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FB2.aktuell Neues aus dem Fachbereich 2 – Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften Jahrgang 2 | Ausgabe 3 | Dezember 2016

Willkommen am Fachbereich 2!

Bild: Andre Pfeifer

Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften


Editorial

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Neues aus dem Fachbereich Liebe Mitglieder des Fachbereichs, rechtzeitig vor der Weihnachtspause freuen wir uns, Ihnen die fünfte Ausgabe unseres Newsletters FB2.aktuell präsentieren zu dürfen. Wieder einmal können wir auf einige erfreuliche Ereignisse zurückblicken. Gleich zwei neue Professorinnen und ein Juniorprofessor haben ihre Arbeit am Fachbereich aufgenommen: Am Institut für Soziologie zeichnet Professorin Dr. Sybille Frank verantwortlich für das Fachgebiet Stadt- und Raumsoziologie und Professorin Dr. Tanja Paulitz für das Fachgebiet Kultur- und Wissenssoziologie. Professor Dr. Kai Schulze ist am Institut für Politikwissenschaft Inhaber der Stiftungs-Juniorprofessur für Modelle der Wohnungs- und Energiepolitik, die in Kooperation mit dem Institut Wohnen und Umwelt (IWU) und der TU Darmstadt entstanden ist. Außerdem konnte Dr. theol. Gerhard Schreiber als Akademischer Rat für das Institut für Theologie und Sozialethik gewonnen werden. Wir werden Ihnen unsere neuen Kolleginnen und Kollegen in diesem und kommenden FB2.aktuell-Ausgaben ausführlich mit Interviews und Kurzporträts vorstellen. Ihnen allen ein herzliches Willkommen am Fachbereich 2! Natürlich möchten wir nicht versäumen, unsere neuen Studienanfänger ganz herzlich zu begrüßen. Rund 700 Erstsemester haben ihr Studium am Fachbereich aufgenommen. An dieser Stelle danken wir unserer engagierten Fachschaft ganz herzlich für die erneut perfekt organisierte Orientierungswoche und für alle Aktivitäten, mit denen unsere neuen Studierenden bei ihrem Start in Darmstadt unterstützt werden. Wir wünschen Ihnen für Ihren neuen Lebensabschnitt viel Erfolg! Das vom BMBF im Qualitätspakt Lehre geförderte Projekt KIVA (Kompetenzentwicklung durch Interdisziplinäre und Internationale Vernetzung von Anfang an) ist in die zweite Förderphase übergegangen. So steht auch im KI2VA-Projekt u. a. ein Fonds für Gastprofessuren zur Verfügung. In diesem Rahmen hat das Institut für Geschichte Herrn Dr. Leon Hempel vom Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin als KIVA-Gastprofessor von Oktober 2016 bis September 2017 eingeworben. Auch Ihnen herzlich Willkommen in Darmstadt! Für alle Fragen rund um KI2VA-Themen stehen Ihnen am Fachbereich Frau Dorina Kaiser und Frau Vanessa Geuen als Koordinatorinnen zur Verfügung. Impressum: Herausgeber: Dekanat Fachbereich 2 8 http://www.gugw.tu-darmstadt.de | h holtz@gugw.tu-darmstadt.de

Auch in diesem Jahr haben Mitglieder des Fachbereichs sich zu einem zweitägigen Workshop zu Forschung und Lehre zusammengefunden. So diskutierten Professorinnen und Professoren aller Institute am ersten Tag ihre Forschungsprojekte und -vorhaben und tauschten sich aus über mögliche und bestehende Kooperationen innerhalb des Fachbereichs und darüber hinaus. Am zweiten Tag haben sie, Angehörige des wissenschaftlichen Mittelbaus und Koordinatorinnen des Fachbereichs das Thema Studium und Lehre im Hinblick auf potenziell neue Masterstudiengänge diskutiert und gemeinsam erste Profil- und Kooperationsentwürfe entwickelt. Wir danken allen für ihre Ideen, ihre Teilnahme und für zwei spannende Tage! Das Deutschlandstipendium 2016 sieht für die TU Darmstadt die Einwerbung von 390 Stipendien vor. 48 davon sollen vom FB 2 eingeworben werden. Im diesjährigen Bewerbungsverfahren für die Deutschlandstipendien hat die Auswahlkommission des Fachbereichs 2 Ende Oktober getagt. Es wurden 81 Bewerberinnen und Bewerber hinsichtlich ihrer Leistungen im Studium und im Hinblick auf diverse soziale Kriterien bewertet. Eine entsprechende Rankingliste wurde erstellt und an die zentrale Verwaltung übermittelt. Die finale Zuteilung der Stipendien wird die zentrale Verwaltung vornehmen. Nachdem der Fachbereich im letzten Turnus zahlreiche Stipendien an Studierende des FB 2 vergeben konnte, hoffen wir an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen zu können. Viel Spaß mit der neuen Ausgabe von FB2.aktuell. Ihnen allen wünschen wir fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch in ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2017! Herzlich grüßt Ihr Dekanat

Termine

Fachbereichssitzungen WiSe 2016/17 Donnerstags, 14:00 Uhr, S4|24 209 r 15. Dezember 2016 r 2. Februar 2017 hobit 2017 r 24. – 26. Januar 2017


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Impressionen vom der Orientierungswoche am 10. Oktober 2016 Bilder: Andre Pfeifer


Ausgezeichnet

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Auszeichnungen für gute Lehre TU Darmstadt verleiht Athene-Preise und E-Teaching-Award Die Athene-Preise für Gute Lehre der Carlo und Karin Giersch-Stiftung an der TU Darmstadt in Höhe von insgesamt 40.000 Euro sind an TU-Angehörige verliehen worden, die sich um eine ausgezeichnete Lehre verdient machen: Die Preisverleihung bildet traditionell den feierlichen Abschluss des Tags der Lehre an der TU Darmstadt.

8 http://bit.ly/2ghilqf Vollständiger Text 8 http://bit.ly/2gpUqVl

Ob Probeprüfungen für Studierende im dritten Prüfungsversuch oder die interdisziplinäre Vorlesungsreihe „Was steckt dahinter?“, in der TU-Wissenschaftler in allgemeinverständlicher Form über Motivation, Hintergründe und Ergebnisse ihrer aktuellen Forschungsarbeiten berichten: Lehrende der TU Darmstadt setzen in allen Bereichen der Lehre auf Qualität. Die Athene-Preise für Gute Lehre 2016 gingen in diesem Jahr an folgende Personen bzw. Teams: Der Athene-Hauptpreis 2016, dotiert mit 2.000 Euro, ging an Dr. Philipp Richter vom Institut für Philosophie für die Herausgabe einer philosophischen Fachdidaktik: Professionell Ethik und Philosophie unterrichten. Ein Arbeitsbuch, Kohlhammer 2016.

Carlo und Karin Giersch-Stiftung an der TU Darmstadt

Den Athene-Hauptpreis 2016 erhielt Dr. Philipp Richter.; Bild: Claus Völker

Der Sonderpreis Interdisziplinäre Lehre in Höhe von 3.000 Euro ging an Prof. Dr.Ing. Volker Hinrichsen, Prof. Dr. Lambert Alff, Prof. Dr. Petra Gehring, Prof. Dr. Norbert Pietralla, Prof. Dr. Gerhard Thiel und Prof. Dr. Stefan Ulbrich für die äußerst erfolgreiche interdisziplinäre Vorlesungsreihe „Was steckt dahinter?“. Einen Sonderpreis Lehramt MINT in Höhe von 3.000 Euro gab es für das Projekt AllFaSprint (Alle Fächer Sprache Interkulturalität) von der Gruppe um Prof. Dr. Britta Hufeisen, Institut für Sprachund Literaturwissenschaft, und Dr. Chris Merkelbach für die Vorbereitung von Lehramtsstudierenden auf die Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Rahmen ihrer schulpraktischen Studien. Einen Sonderpreis Lehramt MINT gab es für das Projekt AllFaSprint; Bild: Claus Völker


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Aus dem Institut für Geschichte

Institut für Geschichte Publikationen Rohstoffräume. R äumliche R elationen und das Wirtschaften mit Rohstoffen

Sebastian Haumann, Nora Thorade (Hrsg.) De Gruyter Verlag 2016 Space, and access to resource deposits in particular, is a central theme of studies in economic history. However, new approaches to the theory of space that highlight the relations between people, places and things as constituents of multiple and dynamic spaces, have so far rarely been systematically applied to questions relating to resource economies. By referring to spaces of resource extraction as “sites”, this introductory article develops the notion that spaces in which resources are accessed, distributed and consumed are not a fixed and pregiven category, but exist in

dynamic spatial relations. These spatial relations can be made up of perceptions and images, such as geological knowledge or spheres of interests, social structures, such as in the distribution of real-estate property and in power relations, or they can be established by the expansion of infrastructures and by terms of trade. They also pertain to the physical properties of the resources themselves, especially when considering the environmental impact of extraction. All of these spatial relations are highly variable and change historically in interdependence with the dynamics of resource extraction. 8 http://bit.ly/2fgjJHn

Das Werk ist Teil der Reihe Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte / Economic History Yearbook. Band 57, Heft 1. Erschienen Online: 10.05.2016.

Erfolg für Darmstädter VW-Freigeist-Stipendium für Dr. Martin Bauch Ab 1. März 2017 wird Martin Bauch, 2009  –  2013 Mitarbeiter am Fachgebiet Mittelalter des Instituts für Geschichte, eine auf fünf Jahre angelegte Nachwuchsforschungsgruppe zur mittelalterlichen Klimageschichte am GWZO Leipzig leiten.

VolkswagenStiftung ‚Freigeist‘ Fellowships 8 http://bit.ly/2gGpAuV The “Dantean Anomaly” Project: Tracking Rapid Climate Change in Late Medieval Europe 8 http://bit.ly/2g94pNH

Finanziert wird das dreiköpfige Team durch eine sogenannte Freigeist-Fellowship der VolkswagenStiftung, die mit diesem Instrument vor allem Forschungsvorhaben im Grenzbereich etablierter Disziplinen fördert.

Dr. Martin Bauch; Bild: Privat

Entsprechend nutzt das Forschungsvorhaben, das drei europäische Teilprojekte aufweist, um den um 1300 angesiedelten, rapiden Übergang von Mittelalterlicher Klimaanomalie zur sogenanten „Kleinen Eiszeit“ zu untersuchen, neben historischen Quellen auch naturwissenschaftliche Forschung


Veranstaltungen

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Konferenz, Workshop & Ausstellung neue veranstaltungen aus dem institut für geschichte organisation Stephan Ebert und Kristin Zech Lehrstuhl Prof. Dr. Gerrit J. Schenk Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte, Institut für Geschichte Weitere Informationen und programm 8 http://bit.ly/2gawBDg

organisation Daimler und Benz Stiftung 8 http://bit.ly/2geioTA Prof. Dr. Gerrit J. Schenk Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte, Institut für Geschichte 8 http://bit.ly/2fhgHTa

Theoretisieren, Argumentieren, Disziplinieren Machtträger und (K risen-)Management im Zeichen der Moral (8. – 16. Jh.) 9. – 10. Dezember 2016 Raum: S3|20 18; Beginn: 13:00 Uhr Technische Universität Darmstadt „Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen“. Als Zuspitzung schwer beherrschbarer Situationen fordern Krisen Machtträger heraus. Sie verlangen zeitnah nach Maßnahmen zur Überwindung der Krise. Diese Maßnahmen sind jedoch kein reines Improvisationsprodukt. Sie haben vielschichtige Grundlagen. Einerseits entstehen sie auf Basis theoretischer Konzepte von Herrschaft, wie sie etwa in Fürstenspiegeln fassbar sind, andererseits bilden sie auch zeitgenössische Wahrnehmungs- und Deutungsmuster einer Gemeinschaft ab, indem sie zum Beispiel Stellung „zur Überwindung gegenwärtiger Not“ beziehen. Daneben bieten Krisensituationen grundsätzlich die Möglichkeit, neue oder bereits länger diskutierte Ideen normativ umzusetzen. Aufgrund ihrer Dringlichkeit eignen sich Maßnahmen zur Krisenbewältigung gut, um sie auf ihre Entstehungshintergründe und ihre Begründungszusammenhänge hin zu untersuchen. Für politischen Erfolg

K ick-off-Workshop K atastrophen im Spannungsfeld von Kultur, Umwelt und Technik: Hitze, Hunger, Durst – Dürrekatastrophen im mediterranen R aum 3. März 2017, Ladenburg Am 3. März 2017 veranstaltet die DaimlerBenz-Stiftung in Ladenburg einen Workshop, der von Gerrit Jasper Schenk konzipiert wurde und der dazu dienen soll, „Katastrophen im Spannungsfeld von Kultur, Umwelt und Technik“ als geeignetes Thema eines potentiellen künftigen Schwerpunkts der Stiftungsförderung auszuloten. Im Mittelpunkt soll die Diskussion von soge-

ist die ‚richtige‘ Argumentation in diesem Kontext entscheidend. Wie argumentieren Machtträger des Mittelalters in solchen Momenten und welche Rolle spielt dabei die Moral? Diese zunächst allgemeine Frage geht davon aus, dass ‚richtige‘ Argumentation mehrere Felder gleichzeitig bespielen muss. Sie sollte politisch und moralisch vertretbar sein und – so bleibt zu prüfen – traditionelle und progressive Vorstellungen vereinen. Die Tagung möchte diese Vielschichtigkeit in den Argumentationen von Machtträgern anhand ihrer Korrespondenzen auf dem Weg zur Entscheidungsfindung, anhand normativer Texte oder aber der historiographischen Darstellung von krisenhaften Entwicklungen diskutieren. Mittelalterliche Quellen werden über die longue durée der Epoche entsprechend neu befragt und Beiträge aus der Karolingerzeit sowie dem Hoch- und Spätmittelalter diskutiert. Ein ‚Ausblick‘ in das 16. Jh. und die Nutzung der Moral in den Argumentationen von Policeyordnungen rundet die Veranstaltung ab. Die Tagung, die insbesondere Beiträge junger WissenschaftlerInnen berücksichtigt, soll so das Gespräch über Wandlungsprozesse oder persistente Spezifika des Krisenmanagements von Machtträgern im Zeichen der Moral während des Mittelalters in Gang setzen.

nannten „slow onset disasters“ wie Dürre, Erosion und Bodendegradation stehen. Der Workshop wird vor allem am Beispiel von Dürrekatastrophen im mediterranen Raum in Geschichte und Gegenwart erörtern, wie vulnerabel unterschiedliche Gesellschaften für Dürren waren, welche Strategien sie zur Steigerung ihrer Resilienz entwickelten (oder auch nicht) und was aus langfristigen Entwicklungstrends und den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt werden kann. Der Workshop führt unterschiedliche Disziplinen (Geschichte, Geographie, Klimaforschung, Soziologie) zusammen und zielt darauf ab, ein Forschungsprogramm zu entwerfen.


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Ausstellung in und mit der ULB 1356-2016: Die Goldene Bulle K aiser K arls IV 19. Dezember 2016 – 19. März 2017 Ausstellungsbereich, Untergeschoss ULB Technische Universität Darmstadt Anlässlich des diesjährigen 660. Jubiläums der Goldenen Bulle und 700. Geburtstages Karls IV. widmet die Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt dem hiesigen Kurkölner Exemplar des wohl wichtigsten „Verfassungsdokumentes“ des Alten Reichs eine Ausstellung. Neben diesem zu den kostbarsten Stücken der Bibliothek zählenden Manuskript werden weitere mittelalterliche Handschriften, Inkunabeln und frühe Drucke der ULB sowie eine Urkunde des Hessischen Hauptstaatsarchivs Darmstadt gezeigt, die sämtlich in Zusammenhang mit der Goldenen Bulle gestellt werden. Schwerpunkte im Programm der Ausstellung bilden die Aspekte Recht, Ritual, Rezeption, Provenienz und Restaurierung. Konzipiert und kuratiert wird die Ausstellung gemeinsam von Gerrit Schenk (Institut für Geschichte) und Björn Gebert (Universitäts- und Landesbibliothek).

Aus dem Institut für Geschichte

Ein alternativer Blickwinkel auf das R eformationsjubiläum 1517-2017 15. Evenarí-R ingvorlesung

Montags, 18:00 Uhr Technische Universität Darmstadt Altes Hauptgebäude, Hörsaal S1|03 123 Die 15. Evenarí-Ringvorlesung richtet sich an ein allgemein interessiertes, überkonfessionelles Publikum. Ein besonderes Augenmerk gilt stets Aspekten der deutschjüdischen Geschichte. Anlässlich der 500. Wiederkehr der Veröffentlichung von Martin Luthers Thesen im kommenden Jahr steht die Evenarí-Ringvorlesung in diesem Wintersemester unter dem Thema »Die Welt jenseits von Luther« und behandelt schwerpunktmäßig weitgehend unbekannte, ungewöhnliche Akteure sowie religiöse und gesellschaftliche Minderheiten, die in der Reformationsära Ausgrenzungsdiskursen und Exklusionsmechanismen unterworfen wurden – mit Folgewirkungen bis heute. Unter den Vortragenden sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen aus dem In- und Ausland.

Die feierliche Eröffnung findet am Montag, 19. Dezember 2016, 19 Uhr, im Vortragssaal der ULB statt. Die Mitglieder des FB2 sind herzlich dazu eingeladen! Eine Anmeldung bis 11. Dezember per E-Mail an event@ulb.tu-darmstadt.de ist obligatorisch.

15. Evenarí-Ringvorlesung 12.12.2016 Eike Wolgast (Heidelberg) Theologie und Weltsicht Thomas Müntzers als Alternativentwurf zu den Wittenberger Vorstellungen 9.1.2017 Anja Lobenstein-Reichmann (Göttingen) »Der judenuater macht die jude besser dann die Luterischen«. Johannes Eck und Andreas Osiander – Antijüdische Stigmatisierungspraxis als konfessionspolitische Waffe 16.1.2017 Klaus-Michael Bogdal (Bielefeld) Gefährten des Satans. Roma in der Literatur der Frühen Neuzeit 23.1.2017 Gerrit Jasper Schenk (Darmstadt) Reformation von unten: Der Straßburger Gärtner Clemens Ziegler – Wirrkopf, Bauernkrieger, Wiedertäufer? 30.1.2017 Debra Kaplan (Tel Aviv) Jewish and Christian Neighbours during the Reformation 6.2.2017 Dorothea Weltecke (Konstanz) Unglaube, Glaubenszweifel und religiöse Minderheiten 13.02.2017 Sabine Todt (Osnabrück) Himmel, Hölle und Welt. Die Suche nach dem Heil in den frühen Jahren der Wittenberger Reformation Weitere Informationen und programm Evenari-Forum 8 http://bit.ly/29LzqZd

Drittmittel-Projekt zu historischen Vulkaneruptionen Forschungsstipendium der Max-Weber-Stiftung Von November 2016 bis Februar 2017 wird Martin Bauch mit einem Forschungsstipendium der Max-Weber-Stiftung (Bonn) den sozioökonomischen Impact von großen Vulkaneruptionen in der Vormoderne erforschen. Konkret geht es um den Ausbruch des Samalas in Indonesien 1257, der mutmaßlich zu einer mehrjährigen globalen Abkühlung in den Folgejahren führte. Ähnlich wie das Jahr ohne Sommer 1816, das dem

Ausbruch des Tambora 1815 folgte, wird der vom Samalas in hohe Atmosphärenschichten eingebrachten Partikelwolke aus Schwefel und Staub eine ursächliche Wirkung für zahlreiche, auch in Europa im Jahr 1258 belegte meteorologische Extremereignisse, Missernten und Hungersnöte zugeschrieben. Den tatsächlichen Impact des Ereignisses und die spezifischen Reaktionen darauf stehen im Fokus des Forschungsprojekts.

KONTAKT Dr. Martin Bauch Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte, Institut für Geschichte 8 http://bit.ly/2geo2VR Max-Weber-Stiftung 8 http://www.maxweberstiftung.de


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Aus dem Institut für Philosophie

Institut für Philosophie Publikationen Jahrbuch [jtphil.nomos.de] Technikphilosophie

2017

Friedrich | Gehring | Hubig | Kaminski | Nordmann

[Hrsg.]

Technisches Nichtwissen

3. Jahrgang 2017

8 http://bit.ly/2fAwvSb

Technisches Nichtwissen Jahrbuch Technikphilosophie

Alexander Friedrich, Petra Gehring, Christoph Hubig, Andreas Kaminski und Alfred Nordmann (Hrsg.) Nomos Verlag, 2016

dererseits aber so wenig wie möglich, wenn es in Alltag, Wirtschaft oder Wissenschaft darauf ankommt, Wissen an technische Systeme oder Expertenkulturen zu delegieren. Bezeichnet politisch handlungsorientiertes und wissenschaftliches Nichtwissen zunächst ein Defizit, ist technisches Nichtwissen gleichermaßen erstrebenswert und problematisch. Einige, die Technik für angewandtes Wissen halten, mögen darin eine contradictio in adjecto sehen, manche sich um eine dem technischen Nichtwissen geschuldete Technikfeindlichkeit sorgen, andere daraus die nötige Demut gegen verstiegene Allmachtsphantasien beziehen, während ihre Gegenspieler von Maschinen träumen, die über den Horizont intellektueller Nachvollziehbarkeit immer weiter hinauseilen.

Das Nichtwissen ist in aller Munde. Von Nichtwissenskulturen in der zweiten oder reflexiven Moderne ist die Rede, von Agnotologie als neuem Forschungszweig, von wicked problems und ihren clumsy solutions. Wo Nichtwissen sich durch Komplexitätssteigerung unwiderruflich im zu Wissenden einnistet, fordert es als Grenze, Schranke und Kehrseite des Wissens die sogenannte Wissensgesellschaft heraus. Vor allem Risikopotentiale und Gefahren kommen hier in den Blick, von denen wir gerade genug wissen, um Wissensansprüche zu formulieren, die sich womöglich nie einlösen lassen. Ziel und Anliegen des Jahrbuch Technikphilosophie 2017 ist eine ZusammenfühDas klassisch erkenntnistheoretische Pro- rung aktueller technikphilosophischer Deblem: „Was können wir wissen?“ steht heu- batten in einem gemeinsamen und weithin te in einem Spannungsverhältnis zu der sichtbaren Forum. Anspruch ist es, das gewissenspolitischen Frage: „Was müssen wir samte Spektrum der Auseinandersetzung wissen?“ Was wir wissen müssen, ist einer- zu repräsentieren und aktuelle Thesen, seits so viel wie nötig, wenn es um Fragen Ansätze und Forschungslinien zum Thema von Sicherheit und Gesundheit geht – an- abzubilden.

DAAD-Gastwissenschaftler am Institut für Philosophie Professor ivan Mladenov aus der Bulgarian Academy of Sciences zu besuch KONTAKT Professor Ivan Mladenov Bulgarian Academy of Sciences 8 http://bit.ly/2fXYJXx

Seit dem 1. Oktober 2016 ist Prof. Ivan Mladenov als DAAD-Gastwissenschaftler für vier Monate am Institut für Philosophie. Durch seinen literaturwissenschaftlichen Hintergrund, interessiert er sich für Semiotik, insbesondere für die Philosophie von Charles Sanders Peirce, und möchte gerne das Verhältnis von Peirce und Wittgenstein diskutieren.

Bulgarian University in Sofia. His chief topic of interest is the philosophy of Charles S. Peirce, on which he wrote a book, published by Routledge, Taylor and Francis Group, 2006, and defended a second Doctorate (D.Sc.). The book “Conceptualizing Metaphors. On Charles Peirce’s Marginalia” has been also translated in Japanese. His main publications embrace a vast spectrum of research, such as semiotics, psychology, Ivan Mladenov is a Full Professor at the Bul- literary theory and the philosophy of scigarian Academy of Sciences and at the New ence.


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Aus dem Institut für Politikwissenschaft

Institut für Politikwissenschaft Publikationen Constitutional Policy in Multilevel Government The Art of K eeping the Balance Arthur Benz Oxford University Press, 2016

In Bundesstaaten und regionalisierten Einheitsstaaten wird politische Macht zwischen Ebenen aufgeteilt. Die Machtteilung muss in Verfassungen festgelegt werden, um dauernde Konflikte über Zuständigkeiten und Machtverschiebungen zu vermeiden. Zugleich müssen Kompetenzen immer wieder an veränderte Aufgaben und gesellschaftlichen Wandel angepasst werden. Die Regeln der Machtteilung müssen also immer wieder geändert werden. Entsprechende Verfassungsänderungen sind aber schwierig, weil sie eine Umverteilung von Macht zwischen Akteuren bedeuten und diejenigen, die Macht verlieren, in der Regel einer Änderung zustimmen müssen, sie also durch ihr Veto verhindern können. Das Buch, unter Mitarbeit von Dominic Heinz, Eike-Christian Hornig, Andrea Fischer-Hotzel, Joerg Kemmerzell and Bettina Petersohn, befasst sich mit der Frage, wie unter diesen Bedingungen ein Machgleich-

gewicht aufrechterhalten werden kann. Es basiert auf einer von der DFG geförderten vergleichenden Untersuchung von Verfassungsreformen und –anpassungen in neun Föderalstaaten bzw. regionalisierten Staaten und stellt die theoretischen Grundlagen, die Ergebnisse der empirischen Forschung und praktische Schlussfolgerungen dar. Transformations in Governance is a major new academic book series from Oxford University Press. It is designed to accommodate the impressive growth of research in comparative politics, international relations, public policy, federalism, environmental and urban studies concerned with the dispersion of authority from central states up to supranational institutions, down to subnational governments, and side-ways to public-private networks. It brings together work that significantly advances our understanding of the organization, causes, and consequences of multilevel and complex governance. The series is selective, containing annually a small number of books of exceptionally high quality by leading and emerging scholars.

8 http://bit.ly/2f1SsNt

Policy Choice in Local Responses to Climate Change A Comparison of Urban Strategies

Hubert Heinelt, Wolfram Lamping (Hrsg.) Routledge, 2016 Since the 1990s ‘beliefs’, ‘ideas’ or ‘knowledge’ as well as processes of communicative interactions such as persuasion, argumentation and learning have received increasing attention in social science for the understanding of political changes. This book makes a significant contribution to this scholarly debate and will be of interest to practitioners, showing on one side

how climate change has received more and more attention in policy making at the local level and changed the urban agenda and on the other how different the responses of cities to this global challenge are – and how these differences between cities can be explained. This book was previously published as a special issue of Urban Research and Practice.

8 http://bit.ly/2gxEymQ


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Städte und Energiepolitik im europäischen Mehrebenensystem Zwischen Energiesicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerb Jörg Kemmerzell, Michèle Knodt, Anne Tews (Hrsg.) Nomos Verlag, 2016

8 http://bit.ly/2gFNw27

Die europäische Energiepolitik ist in ein komplexes Mehrebenensystem eingebettet. Auf der supranationalen Ebene formulierte Ziele und Policies müssen auf der lokalen Ebene implementiert werden, wo Energie bereitgestellt und verbraucht wird. Städte bieten zudem ein großes Innovationspotenzial und können eine Vorbildrolle bei Maßnahmen zur Minderung des Verbrauchs, zur Erhöhung der Effizienz und zur Förderung erneuerbarer Energieträger einnehmen. Der Sammelband untersucht die Rolle von Städten in der europäischen Energiepolitik

Die Europäisierung von Städten als diskursiver Prozess Urbane Konstruktionen des Mehrebenensystems und die lokale Umsetzung europäischer Politik

Marlon Barbehön Nomos Verlag, 2015

8 http://bit.ly/2f1WEx0

Phänomene der Entgrenzung, wie sie mit der europäischen Integration einhergehen, sind immer auch lokale Phänomene, da sie in konkreten sozialräumlichen Kontexten erfahren und gedeutet werden. Die Studie rekonstruiert anhand eines interpretativen Vergleichs von Frankfurt/Main und Dortmund, welche lokalspezifischen Deutungsmuster die diskursive Konstruktion der EU in beiden Städten strukturieren und wie hierdurch distinkte Möglichkeitsräume erzeugt werden, die die Umsetzung europäischer Vorgaben (analysiert am Beispiel der Feinstaubrichtlinie) kanalisieren. Es wird gezeigt, dass beide Städte über distinkte Wissensbestände verfügen, die spezifische Maßstäbe eines „angemessenen“ und „zielführenden“ Handelns im Mehrebenensystem transportieren. Die Untersuchung verweist so-

Publikationen

im Hinblick auf die Ziele Energiesicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Die Beiträge thematisieren erstens Strategien der EU zur Einbindung von Städten in die Energiepolitik. Zweitens behandeln sie die Perspektive der Städte auf die EU und deren Umgang mit den europäischen Politikinstrumenten. Drittens werden beispielhaft die Handlungsfelder Energieversorgung, Wohnen und Immobilien sowie Mobilität und Verkehr betrachtet. Mit Beiträgen von Michèle Knodt, Martin Jänicke und Rainer Quitzow, Marc Ringel, Lena Bendlin, Tilmann Rave, Peter Pluschke, Nikolas Müller, Marina Hofmann und Andreas Pfnür, Iris Behr, Stefan Groer. Das Werk ist Teil der Reihe Schriftenreihe des Arbeitskreises Europäische Integration e.V., Band 95.

mit auf die fortdauernde Bedeutung von Städten auch in Zeiten einer vermeintlich homogenisierenden Vergemeinschaftung und verdeutlicht die Potenziale einer interpretativen Erklärung lokaler Europäisierungsprozesse. Das Werk ist Teil der Reihe Staatlichkeit und Governance in Transformation, Band 7. Marlon Barbehön hat für seine Dissertation den Umweltpreis der Sigrid-und-ViktorDulger-Stiftung erhalten. Dieser Preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist, wird einmal jährlich an eine Dissertation oder Habilitation aus allen Fakultäten der RuprechtKarls-Universität Heidelberg vergeben, wo die Autorin inzwischen beschäftigt ist. Die Dissertation ist im Kontext des DFGForschungsprojekts „Problemdiskurse: Eigenlogik der Städte und politische Agenda“ entstanden. Dieses Forschungsprojekt wurde (unter Leitung von Petra Gehring, Michael Haus und Hubert Heinelt) im Rahmen des Forschungsschwerpunkts „Stadtforschung“ der TU Darmstadt durchgeführt.


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Forschungsprojekte

DFG-Projekt geht in die zweite Phase Mehrebenenverflechtung zwischen nationalen und internationalen Verwaltungen Das Projekt „Mehrebenenverflechtung zwischen nationalen und internationalen Verwaltungen – Die Wirkung von Koordination zwischen Ebenen“ unter der Leitung von Professor Arthur Benz wird im Rahmen der DFG-Forschergruppe „International Public Administration“ durchgeführt und ist nunmehr für die zweite Phase (2017 – 2020) bewilligt worden. Während in der ersten Phase unterschiedliche Muster der Koordination zwischen internationalen und nationalen Verwaltungen ermittelt und deren Entwicklung analysiert wurden, richtet sich die Forschung in der zweiten Phase auf die konkrete Praxis der internationalen Mehrebenen-Verwaltungen. Nach den bisherigen Ergebnissen der Forschung versuchen internationale Verwaltungen ihre Ziele primär durch Unterstützung und Überzeugung ihrer nationalen Partner zu erreichen. Deswegen beeinflussen neben den formalen Zuständigkeiten und den

gewählten Koordinationsmodi die Kommunikationsstrukturen, die sich zwischen den Verwaltungsakteuren entwickeln, das administrative policy making. Diese Strukturen können selektiv und asymmetrisch sein, dürften jedenfalls Macht- und Einflussstrukturen zum Ausdruck bringen. Diese sollen für ausgewählte Fälle anhand einer Netzwerkanalyse ermittelt werden, danach sollen die Wirkung unterschiedlicher Macht- und Einflussstrukturen durch eine schriftliche Befragung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den betreffenden Verwaltungen sowie durch Interviews erforscht werden. Die empirische Forschung konzentriert sich auf Internationale Verwaltungen, die im Bereich der Energiepolitik tätig sind und sich um die Entwicklung erneuerbarer Energien kümmern. Die Forschung trägt somit auch dazu bei, die komplexen Mehrebenenstrukturen zu verstehen, in denen politische Steuerung der Energietransformation erfolgt.

Veröffentlichungen r Arthur Benz, Andreas Corcaci, Jan Wolfgang Doser, Unravelling multi-level administration. Patterns and dynamics of administrative co-ordination in European governance, in: Journal of European Public Policy 23 (7), 2016, 999-1018. r Arthur Benz, Andreas Corcaci, Jan Wolfgang Doser, Multilevel Administration in National and International Contexts, in: Michael Bauer, Christoph Knill, Steffen Eckhard (Hrsg.), International Bureaucracies: Challenges and Lessons for Public Administration Research, New York: Palgrave Macmillan, 2016, 151-178. Kontakt Prof. Dr. Artur Benz h abenz@pg.tu-darmstadt.de

Föderalismus und Demokratie projekt von Arthur Benz und Jared Sonnicksen Föderalismus und Demokratie werden oft als zwei eng miteinander verbundene und sich wechselseitig ergänzende Merkmale moderner Regierungssysteme betrachtet. Dabei ist schon lange klar, dass zwischen beiden ein Spannungsverhältnis besteht. Föderale Machtteilung und Gewaltenverflechtungen können die Demokratie beschränken („demos constraining“, A. Stepan), Demokratie wiederum ist auf Wettbewerb zwischen Parteien angelegt, während in föderalen Staaten vielfach Verhandlungssystemen zwischen Bund und Gliedstaaten erforderlich sind (G. Lehmbruch). In einzelnen Bundesstaaten sind diese Spannungslagen unterschiedlich ausgeprägt, und dementsprechend variieren die Strategien der Regierungen, mit ihnen umzugehen.

Arthur Benz und Jared Sonnicksen haben in den letzten Jahren durch Publikationen und Beiträge auf internationalen Konferenzen den Grundstein für eine vergleichende Analyse des Zusammenwirkens von Föderalismus und Demokratie in verschiedenen Bundesstaaten gelegt. Dieser Vergleich soll nunmehr in Zusammenarbeit mit Föderalismusexperten aus unterschiedlichen Ländern vorangebracht werden. Dazu wurde ein Workshop der Arbeitsgruppe vorbereitet, der am 6. und 7. Juli 2017 in Darmstadt stattfinden wird. Geplant ist, das Projekt mit einer gemeinsamen Buchpublikation abzuschließen.

Veröffentlichungen r Arthur Benz, Making Democracy Work in a Federal System, in: German Politics 24 (1), 2015, 8-25.

r Arthur Benz, Jared Sonnicksen, Patterns of Federal Democracy. Tensions, Friction or Balance between Two Government Dimensions, in: European Political Science Review 2015; FirstView Article, DOI: 10.1017/S1755773915000259. Kontakt Prof. Dr. Artur Benz h abenz@pg.tu-darmstadt.de Dr. Jared Sonnicksen h sonnicksen@pg.tu-darmstadt.de


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Aus dem Institut für Politikwissenschaft

NEAR-EU Kick-off für neues Projekt Kontakt Prof. Dr. Michèle Knodt h knodt@pg.tu-darmstadt.de

The overall aim of the NEAR-EU project is to broaden the field of European integration studies by incorporating the domain of higher education in the research and activities of European Study Centers. The project will develop an inter-regional, collaborative academic space to enhance the study of European higher education policy and academic internationalization. The project intends to establish Bologna Resource Centers (BRC), for the study and research of European Higher Education (HE), within and outside Europe and to create a nexus among them. These BRCs will evolve into a network of prominent academic units in the field of European Studies to further deepen the academic discourse on European HE policy.

This globally spaced network includes the non-EU partners – Israel, Singapore, Canada and New Zealand – and the EU members – Germany, Slovenia and Greece. The project‘s methodology is divided with respect to three spheres of action: 1. Adding the HE domain to the field of the European Studies; 2. creation of an epistemic community by the organization of an international network; 3. capitalizing on the activity of leading European study centers for the generation of sustainable research in the field of European HE policy. The project is financed by the European Commission under the Erasmus+ budget line.

Aus den Medien

OB-Wahl: Politologe Egner analysiert den Verzicht der CDU auf einen eigenen Kandidaten

Vollständiger Text 8 http://bit.ly/2eNR3dc OB-Wahl: Politologe Egner analysiert den Verzicht der CDU auf einen eigenen Kandidaten / Nutzen für AfD? 18.10.2016: echo-online Deutschland / Internet

Der Kreisvorstand der CDU Darmstadt hat beschlossen, keine Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 19. März 2017 ins Rennen zu schicken. Man wolle stattdessen den grünen Amtsinhaber Jochen Partsch unterstützen, da man auch in der grün-schwarzen Koalition gut zusammenarbeite, hieß es auf der Pressekonferenz vergangene Woche. Dennoch ist es ungewöhnlich, dass eine Volkspartei in einer Großstadt keinen eigenen OB-Kandidaten aufbietet. Welche Wirkung das auf den Wähler haben könnte, darüber sprachen wir mit Dr. Björn Egner von der TU Darmstadt. Zu Bürgermeistern gibt es in der Politikwissenschaft schon einiges an Forschung, allerdings sehr wenig zu den Wahlen für dieses Amt. Deshalb kann man die Frage auch nicht sicher beantworten, ob es für eine Partei besser ist, mit gar keinem Kandidaten anzutreten oder mit einem „Zähl-

kandidaten“, von dem man weiß, dass er/ sie eigentlich keine Chance hat, gewählt zu werden. Die CDU ist hier in Darmstadt in einer Zwickmühle: Einerseits muss sie Präsenz zeigen, denn auch sie hat bei den letzten Kommunalwahlen Stimmen verloren (-6,6 Prozentpunkte). Andererseits stützt sie in der grün-schwarzen Koalition den amtierenden OB; da ist es verständlich, dass sie auch den „Koalitionsfrieden“ im Blick hat. Ein Verzicht auf eine Kandidatur könnte für die CDU aber nicht nur bei der anstehenden OB-Wahl Konsequenzen haben, sondern auch noch bei der übernächsten Wahl: Tritt Partsch dann erneut an, wird es für die CDU schwer, dann plötzlich selbst Anspruch auf den Posten zu erheben – schließlich hat man dieses Mal zugunsten von Partsch verzichtet. Es wäre dann schwierig, dem Wähler diesen Kurswechsel zu vermitteln. Der Verzicht der CDU könnte letztlich der AfD nutzen, die stramme CDU-Wähler „abfischen“ könnte.


Willkommen

Seite 13 | FB2.aktuell | Dezember 2016

Der Neue am Fachbereich Verstärkung am institut für politikwissenschaft Mit diesem Wintersemester wird der Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften durch einen neuen Professor am Institut für Politikwissenschaft verstärkt: Kai Schulze, Stiftungs-Juniorprofessor für Modelle der Wohnungs- und Energiepolitik. Diese Stiftungs-Juniorprofessur entstand in Kooperation mit dem Institut Wohnen und Umwelt (IWU) und der TU Darmstadt. Das IWU ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung der Gesellschafter Land Hessen und Stadt Darmstadt und ist sowohl im Bereich der Grundlagenforschung als auch in der anwendungsorientierten Forschung engagiert und legt großen Wert auf interdisziplinäre Arbeit. Kai Schulzes Forschungstätigkeiten liegen im Bereich der Umwelt- und Energiepolitikanalyse insbesondere unter Anwendung von Theorien der Policy Analyse, Vergleichenden Politikwissenschaft und Europäisierung und bauen das Forschungsprofil des Instituts für Politikwissenschaft weiter aus. Der Fachbereich heißt Kai Schulze herzlich willkommen und stellt ihn vor: Herzlich willkommen! Wir freuen uns sehr darüber, dass Sie dem Ruf nach Darmstadt gefolgt sind. Wie ist diese Professur entstanden und warum die Technische Universität Darmstadt?

Welche forschungsbezogenen Interaktionsmöglichkeiten gibt es zwischen Ihnen und den Professorinnen und Professoren am Institut für Politikwissenschaft? Und innerhalb des Fachbereiches?

Vielen Dank! Ich freue mich sehr auf die Arbeit an der TU Darmstadt und am IWU. Die Professur ist als Kooperation zwischen der TU und dem IWU entstanden mit dem Ziel zukünftig enger auf dem Gebiet der Wohn-, Energie- und Stadtforschung zusammenzuarbeiten. Damit sollen zum einen die Kompetenzen des Fachbereichs im Bereich Energiepolitik ausgebaut und zum anderen gemeinsame grundlagenorientierte Forschungsarbeiten unter Anwendung unterschiedlicher Methoden vorangetrieben werden.

Das Institut für Politikwissenschaft betreibt bereits seit längerer Zeit äußerst erfolgreiche Forschung zum Regieren in Mehrebenensystemen. Da sich auch meine Forschungsinteressen an den Schnittstellen nationalen, europäischen und globalen Regierens bewegen, sehe ich vielfältige Kooperationsmöglichkeiten am Institut genauso wie am IWU. Ebenso freue ich mich darauf insbesondere bei Themen wie der Energiepolitikforschung auch über den Fachbereich hinausgehende Kooperationsmöglichkeiten an der TU Darmstadt auszuloten.

Die TU Darmstadt hat in vielen Bereichen die mich politikwissenschaftlich interessieren, wie zum Beispiel in der Energieforschung oder in Fragen des Regierens in Mehrebenensystemen, einen ausgezeichneten Ruf. Ich bin mir daher sicher, dass ich an der TU Darmstadt ein hervorragendes Arbeitsumfeld vorfinden werde und mit meinen Forschungsarbeiten einen Beitrag zum Erfolg des Fachbereichs leisten kann.

Wie ergänzen sich die Professuren in der Lehre?

Welche Themen liegen Ihnen im Forschungsschwerpunkt besonders am Herzen? Mit der Energiewende und dem Klimawandel stehen die Gesellschaften im 21. Jahrhundert vor beispiellosen Herausforderungen, die Lösungen auf unterschiedlichen Ebenen unter Berücksichtigung komplexer Kausalzusammenhängen erfordern. Ich bin daher besonders an wissenschaftlich fundierten Untersuchungen zu diesen Problemstellungen interessiert, zum Beispiel warum unterschiedliche Jurisdiktionen bestimmte Umwelt- und Energiepolitiken einführen und wie sie diese umsetzen.

Ich denke dass es am Institut über die Professuren hinweg sehr viele thematische Berührungspunkte gibt, was auch den Studierenden zu Gute kommt indem sie lernen ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und unter Anwendung unterschiedlicher Methoden zu bearbeiten. Dabei bilden die Arbeitsbereiche des Instituts alle relevanten Ebenen des Regierens und viele politikwissenschaftliche Disziplinen ab und ermöglichen damit eine umfassende Ausbildung. Welche Erfahrungen aus der Zeit Ihres Studiums würden Sie unseren Studierenden mit auf den Weg geben? Ich denke dass für Sie als Studierende viele Wege zum Ziel führen können, insbesondere im BA-MA-System. Nicht immer ist dabei der Nutzen bestimmter Entscheidungen, Veranstaltungen oder auch Praktika unmittelbar erkennbar. Informieren Sie sich deshalb genau über Inhalte, nutzen Sie Ihre vielfältigen Chancen und gehen Sie auch mal scheinbar unbequeme oder ungewöhnliche Wege.

Bild: Privat professor Kai Schulze Studium der Kommunikationsund Politikwissenschaft an der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald sowie der Politik- und Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz. Auslandsaufenthalt u. a. an der Universität Jyväskylä, Finnland. Promotion an der Universität Konstanz (2013) zur Rolle nationaler Regierungen und Akteure in der internationalen Umwelt- und Arbeitspolitik. Wissenschaftliche Stationen an der Universität Mannheim und an der Universität Potsdam. Erster Ruf auf eine Juniorprofessur 2016 an die TU Darmstadt. weitere Informationen 8 http://bit.ly/2f2nDrZ Kontakt h schulze@pg.tu-darmstadt.de


Seite 14 | FB2.aktuell | Dezember 2016

Aus dem Institut für Soziologie

Institut für Soziologie Publikationen Wall Memorials and Heritage The Heritage Industry of Berlin‘s Checkpoint Charlie

8 http://bit.ly/2fYKAt8

plores the conflicts that occur when private, commercial interests in interpreting and selling history to an international audience Sybille Frank clash with traditional, institutionalized puRoutledge, 2016 blic forms of local and national heritagemaking and commemorative practices, and Analysing the transformation of Berlin’s with the victims’ perspectives. former Allied border control point, „Checkpoint Charlie,“ into a global heritage indus- Wall Memorials and Heritage illustrates try, this volume provides an introduction existing approaches to heritage research to, and a theoretically informed structu- and develops them in dialogue with Berlin’s ring of, the interdisciplinary international traditions of conveying history, and the heritage debate. This crucial case study specific configuration of the heritage indusdemonstrates that an unregulated global try at „Checkpoint Charlie“. Productively heritage industry has developed in Berlin integrating theory with empirical evidence, which capitalizes on the internationally this innovative book enriches the internativery attractive – but locally still very pain- onal literature on heritage and its economic ful – heritage of the Berlin Wall. Frank ex- and political contexts.

Heritage-Outside-In Special Issue der Zeitschrift „International Journal of Heritage Studies“, Vol. 22 (7)

Susan Ashley und Sybille Frank (Hrsg.) Routledge, 2016

8 http://bit.ly/2faM1b6

Städtisches Erbe – Urban Heritage Themenheft, Heft 1/2016 der Zeitschrift „Informationen zur Modernen Stadtgeschichte (IMS)“ Heike Oevermann, Sybille Frank und Eszter Gantner (Hrsg.) Deutsches Institut für Urbanistik, 2016

8 http://bit.ly/2go0bpj

Der Schwerpunkt des Hefts der Informationen zur modernen Stadtgeschichte, IMS, widmet sich dem Thema „Städtisches Erbe – Urban Heritage“. Das Herausgeberteam hat Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen zu diesem Thema zusammengestellt.

(Im)Mobilities of Dwelling. Places and Practices Special Issue der britischen Zeitschrift „Cultural Studies“, Vol. 30 (3) Sybille Frank und Lars Meier (Hrsg.) Routledge, 2016 8 http://bit.ly/2gDM5jU


Forschungsprojekte

Seite 15 | FB2.aktuell | Dezember 2016

Die Gründe für ein Studium in Darmstadt Ergebnisse der diesjährigen Studienbewerberbefragung am FB 2 Kontakt

Welche der folgenden Aspekte sind Ihnen persönlich bei der Wahl Ihres Studiums am wichtigsten? 46%

später ein hohes Einkommen sicherstellen

43%

nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch arbeiten

Prof. Dr. Marek Fuchs h fuchs@ifs.tu-darmstadt.de

Möglichkeiten einer flexiblen Gestaltung des Studiums

43%

Dr. Tanja Kunz h kunz@ifs.tu-darmstadt.de

ausreichend Zeit für Freunde und Familie

43%

Weitere Informationen

Perspektiven bieten, eine leitende Funktion zu übernehmen

42% 39%

genügend Freiräume, um eigene Ideen entwickeln zu können

38%

ausreichend Zeit für Freizeit/ Hobbys

36%

später einen sicheren Arbeitsplatz bieten 31%

ausreichend Raum für selbstständige Entscheidungen

30%

Möglichkeit, Nützliches für die Allgemeinheit zu tun

30%

Neues und Unbekanntes erforschen

29%

durch tägliche Herausforderungen stetig gefordert sein berufliche Laufbahn mit guten Aufstiegsmöglichkeiten bieten immer neue Aufgaben gestellt bekommen

Im Sommer dieses Jahres wurde zum wiederholten Male eine Online-Befragung der Studienbewerber durchgeführt, die sich für ein Bachelor-, Joint-Bachelor- oder Masterstudium aller am FB2 angesiedelten Institute interessierten. Die an der Professur für Empirische Sozialforschung jährlich durchgeführte Studienbewerberbefragung soll Aufschluss darüber geben, wie die Studienbewerber zu ihrer Studienentscheidung kommen, welche Erwartungen sie an das Studium haben und warum sie sich für das jeweilige Studienfach bzw. den Studiengang und den Studienstandort Darmstadt entscheiden. Insgesamt nahmen in diesem Jahr 944 Studienbewerber an der Befragung teil (Response Rate = 33,6%). Haben sich Befragte auf mehrere Studiengänge/-abschlüsse an der TU Darmstadt beworben, sollten sie ihre Antworten auf den von ihnen bevorzugten Studiengang/-abschluss beziehen. 565 Studienbewerber werden im Folgenden betrachtet, deren bevorzugter Studiengang/-abschluss am FB2 angesiedelt ist (die übrigen Studierenden haben sich zwar u. a. auch für ein Studium am FB2 beworben; ihr bevorzugter Studiengang wird aber von einem anderen Fachbereich betreut). Die überwiegende Mehrheit (73,3%) dieser Studienbewerber kommt aus dem unmittelbaren Umkreis (< 50km) von Darmstadt. Die Studienbewerber wurden u. a. zu Ihren Beweggründen, ein Studium in Darmstadt aufzunehmen, befragt. Hierfür wurden sie zum einen gebeten, die wichtigsten Aspekte anzugeben, die bei der Studienfachwahl ausschlaggebend waren. Dabei konnten mehrere Antwortalternativen aus den insgesamt 14 aufgeführten Aspekten

Insitut für Soziologie 8 http://www.ifs.tu-darmstadt.de

23% 22%

ausgewählt werden. Zur Bestimmung der Gründe für die Wahl des Studienortes Darmstadt wurden ebenfalls 14 Aspekte unterschieden, wovon die wichtigsten ausgewählt werden sollten. Die Abbildung zeigt jeweils die vier wichtigsten Aspekte, die aus Sicht der Studienbewerber am FB2 bei der Wahl des Studienfaches bzw. des Studienortes Darmstadt am wichtigsten sind. Gemäß den Angaben der Studienbewerber am FB2 ist für die Wahl des Studienfaches die Sicherstellung eines hohen Einkommens der am häufigsten genannte Aspekt (46%), dicht gefolgt von der Vorstellung nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu arbeiten, den Möglichkeiten einer flexiblen Gestaltung des Studiums sowie ausreichend Zeit für Freunde und Familie zu haben (mit jeweils 43%). Eine geringere Bedeutung kommt der Aussicht zu durch tägliche Herausforderungen stetig gefordert zu sein (29%), eine berufliche Laufbahn mit guten Aufstiegsmöglichkeiten zu haben (23%) sowie immer neue Aufgaben gestellt zu bekommen (22%). Der am häufigsten genannte Grund für die Wahl des Studienortes Darmstadt ist der Ruf einzelner Professoren (64%), gefolgt vom Renommee des Fachbereichs (49%), dessen Internetauftritt (49%) und das spezielle Studienangebot (49%). Die Bedeutung der Stadt Darmstadt scheint eine eher nachgelagerte Rolle zu spielen; Gründe wie die Lebensbedingungen in Darmstadt (13%), die Nähe zum Heimatort (8%) und das Freizeitangebot am Hochschulort (2%) werden vergleichsweise selten angegeben.


Die Gründe für ein Studium in Darmstadt

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Welches sind die wichtigsten Gründe für Ihre Wahl des Studienorts Darmstadt? 64%

Ruf eines einzelnen Professors Renommee des Fachbereichs

49%

Internetauftritt des Fachbereichs

49%

Spezielles Studienangebot

49% 37%

Freunde bzw. Bekanntschaften vor Ort 27%

Größe der Universität

26%

PartnerIn vor Ort

23%

Atmosphäre in Darmstadt 18%

Vertrautsein mit dem Hochschulort

15%

Hochschulrangliste (Ranking)

13%

Lebensbedingungen in Darmstadt

10%

Ruf der TU Darmstadt (Image)

8%

Nähe zum Heimatort Freizeitangebote am Hochschulort

2%

Somit steht bei der Wahl des Studienfaches die inhaltliche Ausgestaltung des Studiums wie auch die Work-LifeBalance im Studium im Fokus. Die Wahl des Studienortes Darmstadt wird allen voran von der Außenwahrnehmung des Fachbereichs und dessen Professorinnen und Professoren bestimmt und durch das spezifische Studienangebot beeinflusst. Interessant ist, dass sich hinsichtlich der Wahlkriterien Studienbewerber aus der Region kaum von den weiter herkommenden unterscheiden (drei der jeweils vier wichtigsten Kriterien stimmen – in unterschiedlicher Reihenfolge – überein). Auffällig ist lediglich, dass die aus der Region kommenden Studienbewerber das Renommee einzelner Professorinnen und Professoren unter den vier wichtigsten Kriterien nennen, wohingegen die von weiter herkommenden Studienbewerber als viertes Kriterium die Tatsache anführen, dass der Partner/die Partnerin vor Ort lebt.

Die Kenntnisse darüber, welchen Stellenwert Studienbewerber den unterschiedlichen Aspekten bei der Wahl des Studiums und des Studienortes Darmstadt im Einzelnen zuschreiben, bieten eine erste Grundlage für die Abschätzung des Potentials des Fachbereichs sowie Ansatzpunkte zur weiteren Stärkung einzelner Aspekte, um die Erwartungen und Beweggründen der Studienbewerber bei der Ausgestaltung des Studiums zu berücksichtigen. Die Tatsache, dass der Großteil der Studienbewerber aus dem regionalen Umfeld kommt, ist daher nur in geringem Maße dem Umstand geschuldet, dass es praktisch und einfach ist in Darmstadt zu studieren, sondern vornehmlich der hohen Qualität der Angebote des FB2 an der TUD.

Die AfD auf dem Weg zur Volkspartei? Einschätzungen von Professorin Cornelia Koppetsch Nach seinen Erfolgen in anderen europäischen Ländern ist der Rechtspopulismus nun auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Ein neuerlicher Beweis dafür ist das starke Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Die Darmstädter Soziologieprofessorin Cornelia Koppetsch beleuchtet in ihrem Debattenbeitrag Gründe für den Aufstieg – und erklärt, warum Zuwanderung und Islam dabei zu Sündenböcken werden. Vollständiger TExt Pressemeldung der TU Darmstadt vom 06.09.2016 8 http://bit.ly/2f2uhyI

Professorin Cornelia Koppetsch. Bild: Jan-Christoph Hartung


Forschungsprojekte

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Stolpersteine im Studium? Eine qualitative Befragung von Studierenden mit Migrationshintergrund Kontakt

Im Rahmen der Kooperation mit dem Studierendenwerk Darmstadt ist am Institut für Soziologie, Professur für Empirische Sozialforschung ein Forschungsprojekt angelaufen, dass das abgeschlossene Projekt „Zukunftspläne nach der Schule“ weiterführt. Ziel der Untersuchung ist die Identifikation von Stolpersteinen und gelingensförderlichen Faktoren bei Studierenden mit Migrationshintergrund, ein Studium an der Technischen Universität Darmstadt und der Hochschule Darmstadt erfolgreich zu beenden. Befragt werden sollen Studierende in der Studienabschlussphase, um retrospektiv den Verlauf des Studiums zu reflektieren und ein umfassendes Bild über Stolpersteine und Gelingensfaktoren zu erhalten. Auch wenn Studierende, bei denen Stolpersteine zum Abbruch des Studiums geführt haben, nicht mehr erreicht werden können, sollten in der vorliegenden Untersuchung neben den gut sichtbaren

Gelingensfaktoren auch die Stolpersteine in abgeschwächter Form sichtbar werden. Untersucht werden sollen Studierende aus zwei Studiengängen, die hinsichtlich Zuschnitt und Struktur Ähnlichkeiten an beiden Hochschulen aufweisen. Zu Vergleichszwecken wird auch eine kleinere Zahl von Studierenden ohne Migrationshintergrund befragt (insgesamt sollen 20 – 25 Studierende befragt werden).

Prof. Dr. Marek Fuchs h fuchs@ifs.tu-darmstadt.de Elena Lupu, M.A. h lupu@ifs.tu-darmstadt.de Weitere Informationen Insitut für Soziologie 8 http://www.ifs.tu-darmstadt.de

Das Forschungsprojekt wird im Rahmen des bundesweit ausgerichteten Programms „Studium+M“ der Mercator-Stiftung gefördert, das darauf zielt, die Zahl der Studierenden mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Dazu sollen Studierendenwerke Maßnahmen entwickeln, um die Chancen von Personen mit Migrationshintergrund auf ein Studium zu steigern und sie während ihres Studiums optimal zu unterstützen. Dieses Projekt soll zur Klärung der Grundlagen für solche Maßnahmen beitragen.

Berlin Unwalled

Rebuilding the Capitol of Reunited Germany Dr. Mirjana Ristic – Postdoctoral Researcher of the Alexander von Humboldt Foundation This project explores the architectural and urban design dimensions of the post-Wall reunification of Berlin. It does so by investigating the redevelopment of a portion of the former borderland between East and West Berlin, located in and around Berlin’s Regierungsviertel. Focusing on the transformation of historic sites, relics, and memories of the Cold War (and the Second World War), the project seeks to understand the following question: How to deal with urban heritage of the past conflict, violence and division, while in the same time fostering the city’s socio-spatial unification,

cohesion, and integration? The central aim of the project is to understand the role of architecture and urban space in mediating socio-political change. Mirjana Ristic holds a PhD in architecture and urban design from the University of Melbourne (2012). Her PhD thesis entitled “Sarajevo Warscapes: Architecture, Urban Space and the Politics of Ethnic Nationalism” was awarded John Grice Price for the Best Research Thesis in Architecture at the University of Melbourne in 2012. Kontakt Dr. Mirjana Ristic h ristic@ifs.tu-darmstadt.de

Bild: Privat


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Willkommen

Die Neue am Fachbereich Verstärkung am institut für Soziologie Mit diesem Wintersemester wird der Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften durch zwei neue Professorinnen am Institut für Soziologie verstärkt: Sybille Frank, Professorin für Stadt- und Raumsoziologie, und Tanja Paulitz, Professorin für Kultur- und Wissenssoziologie. Beide Professorinnen bauen die Forschungsschwerpunkte des Instituts für Soziologie zusammen mit den bereits bestehenden Professuren für Allgemeine Soziologie, Soziologie – Organisationssoziologie, Empirische Sozialforschung und Geschlechterverhältnisse, und Bildung und Lebensführung weiter aus. Der Fachbereich heißt Sybille Frank und Tanja Paulitz herzlich willkommen und stellt in dieser Ausgabe die neuberufene Professorin Sybille Frank vor: Herzlich willkommen! Wir freuen uns sehr darüber, dass Sie dem Ruf nach Darmstadt gefolgt sind. Warum die Technische Universität Darmstadt?

Bild: WZB professorin Sybille Frank Prof. Dr. Sybille Frank studierte Soziologie in Bielefeld, Glasgow und an der FU Berlin. 2008 promovierte sie am FB 2 der TU Darmstadt; danach arbeitete sie als PostDoc am Darmstädter LOEWE-Schwerpunkt „Eigenlogik der Städte“. Seit 2011 war Frank Vertretungsprofessorin für Raumsoziologie an der GoetheUniversität Frankfurt, Juniorprofessorin für Stadt- und Regionalsoziologie an der TU Berlin, La Sapienza Visiting Professor for Research Activities in Rom sowie City of Vienna Visiting Professor for Urban Culture and Public Space (TU Wien). Gastaufenthalte führten sie nach Berlin (WZB), Göteborg, Kapstadt und Melbourne. weitere Informationen 8 http://bit.ly/2gE3YiK Kontakt h frank@ifs.tu-darmstadt.de

Die Technische Universität Darmstadt ist bundesweit die einzige Universität, an der es eine Professur gibt, welche die Stadt- und die Raumsoziologie miteinander kombiniert. Zudem ist die Darmstädter Professur für Stadt- und Raumsoziologie an einem gesellschafts- und geschichtswissenschaftlichen Fachbereich angesiedelt. Auch dies ist im deutschen Sprachraum, wo stadtoder raumsoziologische Professuren meist Planungsfakultäten zugeordnet sind, eine Seltenheit. Diese Alleinstellungsmerkmale führen erstens dazu, dass die Darmstädter Stadt- und Raumsoziologie theoretischer und grundlagenorientierter ausgerichtet sein kann als dies an anderen (Planungs-) Fakultäten der Fall ist, zweitens können mit dem „Raum“ sozialräumliche Verflechtungen in den Blick genommen werden, die die Ebene der Stadt und der Region überschreiten, und drittens gibt es sowohl innerhalb als auch jenseits des Fachbereichs 2 etliche Professuren an der TU Darmstadt, die sich mit stadt- und raumbezogenen Fragestellungen befassen und somit breite interdisziplinäre Kooperationsmöglichkeiten eröffnen. Wegen dieser außerordentlichen Konstellation gibt es im deutschen Sprachraum keinen besseren Ort Stadt- und Raumsoziologie zu betreiben als an der TU Darmstadt. Mit dem Ruf an diese Universität ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Was ist für Sie besonders spannend an Ihrem Forschungsschwerpunkt? Ich komme ursprünglich aus dem Bereich der soziologischen Theorie. Die Soziologie

entstand im Umbruch zum 20. Jahrhundert als akademische Disziplin maßgeblich unter dem Eindruck der beispiellosen Dichte und Heterogenität enorm schnell anwachsender (europäischer) Großstädte. Bis heute gelten Städte weltweit als Laboratorien der Gesellschaft, als Keimzellen sozialen Wandels, als Zentren ökonomischer, politischer, kultureller und sozialer Innovationen, aber auch als Brenngläser sozialer Ungleichheit und politischen Widerstands gegen die Dominanz von Regierung und Ökonomie. Ein Privileg meines Forschungsschwerpunkts ist es, dass sich fast alle gesellschaftlichen Phänomene in Städten untersuchen lassen, damals wie heute. Aktuell schließt dies insbesondere das Reflexivwerden der globalen Vormachtstellung der Europäischen Stadt ein, die mit der modernen westlichen bürgerlichen Gesellschaft entstand und die in Zeiten der Globalisierung und De-Kolonialisierung als räumliche Organisationsform und gesellschaftliches Idealbild ihre weltweite Hegemonie verliert. Was dies für die Konzeptualisierung von „Stadt“ und „Raum“ bedeutet, ist eine der großen Fragen, die mich umtreiben. Welche forschungsbezogenen Vernetzungsmöglichkeiten gibt es zwischen Ihnen und den Professorinnen und Professoren am Institut für Soziologie? Am Institut für Soziologie verfolgen wir drei Lehr- und Forschungsschwerpunkte. Neben „Stadt und Raum“ sind dies „Arbeit, Technik und Organisation“ sowie „Bildung und Kultur“. Mit dem Schwerpunkt „Arbeit, Technik und Organisation“ verbindet mich zum Beispiel das Thema der Smart Cities, zu dem ich gerade gemeinsam mit einer Gruppe von Architekt/-innen und Planer/ -innen das Buch „Beware of Smart People. Redefining the Smart City Paradigm


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towards Inclusive Urbanism“ herausgebe. An den Schwerpunkt „Bildung und Kultur” kann ich mit langjährigen Forschungen zur Rolle der Kultur, aber auch zur Lebensführung in Städten anschließen. Ein Beispiel hierfür sind meine aktuellen Publikationen zu „Urban Heritage“ oder zu „(Im)Mobilities of Dwelling“. Ein weiterer Fokus, der uns am Institut vereint, sind soziale Ungleichheiten. Da die Stadt- und soziale Ungleichheitsforschung immer schon Hand in Hand gearbeitet haben, gibt es auch hier viele Anknüpfungsmöglichkeiten – man denke nur an hochaktuelle Themen wie Segregation, Gentrifizierung, Queer Spaces oder Flucht und Asyl. Und innerhalb des Fachbereiches? Innerhalb des Fachbereichs gibt es vielfältige Vernetzungsmöglichkeiten in Forschung und Lehre. In der Lehre denken wir beispielsweise gerade darüber nach, die Stadtforschung zu einem Querschnittsthema, möglicherweise sogar mit einem eigenen Studienabschluss, zu machen. In der Forschung gab es in den vergangenen Jahren äußerst ertragreiche Zusammenarbeiten mit allen am Fachbereich vertretenen Instituten. Sie haben zu spannenden interdisziplinären Forschungsprojekten und gemeinsamen, in der interdisziplinären Stadtforschungs-Community vielbeachteten Publikationen geführt. An diese Tradition würde ich in den nächsten Jahren gerne anknüpfen. Im kommenden Sommer werde ich die Leitung der Interdisziplinären Arbeitsgruppe „Stadtforschung“ an der TU Darmstadt von Dieter Schott, Institut für Geschichte, übernehmen. Auf diese verantwortungsvolle Aufgabe und die Vernetzung mit interessierten Kolleg/-innen am Fachbereich 2 freue ich mich ganz besonders. Ich habe an meinen zahlreichen beruflichen Stationen der letzten Jahre immer wieder erfahren, wieviel Gutes und Spannendes dabei herauskommt, wenn man sich über Disziplingrenzen hinweg zusammensetzt, Ideen austauscht und miteinander diskutiert. Komplexe Probleme erfordern komplexe Antworten, die heute kaum noch eine Disziplin alleine in der Lage zu geben ist. Wichtig ist mir überdies die internationale Zusammenarbeit im Bereich Stadt und Raum, die ich am Fachbereich stärken möchte, auch über Europa hinaus.

Welche Erfahrungen aus der Zeit Ihres Studiums würden Sie unseren Studierenden mit auf den Weg geben? Ich habe mein Studium dazu genutzt auch in Bereiche hinein zu schnuppern, die abseits des soziologischen Mainstreams lagen. Insgesamt war das Studium für mich eine Phase, die ich bis heute mit großer Eigenständigkeit und Freiheit verbinde. Ein solch selbstbestimmtes Studieren ist seit der Bologna-Reform sicherlich schwieriger geworden. Umso mehr empfehle ich Studierenden, dass sie die Freiräume, die ihnen das Bachelor- oder Master-Curriculum bietet, dazu nutzen ihre persönlichen Passionen zu verfolgen – gerne auch in Gestalt kühner selbst organisierter Formate. Wenn Sie nicht Soziologie studiert hätten, was hätten Sie studiert und warum? Wenn ich nicht Soziologie studiert hätte, hätte ich eine Ausbildung zur Alten- oder zur Tierpflegerin gemacht. Tiere waren schon immer meine große Leidenschaft. Als ich mein Studium an der FU Berlin antrat, hätte ich den Studienplatz um ein Haar wieder ausgeschlagen, weil ich kurz zuvor einen Praktikumsplatz in einer Robbenpflege-Station auf den Shetland-Inseln ergattert hatte. Zur Kompensation habe ich später über Tiere in städtischen Zoos geforscht  ... Mit Altenpflege wiederum habe ich mir mein Studium finanziert. Ich habe schon als Schülerin im Altenheim in der Küche zu arbeiten begonnen und mich über den Pflegebereich bis hin zur Tätigkeit in der mobilen Haus- und Familienpflege der Arbeiterwohlfahrt hochgearbeitet. Als ich wegen eines Auslandssemesters die Altenpflege aufgeben musste, habe ich Rotz und Wasser geheult. Vor drei Jahren war ich an einem Forschergruppen-Antrag zum Thema Sterbenswelten beteiligt, der aber leider abgelehnt wurde. Ich komme aber bestimmt noch einmal auf dieses Thema zurück, an dem mir persönlich sehr viel liegt. Die Fragen stellte Mônica Holtz

am Institut für Soziologie

Stadt- und Raumsoziologie Im Fokus der Stadt- und Raumsoziologie steht das komplexe Wechselverhältnis zwischen Gesellschaft und (städtischen) Räumen. Dabei wird der gebaute und geplante Raum als etwas Soziales, von Menschen Auszuhandelndes und Gemachtes betrachtet. Als soziales Faktum ermöglichen oder beschränken (städtische) Räume soziales Handeln. Arbeitsfelder Arbeitsschwerpunkte des Fachgebiets sind Zeitlichkeit und Räumlichkeit von Stadt, städtisches Erbe und Erbe-Industrie, Stadt und Tourismus, soziale und räumliche Ungleichheiten in der Stadt, Mobilität(en), Smart Cities, Zwischennutzungen, Wohnen im Wandel, postkoloniale Räume und Stadt und Fußball. weitere Informationen 8 http://bit.ly/2gkJpav


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Aus dem Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft

Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft publikationen DARIAH-DE – Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften am Beispiel der digitalen Forschungsinfrastrurktur Bibliothek Forschung und Praxis

Heike Neuroth, Stefan Schmunk, Mirjam Blümm, Andrea Rapp, Fotis Jannidis, Dirk Wintergrün, Ulrich Schwardmann, Peter Gietz (Hrsg.) De Gruyter, 2016

8 http://bit.ly/2ahUDWE

Diensten, darunter das digitale (hermeneutische) Annotieren oder die Raum-ZeitReferenzierung geisteswissenschaftlicher Daten, Big und Smart Data, Curriculumsentwicklungen in der universitären Lehre sowie mit der DARIAH-spezifischen „ArDas aktuelle, rund 150 Seiten starke chitecture of Participation“. Sonderheft der Zeitschrift „Bibliothek – Forschung und Praxis“ (07/2016) beleuch- Bibliothek Forschung und Praxis. Band 40, tet in 20 Beiträgen das breite Themenspek- Heft 2, Seiten 141–148, July 2016 trum rund um die digitale Forschungs- DOI: 10.1515/bfp-2016-0019 infrastruktur DARIAH-DE. Die Beiträge befassen sich beispielsweise mit geistes- Alle Beiträge sind Open Access zugänglich wissenschaftlichen Forschungsdaten und ihrer nachhaltigen Archivierung, mit fach- 8DARIAH-DE https://de.dariah.eu wissenschaftlichen Forschungs-Tools und

Digitalen Infrastrukturen für die Geisteswissenschaften Fach- und Institutionen-übergreifender Workshop Bericht im Blog Digital Humanities im deutschsprachigen Raum DHd 8 http://dhd-blog.org/?p=7183 Veranstaltung im Public Wiki von DARIAH-DE 8 http://bit.ly/29ZoMKd Kontakt Canan Hastik h hastik@linglit.tu-darmstadt.de Luise Borek h borek@linglit.tu-darmstadt.de

Die Weiterentwicklung und Optimierung digitaler Infrastrukturen und generischer Werkzeuge ist zentral für die avancierte geisteswissenschaftliche Forschung. In der aktuellen Förderphase hat das DARIAHNetzwerk die Aufgabe, Forschungsinfrastrukturdienste in einen laufenden Betrieb zu überführen. Mit Verbreitung und Etablierung wachsen gleichzeitig die Anforderungen der Benutzerinnen und Benutzer. Insbesondere bedarf es der Integration von Werkzeugen für kollaborative und semantische Datenmodellierung zur Unterstützung interdisziplinärer Forschungsarbeit.

Im Rahmen des Workshops „Geisteswissenschaftliche Forschungsinfrastrukturen und CIDOC CRM Annotation“ trafen sich am 25. und 26.07.2016 am Institut für Sprachund Literaturwissenschaft 25 Expertinnen und Experten und erörterten, inwieweit die entsprechende Wissenschaftliche Kommunikationsinfrastruktur WissKI, die u. a. im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg im Einsatz ist, als Werkzeug an DARIAH angebunden werden kann und soll. Die Anbindung konnte inzwischen konkretisiert und die Umsetzung angegangen werden. Aufgrund der großen Nachfrage nach Teilnahme am Workshop sind Anschlussveranstaltungen bereits in der Planung.


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Forschungsprojekte

Episteme in Bewegung beteiligung am Sonderforschungsbereich Der Sonderforschungsbereich 980 „Episteme in Bewegung“ an der Freien Universität Berlin untersucht Prozesse des Wissenswandels in europäischen und nicht-europäischen Kulturen vom 3. Jahrtausend vor Christus bis ungefähr 1750 nach Christus. Seit Juli 2016 ist das Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie über das Informationsinfrastrukturprojekt „Bücher auf Reisen“ und das Gastprojekt „Handschriften in Bewegung“ an dem Sonderforschungsbereich beteiligt. Wissensbewegungen werden dabei als Austauschprozesse verstanden, bei denen verschiedene Akteure, Medien, Praktiken, Diskurse und Institutionen miteinander interagieren. Um diese multidirektionalen und multidimensionalen Prozesse erfassen und beschreiben zu können, werden digitale Werkzeuge entwickelt, die komplementär zu qualitativen exemplarischen Einzelanalysen auf größere Mengen an Texten und Bildern angewendet werden können. In diesem Rahmen entwickelt das Informationsinfrastrukturprojekt „Bücher auf Reisen“ Software und passt vorhandene an, durch die räumliche Bewegungen von Handschriften, Drucken oder anderen Textund Bildträgern auch für größere Objektzahlen und über längere Zeiträume hinweg systematisch erschlossen werden können. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise die Geschichte einer Bibliothek und ihres Bestandes verfolgen und auch geographisch erfassen. Der technische Schwerpunkt liegt dabei auf einem Datenrepositorium, das nicht nur die digitalen Bilder dauerhaft speichert, sondern es den Forschern auch gestattet, „dynamische“, veränderliche Metadaten zu ihren Gegenständen zu hinterlegen. Im Gastprojekt „Handschriften in Bewegung“ werden digitale Verfahren zur Analyse von Veränderungen innerhalb von Handschriften im Sinne „innerer Reisen“

entwickelt. Mit Algorithmen der Bildverarbeitung können Merkmale des Layouts auf digitalisierten Buchseiten und Handschriften erkannt werden, die auch als strategische Momente zur Übermittlung von Wissen verstanden werden können. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können die erkannten Bereiche genauer klassifizieren und dabei auch inhaltliche Aspekte annotieren. Sie können beispielsweise aufzeichnen, welche Zitate aus welcher Quelle in Marginalien zu welchen Textstellen hinzugefügt werden und so Wanderungen des Wissens nachvollziehen. Auf der Grundlage der reproduzierbaren Messdaten werden auch durch statistische Auswertungen Erkenntnisse über Veränderungen in Einzelhandschriften oder Entwicklungen eines gesamten Buchbestandes gewonnen. Die Ergebnisse können insbesondere genutzt werden, um De- und Rekontextualisierungen von Wissensbeständen in Büchern aufzuzeigen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können die erkannten Bereiche genauer klassifizieren und dabei auch inhaltliche Aspekte annotieren.

Sonderforschungsbereich „Episteme in Bewegung“ 8 http://www.sfb-episteme.de Bücher auf Reisen. Informationstechnologische ErschlieSSung von Wissensbewegungen in vormodernen Kulturen 8 http://bit.ly/2gkY05N Gastprojekt Handschriften in Bewegung. Werkzeuge zur Dokumentation, Auswertung und Visualisierung texttopographischer Dynamiken 8 http://bit.ly/2gl451W Kontakt Prof. Dr. Andrea Rapp h rapp@linglit.tu-darmstadt.de Dr. Philipp Hegel h hegel@linglit.tu-darmstadt.de

Mit dem Werkzeug SemToNotes können automatisch erkannte Bildbereiche annotiert werden.


Willkommen

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Institut für Theologie und Sozialethik Das Institut ist wieder komplett Nachdem PD Dr. Gesche Linde zum Sommersemester 2016 einen Ruf an die Universität Rostock auf eine Professur für Systematische Theologie angenommen hatte, wurde die Akademische Ratsstelle für Ev. Theologie am Institut für Theologie und Sozialethik nun mit Dr. theol. Gerhard Schreiber wiederbesetzt. Seit diesem Semester ist das Institut damit wieder vollständig besetzt. Gerhard Schreiber wird an unserem Fachbereich seine Forschungsschwerpunkte ausbauen und zusammen mit apl. Prof. Dr. Hermann-Josef Große Kracht, dem katholischen Theologen am Institut, das Forschungsprofil des Instituts weiter schärfen. Gemeinsame Interessen, vor allem in den Bereichen Sozialethik und Religionsphilosophie, gibt es genug. Der Fachbereich heißt Gerhard Schreiber herzlich willkommen und stellt ihn in einem Gespräch mit Hermann-Josef Große Kracht vor: Herzlich willkommen! Wir freuen uns sehr darüber, dass Sie diese Akademische Ratsstelle angetreten haben. Warum die Technische Universität Darmstadt?

Bild: Privat AkadR Dr. theol. Gerhard Schreiber Studium der Ev. Theologie in München, Heidelberg und Neuendettelsau; Graduiertenstipendium der Konrad-AdenauerStiftung e.V.; Søren Kierkegaard Forskningscenteret der Universität Kopenhagen (2005 – 2010); Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Systematische Theologie und Religionsphilosophie, Goethe-Universität Frankfurt (2009 – 2016); 2012 Promotion, Goethe-Universität Frankfurt; Lehraufträge für Philosophie und Theologie an den Universitäten in Bochum, Darmstadt, Düsseldorf und Reykjavík; ERASMUSGastprofessur, Institut für Philosophie der Universität von Island (März – April 2015). weitere Informationen 8 http://bit.ly/2fYisso

Gerhard Schreiber: Das Institut für Theologie und Sozialethik bietet optimale Arbeits- und Forschungsbedingungen. Nachdem ich schon mehrmals Lehraufträge am Institut anbieten und im Sommersemester 2016 die Akademische Ratsstelle vertreten durfte, habe ich die Atmosphäre in den Seminarveranstaltungen und die Arbeit mit den Darmstädter Studierenden und Kolleg/ innen sehr zu schätzen gelernt; und ich bin froh, nun dauerhaft an der TU zu sein. Was ist für Sie besonders spannend in Ihren Forschungsschwerpunkten – und welche Perspektiven sehen Sie für Ihre Arbeit am iths – und innerhalb des Fachbereichs? Schreiber: Gegenwärtig bewegen mich u. a. Fragestellungen aus dem Bereich der Ethik der Lebensformen, insbesondere sexuelle und geschlechtliche Vielfalt aus theologischer und neuro- bzw. biowissenschaftlicher Sicht. Da sehe ich verschiedene Anknüpfungsmöglichkeiten an Forschungsvorhaben des Fachbereichs, wobei ich vor allem die religiösen, theologischen und kirchlichen Sichtweisen für den Diskurs fruchtbar machen möchte. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit aktuellen Fragestellungen der Sozialethik wie Todesstrafe, Suizid und Sterbehilfe sowie allgemein der sozialen und politischen Dimension des Religiösen.

Hermann-Josef Große Kracht: Prima, da werden wir uns sicher gut ergänzen können. Wo liegen die spezifischen Chancen in der Lehre, wenn man als Theologe an einer Technischen Universität unterwegs ist? Große Kracht: Bei uns werden schwerpunktmäßig angehende Berufsschullehrer/ innen ausgebildet. Es gibt aber auch breite und gut eingespielte Kooperationen mit anderen Instituten und Studiengängen, sodass sich bei uns ganz unterschiedliche wissenschaftlich-weltanschauliche Milieus und Mentalitäten treffen. Bereichernd sind vor allem die Begegnungen mit vielen muslimischen Studierenden aus dem Fachbereich 3, die bei uns ein Modul ‚Christentum und Sozialethik‘ studieren können. Hier kommt es immer wieder zu spannenden Gesprächen und zu neuen Lernerfahrungen, in denen festgefahrene Vorstellungen über das, was Ethik und Religion eigentlich ausmacht – bei einem selbst und bei anderen – in Bewegung geraten. Für mich heißt das auch: an der TU Darmstadt hat man zum Glück keine Chance, immer nur im eigenen theologischen Saft zu schmoren. Schreiber: Ich kann meinem Kollegen da nur beipflichten. Die Studierenden bringen sehr unterschiedliche Erfahrungen und Interessen mit, was die Diskussionen in den Seminarsitzungen ungemein bereichert, da sich die Frage nach der Relevanz ethischer und religiöser Traditionen für die heutige Zeit stets aufs Neue stellt.


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Aus dem Institut für Institut für Theologie und Sozialethik

Neu erschienen Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften Ergebnisse, Kontroversen, Perspektiven Gerhard Schreiber (Hrsg.) De Gruyter, 2016

Der Band enthält die Beiträge eines bislang einmaligen Dialoges zwischen Neuro- und Biowissenschaften auf der einen, Theologie und Kirche auf der anderen Seite. Während sich in den letzten 20 Jahren durch neurobiologische Forschung ein Paradigmenwechsel vollzogen hat, der mit der Entpsychiatrisierung und Entpsychopathologisierung von Transsexualität verbunden

ist, so bleibt eine systematische Reflexion von Transsexualität im Kontext von Theologie und Kirche nach wie vor ein Desiderat. Hier setzen die Beiträge des Sammelbandes an: Bereits vorliegende Forschungsergebnisse aus Sicht der beteiligten Disziplinen werden dokumentiert, kontroverse Standpunkte miteinander ins Gespräch gebracht und Perspektiven für einen ethisch, politisch und rechtlich angemessenen Umgang mit Transsexualität als einer paradigmatischen Herausforderung zur gesellschaftlichen Akzeptanz geschlechtlicher Vielfalt eröffnet.

8 http://bit.ly/2gb0BvX

Wer vermutet schon Theologie an einer TU? In Darmstadt gibt es sie; und zwar schon im vierten Jahrzehnt. In den 1970er Jahren nahm das neu gegründete Institut für Theologie und Sozialethik (iths) seinen Lehr- und Forschungsbetrieb an der TU Darmstadt auf, um junge Leute für den Beruf der Religionslehrerin bzw. des Religionslehrers an gewerblichtechnischen Berufsschulen zu qualifizieren. Seitdem kann man am iths in Darmstadt die beiden Studiengänge „Evangelische und Katholische Religion für das Lehramt an beruflichen Schulen“ absolvieren. Von Anfang an gehörte es zum Selbstverständnis des Darmstädter Instituts, nicht allein bei der Theologie zu verweilen. Vielmehr wollte man sich bewußt in den Kontext der Politik-, Sozial- und Technikwissenschaften stellen und in interdisziplinärer Perspektive nach den Chancen und Herausforderungen christlicher Theologie und Sozialehtik „in der technisch-industriellen Welt von heute“ fragen. Deshalb ge-

hören Probleme der sich rasant verändernden Arbeits- und Berufswelt und der spannungsvollen Begegnung von Technik und Ethik seit langem zum spezifischen Lehr- und Forschungsprofil des Instituts. Hinzu kommen die drängenden Fragen nach der Zukunft der Arbeitsgesellschaft und des Sozialstaates, nach nationaler und internationaler Solidarität und Gerechtigkeit, die nicht nur in theologisch-sozialethischer, sondern auch in religionssoziologischer, gesellschaftstheoretischer und politikphilosophischer Perspektive bearbeitet werden. Heute bietet das iths die neuen modularisierten Studiengänge „Master of Education“ für das Lehramt an beruflichen Schulen für die Fächer „Evangelische und Katholische Religionslehre“ an, die z. Zt. durch zusätzliche Module für Studierende der Pädagogik und der Politikwissenschaft ergänzt werden. Interdisziplinarität bleibt Programm!

r Fortsetzung des Interviews apl. Prof. Dr. HermannJosef GroSSe Kracht

Wenn Sie nicht Theologe geworden wären, was dann?

Studium in Frankfurt, Münster und Brasilien: Kath. Theologie, Soziologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften. Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl Syst. Theologie der Universität Kassel, Studienrat an der Euregio-Gesamtschule Rheine, Assistent am Institut für Christliche Sozialwissenschaften der Uni Münster, seit 2008 am iths.

Schreiber: Schwer zu sagen. Da ich als Kind meinen Eltern immer Löcher in den Bauch gefragt und ziemliches Interesse an physikalischen und astronomischen Phänomenen entwickelt habe, hätte ich mich womöglich in diese Richtung orientiert. Große Kracht: Keine Ahnung, vielleicht Hubschrauberpilot, das wollte ich jedenfalls mit 10 Jahren unbedingt werden; später hatte ich dann aber keinen guten Physikunterricht in der Schule, wohl aber spannende Philosophie- und Religionslehrer. Die Fragen stellte Mônica Holtz

weitere Informationen 8 http://bit.ly/2gb1o09 Bild: Privat


Nächste Ausgabe: April 2017


FB2.aktuell #3/2016