit Ausnahme der beiden Verteidiger erreichte kaum ein Spieler seine Normalform. Durch ihren grösseren Kampfeswillen gelangten die Zürcher schlussendlich zum knappen 2:3 -Sieg.

20.02.1938, 2. Liga FC Kreuzlingen - FC Neuhausen 2:2 (2:1) Die sympathischen Fussballer vom Rheinfall kamen zu einem völlig überraschenden Achtungserfolg. Fast über die gesamte Spielzeit schnürte der FCK die Gäste in die Abwehrzone ein und überzog das Schaffhauser Tor mit einem wahren Bombardement an Schüssen. Doch das Glück war diesmal auf der anderen Seite.

26.06.1938, 3. Aufstiegsspiel zur 1. Liga FC Kreuzlingen - SV Seebach ZH 4:2 (2:1) FCK: Schwaibold; Inhelder, Plancherel, Hofstetter; Lehmann, Madlmayer, Hodel, Hummel, Späth Das dritte Aufstiegsspiel, diesmal in Oerlikon (Anmerkung GK: nach einem 3:2-Erfolg in Seebach wurde ein drittes Spiel auf neutralem Terrain erforderlich) gegen den Sportverein Seebach hat der Kreuzlinger Mannschaft den Wiederaufstieg in die 1. Liga gebracht. Der Sieg musste auch diesmal hart 17.04.1938, Freundschaftsspiel erkämpft werden, glichen die Seebacher FC Scionzier - FC Kreuzlingen 0:0 Gegen den amtierenden französischen Vize- doch eine 2:0-Führung der Kreuzlinger aus. Amateurmeister zeigte der FC Kreuzlingen In der zweiten Halbzeit wurde es dramaeine vielgelobte Leistisch, nach der erneuten Kreuzlinger Fühtung. rung drückte Seebach mächtig auf den Ausgleich. Erst elf Minuten vor Schluss sorgte Im Mai 1938 muss sich Späth auf Hereingabe von Lehmann zum 4:2der FC Kreuzlingen auf Sieg ab und sorgte für grosse Erleichterung die Suche nach einem und Freude bei den Kreuzlingern. neuen Torhüter maDie Mission Rückkehr in die 1. Liga von Traichen. Stammtorwart ner Madlmayr fand damit gleich im ersten Fuchs (Bild), welcher Jahr seine erfreuliche Erfüllung. im Mai 1936 von FortuAnmerkung GK: Der Vertrag mit Hummel na St. Gallen an den vom FC Basel lief bereits vor den AufstiegsBodensee kam, wurde spielen aus, für 100 Franken Aufstiegspräwegen Unterschlagung mie und eine Armbanduhr stellte er sich 104


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~ Vereinsgeschichte ~ aber zur Verfügung.

eine rückläufige Form, welche gegen Ende der Saison bedrohlich wurde und schon der Meistertitel Luzern überlassen werden Promoviert! FCK wieder in der 1. Liga! Aufgrund vieler verletzter Spieler zeigte die musste. Es muss gesagt sein, dass die KlubMannschaft in den letzten Spielen der Saison leitung nur dadurch zum gesetzten Ziele

Basler Connection beim FCK: Emil Hummel In der Winterpause 37/38 verstärkte sich der FC Kreuzlingen mit dem Stürmer Emil Hummel vom FC Basel. Dieser war deutscher Staatsangehöriger, wurde 1911 geboren und spielte von 1931 bis 1938 beim FC Basel wo er zu 132 Einsätzen und 16 Toren kam. Emil Hummel gewann mit dem FC Basel 1933 den Schweizer Cup, den ersten nationalen Titel für die Rot-Blauen. Hummel spielte mindestens noch bis 1939 beim FC Kreuzlingen, weitere Stationen sind nicht bekannt. Bild unten links.

Eduard Zuber Spielte die Vorrunde 1937 beim FC Kreuzlingen und war zuvor von 1933 bis 1937 beim FC Basel aktiv (60 Spiele, 2 Tore). Nach seinem halbjährigen Gastspiel kehrte er im Tausch mit Emil Hummel zum FC Basel zurück. Bild unten Mitte.

Kurt Imhof Vorgänger von Fuchs im Kreuzlinger Tor war Kurt Imhof. Dieser kam ebenfalls auf Leihbasis vom FC Basel zum FC Kreuzlingen. Kurt Imhof gehörte von 1932 bis 1947 dem FC Basel an und kam dort zu 106 Einsätzen. Bild unten rechts. Bild rechts: Hummel und Imhof mit dem Schweizer Cup 1933.

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~ Vereinsgeschichte ~ kam, dass die Spieler, soweit der enge loka- standssitzung endete mit Vorwürfen und le Rekrutierungskreis dazu nicht ausreichte, Auseinandersetzungen. Präsident Kübler zugezogen wurden. Daneben wurde aber die Pflege und Förderung des eigenen Nachwuchses nicht versäumt, trotzdem es bei der exponierten Lage der Gemeinde gar nicht leicht ist, auf breiter Basis am Wettspielbetrieb teilzunehmen, da die thurgauischen Konkurrenzen sehr weit, teilweise über den Kanton hinaus, verzweigt sind und wesentliche Unkosten verursachen. Mit dem eingeschlagenen Kurse hat aber der FC Kreuzlingen den Fussballsport in der eigenen Gemeinde und in deren weiterem Umkreise belebt. Späth, Böhler, Haberthür, Vonlanthen, Knöbel, „Polenta“ Hofstetter

Weitere Meldungen zur Saison 1937 / 1938

demissionierte im April 1938 und wurde durch Herr Fäh ersetzt.

Die drittklassige 2. Liga wurde damals in zwei Ostschweizer Gruppen gespielt und umfasste auch einen grossen Teil der Zürcher Vereine. Einmal jährlich spielten daher zwei Ostschweizer Auswahlen gegeneinander. In der Ostschweizer Auswahl 1 stellte der FC Kreuzlingen 2/3 aller Spieler. Aufgeboten wurden 1938: Haberthür, Rickenbacher, Madlmayer, Anderegg, Hummel, Späth und Hodel.

Das Budget der 1. Mannschaft betrug damals Fr. 6‘350.00 (nach heutiger Kaufkraft rund 50‘000 Franken). Trainer Plancherel verdiente Fr. 1‘100.00 im Jahr und die besten Spieler hatten einen Jahressalär von um die 500.00 Franken plus Fahrspesen . Ablösesummen zwischen 20 und 150 Franken waren üblich, viele Spieler kamen auf Leihba-

Eine von Spielkommissionspräsident Truninger angedachte Afrika-Reise des FC Kreuzlingen zu einem Turnier nach Algier wurde mehrmals verschoben und schliesslich abgesagt. Ebenfalls abgesagt werden musste ein heimisches Freundschaftsspiel gegen Union Sportive Marocaine aus Casablanca. Immer wieder zu reden gaben beim FCK die Finanzen. Laufende Rechnungen konnten nur mit grosser Mühe beglichen werden. Immer wieder wurde man bei der heimischen Industrie vorstellig. Auswärtsspiele Schwaibold, Richi Müller, Wolf, Häusersprengten oft das Budget und manche Vor- mann, Kiki Anderegg 106


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~ Vereinsgeschichte ~ sis. Bereits zur Winterpause lag man mit 600 Sitzplatz Fr. 1.50 (Fr. 10.00) Franken im Minus. Stehplatz Fr. 1.00 (Fr. 6.70) Schüler Fr. 0.30 (Fr. 2.20) Den meisten Spielern wurden Arbeitsstellen Eintritt 2. Mannschaft Fr. 0.50 / Fr. 0.30 besorgt, der Hauptanreiz, um fern der Heimat am Bodensee zu spielen. So kam 1938 Eine Reklametafel am Spielfeld wurde für beispielsweise Silvio Bagnoli vom FC Luga- 100 Franken vergeben. no zum FC Kreuzlingen, um bei CoifAm Grenzland-Stadion an der Konstanzerfeurmeister Moser eine Stelle anzutreten. strasse wurde für die Kiosk-Konzession von Um den Verein wieder auf eine breitere Betreiber Zimmermann Fr. 100.00 verlangt. Basis zu stellen, wurde die Gründung einer Für negative Stimmung sorgten wetterbeSupporter-Vereinigung ins Auge gefasst. dingt verschobene Spiele. Dies wurde Ziel waren 150 Mitglieder bei Jahresbeiträgleich mehrfach verbessert. Eine gehisste gen von Fr. 12.00 ohne Saisonkarte bzw. Fr. Fahne am Stadion kündigte das stattfindende 23.00 mit Stehplatz-Saisonkarte. Nach heutiSpiel an, bei der Telephonzentrale konnte ger Kaufkraft Fr. 90.00 / Fr. 175.00. man sich über Verschiebungen informieren und eine Tafel am Eingang diente den SportDie Eintrittspreise betrugen (Kaufkraft): freunden ebenfalls zur Information.

Hans Truninger, Inhelden, Madlmayer, Lehmann, Plancherel, Hummel, Hofstetter, Bichsel Rickenbacher, Schwaibold, Haberthür, Späth 107


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~ Willkommen an der Bande ~

Rückrunde 2015 Sa 07.03.15 16.30 FC Kreuzlingen – FC Arbon, Klein Venedig So 15.03.15 15.00 FC Gossau ZH – FC Kreuzlingen, Im Riet

Sa 21.03.15 16.30 FC Kreuzlingen – Chur 97, Klein Venedig So 29.03.15 15.30 FC Kosova Zürich – FC Kreuzlingen, Buchlern Sa 11.04.15 16.30 FC Kreuzlingen – FC Linth 04, Klein Venedig So 19.04.15 14.00 FC Widnau – FC Kreuzlingen, Aegeten

Sa 25.04.15 16.30 FC Kreuzlingen – FC Wil 2, Klein Venedig Sa 02.05.15 17.00 FC Mels – FC Kreuzlingen, Tiergarten Sa 09.05.15 16.30 FC Kreuzlingen – FC Amriswil, Klein Venedig So 17.05.15 14.00 FC Sirnach – FC Kreuzlingen, Kett Sa 23.05.15 16.30 FC Kreuzlingen – FC Freienbach, Klein Venedig Sa 30.05.15 18.00 FC Uster – FC Kreuzlingen, Buchholz Sa 06.06.15 18.00 FC Kreuzlingen – FC Frauenfeld, Klein Venedig

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Grenzstadtkurier Nr. 9  
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Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine seit 1999

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