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Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine seit 1999 / Preis Fr. 5.00

~GRENZSTADTKURIER~ Storys about the finest traditional football club at the lake of constance

Alwin Riemke: Der Fussballstar aus Leipzig beim FC Kreuzlingen - so lief die Saison 1936/37

Die Konstanzerstrasse und ihre Geschichte

Seagulls Roar! Fussballromantiker auf Tour

Alle Jahre wieder: zu Besuch beim Millwall FC


Grenzstadtkurier Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ The Editor Speaks ~ Liebe Stehtraversenfreunde und Fussballromantiker, liebe Freunde des Amateurfussballs und runden Leders!

und Leiden bei Borussia Neunkirchen zum Beispiel, an welchem ich besonders Freude habe. Auch für Geschichtsfreunde habe ich wieder tief in den Archiven gegraben. Unter anderem bin ich auf die Geschichte von Alwin Riemke gestossen, dieser war vor zehntausenden Zuschauern in Endspielen um die deutsche Meisterschaft aktiv und landete zwiIhr seht es an schendurch im beschaulichen Bodenseeort. meinem Blick, es ist vollbracht, die Weniger beschaulich ging es anfangs der verNummero Acht gangenen Saison in der äusserst übersichtliist erschienen chen Gruppe Kreuzlinger Fans zu und her. Zu und in deiner Hand. Ich gebe es zu, nie ging der anno dazumal von Mäny und mir gegrüneine Ausgabe flotter. Dank des schamlosen deten „Whiskykurve“ habe ich nach einigen Einbaus einiger meiner Seagulls Roar! - Texte. Vorkommnissen Adieu gesagt. Mit den So wurde es immerhin eine schöne Rückschau Porteños haben w ir jetzt ein e klein e auf die vergangene Saison des Kreuzlinger Gruppe zusammen, mit welcher auch ich die Fussballs und seiner Anhänger. vergangene Saison geniessen konnte wie schon lange nicht mehr. Die Porteños werden Aber natürlich gibt es auch viele neue Texte, sich langfristig als kleine Gruppe von Fussdass Interview mit Nicky Kassner über Leben

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~ The Editor Speaks ~ ballenthusiasten etablieren, quantitativ kann sich das von mir aus in Tumult-WinterthurGrösse abspielen, dass ist für mich völlig nebensächlich. Hauptsache mit Herz dabei.

Message to you:

Zum Spiel gegen Linth feiere ich bei Bratwurst und Bier 15 Jahre Grenzstadtkurier, ein stolzes Alter für ein Fanzine. Ich habe meine Hefte besonders als Tausch– und Erinnerungsstücke geschätzt, den Verlockungen eines eigenen Blogs mit seiner Aktualität und dem schnell zu erstellenden Layout bin aber auch ich erlegen (portenoskreuzlingen.wordpress.com). Wie so oft steht es in den Sternen, ob noch eine weitere Print-Ausgabe erscheinen wird. Auch diesmal gibt es eine Schweizer Ausgabe und eine separat gedruckte deutsche Ausgabe (nur über den nofb-shop erhältlich).

Kontakt / Fanzinetausch: Daniel Kessler Andhauserstr. 4 CH-8572 Berg TG daniel.kessler@fck1905.ch

Nun wünsche ich Euch viel Spass mit dem Fanzine, wir sehen uns auf dem Platz!

Verkaufsstellen / Mailorder: www.bababoomstore.ch www.nofb-shop.de

Euer Daniel

Verkaufsstellen / Laden: Sportantiquariat Germond, Zürich

Grüsse gehen an: Torsten Bunde (Arminia Hannover), Andreas Gläser (BFC Dynamo), Frank Willmann (CZ Jena), Florian Kobler (FC Gossau), Pascal Claude (knappdaneben), Marcel Tappeiner (FC Zürich), Roman Kernen (GC Zürich), Dirk Mederer (Göttingen 05), Jan Stöver (Altona 93), Nicky Kassner (Borussia Neunkirchen), Lake Side Maniacs Singen 04, alle Porteños und FCK-Freunde!

Verkaufsstellen / FCK: Bei den Heimspielen im Clubhaus

Druck: CH-Ausgabe: Schalk Druck, Kreuzlingen D-Ausgabe: NOFB-Shop, Berlin Die Bilder aus dem Seagulls Roar! - Blog wurden grösstenteils von FCK-Fotograf Mario Gaccioli au fgen om m en . Her zlichen Dank!

Ein allerliebster Gruss geht an meine Fabienne, welche meine Leidenschaft mit grosser Geduld erträgt, ich freue mich auf unsere kleine Familie!

Blog: www.portenoskreuzlingen.wordpress.com

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~ The Seagulls Roar! ~ um ein gepflegtes Spiel bemüht war. Nachdem 12. Oktober 2013 FC Frauenfeld vs. FC Kreuzlingen 2:4 der FCF zur Pause mit 2:1 führte, sicherten sich die Grenzstädter in den letzten Spielminuten mit einem Doppelschlag den Sieg im Prestige-Duell. Bereits vor dem Spiel spürte man das beson- 390 Zuschauer sorgten bei schönem Wetter dere Interesse am Kantonsderby. Zahlreiche für den Zuschauerrahmen, darunter geschätzbekannte Gesichter des regionalen Fussballs te 80 Kreuzlinger. In der FCK-Fankurve waren 6x Porteños, 3x Whiskykurve, 4x Winterthur, 1x Letzi Junxx (FCZ) und 5x Singen vertreten. Ein grosses Dankeschön an unsere Gäste! Weisheit des Tages: Wer Hass vermisst, kann nicht erwarten, dass er Liebe erntet.

Derbysieg auf der kleinen Allmend

wollten sich auf der kleinen Allmend in Frauenfeld das Thurgauer Derby zwischen den Traditionsvereinen nicht entgehen lassen. Wie in dieser Saison gewohnt, bekam man ein Spiel mit zahlreichen Defensivfehlern zu sehen. Doch gleichzeitig wurde einem ein äus- Stimmung des Tages: Münster, Braunschweig serst unterhaltsames Spiel mit 6 Toren und und Aachen lassen grüssen, aber Derbysieg! zahlreichen Chancen geboten, in dem der FCK

17. Oktober 2013

Als an Zigarettenschachteln noch Vater und Sohn Freude hatten

Für was hat man nicht Fussballverrückte Bekannte… Kaum erwähne ich was von Norman Smith, schon bekomme ich ein Bild von diesem – und zwar die Kopie eines Sammelbildes von einem Zigarettenpäckchen aus dem Jahre 1935! Die Bildchen der Firma Laurens Cigarettes waren die ersten Fanartikel die es im 4


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~ The Seagulls Roar! ~ Schweizer Fussball überhaupt gab. Auf der Rückseite ist zu lesen, dass es 195 Bilder in dieser Serie gab, lange vor Panini! Kluge Geschäftsstrategie der Firma: wenn man 50 doppelte der Firma zurücksandte, bekam man von dieser 20 neue zugeschickt (…). “Vati, rauch heut doch nochmal ein Päckchen, mir fehlt der Norman Smith!” Ein Dank an Gregory Germond, wärmstens empfohlen sei sein wunderbarer Laden an der Zürcher Frankengasse: www.sportantiquariat.ch.

treffer von Uster. Danach hatten die GrünWeissen die Partie mehrheitlich im Griff und waren deutlich häufiger im Ballbesitz. In der 60. Wagner mit einem schönen Kopfballtreffer. In der 78. gab es wieder fassungslose Gesichter, Ausgleich durch ein Eigentor. Gleich im nächsten Gegenzug dann aber ein spektakulärer Treffer durch Jens Strohm. Nach dem Spiel grosse Freude bei den Porteños, welche ein sensationelles Outro zeigten: sechs brennende Wunderkerzen am Spielfeldrand. Kurz darauf tranken im Club-Container ältere Her-

Das Zigarettenbildchen entstand nach dem Wechsel vom FC Kreuzlingen zum FC St. Galren Bier aus Schnapsgläsern. 3 Punkte! len. Wortwechsel des Tages: “Wer bist Du?”, “Ich 19. Oktober 2013 bin Franz-Josef”, “Was, Du bist Franzose???”, FC Kreuzlingen vs. FC Uster 2:1 Sechs Wunderkerzen für “Nein, ich bin Franz-Josef”, “freut mich, ich bin von Kalabrien!”

den FCK

Dolby-Surround-Effekt: Ganz links Whiskykurve, mitte: Rot-Weiss Uster, rechts: Porteños, welche sich bei 2 Gästen aus Singen bedanken.

Die Zürcher waren erstmals beim FCK zu Gast und fuhren bei der Anfahrt gleich über die deutsche Grenze auf den Konstanzer Teil des Klein Venedigs. Nach diesem etwas kuriosen Umweg schafften Sie es aber noch rechtzeitig ans Spiel. Die Schlachtenbummler aus Uster fielen durch besonders schicke rot-weisse Balkenschals auf. Der FCK lief mit derzeitiger Bestbesetzung aufs Spielfeld. Gleich in der 2. Minute die erste Schrecksekunde, ein Pfosten-

24. Oktober 2013

Verwirrung bei Linth 04

Am Samstag ist der FCK im Glarnerland zu Gast. Grund genug, sich die dortige Platzsituation genauer anzusehn… 5


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~ The Seagulls Roar! ~ Beim FC Linth 04 wird die Austragung der Heimspiele brüderlich zwischen den Fusionsvereinen Niederurnen und Näfels geteilt. Am Samstag ist diesmal Näfels dran. Dort heisst

der Fussballplatz zwar SGU Lintharena, was aber wenig mit dem Fussballplatz zu tun hat. Während der Platz in Näfels, also bei der Lintharena, nämlich ohne so ziemlich allem auskommt, gibt es in Niederurnen immerhin eine nagelneue Tribüne mitsamt integriertem Clubhaus. Was wenigstens ein ganz klein wenig nach Arena aussieht, heisst dort aber Allme(i)nd, also so, wie man sich den Platz in Näfels vorstellt. Kommt dazu, dass Linth 04 jeweils am spätesten seinen Spielplan bekannt gibt. Man darf sich fragen wo der Buschauffeur vom FC Uster landet… Dabei hat der Verein mit den BVB-Farben und dem Schalke-

Kürzel durchaus was zu bieten. Das Clubhaus in Niederurnen ist wohl das modernste in unserer Liga. Der Glarner Vip-Zuschauer sieht dort durch eine Glasfassade direkt aufs Spielfeld – der Haken ist nur das man nicht so recht aufs linksseitige Tor sieht. Aber wir wollen nicht kleinlich sein. Wir freuen uns auf (hoffentlich) Glarner Bier, eine gute Bratwurst (für unsere deutschen Freunde: gut schweizerisch in der Tüte) und ein spannendes Fussballspiel! Abfahrt Kreuzlingen 13.45 Uhr. Container-Romantik in Näfels und Niederurner Clubhaus: Nur die Sicht aufs Tor fehlt…

26. Oktober 2013 FC Linth 04 vs. FC Kreuzlingen 4:3

Spielt ihr noch an der Konstanzerstrasse?

… Eine Frage, die man schon lange nicht mehr hörte. Immerhin spielen wir seit 1959 nicht mehr im heute gar nicht mehr existenten Stadion an der Konstanzerstrasse. Gestellt wurde uns diese Frage von Franz Hauser, Jahrgang 1926, seit 70 Jahren die gute Seele beim FC Näfels bzw. FC Linth 04. Noch heute vergeht bei ihm mit 87 Jahren kein Tag, an dem er nicht auf dem Fussballplatz in Näfels auftaucht, verloren gegangene Bälle einsammelt und nach dem rechten schaut. Am Spieltag bekommt dann jeder Besucher von ihm persönlich ein Matchprogrämmli in die Hand gedrückt, sehr sympathisch. Für die grosse Aktiv-Karriere hat es bei ihm nicht gereicht, zwei Einsätze beim FC Luzern, dann riefen die häuslichen Pflichten. Dafür wurde die Fussballwelt als Zuschauer bereist, ob beim Relegationsspiel der Nati in Istanbul oder gar zweimal am Millerntor in Hamburg, von über6


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~ The Seagulls Roar! ~ all gibt es Anekdoten zu erzählen.

konnte der feucht-fröhlichen Stimmung an Bord auch der Umweg über den Stadtverkehr von Zürich nichts mehr anhaben.

Während wir noch den Geschichten von damals lauschten, zauberte die FCKAktivabteilung bereits auf dem Kunstrasen in Näfels. In den ersten Minuten gleich zwei Tore durch Antonio Mihaylov, welche dem Bulgaren besonders zu gönnen waren. Etwas bitter der unnötige Anschlusstreffer, war es doch die einzige Chance der Glarner in Halbzeit 1. In der zweiten Halbzeit folgte das zweite Gesicht des FCK. Ohne viele Worte zu verlieren, es hiess schnell 4:2 für Linth und der schöne Anschlusstreffer von Piero Saccone sollte an diesem Spieltag den Schlusspunkt markieren.

Ach ja, Franz Hauser war natürlich auch an der Konstanzerstrasse. 1947 war’s, als kopfballstarker Verteidiger von Näfels. Eine tolle Atmosphäre wäre dort gewesen und drei ganz starke Konstanzer hätten die Kreuzlinger gehabt…

Vielen Dank an dieser Stelle auch an Matthias aus Rapperswil, seit vielen Jahren besucht er nun schon in schöner Regelmässigkeit unsere FCK-Spiele in der Innerschweiz. Immer bewaffnet mit FCK-Schal hinter unserer ClubEin letztes Mal “der FCK wird niemals unter- fahne, sehr schön! gehn” und dann zeigte die Kirchturmuhr von Näfels unerbittlich, dass es nichts mehr wer2. November 2013 den würde, für unseren in schwarz-weiss FC Kreuzlingen vs. FC Seuzach 0:0 spielenden Verein. Weiter ging’s für die FC Internationale vs. FC Porteños zum Clubhaus testen. Whisky wurde einem angeboten, aber wir bevorzugten Brat- Nationale wurst und Bier, letzteres dann leider doch von Am gestrigen Spieltag traf der FCK im herbsteiner Grossbrauerei. Was unsere Mädels nicht lichen Klein Venedig auf den Tabellenführer aus Seuzach. Der Gast, welcher mit dem Slogan “unbezahlter Fussball seit 1976″ wirbt, trat mit einer komplett aus Schweizern bestehenden Mannschaft an. Währenddessen unsere Grenzstädter mit einer bunt gemischten Weltauswahl antraten, notabene ohne eine einzigen Schweizer. Die ersatzgeschwächte FCK-Truppe schlug sich überraschend gut und holte beim 0:0 einen Punkt gegen den Favorit. Eine über 90 Minuten konstante Leistung der Grün-Weissen, warum das diesmal ohne grösdavon abhielt, auch dies ausgiebig zu testen sere Probleme ging? Trainer Djordjevic nach und die Reize eines weiten Auswärtsspiel in dem Spiel mit der einfachen Erklärung: “weil immer positiverem Licht zu sehn. Nach geta- wir gegen den Tabellenleader nicht die Initianer Arbeit ging’s mit vollbesetztem Porteños- tive übernehmen mussten”. Es kommt gut im Mobil zurück Richtung Heimat und dabei 7


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~ The Seagulls Roar! ~ Klein Venedig, die meisten der 150 Zuschauer an diesem Abend sahen es ähnlich, darunter Ridvan Rexhepaj lässig im Norman-SmithStand. In der kleinen Porteños-Gruppe war der Altersschnitt, sieht man von Philipp ab, deutlich über 40. Fussball-Smalltalk und ein gespanntes verfolgen des Spiels überwog bei den Vecchi Ultras des FCK.

6. November 2013

Bier, Bratwurst und Schweizer Cup

Am Samstag kommt der SC Binningen mit Oumar Kondé ins Hafenareal. Bevor wir Pause machen bis im März. Dazu kommt das letzte Matchprogramm in diesem Jahr, mit Pasquale als D-Junior, Möggi als Geburtstagskind, dem Duell Kondé vs. Djordjevic und einem Foto von Walter Korber zur Kaiserzeit. Besser im Original abholen, Samstag um 16.00 Uhr. Klein Venedig. Aus dem braunen Karton an der Kasse. Danach links halten, im Clubhaus einen Kreuzlinger Kranz holen und ab an die Bande mit Bratwurst und Bier in der Hand und dem Matchprogramm in der Jackentasche. Ursprünglich und einfach, the heart of football.

9. November 2013 FC Kreuzlingen vs. SC Binningen 3:1

Eine Cup-Saison, dessen Ende man niemals sehen wird

Vor der Winterpause ging es nochmal im Schweizer Cup ran. 1. Qualirunde zur CupSaison 14/15, in der wir das Jahr 2015 ganz bestimmt nie sehen werden, dass Los eines

Amateurvereins halt. Drei Runden gilt es zu überstehen, dann winkt das 1/32-Finale und vielleicht ein Profi-Verein auf dem Hafenareal. Spätestens eine Runde danach ist fast schon naturgemäss Endstation für die Amateure, so konnten sich die Grenzstädter bereits zehnmal fürs 1/16-Finale qualifizieren, aber erst einmal fürs Achtelfinale – und das war 1936. Der Gegner am gestrigen Tag hiess SC Binningen aus dem Kanton Basel-Land, 120 Zuschauer wollten das sehen. Saison-Minusrekord. Mit dabei auch Torsten, zu dem schon lange Kontakte bestehen (Herausgeber vom Groundhopping-Zine “Blick über den Lahmannhügel”) und für den das Spiel der Abschluss einer kleinen Hopping-Tour war (St. Gallen-Valencia, Lustenau-Altach, FCKBinningen). Dessen Verein Arminia Hannover, ehemals 2. Bundesliga, spielt derzeit in der 6. Landesklasse und hatte schon lange meine Sympathien. So wurden gleich Wimpel und Schals der Vereine getauscht und ein Gegenbesuch in Hannover, zum Stollengewitter in Bischofshol, steht auf der to-do-Liste. Die “blauen Jungs aus Bischofshol mit den grün8


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~ The Seagulls Roar! ~ weiss-grünen Vereinsfarben” haben ihre eigene Geschichte, da interessiert Hannover 96 kaum. Und von Stimmung und Krawall beim Derby gegen Eintracht Braunschweig müssen sie Torsten nix erzählen, letzte Woche war er bei Roter Stern gegen Partizan Belgrad. Einem der verrücktesten Derbys der Welt. Aber das Herz hängt dann doch am eigenen kleinen Verein, das verbindet.

nicht langweilig, die Norman-Smith-Bande wird gepinselt, die Merchandise-Maschine angeworfen und dann hat man auch die Zeit ein paar Thurgauer Randsportvereine zu besuchen, HC Thurgau oder Volley Amriswil zum Beispiel. Schade gibts die Konstanzer EG nicht mehr, kennt die noch jemand?

Auch in diesem Blog wird in der Winterpause immer mal wieder was veröffentlicht. Für die In der zweiten Halbzeit sollten dann im Ha- Rubrik “Kreuzlinger Kiste” hab ich noch einige fenareal die Tore Fundstücke und so fallen, zuerst für ganz ohne Fussball Binningen wird es natürlich (welches ohne auch nicht gehen. Kondé antrat), Geschichte am dann gleich drei Rande: Unter den für uns. AnZuschauern feierte schliessend wur“Möggi” Rothacher de auf Dopihren 90. Geburtspeltorschütze tag. Bei jedem Piero Saccone Heimspiel und und die neue selbst bei den Porteños-Sektion meisten AuswärtsHannover angesspielen (!) ist sie tossen. In einer immer noch dabei lustigen Runde und verfolgt dabei bei Pasquale im Hörnli Irish Pub. Sensationell gespannt das Auf und Ab der Grün-Weissen. beispielsweise die Geschichte mit der Zugfahrt Herzliche Gratulation auch von den Porteños! von Kreuzlingen nach Basel. Aufgrund eines Rabattangebots wurde eine Route über Offenburg (!) ausgesucht. In Kreuzlingen also in den 6. Februar 2014 Zug eingestiegen, der blieb aber zu lange ste- Eine Strasse und Ihre Gehen und so wurde bereits in Konstanz (!) der schichte Anschlusszug verpasst, in Singen wurde dann Die Konstanzerstrasse – einst besonders bei das Gepäck verloren und so weiter und so den Grenzgängern beliebte Einkaufsstrasse im Westen von Kreuzlingen, heute eine für fort… In der Meisterschaft ist erstmal Winterpause Schweizer Verhältnisse ziemlich heruntergebis zum 8. März. Aber den Porteños wird’s kommene Gegend mit leerstehenden Läden. 9


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~ The Seagulls Roar! ~ Der mittlerweile weggezogene Migros-Markt, im Volksmund auch bekannt als “SchwabenMigros”, war zu seinen besten Zeiten bei den Deutschen so beliebt, dass er an manchen Einkaufstagen zwischenzeitlich geschlossen werden musste. Die einkaufswütigen Grenzgänger konnten erst wieder hinein, wenn genügend Nudel- und SchokoladenTouristen nach ihrem Einkauf vollbeladen aus dem “Schwaben-Migros” herauskamen. Heute steht das grosse Gebäude genauso leer wie viele andere. Selbst der vielgeschossige Neubau namens “Garden-City” konnte die Konstanzerstrasse noch nicht zu neuem Leben erwecken. Auch hier sind die meisten Ladenflächen im Erdgeschoss bislang ohne Mieter geblieben.

Bis in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts stand hier das Stadion an der Konstanzerstrasse, welches in seinen letzten 20 Jahren “Grenzland-Stadion” genannt wurde. Gleich gegenüber die heute ebenfalls nicht mehr existente Seifenfabrik Schuler, der damalige Garant der FCK-Erfolge. In den besten Jahren der Grenzstadt-Kicker und der Seifenfabrik entstand 1932 mit dem “Apollo” ein weiteres markantes Gebäude in Form eines Kinos an der Konstanzerstrasse. Western und Krimis liefen hier bis in die siebziger Jahre, zumeist auf italienisch, den vielen Emmigranten aus dem südlichen Nachbarland geschuldet. Der im “Apollo” ebenfalls auftretende Hypnotiseur Sabrena sorgte bei Gastarbeitern und Einheimischen gleichermassen für aufsehen. Heute erinnert an die schillernde Film- und Traumwelt des Apollo’s nur noch die ausser Betrieb gesetzte Neonröhreninstallation. In den letzten Jahren wurde der Preis-

druck der Konstanzer Kinos zu gross und mit Schmuddelfilmen wollte sich der Besitzer nicht über Wasser halten. Am anderen Ende der Konstanzerstrasse, am

Emmishofer Zoll, geht es rechts in die Grenzstrasse. Dort hatte man weniger Probleme mit dem Schmuddel-Image, eine Handvoll mehr oder weniger in rotes Licht getauchte Lokale lebten ganz bequem davon. Eine KleinstadtRotlichtmeile in Miniatur, wie es sie in der gutbürgerlichen Thurgauer KleinstadtWelt der siebziger und achtziger Jahre wohl nur so nahe an der Grenze geben konnte. Man sagt die Menschen an der Konstanzerstrasse seien von einem besonderen Schlag. Laute Musik wurde hier immer gerne gehört, im Rock-Café und später im Temple of Music oder in der Roxy-Bar, einem kleinen Rockabilly-Laden. Man muss auffallen um sich die Leute hierher zu holen, an eine Strasse die bezeichnenderweise nach dem nächsten Ort benannt ist. Laute Musik, die besten Zigarren wie bei Portmann, man muss Träume bedienen auf der Leinwand oder in schummrigen Bars oder man muss schon immer da gewesen sein – wie Angelo Mancuso mit seinem kleinen Friseur-Salon. 10


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~ The Seagulls Roar! ~ Irgendwann gingen die besten Jahre an dieser Ecke vorüber. Die Musik blieb, der weit über die Grenzen hinaus bekannte Tabak-Laden von Urs Portmann und der Barbier aus Italien. In den letzten 30 Jahren hat sich nicht viel verändert im kleinen Salon an der Konstanzerstrasse 5. An dessen Gebäude nichts mehr gemacht wurde seit die Migros weggezogen ist. An den Wänden und in der Vitrine hängen und liegen alte Fotos und Andenken aus vergangenen Zeiten, von den grossen Tagen des AC Milan, von Vespas und der heiligen Jungfrau – und vom FC Kreuzlingen. Der Barbier Angelo Mancuso war selbst lange Jahre im Vorstand und Sport-Chef, sein Bruder Franco ein wieselflinker Spieler der Grün-Weissen, noch heute schwärmt der Bruder: “in jedem Spiel mindestens zwei Tore!” Wenn man bei einem Haarschnitt oder einer Bartrasur Fussball anspricht, ist man auf der sicheren Seite. “Ich bin ein Fanatiker!” heisst es dann gleich und es wird geschwärmt von alten Tagen und schon bald werden Schuhkartons mit alten Zeitungsausschnitten hervorgesucht. Auch alte handgeschriebene Statistiken kommen stapelweise zum Vorschein, von jedem Spiel und jedem Training. Es wurde genau Buch geführt über jedes zu späte kommen der Spieler, “einen Franken pro zu spätem Erscheinen!”, -gezahlt hätten sie dann doch nicht.

Irgendwann sei den jungen Heisspornen der Erfolg etwas zu Kopf gestiegen. Das damals als 2. Mannschaft figurierende Team des FC Kreuzlingen-Italica wollte aufsteigen, dort versperrte ihnen aber die 1. Mannschaft des FCK den Weg. Es folgte der Austritt aus dem Verein und die Neugründung als AS Nuova Italica und später AS Calcio Kreuzlingen. Vorbei waren die gemeinsamen Zeiten im Hafenareal. Die alten Italiener, welche auch in der 1. Mannschaft des FCK’s Erfolge feierten, trauerten der Zeit noch etwas nach – aber so ist der Lauf der Dinge. Der Italienerverein spielt übrigens noch heute eine Liga unter dem Stadtverein. Überhaupt die alten Fussballzeiten, 700, 800 Zuschauer seien es bei jedem Spiel gewesen und Tausende waren es beim Fussball in Konstanz – gegen Singen oder die DJK. Der Barbier gerät ins schwärmen: “das Bodenseestadion in den 50ern, dass war für mich damals schöner als in Mailand, die Bäume, der See, das herrliche Grün des Rasens!” Aber Ehrensache, dass man auch heute noch zum Fussball geht, manchmal auch zwei Spiele an einem Tag, zuerst der FCK und danach Calcio. Bratwurst und Salsiccia. Dann wird noch immer diskutiert über falsche Aufstellungen und alte Heldentaten – auf den Fussballplätzen und am Montag im Salon an der Konstanzerstrasse, so ist es bei Fanatikern! 11


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~ The Seagulls Roar! ~ Vor kurzem zog ein Büro für Werbe- und Grafikdesign an der Ecke Konstanzer- / Grenzstrasse ein. Man spüre hier Potential und Kreativität, es sei fast ein ganz, ganz klein bisschen so wie damals im Londoner Soho. Viele Kreuzlinger sehen die Welt nicht mit den Augen eines Werbebüros und der Barbier möchte nur das die Strasse vor seinem Laden endlich geflickt wird, aber eines ist sicher, an der Konstanzerstrasse wird es schon irgendwie weitergehen…

7. März 2014

Die Rheintaler kommen Am Samstag startet die Rückrunde im interregionalen Amateurfussball. Anspruchsvolle Amateurkickerei im Klein Venedig, ungewohnt im hintersten Ecken beim Seeufer, auf dem Kunstrasenplatz. Erstmals spielen wir dort ein Meisterschaftsspiel. Es soll unserem gepflegten Spiel zugute kommen, die Holzhackerbuam aus Altstätten in die Schranken gewiesen werden. Die Naturrasenfreunde sind etwas verschnupft, doch die Plastikwahl scheint sinnvoll. Bei einer Niederlage könnte man schnell unter den Strich rutschen. Unter den berühmten Strich, welcher die Fussballfans seit jeher ängstigt. Das Wetter scheint am Samstag prächtig zu werden, nicht unwichtig bei dem windigen Platz. Bei den letzten Spielen die ich dort erlebte, gab es Eisklumpen im Bier. Die Zeitungsartikel sind geschrieben und die

Matchprogramme gedruckt, die Vorratsschränke sind gefüllt und das Kassenhäuschen aufgebaut, die Arbeit der Ehrenamtsmänner ist erledigt. Jetzt ist wieder Zeit für die Wahrheit auf dem Platz. Technik gegen Kampf, Bodensee gegen Rheintal. Samstag, 17.45 Uhr, Klein Venedig.

8. März 2014 FC Kreuzlingen vs. FC Altstätten 4:0

Ein 4:0 vor den Konstanzer Landungsbrücken

Premiere beim FC Kreuzlingen. Zum ersten Mal in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte wurde ein Meisterschaftsheimspiel auf Kunstrasen ausgetragen. Auf dem gewohnt windigen Platz direkt am Bodenseeufer und mit schöner Aussicht auf die Konstanzer Altstadt-Silhouette (O-Ton von einem Gast bei den Porteños: fast wie die Landungsbrücken und der Michel in Hamburg) ging die Partie gleich mit 4:0 an die GrünWeissen. Ich kann mich an keine einzige Chance der Rheintaler erinnern und ich glaube ausnahmsweise nicht, dass das an den reichlich zirkulierenden Kreuzlinger Bierkränzen lag. Da konnten auch zwei verschossene Elfmeter nicht stören. Wie meist beim FCK gab es auch abseits des Spiels reichlich kurioses zu sehen und zu hören. Legendär die viertelstündlichen “usenaaannd!!!” -Rufe eines Zuschauers neben uns. Wir konnten das mit der jeweiligen Spielsituation nicht wirklich in 12


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~ The Seagulls Roar! ~ Verbindung bringen, aber vielleicht mussten wir das auch nicht verstehen. Schnell kam bei uns die Diskussion auf wo den die Rufe überall noch zur Anwendung kämen, jedenfalls blieb kein Auge trocken. Die gute Laune hielt auch dank der überzeugenden Leistung noch lange an, dass Spiel steigerte die Vorfreude auf die Rückrunde doch erheblich!

des spärlichen Zuschauerzuspruchs auf beiden Seiten (110 Zuschauer, darunter ganze sechs (!) erkennbare Kreuzlinger), war das aber auch kein Problem. Mit dabei war wieder Marko. Der estnische Fussballfan besucht jedes Wochenende die interessantesten Spiele im Inund Ausland und ist dabei auch schon seit vielen Jahren FCK-Fan. Er ist dabei GroundDer FCK in den neuen Schottenmuster- hopper, ohne das er das Wort jemals benutzen würde, er macht das einfach aus Leidenschaft, schön! Zu Beginn gab’s was fürs Auge, die Gastgeber schickten Cheerleader aufs Feld. Die Amerikanisierung im Fussball gefällt normalerweise überhaupt nicht. Aber bei so einem kleinen Verein wirkt das dann wieder so exotisch und kurios, dass es für einmal einen Bonuspunkt gab. Besonders wenn da ein Mann äusserst engagiert mitwirkt, man beachte das Foto! In der ersten Halbzeit kam Freienbach bei Trikots, trotz Ähnlichkeit mit Schlafanzügen ausgeglichenem Spiel zu den besseren Toraus den 70ern, kamen diese mehrheitlich gut chancen und dem verdienten 1:0. Die letzten an. 20 Minuten waren dann was vom spannendsten in der bisherigen Saison. In der 76. Minute 15. März 2014 flog Kojic durch ein Notbremsefoul vom Platz, FC Freienbach vs. FC Kreuzlingen 2:2 zu zehnt gelang der Ausgleich in der 80. MinuCheerleaders und Lastte durch Antonio Mihaylov und in der 91. Minute sogar der Führungstreffer durch einen Minute-Tore in Freien-

bach

In der 15. Runde waren wir in Freienbach (Kanton Schwyz) zu Gast. Aufgrund des regnerischen Wetters gingen wir auf die Tribüne und richteten uns mit der Porteños-Fahne im ziemlich zugigen Bereich der VIP-Plätze des Gastgebers ein. Wie sich später herausstellte, direkt hinter dem Präsidenten des FC Freienbach. Aufgrund 13


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~ The Seagulls Roar! ~ sehenswerten Weitschuss von Jens Strohm. Unglaublich! Man spürte bis auf die Tribüne, dass die Mannschaft unbedingt den Sieg in diesem Spiel wollte. Der Schock dann in der 94. Minute, als die Innerschweizer doch noch

gung Schaffhausen kündete sich denkbar schlechtes Wetter an. 105 Zuschauer wagten es trotzdem und pilgerten auf den hinteren Kunstrasenplatz im Klein Venedig. Vom Regen wurden die letzten FCK-Getreuen dann auch verschont und sahen in der zweiten Halbzeit eine recht starke Hafenstadt-Truppe welche das Spiel mit 2:1 gewann. Im Clubhaus wurde diese anschliessend mit fast schon enthusiastischem Applaus empfangen, sowas gab es bei uns auch schon länger nicht mehr. Die gute Laune unter den Zuschauern bemerkte man schon in der Halbzeit zuvor. Nebst dem Spiel sorgten die emotionsgeladenen Rufe eines Besuchers auf der ge-

zum Ausgleich kamen. Emotionen pur, welche die Kälte vergessen liessen. Im Clubhaus sassen dann die Handvoll Kreuzlinger zusammen und fragen sich wieso es nicht mehr Veteranen, Fans, Vorstands- und Clubmitglieder an die Auswärtsspiele schaffen. Da müssen sich diese einfach fehlende Leidenschaft vorwerfen lassen. Die Spieler und das Trainerteam hätten jedenfalls mehr Zuspruch verdient. samten Gegengeraden für Erheiterung. DieEs gab was zu sehen in Freienbach, leiden- ser, bei Flutlicht mit Sonnenbrille ausgestatschaftlich war dabei auch der einzige Mann im tet, sorgte mit seinen fast schon legendären Zurufen wie “uuseenand!!!”, “zäämeee!!!”, Team: “konzentriere!!!” für beste Unterhaltung. Ausgelassen ging es auch nach dem Spiel weiFC Kreuzlingen vs. SV Schaffhausen 2:1 ter. Die Ü60-FCK-Fans sammelten nach dem Spiel alle liegengelassenen Matchprogramme 105 Zuschauer und ein ein, um diese auf dem Heimweg in Briefkästen applaudierendes Clubzu verteilen und so den glorreichen FCK unhaus ters Volk zu bringen. Für diese ohne Zweifel Auf das gestrige Spiel gegen die Spielvereini- beschwerliche Arbeit, brachten sich die älteren

22. März 2014

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~ The Seagulls Roar! ~ Herren mit diversen “Kurzen” im Clubhaus in Ridvans Vater würde sich mit schaudern vom Schwung. Die Hafenstadt-Elf macht wieder Spiel abwenden und Martin Horàk, tschechigute Laune. Sehr schön! scher Ex-Profi bei den Südthurgauern würde das Spiel in einer Schenke verpassen, so wird alles kommen. Da half auch der Einwurf 29. März 2014 FC Kreuzlingen vs. FC St. Margrethen von Thomas Hinder nichts mehr, dass der FC Der Maestro, ein 3:0 und Sirnach noch viele andere gute Spieler hätte. Darauf gab’s gleichmal eine Runde Bier, oder eine Prophezeiung Tolles Wetter, gute Stimmung, alles war parat Fanta mit Mineralwasser. Den 27. April 2014 für einen schönen Fussballabend im Klein muss man sich merken. Fussballplatz Klein Venedig, its showtime: “Usenand!!!” Kreuzlingens Fussballmaestro gibt die Richtung vor. Bei den Porteños dabei: René Streuli, mit dem ich Mitte der Neunziger Jahre recht intensiv die Bundesliga-Stadien Im Clubhaus mit den Porteños am Tisch: bereiste. Thomas Hinder, 19 Jahre Präsident beim FC Sirnach, Ridvan Rexhepaj, Sirnacher Trainer 6. April 2014 und FCK-Legende und Bruno Brütsch, 23 Jah- FC Mels vs. FC Kreuzlingen 2:1 Venedig. Die Mannschaft spielte mit, erspielte sich Chance um Chance und dreimal klingelte es dann auch bei den Blau-Weissen aus St. Margrethen. Nach dem 3:0 sah man nur zufriedene Gesichter.

Die Angst am Fusse des Gonzen

Vor schöner Bergkulisse trat unsere Grenzstadtelf beim Tabellenletzten an. Dieser gab am vergangenen Wochenende mit seinem 3:2Sieg in Schaffhausen ein erstes Lebenszeichen von sich. Der FC Mels ist dabei ein typischer Dorfverein, der mit seinen Mitteln in der 2. Liga Interregional wohl mehr oder weniger auf dem Zenit spielt. Die Melser machen dabei das beste aus ihren Möglichkeiten und so passt auch das kleine holprige Fussballfeld ganz gut dazu. Einfache Arbeit im Sarganserländer Seeztal, das wird auch von den Zuschauern honoriert, 220 an der Zahl, trotz der schlechten Klassierung.

re Spielberichterstatter mit legendären Berichten und Geschichten, der auch mit Ridvan früher nicht zimperlich umging – für spannende Unterhaltung war gesorgt. Die Prognose der Kreuzlinger am Tisch: Im Rückspiel auf Es gibt diese Tage als Fussballfan, da fährt der Kett in Sirnach würde der Emporkömm- man an ein Spiel und hat von vornherein ein ling mit 5:0 gegen den FCK untergehen, selbst schlechtes Gefühl. Kommt dazu, dass ich dem 15


Grenzstadtkurier Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ The Seagulls Roar! ~ zu schönen Wetter beim Fussball nicht traue. Eine tiefsitzende Abneigung, wahrscheinlich herrührend vom verpassten Aufstieg in die Nationalliga B, im heissen Sommer 2004.

see. Als Fussballfan neigt man zum Aberglauben, waren es die Berge, das Wetter? oder einfach nur die fleissigen Melser Fussballarbeiter, welche uns die Punkte genommen hatNicht besser wurde die Vorahnung, als man ten? die lange Reihe fehlender Spieler in der Aufstellung sah: Beran, Saccone, Veliu, Gimenez. 12. April 2014 Damit fehlte auch ein Herzstück vom FCK. FC Kreuzlingen vs. FC Widnau 2:2 Doch hatte man sich getäuscht? Die ersten Der Fan ist ein schlechter Minuten zeigten trotz der Absenzen die tech- Fussballzuschauer nische Überlegenheit der Gäste. Danach kipp- Am Samstag spielte unsere Grenzstadt-Elf 2:2

te es. Die Kreuzlinger spielten ängstlich und gerieten mit 2:0 in Rückstand. Pause, in der Kabine dürfte es laut geworden sein. Ausserhalb der Kabine war es angenehmer. Zum ersten Mal wurde ich als FussballBratwurst-Tester erkannt, aber im tiefen Osten der Schweiz hat man davor zurecht keine Angst. Die letzte Viertelstunde drückten die GrünWeissen aufs Tempo, daraus resultierte der Anschlusstreffer durch unseren griechischen Stürmer Simtsakis und zahlreiche hochkarätige Chancen. Aber auch gefährliche Konterchancen der Melser, inklusive einem verschossenen Elfmeter. Am Ende jubelte Mels, nicht ganz unverdient. Bei strahlendem Sonnenschein ging es zurück über die Rheintalautobahn Richtung Boden-

gegen den nach Verlustpunkten in der Tabelle führenden FC Widnau. 150 Zuschauer wollten sich das ansehen, darunter ein Dutzend Widnauer und bei den Porteños ein Fan vom befreundeten FC Singen 04. Immer wieder schön der Austausch über die Grenze hinweg. Als Fan ist man ein denkbar schlechter Fussballzuschauer. Gerne würde man sich auf das Spiel konzentrieren, die Laufwege beobachten, das verschieben der Reihen, die Taktik, die gelungenen und missglückten Spielzüge im Auge behalten. Aber in den 90 Minuten trifft man auch seine Fussballfreunde, tauscht sich über sämtliche Ligen und Spiele aus, von der südbadischen Landesliga bis zur Champions League. Es wird geklärt welcher Verein einen Elefanten im Logo führt (Catania Calcio), welche Traditionsvereine auch mal wieder höher spielen sollten (natürlich ein dankbares Thema), warum die BVB-Fans Rot-Weiss Essen mögen, was die Rangers in der 3. schottischen Liga treiben oder wie Pallavolo Lugano gegen den TV Schönenwerd gespielt hat. Dazwischen Jubel und Verwünschungen, Tore von Toni Mihaylov und … eben, für manches wartet man doch gerne auf denSpielbericht am Sonntag. 16


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~ The Seagulls Roar! ~ Wenn man unter Fussballverrückten ist, kann es auch passieren, dass man einst am genau gleichen Spiel war und zuvor im genau gleichen Pub mit Celtic-Fans feierte und dies dann 16 Jahre später im Klein Venedig merkt.

16. April 2014 FC Kreuzlingen vs. FC Hergiswil 1:3

Schon wieder ein vorzeitiges Aus im Schweizer Cup

Eins vornweg, für mich als Fan ist ein CupSpiel wichtiger als ein Meisterschaftsspiel, vor allem wenn man im Mittelfeld klassiert ist. In der 1. Liga ist man mit zwei, in der 2. Liga Interregional mit drei Siegen gegen gleichklassige Vereine im 1/32-Finale und damit in der Hauptrunde, an der auch sämtliche ProfiVereine teilnehmen. Wir spielen Meisterschaft für Meisterschaft praktisch gegen die gleichen

Vereine, da bringen schon die Vorrunden eine gewisse Abwechslung. Aber die Hauptrunden sind für die Zuschauer ein echtes Highlight! Jahr für Jahr, und das schon seit den Burgerfeld-Zeiten, merkt man an Kleinigkeiten, dass dies vom sportlichen Team unterschätzt wird. Nicht jeder Verein sieht das so, es gibt einige richtige Cup-Vereine im Amateurfussball, der FC Hergiswil ist so einer und spielte in den letzten Jahren regelmässig in den Hauptrunden. Doch noch stärker dürften diesmal die Absenzen ins Gewicht gefallen sein. Neun verletzte oder kranke Spieler beim FCK, so spielte CoTrainer Aydemir Demir 90 Minuten durch und Ersatztorhüter Orkan Avci kam in der 2. Halbzeit als Stürmer zum Einsatz! Sowas hat man im Hafenareal auch noch nicht erlebt. Die Sache ist schnell erzählt, zwischen der 17. und 26. Minute zog Hergiswil mit 0:3 davon, beim Schlussfeuerwerk in den letzten Minuten

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~ The Seagulls Roar! ~ reichte es nur noch zum 1:3, daran beteiligt unser stürmender Torwart Orkan Avci. Wer mehr zum Spiel lesen will: Bericht auf sportfan.ch. An dem Abend liefen ja noch einige andere Spiele im TV, wenn dann Bayern-Fans bei den Porteños auf ihr DFBPokalhalbfinale verzichten um den FCK zu sehn, und dabei “Glotze aus – Stadion an”

punks fehlten erneut komplett, dafür hats ein total verpeilter (Ex-?)Journalist zu uns geschafft, muss man nicht haben. Ein paar Konstanzer Jugendlichen hats trotzdem gefallen, Piero Saccone sei der coolste Spieler und die Trikots genial. Sie würden wieder kommen. Wunder geschehen vielleicht doch noch. Foto: Im Hintergrund: Késsia am Tellerwaschen. Im Vordergrund: Fassungsloses Aus im Schweizer Cup...

27. April 2014 FC Sirnach vs. FC Kreuzlingen 1:3

Traditionsverein schlägt Emporkömmling

Am Sonntag fuhren wir Richtung Hinterthurgau, oder wie es neuerdings heisst, Südthurgau. Der dortige Kantonsrivale FC Sirnach, trainiert vom ehemaligen FCKPublikumsliebling Ridvan Rexhepaj und mit mehreren Ex-Kreuzlingern im Kader, ist derzeit in der Spitzengruppe der 2. Liga Interregional anzutreffen. Thurgauer Emporkömmling gegen Thurgauer Traditionsverein, für einmal ging es zu unseren Gunsten aus. wirklich leben, ist das Ausscheiden um so bitterer. Ginas Kaffee wär das beste an dem Abend gewesen. Noch ein Wort zur Zuschauerkulisse. 90 Zuschauer waren anwesend, darunter nicht wenige aus Hergiswil. Unter der Woche hatten wir schon immer weniger Zuschauer, aber das ist in einem Pflichtspiel ein neuer Minusrekord. Ich hab seit 1999 kaum ein Spiel vom FCK verpasst, eine zweistellige Zuschauerzahl hab ich aber noch nie erlebt. Die Wochenend-

Schöne Sirnacher Geste vor dem Spiel: FCKSpeaker Bruno Brütsch konnte als Co-Speaker die Kreuzlinger Aufstellung bei diesem Auswärtsspiel durchgeben. Das Hinspiel verloren die Grenzstädter mit 1:2 (auch hier lag bei den Porteños mal wieder der junge Philipp richtig und nicht die vecchi Boys unter den FCK-Fans). Das Derby ging vor etwas hoch angegebenen 360 Zuschauern mit 1:3 an die Möwen aus der Hafenstadt. Zwei Tore schoss mit Jelid Veliu ausgerechnet ein Ex-Sirnacher in den Reihen des FCK. 18


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~ The Seagulls Roar! ~ Wenn die Kreuzlinger Fans durchschnittlich zwei Bratwürste oder Salsiccia ordern, spricht das für die Festwirtschaft der Gastgeber. Das dürfte erstmals drei Bratwürste in der Fussballplatzguide-Bewertung des FCKMatchprogrammes geben. Wie fast immer nach dem Spiel schauten Piero Saccone und Domenico Aiello bei den mitgereisten Porteños vorbei, Italiener verstehen was von Leidenschaft. Das nächste Derby kann kommen, 3. Mai um 17.45 Uhr im Klein Venedig gegen den FC Amriswil.

Land, Boulevard gegen Apfelbaum-Idylle. Dem Gast aus Amriswil, zuvor 380 Minuten ohne Gegentor, wurden gleich vier Tore eingeschenkt. Aber fairerweise muss man sagen, dass die Oberthurgauer keineswegs chancen-

3. Mai 2014 FC Kreuzlingen vs. FC Amriswil 4:2

Stadt gegen Land 4:2

Bei nasskaltem Mai-Wetter versammelten sich los waren. Am Ende siegte die Grenzstadt-Elf (grosszügig gezählte) 300 Zuschauer zum kleiin einer unterhaltsamen Partie mit 4:2, was nen Kantonsderby im Kreuzlinger Klein Venedem Gastanhang aus Amriswil anschliessend dig. Kreuzlingen gegen Amriswil, Stadt gegen schwer im Magen lag. Dreifacher FCK-

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~ The Seagulls Roar! ~ Torschütze Antonio Mihaylov, im letzten Sommer aus der 2. bulgarischen Liga zum FCK gestossen, war der Erfolg besonders zu gönnen. Er widmete die Tore seiner Freundin, schöne Bilder auf dem Hafenareal.

Anzeigentafel. Nach dem Spiel wurden die auswärtsfahrenden FCK-Fans (Porteños, Veteranen) zu einem Abendessen in die Bodenseearena eingeladen – eine schöne Geste des Ver-

Nun geht es nächsten Sonntag zum FC Gossau ZH (16.00 Uhr), zum ersten Mal überhaupt für die Kreuzlinger. Am Samstag, 17. Mai um 17.45 Uhr kommt es dann im nächsten Heimspiel zum grossen Kantonsderby. Zu Gast wird der FC Frauenfeld sein. Ein ganz spezielles Spiel für Thurgauer Fussballfreunde. Edit: Es war Antonio’s sehr gut aussehende eins unserer Herzen. Dort waren sich alle AnMutter… ;) wesenden einig, mit einem Sieg am kommenden Samstag gegen die Kantonshauptstädter 11. Mai 2014 wäre diese Niederlage schnell vergessen. FC Gossau ZH vs. FCK 6:2 Kreuzlingen vs. Frauenfeld, am Samstag um Vom Winde verweht 17.45 Uhr im Klein Venedig! Fussball auf dem Lande, hier ist der Trainer Sohn vom Vereinsgründer, die Kirche steht

17. Mai 2014 FCK vs. FC Frauenfeld 4:2

noch im Dorf und der Traktor am Spielfeldrand. Das anfänglich gewohnt saubere Stafetten-Spiel der Kreuzlinger wurde alsbald vom Winde verweht. Schwarze Wolken, orkanartige Böen, Regenschauer, die Zuschauer flüchteten ins Clubhaus oder verfolgten das Spiel von der überdachten Terrasse des Nebenplatzes. Auf dem Platz standen sich zwei der erfolgreichsten Rückrundenteams gegenüber, doch die FCK-Elf erwischte einen rabenschwarzen Tag. Ein brutales 6:2 stand am Ende auf der

Derby 2014: Porteños gegen Kuhglocken, Grenzstadt gegen Hauptstadt, das ewige Thurgauer Fussballduell!

Das Thurgauer Derby lockte. Kreuzlingen vs. Frauenfeld, ein echtes Prestige-Duell im Kanton. Beide Vereine konnten in den letzten Jahren nicht mehr an ihre besten Zeiten anknüpfen, doch es spricht viel dafür, dass die kommende Spielzeit wieder vermehrt den beiden Traditionsvereinen gehören wird. Es war klar, dass es lange nicht mehr die 850 Zuschauer aus der letzten Begegnung vom November 2011 werden würden. Mit schluss-

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~ The Seagulls Roar! ~ endlich 280 Zuschauern bei schönstem Wetter Vom Erfolg war die Kulisse dann aber doch etwas unter Porteños: den Erwartungen.

geblendet,

die

Kreuzlinger

Unterstützt wurden die Kantonshauptstädter von einer über 70-jährigen Anhängerin mit geschmücktem Fankoffer, Jeans-Gilet mit FCF -Aufnähern, FCF-Schals und einer riesigen Kuhglocke. Maria Hasler ist die noch letzte verbliebene Anhängerin aus den Frauenfelder Nationalliga-B-Zeiten Anfang der achtziger Jahre. Wie es sich für ein Derby gehört, waren auch einige Fussballtouristen vor Ort. Ein FCZ - und ein SC Brühl-Fan deckten sich nach der Gefunden auf Partie mit reichlich FCK- und Porteñosknappdaneben.net: Fanutensilien ein, beliebt waren unter anderem die noch fehlenden Grenzstadtkurier- Dialog im Utogrund Ausgaben und die Hafenareal-Postkarten aus Abstiegskampf in der 1. Liga, Mitte 2. Halbder knappdaneben-Edition. zeit, hinter dem Zapfhahn: Schön auch das Transparent aus der Whisky- „Du, das Fass ist aber noch fast voll“ kurve mit den abgewandelten Stadtlogos und „Mach dir keine Sorgen, die von Kreuzlingen kommen sicher nochmal.“ dem Slogan “Die wahre Hauptstadt liegt am See”, eine gelungene Aktion. Weniger schön, Antwort im Netz: dass man in dessen Reihen Leute gegen die „Anschliessend leerten sie auch noch husch Porteños aufhetzen muss, sobald sie das Ha- den Kühlschrank im FCZ-Museum nebenan. fenareal betreten. Der Schmerz muss tief sit- Zitat des Mitarbeiters dort: „200 Franken in 30 Minuten!“ zen, ziemlich unnötig. Das Spiel gewann der FCK wie schon im Hinspiel mit 4:2, Spielberichte findet ihr an dieserStelle. Damit steht die Bilanz der letzten Dekade bei 10 Siegen, 2 Unentschieden und 2 Niederlagen aus Sicht der Kreuzlinger! In der Tabelle wurden die Frauenfelder nun ebenfalls überholt, auch in der Schlussklassierung ist die Bilanz eindrücklich, seit mindestens 15 Jahren war der FCK am Ende der Saison nicht mehr hinter den Kantonshauptstädtern platziert. Eine gesunde Rivalität, welche das Salz in der Suppe der 2. Liga Interregional ist! 21


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~ Millwall Football Club ~ Im August vergangenen Jahres ging es mal wieder auf die Insel, zum vierten Mal an ein Spiel vom Millwall FC. Dieser verruchten Liebe im Londoner Südosten. Ein furchtbarer Verein, ich bin auch kein Fan von Millwall, aber irgendwas zieht mich alle paar Jahre an die Cold Blow Lane. Ferienbedingt war es diesmal leider nur ein unbedeutendes Liga-Cup-Spiel, immerhin gegen den AFC Wimbledon, diesen wollte ich schon immer mal sehen. Londoner Derby zwar, aber kein bedeutendes. Mit dabei hatte ich meine Freundin, dass „the Den“ eines der RandaleHot-Spots der Insel ist, oder besser war, hatte ich ihr vorsorglich verschwiegen. Liga Cup und AFC Wimbledon, da kann es nicht gefährlich werden, aber ob Madame das wirklich versteht? Besser einfach buchen. Das Stadion liegt bekanntlich in einer nichtssagenden, langweiligen Gegend, etwas heruntergekommen, nichts würde darauf schliessen lassen, dass genau hier ein Verein mit einer so leidenschaftlichen Fanbasis zuhause ist. Von den „Dons“, diesem von Fans neu gegründeten Verein, waren etwa 1‘000 Supporter da, welche auch hin und wieder einige Chants anstimmten, im gesamten waren es vielleicht 4‘000 Zuschauer. Bei Millwall stimmten maximal 30 Personen hin und wieder das legendäre „no one likes us“ an, dass war‘s. Mir ist das aber lieber und ehrlicher als ein Ultra-Haufen welcher bei einem unbedeutenden Testspiel am Rad dreht. Die

Leute auf der Insel schauen und lieben Fussball, ab und zu ein guter Roar - thats it! Natürlich, bei einem guten Spiel sollte auch das Stadion kochen, da ging schon etwas verloren und man lebt zu sehr vom Mythos. Aber auf der Insel macht man sich langsam dazu Gedanken und es gibt neben den hohlen Biertrinkern genug oldschool-Typen die ebenfalls Bier trinken, aber trotzdem verstehen, was sie für eine Kultur zu verteidigen haben. Millwall gewann das Spiel übrigens 2:1 und es blieb natürlich völlig ruhig an der Cold Blow Lane und meiner Freundin hat‘s auch gefallen. Untenstehendes Foto musste auch sein, an der berüchtigten Bahnstation vor dem Stadion, mit spärlich beleuchtetem Millwall-Schild, wie aus einem billigen Hooligan-Roman - genial. Drei Monate später waren wir am Millerntor und meine Freundin musste wieder eines dieser Bilder von mir mit Stadion im Hintergrund schiessen. Ein anderes Pärchen rannte dort ebenfalls rum, mit dem gleichen Ziel, sie mit Einkaufstasche und leicht genervt. Beim Fussball sind Männer alle gleich.

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~ Borussia Neunkirchen ~ Old Glory Group In der Reihe “Old Glory Group” stellen wir Traditionsvereine vor. Traditionsvereine, die von der grossen Fussballbühne verschwanden, aber von Enthusiasten weiter geliebt und gefördert werden. In den vorherigen Ausgaben machten Jan Stöver mit Altona 93 und Torsten Bunde mit Arminia Hannover den Anfang. In dieser Ausgabe ist Nicky Kassner mit Borussia Neunkirchen an der Reihe. Hallo Nicky, wir kennen uns aus der Ferne schon seit etlichen Jahren. Damals hattest Du ein antirassistisches SkinheadFanzine am Start, heute schreibst Du mit dem Stahlwerk einen Blog, der sich in der Hauptsache um Borussia Neunkirchen dreht, scheinst aber auch ein ausgesprochenes Faible für den alten Saarländer Fussball zu haben. Wie kam es zu der Verlagerung des Schwerpunktes von Skinhead auf Fussball in deinen Artikeln? Und wie kamst Du überhaupt zu Borussia Neunkirchen? Zur Borussia bin ich durch meinen Umzug ins Saarland gekommen, mit diesem Schritt war klar, dass ich meinen Kindheitsverein Lok Leipzig nicht mehr wirklich oft sehen werde. Mit jedem sportlichen Abstieg wurden die Entfernungen, Zeit und Geldtechnisch, größer und spätestens mit der Auflösung des VfB Leipzig war ein Teil meines Vereins gestorben. Zwar freue ich mich, dass es den 1.FC Lok wieder gibt und er wird auch immer seinen Platz in meinem Herzen haben, aber es ist irgendwie nicht mehr dasselbe. Und da Fußball nun mal live immer noch am schönsten ist, hat sich irgendwann die Frage gestellt, wohin ich im Saarland Fußball gucken gehe. Ich habe es mir sozusagen selber ausgesucht, aber der 1.FC Saarbrücken und auch der FC Homburg kamen für mich nie in Frage. Borussia Neunkirchen kannte ich nur vom Namen und

ein paar wenigen Bildausschnitten im Fernsehen, aber Neunkirchen mit seinen Wurzeln als Arbeiterstadt, das hatte was. Letztlich hat mich die kleine aber sehr sympathische Fanszene und vor allem das Ellenfeld gefesselt. Was das Fanzine angeht, hatte ich irgendwann eine Nummer sechs fertig in der Schublade liegen, aber die Finanzierung stellte sich dann als Problem dar, weshalb ich letztlich auch mit dem bloggen angefangen habe. Warum der Themenwechsel, ganz einfach. Meine ersten Fanzines waren Fußballhefte und ganz besonders das "Splitter" Fanzine vom FC St.Pauli hat mich geprägt, dort gab es eben Pauli pur und dazu noch die volle Dröhnung Punkrock. So sollte das Stahlwerk auch werden, wurde es aber letztlich nie, weil unterklassiger Fußball fern ab voller Stadien kaum jemanden interessiert. So maulten die, welche sich das Heft wegen der Bands gekauft hatten über Fußball und diejenigen welche das Heft wegen des Fussballs gekauft hatten über die Musik. Sowas funktioniert wahrscheinlich nur bei Kultclubs… Das ich heute über Fussball blogge liegt daran, dass ich mich nicht ausreichend informiert gefühlt habe was meinen Verein angeht. Das auch der saarländische Fußball sehr geschichtsträchtig ist, war eine Erfahrung die ich gemachte habe, als ich angefangen habe mich direkter und intensiver mit der Geschichte meines Vereins auseinanderzusetzen. Nicht nur der subkulturelle Background verbindet uns, im Stahlwerk kommen praktisch die gleichen Themen zur Sprache wie im Grenzstadtkurier. Jede Menge Perlen aus der Vereinsgeschichte die Du ausgräbst, Berichte über alte Stadien und

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~ Borussia Neunkirchen ~ Old Glory Group grosse Erfolge, aber Du verfolgst auch die Gegenwart deines Vereins mit kritischer Stimme. Borussia Neunkirchen und der Saar-Fussball sind äusserst dankbare Themen für Nostalgiker, erzähl uns doch mal aus der Geschichte von Borussia Neunkirchen und von seinem legendären Ellenfeldstadion. Gerne, Borussia Neunkirchen wurde 1905 gegründet. 1912 gewann man in einem Entscheidungsspiel gegen den FV Kaiserslautern (heute als 1.FCK bekannt) mit 4:1 und stieg damit in die höchste südwestdeutsche Liga auf. Im selben Jahr wurde auch nach langer Standortsuche das Ellenfeld eingeweiht. Als 1921 das Ellenfeld seine erste Tribüne nach englischem Muster bekam, feierte der Verein seinen ersten großen Titel. Die "schwarzen Teufel" wurden süddeutscher Pokalsieger, 1922 sogar süddeutscher Vizemeister. Im Finale unterlag man Wacker München, die damals neben den Stuttgarter Kickers und Greuther Fürth zum besten im Süden gehörten. Bis 1928 blieb man in seiner regionalen Klasse führend, spielte aber überregional vorerst keine große Rolle mehr. Im selben Jahr brannte auch die 4’000 Zuschauer fassende Holztribüne im Ellenfeld nieder. 1933 wurde eine neue Tribüne errichtet, diesmal aber in massivbauweise. Der Verein gehörte in jenem Jahr zu den Gründungsmitgliedern der Gauliga Südwest. Doch bis auf eine

Vizemeisterschaft 1937 hinter Eintracht Frankfurt spielte man zumeist im Mittelfeld mit, andere Teams der Liga waren der 1.FCK, Offenbacher Kickers, die damals starken FSVler aus Frankfurt oder Wormatia Worms. Nach dem zweiten Weltkrieg kam der VfB Neunkirchen wieder gut in Gang, der Namenszusatz Borussia wurde vorerst von der französischen Besatzungsregierung verboten. 1948 mussten sie diese Liga verlassen, um mit den anderen Saar-Vereinen eine eigene Saarland-Liga unter französischer Flagge auszuspielen. Die Borussia wurde

Meister, durfte aber nicht in die französische Division 2 aufsteigen. 1950 wurde sie saarländischer Vizemeister, im folgenden Jahr konnte sie das Vertragsspielertum einführen und in das Südwest-Oberhaus zurückkehren, denn 1950 wurden die SaarVereine wieder in das deutsche Ligasystem eingegliedert. Es sollte aber einige Jahre

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~ Borussia Neunkirchen ~ Old Glory Group dauern, bevor man wieder zu alter Stärke fand, ab Ende der Fünfziger feierte man vier Vizemeisterschaften und eine Meisterschaft in der Oberliga Südwest. Die Endrundenspiele um die deutsche Meisterschaft waren aber zumeist schon früh beendet. Trotz dieser guten Ergebnisse wurde die Borussia bei der Einführung der Bundesliga nicht berücksichtigt. Der Südwesten bekam nur zwei Plätze zugeteilt, die an die alten Rivalen aus Kaiserslautern und Saarbrücken gingen. So musste der VfB zum ersten Mal seit 1912 wieder in die Zweitklassigkeit, doch diese sollte vorerst nur ein Jahr dauern, als Meister qualifizierte man sich für die Aufstiegsrunde in der man sich dann u.a. gegen den FC Bayern München durchsetzte. Und so gab es doch noch eine späte Genugtuung, denn während Neunkirchen nun Bundesligist war, stieg der 1.FC Saarbrücken ab. Zwei Jahre konnte sich der VfB in der Erstklassigkeit halten, während dieser Zeit bekam das Stadion sein Gesicht das man heute noch kennt.

tlerweile in der fünften Liga wieder und während ich diese Zeilen tippe, kämpft man wenig aussichtsreich um den Klassenerhalt. Doch nicht nur sportlich könnte es besser laufen, auch das Stadion steht vor dem Zerfall. Der Traditionsverein Borussia Neunkirchen steht vor einer ungewissen Zukunft.

Ihr spielt derzeit in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, wie sieht eure sportliche Situation aus und wie muss man sich die Liga vorstellen? Naja die sportliche Situation habe ich ja schon beschrieben, in Neunkirchen geht das Abstiegsgespenst um und das nicht zu knapp. Zwar habe ich schon den Regionalligaabstieg 2003 erlebt, aber damals ging man während der laufenden Saison in Insolvenz und hatte eher mehr Angst um seinen Verein. Doch die Mannschaft damals war intakt und gewann den Saarlandpokal, was uns in Runde eins die Bayern und damit die finanzielle Rettung bescherte. Diesmal scheint die Mannschaft sportlich zu schwach und irgendwas intern nicht zu funktionieren, ob es das Team als Mannschaft ist oder man andere interne Probleme beispielsweise mit dem Vorstand hat, kann man aktuell nicht beurteilen. Aber das Probleme da sind, ist unübersehbar. Die Oberliga ist eine völlig uninteressante Liga, fast alle Vereine sind reine Dorfvereine mit entsprechenden Sportplätzen. Fanszenen gibt es außer der Borussia keine. Der Zuschauerschnitt liegt bei vielen Vereinen irgendwo zwischen 100150 in der Regel. Das sie trotzdem einen besseren Schnitt angeben können, liegt an Derbys oder dem Zugpferd Borussia Neunkirchen, was aber spätestens nach dem dritten Gastspiel auch nicht mehr zieht.

Als erster direkter Wiederaufsteiger steht der Verein für immer in den deutschen Fußballbüchern, leider aber auch das man nach dem erneuten Abstieg, zwar Jahr für Jahr wieder oben schnupperte, aber den Sprung letztlich nie mehr schaffte. Auch die zweite Liga sollte sich für die Borussia als zu stark und die Regionalliga als zu schwach erweisen, spätestens aber mit der Schließung des Eisenwerks und der Brauerei war es um den Fußballstandort Neunkirchen geschehen. Wo einst zehntausende am Wochenende aus der angrenzenden Pfalz und dem nördlichen Saarland kamen, blieben die Zuschauer mehr und mehr zu Hause. Zu oft wurden sie von ihrer Borussia Die Saarbrücker Zeitung titelte vor 2 1/2 enttäuscht. Dank Abstiegen und LigenJahren “Fussball-Oberliga: Borussia Neueinteilungen findet sich das einstige Neunkirchen entlässt Fanbeauftragten Aushängeschild des Saarfußballs mit25


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~ Borussia Neunkirchen ~ Old Glory Group haber einer Baufirma dafür ein, mit Absperrgittern und Fangnetzen den Spielbetrieb im Stadion aufrecht zu erhalten. So weit, so gut. Der Ligabetrieb konnte starten. Doch das Thema Ellenfeld verschwand wieder aus der Diskussion, obwohl auch Wochen und Tja das Thema Fanbeauftragter ist ein Monate später immer noch Absperrgitter abendfüllendes, auch wenn vieles da reinund Fangnetze das Bild prägten. spielt, versuche ich mich so kurz wie möglich zu fassen. Irgendwann kurz vor Li- In dieser Zeit habe ich erlebt, dass viele gastart wollte die Stadt das Stadion sperren Menschen diesen Ort sehr mögen, doch das lassen. Was war passiert? an der Haupttribü- Ellenfeld ist mehr als nur unser Stadion. Es ne des Stadions fielen wohl einige Bet- war damals seit fast 100 Jahren unser zu onstücke der Außenverputzung ab, das hät- Hause, auch wenn es pathetisch klingt, es te durchaus gefährlich werden können. sind die Wurzeln dieses Vereins. Was Doch während die Stadt als Eigentümer des passiert wenn ein Verein seine Wurzeln Stadions nichts anders in den Sinn kam, als vergisst, das kann man bei 1860 München das Ellenfeld für den Spielbetrieb zu sper- eindrucksvoll sehen, der Mythos stirbt und ren, setzte sich der 1.Vorsitzende und In- mit ihm seine Anziehungskraft. GeneraNicky Kassner”, was war geschehen und haben sich die Wogen zwischen Dir und dem Verein mittlerweile geglättet? Wie ist dein heutiges Verhältnis zum Verein? Gibt es Unterstützung für deine Arbeit?

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~ Borussia Neunkirchen ~ Old Glory Group tionen von Spielern, Funktionären und Zuschauern haben dieses Stadion erlebt, es erbaut und gepflegt. Neunkirchen als relativ junge Stadt hat nicht viel zu bieten, schon gar nicht etwas das 100 Jahre oder älter ist. Das Ellenfeld ist Stadtgeschichte, dieser Verein und sein Stadion haben diese Stadt erst bekannt gemacht, ohne das Ellenfeld würde kein Mensch Neunkirchen kennen.

dass die Stadt als Eigentümer mit ins Boot muß. Doch von den fünf Fraktionen im Stadtrat kamen nur die "Linken". Schlußendlich berichtete die Presse von diesem Treffen und zumindest erste Ideen waren geboren. Da aber der Vorstand noch im Urlaub weilte, gab es zwei weitere Treffen, wobei das dritte zugleich das letzte werden sollte. Diesmal war der Vorstand vollzählig anwesend, aber schnell war klar, man hatte bis auf Dazu ist das Ellenfeld in seiner Bauweise mit ein Mitglied keine Lust auf solch eine Veranden hohen Stehtribünen "Spiesser Kurve" staltung. Alle Ideen und Block 5, der inwurden zerredet, in tegrierten Turnhalle, der Luft zerrissen und im Stadionbild einziwer sich wagte, dass gartig. Für viele ist es Wort Denkmalschutz das schönste Stadion in den Mund zu nehim Südwesten, es gibt men, der durfte erlebnichts vergleichbares. en, wie der In Deutschland baut 1.Vorsitzende ziemman heute überall lich erregt laut wurde. sterile und gleichförSchließlich beendete mige Arenen, Tradiman das Treffen tionsorte wie der ergebnislos. Aachener Tivoli oder der Bökelberg sind schon lange Geschichte. Doch wer den Abend erlebt hat, der musste Das Ellenfeld ist eines der ganz wenigen sich zwangsläufig die Frage stellen, ob der Stadien welches noch aus der Grün- Verein überhaupt ein Interesse hat, dass dungszeit der Bundesliga übrig geblieben Stadion zu retten. Auch ein Besuch Wochen ist. zuvor auf einer öffentlichen Stadtratssitzung hinterließ Eindruck, nur auf Drängen der Darum habe ich irgendwann entschieden, Linken gab es das Thema überhaupt auf der nicht meine Klappe zu halten, sondern Tagesordnung und was man da erleben irgendwas zu versuchen um das Ellenfeld zu musste, das darf man eigentlich gar nicht retten und morgens möglichst noch in den erzählen. Da wurde sich in einer Art und Spiegel gucken zu können. Denn so traurig Weise vom OB und Teilen des Stadtrats über es klingt, niemand machte irgendwas. Also den Verein geäußert, das war der blanke hab ich einen Aufruf gestartet und alle Wahnsinn. Mit unglaublicher Arroganz und gebeten zu kommen die irgendwie Interesse Überheblichkeit wurde jede Diskussion im daran haben das Ellenfeld zu erhalten. ImKeim erstickt. Das die Stadt auch nur irgendmerhin in Zeiten wie diesen kamen ca.40 was tun würde um das Stadion zu retten, war Leute, allen Alters und quer durch die nach diesem Abend utopisch. Schichten, wobei die Fanszene natürlich die Mehrheit stellte. Auch alle politischen Um aber weiterhin die Diskussion am laufen Parteien habe ich eingeladen, weil klar war, zu halten und Öffentlichkeit herzustellen, 27


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~ Borussia Neunkirchen ~ Old Glory Group habe ich bei den 11 Freunden angefragt, ob sie nicht Lust hätten das Stadion als Poster in ihrem Heft zu bringen un dabei angemerkt, dass es wohl nicht mehr lange die Möglichkeit dazu gibt. Darauf hin bekam ich einen Anruf aus der Redaktion mit der Anfrage zu einem Interview. Was ich natürlich gemacht habe und ich habe in diesem Interview das

Pressemitteilung des Vereins herausgab, hatte ich am nächsten Tag den Journalisten der einzigen Tagespresse des Saarlands am Telefon, dem ich natürlich meine Stellungnahme mitteilte. Der Verein durfte natürlich auch und legte gleich sauber nach und erklärte das "nichtnutzen" dürfen des Vereinswappens damit, dass ich politische Links

man immer noch auf 11Freunde.de finden kann, eben auch gesagt das ich nicht glaube, dass Stadt und Verein ein Interesse daran haben, das Stadion zu retten.

auf meiner Seite habe. Der einzige politische Link damals war "indymedia" und wer meinen Blog kennt, weiß das ich ne Menge persönlicher Links auf meiner Seite pflege, zudem gab es diesen einen Link auch schon, als ich vom Verein zum Fanbeauftragten vorgeschlagen wurde. Insofern war das Verhalten bedenklich, zumal der Artikel, in dem ich in keinster Weise nachgetreten hatte, mit einem Bild von "mir auf dem Zaun" garniert wurde. Wie die Eingangsfrage erklärt, bin ich Skinhead, was natürlich in Verbindung mit Politik fälschlicherweise nur einen Schluß zulässt. Entsprechend musste ich dann bei meinem

Buummm, das war dann zuviel. Einen Tag später hatte ich eine E-mail, in der mir der Anwalt des Vereins mitteilte, dass ich als Fanbeauftragter entlassen bin und es mir ab sofort untersagt ist, dass Vereinswappen auf meinem Blog zu zeigen oder anderweitig zu nutzen, ansonsten werde man rechtliche Schritte einleiten, auch mit einem Hausverbot von Seiten des Vereins wurde mir gedroht. Die E-mail besitze ich heute noch . Da der Verein meine Entlassung als

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Grenzstadtkurier Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Borussia Neunkirchen ~ Old Glory Group Chef antreten, der schon morgens zu Hause den Artikel laß. Gott sei Dank nahm er mir meine Version der Geschichte ab, denn in dem Moment ging es nicht mehr um mich, sondern um meine Familie die damit nichts zu tun hatte. Um zum Schluß der Frage zukommen. Eine MV später wurde der 1.Vorsitzende mit Standing Ovations für seine Aussage gefeiert, dass der Verein das Stadion retten will. Drei Jahre später ist das Stadion noch immer im Besitz der Stadt, die weiterhin keine Anstrengung unternimmt, irgendwas an diesem Stadion zu renovieren, was sie laut Vertragslage auch nicht muß, denn dafür ist der Verein zuständig, wohlgemerkt ein fünftklassiger Verein. Der Verein hat nie und zu keinem Zeitpunkt auch nur den leisesten Versuch gewagt, dass Stadion zu retten. Im Gegenteil, seit damals ist klar, dass der 1.Vorsitzende das Stadion kaufen will, man befindet sich seit über zwei Jahren in Verhandlungen. Hinweise meinerseits, dass es unter Umständen ein Interessenskonflikt darstellt, wenn der 1.Vorsitzende des Vereins zugleich der Besitzer des Stadions sein will, scheinen auf taube Ohren zu stossen, denn die Stadt stellt als Bedingung, dass es einen Vertrag zwischen dem Käufer und dem Nutzer gibt. Auf Deutsch: Der 1.Vorsitzende des Vereins müsste einen Vertrag abschließen mit dem Käufer der er selber ist. Im Nachhinein gesehen war ich damals etwas zu blauäugig, denn rückwirkend bleibt bei mir der Eindruck, dass das ganze Theater nur stattfand, um jede Anstrengung für den Erhalt des Ellenfelds im Eiegeninteresse des 1.Vorsitzenden im Keim zu ersticken. Spötter glauben der sportliche Absturz des Vereins könnte seinen Absichten mit dem Stadion in die Hände spielen. Was das heißen soll überlasse ich eurer Fantasie.

Da der Verein seit über zwei Jahren keine Versammlung mehr abgehalten hat, die Gesamtentwicklung des Vereins meiner Meinung nach steil nach unten zeigt und der 1.Vorsitzende bekanntlich mit dem Stadion sein eigenes Süppchen kocht, ist ein persönliches Verhältnis zum Vorstand nicht mehr vorhanden. Natürlich habe ich das schon oft angeprangert aber jede Äusserung meinerseits kann man ja mittlerweile mit "beleidigter Leberwurst" abtun. Persönlich verletzt es mich, dass Menschen die man seit über zehn Jahren beim Verein antrifft, mit ihnen Smalltalk gehalten hat und so manche Höhe und Tiefe des Vereins gemeinsam durchgestanden hat, wirklich geglaubt haben, dass es mir um meine eigene Profilneurose ginge. Seit jenem Zeitungsarteikel kann ich die Menschen die mit mir noch was zu tun haben wollen, im Verein an zwei Händen abzählen. Aber eins habe ich gelernt, auch in Zukunft werde ich meinen Mund nicht halten und wenn es nur dafür ist, dass ich morgens noch in den Spiegel schauen kann. Was sind die Ziele eures Vereins, welche Wunschvorstellungen habt ihr? Ist die Regionalliga ein Thema? Die Ziele des Vereins sind eigentlich immer die selben, Konsolidierung der Finanzen, Abbau der immensen Schulden und zugleich sportlichen Erfolg. Kurz der Spagat, der nur in den seltensten Fällen funktioniert. Wunschvorstellung wäre glaube ich für alle wieder fester Bestandteil der Regionalliga zu werden und vielleicht hin und wieder mal davon zu träumen, dass eine oder andere Jahr in der 3.Liga zu spielen. Verfügt Borussia Neunkirchen über eine aktive Fanszene? Stell uns diese doch mal vor. Die Borussia verfügt über eine kleine Szene,

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~ Borussia Neunkirchen ~ Old Glory Group die aber auch mit den Höhen und Tiefen des Vereins zu kämpfen hat. Während die letzten Jahre etwas die Luft raus war, gab es diese Saison wieder einige Höhepunkte für alle. Wobei es wirklich schwierig ist, die Szene am laufen zu halten. Die jüngeren haben noch nie irgendwas mit diesem Verein feiern dürfen, sondern erleben eigentlich nur durchschnittliche Jahre mit Gegnern die nicht mal im Ansatz irgendwie das bieten was ihnen die einschlägigen Fanforen so zeigen. Insofern können wir froh sein, dass bei den Jungs viel über die freundschaftliche Schiene läuft, was sie dann im Stadion hält. Die ältere Fraktion ist eh schon soweit mit dem Verein verwurzelt, da wird es kein Entkommen mehr geben

desligaeinführung oder auch wie der FC in die 2.Bundesliga kam. Es soll Zeiten gegeben haben, da konnten Saarbrücker nicht in Neunkircher Kneipen.

Zum FC Homburg ist es genau andersherum, da haben die älteren überhaupt kein Problem mit, auch weil der FCH lange Zeit keine Rolle spielte. Das ist für sie kein wirklicher Rivale, während die jüngeren ihre Abneigung gegen grün-weiß pflegen. Sicherlich nicht ganz unwichtig ist dabei die Hooliganszene im Saarland, denn früher gab es auch unter den Hoolfraktionen Bündnisse HOM und NK gemeinsam gegen Saarbrücken, aber irgendwann ging diese Freundschaft kaputt und seitdem stehen Blau -Schwarz und Schwarz-Weiss zusammen, Wie ist das Verhältnis zum 1. FC Saar- ohne die Hools wären wohl auch die brücken und dem FC Homburg? Gibt es "normalen" Freundschaften anders gelaufen. weitere Rivalitäten und Freundschaften? Ihr seit nahe an der französischen Grenze Das Verhältnis nach Saarbrücken kommt auf beheimatet, gibt es Vorlieben für den die Generation an, die jüngeren pflegen seit dortigen Fussball, besucht man dort hin eh und je feste Kontakte. Dort ist es eine und wieder Spiele? Wie sehr ist das SaarSelbstverständlichkeit, dass man sich mit land französisch geprägt? Ich hab mal den Blau-Schwarzen solidarisiert. Bei meiner gelesen, bei euch wäre die BrasserieGeneration hingegen gibt es zumeist eher Kultur noch verbreitet und euer Dialekt Ablehnung, wobei es auch da einzelne Kon- scheint auch aussergewöhnlich zu sein... takte zu FC´lern gibt, was daran liegt, dass Fußball in Frankreich gefällt mir schon recht der ein oder andere Blau-Schwarze, der in gut, aber ich war schon lange nicht mehr der Nähe wohnt, auch seit vielen Jahren zur gucken. Der ein oder andere aus der Borussia kommt. Da hat sich das dann so Fanszene fährt mit den Ultras aus Saarbrückergeben. Die Ü-40 Generation sieht das en gerne mal nach Nancy, da werden schon ziemlich anders, für sie ist der FC noch imseit vielen Jahren Freundschaften gepflegt. mer der große Rivale den man auf den Tod Ansonsten finden natürlich französische nicht leiden kann. Wobei das auf beiden Spieler leicht nach Deutschland, weil es sich Seiten so gehandhabt wird. Da spielt halt mit auch finanziell für sie eher lohnt, aufgrund rein, dass der FC für viele Saarländer immer der Tatsache, dass man in Frankreich ein der gepushte Verein ist, der von Politik und anderes Steuersystem hat. Weshalb FußballMedien gefördert wird. Was bei einem Verprofis auch aus Deutschland zumeist hinter ein aus der Landeshauptstadt in einem solch der Grenze wohnen. Ob das Saarland sehr kleinen Bundesland aber nicht verwundert. französisch geprägt ist? Ich weiß es nicht, Aber manchmal wurden da schon sehr viele ich würde behaupten nein. Der Saarländer Augen zugedrückt, Stichwort Bun30


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~ Borussia Neunkirchen ~ Old Glory Group ißt schon gerne und auch gerne gut, gehört auch sicherlich zu den eher gemütlichen Menschen, aber die Franzosen sind dann doch nochmal ganz anders. Ich finde Saarländer haben eine sehr eigene Identität, hier grillt man nicht, hier schwenkt man, trinkt sein saarländisches Bier und ist auch sonst sehr heimatverbunden. Der saarländische Dialekt ist sehr eigen, erinnert mich gerne mal ans sächsische, aber das glaubt mir hier immer keiner. Eine spezielle Eigenart besteht darin, dass man hier von Ort zu Ort einen völlig anderen Dialekt spricht. Der Saarländer ist sehr offen und ein einfacher Mensch, eine Art die man vielleicht noch im Ruhrpott antrifft. Für mich sind die Saarländer die Ossis des Westens. Brasserien gibt es hier aber wirklich einige, aber auch da behaupte ich, geht es eher deutsch zu. In Einkaufszentren spurt man die Nähe nach Frankreich, da kommen gerade die grenznahen Franzosen gerne, denn Lothringen scheint auch etwas die "vergessene" Region Frankreichs zu sein. Auch arbeitstechnisch kommen viele Franzosen gerne nach Deutschland.

es kaum Pyro o d e r Auseinandersetzungen gibt, ein wichtiger Aspekt. Bei "heißen" S p i e l e n bleiben die Kinder immer daheim, nur wenn ich weiß, dass es nix sonderliches gibt können sie mit. Wobei sie mittlerweile erkannt haben, dass Borussia nicht in der Bundesliga spielt, meist wollen sie schon gar nicht mehr mit. Dir herzlichen Glückwunsch zum Vater werden, ich hoffe der Mitgliedsantrag liegt schon zu Hause.

Das wird was vom ersten sein ;) Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen, weiterhin Im Sommer werd ich Vater einer kleinen viel Spass und Erfolg mit deinem Blog und Tochter. Ich hab gesehen, dass Du eben- Borussia Neunkirchen! falls mit Kind und Kegel zum Fussball Erfolge: gehst, ein Vorteil als Fan eines AmaBundesliga 1964/65, 65/66, 67/68 teurvereins? 2. Bundesliga 1974/75, 78/79, 80/81 Der Amateurfußball hat an sich viele Vorteile, die man mit einem Kind noch viel Süddeutscher Pokalsieger 1921 mehr zu schätzen weiß. Zum Beispiel muß Saarlandpokalsieger 1978, 1985, 1986, 1990, man da nicht Schlange stehen an der Kasse, 1992, 1996, 2003 Imbissbude oder der Toilette. Das ist bei Finalist DFB-Pokal 1959 Kindern durchaus wichtig, davon abgesehen Stadion: kann man sie auch rennen lassen. Sie Ellenfeldstadion, 23’109 Plätze (ehemals brauchen nicht in der Menschenmenge das 32’000 Plätze) Spiel gucken, sondern können quer über den Sportplatz rennen, sich Würstchen sel- Links: ber holen oder einfach nur mit anderen Kids stahlwerknk.wordpress.com spielen. Natürlich ist auch die Tatsache das borussia-neunkirchen.de 31


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~ Gastbericht Torsten Bunde ~ 08.11.2013 Austria Lustenau vs. SCR Altach 1:1 (1:0) Reichshofstadion, 7‘000 Zuschauer Pünktlich um 18:15 traf ich mich mit Daniel (FC Kreuzlingen) am Stadion des FCK am Bodensee. Von dort ging es per Auto nach Österreich, genauer gesagt nach Lustenau. Denn hier stand heute Abend das 25. Vorarlbergderby zwischen dem SC Austria Lustenau und dem SCR Altach auf dem Programm. Altach reiste dabei als Tabellenführer an und wollte das Derby natürlich gewinnen. Vor Anpfiff gab es auf beiden Seiten kleinere Choreographien. Auf Heimseite wurde vor der Nordtribüne neben einer mittig hochgezogenen Überziehfahne ein entsprechender Schriftzug am Tribünendach hochgezogen. Zusätzlich hing am Tribünendach und an der unteren Werbebande noch jeweils etwas Text (wir standen direkt auf der Tribüne, daher auch kein Foto davon). Im Gästebereich gab es eine Überziehfahne in Schwarz-Weiß, die mittig ein Herz präsentierte. Auf dem Feld entwickelte sich ein gutes Spiel, wobei mir der für ein Derby eigentlich typische Hass bzw. die Aggressivität auf dem Platz etwas fehlte. Das sollte sich aber im Verlauf der Partie noch ändern. Altach zu Beginn mit den etwas besseren Möglichkeiten, unter anderem einen Pfostentreffer. Das vielumjubelte Tor fiel dann aber auf Heimseite. Daraufhin setzte zumindest von Ultraseite auch ein wenig Gepöbel in Richtung Gästebereich. Der SCR schwächte sich zudem durch eine gelb-rote

Karte vor dem Seitenwechsel auch noch selbst. Dumm, wenn man schon Gelb hat und dann noch eine Schwalbe im Strafraum provoziert. Wobei der Schiedsrichter jede Schwalbe im Strafraum mit Gelb bestrafte. Und das müssten heute drei oder vier gelbe Karten gewesen sein! Nach dem Seitenwechsel die Hausherren auch aufgrund einer Person mehr mit einem Chancenübergewicht. Ab gut 15 Minuten vor Ende übernahm dann Altach trotz Unterzahl das Zepter. Lustenau hatte zwei große Chancen, nach der letzten fährt Altach dann aber einen Konter und vollendet diesen mit dem Ausgleich zum 1:1. Kurz zuvor war auch ein Austria-Akteuer nach einer Schwalbe im Strafraum mit Gelb-Rot vom Platz geflogen! Jetzt wogte das Spiel noch ein wenig hin und her, es bleib aber beim Unentschieden und wir machten uns über einen kleinen Umweg wieder nach Kreuzlingen bzw. Konstanz auf. Überraschend voll war es dann im Reichshofstadion in Lustenau. Offiziell 7.000 Zuschauer waren anwesend, was anhand der Kapazität von etwas über 8.000 auch sehr gut hinkommt. Auf beiden Seiten gibt es entsprechende Ultragruppierungen, die (nur?) heute allerdings lediglich durch recht monotonen Singsang auffielen und so auch den Rest des Stadions nie mit einbinden konnten. Der spielunabhängige Singsang nervte dann mit der Zeit auch ein wenig. Nach Abpfiff ging im Gästebereich dann ein Durchgang zu der kurzen Verbindungsstraße auf, auf der sich auch so gut wie keine Polizei befand. Die herausstürmenden machten sich auch gleich auf den Weg in

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~ Gastbericht Torsten Bunde ~ Richtung Heimkurve. Laut Daniel sprachen ein paar Steinstufen auf der Gegengerade. diese noch recht jungen Leute aber überra- Beide Hintertorseiten besitzen Stahlrohschenderweise alle schweizer Dialekt (was er Stehtribünen, die erst für das recht große Fassungsvermögen sorgen. Diese stehen entsprechend auch auf der Laufbahn, so dass mehr oder weniger ein reines Fußballstadion entsteht. Überdacht ist allerdings (neben der Haupttribüne) nur der Stehbereich der Heimanhänger. Geparkt werden konnte auf zwei größeren Wiesen hinter dem Stadion wobei man den Fußweg dann auf ein paar Gleisen zurücklegen konnte. Diese werden aber schon länger nicht mehr genutzt, wie uns eine dort plazierte Sitzbank mit besten Blick auf den B-Platz urteilen ließ. Bei Regenwetter werden diese Parkplätze aber sicherlich keinen Spaß machen …

als Schweizer ja durchaus beurteilen kann). Laut einem Zeitungsartikel (siehe Fotogalerie) waren es auf Altacher Seite Anhänger des Eishockeyvereins HC Davos, auf Lustenauer Seite demnach Anhänger des FC Augsburg). Die Polizei ist dann mit Blaulicht entsprechend hinterher. Hätte man dort aber auch alles vermeiden können, wenn man mal das offensichtliche betrachtet hätte und einfach ein, zwei Einsatzfahrzeuge gleich in der Straße geparkt hätte. Spricht nicht gerade für eine gute Organisation! Gut organisiert war hingegen die reichhaltige und abwechslungsreiche Verpflegung im Stadion. Im Prinzip gab es ein richtiges Verpflegungsdorf, in dem man nirgendwo lange anstehen musste. Das war wirklich gut gelöst und geschmeckt hat die hausgemachte Wurst auch 1a. Die Stadionzeitung “Austria Kurier” liegt kostenlos aus und bietet auf 12 Seiten (DIN A5, Schwarz-Weiß, Umschlag Farbe) ein paar Informationen zur Partie.

09.11.2013 FC Kreuzlingen vs. SC Binningen 3:1 (0:0) Klein Venedig, 120 Zuschauer

Drittes Spiel dieser kleinen “Tour” und zum dritten Mal haben die Gastgeber grün-weiße Vereinsfarben, was aber natürlich reiner Zufall ist Wobei der FC Kreuzlingen am Bodensee in der Schweiz sowieso da eigentliche Ziel meiner Reise war. Zu Gast war hier und heute vor Beginn der Winterpause in einem vorgezogenen Pokalspiel der 1. Vorrunde der SC Binningen. Beide Teams spielen in der 2. Liga Interregional, allerdings in verschiedenen Staffeln. Auf dem Platz begann nun ein Spiel, dass ich von der Qualität durchaus in der Oberliga einordnen würde, mit doch einigen Vorteilen für die Gastgeber des FCK. Kreuzlingen selbst würde wohl mit einer Leistung wie heute bspw. in der Oberliga Niedersachsen auch im oberen Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Stadion Drittel mitkicken. Zwar ging es mit einem 0:0 in selbst. Das Reichshofstadion sieht von außen die Halbzeit, wobei die Kreuzlinger mit einem wie ein Provisorium aus. Fest installiert ist le- Pfostentreffer gleich zu Beginn die Richtung diglich die versitzplatzte Haupttribüne sowie

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~ Gastbericht Torsten Bunde ~ vorgaben. Zwar kamen auch die Gäste aus ches zum FCK bietet. Und wenn man selbst in Binningen (bei Basel) zu ein, zwei Möglichkei- der Publikation auch noch zum Spielbesuch ten, setzen die Bälle aber neben das Tor. angekündigt wird, kann das Heft ja sowieso nur gut sein! Nach dem Seitenwechsel dann das, was ich von Arminia auch zur genüge kenne: Ein 0:1- Etwas länger könnte man sich auch mit der Rückstand. Aber, zumindest für mich, kein Stadiongeschichte des FC Kreuzlingen beGrund zur Panik Und das sah auch die Mann- schäftigen. In Kreuzlingen gibt es ein Stadion schaft von Kristjian Djordjevic, seines Zeichens mit einer Laufbahn drumherum. Allerdings Trainer des FC Kreuzlingen, so. Es rollten nun ohne weitere Infrastruktur wie einem Vereinseinige Angriffe auf das Tor mit dem Bodensee heim oder ähnlichem. Unter anderen aus dieim Hintergrund. Dem 1:1-Ausgleich folgte ein sem sowie auch aus Kostengründen spielt der Foulelfmeter zur umjubelten 2:1-Führung. Wei- FCK daher im Hafenareal, auch Klein Venedig tere Angriffe folgten und Binningen hatte dem genannt. Allerdings möchte die Stadt dieses nicht mehr viel entgegenzusetzen. Das 3:1 war attraktive Grundstück direkt am Bodensee gerdann auch der Schlußpunkt und ein auch in ne bebauen. Problem hierbei sind wohl Altlasdieser Höhe verdienter Sieg lässt die Kreuzlin- ten in Form einer ehemaligen Mülldeponie ger weiter von der 1. Hauptrunde des Schwei- unter dem Grün, was die Stadt selbst wiederum zer Pokals mit einem attraktiven Gegner träu- nicht auf eigene Kosten sanieren möchte. Dies men. Bemerkenswert vielleicht noch am Ran- solle doch bitte schön ein Investor erledigen. de: In der gesamten Mannschaft der Gastgeber Aus diesem Grund wird dem Verein leider steht nicht ein einziger Schweizer. Wir ließen auch eine Überdachung des einzigen Ausbaus den Abend dann noch im durch seine Contai- in Form einiger Sitzschalen auf der einzig benerbauart etwas provisorisch wirkenden Ver- bauten Seite des Stadions untersagt. Man einsheim sowie im Hörnli Irish Pub ausklingen. möchte keine festen Bauten schaffen. Auch die Ein großes “Danke schön” daher auch an die- erst vor einigen Jahren errichtete Eishalle ser Stelle noch einmal an meine Gastgeber. “Bodensee-Arena” hat nur ein befristetes Existenzrecht und soll laut Plan spätestens 2023 Allerdings fanden sich an diesem zweiten Nokomplett auf ein neues Areal umziehen. Auch vembersamstag lediglich 120 Zuschauer im den FC Kreuzlingen möchte man umsiedeln, Rund bzw. im Eck von Klein Venedig ein. Da am liebsten wohl auf eine Fläche in dem Beließ der Parkplatz doch auf wesentlich mehr reich, wo bereits der AS Calcio beheimatet ist. Besucher hoffen. Allerdings zieht der Großteil Ohne Altlasten des FCK wären wohl beide Vernur zum shoppen weiter nach Konstanz. Neben eine auch zu einer Fusion bereit. Dazu müsste den Porteños Kreuzlingen, die links vom Eindann das derzeitige Gelände des AS Calcio gang aus stehen, gibt es auch noch aber noch erweitert werden. Und dort stehen die Whiskykurve, die sich vom Eingang aus derzeit noch Kleingärten … Wer dazu gerne rechts gesehen an der Werbebande positionieein bißchen mehr nachlesen möchte, dem sei ren. Unterstützung gibt es in Form von spielbedie letzte Ausgabe des Fanzines zogenem Support, während von den Gästen “Grenzstadtkurier” empfohlen. keine Unterstützer ausgemacht werden konnten. Allerdings soll es nach Informationen der Torsten Bunde ist Groundhopper und langPorteñs in der gesamten Liga keine wirklichen jähriger Fan von Arminia Hannover, viele Fans geben mit Fahnen oder ähnlichem geben. weitere Reisen findet ihr unter: Schön auch die Stadionzeitung, die im DIN A5www.hannover-groundhopping.de Format kostenlos daher kommt und neben Informationen zum Spiel auch immer geschichtli-

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~ Netzwerk Fussballkultur ~ Seit vergangenem Jahr bin ich im Netzwerk Fussballkultur Schweiz dabei. In dieser bunt gemischten Netzwerk-Gruppe treffen sich ein bis zweimal jährlich Fussballhistoriker, Statistiker, Museumsleiter, Medienschaffende, Buchhändler, Sammler und weitere Freunde des breitgefächerten Themas “Fussballkultur” zum Austausch. Wir unterstützen uns mit Fachwissen und nicht zuletzt steht die Gemeinsamkeit im Vordergrund, denn viele von uns sind auf ihrem Gebiet Einzelkämpfer im Land der alten Fussballgeschichten und Fussballzahlen. Eine sehr sympathische Sache, zuletzt waren wir im Stade de Suisse zu Gast, geleitet wird das

Netzwerk von Saro Pepe. Dessen FCZMuseum möchte ich euch an dieser Stelle empfehlen, unter nachstehendem Link gibt’s Infos zur Lage des Museum, Öffnungszeiten und Neuigkeiten zu Sonderausstellungen und Anlässen: www.fcz.ch/de/museum Und wenn ihr gleich in Zürich seid, besucht auch noch das Sportantiquariat von Gregory Germond, dort ist auch der Grenzstadtkurier erhältlich: www.sportantiquariat.ch

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~ GaSa / Lokalrunde ~ fussballs findet am 11./12. Oktober 2014 statt. Den Vereinen ist es freigestellt wie sie ihr Meisterschaftsspiel unter diesem Motto gestalten, wir begleiten die teilnehmenden Vereine im Vorfeld mit positiver Berichterstattung zum Thema leistungsorientierter Amateurfussball und werden die Aktionen und Spiele dieses Wochenendes auf einer zentralen Internetseite Glotze aus – Stadion an! ist eine gemeinsa- zusammenfassen, ausserdem kann unsere me Aktion von über 50 kleinen Fanszenen. Mit dabei sind auch die Fans des FC Gossau (gossau-fen), die Lake Side Maniacs (FC Singen 04), die Compañeros des SC Brühl St. Gallen und die Porteños des FC Kreuzlingen. Wir wollen mit der Aktion wieder vermehrt den Fokus der Öffentlichkeit auf die kleinen, traditionsreichen und ambitionierten Vereine in den Amateurligen lenken. Mehr dazu gibt’s unter gasa.blogsport.de. Die Idee der LOKALRUNDE ist ebenfalls von Glotze aus – Stadion an! aufgenommen worden. Vorbild ist hierbei der NonLeague-Day aus England. Wir wollen mit diesem “Tag des Amateurfussballs” für eine Spielrunde die Amateurvereine ins Zentrum Logo benutzt werden. Wir sind gespannt was der Berichterstattung stellen. Teilnehmende sich daraus entwickelt! Das Medienecho Vereine sind auch hier unter anderem der stimmte bis jetzt positiv, wie hiess es so FC Gossau, SC Brühl und FC Kreuzlingen. schön in den St. Galler Saiten: Die AmateurDer erste LOKALRUNDE – Tag des Amateur- vereine müssen noch viel lauter werden!

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~ Porteños Kreuzlingen ~ Die Porteños (dt. Hafenstädter) stehen für Fussballkultur beim FC Kreuzlingen. Wir begleiten den FCK an alle Heim– und Auswärtsspiele und wollen eine sympathische Fussball– und Zuschauerkultur beim FCK etablieren. Dazu gehören diverse Aktionen wie der Norman-Smith-Stand, der Aufbau eines Netzwerks (Glotze aus - Stadion an!, Tag der Amateure, Netzwerk Fussballkultur Schweiz) und vieles weitere. Infos dazu im Seagull-Roar! - dem Porteños-Blog. The Norman-Smith-Stand Ab der kommenden Saison bereichern wir den Fussballplatz mit einer von den Porteños finanzierten Bande. Diese trägt den Namen unseres erfolgreichsten Trainers der 30erJahre, Norman Smith, und ehrt ihn damit ganz in der Tradition englischer Fussballvereine. Im Norman-Smith-Stand s i n d alle Willkommen welche bei Bier und Bratwurst eine gute Zeit beim FCK verbringen wollen. Ob Fussballromantiker, Familienvater, Groundhopper oder Ultra, hier ist der richtige Platz für Dich.

Schalk-Druck mit Porteños-Logo, in zwei Varianten (weisser oder durchsichtiger Hintergrund). Fr. 2.00, nur an den Spielen erhältlich. Qualitativ hochwertiger Metall-Pin mit Porteños-Logo, Fr. 5.00, nur an den Spielen erhältlich. Spielkalender und viele weitere Infos: www.fck1905.ch www.portenoskreuzlingen.wordpress.com

Porteños-Supportwear Traditioneller Bar Scarf mit gesticktem Logo, nach dem Vorbild englischer Fanschals. Fr. 20.00 / Euro 15.00. Auf 10 Stück limitierte Auflage, nur an den Spielen erhältlich. “Seiden-”Schal mit gedruckten Schriftzügen und Logos, nach dem Vorbild italienischer Ultrà-Schals. Fr. 20.00 / Euro 15.00. Auf 10 Stück limitierte Auflage, nur an den Spielen erhältlich. Qualitativ hochwertiger Aufkleber von 37


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~ Kleinod aus der Hauptstadt ~ Im Schatten des grossen BSC Young Boys gibt es in Bern durchaus noch andere Fussballvereine mit Geschichte und Charme. Neben dem FC Breitenrain, einem Berner Kult-Quartierverein eher neueren Datums, gibt es da den FC Bern. 1894 gegründet. 1926 Vize-Cupsieger und 1923 kurzzeitig Schweizer Meister, ehe der Titel nachträglich aberkannt wurde. 1936 dann noch eine

Teilnahme am Mitropa-Cup und in den sechziger und achtziger Jahren ein kurzes Aufbäumen, das den Stadtverein immerhin nochmals bis in die NLB führte. Die Young Boys spalteten sich bereits 1898 ab und waren in der Folgezeit ungeliebter Rivale in der Bundesstadt. Zuhause ist der FC Bern im altehrwürdigen Neufeldstadion (11‘500 Plätze). Irgendwann verlor der FC Bern im Verlaufe der Geschichte den Zweikampf mit den Young Boys um die Nr. 1 und die Zuschauergunst der Stadt. So finden die Spiele der ehemaligen Berner Publikumslieblinge heute vor wenigen hundert Zuschauern in der 2. Liga Interregional

statt. Einer dieser Vereine, den man allzu gerne in einer Vorrunde des Schweizer Cups zugelost bekäme. Besonderes Kleinod der Rot-Schwarzen ist ihr Vereinsmagazin “Dr Bärner“, welches in unregelmässigen Abständen seit 1916 (!) erscheint und sich heute alles andere als verstaubt präsentiert. Eine wundervolle Gazette, welche Fussball und Kultur auf schöne Weise verbindet. Auch in der Fünftklassigkeit kann man solche Perlen finden. Obschon der FC Bern und der FC Kreuzlingen ihre beste Zeit vor dem 2. Weltkrieg hatten, kreuzten sich ihre Wege nur selten. Eugen Kipp, der bekannte Aussenstürmer von den Stuttgarter Kickers, spielte bei beiden Vereinen. 1932-1934 in der Nationalliga beim FC Bern und anschliessend etwas mehr als eine Saison bei den Grenzstädtern.

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~ Fussball & Fankultur ~ Der Hecht, Nr. 1 Fanzine FC Winterthur Marko brachte mir dieses Fanzine aus Winterthur mit. Der FC Winterthur ist ja ein Verein, dem ein Fanzine sehr gut zu Gesicht steht. Einige Anläufe gab es schon, der Hecht ist nun der neueste Versuch von den Schützenwiesen-Enthusiasten. Optisch und Thematisch erinnert es mich stark an die Hafenschlampe, nicht nur wegen des A4Formats. Fussball und Fischerei zu kombinieren find ich eine sehr vielversprechende Idee, welche in der Erstausgabe auch humorvoll umgesetzt wurde. Besonders gefallen hat mir der Schützi-Guide. Cool auch das Rezept und der Pyro-Bastelbogen. Von den Texten her ist mir das ganze, ähnlich wie bei der Hafenschlampe, oft ein bisschen zu sehr „auf biegen und brechen“ kreativ und lustig, aber sticht damit in der Fanzinelandschaft auf jeden Fall heraus. Bin gespannt, ob die Winterthurer das Konzept so aufrechterhalten können oder überhaupt wollen?

150 Fotos, Wahnsinn was da Torsten und seine Gleichgesinnten abliefern! Vom kleinsten Dorfspiel bis zum Athener oder Belgrader Derby und ein FCK-Spiel ist ebenfalls dabei. Für Groundhopping-Freunde Pflichtlektüre! Insieme, Nr. 8 Groundhopping-Zine aus Stuttgart 0711hefte@gmx.de Zum ersten Mal kam mir das Insieme aus dem Umfeld der Stuttgarter Kickers in die Hände. Ich hab es ganz durchgelesen, was mir nicht bei allen Hopping-Zinen gelingt. Der Schreibstil weiss zu gefallen und das Rhodia Freiburg über eine kleine Fanszene verfügt, war mir völlig unbekannt. Am witzigsten aber der Bericht über das Spiel beim Freiburger FC und der dort gebotenen EinMann-Show. Am Schluss noch der Soundtrack zur Saison (gute Idee), ein Interview mit einem Kickers-Fanzine-Urgestein, ein Bericht über die Fanzine-Kultur bei den Kickers (beides sehr interessant), FanzineRezensionen (mit dem Grenzstadtkurier) und ein Rückblick auf die Oberliga-Saison 47/48. Die Stuttgarter Kickers waren mir schon vorher sympathisch, jetzt sind sie es mir noch mehr.

Blick über den Lahmannhügel, Nr. 5 Groundhopping-Zine aus Hannover kontakt@lahmannhuegel.de Die neueste Ausgabe des Hannoveraner Groundhoppingzine Zugriff!, Nr. 10 aus dem Umfeld der Fanzine BFC Dynamo Arminia kommt im Zugriff! – das hervorragende Fanzine vom schick klebegebunBFC Dynamo feiert Jubiläum, Untergang und denen TaschenbuchAufstieg. Die vor kurzem erschienene Nr. format.daher. Wie 10 ist die letzte Ausgabe der alten Schreiimmer kommen die berlinge-Garde um den auch in Kreuzlinger stolzen 128 Seiten in Kreisen bekannten Andreas Gläser. Es folgt angenehm schlichder wohlverdiente Ruhestand der alten Hertem Layout daher und ren und die Übergabe an die neue, aus der es gibt wieder jede Ferne betrachtet, sehr dynamische FangeMenge Spielberichte vom Bodensee bis zur neration der Berliner. So zumindest meine Ostsee, 117 sind es an der Zahl, garniert mit letzte Information. Dazwischen lag der lang39


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~ Fussball & Fankultur ~ ersehnte Aufstieg in die Regionalliga und die Rückkehr in den Jahnsportpark und Prenzlauer Berg. Die dazwischen veröffentlichte Jubiläumsausgabe erschien als CD mit schönem Klappcover im Fanzine-A5Format. Auf dem Tonträger zu finden sind 34 Beiträge, lustige Huldigungen des für die BFCer so Ruhmreichen, Tonschnipsel aus alten Radioreportagen, Oi!-Musik und Fangesänge aus dem Hinterzimmer eines Pilsstübchens. Erich Mielke referiert über Skinheads (Schiheads und Gruffties (Gruffiz), es geht um Zwiegespräche mit Gott, vom Schiebermeister und der grossen Fussballliebe. Wie alles vom Zentralorgan: Grossartig!

kompletteste Fanzine welches derzeit in Deutschland erscheint. Gerade die neu erschienene Nr. 21 ist eine der besten Ausgaben und hat mich mal wieder ganz nah zu Altona gebracht. Wahrscheinlich kann so ein kreatives A5er-Fanzine auch nur an so einem Ort wie der Adolf-Jäger-Kampfbahn herausgebracht werden. Nach meinen letzten Informationen wird man nicht mehr allzu lange Zeit haben um dort ein Spiel zu besuchen. Es wird für oldschool-Fussballfreunde also höchste Eisenbahn für einen HamburgBesuch. Kiezkieker, Nr. 28/29 Fanzine FC St. Pauli Der Kiezkieker ist ein Fanzine wie man es sich vom FC St. Pauli vorstellt. Kein L a y o u t Schnickschnack wie beim Hecht oder der Hafenschlampe, kein mehr oder weniger sauberes oldschool-Gefrickel wie beim Grenzstadtkurier, einfach authentische Texte, lustige Perlen aus dem Fanleben, die man findet weil man das halt wirklich lebt. Das ist der grosse Unterschied zu den nur gewollten Dingen! Wahnsinn was da an „Veccio Stile“ hervorgegraben wird und die Spielberichte sind punkig geschrieben, Daumen hoch! Die neuesten Ausgaben habe ich leider noch nicht gelesen. Weitere Infos an dieser Stelle: kiezkieker-fanzine.net.

All to nah, Nr. 21 Fanzine Altonaer FC 1893 In kurzer Zeit haben es Jan Stöver und seine Schreiberlinge auf 21 Ausgaben dieses Fanzines gebracht. Dabei schaffen sie es regelmässig, all die schönen Dinge ins Heft zu integrieren welche aus Fussball soviel mehr machen als eine reine Sportveranstaltung. Mit Witz und Humor, spannenden Rückblicken auf die Vereinsgeschichte, kuriosen Serien (z.B. einer vielteiligen Geschichte über das sammeln von Fussballklebebildern in der Vor-Panini-Zeit), Völkerverständigung (Berichten von englischen AltonaFans), liebevollen Spielen und Bastelbögen im Heft, der fast schon wissenschaftlichen Aufbereitung von speziellen Altona-Themen, aber auch eingestreuten oldschoolSpielberichten, interessanten Schwerpunktthemen (in dieser Ausgabe “Spielsysteme”), mit eingeklebten Gimmicks in Form von Altona-93-Kunstbildern (diese werden meist von Hamburger Künstlern zu jeder Ausgabe beigesteuert), mit Interviews und Buch-/ Un peu d‘Histoire Fanzinevorstellungen, kleinen Gewinnspie- Servette Genf len und vielem mehr ist es für mich das wohl Jacky Pasteur et Germinal Walaschek 40


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~ Fussball & Fankultur ~ Herausgeber ist Hardy Grüne, welcher schon unzählige tolle Fussballbücher schrieb.

(Pseudonyme) ISBN 978-3-936300-84-0 Tolles Buch über Servette Genf mit Interviews von Ehemaligen, Statistiken, Spielerporträts und vielem mehr. 320 Seiten und durchgehend farbig. Zu beziehen unter sportantiquariat.ch. Auf französisch!

Blickfang Ultrà, 45 Grad, Erlebnis Fussball Bahnhofsbuchhandel (Blickfang Ultrà) und nofb-shop.de

Ayia Napa! Fussballreisen nach Südeuropa Jörg Pochert ISBN 978-3-00-042883-8 Groundhopper-Buch von dem in Kreuzlingen bekannten TeBe-Fan Jörg Pochert. 258 Seiten über Spiele in der Türkei, Portugal und Zypern, dazu ein Tagestripp in den Iran zum Teheraner Derby vor mehr als 110‘000 Zuschauern. Aber auch Viertliga Begegnungen in Zypern vor zweistelliger Kulisse. Schön zu lesen. Zu beziehen über den NOFB-Shop.

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Grenzstadtkurier Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Andere über uns ~ rezensione.blogspot.ch über den Graffiti auf, sondern legt den Fokus auf die Geschichte des Clubs – den Titel schmückt Grenzstadtkurier Nr. 7 Zugegeben, weder von der „Whiskykurve“, noch von der Stadt Kreuzlingen hatte ich bis vor ein paar W o c h e n etwas gew u s s t . Kreuzlingen liegt idyllisch am Bodensee und ist Nachbarstadt von Konstanz, allerdings auf Schweizer Seite. Im dortigen Hafenareal, das sie anheimelnd „Klein Venedig“ nennen, kickt der Fünftligist FCK. Dessen Fans stehen nicht nur für ausgeprägten Humor und angenehme Lockerheit, sondern hacken im Verhältnis zur Größe des Vereins und der Szene auch richtig in die Tasten. Neben dem mir vorliegenden „Grenzstadtkurier“ (Nummer 7, erschienen im Mai 2013) existiert mit der „Hafenschlampe“ nämlich sogar ein weiteres Heft aus den Kreisen der „Whiskykurve“, einer relativ losen Zusammenschluss mit Skinhead- und Punk Einfluss. Der etwas spezielle Name der Kurve rührt auch aus einem spaßigem Verständnis, verwurzelt in der englischen Working Class. Zurück zum Heft: Mit „oldschool Fanzine seit 1999“ wird auf dem Titel geworben. Und in der Tat wartet das Heft, im Gegensatz zu klassischen Ultraslektüren, nicht mit sich völlig abfackelnden Kurven oder dicken

daher ein Uralt-Foto aus den 30er-Jahren. Solch akribische Archivarbeit kann letztlich oft dröge präsentiert werden, doch der Macher zieht die Geschichte in kurzweiligen Etappen auf und hängt sogar noch ein paar sensationelle Anekdoten von den Gastspiele West Ham Uniteds ran, die damals ihre Trainingslager-Zelte am Bodensee aufschlugen. Allgemein ist das Heft ein kleiner Nostalgiedampfer, wie immer wieder kleine Einwürfe zu alten Spielprogrammen oder das romantisierte Schwelgen über die alten Grounds in Kreuzlingen bestätigen. Auf eintönige Spielberichte wird übrigens verzichtet, stattdessen gibt es ein sechsseitiges Editorial, das über die Entwicklungen der für mich durchweg sympathischen Fanszene und des Vereins informiert. Fanzine- und Buchbesprechungen sowie ein Blick über den Tellerrand nach Norditalien machen das Heft zu einem ernsthaften Anwärter für meinen „Regelmäßig-kaufen-und-lesen“-Bereich. Einziger Minuspunkt ist der, wie so oft bei Schweizer Fanzines, hoch angesetzte Preis von fünf Franken.

Insieme, Nr. 8 über den Grenzstadtkurier Nr. 7

Bevor ich dieses Heft im NOFB-Shop erspähte, war mir ehrlich gesagt nicht mal klar, dass der Schweizer Fünftligist aus der gegenüber Konstanz liegenden Grenzstadt Kreuzlingen überhaupt eine Fanszene hat. Umso grösser war die Spannung, mit der ich das Heft in meinem Briefkasten erwartete. Dort angekommen entpuppte sich der Grenzstadtkurier eher als ein ausführliches Matchprogramm (wie der Schweizer so schön sagt) und weniger als typisches Fanzine wie wir es dieser Tage aus Deutschland kennen. Mit nur 48 Seiten kommt es recht

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Grenzstadtkurier Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Andere über uns ~ sparsam daher, wobei allein fünf Seiten das mit Fotos gespickte Vorwort einnehmen. Dazu kommt ein Interview mit einem Kreuzlinger Spieler, ein Blick auf die eigene Vereinsgeschichte mit Spielberichten aus den 30er Jahren, ebenfalls aus den 30er Jahren stammende Berichte vom West-HamGastspiel am Bodensee, die Vorstellung Kreuzlinger Sportplätze, Fanzine– und Buchrezensionen sowie die Vereinsgeschichte von Arminia Hannover. „Klassische“ Tourberichte findet man lediglich auf zwei Seiten, in dem Fall von drei Spielen in Italien. Da sich der Grenzstadtkurier aber selbst als „old-school-Fanzine“ bezeichnet, darf man sich darüber nicht beschweren. Man merkt, dass in dem Heft viel Vereinsliebe steckt und durch die komplett farbigen Seiten wird auch etwas fürs Auge geboten.

Lahmannhuegel.de über den Grenzstadtkurier Nr. 7

Aus der Schweiz kommt das interessante und mit Liebe gemacht Fanzine Grenzstadtkurier. Herausgeber Daniel beleuchtet darin neben dem aktuellen Geschehen beim FC Kreuzlingen auch immer wieder gerne die Vergangenheit des Vereins. So gibt es diesmal einen Rückblick auf die Saison 1935/1936 sowie die Spiele gegen den englischen Klub West Ham United FC zwischen 1934 und 1936. Aus der aktuellen Saison gibt es ein Interview mit Kapitän Marco Wagner, der in Deutschland auch für den FC 08 Villingen aktiv war. Dazu Gastberichte von Frank Willmann über seinen Besuch beim FC Kreuzlingen, Pascal Claude der ebenfalls in Kreuzlingen zu Gast war und seinen Artikel auch auf http://knappdaneben.net veröffentlichte oder auch vom Betreiber dieser Seiten mit einem vierseitigen Artikel über den SV

Arminia Hannover Aber auch in die Zukunft wird ein wenig geschaut. So geht es unter anderem um die Stadionzukunft des FCK, denn auf Dauer wird man leider nicht am Hafenareal spielen können. Und zu guter Letzt gibt es Rezensionen zu diversen Büchern und Fanzines. Wer also die Möglichkeit hat, das Heft zu erwerben sollte es auch unbedingt tun! Hier in Deutschland beim bekannten NOFBShop von Stephan Trosien.

ein unbekanntes Fanzine über den Grenzstadtkurier Nr. 7

Wer auf Überraschungen steht, braucht manchmal nur den richtigen Postboten. Ok, Kirsche als einfachen Postboten (oder besser Heftboten) zu bezeichnen wird ihm nicht gerecht, aber für Überraschungen ist er immer gut. So lag das selbsternannte oldschool Fanzine aus der Schweiz letztens bei mir im Umschlag und erst ein Blick auf die Landkarte half mir um dieses Kreuzlingen zu finden. Beim FC aus Kreuzlingen handelt es sich um einen 5.-Ligisten und ein erster Blick ins Heft verriet eine Freundschaft zu Arminia Hannover. Wusste ich nicht und beim Weiterlesen erfuhr ich noch mehr Neues, was keiner weiss oder welcher meiner Nürnberger Freunde würde den FC Kreuzlingen nennen, wenn ich fragen würde wo Heiner Stuhlfauth mal auf der Trainerbank sass!? Dem Anspruch oldschool wird der Grenzstadtkurier auf jeden Fall gerecht und das Lesen hat Spass gemacht. Es wird an eine Reise zu West Ham in den 30ern erinnert, viel Lesestoff vorgestellt und in die Vereinshistorie geblickt. 5 Franken sind zwar happig, aber preislich sind die Eidgenossen ja eh jenseits von Gut und Böse. Mein Daumen geht dennoch nach oben, wer es in den Fingern hat sollte ruhig zuschlagen.

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Grenzstadtkurier Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Vereinsgeschichte ~ Was bisher geschah... Bereits in seiner Anfangszeit war der FC Kreuzlingen als ältester Thurgauer Fussballverein ein Pionier des Fussballsports am Bodensee. Anfang der dreissiger Jahre übernahmen dann regelrechte Fussballenthusiasten das Ruder beim Grenzstadtverein und nicht zuletzt durch die Seifenfabrik Schuler fehlte es auch nicht an Möglichkeiten, um bei den Grün-Weissen etwas Grosses aufzubauen. Mit der Verpflichtung des englischen Fussballprofis Norman Smith nahm die Professionalisierung beim FCK seinen Lauf. Es wurden die besten Spieler der Region verpflichtet, ergänzt mit ausländischen Profis aus Deutschland, England und später Ungarn. Es folgten zwei aufeinanderfolgende Aufstiege in die 1. Liga, welche damals den zweigleisigen Unterbau zur höchsten Liga, der Nationalliga, bildete. Gleich im nächsten Jahr wurden die Grenzstädter Gruppensieger und anschliessend durch einen 3:0-Sieg über den Etoile Carouge FC aus Genf Schweizer 1. Liga – Meister. Auf den daraus resultierenden Aufstieg in die Nationalliga verzichtete der FCK jedoch aus finanziellen Gründen schweren Herzens. Norman Smith suchte daraufhin sein Glück beim FC St. Gallen. Mit den Gallusstädtern gelang ihm das gleiche Meisterstück, nur das dort die Voraussetzungen für Profi-Fussball stimmten. In den dreissiger Jahren stand der Schweizer Fussball kurz vor der Professionalisierung, ehe dann Skandale, der Krieg und gesellschaftliche Veränderungen den Profi-Fussball um einige Jahrzehnte mehr oder weniger ausbremsten. Sehr beliebt zu dieser Vor-Europacup-Zeit waren internationale Vergleichswettkämpfe gegen renommierte ausländische Teams. Der FC Kreuzlingen nahm auch hier eine Vorreiterrolle im Schweizer Fussball ein und empfang Teams wie die AS Roma, West Ham

United, FC Everton, First Vienna FC, Hungaria Budapest, Waldhof Mannheim, 1860 München, SpVgg Fürth, Racing Club Paris, die Mexikanische Nationalmannschaft und viele weitere Teams im neu erbauten und heute nicht mehr existenten Grenzland-Stadion an der Konstanzerstrasse. Zwischen 30‘000 und 50‘000 Zuschauer konnte der FCK in den besten Jahren in seiner geliebten Fussballheimat begrüssen. Nach dem Abgang von Norman Smith folgten zwei mittelmässige Saisons in der 1. Liga. Während der Saison 1935/36 mit der deutschen Torwart-Legende Heiner Stuhlfauth im Traineramt, welcher als einer der beliebtesten Fussballer der Vorkriegszeit zwar etwas Glamour in den Grenzort brachte, jedoch keinen Erfolg. Nebst einem deutlichen Zuschauerrückgang hatten die Grenzstädter auch immer mehr mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Die Saison 36/37 05.08.1936, Vorsaison FCK - Grasshopper-Club Zürich 0:5 (0:2) Grenzland-Stadion, 800 Zuschauer Wiederum eröffnet der FC Kreuzlingen seine Saison in einem Nachtspiel gegen den Schweizer Rekordmeister. Nur 800 Zuschauer hatten sich zu dieser Partie eingefunden, im Jahr zuvor waren es schon damals enttäuschende 1‘200. Die in stärkster Fomation angetretenen Zürcher hinterliessen einmal mehr einen ausgezeichneten Eindruck. Die Limmatstädter sollten in der laufenden Saison Schweizer Meister werden. Der von Trainer Riemke neu zusammengestellte FC Kreuzlingen wehrte sich nach Kräften und die neue Stürmerreihe kam auch zu einigen Chancen gegen die wohl bekannteste Schweizer Mannschaft. Indes wurden die Tore auf der anderen Seite geschossen.

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Grenzstadtkurier Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Alwin Riemke ~ Im Sommer 1936 präsentiert der FCK mit Alfred (genannt Alf oder Alwin) Riemke auf dem schon damals heissen Kreuzlinger Trainerstuhl erneut einen grossen Namen. Alf Riemke wurde am 2. Februar 1910 geboren und spielte ab 1929 als Torwart beim VfB Leipzig. Im folgenden Jahr qualifiziert sich der VfB als Mitteldeutscher Meister für die Vorrunde zur deutschen Meisterschaft in Hamburg. Die Leipziger scheiterten knapp mit 3:4 an Holstein Kiel. Anschliessend wechselte Riemke zu 1860 München. Mit diesen gelingt ihm der Einzug in das Endspiel um die deutsche Meisterschaft. Vor 50‘000 Zuschauern im Kölner Müngersdorfstadion geht das Spiel mit 3:2 gegen Hertha Berlin verloren. Die Saison 32/33 steht Riemke wieder beim VfB Leipzig im Tor und wechselt dort zur Saison 33/34 auf die Abwehrposition (!). Im Sommer 1934 wechselt Riemke als Trainer zum FC Basel in die Nationalliga. Die Saison 35/36 trainiert der Leipziger den Nationalliga-Verein Lausanne Sport und wird mit den Westschweizern gleich Meister! Was den frischgebackenen Schweizer Meister anschliessend motiviert beim FC Kreuzlingen in der 1. Liga einzusteigen, wird sich heute nur noch schwer nachvollziehen lassen. Es waren wohl die Kontakte über Heiner Stuhlfauth und über die finanziellen Möglichkeiten lässt sich dabei nur spekulieren. Riemke war gleichzeitig auch Trainer beim FC Konstanz 1900, was damals mehrfach vorkam. Nach seinem Jahr am Bodensee wird Riemke Trainer bei der SpVgg Fürth und 1939 beim 1. FC Nürnberg. Im April 1940 steht Riemke wieder im Endspiel um die

deutsche Meisterschaft. Vor 60‘000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion unterliegen die Nürnberger dem Dresdner SC mit 1:2 nach Verlängerung. 1949 wird Riemke schliesslich Trainer bei Bayern München und gleichzeitig Trainer der VerbandsAuswahl von Bayern. Mit letzterer gelingt ihm endlich ein grosser Sieg. Im Länderpokal gewinnt die Bayern-Auswahl vor 89‘000 Zuschauern im Stuttgarter Neckarstadion gegen die Pfalz mit 2:0. Nach seiner Rückkehr zum 1. FC Nürnberg beendet Riemke 1953 seine TrainerKarriere. Nebenbei betreibt Riemke in der Nachkriegszeit einen Sportartikelladen in Nürnberg. Das obere Foto, welches leider nicht mehr in besserer Qualität zu finden war, zeigt Alwin Riemke nach einem 2:0-Sieg über Barcelona mit Max Morlock auf den Schultern. Das untere Foto zeigt ihn als dritten von links beim FC Konstanz, in jener Zeit also, in der er auch als Trainer und Spieler beim FC Kreuzlingen aktiv war.

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Grenzstadtkurier Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Vereinsgeschichte ~ Auch wenn das Resultat zum Schluss etwas Kreuzlingen noch nicht eingespielt. Die Freizu hoch ausfiel, dürfen die Kreuzlinger aus burger entpuppten sich, wie zu erwarten sportlicher Sicht zufrieden sein. war, als ein in jeder Hinsicht fairer und ritterlicher Gegner, den man hier immer wieder mit Freude empfangen wird. 07.08.1936, Vorsaison FCK - FC Montreux-Sports 3:0 Grenzland-Stadion 06.09.1936, 1. Liga Im zweiten Vorsaison-Spiel empfingen die FC Zürich - FCK 0:1 (0:0) Kreuzlinger erstmals den FC Montreux- Letzigrund, 1‘000 Zuschauer Sports im Grenzland-Stadion. Der Gast vom Kreuzlingen: Fuchs; Anderegg (Foto unten), Genfersee galt als Spitzenmannschaft der Rickenbacher; Müller, Plancherel, Hofstetter 1.Liga-Westgruppe. Ende Mai spielte der (Steinauer); Lehmann, Vogel, Riemke, Frei, FCK bereits in Montreux, diese Begegnung Häfeli endete mit 1:1. Einen altbekannten durften Die Zürcher zeigten hübsch anzusehenden die Kreuzlinger bei dieser Partie begrüssen, Kombinationsfussball, waren aber am KreuzSandoz wechselte von Kreuzlingen an den linger Strafraum jeweils am Ende ihres LaGenfersee. Vom Spiel selbst ist bis auf das teins. Beim FCK spielte Trainer Riemke als Resultat leider nichts bekannt. Mittelstürmer, war dort aber eher ein Bremsklotz, denn ein Angriffsführer („Sport“). Er wechselte dann auch an den 16.08.1936, Vorsaison linken Flügel FCK - Freiburger FC 1:5 (1:2) und tauchte Grenzland-Stadion, 400 Zuschauer Der hochsommerliche Tag lockte kaum 400 noch in der VerZuschauer an die Konstanzerstrasse. Die teidigung auf. Partie konnte bis zur Halbzeit beiderseits Taktisch opegefallen. Man bekam ein gefälliges, schnel- rierte die Elf les und abwechslungsreiches Spiel zu se- nicht schlecht, hen. In ihren Leistungen hielten sich beide indem die AnTeams ungefähr die Waage. Kreuzlingen griffe aus einer erzielte infolge eines Missverständnisses v o r s i c h t i g e n des gegnerischen Verteidigers die Führung. Deckung heraus Dabei blieb es allerdings und die deutschen inszeniert wurGäste aus der Gauliga Baden wurden immer den. Der „Sport“ besser. Noch vor der Pause kamen die Frei- gab den Kreuzburger zu zwei Treffern und nach der Halb- lingern aber mit zeit waren sie es, die das Spiel ganz in der auf den Weg, Hand hatten. Mit drei weiteren Toren glück- dass sie sich ten ihnen dann die Revanche für die vor 1 nicht jedes Mal auf ein so spätes Tor verlas1/2 Jahren auf hiesigem Platze erlittene Nie- sen können (Frei in der 83. Minute). derlage. Im Kreuzlinger Tor stand der Ersatztorhüter Schwaibold, der seine Sache 13.09.1936, 1. Liga recht gut machte und an den fünf Toren si- FCK - Sparta Schaffhausen 2:1 (1:0) cher schuldlos war. Ansonsten wirkte der FC Grenzland-Stadion, 400 Zuschauer 46


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~ Vereinsgeschichte ~ Kreuzlingen: Fuchs; Anderegg, Rickenbacher; Müller, Plancherel, Hofstetter; Lehmann, Vogel, Schenker, Frei, Häfeli Kreuzlingen musste seinen Trainer Riemke, der letzten Sonntag in Zürich verletzt wurde, ersetzen. An seiner Stelle führte Vogel den Sturm, der sich wohl alle Mühe gab, aber nicht restlos befriedigen konnte. Beide Mannschaften litten unter dem nassen Terrain und die Ballführung liess infolgedessen manche Wünsche offen. Nach der verdienten Führung durch Frei gelingt Sparta in der zweiten Halbzeit der Ausgleich, ehe Häfeli die Grenzstädter erneut in Front schiesst. In den letzten Spielminuten fehlt den Munotstädtern die Kraft um den Kreuzlingern nochmals gefährlich zu werden. Leider konnte diese Begegnung auch längst nicht

mehr so viele Schlachtenbummler wie in früheren Jahren anlocken. 20.09.1936, Vergleichtswettkampf Freiburger FC - FCK 1:4 Mösle-Stadion Nachdem sich die erste Halbzeit noch ausgeglichen gestaltete, demonstrierten die Grenzstädter in der zweiten Hälfte einen wirklich glänzenden Fussball. Der Gastgeber durfte froh sein, dass er nicht zwei oder drei Tore mehr einstecken musste. Zum Schluss des Spieles spendeten die Zuschauer den Kreuzlingern noch einen speziellen Beifall, den man auch gerne ab und zu auf hiesigem Platze wahrnehmen möchte.

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~ Vereinsgeschichte ~ 04.10.1936, Schweizer Cup, 1/32-Finale Young Fellows Zürich - FCK 4:0 (1:0) Hardturm, 2‘000 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Anderegg, Rickenbacher; Müller (Späth), Plancherel, Hofstetter; Lehmann (Foto links), Vogel, Wolf, Frei, Steinauer Die Young Fellows liessen einige Spieler pausieren und mussten dann erleben, dass das SchweizerCup-Spiel gegen einen Vertreter der 1. Liga absolut kein Spazierg a n g wurde, wie sich ihn die Granaten vielleicht gedacht hatten. Gleich zu Beginn kam der Gast vom Bodensee zu einigen guten Chancen und nachdem sich die Zürcher gefangen hatten, fanden auch diese im starken Kreuzlinger Keeper vorerst noch ihren Meister. In der zweiten Halbzeit brach dann endgültig der Bann und am Ende siegte der Nationalliga-Vertreter und amtierende Schweizer-CupSieger doch noch standesgemäss. Das Bild auf dieser Seite zeigt eine Spielszene jener Partie.

Frei, Vaucher, Lehmann, Vogel Mit einer angenehmen Überraschung warteten die Gäste auf, die besonders in der ersten Halbzeit ein Spiel vorlegten, das durchaus gefallen konnte. Kreuzlingen war ob dieser Leistung erstaunt und lange nicht im Bilde. Als die Grenzstädter nach der Pause und besonders gegen Schluss Volldampf aufsetzten, war es bereits zu spät. Als moralischer Sieger verliess Oerlikon den Platz. 18.10.1936, 1. Liga FC Chiasso - FCK 0:1 (0:0) Campo Sportivo, 300 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Moser, Rickenbacher; Müller, Plancherel, Schmidlin; Lehmann, Anderegg, Wolf, Vaucher, Girardin Mit Kreuzlingen hat bestimmt die technisch und taktisch bessere Mannschaft gewonnen. Vor einer standfesten Verteidigung, die al-

lerdings recht oft die Grenze der erlaubten Härte überschritt, stand im Läuferzentrum ein feiner Techniker und unermüdlicher Schaffer, während im Sturm sich besonders 11.10.1936, 1. Liga Vaucher und Lehmann hervortaten. Das FCK - FC Oerlikon Zürich 0:0 (0:0) siegbringende Tor schoss der gleich einGrenzland-Stadion, 400 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Anderegg, Rickenba- gangs der Partie verletzte und zeitweise als cher; Hofstetter, Plancherel, Wolf; Girardin, Statist am rechten Flügel wirkende Ex-Basler 48


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~ Vereinsgeschichte ~ Wolf wenige Minuten vor Schluss. 25.10.1936, 1. Liga FC Locarno - FCK 3:0 (1:0) Stadio Lido, 200 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Moser, Rickenbacher; Anderegg, Schmidlin, Hofstetter; Girardin, Wolf, Vaucher, Lehmann, Müller Wie stets lieferte Locarno gegen starke Gegner sehr gute Partien und heute musste dies auch der Leader der Gruppe, Kreuzlingen, erfahren. Es soll vorweg gesagt werden, dass die Thurgauer eher enttäuscht haben, in spielerischer wie in technischer Hinsicht. Fuchs, der Torhüter, war noch ihr bester Mann, die Verteidiger waren standfest, doch überschritten sie oft an Härte die Grenze des Erlaubten. Die Stürmer spielten zusammenhanglos und konnten die hiesige

Verteidigung nie in Bedrängnis bringen. Gerardin und Vaucher fielen nur durch ihr grobes Spiel auf. Dagegen begeisterte Locarno ihr spärliches Publikum auf ganzer

Linie. 15.11.1936, 1. Liga FCK - Blue Stars Zürich 2:2 (1:2) Grenzland-Stadion, 700 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs (Foto unten); Anderegg, Rickenbacher; Müller, Plancherel, Hofstetter; Lehmann, Riemke (Schmidlin), Vaucher, Hottinger, Girardin Bereits in den ersten Minuten stellte sich heraus, dass die Stimmung der Spieler ziemlich mit Zündstoff geladen war. Die Sache ging noch an, solange Riemke mitspielte, der jedoch bereits nach 15 Minuten infolge eines Zusammenpralls das Spielfeld verlassen musste. Sein Tor, das er kurz zuvor schoss, resultierte aus einem Strafstoss und war eine Prachtsleistung. Zwei Minuten später hatte Blue Stars durch den linken Läufer ausgeglichen und kurz vor der Pause gelang es Tisi, die Führung für seine Mannschaft an sich zu reissen. Vor Wiederbeginn der zweiten Halbzeit versammelte der Schiedsrichter beide Mannschaften und ermahnte die Spieler, sportlich zu bleiben. Nur allzubald zeigte es sich, dass diese Ermahnung gar nichts genützt hattte. In der 52. Minute erzielte Schmidlin den Ausgleich für die Kreuzlinger. Die Spieler versuchten sich auf de hinterlistigste Art zu verletzen. Das Publikum verhielt sich zum Glück noch ziemlich ruhig, liess sich aber nicht mehr halten, als der

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~ Vereinsgeschichte ~ Kreuzlinger Hüter Fuchs verletzt wurde. Der Ref wollte den Sünder von Blue Stars hinausstellen, doch im selben Moment begannen die Spieler eine Schlägerei und das Publikum strömte in den Platz. Die Platzordner griffen sofort ein und dürten nicht versagt haben. Dieses unliebsame Vorkommnis fiel mit der zweitletzten Spielminute zusammen. 22.11.1936, 1. Liga

Concordia Basel - FCK 2:1 (1:0) Landhof, 2‘000 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbach, Anderegg; Hofstetter, Plancherel, Schmidlin; Girardin, Vogel, Riemke, Vaucher, Robein Dank der vernünftigerweise erfolgten Zusammenlegung dieses Spitzenkampfes mit dem Treffen der Nationalliga war ein zügiges „Doppelschlager-Programm“ gegeben und die Massen, die sich bereits beim ersten Spiel einfanden, kamen ganz auf ihre Rechnung. Nach der Basler Führung schoss Plancherel aus grossem Gedränge zum Ausgleich ein. In rasendem Tempo folgten sich jetzt die Aktionen. Die mitgereisten Kreuzlinger Anhänger hatten bereits den Torschrei auf den Lippen, doch Cerberus lenkte den Ball zum Pfosten. In umgekehrter Rich-

tung erzielte nun Concordia den vielumjubelten Siegestreffer. 29.11.1936, 1. Liga FCK - AC Bellinzona 0:0 Grenzland-Stadion, 700 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Anderegg; Hofstetter, Plancherel, Schmidlin; Hisard, Burkart, Riemke, Vaucher, Girardin. Eine Glanzleistung bot der Tessiner Keeper,

der besonders den Trainer Riemke fast zur Verzweiflung brachte. Die zweite Halbzeit steht im Zeichen drückender Überlegenheit der Thurgauer. Das Publikum feuert die Spieler an, aber alles nützt nichts, dass erlösende Tor will nicht fallen. Das Spiel war zeitweise sehr spannend und namentlich gegen Schluss konnte man dramatische Szenen vor Bellinzonas Tor beobachten. 20.12.1936, 1. Liga FCK - FC Brühl St. Gallen 0:3 (0:2) Grenzland-Stadion, 500 Zuschauer Über 100 Schlachtenbummler begleiteten die Brühler, die sich freuen durften, einem einwandfreien Sieg ihrer Mannschaft zusehen zu können. Zirka 400 sportbegeisterte Kreuzlinger erlebten dagegen eine Enttäu-

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~ Vereinsgeschichte ~ schung, weil der Sturm der einheimischen Elf vollständig versagte. Trainer Riemke vermochte sich auch nicht ein einziges Mal als Führer durchzusetzen. Brühls englischer Trainer Harris scheint seine Mannen hingegen gut eingestellt zu haben. Am 3. Januar spielen die Kreuzlinger auswärts bei den Stuttgarter Kickers, wozu wir ihnen mehr Erfolg wünschen.

Hierfür muss die Verantwortung dem nicht überzeugenden Schiedsrichter aufgebürdet werden, welcher jede klare Linie vermissen liess. Auch ein klares Abseitstor von Anfang Januar 1937, 1. Liga Kreuzlingen wurJuventus Zürich - FCK 2:0 (2:0) de gegeben. Hardturm, 2‘000 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Haber- Winterthur wählthür; Schmidlin, Schmitt, Wolf; Lehmann te zu Spielbeginn (Hofstetter), die Sonne im Plancherel, Gesicht, was sich Riemke, Andeals klarer Nachteil herausstellen sollte. Die zweite Halbzeit brachte eine drückende regg, BurkÜberlegenheit der Eulachstädter. Die Kreuzhardt (Foto) Das Terrain prälinger Schlussoffensive brachte den Aussentierte sich in gleichstreffer und das Spiel endete mit eihartgefrorenem nem grossen Tumult. Vereinsfunktionäre Z u s a nd un d hatten alle Mühe, den Schiedsrichter vor stellte an die dem tobenden Publikum zu schützen. Für Spieler erhöhte den FC Winterthur war der Abschluss um so Anforderungen. bedauerlicher, als das Stadtoberhaupt dem Die Italiener-Elf Treffen beiwohnte. FCK-Torschützen: Burkerzielte beide hardt, Wisard, Späth. Treffer in der 1. Halbzeit und war auch im zweiten Durch- 17.01.1937, 1. Liga gang dauernd überlegen. Weitere Tore la- FCK - FC Zürich 3:4 (1:2) gen ständig in der Luft, Kreuzlingens Ab- Grenzland-Stadion, 400 Zuschauer wehr konnte aber schlimmeres verhindern. Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Haberthür; Schmidlin, Plancherel (Foto oben), Wolf; Wisard, Burkhardt, Girardin, Martinoli, 10.01.1937, 1. Liga Späth FC Winterthur - FCK 3:3 (1:2) Das Spiel liess hinsichtlich Temperament Schützenwiese, 1‘800 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Haber- und Rasse nichts zu wünschen übrig. An drathür; Schmidlin, Plancherel, Wolf; Wisard, matischen Momenten fehlte es nicht, besonBurkhardt, Anderegg, Vonlanthen, Späth ders gegen den Schluss, als die Kreuzlinger Dieses in seinem Verlauf sehr aufregende mit aller Gewalt den Ausgleich erzwingen Spiel endigte mit einem krassen Misston. wollten und die Gäste mir ihrer ganzen 51


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~ Vereinsgeschichte ~ Mannschaft verteidigten. FCK-Torschützen: 28.02.1937 Girardin, Burkhardt, Späth. 1. Liga FCK - FC 24.01.1937, 1. Liga Chiasso 1:3 (0:1) Sparta Schaffhausen - FCK 0:1 (0:0) Grenzland, 150 Schützenhaus, 800 Zuschauer Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Haber- K r e u z l i n g e n : thür; Schmidlin, Plancherel, Wolf; Wisard, Fuchs; RickenbaBurkhardt, Anderegg, Martinoli, Girardin cher, Haberthür; Die Schaffhauser liegen dem FC Kreuzlin- Schmidlin, Plangen. Kreuzlingen zeigte sich in der Munot- cherel, Wolf; stadt erneut als reifere Mannschaft, FCK- Lehmann, BurkTorschütze durch Penalty: Anderegg. hardt, Anderegg, Martinoli, Girardin 31.01.1937, 1. Liga Trotz des starken FCK - FC Locarno 1:3 (0:1) Schneetreibens Grenzland, 300 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Haber- und des rutschithür; Schmidlin, gen Bodens bekam man ein Spiel zu sehen, Plancherel, Wolf; das manch spannende Momente aufwies. Wisard, Burk- Kreuzlingen kam trotz überlegenem Spiel hardt, Anderegg, um den Sieg weil sie zu ängstlich agierten. Martinoli, Girar- In der 65. Minute Anderegg mit dem zwidin schenzeitlichen Ausgleich. Vergebens verDas beiderseits suchten die Thurgauer die Führung an sich bis zum äussers- zu reissen, zu flink agierten die Tessiner und ten gesteigerte schossen Chiasso in der 75. und 85. Minute Tempo forderte zum Sieg. seine Opfer, und hier waren es 07.03.1937, 1. Liga besonders die FC Oerlikon - FCK 0:0 Kreuzlinger, wel- Neudorf, 500 Zuschauer che nach der Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher (Foto Pause trotz drü- oben), Anderegg; Schmidlin, Plancherel, ckender Überle- Wolf; Wisard, Späth (Foto links), Habergenheit die Kraft thür, Martinoli, Girardin nicht mehr aufbrachten, um dem Spiel eine Die heutige Elf Kreuzlingens ist weit entfernt andere Wendung zu geben. Die Bilder von jener, die dem thurgauischen Grenzort, wechseln sehr schnell und man sieht ausge- fussballerisch gemeint, einen so guten Nazeichnete Spielzüge beider Mannschaften. men geschaffen hat. Der Sturm macht der Die Spielentscheidung fällt erst in den Vereinsleitung wohl die grössten Sorgen. Schlussminuten. FCK-Tor: Burkhardt

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~ Vereinsgeschichte ~ 04.04.1937, 1. Liga FCK - Concordia Basel 1:3 (1:1) Grenzland, 400 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Anderegg; Schmidlin, Plancherel, Wisard; Lehmann, Burkhardt, Späth, Martinoli, Girardin Erneut gelingt es den Kreuzlingern nicht die nötigen Treffer zu erzielen. Auf einmal drücken nun den einst so stolzen Klub Abstiegssorgen. Den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt Girardin.

einheimische Abwehr unter Druck zu setzen und in der Folge den verdienten Ausgleich durch Martinoli zu erzielen.

09.05.1937, 1. Liga FCK - Juventus Zürich 2:0 (0:0) Grenzland, 350 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Vonlanthen; Schmidlin, Späth, Wolf; Wisard, Haberthür, Plancherel, Anderegg, Martinoli Noch selten lag eine solche Spannung über dem Platze. Kreuzlingen brachte es dank 25.04.1937, 1. Liga dem restlosen Einsatz der AC Bellinzona - FCK 1:1 (0:0) ganzen Mannschaft fertig, die Campo Granata, 450 Zufavorisierten Zürcher-Italiener schauer Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbazu schlagen. Der Sieg ist verdient, zumal die Gäste in der cher, Vonlanthen; Schmidlin zweiten Hälfte ganz bedenk(Foto rechts), Späth, Wolf; Wisard, Plancherel, Anderegg, lich auseinanderfielen. JuvenMartinoli, Girardin tus verfügt wohl über die techDie Tessiner gingen von Anbenisch bessere Mannschaft, ginn mit vollem Einsatz ans vermochte aber die heldenWerk, aber sie steissen bei mütig kämpfende Thurgauer Kreuzlingen auf härtesten Widerstand, da Verteidigung nie zu durchbrechen. dieses unbedingt auf Sieg spielen musste, um sich vor dem Abstieg zu retten. Im zwei- 23.05.1937, 1. Liga ten Abschnitt FC Brühl St. Gallen - FCK 3:0 (2:0) hatten die Kreuz- Krontal, 1‘800 Zuschauer linger einige Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Vonlanbange Minuten then; Schmidlin, Plancherel, Wolf; Wisard zu überstehen, (Foto links), Burkhart, Girardin Martinoli, die sie in der 57. Späth Minute ins Hin- Zu dem äusserst wichtigen Meisterschaftstertreffen gerie- treffen zwischen dem abstiegsgefährdeten ten liessen. Ge- Kreuzlingen und dem an zweiter Stelle liegen Sc hlu s s genden Brühl mussten die Gastgeber mit zeigten sich die einem schweren Handicap antreten, da sie Mannen vom den im Augsburg-Match verletzten Keeper Bodensee etwas Bühlmann ersetzen mussten. Da zudem Harmunterer und ris vom Middlesex-Spiel her noch nicht fit vermochten die war, sah man im Krontal der Partie mit sehr 53


Grenzstadtkurier Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Vereinsgeschichte ~ gemischten Gefühlen entgegen. In der 17. Minute war jedoch bereits der Bann gebrochen und Brühl skorte vielumjubelt zum 1:0 ein. Die Treffer zwei und drei folgten, Brühl war als Mannschaft bedeutend besser. Spielszene im Krontal auf der rechten Seite. 31.05.1937, 1. Liga Blue Stars Zürich - FCK 3:0 (2:0) Herdern, 400 Zuschauer Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Vonlanthen; Späth, Plancherel, Wolf; Girardin, Schmidlin, Riemke, Martinoli (Foto unten), Anderegg Aufgrund der Hitze begann das Spiel bereits um 10.45 Uhr. Für Kreuzlingen ging es um alles oder nichts. Doch schnell zeigte sich, dass die Blue Stars auf dem engen Fussballplatz die bessere Mannschaft waren. Für Kreuzlingen lief noch einmal Trainer Riemke auf, doch alles half nichts. Die besseren Angriffe trugen die Zürcher vor und gewannen verdient mit 3:0. Kreuzlingen muss den Gang in die 2. Liga antreten.

01.05.1937, Finale Thurgauer Cup FC Romanshorn - FCK 0:1 Kreuzlingen: Fuchs; Rickenbacher, Vonlanthen; Moser, Plancherel, Hofstetter, Böhler, Wolf, Girardin, Späth, Haberthür Ganz so leicht, wie sich‘s die Kreuzlinger vorgestellt haben, ist der erwartete Sieg nicht zustande gekommen. Erst tief in der zweiten Halbzeit schoss der rechte Flügel das entscheidende Tor, welches den Gästen den Serie-A-Pokal des Thurgauischen Fussballverbandes für immer sicherte. Die bessere Mannschaft war ganz klar Kreuzlingen, aber von einer 1.-Liga-Mannschaft durfte man mehr erwarten. 10.04.1937, Freundschaftsspiel FCK - Austria Lustenau 4:2 (1:1) Grenzland, 200 Zuschauer Nur etwas mehr als 200 Zuschauer lockte der warme Frühlingsabend an die Konstanzerstrasse um wieder einmal einem Nachtspiel beiwohnen zu können. Ein flottes Spiel entwickelte sich gegen flinke Vorarlberger. In ihren Reihen hatte es einige talentierte

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Grenzstadtkurier Nummer 8 / Mai 2014 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Vereinsgeschichte ~

Stehend: Lehmann, Wolf, Plancherel, Fuchs, Burkhardt, Girardin und Schmidlin Sitzend: Anderegg, Martinoli, Haberthür, Rickenbacher Spieler die noch auf sich aufmerksam machen werden. Am Ende liessen bei der Austria die Kräfte nach und Kreuzlingen siegte verdient mit 4:2. 18.04.1937, Freundschaftsspiel FCK - FC St. Gallen 5:5 (3:3) Grenzland, 400 Zuschauer Zwei alte Bekannte trafen sich mal wieder in einem Freundschaftsspiel. Der unentschiedene Spielausgang entsprach im allgemeinen dem Spielverlauf und die etwas mehr als 400 Zuschauer dürften ebenfalls dieser Meinung gewesen sein. Angenehm überrascht hat das aufopfernde Spiel der Kreuz-

lingen und 10 Tore boten jede Menge Unterhaltung. Bei den St. Gallern forcierte der bald 40-jährige Norman Smith immer w i e de r schöne Angriffe. Erinnerungen an Kreuzlingens beste Zeit wurden unwillkürlich wach gerufen. Foto rechts: Frey

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Grenzstadtkurier Nummer 7 / Mai 2013 - Das FC Kreuzlingen oldschool Fanzine

~ Auswärtsfahrt ~

In lässiger Pose beim Aufenthalt in Bellinzona, die Reise führte den FC Kreuzlingen am 25. Oktober 1936 zum Auswärtsspiel nach Locarno: Müller, Hofstetter, Vaucher, Blickle, Vogel, Riemke, Lehmann, Rickenbacher, Lisel Gutknecht. Alwin Riemke war Torwart beim VfB Leipzig und 1860 München, später Trainer beim 1. FC Nürnberg, Bayern München, FC Basel, Lausanne Sport (wo er Schweizer Meister wurde) und als erste Trainerstation beim FC Kreuzlingen. Lisel Gutknecht führte damals ein Fan-Album über die 1. Mannschaft, der FC Kreuzlingen verdankt ihr unzählige Fotos aus den erfolgreichen 30erJahren. Fotos rechts: R. Müller 1, R. Müller 2, Schwaibold

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Grenzstadtkurier Nr. 8  

Fanzine des FC Kreuzlingen seit 1999, Ausgabe Nr. 8 vom Mai 2014.

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