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Essay von Muamer Becirovic

Eine kleine Geschichte des Geldes D

ie Geschichte erklärt durch die Vergangenheit die Gegenwart und schärft den Blick für die Zukunft. Das trifft auf Staaten, wie auch Unternehmen und die Volkswirtschaft selbst zu. Seit Anbeginn der Menschheit tauschte man Steine, Muscheln oder andere Dinge gegen Waren ein. Das Tauschmittel musste widerstandsfähig, transportierbar und von der Gemeinschaft als anerkanntes Tauschmittel akzeptiert sein. Der Besitzer kann dabei ein Medium gegen eine Ware eintauschen, insofern der Wert der Ware den Tausch in seinen Augen rechtfertigt. Das Problem, das bei Muscheln oder anderen Tauschmitteln auftrat, ist ihre individuelle Ausprägung, die die Bemessung des Tauschwertes erschwert. Das Geld hingegen gehört wohl zu den präzisesten, simpelsten und quantifizierbarsten Tauschmedien, die man sich vorstellen kann. Auf dem Geldpapier steht die Zahl eines Wertes, dass sich vom anderen Geldpapier nur in der abgedruckten Zahl unterscheidet, die sich ab einer bestimmten Anzahl gegen eine Ware austauschen lässt. Geld machte buchstäblich jeden Gegenstand quantifizierbar.

Geld ist auf der Welt allgegenwärtig. Unternehmen, sogar Staaten, stehen, wachsen und fallen mit ihrer Finanzsituation. Doch wie sieht die Reise des Geldes durch die Menschheitsgeschichte aus und wie gelang es zu solcher Relevanz? Ein Ausflug durch die Geschichte des Finanzwesens.

600 vor Christus – Die ersten Münzen Im antiken Griechenland, dem Reich der Lydia, prägte man die ersten Münzen und unterwarf die Bevölkerung der Währung. Denn im Vergleich zu Muscheln und Steinen war die Herstellung von Münzen wesentlich komplizierter und die Produktion einigen Wenigen vorbehalten.

16. Jahrhundert – Erste globale Währung 1502 hat sich ein spanischer Oberst Namens Francisco Pizzaro in die weiten Ozeane gemacht, um sein Vermögen zu vergrößern. Als er in das Reich der Inkas ankam, traute er seinen Augen nicht, wie viel Gold und Silber, nach dem Europa dürstete, zu finden war. Als daraufhin der Inder Diego Gualpa 1524 in das spanisch kolonialisierte Peru einen Berg voller Silber entdeckte, veränderte das gemäß dem Historiker Niall Ferguson den Verlauf der Wirtschaftswelt. Wieso? In Europa war der Bedarf nach Silber groß - Immerhin galt bis ins 19. Jahrhundert der Silberstandard. Diese Nachfrage konnten die Spanier mit ihrer Kolonie bedienen. 170 Tonnen Silber transportierte Spanien jedes Jahr nach Europa, machte die dortige Krone reich und stimulierte zukunftsweisend den Geldmarkt Europas. Die Spanier setzten damit wohl unbeabsichtigt die erste globale Währung durch. Doch wie das mit Angebot und Nachfrage so ist, je mehr es von dem Silber gab, desto weniger wurden es im Laufe der Zeit wert. Nachdem Spanien seine Eroberungsfeldzüge mit großen Mengen von Silber finanzierte, sank der Wert von Jahr zu Jahr. Und so schwand auch der spanische Einfluss. Die Weiterentwicklung des Geldes wurde damit nicht gestoppt. In Italien hob man man sie auf eine neue Stufe. Renaissance in Italien – Aufstieg der Banken In der italienischen Republik Florenz machte sich die Bankiersfamilie Medici im 15. und 16. Jahrhundert auf den Weg, eines der einflussreichsten Bankhäuser Europas zu werden. Sie besetzten höchste Ämter, wurden Päpste und einflussreiche Staatsmänner. Wie sie das schafften? Sie handelten mit Fremdwährungen, der Skalierung und Streuung von wechselnden Verbindlichkeiten und Risiken. Die Geldwelt bis ins 17. Jahrhundert be-

Foto: Julius Hirtzberger

10–11. Jahrhundert – Das erste Papiergeld 500 Jahre bevor die Europäer mit Papiergeld handelten, haben die Chinesen das bereits getan. Erst im 19. Jahrhundert sollte sich das Papiergeld global durchsetzen. Den ersten Schritt zur ersten globalen Währung überhaupt sollte ein Spanier machen.

Muamer Becirovic, geboren 1996 in München, studiert Politikwissenschaften in Wien. Er ist freier Redakteur und Herausgeber des Onlinemagazins Kopfumkrone. kopfumkrone.at

FAZIT AUGUST 2019 /// 39

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